„Mit Wirkung zum 01.03.2010 ist das neue Wasserhaushaltsgesetz des Bundes in Kraft getreten.

Gleichzeitig hat der Freistaat Bayern das neue Bayerische Wassergesetz angepasst und ebenfalls zum 1. März in Kraft treten lassen.

In verschiedenen Veröffentlichungen wird bereits das Ende der Mischentwässerung als Konsequenz aus dem neuen Gesetz (§ 55 Abs. 2 WHG) herausgelesen, was bei einer Vielzahl von Netzbetreibern „panikartige“ Reaktionen hervorgerufen hat.

Mehrere Nachfragen in unserem Büro, ob nunmehr tatsächlich das in den letzten 60 Jahren errichtete Mischsystem komplett außer Betrieb genommen werden muss, zeigen, wie brisant dieses Thema ist.

Denn ein Umbau, sofern technisch überhaupt realisierbar, würde unüberschaubare Investitionsaufwendungen nach sich ziehen.

Bei genauer Durchsicht des Gesetzes, wird jedoch unter dem einschlägigen Paragraphen ausgeführt, dass das Niederschlagswasser ortsnah versickert, verrieselt oder direkt über eine Kanalisation ohne Vermischung mit Schmutzwasser in ein Gewässer eingeleitet werden soll.

Es liegt also eine Soll-Vorschrift und keine Muss-Vorschrift vor.

Es ist daher unzulässig, von einem rechtskräftigen Ende des Prinzips der Mischkanalisation oder gar von einem Vermischungsverbot zu reden. Wer in dieser Form mit dem neuen Gesetz umgeht, hat dieses entweder nicht genau gelesen oder verfolgt irgendwelche unlauteren Geschäftsinteressen.

Unabhängig davon geht die zukünftige Entwicklung gerade bei Neuerschließungen in die Richtung einer dezentralen Regenwasserbewirtschaftung.

Eine Vielzahl von Projekten konnte in dieser Form in der Vergangenheit erfolgreich realisiert werden.

Bei bestehenden Mischsystemen wird wo möglich eine Flächenabkopplung angestrebt, um so neue Netzreserven für Extremereignisse (Stichwort Klimafaktor) zu erhalten.

Diesen Möglichkeiten und Erkenntnissen trägt natürlich das neue Gesetz Rechnung.

Dies darf aber nicht mit einem Verbot einer Mischentwässerung gleichgesetzt werden.“

Quelle:

INGENIEURBÜRO HOSSFELD & FISCHER

BERATENDE INGENIEURE
Bauherreninfo Nr. 37 vom 6.3.2010

Internet: www.HundF.de


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