Dichtheitsprüfung der Hausanschlüsse – fast witzig?!

Dichtheitsprüfung

Wat stinkt, dat düngt!

Diesmal nicht von mir – es kommen auch andere darauf:

„Fast Witzig ist nun die Verordnung des Landeswasserschutzgesetzes NRW § 61, das die Dichtigkeitsprüfung der Hausanschlüsse der Kanalisation vorschreibt. Für viel Geld muss der Hausbesitzer sein Kanalsystem überprüfen lassen, ob an irgendeiner Stelle eine Undichtigkeit besteht, während möglicherweise auf der gegenüberliegenden Straßenseite hunderte von Kubikmetern Gülle auf die Felder verteilt werden.“

Quelle: Wat stinkt, dat düngt! (Doch trifft das auch zu EHEC-Zeiten noch zu…?)

Kommentar – Gründe gegen prinzipielle Dichtheitsprüfungen aller Grundleitungen

  1. Unverhältnismäßigkeit, d. h. der Aufwand rechtfertigt nicht den Effekt. (Das erkennen schon Laien.)
  2. Der Effekt der Folgen einer undichten Grundleitung bzw. Hausanschlussleitung wird nicht bewiesen. Die Argumentation beruht meist auf abstrakten Behauptungen.
  3. Undichtigkeiten in der Hausanschlussleitung sind – wenn in extrem seltenen Fällen tatsächlich relevant – dann nur an den Stellen des Abwasserrohres von Bedeutung, an denen Abwasser die Rohrwandung berührt. Das ist bei fast allen Hausanschlüssen (DN 150 angenommen) bei einer maximalen Teilfüllung von 3 cm über der Kanalsohle ein benetzter Umfang von nur 14 cm, der zudem nur wenige Minuten am Tag benetzt wird. Siehe hierzu die Darstellung der Ausdehnung der Sielhaut. (Die Sielhaut ist eine schleimige Schicht aus Bakterien, die u. a. das Ausmaß der regelmäßigen Benetzung beweist.)
  4. Selbst eine Undichtigkeit in der Sohle ist in der Regel keine Katastrophe, weil ein Selbstdichtungsprozess den Austritt von Abwasser minimiert.
    Beweis: z. B. Verstopfung des Filters von Pflanzenkläranlagen oder auch wissenschaftliche Vorträge über die Selbstdichtung von Hausanschlussleitungen.
  5. Zudem wird in Fachgremien diskutiert, dass manche Dichtheitsprüfungen durch den Druck bei einer Druckprüfung die vorhandene biologische Selbstdichtung zerstören und so eine Undichtigkeit vorgaukeln, die es tatsächlich in dem durch die Druckprüfungen festgestellten Ausmaß nicht gibt.
  6. Verlässt man sich auf die optische Sichtprüfung, dann werden die meisten Undichtigkeiten gar nicht bemerkt. Und, soll man einen Riss oberhalb der Sielhaut wirklich reparieren lassen?
  7. Zu prüfen wäre, ob bei einer prinzipiellen Dichtheitsprüfung aller Grundleitungen wegen fragwürdiger und vor allem wegen abstrakter Gefährdung gegen den Stand der Technik und gegen das Übermaßverbot verstoßen wird. Das eine prinzipielle Dichtheitsprüfung aller Grundleitungen gegen den Stand der Technik verstößt, mag verwundern. Erstaunlich ist aber, dass die Verfasser der Definition des Standes der Technik die Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsprinzips als notwendige Voraussetzung für den Stand der Technik im Anhang 1 des Wasserhaushaltsgesetzes bestimmt haben. Beweis: Stand der Technik.
  8. Das Fazit? Traue ich mir nicht zu schreiben. Darauf soll der Leser selber kommen. Es bleibt zu hoffen, dass solche Luxusprobleme nicht auf die neuen Bundesländer überschwappen. Siehe auch Hintergrund von Hassemer: Flächendeckende Vorfeldkriminalisierung im Umweltstrafrecht!

Dichtheitsprüfung

Veranschaulichung des geringen Ausmaßes des benetzten Umfanges bei Hausanschlussleitungen durch die Ausdehnung der Sielhaut

Weiteres unter: Dichtheitsprüfung

Siehe auch: Abwasserentsorgung bei Privaten: „Dichtheitsprüfung – Nein Danke“

(Beitrag vom Juli 2011. Geringfügig überarbeitet im März 2017)




Geschichte der Kanalreinigung

Kanalreinigung – So geht es leichter! – 1962

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Unterkunftswagen für eine Brigade. Trennung zwischen Aufenthalts- und Vorraum.
Im Vorraum kann Gerät abgestellt werden. VEB (K) Wasserwirtschaft Leipzig

Vorwort zum Vorwort von Uwe Halbach:

Als ich kürzlich in der Fachbibliothek meines Vaters kramte, fiel mir diese kleine Broschüre in die Hand.

Ich fand die Fotos interessant, weil damit der Stand der Kanalreinigung in der DDR von 1962 dokumentiert wird, den ich persönlich teilweise als technisch interessierter Junge mitbekam.

Inzwischen hat man sich an die modernen Kanalreinigungsgeräte gewöhnt und denkt wohl kaum daran, dass auch heute noch im Kanalnetz mitunter schwere und nicht ganz ungefährliche Arbeit zu leisten ist, die vom Normalbürger selten wahrgenommen wird.

Vielleicht ist die eingescannte Broschüre auch für andere Zwecke von Interesse, denn moderne Technik lässt sich am besten begründen und veranschaulichen, wenn daneben ein Vergleich zu einem historischen Gerät gezogen werden kann.

Ebenso wird sich mancher Student freuen, wenn er derartige inzwischen vergessene Gerätschaften der Kanalreinigung irgendwo im Internet findet.

Beim Lesen des nachstehenden Vorwortes der Broschüre wäre vielleicht zu berücksichtigen, dass diejenigen, welche die in den Fotos dokumentierten Entwicklungen damals vollbrachten, keinesfalls fanatisch vor Augen hatten, damit den Kapitalismus zu schlagen sowie der Eindruck beim Lesen des dann folgenden Vorwortes entstehen könnte.

Das war wohl nur selten das Motiv.

Es handelt sich in erster Lnie um die Präsentation von Vorschlägen von Arbeitern und Ingenieuren, die nur für ihre Kollegen und sich eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und -sicherheit erreichen wollten.

In der DDR gab es keine Marktwirtschaft sondern eine Planwirtschaft.

Es wurde alles geplant, aber zu vieles nicht realisiert.

Die Betriebe waren in der Regel nicht flexibel.

Hilfe war Selbsthilfe.

Improvisieren mit teils primitiven Mitteln führte dann zu den dargestellten Ergebnissen.

Diese mitunter primitiven Arbeitsmittel waren in der DDR zu ihrer Zeit begehrt, teilweise Unikate und oft viel zu selten.

Denn der tatsächliche Stand der Technik war mitunter viel schlechter, als man aus der Broschüre erahnen kann, so daß die ehemalige Anwendung derartiger Arbeitsmittel uns heute mitunter verblüfft.

Uwe Halbach

29. Juli 2000

Vorwort der Broschüre von 1962:

Zitat: „So geht es leichter

Die große Initiative der Werktätigen unserer Republik bei der vollen Ausnutzung aller vorhandenen Möglichkeiten zur Steigerung der Arbeitsproduktivität hat auch in den Betrieben der Wasserwirtschaft einen starken Widerhall gefunden.

Unsere Kollegen wissen, daß sie mit der Erhöhung ihrer Leistungen zum Sieg des Sozialismus in der DDR, zur weiteren Stärkung unserer Republik und damit zur Erhaltung des Friedens beitragen.

Deshalb streben sie nach immer höheren persönlichen und kollektiven Leistungen, was in der Teilnahme am Produktionsaufgebot seinen Ausdruck gefunden hat.

Die Verbesserung der Arbeitsergebnisse und die Erhöhung der Arbeitsproduktivität in den Betrieben der Wasserwirtschaft, insbesondere bei der Unterhaltung der Kanalisation, hat einen um so größeren Nutzen, je besser wir es verstehen, die wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. In diesem Prozeß müssen wir die Forderungen nach dem sparsamsten Einsatz der menschlichen Arbeitskraft sowie nach der Verminderung der körperlich schweren Arbeit gleichzeitig verwirklichen.

Die in dieser Broschüre gegebenen Hinweise sollen dazu beitragen, unsere Pläne schneller und besser zu erfüllen und unsere Arbeitskraft der Gesellschaft zu erhalten. Dabei ist die Mitarbeit eines jeden einzelnen von großer Bedeutung und sein Beitrag, sei er auch noch so gering, wird mit der Vielzahl weiterer Vorschläge zu entscheidenden Verbesserungen führen.

Mit der Kraft und dem Einsatz aller Mitarbeiter der Wasserwirtschaft werden wir dazu, beitragen, unsere Republik ökonomisch weiter zu stärken und das Ansehen unserer Arbeiter-und-Bauern-Macht zu erhöhen.

Um die in den Kanalisationsanlagen arbeitenden Kollegen vor möglichen Gefahren wie Gase, Infektionen, zu bewahren und zu versuchen, die Unzulänglichkeiten, die bisher eine Unsicherheit bei Gang und Stand verursachten, am Arbeitsplatz aufzuheben, ist es notwendig, eine gefahrlose und neue Technik einzuführen, die solche Erschwernisse wie ungünstige Körperhaltung oder Feuchtigkeit weitgehend überwindet. Die physische Belastung der Arbeitskräfte auf ein Minimum zu senken, ist Aufgabe jeder sozialistischen Rekonstruktion.

Verbesserte Arbeitsbedingungen lösen erfahrungsgemäß auch eine Steigerung der Arbeitsproduktivität aus.

Die zu treffenden Maßnahmen werden außerdem zu einer weitgehenden Standardisierung der Geräte und Spezialfahrzeuge führen.

Die Reinigungsmethoden der Kanalisation sind – besonders in den kleineren Wasserwirtschaftsbetrieben unserer Republik – in den häufigsten Fällen während der letzten Jahrzehnte kaum weiterentwickelt worden. Sie entsprechen nicht mehr den Anforderungen, die heute an sie gestellt werden müssen.

Zwar wurden in einigen Betrieben Neuerungen eingeführt, entwickelte sich Initiative bei Teiloperationen des Arbeitsprozesses, doch blieben die Verbesserungen vereinzelt, wurden die Ergebnisse kaum ausgewertet und verbreitet.

Die vorliegende Broschüre will daher alle Werktätigen, die in der Kanalisation tätig sind, durch das Foto mit einigen Neuerungen an Kanalisationsreinigungsgeräten bekanntmachen, um dieser neuen Technik den Weg zu bereiten.

Überall dort, wo sich Kollegen über bessere Arbeitsmethoden und –geräte Gedanken gemacht oder diese Gedanken bereits in greifbare Formen umgesetzt haben, in solchen Fällen also, da sie schon verbesserte oder noch unbekannte Arbeitsgeräte zum Einsatz brachten, fordern wir sie auf, diese Verbesserungen und Erleichterungen über ihren Betrieb dem zentralen BfE der Wasserwirtschaft im Amt für Wasserwirtschaft zum überbetrieblichen Erfahrungsaustausch bekanntzugeben. Wenden Sie sich an Ihr Betriebs-BfE, das Ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen und Ihnen auch helfen wird, Verbesserungsvorschläge auszuarbeiten und die entsprechende Weiterleitung übernimmt. Sprechen Sie, liebe Kollegen, in den ständigen Produktionsberatungen über Ihre Erfahrungen, die sie im täglichen Umgang mit neuen Geräten sammeln konnten. Arbeiten Sie mit an dieser großen Aufgabe, für sich und Ihre Kollegen bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Realisieren wir die Einheit von Wissenschaft, Technik und Neuerertum.

Weitere Aufgaben

Bei der Entwicklung von Kanalisationsverfahren ist stets von der Funktion des zu reinigenden Anlagenteils auszugehen, in den überwiegenden Fällen ist diese Funktion durch das Reinigungsverfahren zu unterstützen.

Neue Reinigungsverfahren müssen sowohl eine Gefährdung ausschließen, als auch eine geringere physische Belastung der Kollegen erbringen sowie bessere hygienische Verhältnisse bei gleichzeitiger Steigerung der Arbeitsproduktivität schaffen.

Auf Grund der bisher gemachten Erfahrungen erscheint es vorteilhaft, die verschiedenen Formen des Spülverfahrens weiterzuentwickeln und im wesentlich größeren Umfang als bisher anzuwenden. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Entwicklung des Schwebedruckreinigers des Kollegen Engelhardt (Bild 12) hingewiesen.

Als weitere Entwicklung ist das Hochdruckspülverfahren zu erproben und gegebenenfalls im größeren Umfang einzusetzen.

Zur Entnahme von Räumgut aus Schächten, Straßenabläufen, Abscheidern und Schlammfängen sind Fördereinrichtungen verschiedener Art und Größe herzustellen und einzusetzen.

Mit Hilfe entsprechender technischer und hygienischer Einrichtungen (Bauwagen, Unterkunftsräumen u. a. m.) muß den Kanalisationsarbeitern während ihrer Arbeitspausen in unmittelbarer Nähe ihres Arbeitsortes eine beheizbare Unterkunft geschaffen werden.

Die in dieser Broschüre gezeigten Abbildungen sind aus einer Reihe von Fotos neuer Geräte ausgewählt worden. Es ist unser Anliegen, alle mit diesen Problemen beschäftigten Kollegen auf einige Neuerungen und besonders auf die Notwendigkeit neuer Arbeitsmethoden und –geräte hinzuweisen. Die wiedergegebenen Geräte wurden zum größten Teil bei den genannten Betrieben in handwerklicher Fertigung hergestellt. Es ist jedoch erforderlich, den Maschinenbau zu veranlassen, die Geräte entsprechend Bedarf herzustellen.

Wir sind der Meinung, daß es richtig ist, in den Bezirken Erfahrungsaustausche zu organisieren, um die besten Arbeitsmethoden und –geräte in allen Wasserwirtschaftsbetrieben bekanntzumachen und einzuführen.

Beiblatt zur Broschüre „So geht es leichter“

Elektrokarren mit Motorwinde
Aufbau auf handelsüblichem E-Karren. Die Winde wird durch einen Elektromotor angetrieben, der von der Fahrzeugbatterie gespeist wird. Zugkraft der Winde 500 kp, verzinktes Stahlseil, Stärke etwa 8 mm zum Durchziehen von Reinigungsgeräten und der Förderung von Sinkstoffen. Aufbau der Winde: Fa. Herward Thieme, Magdeburg

Motorwinde als Anhänger
Ausleger zur Sinkstoffförderung, Tragkraft 75 kp – Beschreibung der Winde – siehe WWT Heft 10/58

Fahrbare Handwinde – Zugkraft max. 500 kp

HD-Spülgerät (Magdeburg)
Antrieb der Pumpe: Wartburg-Motor (900 cm³)
Pumpe: Typ SHK 50/4, Apollowerke Gößnitz
Man. Förderhöhe an der Pumpe 26 atü

HD-Spülgerät (Rostock)
Antrieb der Pumpe: RS 09 – Dieselmotor
Pumpe: Typ SHK 50/3, Apollowerke Gößnitz
Man. Förderhöhe an der Pumpe 20 atü“

Januar 1962″

***

Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Schloßstr. 2
08412 Werdau
Tel.: (0 37 61) / 52 66 o. 52 67
Fax: (0 37 61) / 52 68




Kanalgestank

Kanalgestank muss nicht sein. Ursachen und eine innovative Lösung!

In diesem Beitrag geht es um die Beseitigung von Kanalgestank, verehrter Leser. Das mag für manche ein lustiges Thema sein. Kleine Jungs können sich geradezu begeistert von solchen Geschichten zeigen. Es genügt allein die Vorstellung und sie schütten sich aus vor Lachen, schon wenn sie an die dort unten schwimmenden Kupferbolzen denken.

Ist man aber ein „Kanalgestankbetroffener“, dann findet man Kanalgestank gar nicht nett. Ich werde also im weiteren Verlauf meiner Ausführungen versuchen, immer schön ernst zu bleiben. Wie Sie sicher schon bemerkt haben, kann ein solches Thema kurzweilig sein.

Und so würde es mich freuen, wenn ich Sie am Ende des Beitrages, der in einigen Abschnitten einer Glosse ähnelt, verabschieden darf.

Doch zunächst das Inhaltsverzeichnis:

1. Ursache oder Wirkung beseitigen? Das ist die Frage beim Kanalgestank!
2. Die Wissenschaft vom Kanalgestank
3. Manchmal sagen Bilder mehr als 1.000 Worte…
4. Kanalgestank – ausgewählte Ursachen
4.1 Unmittelbare Ursache des Kanalgestanks
4.2 Mittelbare Ursache des Kanalgestanks
4.3 Manchmal liegt es förmlich auf der Zunge, warum es stinkt!
5. Die dunkle Seite vom Kanalgestank
6. Voraussetzungen für öffentlichen Kanalgestank und es kommt auf das Maß an!
7. Verursacht Trinkwasserparen den Kanalgestank?
8. Und der Schluss!

1. Ursache oder Wirkung beseitigen? Das ist die Frage beim Kanalgestank!

Kanalgestank ist eine Wirkung und nun wäre die Frage zu beantworten, ob Sie, verehrter Leser, sich für die Beseitigung der Ursachen oder ihrer Wirkungen interessieren.

Im ersten Fall lesen Sie weiter, im zweiten Fall aber könnten Sie hier Ihre Zeit verschwenden. Ich darf deshalb auf zahlreiche Quellen verweisen, die im Web leicht zu finden sind und auf denen Mittelchen gegen die Wirkung von Kanalgestank angeboten werden. Diese Lösungen müssen nicht schlecht oder unzweckmäßig sein und sie haben in vielen Fällen durchaus ihre Berechtigung. Klug ist aber jener beraten, der wenigstens eine Alternative zu jenem kennt, was gerade im Angebot ist.

Nun, da Sie es offenbar bis hierhin geschafft haben ohne die Seite zu verlassen, erlaube ich mir mit dem Thema fortzufahren.

Analog, wie ein fauler Zahn aus dem Munde herausstinkt, hat man die Möglichkeit, den Gestank mit Deo, Nasenatmung oder Luftanhalten zu übertünchen und zu warten bis sich die Wurzel entzündet und sich geneigt zeigt herauszueitern. Man kann beim Zahnarzt das Problem beseitigen lassen. Das kann wehtun und im analogen Fall kostet die Beseitigung der Ursachen von Kanalgestank eben mehr Geld und Aufwand als nur der Kauf eines Deos.

Nun gibt es ja neben vielen eine menschliche Schwäche. Was er nicht sieht, interessiert ihn nicht und besonders dann nicht, wenn etwas so vor sich dahin schleicht, wie z. B. der Zerfall einer sehr teuren Kanalisation wegen Feuchtigkeit und Betonzersetzung, der Betonkorrosion genannt wird. Nur weil ich weis und es auch mehrfach erlebt habe, dass es Ausnahmen bei der Pflege der Kanalisationen gibt, habe ich mich zum Verfassen dieses etwas längeren Beitrages entschlossen.

An sich ist es ganz einfach und bekannt, wie folgende Analogie zeigt, die es zwischen eigenen Wohnräumen, die man meist bestens kennt und einer Kanalisation gibt: Wenn es in der Küche feucht wird, die Wände zu schimmeln beginnen und der Putz rieselt, spätestens dann weis man, es wäre besser gewesen ab und zu mal zu lüften. Das Problem ist im Fall der Kanalisationen nur, dass diese eben keine Fenster haben, die man ohne weiteres öffnen kann. Dafür haben aber ihre Schächte Deckel, meist mit Löchern, aber dazu später.

2. Die Wissenschaft vom Kanalgestank

Die „Kanalgestankwissenschaft“ ist tatsächlich eine solche. Nur wird das Teilgebiet der Be- und Entlüftung an Hochschulen oder Universitäten nicht mehr gelehrt. So um 1900 und bis vielleicht 1930, als es in den deutschen Städten häufiger als heute noch so richtig stank, da war die Ursachenbekämpfung durch Belüftung selbstverständlich und niemand kam damals auf die Idee Nitrat tonnenweise in die Kanäle zu kippen. Aber wie das mit dem Selbstverständlichen so ist; es ist nur dem Verständigen selbstverständlich (fremde Definition des Selbstverständlichen). Und weil es auf die Dauer den Professoren zu langweilig wurde immer Selbstverständliches zu predigen, geriet die Wissenschaft vom Kanalgestank in ihrer Komplexität in Vergessenheit und die Ingenieure blieben (natürlich nur diesbezüglich) teilweise unwissend.

Eine Ursache ist auch, dass der Wert des Studiums alter Fachliteratur völlig unterschätzt wird. Deshalb bleibt manche Erkenntnis verborgen, Erscheinungen werden falsch bewertet und das Rad wird neu und teurer erfunden. Vielleicht hat man auch für den Blick zurück keine Zeit. Man muss DIN’s, technische Regeln, Merkblätter und Richtlinien lesen und beachten.

Heute weis man, die Schachtdeckel haben Löcher und die Hausanschlussleitungen werden über Dach gezogen. Kaum ein Mensch weis aber noch warum.

Soweit die Vorrede und nun wird es etwas konkreter. Dabei werden Sie verstehen, dass es eigentlich nur um den faulen Zahn geht und nicht um den Gestank aus dem Munde. Der Zahn ist das Wertvolle, den es zu schützen gilt, doch zunächst:

3. Manchmal sagen Bilder mehr als 1.000 Worte…

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Mittlerweile verfügt das Institut für Wasserwirtschaft Halbach über umfangreiche Erfahrungen bei der Minimierung von Geruchsbelästigungen und Korrosionen in Kanalisationen, die 10 Jahre weit übersteigt.
Unsere in der Praxis bewährten Methoden erlauben es, Ihr Entscheidungs- und Investitionsrisiko gegen Null zu senken!

4. Kanalgestank – Ausgewählte Ursachen

4.1 Unmittelbare Ursache des Kanalgestanks

Im Schmutz- oder Mischwasserkanal fließt Abwasser und das stinkt unmittelbar verschieden und unterschiedlich intensiv.

Es ist eine Eigenschaft des sanitären Abwassers, die unter Erwachsenen nicht weiter erörtert werden braucht, dass es unbehandelt stinkt. Kinder dagegen können solche Themen erfreuen. Die psychologische Ursache zu erörtern, wäre auch ein interessantes Thema, würde aber den Umfang des Beitrages sicherlich noch weiter sprengen.

Besonders penetrant wird es, wenn man glaubt, es sei gut, Abwasser kilometerweit zu pumpen, weil dann der Bau einer kleineren Kläranlage gespart würde und dieser Glaube verstößt gegen den schon wenigstens 100 Jahre alten Erfahrungssatz:

Abwasser muss frisch auf die Kläranlage gelangen!

Der Geruch des Abwassers ändert sich mit zunehmendem Alter des Abwassers. Wie beim toten Tier. Das riecht nach dem Schlachten spezifisch und nach 14 Tagen im Hochsommer in der Sonne anders spezifisch.

Ich kenne einen Fall, da hat Abwasser zur Weihnachtszeit nicht nur aus einem Schachtdeckel unspezifisch „herausgemüffelt“. Fichtennadelduft lag in der Luft und dieser vertrug sich mit der Rostbratwurst überhaupt nicht. Was ich damit sagen will: Auch frischer Abwasserduft kann belästigen und in solchen Fällen bringt eine chemische Geruchsbekämpfung überhaupt nichts. Selbst wenn es nach faulen Eiern aus dem Kanaldeckel herausstinkt, dann kann man wohl mit Nitrat die Bildung des Schwefelwasserstoffes verhindern. Der neue Zustand wird sich dann dahingehend ändern, dass es nun nicht mehr nach faulen Eiern stinkt, sondern nach mehr oder weniger frischem Abwasser. Die Ursache ist simpel:

Wenn Kanalluft aus einem Kanaldeckel heraustritt, dann wird die Aerodynamik der Kanalhaltung durch die Zugabe von Chemie nicht geändert.

Wenn Sie das Übel an der Wurzel packen wollen, dann gehen Sie zum Experten für effiziente Be- und Entlüftungen von Teilkanalisationen und das sind wir. Sicher gibt es auch Fälle, in denen unsere Methode unzweckmäßig ist, aber das ist vor der Investition festzustellen.

4.2 Mittelbare Ursache des Kanalgestanks

Die mittelbaren Ursachen von Kanalgestank offenbaren sich schnell, wenn geprüft wird, warum es z. B. in manchen Städten oder Siedlungen häufig aus den Schachtdeckeln stinkt und warum dies in anderen Städten oder Siedlungen eher eine Ausnahmesituation ist.

Es liegt ganz schlicht an der Funktion der Be- und Entlüftung der Kanalisation.

In den Städten, in denen sie funktioniert, funktioniert sie korrekt und hinreichend wirkungsvoll und in den Städten oder Siedlungen, in denen es häufig aus dem Kanal herausstinkt, funktioniert sie eben nur mangelhaft oder gar nicht.

4.3 Manchmal liegt es förmlich auf der Zunge, warum es stinkt!

Früher – vor der Erfindung der Kanalisation in Europa (die alten Römer waren damals weiter) – hat es in den Städten immer und überall gestunken.

Heute ist es manchmal erstaunlich, warum es nicht noch mehr stinkt. Dazu folgende Ausführung. Zunächst schauen wir uns das schaurig schöne Bild des Untergrundes einer Großstadt an. Das Bild hat auch eine Geschichte. Der betreffenden Stadtentwässerung kam es unheimlich vor, in diese Abwasserflut – weil verbreitet, bequem und üblich – kesselwagenweise Nitrat zu schütten, um den Schwefelwasserstoff zu binden, der in diesem Abwasser nicht vorhanden war.

Kanalgestank

Foto 1: Es stinkt in diesem Kanal nach frischem Abwasser!

Kanalgestank

Foto 2: Ein Schachtdeckel sollte in der Regel Löcher haben!

Was fällt auf? Es gibt viel Luft und viel Abwasser. Und hier fließt förmlich ein Bach aus reinstem Abwasser! Die Besonderheit war und ist hier: Es handelt sich um frisches Abwasser und um eine Kanalatmosphäre mit unbedeutenden Spuren von Schwefelwasserstoff. Es ging also in diesem Fall nur um die Beseitigung des Geruches von frischem Abwasser. In den Bach Hineinfallen wäre unappetitlich und nicht nur deshalb zu vermeiden. Gegen den Strom können nur die Besten der Besten vielleicht 5 Minuten lang schwimmen. Aber das ist heute nicht das Thema. Nun stellen wir uns folgende Realität vor: Einige Meter stromabwärts (Bitte im Bild rechts lang!) befindet sich ein Schacht in die Oberwelt. Und der hat an seinem Ende einen Deckel mit Löchern. Auch wenn die Löcher verträumt klein sind. Man soll die Wirkung der Kleinen nicht unterschätzen! Es sind 16 an der Zahl mit einem Durchmesser von meist nur 38 mm, aber diese 16 Löcher haben zusammen einen äquivalenten Durchmesser eines Rohres DN 150 (15 cm) und da kann es im ungünstigen Fall ganz schön herausstinken. Und auf den Schachtdeckel steht ein Tisch mit einigen Stühlen und um den herum sitzen Gäste eines Boulevard Cafés. Den Tisch ziert z. B. ein duftender Cappuccino. Leute sitzen also 2 m über einer Abwasserflut und man wundert sich warum es stinkt! Zur Ehrenrettung sei gesagt, man fackelte nicht lange und löste das Problem kurzfristig durch Abdecken des Schachtdeckels mit Kunstrasen und mittelfristig endgültig durch Änderung der Aerodynamik der Kanalluftströmung und dies ohne dem Abwasserstrom Chemikalien zuzusetzen.

Gestand und Kaffee

Foto 3 bedarf keiner Erklärung.

Das hätte auch nicht viel gebracht, denn in der Nähe des Hauptsammlers gab es – wie schon erwähnt – nämlich einen Fichtennadelduftemittenten. Das führte dazu, dass es nicht immer nach frischem Abwasser stank, sondern mitunter auch deutlich nach Fichtennadelbadezusatz.

Und übrigens: Der auf dem Foto 1 gezeigte Kanal birgt eine Überraschung!

Wer hätte gedacht, dass der Kanalwind, der zwischen Wasserspiegel und unbenetzter Kanalwandung hier meist in Fließrichtung bläst, einem Volumenstrom von über 3.000 m³/h entspricht?

Dieser Betrag ist ein Mittelwert mehrerer Messungen. Und nun stelle man sich vor es gibt stromabwärts einen Einzelverlust, z. B. durch eine Vereinigung, eine Verengung oder eine Richtungsänderung. Die Konsequenz ist simpel: Die Aerodynamik verursacht eine lokale Luftdruckerhöhung und damit eine Luftströmung durch naheliegende Schächte nach oben und wer zufällig darüber steht, dem zieht es durch die Hosenbeine. 

5. Die dunkle Seite vom Kanalgestank,

wird dann beleuchtet, wenn Schwefelwasserstoff in der Luft liegt. Schwefelwasserstoff (H2S) ist ein Gas, das bei der Fäulnis von Biomasse entsteht, also auch wenn Abwasser sehr lange von der Anfallstelle zur Kläranlage fließen muss. Es ist extrem giftig und riecht schon bei geringen Konzentrationen nach faulen Eiern. Schwefelwasserstoff betäubt zudem ab einer bestimmten Konzentration ( 200 ppm = 0,2 Liter H2S pro Kubikmeter) die  Geruchsrezeptoren und kann dann nicht mehr gerochen werden. 5 Tausendstel H2S verteilt in einem Kubikmeter Luft töten in wenigen Sekunden.

Nun kommen wir zu der Analogie mit dem faulen Zahn zurück: Kanäle sind wenigstens genauso wertvoll wie Zähne eines Lebendigen. Der Gestank aus dem Kanal ist ein starkes Indiz auch dafür, dass der Kanal „kariös“ wird. Und das kann dann beim „Zahnarzt“ analog so ausschauen:

Kanalgestank

Foto 4: Durch falsche Kanalbelüftung trat in diesem Fall Schwefelwasserstoff aus dem Abwasser in den Schacht und wurde nicht – wie erforderlich – über die Entlüftungsleitung über Dach abgezogen. Der Schwefelwasserstoff löste sich im Kondenswasser und bildete im Schachtinneren schweflige Säure. Diese sehr aggressive Säure zersetzte nicht nur die Steigeisen, sondern auch den Zement der Fliesen auf der Berme (Auftritt neben dem Gerinne), wie an den fehlenden Fliesen zu erkennen ist. Das Ereignis wird auch biogene Korrosion genannt.

Kanalisationen sind nicht nur sehr teuer, sondern sie sollen theoretisch im besten Fall 80-100 Jahre halten. Zu einem anspruchsvollen Kanalbetrieb gehört es deshalb dafür zu sorgen, dass Frischluft in die Kanäle und Schächte gelangt, damit die unterirdischen Bauwerke trocken gehalten werden. Das dabei auch der Kanalgestank beseitigt wird, ist in Bezug auf die Werterhaltung ein willkommener Nebeneffekt.

Die korrekte Lüftung von Kanalisationen ist eine Aufgabe der Wartung von Kanälen aber diese ist nicht immer Stand der Technik.

Maßnahmen zur korrekten Belüftung von Kanalisationen sind teuer, in der Regel aber verhältnismäßig und damit Stand der Technik, weil eine trockene Kanalatmosphäre die Lebensdauer (Nutzen) der sehr teuren Kanalisationen gegenüber unbelüfteten Kanalisationen (normalerweise unnötige Sanierungskosten) spürbar verlängert. Daneben gibt es noch weitere Vorteile.

6. Voraussetzungen für öffentlichen Kanalgestank und es kommt auf das Maß an!

Dass Kanäle hin und wieder müffeln, muss hingenommen werden. Auch mit einer guten Gestaltung und Planung der Be- und Entlüftung von Kanalisationen ist nicht auszuschließen, dass es alle 365 Tage im Jahr nicht müffelt, denn die Be- und Entlüftungsöffnungen in Kanalisationen sind nur eine notwendige Voraussetzung dafür, dass es nicht aus den Kanaldeckeln herausstinkt. Die weitere/n notwendige/n Voraussetzung/en lautet/n:

  • Die Dichte der Kanalluft ist größer als die der Außenluft und/oder
  • der Wind, der über die Dächer bläst, hat genug Kraft, um die Kanalluft aus den Kanälen, über die Grundleitungen, durch die Fallleitungen der Häuser und die Abluftöffnungen im Dach zu saugen.

Die Konsequenz ist dann, dass Frischluft über die erwähnten Löcher der Kanaldeckel in die Kanalisation eindringt, diese trocknet, den Schwefelwasserstoff – sollte er anwesend sein – verdünnt und über Dach abzieht. Siehe dazu das folgende Foto:

Kanalgestank

Eine schlechte Be- und Entlüftung kann also viele Ursachen haben:

  • Mangelhafte Entlüftung des Kanals, weil nicht alle sanitären Fallleitungen über Dach gezogen wurden.
  • Mangelhafte Entlüftungen des Kanals wegen aufgelockerter oder fehlender Bebauung.
  • Mangelhafte Entlüftungen des Kanals wegen mangelhafter Belüftung (verschlossene Schächte, Einbau von Filtern).

Im Vergleich zu dem, was früher so investiert wurde, um den Kanalgestank loszuwerden, ist der Aufwand für eine Be- und Entlüftung, wie wir sie für Teilkanalisationen beherrschen, eher bedeutungslos. Gezeigt wird in der folgenden Abbildung eine „Hochschachtlüftung“, ausgeführt um 1880 in Blackpool (England). Die Schachtdeckel hatten damals noch keine Lüftungslöcher und die sanitären Fallleitungen wurden nicht über Dach entlüftet. Nur für diese Aufgaben gab es die im folgenden Bild dargestellten zwei Rohrsysteme.

Kanalgestank

Hochschachtlüftung, ausgeführt um 1880 in Blackpool (England). Links ist die Lufteinlasssäule zu sehen und an der Giebelwand des Hauses ist der Abluftkamin befestigt.


7. Verursacht das Sparen von Trinkwasser Kanalgestank?

Bei dem Beurteilen dieser These ist Zurückhaltung ratsam, denn wenn es stimmt, dass es unmöglich ist gegen den Wind zu stinken, dann kann das Wassersparen im Kanal nicht die Ursache für den Kanalgestank sein.

Erklärbar wäre, dass es häufiger und deutlicher stinken kann, wenn Trinkwasser gespart wird.

Im Grunde – wenn eine kleine Abschweifung erlaubt wird- ist das Trinkwassersparen im wasserreichen und gebildeten Deutschland sowieso eine äußerst komische Angelegenheit, denn

1. regnet es in der Sahara nicht deshalb häufiger, wenn die Deutschen Wasser sparen und

2. verursacht das Trinkwassersparen bei der Wasserverteilung und in der Kanalisation zusätzliche Kosten, die dann über Gebühren und Beiträge refinanziert werden.

Das übermäßige Sparen von Wasser in Deutschland verträgt sich nicht mit dem Verstand, von dem meint, er hätte davon nicht zu wenig. Sachlich ist das Komische also nicht erklärbar.

Insofern ist es klüger und nicht komisch sondern kostensparend, wenn rational und nicht emotional entschieden bzw. gehandelt wird. Aber das versucht die Masse der Menschen schon seit Tausenden von Jahren vergeblich. Als Erfahrungssatz mag gelten:

Wenn etwas komisch ist, dann hat man es

  1. tatsächlich mit Komik oder
  2. mit einem auf dem ersten Blick nicht offensichtlichen Geschäftsargument zu tun.

8. Und der Schluss!

Ich denke, es wurde dargelegt, dass Erfahrungen für die Bewertung praktischer und theoretischer Aerodynamik in Kanalisationen – also für die Untersuchungen und Bewertung von Kanalwinden schlechthin – im Institut für Wasserwirtschaft Halbach ausreichend seit mittlerweile über 10 Jahren vorliegen. Dabei wurden einige für die Effizienz notwendige Erfahrungen und Methoden in diesem Bericht unerwähnt gelassen.

Und wir haben neben Erfahrung auch Referenzen, die sich sehen lassen können.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass alle ggf. erforderlichen Luftausbreitungsberechnungen der ö.b.u.v. Sachverständige Herr Dr. Krauß (SHN Chemnitz) bislang und sicher auch künftig in bester Qualität für uns bzw. für unsere Auftraggeber erstellte, denn Niemand will, dass die Kanalluft, die wir an der einen Stelle zwecks Belüftung absaugen an einer anderen Stelle in ein Schlafzimmer, von wem auch immer, bläst.

Angeboten wird eine solide Lösung und diese will gut vorbereitet sein, denn mitunter sind die Kanalwinde nicht oder nur schwer berechenbar.

So, und wenn Sie immer noch da sind und diese letzte Zeile lesen, dann staune ich über Ihr Interesse und es freut mich, weil der Beitrag nicht umsonst verfasst wurde.

U. Halbach




Kanalgestank

Korrekte Be- und Entlüftung einer Kanalisation verhindert Kanalgestank

Ist die Be- und Entlüftung einer Mischwasserkanalisation mangelhaft oder nicht leistungsfähig, dann kann es Kanalgestank geben!

Voraussetzungen für öffentlichen Kanalgestank…

…und es kommt auf das Maß an!

Kanalgestank

Dass Kanäle hin und wieder müffeln, muss hingenommen werden. Auch mit einer guten Gestaltung und Planung der Be- und Entlüftung von Kanalisationen ist nicht auszuschließen, dass es alle 365 Tage im Jahr nicht müffelt, denn die Be- und Entlüftungsöffnungen in Kanalisationen sind nur eine notwendige Voraussetzung dafür, dass es nicht aus den Kanaldeckeln herausstinkt. Die weitere/n notwendige/n Voraussetzung/en lautet/n:

  • Die Dichte der Kanalluft ist größer als die der Außenluft und/oder
  • der Wind, der über die Dächer bläst, hat genug Kraft, um die Kanalluft aus den Kanälen, über die Grundleitungen, durch die Fallleitungen der Häuser und die Abluftöffnungen im Dach zu saugen.

Die Konsequenz ist dann, dass Frischluft über die erwähnten Löcher der Kanaldeckel in die Kanalisation eindringt, diese trocknet, den Schwefelwasserstoff – sollte er anwesend sein – verdünnt und über Dach abzieht. Siehe zur Entlüftung das folgende Foto:

Kanalgestank

Eine schlechte Be- und Entlüftung kann also viele Ursachen haben:

  • Mangelhafte Entlüftung des Kanals, weil nicht alle sanitären Fallleitungen über Dach gezogen wurden.
  • Mangelhafte Entlüftungen des Kanals wegen aufgelockerter oder fehlender Bebauung.
  • Mangelhafte Entlüftungen des Kanals wegen mangelhafter Belüftung (verschlossene Schächte, Einbau von Filtern).

Im Vergleich zu dem, was früher so investiert wurde, um den Kanalgestank loszuwerden, ist der Aufwand für eine Be- und Entlüftung, wie wir sie für Teilkanalisationen beherrschen, eher bedeutungslos. Gezeigt wird in der folgenden Abbildung eine „Hochschachtlüftung“, ausgeführt um 1880 in Blackpool (England). Die Schachtdeckel hatten damals noch keine Lüftungslöcher und die sanitären Fallleitungen wurden nicht über Dach entlüftet. Nur für diese Aufgaben gab es die im folgenden Bild dargestellten zwei Rohrsysteme.

Kanalgestank

Hochschachtlüftung, ausgeführt um 1880 in Blackpool (England). Links ist die Lufteinlasssäule zu sehen und an der Giebelwand des Hauses ist der Abluftkamin befestigt.

Weiteres im aufschlussreichen Beitrag Kanalgestank muss nicht sein. Ursachen und eine innovative Lösung!

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(Beitrag vom Juli 2013, aktualisiert im Februar 2017)

 




Rückstau, Einstau, Überstau, Überflutung

Überflutung – Bewertung einer Schadensursache

Bewertung einer Schadensursache als Rückstau, Einstau, Überstau und/oder Überflutung

Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung

(Beitrag vom Februar 2010, mehrmals ergänzt)

Bei der Bewertung der Schadensursache durch Wasser aus Kanalisationen ist nach [2], [3] und [5] zu differenzieren zwischen:

  • Einstau – Wasserstand zwischen Rohrscheitel und GOK (hinreichend präzise: Schachtdeckelunterkante wird nass). Der Energiespiegel im Abwasserkanal steigt über den Rohrscheitel = Rückstau, d. h. das Abwasser bleibt im Kanalsystem
  • Überstau – Wasserstand auf bzw. über GOK. Insoweit als Bezugsebene für den Überstau die GOK gewählt wurde – siehe auch empfohlene Überstauhäufigkeiten Tabelle 3 [2] – entspricht ein Überstau einem Wasseraustritt aus der Kanalisation (hinreichend präzise: Kanaldeckeloberkante wird nass) „Überstau bezeichnet einen Zustand, bei dem der Wasserstand die Geländeoberkante erreicht und das Wasser aus dem Kanalnetz auszutreten beginnt bzw. zufließendes Wasser nicht vom Kanalnetz aufgenommen werden kann.“ [5]
  • Überflutung – Auftretende Schäden bzw. Funktionsstörungen durch Überstau. Energielinie bis über Gelände, Abwasseraustritt aus dem Kanal. Abwasser fließt auf Überschwemmungswegen ab, d. h. das Abwasser fließt z. T. oder vollständig aus dem Kanalsystem heraus. (Kanaldeckeloberkante wird nass und durch den Wasseraustritt können Schäden entstehen) „Als Überflutung wird in Deutschland ein Zustand angesehen, bei dem ein Wasserstand auf der Oberfläche auftritt, der einen Schadensfall nach sich ziehen kann.“ [5]  (Kommentar: Die Kombination mit der Möglichkeit eines Schadens überzeugt nicht. Massives Austreten von Wasser z. B. aus einem Schachtdeckel ist hydraulisch gesehen eine Überflutung, die nicht regelgerecht und nach der DIN  752-2 zu  begrenzen ist. Oberflächenüberflutung nach DIN 752-1: „Zustand, bei dem Schmutzwasser und/oder Regenwasser aus einem Entwässerungssystem entweichen oder nicht in dieses eintreten können und entweder auf der Oberfläche verbleiben oder von der Oberfläche her in Gebäude eindringen (siehe auch „Überflutung“)“ und Überflutung nach DIN 752-1: “ Zustand, bei dem Schmutzwasser und/oder Regenwasser aus einem Entwässerungssystem entweichen oder nicht in dieses eintreten können oder in Gebäude eindringen.“ )

(GOK = Geländeoberkante)

Meine Ergänzungen:

1. Rückstau = Wasserspiegel im Kanal wird angehoben, berührt aber noch nicht den Rohrscheitel. Berührt er den Rohrscheitel, dann wird der Rückstau aus hydraulischer Sicht zum Einstau. Nach allgemeinem Verständnis bleibt es ein Rückstau.

2. Hinsichtlich Überflutung bei der Siedlungsentwässerung in Kombination mit der Möglichkeit von Schäden durch Wasserabfluss außerhalb von Kanalisationen:

  • Überflutung durch oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser innerhalb der Siedlung
    • oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser gelangt gar nicht erst in Kanalisationen, weil diese
      • überlastet oder
      • nicht leistungsfähig genug sind oder
      • nicht vorhanden sind
  • oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser von außen liegenden Gebieten (z. B. Wiesen, Feldern, Wald) verursacht Schaden
    • durch seinen oberflächlichen Ablauf
    • durch sein nicht berücksichtigtes Eindringen in Kanalisationen (Folge: Überlastung der Kanalisationen)

Ggf. Planungsmangel: Abflüsse in Gräben oder kaum sichtbar ausgeprägten Tälern, die sich nur bei Starkregen mit Wasser füllen, werden unterschätzt oder gar nicht berücksichtigt. Das betrifft auch das Füllen von Mulden in Siedlungen bei Extrem- oder Starkregen.

Die Ableitung oberflächlich ablaufenden Niederschlagswassers von außen liegenden Gebieten in Kanalisationen ist ein Ausnahmefall, der besonderer Vorkehrungen bedarf.

In der Regel sollte die Abflussspitze von oberflächlich ablaufenden Niederschlagswassers von außen liegenden Gebieten durch Seen und/oder Regenrückhaltebecken vergleichmäßigt werden und der Abfluss dann gedrosselt unmittelbar in die Vorfluter möglichst in Gräben abgeleitet werden.

Hinweise zur Wertung von Rückstau

Im Fall eines Gutachtens für die Stadt Bornheim waren Überflutungen bzw. Kanalüberschwemmungen infolge Überstau relevant. Bei der Erstellung der Generalentwässerung wurde erkannt, dass ein Gebiet überflutungsgefährdet ist.

Es gelang zwar mit Erfolg die hydraulische Leistung der betreffenden Kanalabschnitte im Zuge der folgenden Kanalbaumaßnahmen deutlich zu vergrößern. Ein über die Spende des angesetzten Bemessungsregens hinausgehendes Ereignis führt aber trotzdem zwangsläufig zu einer Überflutung dieses Gebietes.

Nach dem technischen Regelwerk A 118 „Hydraulische Bemessung und Nachweis von Entwässerungssystemen“ [2] gilt:

Ist eine Überflutung angrenzender Grundstücke aufgrund der topographischen und sonstigen örtlichen Gegebenheiten zu befürchten, sind geeignete (konstruktive) Maßnahmen am Straßenverlauf umzusetzen oder die Ableitung des überschüssigen (Ab-)Wassers in ungefährdete Flächen zu prüfen.

Bei dem Schutz vor Überflutungen ist das Geländeprofil zu berücksichtigen:

Geländeneigung eines Baugrundstückes nach Gassener, E. und Heckenbücker, B. (Quelle: [4, S. 331])

Überflutung

Höhenlage eines Hauses und Oberflächengestaltung der Umgebung mit Rücksicht auf die Ableitung der Niederschläge [4

Geländeregulierung zum Schutz der Bebauung gegen Überflutung nach [5]

Überflutung

Geländeregulierung zur Sicherung der Bebauung durch Überflutungsgefahr [5

Weitere Hinweise unter [4,  Kapitel 10].

Private Gebäudesicherung gegen Schäden durch oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser durch den Grundstücks- bzw. Gebäudeeigentümer

Fallbeispiel 1 aus Bad Elster:

Flutweg

Flutweg für oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser – MediClin – Gebäude in Bad Elster (Der Hang links gehört zum Brunnenberg)

Fallbeispiel 2 aus Marienbad

(Nachtrag am 02.01.2016)

Flutweg

Oberer Flutweg für oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser – Gebäude der Univerzita Karlova V Praze in Marienbad

Flutweg

Unterer Flutweg für oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser als zusätzliche Sicherung der Lichtschächte – Gebäude der Univerzita Karlova V Praze in Marienbad

Flutweg

Mündung des oberen in den unteren Flutweg für oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser und weiterer Verlauf bergabwärts – Gebäude der Univerzita Karlova V Praze in Marienbad

Fallbeispiel 3 aus Brumby:

Flutweg

Wohl von der Kommune angelegter Flutweg in Brumby: Sachsen – Anhalt

Die Gebäudesicherung gegen Schäden durch oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser kann gegliedert werden in private Sicherungen durch den Gebäude- bzw. Grundstückseigentümer und in jene öffebtlichen Sicherungen für die die Kommune zuständig sein dürfte.

Meist wird ein Niederschlagswasserbeseitigungskonzept notwendig werden, denn der beste private Flutweg ist nutzlos, wenn das Wasser nicht ohne Schäden bis in das nächste Fließ- oder Standgewässer abgeleitet werden kann.

Es hat den Anschein, dass das Anlegen eines Flutweges eher die Antwort auf einen bereits eingetretenen Schaden ist, als Konsequenz einer  rechtzeitigen Nutzung wasserwirtschaftlichen Sachverstandes. Den Ingenieuren muss zu Gute gehalten werden, dass ihre Ratschläge, wenn deren Umsetzung Geld kostet, in den Kommunen wenig auf Gegenliebe stoßen. Andererseits ist eine gewisse Grundskepsis in den Kommunen gegenüber „Beraterratschlägen“ auch zu verstehen.

Ziel und Sinn von Überflutungsnachweisen:

„Im Rahmen des Überflutungsnachweises werden die Auswirkungen der aus dem Kanalnetz ausgetretenen Wassermengen durch lokale Maßnahmen, wie z. B. Erhöhung von Bordsteinkanten, Schaffung oberirdischer Überflutungswege, etc. auf ein Mindestmaß reduziert.“ [5]

Bzw. meine Auswertung, Ergänzung und Meinung:

Auf der Grundlage eines Überflutungsnachweises können und müssen (DIN EN 752-2) die Auswirkungen der aus dem Kanalnetz ausgetretenen Wassermengen durch lokale Maßnahmen, wie z. B.

  • Erhöhung von Bordsteinkanten,
  • Schaffung oberirdischer Überflutungswege,
  • etc.

auf ein Mindestmaß reduziert werden.

Eigentümer gefährdeter Grundstücke sind nachweislich über die mögliche Gefahr einer Überflutung zu informieren.

Siehe auch:

Literatur

[1] Abwassertechnische Vereinigung e. V.
Richtlinien für die hydraulische Berechnung von Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanälen
1984, 5. Auflage (unveränderter Text von 1977), ATV-A 118

[2] Abwassertechnische Vereinigung e. V.
Hydraulische Bemessung und Nachweis von Entwässerungssystemen
1999, ATV-A 118

[3] ATV-Handbuch
Bau und Betrieb der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1995

[4] ATV-Handbuch
Planung der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1994

[5] Federal Housing Administration: Land Planning.
Bulletin Nr. 3. Abschnitt Block and Lot Grading,
Washington D.C. (1954/8)
aus [4]

[6] Überstau und Überflutung
Arbeitsbericht der ATV-Arbeitsgruppe 1.2.6
KA Abwasser Heft 9 (1995) S. 1597-1598

***

Ergänzt am 09.12.2011




Rückstau, Rückstauebene und Rückstausicherung

Der Rückstau im Kanalnetz als sekundäre Ursache von Grundstücksschäden

Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung
Rückstaugutachten

Inhalt:

  • Welche Vorgänge laufen beim Rückstau ab?
  • Wann ist ein Rückstau nicht möglich?
  • Wer ist für die Rückstausicherung verantwortlich?
  • Wirkung von Rückstausicherungen
  • Wirkung von Rückstausicherungen an falscher Stelle
  • Gebäudeschaden bei undichter Grundleitung und Kellerlenzung bei hohem Grundwasserstand
  • Rückstauschleifen
  • Bezug von Rückstausicherungen
  • Rechtsprechung
  • Weitere Informationen
  • Literatur

Siehe auch:

Wenn Abwasser oder Fäkalien in den Keller strömen und keine Verstopfung der Grundstücksentwässerung vorliegt, dann handelt es sich meist um Rückstau. Dabei fließt dann im öffentlichen Kanal angestautes Abwasser über die Grundstücksentwässerungsleitung in den Keller.

Derartige Effekte sind seit zig-Jahren bekannt und die Vermeidung solcher Probleme gehört zu dem Grundwissen eines Fachingenieurs oder eines Installationsbetriebes.

Mit Rückstau ist grundsätzlich zu rechnen!

Wenn der Artikel auch „Der Rückstau im Kanalnetz als sekundäre Ursache von Grundstücksschäden“ genannt wird, so ist die primäre Ursache von manchen Grundstücksschäden durch Rückstau eine fehlende oder falsch eingebaute Rückstausicherung.

Rückstausicherungen sind über 100 Jahre alt

Rückstau

Fachbuch von GENZMER (1924)

Sie sind als keine neue „Erfindung“ der Kommunen bzw. der Abwasserzweckverbände.

Der Absatz 4 des § 23 der Berliner Polizei-Verordnung über die „Herstellung und Betrieb von Grundstücksentwässerungen« usw. vom 26. Okt. 1910 lautet:

»Die Genehmigung zum Anschluß solcher Einläufe, die tiefer als die Straßenbordkante liegen, wird nur widerruflich erteilt. Der Eigentümer hat für den ordnungsmäßigen Zustand und die richtige Handhabung der Verschlüsse Sorge zu tragen und ist für alle durch etwaigen Rückstau hervorgerufene Schäden verantwortlich.« 

Quelle: GENZMER (S. 47)

 

 

 

 

Rückstauschutz war in Erfurt schon 1929 Bestandteil der Polizeiverordnung:

 

Kopie aus dem Fachbuch von Gürschner, u. a.: Der städtische Tiefbau, III. Stadtentwässerung, Verlag B.G. Teubner Leipzig, Berlin und Leipzig, 1921 (pdf-Datei): Sicherung vor Rückstau ist a.a.R.d.T. wenigstens seit 1921

Rückstau 1921

 

Rückstausicherung 1924

Rückstausicherung

Abbildung 2 : Variante einer einfachen Rückstausicherung (1924) aus dem o.g. Fachbuch von GENZMER

 

 

 

 

 

 

 

 

Welche Vorgänge laufen beim Rückstau ab?

Das Schema veranschaulicht die Entstehung eines Rückstaus in einem Schmutzwasserkanal.

Dargestellt wurde ein Schnitt durch ein Schmutzwasserkanalisationsfragment.

Nach dem unterliegenden Schacht im Schema wurde eine Störung (Kanaleinbruch) dargestellt.

(Zu gleichen Auswirkungen führen beispielsweise auch Ausfälle von Abwasserhebeanlagen.)

Ständig zufließendes Abwasser führt zu einer Vollfüllung des oberhalb liegenden Kanalabschnittes und zur Füllung betroffener Schächte.

Mit den Entwässerungskanälen sind die Grundstücke durch einen Hausanschlusskanal verbunden.

In dem Fall, dass der Gebäudekeller über eine offene ungeschützte Verbindung zum Hausanschlusskanal verfügt, wird der Keller nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren geflutet (Abbildung 3).

Diese offenen Verbindungen zum Hausanschlusskanal können z. B. Fußbodenentwässerungen, in Kellern aufgestellte Toiletten, Duschen u. a. m. sein.

Im Ergebnis der Überflutung steigt das Wasser in den „verbundenen Röhren“ so hoch wie die niedrigste „Röhre“ reicht. (Abbildung 3)

In dem gezeichneten Fall ist dies die Oberkante des unteren Schachtes.

Rückstausicherung

Abbildung 3 : Wirkung bei fehlender Rückstausicherung

Wann ist ein Rückstau nicht möglich?

Ein Rückstau ist nicht möglich, wenn die Öffnungen der Hausentwässerung oberhalb der Straßenoberkante liegen. (Möglich sind Sicherheitszuschläge bis 30 cm.) Siehe hierzu Abbildung 4.

Nach [1, Seite 128 ] gilt:

Entscheidend ist jeweils, daß ein Rückstau des Abwassers so lange unschädlich ist, wie ein Austritt … des Abwassers vermieden wird. Gibt es unterhalb „der Rückstauebene“ bei den Grundstücksentwässerungsanlagen ungesicherte Öffnungen oder Auslässe, so besteht die Gefahr, dass bei starken Regenfällen oder bei einer starken Inanspruchnahme des Abwassernetzes der Rückstau ein Ansteigen des Wassers in den Einlaufschächten und in den Räumen, in denen sich Öffnungen zur Abwassereinleitung befinden, nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren bis zur Rückstauebene hervorruft, wenn nicht besondere Schutzeinrichtungen eingebaut worden sind. Diese Gefahr zu vermeiden, liegt nicht nur im wohlverstandenen Interesse der angeschlossenen Grundstücke, sondern auch im öffentlichen Interesse einer geordneten Abwasserbeseitigung.“ [1/S. 128]

Der Rückstau kann sich aus verschiedenen Störungsereignissen, aber auch infolge planmäßiger Reinigungsarbeiten ergeben.

In der DIN 1986 Teil 1 und im Kommentar zur DIN gibt es ausführliche sowie eindeutige Hinweise, wie Kellerüberflutungen und Rückstau in Räumen auszuschließen sind.

Wesentliche Aspekte sind, dass Rückstau

  • ein planmäßiges Ereignis sein kann,
  • in der öffentlichen Kanalisation auch im laufenden Betrieb nicht dauerhaft vermieden werden kann.

Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene müssen für den Rückstaufall gemäß DIN 1986-1, Abschnitt 7 gegen das Austreten von Abwasser gesichert werden, ansonsten kann Abwasser in das Gebäude eindringen. … Überflutungen gefährden Menschen, …, verursachen seuchenhygienische Gefahren und wirtschaftliche Schäden an Einrichtungen und Gebäuden. Diese Überflutungen sind vermeidbar. …“ [1/S. 127]

Rückstausicherung

Abbildung 4 : Wirkung einer vorhandenen und funktionierenden Rückstausicherung

Wirkung von Rückstausicherungen an falscher Stelle

Rückstausicherung

Abbildung 5 : Wirkung einer teilweisen Rückstausicherung weil diese an falscher Stelle eingebaut wurde

Wie Abbildung 5 darstellt kommt es auch darauf an, die Rückstausicherung an der richtigen Stelle einzubauen. Herr Rafael Nehring von der Energie & Wasser Potsdam GmbH veranschaulicht mit der Abbildung 5 häufige Fehler, die er im Rahmen seiner Tätigkeit feststellte. Werden sanitäre Fallleitungen aus Geschossen, die über der Rückstauebene liegen nach der Rückstausicherung eingebunden, dann fließt im Rückstaufall das sanitäre Abwasser aus diesen Etagen über die sanitären Einrichtungsgegenstände in den Kellerräumen in die betreffenden Kellerräume.

Rückstausicherung

Abbildung 6: Wirkung einer teilweise vorhandenen Sicherung vor Rückstau wegen falscher Einbindung der Regenwasserfallleitungen

Wird eine Regenwasserfalleitung vor der Rückstaisicherung eingebunden, dann flutet die Dachentwässerung im Regenfall & Rückstaufall den Keller (Abbildung 6)

Gebäudeschaden bei undichter Grundleitung und Kellerlenzung bei hohem Grundwasserstand

Grundwasserschäden

Abbildung 7 : Rückstausicherung unnötig, aber Gebäudeschaden bei undichter Grundleitung und Kellerlenzung bei hohem Grundwasserstand

Hauseigentümern, deren Keller geflutet wurde, wird geraten, den Wasserspiegel im Keller nicht schneller abzusenken, als der Grundwasserspiegel sinkt. Analog wird auch empfohlen, den Keller zu fluten, wenn der Grundwasserspiegel hochwasserbedingt schnell ansteigt, um einerseits zu vermeiden, dass der Keller verschlammt wird und um andererseits zu vermeiden, dass Fundament und Fußboden Schaden nehmen.

In der Abbildung 7 wird eine Situation dargestellt in der nach meiner Überzeugung eine undichte Grundleitung zu einer plötzlichen Kellerflutung führte. In der Grundleitung befandl sich kurz unter dem Kellerlehmfußboden ein Loch, das im Hochwasserfall zumindest teiweise verschlossen war. Die Entleerung der Grundleitung über die öffentliche Kanalisation verursachte einen Wassserdruck auf die teilweise verschlossenene Kanalundichtigkeit, der dann wieder zu einem Freispülen der undichten Grundleitung und damit zu einer schnellen Kellerentleerung führte.

In der Konsequenz wurde durch die Grundwasserströmung Bodenfeinanteile aus dem Fundamentbereich gespült.Es traten so erhebliche Gebäudeschäden auf, die zu einer bauaufsichtlichen Sperrung des Hauses führten.

Das ist aber ein Einzelfall, der kein Grund ist, alle Hausanschlussleitungen ausnamslos europaweit inspizieren und sanieren zu müssen. Siehe dazu u.a.: Bewertung der Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen

In Gebieten, in denen hochwasserbedingt das Grundwasser Keller zu fluten vermag, können allerdings dichte Grundleitungen Fundamenschäden vermeiden.

Rückstauschleifen

Neben der Rückstausicherung, die in die Grundleitung eingebaut wird, kommen auch sog. „Rückstauschleifen“ zur Anwendung. Dabei handelt es sich um eine Abwasserdruckrohrschleife eines kleinen Abwasserpumpwerkes, welches das Abwasser aus Räumen, die unter der Rückstauebene liegen, über einen Hochpunkt in den öffentlichen Schmutzwasserkanal heben.

Siehe hierzu  z. B.

Wer ist für die Rückstausicherung verantwortlich?

Grundsätzlich ist in aller Regel der Grundstückseigentümer oder ggf. sein Beauftragter (Planer, Installationsbetrieb…) für den Schutz seines Grundstückes vor Rückstau selbst verantwortlich.

Einzelheiten (Höhe der Rückstauebene) sind in der Entwässerungssatzung festgelegt.

DIN 1986-1 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke

Auszug:

„7.2.2 Schmutzwasser, das unterhalb der Rückstauebene anfällt, ist der öffentlichen Kanalisation über eine automatisch arbeitende Abwasserhebeanlage rückstaufrei (Heben über die Rückstauebene, Rückstauschleife) zuzuführen; abweichend davon darf bei Vorhandensein natürlichen Gefälles und für Räume in Bereichen untergeordneter Nutzung

– Schmutzwasser aus Klosettanlagen oder tirinalanlagen (fäkalienhaltiges Abwasser) über Rückstauverschlüsse nach DIN 19 578 Teil 143) abgeleitet werden, wenn der Benutzerkreis der Anlagen klein ist (wie z.B. bei Einfamilienhäusern, auch mit Einliegerwohnung) und ihm ein WC oberhalb der Rückstauebene zur Verfügung steht,

– Schmutzwasser ohne Anteile aus Klosettanlagen oder Urinalanlagen (fäkalienfreies Abwasser) über Rückstauverschlüsse nach DIN 1997 Teil 142) oder DIN 19 578 Teil 143) abgeleitet werden, wenn bei Rückstau auf die Benutzung der Ablaufstellen verzichtet werden kann.

Aggressive Kanalgase und fäkalienfreies Abwasser

Bei fäkalienfreiem Abwasser (DIN 1986 Teil 32) kommt es nicht allein darauf an, dass die Rückstausicherung keinen Kontakt mit Fäkalien hat, sondern auch darauf, dass der Gasraum der Grundstücksentwässerung keine Verbindung zu einem Kanal hat, der fäkalienhaltiges Abwasser führt oder der zu einer Kleinkläranlage führt in der fäkalienhaltiges Abwasser behandelt wird.

Im Falle des Einbaus einer Rückstausicherung wird Folgendes empfohlen:

  • Wenn die Leitung Abwasser führt, dann Einbau einer Rückstausicherung, die für abwasserführende Leitungen zugelassen ist.
  • Einbau durch einen Fachbetrieb und Gewährleistung des korrekten Einbaus, der korrekten Art der Rückstausicherung und des Einbaus an der richtigen Stelle durch einen Fachbetrieb
  • Wartung und Dokumentation der Wartung der Rückstausicherung lt. Vorschrift durch einen Fachbetrieb

Weitere Informationen:

Empfohlen wird als Leitfaden: Heinrichs u. a.: Kommentar zur DIN 1986 und DIN EN 1610 „Gebäude- und Grundstücksentwässerung“. Beuth Verlag GmbH, 6. Auflage, 2016.

Bei der Nachrüstung einer Rückstausicherung durch Eigenbau sollte man sich den Schaden vor Augen halten, der entsteht, wenn diese private Rückstausicherung deshalb nicht funktioniert!

Hinweise zu öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen, wie sie Ingenieuren bekannt gemacht werden, können dem ATV-Handbuch „Planung der Kanalisation“ [4] entnommen werden.

Nach OHLENROTH [2] gilt: „Es gehört schon seit jeher zu den ungeschriebenen Grundsätzen eines Entwässerungsentwurfes, daß sich der Entwurfsverfasser auch Gedanken darüber macht, wo im Überstaufall das Überstauwasser bleibt.“

Entscheidend ist die Klärung der Frage, wo das Wasser im Grundstück hinfließt, wenn die Kanalisationsschächte – auch die reinen Schmutzwasserkanalschächte – bis Straßenoberkante überstaut sind?

In dem Fall, dass die am tiefsten liegende Entwässerungsöffnung der Grundstücksentwässerung, z. B. Fußbodenablauf im Keller oder in der tiefer liegenden Garage, Wasserablauf der Waschmaschine… im Keller liegt – unterhalb der Straßenoberkante (Rückstauebene) – dann ist ein Schutz vor Rückstau notwendig.

In dem Fall dagegen, dass die am tiefsten liegende Entwässerungsöffnung der Grundstücksentwässerung deutlich über der Straßenoberkante (Rückstauebene) liegt, dann ist kein Schutz vor Rückstau notwendig. Ein derartiger Fall ist z. B. dann vorstellbar, wenn das Haus am Hang und die Straßenoberkante z. B. unterhalb der Kellersohle liegt.

Keine Rückstausicherung ist notwendig, wenn beispielsweise die Grundleitung an der Kellerdecke aufgehängt wurde und es unterhalb der Straßenoberkante keine Öffnung dieses Entwässerungssystems im Haus oder im Grundstück gibt.

Abgesehen davon, dass es ein konkretes schriftliches Regelwerk – DIN – für die Vermeidung von Rückstau gibt, ist grundsätzlich ein Erfahrungssatz und ein Naturgesetz zu beachten:

  • In Kanalisationen kann es planmäßig und außerplanmäßig zu Einstau oder Rückstau kommen.
  • Flüssigkeiten (Abwasser) folgen dem Naturgesetz der kommunizierenden Röhren.

Allein daraus sind unter Beachtung der örtlichen Leitungsführungen Maßnahmen zur Rückstausicherung zu treffen.

Nachtrag am 19.112.2016:

Ob der Schadensfall durch einen Regen, Starkregen oder Extremregen verursacht wurde, ist für die Notwendigkeit des Rückstauschutzes unerheblich.

Wenn das schadenstiftende Wasser ausschließlich aus Entwässerungseinrichtungen (z.B.: aus Duschabläufe, Fußbodenentwässerung, Toiletten im Keller oder in Souterrainwohnungen) austrat, die unter der Rückstauebene liegen bzw. lagen, so ist die Tatsache einer Kellerflutung allein hinreichend für den Beweis, dass eine Rückstausicherung erforderlich ist.

Entscheidend für die Bewertung muss nicht die Rückstauebene der öffentlichen Entwässerungsanlage sein, sondern es kann allein oder außerdem die Situation der Grundstücksentwässerung relevant sein.

Gelangt das schadenstiftende Wasser nur zum Teil oder gar nicht aus Entwässerungseinrichtungen die unter der Rückstauebene liegen bzw. lagen, so sind zusätzlich die Aspekte des oberflächlich ablaufenden Wassers wasserwirtschaftlich und dann sicher auch rechtlich zu bewerten.

Siehe hierzu z.B. : Überflutungen – Ermittlung der Ursachen und Lösungswege

Nachtrag am 22.08.2017:

Merksatze:

  • Wenn ein Überflutungsschaden ausschließlich durch Wasser, egal welcher Art, verursacht wurde, welches aus wenigstens einer Entwässerungseinrichtung kam, die unterhalb der Rückstauebene lag, war eine Rückstausicherung erforderlich oder eine Vorhandene wurde nicht korekt ausgewählt, eingebaut, falsch gewartet oder hat aus welchen Gründen auch immer versagt.
  • Ob es beim Schadensereignis geregnet hat oder nicht, oder wie stark es geregnet hat spielt für die Notwendigkeit eines Rückstauschutzes keine Rolle.
  • Eine Kellerüberflutung über oder durch eine Entwässerunsgseinrichtung ist als Tatsache hinreichender Beweis für die Notwendigkeit einer Rückstauisicherung.
  • Sicherung vor Rückstau ist a.a.R.d.T. wenigstens seit 1921

Bezug von Rückstausicherungen

Links über die Funktion der Rückstausicherungen sowie über Bestelladressen von Rückstausicherungen wurden ohne Wertung und Kommentar aus dem Internet gezogen:

In aller Regel sind Rückstausicherungen von Baumärkten oder von Installationsfirmen zu beziehen.

Eine außergewöhnlich anschauliche Darstellung der Funktionen von Rückstausicherungen ist der Homepage der Wuppertaler Stadtwerke zu entnehmen.

Siehe auch: Überflutung

 Rechtsprechung:

Der Hausanschluss und die Prüfungspflichten des Installateurs

Siehe auch:

Referenzen:

 

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)

Literatur:

[1] Heinrichs, Rickmann, Sindergeld, Störrlein: Gebäude- und Grundstücksentwässerung.
Kommentar zu DIN 1986;1. Aufl. Berlin: Bauverlag Beuth, 1995.

[2] Ohlenroth: Ein weiterer Beitrag zum BGH-Urteil vom 5. Oktober 1989 über die Bemessung von Regen-und Mischwasserkanälen. Korrespondenz Abwasser Heft 4/1991.

[3] Hosang, u.a.
Abwassertechnik
B.G. Teubner Stuttgart 1993

[4] ATV-Handbuch
Planung der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage, 1994

[5] Preißler/BollrichTechnische Hydromechanik
VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1980

[6] DIN Taschenbuch
Abwassertechnik
Gebäude und Grundstücksentwässerung
Beuth 1989

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Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung

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Artikel vom 8. Feb 2010, überarbeitet am 11.02.2017 und am 27.04.2017

Siehe auch: Wikipedia

 

 



Rückstau!

Inhalt:

Wenn Abwasser oder Fäkalien in den Keller strömen und keine Verstopfung der Grundstücksentwässerung vorliegt, dann handelt es sich meist um Rückstau. Dabei fließt dann im öffentlichen Kanal angestautes Abwasser über die Grundstücksentwässerungsleitung in den Keller.

Derartige Effekte sind seit zig-Jahren bekannt und die Vermeidung solcher Probleme gehört zu dem Grundwissen eines Fachingenieurs oder eines Installationsbetriebes.

Mit Rückstau ist grundsätzlich zu rechnen!

Welche Vorgänge laufen beim Rückstau ab?

Das Schema veranschaulicht die Entstehung eines Rückstaus in einem Schmutzwasserkanal.

Dargestellt wurde ein Schnitt durch ein Schmutzwasserkanalisationsfragment.

Nach dem unterliegenden Schacht im Schema wurde eine Störung (Kanaleinbruch) dargestellt.

(Zu gleichen Auswirkungen führen beispielsweise auch Ausfälle von Abwasserhebeanlagen.)

Ständig zufließendes Abwasser führt zu einer Vollfüllung des oberhalb liegenden Kanalabschnittes und zur Füllung betroffener Schächte.

Mit den Entwässerungskanälen sind die Grundstücke durch einen Hausanschlusskanal verbunden.

In dem Fall, dass der Gebäudekeller über eine offene ungeschützte Verbindung zum Hausanschlusskanal verfügt, wird der Keller nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren geflutet.

Diese offenen Verbindungen zum Hausanschlusskanal können z. B. Fußbodenentwässerungen, in Kellern aufgestellte Toiletten, Duschen u. a. m. sein.

Im Ergebnis der Überflutung steigt das Wasser in den „verbundenen Röhren“ so hoch wie die niedrigste „Röhre“ reicht.

In dem gezeichneten Fall ist dies die Oberkante des unteren Schachtes.

Wann ist ein Rückstau nicht möglich?

Ein Rückstau ist nicht möglich, wenn die Öffnungen der Hausentwässerung oberhalb der Straßenoberkante liegen. (Möglich sind Sicherheitszuschläge bis 30 cm.)

Nach [1, Seite 128 ] gilt:

„Entscheidend ist jeweils, daß ein Rückstau des Abwassers so lange unschädlich ist, wie ein Austritt … des Abwassers vermieden wird. Gibt es unterhalb „der Rückstauebene“ bei den Grundstücksentwässerungsanlagen ungesicherte Öffnungen oder Auslässe, so besteht die Gefahr, daß bei starken Regenfällen oder bei einer starken Inanspruchnahme des Abwassernetzes der Rückstau ein Ansteigen des Wassers in den Einlaufschächten und in den Räumen, in denen sich Öffnungen zur Abwassereinleitung befinden, nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren bis zur Rückstauebene hervorruft, wenn nicht besondere Schutzeinrichtungen eingebaut worden sind. Diese Gefahr zu vermeiden, liegt nicht nur im wohlverstandenen Interesse der angeschlossenen Grundstücke, sondern auch im öffentlichen Interesse einer geordneten Abwasserbeseitigung.“ [1/S. 128]

Der Rückstau kann sich aus verschiedenen Störungsereignissen, aber auch infolge planmäßiger Reinigungsarbeiten ergeben.

In der DIN 1986 Teil 1 und im Kommentar zur DIN gibt es ausführliche sowie eindeutige Hinweise, wie Kellerüberflutungen und Rückstau in Räumen auszuschließen sind.

Wesentliche Aspekte sind, dass Rückstau

  • ein planmäßiges Ereignis sein kann,
  • in der öffentlichen Kanalisation auch im laufenden Betrieb nicht dauerhaft vermieden werden kann.

„Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene müssen für den Rückstaufall gemäß DIN 1986-1, Abschnitt 7 gegen das Austreten von Abwasser gesichert werden, ansonsten kann Abwasser in das Gebäude eindringen. … Überflutungen gefährden Menschen, …, verursachen seuchenhygienische Gefahren und wirtschaftliche Schäden an Einrichtungen und Gebäuden. Diese Überflutungen sind vermeidbar. …“ [1/S. 127]

Wer ist für die Rückstausicherung verantwortlich?

Grundsätzlich ist in aller Regel der Grundstückseigentümer oder ggf. sein Beauftragter (Planer, Installationsbetrieb…) für den Schutz seines Grundstückes vor Rückstau selbst verantwortlich.

Einzelheiten (Höhe der Rückstauebene) sind in der Entwässerungssatzung festgelegt.

Weitere Informationen 

Hinweise zu öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen, wie sie Ingenieuren bekannt gemacht werden, können dem ATV-Handbuch „Planung der Kanalisation“ [4] entnommen werden.

Nach OHLENROTH [2] gilt: „Es gehört schon seit jeher zu den ungeschriebenen Grundsätzen eines Entwässerungsentwurfes, daß sich der Entwurfsverfasser auch Gedanken darüber macht, wo im Überstaufall das Überstauwasser bleibt.“

Entscheidend ist die Klärung der Frage, wo das Wasser im Grundstück hinfließt, wenn die Kanalisationsschächte – auch die reinen Schmutzwasserkanalschächte – bis Straßenoberkante überstaut sind?

In dem Fall, dass die am tiefsten liegende Entwässerungsöffnung der Grundstücksentwässerung, z. B. Fußbodenablauf im Keller oder in der tiefer liegenden Garage, Wasserablauf der Waschmaschine… im Keller liegt – unterhalb der Straßenoberkante (Rückstauebene) – dann ist ein Schutz vor Rückstau notwendig.

In dem Fall dagegen, dass die am tiefsten liegende Entwässerungsöffnung der Grundstücksentwässerung deutlich über der Straßenoberkante (Rückstauebene) liegt, dann ist kein Schutz vor Rückstau notwendig. Ein derartiger Fall ist z. B. dann vorstellbar, wenn das Haus am Hang liegt und die Straßenoberkante z. B. unterhalb der Kellersohle liegt.

Keine Rückstausicherung ist notwendig, wenn beispielsweise die Grundleitung an der Kellerdecke aufgehängt wurde und es unterhalb der Straßenoberkante keine Öffnung dieses Entwässerungssystems im Haus oder im Grundstück gibt.

Abgesehen davon, dass es ein konkretes schriftliches Regelwerk – DIN – für die Vermeidung von Rückstau gibt, ist grundsätzlich ein Erfahrungssatz und ein Naturgesetz zu beachten:

  • In Kanalisationen kann es planmäßig und außerplanmäßig zu Einstau oder Rückstau kommen.
  • Flüssigkeiten (Abwasser) folgen dem Naturgesetz der kommunizierenden Röhren.

Allein daraus sind unter Beachtung der örtlichen Leitungsführungen Maßnahmen zur Rückstausicherung zu treffen.

Auszug aus einem Gerichtsgutachten von

Uwe Halbach, Werdau im September 1999

Rückstausicherungen

Links über die Funktion der Rückstausicherungen sowie über Bestelladressen von Rückstausicherungen wurden ohne Wertung und Kommentar aus dem Internet gezogen:
http://www.kessel.de/ewt/produkte/rueckstausicherungen/index.html.de
http://sentex.de/

In aller Regel sind Rückstausicherungen von Baumärkten oder von Installationsfirmen zu beziehen.

Literatur:

[1] Heinrichs, Rickmann, Sindergeld, Störrlein: Gebäude- und Grundstücksentwässerung.
Kommentar zu DIN 1986;1. Aufl. Berlin: Bauverlag Beuth, 1995.
[2] Ohlenroth: Ein weiterer Beitrag zum BGH-Urteil vom 5. Oktober 1989 über die Bemessung von Regen-
und Mischwasserkanälen. Korrespondenz Abwasser Heft 4/1991.
[3] Hosang, u.a.
Abwassertechnik
B.G. Teubner Stuttgart 1993
[4] ATV-Handbuch
Planung der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage, 1994
[5] Preißler/Bollrich
Technische Hydromechanik/1
VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1980
[6] DIN Taschenbuch
Abwassertechnik 1 – Gebäude und Grundstücksentwässerung
Beuth 1989




Überflutung

Überflutung am 31.05. und am 01.06.2013

Göltzsch und Weiße Elster am 01.06.2013

 




Überflutung

Überflutung – Ermittlung der Ursachen und Lösungswege

Die Ursachen einer Überflutung können vielfältig sein:

  • Starke Niederschläge?
  • Abflüsse, theoretische und tatsächliche!
  • Ungünstige Geländegestaltungen?
  • Waren Rückstausicherungen erforderlich?
  • Zu geringe Kanaldimensionierung?
  • Tatsächliche Leistung der Kanalisation?
  • Überflutung durch Kanalisationen?
  • Wege des Wassers?
  • Flutwege gepflegt und vorhanden?
  • Waren Flutwege erforderlich?
  • Flutung durch
    • Grundwasser?
    • bei Starkregen oberflächlich ablaufendes Wasser?
    • durch Gewässer?

Wer die Ursachen erforschte, der kennt auch Lösungen!

Unsere nachvollziehbaren und gut begründeten Gutachten zur Überflutung wurden schon in vielen Rechtsprechungen berücksichtigt.

Ein Beispiel unserer Mitwirkung: Urteil zur Überflutung eines Grundstückes

Siehe auch den Beitrag zur Bewertung einer Schadensursache als Rückstau, Einstau, Überstau und/oder Überflutung.

Weitere Informationen: Überflutung, Rückstau

Hatten Sie eine Überflutung? Dann denken Sie an die sofortige Beweissicherung bei Schäden infolge von Unwetter, Überflutung oder Rückstau!

Überflutung – Die Göltzsch tritt über ihre Ufer:

Überflutung Göltzsch 01 Juni 2013 _Nr05

Unscheinbar, aber das ist ein wichtiger Flutweg:

Fllutweg

Flutgraben Schackstedt – weiterer Verlauf

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)

 




Bodenabtrag von Intensivflächen bei Starkregen

„Wenn die Landwirtschaft sprichwörtlich den Bach runtergeht“

  • „Gerade aus Maisfeldern in Talauen und an erosionsgefährdeten Hängen fließt das Wasser besonders schnell ab. Dabei wird in erheblichem Umfang Oberboden ausgeschwemmt.“
  • „Laut Erosionsatlas beträgt der Bodenabtrag auf Intensivflächen bis zu 15 Tonnen pro Hektar und Jahr –bei einzelnen Starkregenereignissen sind Abträge von mehr als 100 Tonnen nachgewiesen.

Quelle: Wenn die Landwirtschaft sprichwörtlich den Bach runtergeht

Das sind einige der nicht reparablen Schäden der „erneuerbaren“ Energiepolitik.

2015_07_Starkregen_Schneidenbach_UH

Die Göltzsch an einem Julitag 2015 nach einem Starkregen.

 

16_2013_06_01

Die Göltzsch vor dem Zusammenfluss mit der Weißen Elster in Greiz am 16. Juli 2013 nach einem Starkregen.

Übrigens:

Energien waren noch nie und werden auch künftig nicht erneuerbar sein!

Anderenfalls gäbe es Perpetuum mobile.

Erstaunlich, dass die aktuelle Energiepolitik pseudowissenschaftlich Begriffe nutzen muss,  um sich selbst zu bestätigen.

In Sachsen zumindest werden andere physikalische Grundlagen über Energien z. B. in Sachsen schon in Klasse 7 vermittelt (siehe Lehrplan.)

Ich habe mir 1965 den Abschluss der polytechnischen Oberschule in Halle an der Saale erarbeitet. Hätte damals Jemand von der Erneuerbarkeit einer Energieform gefaselt, man hätte ihn für doof erklärt.

Die Zeiten und ihre Werte ändern sich.

Nach ständiger Wiederholung des MantrasEnergie ist erneuerbar!“ durch Unwissende geschehen täglich Wunder.

Irgendwann gibt es einen Anstieg der Energielinie und dann fließt auch das Wasser plötzlich bergauf. In der Vorstellung zumindest.

 

Lehrplan Physik Klasse 7. u.a. Energie, Energieformen, Energieumwandlung, Energieerhaltung Leistung und Wirkungsgrad

Lehrplan Physik Klasse 7. u. a. Energie, Energieformen, Energieumwandlung, Energieerhaltung, Leistung und Wirkungsgrad

 

Quelle: Serlo

Siehe z. B. auch: Potentielle und kinetische Energie in der Rohrhydraulik




Abwässer und verschmutzte Niederschlagswässer aus der industriellen Tierproduktion

Der folgende Beitrag zur Behandlung von Abwässern und verschmutzten Niederschlagswässern aus der industriellen Tierproduktion richtet sich an Landwirte. Zunächst ein kleiner Einblick in unsere umfangreichen und langjährigen Erfahrungen bei der Behandlung derartiger Abwässer.

(Kalkulationen zur wasserwirtschaftlichen Bewertung von Rindergülle sind am Ende des Beitrages zu finden.)

Zur Aufgabe:

Es geht um Niederschlagswässer, die bei der Ableitung von Flächen der industriellen Tierproduktion verschmutzt werden.

Standard ist inzwischen, dass Betriebe der industriellen Tierproduktion wenigstens zwei Kanalsysteme besitzen: Eines für Niederschlagswasser, das von unverschmutzten Dachflächen abgeleitet wird und eines für die Ableitung jenes Wassers, das auf verschmutzte Hof- und Straßenflächen fällt.

Zudem kann es noch Kanalfragmente für Silage und Melkhausabwässer geben.

Auch die beste Trennung der Niederschlagswässer, die auf das Gelände einer Milchviehanlage oder andere Tierproduktionsanlagen fallen, verhindert kaum ihre Verschmutzung durch folgendes ernstes Beispiel – hier jedoch solitär und aus den Schweizer Bergen:

Schweizer Kuhfladen - Original

Schweizer Kuhfladen im Angebot: Original, nachwachsend, nachhaltig, erneuerbar, energetisch, ganz sanft und garantiert 100 % Bio! Auch mit Echtheitszertifikat!

Ein starker Regen spült solche Stoffwechselendprodukte schnell in die Gewässer und dies besonders schnell, wenn die Grundlage keine Wiese, sondern z. B. eine Asphaltdecke ist. Ein Problem, wenn es viele Kühe und viele Haufen gibt.

Ebenso verschmutzen Futterresten, Stroh oder Abwässer aus Futtersilos das Niederschlagswasser. Solange die Sonne scheint und es nicht regnet, ist alles gut. Den Regenfall aber veranschaulicht folgende Dia-Show:

Da die Gewässerinspektion im Regenfall gewöhnlich unterbleibt, fällt es nicht weiter auf, wenn das abgeleitete Niederschlagswasser bei Regen etwas anders aussieht als Trinkwasser.

Überflutung Göltzsch 01 Juni 2013 _Nr02

Diese braune Farbe in diesem Gewässer kommt nicht aus Betrieben der industriellen Tierproduktion, sondern überwiegend von den Feldern der industriellen Pflanzenproduktion!

Abwasserpilze

Eine Konsequenz ungenügender Niederschlagswasserbehandlung kann ein Abwasserpilz im Gewässer sein.

Eine unstrittige Gewässerveränderung liegt dann vor, wenn man den Pilz ohne Mikroskop erkennen kann. Es handelt sich um eine unerwünschte Gewässerzustandsverbesserung für jene Tiere, die sich von derartigen Pilzen ernähren.

Abwasserpilz 5

Abwasserpilz, zu beobachten bei Sauerstoffmangel im Gewässer – heute ganz selten und in Deutschland vom Aussterben bedroht.

Ein Abwasserpilzchen muss keine Gewässerkatastrophe sein. Es kann beobachtet werden, wie nach einer gewissen Fließzeit manches Gewässer die Gewässergüteklasse 1 völlig ohne Aufregung und allein durch Nichtstun wiedererlangt. Das wundersame Geheimnis liegt in dem Naturgesetz mit dem Namen „Selbstreinigung“.

Reinigung landwirtschaftlicher Niederschlagswässer und -abwässer

Lösungen zur Reinigung der Abwässer und verschmutzten Niederschlagswässer aus der industriellen Tierproduktion sind vielfältig und es wäre wohl langweilig auf alle einzugehen.

Die Situation der Betriebswasserwirtschaft der industriellen Tierproduktion erfordert rationelle und kostengünstige Verfahren der Abwasserbehandlung.

Vorteilhaft sind jene, die vom Landwirt teilweise oder vollständig selber gebaut werden können. Mitunter tun es einfache Lösungen, denn ein Landwirt will und muss in erster Linie Tiere produzieren und keine Abwässer behandeln.

Eine Lösungsvariante der Behandlung verschmutzter Niederschlagswässer aus der industriellen Tierproduktion bestünde als erste Stufe aus zwei anaeroben Vorbecken, die wechselseitig betrieben werden. Z. B.:

  1. Becken 1 solange betreiben bis der Schlamm im Ablauf zu finden ist.
  2. Dann Becken 1 abstellen und Becken 2 in Betrieb nehmen.
  3. Wasser vom Becken 1 absaugen und in Becken 1 einleiten.
  4. Becken 1 trocknet z. B. 1 Jahr.
  5. Becken 1 mit Fahrlader beräumen.
  6. Wenn Becken 2 voll ist, Becken 2 abstellen und Becken 1 wieder in Betrieb nehmen.

Optional: Schlamm aus den Becken mit Güllefass entfernen.

Diese Lösung war in der kommunalen Abwasserreinigung früher Stand der Technik für kleine Anlagen und ist vereinzelt auch heute noch anzutreffen.

Weiteres dazu unter Anaerobe Vorbecken für Abwasserteiche.

Und für die nächsten Behandlungsschritte haben wir einfache Lösungen und wenn es sein muss, können wir aber auch auf hochtechnische Alternativen (z. B. Intensivbiologie) zurückgreifen.

Unsere diesbezüglichen Leistungen wären, je nach Situation und Bedarf:

  • Grundlagenermittlungen
    • Analysenplan
    • Ermittlung der Abwassermenge
    • Ermittlung der Frachten, vorzugsweise Nährstoffe CSB, BSB5
  • Erarbeitung von Varianten
    • Kostenkalkulationen
    • Nutzensanalysen und -bewertungen
  • verfahrenstechnische Berechnungen
  • Versuchskonzeptionen und -durchführung für den Risikoabbau
  • Aufgabenstellungen für Lieferung und/oder Planung
  • Projektsteuerung
  • Planungs- und Baukontrolle
  • Einfahrbetrieb
  • Gutachten

Einfahrbetrieb & Sauerstoffeintrag - Kläranlage iner MVA

Intensivbelüftung im Belebungsbecken der  Kläranlage einer MVA (Einfahrbetrieb)

Bezüglich der Leistungen „Versuchskonzeptionen und -durchführung für den Risikoabbau“ ist es wichtig zu wissen, dass die Reinigung landwirtschaftlicher Niederschlagswässer und -abwässer ziemlich unberechenbar sein kann.

Wer sicher gehen will, muss großzügig planen und bauen, oder er muss mit dem Bau und Betrieb einer großtechnischen Versuchsanlage (vielleicht 25 % der späteren Größe) Volumen und Leistungsvermögen der Endlösung begründen.

Rufen Sie uns an (+49 3761 5266) oder senden Sie eine E-Mail und Sie erhalten Referenzen.

Nun zum Abschluss noch ein kleiner Ausflug in die Güllenormative der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften:

Die Güllenormative der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften – mein Part war damals das Fachgebiet der Geflügelgülle – erlaubt Gülle mit der Fracht zu vergleichen, die häusliches Abwasser verursachen kann.

Gewählt wird als Beispiel 1 m³ Rindergülle. Hier nun einige Angaben über Rindergülle aus der Güllenormative:

  • 1 kg TM der Gülle verursacht 0,15 kg BSB5.
  • Der mittlere Gülle-TS beträgt ca. 6 % = 60 kg TM/m³ (Spannweite 4…10 %).
  • Also verursacht ein Kubikmeter 6 %-iger Gülle einen BSB5 in Höhe von 9 kg.
  • Der CSV übrigens, ist 7,33 mal größer als der BSB5.

Rechnen wir mit einem „Dorf-BSB5“ von 54 g BSB5/Ed, dann entspricht 1 m³ feinster Rindergülle – nach o. g. Prämissen – der täglichen Fracht des Abwassers eines Dorfes mit 167 Einwohnern (167 ≈  9/0,054) und wenn es mit 10 % dicke kommt, dann von 278 Einwohnern.

Ein weiteres Beispiel:

In einer Rindermastanlage (16.156 Plätze, männlich) fallen bei einer täglichen Lebendmassezunahme von 800-1000 g  nach Seite 12 der Normative für Gülleanfall täglich 390 m³ Gülle mit 7,4 % TS an. (Berücksichtigt wurde hier die gesonderte Ableitung des Reinigungswassers aus der Futterküche.)

Die Nährstoffe in der Gülle betragen für die Gesamtanlage (Aufzucht, Vormast und Mast) nach Seite 38 der Normative für Gülleanfall  630 t N/a und 140 t P/a. (Dabei wurden beim Stickstoff 10 % Verlust durch Stall, Aufbereitung und Lagerung berücksichtigt.)

390 m³ Gülle/d sind 131.400 m³ Gülle im Jahr. Daraus folgt bei 630 t N/a und 140 t P/a  eine Konzentration von 4,79 kg N/m³ Gülle und bzw. von 1,07 kg P/m³ Gülle.

In einem unscheinbaren „Güllefass“, gewählt wird ein Annaburger HTS 22.27, Baujahr 2010, mit 18.000 l Fassungsvolumen befindet sich dann eine Fracht von 86,2 kg N und 19,2 kg P.

(Bei kleineren Güllefässern wären die Frachten proportional herunter zu rechnen. Für z. B. 10 m³ Gülle gilt der Faktor 0,56.)

Nach der DWA A 131 verursacht ein Einwohner täglich eine Fracht von 10 g N und 2 g P.

Also:

Allein durch ein einziges Güllefass wird das betreffende Feld mit einer Fracht versehen, die der Abwasserfracht gemessen am Stickstoff, einer Kleinstadt von 8.622 Einwohner und gemessen am Phosphor von 9.600 Einwohner entspricht.

Und das alles muss fleißig aufs Feld aufgebracht werden. Es gibt keine Alternative.

Für erhebliche Abweichungen bei den Relationen der Güllefracht zwischen 1979 und 2016 erkenne ich keine Gründe.

Die Biogasanlagen reduzieren zwar den BSB5 und den nichtssagenden CSB. Die Nährstoffe bleiben in ihrer Fracht unverändert.

Wie man erkennt, ist bei der Gülle der CSB und BSB5 zweitrangig!

Aber das spielt kaum eine Rolle.

Peinlich wird es, wenn Kommunen die Versickerung biologisch gereinigten Abwassers in trockenfallenden oder nicht trockenfallende Gräben oder Vorfluter verboten wird.

Sachlich ist so etwas vielleicht in Trinkwasserschutzgebieten zu begründen, aber kaum einer von industrieller Landwirtschaft geprägten Gegend wie obiges Beispiel beweist.

Sicher ist die Güllenormative von 1979 nicht ohne Abstriche auf die modernen heutigen Tierproduktionsanlagen zu übertragen. Aber an der Tierphysiologie eines Rindes hat sich seit 1979 kaum etwas geändert. Die Kühe sehen immer noch gleich aus und verursachen Mist oder Gülle. Vielleicht nehmen sie heute schneller zu. Damit hätten sie aber auch eine größere Stoffwechselintensität. Das zu bewerten ist nicht mein Fachgebiet.

Für erhebliche Abweichungen bei den Relationen und Bewertungen der Güllefracht zwischen 1979 und 2016 erkenne ich keine Gründe.

Und schließlich:

Nach Reichholf, J. H. (Der Tanz um das goldene Kalb, Der Ökokolonialismus Europas, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 1. Auflage 2006) werden 2/3, also 133 Millionen Kubikmeter Gülle importiert, wobei es auf die eine oder andere Million wohl nicht ankommt. Hier eine seiner Feststellungen:

Die landwirtschaftliche Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser wie alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Hauptquelle der Überdüngung ist also nicht die Getreideproduktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung.

Weitere Überlegungen unter: Nitrat und Phosphor im Gewässer.

Güllenormative

Normative für Gülleanfall und Trockensubstanzgehalt von Gülle sowie Richtwerte für Menge und Konzentration ausgewählter Gülleinhaltsstoffe in Anlagen der Rinder-, Schweine- und Legehennenhaltung Landwirtschaftsausstellung der DDR – Markkleeberg 1979

Autoren der Güllenormative:

Institut für Düngungsforschung Leipzig-Potsdam der AdL, Bereich Potsdam
Prof. Dr. sc. Heinrich Koriath; Dr. sc Klaus Ebert; Dr. sc. Günter Rinno; Chem. Ing. Eberhard Thalmann
unter Mitarbeit von
Forschungszentrum für Tierproduktion Dummerstorf-Rostock der AdL, Bereich Technologie der Schweineproduktion
Dr. sc. Werner Franz; Dr. Dieter Jaenisch
Bereich Tierernährung
Prof. Dr. sc. Fritz Weißbach; Dr. Horst Jung; Dr. Werner Jentsch
Institut für Rinderproduktion Iden-Rohrback der AdL, Dr. Hermann Вalzer; Dipl. Landw. Eckhard Kaiser
Institut für Geflügelwirtschaft Merbitz Dr. Helmut Trapp; Ing. Uwe Halbach
Institut für Pflanzenernährung Jena der AdL, Bereich Agrochemische Untersuchungen
Dr. Bodo Witter
VEВ Landtechnische Industrieanlagen Nauen, Betriebsteil Ferdinandshof
Dipl.- Landwirt Wolfgang Bruhn

Wer sich aber für die Schweinemast interessiert:

Kostenloses E-Book zum Thema Schweinemast & Schweinefütterung mit umfassenden Informationen

(Eine Verlinkung für www.agrarnetz.com)




Starkregen überstieg den üblichen Bemessungsregen

38,1 mm Niederschlag in Schneidenbach (Vogtland) am 22.07.2015 bis 21:00 Uhr

2015_07_Starkregen_Schneidenbach_UH

Sehr viel CSB in der Göltzsch bei Schneidenbach, abends am 22.07.2015 nach einem Starkregen

Bewertung der Regenspende

In 15 Minuten fielen 21,4 mm Niederschlag. Auf einen Hektar fielen demnach 214.000 l Wasser. Das entspricht einer Regenspende von ca. 238 l/sha.

Der Bemessungsregen (KOSTRA) für dieses Gebiet beträgt bei einer einjährigen Wiederkehr und einer Regendauer von 15 Minuten 123 l/sha.

Die Überschreitung des Bemessungsregens betrug 115 l/sha bzw. 94 %.

Mit einem solchen 15 Minutenregen (Regenspende von 238 l/sha) ist im langjährigen Mittel aller 6 Jahre zu rechnen.

Die Gewässer werden häufig nur bei schönem Wetter bewertet.

So kann der Eindruck entstehen, wenn es darum geht , den Abtrieb jedes Milligrämmchens abfiltrierbaren Feststoffes oder des fiktiven Bedarfes von chemischen Sauerstoff aus Kläranlagen in die Gewässer zu verhindern. (Fiktiv deshalb, weil ein Gewässer oder ein Wasser unmöglich einen Bedarf an chemischen Sauerstoff hat oder haben kann, wenn er nach der DIN 38409, Teil 41, H 41-1 im Labor bestimmt wird. Es wäre sehr hilfreich und ein Quantensprung im Wasserrecht, wenn der CSB-Begriff wieder einen sachlichen Inhalt bekäme. )

Die Natur verunreinigt sich aber oft in erheblicher Weise selbst und verschmutzt sich – wie das Foto anschaulich beweisen mag – in einem solchen Maße mit CSB, dass in analoger Weise Geschäftsführer, Bürgermeister oder einfache Bürger als Betreiber von Kläranlagen in arge Erklärungsnot vor dem Staatsanwalt kommen würden, sähe der Ablauf ihrer Kläranlagen so natürlich aus, wie z. B. die Göltzsch nach einem Starkregen am 22.07.2015 oder wie der Ablauf eines Karpfenteiches bei seiner „Ernte“.

Die Überlegung soll darüber zum Nachdenken anregen, ob denn nicht nur beim Gewässer- und beim Naturschutz viele Vorstellungen und Regelungen auf Fiktionen und Doktrinen beruhen, so dass denen allesamt meist zwei Dinge fehlen dürften:

  • die Logik beim „Öko“
  • und die Wissenschaftlichkeit.

Die Wasserrechtler unterscheiden zudem feinsinnig zwischen erlaubter und unerlaubter Gewässerverschmutzung.

Liegt gar ein „Tatbestand der Diskriminierung“ vor, wenn und weil gleiche Sachverhalte, z. B.

  • Nährstoffeintrag durch die industrielle Landwirtschaft in die Gewässer,
  • Einleitung von Abwasser in einen Straßengraben oder in einen trockenfallenden Graben,
    • anaerob teilgereinigt nach DIN 4261-1 oder
    • aerob biologisch gereinigt

völlig unterschiedlich

  • strafrechtlich,
  • wasserrechtlich und
  • abwasserabgabenrechtlich

bewertet werden?

Könnte es sein, dass durch derartige gesetzliche Dogmen der Gesellschaft erhebliche Schäden entstehen, weil die wasserwirtschaftliche Effizienz der betreffenden Investitionen vom Gesetzgeber selbst verhindert wird?

Begünstigen manche gesetzlich definierten Schadstoffe, z. B.

die tatsächlich keine sind oder die nur unter ganz bestimmten Bedingungen zu unerwünschten Entwicklungen führen, Verstöße gegen das Sparsamkeits- und das Effizienzprinzip?




Rückstau

Konzept – Interview MDR Thüringen am 10.7.2014

Rückstausicherungen sind keine Erfindung von heute! Siehe z.B.: Gürschner, u.a. ,Der städtische Tiefbau III., Stadtentwässerung, Verlag B.G. Teubner, Leipzig Berlin und Leipzig 1921

Rückstausicherungen liefern z. B.:

Auch Abwasserhebeanlagen können für die Rückstausicherung genutzt werden.

Achtung!

Bei der Auswahl der Rückstausicherung ist die Abwasserart zu beachten. So dürfen z. B. Rückstausicherungen, die für Regenwasser gedacht sind, nicht für fäkalienhaltiges Abwasser eingesetzt werden!

Siehe z. B.: „6. Fachtechnische Ursache eines ausgewählten Rückstauschadens in Thüringen“ in Beweissicherung bei Schäden infolge von Unwetter, Überflutung oder Rückstau.

Ggf. Hersteller oder Installationsbetrieb konsultieren!

Mit Rückstau ist immer zu rechnen!

  • Reparaturen
  • Kanalhavarien
  • Starkregen

Rückstauschäden, dann wahrscheinlich

  • wenn Abwasser oder Regenwasser aus Entwässerungseinrichtungen des Gebäudes, meist im Keller austritt
  • wobei diese unter der Schachtdeckelhöhe in der jeweiligen Straße liegen

Rückstau, Überstau und Überflutung

  • Rückstau: Wasserspiegel im Kanal verläuft horizontal und kann aus den Straßenschächten austreten.
  • Überstau: Wasser tritt aus den Straßenschächten aus und fließt ggf. ohne Schaden zu verursachen im Straßenschnittgerinne ab.
  • Überflutung = Überstau + Schäden

Woher kommt das Wasser?

  • Von der Straße?
  • Kellerüberflutung durch hohen Grundwasserstand?
  • Aus Hausinstallationseinrichtung im Keller?
  • Vom Gelände (Wald, Acker, Maisfeld)?
  • Gibt es mehre Wasserwege?

Welchen Weg nimmt das Wasser?

  • Aus dem Schachtdeckel in das Kellerfenster?
  • Vom Straßenschnittgerinne in die Tiefgarage?

Vorbeugend

  • Häuser sind so zu schützen, dass oberflächlich ablaufendes Wasser, um die Häuser herumgeführt wird.
  • Flutwege sind anzulegen und überflutungsgefährdete Häuser sind auszuweisen und die ggf. betroffenen Grundstücksbesitzer sind zu informieren.
  • Von einer Überflutung spricht man, wenn durch Rückstau oder oberflächlich ablaufendes Wasser Schäden verursacht werden.
  • Örtliche Auskünfte geben die Abwasserzweckverbände oder Installationsbetriebe.

Rückstauschutz

  • Siehe Entwässerungssatzung der jeweiligen Kommune oder des jeweiligen Abwasserzweckverbandes.
  • Über technische Lösungen berät der Installationsbetrieb.
  • Rückstausicherungen müssen nachweispflichtig gewartet werden, sonst erlischt Versicherungsschutz.
  • Voraussetzung für die Planung des Rückstauschutzes ist, dass der Grundstücksbesitzer seine Grundstücksentwässerungsanlagen kennt und dokumentiert hat.

Im Schadenfalle – Beweissicherung

  • Videos – Fotos
  • Zeitpunkt – Zeugen benennen
  • Woher kam das Wasser?
  • Welchen Weg nahm das Wasser?

Siehe auch:  Überflutung, Rückstau

Gebäudesicherung gegen oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser

Flutweg für oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser – MediClin – Gebäude in Bad Elster (Der Hang links gehört zum Brunnenberg)

Siehe auch:

  • Rückstau

    Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)

 

 




Minimierung von Geruchsbelästigungen

Minimierung von Geruchsbelästigungen

Minimierung von Geruchsbelästigungen aus Kanalisationen

Lösungsweg und Erfolg sind mit unserer Methode vorher überprüfbar!

Das Prinzip und Ziel sollte leicht zu begreifen sein:

Schematische Darstellung einer korrekten Belüftung und einer falschen Entlüftung durch die Deckel von Abwasserschächten (U. Halbach)

(Die Graphik darf bei Quellenangabe kopiert werden.)

Simpel:

Wo es hineinzieht, kann es nicht herausmüffeln!

Siehe hierzu u.a.:

Zwei Gründe des Handelns

Es stinkt aus dem Schacht und  im Winter ist der Geruch sogar zu sehen!

Mit Party-Nebel wird der Gestank sichtbar!

Schwefelwasserstoff – ein Gas das bei saurer Fäulnis entsteht – zerstört Beton und viele Metalle.

Aber manchmal müffelt es nur spezifisch, ohne dass Schwefelwasserstoff eine Rolle spielt.

Bei ausströmendem Schacht und H2S korrodieren die Steigeisen!

So fing es an in Sachsen-Anhalt:

Immekath 2007.

Der Wasserverband Klötze (damaliger Geschäftsführer Herr Stiller) beauftragte 2007 das Institut für Wasserwirtschaft Halbach mit Messungen zur Ermittlung von Möglichkeiten zur Beseitigung der Gerüche aus dem Kanalnetz der Gemeinde Immekath.

Die Messeinrichtung hat der Wasserverband Klötze nach Angaben des Institutes anfertigen lassen.


fertige Abluftanlage in Immekath des WV Klötze

Kennlinienmessung 2007 in Roßla

Abluftmessungen durch Herrn Dr. Friedemann (Institut für Wasserwirtschaft Halbach) in Roßla im Juli 2007 – AZV Südharz

Fertiggestellte Anlage für das Zentrum von Weferlingen (AZV Aller-Ohre in Sachsen-Anhalt)

Abluftanlage des AZV Aller-Ohre in Weferlingen seit 2011 in Betrieb

Siehe: Geruchsbelästigungen in Weferlingen sind Geschichte!

Die Sachsen standen ein Jahr früher auf.

Versuch macht klug!

2006 Vorbereitende Messungen zum Bau einer Abluftanlage für den Chemnitzer Markt und Neumarkt (Foto Seidel)

*

Spektakuläre Messungen mit einer grosstechnischen Anlage an 3 Tagen im Juli 2006 auf dem Markt von Chemnitz

Zur Ermittlung der  Grundlagen für die Bemessung der Abluftanlage für die Kanalisation des Marktes und Neumarktes wurden über 3 Tage im Stadtzentrum mit einer großtechnischen Anlage die Abluftverhältnisse in der Kanalisation erfasst. An der Messung waren 2006 beteiligt:

  • Entsorgungsbetrieb der Stadt Chemnitz
  • Stadtwerke Chemnitz AG, jetzt eins energie in sachsen GmbH & Co. KG, 09111 Chemnitz
  • Bau-Anlagen-Umwelttechnik SHN GmbH
  • Tiefbauamt der Stadt Chemnitz
  • Rohrleitungsbau Altchemnitz RAC GmbH
  • Institut für Wasserwirtschaft Halbach
  • IfU GmbH

Der Erfolg hatte hier viele Väter.

Die Messeinrichtungen  wurde in den Folgejahren vom Institut für Wasserwirtschaft schrittweise verkleinert und in ihrer Genauigkeit verbessert. Siehe z. B. Foto: „Messungen des künftigen Anlagenwirkungsgrades in Welbsleben“.

Markant bei den Abluftproblemen im Zentrum von Chemnitz war keinesfalls der Schwefelwasserstoff. Der spielt/e im Stadtzentrum von Chemnitz  keine Rolle! Das Abwasser, das in einem Hauptsammler durch das Zentrum fließt, ist frisch. Nachvollziehbar, aber als störend empfunden wurde, dass sich der Thüringer Bratwurstduft schlecht mit dem Fichtennadel-Badezusatz vertrug, der aus unerklärlichen Gründen häufig aus den Schachtdeckeln trat.

Es entstehen zwei äußerst leistungsfähige Abluftanlagen für das Stadtzentrum von Chemnitz

  • 2008 für den Markt und Neumarkt (Abluftanlage Parkhaus Am Wall)
  • 2012 für die Innere Klosterstraße (Abluftanlage an der Fassade der Jugendherberge)

Abluftventilator auf dem letzten Geschoß des Parkhauses Am Wall in Chemnitz

Der Stadt Chemnitz gelang es, eine Abluftanlage für die Kanalisation  des Marktes und Neumarktes unauffällig mit einem Neubau des Parkhauses zu verbinden. Die Anlage ist seit 2008 in Betrieb. Der ursprünglich kalkulierte Wirkungsbereich wurde nach Inbetriebnahme übertroffen.

Beide Chemnitzer Anlagen werden in Abhängigkeit der Witterung und Tageszeit Teil- oder Volllast gesteuert.


Wirkungsbereich (gelb markiert) der zweiten Abluftanlage im Stadtzentrum von Chemnitz für die Innere Klosterstraße

 

Chemnitz, Getreidemarkt

Standort: An der Ostfassade der DJH Jugendherberge Chemnitz eins“ / City Hostel“

Abluftanlage für die Kanalisation der Inneren Klosterstraße in Chemnitz

Man achte auf den Abluftschornstein rechts an der Fassade:

Fertiggestellte Abluftanlage für die Kanalisation der Inneren Klosterstraße in Chemnitz

Unmittelbar über dem Boden befindet sich der Ventilator und darüber der Schalldämpfer. Der Rest ist Abluftschornstein.

Schallgedämpfter Ventilator – Betriebsleistung ca. 13.000 m³/h

Die linke Leitung ist die Abluftleitung. Die Anlage ist seit Juli 2012 in Betrieb.

2012 Messung der Wirkung Innere Klosterstraße Chemnitz

Überprüfung der Wirkung der Abluftanlage für die Innere Klosterstraße Chemnitz nach Fertigstellung

Kennlinienaufnahme in Welbsleben

Messungen zur Optimierung einer vom AZV Saalemündungen (Sachsen-Anhalt) errichteten Abluftanlage für ein Zwischenpumpwerk

Messungen zur Optimierung einer bestehenden Abluftanlage in Nienburg (Saale)

2013 und 2014 Messungen in Hannover

Messungen in der Stadt Hannover

Mit der Messanlage 2013 in Dresden

Stand des Institutes zur 15. Abwassertagung in Dresden 2013 mit Teilen der inzwischen beträchtlich weiterentwickelten mobilen Messanlage

Kalkulation der Höhe der Abluftschornsteine und Luftausbreitungsmessungen

Nach dem die künftigen Arbeitspunkte der Anlagenkennline gemessen wurden, ist wenigstens die Schornsteinhöhe der Abluftanlage zu kalkulieren.

Kalkulation der Abluftausbreitung 31,5 m über Grund – Abluftanlage Innere Klosterstraße in Chemnitz (Dr.-Ing. Thomas Krauß , SHN Chemnitz)

In kritischen Gebieten, z. B. Stadtzentren oder bei Tallagen sollten Varianten zur Ausbreitung der Abluftfahne kalkuliert und bewertet werden.

Diese Leistungen übernahm immer zuverlässig und fehlerfrei Herr Dr.-Ing. Thomas Krauß, ö.b.u.v. Sachverständiger für Luftreinhaltung der IHK Chemnitz.




Urteil zur Überflutung eines Grundstückes

Wertung von häufigen Überschwemmungen eines Grundstückes durch oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser
Urteil des Oberlandesgerichts Dresden

Abbildung 1: Straßenablauf durch Abschwemmung verstopft

 

Aktenzeichen: 1 U 1156/11
Landgericht Dresden 5 0 2917/09
Verkündet am: 31.07.2013
1. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Dresden durch
Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht Riechert,
Richterin am Oberlandesgericht Tews und
Richter am Oberlandesgericht Lau

 

 

 

 

 

 

Ausgewählte Zitate aus dem Urteil die Abwasserbeseitigung betreffend:

  • Hieraus folgt auch die drittschützende Amtspflicht, den Kläger im Rahmen des ihr Zumutbaren vor einer Überschwemmung seines Grundstücks durch aus dem öffentlichen Straßenraum abfließendes Niederschlagswasser zu schützen.
  • In den Schutzbereich der Amtshaftung fallen vielmehr auch solche Schäden, die darauf beruhen, dass das Regenwasser infolge unzureichender Kapazität oder Aufnahmefähigkeit der Kanalisation erst gar nicht in die Rohrleitung gelangt, sondern ungefasst auf die anliegenden Grundstücke dringt.
  • Bei der Ermittlung der erforderlichen Leitungseigenschaften ist grundsätzlich von der Gesamtmenge des abzuführenden Wassers auszugehen.
  • Bei der Bemessung des Leitungsquerschnitts ist nicht erforderlich, dass dieser so groß gewählt wird, dass selbst die bei einem katastrophenartigen Unwetter, wie es erfahrungsgemäß nur in sehr großen Zeitabständen vorkommt (sogenanntes „Jahrhundertereignis“), anfallenden Wassermassen aufgenommen und geordnet abgeführt werden können. Wirtschaftliche Gründe zwingen jede Gemeinde dazu, das Fassungsvermögen einer Regenwasserkanalisation nicht so groß zu bemessen, dass es auch für ganz selten auftretende, außergewöhnlich heftige Regenfälle ausreicht. Daher ist eine Dimensionierung im Hinblick auch auf katastrophenartige Unwetter, wie sie erfahrungsgemäß nur in sehr großen Zeitabständen vorkommen, nicht erforderlich
  • Eine klare Festlegung dazu, wann, d.h. bei welcher statistischen Häufigkeit von einem katastrophenartigen Unwetter gesprochen werden kann, ist in der höchstrichterlichen Rechtsprechung bislang leider nicht getroffen worden. Jedenfalls unzureichend ist aber eine Auslegung der Leitungsanlage anhand eines Berechnungsregens von nur einem Jahr, weil dies im Extremfall darauf hinauslaufen würde, dass die Anlieger es hinnehmen müssten, einmal jährlich einer Überschwemmung ausgesetzt zu werden.  Spiegelbildlich hierzu muss eine Abwasseranlage aber auch nicht so ausgestaltet sein, dass sie nur einem Jahrhundertereignis nicht standhalten kann.
  • Maßgeblich ist letztlich immer eine umfassende Würdigung der Gesamtumstände.
  • Ein Rückgriff auf allgemeine Regeln, etwa im Hinblick auf einen bestimmten „Berechnungsregen“ oder eine bestimmte „Ein- oder Überstauhäufigkeit“ (Wasseranstieg bis zur Geländeoberkante) verbietet sich jedenfalls dann, wenn im konkreten Fall bestimmte Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass ein darauf zugeschnittenes Ableitungssystem außerstande ist, das anfallende Wasser nicht nur in seltenen Ausnahmefällen, sondern darüber hinaus auch bei häufigeren, auch im Rahmen einer generalisierenden Betrachtungsweise zu berücksichtigenden Anlässen zu bewältigen. Dies kann etwa der Fall sein, wenn sich zeigt, dass es in dem betroffenen Straßenzug trotz einer Auslegung der Kanalisation auf den Berechnungsregen immer wieder zu Überschwemmungen kommt. Es bedarf demnach einer umfassenden Würdigung aller maßgeblichen abwasserwirtschaftlichen, -technischen und topographischen Gegebenheiten.
  • Diese Grundsätze sind grundsätzlich auch auf sog. „Altanlagen“ wie die hier gegenständliche anzuwenden, die die Gemeinde — z.B. von einer Rechtsvorgängerin — übernommen hat. Insoweit ist lediglich der Kostenaufwand für die Modernisierung der Altanlage an die aktuellen tatsächlichen Gegebenheiten in der Gesamtabwägung stärker zu pointieren.
  • Für den Anlieger ist es letztlich unbeachtlich, ob sein Grundstück von aus der Kanalisation austretendem Wasser oder solchem, welches mangels Aufnahmefähigkeit gar nicht erst in die Kanalisation gelangt, überflutet wird. Eine Abwasseranlage, welche so ausgelegt ist, dass in regelmäßigen Abständen ein Einstau auftritt, welcher die Aufnahme von (dann unkontrolliert abfließendem) Oberflächenwasser verhindert, dürfte nicht den abwassertechnischen Regeln entsprechen.

Es sind auch die örtlichen Gegebenheiten, insbesondere das Höhenniveau des Gebiets, die Wasserführung, die möglichen Fließwege des Abwassers bei Austritt aus den Einläufen, aber auch die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß eines zu befürchtenden Schadens im Verhältnis zur Durchführbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Abwehrmaßnahmen zu berücksichtigen.

Die juristische Begründung und der Gesamtzusammenhang ist dem Urteil 2013_Urteil_OLG_DD_Überflutung Gutachter Halbach zu entnehmen.

Abbildung 2: Veralteter Seitenablauf mit ungenügender Leistungsfähigkeit

Bezüglich der Abwasserbeseitigung lag die Ursache der Überflutung in einer veralteten und nicht hinreichend leistungsfähigen Straßenentwässerung, insbesondere in  mangelhaften und zahlreich veralteten Straßenabläufen mit wenig leistungsfähigem Seiteneinlauf (Abbildung 2).

Nicht nur leistungsfähige Straßenabläufes sind wichtig. Neben der regelmäßigen Reinigung (Abbildung 1) ist auch dafür zu sorgen, dass das Wasser in diese gelangen kann und nicht etwa vorbeifließt oder über diese hinweg schießt. (Literaturhinweis: Kurzbericht „Abflusswege auf Straßen – Feldversuch zur Ermittlung des Schluckvermögens von Straßeneinläufen“ vom 14.12.2011 des Institutes für Grundbau, Abfall- und Wasserwesen (IGAW) Fachbereich D, Abteilung Bauingenieurwesen, Bergische Universität Wuppertal von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Andreas Schlenkhoff und Dr.-Ing. Mario Oertel).

Die negative Wirkung des Hinwegschießens versucht man mitunter durch ein Absenken des Straßenschnittgerinnes, vielleicht auch in Kombination mit einem Gegengefälle nach dem Seitenablauf etwas zu mildern. In Abbildung 3 ist diese Lösung veranschaulicht. Man erkennt, dass es dem von links zum Straßeneinlauf fließenden Wasser in Schnittgerinnen schwer gemacht wird, über den Einlaufbereich hinaus zu schießen. In der Folge kommt es zu einem Aufstau bzw. einem Anheben des Wasserspiegels – also zu einer Vergrößerung des Wasserdruckes auf die freien Querschnitte – und damit zu einer Vergrößerung der hydraulischen Leistung.

Abbildung 3: Ausbildung des Rinnengefälles an den Straßenabläufen (nach Hahn und Langbein) Geissler, W. Kanalisation und Abwasserreinigung, Berlin – Verlag von Julius Springer, 1933

 

 

 

 

 

 

Hinsichtlich des Satzes im Urteil des OLG

Jedenfalls unzureichend ist aber eine Auslegung der Leitungsanlage anhand eines Berechnungsregens von nur einem Jahr, weil dies im Extremfall darauf hinauslaufen würde, dass die Anlieger es hinnehmen müssten, einmal jährlich einer Überschwemmung ausgesetzt zu werden. „

wären ggf. die entsprechenden Hinweise der DIN EN 752 zu beachten.

Siehe auch:  Überflutung, Rückstau.

Nachtrag am 28.09.2015: Ungenügendes Quergefälle auf dem Fußweg verursachte Erosionen und Überflutungen

Siehe hierzu die folgenden Fotos:

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Abbildung 4: Erosionen auf dem Fußweg

 

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Abbildung 5: Erosionen auf dem Fußweg

 

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Abbildung 6: Erosionen auf dem Fußweg

Das Wasser schoss z. T. beidseitig auf den Fußwegen zum Tiefpunkt des Teileinzugsgebietes der Kanalisation, gelangte dabei nur teilweise in die Straßenabläufe, sammelte sich am Tiefpunkt und überflutete (mit Schadensfolge) häufig ein Grundstück.

Als Ursache wurde erkannt:

  • ungenügendes Quergefälle der Fußwege
  • mangelhafte Leistungsfähigkeit der Straßenabläufe, obwohl sie in der Anzahl ausreichend vorhanden waren
  • keine ausreichende Berücksichtigung des starken Straßenlängsgefälles
  • keine Anlegung von Flutwegen

Die Straßenabläufe stammen möglicherweise aus der Zeit vor 1945.

Heute werden derartige Seitenabläufe wegen der schlechten Leistungsfähigkeit kaum noch eingesetzt.

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)




Beweis der Undichtigkeit des Hausanschlusskanals und der Grundleitung

Undichtigkeit und Fundamentschäden

Für eine Undichtigkeit kann es sichere Beweise und/oder Indizien geben.

Eine defekte Rohrinnenwandung, z. B. fehlende Scherbe, ist aber zunächst nur ein Indiz einer Undichtigkeit. Je nach Beweisbeschluss kann es auch hauptsächlich auf die Verbindung zwischen Grundwasser und Kanalinnerem ankommen.

Eine scheinbar undichte Leitung, der mit Gewissheit eine Scherbe fehlt, kann trotzdem hinreichend dicht sein, dann nämlich wenn z. B. die Schadstelle von außen Ton umgeben und damit abgedichtet ist oder wurde – ein Zustand, der allein mit einer Kamerainspektion nicht unbedingt erkannt werden muss.

Gleiches ist vorstellbar, wenn der Kanal über Abschnitte verfügt, die durch Tonsperren getrennt sind. Eine Undichtigkeit, die zwischen zwei Tonsperren liegt, muss nicht die Bodeneigenschaften derart verändern, dass z. B. ein Fundament Schaden nimmt.

Erst in Kombination mit nachgewiesenem Fremdwassereintritt oder Abwassseraustritt liegt m. E. der sichere Beweis einer für die Tragfähigkeit des Bodens schädlichen Undichtigkeit vor.

Ohne Fremdwasser ist eine fehlende Scherbe also eher als Indiz für eine Schädigung der Tragfähigkeit des Bodens zu werten.

Diese Bemerkungen über eine Undichtigkeit betreffen eher in Betrieb befindliche Kanalisationen.




Der chemische Sauerstoffverbrauch

Der chemische Sauerstoffverbrauch – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung? von U. Halbach

Kaffeetasse mit mächtig viel chemischem Sauerstoffverbrauch - nach wasserrechtlicher Deutung extrem schadstoffbelastet!

Fachartikel  veröffentlicht in der wwt 6, 7-8 und 9/2013

Auszug einer Leserzuschrift von Herrn Jürgen Wachtendorf am 13.11.2013:

Sie schreiben auf S. 16 im 1. Teil (etwas unter dem CSV/BSB-Bild): „Zusätzlich muss die ganze Mischung bei 148 +/- 3°C 110 Minuten schwach sieden. Da bekanntlich Wasser schon bei 100°C kocht, ist die Reaktion unter Druck zu halten.“  Diese Aussage ist nicht korrekt, bei der CSB-Bestimmung nach DIN wird das Reaktionsgemisch am Rückfluss bei normalem Luftdruck am Sieden gehalten. Reines Wasser kocht tatsächlich schon bei 100°C, das Reaktionsgemisch hat aber einen derart hohen Säure- und Salzanteil, dass der Siedepunkt viel höher als 100°C liegt, eben bei besagten 148°C. Ein erhöhter Druck ist hier nicht erforderlich. Bei der CSB-Bestimmung mit einem Küvettentest, mit dem auf vielen Kläranlagen die CSB-Analyse zuverlässig durchgeführt wird (und die – nebenbei bemerkt – wesentlich appetitlicher, umweltfreundlicher und unter Arbeitsschutzaspekten sicherer als das DIN-Verfahren ist), stehen die geschlossenen Küvetten leicht unter Druck, da sich die Luft in der verschlossenen Küvette durch die Hitze ausdehnt, erforderlich ist dieser Druck aber nicht.

Kommentar:
Ich folge den Argumenten! Vielen Dank für die Hinweise!
U. Halbach




Übertragbarkeit der Ergebnisse von Benchmarkuntersuchungen

Überlegungen zu dem Wert von Benchmarkingergebnissen

Die Nutzung von Benchmarkingergebnissen ist – auf die methodische induktive Logik reduziert – nichts weiter als ein simpler Analogieschluss, der wahr sein kann, aber nicht wahr sein muss. Für die Logik als Beweismethode sind zunächst als Begriffe, Objekte und Eigenschaften von Bedeutung, wobei es in der folgenden Tabelle keinen Zeilenzusammenhang gibt .
Abkürzungen oder BegriffeErklärungen / Definitionen
AbwasserDurch Gebrauch verändert, abfließendes Wasser und jedes in die Kanalisation gelangendes Wasser.
AbwasserabgabeDirekter Kostenbestandteil der Abwassergebühr, welcher für das Einleiten von Schadstoffen in ein Gewässer zu zahlen ist, richtet sich nach den eingeleiteten Schadeinheiten des Abwassers.
Belebtschlammaktive Biomasse, die schwebend in einer s. g. Belebtschlammkläranlage die biologische Reinigung übernimmt, mit Sauerstoff zu beatmen und mit Nährstoffen (Abwasserinhaltsstoffe) zu ernähren ist.
BenutzungsgebührGegenleistung für die tatsächliche Inanspruchnahme einer öffentlichen Einrichtung (z. B. Schmutzwasserbeseitigung)
BetriebskostenKosten, die durch den Betrieb der Anlage entstehen. Ermittlung bei Anlagen der Abwasserbeseitigung in der Regel getrennt nach Kanalnetz und Kläranlage. Die Betriebskosten umfassen bei Kläranlagen die Abwasserabgabe, Personal-, Sach-, Energie-, Instandhaltungs-, Schlammentwässerungs- sowie Schlammentsorgungskosten. Beim Kanalnetz beinhalten sie Instandhaltungs-, Wartungs-, Inspektions- sowie Energiekosten. Die Betriebskosten enthalten anteilig auch Verwaltungs- und Geschäftsführungskosten.
BSB5Biochemischer Sauerstoffbedarf innerhalb von 5 Tagen. Der BSB5 ist ein Maß für die Abwasserverschmutzung und wird mit Hilfe eines indirekten Verfahrens ermittelt. Gemessen wird die Atmungsleistung von Mikroorganismen, die biologisch verwertbare Abwasserinhaltsstoffe während der Untersuchungszeit von z. B. 5 Tagen „veratmen“ und dabei Sauerstoff verbrauchen. Es wird unter Laborbedingungen simuliert, welcher Sauerstoffverbrauch innerhalb von 5 Tagen im Gewässer bei Dunkelheit und bei 20°C entstehen würde. Die Angabe erfolgt in mg O2/l. Ein niedriger BSB5 ist gleichbedeutend mit einer geringen Verschmutzung. Sauberes Bachwasser hat einen BSB5 von 2...5 mg O2/l, häusliches Abwasser weist etwa 300...500 mg BSB5/l auf, Gülle erreicht 20.000...30.000 mg BSB5/l und der BSB5 von Hühnerblut liegt schätzungsweise bei 200.000 mg/l. Ein BSB muss nicht schädlich sein. Manache Tiere im und am Gewässer benötigen als Futter Inhaltsstoffe, die einen BSB verursachen.
BürgermeisterkanäleBei Bürgermeisterkanälen handelt es sich - rechtlich weitgehend ungeklärt - um all die Entwässerungseinrichtungen, die meist zu DDR Zeiten außerhalb der Bilanz zentraler Abwasserentsorger (in Sachsen z. B. die WAB) entstanden sind, der Schutz- und/oder Niederschlagswasserableitung mehrerer Grundstücke dienen und aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte noch nicht im Anlagenverzeichnis des heute zuständigen Abwasserentsorgers geführt werden.
M. Heuser
CSBChemischer Sauerstoffbedarf. Korrekt: CSV = Chemischer Sauerstoffverbrauch, weil weder die Abwasserprobe noch die Gewässer einen Bedarf an CSV haben, wie analog zum BSB5 in der Regel falsch geurteilt wird. Etwas, dass im Gewässer keinen Bedarf, keine Reaktion bzw. keine Wirkung verursacht, kann auch nicht schädlich sein.
DirekteinleiterEinleiter, der nach einer eigenen Abwasserbehandlung direkt in einen Vorfluter (Gewässer) einleitet.
EGWEinwohnergleichwert (60 g BSB5/Ed). Der Einwohnergleichwert dient in erster Linie dem Vergleichen einer industriellen Abwasserfracht (z. B. Molkerei, Schlachthöfe,...) mit jener Abwasserfracht, die eine bestimmte Anzahl von Einwohner verursacht. Bezogen auf die CSB-Fracht verursacht ein Einwohner täglich 120 g CSB/Ed.
Der EGW bezieht sich in der Regel auf die BSB5-Fracht, die ein Einwohner während eines ganzen Tages verursacht. Enthalten sind in dem EGW meist auch Lastanteile des Kleingewerbes!
ErfahrungssatzTechnischer Erfahrungssatz: anerkanntes Beweismittel für die Lösung gerichtlicher Beweisbeschlüsse im Rahmen von Gerichtsgutachten. Meist nicht schriftlich niedergelegte technische Selbstverständlichkeit, z. B. Wasser fließt nicht bergauf. Erfahrungssätze haben vor Gericht den gleichen, wenn nicht sogar einen höheren Stellenwert als eine technische Regel (DIN oder ATV-DVWK-Regelwerk,...).
Einwohnerwert (EW)Anzahl der Einwohner (E) + EGW
FrachtMasse der mit dem Abwasser oder Stoffstrom abgeleiteten Stoffmengen. Die Angabe wird auf einen Zeitraum bezogen, wie z. B. kg/h, kg/d oder t/a oder auf ein Produktionsergebnis bezogen, z. B. kg BSB5/t Brühwurst. Die Fracht des jeweiligen Inhaltsstoffes wird über die Kombination der gemessenen Konzentration (z. B. mg/l; g/m³) mit der im Zeitraum der Ermittlung der Abwasserkonzentration angefallenen Abwassermenge (meist kann auch der Wasserverbrauch als Grundlage gewählt werden), z. B. m³/d, errechnet. Siehe auch den Begriff „Last“
Fremdwasserunerwünschtes Regen- und Grundwasser in Abwasserleitungen
GKLGrößenklasse einer Kläranlage
IndirekteinleiterGewerbliches oder industrielles Unternehmen, dass nicht oder nur teilweise vorbehandeltes Abwasser einer kommunalen Kläranlage zuführt.
IndirekteinleiterkatasterDatenbank zur Erfassung und Bewertung von fracht- und mengenrelevanten gewerblichen sowie industriellen Abwässern, die in eine kommunale Kläranlage einleiten.
(Sie leiten indirekt über eine fremde Abwasseranlage in Gewässer ein.)
Jahreskostenallgemein gebräuchlich, Summe aus Betriebskosten und Kapitaldienst. Die Jahreskosten setzen sich also zusammen aus den jeweiligen Abschreibungen der Anlagenteile gemäß der veranschlagten Nutzungsdauer, dem durchschnittlichen kalkulatorischen Zins und den tatsächlichen Betriebskosten.
Lastoder Abwasserlast, Produkt aus Abwasserkonzentration und der dazugehörigen Abwassermenge. Der Begriff ist nur dann korrekt, wenn der Lastbeweis vorliegt. Sonst Fracht.
Lastbeweiswahrscheinliche oder tatsächliche konkrete Schadwirkung durch hinreichende Dosis des betreffenden Stoffes. D.h. eine Fracht wird erst dann zur Last, wenn sie tatsächlich eine Schadwirkung hat.
LAWALänderarbeitsgemeinschaft Wasser-Abwasser
spezifische FrachtProdukt aus Abwasserkonzentration und der dazugehörigen Abwassermenge dividiert z. B. durch die zugehörige Produktionseinheit (t oder kg ...) bzw. Bezugsgröße (EGW)
Mischwassersetzt sich aus Regen- und Schmutzwasser zusammen
RegenklärbeckenAbsetzbecken mit Schwimmstoffrückhalt im Regenwasserkanalsystem
RegenrückhaltebeckenMeist Speicherbecken im Regenwasserkanalsystem zur Vergleichmäßigung der Abflussspitzen und im Regenwasserkanal mit dem Ziel Erosionen im Gewässer zu vermeiden.
Regenspeicherbeckensiehe Regenrückhaltebecken
RegenüberlaufbeckenBecken im Mischwasserkanalsystem, mit dem im Regenfall der Schmutzstoß aufgefangen, zeitverzögert und gedrosselt zur Kläranlage weitergeleitet wird. Außerdem wird eine meist größere Teilmenge verdünnten Mischwassers im Regenfall in den Vorfluter geleitet. (RÜB, Sammelbegriff)
Regenüberlaufgrößere Teilmenge von verdünntem Mischwasser, die im Regenfall in den Vorfluter geleitet wird, auch als Einrichtung bekannt (RÜ)
RegenwasserNiederschlagswasser, das gemeinsam (Mischkanalisation) oder getrennt (Trennkanalisation) vom häuslichen Schmutzwasser abgeleitet wird und größtenteils eine gesonderte Behandlung erfordert.
SchadstoffStoff, hier im Abwasser, der bei einem konkreten Organismus durch eine konkrete Dosis eine schädliche Wirkung verursacht. Die wissenschaftliche Begrifflichkeit unterscheidet sich teilweise stark von jener des Gesetzgebers bis hin zu dem Fakt, dass Nutzstoffe fälschlich als Schadstoffe deklariert werden. So fehlt logisch gesehen dem CSB in aller Regel der Schadstoffbeweis und N sowie P sind primär keine Schadstoffe, sondern Nährstoffe. Ob sie schädlich wirken kommt auf die Situation an.
SchlammindexEigenschaft des Belebtschlammes, Index Schlammvolumen - ISV (Maß für die Absetzeigenschaften eines Schlammes). Gibt an, welches Schlammvolumen einem Gramm Belebtschlammtrockenmasse (TM) zu zuordnen ist. Bei einem ISV von z.B. > 150 ml/gTM ist die Absetzeigenschaft schlecht.
SchlammvolumenVolumen, das der Belebtschlamm nach 30 Minuten Sedimentationszeit in einem 1000 ml – Standzylinder einnimmt.
Schmutzfrachtsiehe Fracht
SchmutzwasserHäusliches Schmutzwasser: Abwasser aus Haushaltungen, öffentlichen Gebäuden und Kleingewerbebetrieben, das in jedem Fall im öffentlichen Kanalnetz abgeleitet und in der öffentlichen Abwasserreinigungsanlagebehandelt werden kann.
TrennbauwerkEinrichtung, die im Regenfall den Abwasserzulauf in bemessene Teilströme gliedert, wobei in der Regel ein Teil zur Kläranlage und ein anderer Teil in den Vorfluter geleitet wird. Mitunter sind Speicherbecken in einem Teilstrom zwischengeschaltet.
TrockenwetterabflussSumme aus Schmutzwasserabfluss und Fremdwasserabfluss
Stand der TechnikStand der Technik nach Wasserhaushaltsgesetz ist der Entwicklungsstand fortschrittlicher Verfahren, Einrichtungen oder Betriebsweisen, der die praktische Eignung einer Maßnahme zur Begrenzung von Emissionen in Luft, Wasser und Boden, zur Gewährleistung der Anlagensicherheit, zur Gewährleistung einer umweltverträglichen Abfallentsorgung oder sonst zur Vermeidung oder Verminderung von Auswirkungen auf die Umwelt zur Erreichung eines allgemein hohen Schutzniveaus für die Umwelt insgesamt gesichert erscheinen lässt. Siehe http://www.institut-halbach.de/2016/12/rechtsprechung-din-regel-stand-der-technik/
ÜberschussschlammAbfallprodukt im Ergebnis einer biologischen Reinigung in einer gesonderten Verfahrensstufe zu unterscheiden vom Vorklärschlamm.
VorklärschlammAbfallprodukt im Ergebnis eines Sedimentationsprozesses. Streng genommen kann weiter unterschieden werden, ob dieser Vorklärschlamm angefault oder ausgefault wird. Damit gibt es Unterschiede bei den Schlammmengen und Schlammqualitäten.
P85P = Perzentil, Häufigkeitsangabe einer Summenhäufigkeitskurve. Z. B. bedeutet 500 mg BSB5 /l als P85, dass 85 % aller Messwerte - z. B. eines Jahres - kleiner oder gleich 500 mg BSB5 /l waren.
Formelzeichen und AbkürzungenBedeutung
aJahr
a.a.R.d.T.allgemein anerkannte Regeln der Technik
Entwicklungsstand fortschrittlicher Verfahren, Einrichtungen und Betriebswesen, die als beste verfügbare Techniken zur Begrenzung von Emissionen praktisch geeignet sind. Verfahren, Einrichtungen usw. müssen fortschrittlich, technisch und wirtschaftlich durchführbar sein. Literatur: Arbeitsblätter im Regelwerk Abwasser/Abfall der Abwassertechnischen Vereinigung e. V. (ATV) und dem Verband kommunaler Städtereinigungsbetriebe (VKS), DIN-Vorschriften
AbwAGAbwasserabgabengesetz
BKLBodenklasse
BSB5Biologischer Sauerstoffbedarf in 5 Tagen
BTSSchlammbelastung
CSBChemischer Sauerstoffbedarf
dTag
EEinwohner
EGWEinwohnergleichwert (0,06 kg BSB5/Ed)
EWEinwohnerwert = E + EGW
FMFrischmasse (Trockenmasse + Wasser)
GKLGrößenklasse einer Kläranlage
Hmanmanometrische Förderhöhe
KAKläranlage
KAGKommunalabgabengesetz
KKAKleinkläranlage
KeEnergiekosten
MSmineralische Substanz
NStickstoff
PgesGesamtphosphorgehalt
PKKupplungsleistung
QAbwassermenge, Fördermenge
QdAbwasseranfall eines Tages
QmMischwasserzufluss oder -abfluss
QsSchmutzwasseranfall
RKBRegenklärbecken
SBRsog. Einbeckenkläranlage, bei der Belüftung und Abzug des gereinigten Abwassers intermittierend in demselben Becken erfolgt. Verfahren - SBR - in dem der Belebtschlamm zeitlich versetzt im Belebungsbecken sedimentiert. (SBR = sequencing batch reactor, also keine kontinuierliche Abwasserbehandlung in einem Becken, dem Reaktor, sondern Behandlung in Chargen, also in Produktionseinheiten und in Zeitabschnitten)
SESchadeinheit
tVerlegetiefe
TKNTotaler Kjeldahl-Stickstoff-Gehalt
TPPumpzeit
TSTrockensubstanz
WHGWasserhaushaltsgesetz

Ein korrekter Analogieschluss ist Ergebnis einer induktiven Argumentation (Schluss und Gründe, die den Schluss stützen) mit der Struktur:

Wenn gilt

• ein Objekt A hat eine Ähnlichkeit mit einem Objekt B und
• das Objekt B hat die Eigenschaft b1,

dann gilt

das Objekt A hat auch die Eigenschaft b1.

Genauer gilt:

Das Objekt A hat mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auch die Eigenschaft b1.

Dabei ist aber – und das ist tückisch – die Wahrscheinlichkeit wahrscheinlich zumeist eher unbestimmt, d. h. unbekannt. Die Argumentstärke (Wahrheitswert der Konklusion) ist abhängig von dem Beweis des Ausmaßes der relevanten Ähnlichkeit zwischen den Objekten und voraugesetzt das Argument ist korrekt, d. h. es liegt kein induktiver Fehlschluss vor.

Zu der offenkundigen Tatsache, dass ein Analogieschluss wahr sein kann, aber nicht wahr sein muss, gelangte man auch z. B. in einer entsprechenden DWA-Arbeitsgruppe

„Im vorliegenden Merkblatt DWA-M 174 „Betriebsaufwand für die Kanalisation – Hin-weise zum Personal-, Fahrzeug- und Gerätebedarf“ werden den in oben genanntem Arbeitsblatt aufgeführten Einzelaufgaben jeweils der Personalaufwand sowie der Fahrzeug- und Gerätebedarf zugeordnet. Außerdem werden weitere Vorgaben für die Ermittlung des Betriebsaufwandes genannt. Die angegebenen Tagesleistungen sind als Durchschnittswerte der Praxis anzusehen. Wie Benchmarkingprozesse belegen, ergeben sich aufgrund der örtlichen Gegebenheiten erhebliche Abweichungen. Dabei ist die Nennung von absoluten Zahlen nicht möglich.“  (Merkblatt DWA-M 174 „Betriebsaufwand für die Kanalisation – Hinweise zum Personal-, Fahrzeug- und Gerätebedarf“)

Wird dem Zitat

„Wie Benchmarkingprozesse belegen, ergeben sich aufgrund der örtlichen Gegebenheiten erhebliche Abweichungen. Dabei ist die Nennung von absoluten Zahlen nicht möglich.“

gefolgt, dann ist jede Abweichung vom Mittelwert spekulativ, wenn keine Bedingungen genannt werden, wann die Minimalwerte und wann die Maximalwerte im Merkblatt DWA-M 174 „Betriebsaufwand für die Kanalisation – Hinweise zum Personal-, Fahrzeug- und Gerätebedarf“ zu wählen sind.

Die Nutzung von diesbezüglichen ATV-Regelwerken ist methodisch ein Benchmarkvergleich und ein Analogieschluss mit dem Unterschied der Genauigkeit des Schlusses. ATV-Regelwerke betreffen zumeist konkret beschriebene Zusammenhänge in einem besonders beschriebenen Fall.  Benchmarkvergleiche losgelöst von den Bedingungen unter denen sie gewonnen wurden – also z. B. eine Kennziffer für eine Struktur – müssen methodisch bedingt eher pauschal bzw. abstrakt oder in ihrer Auslegung beliebig sein.

Sind genauere Bewertungen gewünscht, dann ist die tatsächliche Arbeit und Leistung durch bekannte und übliche betriebswirtschaftliche Methoden, z. B. Arbeitsplatzaufnahme, Interview usw. z. B. 24 h am Tag zu erfassen und zu bewerten.

Es ist auch konkret zu bewerten, welche Aufgaben tatsächlich notwendig sind, welche erbracht werden, welche untererfüllt oder welche übererfüllt werden. Allein in der Spannweite der Unter- oder Übererfüllung liegt eine Beliebigkeit, die sich natürlich in der Spannweite der Benchmarkingergebnisse widerspiegeln muss.

Voraussetzungen für die Übertragung von Benchmarkingergebnissen auf den Einzelfall ist der Nachweis der Vergleichbarkeit.

Also: „Ein Objekt A hat eine Ähnlichkeit mit einem Objekt B.“ usw., konkret: Ähnlichkeit der jeweiligen Eigenschaften, z. B. technische und/oder organisatorische Strukturen.

Besser, kostengünstiger, effizienter und zielführender als Benchmarkuntersuchungen sind Untersuchungen, bei dem sich der Gutachter nur auf ein Unternehmen konzentriert und das aber gründlich analysiert und dessen Effizienz bewertet.

Voraussetzung dafür ist natürlich eine interdisziplinäre Komptenz von Wasserwirtschaft, Anlagenbetrieb und ggf. Kommunalwirtschaft.

(Dieser Beitrag ist keine Kritik an dem Merkblatt DWA-M 174 „Betriebsaufwand für die Kanalisation – Hinweise zum Personal-, Fahrzeug- und Gerätebedarf“. Gegenstand war nur die korrekte Nutzung.)

Übrigens, ein anderes Beispiel zum Wahrheitswert von Induktionen, hier zur Wahrheit der Prognose:

Da die Klimaprognose wohl fast ausnahmslos auf induktiven Analogieschlüssen (Wahrsagung der Zukunft) beruht, ist es schon erstaunlich, dass von den Medien der Eindruck vermittelt wird, der Wahrheitswert dieser Prognose läge bei 100 %! Bei dieser Prognose lauert aber noch eine weitere tückische Falle: Die Wahrheit der Prognose beruht auf dem Ergebnis einer Konjunktion von einzelnen Wahrscheinlichkeiten, d. h. wenn mehrere Ereignisse für die Klimaprognose eintreten müssen, dann ist die Wahrscheinlichkeit der Klimaprognose das Produkt aller Wahrscheinlichkeiten der notwendigen Ereignisse. Selbst wenn diese Einzelwahrscheinlichkeiten alle mit z. B. ausgezeichneten 70 % eintreten sollten, dann wird jede Klimaprognose allein schon bei einer angenommenen verschwindend kleinen Zahl von 10 notwendigen künftigen Voraussetzungen mit einer Gesamtwahrscheinlichkeit ca. 3 % eher unwahrscheinlich.  Würde vergleichsweise ein Ingenieur seine Statik mit einer derartigen Wahrscheinlichkeit prognostizieren, dann würde er wahrscheinlich nicht lange frei herumlaufen. Insofern kann man dem Ökologen Reichholf durchaus zustimmen als er feststellte:

“Bevorzugt und privilegiert werden einige wenige, die Kosten und die Nachteile hat die Allgemeinheit zu tragen. Deswegen scheint es nur folgerichtig, zu fordern, daß die Propheten für ihre Prognosen, für die Folgen und Kosten, die sich daraus ergeben, auch geradestehen müßten.

Wer behauptet, daß etwas so kommen wird, und es kommt nicht so, der sollte die Kosten zu tragen haben.

Wie der Geschäftsmann in seinem Unternehmen das auch tun muß. Gegen manche Fehlerwartungen kann er sich vielleicht versichern, aber grundsätzlich muß er das Risiko tragen, mit allen Konsequenzen. Guter Rat ist teuer, weiß der Volksmund. Schlechter Rat noch viel teurer. … Es darf nicht zur Regel werden, daß immer wieder die Allgemeinheit für die Fehleinschätzungen anderer bezahlen muß. Mit Solidarität hat das wenig zu tun.”
(Quelle: Reichholf, J.H. , Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen , Taschenbuch, 2. Auflage 2003, Wagenbach Verlag Berlin)

Ein netter Gedanke!




Potentielle und kinetische Energie in der Rohrhydraulik

Potentielle und kinetische Energie bei der Rohrströmung als Überblick

Abbildung 1: Veranschaulichung der Druckverhältnisse in einem durchströmten Rohr mit Querschnittsreduzierung

Eine hydraulische Bewertung beruht auf einer energetischen Analyse[1].

Die Abbildung 1 dient dem grundlegenden Verständnis der Druck- und Energielinie in einem hydraulischen Längsschnitt.

Es ist üblich und zweckmäßig, die Energieformen[2] bei hydraulischen Betrachtungen in [m Wassersäule; m WS][3] zu berechnen, weil diese Ergebnisse dann keiner weiteren Umrechnung bedürfen und weil die Wasserstände sofort ablesbar sind. Bei den Fließvorgängen in Rohrleitungen ist es so, dass die potentielle Energie, auch Lageenergie genannt, der Lage des Wasserspiegels entspricht, den dieser z. B. in Glasrohren einnehmen würde, wenn die Rohrleitung Löcher hätte und in dieser Glasröhre[4] stecken würden.

Die Verbindung der Wasserspiegel in den Glasrohren wird auch Drucklinie genannt. Bis zu dieser Drucklinie hoch würde auch das Wasser aus einer senkrechten Undichtigkeit (z. B. Schacht auf dem Grundstück der Klägerin, siehe folgender Abschnitt) wie eine Fontäne spritzen abzüglich der durch die Strömung vor und in dem Schacht verursachten Reibungsverluste. Werden nun die Piezometerrohre etwas in die Rohrleitung hineingeführt und so abgewinkelt, dass ihre Öffnung von dem Wasser gerade angeströmt wird, so steigt der Wasserspiegel in diesen andersgearteten Piezometerrohr etwas höher und – sofern das Wasser fließt – auf jeden Fall über den Wasserspiegel der Drucklinie an der betreffenden Stelle.

Diese zusätzliche Wasserspiegelerhöhung in den Piezometerrohren wird durch den Staudruck verursacht.

Über der Drucklinie liegt also im Abstand des Staudruckes von

die Energielinie.

Die Höhe der Energielinie an einem bestimmten Leitungsabschnitt entspricht der an diesem Punkt noch vorhandenen Gesamtenergie[5].

Nimmt die Geschwindigkeit z. B. wegen einer Reduzierung oder einer Einengung zu, dann steigt der Staudruck und um dieses Maß senkt der Wasserspiegel [6] also die Drucklinie.

Siehe auch: Bernoullische Energiegleichung

(Die Abbildung und die Erklärung darf bzw. dürfen bei Angabe der Quelle – Institut für Wasserwirtschaft Halbach – beliebig genutzt werden.)

Potentielle und kinetische Energie bei der Rohrströmung in einem tatsächlichen Fall (Auszug aus einem Gerichtsgutachten)

Abbildung 2: Druck- und Energielinie in einem Beispiel

Situation:

Ein Bach fließt durch eine Verrohrung, in der sich ein Damm mit bestimmten Abmessungen befindet.

Kalkulatorisch war zu bestimmen, welche Konsequenzen ein Damm bei einem Durchfluss von 5,5 m³/s in der Verrohrung hätte.

Abbildung 3: Abschnitt der Bachverrohrung

Ergebnis:

Der Längsschnitt in der Abbildung 2 veranschaulicht die vom Damm verursachte Lage der Druck- und Energielinie bei einem Abfluss von 5,5 m³/s:

  • Dem Längsschnitt liegt eine Überflutung des **weges im Bereich der beginnenden Bachverrohrung zu Grunde. Diese bestimmt den Energiehorizont.
  • Der Energiehorizont wurde danach in einer Höhe von 353,17 m ü.N.N. nach Abwägung festgelegt.
  • Die relevante niedrigste Höhe der Straßenoberfläche im Bereich der **brücke wurde nach Kanalbestandsplänen [14] unter Berücksichtigung von zwei in der Nähe liegenden Schachtdeckelhöhen kalkuliert und dann mit einer Circa-Höhe von 352,85 m ü.N.N. angenommen.
  • Bedingt durch einen Einlaufverlust von 6 cm beginnt die Energielinie in der Verrohrung bei 353,11 m ü.N.N.
  • Aus der kinetischen Energie (0,12 m) für das Fließen des Wassers in der Verrohrung mit einer Geschwindigkeit von v = 1,56 m/s folgt der Beginn der Drucklinie in der Bachverrohrung in Höhe von 352,99 m ü.N.N.
  • Daraus folgt zum Schadensereignis eine Überflutungshöhe an diesem Punkt der Straße von 14 cm. Bei einer anderen Annahme der Überflutungshöhe als von 14 cm ändern sich die Höhen im Längsschnitt in gewissen Grenzen entsprechend dem Verhältnis 1 : 1.
  • Bis zum Damm weisen Druck- und Energielinie reibungsbedingt ein Gefälle von 0,13 % auf und verlaufen parallel zueinander. Dabei wurden vorhandene Querschnittsänderungen vernachlässigt.
  • Im Damm befanden sich zudem zwei Rohre DN 400 und DN 200, die bei der resultierenden Drucklinie zu einer hydraulischen Leistung von 1,5 m³/s führten (siehe Punkt 1.4 der Anlage 7).
  • Am Damm bestand ein verbleibender freier Querschnitt von 0,77 m² (siehe Tabelle 1 der Anlage 7) durch den sich der Abfluss von ca. 4 m³/s „quetschen“ musste.
  • Daraus resultierte in Beachtung des Kontinuitätsprinzips eine notwendige Geschwindigkeit von v = 5,2 m/s, die einen Energieverbrauch von 1,38 m verursachte. Das entspricht einer Absenkung der Energielinie um diesen Betrag.
  • Einzelverluste wurden nach BOLLRICH, (Technische Hydromechanik 1)
als Energie- und Drucklinienabsenkung berücksichtigt.
  • Nach dem Damm wurde ein ungestörter freier Abfluss mit einer Wasserstandshöhe von ca. 0,8 m und einer Fließgeschwindigkeit von 2,5 m/s angenommen. Die Energielinie liegt ab hier unter dem Rohrscheitel.
  • Die Fontäne, die über dem Schacht auf dem Grundstück der Kläger (Anlage K3, Blatt 1 der Prozessakte [1]) entstand, hatte somit wahrscheinlich eine Höhe von max. ca. 40 cm.
  • Dieser Wasserdruck genügte sehr wahrscheinlich selbst relativ schwere Schachtdeckel anzuheben (siehe hierzu den Punkt 5 in Anlage 7).
  • Wahrscheinliche Ursache des Überschwemmungsschadens auf dem Grundstück ***  am ***  zwischen 3.00 Uhr und 4.00 Uhr war der im Zuge der Bauarbeiten der Beklagten im Jahr errichtete Damm im unterirdisch verrohrten Dorfbach.

[1] Eine Berücksichtigung des Aspektes der Erneuerbarkeit der Energie kann aus wissenschaftlichen Gründen leider nicht berücksichtigt werden.

[2] hier potentielle und kinetische Energie

[3] Trotzdem das Internationale Einheitensystem (SI) für die Energie das Joule (Nm) vorsieht.

[4] auch Piezometerrohre genannt, daher Piezometerlinien

[5] kinetische + potentielle Energie

[6] in Abbildung 1 z. B. um 1,5 m. Im Falle aber, dass kein Wasser fließt – z. B. nicht dargestellter Schieber am rechten Rohrende
geschlossen – würden gemäß des Gesetzes der kommunizierenden Röhren alle Wasserspiegel in den Piezometerrohren
auf der Linie des Energiehorizontes liegen, d. h. Drucklinie = Energiehorizont.




Unzureichende Bemessung

Mindestens fünfjähriger Berechnungsregen

  • „Der BGH führt zunächst aus, die Kanalisation sei unzureichend bemessen. Aufgrund seiner Rechtsprechung habe die Anlage nach den topographischen Gegebenheiten, vor allem der Hanglage des Geländes, der Bebauung sowie dem Ausmaß der dadurch bewirkten Bodenversiegelung, auf einen mindestens fünfjährigen Berechnungsregen ausgelegt werden müssen.
  • Denn der BGH habe bereits in einem Urteil aus dem Jahre 1983 die Auslegung einer Leitung nur auf einen einjährigen Berechnungsregen ohne Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse als unzureichend angesehen. Außerdem habe die Abwassertechnische Vereinigung im Arbeitsblatt A 118 vom Juli 1970 einen Sanierungsbedarf für diejenigen Abwasseranlagen vorgesehen, bei denen in allgemeinen Baugebieten ein Rückstau öfter als einmal in zwei Jahren auftrat.
  • Eine Haftung der Gemeinden für unzureichend bemessene Kanäle tritt nicht ein, wenn die Überschwemmungsschäden auch bei nach der Rechtsprechung des BGH ausreichender Auslegung eingetreten wären. Nach der Entscheidung des BGH haben die Gemeinden in diesen Fällen bei gerichtlichen Auseinandersetzungen den Beweis dafür zu erbringen. Dies war hier schwierig, da es sich um ein längeres Regenereignis handelte. Die Gemeinde konnte den Nachweis nicht erbringen, daß während der Zeit der größten Regenintensität auch das Fassungsvermögen einer auf einen fünfjährigen Berechnungsregen ausgelegten Anlage überschritten worden wäre.“

Quelle:
Dr. Paul-Martin Schulz;
BGH ZfW 1998, 496
Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis
WEKA-Verlag

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)

 

 




Berechnungsregen

Einjähriger Berechnungsregen nicht allein entscheidend

  • „Der BGH hat ausgeführt, eine Haftung der Gemeinde nach § 2 Abs. 1 Satz 1 HPflG besteht nur dann, wenn bereits in die Kanalisation eingeleitetes Abwasser von dort wieder austrete, etwa aus Gullys. Gelangt das Regenwasser bei Hochwasser erst nicht in die Kanalisation, sondern fließt ungefaßt in Keller, greift diese Haftung nicht ein. Denn in diesem Fall geht der Schaden nicht von der Rohrleitungsanlage aus. Außerdem kann der Ersatzberechtigte nicht besser gestellt werden, so als ob keine Leitung vorhanden ist.
  • Unter Bezugnahme auf seine frühere Rechtsprechung hat der BGH betont, daß nicht schematisch auf den einjährigen Berechnungsregen abgestellt werden kann. Die Überstauungshäufigkeit (Wasserspiegelanstieg bis in Geländehöhe) ist als Maßstab für die Auslegung der Kanalisation geeigneter als die Regenhäufigkeit. Im übrigen ist für die Bemessung eine Würdigung der Gesamtumstände vorzunehmen.“

Quelle:
Dr. Paul-Martin Schulz;
BGHZ 115, 141
Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis
WEKA-Verlag

 

 




Überschwemmungshäufigkeit und Bemessungsregen

Überschwemmungshäufigkeit ist relevanter als Häufigkeit des Bemessungsregen

  • „Der BGH ist dem entgegengetreten. Der Schutz der Anlieger sei so nicht gewährleistet. Es sei nicht zumutbar, im Extremfall einmal jährlich einer Überschwemmung ausgesetzt zu werden. Dies entspreche nicht den anerkannten Regeln der Abwasserwirtschaft und Abwassertechnik.
  • Der Berechnungsregen kann dann nicht alleiniger Maßstab für die Dimensionierung der Anlage sein, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, daß eine auf den Berechnungsregen zugeschnittene Anlage außerstande ist, das anfallende Regenwasser nicht nur in seltenen Ausnahmefällen, sondern darüber hinaus auch bei häufigeren zu berücksichtigenden Anlässen zu bewältigen. Dies ist etwa dann der Fall, wenn es in dem betroffenen Straßenzug trotz einer Auslegung auf den Berechnungsregen immer wieder zu Überschwemmungen kommt. Es bedarf deshalb einer umfassenden Würdigung aller maßgeblichen abwasserwirtschaftlichen, -technischen und topographischen Gegebenheiten für die Bemessung der gemeindlichen Kanalisation.“

Quelle:
Dr. Paul-Martin Schulz;
NJW 1990, 1167,
Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis
WEKA-Verlag

 

 




Dichtheitsprüfung Hausanschlusskanäle

Grundstücksentwässerung: Experten fordern „Lösungen mit Augenmaß“

In NRW gültige Frist für Dichtheitsprüfung bis Ende 2015 nicht zu erreichen

Die Sanierung von privaten Abwasserleitungen gehört derzeit zu den kontroversesten Themen in der deutschen Wasserwirtschaft. Die Diskussion um Sanierungspflichten der Grundstückseigentümer wird von der Politik, Verbänden und Bürgern äußerst emotional geführt. Schätzungen zufolge sind zwischen einer und 1,7 Millionen Kilometer privater Grundstücksleitungen in Deutschland verlegt, von denen je nach Untersuchung bis zu zwei Dritteln als sanierungsbedürftig gelten. Genau weiß es allerdings niemand, verdeutlichte Igor Borovsky, Geschäftsführer des Verbandes zertifizierter Sanierungsberater (VSB) in einer Expertendiskussion auf den Oldenburger Rohrleitungstagen am vergangenen Donnerstag die lückenhafte Faktenbasis, die eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema erschwert. Besonders akut ist das Thema derzeit in Nordrhein-Westfalen, wo nach dem aktuellen Landeswassergesetz private Abwasserleitungen bis spätestens Ende 2015 auf Dichtheit geprüft werden müssen. Eine Novellierung des § 61a mit einer Verlängerung der Frist für die Dichtheitsprüfung außerhalb von Wasserschutzgebieten bis 2020 befindet sich aktuell im parlamentarischen Verfahren (EUWID 03/2013).

Die Hausanschlusssanierung ist aus Sicht des Umweltschutzes und im Sinne einer nachhaltigen Funktionstüchtigkeit der unterirdischen Infrastruktur unbedingt notwendig, sprach sich Karl-Heinz Flick von der Gütegemeinschaft Güteschutz Grundstücksentwässerung klar pro Dichtheitsprüfung aus. Auch Dirk Armoneit vom Kanalsanierungsspezialisten Werner Vollert Tiefbau GmbH & Co. KG, Büdelsdorf, hält eine Zustandserfassung der privaten Abwasserleitungen für nötig, um das Ausmaß möglicher finanzieller Belastungen langfristig einschätzen zu können. Zudem müsse auch der nachfolgenden Generation ein vernünftiges und intaktes Netz hinterlassen werden.

Für Manfred Müller, Teilbetriebsleiter der Technischen Betriebe Solingen, ist eine Sanierung der im Verantwortungsbereich der öffentlichen Hand liegenden Hauptkanäle nur dann sinnvoll, wenn die privaten Leitungen miteinbezogen werden. „Wenn wir uns nicht um die privaten Leitungen kümmern, bekommen wir nicht nur Grundwasserprobleme und Probleme durch massive Fremdwassereinträge in die Kläranlagen, sondern langfristig auch mit der kompletten Infrastruktur.“ Es träte eine Vielzahl von Schäden in Kommunen auf, die durch undichte Hausanschlussleitungen verursacht würden. Eine Sanierung sei daher unbedingt notwendig. Die aktuell in Nordrhein-Westfalen zur Dichtheitsprüfung herrschende politische Ungewissheit sieht Müller, der auch als Sachverständiger bei der letzten Anhörung im Umweltausschuss des Landtages zu diesem Thema im Januar (EUWID 03/2013) geladen war, als sehr problematisch an. Die Politik sei nicht unbedingt an sachgerechten Lösungen interessiert, so sein Fazit. Das Ziel, dass bis 2015 alle privaten Leitungen auf ihre Dichtigkeit hin überprüft werden müssen, sei jedenfalls nicht zu erreichen.

„Völlig unverhältnismäßig“ findet der Sprecher der nordrhein-westfälischen Bürgerinitiative „Dichtheitsprüfung Nein Danke“, Fritz Pucher, den von der Politik auferlegten Sanierungszwang. Das Diktat einer völligen Dichtheit von Hausanschlussleitungen sei falsch und überhaupt nicht umzusetzen. „Wir werden im administrativen Chaos untergehen“, so die Einschätzung des Bürgervertreters mit Blick auf die knappe Frist 2015. Der Bürger werde außerdem mit den auf ihn zukommenden Anforderungen allein gelassen. „Nach welchen Kriterien soll ein Grundstückseigentümer die Qualität eines Sanierungsdienstleisters beurteilen?“ Da sich viele unqualifizierte Anbieter auf diesem Markt tummelten, sei das Sanierungsergebnis in vielen Fällen schlecht. Auch über die Kosten herrsche völlige lntransparenz. Die von Politikern immer wieder suggerierten Sanierungskosten von 3.000 Euro seien schlicht falsch, so Pucher. In Wahrheit lägen diese weitaus höher und könnten schnell einen fünfstelligen Betrag erreichen. „Es wird ohne Notwendigkeit ein Automatismus in Gang gesetzt, der Milliarden Euro an Kosten verursachen werde.

Ein klarer Gegner von gesetzlichen Sanierungspflichten bei der privaten Kanalisation ist auch Uwe Halbach, unter anderem als Sachverständiger für Abwasserbeseitigung der IHK Chemnitz tätig. Er bezeichnete die Gefahr für Böden und Grundwasser, die von undichten Hausanschlussleitungen und -kanälen ausgeht, als„lediglich abstrakt“. Wissenschaftliche Untersuchungen belegten, dass diese vernachlässigbar sei. Eine Hausanschlusssanierung sei daher nur in Einzelfällen gerechtfertigt. Aufgrund der ohnehin schon sehr hohen Abwasserkosten in Ostdeutschland sei eine flächendeckende Pflicht zur Dichtheitsprüfung mit anschließendem Sanierungszwang etwa in Sachsen nicht durchsetzbar.

Um sich vor unseriösen Anbietern beim Kanal-TÜV zu schützen, bietet laut Aussage von Flick das Gütezeichen Grundstücksentwässerung einen guten Anhaltspunkt. Die mittlerweile bundesweit 90 ausgezeichneten Unternehmen garantierten die erforderliche Qualität. Damit in ganz Deutschland zumindest gleiche Rahmenbedingungen für die Dichtheitsprüfung gelten, plädierte Armoneit für ein entsprechendes bundeseinheitliches Gesetz. Nur so könne die Akzeptanz der Bürger gewonnen beziehungsweise erhalten werden. Aus Sicht des Solinger Entwässerungschefs Müller schafft bereits § 60 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) eine ausreichende rechtliche Grundlage für die Instandhaltungspflichten privater Abwasserleitungen. Die Vorgaben müssten lediglich mit Augenmaß umgesetzt werden. Als Beispiel nannte er die Situation in seiner eigenen Kommune, wo das Team der Stadtentwässerung eng mit Privatleuten und ausgewiesenen Fachfirmen zusammenarbeite.

Bürgervertreter Pucher will das ganze Thema in die Hände der Netzbetreiber legen. Diese sollten wie bei Gas und Wasser für die Hausanschlussleitungen bis zur Hauswand zuständig sein. ,,Der Netzbetreiber prüft die Dichtheit und legt die Kosten über die Gebühren um„, so sein Vorschlag.

Auch der Tenor bei den anderen Diskussionsteilnehmer und im Publikum zum Abschluss der Diskussion deutete in eine ähnliche Richtung: Die flächendeckende Dichtheitsprüfung werde letztendlich nur Erfolg haben, wenn auch die Kommunen intensiv in das Thema einsteigen und eng mit den Privatleuten zusammenarbeiten, um die viel zitierten „Lösungen mit Augenmaß“ zu finden.

Quelle:

EUWID Wasser und Abwasser.
7.2013  12.02.2013 / Jahrgang 16
www.euwid-wasser.de

Genehmigung der Veröffentlichung:

Mit freundlicher Empfehlung von EUWID Wasser und Abwasser am 17.02.2013.




Rechtliches zur Grundstücksentwässerung

Rechtsprechung zur Dichtheitsprüfung von privaten Grundstücksentwässerungsanlagen

Zitate mit freundlicher Genehmigung des Rechtsanwaltes Herr Reinhart Piens (Essen) 10.1.2013

  • „In der fachlich, rechtlich und politisch umstrittenen Frage der Dichtheitsprüfung privater Abwasseranlagen hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg kürzlich ein interessantes Urteil gesprochen (10. Januar 2012, Aktenzeichen 9 KN 162/10). Es kommt im Rahmen eines Normenkontrollantrages gegen die Satzung eines Abwasserverbandes zu dem Ergebnis, dass eine Regelung in der Abwasserbeseitigungssatzung, wonach private Grundstücksentwässerungsanlagen entsprechend der DIN 1986-30 auf Dichtheit zu überprüfen sind, in Niedersachsen auf einer ausreichenden gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage beruht und mit höherrangigem Recht vereinbar ist. Dichtheitsprüfungen zusätzlich zur DIN 1986-30 können allerdings nur bei Vorliegen besonderer Rechtfertigungsgründe gefordert werden.
  • Der Senat sieht in dieser Bestimmung eine dynamische Verweisung auf die DIN 1986-30 in der jeweils geltenden Fassung, zurzeit also in der Fassung der 2. Auflage von 2003 und voraussichtlich ab dem 1. Februar 2012 in einer geänderten Fassung. Nach der Tabelle 1 in Abschnitt 5.5 der zurzeit geltenden DIN 1986-30 (Prüfverfahren und Zeitspanne für die Dichtheitsprüfung) sind Anlagen zur Ableitung von häuslichem Abwasser oder Mischwasser entweder im Zuge von Baumaßnahmen (Nrn. 1.1 und 1.2) oder aber jedenfalls bis zum 31. Dezember 2015 (Nr. 1.3) einer — erstmaligen — Dichtheitsprüfung zu unterziehen.
  • In der ab dem 1. Februar 2012 voraussichtlich geltenden Neufassung der DIN 1983-30 ist der 31. Dezember 2015 als Prüftermin entfallen und sind abweichende Prüfintervalle von 20 oder 30 Jahren vorgesehen.
  • In diesem Bereich können sie die Benutzung ihrer öffentlichen Einrichtungen durch den Erlass von Satzungen regeln und nach § 8 Nr. 2 NGO (jetzt § 13 Satz Nrn la und 2a NKomVG) für die Grundstücke ihres Gebietes den Anschluss an die Abwasserbeseitigung anordnen sowie deren Benutzung vorschreiben (Anschluss- und Benutzungszwang).
  • Auf der Grundlage der §§ 6 Abs. 1 Satz 1, 8 Nr. 2 NGO (jetzt §§ 10 Abs. 1, 13 Satz 1 Nrn la und 2a NKom VG) kann die Gemeinde eine Dichtheitsprüfung nur anordnen, soweit ein konkreter Bezug zur Erfüllung der eigenen Aufgabe Abwasserbeseitigung besteht. Kommunale Satzungen dürfen daher Anforderungen an Grundstücksentwässerungsanlagen lediglich aufstellen, um zu vermeiden, dass der Betrieb des öffentlichen Abwasserbeseitigungssystems erschwert oder beeinträchtigt wird, und um sicherzustellen, dass der bestehende Benutzungszwang und die Überlassungspflicht nach § 96 Abs. 9 NWG n. F. (§ 149 Abs. 10 NWG a. F.) eingehalten werden.
  • Eine Überprüfung der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen darf deshalb mit dem Ziel vorgesehen werden, das Eindringen von Fremdwasser in das Abwasserbeseitigungssystern zu verhindern.
    Nicht von der Satzungsermächtigung in den §§ 6 Abs. 1 Satz 1, 8 Nr. 2 NGO (jetzt §§ 10 Abs 1, 13 Satz 1 Nrn la und 2a NKom VG) gedeckt sind Regelungen, die allein auf die Einhaltung eines wasserrechtlich ordnungsgemäßen Zustands abzielen. Gegenstand des Wasserrechts ist unter anderem der Grundwasserschutz. Undichte Leitungen bringen die Gefahr mit sich, dass das Grundwasser durch den Eintritt von Schadstoffen beeinträchtigt wird (vgl. hierzu Schneider, ZfW 2005, 69). Wegen des hinsichtlich des Grundwasserschutzes abschließenden Charakters des Wasserrechts sind kommunale Satzungsregelungen, insbesondere auch die Anordnung einer Dichtheitsprüfung, mit dem Ziel, das Grundwasser vor Beeinträchtigungen zu bewahren, nicht zulässig.
  • Der Träger des Abwasserbeseitigungssystems muss im Interesse der erforderlichen effektiven Abwasserbeseitigung in der Lage sein, diesen — aus dem Verantwortungsbereich des Grundstückseigentümers herrührenden — Missstand zu beseitigen, und muss aus diesem Grund auch eine Dichtheitsprüfung anordnen dürfen, die an technische Anforderungen zur Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustands der Grundstücksentwässerungsanlage anknüpft.
  • Wegen der Vielfalt der möglichen Schadenseintritte und der Notwendigkeit eines auch vorbeugenden Schutzes kann eine Eigenkontrolle nicht nur bei denjenigen Grundstücken, bei denen sich eine allgemeine Gefährdungslage bereits konkretisiert hat, sondern für alle an die öffentliche Entwässerungsanlage angeschlossenen Grundstücke satzungsmäßig vorgeschrieben werden (BVerfG — ZfW 1994, 392f.
  • Die sachliche Rechtfertigung folge in erster Linie aus der Einwirkungs- und Verfügungsgewalt des Eigentümers.
  • Die Einhaltung dieser Pflichten setze notwendigerweise voraus, dass der Eigentümer den Zustand und die Benutzung der Sache durch Eigenkontrollen überprüfe.
  • Zu solchen Maßnahmen gehören auch regelmäßige Überprüfungen der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen durch den Eigentümer auf dessen Kosten.
  • Strengere Anforderungen im Vergleich zur DIN 1986 i. d. F. von 1988 … entsprechen nicht ohne Weiteres einer sachgerechten Ermessensausübung. Denn die DIN geben die anerkannten Regeln der Technik in sachverständiger Weise wieder. Sie geben daher zumindest für den Regelfall vor, welche Maßnahmen sachgerecht, erforderlich und ausreichend sind. Bestehen weitergehende Anforderungen nach der DIN nicht, so spricht dies dafür, dass solche Anforderungen nicht notwendig sind und als Ausfluss des Verhältnismäßigkeitsprinzips daher – auch angesichts der mit ihnen verbundenen Kosten und Anstrengungen … vom Grundstückseigentümer auch nicht verlangt werden können. Die Abwassersatzungen der Gemeinden und Landkreise dürfen somit strengere Anforderungen im Vergleich zur DIN 1986 i. d. F von 1988 nur vorsehen, wenn sie aus sachlichen Gründen – wie möglicherweise besonderen örtlichen Gegebenheiten – geboten sind. Derartige Rechtfertigungsgründe sind nur in Bezug auf die Buchstaben c und d des § 10 Abs. 2 Satz 2 ABS gegeben. Nach den dort getroffenen Regelungen können zusätzliche Dichtheitsprüfungen gefordert werden, wenn ein Grundstück in einem Gebiet mit hohem Fremdwasseranteil liegt oder konkrete Erkenntnisse bestehen, dass die Grundstücksentwässerungsanlage undicht ist.
  • Die Verfolgung wasserrechtlicher Ziele kann indessen aus den bereits dargelegten Gründen nur mit den Mitteln des Wasserrechts, nicht aber über kommunale Abwasserbeseitigungssatzungen erfolgen.“

Im Einzelnen wird auf den Gesamttext in der KA Korrespondenz Abwasser, Abfall 2012 (59) Nr. 6 S. 586-589 verwiesen.

Kommentar:

Die Argumentation

Der Träger des Abwasserbeseitigungssystems muss im Interesse der erforderlichen effektiven Abwasserbeseitigung in der Lage sein, diesen — aus dem Verantwortungsbereich des Grundstückseigentümers herrührenden — Missstand zu beseitigen, und muss aus diesem Grund auch eine Dichtheitsprüfung anordnen dürfen, die an technische Anforderungen zur Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustands der Grundstücksentwässerungsanlage anknüpft.“

verstößt wenigstens gegen das Verhältnismäßigkeitsprinzip der EU-WRRL und enthält sogar einen Trugschluss.  Dieser besteht darin , dass ja gerade die Dichtheitsprüfung aller Grundstücksleitungen (wie es gewünscht und  z. T. praktiziert wird) eine „effektiven Abwasserbeseitigung“ verhindert.

U. Halbach




Dichtheitsprüfung von Kanalhausanschlüssen

Zitate:

133. Abgeordnete Dr. Barbara Hendricks (SPD):

Gedenkt die Bundesregierung, entsprechend § 23 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) dem Bundesrat einen Verordnungsentwurf zur Dichtheitsprüfung von Kanalhausanschlüssen vorzulegen?

Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Katherina Reiche vom 9. Oktober 2012:

Die fachlichen und politischen Meinungen zur Dichtheitsprüfung von Kanalhausanschlüssen sind in den Ländern sehr unterschiedlich,insbesondere gehen die Ansichten über den Umfang der Überprüfung und die Sanierungsfristen deutlich auseinander. Zudem hat eine Abfrage bei den Ländern ergeben, dass diese überwiegend keine Regelungsnotwendigkeit durch den Bund sehen. Seitens des Bundes ist daher derzeit keine bundesweite Regelung beabsichtigt, da eine Zustimmung der Länder im Bundesrat augenblicklich nicht zu erwarten wäre. Bis der Bund auf der Basis des neuen WHG eine Regelung getroffen hat, gelten die landesrechtlichen Regelungen weiter oder können neue landesrechtliche Regelungen erlassen werden, solange sie dem WHG nicht widersprechen. Dies ist durch den neuen § 23 Absatz 3 WHG nunmehr ausdrücklich klargestellt worden.

Quelle:

Deutscher Bundestag, 17. Wahlperiode, Drucksache 17/10968,  12. 10. 2012, Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 8. Oktober 2012 eingegangenen Antworten der Bundesregierung




Eine Berme – Was ist das?

Hochgezogenes Gerinne im Schacht, auch Auftritt im Schützengraben.

Hat im Schacht mehrere Funktionen:

  1. Verhindert beim Einsteigen in den Schacht, dass der Kanalarbeiter gleich im Abwasser steht und je nach Wasserführung von diesem fortgerissen werden kann.
  2. Verhindert ein Breitlaufen des Wassers und damit Sandablagerungen im Schacht selbst. Siehe Abbildung.
  3. Bekannt sind regelmäßige Kanalverstopfungen allein wegen fehlender Berme.

Die Berme ist in einer Kanalisation Bestandteil des Schachtbodens.

Militärische Bedeutung:

Siehe Feldbefestigung.




Abgrenzung der privaten Grundstücksentwässerung

Leserbrief:

„In sämtlichen mir vorliegenden Unterlagen gibt es keine eindeutige Abgrenzung zwischen dem öffentlichen Bereich und dem privaten Bereich in Sachen Kanalanschlußleitung bis Kontroll-/Übergabeschacht.

Überall wird beschrieben, daß die Kanalanschlußleitung bis zum Kontrollschacht bzw. bis zur Grundstücksgrenze Obliegenheit der Kommune ist.  Nirgendwo ist eine klare Abgrenzung, ob die Grundstücksgrenze oder der KS die Trennlinie ist.

Üblicherweise mag das auch einfach sein, denn der Kontrollschacht sollte i.d. Regel ca. 1 m hinter der Grenze sitzen und das Stück auf privatem Grund wird als kommunale Leitung eingestuft. Doch wie verhält es sich, wenn die Kanalanschlußleitung länger ist, weil der KS weiter auf dem Grundstück liegt?

Ist das dann auch eine Leitung der Kommune mit allen Rechten und Pflichten oder endet hier die kommunale Zuständigkeit an der Grenze?

Keiner meiner bisher befragten Kollegen oder Freunde (z.B.: öbuv. für Schäden an Gebäuden) konnte mir eine eindeutige Antwort geben.

In diesem Fall geht es um eine etwas komplizierte Situation zweier hinterliegender Grundstücke:

Eine geplante Entwässerungsleitung verläuft parallel zu einer 2 m entfernten Nachbarleitung in einem Naturweg des Nachbarn, die bereits angeschlossen ist. Statt aber einem Anschluß an diese Leitung (dazu noch gegen Kostenersatz und Bonus) zuzustimmen, lehnt der Nachbar dies pauschal ab.

Die Versorger (Strom, Wasser, Telekom) werden an die in dem Weg des Nachbarn vorhandenen Leitungen anschließen, weil sie Eigentümer und Verfügungsberechtigte der Leitungen sind.

Die Kommune möchte es sich einfach machen und statt an die Nachbarleitung  anzuschließen (zwischen KS und Kanalanschlußleitung einen Abzweig zu setzen und auf den anderen Weg herüberzuziehen), „natürlich“ zu Lasten der Bauherren unter einer breiten Straße herschießen, um dort an den öffentlichen Kanal anzuschließen. Kosten ca. 15.000 Euro.

Da die Kanalanschlußleitung aber ca. 20 m auf dem Weg des Nachbarn verläuft, bevor sie den KS erreicht, wäre es besonders einfach, an diese Leitung heranzugehen, man müßte nicht an das übliche Ministück zwischen Grenze und Straße, wo noch weitere Leitungen liegen, heran.

Leider liegt mir keine DIN EN 752 vor und rund 200 Euro für eine eventuell zu findende Definition sind doch ein wenig viel.“

Anonym
(Name der Redaktion bekannt, Oktober 2012 )

Antwort auf den Leserbrief

Die Abgrenzung zwischen den zentralen öffentlichen Abwasseranlagen und den privaten Grundstücksentwässerungsanlagen wird i. d. R. im Rahmen der Satzung des jeweiligen Abwasserbeseitigungspflichtigen vorgenommen.

Wie Sie richtig schreiben, wird sich ein Revisionsschacht üblicherweise auf dem Grundstück befinden und nach dem Revisionsschacht endet dann die öffentliche Abwasseranlage. Die Errichtung des Anschlusses an den Revisionsschacht liegt dann in der Verantwortung des Grundstückseigentümers unter Rücksprache mit dem Abwasserbeseitigungspflichtigen.

Sofern der Grundstückseigentümer – wie in Ihrem Fall – den Anschluss an seine private Grundstücksanschlussleitung verwehrt, was er grundsätzlich darf, und es eine alternative Anschlussmöglichkeit gibt, so werden die Bauherren diese Lösung akzeptieren müssen, auch wenn dies sehr kostenintensiv wird.

Der Grundstückseigentümer des bereits zentral erschlossenen Grundstücks kann im Normalfall nicht zu einem Anschluss an seine Grundstücksleitung gezwungen werden.

Eine verbindliche Auskunft können Sie von einem Fachanwalt für Verwaltungsrecht erwarten.

Andreas Behlke
Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH)
Institut für Wasserwirtschaft Halbach

 




Überflutungen von Grundstücken

Einige meiner kurz gehaltenen Meinungen…

(…die zu ändern, zu präzisieren oder zu ergänzen ich bei hinreichender Begründung durchaus bereit bin.)

  • Entscheidend zur Bewertung ist der Weg und die Herkunft des Wassers.
  • Der folgende Beitrag betrifft nicht Überflutungen, die durch Hochwasser verursacht werden.

1. Kellerüberflutungen durch Grund- und/oder Schichtenwasser

In der Regel ist der Grundstückseigentümer für Schutz bzw. Vorsorge und Folgen verantwortlich.

  • Hausabdichtung
  • Drainage, siehe folgende Abbildung

Kriterien für die Anordnung einer Drainage – Kriterien für die Anordnung einer Drainage – Quelle: Gebäude- und Grundstücksentwässerung, Kommentar zur DIN 1986 und DIN EN 1610, Beuth Verlag 2. Auflage 1998, S. 24

2. Kellerüberflutungen aus Entwässerungseinrichtungen

  • Verhinderung durch Rückstausicherungen.
  • Rückstausicherungen gibt es für Abwasser und für Niederschlagswasser.
  • Rückstausicherungen für Niederschlagswasser dürfen nicht für Abwasser eingesetzt werden.
  • Rückstausicherungen müssen nachweisbar gewartet werden.
  • Verantwortlich ist der Grundstückseigentümer.

3. Überflutungen über Kellerfenster oder Türen – Wasser von eigenen Grundstück

  • Wasser kommt aus Entwässerungseinrichtungen auf dem betroffenen Grundstück, dann mangelhafter Rückstauschutz und verantwortlich ist der Grundstückseigentümer.
  • Wasser stammt vom Niederschlag, der auf die Grundstücksfläche fällt, dann ist der Grundstückseigentümer für die Folgen verantwortlich, denn er hat seine Geländeoberfläche erfahrungsgemäß so zu gestalten, dass von dieser abfließendes Wasser schadlos um das Haus herum fließen kann. Die nachstehende Abbildung veranschaulicht ein Beispiel.
  • Eine Ausnahme: Der Planer einer inneren Erschließung eines Wohngebietes könnte verantwortlich sein, wenn keine Flutwege innerhalb des Wohngebietes vorgesehen wurden. (Bei dem Begriff einer Flutung muss man sich nicht eine gigantische Flutwelle vorstellen. Ein kleines Rinnsal mit z. B. 2 Litern Wasser je Sekunde kann – wenn es in einen Keller gelangt – diesen auch mit 14.000 Litern Wasser folgenreich fluten.)

Notwendige Geländegestaltung; Quelle: Federal Housing Administration: Land Planning. Bulletin Nr. 3. Abschnitt Block and Lot Grading, Washington D.C. (1954/8) aus: ATV-Handbuch, Planung der Kanalisation, Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1994

 

4. Überflutungen des Grundstückes und/oder des Gebäudes – Wasser kommt überwiegend von fremden Grundstücken

  • In der Regel ist die Partei verantwortlich, von der das Wasser kommt. (Ausnahmen, ggf. Konsultation: Fachanwalt für Verwaltungsrecht)
  • Mitunter hat aber der Oberlieger oder einzelne Bürger keine Möglichkeit sich vor Überflutungen zu schützen, wenn dies eine gemeinschaftliche Lösung erfordert. Der notwendige Bau z. B. eines Flutgrabens quer durch eine Siedlung übersteigt die Möglichkeiten der betroffenen Bürger. Dann ist m. E. der Niederschlagswasserbeseitigungspflichtige verantwortlich.
  • Flutwege ausweisen, Bürger von der besonderen Gefahr informieren, Flutrinne errichten und betreiben.
  • Die Notwendigkeit für das Ausweisen und den Ausbau von Flutwegen ist spätestens dann gegeben, wenn es in der Vergangenheit zu Überflutungen kam.
  • Die Konzeption von Flutwegen gehört seit wenigstens 80 Jahren zu den Grundlagen einer guten wasserwirtschaftlichen Ausbildung. Siehe Geißler: Erst entwässern, dann besiedeln!

Gepflegter historischer Flutgraben von Schackstedt (Sachsen-Anhalt) , Leistung ca. 18.000 m³/h

Siehe auch:

Genauere Bewertungen von Überflutungen bedürfen einer Einzelfalluntersuchung.

Ursachen stellt der Gerichtsgutachter fest und über die Schuldfrage entscheiden die Gerichte, also:

  1. Klären der technischen Ursachen: Gutachter
  2. erste Bewertung der Schuld: Fachanwälte für Verwaltungsrecht
  3. Entscheidung über Schuld: Richter

Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung der IHK Chemnitz

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)

 




Rohrgraben

Definition des Rohrgrabens nach DIN EN 1610

Quelle: DIN EN 1610 Verlegung und Prüfung von Abwasserleitungen und –kanälen Oktober 1997

Grabendefinition nach DIN EN 1610

 

Quelle: DIN EN 1610 Verlegung und Prüfung von Abwasserleitungen und –kanälen Oktober 1997

Legende

Quelle:

DIN EN 1610
Verlegung und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen
Oktober 1997

 




Relativierung der Genauigkeit einer Kanalnetzhydraulik

Die Genauigkeit ist aufwendig

Die hydraulischen Berechnungen vermitteln mitunter den Eindruck als könne man genau berechnen, welche Wasserstände zu einem bestimmten Regenereignis im Kanal oder in einem Straßengraben geherrscht haben.

Sicher nimmt die Genauigkeit und die Komplexität der rechnerbasierten, mathematischen, hydrodynamischen Verfahren immer mehr zu.

Die Daten aber, mit denen diese Programme oder auch relativ einfache hydrodynamische Formeln gespeist werden, beruhen zumeist noch auf Abwägungen und Schätzungen.

Die Genauigkeit hydrodynamischer Berechnungsergebnisse wird in hohem Maße beeinflusst durch

  • die Niederschlagscharakteristik,
  • die Fläche des Einzugsgebietes und
  • den gewählten Abflussbeiwert.

(Bei anspruchsvollen Modellen wird das Modell im Einzugsgebiet geeicht, d. h. es wird geprüft, ob konkrete Regen und konkrete Abflüsse mit den berechneten Abflüssen und angenommenen Regen übereinstimmen.)

1.  Bewertung des Niederschlages

Bei Niederschlag ist u. a. zu unterscheiden zwischen dem Niederschlag, der zum Schadenszeitpunkt genau auf die relevante Einzugsgebietsfläche fiel und zwischen jenem Niederschlag, der für die Dimensionierung der Niederschlagswasserableitung (Gräben, Kanäle, weitere Bauwerke) zu wählen war. Oft wird versucht zu prüfen, ob der tatsächlich gefallene Niederschlag größer als der Bemessungsniederschlag war, weil man glaubt, damit ein wichtiges Argument zu haben. Mit der DIN EN 752-2 sollte sich der Schwerpunkt der Argumentation verlagern.

Im ersten Fall werden häufig Gutachten des Deutschen Wetterdienstes bestellt, deren Ergebnisse aber eher in Ausnahmefällen zu 100 % den Tatsachen am Schadensort entsprechen, weil der Gutachter eben nicht am Schadenstag vor Ort war und den Regen in seiner Dauer und Intensität selber gemessen hat. Der Wert meteorologischer Gutachten liegt aber darin, dass Feststellungen von Meteorologen über das Wetter mit einer größeren Wahrscheinlichkeit wahr sind, als jene von Laien.

Derartige Gutachten übertragen also einen Niederschlag, der zumeist an einer anderen Stelle gemessen wurde, auf den Schadensort.

Wer Wetter beobachtet weiß, dass Regen (wie auch die Natur) nur bedingt berechenbar sind (ist) und es sein kann, dass in einem wenige Kilometer entfernten Nachbarort ein Wolkenbruch niedergeht, während beim Beobachter die Sonne scheint.

Die Genauigkeit einer Wetterretrospektive nimmt deshalb mit zunehmender Entfernung zwischen Messort und Schadensort ab.

Es handelt sich bei den auf den Schadensort bezogenen Tatsachenfeststellungen um induktive Konklusionen, die eben aus Gründen der Logik nie zu 100 % wahr sein können. Eine Bewertung z. B. dass die Regeneigenschaften sehr wahrscheinlich so wie beschrieben waren, bedeutet nicht, dass sie auch tatsächlich so gewesen sein müssen. Es kann also Fälle geben, in denen meteorologische Gutachten die Situation zum Schadenszeitpunkt und am Schadensort so abbilden, wie es tatsächlich war und es gibt Fälle, in denen es eben nicht so war.

Eine weitgehend genaue Bewertung eines Schadensereignisses ist daher im Ausnahmefall nur möglich, wenn der Gutachter am Schadenstag von Anfang an vor Ort war und die Regenganglinie an mehreren Stellen im Einzugsgebiet möglichst selbst gemessen hatte und wenn zugleich die Abflussmengen und deren Wasserstände in wichtigen Kanälen oder Gräben gemessen wurden. Die Unsicherheiten liegen dann nur noch bei Mess- und Interpretationsfehlern.

2. Fläche des Einzugsgebietes

Die Fläche des Einzugsgebietes geht als Faktor in die Abflussmenge ein und somit ist ihre tatsächliche Größenbestimmung entscheidend.

In der Regel wird das Einzugsgebiet über Wasserscheidenkonstruktionen in topographischen Karten bestimmt.

Genauer, aber auch aufwändiger ist die Beauftragung eines Vermessungsbüros zur Einmessung der Wasserscheiden vor Ort.

Überprüfen kann man die Ergebnisse, wenn man sich bei sehr starkem Regen in diesen stellt und selbst nachschaut, woher das Wasser kommt und wohin es fließt.

3. Abflussbeiwert des Einzugsgebietes

Der Abflussbeiwert ist der Quotient aus der Abflussspende und der Regenspende. Er liegt zwischen 0-1.

Ein Abflussbeiwert von 0,5 sagt beispielsweise aus, dass 50 % von dem Regen abfließen.

Die Größe des Abflussbeiwertes beeinflusst das Schätzergebnis des prozentualen Anteils der versiegelten Fläche im Einzugsgebiet und die durchschnittliche Neigung der Oberfläche des Einzugsgebietes.

Beides sind zumeist Schätzwerte, deren Genauigkeit den tatsächlichen Abfluss bestimmt.

Die Tabelle für den zu wählenden Abflussbeiwert beruht selbst auf Erfahrungswerten.

Auch die Kalkulation des Abflussbeiwertes eines Teileinzugsgebietes kann Ungenauigkeiten oder Fehler enthalten, die dazu führen, dass die tatsächlichen Verhältnisse nicht korrekt widergespiegelt werden.

4. Fazit

Kalkulationen hydrodynamischer Abflüsse und Niederschläge beruhen auf zahlreichen Schätzungen und Annahmen.

Hinsichtlich der Methode der Logik handelt es sich um eine Konklusion einer Induktion zu der ein Wahrheitswert gehört. Der Wahrheitswert wird zumeist nach Intuition oder Abwägung subjektiv gewählt und verbal beschrieben, wie z. B. mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, sehr wahrscheinlich, weniger wahrscheinlich oder unwahrscheinlich.

Die Steigerung der Genauigkeit des Wahrheitswertes ist durch weiteren Aufwand bei der Tatsachenfeststellung (wenn rationell, Ersetzen von Annahmen durch Messungen) möglich und durch die Erhöhung der Anzahl der Beobachtungen. Das ist bei Schadensfällen aber zumeist nur eine theoretische Alternative.

Wie man sich denken kann, dürfte der Aufwand für die Feststellung des Wahrheitswertes einer Induktion einer Potenzfunktion ihres Wahrheitswertes folgen.

Oder mit anderen Worten:

  • Die Wahrheit hat ihren Preis.
  • Je genauer man sie wissen will, desto teurer wird es.
  • Manches ist nicht (oder nicht mehr) zu ermitteln.

Und häufig ist die Wahrheitsbewertung von  Relationen abhängig, die bekannt sein müssen,  wenn man es genau wissen will.

Zur Veranschaulichung das Kaffeesackbeispiel von Salmon: In einem Kaffeesack befinden sich genau 30 kg Kaffeebohnen  der Güteklasse III und 70 kg Bohnen der Güteklasse I.

In 70 % aller Probenahmen wird man eine Bohne der Güteklasse I ziehen.

Was aber, wenn das Verhältnis der Mischung nicht bekannt ist?

Dann wird es aufwendig.

***




Messung der Anlagenkennlinie

Probieren geht über studieren!

(Besser ist aber, wenn man beides beherrscht.)

In Welbsleben wird gerade eine Anlage geplant, mit der die Abluft aus einem beachtlichen Teil der Ortskanalisation abgesaugt werden soll.

Es hat sich bei derartigen Aufgaben immer als schwierig herausgestellt, die Kanalluftströmungsverhältnisse in Abwasserkanälen hinreichend genau zu berechnen.

Die Innovation des Institutes für Wasserwirtschaft Halbach besteht darin, mittels eines Messventilators genau die Zustände im Kanal herzustellen und zu messen, die sich später beim Anlagenbetrieb einstellen müssen, um den gewünschten Wirkungsbereich zu gewährleisten. Damit gelingt es, das Bemessungsrisiko drastisch zu minimieren.

Die umfangreiche komplexe Messanlage ist das Ergebnis einer seit vielen Jahren ständigen Weiterentwicklung durch das Institut für Wasserwirtschaft Halbach.

Die künftige Anlage wird natürlich nicht auf der Straße stehen, sondern ca. 100 m bergauf und sie wird anders aussehen.

Die Nachmessung wurde notwendig, weil sich im Verlauf der Vorplanung ergab, dass ein anderer Absaugpunkt zweckmäßiger  sei.

Aufgrund der günstigen aerodynamischen Bedingungen im Schmutzwasserkanal dieser Ortschaft ergab sich ein recht großer Wirkungsbereich von wenigstens 600 m Kanalnetzlänge und das bei einer voraussichtlichen Leistung des Messventilators von nur 900 Watt.

Die Verkehrssicherung bei den Messungen und die eine und andere Hilfestellung übernahm der Betriebsführer des AZV Hettstedt - die MIDEWA.

Die Errichtung der Anlage wird unterstützt bzw. finanziert von dem AZV Hettstedt und der Gemeinde Welbsleben.

Ursache der Geruchsbelästigungen ist eine am Ortseingang in die Freispiegelkanalisation ausgießende Abwasserdruckleitung mit nicht mehr ganz so frischem Abwasser.

Eine ähnliche Anlage – wie die hier gerade in der Planung befindliche – ist kürzlich in Weferlingen in Betrieb gegangen.

Siehe hierzu:  Geruchsbelästigungen in Weferlingen sind Geschichte!

und andere Beiträge zur Thematik: Geruchsbelästigung und biogene Korrosion

Unter dem Messventilator befindet sich ein Schacht.

Herr Dr. Friedemann vom Institut für Wasserwirtschaft Halbach ist in der Lage, sich in dem Gewusel von Schläuchen, Kabeln und Messeinrichtungen sicher zurecht zu finden.

Häufig interessieren sich auch Anwohner für derartige Messungen, bei denen es natürlich aus dem Messventilator höllisch herausmüffelt.




Oberflächenabfluss von Außengebieten

Schätzung des Oberflächenabflusses von Außengebieten

Neben den Wassermengen, die bei Niederschlag auf die kanalisierten Flächen fallen, sind auch Zuflüsse von nicht kanalisierten Flächen zu berücksichtigen, die aber in Teileinzugsgebieten der Kanalisation liegen. Dabei handelt es sich um sog. Außengebiete deren Abflüsse

1. flächig und/oder

2. in zeitweise trockenfallenden mehr oder weniger sichtbaren Gräben und/oder

3. als Gewässer mit ständiger Wasserführung

direkt in die Kanalisation eingebunden sind oder über eine kanalisierte eingebundene Fläche indirekt in die Kanalisation gelangen.

Diese Zuflüsse sind natürlich zusätzlich bei der Kanaldimensionierung zu berücksichtigen, weil sie die Ergebnisse der Hydraulik einer Kanalisation erheblich beeinflussen können.

Bei den Abflüssen nach Pos. 2 und 3 handelt es sich in aller Regel um Gewässer II. Ordnung für die die jeweiligen Gemeinden zuständig sind.

Nach dem  DWA-Regelwerk A 118 “ Hydraulische Bemessung und Nachweis von Entwässerungssystemen“ vom Mai 2006 und auch schon seit der Fassung von 1999 gilt:

Das Zusammenwirken größerer unbebauter Außengebiete mit kanalisierten Einzugsgebieten bedarf wegen des unterschiedlichen Abflussverhaltens und unterschiedlicher maßgeblicher Regenereignisse generell einer gesonderten Betrachtung.

Diese Abflüsse sind meist nur aufwändig zu messen und sollten daher wenigstens geschätzt und abgewogen werden.

Allerdings gibt es für Schätzungen von Abflüssen aus kleineren Außengebieten nur wenig Anhaltspunkte.

Indizien für Abflüsse bilden Grabenerosionen und Kalkulationen des Abflusses nach Manning-Strickler.

Prinzipiell kann man davon ausgehen, dass Gräben durch Erosion maximaler Abflüsse zustande gekommen sind.

Frische Erosionsmarken weisen auf aktuelle Belastungen hin.

Vermessung als Grundlage für die Kalkulation des Oberflächenabflusses aus Außengebieten

Im Fall der Vermessung des Grabenprofiles und -gefälles (1 %) im Rahmen eines Gerichtsgutachtens entwässert der im Foto dargestellte Graben ein Einzugsgebiet von ca. 1,5 km² bzw. 150 ha.

Im Ergebnis der Kalkulation könnte ein Extremabfluss von ca. 3 m³/s irgendwann dieses Grabenprofil geschaffen haben, d. h. das Wasser erreicht im dargestellten Foto dann die Geländeoberkante.

Da es sich nun nicht um ein Mittelgebirge und nicht um Flachland handelt, wurde nach Abwägung eine Abflussspende von 10 l/sha angenommen.

Bekanntgeworden sind Größtabflüsse von bis zu 2-3 m³/s km² bzw. 20-30 l/s ha. Dabei gilt der kleinere Wert für Mittelgebirgsregen, der größere für Hochgebirgsregen. Im Flachland sind Größt-Regenabflüsse aus Außengebieten bis herunter zu 1-5 l/s ha zu erwarten. Grundsätzlich gilt: Die Abflußspende eines Regens sinkt mit der Größe des Einzugsgebietes, sie sinkt mit dem Bewuchs und der Bodendurchlässigkeit und Unebenheit, und sie steigt mit sinkender Temperatur und zunehmender Neigung der Geländeoberfläche im Einzugsgebiet. Die stärksten Abflüsse in unbebauten Gebieten ergeben sich, wenn Regen auf gefrorenen Boden fällt und, nahezu ohne zu versickern, oberirdisch abfließt [424]“  Aus dem ATV-Handbuch „Planung der Kanalisation“ , Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1994

Bach im weiteren Verlauf

Bei Berücksichtigung des spezifischen Größtabflusses von 10 l/sha wäre in diesem Beispiel kalkulatorisch mit einer Wassertiefe von 35 cm und 1,5 m³/s zu rechnen.

Bei erheblichen Fremdzuflüssen empfiehlt sich eine Abflussmessung in Verbindung mit einer Niederschlagsmessung über einen Zeitraum von wenigstens einem Jahr.

Interessant ist auch der Arbeitsbericht der DWA-Arbeitsgruppe ES- 2.6 „Abfluss- und Schmutzfrachtsimulation“ von 2008 „Abflüsse aus Außengebieten“ KA 2008 Nr.8. S. 850-859.

Hier wird u. a. eine Veröffentlichung von Forster/Keller/Rickenmann und Röthlisberger in der Schweizerischen Zeitschrift für das Forstwesen, „Hochwasser“ 1994 zitiert:

voralpines Einzugsgebiet < 1 km²:

  • 35% Waldanteil max. 70 l/s ha
  • 97% Waldanteil max. 30 l/s ha

Die Werte stammen aus einer Messreihe von 1902 bis 1993.

KLEIN, B.; Schumann A.H.; Pahlow, M. werten „Extreme Hochwasserereignisse an deutschen Talsperren“ (Hydrologie und Wasserbewirtschaftung, 50. Jg. H.4 2006, S. 162 – 168) für Einzugsgebiete eher oberhalb von 1 km² u. a. mit folgenden Ergebnissen aus:

  • Im untersuchten Wertebereiches ist es so, dass mit zunehmender Größe des Einzugsgebietes die Abflussspende Hq90% sinkt.
  • In dem Bereich ist die Funktion einer Gerade im doppelt logarithmischen Koordinatensystem, die aber nach WUNDT  bei < 1 km² abgemindert werden sollte.
  • Über die Größe der Abminderung gibt WUNDT keine Empfehlungen.

Wenn man annimmt,

  • dass in Einzugsgebieten < 1 km² wenigstens 13.000…14.000 l/skm² als 90 % Extrem abfließen können und
  • dass dieser Betrag – im Mittel 13.500 l/skm² im Bereich < 1 km² – konstant bleibt,

so folgt unter diesen Bedingungen als Anhaltspunkt ein Extremabfluss von 135 l/sha.

Bei der Bewertung der Abflüsse aus Außengebieten ist zu prüfen, ob Bemessungsregeln relevant sein könnten, die für Fließgewässer II. Ordnung gelten.

Oft werden derartige Abflüsse auch nach einem Niederschlags-Abflussmodell kalkuliert, wobei in der Regel ein HQ 100 bzw. ein Niederschlag anzusetzen ist, der aller hundert Jahren nur einmal zu erwarten ist.

Fließgewässer sind auch Gewässer, die nur zeitweise Wasser führen!




Überflutungsschäden durch mangelhafte Einlaufbauwerke

Schadloses Ableiten von Niederschlagswasser, das oberflächlich von zumeist unbefestigten Flächen abfließt und in Kanälen weitergeleitet wird

Inhalt

  1. Ungeeignete „Einlaufbauwerke“
  2. Ohne Kontrolle und Wartung sind auch die besten Konstruktionen wertlos
  3. In Dresden übliche Kontrolle und Wartung
  4. Einlaufbauwerk für extreme Anforderungen
  5. Variante eines Einlaufbauwerkes mit geradem Sandfang und naturnahem Ausbau
  6. Variante eines Einlaufbauwerkes mit rundem Sandfang und naturnahem Ausbau
  7. Im Harz realisierte Lösungen robuster Einlaufbauwerke nur mit Handrechen
  8. Vorteilhafte Neigung des Rechens eines Einlaufbauwerkes
  9. Funktionierendes Einlaufbauwerk unmittelbar nach einer Flutung
  10. Zusammenfassung
  11. Weitere Quellen

Oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser kann zunächst in Gräben gesammelt und dann in Kanälen abgeleitet werden.

Bei den Kanälen kann es sich um Mischwasserkanäle oder auch um reine Regenwasserkanäle handeln.

Je nach Regenintensität, Geländebeschaffenheit und Grabenpflege kann das in Gräben ablaufende Niederschlagswasser erhebliche Mengen an Schlamm, Sand, Geröll und Rechengut mit sich führen.

Gelangen derartige Stoffe in Kanalsysteme, sind Ablagerungen in den Kanalsystemen (Sand, Geröll) wahrscheinlich, die dann sekundär zu Verstopfungen führen können.

Die Verstopfung des Kanals kann neben erhöhten Betriebsaufwendungen bei der Kanalreinigung dazu führen, dass das Wasser im Kanal zurückstaut, sich dann oberflächlich seinen Überschwemmungsweg sucht und ggf. Schäden verursacht, sollte z. B. im Überflutungsweg ein Haus stehen.

Weiterhin können mitgerissene Äste, Zweige und sonstige Fremdkörper bereits den Schachteinlauf verstopfen, so dass das Wasser gar nicht erst in ausreichendem Maße in den Kanal gelangen kann.

Zwischen den Entwässerungsgräben, die zumeist nur zeitweise Wasser führen und dem anschließenden Kanal werden also sog. Einlaufbauwerke vorgeschaltet, deren Aufgabe es ist, Niederschlagswasser im Kanal schadlos abzuleiten.

Im Folgenden werden einige ausgewählte nicht bewährte und bewährte Bauweisen von Einlaufbauwerken vorgestellt und z. T. erörtert.

1. Ungeeignete „Einlaufbauwerke“

Ungeeignete „Einlaufbauwerke“ (Verbindungen zwischen Graben und Kanal) veranschaulichen die Fotos 1-3.

Foto 1: Die Erfahrung zeigt, dass derartige Einläufe zur Entwässerung von Gräben sehr schnell verstopfen.

Foto 2: Ungeeigneter Einlauf für oberflächlich ablaufendes Wasser über unbefestigtes Gelände.

Foto 3: Rechen eines Einlaufbauwerkes mit unnötiger Rückstauwirkung

Für alle diese 3 Beispiele gilt, dass der freie Querschnitt recht gering ist und dass schon eine z. B. geringe Laubmenge genügt,  um den Einlauf zu verstopfen.

Im Falle des Beispiels im Foto 3 engt zudem der Rechen im unbelegten Zustand den freien Querschnitt erheblich ein, so dass es schon aus diesem Grund zu einem Rückstau kommen dürfte.

Foto 4: Einsatz der Feuerwehr von Eppelborn bei der Reinigung eines unzweckmäßig konstruierten Einlaufbauwerkes.

Das Foto 4 zeigt eindrücklich, dass auch dieser Einlauf nicht sonderlich zweckmäßig konstruiert wurde und dass es notwendig war, diese Konstruktion sofort nach dem Regen freizulegen. (Das Foto 4 wurde übrigens von der Eppelborner Feuerwehr aufgenommen und mit freundlicher Genehmigung der Eppelborner Feuerwehr durch den Pressesprecher Herrn Frank Recktenwald am 06.02.2012 für diese Seite zugelassen.)

Je nach Art des unbefestigten Einzugsgebietes der Gräben sind neben der Handrechenanlage zusätzliche Sand- und ggf. auch Geröllfänge erforderlich.

2. Ohne Kontrolle und Wartung sind auch die besten Konstruktionen wertlos

Alle derartigen Anlagen – auch die besten unter ihnen – sind wirkungslos, wenn sie nicht einer regelmäßigen Kontrolle und Wartung unterliegen.

Über die Kontrolle und Wartung derartiger Anlagen sollte Buch geführt werden, damit im Überflutungsfall mit Folgeschäden der Regenwasserbeseitigungspflichtige jederzeit nachweisen kann, dass er seinen betrieblichen Pflichten mit der erforderlichen Sorgfalt nachgekommen ist.

Sicher sollten Anwohner einen verstopften Rechen reinigen dürfen, sofern sie seine Verstopfung bemerken und dieser auch gefahrlos zu reinigen ist.

Aber dazu  könnten Fachanwälte für Verwaltungsrecht andere Auffassungen erstreiten (oder müssen) bzw. den Beitrag kommentieren.

Während oder nach starken Regenfällen (je nach Intensität) ist eine sofortige Kontrolle bzw. eine ggf. sofortige Reinigung derartiger Anlagen notwendig, weil die Erfahrung zeigt, dass nach Benutzung eines Handrechens dieser meist auch mit Rechengut belegt ist.

Die Aufgabe der Reinigung besteht oft in der Beseitigung von Rechengut vom Rechen und ggf. in der Reinigung der Geröll- bzw. Sandfänge, wenn diese vorhanden sind.

Sofern es sich bei dem Einlaufbauwerk um eine Anlage der Straßenentwässerung handelt, dürfte (vorbehaltlich einer verwaltungsrechtlichen Würdigung und der Einzelfalluntersuchung) wohl gelten:

Die Reinigung von zur Straße gehörenden Regenwasserabläufen und Sinkkästen ist bundesrechtlich (§ 54 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Abs. 2 WHG 2010) dem Regime der Abwasserbeseitigung zugewiesen, weil diese Einrichtungen dem Sammeln und Fortleiten des im Bereich der befestigten Straßenflächen anfallenden Niederschlagswassers dienen. Die Bestimmung der zur Erfüllung dieser Aufgabe verpflichteten juristischen Person des öffentlichen Rechts oder eines anderen Abwasserbeseitigungspflichtigen obliegt dem Landesrecht (§ 56 Satz 1 und 2 WHG 2010).“

Quelle: Beschluss  BVerwG 9 B 99.10, OVG 1 L 13/09 vom 21. Juli 2011

3. In Dresden übliche Kontrolle und Wartung

Nach einer Information des Abteilungsleiters Herrn Mebus im Straßen- u. Tiefbauamt Dresden gelten in Dresden folgende Regeln für die Reinigung und Inspektion von Einlaufbauwerken, für Kanäle und Schächte der Straßenentwässerung.

Straßengräben:

  • Das Mähen von Straßengräben beauftragt das STA Dresden 2-mal jährlich.

Für Einlaufbauwerke (Bauwerke mit Rechen zum Schutz der dann folgenden Verrohrung) gilt:

  • Einlaufbauwerke für eine Vorflut sind jährlich 2-mal zu reinigen bzw. zu inspizieren.
  • Zusätzlich erfolgt dies kurzfristig bei einer Unwetterwarnung und danach.

Kanäle und Schächte der Straßenentwässerung:

  • Kanäle der Straßenentwässerung und Schächte werden alle 5 Jahre inspiziert, was mit einer Reinigung verbunden ist.

4. Einlaufbauwerk für extreme Anforderungen

Ein Konstruktionsvorschlag für derartige Bauwerke – hier in der folgenden Abbildung wohl eher für den Einsatz im Gebirge vorgesehen – ist der Abbildung  1 zu entnehmen.

(In der neuen ATV-DVWK-A 157 von 2000 findet man nur noch schematische Darstellungen.)

Abbildung 1: Einlaufbauwerk mit Geröll- und Sandfang nach ATV-Regelwerk A 241 vom Juni 1978

5. Variante eines Einlaufbauwerkes mit geradem Sandfang und naturnahem Ausbau

Der Entwurf vom Juni 1996 zur ATV-A 241 enthält zwei interessante naturnahe Varianten. Siehe hierzu die Abbildungen 2 und 3.

Weitere  Schnitte zu allen hier dargestellten Formen von Einlaufbauwerken findet man u. a. auch in der in diesem Beitrag angegebenen Literatur.

Abbildung 2: Einlaufbauwerk in naturnahem Ausbau nach dem Entwurf der ATV-A 241 vom Juni 1996

 

Abbildung 3: Einlaufbauwerk in naturnahem Ausbau nach dem Entwurf der ATV-A 241 vom Juni 1996

6. Variante eines Einlaufbauwerkes mit rundem Sandfang und naturnahem Ausbau

Abbildung 4: Einlaufbauwerk in naturnahem Ausbau nach dem Entwurf der ATV-A 241 vom Juni 1996

Abbildung 5: Einlaufbauwerk in naturnahem Ausbau nach dem Entwurf der ATV-A 241 vom Juni 1996

7. Im Harz realisierte Lösungen robuster Einlaufbauwerke nur mit Handrechen

Foto 5: Einlaufbauwerk ohne Geröll und Sandfang in solider Qualität auf dem Brocken (Harz)

 

Foto 6: weiteres Einlaufbauwerk ohne Geröll und Sandfang in solider Qualität auf dem Brocken (Harz)

Im konkreten Fall der Fotos 5 und 6 war augenscheinlich kein Sand und Geröllfang notwendig.

Wie man erkennt, gibt es zur Konstruktion und Ausführung von Einlaufbauwerken recht fundierte Anforderungen und manche bewährte Lösung.

Anhand der Fotos 5 und 6 sind Prinzipien und Merkmale leistungsfähiger Einlaufbauwerke – in diesen Fällen ohne Sand- und Geröllfang – zu erkennen:

  1. Der Rechenfläche ist deutlich größer als der Rohrquerschnitt des abgehenden Kanals.
  2. Der Rechen befindet sich in einem gehörigen Abstand zum Kanaleinlauf und ist dem Kanal nicht unmittelbar vorgesetzt, wie z. B. fälschlich auf Foto 3 zu sehen. Bei dem Rechen nach auf Foto 3 wird außerdem der Einströmverlust hinter dem Rechen verschlechtert. Dies führt zu einem zusätzlichen Leistungsrückgang und einem sonst vermeidbaren zusätzlichen Aufstau. Zudem zählt der Rechen in Foto 3 auf Grund seines Stababstandes von << 4 cm  zu einem Feinrechen, der im Regenfall erfahrungsgemäß ständig gereinigt werden muss.
  3. Der freie Querschnitt eines Rechens muss deutlich größer sein als die Kanalquerschnittsfläche.
  4. Zwischen Rechen und Kanal befindet sich ein Betonschacht.
  5. Der Rechen selbst ist aus verzinktem Bandeisen gefertigt, dessen schmale Seite vom Wasser angeströmt wird.
  6. Das Wasser kann im Belegungsfall oder bei extremen Wasseranfall den Rechen wenigstens teilweise auch von oben fluten.
  7. Die Rechenneigung ist so gewählt, dass sie eine manuelle Reinigung erleichtert.
  8. Der Einlaufbereich ist befestigt. Hier gepflastert.

Zu der Bedeutung des freien Querschnittes noch einige Überlegungen:

Vergleiche dazu Abbildung 6. Die Notwendigkeit eines großzügig bemessenen freien Rechnerquerschnittes wird verständlich, wenn man sich den Prozess der Rechenbelegung bei einem Wasserstand von z. B. nur 10 cm im Graben vorstellt. Eine Handvoll  Laub genügt schon, um einen Rechen nach  Foto 3 im Einlaufbereich sofort zu belegen. Damit kommt es schon nach kurzer Niederschlagszeit zu einem Rückgang der Leistungsfähigkeit des Rechens um ca. 50 %!

Die Folge ist, dass der Rechen selbst zur Verstopfungsursache des Kanals wird, sollte er doch den Kanal vor innerlicher Verstopfung schützen.

Rechenbetreiber, die dies vermeiden wollen, müssen also für leistungsfähige wartungsarme Rechenanlagen in Einlaufbauwerke sorgen:

  • Rechenneigung: 1: 3  (siehe Punkt 8 )
  • Abstände der Flacheisen: 4…10 cm
    (je kleiner die Abstände, desto größer ist die Verstopfungsgefahr eines Handrechens
  • Rechen deutlich breiter als der Grabenquerschnitt (z. B. Abbildung 6)
  • freier Rechendurchgang deutlich breiter als die Querschnittsfläche des abgehenden Kanals –
    (z. B. Abbildung 4 und 5)

8. Vorteilhafte Neigung des Rechens

Handrechen waren früher in kleinen Kläranlagen häufig im Einsatz  (siehe Abbildung 6).

Hier hat sich ein Rechengefälle von 1 : 3 bewährt. Das hat den Vorteil einer größeren wirksamen Rechenoberfläche und einer leichteren Bedienbarkeit.

Vergleicht man die Rechenneigungen, so fällt auf, dass die Neigungen der Rechen nach dem Regelwerk und nach Foto 5 und 6 deutlich steiler und deshalb möglicherweise nachteiliger als die flacheren in der Abwasserbehandlung bewährten Handrechenneigungen sind.

Eine Rechenneigung von 1 : 3 erscheint vorteilhafter, als jene im Regelwerk dargestellte deutlich steilere Neigung!

Ich würde – wenn im Einzelfall möglich abweichend vom Regelwerk  – eine Rechenneigung von 1 : 3 wählen, da die geringe Neigung von 1 : 3 die genannten Vorteile verspricht.

Je flacher die Rechenneigung, desto länger könnte es wohl dauern, bis der Rechen mit Rechengut belegt ist und wieder gereinigt werden muss. D. h. ein flacher Handrechen – und wenn möglich zudem deutlich breiterer Rechen – bleibt länger betriebsbereit.

Da die Reinigung der Rechen jedes mal eine Aktion ist, d. h. der für die Reinigung des Rechens zuständige Mitarbeiter des Entwässerungsbetriebes oder der Kommune steht ja nicht ständig neben dem Rechen, bringt eine flachere und breitere Dimensionierung der Rechenfläche langfristig sicher manche zusätzlichen Vorteile.

Abbildung 6: Rechen für Handbedienung nach Gruhler, J.F. (Abwasserbehandlung, 2. Lehrbrief Berlin 1975, S. 64)

Randolf nennt eine Rechenneigung von 20…25° gegen die Horizontale (Randolf, Kanalisation und Abwasserbehandlung, VEB Verlag für Bauwesen Berlin, 1974,  S. 173).

1 : 3 sind 18°, 1 : 2,7 sind ca. 20° und 1 : 2,1 sind ca. 25°.

Wenn es möglich und notwendig ist, kann man den Rechen auch deutlich breiter als das Gerinne planen. Vergleiche Abbildung 6.

9. Funktionierendes Einlaufbauwerk unmittelbar nach einer Flutung

Foto 7: Überflutungen und kleine Erdrutsche in Ettenheim am 15. Juli 2009

Das Foto 7 veranschaulicht die Überflutung des Rechens im Belegungsfall oder bei extremen Wasseranfall wenigstens teilweise auch von oben.

Das der Rechen nun die Überflutung nicht verhindert, mag an anderen Ursachen liegen.

Auf jeden Fall hat der Rechen den Kanal vor Rechengut (u. a. PVC-Rohr) geschützt und zudem seine Leistungsfähigkeit und Funktion behalten.

(Bildquelle für Foto7:  Badische Zeitung; Artikel:  Überflutungen und kleine Erdrutsche in Ettenheim )

10. Zusammenfassung

  • Wird ein Graben an einen Kanal angeschlossen, so ist dazwischen in aller Regel ein Einlaufbauwerk erforderlich. Dann nämlich unbedingt, wenn die Gefahr besteht, dass bei Niederschlag bzw. Schneeschmelze Rechengut, Schlamm, Sand und/oder Geröll in den Kanal gespült werden könnte.
  • Auf die bewährten Konstruktionsvorschläge in Abbildung 1-4 bzw. in Foto 5 und 6 sollte in solchen Fällen zurückgegriffen werden.
  • Die Kontrolle und Reinigung der Einlaufbauwerke sollte schriftlich eindeutig nachgewiesen werden können. Die in Dresden übliche Verfahrensweise hat sich bewährt und kann empfohlen werden.

Die Bewertung des Einlaufbauwerkes ist weniger relevant, wenn der strittige Kanäle und Gräben als Gewässer II. Ordnung klassifiziert wird. Das ist deshalb nicht der Fall, weil dann der dem Graben folgende Kanal zumeist einen wesentlich größeren Durchmesser aufweisen würde (z. B. Abfluss nach HQ100) und weil er damit weniger verstopfungsanfällig wäre. Notwendig sind hier Einzelfalluntersuchungen.

 

Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung
Dipl-Ing. (FH) & Diplomvolkswirt

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)




Erst entwässern, dann besiedeln!

Vorwort

Die technisch-wirtschaftliche Regel oder der Erfahrungssatz

Erst Optimierung des Entwässerungskonzeptes, dann Bebauungsplan!

findet sich in zahlreichen heutigen nicht immer beachteten Lehr- und Fachbüchern. Markant ist, dass diese eigentlich selbstverständliche Regel schon „uralt“ ist. Auch die „Regenwasserbewirtschaftung“ ist keine Erfindung aus unserer Zeit wie der folgende Literaturauszug beweist. Möglicherweise wird jenes, was den Lehrern an Hochschulen und Universitäten als selbstverständlich erscheint, nicht mehr gelehrt, auch weil es reizlos ist Selbstverständliches zu verbreiten und auf diese Weise wird das Selbstverständliche für die zweite Generation der dann diesbezüglich weniger Wissenden unverständlich. Und so wird das Rad in der Geschichte immer wieder neu erfunden.

Also, nun einige Erfahrungen aus der Zeit, als Ingenieurbau noch eine Kunst war. Ein Exzerpt des Fachbuches Kanalisation und Abwasserreinigung von W. Geißler (Handbibliothek für Bauingenieure, Berlin Julius Springer Verlag, 1933):

C. Beziehung zwischen Stadterweiterung und Entwässerung.

Bei der Aufstellung der Entwürfe für die Stadterweiterung muß von Anfang an auf die Bedürfnisse der Entwässerung Rücksicht genommen werden, wenn eine der Hauptaufgaben derselben, nämlich die Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege mit dem geringsten Aufwand an Mitteln zu erreichen, erfüllt werden soll.

Das ist nur möglich, wenn der Bearbeiter die Grundregeln der Entwässerungstechnik beherrscht. Andernfalls werden die Kosten der Entwässerungsanlage sich nicht unwesentlich erhöhen. Das gilt für die Stadterweiterungsgebiete der Großstädte ebenso wie für die Siedlungen bescheideneren Ausmaßes, die sich an den Umkreis der Bebauung anlagern.

Die Bearbeitung eines Entwurfes für die Stadterweiterung geht jetzt nach den allgemeinen Grundsätzen des Städtebaues in der Weise vor sich, daß zunächst ein sogenannter Flächenaufteilungsplan aufgestellt wird, der den Verlauf der Verkehrswege und die Art der Nutzung des Geländes im einzelnen bestimmt. In diesen Plänen werden nur die Hauptstraßenzüge eingetragen, sie stellen in gewissem Sinne das Gerippe der Stadterweiterung dar.
Der späteren Entwicklung bleibt es vorbehalten, die Aufteilung im einzelnen durch Bebauungspläne vorzunehmen. Durch den Flächenaufteilungsplan werden also die Hauptsammler in ihrer Führung in gewissem Sinne festgelegt.

Abb. 101. Tiefenlage der Straßenleitungen in bewegtem Gelände.

Deshalb sind die Straßenzüge, die dafür in Betracht kommen, so anzuordnen, daß der Grundsatz, die Wassermengen auf dem kürzesten Wege unter möglichst vollkommener Ausnutzung des verfügbaren Gefälles der Reinigungsanlage zuzuführen, gewahrt bleibt. Bei der Aufstellung des Bebauungsplanes in bewegtem Gelände muß besonders darauf geachtet werden, daß das Wasser nicht auf Umwegen dem Hauptsammlern zugeleitet wird und daß spitzwinkelige Einmündungen vermieden werden. An Tiefenlage der Leitungen kann in bewegtem Gelände gespart werden, wenn die Straßenzüge der tiefsten Einsenkungslinie folgen, so daß das zu bebauende Gelände von der Straße aus ansteigt. Aus dem Vergleich der verschiedenen Anordnung in  Abb. 101 geht ohne weiteres hervor, daß die Anordnung nach b) erheblich wirtschaftlicher ist. Verläuft eine Straße am Hang, so wird aus den gleichen Erwägungen heraus nur einseitig, nämlich an der ansteigenden Seite bebaut. Dadurch wird die Art der Geländeaufteilung im Bebauungsplan in Abhängigkeit von der Entwässerung bestimmt.

Abb. 102. Abhängigkeit des Stadterweiterungsgebietes von der Kanalisation.

 

Auf die Begrenzung eines aufzuschließenden Neubaugebietes hat die Rücksichtnahme auf die Entwässerungsmöglichkeit bestimmenden Einfluß.

Das kommt besonders in bewegtem Gelände zum Ausdruck.  Abb. 102 möge die Oberflächengestaltung eines Erweiterungsgebietes darstellen. Das Gelände fällt nach allen Seiten ziemlich gleichmäßig ab, nach Westen flacher, nach Osten etwas steiler.

Die Linienzüge HFG und JDC stellen Wasserscheiden dar. Das westlich davon gelegene Gebiet hat die natürliche Vorflut nach dem Hauptbach, während das östlich gelegene Gebiet nach dem Nebenbach entwässert. Durch die Verlängerung des Sammlers II können die Abwässer des östlichen Gebietes bis einer gewissen Höhenlage mit nach dem Hauptbach geführt werden.

Die Begrenzung des Gebietes ist durch den Linienzug GFEDC festgelegt. Wollte man 1 Gebiet östlich des Linienzuges in die Bebauung einbeziehen, so müßte der Sammler II, der jetzt in der Höhenlage + 98 NN ausmündet, tiefer gelegt werden. Das würde entweder eine Verschiebung der Hauptkläranlage nach Norden und eine Verlängerung der beiden Sammler zur Folge haben, wenn man nicht wirtschaftlichen Gründen vorzieht, bei K die gesamten Abwässer zu heben.

Die andere Möglichkeit besteht darin, bei k eine zweite Kläranlage zu bauen, oder mittels Pumpwerkes die Abwässer auf die Höhe des Sammlers II zu heben.
In allen Fällen bedeutet die Ausdehnung des Siedlungsgebietes nach Osten einen Mehraufwand an Bau- bzw. Betriebskosten, so daß das Erweiterungsgebiet mit Rücksicht auf die Entwässerung aus wirtschaftlichen Gründen nach dem genannten Linienzug begrenzt werden muß.
Ähnliche Gesichtspunkte gelten, wenn in einem im allgemeinen eben gelegenen Entwässerungsgebiet ein Teilgebiet unter der mittleren Ordinate liegt. Soll dieses dieses mit an die Entwässerung angeschlossen werden, so muß entweder der Hauptsammler tiefer gelegt oder das Gefälle verschlechtert werden. Unter Umständen ist durch diese Rücksichtnahme ein durchgehendes Gefälle zum Vorfluter nicht mehr möglich, so daß das Abwasser gehoben werden muß. Auch in diesem Fall ist es wirtschaftlich gerechtfertigt, dieses für die Entwässerung ungünstig gelegene Gebiet von der Bebauung auszuschließen.

Beim Trennverfahren ist die Verbundenheit zwischen Bebauungsplan und Entwässerung noch inniger als beim Mischverfahren.

Das trifft besonders dann zu, wenn das Regenwasser oberirdisch abgeleitet wird. Zu diesem Zwecke müssen vorhandene Bäche und offene Gräben erhalten bleiben, um als Hauptsammler für die Regenwässer benutzt werden zu können, vorhandene Mulden oder Senken müssen als Grünstreifen ausgewiesen werden, damit sie zu dem gleichen Zweck nutzbar gemacht werden können, und die Straßen sind nach Richtung und Gefälle so anzulegen, daß das oberirdisch abfließende Wasser Vorflut nach den natürlichen Rezipienten hat.

Es ist ohne weiteres ersichtlich, daß auf diese Weise die ganze Aufteilung des Geländes durch die Entwässerung bestimmt wird.

Aus dem Beispiel (Abb. 103), das in dem Städtebauseminar der Technischen Hochschule Dresden bearbeitet ist, sind diese Zusammenhänge ohne weiteres ersichtlich. In den beiden Talmulden verlaufen neben den Straßen die offenen Regenwasserrinnen. Sie sind mit ganz flachen Böschungen ausgebildet, so daß sie als Teil des Grünstreifens wirken. Die Straßenwässer verlaufen bis auf eine Länge von 400 bis 500 m oberirdisch, danach werden sie in unterirdischen Leitungen weitergeführt, die in die offenen Gerinne einmünden.

Abb. 103. Bebauungsplan in Abhängigkeit von der Ableitung der Regenwässer.

Ist in einem ebenen Gelände eine natürliche Vorflut nicht ohne weiteres gegeben, so daß das Abwasser gehoben werden muß, so können durch die Anwendung des Trennverfahrens in Verbindung mit Zierteichen und Wasserbecken große Ersparnisse an den laufenden Kosten gemacht werden. Wenn das Regenwasser vorübergehend aufgespeichert wird, können kleinere Pumpeinheiten eingebaut und das Heben des Regenwassers auf eine größere Zeit verteilt werden. Diese Anlagen geben verständlicherweise dem ganzen Gebiet einen bestimmten Charakter und beweisen den innigen Zusammenhang zwischen Kanalisation und Bebauungsplan.“

***

Anstelle eines Nachwortes:

Das Selbstverständliche ist selbstverständlich nur einem verständigen Selbst verständlich.

© Manfred Hinrich, (*1926), Dr. phil., deutscher Philosoph, Lehrer, Journalist, Kinderliederautor, Aphoristiker und Schriftsteller

 

 




Abwasserpumpwerk Vacha

In unmittelbarer Nähe der ehemaligen Grenze

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Abwasserpumpwerk Vacha gehört dem Wasser – und Abwasserverband Bad Salzungen.

Homepage der Stadt Vacha




Ausweisen von Überflutungswegen

Gerichtsgutachterliche Argumentation in einem thüringischen Rechtsstreit:

Situation:

  • Es gab eine Überflutung eines Grundstückes durch oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser.
  • Für die schadlose Ableitung oberflächlich ablaufenden Wassers sind keine leistungsfähigen Straßeneinläufe vorhanden.
  • Es fehlt eine geordnete Ableitung oberflächlich ablaufenden Niederschlagswassers.
  • Das System ist also schon augenscheinlich und ohne Berechnungen anstellen zu müssen an mehreren Stellen mit hoher Wahrscheinlichkeit mangelhaft.
  • Es gibt keine Planungen zur schadlosen Ableitung oberflächlichen Wassers.

Selbst in dem Szenario:

  • Vorlage prüffähiger Planungen,
  • die Prüfung ergibt Mängelfreiheit,
  • die Planung wurde korrekt umgesetzt,

wäre eine Überflutung nicht auszuschließen.

Es wäre also weiter zu prüfen:

  • Wurden Überflutungswege für den Fall einer Überlastung oder Störung der Niederschlagswasserbeseitigungsanlagen ausgewiesen?
  • Wurden die betreffenden Grundstückseigentümer darüber nachweislich informiert, dass sich ihr Grundstück oder ihr Gebäude in einem Überflutungsweg oder in einem Überflutungsgebiet befindet?

Diese weiteren Prüfanforderungen folgen m. E. aus dem induktiven Analogieschluss bei der Handhabung mit der Veröffentlichung der Rückstauebene. Hier geht es darum, dass sich der Grundstückseigentümer vor Rückstau schützen muss, mit dem er auch bei hinreichend dimensionierter Kanalisation und bei ungünstiger Lage seines Grundstückes immer rechnen muss. Es sei daran erinnert, dass allein bei einem regulären Kanalbetrieb (Kanalreinigung, Kanalsanierung) ein Rückstau Ergebnis einer betrieblichen Maßnahme sein kann. Damit der gefährdete Grundstückseigentümer sich selber qualifiziert gegen Rückstau schützen kann, ist er also über die latente Gefahr zu informieren.

Bürger wären bzw. sind demnach über Überflutungswege zu informieren, die sich bei Überlastungen oder Störungen der Regenwasserableitung ergeben, seien diese Anlagen nun

  • oberirdisch und/oder unterirdisch,
  • vorhanden oder nicht vorhanden.

Zur weiteren Begründung:

Schon 1995 war im ATV-Handbuch, Bau und Betrieb der Kanalisation, Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage nachzulesen:

„Hatte man früher solche Fälle als solche “höherer Gewalt” gesehen, so ist diese Sicht jetzt aus der neuen Haftpflicht – zum Schutze des Bürgers – differenziert zu sehen, je nach der Häufigkeit solcher Vorkommnisse. Damit muß sich der planende Ingenieur – was bisher weitgehend nicht üblich war – auch mit der Frage der “Überschwemmungswege” zukünftig befassen.“

(Weitere Ausführungen im o. g. Handbuch.)

Diese Überlegungen sind in grundsätzlicher Weise auch in der DIN EN 752 zu finden.

Der Argumentation im ATV-Handbuch folgt offenbar auch die ATV-DVWK-Arbeitsgruppe ES-2.1 Berechnungsverfahren:

Zur Bewertung der davon ausgehenden Überflutungsgefährdung wird die mögliche Ausbreitung des Überstauvolumens sowie der resultierende Wasserstand an diesen Netzelementen auf der Basis einer örtlichen Überprüfung abgeschätzt. Dabei kann es im Einzelfall erforderlich sein, die Örtlichkeit detailliert höhenmäßig zu erfassen (Höhe der Bordsteine, seitliche Begrenzungen, etc.) und mögliche Überflutungswege zu identifizieren (abgesenkte Bordsteine, Zufahrten bzw. Zuwege, Kellereingänge etc.). Ergeben sich aus dieser Abschätzung signifikante Wasserspiegellagen über Gelände, ist ggf. die Kanalnetzberechnung mit einer angepassten Netzkonfiguration zur Berücksichtigung dieser erhöhten Wasserspiegellagen erneut durchzuführen.“

 

Quelle:

Bewertung der hydraulischen Leistungsfähigkeit bestehender Entwässerungssysteme
Arbeitsbericht der ATV-DVWK-Arbeitsgruppe ES-2.1 Berechnungsverfahren
KA Abwasser – Abfall 2004 (51) Heft 1, S. 69 – 75

Zusammenfassung und Bewertung zum 29.09.2011:

Die ordnungsgemäße Planung der schadlosen Regenwasserableitung ist zwar eine notwendige, aber nicht allein hinreichende Anforderung.

Notwendig ist außerdem in erfahrungsgemäß überflutungskritischen Regionen die Ausweisung von Überflutungswegen bzw. -gebieten und die Information der ggf. betroffenen Grundstückseigentümer über die latetente Gefahr in üblicher Weise.

Diese Auffassung ist meine – auf den o. g. Argumenten beruhende – Meinung, mit der ich in einem umfänglichen Privatgutachten 2009 schon einmal argumentierte und die in einem thüringischen Gerichtsverfahren 2011 vorgetragen wurde.

Ob ein Gericht den Argumenten folgt, bleibt abzuwarten.

Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung
der IHK Chemnitz

Siehe auch:

  • Rückstau

    Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)




Vergleich zwischen Freispiegel- und Druckentwässerung

Auszug aus der Broschüre Abwasserkosten 2000 für ostdeutsche Kommunen und Verbände.

Weiterlesen




Beweissicherung bei Schäden infolge von Unwetter, Überflutung oder Rückstau

Überflutung

Was tun? – Hinweise an Geschädigte

Inhalt:

1. Beweissicherung – ganz wichtig!
2. Was also sollte man selber machen?
3. Vorteile einer Dokumentation durch den Geschädigten
4. Änderungen an der Situation am Schadenstag
5. Über die Arbeit eines Gerichtsgutachters
6. Fachtechnische Ursache eines ausgewählten Rückstauschadens in Thüringen
7. Fachtechnische Ursachen einer ausgewählten Überflutung eines Betriebes in Sachsen
8. Die eher ohnmächtige Antwort der Grundstückseigentümer auf häufige Überflutungen
9. Weitere Quellen

 

1. Beweissicherung – ganz wichtig!

Im Ergebnis von Unwettern kommt es häufig zu Schäden durch Kanalrückstau und Überflutungen.

Wenn eine Schadensvergütung bei Gericht oder bei einer Versicherung geltend gemacht werden soll, ist ein Nachweis der Ursachen der Schäden notwendig.

  • Die Suche nach den Ursachen von Kanalrückstau und Überflutungen ist ein Schwerpunkt meiner Arbeit als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Abwasserbeseitigung.
  • Wichtig ist nicht nur die Klärung der Ursachen von Kanalrückstau und Überflutungen, sondern auch eine korrekte bzw. gültige Beweisführung nach den Gesetzen der Logik.

Dabei kann es sich z. B. um folgende Aufgaben handeln

  • Beweissicherung (Dokumentieren von Tatsachen bzw. deren Wahrscheinlichkeiten)
  • Feststellen der Ursachen der Überflutungs- oder Rückstauschäden
  • ggf. Mitwirken als Parteigutachter an der fachlichen Formulierung des Beweisantrages

Folgende Leistungsformen sind die Regel:

  • Privatgutachten
  • Versicherungsgutachten
  • Parteigutachten
  • Gerichtsgutachten

Auftraggeber können dabei z. B. sein

  • Privatpersonen
  • Unternehmen
  • Versicherungen
  • Kommunen
  • Abwasserzweckverbände

Bis Sie aber einen Sachverständigen vor Ort haben, sollten Sie selber eine Schadensdokumentation anfertigen, weil dies später für die Aufklärung der Ursachen nützlich sein kann.

Die Dokumentation zum Zeitpunkt des Geschehens ist häufig entscheidend für eine korrekte Ursachenbewertung!

2. Was also sollte man selber machen?

Dazu ist es erforderlich – wenn möglich – noch während des Unwetters oder unmittelbar danach den Weg des Wassers zu dokumentieren, Zeugen herbei zu rufen und in die Beweissicherung einzubinden.

Daneben ist der Schaden – wenn gefahrlos möglich – zu minimieren.

Bei der fotografischen Dokumentation ist zu beachten, dass zweckmäßigerweise zunächst ein Foto zur Übersicht gemacht wird und dann weitere Fotos von Detailansichten. Es muss später bewiesen werden können, wie die Fotos zuzuordnen sind. Detailaufnahmen sind zwar wichtig, sie erlauben aber ohne weitere Übersichtsaufnahmen keine Zuordnung und können damit ihren Beweiswert verlieren.

Dokumentation des Weges des Wassers! Woher kam es? Wohin floss es? Dokumentation der Wasserstände!

Mir ist bekannt, dass der Geschädigte vor einem Dilemma steht: Entweder er dokumentiert den Schadenshergang oder er rettet sein Hab und Gut.

Eine Wahl, die ihm keiner abnehmen kann. Wenn er aber Glück hat, gelingt ihm beides.

(Die Schwierigkeit, die der Sachverständige bei der Bewertung der Schadensursachen hat, ist die, das er nachträglich die Wahrheit (wahr oder falsch) nicht mehr feststellen kann, sondern vielleicht nur noch die Wahrscheinlichkeit zu bewerten vermag. Liegt dagegen vom Geschädigtem eine nachvollziehbare und schlüssige Dokumentataion vor, dann sollte die nachträgliche Bewertung des Schadensherganges durch den Sachverständigen einen recht hohen Grad an Wahrscheinlichkeit erhalten. )

Wer es ganz vorbildlich machen will, fügt die Fotos mit Bildunterschrift in ein Worddokument ein und formuliert einen kleinen Text darunter, aus dem zu entnehmen sein soll, was mit den jeweiligen Fotos bewiesen wird. Aus dem Dokument sollte auch hervorgehen, wer die Fotos wann gemacht hat, wer den Text wann verfasst hat. Bei unmittelbaren Fotos ist auch die Uhrzeit zu notieren. Hilfreich sind auch Videoaufnahmen von dem Geschehen.

Inhalt der Dokumentation, z. B.:

  • Kurzbeschreibung des Schadensereignisses
    • Datum, Uhrzeit (von bis)
    • Abläufe
    • Situation
  • Namen der Zeugen
  • Fotodokumentation über die Ursachen der Überflutung , insbesondere Dokumentation des Weges des Wassers, das die Überflutung verursachte
  • Fotodokumentation der Schäden

Mit der Anzahl der Fotos sollte man nicht zu geizig sein. Ein Foto mehr aus einer anderen Sicht ist immer besser als eines zu wenig.

3. Vorteile einer Dokumentation durch den Geschädigten

  • Derlei Dokumentationen sind für den Gerichtsgutachter oder den Gutachter einer Versicherung hilfreich bei der Ursachenfindung.
  • Für den Parteigutachter bzw. für den Anwalt sind sie ebenso hilfreich für seine Argumentation.
  • Der Vorteil einer parteilichen Beweissicherung liegt oft in der unmittelbaren Dokumentation des Vorganges. Meist sind es die Geschädigten, die zu allererst feststellen oder vermuten, welche Ursachen das Schadensereignis hatte. Die Aufgabe, dies kritisch und nachvollziehbar zu überprüfen, ist dann Sache des Gerichtssachverständigen, der mitunter aber erst Monate oder mitunter auch Jahre später beauftragt wird, zu klären, wie der Schaden entstand.
  • Die Ursachen von Überflutungen oder von Ereignissen und die Bedingungen, die dazu führten, lassen sich im Nachhinein mitunter meist nur schwierig oder auch nicht mehr sicher feststellen. Deshalb kommt es darauf an, die Situation, die zum Schadenszeitpunkt geherrscht hat, nachvollziehbar und plausibel zu dokumentieren.
  • Eine 100 %-ig sichere Ursachenfeststellung ist nach dem Schadensereignis eher eine Ausnahme. Deshalb kann es auf jede zusätzliche Information ankommen.

Ob Sie – als geschädigte Partei – aber die Dokumentation nicht, teilweise oder vollständig dem Gerichtsgutachter übergeben, muss Ihr Rechtsanwalt entscheiden!

4. Änderungen an der Situation am Schadenstag

Änderungen an der Situation am Schadenstag, wie z. B. Geländeregulierungen, Änderungen an der Grundstücksentwässerung vor der Beweissicherung sind problematisch für die anschließende Beweisführung. Wenn Sie Änderungen vorhaben, sollten Sie dies unbedingt mit Ihrem Anwalt vorher besprechen.

5. Über die Arbeit eines Gerichtsgutachters

Ein Gerichtsgutachter ist in der Regel ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, der von einem Gericht den Auftrag erhielt in einem bestimmten Rechtsstreit als Gutachter Tatsachen festzustellen und diese Tatsachen und/oder Zusammenhänge fachlich zu bewerten.

Der Sachverständige wird und muss unabhängig von Ihren eigenen Aufzeichnungen selber eine Dokumentation über den Schadenshergang anfertigen.

Ein Gerichtsgutachter ist aber verpflichtet, Ihre Dokumentation zur Kenntnis zu nehmen und ggf. als Parteivortrag zu bewerten.

Die Dokumentationen der Geschädigten oder der Parteien sind Parteivorträge, die immer zweitrangig vor den Bewertungen eines Gerichtsgutachter sind.

Entscheidend ist aber das, was der Gerichtsgutachter feststellt.

Der Gerichtsgutachter darf – wenn er es nachvollziehbar begründen kann – den Parteivorträgen folgen, wobei Feststellungen eines öffentlich vereidigten Sachverständigen – wenn er als Parteisachverständiger arbeitet – mitunter ein besonderes Gewicht haben.

Ratsam ist die unverzügliche Beauftragung eines ö.b.u.v. Sachverständigen für Abwasserbeseitigung zur Dokumentation der Ursachen des Wasserschadens.

Insbesondere soll er – wenn noch möglich – den Weg des Wassers beweisen.

Für die Bewertung der Wasserschäden (Kosten) an sich, benötigt man andere Sachverständige.

In den folgenden Ausführungen werden die Ursachen zweier tatsächlicher Schäden anschaulich dargestellt. Es handelt sich um Auszüge aus zwei Gerichtsgutachten von mir.

6. Fachtechnische Ursache eines ausgewählten Rückstauschadens in Thüringen

Diese Rückstausicherung befand sich im Ablauf einer Kleinkläranlage. Schweflige Säure, die aus den Kanalgasen gebildet wurde, zerstörte die Wellen der Rückstausicherung, so dass diese nicht mehr funktionieren konnten. Zudem ist eine derartige Rückstausicherung für fäkalisches Abwasser nicht zugelassen.

 

7. Fachtechnische Ursachen einer ausgewählten Überflutung eines Betriebes in Sachsen

In das dargestellte Einzugsgebiet eines trockenfallenden Grabens wurde ein Gewerbegebiet geplant.

Blick in das Einzugsgebiet

Durch den Neubau dieser Straße wurde der natürliche Abfluss gestört. Der „Bach“ floss dann zunächst oberirdisch teilweise auf den Straßen des Gewerbegebietes entlang und fand dabei einen Weg in das Werk, den er ohne die Straßenbaumaßnahme nicht genommen hätte.

Dieser Einlauf war ursprünglich für das oberflächlich ablaufende Niederschlagswasser des 38 ha großen Einzugsgebietes vorgesehen. Er verstopfte durch das von den Feldern abgeschwemmte Rechengut.

Einlaufbauwerk mit Geröll- und Sandfang nach ATV-Regelwerk A 241. Bei dieser regulären Lösung – oder gleichwertig – wäre der Schaden möglicherweise nicht aufgetreten.

 

8. Die eher ohnmächtige Antwort der Grundstückseigentümer auf häufige Überflutungen

Das sind Indizien, für den Weg des Wassers bei Überflutungen.

Schutz einer Toreinfahrt

Schutz eines Kellerfensters vor Überflutung – Wir haben es hier recht wahrscheinlich mit einer häufigen Überflutungssituation zu tun. Bei einer einmaligen Überflutung hätte sich der Hauseigentümer wohl noch keine Sandsäcke organisiert.

 

9. Weitere Quellen:

Überflutung, Rückstau

Überflutungsschäden durch mangelhafte Einlaufbauwerke

Siehe auch:

Gerichtsgutachten

Gutachter Uwe Halbach
Berufliche Entwicklung
Ausgewählte Gutachten
Gerichtsgutachten und Gerichtsprozess

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)




Rückstau und Überflutung

Literaturrecherche:

1. Bau und Betrieb der Kanalisation – Exzerpt aus [3]

  • Ein besonderes Interesse fanden in den letzten Jahren – aus diesen Untersuchungen heraus die Netz-Füllungszustände bei Stau (Energiespiegel im Abwasserkanal steigt über den Rohrscheitel = Rückstau) oder Kanalüberschwemmung (Energiespiegel bis über Gelände, Abwasseraustritt aus dem Kanal auf Überschwemmungswege [430, 431]). Während im ersteren Zustand der Wasserzugang durch Stau in nicht nach DIN 1986, Abschn. 7, von 1988, (149], ausreichend gesicherte Keller beginnt oder beginnen kann – mit steigender Staulinie (= Energielinie) zunehmend – können im letzteren Fall der Überschwemmung Gefährdungen für tiefer liegende Grundstücke und Anlagen entstehen, evtl. eine Haftung des Kanalnetzbetreibers nach unserer bisherigen Rechtsprechung auslösend
  • Hatte man früher solche Fälle als solche „höherer Gewalt“ gesehen, so ist diese Sicht jetzt aus der neuen Haftpflicht – zum Schutze des Bürgers – differenziert zu sehen, je nach der Häufigkeit solcher Vorkommnisse. Damit muß sich der planende Ingenieur – was bisher weitgehend nicht üblich war – auch mit der Frage der „Überschwemmungswege“ zukünftig befassen.
  • Im Normalfall erfolgt der Abfluß – bei extremen Abflüssen aus Niederschlag – aus den Straßeneinläufen ausströmend statt zulaufend, dem natürlichen Geländegefälle folgend über die Straßenfahrbahn, zwischen den Randsteinen. Diese zusätzliche, erhebliche Abflußkapazität (neben dem Kanalsystem) ist jedoch eingeschränkt, wenn niedrige Randsteinhöhen zu tiefer liegenden Garagen oder Parkplätzen evtl. auch aus Einläufen dort (!) – aus diesem „Straßenabfluß“ seitlich zu Überschwemmungswegen über die Grundstücke führen, eventuell Schäden verursachend.
  • Auch Kanaldeckel-Aushebungen kommen vor. Bei Deckeln „mit Lüftung“ ist die Wahrscheinlichkeit des Vorkommens geringer (Entlastung durch Luftaustritt).
  • Ebenso können diese „Überschwemmungswege“ an Straßenkreuzungen, Tiefpunkten, aber auch Unterführungen zu seeartigen größeren Stauen führen, woraus sich auf dem weiteren Überschwemmungsweg Schäden ergeben können. Hier kann, wenn dies mit – nach Beurteilung des Gerichts – unzumutbarer Häufigkeit vorkommt, die Gemeinde haftpflichtig sein. Ähnlich wohl auch, wenn Schäden daraus (z. B. gekippte Zäune/Mauern, überschwemmte Keller) „vorhersehbar“ waren.
  • Es wird daher nötig sein, solche Fälle vorher als „Überschwemmungswege“ zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen für eine schadlose Ableitung zu sorgen, Risiken dabei zu mindern. [3] (S. 57)
  • „Um eine ordnungsgemäße Entwässerung zu den Straßen hin zu gewährleisten, wird man die Höhenlage der Gebäude und des sie umgebenden Geländes sorgfältig darauf abstimmen. Zu dieser Binsenweisheit, die, wie Erfahrungen lehren, offenbar immer wieder ausgesprochen werden muß, bringt Bild 10.3-32 eine Darstellung aus amerikanischen Empfehlungen. Diese Dinge sind offenbar so ernst zu nehmen, daß die Federal Housing Administration der Frage der Oberflächenentwässerung in den Einfamilienhaussiedlungen der suburbs besondere Aufmerksamkeit widmet [187]. In Bild 10.3-33 sind drei Fälle von Geländeneigungen im Schnitt wiedergegeben, und es ist hierzu angedeutet, wie man die Grundstücke im Hinblick auf die Oberflächenentwässerung zu regulieren hat, „um Feuchtigkeitsschäden am Haus, Dunstbildungen, Erosionen, Verschlammung der Höfe und Überflutung von Kleinkläranlagen zu vermeiden“ und nachträglichen teuren Behebungsmaßnahmen, wie Wiederherstellung der Geländeprofilierung und Einlegen von Dränagen, vorzubeugen. Diese Mahnung aus den USA sollte Anlaß sein, generell bei Entwässerungsprojekten in Verbindung mit dem Bebauungsplan Vorsorge für „Überschwemmungswege“ zu treffen, um bei außergewöhnlichen Stark- und Katastrophenregen Schäden zu begrenzen. Pfeiff hat dieses Problem in [430, 431] behandelt. Es spielt auch bei Rechtstreitigkeiten um Schadenersatz eine Rolle, nämlich bei der Frage nach der Abgrenzung zwischen „hoherer Gewalt“ und „Versäumnis“.

2 Hydraulische Bemessung und Nachweis von Entwässerungssystemen [2]

  • „Die europäische Norm DIN EN 752-2 geht von der Überflutungshäufigkeit als Nachweiskriterium für Überlastungszustände aus (vgl. Kap. 5.1). Der Überflutungsvorgang auf der Oberfläche und der Überflutungsschutz sind in hohem Maße von lokalen Verhältnissen abhängig und bedürfen deshalb einer Würdigung der Gegebenheiten in der Örtlichkeit. Die Möglichkeit und Gefahr einer Überflutung im Falle einer Überstauung der Kanalisation ist auch im Fall einer einfachen Bemessung nach Kap. 6.1.1 bzw. im Anschluß an die hydraulische Nachrechnung vor Ort zu prüfen. Wegen der Schwierigkeiten, den oberflächigen Überflutungsvorgang modelltechnisch nachzubilden, ist für Bereiche mit rechnerischem Überstau unbedingt eine Bewertung der Gegebenheiten vor Ort vorzunehmen. Ggf. sind vorliegende Aufzeichnungen zum bisherigen Systemverhalten auszuwerten (Feuerwehreinsätze o.ä.).
  • Nachweisrechnungen sollten für Netzpunkte mit Überstau über Gelände das Volumen des ausgetretenen bzw. nicht abgeleiteten Misch- oder Regenwassers sowie die Dauer des rechnerischen Überstaus ausweisen, um die Gefahr einer Überflutung angrenzender Grundstücke oder einer wesentlichen Funktionsbeeinträchtigung wichtiger Verkehrsanlagen (Unterführungen) besser bewerten zu können. Ist eine Überflutung angrenzender Grundstücke aufgrund der topographischen und sonstigen örtlichen Gegebenheiten zu befürchten, sind geeignete (konstruktive) Maßnahmen am Straßenverlauf umzusetzen oder die Ableitung des überschüssigen (Ab-)Wassers in ungefährdete Flächen zu prüfen. Sofern dieses an der Straßenoberfläche abgeleitet oder gespeichert wird, ist der Höhenverlauf der Straße in die Prüfung mit einzubeziehen und das schadlose Ableiten ggf. durch bauliche Maßnahmen sicherzustellen.“

 

Siehe auch: Überflutung, Rückstau

Literatur

[1] Abwassertechnische Vereinigung e. V.
Richtlinien für die hydraulische Berechnung von Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanälen
1984, 5. Auflage (unveränderter Text von 1977), ATV-A 118

[2] ATV-A 118
Hydraulische Bemessung und Nachweis von Entwässerungssystemen
(Punkt 6.3)
Abwassertechnische Vereinigung e. V., 1999 und 2006

[3] ATV-Handbuch
Bau und Betrieb der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1995

[4] ATV-Handbuch
Planung der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1994

[5] Federal Housing Administration: Land Planning.
Bulletin Nr. 3. Abschnitt Block and Lot Grading,
Washington D.C. (1954/8)
aus [4]

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)




Überschwemmungsweg – Haftung

Literaturrecherche

Quelle

ATV-Handbuch
Planung der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1994

Kapitel  2.9.1.2.3 von Herrn Dr.- Ing. Siegfried H. Pfeiff
Seniorsachverständiger

„Hatte man früher solche Fälle als solche „höherer Gewalt“ gesehen, so ist diese Sicht jetzt aus der neuen Haftpflicht – zum Schutze des Bürgers – differenziert zu sehen, je nach der Häufigkeit solcher Vorkommnisse. Damit muß sich der planende Ingenieur – was bisher weitgehend nicht üblich war – auch mit der Frage der „Überschwemmungswege“ zukünftig befassen.

Im Normalfall erfolgt der Abfluß – bei extremen Abflüssen aus Niederschlag – aus den Straßeneinläufen ausströmend statt zulaufend, dem natürlichen Geländegefälle folgend über die Straßenfahrbahn, zwischen den Randsteinen. Diese zusätzliche, erhebliche Abflußkapazität (neben dem Kanalsystem) ist jedoch eingeschränkt, wenn niedrige Randsteinhöhen zu tiefer liegenden Garagen oder Parkplätzen -evtl. auch aus Einläufen dort (!) – aus diesem „Straßenabfluß“ seitlich zu Überschwemmungswegen über die Grundstücke führen, eventuell Schäden verursachend.

Auch Kanaldeckel-Aushebungen kommen vor. Bei Deckeln „mit Lüftung“ ist die Wahrscheinlichkeit des Vorkommens geringer (Entlastung durch Luftaustritt).

Ebenso können diese „Überschwemmungswege“ an Straßenkreuzungen, Tiefpunkten, aber auch Unterführungen zu seeartigen größeren Stauen führen, woraus sich auf dem weiteren Überschwemmungsweg Schäden ergeben können. Hier kann, wenn dies mit – nach Beurteilung des Gerichts – unzumutbarer Häufigkeit vorkommt, die Gemeinde haftpflichtig sein. Ähnlich wohl auch, wenn Schäden daraus (z.B. gekippte Zäune/Mauern, überschwemmte Keller) „vorhersehbar“ waren.

Es wird daher nötig sein, solche Fälle vorher als „Überschwemmungswege“ zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen für eine schadlose Ableitung zu sorgen, Risiken dabei zu mindern.

Siehe auch:




Sanierung privater Grundstücksentwässerungsanlagen

Milliardenmarkt Sanierung privater Grundstücksentwässerungsanlagen
Rechtslage und mangelndes Problembewusstsein bremst Investitionen

Artikel mit freundlicher Empfehlung am 2.5.2011 zur Verfügung gestellt
EUWID-Wasser Spezial, Heft 01.2011, 19.04.2011, S. 40-41
Herr Bröker

Die Sanierung der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen dürfte auch in den kommenden Jahren eines der spannendsten Themen der Abwasserwirtschaft bleiben. Ein Investitionsbedarf im Milliardenbereich trifft auf eine unzureichende Datenlage, auf das Fehlen von eindeutigen Zuständigkeitsregeln sowie auf ein mangelndes Problembewusstsein bei den Grundstückseigentümern. Nur wenige Bundesländer haben bisher in Verordnungen klare Fristen für die Inspektion und Sanierung der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen erlassen (siehe auch Artikel „Flickenteppich Länderregelungen zu Fristen der GEA-Inspektion“), nur wenige Kommunen haben sich bereits mit einer Organisation der Inspektion und Sanierung der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen befasst.

Die Folge: Ein Investitionsstau, der auch bei klaren und eindeutigen Regelungen der Länder nicht kurzfristig abgebaut werden könnte. Die notwendige Anzahl von Fachkräften und Fachunternehmen wäre kurzfristig nicht verfügbar. Zudem besteht bei den Grundstückseigentümern nach wie vor Unsicherheit gegenüber den Anbietern von Inspektions- und Sanierungsleistungen, da insbesondere in dieser Branche nach wie vor zahlreiche schwarze Schafe ihr Unwesen treiben. Positivlisten sollen hier den Bürgern eine Hilfestellung geben. Die Abgrenzung der Unternehmen dürfte aber fachlich und rechtlich weiter schwierig sein. Abhilfe könnte hier eine gemeinsame Initiative der DWA Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall mit anderen Fachverbänden schaffen, die ein RAL-Gütezeichen für die Sanierung der Grundstücksentwässerung etablieren will (siehe Artikel„RAL-Gütezeichen für den Bereich der Grundstücksentwässerung“), mit dem Kanalsanierungsunternehmen ihre Expertise im Bereich Grundstücksentwässerung nachweisen können.

DWA-Kanalumfrage verdeutlicht Ausmaß der anstehenden Investitionen

Das Ausmaß der anstehenden Inspektions- und Sanierungsarbeiten verdeutlichen die Zahlen der DWA-Kanalumfrage, die 2009 auch erstmals private Grundstücksentwässerungsanlagen zum Thema hatte. 33 Kommunen antworteten dabei auch auf die Frage, welche Anzahl von Grundstücken in Wasserschutzgebieten liegt. Bei diesen Kommunen, die immerhin 12,5 Mio. Einwohner repräsentieren, liegen insgesamt 293.000 Grundstücke in Wasserschutzgebieten, bundesweit muss nach diesen Angaben von rund 1,9 Mio. Grundstücken in Wasserschutzgebieten ausgegangen werden. Dies bedeutet 1,9 Mio. Grundstücke, in denen die privaten Grundstücksentwässerungsanlagen kurzfristig inspiziert und gegebenenfalls saniert werden müssen. Bei sehr konservativ kalkulierten 1.000 € pro Grundstück für die Inspektion und Sanierung ein Markt von rund zwei Mrd. € – zumindest laut Gesetz kurz- bis mittelfristig zu realisieren.

Die DWA-Kanalumfrage verdeutlicht allerdings auch die Probleme, die derzeit aufgrund der schlechten Datenlage sowie der unübersichtlichen Rechtssituation bestehen. So sind die Eigentums- als auch die Zuständigkeitsgrenze nicht einheitlich definiert und bundeslandspezifisch. So wird bei den Umfrageteilnehmern in 56 Prozent der Fälle die Grundstücksgrenze, in 30 Prozent der Abzweig an den öffentlichen Hauptkanal, in neun Prozent der Revisionsschacht und in fünf Prozent der Fälle ein sonstiger Übergabepunkt genannt. Bei den Zuständigkeitsgrenzen kommt die Grundstücksgrenze auf 49 Prozent, der Abzweig an den öffentlichen Hauptkanal auf 29 Prozent, der Revisionsschacht auf 15 Prozent und sonstige Grenzen auf acht Prozent.

Zuständigkeit für Dichtheitsprüfung extrem uneinheitlich

Ähnliche Unterscheide gibt es bei den Zuständigkeiten für die Dichtheitsprüfungen. Bei 57 Prozent der antwortenden Kommunen wird die Dichtheitsprüfung für die privaten Grundstücksentwässerungsanlagen durch Kommunalsatzung, Landeswassergesetz oder landesrechtliche Verordnungen gefordert. Bei 43 Prozent der Kommunen existieren hingegen keine rechtlichen Vorgaben. Aufgrund dieser Ausgangssituation wundert es nicht, dass der Kenntnisstand über den Zustand der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen relativ gering ist. Bei der DWA-Umfrage nennen die Kommunen Untersuchungsgrade von 34 Prozent für gewerbliche Grundstücke und 20 Prozent für private Grundstücke, wobei der Anteil geschätzter Angaben jeweils über 50 Prozent lag.

In der Regel ist aber nicht nur der Zustand der Grundstücksentwässerung bei den Netzbetreibern unbekannt, auch über die Lage der Anlagen gibt es relativ wenig Informationen. So sind bei 64 Prozent der Netzbetreiber Grundstücksentwässerungsanlagen nicht im Kanalinformationssystem erfasst. Bei den verbleibenden 36 Prozent sind wiederum in der Regel auch nur die öffentlichen Bereiche aufgenommen (61 Prozent). Bei weiteren 34 Prozent dieser Teilnehme wird nur der Abzweig aufgenommen, nur vier Prozent haben die gesamte Entwässerungsanlage in das Kanalinformationssystem aufgenommen.

Neben diesen Problemen existiert eine weitere Hürde für die Entwässerungsbetriebe und die Kommunalpolitik. Wie bekomme ich den Grundstückseigentümer dazu, mehrere Tausend Euro in die Hand zu nehmen, um ein Problem zu beheben, dass dieser gar nicht bemerkt? Vereinzelte Kommunen, überwiegend in NRW, haben hierzu verschiedene Maßnahmen über die reine Beratung hinaus getroffen, um die Bürger bei der Sanierung der Grundstücksentwässerungsanlagen mitzunehmen. Köln setzt mit der Kampagne„Jot for Kolle“ beispielsweise auf das Lebensgefühl der Stadt und unterstützt und berät die Bürger gleichzeitig flächendeckend. Die Stadtentwässerungsbetriebe stellen den Bürgern ein umfassendes Informationspaket zur Verfügung, klären mit einem im Internet abspielbaren Videofilm über die Sachlage auf und bieten in den einzelnen Stadtteilen vor Ort Informationsveranstaltungen an. Zudem steht den Bürgern auf der Seite der Stadtentwässerungsbetriebe ein tagesaktueller Auszug aus der Liste der beim Land NRW registrieren Sachkundigen zur Verfügung, der Auszug listet alle Sachkundigen in Köln plus fünf km Umkreis auf. Für das Gesamtprojekt erhielten die Stadtentwässerungsbetriebe Ende 2009 die Auszeichnung „Goldener Kanaldeckel“ des IKT Instituts für unterirdische Infrastruktur.

Lünen setzt auf Entwässerungspass mit Rabatt bei der Versicherung

Die Stadt Lünen setzt auf den Entwässerungspass. Der Lünener Entwässerungspass dient als Gütesiegel, mit dem der private Kanalnetzbetreiber die gesetzlich geforderte Sicherheit der Grundstücksentwässerung dokumentiert. Der Erwerb des Gütesiegels ist für den Bürger freiwillig, ausgestellt wird der Pass von der Stadtentwässerung Lünen, eine Gebühr wird nicht erhoben. Der besondere Clou: Mit dem Gütesiegel entstehen für den Grundstückseigentümer Einsparmöglichkeiten bei der Gebäudeversicherung von bis zu 30 Prozent, je nach Wahl der Versicherungsgesellschaft.

Grundsätzlich sind aber auch in NRW die Kommunen bei der Mitnahme der Bürger noch sehr zurückhaltend. Auch das Ende dieses Jahr auslaufende Förderprogramm Abwasser NRW, wonach die Sanierung privater Grundstücksentwässerungsanlagen mit bis zu 30 Prozent der Kosten vom Land gefördert werden kann, hat hieran wenig geändert, das Programm dürfte den wenigsten Bürgern in NRW bekannt sein.

England und Wales übertragen Zuständigkeit auf Entsorger

Einen gänzlich anderen Weg geht das Vereinigte Königreich. Nach inhaltsgleichen aktuellen Beschlüssen des englischen Umweltministeriums „Department for Environment, Food and Rural Affairs (Defra) und dem Welsh Assembly Government müssen in England und Wales alle privaten Abwasserkanäle — inklusive sämtlicher Grundleitungen auf dem Grundstück und dem Hausanschlusskanal — in den Besitz der gesetzlichen Wasser- und Abwasserunternehmen übergeben werden. Die Grundleitungen innerhalb der Grundstücksgrenze verbleiben nur in der Verantwortung der Grundstücksbesitzer, wenn keine anderen Grundstücke durch dasselbe Leitungsnetz verlaufen.

Die virtuelle Übertragung soll„über Nacht“ zum 1. Oktober dieses Jahres erfolgen. Vorausgesetzt, die Grundstückseigentümer legen keinen Einspruch gegen diese bei der zuständigen Regulierungsbehörde Ofwat ein. Für private Abwasserpumpwerke sehen die Beschlüsse der Umweltministerien eine Frist von bis zu fünf Jahren vor. Diese sollen schrittweise, spätestens aber bis zum Oktober 2016 auf die gesetzlichen Wasser- und Abwasserverbände übertragen werden.

Die konkreten gesetzlichen Bestimmungen für den Transfer der Grundstücksentwässerungsanlagen stehen noch nicht fest. Die Regierung erarbeitet derzeit eine Durchführungsverordnung, die im Mai/Juni dieses Jahres im Parlament debattiert werden soll.

Mit der Übertragung der privaten Abwasserkanäle werden die gesetzlichen Wasser- und Abwasserunternehmen für die Instandhaltung und eventuelle Sanierung der Kanäle zuständig sein. Nach Einschätzung britischer Experten befinden sich die privaten Kanäle in einem noch schlechteren Zustand als die öffentlichen. Das gesamte Abwassernetzwerk von über zehn Mio. Haushalten in England und Wales auf einen guten Standard zu bringen, sei daher eine beträchtliche Aufgabe, betont Water UK, die Interessenvertretung der britischen Wasserwirtschaft.

Die Kosten der notwendigen Sanierungsmaßnahmen sollen analog zu Investitionen im öffentlichen Netz über Gebühren finanziert werden. Der Defra zufolge könnten die zusätzlichen Kosten zwischen 30 und 92 pence (0,36 bis 1,08 €) pro Monat und Kunden liegen.

Bei den Grundstückseigentümern scheint die geplante Neuregelung auf Zustimmung zu stoßen. Der Consumer Council for Water in England begrüßt die Übertragung der privaten Abwasserkanäle, da mit dieser Maßnahme die Probleme der geteilten Verantwortlichkeit zwischen Grundstücksbesitzern und öffentlichen Netzbetreibern, vor allem bezüglich der Kosten, aus dem Weg geräumt werden könnten. Der Verbraucherverband weist jedoch darauf hin, dass die Investitionskosten nur schrittweise an die Kunden übertragen werden dürften. Zudem müsse das gesamte Vorgehen transparent und nachvollziehbar für die Öffentlichkeit sein.

EUWID-Quellen:

  • Entwässerungspass Lünen: „Lünen startet Entwässerungspass als Gütesiegel für private Kanäle“, EUWID 32/2007 vom 7. August 2007
  • Projekt Köln: Jot für Kolle! – StEB AöR startet Projekt zur Dichtheitsprüfung“; EUWID 06/2009 vom 3. Februar 2009
  • Goldener Kanaldeckel: „Goldener Kanaldeckel 2009 geht an „Jot för Kölle“-Projekt“; EUWID 46/2009 vom 10. November 2009
  • England/Wales: „Private Abwasserkanäle werden an gesetzliche Netzbetreiber übergeben“; EUWID 08/2011 vom 22. Februar 2011

Siehe auch:

 

 

 

 




Künftige Bemessung von Kanalisationen

„Die derzeit prognostizierten Veränderungen der Niederschlagscharakteristik und demographische Entwicklungen werden einen signifikanten Einfluss auf stadthydrologische Planungen haben. Der Einfluss hängt dabei maßgeblich von den betrachteten Zielgrößen (Einleitungsabfluss, überstaute Schächte etc.), der aktuellen hydraulischen Auslastung des Netzes und der Topographie ab.

Das Festhalten an starren Bemessungs- und Auslegungsgrößen wird daher weder unter ökonomischen noch ökologischen Aspekten zielführend sein. Nach Einschätzung der Autoren werden vielmehr folgende Aufgaben in den Mittelpunkt rücken:

  • Zur Berücksichtigung der Auswirkungen von Klima- und demographischen Änderungen sind Belastungsszenarien mit einer entsprechenden Bandbreite zu entwickeln und der Planung zugrunde zu legen.
  • Untersuchungen zur Auswirkung der Klimaänderungen sollten niemals pauschal und isoliert, sondern nur im Rahmen von Sensitivitäts- und Risikoanalysen erfolgen.
  • Parallel dazu müssen gleichzeitig die vorhandenen Unsicherheiten der übrigen Eingangsparameter/Grundlagendaten stärker als bisher berücksichtigt werden.
  • Belastbare Aussagen zu Niederschlags- und Fremdwasserabflüssen im Rahmen von Planungen sind nur mit geeigneten Niederschlag-Abfluss-Modellen möglich, die für den aktuellen Zustand mit Messdaten kalibriert wurden. Teilweise sind dazu auch die bisherigen Modelle zu modifizieren, um realistischere Ergebnisse zu erhalten.
  • Insbesondere im Rahmen der Überflutungsvorsorge scheinen flexible und interdisziplinäre Planungskonzepte sinnvoll, die bei gestiegenen Anforderungen in Form von Stufenprogrammen umgesetzt werden können.
  • Die messtechnische Überwachung des tatsächlichen Betriebsverhaltens der Kanalisation wird an Bedeutung gewinnen. Damit verknüpft ist auch eine projektbegleitende Erfolgskontrolle zur Bewertung durchgeführter Maßnahmen.“

Quelle:

Klaus Hans Pecher und Holger Hoppe
Künftige Bemessung von Kanalisationen
Korrespondenz Abwasser – Abfall
2011 (58) Nr. 2, S.  121-127

Siehe auch:

  • Rückstau




Gutachten über Ursachen von Überflutungen und Rückstauereignisse

Probleme mit Rückstau, Einstau, Überstau und Überflutung?

Lassen Sie uns also aus Ihrem Problem eine gemeinsame Aufgabe machen, bei deren Lösung wir Sie gerne unterstützen möchten.

Wir freuen uns auf Ihren Anruf: 03761-5266 oder 5267

Meist wird Frau Felkel, unsere Sekretärin Ihr Telefonat oder Ihre E-Mail an box@institut-halbach.de entgegen nehmen bzw. weiterleiten.

Zu den o.g. Themen liegen langjährige Erfahrungen vor, die  sich in zahlreichen Gerichts- und Parteigutachten u. a. für folgende Gerichte, Kommunen  und Verbände widerspiegeln:

Aktuell arbeite ich an Gerichtsgutachten  für die Gerichte

Bewertungen der Rückstau- oder Überflutungsursachen übernehme in der Regel ich selbst in meiner Eigenschaft als ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung.

Weitere Hinweise sind im Thesaurus der Homepage (rechte Tabellenseite) unter „Überflutung/Rückstau“ zu finden.




Kostenvergleiche, Nutzensbewertungen und Entscheidungshilfen – für uns fast Routine!

.

Jede Investition beruht auf dem Glauben an zukünftige Erwartungen

Und in dem Maße, in dem eine Investition zunehmend auf Glauben beruht und von Gefühlen getragen wird, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlinvestition, sei es weil die Kosten aus dem Ruder laufen oder weil der erwartete und notwendige Nutzen nur teilweise oder gar nicht eintritt.

Aus dem Grund empfiehlt es sich, die Kosten- und Nutzenbewertung der verschiedensten Varianten einer Investition möglichst zeitig einem erfahrenen Team zu übertragen.

So sind Fehler bei der Investitionsvorbereitung zu vermeiden und Risiken können auf unvermeidbare Risiken – auf das Investitionsgrundrisiko – minimiert werden.

Lassen Sie uns aus Ihrem Problem eine gemeinsame Aufgabe machen, bei deren Lösung wir Sie gerne unterstützen möchten.

Wir freuen uns auf Ihren Anruf: 03761-5266 oder 5267

Meist wird Frau Felkel, unsere Sekretärin Ihr Telefonat oder Ihre E-Mail an box@institut-halbach.de entgegen nehmen bzw. weiterleiten.

Die Fehlinvestitionen der Vergangenheit zeigten auch, dass es zweckmäßig ist, Kostenvergleiche von der Planungsphase zu trennen, zumal in der allgemeinen Vorstellung „riskante Planungen“ kein Thema im Rahmen der Planung sind. Zu unrecht, denn jede Planung ist riskant und es gilt ihre Risiken aufzuzeigen und zu bewerten.

Und weil dies so ist, sollte das Risiko vor der Investition sicherheitshalber von einer unabhängigen Seite analysiert und bewertet werden.

Und damit könnten Sie zu uns kommen, denn wir sind unabhängig und kein Planungsbüro.

Die wasserwirtschaftliche Anlagenbewertung und Kalkulation ist ein Schwerpunkt unserer Kompetenzen.

Und das nicht erst seit heute, sondern schon seit Jahrzehnten, wie Referenzen und die Zahl unserer kommunalwirtschaftlichen Auftraggeber es beweisen.

Wir blicken auf zahlreiche Veröffentlichungen, Gutachten, Kalkulationen, Nutzensbewertungen und erarbeitete Konzeptionen zurück und zahlreiche Planungs- und Beratungsbüros kalkulieren mit unseren Normativkosten und Kostenrichtwerten. Warum es also auch nicht einmal mit dem Urheber versuchen?

Neben unserer Unabhängigkeit ist der wichtigste Vorteil:

Wir wissen, was wir tun!

Und das beruht auf der Synthese betriebswirtschaftlicher und abwassertechnischer Erfahrungen:

Wir sind interdisziplinär!

Unsere Kommunalwirtschaftler arbeiten z. B. mit Kosten, die unsere Ingenieure im Nachbarzimmer kalkulierten und unsere Ingenieure kontrollieren betriebswirtschaftliche Grundlagen nach technischen Gesichtspunkten.

Und schließlich seien noch als Vertrauensgrundlage einige unserer besonderen Vorteile genannt:

  1. Wir vergleichen nicht Birnen mit Äpfeln. In der Nutzenbewertung (z. B. unsere Nutzwert-Kosten-Matrix 2009) sind wir genauso kompetent und erfahren, wie bei der Kostenkalkulation und -bewertung.
  2. Wir sind eine unabhängige und zugleich interdisziplinäre Einrichtung und können deshalb viele Spezialaufgaben mit dem eigenen Team lösen.
  3. Wir nehmen keine Vermittlungsprovisionen an und wir verkaufen Ihnen auch keine Anlagen.
  4. Und wir hatten aufgrund unserer Erfahrungen in der Vergangenheit schon mehrfach Wege und Lösungen aufgezeigt, lange bevor vielerorts die entsprechenden Probleme überhaupt erkannt wurden.

Wir sind ein bekanntes Institut und seit 22 Jahren ununterbrochen erfolgreich.

Unsere Leistungsfähigkeit nutzen auch Kommunen und Abwasserzweckverbände aus vielen Bundesländern und wir freuen uns besonders über Ihr Interesse an unseren Leistungen.

…und um einer Sache auf den Grund zu gehen, ist sich der Chef auch nicht zu schade, selbst in einen Kanal zu krabbeln:

***

P.S.:

Siehe auch: Kostensenkung




Grundsätzliche Anforderungen an den Betrieb von Entwässerungssystemen

Grundsätzliche Anforderungen nach Punkt 6 der DIN EN 752-2 vom Juli 1996 (Auszug)

Die grundsätzlichen Anforderungen an den Betrieb von  Entwässerungssystemen sind folgende:

a) Verstopfungsfreier Betrieb;

b) Begrenzung der Überflutungshäufigkeiten auf die vorgeschriebenen Werte;

c) Schutz von Gesundheit und Leben der Öffentlichkeit;

d) Die Überlastungshäufigkeiten sollten auf die vorgeschriebenen Werte begrenzt werden;

e) Schutz von Gesundheit und Leben des Betriebspersonals;

1) Schutz der Vorfluter vor Verschmutzung im Rahmen festgelegter Grenzen;

g) Ausschlus der Gefährdung von bestehenden, angrenzenden Bauten und Ver- und Entsorgungseinrichtungen durch Abwasserkanäle und -leitungen;

h) Erreichung der geforderten Nutzungsdauer und Erhaltung des baulichen Bestandes;

i) Wasserdichtheit der Abwasserkanäle und -leitungen entsprechend den Prüfungsanforderungen;

j) Vermeidung von Geruchsbelästigung und Giftigkeit;

k) Sicherstellung der geeigneten Zugänglichkeit für Unterhaltszwecke.

Die Auswirkungen von Entwässerungssystemen auf die Vorfluter haben den Anforderungen der zuständigen Stelle zu entsprechen.

Weitere von der zuständigen Stelle festgelegte Umweltschutzanforderungen müssen ebenfalls erfüllt werden.

Bei der Auswahl der hydraulischen Bemessungskriterien für Regen- und Mischwasserkanäle sind die üblichen Berechnungsverfahren zu berücksichtigen.

In jedem Falle sollten die möglichen Auswirkungen einer Überflutung in Betracht gezogen werden.

Bei kleineren Entwässerungssystemen ist ein relativ einfaches, aber sicheres Verfahren zu empfehlen, obwohl die Anwendung von Simulationsmodellen nicht ausgeschlossen wird.

Abwasserkanäle sind üblicherweise für den Betrieb mit Vollfüllung ohne Überlastung für relativ häufige Regenereignisse auszulegen, im Bewusstsein, dass dies einen Schutz gegen Überflutung bei stärkeren Regenfällen darstellt.

Für diese Entwässerungssysteme sollten die Werte für die Häufigkeit der Bemessungsregen nach Tabelle 1 angewendet werden, wenn die zuständige Stelle keine entsprechenden Werte vorgibt.

Der Planer hat die zutreffende Regenintensität und -dauer für das jeweilige Gebiet zu verwenden.

Bei größeren Entwässerungssystemen wie auch bei kleineren Systemen, welche mit einem Abflusssimulationsmodell entworfen werden, wird empfohlen, das Maß des Überflutungsschutzes direkt festzulegen.

Dies gilt insbesondere dort, wo bedeutende Schäden oder Gefährdungen der öffentlichen Gesundheit entstehen können.

Die Kanalisation sollte zuerst, wie oben erwähnt, so ausgelegt werden, dass bei einem angemessenen Bemessungsregen keine Überlastung auftritt. Danach sollte der Abfluss mit einem Simulationsmodell nachgerechnet werden, um die Einhaltung der Überflutungshäufigkeit zu überprüfen. Der Entwurf ist dort anzupassen, wo der erforderliche Überflutungsschutz nicht erreicht wird.

Es wird jedoch auch Fälle geben, bei denen eine Anpassung erforderlich ist, um unnötige Überdimensionierungen zu vermeiden.

Anforderungen der zuständigen Stelle an die Überflutungshäufigkeit sind einzuhalten.

Werden keine Überflutungshäufigkeiten vorgegeben, sollten die Werte aus Tabelle 1 angewendet werden.

Diese Vorgehensweisen sollten auch ausgewählt werden, wenn die Verbesserung eines bestehenden Entwässerungssystems erwogen wird.

Tabelle 1: Empfohlene Häufigkeiten für den Entwurf

Für vorhandene Kanalisationen gelten andere Überflutungshäufigkeiten!

Aus  DIN EN 752-4 vom September 1997 (Auszug)

11.2 Bemessungskriterien für Regen- und Mischwasserkanäle

Die Überflutung bei sehr starken Regenfällen ist kaum zu vermeiden. Daher müssen die Kosten und die damit erzielbare Überflutungssicherheit in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Es wird auf die von der Zuständigen Stelle gegebenenfalls festgelegten Bemessungskriterien zum Schutz vor Überlastung und Überflutung hingewiesen. Sind solche Kriterien nicht festgelegt, sollten kleinere Entwässerungssysteme allein mit den Bemessungsregen ohne Überlastungen nach Tabelle 1 ausgelegt werden.

Bei größeren Entwässerungssystemen sollte die Auslegung zur Begrenzung der Überlastungshäufigkeit mit einem Abfluß-Simulationsmodell erfolgen.

Mit diesem sollte anschließend auch die Überflutungshäufigkeit geprüft werden können, um sicherzustellen, daß an bestimmten empfindlichen Stellen ein ausreichender Schutz vor Überflutung gegeben ist.

Diese Prüfungen sind besonders bei steilen Einzugsgebieten wichtig. Die Anforderungen der Zuständigen Stelle sind zu erfüllen.

Fehlen diese, sollten die Werte der Überflutungshäufigkeit der Tabelle 1 verwendet werden.“

Kommentar zu „Diese Prüfungen sind besonders bei steilen Einzugsgebieten wichtig.“:

Es sind auch Überflutungen in flachen Geländen bekannt, in denen die Ausweisung von Überflutungswegen hilfreich gewesen wäre (z. B. Sechtem bei Bornheim).

Insofern sind diese Prüfungen nicht unbedingt nur bei steilen Einzugsgebieten notwendig.

U. Halbach

Siehe auch: Überflutung, Rückstau




Dichtheitsprüfung für Grundstückskanäle?

„Sollten“ bedeutet nicht „müssen“!

…solange nicht Abwasserbeseitigungsflichtige (Kommunen, Abwasserzweckverbände)  es für ihre Bürger strenger bestimmen:

„Achim – ACHIM (mb) · Flächendeckend sollten in der Bundesrepublik die privaten Abwasser-Hausanschlüsse auf ihre Dichtheit überprüft werden, um maroden Leitungen auf die Spur zu kommen und Umweltschäden auch fürs Grundwasser zu vermeiden. Von diesen zusätzlichen Kosten von rund 400 Euro pro Untersuchung plus Reparaturkosten bleiben die Achimer erst einmal verschont.“

„Die Stadt nimmt von einer solchen Ortssatzung allerdings Abstand, da sie mit einem erheblichen Arbeits- und Kostenaufwand verbunden wäre und eine solche Verpflichtung auch nicht unbedingt rechtssicher wäre.“

„Der Hauseigentümer ist damit, so der Achimer Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung, keineswegs aus seiner Verantwortung entbunden.  Sollte sich durch ein Kanalleck ein Umweltschaden ergeben, hat der Hauseigentümer für diesen Schaden die Konsequenzen zu tragen.“

Quelle: Kreiszeitung.de 23.06.2010

Siehe auch:




Überflutungssicherheit

„Die europäische Norm DIN EN 752-2 geht von der Überflutungshäufigkeit als Nachweiskriterium für Überlastungszustände aus (vgl. Kap. 5.1).  Der Überflutungsvorgang auf der Oberfläche und der Überflutungsschutz sind in hohem Maße von lokalen Verhältnissen abhängig und bedürfen deshalb einer Würdigung der Gegebenheiten in der Örtlichkeit.

Die Möglichkeit und Gefahr einer Überflutung im Falle einer Überstauung der Kanalisation ist auch im Fall einer einfachen Bemessung nach Kap. 6.1.1 bzw. im Anschluß an die hydraulische Nachrechnung vor Ort zu prüfen.

Wegen der Schwierigkeiten, den oberflächigen Überflutungsvorgang modelltechnisch nachzubilden, ist für Bereiche mit rechnerischem Überstau unbedingt eine Bewertung der Gegebenheiten vor Ort vorzunehmen. Ggf. sind vorliegende Aufzeichnungen zum bisherigen Systemverhalten auszuwerten (Feuerwehreinsätze o.ä.).

Nachweisrechnungen sollten für Netzpunkte mit Überstau über Gelände das Volumen des ausgetretenen bzw. nicht abgeleiteten Misch- oder Regenwassers sowie die Dauer des rechnerischen Überstaus ausweisen, um die Gefahr einer Überflutung angrenzender Grundstücke oder einer wesentlichen Funktionsbeeinträchtigung wichtiger Verkehrsanlagen (Unterführungen) besser bewerten zu können.

Ist eine Überflutung angrenzender Grundstücke aufgrund der topographischen und sonstigen örtlichen Gegebenheiten zu befürchten, sind geeignete (konstruktive) Maßnahmen am Straßenverlauf umzusetzen oder die Ableitung des überschüssigen (Ab-)Wassers in ungefährdete Flächen zu prüfen.

Sofern dieses an der Straßenoberfläche abgeleitet oder gespeichert wird, ist der Höhenverlauf der Straße in die Prüfung mit einzubeziehen und das schadlose Ableiten ggf. durch bauliche Maßnahmen sicherzustellen.“

Quelle:  ATV A 118
Hydraulische Bemessung und Nachweis von Entwässerungssystemen
November 1999
GFA-Gesellschaft zur Förderung der Abwassertechnik e.V.

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)

 




Kommentar zur DIN EN 752 – Wasserdichtheit

Grundsätzliche Anforderungen aus der DIN EN 752-2

Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden, Teil 2 : Anforderungen

„Die grundsätzlichen Anforderungen an den Betrieb von Entwässerungssystemen sind folgende:

a) Verstopfungsfreier Betrieb;

b) Begrenzung der Überflutungshäufigkeiten auf die, vorgeschriebenen Werte;

c) Schutz von Gesundheit und Leben der Öffentlichkeit;

d) Die Überlastungshäufigkeiten sollten auf die vorgeschriebenen Werte begrenzt werden;

e) Schutz von Gesundheit und Leben des Betriebspersonals;

f) Schutz der Vorfluter vor Verschmutzung im Rahmen festgelegter Grenzen;

g) Ausschluß der Gefährdung von bestehenden, angrenzenden Bauten und Ver- und Entsorgungseinrichtungen durch Abwasserkanäle und -leitungen;

h) Erreichung der geforderten Nutzungsdauer und Erhaltung des baulichen Bestandes;

i) Wasserdichtheit der Abwasserkanäle und -leitungen entsprechend den Prüfungsanforderungen;

j) Vermeidung von Geruchsbelästigung und Giftigkeit;

k) Sicherstellung der geeigneten Zugänglichkeit für Unterhaltszwecke.“

Nicht Notwendiges aus der DIN EN 752-5

7.4.3 Wasserdichtheit

„Untersuchungen können erforderlich werden, um Undichtheiten von Abwasserleitungen und -kanälen festzustellen. Dabei sind vorrangig Leitungen und Kanäle zu untersuchen, die in Grundwasserschutzgebieten liegen oder besonders gefährliche Stoffe ableiten (siehe Abschnitt 7 von EN 752-2:1996).“

Kommentar:

Nach dem Wortlaut der DIN EN 752 – 2 gilt:

Grundsätzlich haben Abwasserkanäle und -leitungen entsprechend den Prüfungsanforderungen dicht zu sein.

Dies wird im allgemeinen jedoch völlig anders verstanden. Nämlich so:

„Abwasserkanäle und -leitungen müssen entsprechend den Prüfungsanforderunge stets dicht sein.“

Doch was bedeutet „grundsätzlich“?

Nun, das kommt darauf an,  wer gefragt wird oder wer etwas zu sagen hat.

Ein Rechtsanwalt oder ein Richter versteht unter „grundsätzlich“ eine Regel oder eine Leitlinie, wobei Ausnahmen oder Abweichungen  durchaus zulässig sind.

Das DWA-Regelwerk, die DIN oder die Rechtsprechung zur Mängelbewertung lässt sogar ausdrücklich Abweichungen zu.

Der „Rest der Welt“ glaubt dagegen zumeist bei „grundsätzlich“ grundsätzlich an eine unbedingt einzuhaltende Anforderung, was natürlich von dem einen oder anderen unseriösen Unternehmen gewinnbringend ausgenutzt wird.

Wäre nämlich tatsächlich Gefahr im Verzug – wie mitunter vorgegaukelt wird – dann hätte das skurrile Konsequenzen. Alle Kanalisationen müssten schlagartig außer Betrieb genommen werden, weil diese ja nicht nur grundsätzlich, sondern tatsächlich undicht sind.

Nicht nur in den Großstädten müsste das Abwasser sofort mit Güllefässern ausgefahren werden.  Das Abwasser wäre in Endlagern zu speichern, denn auf die Felder und auf die Deponien darf kein Abwasser.

Man sieht was „grundsätzlich“ für Nonsens anrichtet, wird es wörtlich und nicht mit juristischem Sachverstand gewertet.

Ein exzellenter Beweis übrigens für die Nützlichkeit von Juristen gegenüber den Technikern, denn die Letzteren würde der scharfsinnige Davila in einer zivilisierten Gesellschaft gerne in der Gesindestube speisen lassen. Und mit den Jahren verstehe ich auch sein hartes Urteil, obwohl es auch mich trifft.

Also für deutsche Nichtjuristen:

Abwasserkanäle und -leitungen sollten im Allgemeinen entsprechend den Prüfungsanforderungen dicht sein. Ausnahmen sind zugelassen.

Ich habe keine DIN oder keine Regel im technischen Regelwerk gefunden, nach der eine flächendeckende Inspektion und Dichtheitsprüfung aller deutschen alten Kanäle zwingend abzuleiten wäre.

Wer einen Blick für die Realitäten hat, bei dem könnte der Eindruck entstehen, dass in der Regel Kanäle eher undicht als dicht sind und dass aus dieser Tatsache in ganzheitlicher Wertung nach der EU-WRRL wohl kein Problem zu erkennen ist. D. h. bei ganzheitlicher Wertung werden die Frachten im Grundwasser eher in Ausnahmen von undichten Kanälen verursacht.

Andererseits stellen die Kanäle ein enormes kommunales Vermögen dar, das zu schützen und zu erhalten ist.

Voraussetzung dafür ist aber, dass man den Zustand der Kanäle kennt und die Reparatur, Modernisierung und Erneuerung der Kanalisationen in gleicher Weise betreibt, wie es bei den oberirdischen Abwasseranlagen üblich ist.

Sinnvoll, planmäßig, kompetent, insbesondere verhältnismäßig und mit Augenmaß.

Siehe auch: Überflutung, Rückstau

Uwe Halbach
zertifizierter Kanalsanierungsberater




Kanalreinigung 1962 in der DDR

Eine geschichtliche Fotodokumentation

Zur Fotogalerie: (Bitte ins Bild klicken.)

Unterkunftswagen für eine Brigade. Trennung zwischen Aufenthalts- und Vorraum. Im Vorraum kann Gerät abgestellt werden. VEB (K) Wasserwirtschaft Leipzig

Vorwort zum Vorwort von Uwe Halbach:

Als ich kürzlich in der Fachbibliothek meines Vaters kramte, fiel mir eine kleine Broschüre in die Hand.

Ich fand die Fotos interessant, weil damit der Stand der Kanalreinigung in der DDR von 1962 dokumentiert wird, den ich persönlich teilweise als technisch interessierter Junge mitbekam.

Inzwischen hat man sich an die modernen Kanalreinigungsgeräte gewöhnt und denkt wohl kaum daran, dass auch heute noch im Kanalnetz mitunter schwere und nicht ganz ungefährliche Arbeit zu leisten ist, die vom Normalbürger selten wahrgenommen wird.

Vielleicht ist die eingescannte Broschüre auch für andere Zwecke von Interesse, denn moderne Technik lässt sich am besten begründen und veranschaulichen, wenn daneben ein Vergleich zu einem historischen Gerät gezogen werden kann.

Ebenso wird sich mancher Student freuen, wenn er derartige inzwischen vergessene Gerätschaften der Kanalreinigung irgendwo im Internet findet.

Beim Lesen des nachstehenden Vorwortes der Broschüre wäre vielleicht zu berücksichtigen, dass diejenigen, welche die in den Fotos dokumentierten Entwicklungen damals vollbrachten, keinesfalls fanatisch vor Augen hatten, damit den Kapitalismus zu schlagen. Der Eindruck könnte beim Lesen des dann folgenden Vorwortes entstehen.

Das war wohl selten das Motiv.

Es handelt sich in erster Linie um die Präsentation von Vorschlägen von Arbeitern und Ingenieuren, die nur für ihre Kollegen und sich eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und -sicherheit erreichen wollten.

In der DDR gab es keine Marktwirtschaft, sondern eine Planwirtschaft.

Es wurde alles geplant, aber zu vieles nicht realisiert.

Die Betriebe waren in der Regel nicht flexibel.

Hilfe war Selbsthilfe.

Improvisieren mit teils primitiven Mitteln führte dann zu den dargestellten Ergebnissen.

Diese mitunter primitiven Arbeitsmittel waren in der DDR zu ihrer Zeit begehrt, teilweise Unikate und oft viel zu selten. Denn der tatsächliche Stand der Technik war mitunter viel schlechter, als man aus der Broschüre erahnen kann, so dass die ehemalige Anwendung derartiger Arbeitsmittel uns heute mitunter verblüfft.

Uwe Halbach

29. Juli 2000

Vorwort der Broschüre von 1962:

„So geht es leichter“

Die große Initiative der Werktätigen unserer Republik bei der vollen Ausnutzung aller vorhandenen Möglichkeiten zur Steigerung der Arbeitsproduktivität hat auch in den Betrieben der Wasserwirtschaft einen starken Widerhall gefunden.

Unsere Kollegen wissen, daß sie mit der Erhöhung ihrer Leistungen zum Sieg des Sozialismus in der DDR, zur weiteren Stärkung unserer Republik und damit zur Erhaltung des Friedens beitragen.

Deshalb streben sie nach immer höheren persönlichen und kollektiven Leistungen, was in der Teilnahme am Produktionsaufgebot seinen Ausdruck gefunden hat.

Die Verbesserung der Arbeitsergebnisse und die Erhöhung der Arbeitsproduktivität in den Betrieben der Wasserwirtschaft, insbesondere bei der Unterhaltung der Kanalisation, hat einen um so größeren Nutzen, je besser wir es verstehen, die wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. In diesem Prozeß müssen wir die Forderungen nach dem sparsamsten Einsatz der menschlichen Arbeitskraft sowie nach der Verminderung der körperlich schweren Arbeit gleichzeitig verwirklichen.

Die in dieser Broschüre gegebenen Hinweise sollen dazu beitragen, unsere Pläne schneller und besser zu erfüllen und unsere Arbeitskraft der Gesellschaft zu erhalten. Dabei ist die Mitarbeit eines jeden einzelnen von großer Bedeutung und sein Beitrag, sei er auch noch so gering, wird mit der Vielzahl weiterer Vorschläge zu entscheidenden Verbesserungen führen.

Mit der Kraft und dem Einsatz aller Mitarbeiter der Wasserwirtschaft werden wir dazu beitragen, unsere Republik ökonomisch weiter zu stärken und das Ansehen unserer Arbeiter-und-Bauern-Macht zu erhöhen.

Um die in den Kanalisationsanlagen arbeitenden Kollegen vor möglichen Gefahren, wie Gase, Infektionen zu bewahren und zu versuchen, die Unzulänglichkeiten, die bisher eine Unsicherheit bei Gang und Stand verursachten, am Arbeitsplatz aufzuheben, ist es notwendig, eine gefahrlose und neue Technik einzuführen, die solche Erschwernisse wie ungünstige Körperhaltung oder Feuchtigkeit weitgehend überwindet. Die physische Belastung der Arbeitskräfte auf ein Minimum zu senken, ist Aufgabe jeder sozialistischen Rekonstruktion.

Verbesserte Arbeitsbedingungen lösen erfahrungsgemäß auch eine Steigerung der Arbeitsproduktivität aus.

Die zu treffenden Maßnahmen werden außerdem zu einer weitgehenden Standardisierung der Geräte und Spezialfahrzeuge führen.

Die Reinigungsmethoden der Kanalisation sind – besonders in den kleineren Wasserwirtschaftsbetrieben unserer Republik – in den häufigsten Fällen während der letzten Jahrzehnte kaum weiterentwickelt worden. Sie entsprechen nicht mehr den Anforderungen, die heute an sie gestellt werden müssen.

Zwar wurden in einigen Betrieben Neuerungen eingeführt, entwickelte sich Initiative bei Teiloperationen des Arbeitsprozesses, doch blieben die Verbesserungen vereinzelt, wurden die Ergebnisse kaum ausgewertet und verbreitet.

Die vorliegende Broschüre will daher alle Werktätigen, die in der Kanalisation tätig sind, durch das Foto mit einigen Neuerungen an Kanalisationsreinigungsgeräten bekanntmachen, um dieser neuen Technik den Weg zu bereiten.

Überall dort, wo sich Kollegen über bessere Arbeitsmethoden und –geräte Gedanken gemacht oder diese Gedanken bereits in greifbare Formen umgesetzt haben, in solchen Fällen also, da sie schon verbesserte oder noch unbekannte Arbeitsgeräte zum Einsatz brachten, fordern wir sie auf, diese Verbesserungen und Erleichterungen über ihren Betrieb dem zentralen BfE der Wasserwirtschaft im Amt für Wasserwirtschaft zum überbetrieblichen Erfahrungsaustausch bekanntzugeben. Wenden Sie sich an Ihr Betriebs-BfE, das Ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen und Ihnen auch helfen wird, Verbesserungsvorschläge auszuarbeiten und die entsprechende Weiterleitung übernimmt. Sprechen Sie, liebe Kollegen, in den ständigen Produktionsberatungen über Ihre Erfahrungen, die sie im täglichen Umgang mit neuen Geräten sammeln konnten. Arbeiten Sie mit an dieser großen Aufgabe, für sich und Ihre Kollegen bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Realisieren wir die Einheit von Wissenschaft, Technik und Neuerertum.

Weitere Aufgaben

Bei der Entwicklung von Kanalisationsverfahren ist stets von der Funktion des zu reinigenden Anlagenteils auszugehen, in den überwiegenden Fällen ist diese Funktion durch das Reinigungsverfahren zu unterstützen.

Neue Reinigungsverfahren müssen sowohl eine Gefährdung ausschließen, als auch eine geringere physische Belastung der Kollegen erbringen sowie bessere hygienische Verhältnisse bei gleichzeitiger Steigerung der Arbeitsproduktivität schaffen.

Auf Grund der bisher gemachten Erfahrungen erscheint es vorteilhaft, die verschiedenen Formen des Spülverfahrens weiterzuentwickeln und im wesentlich größeren Umfang als bisher anzuwenden. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Entwicklung des Schwebedruckreinigers des Kollegen Engelhardt (Bild 12) hingewiesen.

Als weitere Entwicklung ist das Hochdruckspülverfahren zu erproben und gegebenenfalls im größeren Umfang einzusetzen.

Zur Entnahme von Räumgut aus Schächten, Straßenabläufen, Abscheidern und Schlammfängen sind Fördereinrichtungen verschiedener Art und Größe herzustellen und einzusetzen.

Mit Hilfe entsprechender technischer und hygienischer Einrichtungen (Bauwagen, Unterkunftsräumen u. a. m.) muß den Kanalisationsarbeitern während ihrer Arbeitspausen in unmittelbarer Nähe ihres Arbeitsortes eine beheizbare Unterkunft geschaffen werden.

Die in dieser Broschüre gezeigten Abbildungen sind aus einer Reihe von Fotos neuer Geräte ausgewählt worden. Es ist unser Anliegen, alle mit diesen Problemen beschäftigten Kollegen auf einige Neuerungen und besonders auf die Notwendigkeit neuer Arbeitsmethoden und –geräte hinzuweisen. Die wiedergegebenen Geräte wurden zum größten Teil bei den genannten Betrieben in handwerklicher Fertigung hergestellt. Es ist jedoch erforderlich, den Maschinenbau zu veranlassen, die Geräte entsprechend Bedarf herzustellen.

Wir sind der Meinung, daß es richtig ist, in den Bezirken Erfahrungsaustausche zu organisieren, um die besten Arbeitsmethoden und –geräte in allen Wasserwirtschaftsbetrieben bekanntzumachen und einzuführen.

Beiblatt zur Broschüre „So geht es leichter“

Elektrokarren mit Motorwinde
Aufbau auf handelsüblichem E-Karren. Die Winde wird durch einen Elektromotor angetrieben, der von der Fahrzeugbatterie gespeist wird. Zugkraft der Winde 500 kp, verzinktes Stahlseil, Stärke etwa 8 mm zum Durchziehen von Reinigungsgeräten und der Förderung von Sinkstoffen. Aufbau der Winde: Fa. Herward Thieme, Magdeburg

Motorwinde als Anhänger
Ausleger zur Sinkstoffförderung, Tragkraft 75 kp – Beschreibung der Winde – siehe WWT Heft 10/58

Fahrbare Handwinde – Zugkraft max. 500 kp

HD-Spülgerät (Magdeburg)
Antrieb der Pumpe: Wartburg-Motor (900 cm³)
Pumpe: Typ SHK 50/4, Apollowerke Gößnitz
Man. Förderhöhe an der Pumpe 26 atü

HD-Spülgerät (Rostock)
Antrieb der Pumpe: RS 09 – Dieselmotor
Pumpe: Typ SHK 50/3, Apollowerke Gößnitz
Man. Förderhöhe an der Pumpe 20 atü“

Januar 1962

Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Schloßstr. 2
08412 Werdau
Tel.: (0 37 61) / 52 66 o. 52 67
Fax: (0 37 61) / 52 68




Kommentar zur Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen

Kommentar vom 19.04.2010 zum Aufsatz von U. Halbach:

„Bewertung der Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen“

von Herrn Dipl.-Ing. Stepkes (Wasserverband Eifel-Rur):

Letztes Jahr hat die DWA einen Leitfaden zur Grundstücksentwässerung herausgegeben. Dort wurde ein Vorschlag unterbreitet, wie mit der Sanierung von festgestellten Schäden umgegangen werden kann (stammt im Wesentlichen von Robert Thoma).

Dort wird je nach Lage der Leitung in Wasserschutzgebieten sowie zum Grundwasser und in Abhängigkeit zur Schadenseinstufung/-bewertung nach DWA M 149-3 eine sofortige bis zu 20 jährige Frist gegeben.

Auch wenn es über diesen Vorschlag innerhalb der Arbeitsgruppe zum Leitfaden (der ich angehöre) keine einheitliche Meinung gab, wurde mehrheitlich die Aufnahme dieses Vorschlages beschlossen, da es sich letzlich um einen Leitfaden und nicht um ein Merkblatt oder gar Arbeitsblatt handelte.

Sicherlich gibt es Kommunen, die bei der Forderung der Dichtheit von Abwasseranlagen „übers Ziel hinaus“ schießen. Dennoch sollte gelten (wie WHG etc. vorgeben), dass Abwasseranlagen, zu denen auch die GEA gehören, grundsätzlich dicht sein sollen.

Nun ist es aber immer die Frage, wie dicht ist dicht (immerhin wird ja ein Wasserverlust zugelassen) und was war der Stand der Technik bzw. die allgemein anerkannte Regel der Technik beim Bau der Anlage war (auch wenn es für abwassertechnische Anlagen keinen Bestandsschutz gibt).

Als Nordrhein-Westfale, wo ja schon seit Mitte der 90er Jahre versucht wird per Gesetz die Dichtheit der GEA einzufordern, meine Sicht:

Hier gab es schon in der Landesbauordnung genaue Vorgaben und Fristen, die niemanden interessierten.

Nun sind die Wasserbehörden zuständig, die Kommunen haben eine Beratungspflicht und siehe da, so allmählich kommt das Ganze ans rollen.

Damit ist aber die Frage nach dem Sinn noch nicht beantwortet, die Ihnen so unter den Nägeln brennt:

Eine Gefährdung des Grundwassers mit biologisch abbaubaren Inhaltsstoffen ist fast auszuschließen (hierzu gibt es eine Dissertation von Achim Decker (Auswirkungen von Fremdwasser auf Abwasseranlagen und Gewässer, 1998, leider vergriffen, erschienen als GWA Band 168 durch die Gesellschaft zur Förderung der Siedlungswasserwirtschaft an der RWTH Aachen e.V.; eine weitere Dissertation für ggf. Fremdwasserinteressierte von Jörg Hennerkes (12/2006) mit dem Titel „Reduzierung von Fremdwasser bei der Abwasserentsorgung“ ist hier von den Seiten der RWTH herunterladbar.

Bei der von Ihnen besuchten bzw. zitierten Veranstaltung wurde der Fokus auf ein (relativ neu erkanntes) Problem gerichtet, nämlich im Abwasser enthaltene Spurenstoffe, deren Ursprung im Wesentlichen auf die Verwendung von Medikamenten zurückzuführen ist (es gibt eine interessante Untersuchung von Prof. Kroiss aus Wien, wo in einer Stadt mit geeignetem geologischem Untergrund Carbamazepin erfolgreich als Tracer für die Auffindung von undichten Kanälen genutzt wurde, s. z.B.:   Carbamazepin und Koffein – potenzielle Screeningparameter für Verunreinigungen des Grundwassers durch kommunales Abwasser?

Ich glaube, dass die Verunreinigung des Grundwassers oder des Untergrundes mit Stoffen, deren Wirkung wir kaum kennen und abschätzen können, verhindert werden muss (- da ist als weiteres Argument auch die demographische Entwicklung zu berücksichtigen, die in Deutschland zu immer mehr alten Menschen führt, die mehr und „gefährlichere“ Medikamente konsumieren als junge. Dies führte hier in NRW zu gezielten Untersuchungen, in Krankenhäusern das Abwasser schon an der „Quelle“ zu fassen und zu behandeln, damit die Medikamentenrückstände erst gar nicht in die kommunale Kläranlage gelangen, die diese Stoffe (mit der derzeitigen „konventionellen“ Technik ohnehin nicht herausholen kann. Nun geht der Trend aber weg von längeren stationären Aufenthalten in Kliniken, das heißt also, es kann zunehmend weniger an der „Quelle“ Krankenhaus erfasst werden. Hiewr noch der Hinweis, dass die Schweiz anscheinend flächendeckend eine weitestgehende Abwasserreinigung (wg. der Spurenstoffe) fordern/umsetzen wird).

Meiner Meinung nach sind die auf den Grundstücken anzutreffenden Schäden (abgesehen von nicht dauerhaft haltbaren Dichtungen) in der Regel auf Einbaufehler zurückzuführen. Diesem kann (und hätte man) in den meisten Fällen durch eine konsequente Bauabnahme (Dichtheitsprobe mit Wasser, wie schon um 1900 z.B. in Göttingen mit Polizeiverordnung gefordert und auch durchgeführt) sicherstellen können.

Durch die Vereinfachung bei den Baubehörden wurde aber seit den 80ern auf eine Bauvorlage bzw., Genehmigung bzw. Überprüfung der GEA zunehmend verzichtet, das Wissen, wie man so was macht etc. ging mit den aus dem Dienst ausscheidenden Mitarbeitern verloren usw. usw..

[Das führt dazu, dass die Stadt Frankfurt/Main nun eine solche Abteilung wieder aufbaut (so beim Lindauer Seminar im März 2010 Dr. Krier, Abteilungsleiter bei der SEF)]

Fordern sollte man folgendes:

  • Konsequente Überwachung/Prüfung neu errichteter Anlagen
  • Untersuchung bestehender Anlagen im Zuge der Eigenkontrolle der öffentlichen Kanäle (vor allem dort, wo hoch belastete Abwässer fließen bzw. der Eintritt von Grundwasser in den Kanal ein Problem für die Kanalisation (Hydraulik) bzw. Kläranlage (Reinigungsleistung) darstellt (wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wohnen Sie im Osten Deutschlands, wo nach der Wende unsinnig große Kläranlagen gebaut wurden, auch zu große neue Kanäle (?) – da ist Fremdwasser evtl. sogar erwünscht?)
  • Bei festgestellten Mängeln angemessene Fristen zur Schadensbeseitigung

Evtl. können Sie sich ja auch mit der Argumentation von Herrn Externbrink (Abwasserbetriebe Lünen ) anfreunden: er will von seinen Grundstückseigentümern nicht mehr fordern als das, was auch im öffentlichen Bereich umgesetzt wird/werden kann.

Konsequente Überwachung bei Neu- und Umbau, angemessene Fristen, Haupt-Augenmerk soll auf ganzheitliche Betrachtung der Entwässerung eines Gebäudes liegen (was Rückstausicherung (da gab es wohl leidvolle Erfahrungen) und Werterhalt betrifft.

Was spricht gegen eine Wartung der Abwasseranlagen? Das Dach und die Außenwände werden auch gewartet und in Schuss gehalten, nur der Teil unter der Erde nicht …

Dipl.-Ing. Hermann Stepkes
Wasserverband Eifel-Rur
Eisenbahnstraße 5
52353 Düren




Bewertung der Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen

Wohl unstrittige Anknüpfungsfakten nach Thoma, R. und Goetz, D. :

  • Dichtheitsprüfungen (DP) an in Betrieb befindlichen GEA werden gemäß [5] durchgeführt.
  • Anlagen zur Ableitung von häuslichem Abwasser oder Mischwasser dürfen als dicht bewertet werden, wenn bei einer OI keine sichtbaren Schäden und Fremdwassereintritte festgestellt werden.
  • Ist eine OI nicht durchführbar oder wird sie als nicht ausreichend angesehen, ist eine DP durchzuführen. Hierbei ist nicht festgelegt, wer mit welchen Kriterien diesen normativ gewollten Ermessensspielraum interpretieren darf.
  • Grundleitungen die nur häusliches Abwasser ableiten und außerhalb von Schutzzone II von Wassergewinnungsgebieten liegen, können mit einer Wasserdruckprüfung durch Auffüllung bis 0,50 m über Rohrscheitel auf Dichtheit geprüft werden.
  • Ist dies bei alten Leitungssystemen nicht möglich, kann die Leitung alternativ bis zur Oberkante des tiefsten EWG oder Unterkante der Reinigungsöffnung in der Fallleitung mit Wasser aufgefüllt werden.
  • Die Prüfzeit beträgt 15 min bei einem zulässigen Wasserzugabewert von 0,2 l/m² [5].
  • DP mit Wasserfüllung führen gemäß [7] bei 90% der Grundstücke und gemäß [6] bei 94 % der Einzelprüfungen zu dem Ergebnis einer Undichtheit.

(GEA = Grundstücksentwässerungsanlage, OI = Optische Inspektion, EWG = Entwässerungsgegenstand)

Interessant ist auch die Zusammenfassung des Fachbeitrages von Thoma:

  • Bis zum Jahr 2015 sind in Deutschland ca. 1,3 Mio km Abwasserleitungen auf und zu Grundstücken zu untersuchen.
  • Die Länge, der Zustand und der tatsächliche Untersuchungsgrad sind nicht in ausreichendem Umfang bekannt.
  • Offensichtlich wurde bis dato nur ein Anteil von weniger als 5% untersucht.
  • Es ist in privaten Abwasserleitungen mit 100 bis 600 Mängeln/km zu rechnen. 24% der optisch erkannten Schäden sind nach Klassifikation entsprechend den Regeln der Technik kurz- bis mittelfristig zu sanieren.
  • Risse und Brüche treten alle 20 m einmal auf. Erste Untersuchungen zeigen übereinstimmend, dass ca. 90% der Grundstücksentwässerungsanlagen unter Prüfbedingungen undicht sind.
  • Erkennbar ist aber auch, dass bei Prüfung der Dichtheit nach den Regeln der Technik keine Korrelation zu dem optisch erfassten und klassifizierten Zustand besteht.

Messungen der Exfiltration unter Betriebsbedingungen zeigen, dass die tatsächliche Exfiltration deutlich geringer ist als die Wasserverluste bei den Wasserstandsprüfungen nach den Regeln der Technik.

  • Für die objektive Bewertung der Auswirkungen undichter, häuslicher Abwasserleitungen sind noch Grundsatzarbeiten zu leisten. Für eine zielgerichtete, effektive Sanierung der Abwasserleitungen zum nachhaltigen Schutz von Boden- und Grundwasser müssen die neuesten Erkenntnisse noch in handhabbare Regelwerke Eingang finden.
  • Die Sanierung der Grundstücksentwässerungsleitungen mit dem Ziel der vollständigen Abdichtung gemäß den vorhandenen Regeln der Technik würde 100 bis 200 MRD Euro kosten. [14]
  • Möglicherweise ist es für eine nachhaltige und vollständige Instandhaltung nicht entscheidend, ob die Dichtheitskriterien geändert werden, sondern dass die Prioritäten und Zeiträume für die Sanierung mit Blick auf das Gefährdungspotential für die Umwelt und die Instandhaltungszyklen der Gebäudesubstanz abgewogen werden.

Literatur des Beitrages von Thoma:

[1] ATV-Merkblatt M143-2 (1999) Optische Inspektion – Inspektion, Instandsetzung, Sanierung und Erneuerung von Abwasserkanälen und -leitungen

[2] ATV-Merkblatt M 149, (1999): Zustandserfassung, -klassifizierung und -bewertung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden

[3] BayLfW Merkblatt Nr. 4.3/6; (2002): Prüfung alter und neuer Abwasserkanäle, Teil 3: Dichtheitsprüfung von Grundstücksentwässerungsleitungen im Freispiegelabfluss, Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft, München

[4] Berger C., Lohaus J: (2005): Zustand der Kanalisation, Ergebnisse der DWA-Umfrage 2004, Korrespondenz Abwasser 5/2005, (52), S.528-539

[5] DIN 1986-30 (2003): Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, Teil 30: Instandhaltung

[6] Dornbusch J., (2001): Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben, Pilotprojekt: Dichtheitsprüfung und Sanierung von Grundstücksentwässerungsleitungen auf Chemischreinigungsgrundstücken, 1. Teil, Aachen

[7] Eisener W., (2005): Die dichte Kanalisation – Auswirkungen auf die Sanierung privater Kanäle, Tagungsband, 5te Göttinger Abwassertage

[8] Engel N., (2003): Strategien und Kosten der Sanierung von öffentlichen Kanalnetzen, TAH Seminar Kanalsanierung unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit, Hannover

[9] Fiedler M., (1999): Optimierung und Umsetzung der Sanierungsplanung von Haupt- und Hausanschlußkanälen, TAH Seminar Kanalsanierungsplanung, Tagungsband, Würzburg

[10] Dohmann M. (1999): Wassergefährdung durch undichte Kanäle, Erfassung und Bewertung, Springer Verlag Berlin-Heidelberg

[11] Möllers K, (IFK Bochum), Umweltbehörde der freien und Hansestadt Hamburg (1993): Abschlußbericht zur Untersuchung der Grundstücksentwässerungsleitungen im Wasserschutzgebiet XX in Hamburg, 31 S, unveröffentlicht

[12] Rußig V., (1999): Ausgewählte Ergebnisse der Studie „EUROPARC – Der Bestand an Gebäuden in Europa“, Institut für Wirtschaftsforschung e.V. München, www.ifo.de

[13] Statistisches Jahrbuch 2003 für die Bundesrepublik Deutschland und für das Ausland, Statistisches Bundesamt, Verlag Metzler Poeschel, Stuttgart

[14] Thoma R., (2005): Instandhaltung von Grundstücksentwässerungsanlagen, Korrespondenz Abwasser 6/2005 (52), S.725-730

[15] Thoma R.; (2006): Die Vision der dichten Grundstücksentwässerung, Vortrag, Kanalisationsforum Bern

[16] Togler R., (2006): Exfiltrationen bestehender Grundstücksentwässerungsanlagen, Auswirkungen, Einflussgrößen, Mengenermittlungen, neuartige Prüfmethoden, praxisgerechte Empfehlungen, RWTH Aachen

Quelle:
Thoma, R. u.a.
Grundstücksentwässerungsanlagen mit häuslichem Abwasser- Zustand, Schäden, Exfiltration, Bodenkontamination – Gefährdungspotential ?
Tagungsunterlagen der Gemeinschaftstagung 11./12. Oktober 2006
Undichte Kanäle – (k)ein Risiko?
Frankfurt
Herausgeber: DWA
(ISBN -13: 978-3-939057-60-4)

  • In dem durchaus spannenden und nachvollziehbaren Beitrag wurde als Medianwert festgestellt, dass bei der gewählten großtechnischen Versuchsanstellung nur 0,8 l Abwasser täglich versickerten.
  • Der Medianwert im Exfiltrat ergab verschwindend geringe 4,1 mg TOC/l !
  • Um sich einen umfassenden Überblick von allen Vorträgen zum Tagungsthema zu machen, müssen natürlich alle Skripte gelesen werden.

Meine prinzipielle Folgerung:

Eine Einzelprüfung mit Wasserdruck wird ja zumeist nur dann ausgeführt, wenn die optische Inspektion keine sichtbare Undichtigkeit vermuten lässt.

Wenn schon, denn schon!

Wenn also bei einer Druckprüfung mit Wasserfüllung die Wahrscheinlichkeit bei gut 90 % liegt, dass die Grundleitungen sowieso undicht sind, dann ist die optische Inspektion als technisches Verfahren zum Dichtheitsnachweis wegen Unsicherheit ungeeignet.

Meine persönliche Meinung:

Die Inspektions-, Dichtheitsprüfungs- und Sanierungskampagne von Grundstücksleitungen entspricht wegen Unverhältnismäßigkeit in der Regel nicht dem Stand der Technik.

Nicht alles was technisch möglich ist, verdient es flächendeckend umgesetzt zu werden.

Diese Meinung teilen auch andere Kollegen und wer zudem noch analysiert, welche Bundesländer in welcher administrativen Weise mit der nur scheinbaren Gefahr umgehen, bekommt schnell mit, dass die Wahrheit in der Mitte liegt.

Eine Panik ist völlig unbegründet, denn wäre die Gefahr real, dann wäre auch zu klären, warum wir alle noch so „putz und munter“ sind, oder gibt es jemanden, dem wegen eines Loches im Hausanschlusskanal übel geworden ist?

Schließlich sind die Kanäle nicht erst seit gestern undicht.

Übrigens, zu der gleichen Tagung vor 4 Jahren ließ ein „hochkarätiger“ Redner die Katze aus dem Sack:

„Man muss heute ein Lied singen, damit die Leute anfangen zu pfeifen!“

Für mich sind solche Methoden irritierend.

Entweder es besteht eine reale Gefahr, dann muss sofort und effektiv gehandelt werden und wenn diese Gefahr nur in der Einbildung existiert, dann muss man sich fragen, was mit dieser Äußerung (wohl hinterlistig?) bezweckt werden soll.

Nichts dagegen, wenn die „Sänger“ die von ihnen verursachten Schäden und Kosten zur Lösung eines überbewerteten am Ende bezahlen können und bezahlen.

Davon ist aber wohl kaum auszugehen (vergleiche Reichholf in: Die Politik der Angst).

U. Halbach

Siehe auch




Kein Verbot des Mischwassersystems!

„Mit Wirkung zum 01.03.2010 ist das neue Wasserhaushaltsgesetz des Bundes in Kraft getreten.

Gleichzeitig hat der Freistaat Bayern das neue Bayerische Wassergesetz angepasst und ebenfalls zum 1. März in Kraft treten lassen.

In verschiedenen Veröffentlichungen wird bereits das Ende der Mischentwässerung als Konsequenz aus dem neuen Gesetz (§ 55 Abs. 2 WHG) herausgelesen, was bei einer Vielzahl von Netzbetreibern „panikartige“ Reaktionen hervorgerufen hat.

Mehrere Nachfragen in unserem Büro, ob nunmehr tatsächlich das in den letzten 60 Jahren errichtete Mischsystem komplett außer Betrieb genommen werden muss, zeigen, wie brisant dieses Thema ist.

Denn ein Umbau, sofern technisch überhaupt realisierbar, würde unüberschaubare Investitionsaufwendungen nach sich ziehen.

Bei genauer Durchsicht des Gesetzes, wird jedoch unter dem einschlägigen Paragraphen ausgeführt, dass das Niederschlagswasser ortsnah versickert, verrieselt oder direkt über eine Kanalisation ohne Vermischung mit Schmutzwasser in ein Gewässer eingeleitet werden soll.

Es liegt also eine Soll-Vorschrift und keine Muss-Vorschrift vor.

Es ist daher unzulässig, von einem rechtskräftigen Ende des Prinzips der Mischkanalisation oder gar von einem Vermischungsverbot zu reden. Wer in dieser Form mit dem neuen Gesetz umgeht, hat dieses entweder nicht genau gelesen oder verfolgt irgendwelche unlauteren Geschäftsinteressen.

Unabhängig davon geht die zukünftige Entwicklung gerade bei Neuerschließungen in die Richtung einer dezentralen Regenwasserbewirtschaftung.

Eine Vielzahl von Projekten konnte in dieser Form in der Vergangenheit erfolgreich realisiert werden.

Bei bestehenden Mischsystemen wird wo möglich eine Flächenabkopplung angestrebt, um so neue Netzreserven für Extremereignisse (Stichwort Klimafaktor) zu erhalten.

Diesen Möglichkeiten und Erkenntnissen trägt natürlich das neue Gesetz Rechnung.

Dies darf aber nicht mit einem Verbot einer Mischentwässerung gleichgesetzt werden.“

Quelle:

INGENIEURBÜRO HOSSFELD & FISCHER

BERATENDE INGENIEURE
Bauherreninfo Nr. 37 vom 6.3.2010

Internet: www.HundF.de





Wir simulieren für Sie auch die Schmutzfracht mit der Software SMUSI

Unser Angebot:

Wir simulieren für Sie auch die Schmutzfracht mit der Software SMUSI

Hier ein Auszug aus dem Gutachten unseres Mitarbeiters Herrn Eichhorn für die Stadt Schlüchtern als Beweis dafür, dass wir so etwas auch beherrschen:

1 Dimensionierung mittels Simulationsmodell „SMUSI“

Die Aufgabe der Regenüberlaufbauwerke besteht entsprechend der Ausführungen in Gliederungspunkt 2 darin, im Niederschlagsfall Teile des anfallenden Regenwassers in die Vorflut zu entlasten.

Um das Gewässer hinreichend zu schützen, erfolgt die Vorhaltung von Speichervolumina mit dem Ziel, den Großteil der Schmutzfrachten im Kanalsystem zu belassen und zur Kläranlage zu führen, so dass nur noch gering verschmutztes Niederschlagswasser entlastet wird.

Für die Bemessung derartiger Überlaufbauwerke existieren seit langem empirische Ansätze, die für einzelne Bauwerke bzw. Direkteinzugsgebiete dieser Becken i.d.R. hinreichend gute Ergebnisse liefern.

Schwieriger und komplizierter wird eine solche Bemessung vor allem aber dann, wenn, wie im Fall Schlüchtern, eine große Anzahl derartiger Bauwerke in „Reihe geschaltet“ sind und die zurückgehaltenen Frachten eines oben liegenden Bauwerks an den Trennbauwerken der unterhalb liegenden Becken bzw. Überläufe erneut zur Entlastung gelangen können.

Das für die RÜB-Berechnung maßgebende ATV-Arbeitsblatt A 128 legt diesbezüglich eine Reihe von Grenzen fest, bei deren Überschreitung der Planer dann gefordert ist, die Beckengrößen mittels eines Nachweis- bzw. Simulationsverfahrens zu ermitteln bzw. zu überprüfen.

Das Simulationsmodell „SMUSI“ [1] als solches ist dabei zunächst kein Bemessungsprogramm für Überlaufbauwerke, sondern wurde als Nachweisverfahren konzipiert, d. h. es erlaubt die Simulation des Schmutzfrachteintrages[2] bei vorgegebenen Kenndaten (Volumen; Drosselabflüsse…) der Überlaufbauwerke. Eine Anwendung als Planungsinstrument ist aber dennoch möglich, indem anhand gesetzter Zielgrößen (zulässige Schmutzfrachtentlastung) für das Gesamtgebiet oder von Teileinzugsgebieten eine iterative Ermittlung der benötigten Beckenvolumina vorgenommen wird.

Die zu erreichenden Zielgrößen (bei der Entlastung) werden durch die Fachbehörde entsprechend der zulässigen Gewässerbelastung vorgegeben bzw. orientieren sich an den Regeln der Technik bei der Mischwasserbehandlung.

Im Bundesland Hessen gilt für die Mischwasserbehandlung, dass die a.a.R.d.T. – neu Stand der Technik – dann eingehalten sind bzw. erreicht werden, wenn neben der A 128 auch die Schmutzfracht mit dem Modell „SMUSI“ simuliert wird und die Ergebnisse der Simulation entsprechend berücksichtigt werden.

Für das Bundesland Hessen gilt, dass der Schmutzfrachteintrag von 250 kg CSB/ha Ared über die Summe (im Mittel) aller Entlastungen vor der biologischen Reinigungsstufe unterschritten werden sollte.

Das ist ein wichtiger Zielparameter.

Für die Stadt Schlüchtern wurde nach Auskunft der Stadtverwaltung und des Wasserwirtschaftsamtes keine Verschärfung der Entlastungsvorgaben festgesetzt. Somit gelten o. g. Standardvorgaben (250 kg CSB/ha Ared).

2  Bearbeitungsverlauf/Prüfmodus

Im Folgenden werden Hinweise zum Prüfverlauf bzw. zur Herangehensweise vermittelt.

Durch die Stadt Schlüchtern wurden umfangreiche und qualitativ gute Unterlagen zur Durchführung der Plausibilitätsprüfung zur Verfügung gestellt.

Dies betrifft sowohl die zu prüfenden Berechnungsunterlagen als auch die erforderlichen Vergleichsunterlagen über Kanalbestand, Kanalisationskonzept und aktuellen Primärdaten [3].

Zunächst wurden die Unterlagen über Kanalbestand und Kanalisationskonzept gesichtet, um die zur Verfügung gestellten Planungsunterlagen auf die logische Übereinstimmung mit den technischen Gegebenheiten des Einzugsgebietes/des Netzes prüfen zu können.

Nach der Einarbeitung in die grundlegende Netzstruktur des Entsorgungsgebietes erfolgte die Plausibilitätsanalyse der den SMUSI-Läufen zu Grunde liegenden Systemlogik, d. h. der Bauwerksanordnung und -zahl bzw. der Verknüpfung der einzelnen technischen Elemente sowie der Einzugsgebiete.

In den weiteren Arbeitsschritten wurde eine detaillierte Plausibilitätsprüfung der für die Berechnungen relevanten Grundlagen/Eingabedaten vorgenommen.

Aus den zu prüfenden Unterlagen wurde ersichtlich, dass – einhergehend mit dem Bau- und Sanierungsfortschritt im Entsorgungsbereich – durch das ausführende Büro eine kontinuierliche Fortschreibung der Berechnungen sowie eine immer detailliertere Erfassung von Eingabedaten (z. B. im Hinblick auf den spezifischen Abwasseranfall) vorgenommen wurde.

Zur Plausibilitätsprüfung der Eingabedaten dienten einerseits durch die Stadt übergebene Unterlagen als auch ein Vergleich mit Erfahrungs- und Literaturwerten.

Die Einwohnerzahlen wurden im Rahmen der Plausibilitätsprüfung beispielsweise mit den aktuellen Einwohnermeldezahlen verglichen und die Ansätze für spezifische Schmutz- und Fremdwasserspenden mit Literaturwerten auf ihre Plausibilität geprüft.
Die maßgebenden Flächenansätze wurden auf Basis von Lageplänen und Ortsbegehungen (Stichproben) kontrolliert.

Die in den Berechnungen eingeflossenen Prognosen mussten dabei weitgehend mit dem Flächennutzungsplan des zu prüfenden Bereiches Übereinstimmung zeigen.

Weiterhin wurden die Simulationsbedingungen und -einstellungen auf eine logische Übereinstimmung mit den Gegebenheiten des Untersuchungsgebietes überprüft.

Die übergebenen (aktuellsten) Eingabedaten wurden ebenfalls einer Plausibilitätsprüfung unterzogen und schrittweise in die Vergleichssimulation mit der aktuellen Programmversion SMUSI 4.00r integriert.

Dabei konnte die innere Systemlogik und die rechnerische Plausibilität überprüft werden.

Im Ergebnis wurde festgestellt, dass die Simulation zunächst nicht nachvollziehbar war.

Das wurde dem Auftraggeber bereits mitgeteilt.

Nach eingehender Analyse des Problems und nach einer Konsultation mit dem Programmentwickler wurde ein noch bis dahin unbekannter Fehler der genutzten Programmversion festgestellt, der bei einer zu hohen Anzahl der Datensätze (> 200) auftrat.

Nach Übergabe eines neuen Updates zur genutzten Programmversion durch die Universität Darmstadt, konnten die Simulationen schließlich nachvollzogen werden.

[1]
„Das Schmutzfrachtsimulationsmodell „SMUSI“ ist ein flächen- und komponentendetailliertes hydrologisch-deterministisches Niederschlagsabfluss- und Stofftransportmodell. Es ist als Langzeitsimulationsmodell konzipiert und berechnet die maßgebenden Kenngrößen zur gewässerorientierten Beurteilung der Wirkung von Entlastungsanlagen in bestehenden oder geplanten Entwässerungsnetzen“.
[2]
Die natürlichen (ereignisspezifischen) Vorgänge werden nicht exakt nachgebildet, sondern die Simulationsergebnisse beschreiben die den jeweiligen Planungsvarianten zuzuordnende Entlastungssituation durch eine Darstellung der im Jahresmittel an Regenentlastungen in den Vorfluter abgeschlagenen bzw. zur Kläranlage weitergeleiteten Stofffrachten und -konzentrationen.
[3]
wie z. B. der Einwohnermeldezahlen des Jahres 2000

Werdau, den 05.02.2003




Berechnungsmodell HYSTEM-EXTRAN

Unser Angebot:

Wir überprüfen für Sie auch das Leistungsvermögen und die Reserven Ihrer Kanalisation mit der Software HYSTEM-EXTRAN

Berechnungsmodell HYSTEM-EXTRAN

Für die Berechnungen verwenden wir in der Regel ein hydrodynamisches Modell zur Simulation des Oberflächenabflusses bzw. des Transportvorganges.

HYSTEM-EXTRAN ist ein hydrodynamisches Niederschlags-Abfluss-Modell für die Kanalnetzberechnung.

Es dient zur Nachrechnung städtischer Kanalnetze sowohl mit Einzelereignissen als auch mit Hilfe der Langzeit-Seriensimulation, z. B. im Rahmen von Kanalsanierungsplanungen.

Das Programmpaket besteht im Wesentlichen aus den Berechnungsmodulen

  • ZEBEV: Zeitbeiwertverfahren nach ATV Arbeitsblatt 118
  • HYSTEM: Oberflächenabflussberechnung
  • EXTRAN: Hydrodynamische Abflusstransportberechnung

Als Ergebnis jeder Berechnung erhält man umfangreiche Drucklisten mit einem Protokoll der Eingabedaten, einer Bilanzierung der Zu- und Abflussvolumina und den maßgebenden Berechnungsergebnissen.

Vorteile von Hystem-Extran

  1. Durch Aufteilung in Oberflächen- und Kanalabfluss ist das System gut eichbar.
  2. Es können intensitätsvariable Niederschläge berücksichtigt werden.
  3. Kontinuitäts- und Bewegungsgleichung werden vollständig gelöst. Hierbei sind Ausfluss- und Wasserstandsberechnungen miteinander verknüpft.
  4. Berücksichtigt werden Vermaschungen, Fließumkehr, Rückstau und die Retention in den Kanälen.
  5. Es können über die Zeit variable Zuflüsse vorgegeben werden.
  6. Sonderbauwerke werden in die Berechnung mit einbezogen.

Nachteile von Hystem-Extran

  1. Niederschlagsmessungen müssen im betreffenden Gebiet durchgeführt worden sein
  2. Größere Rechenkapazität ist erforderlich.
  3. Nur Plausibilitätskontrollen sind möglich, denn die Ergebnisse können nicht „per Hand“ nachgerechnet werden.

Hydraulische Bemessungen oder Begutachtungen haben wir für folgende Kanalisationen schon vorgenommen:

  • Leipzig – Teilkanalisation
  • Rochlitz
  • Colditz
  • Sandersleben
  • Reichenbach (Vogtland)
  • Mylau
  • Oelsnitz (Vogtland)
  • zahlreiche kleiner Gemeinden

Neben dem Umgang mit der reinen Software können wir manche hydraulische Aufgaben auch noch „zu Fuß“ ausrechnen oder wir schreiben selber kleine Programmmodule (siehe z. B. abwasser.exe).

Werdau, den 05.02.2003

Uwe Halbach




Großversuch zur Minimierung der Geruchsbelästigung

Vom Montag, den 10. Juli 2006 bis zum Mittwoch, den 12. Juli 2006 lief im Stadtzentrum von Chemnitz ein – aus Sicht der Experten gesehen – spektakulärer Großversuch.

Auftraggeber war der Entsorgungsbetrieb der Stadt Chemnitz (http://www.esc-chemnitz.de/). Der Betreiber des Kanalnetzes sind die Stadtwerke Chemnitz (http://www.swc.de/).

Zur Erforschung der Strömungsverhältnisse in der Kanalisation wurde zeitweise an 3 verschiedenen Stellen ein 28 m hoher Abluftkamin mit einem Durchmesser von 500 mm für je einen Tag auf ausgewählte Kanalschächte aufgesetzt. Die Messstellen befanden sich auf dem Markt, dem Neumarkt und auf dem Jacobikirchplatz. Ziel war es, Messergebnisse zu gewinnen, auf deren Grundlage eine spätere künstliche Be- und Entlüftung als Unterstützung der natürlichen Ventilation zu planen war.

Die Versuchsplanung war das Ergebnis einer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen dem ö.b.u.v. Sachverständigen für Luftreinhaltung, Herr Dr. Krauß (http://www.ib-shn.de/), dem ö.b.u.v. Sachverständigen für Abwasserbeseitigung, Herr Uwe Halbach (http://www.institut-halbach.de/) und für die strömungstechnischen Untersuchungen wurden die Sachverständigen der Ifu GmbH (http://www.ifu.de/) eingebunden.

Möglich wurden die Versuche durch die Unterstützung des Entsorgungsbetriebes und der Stadtwerke von Chemnitz.

Uwe Halbach am 07.07.2006




Regenwassernutzung hat nicht nur Vorteile!

Inhalt:

  • Komplexität als Risiko
  • Fehlentwicklungen im dünnbesiedelten Raum
  • Kosten- und Risikofaktor „Trinkwasserhygiene“
  • Kosten- und Risikofaktor „Kanalreinigung“ – Steigerung der Abwassergebühren
  • Substitution von Trinkwasser im Haushalt?
  • Die Lösung des Problems!
  • mögliches Maß der Regenwassernutzung
  • öffentliches Trinkwassernetz ist kaum niedriger zu dimensionieren!
  • Literaturverzeichnis
  • Zusammenfassung

In der Fachliteratur sind über die Vorzüge der Regenwasserbewirtschaftung viele Untersuchungen und Hinweise zu finden.

Im nachstehenden Beitrag werden insbesondere die Nachteile und Risiken angesprochen, die im Einzelfall sicherlich keineswegs alle relevant sind, die aber vor der Investitionsentscheidung einer Regenwasserbewirtschaftung auf jeden Fall analysiert, bewertet und ggf. berücksichtigt werden sollten!

Auf Risiken und außergewöhnliche Probleme hat man sich insbesondere dann einzustellen und vorzubereiten, wenn eine erhebliche Senkung des Trinkwasserverbrauches im Versorgungsgebiet zu prognostizieren ist.

Bei allem Verständnis der Bemühungen zur Regenwassernutzung darf nicht übersehen werden, dass die Regenwasserbewirtschaftung – wie jede Sache, auch wenn sie über das optimale Maß hinaus betrieben wird – meist zu bedeutenden Nachteilen führt.

Fehlentwicklungen haben aus Refinanzierungsgründen bekanntlich im dünnbesiedelten Raum und in Kleinstädten eher nachteilige Konsequenzen, als in einer größeren Stadt.

Kausalitäten zur Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung sind bei der Regenwasserbewirtschaftung unbedingt zu beachten und bei Vergleichen sowie Variantenuntersuchungen monetär und nicht monetär zu berücksichtigen.

Es ist auszuschließen, dass Kostenvorteile bei der Regenwassernutzung einerseits – herausgearbeitet im Rahmen von Variantenuntersuchungen zwischen der Regenwasserbewirtschaftung und konventionellen Verfahren – nicht andererseits zu einer Kosten- und Risikoerhöhung bei der Trinkwasserversorgung, Abwasserableitung und Abwasserbehandlung führen.

Diese Gefahr ist aufgrund der Komplexität kaum zu überblickender kausaler Prozesse nicht zu unterschätzen!

Absolut sicher lässt sich eine erheblichen Kostensteigerung der Trink- und Abwassergebühren – besonders im ländlichen Raum – prognostizieren, wenn in Größenordnungen der Trinkwasserverbrauch und die Abwassermenge gesenkt wird, um Kosten zu sparen.

Der Ansatz, Regenwasserbewirtschaftung vorrangig zu betreiben, um Trinkwasser- und Abwassergebühren zu sparen, ist also grundlegend falsch und führt mittelfristig zum gegenteiligen Effekt.

Der bessere Weg ist Wasser so preiswert zu machen, dass eine Trinkwassersubstitution durch Regenwassernutzung für unwirtschaftlich wird.

Im Folgenden werden nun einige Szenarien geschildert, deren Eintreten bei unverhältnismäßiger Regenwassernutzung grundsätzlich nicht auszuschließen sind.

Kosten- und Risikofaktor „Trinkwasserhygiene“

Mit einer Nutzung des Regenwassers im Haushalt und Garten kann Trinkwasser eingespart werden.

Dabei ist aus hygienischen Gründen eine Substitution nur dort möglich, wo keine Trinkwasserqualität erforderlich ist.

So ist ein Einsatz von Regenwasser als Gartenbewässerung, zur Toilettenspülung und zum Wäsche waschen denkbar.

Dadurch können nach Literaturangaben bis zu 50% der Trinkwassermenge durch Regenwasser ersetzt werden [1, 11,12,19, 39].

Einer solchen Substitution von Trinkwasser durch Regenwasser im Haushalt stehen nicht nur hygienische Bedenken entgegen.

Auch aus der Sicht der Wasserversorger wird dem mit berechtigter Skepsis begegnet [46].

Der Trinkwasserverbrauch in Deutschland liegt im Vergleich mit anderen europäischen Staaten im Mittel und kann keineswegs als überhöht angesehen werden [12].

Der Verbrauch ist in den neuen Bundesländern als Folge von Preisanstieg und Rückgang der Industrieproduktion drastisch gesunken. (Stellungnahme des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 08.07.1993 in [12]).

In Brandenburg z. B. verbraucht der durchschnittliche Einwohner zwischen 89 und 110 Liter Trinkwasser pro Tag und liegt damit im Verbrauch im unteren Bereich von Westeuropa [31].

Eine Reduktion des Trinkwasserverbrauchs über das übliche Maß hinaus, führt zu längeren Standzeiten des Wassers im Netz.

Damit einhergehend sind hygienische Bedenken an die Qualität des Trinkwassers anzumelden.

So können sich mit langen Stagnationszeiten im Wasser wieder Keime ansiedeln, woraus sich eine gesundheitliche Beeinträchtigung der Allgemeinheit ergeben kann.

Daneben ist bei langen Verweilzeiten eine biologische Ammoniumoxidation möglich.

Dabei entsteht Nitrit, das besonders bei Säuglingen und Kleinkindern als bedenklich gilt [8].

Es sind erhebliche Pflege- und Spülmaßnahmen zur Aufrechterhaltung des hohen Qualitätsstandards erforderlich.

Dadurch ist sogar denkbar, dass aufgrund der Rohrnetzspülungen gar keine Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs erzielt wird [12].

Als Konsequenz wird daraus oft gefordert, das öffentliche Trinkwassernetz niedriger zu dimensionieren.

Das ist aber aus zwei Gründen nicht möglich.

Erstens muss das öffentliche Trinkwassernetz auf den maximalen Verbrauch ausgelegt sein.

Dieser wird in den Sommermonaten erreicht, wo das Regenwasserangebot oft über Wochen durch fehlende Niederschläge stark eingeschränkt ist.

Es ist folglich keine Minimierung der Verbrauchsspitze zu erwarten.

Zweitens ist das Trinkwassernetz in Städten auch darauf ausgelegt, im Brandfall die Feuerwehr mit Löschwasser zu versorgen.

Die sich hieraus ergebende Überdimensionierung ist ein wichtiger Bestandteil des Notfallschutzes.

Eine Reduzierung des Leitungsquerschnittes ist nur dann möglich, wenn die maximal benötigte Wasser- und Löschwasserversorgung gewährleistet bleibt.

Die notwendige doppelte Netzführung in einem Haushalt mit Regenwassernutzung birgt die Gefahr von Fehlanschlüssen.

Nach DIN 1988 ist keine Verbindung zwischen Brauch- und Trinkwassernetz zulässig.

Es ist auf Dauer jedoch nicht wirklich ausgeschlossen, das ein Fehlanschluss entsteht und mit Keimen belastetes Regenwasser in das öffentliche Trinkwassernetz eindringt [12, 39].

Als Argument zur Verwendung von Regenwasser wird oft eine Kostenersparnis angeführt.

Tatsächlich ist jedoch eine Abhängigkeit des Trinkwasserpreises vom Verbrauch gering, da der Wasserpreis zu 90% aus Fixkosten besteht!

Im Gegenteil, bei einem Absatzrückgang werden die spezifischen Kosten pro m3 (Trink- und Abwassergebühren) steigen und somit die eigenen Einsparungen auf Kosten des Nachbarn ausgetragen [12, 31, 46].

Aus all diesen Argumenten ist ersichtlich, dass eine Regenwassernutzung und Substitution von Trinkwasser im Haushalt keine wirklichen Vorteile bringt.

Der Einsatz von Regenwasser muss sogar als ökonomisch und ökologisch fragwürdig angezweifelt werden.

Für die Nutzung zur Gartenbewässerung steht dem jedoch kein gewichtiges Argument im Wege.

Im Folgenden – ein weiterer Kosten- und Risikofaktor, der hier zwar weniger umfänglich dargestellt wurde, aber in seinen finanziellen Konsequenzen die Kostenerhöhungen bei der Trinkwasserversorgung weit übersteigen dürften.

Kosten- und Risikofaktor „Kanalreinigung“

Überwiegend kommt bei der Abwasserableitung die Schwemmkanalisation zum Einsatz.

Wird Wasser gespart – aus welchen Gründen auch immer – bleiben besonders viele Fäkalien im Kanal liegen.

Die Auswirkungen:

  • Das Abwasser fault und die Behandlungskosten auf der Kläranlage steigen.
  • Es gibt Geruchsbelästigungen.
  • Hygienische Probleme nehmen zu.
  • Die Kosten für die Kanalreinigung steigen spürbar.
  • In der Konsequenz ist eine zusätzliche Steigerung der Abwassergebühren und -beiträge notwendig.

Die Intensität, mit der eine Regenwassernutzung ohne erhebliche Nachteile betrieben werden kann, ist also in erster Linie abhängig

  • von den Bedingungen im Versorgungsgebiet des Wasserversorgers und
  • von den Bedingungen im Einzugsgebiet des Abwasserentsorgers.

Es versteht sich von selbst, dass man diese Bedingungen vor Entscheidungen über eine Regenwassernutzung genauestens in ihrer Reaktion und Sensibilität analysieren muss, bevor die Regenwasserbewirtschaftung im großen Stil geplant oder gar umgesetzt wird.

Die Lösung des Problems:

Es kommt allein auf das richtige Maß an!

Um es zusammenzufassen:

  • Der sparsame Umgang regelt sich primär über die Höhe der Beiträge, Gebühren und Preise.
  • Es ist in Deutschland nicht nur unnötig, sondern auch schädlich das Wassersparen zu thematisieren!
  • Wassersparen ist in Deutschland nur auf Kosten des Nachbarn möglich.
  • Wassersparen führt zu einer zusätzlichen Steigerung der Beiträge, Gebühren und der Preise.

Literaturverzeichnis

[1]
König, Klaus W.
Regenwassernutzung
Ein Handbuch für Planer, Handwerker und Bauherren
mallbeton-Verlag, 2000, 5. Auflage, ISBN 3-9803502-0-7

[8]
ATV-Fachausschuss 2.1
Stickstoff und Phosphor in Fließgewässern
Korrespondenz Abwasser (Arbeitsbericht), 1987, Heft 11, S. 1215/1223

[11]
fbr-wasserspiegel
Zeitschrift der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e. V.
Juni 1999, Heft 2, ISSN 1436-0632

[12]
Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N Hannover
Regenwassernutzung
Schriftenreihe 1993, Heft 14

[19]
Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie und Bundesangelegenheiten
Nutzung von Regenwasser
April 1994, 7. Auflage, ISBN 3-89274-044-5

[31]
Hartmann
Entwicklung von Trinkwasserbedarf und –verbrauch im Land Brandenburg
Vortrag anlässlich der Tagung zu Stagnationsproblemen im Trinkwasserbereich
Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg, 1998

[39]
Mönninghoff, H.
Wege zur ökologischen Wasserversorgung
ökobuch Verlag, 1993, 1. Auflage, ISBN 9-922964-53-2

[46]
Landeshauptstadt Hannover – Der Oberbürgermeister – Umweltdezernat
Wasserkonzept für Hannover – Leitlinien –
Schriftenreihe kommunaler Umweltschutz Heft Nr. 15, Dezember 1996

 

Werdau, den 19.05.2000

Uwe Halbach
Dipl.-Ing. (FH); Dipl.-Ök.




Rechtliche Aspekte der Regenwasserbewirtschaftung

Hier ein Auszug des Entwurfes
Konkret: Siehe jeweiliges Landeswassergesetz

Keine Erlaubnis für das Einleiten von Niederschlagswasser in das Grundwasser,

  • wenn das Niederschlagswasser auf Dach-, Hof- oder Wegflächen von Wohnungsgrundstücken anfällt
  • und wenn es auf dem Grundstück versickert, verregnet oder verrieselt werden soll.

Aber:

Für die Einleitung des auf Hofflächen anfallenden Niederschlagswassers gilt dies jedoch nur soweit die

  • Versickerung
  • Verregnung oder
  • Verrieselung

über die belebte Bodenzone erfolgt.




Grundsätze der Regenwasserbewirtschaftung

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Wissenschaftler aus unterschiedlichen Staaten unabhängig voneinander zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind. Aber es zeigen sich doch folgende wichtige Grundsätze:

  1. Eine Betrachtung von gesamten Gewässereinzugsgebieten ist notwendig.
  2. Die hydraulische Bewertung sollte mit Langzeitsimulationen erfolgen.
  3. Es sind im Bereich der Frage nach dem Verbleib der Stoffe im Stoffkreislauf offene Fragen geblieben, die es in den nächsten Jahren zu beantworten gilt.
  4. Die Betrachtung der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung sollte auch in Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen wie Landschaftsplanern und Straßenbauern erfolgen.

Quelle:
Sommer, Harald
Dezentrale Regenwasserbewirtschaftung
Korrespondenz Abwasser Nr. 3/2001
Seite 278 bis 281




Definition „Regenwasserbewirtschaftung“

In den letzten Jahren hat sich in Fachkreisen und mittlerweile auch in der Öffentlichkeit vermehrt der Begriff der Regenwasserbewirtschaftung eingebürgert.

Was darunter konkret zu verstehen ist, darüber ist den Autoren im Zuge des Literaturstudiums noch keine Definition aufgefallen. Im Folgenden nun eine Definitionsvariante:

Regenwasser bewirtschaften, bedeutet anfallendes Niederschlagswasser nach Möglichkeit nicht zu sammeln, in erster Linie an Ort und Stelle zu versickern, ggf. zu speichern, gedrosselt abzuleiten oder auch zu nutzen und auf dem kürzestem Wege nach wasserwirtschaftlichen Grundsätzen – wenn notwendig auch gereinigt – dem Wasserkreislauf so zuzuführen, dass Folgeschäden vermieden werden.

Kommentar:

Was ist damit gemeint? Die Ableitung auf „kürzestem Wege“ bedeutet, dass das Regenwasser an einem geeigneten, möglichst der Anfallstelle naheliegendem Ort versickert oder in den nächsten geeigneten Vorfluter eingeleitet werden soll.

Hinter der Formulierung „wasserwirtschaftliche Grundsätze“ verbergen sich neben den ganzen geschriebenen und nicht niedergeschriebenen Regelungen der Wasserwirtschaft auch rein wirtschaftliche Aspekte: Die Regenwasserbewirtschaftung soll schließlich bezahlbar bleiben und sie ist so zu gestalten, dass sie kostengünstiger als ein reines Misch- oder Trennsystem ausfällt.

Wasserwirtschaftlich entscheiden bedeutet, dass die finanziellen Mittel dort konzentriert werden, wo sie den größten positiven Effekt für die Natur haben.

Die Formulierung „wenn notwendig auch gereinigt“ stellt darauf ab, dass entsprechend verschmutzte Regenwässer vor der Gewässereinleitung (Grundwasser zählt auch zu den Gewässern ) zu reinigen sind.

Folgeschäden können durch unsachgemäße Sammlung, Versickerung, Ableitung, insbesondere auch unsachgemäße oberirdische Ableitung entstehen.

Wird dieser Definition gefolgt, so ist zwangsläufig ebenfalls abzuleiten, dass die weitverbreitete Mischwasserkanalisation nicht zu den Verfahren der Regenwasserbewirtschaftung zu zählen ist, weil bei diesem Verfahren das meist sehr gering verschmutzte Niederschlagswasser mit hoch verschmutzten Abwasser vermischt wird.

Anmerkung: Der Begriff Regenwasserbewirtschaftung ist eigentlich nicht ganz korrekt, denn für die Entwässerung der versiegelten Flächen in Siedlungsgebieten sind auch die Schmelzwässer von Schnee und Hagel (in Einzelfällen) von Bedeutung. Folglich müsste eher von einer Niederschlagswasserbewirtschaftung oder besser von einer Niederschlagswasserwirtschaft gesprochen werden, da ja auch die Bewirtschaftung des Niederschlagswassers eher eine untergeordnete Rolle spielt, sondern der Einsatz wirtschaftlicher Methoden und Verfahren im Vordergrund steht.

Werdau, den 20.08.2000

Uwe Halbach
Dipl.-Ing. (FH); Dipl.-Ök.




Definition "Regenwasserbewirtschaftung"

In den letzten Jahren hat sich in Fachkreisen und mittlerweile auch in der Öffentlichkeit vermehrt der Begriff der Regenwasserbewirtschaftung eingebürgert.

Was darunter konkret zu verstehen ist, darüber ist den Autoren im Zuge des Literaturstudiums noch keine Definition aufgefallen. Im Folgenden nun eine Definitionsvariante:

Regenwasser bewirtschaften, bedeutet anfallendes Niederschlagswasser nach Möglichkeit nicht zu sammeln, in erster Linie an Ort und Stelle zu versickern, ggf. zu speichern, gedrosselt abzuleiten oder auch zu nutzen und auf dem kürzestem Wege nach wasserwirtschaftlichen Grundsätzen – wenn notwendig auch gereinigt – dem Wasserkreislauf so zuzuführen, dass Folgeschäden vermieden werden.

Kommentar:

Was ist damit gemeint? Die Ableitung auf „kürzestem Wege“ bedeutet, dass das Regenwasser an einem geeigneten, möglichst der Anfallstelle naheliegendem Ort versickert oder in den nächsten geeigneten Vorfluter eingeleitet werden soll.

Hinter der Formulierung „wasserwirtschaftliche Grundsätze“ verbergen sich neben den ganzen geschriebenen und nicht niedergeschriebenen Regelungen der Wasserwirtschaft auch rein wirtschaftliche Aspekte: Die Regenwasserbewirtschaftung soll schließlich bezahlbar bleiben und sie ist so zu gestalten, dass sie kostengünstiger als ein reines Misch- oder Trennsystem ausfällt.

Wasserwirtschaftlich entscheiden bedeutet, dass die finanziellen Mittel dort konzentriert werden, wo sie den größten positiven Effekt für die Natur haben.

Die Formulierung „wenn notwendig auch gereinigt“ stellt darauf ab, dass entsprechend verschmutzte Regenwässer vor der Gewässereinleitung (Grundwasser zählt auch zu den Gewässern ) zu reinigen sind.

Folgeschäden können durch unsachgemäße Sammlung, Versickerung, Ableitung, insbesondere auch unsachgemäße oberirdische Ableitung entstehen.

Wird dieser Definition gefolgt, so ist zwangsläufig ebenfalls abzuleiten, dass die weitverbreitete Mischwasserkanalisation nicht zu den Verfahren der Regenwasserbewirtschaftung zu zählen ist, weil bei diesem Verfahren das meist sehr gering verschmutzte Niederschlagswasser mit hoch verschmutzten Abwasser vermischt wird.

Anmerkung: Der Begriff Regenwasserbewirtschaftung ist eigentlich nicht ganz korrekt, denn für die Entwässerung der versiegelten Flächen in Siedlungsgebieten sind auch die Schmelzwässer von Schnee und Hagel (in Einzelfällen) von Bedeutung. Folglich müsste eher von einer Niederschlagswasserbewirtschaftung oder besser von einer Niederschlagswasserwirtschaft gesprochen werden, da ja auch die Bewirtschaftung des Niederschlagswassers eher eine untergeordnete Rolle spielt, sondern der Einsatz wirtschaftlicher Methoden und Verfahren im Vordergrund steht.

Werdau, den 20.08.2000

Uwe Halbach
Dipl.-Ing. (FH); Dipl.-Ök.




Risikominimierung

Typisch für die neuen Bundesländer ist, dass zunächst weniger eine aufwendige Betriebsführung zu einer Kostenexplosion bei der Abwasserentsorgung führt, sondern diese ist in erster Linie auf riskante Investitionsentscheidungen zurückzuführen.

Investitionsentscheidungen der Verbände und Kommunen stellen sich meist deshalb als falsch heraus, weil die Wirtschaftlichkeit abwassertechnischer Lösungen mit ungenügenden Rechenmethoden ermittelt wurde. In der Regel wurde und wird auch heute noch gegen das grundlegendste und einfachste Gesetz der Investitionslehre verstoßen:

Jede Investition beinhaltet grundsätzlich Risiken!

Dieser Beitrag gilt für Investitionen oder Entscheidungen, die Auswirkungen auf die Betriebskosten haben – für Unternehmen, Kommunen und Verbände gleichermaßen.

Investitionsentscheidungen sind immer unsichere Entscheidungen. Ein Unternehmen, Kommunen oder Verbände geben heute Geld aus und hoffen, die Investition morgen refinanzieren zu können.

Im Unterschied zu den Kommunen und Verbänden ist den Unternehmen die Problematik des Entscheidungsrisikos geläufiger.

Kollektiven Investitionsentscheidungen haftet oftmals der Makel von riskanten Entscheidungen an, weil u. a. Investitionen im Abwasserbereich meist langfristige Investitionen sind und es durchaus normal ist, dass Entscheidungsträger wechseln, Sachentscheidungen politisch-wirtschaftlichen Einflüssen unterliegen und die Strategie sowie Kontrolle unkontrolliert Dritten überlassen wird. Entscheidungsträgerkollektive haben seltener persönliche Konsequenzen ihrer Fehlentscheidungen zu befürchten und neigen sicher auch deshalb häufiger zu riskanten und unüberlegten Entscheidungen – so zeigt es jedenfalls die Geschichte vieler Abwasserinvestitionen in den neuen Bundesländern.

Hier ist ein Ansatzpunkt für ortsansässige Unternehmen. Sie sollten möglichst rechtzeitig auf derartige riskante kommunale und verbandliche Entscheidungen hinweisen, indem sie u. a. die negativen Konsequenzen auf die Unternehmen darstellen und ihre Erfahrungen bei der Investitionsvorbereitung mit einbringen.

Im Grunde ist es so, dass der Investitions- und Dienstleistungsdrang einer Unternehmensgruppe in der Regel die Kosten einer anderen Unternehmensgruppe mit beeinflusst.

Ungünstig für das Anliegen der neuen Bundesländer ist die eingeschränkte Möglichkeit der Fehlerkorrektur durch die Entscheidungsträger selbst, weil damit auch die Schuldfrage als Nebenprodukt geklärt werden könnte. Nachteilig ist dies insofern, weil nur aus einer Ursachenanalyse ein Heilungskonzept für Fehlinvestitionen erarbeitet werden kann. Somit ist es häufig, dass Fehler und Mängel nur halbherzig oder gar nicht korrigiert werden.

Nachteilig nicht nur für die Unternehmen ist außerdem, dass ein Verband oder eine Kommune gar nicht gezwungen ist, wirtschaftlich zu arbeiten. Er oder sie muss nur kostendeckend arbeiten und das ist eben im Vergleich zur „freien Wirtschaft“ ein entscheidender Unterschied.

Aus Prüfungen in anderen Bundesländern ist bekannt, dass selbst große Verbände mit vermeintlich günstigen Abwasserkosten um 100 % überhöhte Betriebskosten aufweisen. Das sind Tatsachen, die kostenrelevante Entscheidungen zusätzlich unsicher machen und eine Ursache dafür sind, dass kleine Kommunen größere Abwasserzweckverbände verlassen, weil sie Bedenken vor einer nicht mehr steuerbaren Kostenentwicklung haben.

Das beträchtliche Risiko am Beispiel einer Kläranlageninvestitionsentscheidung lässt sich relativ unkompliziert an einem Fall verdeutlichen, in dem der Einfachheit halber angenommen wird, für die Refinanzierung der Kläranlage seien nur 3 Ereignisse erforderlich, die gleichzeitig eintreten müssen, um keine Gebührenunterdeckung zu riskieren:

  • Die für die Kläranlageninvestition maßgebend berücksichtigten industriellen Abwassereinleiter bleiben während der gesamten Abschreibungsdauer der Kläranlage dem Abwasserentsorgungsverpflichteten als Refinanzierungspotenzial erhalten. (D. h., die Unternehmen gehen nicht konkurs oder wechseln einfach den Wirtschaftsstandort.)
  • Die in Aussicht genommenen Verbandsgemeinden „bleiben bei der Stange“.
  • Es gelingt auch tatsächlich, alle für die Finanzierung in Aussicht genommenen Grundstückseigentümer hinreichend schnell (!) an die Kläranlage anzuschließen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass jedes der 3 Ereignisse auch tatsächlich für sich eintritt, wird optimistisch mit 80 % bewertet.

Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung resultiert die Gesamtwahrscheinlichkeit aus dem Produkt der Einzelwahrscheinlichkeiten demnach zu nur 51 %. Wenn dann z.B. noch als 4. Kriterium, von dem man sich wünscht, dass es eintritt, der damals mit 150 l/Ed angenommene Wasserverbrauch sich nicht auf den heute aktuellen Wert von 70…90 l/Ed reduzieren darf, dann beträgt die Gesamtwahrscheinlichkeit, dass eine Refinanzierung gelingt, 40 % und spiegelt damit die Situation anschaulich wider, in der sich viele Verbände der neuen Bundesländer gerade befinden!

Das Gesamtinvestitionsrisiko ist dadurch zu senken, indem weniger investiert wird und die Investitionen in nutzungsfähige Einzelabschnitte unterteilt werden, deren Refinanzierung durch die Bürger abgesichert sein muss.

Es wird deshalb geraten, sich durch rechtzeitige Fallunterscheidungen und Analysen nicht monetärer Entscheidungsaspekte leidenschaftslos einen Überblick von den tatsächlichen Risiken zu verschaffen.

Nicht die Ereignisse – für den Fall, dass alle Annahmen und Wünsche eintreten – sind in erster Linie relevant, sondern bedeutungsvoll ist primär, was passiert, wenn die ungünstigen Ereignisse Realität werden!

Solche Betrachtungen haben natürlich nur Sinn, wenn sie vor den Investitionsentscheidungen angestellt werden.
Insofern sollte sich auch ein Abwasserzweckverband von einer einfachen zu einer komplizierteren Lösung über einen längeren Zeitraum entwickeln, wobei sich der Kompliziertheitsgrad in Grenzen halten muss!

In den neuen Bundesländern zeichnet sich deutlich ab, dass die

  • Arbeitslosigkeit,
  • fehlende gewerbliche und industrielle Entwicklung,
  • sehr geringe Finanzkraft der Gemeinden,
  • ungenügende Höhe von Eigenkapital,
  • keine Zeit für Eigenkapitalbildung,
  • Risiko des Rückganges der Bezuschussung,
  • Bedenken hinsichtlich der Komplexität der angefangenen Investitionen,
  • noch nicht hinreichende Erfahrungen in den Kommunen, Abwasserzweckverbänden und auch der Unternehmen bei der Investitionssteuerung, insbesondere von Abwasseranlagen

    zu den allgemeinen nicht monetären Aspekten und allgemeinen Risikofaktoren gezählt werden können.

    Uwe Halbach




    Entwässerungskonzeption – Abwasserbeseitigungskonzept

    Gewerbegebiete weisen im Endausbau oft ein unnötig hohes Maß an versiegelten Flächen auf.

    Bereits bei der Planung sind Variantenuntersuchungen darüber anzustellen,

    1. ob die Regenwasserbewirtschaftung auf den Parzellen erfolgen soll, oder
    2. ob für das Gewerbegebiet eine zentrale Regenwasserbewirtschaftung erfolgen soll, oder
    3. ob eine Kombination beider Möglichkeiten infrage kommt.

    Es ist darauf zu achten, dass das zur Versickerung oder zur Einleitung in Vorfluter geeignete Niederschlagswasser nicht mit behandlungswürdigem Niederschlagswasser vermischt wird.

    Sind beispielsweise Benzinabscheider notwendig, so kann die Abscheidergröße minimiert werden, wenn zeitweise bei extremen Regenereignissen ein gewisser Wasserstand auf den versiegelten Park- und Warenumschlagplätzen in Kauf genommen werden kann.

    Der Abscheider erhält dann eine spezielle Zulaufmengenbegrenzung. Derartige Lösungsansätze sind von vornherein durch die Planung zu prüfen.

    Bei der Planung und Planungsprüfung der Entwässerung eines Gewerbegebietes ist darauf zu achten, dass die entsprechenden Variantenvergleiche der Entwässerungssysteme vorliegen, da in aller Regel das Kanalnetz den dominierenden Kostenfaktor der Abwasserbeseitigung darstellt. (Am Rande sei darauf hingewiesen, dass die Zweckmäßigkeit von Sonderentwässerungen für die Schmutzwasserableitung nachzuweisen sind.)

    Maßnahmen der Vermeidung, Vergleichmäßigung oder Dezentralisierung der Regenwasserableitung sind hier besonders nützlich. Wenn im Bebauungsplan die Prämissen des Abwasserzielkonzeptes für das Gewerbegebiet realisiert werden, ist mit erheblichen Kostensenkungen für die Erschließung zu rechnen.

    Vorrang hat die dezentrale Fassung und Versickerung von Regenwasser!

    In der Konsequenz erhalten in der Regel neu zu errichtende Gewerbegebiete nur ein Schmutzwasserkanalsystem.
    Abweichungen von dieser Regel können zweckmäßig sein, sollten aber prüffähig im Rahmen gesonderter Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen nachgewiesen werden.

    Siehe auch „Einführung in die Siedlungsentwässerung“ von Herrn Dr. Friedemann

    In jedem Fall ist es bei der Planung eines Gewerbegebietes erforderlich, darauf zu achten, dass die entsprechenden Variantenvergleiche hinsichtlich der Entwässerungssysteme durchgeführt werden, da im Normalfall das Kanalnetz den dominierenden Kostenfaktor der Abwasserbeseitigung darstellt. Maßnahmen der Vermeidung, Vergleichmäßigung oder Dezentralisierung der Regenwasserableitung sind in aller Regel vorteilhaft. Der Bebauungsplan soll sich nach den Prämissen des Abwasserzielkonzeptes für das Gewerbegebiet richten.

    Uwe Halbach




    Bürgermeisterkanäle

    Der Begriff „Bürgermeisterkanal“ wird umgangssprachlich für Kanalisationsabschnitte mit nachfolgenden Merkmalen genutzt:

    • Die Sammler dienen i.d.R. der Entwässerung im ländlichen Raum, es erfolgt sowohl eine Erfassung von Oberflächenwasser als auch des Überlaufes von Kleinkläranlagen. Es erfolgt keine Einleitung von Rohabwasser (zumindest sollte dies nicht der Fall sein).
    • Die „Bürgermeisterkanäle“ einer Ortslage bestehen i.d.R. aus Teilabschnitten regulärer Kanäle mit Schächten, aber verbunden mit einfach verrohrten Gräben und z. T. auch offenen (teilweise befestigten) Grabenabschnitten.
    • Es handelt sich um „Altkanalisation“, d. h. um vor 1990 fertiggestellte Kanalisationsabschnitte (im Bereich der 5 neuen Länder).
    • Die Sammlersysteme sind meist „organisch“ gewachsen, das genaue Herstellungsdatum der einzelnen Abschnitte und auch das jeweilige „Herstellende“ sind oftmals nicht mehr festzustellen.
    • Meist handelte es sich um begrenzte Baumaßnahmen im Rahmen von Straßen- und Wegebau, dem Neubau oder der Sanierung in Anliegergrundstücken. Durchgeführt wurden die Verrohrungen neben der eigentlichen Gemeinde oftmals von den örtlichen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, z. T. aber auch von Privatpersonen (um die eigene Grundstücksentwässerung zu gewährleisten).
    • Die „unübersichtlichen“ Verhältnisse bei der Herstellung der Kanalisationsabschnitte bringen es mit sich, dass i.d.R. keine Bestandsunterlagen existieren und darüber hinaus auch ein „bunter Mix“ bei eingesetzten Materialien und den Dimensionen zu verzeichnen ist – es wurde verbaut, was jeweils gerade verfügbar war.
    • Die Kanalisationsabschnitte befinden sich sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum.

    Es müssen in Einzelfällen nicht zwangsläufig alle o. g. Merkmale zutreffen, um der Einstufung als „Bürgermeisterkanal“ gerecht zu werden, meist sind aber mehrere Kennzeichen gleichzeitig feststellbar.

    Eine Gebührenerhebung in den betroffenen Bereichen ist möglich, setzt aber voraus, dass nachfolgende Punkte beachtet werden:

    • Es muss eine vollständige Bestandserfassung vorgenommen werden.
    • Die Kanalisationsabschnitte sind in das Anlagenverzeichnis des Abwasserentsorgungspflichtigen aufzunehmen (und entsprechend ihres Zustandes zu bewerten).
    • Eine Übernahme in das Anlagenverzeichnis bringt die Pflicht zur Instandhaltung und Erneuerung mit sich, auch wenn die betroffenen Abschnitte z. T. im Privatgelände verlaufen.
    • Im Falle des (teilweisen) Verlaufes in Privatgrundstücken sollte versucht werden eine Grunddienstbarkeit zu sichern (für Instandhaltung und Neubau).
    • Aufzunehmen sind grundsätzlich nur Sammler, die mehrere Grundstücke (> 1) entwässern.
    • Es ist im Vorfeld zu prüfen, ob ein betroffener Sammler u. U. doch den Charakter einer privaten Grundstücksentwässerung trägt. Ist das der Fall muss sich der „Besitzer“ oder die zugehörige Gemeinschaft auch eindeutig dazu positionieren, d. h. mit allen Pflichten in Bezug auf die Instandhaltung und Einleitungsbedingungen.

    Eine Gebührenerhebung ist u. E. aufgrund der notwendigen Unterhaltungsaufwendungen gerechtfertigt; eine Einstellung in die Beitragskalkulation, z. B. auf Basis von Wiederbeschaffungswerten jedoch nicht.

    Unabhängig davon ist eine Beitragserhebung im betroffenen Bereich möglich, wenn die Entwässerungskonzeption einen Neubau der Kanalisation vorsieht, da die „Bürgermeisterkanäle“ i.d.R. nicht für die Ableitung von Rohabwasser geeignet sind. Zu beachten sind jedoch prinzipiell immer die landesspezifischen Gegebenheiten der jeweiligen Wassergesetze.

    In Sachsen-Anhalt gab es beispielsweise ein Urteil, dass unter Bezug auf eine Passage des Wassergesetzes die Bürgermeisterkanäle einer Ortslage als Gewässer (!) deklarierte – mit dem Erfolg, dass die Kläger tatsächlich keine Gebühr für Abwassereinleitungen zahlen mussten.

    Allerdings bedeutete dies im Umkehrschluss, dass dann ja seitens der Anlieger eine illegale Gewässernutzung vorlag, der nur durch die Schließung der Überläufe der Kleinkläranlagen (Umrüstung zur reinen Ausfahrgrube) oder durch einen sofortigen Umbau zur Vollbiologie zu begegnen war. D. h. das Urteil (vermeintlich) zu Gunsten der klagenden Gebührenzahler, hatte eine drastische finanzielle Belastung derselben zur Folge.

    Uwe Eichhorn,
    Werdau 12.11.2001




    Kommunale Risiken der Abwasserentsorgung im ländlichen Raum

    Manuskript für die Fachzeitschrift „Wasser-Abwasser-Praxis“ (erschienen im Oktober 1997)

    Kommunale Risiken der Abwasserentsorgung im ländlichen Raum

    Dipl.-Ing. (FH); Dipl. Ök. Uwe Halbach, Institut für Wasserwirtschaft Halbach – Werdau (Sachsen)

    Download des Beitrages mit Diagrammen und Tabellen

    Inhalt:

    • Abwasserableitung
    • Abwasserzweckverband – ein Risikofaktor?
    • Beratung und Planung
    • Das Risiko an sich
    • Ein Abwasserteich oder 250 Hauskläranlagen?
    • Fördermittelproblematik
    • Geringe Besiedlungsdichte
    • Minimierung der Nachteile
    • Preiswerte Lösungen im ländlichen Raum
    • Privatisierung mit Tücken
    • Regenwasserableitung
    • Riskante Kostenvergleiche
    • Riskante Refinanzierung
    • unbelüfteter Abwasserteich
    • Literatur

    Zusammenfassung

    Risikominimierung bedeutet, die ländliche Abwasserentsorgung als komplexen, dynamischen aber auch riskanten Refinanzierungsprozess zu verstehen. Dieser mehrjährige Prozess ist von inneren und äußeren Faktoren in unterschiedlichem Maße beeinflussbar. Der Refinanzierungsumfang wird in der Regel auch von Dritten beeinflusst und ist technisch oder „wirtschaftlich“ nicht immer nachzuvollziehen oder gar vernünftig. Unbedingt zu beachten ist, dass erst dann kostenerhebliche Entscheidungen gefällt werden dürfen, wenn nicht nur die ungünstigen Ereignisse hinreichend bekannt sind, sondern wenn den unerwünschten Konsequenzen entsprechend begegnet werden kann.

    Auf Grund der geringen Siedlungsdichte wirken sich unzweckmäßige Entscheidungen viel gravierender aus als in der Stadt. Reine abwassertechnische Probleme sind im ländlichen Raum eher sekundär.

    Bei der Suche nach Lösungen für die Abwasserentsorgung im ländlichen Raum kann auf einen beachtenswerten Literaturfundus zurückgegriffen werden. Am technischen Know-how liegt es in der Regel nicht, wenn die ländliche Abwasserentsorgung gegenüber der städtischen viel häufiger in die Schlagzeilen gerät, z.B.: „Niedersachsen – Landvolk geplündert“ [FOCUS 38/1993] oder „Dorfchefs ziehen die Notbremse: Sieben wollen raus aus dem Verband“ [Volksstimme Sachsen-Anhalt, 15.08.1995] oder „Wasserverband von allen Seiten unter Beschuss – Von kommunaler Solidarität ist im AZV Lugau-Glauchau nichts mehr zu spüren“ [Freie Presse Sachsen, 08.07.1997]….

    Auffallend ist, dass überwiegend der ländliche Bereich betroffen ist und hier besonders Siedlungen, die ihre Kanalisation sowie die Kläranlage neu und komplex errichteten. Dabei drängt sich die Frage auf, warum es uns bei einem derartig hohen Stand der Abwassertechnik und sonstigen Potentialen nicht gelingt, die Abwasserentsorgung eines „simplen Dorfes“ in den Griff zu bekommen? Im Laufe des Artikels wird analysiert, dass die Ursachen weniger im technischen Bereich liegen, sondern in riskanten oder gar falschen Investitions-Refinanzierungskonzepten und eben solchen Investitionsentscheidungen zu suchen sind. Ein weiterer Grund wird wohl auch darin bestehen, dass Bestrebungen zur Umsatzsteigerung der Umweltindustrie und -dienstleistung mehr Kondition beweisen, als Bemühungen der Kommunen zur Konzentration des Aufwandes auf das unbedingt Notwendige. Dieser Beitrag will sich aber mehr den unmittelbar beeinflussbaren Aspekten zuwenden, ausgewählte Risikofaktoren analysieren und Wege zu deren Minimierung aufzeigen. Dabei wird dargelegt, dass der ländliche Raum durchaus noch beträchtliche Potentiale für die Gestaltung einer günstigen Lösung erschließen kann.

    Das Problem – von Ausnahmen abgesehen – besteht darin, dass die Refinanzierung der Investitionen sich viel umfangreicher und komplizierter herausstellte, als gemeinhin angenommen wurde, wobei man auf mögliche unerwünschte Ereignisse in keiner Weise vorbereitet war oder deren Eintreten ins Kalkül zog. Das gilt grundsätzlich für kommunale oder verbindliche Investitionen und in gleichem Maße für die Vergabe von Dienstleistungen oder die Verursachung von Betriebskosten. Der Unterschied zwischen großen Entsorgungsstrukturen zum ländlichen Raum besteht einzig und allein darin, dass eine ungeschickte Investition hier eher auffällt und ans Tageslicht gelangt, als beispielsweise in einer größeren Stadt, in der eine Fehlinvestition von z. B. 10 Mio. DM nur eine Gebührenerhöhung im Pfennigbereich nach sich ziehen wird. Tatsache ist, dass die Städter in der Summe gesehen viel mehr an unnötigen Kosten für die Abwasserentsorgung bezahlen als der ländliche Raum. Das vermeintlich bessere Management in einem großen Verband erscheint eher als Zweckbehauptung und Ausnahme, wenn die Kosteneffizienz einmal genau unter die Lupe genommen wird.

    Das Risiko an sich

    Wie ist nun das Investitionsrisiko zu fassen? Einmal kann sich das Risiko darin zeigen, dass der Gebrauchswert nur teilweise oder gar nicht gewährleistet wird. Zweitens können bei gegebenem Gebrauchswert die geplanten Kosten überschritten werden. Drittens können die geplanten Refinanzierungsmöglichkeiten nicht in vollem Umfang eintreten. Und viertens sind Kombinationen und gegenseitige Beeinflussungen aus den 3 genannten Fällen vorstellbar und zu beobachten.

    Die Kommune gibt also einmalig Geld aus, verursacht laufende Kosten und hofft, diese Aufwendungen über den Bürger refinanzieren zu können. Vergleiche zum Roulettspiel sind nicht ganz abwegig. Der eigentliche Akt ist ein Investitionsprozess, wobei es hinsichtlich der Auswirkungen und des Risikos fast unbedeutend ist, ob eine Kommune eine Straße ausbaut, eine Brücke oder einen Kanal errichtet. In dem Moment, in dem sie investiert, läuft sie Gefahr, dass Refinanzierungsschwierigkeiten auftreten können oder andere Risiken (falsche Grundlagen, technische Mängel, ungenügende Auslastung…) Gestalt annehmen. Ein Wesensmerkmal jeder Investition besteht in dem selten beachteten Grundrisiko. Denn – gäbe es Investitionen mit Null-Risiko, könnte jeder Millionär werden.

    Das Risiko hat eine bemerkenswerte Eigenschaft. Die Einzelrisiken von Ereignissen multiplizieren sich zum Gesamtrisiko, man spricht deshalb auch von Risikofaktoren. Das ist sicher ein Grund, warum eine Refinanzierung so selten planmäßig und komplikationslos verläuft. Im Zusammenhang damit mag stehen, dass Investitionsentscheidungen menschliche Entscheidungen sind. Und menschliche Entscheidungen sind nicht immer berechenbar. Es ist also ratsam für die Kommunen, auch der Untersuchung des Risikos künftig mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das ist unbequem und aufwendig, aber notwendig, wenn das Risiko eines Millionenverlustes minimiert werden kann. Für den kommunalen Auftraggeber – insbesondere im ländlichen Raum – ist nicht die planerische vorgerechnete Wirtschaftlichkeitsuntersuchung wichtig. Wichtig ist zu allererst – wenn man die Erfahrungen an der Abwasserentsorgung gescheiterter Verbände und Kommunen analysiert -, dass die kommunalen Entscheidungsträger rechtzeitig wissen, was passiert, wenn durchaus mögliche, aber unerwünschte Ereignisse Realität werden. Die Risiken lassen sich u.a. durch Risikoanalysen mit Fallunterscheidungen graphischer, nicht monetärer Bewertungsverfahren veranschaulichen und ggf. auch kalkulieren. Im folgenden werden ausgewählte Risikofaktoren erörtert.

    Geringe Besiedlungsdichte

    Hier sind 2 Aspekte besonders bedeutungsvoll. Erstens steigen spezifischen Abwasserkosten progressiv mit der Reduzierung der Siedlungsdichte. Eine Abwassergebühr, gerechnet ohne Fördermittel und Beiträge zwischen 17 und 23 DM/m³ ist bei einer Siedlungsgröße von 1000 Einwohnern daher ganz seriös und durchaus reell.

    Eine erste Abschätzung der Kosten, die zu refinanzieren sind, ist mit der Tabelle möglich. Zum Verständnis: Eine Gemeinde soll über 1000 Einwohner verfügen. Recht preiswert geplant ist eine Schmutzwasserkanalisation (Trennsystem) mit einem Abwasserteich für insgesamt 6 Mio. DM. Die Abwasserkosten, gerechnet ohne Förderung und Beiträge werden nach Diagramm [4] in einer Höhe von 12 DM/m³ abgelesen. Kleinere Siedlungen können aber schnell 20 … 30 DM/m³ Abwasserkosten (nicht Gebühren!) verursachen, wenn auch noch die Betriebskosten berücksichtigt werden, ohne dass die Planung unseriös sein muss.

    Zweitens wirken sich unzweckmäßige und uneffiziente Investitions- und natürlich auch Betriebskostenentscheidungen viel gravierender aus als in der Stadt. Damit sind ländliche Gemeinden gezwungen, ihre Abwasserentsorgung ganz besonders preiswert zu gestalten.

    Ein weiterer risikoverschärfender Aspekt bei der kommunalen Abwasserinvestition im ländlichen Bereich besteht darin, dass aufgrund der komplizierten Refinanzierungsmodalitäten (gemäß Kommunalabgabengesetz) ein schrittweiser Ausbau der Abwasserinfrastruktur hier oft nicht möglich ist, weil bei einem schrittweisen Ausbau meist zunächst verhältnismäßig viele nicht nutzbare Investitionen entstehen. Die bereits nutzbaren Investitionen können daher nur von einem Bruchteil der Bürger refinanziert werden, die auch einen Vorteil davon haben. Aus diesen Gründen müssen ländliche Gemeinden im Sparen und Rechnen besonders gut sein und sind gezwungen, ihre Abwasserentsorgungslösungen in einem Zuge zu realisieren, um schnell einen hohen Anschlussgrad zu gewährleisten. Dabei darf aber der Gebrauchswert nicht leiden, denn der Ärger über die schlechte Qualität hält länger als die Freude über den niedrigen Preis.

    Neben der Analyse und Beachtung der Risikofaktoren gibt es einen weiteren Weg, das Risiko zu minimieren; indem der Refinanzierungsbedarf und damit ein möglicherweise eintretender Verlust reduziert wird. Zu beachten ist weiterhin, dass bei extremer Sparsamkeit das Risiko steigt, alles zu verlieren, wenn das gewünschte Werk die Gebrauchswerteigenschaften nicht erzielt.

    Riskante Refinanzierung

    Eine weitere, aber mittelbare Ursache gescheiterter kommunaler Abwasserentsorgung ist die Anwendung des Solidarprinzips bei der Gebührenkalkulation. Nach diesem Refinanzierungsmodus gibt es im Abwasserzweckverband nur eine einheitliche Abwassergebühr. Das Spezifische im Verband ist aber, dass die Aufwendungen für die Abwasserentsorgung der einzelnen Gemeinden um den Faktor 10 unterschiedlich sein können. Der Vorteil für den ländlichen Bereich liegt dann darin, dass z.B. von 20 DM/m³ Abwasserkosten die Städter 15 DM/m³ im ländlichen Bereich mit bezahlen. Der Nachteil besteht darin, dass der Städter irgendwann damit nicht mehr einverstanden ist, wenn er ohne den ländlichen Bereich deutlich niedrigere Abwasserkosten hätte. Da der Gebührenbogen inzwischen auch von anderen Ver- und Entsorgungsträgern immer mehr überspannt wird, ist der Städter zunehmend nicht mehr damit einverstanden, die hohen Abwasserkosten im ländlichen Raum mit zutragen. Man erkennt es daran, dass sich in steigendem Maße die Städte aus den Solidarverbänden verabschieden. Festzustellen ist, dass eine Solidargebühr dann ein geringes Refinanzierungsrisiko beinhaltet, wenn die Mehrzahlungen durch die Städter sich im Rahmen halten. Zum Scheitern verurteilt ist meist ein Verband, der ausschließlich aus ländlichen Gemeinden besteht, es sei denn, man drückt ihm so viele Fördermittel auf die Augen, dass alle Entscheidungsträger für genügend lange Zeit blind sind.

    Ein rein ländlicher Verband kann seine hohen spezifischen Kosten nicht auf Städter abwälzen, denn 20 arme Gemeinden machen noch lange keinen reichen Verband. Für einen rein ländlichen Verband besteht – genau wie für eine einzelne ländliche Gemeinde – immer die Schwierigkeit, dass sofort refinanzierungsfähige (nutzungsfähige) Investitionsabschnitte geschaffen werden müssen. Stellen wir uns ein Beispiel vor: Ein ländlicher Abwasserzweckverband mit 20 Gemeinden benötigt Ortsnetze und Kläranlagen.

    Fall 1: Man baut eine zentrale Kläranlage: Bis alle Ortskanäle, Verbindungssammler gewährleisten, dass alles Abwasser des Verbandes an der zentralen Kläranlage ankommt, dürften 20 Jahre vergehen. In den ersten 3 Jahren hat man vielleicht schon 15 Millionen investiert.

    Wer soll diese Summe nun refinanzieren? Natürlich die Bürger des Verbandes, die den Vorteil des Anschlusses an die Abwasserentsorgung schon genießen! Oder in Form einer Mitfinanzierung über Umlagen der Gemeinden, die erst im 19. Jahr ihre Abwässer zur zentralen Kläranlage leiten können? Man erkennt die Unzweckmäßigkeit dieses Konzeptes. Es wird aus Refinanzierungsgründen scheitern.

    Fall 2: Jede Gemeinde erhält eine eigene Ortskläranlage. Diese Konzept hat den Vorteil, dass im Fall eines Verbandskollapses vollendete nutzungsfähige refinanzierbare Investitionen wenigstens in einigen Gemeinde bestehen.

    Das große Refinanzierungsrisiko beim Solidarprinzip besteht darin, wenn sich alle Beteiligten tatsächlich solidarisch und „sozialistisch“ verhalten. Jeder denkt dann: Meine Kosten werden die anderen schon mit tragen. Der erforderliche persönliche Einsatz und die Verantwortlichkeit zur Kostenreduktion und -beeinflussung ist in einem großen Solidarverband deshalb deutlich geringer und weniger erfolgreich als in einer kleinen Gemeinde.

    Auf das Risiko und die Problematik der Refinanzierung haben u.a. folgende Aspekte Einfluss:

    • Bereits vorhandene und geplante Verschuldung der Bürger
    • Alter von bestehenden Anlagen (Restbuchwerte)
    • Erforderlicher neuer Investitionsbedarf
    • Ansteigen der Betriebskosten infolge der Investitionen
    • Bereitschaft der Bürger für das Finanzieren weiterer Kostenbelastungen
    • Wahrscheinlichkeit des planmäßigen Fördermittelflusses
    • Finanzkraft des Gewerbes
    • Belegung der Gewerbegebiete
    • Koordinierung der Investitionen im Kanalbau und zur Abwasserbehandlung

    Grundsätzlich geht es darum, die Abwasserentsorgung nicht als technisches Problem zu verstehen – denn es gibt im ländlichen Raum keine nennenswerten technischen Unklarheiten, sondern die Abwasserentsorgung ist als komplexe Investition zu begreifen, die mit den zulässigen Mitteln des jeweiligen Kommunalabgabengesetzes sicher und dynamisch über viele Jahre refinanziert werden muss.

    Eigentlich bedarf es keiner besonderen Erwähnung darauf hinzuweisen, dass Investitions- und Betriebskostenentscheidungen erst dann zu fällen sind, wenn der Refinanzierungsplan für die nächsten 10 Jahre klar ist!

    Ungünstige Erfahrungen mit der Solidargebühr haben eine Reihe Verbände mit großem Investitionsbedarf machen müssen, weil es nicht gelingen kann, alle Investitionsvorstellungen der Verbandsmitglieder gleichzeitig zu befriedigen. Damit ist Streit praktisch vorprogrammiert.

    In den neuen Bundesländern war das überwiegende Solidarprinzip ein wesentlicher Faktor für viele unbedachte Entscheidungen mit weitreichenden finanziellen Konsequenzen.

    Er war eben der bequemste Anfang, denn eine Stufengebühr verlangsamt den Investitionsprozess schon dahingehend, dass beispielsweise bei Wirtschaftlichkeitsdiskussionen im Rahmen der ländlichen Abwasserentsorgung immer wieder das Argument zu hören ist: „Wenn wir unsere Abwasserentsorgung selbst bezahlen sollen, dann können wir es auch sein lassen!“ Heute wünscht man sich, jemand hätte den Mut vor jedem Investvorhaben gefunden, die tatsächlichen vom Land verursachten Kosten – bis hin zur Gebührenwirksamkeit – durchzurechnen und dem Bürger mitzuteilen. Insofern ist gerade im Vorfeld – also in der Vorbereitungsphase einer Investition – eine Kalkulation nach dem Stufenprinzip dem Kostenverständnis der Entscheidungsträger eher dienlich, als das bequeme – die Kostenursachen verschleiernde – Solidarprinzip. Werden alle Investitionen derart vorbereitet, dann gibt es auch bei der späteren richtigen Gebührenkalkulation nach dem Solidarprinzip kein böses Erwachen. Es gilt nun zu entscheiden, ob das Investvorhaben mit der ermittelten „fiktiven Gebührenbelastung“ als Stufengebühr tatsächlich realisiert werden kann. Welche Fördermittel müssten fließen, wie hoch wären die Beitragssätze, welche Auswirkungen hätte das alles auf die Entwicklung der Solidargebühr im Verbandsgebiet und vor allem ist die zusätzliche vom Städter nicht verursachte Kostenbelastung diesem noch zuzumuten? Sind politische Spannungen innerhalb das Verbandes wahrscheinlich, die zu einem Umdenken der städtischen Abgeordneten und zur Besinnung auf die eigene Wählerschaft führen könnten?

    Fördermittelproblematik

    Mit Fördermitteln wird dem Verband nicht immer geholfen. Sie können auch schaden, wenn sie als „Rauschmittel“ wirken und das klare Denken beeinträchtigen. Mit ihnen ist die Effektivität oder Zweckmäßigkeit einer Zweckverbandes oder Zweckmäßigkeit einer abwassertechnischen Lösung manipulierbar geworden. Gäbe es keine Fördermittel, wären die Zweckmäßigkeit und Effektivität kommunaler Entscheidungen schneller zu ermitteln. Jeder wäre automatisch gezwungen, nur so große Brötchen zu backen, die er tatsächlich bezahlen und verzehren kann. Damit reduziert sich das Investitionsrisiko von selbst um ein Vielfaches. Fördermittel verleiten zu riskanten übereilten Entscheidungen, wobei oft übersehen wird, dass trotz Förderung die Kosten nach der Investition meist deutlich höher sind als vorher. In den letzten beiden Jahren hat sich der positive Trend der fördermittelbereitstellenden Behörden deutlich verstärkt, dieser Tendenz über entsprechende Regulative entgegenzuwirken (Kostenkataloge, neue Förderrichtlinien, Kontrollmechanismen).

    Privatisierung mit Tücken

    Die Privatisierung der Abwasserbehandlung ist grundsätzlich eine interessante Sache. Sie kommt interessanterweise besonders dann ins Gespräch, wenn durch Investitionen Tatsachen geschaffen wurden, die nun vom Haushalt nicht mehr finanzierbar scheinen oder wenn noch wenig verschuldete Gemeinden Angst vor den künftigen Investitionen haben und glauben, durch Privatisierung das Problem lösen zu können. Und der Staat glaubt, durch Privatisierung den Haushalt entlasten zu können. Das ist prinzipiell auch zu erwarten. Jedoch ist das Risiko, dass der Bürger letzten Endes langfristig dennoch mehr Kosten zu tragen hat, kaum kalkulierbar. Eigentlich wird nur das Problem und die Verantwortlichkeit transferiert. Dabei steigt allgemein die Gefahr mit der Komplexität und Unübersichtlichkeit der geplanten Privatisierungsaufgaben. Komplexe Privatisierungen im ländlichen Raum sind wenig lukrativ für den künftigen Betreiber. Deshalb wird auch hier versucht, möglichst viele Gebührenpflichtige zu konzentrieren. Für Entscheidungen darüber gilt sinngemäß die Risikoanalyse in diesem Beitrag. Wenn die unerwünschten – aber möglichen -Nachteile der Privatisierung ins Kalkül gezogen werden und man immer noch der Auffassung ist, den richtigen Weg zu gehen, sollte man privatisieren. Der Autor neigt aber eher zu einer partiellen Privatisierung, bei der eine Monopolisierung und zu große Abhängigkeit vermieden wird. Gebühren- und beitragserhebliche Kostenentscheidungen sollten von der Kommune steuer- und beeinflussbar bleiben, wenn eine Kostensenkung insgesamt für Staat und Bürger gewährleistet werden soll. Schließlich haben fast alle Kommunen und Verbände noch erhebliche Effektivitätsreserven bei der Organisation ihrer Aufgaben und bei der Konzentration auf das Wesentliche, die es erst einmal zu erschließen gilt, bevor man sich vom Regen in die Traufe stellt.

    Abwasserzweckverband ein Risikofaktor?

    Es mag in Erstaunen versetzen, aber der Abwasserzweckverband ist noch viel zu oft ein Risikofaktor für eine unsichere Kostenentwicklung. Hinsichtlich der Mechanismen, ähnelt er manchmal mehr einem sozialistischen Kombinat als einem marktwirtschaftlichen Unternehmen. Man beobachtet oft eine demokratische kollektive Entscheidungsweise, gepaart mit einer unscharfen, wenig ausgeprägten scheinbaren Verantwortlichkeit der Entscheidungsträger. Der Trend zur Solidargebühr verwischt die Kostenverantwortlichkeit und -transparenz. Und eine meist umfangreiche Förderung trägt mitunter dazu bei, die Zweckmäßigkeit auszuhebeln und politisch zu manipulieren. Bekannt ist, dass ein Abwasserzweckverband nicht wirtschaftlich sein kann, muss und darf. Er muss nur kostendeckend arbeiten und sollte zweckmäßig sein. Insofern ist es ein Glücksfall oder besser der Verdienst einiger Enthusiasten im Verband und den Behörden, wenn die Bürger nur zweckmäßige Kosten tragen und nicht noch unnötige Aufwendungen refinanzieren müssen. In den neuen Bundesländern sind die betreffenden Ministerien gerade dabei, über Kostenplausibilitätsprüfungen viele Verbände abzuchecken.

    Manche riskante Kommunalentscheidungen werden aber auch durch die behördliche Prüfungsgepflogenheit geradezu gefördert. Wieso? Ein häufiges Argument bei der Abwasserentsorgung gescheiterter Kommunalvertreter ist, dass die Investition schließlich umweltbehördlich geprüft wurde. Insofern glaubt der betroffene Abwasserzweckverband oder die Kommune, sich zurücklehnen zu dürfen. Schließlich habe doch die Behörde die Fehler auch nicht gefunden. Die Prüfung eines Investitionskonzeptes auf Mängelfreiheit und Risikominimierung ist jedoch so umfangreich, so komplex und so interdisziplinär, dass eine einzige Behörde fachlich und zeitlich oft überfordert scheint. Hier besteht eher Handlungsbedarf für den Verband oder die Kommune sich ein Gutachterteam zu suchen. Insgesamt stellt sich die Frage, ob es politisch und behördlich zweckmäßig ist, allzu intensiv die Kommunen und Verbände zu kontrollieren und manchmal auch zu gängeln. Hin und wieder besteht der Trend zur Heilung der Verbände „von oben“, indem schnell neue Verbandsstrukturen geschaffen werden. Der Nachteil: In dem Maße, in dem die Behörden oder Regierungspräsidien als „Gottheit“ die Verbandswelt neu erschaffen, tragen sie später wieder Verantwortung, Mitschuld oder sogar Hauptschuld, wenn das Vorhaben schief geht. Muss es nicht auf diese Weise wieder schief gehen? Der Autor ist der Ansicht, dass keine Behörde der Welt in der Lage ist, das Risiko der kommunalen Abwasserentsorgung hinreichend zu minimieren, denn dazu ist die Aufgabe viel zu unübersichtlich. Es ist wie zu Hause: Eine Mutter, die täglich das Kinderzimmer aufräumt, wird ihre Kinder nicht zur Ordnung erziehen können. Es kommt also für die Gemeinden darauf an, nicht nur die angenehmen Seiten der kommunalen Selbstverwaltung zu genießen, sondern notfalls auch das bittere Ende durchzustehen und nicht, wenn riskante Entscheidungen schief gegangen sind, dem Ministerium, einer Behörde oder noch anderen die Schuld zu geben.

    In den neuen Bundesländern sind insbesondere Angst vor nicht mehr beeinflussbaren Kostenentwicklungen die Ursache des Austrittsbegehren vieler Gemeinden aus Zweckverbänden, da anscheinend nur sehr wenige den vermeintlichen Anforderungen einer zweckmäßigen Abwasserentsorgung tatsächlich gerecht werden. Tatsache ist, gerade die Abwasserzweckverbände vermochten es nicht, in den kritischen Situationen Sanierungsfälle zu vermeiden. Allein die Mitgliedschaft im Abwasserzweckverband ist noch keine Lösung – es sei denn, sein Management und seine Philosophie überzeugen! In den meisten Fällen fließt das Abwasser – zumindest in den ländlichen Gemeinden – von allein in den Abwasserteich, in dem mit Hilfe von Sonnenenergie das Abwasser (ohne ständige Anwesenheit des Klärwärters und einer Behörde) hinreichend und sehr zuverlässig gereinigt wird.

    Wenn „das Kind aber in den Brunnen gefallen ist“ und der Verband ihn als Sanierungsfall wieder verlässt, dann scheitern Berater, Gutachter und Behörden häufig an der Aufgabe der Schadensbegrenzung, weil die risikominimierte Abwasserentsorgung eine interdisziplinäre – abwassertechnische und kommunalwirtschaftliche – Optimierungsaufgabe ist und nur im Team konstruktiv gelöst werden kann.

    Ist eine Kommune oder ein Verband bereits ein Sanierungsfall, dann wird zu beobachten sein, dass sie aus 2 Gründen nicht in der Lage ist, sich selbst zu sanieren. Erstens ist man rein menschlich selten zur Fehlerkorrektur bereit, weil dies ja ein Eingestehen der Fehler – mit allen bekannten Konsequenzen – voraussetzt. Zweitens fehlt das erforderliche Geld, um sich selbst aus dem Schlammassel zu ziehen.

    Beratung und Planung

    Einerseits gibt es Planer, die mit viel Akribie, Sachkunde und Kostenbewusstsein ihre Kanalplanungen so gestalten, als wollten sie in dem Ort wohnen, für den sie gerade einen Kanal planen. Wenigstens genauso häufig sind aber auch einfältige Planungen zu beobachten. Dem Bürgermeister wird dabei eine Variante nach dem Prinzip „Friss oder Stirb“ vorgelegt. Bei der Begutachtung und Ortsbegehung fällt dann meist auf, dass es für den ländlichen Raum und diesen konkreten Fall geeignetere Lösungen gibt, die außerdem deutlich weniger kosten. Ein Planer, der ein wertvolles Werk abgeben will, wird seinem Bauherrn zunächst mehrere Varianten vorlegen, Risiken, Vor- und Nachteile aufzeigen sowie ggf. die Gebührensensibilität und Gebührenprognosen der einzelnen Varianten ermitteln lassen (erforderliche zusätzliche Leistungen für eine risikominimierte Investitionsentscheidung).

    Bei einer einfältigen (1 Variante) Abwasserzielplanung, die in einem Zuge ohne Zwischenberichte und Zwischenverteidigung vor Bauherrn und Behörde bereits als Entwurfsplanung abgegeben wird, fällt es schwer, an ein seriöses Vorgehen zu glauben. Bei solcher Vorgehensweise ist dem Planer nicht ungerechtfertigt vorhaltbar, er habe die aufwendigste Variante aufgezeigt, weil er damit auch das größte Honorar erhält. Eigentlich kein Thema, denn gute Planungsbüros verhalten sich automatisch nicht Bauherrenschädlich.

    Andererseits sind dem Autor manche Fälle bekannt, in denen kommunale Entscheidungsträger und Behörden aus politischen Gründen guten planerischen Empfehlungen nicht folgten und unnötig aufwendigere Lösungen realisierten.

    Eine wesentliche Aufgabe des Planers sollte es sein, das Planungsrisiko zu minimieren, u.a. durch:

    • Untersuchungen kostenerheblicher Varianten
    • Untersuchung der Varianten nach gleichen Anforderungen
    • Ermöglichung eines fairen Entscheidungsprozesses
    • hinreichender Umfang der Planungsvorbereitung
    • ggf. Vorschlagen von Maßnahmen zur Grundlagenabsicherung (Gutachten über Abwasserlast- und mengenprognosen – ein bedeutender Schwerpunkt!)
    • Aufzeigen unerwünschter Szenarien
    • Delegieren von speziellen Aufgaben an Sachverständige, sofern selbst entsprechende Kenntnisse fehlen.

    Viele beachtenswerte Hinweise zur Risikominimierung durch Beschränkung auf das Wesentliche sind in der einschlägigen Fachliteratur finden. (Siehe hier insbesondere das ATV-Merkblatt M 200 [13].)

    Riskante Kostenvergleiche

    Eine meist umweltbehördlich geforderte planerische Aufgabe ist die Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen. Das Risiko wird größer, wenn sich nur auf diese Ergebnisse verlassen wird.

    Aussagen von Kostenvergleichsrechnungen zum Nachweis von Kostenvorteilen sind für die Praxis viel zu theoretisch, um als kommunale oder behördliche Entscheidungsbasis zu dienen. Den Bürgermeister interessiert kaum, wie sich der Kostenbarwert von Variante A oder B entwickelt. Er will ziemlich konkret wissen, welche Kosten mittelfristig (Gebühren und Beiträge) auf die Bürger zu kommen. Eine Kostenvergleichsrechnung sichert die Kommune auch nicht dagegen ab, dass die in der Kostenvergleichsrechnung ermittelte optimale Variante tatsächlich refinanziert werden kann, ohne dass als Nebenprodukt die Absetzung des Bürgermeisters oder Geschäftsführers auf der Tagesordnung steht. Grundsätzlich wäre zu prüfen, ob Kostenvergleichsrechnungen überhaupt konkrete Antworten geben können. Der Autor ist der Auffassung, dass Kostenvergleichsrechnungen – z.B. zur Ermittlung der Vorteilhaftigkeit einer zentralen oder dezentralen Abwasserentsorgungslösung – nicht aussagefähig sind, weil beide Varianten über einen unterschiedlichen Nutzen und unterschiedliche Finanzierungsrisiken verfügen (vergleiche hierzu [3, Seite 11]). Es kommt also darauf an, vor dem entscheidenden Schritt einer Bestellung – sei es eine laufende Dienstleistung oder eine einmalige Investition – das Gesamtrisiko hinreichend genau zu kennen.

    Preiswerte Lösungen im ländlichen Raum

    Der Aufwand der Abwasserentsorgung im ländlichen Raum ist von unterschiedlichen Situationen und Bedingungen mehr oder weniger abhängig:

    1. Siedlungsdichte
    2. Vorhandensein eines Kanalnetzes (weil damit der Investaufwand deutlich geringer ausfällt)
    3. vorhandenen Hauskläranlagen
    4. Versickerungsflächen
    5. Leitungsfähigkeit der Fluss- oder Bachläufe
    6. Verschärfung von Überwachungswerten (z. B. für den Trinkwasser- oder Seenschutz)

    Abwasserableitung

    Die Realisierung des Mischsystems im ländlichen Raum, sofern es nicht historisch gewachsen ist, wird sehr teuer.
    Die günstigste Entwässerungslösung im ländlichen Raum besteht in der geschickten Ausnutzung der Topographie, der vorhandenen Vorfluter und der Prüfung mehrere technischer Entwässerungslösungen. Das Diagramm erlaubt einen Überblick der Wirtschaftlichkeitsgrenze der Druck- und der Vakuumentwässerung. Die ausschließliche Nutzung nur eines Entwässerungssystems, z.B. der Druck oder der Vakuumentwässerung ist meist weniger wirtschaftlich. Ein paar Meter Freispiegelkanal sind oft möglich, um den technischen Aufwand etwas zu begrenzen. Interessant sind also Lösungen, die je nach den Örtlichkeiten das geeignete Verfahren vielfältig berücksichtigen.

    Regenwasserableitung

    Der recht häufige „Kanalmercedes“ im ländlichen Raum ist ein Kanalnetz für Regen- oder Mischwasser parallel neben dem Dorfbach, wobei dann in der 2000 Einwohner zählenden Siedlung z.B. 4 Regenüberlaufbecken geplant werden können. Es lohnt nicht, darüber zu schreiben.

    Da die Schmutzwasserableitung im ländlichen Raum auch ohne kräftige Fördermittelunterstützung kaum zu bezahlen ist, sollte die Sammlung und Ableitung von Regenwasser nur punktiert auf die Ausnahmen beschränkt bleiben, in denen erhebliche Schäden bei Regenereignissen zu erwarten sind. Das ist eine „uralte“ Erkenntnis.

    Für den Planer empfiehlt sich die Örtlichkeiten genau zu studieren und die Anwohner zu befragen, welchen Weg das Regenwasser meistens nimmt. Oft haben unsere Väter auch schon gute Lösungen realisiert, die es verdienen, repariert bzw. erneuert und weiter genutzt zu werden.

    Übrigens – man kann Regenwasser auch oberirdisch ableiten.

    Der unbelüftete Abwasserteich

    Wenn es darum geht ein bezahlbares Behandlungsverfahren auszuwählen, dass außerdem niedrigsten Betriebskosten aufweist und in seiner Pufferwirkung alle anderen Verfahren übertrifft, dann gibt es nur eine befriedigende Lösung – das älteste Abwasserbehandlungsverfahren – den unbelüfteten Abwasserteich. In der DDR wurden bedeutende Forschungskapazitäten in die Teichforschung gesteckt und so ist die TGL [12-14] eine immer noch interessante Hilfe für die Planung derartiger Anlagen. Auf diese speziellen Forschungsergebnisse wurde auch SCHÜRIG [15] aufmerksam, als er in der Zeitschrift Wasser und Boden bereits im Jahr 1972 über langjährige Erfahrungen mit unbelüfteten Teichen im norddeutschen Raum berichtet. Er schrieb: „Teiche einfachster Form ,möglichst in Erdbauweise sind nicht nur kostensparend in der Anlage, sondern darüber hinaus geeignet, alle in Betrieb und Wartung nachteiligen Eigenschaften herkömmlicher Kläranlagen auszuschalten.“ Das ist auch heute noch richtig. „Im günstigsten Fall beschränken sich die Wartungsarbeiten auf ein jährlich einmaliges Mähen und eine gelegentliche Kontrolle der Ablaufsituation.“ [13]. Die Investitionskosten dafür können überschläglich nach [4] kalkuliert werden. Neubauten von Teichkläranlagen sind selten. Die Ursachen dafür liegen wohl überwiegend in der zu geringen Gewinnmasse, die sich Planern, Bau- oder Ausrüstungs- oder Betreiberunternehmen bieten.

    Allerdings ist der Flächenbedarf für unbelüftete Abwasserteiche ist mit ca. 10..15 m²/E recht erheblich. Steht diese Fläche nicht zur Verfügung, dann wäre als nächste interessante Variante im ländlichen Raum die Eignung eines belüfteten Abwasserteiches ( ca. 2…3 m²/E) oder der Einsatz eines ebenso günstigen linienbelüfteten Simultanteiches mit beinahe ähnlichen Vorteilen prüfenswert. Grundsätzlich verhalten sich die Investitionskosten indirekt proportional zu dem Flächenbedarf von Anlagen.

    Kleine technische Anlagen sollten einen besonders geringen Bedienungsaufwand haben. Dabei ist die Beachtung nachstehender Anforderungen wichtig:

    • niedrigster Kompliziertheitsgrad
    • geringster Zeitaufwand für die Bedienung und Überwachung
    • niedrige Ausbildungsanforderungen für die Bedienung
    • geringster Wartungsaufwand
    • Vermeidung des regelmäßigen Einsatzes von Spezialisten (z.B. für die Änderung des technologischen Regimes)

    Ein Abwasserteich oder 250 Hauskläranlagen?

    Grundsätzlich kann die Antwort nur im Ergebnis einer Einzelfallanalyse gegeben werden. In der Tabelle – gerechnet ohne Beitragsfinanzierung und Fördermittel – werden zumindest die monetären Konsequenzen skizziert, wobei diese Kalkulation – wie alle Abschätzungen – auf zahlreichen Annahmen beruht. Die Variante 1 beschreibt eine aufwendige aber doch recht verbreitete Mischwasser-Entwässerungslösung mit einer Kompaktkläranlage. Bei der Variante 2 wurde nur ein Schmutzwassersammler mit einer belüfteten Abwasserteichanlage recht preiswert konzipiert. Die Variante 3 schließlich sieht bei gleichen Netzkosten eine unbelüftete Teichanlage vor. Die folgenden Varianten 4 bis 6 berücksichtigen, dass jedes Grundstück eine neue (aber unterschiedlich aufwendige) Hauskläranlage nach DIN 4261 erhält.

    Bei den aeroben biologischen Kläranlagen sind deutliche Betriebskostenunterschiede zu erkennen. Monetär am günstigsten für den Bürger ist die Variante 6 nach DIN 4261 Teil 1.

    Aus der Kostengegenüberstellung ist abzulesen, dass sich bei einer Beschränkung auf das unbedingt Erforderliche im Kanalbau und bei der Errichtung einer belüfteten Teichanlage die Variante 2 monetär nur unerheblich von der Variante 5 unterscheidet, bei der jedes Haus eine in Anschaffung und Betrieb kostengünstige Kleinkläranlage nach DIN 4261 Teil 2 bekommt. Über die Vorteilhaftigkeit einer zentralen Abwasserbehandlung im ländlichen Raum für das Gewässer kann man je nach Situation unterschiedlicher Auffassung sein. Aber gesetzt den Fall, es wird die zentrale Lösung favorisiert, so ist der Kostenvergleich nach Tabelle 1 nur dann korrekt, wenn alle Annahmen tatsächlich wie gewünscht eintreffen. Das Risiko von Abwasserinvestitionen ist auf Grund der geringen Anzahl der Gebühren- und Beitragszahler und der spezifisch um ein Vielfaches spezifisch höheren Investkosten gegenüber einer zentralen Abwasserentsorgung um ein Vielfaches größer. Die Varianten 4 und 5 sind eindeutig die Lösungen mit dem geringsten Refinanzierungsrisiko. Dazu bedarf es keiner näheren Untersuchungen – der Beweis ist augenscheinlich. Die für den Bürger vorteilhafteste Lösung mit dem geringsten Risiko und den geringsten Kosten ist die in einigen Bundesländern zulässige Variante 6.

    Die Minimierung der Nachteile

    Nicht jeder, der eine Fehlentscheidung traf, tat dies zu seinem Eigennutz oder aus grober Fahrlässigkeit heraus. Oftmals war einfach das Bestreben da, etwas Positives für seine Gemeinde oder für sein Land zu unternehmen. Künftigen Investitionsentscheidern ist zu raten, noch vorsichtiger zu sein und sich viel mehr auf die unliebsamen Ereignisse einzustellen. „Man muss das Beste hoffen und mit dem Ungünstigsten rechen!“ (Chinesisches Sprichwort). Eine ländliche Gemeinde oder die Verbandsräte, die sich diese Weisheit zu eigen machen, kann nichts erschüttern und sie sind auf alles vorbereitet. Die Betrachtung in diesem Artikel hat wohl gezeigt, dass neben Fachwissen auch eine Portion Glück erforderlich ist, um seine Bürger zufriedenzustellen. Eine reibungslose Investition, über die sich wirklich alle freuen, gibt es nicht, denn es gilt, die Lösung mit den geringsten Übeln zu finden. Damit ist klar, dass jede Entscheidung auch Nachteile hat.

    Werdau, den 20. August 1997

    Literatur

    [1]
    N.N.
    Lehr- und Handbuch der Abwassertechnik
    Band I: Wassergütewirtschaftliche Grundlagen, Bemessung und Planung von Abwasserableitungen Wilhelm Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften Berlin, 3. überarbeitete Auflage, 1982

    [2]
    Imhoff, K.
    Taschenbuch der Stadtentwässerung
    27. Auflage, R. Oldenburg Verlag München – Wien 1990

    [3]
    Länderarbeitsgemeinschaft Wasser
    Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen
    München 1990

    [4]
    Abwasserkosten 1996 für ostdeutsche Kommunen und Verbände
    Herausgeber: Institut für Abwasserwirtschaft Halbach
    Werdau 26.2.1996

    [5]
    TGL 7762
    Kleinkläranlagen
    Anwendung, Bemessung, Anlage und Betrieb
    Juli 1979

    [6]
    TGL 28 722/01
    Abwasserbehandlung
    Natürlich belüftete Abwasserteichanlagen
    Anwendung und Bemessung
    April 1976

    [7]
    TGL 28 722/02
    Abwasserbehandlung
    Natürlich belüftete Abwasserteichanlagen
    Bauliche Gestaltung
    April 1976

    [8]
    Oxydationsteiche
    Werkstandard 2.05.
    VEB Projektierung Wasserwirtschaft
    Oktober 1969

    [9]
    Schürig, G.
    Abwasserteiche in ländlichen Gemeinden
    Wasser und Boden
    Heft 10/1972 S. 318-321

    [10]
    Halbach, U.
    Nicht ausgelastete Kläranlage als Alibi für weitere Verschuldung?
    WWT 1/1997, S. 5

    [11]
    Halbach, U.
    Die „aufblasbare“ Kläranlage
    Korrespondenz Abwasser 1997 (44) Nr. 5 S. 877-882

    [12]
    Abwasserteiche für kommunales Abwasser
    Bericht der ATV-Arbeitsgruppe 2.6.3. „Abwasserteiche“
    Korrespondenz Abwasser 8/79 S. 403-415

    [13]
    Grundsätze für die Abwasserentsorgung in ländlich strukturierten Gebieten
    Merkblatt ATV – M 200
    Mai 1995, ATV-Regelwerk

    [14]
    Hauskläranlagen ’95
    Heft 24, Hannover 1995
    Schriftenreihe der Kommunalen Umweltaktion U.A.N.

    [15]
    Abwassersammlung und -transport im ländlich strukturierten Gebiet der Eifel
    Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
    Oktober 1995




    Ableitung oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser

    Zur Beachtung!

    Situation – Problem

    Das Grundstück des Klägers wurde infolge eines Regenereignisses von oberflächlich ablaufenden Wasser durchflossen, so dass ein Schaden entstand.

    Das oberflächlich ablaufende Wasser nahm seinen Lauf durch ein neues Wohngebiet und stammte im Wesentlichen von einem nahen Feld.

    Ein weiterer Grundstückseigentümer (Beklagte) versuchte sich gegen diesen Wasserlauf durch eine niedrige Mauer an der Grundstücksgrenze gegen die Wassermassen zu schützen.

    Gegen diese Mauer klagte nun die Klägerin, da sie befürchtet, das Wasser könne nun nicht schnell genug abfließen und würde im Falle eines weiteren Regenereignisses den Schaden auf ihrem Grundstück unnötig vergrößern.

    Auftrag des Gerichtes

    Es ist Beweis zu erheben, dass durch den von den Beklagten auf der gemeinsamen Grundstücksgrenze errichteten Mauersockel der Abfluss von Oberflächenwasser von dem Grundstück der Kläger behindert wird.

    Grundsätzliche Hinweise über oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser

    Grundsätzlich gilt im Bauwesen die Regel, dass sich in jedem Graben, sei er auch noch so unscheinbar, bei entsprechend starkem Regen Wasser sammelt und je nach Regenintensität auch abfließt.

    Die Wasserführung und der Schaden, der möglicherweise angerichtet wird, ist abhängig von der Größe des jeweiligen Einzugsgebietes und der Differenz zwischen Niederschlag, Versickerung und Verdunstung (spielt in diesem Fall praktisch keine Rolle).

    Wenn also mehr Regen fällt, als zur gleichen Zeit versickern kann, muss der Niederschlag oberirdisch abfließen.

    Bei der Einschätzung der Bedeutung des oberirdischen Niederschlages kann man sich erheblich täuschen, da bereits geringe Abflusshöhen auf einer hinreichend großen Einzugsfläche punktuell enorme Wassermassen verursachen können.

    Ein Beispiel zur Veranschaulichung:

    Können z. B. auf einer Fläche von einem Hektar 5 mm Niederschlag nicht versickern, so „stehen“ 50 m³ Regenwasser auf der Fläche. Gelangen diese 50 m³ infolge einer Flächenneigung z. B. in 20 Minuten „punktuell“ zum Abfluss, so fließt diesem Punkt ein Volumenstrom von 150 m³/h (ca. 42 l/s) zu.

    Beträgt die Grundfläche des klägerischen Grundstücks beispielsweise 200 m² und das fremde Wasser (50 m³ in diesem Beispiel) würde nicht abfließen können, dann steht das Wasser 25 cm hoch auf dem Grundstück.

    Nach den Regeln der Technik und der Erfahrung des Sachverständigen können Wasserströme, die oberirdisch in eine Bebauung hineindrängen, nicht punktuell von einem Einzelnen bewältigt werden, weil die technischen Methoden und Mittel eines einzelnen Grundstückeigentümers in aller Regel dessen Mittel und Möglichkeiten bei weitem überschreiten würden.

    Er könnte bestenfalls das Problem nur „weiterreichen“ ohne es grundlegend zu lösen. Das Verfahren der Wahl sind deshalb grundsätzlich gemeinschaftliche Lösungen, die in erster Linie ursachenorientiert und keinesfalls wirkungsorientiert sein müssen.

    Hierzu ein praktisches Beispiel

    Die Stadt Sanderleben (Sachsen-Anhalt) befindet sich in einem Talkessel, der von Feldern umgeben ist.

    Dort hat sich historisch ein System von Entwässerungsgräben zum Schutz der Stadt herausgebildet mit Entwässerungsrichtung zum Fluss „Wipper“. Dieses System wird von der Stadt gewartet und in Stand gehalten.

    Untersuchungsergebnisse

    Nach erstem Augenschein, Erfahrung des Sachverständigen und anknüpfend an die Klageschrift sieht er folgenden Sachverhalt als höchstwahrscheinlich an:

    Durch das Wohngebiet der Parteien fließt schon immer ein „Bach“ mit beachtlicher Wasserführung. Das ist bedingt durch die natürliche Geländestruktur.

    Dieser Bach kommt vom angrenzenden Feld und führt nach Angaben der Parteien durch das Grundstück einer am Prozess (noch) unbeteiligten Familie, von dieser auf das Grundstück der Kläger und schließlich auf das Grundstück der Beklagten.

    Das besondere, des in der Natur keineswegs seltenen Phänomens, dem auch der Rechtsstreit zu Grunde liegt, besteht darin, dass der besagte Bach nur zeitweise Wasser führt und dass genau in dem Bachlauf unglücklicherweise und insbesondere ohne auf die Natur Rücksicht zu nehmen, ein Wohngebiet errichtet wurde.

    Der Bach führt insbesondere bei extremen Regenereignissen Wasser, dann nämlich, wenn mehr Regen fällt, als während der Regendauer auf dem angrenzenden Feld versickern kann.

    Dabei sind erfahrungsgemäß Bachbreiten von 2 m bei einer Tiefe von 30 cm und einer Fließgeschwindigkeit von 0,5 – 1 m/s durchaus vorstellbar.

    Der „Feldbach“ verfügt noch über eine weitere Besonderheit:

    Es besteht das Risiko, dass bei Extremregen nicht nur klares Regenwasser vom Hang in das Wohngebiet fließt, sondern dass sich kleine Schlammströme ausbilden können, die dann besonders schlammig sind, wenn die Bauern ihr Feld kürzlich pflügten.

    Zu Schäden kommt es also sekundär dadurch, weil das Wohngebiet über keinerlei Schutz gegen diesen Wasserlauf verfügt.

    In aller Regel schützt man Bebauungsgebiete bei derartigen Situationen durch ingenieurtechnisch durchdachte Grabensysteme, die das oberflächlich dem Bebauungsgebiet zufließende Niederschlagswasser rechtzeitig abfangen, umleiten oder schadenfrei durchleiten und einem geeigneten Vorfluter zuführen.

    Verbunden werden derartige Maßnahmen ggf. auch mit Regenrückhaltebecken.

    Ein derartiges System fehlt offensichtlich in dem Bebauungsgebiet.

    Nach Erfahrung des Sachverständigen kann sich auch bei Extremregen in aller Regel auf 200 m² Rasenfläche nicht soviel Wasser sammeln, um auf dem eigenen Grundstück Schaden anzurichten.

    Insofern ist auch davon auszugehen, dass grundstückseigenes Niederschlagswasser relativ problemlos auch vor dem Mauersockel der Beklagten abfließen kann.

    Man hätte den natürlichen Wasserlauf mit zeitweiser Wasserführung z. B. vorzugsweise in Form eines flachen Grabens durch das Wohngebiet leiten müssen, um ihn z. B. an einen nahe gelegenen Bach anzuschließen.

    Die Betroffenen versuchten nun mit mehr oder weniger erfolgreichen punktuellen Maßnahmen das Problem scheinbar in den Griff zu bekommen.

    Scheinbar deshalb, weil es irgendwann einen Regen geben wird, für dessen oberirdischen Ablauf eine ingenieurtechnische Systemlösung geschaffen werden muss, anderenfalls ist grundsätzlich mit weiteren erheblichen Schäden zu rechnen.

    Zusammenfassung

    Es ist festzustellen, dass auf dem Grundstück der Klägerin 3 Arten von Oberflächenwasser anfallen:

    • Regenwasser von den Dachflächen (wird einer unterirdischen Versickerung zugeführt)
    • Regenwasser, das auf das Grundstück der Klägerin außer auf Dachflächen fällt. Aufgrund des erheblichen Anteils von Rasen, bezogen auf die Gesamtgrundstücksfläche, geht der Sachverständige nach seiner Erfahrung davon aus, dass das Regenwasser, das auf diese Fläche fällt, überwiegend versickert.
    • Wasser eines Baches mit zeitweiser Wasserführung

    Hier ist nach Erfahrung des Sachverständigen festzustellen, dass nur das Wasser eines Baches mit zeitweiser Wasserführung durch den Mauersockel behindert wird.

    Die Wassermengen nach Punkt 1 und 2 dürften auch bei Extremregen an dem Mauersockel vorbei rinnen, ohne Schaden zu verursachen.

    Es handelt sich also nach „wasserwirtschaftlicher“ Logik nicht um das Oberflächenwasser des Klägers oder um Oberflächenwasser vom Grundstück des Klägers, sondern um Oberflächenwasser aus einem natürlichen Wasserlauf. Alle o. g. Feststellungen beruhen auf einer Besichtigung, auf Hinweisen der Parteien und auf Erfahrungen des Sachverständigen.

    Insgesamt würde der Sachverständige den Wahrheitswert seiner Feststellungen als „recht wahrscheinlich“ bewerten. Für den Fall, dass ein höherer Wahrheitswert gewünscht wird, oder dass Zweifel am Gutachten bestehen oder nicht ausgeräumt werden konnten, wäre ein interdisziplinäres Gutachten mit Integration insbesondere folgenden Sachverstandes notwendig:

    • Vermessung (Aufnahme des Oberflächenprofils des Feldes und der betroffenen Grundstücke (erste Schätzung 5 T€ brutto)
    • Meteorologisches Gutachten über Extremregen und deren Prognose (erste Schätzung 1 T€ brutto)
    • Analyse des Oberflächenabflusses nach Menge und Verlauf (erste Schätzung 5 T€ brutto)



    Die Mitbestimmung des Bauherrn

    Zur Beachtung!

    Beweisbeschluss

    Es soll ein Sachverständigengutachten bzgl. der Bauleistungen der Antragsgegnerin, betreffend das Wohngebiet „****“ in ***, Landkreis ***, eingeholt werden, insbesondere darüber,

    „ob die Hausanschlussstellen ganz oder teilweise mehr als 2 m unter der jeweiligen Erdoberfläche liegen und ob diese Verlegung gegebenenfalls notwendig ist und den Regeln der Technik entspricht sowie, ob sich dadurch für die Antragsteller gegebenenfalls in Bezug auf die jeweiligen Hausanschlüsse Mehrkosten ergeben?“

    Lösung

    Die Verlegung der Hausanschlussleitungen ganz oder teilweise mehr als 2 m unter der jeweiligen Erdoberfläche entspricht den a.a.R.d.T. (heute Stand der Technik).

    Ebenso entspricht aber auch die Verlegung der Hausanschlussleitungen weniger als 2 m unter der jeweiligen Erdoberfläche den a.a.R.d.T., sofern die Leitung unter der ortsüblichen Frosttiefe liegt.

    Die Beantwortung der Frage, welche Lösung notwendig ist, ist abhängig von Voruntersuchungen über die Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Lösung.

    Nachweise der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit einer planerischen Lösung werden in aller Regel nach Variantenerörterung im Ergebnis der Vorplanung gefällt und vom Bauherrn bestätigt. (Vergleiche § 55 HOAI, abwassertechnische Fachliteratur und ATV-Regelwerk.)

    Grundsätzlich ist mit Mehrkosten zu rechnen, wenn Kanalisationen tiefer gelegt werden.

    Nach Diagramm **, Seite ** betragen die Nettobaukosten für einen Kanal 77 €, in 2 m Tiefe etwa 148 €/m.

    In 4 m Tiefe sind es 307 €/m. Die spezifischen Kosten haben sich gut verdoppelt.

    Für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit sind Variantenuntersuchungen vorzugsweise nach den Kostenvergleichsrechnungen der LAWA oder hier besser nach Nutzwert-Kostenanalysen Voraussetzung, wobei der Bauherr die Vorzugsvariante bestätigen sollte.

    Die Tiefenlage des Kanals ist teilweise auch abhängig von den abverlangten Prämissen des Bauherrn.

    Wenn grundsätzlich Abwasserhauspumpstationen ausgeschlossen werden sollen, dann wird bei ungünstigen Geländeverhältnissen die Abwasserableitung u. U. äußerst aufwendig.

    Es gibt aber auch Lösungen, bei denen nur einige Häuser Hauspumpstationen erhalten, während die übrigen im freien Gefälle entwässert werden.

    Grundsätzlich sind nachvollziehbare Abwägungen zwischen Kosten und Nutzen der jeweiligen Varianten erforderlich.

    Darüber, wie ein Bebauungsgebiet zweckmäßig zu entwässern ist, gibt es umfangreiche Fachliteratur [3] oder eine neuere Ausgabe von [4].

    Es sind im Rahmen der Vorplanung zahlreiche Einflussfaktoren zu analysieren und zu prüfen, wenn beurteilt werden soll, ob eine Entwässerungslösung notwendig ist.

    So könnte man beispielsweise eine Entscheidung herbeiführen, ob denn jede Stichstraße tatsächlich einen tiefen Regenwasserkanal benötigt, oder ob es auch möglich ist, das Regenwasser eines kleinen Einzugsgebietes in der Straßenrinne oberirdisch ablaufen zu lassen (vergleiche hierzu Anlage ***).




    Hohe Schadstoffeinträge durch Regenwasser

    Der nachfolgende Artikel wurde mit freundlicher Empfehlung vom EUWID Wasser und Abwasser bereitgestellt

    Hohe Schadstoffeinträge durch Regenwasser

    In Nordrhein-Westfalen stammen fast genau so viele Einträge an sauerstoffzehrenden Substanzen aus Regenwasser wie aus den Abläufen der Kläranlagen. Im Jahr 2000 betrug die aus Mischkanälen direkt in die Gewässer eingetragene Fracht in NRW rund 60.000 Tonnen. Mit dem geklärten Abwasser gelangten im gleichen Jahr 65.000 Tonnen sauerstoffzehrende Substanzen in die Gewässer, berichtete Viktor Mertsch vom Umweltministerium des Landes Ende März auf der Essener Tagung für Wasser- und Abfallwirtschaft.

    Auch hinsichtlich der chemischen Gewässergüte spielen für Mertsch die Mischwassereinträge eine herausragende Rolle. Bereits 1996 habe die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) ermittelt, dass für Quecksilber die Mischwassereinleitungen den Hauptpfad darstellten. Auch Cadmium, Kupfer, Zink, Blei und Nickel gelangten heute vorwiegend aus unbehandelten Niederschlagseinleitungen in den Rhein, so Mertsch.

    Aus diesen Gründet fordert Mertsch erhebliche Anstrengungen zur Verbesserung der Mischwasserbehandlung. Als geeignete Behandlung schlägt er den Bau von Bodenfiltern, die Steuerung des Mischwasserabflusses vor, dezentrale Versickerungsmaßnahmen sowie die Umstellung auf dezentrale Trennsysteme vor.

    Erschienen in der Zeitschrift EUWID – Wasser-Abwasser 07
    Europäischer Wirtschaftsdienst GmbH
    Bleichstr. 20-22
    D-76593 Gernsbach
    Tel.: 0 72 24/93 97-0
    Fax: 0 72 24/93 97-904
    www.euwid-wasser.de
    wasser@euwid.de




    Umfang eines Abwasserbeseitigungskonzeptes

    Inhalt eines Abwasserbeseitigungskonzeptes in Anlehnung an Regelungen im Bundesland Nordrhein-Westfalen

    Zielstellung „Abwasserbehandlung“

    Das Abwasserbeseitigungskonzept gibt für jede Abwassereinleitung Auskünfte über

    • den Standort der vorhandenen Abwasserbehandlungsanlagen, deren Kapazität und Auslastung bzw. Überlastung
    • die noch notwendigen Baumaßnahmen zur Sanierung vorhandener Abwasserbehandlungsanlagen
    • die neu zu errichtenden Abwasserbehandlungsanlagen, deren Standort und vorgesehene Kapazität
    • die künftig wegfallenden Abwasserbehandlungsanlagen und deren Standort

    Zielstellung „Abwasserableitung“

    • Darstellung und Abgrenzung von Teilentwässerungsgebieten mit funktionalen Zusammenhängen differenziert hinsichtlich vorhandener Kanalisation und erforderlicher Kanalisation
    • Darstellung der unterschiedlichen Entwässerungssysteme, notwendige Baumaßnahmen zur Sanierung der vorhandenen Kanalisation

    Kostenschätzungen

    Die Kostenschätzungen sollen dem derzeitigen Stand der Planung und allgemeinen Erfahrungssätzen für vergleichbare Vorhaben nach dem Preisniveau zur Zeit der Schätzung entsprechen.

    Weiterer Inhalt

    In das Konzept sind je nach den örtlichen Verhältnissen weitere Aussagen aufzunehmen u. a.:

    • Die Kennzeichnung angeschlossener und anzuschließender Entwässerungsgebiete. Dies empfiehlt sich insbesondere im ländlichen Raum, wenn mehrere Entwässerungsgebiete an die Kläranlage angeschlossen sind.
    • Die Hauptverbindungssammler der Gemeinden. Dies empfiehlt sich bei einer Trennkanalisation.
    • Sensibilitätsprüfung der Wirtschaftlichkeit ausgewählter Alternativen nach den Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen der Länderarbeitsgemeinschaft WASSER ( LAWA).

    Werden die vorstehenden zusätzlichen Angaben gemacht, sind für die Kennzeichnung der kanalisierten Entwässerungsgebiete und der Hauptsammler der Gemeinden verschiedene Symbole zu verwenden.

    Planungsraum

    Das Konzept bezieht sich grundsätzlich auf Anlagen des Abwasserzweckverbandes.

    Notwendiger Inhalt

    • ein Übersichtsplan im Maßstab bis zu 1 : 25.000
    • Angaben zu den Kläranlagen ( Aufstellung 1 – Anlage 1 -)
    • Angaben zu den Sonderbauwerken in der Kanalisation ( Aufstellung 2 – Anlage 2 -)
    • Angaben zu Abwasserleitungen ( Aufstellung 3 – Anlage 3 – )
    • Chronologische Gesamtzusammenstellung aller notwendigen Maßnahmen ( Aufstellung 4 – Anlage 4 – )

    Im Übersichtsplan sind schematisch darzustellen:

    • die Lage der Übernahme- und Übergabestellen,
    • der Verlauf der Zulaufleitungen, Verbindungsleitungen und der Ablaufleitungen des Abwasserverbandes, die länger als 200 Meter sind,
    • die Lage der Kläranlage,
    • die Einleitung aus den Kläranlagen,
    • die Lage der Sonderbauwerke.

    Es sind für die Kennzeichnung der Übernahmestellen, die Kennzeichnung der Übergabestellen an Dritte ( Gemeinden), die Kennzeichnung der Kläranlagen, die Kennzeichnung der Einleitungen aus den Kläranlagen, die Kennzeichnung der Sonderbauwerke sowie für die schematische Darstellung von Zulaufleitungen, Verbindungsleitungen und Ablaufleitungen verschiedene Symbole zu verwenden.

    Angaben zu Kläranlagen

    Das Verbandskonzept gibt Auskunft über

    • vorhandene Kläranlagen,
    • vom Abwasserverband noch zu übernehmende Kläranlagen,
    • die noch notwendigen Baumaßnahmen zur Sanierung,
    • neu zu errichtende Kläranlagen,
    • Kläranlagen, die außer Betrieb genommen werden.

    Angaben zu den Sonderbauwerken in der Kanalisation

    Es sind sowohl die Sonderbauwerke zur Behandlung von Mischwasser als auch die Sonderbauwerke zur Rückhaltung von Abwasser aufzuführen.

    Es sind Angaben erforderlich über

    • vorhandene Sonderbauwerke,
    • vom Abwasserverband noch zu übernehmende Sonderbauwerke,
    • die noch notwendigen Baumaßnahmen zur Sanierung,
    • vom Abwasserverband neu zu errichtende Sonderbauwerke,
    • wegfallende Sonderbauwerke.

    Angaben zu Abwassereinleitungen

    In die Darstellung sind nur Abwasserleitungen des Abwasserverbandes mit mehr als 200 Meter Länge aufzunehmen.

    Baubeginn

    Es sind folgende Zeiträume zu unterscheiden:

    • Die ersten 5 Jahre: Für diesen Zeitraum ist das Jahr des Baubeginns anzugeben.
    • Die sich daran anschließenden 7 Jahre: Hier werden die Baumaßnahmen eingeordnet, die in diesem Zeitraum begonnen werden sollen. Das Jahr des Baubeginns wird nicht mehr genannt.
    • Der Zeitraum, der nach 12 Jahren beginnt: Hier werden alle Baumaßnahmen eingeordnet, die frühestens nach Ablauf von 12 Jahren begonnen werden können. Eine nähere zeitliche Angabe erfolgt nicht mehr.

    Zeitpunkt der Übernahme

    Hier ist immer das Jahr der Übernahme anzugeben. Ist die Angabe eines konkreten Jahres bei der Konzepterstellung noch nicht möglich, ist der Zeitraum anzugeben, in dem die Übernahme erfolgen soll. Dieser Zeitraum sollte 5 Jahre nicht überschreiten.




    Kostenlose Software des Institutes für Wasserwirtschaft Halbach

    Zum Download den Hyperlink anklicken und entweder „Datei speichern“ und/oder – je nach Meldung des Browsers – sofort die „Datei ausführen“.

    Download

    Setup abwasser.exe
    (zip-Datei)

    Version: 2009

    Größe: 2,2 MB

    Programmbestandteile

    • Hydraulik – vollgefüllte Kanäle und Druckrohrleitungen (Gefälle gegeben und Gefälle gesucht)
    • Kalkulation der Schlammmengen nach der Schlammtabelle im „Taschenbuch der Stadtentwässerung“ von Karl und Klaus R. Imhoff , 27. Auflage Seite 242, Oldenburg 1990
    • Kalkulation der Schlammmengen bei einer Schlammentwässerung, Zentrifuge, Trocknung, usw.
    • Überbemessung von Kläranlagen – Was nun?
    • Energiekosten für Trink- und Abwasserpumpwerke
    • Ermittlung der Abwasserlast, jetzt auch nach Tabelle 1 der A 131
    • Euro- und Umsatzsteuerrechner
    • Das Programmmodul erlaubt die Hochrechnung von Kläranlagen- und Kanalbaupreisen auf die Preisbasis 2003.
    • Kreisfläche, Kreisdurchmesser, Kreiszylindervolumen
    • Bodendruckkraft – Wie groß muss der Überstau sein, damit sich ein Kanaldeckel aus dem Sitz hebt?
    • Welche Abwasserkosten entstehen dem Eigenheimbesitzer beim Bau einer Hauskläranlage?



    Beweisauftrag Abwassertechnische Rahmenplanung

    Auszüge aus eigenen Gutachten.

    Gliederung

    • Beweisbeschluss
    • Methodik
    • Definitionsanalyse
    • Grundsätzliches zur konzeptionellen Planung
    • Definition Generalentwässerungsplan
    • Struktur Generalentwässerungsplan
    • abwassertechnische Rahmenplanung
    • Zusammenfassung

    Beweisbeschluss

    Nach dem Beweisbeschluss des Gerichtes, aufgrund der mündlichen Verhandlung vom ***, soll über die Behauptung der Beklagten Beweis erhoben werden, dass

    1. … eine abwassertechnische Rahmenplanung (ATR) und ein Generalentwässerungsplan seien inhaltlich das gleiche bzw. das eine käme dem anderen gleich,…

    Methodik

    Es wäre zunächst zu klären, was ein Generalentwässerungsplan und was eine abwassertechnische Rahmenplanung (ATR) ist. Danach ist zu untersuchen, ob die Planungsarten inhaltlich das gleiche sind bzw. ob das eine dem anderen gleich kommt.

    Definitionsanalyse
    Grundsätzliches zur konzeptionellen Planung

    Investitionen der Abwasserentsorgung unterliegen einem nach Vorschriften geregelten Abstimmungsmodus.

    Jede Entscheidungsträgerebene hat seine eigenen Planungskonzepte.

    Je nach der „Höhe“ der Entscheidungsebene, sind die Konzepte unterschiedlich umfangreich, unterschiedlich konkret und unterschiedlich genau.

    Die Genauigkeit nimmt von unten nach oben ab während die davon betroffenen Territorien flächenmäßig erweitert werden. Das heißt, die Ortsentwässerungsplanung eines Dorfes ist genauer in ihrer Darstellung und im Detail, als die Abwasserzielplanung eines Abwasserzweckverbandes, welche jedoch ein größeres Einzugsgebiet betrifft.

    Folgende Entscheidungsebenen können unterschieden werden:

    1. Gemeinde
    2. Abwasserzweckverband
    3. Wasserbehörde
    4. Umweltministerien der Länder
    5. Bundesumweltministerium

    Diese Hierarchie ist notwendig, um die Investitionen aufeinander abzustimmen und z. B. zu gewährleisten, dass eine Kläranlage nicht im Trinkwasserschutzgebiet gebaut wird.

    Umfang und Inhalt der jeweiligen Konzepte werden von dem Verwendungszweck bestimmt.

    Dem Grunde nach sind die übergeordneten Konzeptionen verbindlich.

    Die Regel ist aber, dass „globale Konzeptionsvorstellungen“ durch den Planungs- und insbesondere Erkenntnisfortschritt der untergeordneten Ebenen ständig zu aktualisieren und zu modifizieren sind.

    Die konzeptionelle Planung ist kein Dogma, sondern ein ständiger Erkenntnisprozess.

    Eine wesentliche Aufgabe jedes Planungskonzeptes ist es, Fehlentscheidungen zu vermeiden.

    Die Einordnung und eine recht gute Zusammenstellung der verschiedenen Pläne aus wasserrechtlicher Sicht, ist der Anlage 2 [1, Seite 565-568 ] zu entnehmen.

    Weitere Hinweise zu Planungsarten, sind der Quelle [4, Seite 6 und 10 in 2] (In den Prozessakten und im Besitz der Parteien) zu entnehmen. Siehe auch Anlage 3.

    Generalentwässerungsplan

    Der Generalentwässerungsplan ist dem Sachverständigen als ein Planungskonzept bekannt, das Aufgabenstellungen für künftige Planungen enthält.

    Es gibt Generalentwässerungspläne für einzelne Kommunen und für einen Abwasserzweckverband.

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    Siehe hierzu Darstellung 1: Veranschaulichung einer möglichen Struktur

    Festlegungen im Generalentwässerungsplan sind das Ergebnis von Variantenuntersuchungen, in denen die Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der künftigen Planungen bewiesen wurde.

    Die Variantenuntersuchungen sind vor dem Bauherrn und der Behörde zu verteidigen, die Vorzugslösungen sind ebenso von diesen zu bestätigen und dann in den Generalentwässerungsplan einzutragen.

    Diese geschilderte Vorgehensweise eines Generalentwässerungsplanes schützt Planer und Bauherrn davor, dass Dinge geplant werden, welche der Bauherr nicht will, nicht kennt oder deren Wirtschaftlich- sowie Zweckmäßigkeit fragwürdig ist oder nicht nachgewiesen wurde.

    Um derartige Anforderungen zu erfüllen, genügt das Abarbeiten aller Grundleistungen für die Vorplanung und Grundlagenermittlung nach § 55 HOAI, wobei der inhaltliche und umfängliche Schwerpunkt auf prüfbaren Nachweisen der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit des Konzeptes zu liegen hat. Nur dann ist die Planung prüffähig und damit ist eine Voraussetzung für die Realisierung des zugesicherten Gebrauchswertes gegeben – so die Auffassung des Sachverständigen.

    Die fachlichen Anforderungen des Generalentwässerungsplanes folgen aus der Aufgabe.

    In aller Regel ist der Generalentwässerungsplan Grundlage für Investitionen. Er enthält die notwendigen planerischen Aufgabenstellungen mit Koordinierungsanforderungen für

    Entwässerungskonzept

    • Kanalisationsbau
    • Sonderbauwerke der Kanalisation
    • ggf. Verbindungsleitungen zwischen den Siedlungen

    Abwasserbehandlungskonzept

    • Kläranlage/n
    • Schlammentsorgung
    • Fäkalschlammkonzept

    Der Inhalt eines Generalentwässerungsplanes ergibt sich aus seiner Funktion als Koordinierungs- und Steuerungsinstrument.

    Für die Bezeichnung „Generalentwässerungsplan“ kennt der Sachverständige noch folgende Synonyme:

    • abwassertechnisches Zielkonzept
    • Generalentwässerungskonzept
    • Entwässerungskonzept (eher seltener)

    Abwassertechnische Rahmenplanung

    Der Begriff „abwassertechnische Rahmenplanung“ ist weder dem Sachverständigen vor dem Prozess bekannt gewesen, noch hat er bei der Internet- (Anlage 1) und Literaturrecherche (Literaturverzeichnis) diesen gefunden.

    Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine weniger verbreitete Wortschöpfung.

    Rahmenplanungen gibt es im Zusammenhang mit verschiedenen Planungsarten. Recht verbreitet ist im Internet (Anlage 1) z. B. der Begriff „Städtebauliche Rahmenplanung“.

    Bei Rahmenplanungen – in Verbindung mit Gewässerschutz – handelt es sich um wasserwirtschaftliche Rahmenplanungen der Länder oder des Bundes (Anlage 2).

    Wasserwirtschaftliche Rahmenplanungen sind behördliche Planungen, die lt. Wasserhaushaltsgesetz vorgeschrieben sind.

    Aus dem Raum *** ist dem Sachverständigen noch der Begriff „Abwassertechnische Zielplanung“ bekannt. Dies ist ein eigenständiger Teil der wasserwirtschaftlichen Rahmenplanung des Landes ***. (Vergleiche auch Nachricht des *** Ministeriums für *** vom *** in [2]).

    Die Erarbeitung der „Abwassertechnischen Zielplanung“ lag in den Händen des *** Ministeriums für ***, wobei das Ministerium die einzelnen Generalentwässerungspläne der Abwasserzweckverbände des Landes anforderte, prüfte und auswertete. Diesen Prozess hat der Sachverständige beobachten können und aus Gesprächen mit Herrn ***, *** Ministerium für ***, davon persönlich erfahren.

    Im Übrigen hat die abwassertechnische Zielplanung des Landes *** in einem anderen Gerichtsgutachten des Sachverständigen eine Nebenrolle gespielt, so dass der Sachverständige auch aus dieser Arbeit Informationen über den Prozess der abwassertechnischen Zielplanung des Landes *** gewinnen konnte.

    Dem Sachverständigen ist nicht bekannt, dass eine inhaltlich oder umfänglich andere Planung von Abwasserzweckverbänden als die einer Generalentwässerungsplanung vom Ministerium für *** verlangt wurde. Zur Anfertigung von Generalentwässerungsplanungen sind die Verbände aus rein fachlichen Gründen sowieso verpflichtet.

    Im Rahmen der Prüfung von Generalentwässerungsplanungen kam es auch zum Dialog und sicher auch zu Nachbesserungsforderungen vom Ministerium für ***. Das hat aber mit der abwassertechnischen Zielplanung nur mittelbar etwas zu tun.

    Es war lediglich eher ein Zufall oder eine Folge der Wiedervereinigung, dass die Generalentwässerungsplanung der Abwasserzweckverbände und die abwassertechnische Zielplanung des Landes *** fast zeitgleich erarbeitet wurden.

    Zusammenfassung des Beweisbeschlusses

    Der Sachverständige hatte zu prüfen, ob

    2. …eine abwassertechnische Rahmenplanung (ATR) und ein Generalentwässerungsplan inhaltlich das gleiche sind bzw. das eine dem anderen gleich kommt.

    Es war nicht zu recherchieren, was eine abwassertechnische Rahmenplanung ist.

    Aus diesem Grund kann der Beweisbeschluss nicht gelöst werden.




    Erfahrungssätze zur Geruchsemmision aus Kanalisationen

    Auszüge aus eigenen Gutachten.

    • Abwasser hat grundsätzlich einen unangenehmen Geruch.
    • In Abwasserdruckleitungen und Kanalisationen kann es zu Fäulnisprozessen kommen, welche diesen unangenehmen Geruch verstärken.
    • Die Bildung von solchen Gasen nimmt dramatisch zu, wenn das Abwasser lange im Entwässerungssystem verweilt und so genug Zeit hat Geruchsgase zu bilden.
    • An Stellen mit Turbulenzen, wie z. B. bei Einläufen in Sammelräumen von Pumpwerken ist mit erhöhter Ausgasung zu rechnen.
    • Geruchsprobleme und faules Abwasser sind bekannte und nennenswerte Nachteile einer Abwassersammlung in dünnbesiedelten Gebieten, wenn das Abwasser einer zentralen Abwasserbehandlung zugeführt werden soll.
    • Kanalisationen be- und entlüften sich selbstständig. Dazu werden planmäßig Öffnungen im Kanalnetz geschaffen, z. B. „Überdachführung“ der Gebäudefallleitungen. Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass an nicht bzw. sehr schwer berechenbaren Stellen das Kanalsystem konzentriert entlüftet wird und es damit an diesen Stellen verstärkt zu Geruchsbelästigungen kommt.
    • Die Errichtung eines Abwasserhauptpumpwerkes für ein Einzugsgebiet in unmittelbarer Nähe eines Wohnhauses ist schon vom planerischen Ansatz her bedenklich, sofern nicht außergewöhnliche Maßnahmen für eine Abluftreinigung nach hohen Ansprüchen geplant und realisiert werden.

    Beweisbeschluss

    „Der Sachverständige soll das Windverteilungsschema auswerten.“

    Die vom Sachverständigen verwendeten Methoden zur Emissionsbewertung haben den Charakter einer Plausibilitätsprüfung.

    Wissenschaftlich tragfähigere Methoden der Qualifizierung und Quantifizierung von Emissionen werden im Rahmen der Erstellung von Emissionsgutachten eingesetzt.

    Diese Methoden sind ebenfalls subjektiv, mit dem Unterschied, dass hier mehr Nasen über einen längeren Zeitraum zur sensorischen Bewertung herangezogen werden.

    Methodisch ging der Sachverständige so vor, dass ein Lageplan der Beklagten des Abwasserhauptpumpwerkes mit dem Nordpfeil und das Windverteilungsschema digitalisiert wurde.

    Im zweiten Schritt wurde in die digitalisierte Zeichnung des Abwasserhauptpumpwerkes das Windverteilungsschema hineinkopiert.

    Der Sachverständige geht im Rahmen der Plausibilitätsprüfung davon aus, dass die Windverhältnisse des amtlichen Gutachtens genügend genau die Windverhältnisse der Luvseite des Gebäudes der Klägerin beschreiben. Insofern ist das amtliche Gutachten hinreichend zutreffend, weil keine Bebauung oder kein nennenswerter Bewuchs örtlich die Westwinde beeinflusst.

    In Auswertung des Windverteilungsschemas und der Örtlichkeiten kommt der Sachverständige zu der Auffassung, dass an 28,8 % aller Tage im Jahr eine Geruchsbelästigung sehr wahrscheinlich ist.

    Nicht auszuschließen ist weiter, dass sich bei Windstille (1,1 %) eine Dunstglocke radial ausbreitet, deren Ausmaße ebenfalls die Grundstücksgrenze überschreiten könnte.

    Insgesamt sieht es der Sachverständige für sehr wahrscheinlich an, dass die Klägerin an 29,9 % aller Tage; also an 109 Tagen im Jahr – im langjährigen Mittel betrachtet – eine Geruchsbelästigung erdulden muss, wobei der Nachweis, ob außerdem eine gesundheitliche Gefährdung durch Schwefelwasserstoff mit den bisherigen Maßnahmen hinreichend zuverlässig ausgeschlossen werden kann, bei Streitfall noch zu führen wäre.




    Fremdwasser – Ein Begriff und 2 Bedeutungen

    Auszüge aus eigenen Privatgutachten 12/2001

    Fremdwasser – Ein Begriff und 2 Bedeutungen:

    1. Fremdwassermengen nach technischem Verständnis
    2. Fremdwassermengen nach dem Abwasserabgabengesetz

    Im Rahmen des Gutachtens war u. a. der Fremdwasserbegriff zu definieren und zu erläutern.

    1. Fremdwassermengen nach technischem Verständnis

    Definition des Fremdwassers nach DIN 4035 – Begriffe

    • durch Undichtigkeit in die Kanalisation eindringendes Grundwasser
    • unerlaubt über Fehlanschlüsse eingeleitetes Wasser sowie
    • einem Schmutzwasserkanal durch z. B. Schachtabdeckungen zufließendes Oberflächenwasser

    Aussagen zum Fremdwasser nach DIN 1986-3

    Fremdwasser:

    • Wasser aus Drainleitungen darf nur in Regenwasserkanäle oder in Gewässer geleitet werden.
    • Ist eine Kreislaufführung für Kühlwasser nicht sinnvoll, dann darf dieses Kühlwasser nur in Regenwasserkanäle oder in Gewässer geleitet werden.

    Definition des Fremdwassers nach der A 118

    Fremdwasser umfasst die unerwünscht in die Kanalisation gelangenden Abflüsse, die durch eindringendes Grundwasser und je nach

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    Tabelle 1: Fremdwasser in Abhängigkeit der Kanalart nach der A 118

    Die Zulässigkeit von Drän-, Quell- und Bachwasser in Regenwasserkanälen ist im Einzelfall zu prüfen!

    Berechnung der Fremdwassermengen nach A 118

    Für die Bemessung von Kanälen (A 118) werden oft in Ermangelung genauer Messungen folgende Ansätze gemacht:

    • Misch- und Regenwasserkanäle:  Qf24 = 25 % – 40 % Qs24
    • Schmutzwasserkanäle: Qf24 = 100 % Qs24

    Bei Sonderbauwerken (Regenüberlaufbauwerke A 128) weichen diese Mengen deutlich von der A 118 ab.

    Es gelten im Allgemeinen folgende Ansätze, bezogen auf die undurchlässige Fläche des Einzugsgebietes:

    • neue Kanäle: Qf24 = 0,05 l/sha
    • normale Kanäle: Qf24 = 0,10 l/sha
    • alte Kanäle: Qf24 = 0,15 l/sha

    Diese allgemeinen Ansätze können jedoch nur als Orientierung dienen und sind auf die besonderen Bedingungen des Einzugsgebietes (z. B. Grundwasserstand, Zustand der Kanäle…) abzustimmen.

    Ziel dieser Erfassung nach der A 118 ist die Absicherung der hydraulischen Leistungsfähigkeit der Abwasseranlagen unter definierten Wahrscheinlichkeiten der tatsächlich zu erwartenden Schmutz- und Regenwassermengen. Als Grundlage für eine Abwasserabgabenberechnung sind diese Daten jedoch im hohen Maße unsicher und ungeeignet.

    Problematik des Fremdwassers

    Fremdwasser gehört nicht in Kanalisation und Kläranlage, da es unverschmutzt ist und die Reinigungsvorgänge in der Abwasserbehandlungsanlage negativ beeinflusst.

    In gewissem Umfang ist jedoch immer mit Fremdwasser zu rechnen.

    2. Fremdwassermengen nach Abwasserabgabegesetz

    Definition des Abwassers nach Abwasserabgabegesetz

    „Abwasser im Sinne dieses Gesetzes sind das durch

    häuslichen,
    gewerblichen,
    landwirtschaftlichen oder
    sonstigen Gebrauch

    in seinen Eigenschaften veränderte und das bei Trockenwetter damit zusammen abfließende Wasser (Schmutzwasser) sowie das von Niederschlägen aus dem Bereich von bebauten oder befestigten Flächen abfließende und gesammelte Wasser (Niederschlagswasser).“ (§ 2 Abs. 1 AbwAG)

    Vergleiche die nachfolgende Abbildung 1.

    ngg_shortcode_4_placeholder

    Abbildung 1: Abwasser, Jahresschmutzwassermenge und Fremdwasser

    Definition der Jahresschmutzwassermenge nach [8]

    Die Jahresschmutzwassermenge (JSM) hat für die Berechnung der Abwasserabgabe eine maßgebende Bedeutung.

    Schmutzwasser im Sinne des Abwasserabgabengesetzes ist das durch häuslichen, gewerblichen und sonstigen Gebrauch in seinen Eigenschaften veränderte und das bei Trockenwetter damit zusammen abfließende Wasser (Fremdwasser).

    Unter dem Begriff „Trockenwetter“ wird der Zeitraum ohne nennenswerten Regenwetterabfluss verstanden (vgl. Abbildung 1).

    Definition des Fremdwassers nach [8]

    Fremdwasser ist mit dem Schmutzwasser bei Trockenwetter zusammen abfließendes Wasser (vgl. Abbildung 1).

    Methode zur Ermittlung des Fremdwasseranteils für die JSM

    Für das Land Sachsen-Anhalt gibt es noch keine verbindliche Vorschrift zur Ermittlung des Fremdwasseranteils für die JSM.

    Aus dem Grund wird auf den Anhang von [8] verwiesen.

    Zur Information ein Auszug aus [8] – in Thüringen gilt:

    „Tage mit Regenereignissen und solche Tage, an denen offensichtlich kein Trockenwetter herrschte (Schneeschmelze, Schneefall, Regen, Regennachlauf, Nachlauf aus Regenbecken) sind auszuschließen. Von den Tagesmeßergebnissen bei Trockenwetter sind 4 Meßwerte je Monat (å = 48 Meßwerte) zur Ermittlung der JSM zusammenzustellen. ….

    Zur Ermittlung der JSM sind die Anzahl der ausgewählten Trockenwettertage (mind. 48) und die jeweiligen Abflußmengen aufzusummieren. Daraus ist die mittlere Trockenwettertagesmenge als Quotient von Summe aller Abflußmengen mit Anzahl der Meßwerte zu bestimmen. Diese mittlere Trockenwettertagesmenge ist durch Multiplikation mit 365 auf das Jahr hochzurechnen.“

    Für Bayern gilt die Anlage 1. Die Anlage 1 ist auch anerkannter Bestandteil der Betriebstagebücher nach ATV, die in jedem Bundesland genutzt werden.

    Das jedoch 25 % Fremdwasseranteil ohne Einfluss auf die Abwasserabgabe sein sollen, konnte nicht nachvollzogen werden.

    Fremdwassereinfluss auf die Abwasserabgabe

    Die Höhe der Abwasserabgabe richtet sich nach der Schädlichkeit des Abwassers.

    Dabei wird die Konzentration ausgewählter Abwasserinhaltsstoffe mit der Jahresschmutzwassermenge einer Abwassereinleitungsstelle multipliziert.

    Die daraus resultierende Last wird dann durch die Last je Schadeinheit (Tabelle 2) dividiert, um die Summe der Schadeinheiten zu erhalten.

    Tabelle 2: ausgewählte Lasten einer Schadeinheit

    Schließlich wird die Summe der Schadeinheiten mit dem Abgabesatz je Schadeinheit multipliziert (vergleiche Tabelle 3).

    Tabelle 3: Beispielberechnung nur für die Abwasserabgabe aus der CSB-Fracht

    Erfolgt im Weiteren die Berechnung der Abwasserabgabe eines Parameters auf Basis eines festgelegten Überwachungswertes (z. B. 100 mg CSB/l), dann wirkt sich der reale Fremdwasseranteil linear auf die Erhöhung der Abwasserabgabe aus, d. h. 30 % Fremdwasseranteil erhöhen die Abwasserabgabe um 30 %. Dem kann nur begegnet werden, wenn der Grad der Verdünnung (d. h. der Konzentrationsabsenkung) hinreichend bekannt ist, so dass eine niedrigere Konzentration (unterhalb des Überwachungswertes) im Vorfeld erklärt werden kann.

    Tabelle 4: Fremdwasser und Abwasserabgabe

    Tabelle 4 veranschaulicht die Zunahme der Abwasserabgabe – CSV – in Abhängigkeit vom Fremdwasseranteil.

    Grundsätzlich macht es somit Sinn den Fremdwasseranteil zu senken.

    Quellen- und Literaturverzeichnis

    [1]
    Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis
    10/2001
    WEKA-Verlag

    [2]
    Pecher, R.
    Fremdwasseranfall im Kanalnetz – ein wasserwirtschaftliches Problem
    Korrespondenz Abwasser, 1998, Heft 12, Seite 2250/2258

    [3]
    Barth, S.; u. a.
    Fremdwasserzutritt zur Mischwasserkanalisation durch Drainageleitungen
    Korrespondenz Abwasser, 1998, Heft 1, Seite 79/85

    [4]
    Hüffmeier, N.
    Fremdwasser im Kanal
    Korrespondenz Abwasser, 2001, Heft 2, Seite 156/158

    [5]
    „Zuflussmessungen auf der Kläranlage ***“

    [6]
    Gesetz über Abgaben für das Einleiten von Abwasser in Gewässer (Abwasserabgabengesetz – AbwAG)

    [7]
    KA-Betriebsinfo 4/1991

    [8]
    ****

    [9]
    Verwaltungsvorschrift für den Vollzug des Abwasserabgabengesetzes (AbwAG) und des Thüringer Abwasserabgabengesetzes (ThürAbwAG) ThürVwVAbwAG

    [10]
    Imhoff, K.
    Taschenbuch der Stadtentwässerung
    27. Auflage, R. Oldenburg Verlag München – Wien 1990

    [11]
    ****

    [12]
    ATV-Regelwerk
    Entwurf und Bauplanung von Abwasserbehandlungsanlagen
    Verlag: Gesellschaft zur Förderung der Abwassertechnik e.V. (GFA)
    ATV – Arbeitsblatt A 106, Oktober 1995

    [13]
    ATV-Regelwerk
    Grundsätze für die Bemessung von Tropfkörpern und Tauchkörpern
    mit Anschlusswerten über 500 Einwohnergleichwerten.
    Autorenkollektiv: Personalbedarf für den Betrieb von Kläranlagen,
    Verlag: Gesellschaft zur Förderung der Abwassertechnik e.V. (GFA)
    ATV – Arbeitsblatt A 135, März 1989

    [14]
    Lehr- und Handbuch der Abwassertechnik Bd. IV




    Abwasserbeseitigungskonzept nach § 151 (4) WG-LSA

    Inhaltsverzeichnis

    1. Allgemeine Anforderungen
    2. Angaben zu vorhandenen Anlagen der öffentlichen Abwasserentsorgung
    2.1 vorhandene Kanalnetze
    2.2 vorhandene Verbindungsleitungen und Kläranlagen
    3. Angaben zu geplanten Anlagen der öffentlichen Abwasserentsorgung
    3.1 geplante Kanalnetze
    3.2 geplante Verbindungsleitungen und Kläranlagen
    4. Angaben zur vorhandenen nicht öffentlichen Abwasserentsorgung in KKA und abflusslosen Gruben
    4.1 Abwasserentsorgung über vorhandene KKA und abflusslose Gruben
    4.2 Schlammentsorgung aus KKA und abflusslosen Gruben
    5. Angaben über zukünftig nicht an die öffentliche Abwasserentsorgung anzuschließenden Grundstücke bzw. Ortsteile
    6. Angaben zur Beseitigung des Niederschlagswassers

    1. Allgemeine Anforderungen

    a) Übersicht über das Entsorgungsgebiet des Abwasserbeseitigungspflichtigen
    In einem Lageplan sind Angaben über:
    Darstellung der bebauten und befestigten Flächen (Einzugsgebiete)
    Gewässer im Entsorgungsgebiet
    festgestellte Überschwemmungsgebiete
    Trinkwasserschutzzonen
    Vorranggebiete und Vorsorgegebiete für Wassergewinnung
    einzutragen.
    b) rechtliche Verhältnisse
    Zusammenschluss Entsorgungspflichtige zu Zweckverbänden
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    Verwaltungsgemeinschaft als Entsorgungspflichtiger im Auftrag der Gemeinden
    ngg_shortcode_6_placeholder
    Gemeinde als Entsorgungspflichtiger
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    2. Angaben zu vorhandenen Anlagen der öffentlichen AW-Entsorgung

    2.1 vorhandene Kanalnetze

    Die im nachfolgenden aufgeführten Angaben zu vorhandenen Ortsnetzen sind in Lageplänen (Maßstab 1:5.000 oder höherer Genauigkeit) mit der Benennung „vorhandene Ortsnetze“ darzustellen.

    Die bereits vorhandenen vollständig oder teilweise erschlossenen Ortsnetze sind in violetter Farbe in den einzelnen Straßenzügen einzutragen.

    Darüber hinaus sind in Textform Angaben über

    • das Entwässerungssystem,
    • den Zeitpunkt der Errichtung der Ortsnetze,
    • den Zustand der Ortsnetze (Untersuchungen und Ergebnisse),
    • die erschlossenen Einwohnerwerte der einzelnen Gemeinden mit ihren Ortsteilen,
    • die Einleitung in Anlagen zur weiteren Behandlung,
    • bei Gewässerbenutzungen die Angabe des Datums der wasserrechtlichen Gestattungen einschl. der Registernummern

    beizufügen.

    2.2 vorhandene Verbindungsleitungen und Kläranlagen

    Die im nachfolgenden genannten Angaben zu bereits vorhandenen überörtlichen Anlagen wie Verbindungsleitungen und Kläranlagen sind in Lageplänen mit einem Maßstab 1:50.000 mit der Benennung „VBL/KA“ darzustellen.

    Sie sind farblich violett zu kennzeichnen und müssen die Leitungsart und Nennweite der VBL, weitere Bauwerke (Düker, Entlastungsbauwerke, Pumpwerke) erkennen lassen.

    In einem beizufügenden Textteil sind Angaben zu

    • Baujahr von VBL und KA,
    • Zustand der VBL und KA (Untersuchungen und Ergebnisse),
    • Bemessungsgröße der KA,
    • KA-Typ,
    • die Angabe der Registriernummer des Wasserrechtes mit Datum und Befristung

    aufzuführen.

    Einordnung der KA:

    TRK- Tropfkörperanlage; ME – mechanische Anlage; BSA – Belebtschlammanlage
    BSA/C – Belebtschlammanlage/Container; SBR – Sequenz-Batch-Anlage
    TKU – Teichanlage unbelebt; TKB – Teichkläranlage belebt; PKA – PflanzenKA
    TAK – Tauchkörperanlage; TAK/C Tauchkörperanlage/Container
    KKA – Kleinkläranlage; OXG -Oxydationsgraben

    3. Angaben zu geplanten Anlagen der öffentlichen AW-Entsorgung

    Unter dem Begriff  „geplante Anlagen“ sind die jemals an die öffentliche Abwasserentsorgung anzuschließenden Einzugsgebiete zu verstehen.

    3.1 geplante Kanalnetze/Ortsnetze

    Die im nachfolgenden aufgeführten Angaben zu geplanten Ortsnetzen, sind in Lageplänen (Maßstab 1:5.000 oder höherer Genauigkeit) mit der Benennung „geplante Ortsnetze“ darzustellen.

    Die geplanten Ortsnetze sind in roter Farbe in den einzelnen Straßenzügen einzutragen und Angaben zur Art der Leitungssysteme (Freispiegel- bzw. Druckleitung) enthalten.

    Darüber hinaus sind folgende Angaben erforderlich:

    Die Angaben zu den geplanten Ortsnetzen, sofern Sie nicht in einem Jahr komplett erschlossen werden, sind in Bauabschnitte zu unterteilen, den Baujahren zuzuordnen und die aus der Planung ersichtlichen Kosten aufzuführen. Weiterhin sind die angeschlossenen Einwohnerwerte, das Entwässerungssystem, Nennweite und Länge sowie die Kläranlage zu benennen.

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    *) incl. Sonderbauwerke, sonstige Bauwerke
    **) TS – Trennsystem, MS – Mischsystem

    3.2 geplante Verbindungsleitungen und Kläranlagen

    Die im nachfolgenden genannten Angaben zu geplanten überörtlichen Anlagen, wie Verbindungsleitungen und Kläranlagen sind in den bereits unter Punkt 2.2 aufgeführten Lageplänen mit einem Maßstab 1:50.000 mit der Benennung „VBL/KA“ zu ergänzen.

    Die geplanten VBL und KA sind farblich rot zu kennzeichnen und müssen die Leitungsart und Nennweite der VBL, weitere Bauwerke (Düker, Entlastungsbauwerke, Pumpwerke) erkennen lassen.

    Darüber hinaus sind nachfolgende Angaben erforderlich:

    Die Angaben zu den geplanten überörtlichen Anlagen wie Verbindungsleitungen und Kläranlagen, sofern sie nicht in einem Jahr komplett erschlossen werden, sind in Bauabschnitte/Ausbaustufen zu unterteilen, den Baujahren zuzuordnen und die aus der Planung ersichtlichen Kosten aufzuführen.

    Weiterhin sind Angaben zu Nennweiten und Leitungstyp der Verbindungsleitung (VBL) sowie zu Kapazität und Typ der Kläranlage erforderlich.

    Verbindungsleitungen

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    *) FL-Freigefälleleitung, DL-Druckleitung
    **) einschließlich Sonderbauwerke und sonstige Bauwerke

    Kläranlagen

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    *) TRK – Tropfkörperanlage; ME-mechanische Anlage; BSA-Belebtschlammanlage
    BSA/C-Belebtschlammanlage/Container; SBR-Sequenz-Batch-Reaktor
    TKU-Teichkläranlage unbelebt, TKB-Teichkläranlage belebt, PKA-PflanzenKA
    TAK-Tauchkörperanlage, TAK/C-Tauchkörperanlage/Container

    4. Angaben zur vorhandenen nicht öffentlichen Abwasserentsorgung in KKA und abflusslose Gruben

    Die Angaben über die Abwasserentsorgung in KKA oder abflusslose Gruben sind grundstücksgenau zu erstellen. Dazu zählt die Angabe der Gemeinde, Ortsteil, Straße, Hausnummer, Bezeichnung.

    4.1 Abwasserentsorgung über vorhandene KKA und abflusslose Gruben

    Die Grundstücke bzw. Ortsteile, die gegenwärtig in KKA und abflusslose Gruben entsorgen, sind in die Lagepläne für „vorhandene Ortsnetze“, die bereits unter Punkt 2.1 aufgeführt wurden, mit der Farbe gelb einzutragen.

    Darüber hinaus sind folgende Angaben grundstücksgenau beizubringen:

    ngg_shortcode_11_placeholder

    ngg_shortcode_12_placeholder

    *) z.B. Einfamilien-, Mehrfamilienhaus, Wohnblock, Wohnheim, Schule, Krankenhaus, Gewerberäume, Werkstätten, Gebäude von Firmen, Industrie und Landwirtschaft
    **) ALG abflusslose Grube, KKA Kleinkläranlage, MKFG Mehrkammerfaulgrube
    MKAFG Mehrkammerausfaulgrube; ME-mechanische Anlage
    TRK-Tropfkörperanlage; BSA-Belebtschlammanlage, PKA-PflanzenKA
    BSA/C-Belebtschlammanlage/Container, SBR-Sequenz-Batch-Anlage
    TKU-Teichkläranlage unbelebt, TKB-Teichkläranlage belebt;
    TAK-Tauchkörperanlage; TAK/C Tauchkörperanlage/Container
    ***) Gewässer, Kanal
    ****) bei Einleitung in Gewässer

    4.2 Schlammentsorgung aus KKA und abflusslosen Gruben

    Es sind Angaben über die satzungsgemäße Schlammentsorgung aus KKA und abflusslosen Gruben und die tatsächliche Organisation der Schlammentsorgung beizubringen.

    ngg_shortcode_13_placeholder

    *) Gemeinde, Zweckverband, Verwaltungsgemeinschaft

    In Textform sind weiterhin Aussagen über

    • die Feststellung des Entsorgungsbedarfs,
    • Bekanntmachung der Entsorger,
    • Kontrolle der Durchführung der Entsorgung

    beizubringen.

    Ist ggf. die Entsorgung nicht einheitlich geregelt, ist eine grundstücksgenaue Auflistung zu den eingangs genannten Sachverhalten erforderlich.

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    5. Angaben über zukünftig nicht an die öffentliche AW-Entsorgung anzuschließenden Grundstücke bzw. Ortsteile

    Über die Erfassung der bereits vorhandenen bzw. geplanten öffentlichen Abwasserentsorgung hinaus besteht die Möglichkeit, dass die Beplanung des Entsorgungsgebietes zu dem Ergebnis führt, dass Grundstücke bzw. Ortsteile prinzipiell von der öffentlichen Abwasserentsorgung ausgenommen werden sollen.

    Nach § 151 (5) WG LSA kann dies nur erfolgen, wenn das Abwasser aufgrund seines Herkunftsbereiches nicht gemeinsam mit dem häuslichen Abwasser beseitigt werden kann, eine Übernahme des Abwassers wegen technischer Schwierigkeiten, wegen eines unverhältnismäßig hohen Aufwandes oder aufgrund der Siedlungsstruktur nicht angezeigt ist.

    Darüber hinaus ist die Prüfung, ob eine gesonderte Entsorgung das Wohl der Allgemeinheit nicht beeinträchtigt, anhand der unter Punkt 1 des Konzeptes genannten Kriterien durchzuführen.

    Die davon betroffenen Grundstücke bzw. Ortsteile sind nachfolgend tabellarisch zu erfassen.

    Weiterhin sind sie grundstücksgenau in der Farbe grün in die bereits unter Punkt 3.1 genannten Lagepläne für „geplante Ortsnetze“ einzuzeichnen.

    ngg_shortcode_15_placeholder

    *) z. B. Einfamilien-, Mehrfamilienhaus, Wohnblock, Wohnheim, Schule, Krankenhaus, Gewerberäume, Werkstätten, Gebäude von Firmen, Industrie und Landwirtschaft
    **) ALG abflusslose Grube; KKA Kleinkläranlage; MKFG Mehrkammerfaulgrube
    MKAFG Mehrkammerausfaulgrube, ME-mechanische Anlage;
    TRK-Tropfkörperanlage; BSA-Belebtschlammanlage; PKA-PflanzenKA
    BSA/C-Belebtschlammanlage/Container; SBR-Sequenz-Batch-Anlage
    TKU-Teichkläranlage unbelebt; TKB-Teichkläranlage belebt
    TAK-Tauchkörperanlage; TAK/C Tauchkörperanlage/Container
    ***) Spezifik des Abwassers
    technische Schwierigkeiten
    unverhältnismäßig hoher Aufwand
    Siedlungsstruktur

    Darüber hinaus sind zu jedem Grundstück bzw. Ortsteil in einem Textteil Begründungen der unter Spalte 6 (Grund) genannten Sachverhalte mit folgendem Inhalt abzugeben:

    bei Spezifik des Abwassers
    Herkunftsbereich des Abwassers
    Tatsachen, die der Mitbehandlung in einer öffentlichen KA entgegenstehen
    Möglichkeiten der Vorbehandlung bzw. eigenständigen Behandlung
    Möglichkeiten der Weiterbehandlung bzw. Ableitung
    ggf. Sonderlösungen
    bei technischen Schwierigkeiten, unverhältnismäßig hohem Aufwand, Siedlungsstruktur:
    Angaben zur Siedlungsstruktur
    Angaben zur Erschließung des Grundstücks
    Angaben zur Überleitung des Abwassers, Nennweite, Leitungslänge zu Übergabestellen, Sonderbauwerke (Pumpwerke, Düker)
    Angaben zum Baugrund
    Erschließungskosten, zusätzliche Betriebskosten
    Entsorgungsalternative
    Hydrogeologische Aussagen bei Einleitung in das Grundwasser
    Auswirkung auf das Gewässer
    Kostenvergleichsrechnung nach LAWA mit wesentlichen Eingangsdaten

    6. Angaben zur Beseitigung des Niederschlagswassers

    Zur Entsorgung des Niederschlagswassers sind nach § 151 (3) WG LSA anstelle der Gemeinde die Grundstückseigentümer bzw. Träger öffentlicher Verkehrsanlagen verpflichtet, soweit die Gemeinde nicht im Interesse des Wohls der Allgemeinheit den Anschluss an öffentliche Abwasseranlagen bzw. ein gesammeltes Fortleiten vorschreibt.

    Es sind nachfolgend in Textform Angaben über:

    • die Zuständigkeiten bei der Niederschlagswasserentsorgung für die Grundstücke bzw. Verkehrsflächen in den einzelnen Gemeinden (Grundstückseigentümer, Gemeinde, Bund, Land, Landkreis)
    • Angaben über Gebiete mit der Vorschrift zum Anschluss an die öffentliche Abwasserentsorgung in Bezug auf das Wohl der Allgemeinheit
    • Angaben über Gebiete mit gesammeltem Fortleiten des Niederschlagswassers in Bezug auf das Wohl der Allgemeinheit

    beizubringen.




    Einführung in die Siedlungsentwässerung

    Inhaltsverzeichnis

    • Schmutzwasserherkunft und -mengen
    • Häusliches Schmutzwasser
    • Gewerbliches und industrielles Schmutzwasser
    • Auswahl des Entwässerungssystems
    • Anwendung des Mischsystems
    • Anwendung des Trennsystems
    • Modifizierte Systeme
    • Ableitung des Abwassers
    • Freispiegelentwässerung
    • Sonderentwässerung
    • Druckentwässerung
    • Vakuumentwässerung
    • Auswahl der Sonderentwässerung
    • Sonderbauwerke
    • Regenüberlaufbecken
    • Regenrückhaltebecken
    • Regenwasserableitung und -mengenermittlung
    • Fremdwasser

    Schmutzwasserherkunft und -mengen

    Bei der Abwasserbeseitigung ist aus Sicht der Behandlung das Abwasser prinzipiell in drei Gruppen zu unterteilen. Diese sind:

    1. Schmutzwasser aus häuslichen und industriell-gewerblichen Quellen
    2. Regenwasser (einschließlich Schmelzwasser)
    3. Fremdwasser (Drainage- und Sickerwasser, Brunnenüberläufe, Bäche…)

    Dabei ist im allgemeinen nur das Schmutzwasser behandlungswürdig. Regenwasser (mit Ausnahme von stark verschmutzten Einzelflächen) und Fremdwasser sollte dagegen weitestgehend direkt und auf kürzestem Wege in einen Vorfluter abgeleitet werden.

    Häusliches Schmutzwasser

    Zum häuslichen Schmutzwasser sind alle Wässer zu rechnen, die durch häuslichen Gebrauch verunreinigt werden. Dabei ist es unerheblich, ob diese Wässer aus einer öffentlichen (TW-Leitung) oder privaten (Brunnen) Trinkwasserversorgung oder einer Brauchwasseranlage (Brunnen, Vorfluter, Regenwasserspeicher) entnommen wurden. Im Einzelnen sind dies:

    1. Waschwasser
    2. Badewasser
    3. Spülwasser
    4. Wasser aus der Raumreinigung
    5. fäkalhaltiges Wasser

    Für die Mengenermittlung können nur im Idealfall die verkauften Trinkwassermengen zugrunde gelegt werden.
    Bei Erweiterung der Einzugsgebiete bzw. der verstärkten Nutzung von privaten Trink- und Brauchwasserquellen kann in den seltensten Fällen auf Messergebnisse zurückgegriffen werden. Oft können hier allein Schätzungen einen brauchbaren Bemessungswert ergeben.

    Als erster Anhaltspunkt wären Literaturwerte und Angaben der Abwassertechnischen Vereinigung (ATV-A 118) heranzuziehen. Der hier angegebene tägliche Schmutzwasseranfall liegt in folgender Größenordnung:

    Tabelle 1: Schmutzwassermengen nach ATV-A 118

    Die hier angegebenen Schmutzwassermengen können allerdings nur zur Dimensionierung der Kanäle herangezogen werden, da diese für eine lange Betriebszeit (mindestens 50 Jahre) zu bemessen sind und deshalb entsprechende Reserven ausweisen müssen.

    Für die Bemessung von Kläranlagen und Sonderbauwerken ist die in Tabelle 1 angegebene Wassermenge jedoch wesentlich zu hoch, da beispielsweise der mittlere Trinkwasserverbrauch bundesweit etwa bei 110 l/E*d (oft noch niedriger) liegt.

    Gewerbliches und industrielles Schmutzwasser

    Das gewerbliche bzw. industrielle Schmutzwasser setzt sich hauptsächlich aus folgenden Komponenten zusammen:

    1. Produktionswasser (technologisch bedingt)
    2. Reinigungswasser
    3. Kühlwasser (im allgemeinen nicht in die Kanalisation einzuleiten)
    4. Sanitärabwasser

    Dabei sind jedoch nicht nur Betriebe zu berücksichtigen, sondern auch weitere gewerbliche Bereiche, wie Hotels und Gaststätten, Krankenhäuser und Sanatorien, Schulen, Campingplätze…

    Abwassermengen aus gewerblichen und industriellen Bereichen sind durch Befragung und Erhebung und u. U. über eine Abwassermengenmessung zu ermitteln. Unter keinen Umständen dürfen hier Eigenversorgungen aus betrieblichen Wasserversorgungsanlagen vergessen werden.

    Für geplante Industrie- und Gewerbegebiete, bei denen der tatsächliche Besatz noch unklar ist, können folgende Empfehlungen der ATV-A 118 [12] herangezogen werden:

    • Betriebe mit geringem Wasserverbrauch 0,5 l/s*ha
    • Betriebe mit mittlerem Wasserverbrauch 1,0 l/s*ha
    • Betriebe mit hohem Wasserverbrauch 1,5 l/s*ha

    Auch hier sollte unbedingt zwischen hydraulischer Bemessung der Sammler (Angaben nach A 118 brauchbar) einerseits und Auslegung der Sonderbauwerke und der Kläranlage (Angaben nach A 118 meist deutlich zu hoch) andererseits unterschieden werden.

    Auswahl des Entwässerungssystems

    Prinzipiell kann zwischen drei Varianten der Entwässerung entschieden werden:

    • Mischsystem
    • Trennsystem
    • modifizierte Systeme

    Bei der Planung einer Ortskonzeption sind diese Varianten zu betrachten und im Rahmen eines Variantenvergleiches zumindest Misch- und Trennsystem hinsichtlich ihrer Folgekosten bei Abwasserableitung und -behandlung gegenüberzustellen.

    Bild 1: Entwässerungssysteme

    Prinzipiell sollte sich die Auswahl des Entwässerungssystems an dem vorhandenen Netz orientieren. Bei Neuerschließung eines Einzugsgebietes oder bei der Umgestaltung bebauter Bereiche können folgende Ausführungen eine Entscheidungshilfe sein.

    Anwendung des Mischsystems

    Bei einem klassischen Mischsystem werden alle Abwässer (Schmutz- und Regenwasser) gemeinsam in einem Sammler abgeleitet und an geeigneter Stelle mittels Regenüberlaufbauwerk entlastet. Dadurch wird bei Trockenwetter der gesamte Trockenwetterabfluss der Kläranlage zugeführt. Bei Regenwetter wird der erste stark verschmutzte Spülstoß vom Beginn eines Regenereignisses sowie ein Teil des Regenwetterabflusses (mindestens die doppelte Schmutzwassermenge und das Fremdwasser) auf der Kläranlage behandelt. Der Hauptteil des (weniger belasteten) Niederschlages wird dagegen direkt an den Vorfluter abgeschlagen.

    Der Aufbau eines Mischsystems ist dann von Vorteil, wenn in unmittelbarer Nähe kein geeigneter Vorfluter für eine direkte Ableitung des Regenwassers auf kurzem Weg zur Verfügung steht, d. h. ohnehin ein aufwendiges Netz für die Regenentwässerung erforderlich wäre.

    Damit entsteht nur der Aufwand für ein Kanalsystem anstelle von zwei parallelen Kanalsystemen.

    Vor allem in Städten mit älterer Bausubstanz ist weiterhin zu beachten, dass der Aufwand zur Trennung von Schmutz- und Regenwasser oftmals sehr hoch ausfällt:

    • Es besteht die Gefahr von Fehlanschlüssen in dicht bebauten Gebieten bei einer Umgestaltung vom Misch- zum Trennsystem.
    • Die meist mehrstöckigen Wohnhäuser werden oft im Mischsystem entwässert (sanitäre, nicht fäkalische Abwässer werden in die Regenfallrohre eingeleitet, Hofentwässerungen sind in die Hausanschlussleitung eingebunden, welche zu weiteren – hinter der Straßenfront liegenden – Gebäuden führen).
    • Eine Trennentwässerung kann hier oft nur aufgebaut werden, wenn vor dem Anschluss der Häuser innerhalb aller Gebäude eine komplette – und somit kostenintensive – Neuinstallation erfolgt ist.
    • Die erforderliche Umstellung in den Häusern parallel mit der Kanalisationsverlegung in der Straße führt oft zu großen technischen und organisatorischen Problemen.

    Ein weiteres Argument für die Errichtung eines Mischsystems ist oftmals die relativ starke Verschmutzung der zu entwässernden Flächen bei dichter Bebauung und hoch belasteten Verkehrsflächen.

    Der Vorteil des Mischwasserkanals liegt insbesondere in den meist praktisch geringeren Unterhaltskosten, da die Regenereignisse eine Spülwirkung haben.

    Als Nachteile des Mischsystems stellen sich vor allem die kostenintensiven Regenüberlaufbauwerke und die relativ hohen Schmutzfrachten dar, die bei den Entlastungsereignissen dem Vorfluter zugeführt werden.

    Außerdem können Fremdwässer nicht eingeleitet werden bzw. müssen sie mit hohen technischen und finanziellen Aufwand eliminiert werden, da Fremdwässer zu erheblichen Betriebsproblemen der Abwasserentsorgung (Transport zur Kläranlage, zwangsläufige „Mitbehandlung“, erhöhte Abwasserabgabe…) führen können.

    Nachteilig ist weiterhin, dass erheblich höhere Wassermengen durch Regenereignisse zur Kläranlage gelangen, weil besonders bei lang anhaltenden Niederschlägen geringer Intensität keine oder nur geringe Entlastungen durch die Überlaufbauwerke erfolgen (Transport- und Behandlungskosten).

    Anwendung des Trennsystems

    Ein Trennsystem zeichnet sich durch die Verlegung zweier paralleler Sammler aus. Im Schmutzwassersammler werden alle Schmutzwässer gefasst. Der Regenwassersammler dient dagegen der Ableitung des Regen- und Schmelzwassers sowie des Fremdwassers.

    Die Vor- und Nachteile des Trennsystems ergeben sich natürlich aus dem Umkehrschluss zu den genannten Vor- und Nachteilen des Mischsystems.

    Ein Trennsystem empfiehlt sich genau dann, wenn am Standort eine Regenwasserableitung in Vorfluter/Gräben o. ä. auf kurzem Wege möglich ist und somit keine aufwendige Regenentwässerung erforderlich wird.

    Die günstigste Entwässerungsvariante besteht natürlich in den Fällen, in denen generell nur ein Schmutzwassernetz erforderlich ist, d.h. auf die kostenintensive Regenwasserfassung (fast) völlig verzichtet werden kann (Entwässerung im ländlich strukturierten Bereich).

    Wird die Variante der reinen Schmutzentwässerung angestrebt, sollte aber das Gespräch mit dem Betreiber vor Ort sowie mit den jeweiligen Anwohnern gesucht werden, um kritische Bereiche der natürlichen Regenwasserableitung (Einstau bei Niederschlägen, Pfützenbildung, verstärkte Eisbildung auf den Straßen im Winterhalbjahr…) zu selektieren.

    In allen übrigen Fällen sollte aber das Regenwasser wie bisher

    • durch Versickerung,
    • durch Ableitung an der Oberfläche in das Gelände/Gräben,
    • in unmittelbar am Grundstück befindliche Wasserläufe/Gräben

    abgeleitet werden.

    Inwieweit für das Schmutzwassernetz letztendlich eine traditionelle Freispiegelentwässerung oder aber ein Sonderentwässerungsverfahren (Druckentwässerung; Vakuumentwässerung) zum Einsatz kommt, ist jeweils anhand der Verhältnisse (Kosten, Topographie; Anschlussdichte, Wasserschutzgebiete…) vor Ort zu entscheiden.

    Modifizierte Systeme

    Modifizierte Systeme stellen eine Mischform beider Systeme dar.

    Sie basieren auf der Reduzierung bzw. vollständigen Vermeidung der abzuleitenden Regenwassermengen durch kurze (möglichst auch oberflächliche) Ableitung zum Vorfluter bzw. Versickerung auf den Grundstücken.

    Nur das anfallende Schmutzwasser und das Regenwasser von stark verschmutzten Einzelflächen (Bundesstraßen, bestimmte Gewerbeflächen…) kommt zur Ableitung und Behandlung.

    Es ist bei jeder Planung einer Ortsentwässerung in jedem Fall darauf zu achten, dass die entsprechenden Variantenvergleiche hinsichtlich der Entwässerungssysteme durchgeführt werden, da das Kanalnetz den dominierenden Kostenfaktor bei der Abwasserbeseitigung darstellt.

    Ableitung des Abwassers

    Freispiegelentwässerung

    Die klassische Möglichkeit, Abwasser vom Entstehungs- bzw. Anfallort zur Behandlung oder Einleitung zu transportieren, ist die Freispiegelentwässerung. Hierbei wird unter Ausnutzung der Erdbeschleunigung das Wasser entsprechend der natürlichen Entwässerungsrichtung abgeleitet.

    Sonderentwässerung

    Der Einsatz von Sonderentwässerungsverfahren erfolgt zum einem aufgrund topographischer Bedingungen, die eine reine Freispiegelentwässerung nicht möglich bzw. nicht sinnvoll erscheinen lassen, und zum anderen bei der Entwässerung relativ dünn besiedelter Gebiete, da sich dort aufgrund der geringen Einwohnerdichte sehr hohe spezifische Kanallängen pro Einwohner ergeben. Mit einer Sonderentwässerung lassen sich dann im Vergleich zum Freispiegelkanal vergleichsweise geringe Kosten pro Meter Sammler erzielen.

    Eine pauschale Angabe zum Grenzbereich zwischen Anwendung der Freispiegelentwässerung und einer Sonderentwässerung (wie Druckentwässerung) – z. B. in Abhängigkeit der durchschnittlichen Sammlerlänge pro Einwohner – ist nicht möglich, da aufgrund verschiedener Besiedlungsstrukturen völlig unterschiedliche Ergebnisse erzielt werden können. Entscheidend ist hierbei u.a. die Anzahl der erforderlichen Hausanschlüsse. Es ist also in jedem Fall eine Einzelprüfung erforderlich, ob im konkreten Anwendungsfall eine traditionelle Freispiegelentwässerung oder eine Sonderentwässerung zum Einsatz kommen sollte.

    Prinzipiell kann jedoch davon ausgegangen werden, dass es sinnvoll ist, ab einer Größenordnung von ca. 6 m Kanal/E zu prüfen, inwieweit eine Sonderentwässerung Kostenvorteile erbringt; als pauschale Grenzgröße ist dieser Wert jedoch nicht geeignet.

    Druckentwässerung

    Bei Anwendung von Druckentwässerung zur Schmutzwassersammlung in Orten/Ortsteilen werden im Normalfall Druckleitungen (überwiegend PE) im Dimensionsbereich DN 50 bis DN 110 eingesetzt.

    Unterhalb DN 80 erfolgt grundsätzlich bei einer Förderung von Rohabwasser der Einsatz von Schneidradpumpen.

    Als Hauspumpstationen kommen üblicherweise Fertigteil-Kompaktpumpstationen zum Einsatz.

    Bei den meisten Fabrikaten handelt es sich hierbei um Fertigteilschächte aus PE oder Beton, ausgerüstet mit einer Tauchpumpe geringer Fördermenge/Förderhöhe (ca. 5 l/s auf 15 m), wobei die meisten Hersteller aufgrund des geringen Durchgangs dieser Aggregate Schneidradpumpen zum Einsatz bringen.

    Nachteile der Druckentwässerung:

    • gegenüber der Freispiegelentwässerung erhöhter Wartungsaufwand für die Pumpwerke (bei größeren Netzen ab ca. 400 DM/a*PW)
    • kürzere Abschreibungszeiträume für die Ausrüstungsanteile
    • Verweildauer bei längeren Strecken (Ablagerungen, Anfaulen des Abwassers – ggf. Anordnung einer Druckluftspülstation)
    • Einsatz von Fremdenergie

    Nicht korrekt ist jedoch das allgemeine Vorurteil hinsichtlich der Energiekosten, da z.B. bei einem durchschnittlichen Hauspumpwerk eines Einfamilienhauses lediglich Energiekosten in der Größenordnung von ca. 10 – 20 DM/a anfallen.

    Vakuumentwässerung

    Die Kosten für das Leitungsnetz gestalten sich analog zur Druckentwässerung.

    Ein Vorteil der Vakuumentwässerung besteht darin, daß aufgrund des Unterdruckes kein Abwasser in das Grundwasser sickern kann (Wasserschutzgebiete!).

    Im Havariefall (Undichtheit) ist allerdings die Abwasserableitung nahezu unterbunden, andererseits ist die Leckagesuche relativ leicht durchzuführen.

    Die Hausanschlussstationen sind im Falle der Vakuumentwässerung deutlich kostengünstiger als bei der Druckentwässerung, allerdings fallen die relativ aufwendigen Vakuumstationen bei Kostenvergleichen stark ins Gewicht.

    Im Ergebnis ist eine Vakuumentwässerung nur bei einer relativ großen Anzahl derart anzuschließender Grundstücke wirtschaftlicher als eine analog verlegte Druckentwässerung.

    Auswahl der Sonderentwässerung

    Nachfolgendes Diagramm zeigt diesen Sachverhalt nur an Hand der primär anfallenden Investitionskosten (nur Investitionskosten für Pumpstationen bzw. Vakuumstationen u. Hausanschlussstationen, die Sammlernetze sind in etwa kostenäquivalent):

    Diagramm 1: Kostenvergleich Druckentwässerung/Vakuumentwässerung

    Die Wirtschaftlichkeit des jeweiligen Entwässerungssystems im direkten Vergleich ist also stark von der Anzahl der zugehörigen Stationen abhängig.

    Das Diagramm bietet die Möglichkeit abzuwägen, inwieweit z.B. der Einsatz einer speziellen Sonderentwässerung wirtschaftlich ist.

    Insbesondere im Grenzbereich ist jedoch ein Betriebskostenvergleich erforderlich. Die größten Differenzen bei den Betriebskosten im Vergleich der Systeme sind im Bereich der Wartungskosten zu erwarten.

    Zu beachten ist allerdings, daß die Einsatzmöglichkeit der Vakuumentwässerung stark von der Topographie des Einzugsgebietes abhängt, da diesem Entwässerungssystem mit 3 bis 4 m geodätischer Höhendifferenz mit durchschnittlichem Aufwand eine Grenze gesetzt ist.

    Sonderbauwerke

    Zu den Sonderbauwerken werden folgende Anlagen der Kanalisation gezählt:

    • Regenbecken (Regenüberlaufbecken, Regenklärbecken, Regenrückhaltebecken)
    • Regenüberläufe
    • Pumpwerke
    • Ein- und Auslaufbauwerke

    Regenüberlaufbecken

    Eine der Hauptaufgaben der Ortsentwässerung ist die schadlose Ableitung der anfallenden Regenwassermengen.

    Da während eines Regenereignisses die zur Ableitung kommende Abwassermenge um ein Vielfaches – gegenüber dem Trockenwetterabfluss – erhöht wird, ist durch geeignete Maßnahmen der Abfluss zur Kläranlage zu begrenzen. Dies geschieht im allgemeinen durch den Einsatz von Regenbecken.

    Ziel ist es, dass anfallende unverschmutzte bzw. nur gering belastete Regenwasser dem Vorfluter zuzuführen.

    Im Mischsystem werden deshalb Regenüberlaufbecken vorgesehen, die nur den Trockenwetterabfluss und einen Teil des Regenwetterabflusses der Kläranlage zuführen (vergl. Abschnitt 2.1).

    Regenrückhaltebecken

    Bei Trennsystemen wird zur hydraulischen Entlastung auf Regenrückhaltebecken zurückgegriffen, welche den gesamten Regenwasseranfall zwischenspeichern und dann gedrosselt an den Vorfluter bzw. den folgenden Kanalabschnitt abgeben. Solche Rückhaltebecken sollten in Mischsystemen nur in Ausnahmefällen angewendet werden, da in diesem Fall kein Abwurf in den Vorfluter erfolgt, und deshalb ein Hauptteil des gespeicherten Regenwassers zur Kläranlage abgeleitet wird und dort hohe Betriebskosten verursacht.

    Regenklärbecken

    Der Einsatz von Regenklärbecken wird immer dann erforderlich, wenn das abgeleitete Regenwasser nicht den Anforderungen zum Einleiten in den Vorfluter entspricht. Dies trifft oft nur bei sehr kleinen oder sensiblen Vorflutern, bei Schutzgebieten bzw. bei stark verschmutzten Einzelflächen zu. Keinesfalls ist davon auszugehen, daß Regenwasser aus normaler Wohnbebauung (im Trennsystem abgeleitet) behandlungswürdig ist.

    Regenwasserableitung und -mengenermittlung

    Zur Dimensionierung von Regen- und Mischwassersammlern ist immer die abzuführende Regenwassermenge bestimmend.

    Folgende grundlegende Ausgangswerte sind für die Bemessung der Freispiegelsammler entscheidend:

    Berechnungsregen

    Basis sollten langjährige Niederschlagsmessungen unter Anwendung statistischer Methoden für ein bestimmtes Gebiet sein (z. B. Meteorologisches Gutachten vom Deutschen Wetterdienst).

    Regenhäufigkeit

    Die Regenhäufigkeit dient der rechnerischen Ermittlung des Regenabflusses und ist deshalb von besonderer Bedeutung. Sie drückt das Sicherheitsbedürfnis der Kommune für ein bestimmtes Gebiet gegen Überflutung im Starkregenfall aus und schlägt sich in der statistischen Sicherheit nieder.

    Grundlage der Festlegung ist das ATV-Regelwerk A 118 [12].

    Regendauer

    Die Regendauer wird maßgebend von der Neigung der Einzugsfläche sowie deren Befestigungsgrad (BFG) bestimmt. Auch hier gilt das Arbeitsblatt A 118 als Anhaltspunkt.

    Fremdwasser

    Zum Begriff „Fremdwasser“ werden alle die Wässer zusammengefasst, die nicht durch den häuslichen oder gewerblich-industriellen Gebrauch verunreinigt werden oder aus Niederschlagsereignissen hervorgehen.

    Im einzelnen sind dies besonders Drainage- und Sickerwasser, Brunnenüberläufe, Bäche und in den Schmutzwassersammler eindringendes Regenwasser.

    Fremdwassermengen sind am besten durch Messung in den Nachtstunden zu ermitteln. Liegen keine zuverlässigen Messungen vor, so kann u. a. wieder die ATV mit den Arbeitsblättern A 118 [12] und A 128 [16] herangezogen werden.

    Für die Bemessung von Kanälen (A 118) werden oft in Ermangelung genauer Messungen folgende Ansätze gemacht:

    • Misch- und Regenwasserkanäle: Qf24 = 25 % – 40 % Qs24
    • Schmutzwasserkanäle: Qf24 = 100 % Qs24

    Bei Sonderbauwerken (Regenüberlaufbauwerke A 128) weichen diese Mengen deutlich von der A 118 ab. Es gelten im allgemeinen folgende Ansätze, bezogen auf die undurchlässige Fläche des Einzugsgebietes:

    • neue Kanäle Qf24 = 0,05 l/s*ha
    • normale Kanäle Qf24 = 0,10 l/s*ha
    • alte Kanäle Qf24 = 0,15 l/s*ha

    Diese allgemeinen Ansätze können jedoch nur als Orientierung dienen und sind auf die besonderen Bedingungen des Einzugsgebietes (z. B. Grundwasserstand, Zustand der Kanäle…) abzustimmen.

    Werdau, im Juni 2003

    Dr. -Ing. Jens Friedemann
    Institut für Wasserwirtschaft Halbach

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