Unbepflanzte Bodenfilter – Auswertung einer Literaturquelle von 1934

Brix notiert:

„Unter Bodenfiltration versteht man in der Abwassertechnik eine auf verhältnismäßig kleinen Flächen betriebene Stauberieselung., die so stark mit vorgereinigtem Abwasser beschickt wird, daß auf die landwirtschaftliche Nutzung der Stauflächen verzichtet werden muß. Im übrigen ist der Vorgang der gleiche wie bei der Stauberieselung. Das Abwasser wird auf die mit Dämmen umgebene Fläche gestaut, sickert durch die Bodenschichten und fließt durch Drainagen ab. Wenn der Boden aus durchlässigem Sand und Kies besteht, können die natürlichen Verhältnisse beibehalten werden. Man beschränkt sich dann darauf, die auf dem Sand und Kies lagernden weniger durchlässigen Schichten Mutter- und Humusboden abzugraben und zu den Dämmen zu verwenden.

Ist die Wasserdurchlässigkeit der natürlichen Bodenlagen nicht ausreichend, so ist es nötig, die Filtermasse durch Sand, Kies oder Koks bzw. Kohle künstlich herzustellen. Die gröberen Filterstoffe kommen zu unterst, die Feinkörnigkeit muß nach oben zunehmen.

Es hat sich in der Praxis herausgestellt, daß bei vorschriftsmäßiger Anlage der Bodenfilter und richtiger Anpassung der Abwassermenge die Reinigung befriedigend erfolgen kann. Das abfließende Wasser ist klar, farblos und geruchfrei.

Die Belastung mit Abwasser hängt von den jeweiligen Verhältnissen, insbesondere von der Beschaffenheit und Stärke der Filterschicht ab. Sie schwankt zwischen 1000 und 5000 Einwohner je Hektar, das sind im Jahr 36500-180000 m³. Die Beschickung erfolgt in Ruhepausen, die abhängig von Betrieb, Bodenbeschaffenheit usw. im Einzelfalle praktisch zu ermitteln sind.

Legt man bei der Berechnung eine Stadt von 10000 Einwohnern mit einem täglichen Abfluß von 1000 m³ zugrunde, nimmt man weiter an, daß die Stauflächen mit 2500 Einwohnern = 250 m³ je Hektar täglich zu belasten sind, daß 8 Abteilungen von je 0,50 ha zur Verfügung stehen, von denen je 2 alle 4 Tage mit 1000 m³ zu beschicken sind, daß endlich die Tiefe der Drainage 1,50 m beträgt, so ergibt sich folgendes:

1. Größe der Staufläche 1000/250   = 4 ha.

2. Erforderliche Sekundenleistung der Drainage je Hektar = 1000 / (60 * 60 * 24 * 4) =  0,003 m³ = 3 Liter.

Quelle:
Brix, J. u.a.
Die Stadtentwässerung in Deutschland
Jena, Gustav Fischer 1934

Kommentar:

Die heutigen Filterbeete unterscheiden sich in ihrem Aufbau von den ursprünglichen Bodenfiltern von vielleicht 1920 dadurch, dass das Aufbringen des Abwassers früher über Gräben oder über ein oberflächlich verlegtes Rohrsystem auf das Filterbeet verteilt wurde, während dies heute über ein unterirdisch verlegtes Rohrverteilungssystem (Versickerungsrohre) vorzunehmen ist.

Rational, prinzipiell und in der Regel wären Filterbeete auch für größere Kläranlagen bei geeigneten Böden eine umweltschonende Alternative.

Umweltschonend auch deshalb, weil dieses bewährte biologisch aerob arbeitende Abwasserreinigungsverfahren ohne Energie und Chemikalien auskommt.

U. Halbach am 21. April 2011

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