Nach dem Lesen der Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg (01.07.1742 bis 24.02.1799), herausgegeben Insel-Taschenbuch 165 (1. Auflage 1976) kann man über das heutige Deutschland sehr nachdenklich werden.

Es entsteht der Eindruck, Lichtenberg wäre ein Zeitgenosse, so aktuell ist er. Ein Zitat, vielleicht über 200 Jahre alt:

Dieses ist eine Theorie, die meines Erachtens in der Psychologie eben das vorstellt, was eine sehr bekannte in der Physik ist, die das Nordlicht durch den Glanz der Heringe erklärt.

Aktuell befasse ich mich gerade im Rahmen zweier Gerichtsgutachten wieder mit der induktiven Beweismethode. Und da drängte sich mir folgende Überlegung auf:

  • Prognosen, wie z. B. die Beschreibung des Klimawandels (oder auch Planungen) beruhen auf induktiven Schlüssen.
  • Regelmäßig aber unterschlagen die meisten Propheten bei Ihren Verkündigungen, dass induktive Schlüsse nur in Verbindung mit der Wahrscheinlichkeit der Voraussetzungen korrekt sind. Und zudem gilt, dass trotz korrekter induktiver Argumentation falsche Schlüsse möglich sind. (Die Geschichte und die Welt der „Erkenntnis“ ist voll von Trugschlüssen.)
  • Je mehr Faktoren für ein Ereignis mit einer Wahrscheinlichkeit behaftet sind und für dessen Eintreten notwendig sind, umso unwahrscheinlicher wird die Prognose bzw. die Genauigkeit der Beschreibung. Wenn z.B. für ein Ereignis nur 4 Voraussetzungen notwendig sind und die selber mit einer z. B. schon sehr hohen Wahrscheinlichkeit von 70 % eintreten könnten, dann beträgt die Gesamtwahrscheinlichkeit nach dem Gesetz der Multiplikation der Wahrscheinlichkeiten für das gewünschte Ereignis nur 24 % (0,7 * 0,7 * 0,7 * 0,7 * 100 = 24 %).

Zur Erhöhung der Wahrscheinlichkeit von Prophezeiungen hatte Prof. Reicholf einen klugen Rat:

Wer behauptet, daß etwas so kommen wird, und es kommt nicht so, der sollte die Kosten zu tragen haben.

Mich erstaunt vor diesem doch recht einfachen Hintergrund (Grundlagenwissen der Logik) und insbesondere der bekannten Unsicherheit induktiver Schlüsse schon der Mut mancher Wissenschaftler zu derartigen Prophezeiungen.

Auch beim Gewässerschutz und bei der Abwassertechnik wimmelt es nur so von Prophezeiungen, wählen wir z. B. die Nitratprophezeiungen, wobei einige Behauptungen falsch sind:

Dreifacher Wert: Viel zu viel Nitrat in der Werse

Ahlener Zeitung -Ahlen – Die Werse ist stark nitratbelastet. Ab Ahlen übersteige der Wert sogar das Dreifache der Vorgaben, meldet der VSR-Gewässerschutz (Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse eV) und beruft sich auf seine jüngste März-Messung. …

VSR meldet hohen Nitratgehalt in der Werse

Borkener Zeitung – ‎Vor 13 Stunden‎
Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) solle das Wersewasser, um einen guten Zustand zu erreichen höchstens elf Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat aufweisen. Dieser Wert werde aber im gesamten Werseverlauf überschritten – ab

Streit um Nitrat im Main

Main Post – ‎13.06.2011‎
Im Main ist viel Nitrat. Zu viel, sagen Umweltschützer vom „Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR-Gewässerschutz eV)“ nach umfangreichen Messungen. Sie sehen „dringenden Handlungsbedarf“. Der Main unterschreitet die Nitratvorgaben

Streit um Nitrat im Main

Frankfurter Rundschau – ‎03.06.2011‎
Trübes Wasser, wuchernde Algen, sterbende Fische: Zeichen dafür, dass ein Fluss zu stark mit Nitraten belastet ist. Wie sieht es im Main aus? Der Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR) unternahm mit einem eigenen Laborschiff

Grundwasser häufig mit Nitrat belastet

Main-Spitze – ‎26.05.2011‎
Während Nitrate für Zierpflanzen und Rasenflächen unbedenklich sind, ja sogar als Dünger wirken können, ist bei Gemüsepflanzungen Vorsicht geboten. Dort können sich die oft durch landwirtschaftliche Nutzung ins Grundwasser eingeschwemmten Nitrate
(Offensichtlich, dass diese Meldungen gesteuert werden.)

Weitere Zitate von Lichtenberg.

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