Was ist ein Wiesel-Wort?

„So wie das kleine Raubtier, das auch wir Wiesel nennen, angeblich aus einem Ei allen Inhalt heraussaugen kann, ohne daß man dies nachher der leeren Schale anmerkt, so sind die Wiesel-Wörter jene, die, wenn man sie einem Wort hinzufügt, dieses Wort jedes Inhalts und jeder Bedeutung berauben.“

Friedrich August von Hayek

Wiesel-Wörter im Umweltschutz sind wertende Präfixe, wie z. B.

  • gut, guter Gewässerzustand (Nur ein Beispiel: Der vermeintlich „gute“ Gewässerzustand führt zu Fischsterben – wegen Verhungern. Was also ist gut an dem extrem teuren Zustand?)
  • öko, Öko-Landbau (Ökologie ist keine wertende Wissenschaft)
  • bio, z. B. Bio-Butter (Biologie ist keine wertende Wissenschaft)

Beispielhafte Begründung:

  • Gewässer sind Biotope.
  • Biotope sind Kategorien der Ökologie.
  • Wenn die Ökologie keine wertende Wissenschaft ist, dann gibt es auch keine guten oder schlechten Gewässerzustände.
  • Die Zustandsbewertungen (öko, bio, klima) sind also subjektiv und willkürlich gewählt. Sie dienen dem Zweck, die Menschen zu bestimmtem Handeln zu zwingen, wobei die Wirkungen häufig am Ziel vorbeischießen und auch höchst kontraproduktiv sein können. Vergleichbar mit einem Rasenmäher, der alles gleich lang absäbelt, wobei der Rasenmähermann seinen  Mäher auch gern über Blumenrabatten lenkt.

Das Erkennen von „Wiesel-Wörtern“ ist neben der Pflege der deutschen Sprachlogik Voraussetzung für das Wahrhaftige und das Konkrete.

Oder nehmen wir Wiesel-Substantive in ihrer Zusammensetzung mit dem Wörtchen „-schutz“

  • -schutz, z. B. Gewässerschutz, Klimaschutz, Umweltschutz

Zugegeben: Es fällt nicht leicht „Wiesel-Wörter“ zu entdecken. Deshalb nicht, weil wir

  1. uns einerseits an sie schon gewöhnt haben,
  2. weil wir uns selten die Zeit nehmen und nachdenken: „Stimmt das eigentlich, was verkündet wird?“,
  3. weil sie wieselflink im Satz neben anderen Wörtern vorbeihuschen – bevor wir sie wahrgenommen haben, sind sie schon wieder weg.

Analysieren wir also das Wort „Gewässerschutz“.

Was soll geschützt werden? Vor wem soll es geschützt werden?

Das Wort ist abstrakt. Unser Handeln dagegen – es soll zielgerichtet sein. Und deshalb muss (sollte) Handeln konkret sein.

Nur mit konkreten Zielen lässt sich eine konkrete Geldverschwendung erkennen bzw. vermeiden.

Haben wir unendliche Ressourcen um uns abstrakte Ziele, wie z. B. den „guten Gewässerzustand“ überhaupt leisten zu können?

Ein Anspruch, der echte Ökologen auf die Palme bringt…

Die Zustandsbeschreibung „guter Gewässerzustand“ ist so kompliziert zu fassen, dass man wenigstens Wasserbiologie studiert haben sollte, um zu ahnen, was der Gesetzgeber meint zu wollen und um zu verstehen, dass solche Anforderungen widersinnig sind.

Kein Wunder, dass es Verwaltungsrechtlern schwer fällt, mit abstrakten Prämissen in einer konkreten Situation auch konkrete Urteile zu fällen (wenn es überhaupt mit logischen Methoden sicher möglich ist).

Wir wissen nicht mehr was wir tun und haben – weil wir im Geld schwimmen – verlernt, uns auf Schwerpunkte zu konzentrieren.

Das soll keineswegs bedeuten, dass alles, was unter der Überschrift „Gewässerschutz“ passiert, widersinnig und unnötig ist.

Aber dogmatisches, abstraktes Schützen führt z. B. zu Fischarmut.

Kritik und Wiederwort lenkt unser Denken auf versteckte oder getarnte Reserven und die liegen überwiegend in unseren Vorschriften zumeist von vorgestern, die wirklich effiziente Innovationen verbieten.

Ein weiteres Beispiel: Es ist verboten, die Selbstreinigung und die biologischen Prozesse im Gewässer für wasserwirtschaftliche Maßnahmen auszunutzen.

Verboten ist, was in der Medizin erlaubt ist:  Reduzieren der Dosis durch Verdünnung oder ganzheitliches Denken.

Ein Schiffer, der auf der Elbe stromabwärts fährt, drosselt seinen Diesel. Fährt er stromaufwärts, gibt er Gas.

Und wenn es im Büro stinkt, dann darf ohne Aktivkohleluftfilter gelüftet werden.

Kläranlagenbetreiber dürfen nicht so vernünftig handeln.

Sie müssen Energie verschwenden, denn sie sind dazu gesetzlich gezwungen.

Ob es nötig ist, fragt der Gesetzgeber nicht.

Müssen z. B. kommunale Kläranlagen im Winter,

  • wo es temperaturbedingt im Gewässer kaum eine Sauerstoffzehrung gibt,
  • wo die Sauerstoffsättigungskonzentration höher als im Sommer ist,
  • wo die Sauerstoffeintragsgeschwindigkeit größer als im Sommer ist und
  • wo die Energie besonders knapp ist,
  • wo zunehmend mehr Menschen frieren, weil sie sich keine Heizung leisten können, auch weil der Strompreis unwirtschaftliche Energiearten stützen muss

im Ablauf einen BSB5 von z. B. 25 mg/l oder gar 3 mg/l (der im warmen Labor bei  20 °C gemessen wurde) gewährleisten?

Die Welt als Wille und Vorstellung. (Foto: Wikipedia)

Nach der folgenden Tabelle hat ein Ablauf-BSB5 von z. B. 20 mg/l , der – wie üblich – im Labor bei angenehmen 20 °C  gemessen wird, bei einer Temperatur im Gewässer von nur 5 °C eine Zehrung, die einem BSB5 von 9 mg/l entspricht.

Denken Sie nach:

Es gibt noch mehr Beispiele im Gewässerschutz, bei denen Gerichte über Beträge urteilen müssen, die im Labor gemessen wurden und die nicht auf die Natur übertragbar sind.

Man urteilt über Vorstellungen, weil der Wille des Gesetzgebers mitunter dazu zwingt.

Preiswerter und effizienter wäre es, die objektive Realität zu erforschen und zu bewerten.

Wenn also Kläranlagen (auch große) bei einer Wassertemperatur im Gewässer von 5 °C im Ablauf einen BSB5 von 40 mg/l fahren, dann geht davon die Welt nicht unter. Im Winter, wenn jede Kilowattstunde gebraucht wird, dann leisten wir uns den Luxus und verschwenden Energie in einem Umfang, als hätten wir unendliche Ressourcen.

Ich bin überzeugt, wir werden Gesetze im Gewässerschutz noch drastisch ändern müssen. Dann nämlich, wenn die Energiekosten weiter steigen.

Momentan ist die Energie einfach noch zu billig, um heilige Kühe zu schlachten.

Das heißt, wir steuern also unsere Kläranlagen – weil es verwaltungsrechtlich bequem ist – nach einem Parameter, der unter weltfremden Bedingungen gemessen wurde und ohne Weiteres nicht auf die tatsächlichen Verhältnisse in der Natur übertragbar ist. Damit sind wir wiedermal bei dem deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788–1860):

Die Welt als Wille und Vorstellung.“

Das ist unter Experten profanes Wissen.

Aber ist es auch wirklich gut so?

Temperaturabhängige BSB-Äquivalenz

Bei den unnötig hohen und starren Kläranlagengrenzwerten liegen unsere eigentlichen Reserven bei der Energieeinsparung.

Es mag weh tun, aber die Wasserwirtschaft der DDR war deutlich wasserwirtschaftlicher.

Nicht weil sie besser war, sondern zwangsläufig, weil Geld für Gewässerschutz knapp war.

Ich will es nicht erörtern, ob der Realitätsverlust im Wasserrecht von Anfang an gewollt war.

Gewässerschutz ist also ein Wiesel-Wort, weil es – so wie es da steht und geübt wird – ohne Inhalt ist. Jeder kann es beliebig füllen, solange die Widersprüche nicht allzu offensichtlich werden. Selbst der naheliegende Schutz der Gewässer vor Schwermetallen ist ein Wiesel-Imperativ, weil dieser nicht hinreichend konkret ist. Konkret wird es dann, wenn z. B. die tatsächlich notwendige Grenzkonzentration im Gewässer bewiesen und genannt wird. Bis dahin ist alles zumeist vorsorglich, gut gemeint, beliebig und willkürlich.

Auch die Klimatologie ist keine wertende Wissenschaft. Analog ist der Klimaschutz ein „Wiesel-Wort“. Aber das nur am Rande.

Trojaner

Eher keine Wiesel-Wörter im Umweltschutz, sondern ein Trojaner in klassischer Analogie sind Adjektive, wie z. B.

  • erneuerbar, insbesondere im Zusammenhang mit Energie.

Wer sich diesen Trojaner in sein Gehirn zieht, wie einst die Trojaner das Pferd, das die feindlichen Griechen damals für sie bastelten, der verseucht sich mit „erneuerbaren“ industriellen und wirtschaftspolitischen Viren, verlernt schnell das präzise Denken und handelt quasi freiwillig, so wie es die Viren erzwingen. Am Rande sei bemerkt, dass die Wirtschaftspolitik, die von der scheinbaren Erneuerbarkeit profitiert, die Mehrzahl ihrer  anderen Wirtschaftsbereiche schwer schädigt, weil sie durch unnötige Kosten deren Wettbewerbsfähigkeit senkt. An sich ist es auch ein interner Wirtschaftskrieg einer Unternehmensgruppe gegen eine andere und das innerhalb eines Landes.

Wie erneuert man etwas Altes?

Hier handelt es sich wohl um die gleiche Ausdrucksschwäche wie bei solchen  Wortschöpfungen, wie „Bedachungsfirma“, „Getränkeabholmarkt“ oder trefflicher „Neueröffnung“.

Aus dieser Ecke kommt offensichtlich das erneuerbare „Optimalste“.

Dabei stellt sich die Frage, ob der Gedanke von der Erneuerbarkeit nicht sowieso einem eher schwächlichen Sinn entspringt?

Kann man überhaupt etwas erneuern?

Geht es neuer als neu?

Ein Mensch, der gerade geboren wird, ist neu.

Wie erneuere ich aber einen Menschen?

Oder eine Maschine, die gerade gebaut wird. Wie erneuert man eine alte Maschine? Man kann sie durch eine neue Maschine ersetzen, aber dadurch wird die alte doch nicht neu oder neuer.

Abgesehen davon ist erneuerbare Energie physikalisch gesehen nicht erneuerbar, denn sonst wäre ein System mit erneuerbarer Energie ein unmögliches Perpetuum mobile. Ob die Erfinder der Wortschöpfung der Erneuerbarkeit in der Schule das Fach Physik abwählten, soll nicht weiter erörtert werden. Im gewissen Sinne steckt aber doch eine Genialität hinter der wirtschaftspolitischen Doktrin von der Energieerneuerbarkeit. Auch wenn das „erneuerte“ Perpetuum mobile keine Energie erneuert, die man gewinnbringend verkaufen kann. So wurde doch auf jeden Fall ein Goldesel erfunden, aus dem mehr Geld kommt, als beim Betrieb eines Perpetuum mobile zu erwarten wäre.

Und das Geld fließt, ohne dass man welches hineinstecken muss (von einer Startinvestition, die andere bezahlen, mal abgesehen).

Auch toll!

Ein Wiesel ist ein Raubtier

Markant:  Alles – wie auch das Entdecken von Wiesel-Wörtern – kann verletzend und unbequem sein.

Je nachdem.

Verletzend, aber eher als heilendes Skalpell in der Hand eines Chirurgen und weniger als Fallbeil.

Präzision im Ausdruck ist der Anspruch

Dirk Friedrich:

Konfuzius soll gesagt haben: „Wenn die Sprache nicht stimmt, dann ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist. Ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen keine guten Werke zustande. Kommen keine guten Werke zustande, so gedeihen Kunst und Moral nicht. Gedeihen Kunst und Moral nicht, so trifft die Justiz nicht. Trifft die Justiz nicht, so weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen. Also dulde man keine Willkürlichkeit in den Worten. Das ist es, worauf es ankommt.“

In diesem Sinne: Achten wir auf einen präzisen Ausdruck!

Bzw. versuchen wir wenigstens den Erkenntnisprozess der Präzision mittels der deutschen Sprache.

Der Weg ist das Ziel, denn wer erreicht schon die Perfektion!

Initiator  für dieses Wieselthema war übrigens der scharfsinnige Aufsatz von Dirk Friedrich:

Von den Lügenwörtern: Die Wahrheit der Sprache als Bedingung von Recht und Freiheit

Die „Wiesel-„Aufzählungen sind unvollständig.

Kein Problem  für den Leser, der diese Aufzählungen ergänzen, präzisieren, bestreiten oder diskutieren möchte.

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