Michael Klonovsky

29. Juni 2014

Auf einer Alm im Schwarzwald lasse ich mich unweit einer Schar Kühe nieder, von denen einige nahezu euphorisch auf den unverhofften Besuch reagieren und sich zu mir gesellen. Das Wäldchen in der Talsenke, die sattgrünen, sonnenbeschienenen Wiesen, die vereinzelten Bäume oberhalb der Alm, der weite Himmel, die Abwesenheit menschengemachter Geräusche, die gutmütigen Wiederkäuer: Alles ist Idylle. Aus der Nähe freilich bemerke ich die Fliegengeschwader an den Augen der Tiere, auch vereinzelte Bremsen auf ihren Rücken. Kühe sind denkbar schlecht ausgestattet, solche Plagegeister zu verscheuchen, Ohrenwackeln und Schwanzwedeln helfen wenig, sie müssten Hände haben oder bedienstete Wedelträger, so aber dulden sie stumm und stoisch, mit Ausnahme einer jüngeren Schwarzweißen, die immer wieder versucht, sich mit den Hinterläufen zu kratzen und später den Kopf an der Flanke einer Kameradin reibt, natürlich vergeblich, denn die Fliegen tanzen nur auf und kehren sofort danach zurück. Kein Paradies ist vollkommen, dachte ich seufzend. Und mit wurde klar, warum Satan auch der Herr der Fliegen geheißen ward. Auf die Menschenwelt übertragen: Journalisten …

http://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna

Kommentar:
Dieses anschauliche Szenario von Herrn Klonovsky verführt zu einigen ökologischen Überlegungen. Logisch übertragen auf ein Ökosystem wären Kühe, Bremsen und Fliegen in ihm gleichwertig. Der Beweis der Willkür bei der „ökologischen Bewertung“ liegt in diesem Beispiel in der Präferenz der Kuh. Dafür fehlt aber der ökologisch-sachliche Grund, weil die Ökologie eine wertfreie Wissenschaft  ist. Damit ist die Bewertung willkürlich und hat zur Ökologie keinerlei Bezug. Willkürliche Bewertungen sind aber nur dann anrüchig, wenn die Willkürlichkeit verschleiert oder verschwiegen wird. Und genau dies ist aber die Regel bei sog. „ökologischen Bewertungen“. Wer behauptet, aus ökologischen Gründen müsse dies oder jenes getan werden, ist entweder unwissend oder er schwindelt.

U. Halbach

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