Wie schwer ist Schwermetall?

Wie man sieht, haben wir mit Schwermetall keine Schwierigkeiten und die Hantel hält nicht nur ein Ingenieur unseres Hauses mühelos waagerecht und ohne zu zittern.

Auch unser Chemiker kann hier mithalten und er kann zudem die Hantel chemisch bewerten.

Wie schwer ist denn nun Schwermetall?

Einer Definition zufolge ist alles Metall mit einer Dichte ≥ 5 g/cm³ Schwermetall.

Eisen hat die Dichte von ≈ 7,9 g/cm³, ist damit ein Schwermetall und so ist das Hantelgleichnis gar nicht so abwägig.

Da Eisen fast überall ist, gilt:

In jedem Klärschlamm dürfte eine gehörige Menge Schwermetall sein.

Wegen der Vollständigkeit seien für geneigte Leser, die Chemie leider 😉 abwählen mussten, die wichtigsten Eigenschaften von Metall aufgezählt:

  • elektrisch gut leitfähig
  • undurchsichtig
  • gut verformbar
  • relativ hoher Schmelzpunkt
  • glänzend

Und nun kommt das Besondere dieses Beitrages. Es geht um Schwermetalle,

  1. die nicht nur schwer,
  2. sondern die auch giftig sind,
  3. die vom Belebtschlamm aufgenommen werden und die dann
  4. im Klärschlamm landen.

Schwermetalle sind meist giftig!

Die wichtigsten „Klärschlammvergifter“ und ihre Grenzwerte sind mit Stand 2013 der folgenden Tabelle zu entnehmen:

DatumKammer 1, Öffnung 1, Schlammdicke in mKammer 1, Öffnung 2, Schlammdicke in mKammer 1, Öffnung 3, Schlammdicke in mKammer 1, Schlammvolumen in m³Kammer 2, Öffnung 4, Schlammdicke in mKammer 2, Öffnung 5, Schlammdicke in merste Hälfte Kammer 2, Mittelwert, Schlammvolumen in m³geplante Abfuhr, Kammer 1 und erste Hälfte Kammer 2 in m³
15.04.20170,821,20,715,50,40,3320

 Warum sind Schwermetalle im Klärschlamm zu minimieren?

Um in Ausnahmefällen zu verhindern, dass bei hohen Stoffkonzentrationen giftige Schwermetalle über den Stoffkreislauf den Menschen und andere Organismen vergiften können. In der Regel, weil es Vorschrift ist.

Eine Methode zur Minimierung

Schwermetalle im Klärschlamm gelangen über die Kanalisation – meist über Indirekteinleiter auf die Kläranlage.

Deshalb unser Leistungsangebot:

  1. Quellen ermitteln
  2. Quellen minimieren oder eliminieren

Wir haben mit dieser Methode

  • Planung,
  • Messung,
  • Auswertung,
  • Konzept zur Schwermetallminimierung

langjährige Erfahrungen und können kompetente, erfolgreiche Mitarbeiter, z. B. unseren Chemiker Herrn Uwe Eichhorn mit langjähriger wasserchemischer Erfahrung  einsetzen.

Konsequenzen einer Grenzwertüberschreitung von Schwermetallkonzentrationen

  • Hohe Kosten, denn bei Grenzwertüberschreitung von Schwermetallkonzentrationen wird dieser meist Sondermüll, dessen Entsorgung sehr teuer ist.
  • Bei „Nichtstun“ und Anzeige, ggf. Anklage wegen Straftatbestand der Gewässerverschmutzung.

Nur wenn die relevanten Schwermetallemittenten (-verursacher) bekannt sind, kann die tatsächliche Ursache der Verschmutzung des Grundwassers beurteilt werden.

Eine eventuelle Verschmutzung des Grundwassers mit Schwermetallen – eine entsprechende Dosis vorausgesetzt – ist eine bedeutend folgenreichere Umweltvergiftung gegenüber zu viel Schwermetall im Klärschlamm, der, wenn dies bekannt ist, gefährdungslos – aber teuer – zu entsorgen ist.

Das Wasserrecht berücksichtigt jedoch 2 unstrittige Tatsachen nicht:

  • die Verdünnung durch den Wasserkreislauf
  • das Gesetz der Dosis

Aus diesem Grund werden Schwermetallkonzentrationen im Abwasser – solange nicht eine konkrete Dosis und die Situation nachgewiesen und bewertet wird – als abstrakte Gefahr gedeutet. Bei mangelhaftem Fachwissen kann unbegründete Panik die Konsequenz sein.

Zu bedenken ist auch, dass hinter großartigen Entscheidungen über Klärschlammbewertungen mitunter auch Wirtschaftsinteressen, gepaart mit Ideologien stehen, die eine sachliche Bewertung zu verhindern wissen. Ein Indiz dafür ist der hohe Abstraktionsgrad der Begründungen. Dabei werden Argumente mit konkreten Prämissen gemieden.

Schwermetall 1200 x 600_oben

Grenzwerte im Sinkflug

Grenzwerte im Umweltbereich werden also nicht unbedingt mit Risikoanalysen und Effizienzbewertung – ähnlich wie es in der Versicherung die Norm ist – begründet. Sie unterliegen eher dem Bestreben einer ständigen Senkung. Begründet wird dies mit Gefühlen insbesondere mit den Emotionen Angst und Sorge sowie mit dem Argument, dass Abwasserbehandlungsanlagen (so auch Anlagen zur Reduzierung von Schwermetallkonzentrationen) in der Lage wären, derartige niedrige Grenzwerte einzuhalten.

Bei der Grenzwertfestsetzung werden häufig folgende drei Aspekte bzw. Vorschriften nicht beachtet:

Selten wird die Voraussetzung zur Definition des Standes der Technik (zum Glück für uns, sonst hätten wir weniger zu tun) beachtet:

„Bei der Bestimmung des Standes der Technik sind unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit zwischen Aufwand und Nutzen…“

Der Klärschlammhysterie fehlen zur Begründung Tatsachen. Und im krassen Widerspruch zur abstrakten Gefahr steht der Fakt, dass die Lebenserwartung der Deutschen immer mehr steigt. Wie ist das möglich bei dem angeblich, ach so giftigen Klärschlamm? Nun mag man an den Witz mit dem durchgeknallten Touristen denken, der in der Sahara eifrig in die Hände klatscht. Auf die Frage, was machts Du? Die Antwort: „Ich vertreibe Löwen!“ Gegenfrage: „Aber hier gibt es doch gar keine Löwen!“. Die Antwort des Überzeugten: „Das ist der Beweis, dass es wirkt!“

Wissenschaftstheoretisch gewertet ist das Klatschen in die Hände, um Löwen zu vertreiben, kein Wirkungsbeweis. Denn es handelt sich nach dem folgenden Beispiel um eine irrelevante Argumentation der Form:

DatumKammer 2 Öffnung 6, Schlammdicke in mKammer 3 Öffnung 7, Schlammdicke in mKammer 4 Öffnung 8, Schlammdicke in mKammer 4 Öffnung 9, Schlammdicke in m    
Mai 20030,32
Februar 20170,37
15.04.20170,180,180,18nicht gemessen

Man mag darüber lächeln, aber das Klatschen der Hände zum Vertreiben imaginärer Löwen ist ein Schauspiel, das wir in vielfältigster Form und mit sehr ernsthaften Gesichtern der Schauspieler häufig vorgeführt bekommen. Da blitzt kein Schmunzeln durch. Einige Schauspieler glauben wiederholungsbedingt ganz fest an den Nonsens, andere verdienen damit. Die Häufigkeit des Theaters kann man daran erkennen, dass irrelevante Argumentationen ein Forschungsthema der Wissenschaftstheorie sind und das nicht erst seit heute.

Aus meiner Studentenzeit und als junger Ingenieur kenne ich nur zwei Nachrichten über tatsächliche Schwermetallvergiftungen:

  1. Bleivergiftung eines frühaufstehenden Studenten durch eine Trinkwasser-Bleileitung in Magdeburg.
  2. Schwermetallvergiftungen ganzer Stadtteile in Halle (Saale)
    (Aber keine Angst! Das war in der DDR weit vor 1989!)

Zu 2. einige Ausführungen:

Die Ursache waren hierbei Schwermetalle in der Weißen Elster von der Industrie im Leipziger Raum. Bei Hochwasser der Weißen Elster überfluteten diese die Wasserfassung des Wasserwerkes Beesen. So gelangten Schwermetalle in die Trinkwasserversorgung von Halle. Halle hatte damals zwei Einspeisungen: eine westliche durch das Wasser der Rappbode-Talsperre und eine südliche vom Wasserwerk Beesen. Das Wasser des Wasserwerkes Beesen verteilte sich im südlichen Abschnitt von Halle und die Ärzte sprachen von einer „Durchfallgrenze“ verursacht von Schwermetallen im Trinkwasser. Stadtteile, die Wasser von der Rappbode-Talsperre erhielten, waren nicht betroffen.

Das Problem wurde nach meiner Erinnerung konsequent gelöst:

  • Bau einer Saale-Wasserfassung oberhalb von Leuna
  • Bau eines Wasserwerkes zur Saale-Wasseraufbereitung zwischen Ammendorf und Schkopau
  • Bau von Infiltrationsbecken im Einzugsgebiet des Wasserwerkes Beesen
  • Vermischung des Wassers der Rappbode-Talsperre mit dem des Wasserwerkes Beesen.
    (Übrigens: Inzwischen wurde das Wasserwerk Beesen stillgelegt.)

Ich habe übrigens das schwermetallhaltige Wasser auch getrunken. Die Dosis hat offenbar bei mir nicht für bleibende Schäden gesorgt.

Wie heißt es so schön: Was uns nicht umbringt, macht uns hart!

(Das Wasserwerk Beesen war 135 Jahre in Betrieb und wurde 1980 neu gebaut und 1997 aus Kostengründen stillgelegt. )

Insofern kann ich über „Klärschlammschwermetallängste“ nur milde lächeln.

Das Verbot der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung ist sachlich nicht nachvollziehbar und die Konsequenzen werden sehr teuer. Erstaunlich ist, dass im volkswirtschaftlichen Maßstab Gefühle im großen Stil mit fremdem Geld befriedigt werden, ohne vorher den Verhältnismäßigkeitsbeweis zu führen. Ein wenig mehr Niveau hätte man schon zeigen können. Wozu haben wir Wissenschaftler, wenn am Ende Gefühle bestimmen wo es lang geht? Mit der gleichen Argumentationsweise könnte man auch den tatsächlich tödlichen Straßenverkehr verbieten.

Aber was soll’s.

Wenn Sie zu viel Schwermetall im Abwasser oder im Klärschlamm haben und Sie diese Offenheit nicht abschreckt:

Wir wissen was zu tun ist!

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