In den letzten Jahren hat sich in Fachkreisen und mittlerweile auch in der Öffentlichkeit vermehrt der Begriff der Regenwasserbewirtschaftung eingebürgert.

Was darunter konkret zu verstehen ist, darüber ist den Autoren im Zuge des Literaturstudiums noch keine Definition aufgefallen. Im Folgenden nun eine Definitionsvariante:

Regenwasser bewirtschaften, bedeutet anfallendes Niederschlagswasser nach Möglichkeit nicht zu sammeln, in erster Linie an Ort und Stelle zu versickern, ggf. zu speichern, gedrosselt abzuleiten oder auch zu nutzen und auf dem kürzestem Wege nach wasserwirtschaftlichen Grundsätzen – wenn notwendig auch gereinigt – dem Wasserkreislauf so zuzuführen, dass Folgeschäden vermieden werden.

Kommentar:

Was ist damit gemeint? Die Ableitung auf „kürzestem Wege“ bedeutet, dass das Regenwasser an einem geeigneten, möglichst der Anfallstelle naheliegendem Ort versickert oder in den nächsten geeigneten Vorfluter eingeleitet werden soll.

Hinter der Formulierung „wasserwirtschaftliche Grundsätze“ verbergen sich neben den ganzen geschriebenen und nicht niedergeschriebenen Regelungen der Wasserwirtschaft auch rein wirtschaftliche Aspekte: Die Regenwasserbewirtschaftung soll schließlich bezahlbar bleiben und sie ist so zu gestalten, dass sie kostengünstiger als ein reines Misch- oder Trennsystem ausfällt.

Wasserwirtschaftlich entscheiden bedeutet, dass die finanziellen Mittel dort konzentriert werden, wo sie den größten positiven Effekt für die Natur haben.

Die Formulierung „wenn notwendig auch gereinigt“ stellt darauf ab, dass entsprechend verschmutzte Regenwässer vor der Gewässereinleitung (Grundwasser zählt auch zu den Gewässern ) zu reinigen sind.

Folgeschäden können durch unsachgemäße Sammlung, Versickerung, Ableitung, insbesondere auch unsachgemäße oberirdische Ableitung entstehen.

Wird dieser Definition gefolgt, so ist zwangsläufig ebenfalls abzuleiten, dass die weitverbreitete Mischwasserkanalisation nicht zu den Verfahren der Regenwasserbewirtschaftung zu zählen ist, weil bei diesem Verfahren das meist sehr gering verschmutzte Niederschlagswasser mit hoch verschmutzten Abwasser vermischt wird.

Anmerkung: Der Begriff Regenwasserbewirtschaftung ist eigentlich nicht ganz korrekt, denn für die Entwässerung der versiegelten Flächen in Siedlungsgebieten sind auch die Schmelzwässer von Schnee und Hagel (in Einzelfällen) von Bedeutung. Folglich müsste eher von einer Niederschlagswasserbewirtschaftung oder besser von einer Niederschlagswasserwirtschaft gesprochen werden, da ja auch die Bewirtschaftung des Niederschlagswassers eher eine untergeordnete Rolle spielt, sondern der Einsatz wirtschaftlicher Methoden und Verfahren im Vordergrund steht.

Werdau, den 20.08.2000

Uwe Halbach
Dipl.-Ing. (FH); Dipl.-Ök.

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