Der nachfolgende Artikel wurde mit freundlicher Empfehlung vom EUWID Wasser und Abwasser bereitgestellt

Membranfiltrationsanlagen an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit

Erftverband kalkuliert mit Betriebskosten von 0,29 €/m³ Schmutzwasser

Nach Einschätzung des Erftverbandes stehen großtechnische Membranbelebungsanlagen mittlerweile an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit. Heute sei die Wirtschaftlichkeit noch nicht ganz gegeben. Wenn die Preisentwicklung so fortschreite, wie es sich in den letzten drei Jahren abgezeichnet hat, werde die Wirtschaftlichkeit jedoch spätestens Mitte dieses Jahrzehnts erreicht, berichtete Norbert Engelhardt, Erftverband, Ende März auf der Essener Tagung für Wasser- und Abfallwirtschaft.

Engelhardt betonte dabei, dass sich der Vergleich zwischen Membrananlagen und konventionellen Kläranlagen nur bei hohen Anforderungen an die Ablaufqualität des gereinigten Abwassers rechne. Bei dieser Ausgangsbasis sprächen die Investitionskosten schon heute für Membrananlagen. Noch würden diese Vorteile aber durch die Membranersatzkosten und die im Vergleich höheren Betriebskosten überkompensiert, so Engelhardt.

Er verwies dabei auf das sich im Bau befindliche Gruppenklärwerk Nordkanal des Erftverbandes. Das auf 80.000 Einwohnerwerte ausgelegte Klärwerk muss aufgrund der geringen Eigenwasserführung und anderer Randbedingungen strenge Ablaufwerte einhalten. Bei der durchgeführten Ausschreibung wurden dem Erftverband Angebote für verschiedene Verfahren eingereicht. Die angebotenen Herstellungskosten für die Kläranlage als Membranbelebungsanlage beliefen sich auf 21,2 Mio €. Für eine konventionelle Kläranlage mit anaerober Schlammbehandlung hätte der Verband 23,6 Mio € investieren müssen, für eine konventionelle Anlage mit simultaner aerober Schlammstabilisation 21,8 Mio €.

Die spezifischen Betriebskosten der Membrananlage belaufen sich ohne den Membranersatz laut Erftverband auf knapp 1,7 Mio € jährlich; 0,29 €/m€ Schmutzwasser beziehungsweise 0,24 €/m³ Abwasser. Deutlich niedriger sind hier die spezifischen Betriebskosten der konventionellen Kläranlagen. Für eine Anlage mit Flockungsfiltration und anaerober Schlammbehandlung lauten die Vergleichswerte 0,24 €/m³ (Schmutzwasser) und 0,20 €/m³ Abwasser; für eine Anlage mit simultaner aerober Schlammstabilisation 0,27 €/m³ und 0,23 €/m³.

Im Rahmen des Vergabeverfahrens erhielt der Erftverband schließlich drei wertbare Angebote für eine Membranbelebungsanlage, die Investitionskosten bewegten sich zwischen 20,3 Mio € und 22,1 Mio €. Die spezifischen Investitionskosten je Einwohner betrugen damit zwischen 255 und 277 €. Bei der konventionellen Lösung fallen 278 bis 297 € je Einwohner an. Die Betriebskosten wurden bei den drei Membrananlagen mit 20,5 bis 21,5 € je Einwohnerwert kalkuliert, bei der konventionellen Anlage mit anaerober Schlammbehandlung auf 17,4 € je Einwohnerwert, bei der konventionellen Belebungsanlage mit aerober Schlammstabilisierung auf 19,9 €/m³.

Aus diesen Werten errechnete der Erftverband für die konventionellen Lösungen Abwasserkosten von 0,46 €/m³. Diesen Wert würde die Membrananlage bei einer angenommenen Nutzungsdauer der Membrane von fünf Jahren nur erreichen, wenn die Membranersatzkosten maximal 5,1 €/m² betragen. Bei einer Nutzungsdauer von acht Jahren wäre Membranersatzkosten von 9,7 €/m² tragbar. Beide Werte sind derzeit unrealistisch.Aufgrund der vom Land Nordrhein-Westfalen gewährten Investitionsförderung von 6,4 Mio € war für den Erftverband die Wirtschaftlichkeit jedoch auch unter Berücksichtigung realistischer Membranersatzkosten die Wirtschaftlichkeit machbar. Bei der fünfjährigen Nutzungsdauer dürften die Membranersatzkosten bei maximal 33,2 €/m² liegen, bei der achtjährigen Nutzungsdauer bei maximal 61,9 €/m². Die Erstinvestitionskosten für das Klärwerk Nordkanal beliefen sich auf 63,9 €/m².

Kontakt: Erftverband, Norbert Engelhardt, Paffendorfer Weg 42, 50126 Bergheim.

Erschienen in der Zeitschrift EUWID – Wasser-Abwasser 07
Europäischer Wirtschaftsdienst GmbH
Bleichstr. 20-22
D-76593 Gernsbach
Tel.: 0 72 24/93 97-0
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