Michel de Montaigne

Der Vers Homers hat recht:

Man kann bei allem leicht dafür oder dagegen sprechen.

  • Unser Denken ist eine kühnes, riskantes Spiel, sagt Thimaeus bei Plato, weil auch unser Denken, genau wie unser Schicksal, nicht erhaben ist über den unberechenbaren Zufall.
  • Die meinigen widersprechende Urteile regen mich nicht auf und beleidigen mich nicht; sie regen mich nur an und setzen mich in Tätigkeit.
  • Halsstarrigkeit und Verbohrtheit ist der sicherste Beweis von Dummheit. Gibt es ein Geschöpf, das so sicher, entschieden sich selbst vertrauend, feierlich und ernsthaft wäre wie der Esel?
  • Fast alle unsere Ansichten fassen wir auf die Autorität anderer hin und auf Treu und Glauben.
  • In meinen Zitaten lasse ich andere sagen, was ich selber nicht so gut ausdrücken könnte, sei es aus Mangel an Sprachgewandtheit, sei es aus Mangel an Scharfsinn.
  • Ich ziehe die Gesellschaft von Bauern vor, weil sie nicht genügend Bildung genossen haben, um falsche Schlußfolgerungen zu ziehen.
  • Es gibt nur wenige Dinge, die wir ganz richtig zu beurteilen vermögen, weil wir an den meisten auf die eine oder andere Art allzu persönlich Anteil nehmen.
  • Es ist Torheit, von unserem Geist die Fähigkeit zu erwarten, daß er beurteilen kann, was wahr und was falsch ist.
  • Das Menschenauge kann von der Wirklichkeit nur erfassen, was seiner Aufnahmefähigkeit entspricht.
  • Wertmäßig ist das Wissen fast indifferent; in mancher Hand ist es ein Zepter, in mancher eine Narrenklapper.
  • Nur die Dummen haben sofort eine Überzeugung fertig.
  • Auch die öffentliche Meinung überschätzt sich.
  • Meist leisten wir nichts weiter, als daß wir die Meinungen und das Wissen anderer in Verwahrung nehmen: das Wesentliche aber wäre, daß wir uns diese Dinge aneignen.
  • Keine Leidenschaft trübt die Unvoreingenommenheit des Urteils mehr als der Zorn.
  • Der allgemeine Irrtum zeugt den Irrtum des Einzelnen, und, seinerseits, schafft den allgemeinen Irrtum.
  • Jede Meinung ist stark genug, um sich der Menschen auf Kosten ihres Lebens zu bemeistern […].

Michel de Montaigne

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