Der nachfolgende Artikel wurde mit freundlicher Empfehlung vom EUWID Wasser und Abwasser bereitgestellt

Zeitbedarf für die Verlegung relativ unabhängig vom Rohrmaterial

Wesentliches Einsparpotenzial ist die Verringerung der Stehzeiten

Das verwendete Material hat nur geringe Auswirkungen auf die Verlegezeit. Weitaus bedeutender ist die Länge der Rohre. Mit zunehmender Länge der Rohre nimmt die Verlegezeit deutlich ab. Zu diesem Ergebnis kam das Institut für Wasserwesen der Universität der Bundeswehr bei einer empirischen Untersuchung der „Einbauzeiten von Abwasserleitungen mit unterschiedlichen Rohrmaterialien“. Gemeinsam mit Rohrherstellern, Ingenieurbüros und Gemeinden haben die Wissenschaftler 16 Kanalisationsprojekte ausgewertet. Die Ergebnisse stellte Nikolaus Narr Anfang Februar auf de „IRO-Rohrforum“ in Oldenburg vor.

Bei Randbedingungen von einer Einbautiefe von zwei bis vier Metern und einer Rohrlänge von mindestens zwei Metern schwanken die Einbauzeiten je nach Material zwischen 2,5 Minuten pro Rohrmeter (GGG) und 3,9 min/m (Steinzeug). Lediglich glattes PVC beansprucht mit 8,9 min pro laufenden Meter deutlich mehr Zeit. Als Ursache hierfür geben die Wissenschaftler aber eine sehr sorgfältige Arbeitsweise aufgrund der Lage der Baustellen an einer Straße und an einem Bahndamm an.

Die angegebenen Zeiten beinhalten die Bettungsschicht, das eigentliche Rohrsystem (Rohrverbindung und Rohr), die Seiten- und Zwickelverfüllung sowie die Abdeckung. Die ermittelten Werte liegen deutlich unter den Arbeitszeitrichtwerten der Arbeitszeitrichtwertetabelle (ART) der DIN. So gibt die ART für Steinzeug DN 250 für das eigentliche Verlegen des Rohres einen Richtwert von 30,6 min/lfd. Meter vor. Die Bundeswehruniversität ermittelte hier lediglich 5,0 min/lfd. Meter. Für PVC gibt die ART Werte von 15,6 min/lfd. Meter (glatt) und 14,4 min/lfd. Meter (gerippt) an. Die Vergleichswerte der Forscher lauten hier 8,9 min/lfd. m und 3,8 min/lfd. Meter. Für GGG liegen die Werte bei 20,4 min/lfd. m (ART) und 2,7 min/lfd. m (Bundeswehruniversität).

Insgesamt beansprucht das eigentliche Verlegen der Rohre nur einen relativ geringen Anteil der Arbeitszeit auf der Baustelle. Die Wissenschaftler ermittelten für das Heben des Rohres in den Graben und für die Herstellung der Verbindung einen Arbeitszeitanteil von sechs Prozent an der täglichen Arbeitszeit. Die Bettung, Seitenraumverdichtung und Abdeckung schlägt mit 13 Prozent zu Buche. Der Hauptteil der Zeit entfällt auf Erdarbeiten wie den Rohrgrabenaushub mit 38 Prozent und auf die Hauptverfüllung und Verdichtung (22 Prozent). Die restlichen Arbeitszeiten gehen an Pausen (14 Prozent) und Standzeiten (sieben Prozent) verloren. Die Wissenschaftler sehen daher auch in der Optimierung des Arbeitsablaufes zur Verringerung der Stehzeiten ein wesentliches Einsparpotenzial bei den Bauunternehmen. Die Schwankungen der Rohrverlegezeit wirken sich hingegen nur geringfügig auf die Arbeitsleistung eines Tages aus.

Kontakt:

Universität der Bundeswehr,
Institut für Wasserwesen,
Werner-Heisenberg-Weg 39,
85577 Neubiberg.

Erschienen in der Zeitschrift euwid – Wasser-Abwasser 04 vom 19.02.2002

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