Natur: Macht sie euch untertan!

Von Jan-Philipp Hein

Quelle: Novo Argumente

Zitat:

„Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, was minus vier Dioptrien für Sie als Steinzeitmensch im Auge des Mammut bedeutet hätten? Fielmann gab es noch nicht. Damals galten Darwins Gesetze großflächig, soweit sie nicht hier und da schon mit dem Faustkeil oder einem Rad überlistet werden konnten. Wie man es dreht und wendet: Es ist ein Segen, die Natur besiegt zu haben. Gleichzeitig schreit uns die Sehnsucht nach der Natur oder dem, was für Natur gehalten wird, von jeder Plakatwand an. Kosmetika, Nahrungsmittel oder Wellnessprodukte sollen uns immer „das Beste aus der Natur“ liefern, weil wir es uns wert seien. So oder ähnlich ruft es uns die Werbung zu.

Mutter Natur“, so wird uns suggeriert, sei immer gut für uns. Das ist reichlich infantil. Natur ist ein ziemlich grausames Prinzip. Natur bedeutet hohe Säuglingssterblichkeit, Natur ist das Recht des Stärkeren, des Schnelleren, des Skrupelloseren, die Natur würde Menschen mit Behinderungen einfach aussortieren und angeborene Herzfehler wären ein natürliches Todesurteil. Mit ihren grausamen Prinzipien schafft die Natur dieses berühmte „natürliche Gleichgewicht“, nach dem seltsamerweise so viele streben. Wir sollten dagegen froh sein, darauf nicht mehr angewiesen zu sein und uns darüber erhoben zu haben. Inklusion ist zum Beispiel kein natürliches Prinzip, sondern eine zutiefst menschliche Idee. Die Natur hätte auch keine Rollstühle oder Herzschrittmacher erfunden. Das alles wird natürlich (!) keinen Öko-Romantiker daran hindern, einen „Einklang mit der Natur“ anzumahnen.“

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Teich bei Eisenach (Thür.)

 

 


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