Vorteile durch die industrielle Abwasserbehandlung auf kommunalen Kläranlagen

Die gemeinsame Behandlung von industriellem und kommunalem Abwasser hat sich seit Bestehen der Abwasserbehandlung bewährt. Sie ist heute die Regel, von seltenen Ausnahmen mal abgesehen. Diese Regel begründet sich hauptsächlich auf 2 Ursachen:

  • Die Mitbehandlung industriellen Abwassers erfordert größere Anlagen und größere Anlagen weisen spezifisch geringere Investkosten auf. Das Betreiben von größeren Anlagen führt ebenso zu geringen spezifischen Betriebskosten.
  • Industrielle Abwässer weisen selten ein ideales Nährstoffverhältnis für eine biologische Reinigung auf. Dieser Mangel kann beim Vermischen mit kommunalem Abwasser oder minimiert beseitigt werden.

Insofern sind die Ergebnisse von Kostenvergleichsrechnungen, die monetäre Vorteile ausweisen, keine Überraschung.

Weiterhin ist bei industriellem Abwasser mit folgenden Besonderheiten zu rechnen, die eine geordnete Abwasserbehandlung erheblich erschweren können und die aber als Nutzen für die Mitbehandlung industriellem Abwassers auf kommunalen Kläranlagen zu werten sind:

  • Das Abwasser fällt nicht unbedingt täglich an. Betriebspausen über Feiertage verkomplizieren die Behandlung. Es gibt Fälle, die den Gutachtern bekannt sind, in denen industrielle Kläranlagen bei Betriebspausen oder bei Kohlenstoffmangel mit Zucker „gefüttert“ werden müssen, damit die Kläranlagen zum Produktionsbeginn nach Produktionspausen wieder leistungsfähig sind.
  • Starke Konzentrations- und Mengenschwankungen erfordern zumeist Misch- und Ausgleichsbehälter. In diesen Behältern trennen sich – auch bedingt durch die Verweilzeit – ggf. absetzbare und aufschwimmbare Stoffe[1]. Also sind Rührwerke und sonst eventuell nicht notwendige zusätzliche Abwasservorbehandlungsanlagen vorzusehen. Das Speichern der Abwassermengen kann zu Fäulnis und Geruchsbelästigungen führen, die ihrerseits wieder die Abwasserbehandlung durch Blähschlammbildung verkomplizieren, erschweren und zu erheblichen Leistungsdefiziten führen können.
  • Bekannt ist das Auftreten von hartnäckigen Behandlungsproblemen bei leicht abbaubaren industriellen Abwässern. Durch Vermischung mit kommunalem Abwasser sind diese eben schon erwähnten Blähschlammprobleme zumeist besser in den Griff zu bekommen, wenn auch nicht immer auszuschließen.
  • Bekannt sind auch positive Auswirkungen von Industrieabwasser auf die Bemessung der kommunalen Abwasserbehandlung.
  • Auch aus Sicht der wasserbehördlichen Überwachung birgt die gemeinsame Behandlung einige Vorteile:

o              nur eine Einleitstelle

o              besserer Anlagenbetrieb – bessere Kontrolle und Wartung[4]

o              höhere Abbauleistung[5]

  • Die Erfahrung lehrt, dass die eigentliche Schwierigkeit und ein wesentlicher Kostenschwerpunkt der Abwasserbehandlung weniger bei der Behandlung des Abwassers liegt. Vielmehr ist das Behandeln und Beseitigen des Rückstandes aus der Abwasserbehandlung, also die Schlammbehandlung, problematisch. Auch hier gilt der ggf. leicht zu beweisende Erfahrungssatz, dass die Mitbehandlung industriellen Schlammes auf der kommunalen Schlammbehandlung zu niedrigeren Schlammbehandlungskosten führt.

Einen Überblick wesentlicher und möglicher Vorteile der Behandlung des industriellen Abwassers gemeinsam mit kommunalem Abwasser auf einer Kläranlage erlaubt die vorherige Abbildung.

Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger  für Abwasserbeseitigung


[1] sofern diese vorhanden sind

 

[4] Weil das Betreiben einer Abwasserbehandlung i. d. R. nicht zum Kerngeschäft eines Industrieunternehmens zählt.

[5] In der Regel bekommen Industriekläranlagen als Direkteinleiter in Gewässer deutlich höhere Grenzwerte, so dass bei dieser Alternative weniger Abwasserfracht zu entfernen ist. In der Folge wird dann eine größere Abwasserlast in das Gewässer eingeleitet. Dieser Vorteil für eine Industriekläranlage vermag jedoch nicht die höheren Kosten und die anderen Nachteile zu kompensieren.

image_print
Print Friendly