Wer die Vergangenheit kennt, begreift die Gegenwart…

und verliert manche illusionäre Ansprüche an die Zukunft.

Die Geschichte wiederholt sich und das gilt auch für die der Wasserwirtschaft.

Selbstverständliches wird irgendwann nicht mehr gelehrt, sondern vorausgesetzt.

Und so kommt es, dass grundlegende Zusammenhänge nach vielleicht 50 Jahren vergessen werden.

Man macht dies oder das, weiß aber nicht mehr warum und irgendwann wundern sich die Experten warum es aus den Kanälen stinkt.

Dabei ist die Lösung in diesem Fall selbstverständlich

  1. Abwasser ist frisch zu behandeln.
  2. Die Be- und Entlüftung der Kanalisation ist bei der Planung genauso zu beachten und zu bewerten, wie die Schmutzwassermengen oder der Baugrund.

Das beides sind uralte Erfahrungssätze, schwer erarbeitet, irgendwann noch in den Lehrplänen der Universitäten enthalten und dann als unspektakulär – weil selbstverständlich – in Vergessenheit geraten.

Manches, was heute als neue Erkenntnis und neue Technik verkündet wird, stand 1920…1930 in den Lehrbüchern.

So wird heute neu entdeckt, dass man Abwasser frisch behandeln soll.  Sicher mag es seinen Reiz haben, nur eine Kläranlage im Landkreis betreiben zu müssen. Wird aber der beschleunigte Werteverfall der Kanalisationen und werden die bislang negierten Aufwendungen für die Minimierung der Geruchsbelästigungen und Korrosionen berücksichtigt, dann dürfte man dazu neigen mehr dezentrale Kläranlagen zu errichten.

Aus diesem, Grund ist es reizvoll und mitunter zielführend in alten Fachbüchern nachzuschlagen, wie und warum die eine oder andere Technologie oder Technik entstand.

Auch die deutsche Wasserwirtschaft – ursprünglich eine Disziplin, die hochkarätige Namen hervorbrachte, wie

  • Emscherbrunnen,
  • Dortmundbrunnnen,
  • OMS-Klärwerk,
  • Schreiberkläranlage,
  • Imhofftrichter,
  • Geiger Rundsandfang,
  • Passavant-Belüfter

hat längst ihre Unschuld verloren.

Die Technologie verkommt zunehmend zum Technokommerz.

Nicht das was technisch logisch ist, bestimmt heute das Verfahren, sondern die Lösung mit dem größten Umsatz.

Und über den Anspruch der Wasserwirtschaft kann man nur noch müde lächeln.

Wo bleibt die Effektivität des Wirtschaftens  mit dem Wasser?

Die Konzentration der Reinigung auf den Punkt der Effektivitätskurve mit der größten Wirkung und den geringsten Kosten?

Kein Wasserwirtschaftler, der ernst genommen werden will, wird z. B. behaupten, dass die flächendeckende Umrüstung der Kleinkläranlagen einen hinreichenden Effekt für die Umwelt bewirkt oder tatsächlich notwendig ist.

Solange die Landwirtschaft gut ein Drittel ihrer Gülle in Form von Futtermitteln importiert, um Fleisch zu exportieren (Reichholf, Der Tanz um das goldene Kalb, Der Ökokolonialismus Europas, 1. Auflage Februar 2006, Verlag Klaus Wagenbach) ist die Effektivität aller biologischen  Kleinkläranlagen eher witzig.

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