Kommentar vom 19.04.2010 zum Aufsatz von U. Halbach:

„Bewertung der Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen“

von Herrn Dipl.-Ing. Stepkes (Wasserverband Eifel-Rur):

Letztes Jahr hat die DWA einen Leitfaden zur Grundstücksentwässerung herausgegeben. Dort wurde ein Vorschlag unterbreitet, wie mit der Sanierung von festgestellten Schäden umgegangen werden kann (stammt im Wesentlichen von Robert Thoma).

Dort wird je nach Lage der Leitung in Wasserschutzgebieten sowie zum Grundwasser und in Abhängigkeit zur Schadenseinstufung/-bewertung nach DWA M 149-3 eine sofortige bis zu 20 jährige Frist gegeben.

Auch wenn es über diesen Vorschlag innerhalb der Arbeitsgruppe zum Leitfaden (der ich angehöre) keine einheitliche Meinung gab, wurde mehrheitlich die Aufnahme dieses Vorschlages beschlossen, da es sich letzlich um einen Leitfaden und nicht um ein Merkblatt oder gar Arbeitsblatt handelte.

Sicherlich gibt es Kommunen, die bei der Forderung der Dichtheit von Abwasseranlagen „übers Ziel hinaus“ schießen. Dennoch sollte gelten (wie WHG etc. vorgeben), dass Abwasseranlagen, zu denen auch die GEA gehören, grundsätzlich dicht sein sollen.

Nun ist es aber immer die Frage, wie dicht ist dicht (immerhin wird ja ein Wasserverlust zugelassen) und was war der Stand der Technik bzw. die allgemein anerkannte Regel der Technik beim Bau der Anlage war (auch wenn es für abwassertechnische Anlagen keinen Bestandsschutz gibt).

Als Nordrhein-Westfale, wo ja schon seit Mitte der 90er Jahre versucht wird per Gesetz die Dichtheit der GEA einzufordern, meine Sicht:

Hier gab es schon in der Landesbauordnung genaue Vorgaben und Fristen, die niemanden interessierten.

Nun sind die Wasserbehörden zuständig, die Kommunen haben eine Beratungspflicht und siehe da, so allmählich kommt das Ganze ans rollen.

Damit ist aber die Frage nach dem Sinn noch nicht beantwortet, die Ihnen so unter den Nägeln brennt:

Eine Gefährdung des Grundwassers mit biologisch abbaubaren Inhaltsstoffen ist fast auszuschließen (hierzu gibt es eine Dissertation von Achim Decker (Auswirkungen von Fremdwasser auf Abwasseranlagen und Gewässer, 1998, leider vergriffen, erschienen als GWA Band 168 durch die Gesellschaft zur Förderung der Siedlungswasserwirtschaft an der RWTH Aachen e.V.; eine weitere Dissertation für ggf. Fremdwasserinteressierte von Jörg Hennerkes (12/2006) mit dem Titel „Reduzierung von Fremdwasser bei der Abwasserentsorgung“ ist hier von den Seiten der RWTH herunterladbar.

Bei der von Ihnen besuchten bzw. zitierten Veranstaltung wurde der Fokus auf ein (relativ neu erkanntes) Problem gerichtet, nämlich im Abwasser enthaltene Spurenstoffe, deren Ursprung im Wesentlichen auf die Verwendung von Medikamenten zurückzuführen ist (es gibt eine interessante Untersuchung von Prof. Kroiss aus Wien, wo in einer Stadt mit geeignetem geologischem Untergrund Carbamazepin erfolgreich als Tracer für die Auffindung von undichten Kanälen genutzt wurde, s. z.B.:   Carbamazepin und Koffein – potenzielle Screeningparameter für Verunreinigungen des Grundwassers durch kommunales Abwasser?

Ich glaube, dass die Verunreinigung des Grundwassers oder des Untergrundes mit Stoffen, deren Wirkung wir kaum kennen und abschätzen können, verhindert werden muss (- da ist als weiteres Argument auch die demographische Entwicklung zu berücksichtigen, die in Deutschland zu immer mehr alten Menschen führt, die mehr und „gefährlichere“ Medikamente konsumieren als junge. Dies führte hier in NRW zu gezielten Untersuchungen, in Krankenhäusern das Abwasser schon an der „Quelle“ zu fassen und zu behandeln, damit die Medikamentenrückstände erst gar nicht in die kommunale Kläranlage gelangen, die diese Stoffe (mit der derzeitigen „konventionellen“ Technik ohnehin nicht herausholen kann. Nun geht der Trend aber weg von längeren stationären Aufenthalten in Kliniken, das heißt also, es kann zunehmend weniger an der „Quelle“ Krankenhaus erfasst werden. Hiewr noch der Hinweis, dass die Schweiz anscheinend flächendeckend eine weitestgehende Abwasserreinigung (wg. der Spurenstoffe) fordern/umsetzen wird).

Meiner Meinung nach sind die auf den Grundstücken anzutreffenden Schäden (abgesehen von nicht dauerhaft haltbaren Dichtungen) in der Regel auf Einbaufehler zurückzuführen. Diesem kann (und hätte man) in den meisten Fällen durch eine konsequente Bauabnahme (Dichtheitsprobe mit Wasser, wie schon um 1900 z.B. in Göttingen mit Polizeiverordnung gefordert und auch durchgeführt) sicherstellen können.

Durch die Vereinfachung bei den Baubehörden wurde aber seit den 80ern auf eine Bauvorlage bzw., Genehmigung bzw. Überprüfung der GEA zunehmend verzichtet, das Wissen, wie man so was macht etc. ging mit den aus dem Dienst ausscheidenden Mitarbeitern verloren usw. usw..

[Das führt dazu, dass die Stadt Frankfurt/Main nun eine solche Abteilung wieder aufbaut (so beim Lindauer Seminar im März 2010 Dr. Krier, Abteilungsleiter bei der SEF)]

Fordern sollte man folgendes:

  • Konsequente Überwachung/Prüfung neu errichteter Anlagen
  • Untersuchung bestehender Anlagen im Zuge der Eigenkontrolle der öffentlichen Kanäle (vor allem dort, wo hoch belastete Abwässer fließen bzw. der Eintritt von Grundwasser in den Kanal ein Problem für die Kanalisation (Hydraulik) bzw. Kläranlage (Reinigungsleistung) darstellt (wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wohnen Sie im Osten Deutschlands, wo nach der Wende unsinnig große Kläranlagen gebaut wurden, auch zu große neue Kanäle (?) – da ist Fremdwasser evtl. sogar erwünscht?)
  • Bei festgestellten Mängeln angemessene Fristen zur Schadensbeseitigung

Evtl. können Sie sich ja auch mit der Argumentation von Herrn Externbrink (Abwasserbetriebe Lünen ) anfreunden: er will von seinen Grundstückseigentümern nicht mehr fordern als das, was auch im öffentlichen Bereich umgesetzt wird/werden kann.

Konsequente Überwachung bei Neu- und Umbau, angemessene Fristen, Haupt-Augenmerk soll auf ganzheitliche Betrachtung der Entwässerung eines Gebäudes liegen (was Rückstausicherung (da gab es wohl leidvolle Erfahrungen) und Werterhalt betrifft.

Was spricht gegen eine Wartung der Abwasseranlagen? Das Dach und die Außenwände werden auch gewartet und in Schuss gehalten, nur der Teil unter der Erde nicht …

Dipl.-Ing. Hermann Stepkes
Wasserverband Eifel-Rur
Eisenbahnstraße 5
52353 Düren

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