Der Post-hoc-Fehlschluss ist ein recht häufiger induktiver Fehlschluss.

(Post-hoc, d. h. „auf Grund dieses Ereignisses“)

Post-hoc-Fehlschluss:

B wurde durch A verursacht, nur weil B auf A zeitlich folgte.

Hier einige ausgewählte Beispiele von Post-hoc-Fehlschüssen aus dem Buch von Wesly C. Salmon:

(f) Onkel Harry fühlte, daß eine Erkältung im Anzug war, und trank deshalb einige Schnäpse.
Das machte ihn schnell wieder gesund.
In diesem Fall hält man das Trinken der Schnäpse für die Ursache der Genesung, obwohl das einzige, was wir beobachten konnten, war, daß die Erkältung abklang, nachdem er getrunken hatte. Die Tatsache, daß Erkältungen im allgemeinen unabhängig von einer Behandlung nur wenige Tage andauern – tatsächlich werden die meisten beginnenden Erkältungen niemals akut -, macht es leicht, allen möglichen Dingen heilsame Kräfte zuzuschreiben, die in Wirklichkeit wertlos sind. Der Fehlschluß wird natürlich psychologisch verstärkt, wenn seine Konklusion erfreulich ist.
Der Post-hoc-Fehlschluß wird häufig mit dem Fehlschluß der unzureichenden Statistik verbunden, wie zum Beispiel in (f). Das ist aber nicht notwendigerweise so.“

„(g) Es wird berichtet, daß die alten Chinesen der Überzeugung waren, daß eine partielle Mondfinsternis darauf zurückzuführen ist, daß ein Drache gerade dabei ist, den Mond zu verschlingen. Sie brannten Feuerwerkskörper ab, um den Drachen zu verscheuchen, der den Mond dann zurückließ. Ihre Versuche waren immer erfolgreich, denn der Mond nahm immer wieder zu. Sie zogen den Schluß, daß ein Kausalzusammenhang zwischen dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern und dem Zunehmen des Mondes besteht.
Dieses Beispiel enthält sehr viele Daten, es handelt sich also nicht um einen Fall der unzureichenden Statistik; nichtsdestoweniger ist es ein Beispiel eines Post-hoc-Fehlschlusses.
Der Post-hoc-Fehlschluß besteht in der Annahme eines Kausalzusammenhangs aufgrund von inadäquaten Beobachtungsdaten; das führt dazu, daß man ein zufälliges Zusammentreffen irrtümlich für einen Kausalzusammenhang hält. Das Problem, zwischen einem Kausalzusammenhang und einem bloß zufälligen Zusammentreffen zu unterscheiden, ist nicht ganz einfach. Es besitzt zudem eine große praktische Bedeutung.“

Das grundlegende Verfahren, das man anwendet, um herauszufinden, ob man es mit einem Kausalzusammenhang und keinem bloß zufälligen Zusammentreffen zu tun hat, besteht in einem Experiment unter kontrollierten Bedingungen. Um festzustellen, ob die Psychotherapie irgendeine Heilwirkung besitzt, muß man die Anzahl der Menschen, die während der Behandlung (oder kurz danach) eine Verbesserung erfahren, mit der Anzahl der Fälle vergleichen, in denen ein spontaner Rückgang der Krankheitserscheinungen vorliegt. Wenn dieses Verhältnis gleich ist, dann läßt das darauf schließen, daß der Therapie keine kausale Wirksamkeit zukommt.“

„Die alten Chinesen hätten ein Experiment durchführen können, indem sie einmal oder mehrere Male bei einem abnehmenden Mond auf das Abbrennen von Feuerwerkskörpern verzichtet hätten, um zu sehen, ob tatsächlich ihr Lärmen das Zunehmen des Mondes verursachte. Natürlich, sie hätten es möglicherweise abgelehnt, sozusagen das Risiko, den Mond zu verlieren, einzugehen. Dies veranschaulicht eines der praktischen Probleme, die mit einem Experiment unter kontrollierten Bedingungen verbunden sind. Wer will schon zu der Gruppe mit dem höheren Anteil an Karies gehören?“

Zitate aus: Wesly C. Salmon, Logik, Reclam 1982, S. 204 ff.
(Ein Büchlein, dass seinen Preis wert ist, wenn man sich für Logik interessiert. Amazon.de)

 

 

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