Die Abwasserinhaltsstoffe, die in einer Kläranlage aus dem Abwasser entfernt werden, fallen hauptsächlich in Form von Klärschlamm an.

Die Behandlung und schadlose Beseitigung dieser Reststoffe der Abwasserbehandlung sind wichtige und zugleich schwierige Aufgaben.

Eine Kläranlage hat daher nicht nur Abwasser zu reinigen, sie muss auch den dabei anfallenden Klärschlamm zufrieden stellend behandeln und so beseitigen, dass Grundwasser sowie Oberflächengewässer nicht im unzulässigen Maße verunreinigt werden und keine Geruchsbelästigungen im Umfeld der Kläranlage entstehen.

Die Jahreskosten der Schlammbehandlung – im Verhältnis zu den Gesamtjahreskosten für die Abwasserbeseitigung (Abwassertransport, Abwasserreinigung und Schlammbehandlung sowie ‑beseitigung) – sind einerseits relativ unbedeutend. Andererseits aber stellen sie innerhalb der Jahreskosten für die Abwasserbehandlung einen erheblichen Kostenfaktor dar, der sich in der Vergangenheit progressiv entwickelte und der auch in der Zukunft mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine weitere Steigerung erfahren dürfte.

Die Erstellung von mittel- bis längerfristigen Klärschlammkonzepten für einen Abwasserentsorger ist sehr zweckmäßig, da

  • in den letzten Jahren deutlich steigende Transport- und Verwertungskosten für Klärschlamm eine Optimierung der Verwertungsstrategie erfordern,
  • die Klärschlammbehandlung und -entsorgung einen der wesentlichsten Kostenbestandteile der Abwasserbehandlungsgebühr darstellt,
  • der Zusammenhang zwischen der Abwasserbehandlung sowie der Klärschlammbehandlung und -verwertung bei einer Kostenoptimierung zu beachten ist,
  • von der Bundesregierung ein weitgehender Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung auch schwächer belasteter Klärschlämme angestrengt wird.

Allerdings ist in den letzten Jahren auch wieder ein Trend zu erkennen, dass nicht nur pauschal von der Schadstoffsenke „Klärschlamm“ gesprochen wird, sondern auch wieder die Inhaltsstoffe des Klärschlamms Berücksichtigung finden, die als Pflanzennährstoffe oder als Energieträger genutzt werden können.

Deshalb ist es sinnvoll, ausgehend von der Erfassung und Bewertung der im Entsorgungsgebiet anfallenden Schlammmengen und -qualitäten, die bestehende Schlammbehandlung und -verwertung zu beurteilen.

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse können dann die unterschiedlichsten kommunalpolitischen und wirtschaftlichen Zielstellungen analysiert und verschiedene Möglichkeiten der künftigen Schlammbehandlung und -verwertung bewertet werden. Dabei muss die Klärschlammpolitik der Bundesregierung immer eine zentrale Stellung einnehmen.

Das Institut für Wasserwirtschaft hat im Laufe seines Bestehens eine ganze Reihe von Klärschlammkonzepten mit den unterschiedlichsten Zielstellungen, angefangen von dezentraler Behandlung in kleinen Einheiten bis hin zu zentralen Lösungen über die Grenzen eines einzelnen Abwasserentsorgers hinaus erstellt.

Dabei stand immer – wenn umweltpolitisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll – die landwirtschaftliche bzw. landbauliche Verwertung im Sinne des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes im Vordergrund.