Kanalgestank

Kanalgestank muss nicht sein. Ursachen und eine innovative Lösung!

In diesem Beitrag geht es um die Beseitigung von Kanalgestank, verehrter Leser. Das mag für manche ein lustiges Thema sein. Kleine Jungs können sich geradezu begeistert von solchen Geschichten zeigen. Es genügt allein die Vorstellung und sie schütten sich aus vor Lachen, schon wenn sie an die dort unten schwimmenden Kupferbolzen denken.

Ist man aber ein „Kanalgestankbetroffener“, dann findet man Kanalgestank gar nicht nett. Ich werde also im weiteren Verlauf meiner Ausführungen versuchen, immer schön ernst zu bleiben. Wie Sie sicher schon bemerkt haben, kann ein solches Thema kurzweilig sein.

Und so würde es mich freuen, wenn ich Sie am Ende des Beitrages, der in einigen Abschnitten einer Glosse ähnelt, verabschieden darf.

Doch zunächst das Inhaltsverzeichnis:

1. Ursache oder Wirkung beseitigen? Das ist die Frage beim Kanalgestank!
2. Die Wissenschaft vom Kanalgestank
3. Manchmal sagen Bilder mehr als 1.000 Worte…
4. Kanalgestank – ausgewählte Ursachen
4.1 Unmittelbare Ursache des Kanalgestanks
4.2 Mittelbare Ursache des Kanalgestanks
4.3 Manchmal liegt es förmlich auf der Zunge, warum es stinkt!
5. Die dunkle Seite vom Kanalgestank
6. Voraussetzungen für öffentlichen Kanalgestank und es kommt auf das Maß an!
7. Verursacht Trinkwasserparen den Kanalgestank?
8. Und der Schluss!

1. Ursache oder Wirkung beseitigen? Das ist die Frage beim Kanalgestank!

Kanalgestank ist eine Wirkung und nun wäre die Frage zu beantworten, ob Sie, verehrter Leser, sich für die Beseitigung der Ursachen oder ihrer Wirkungen interessieren.

Im ersten Fall lesen Sie weiter, im zweiten Fall aber könnten Sie hier Ihre Zeit verschwenden. Ich darf deshalb auf zahlreiche Quellen verweisen, die im Web leicht zu finden sind und auf denen Mittelchen gegen die Wirkung von Kanalgestank angeboten werden. Diese Lösungen müssen nicht schlecht oder unzweckmäßig sein und sie haben in vielen Fällen durchaus ihre Berechtigung. Klug ist aber jener beraten, der wenigstens eine Alternative zu jenem kennt, was gerade im Angebot ist.

Nun, da Sie es offenbar bis hierhin geschafft haben ohne die Seite zu verlassen, erlaube ich mir mit dem Thema fortzufahren.

Analog, wie ein fauler Zahn aus dem Munde herausstinkt, hat man die Möglichkeit, den Gestank mit Deo, Nasenatmung oder Luftanhalten zu übertünchen und zu warten bis sich die Wurzel entzündet und sich geneigt zeigt herauszueitern. Man kann beim Zahnarzt das Problem beseitigen lassen. Das kann wehtun und im analogen Fall kostet die Beseitigung der Ursachen von Kanalgestank eben mehr Geld und Aufwand als nur der Kauf eines Deos.

Nun gibt es ja neben vielen eine menschliche Schwäche. Was er nicht sieht, interessiert ihn nicht und besonders dann nicht, wenn etwas so vor sich dahin schleicht, wie z. B. der Zerfall einer sehr teuren Kanalisation wegen Feuchtigkeit und Betonzersetzung, der Betonkorrosion genannt wird. Nur weil ich weis und es auch mehrfach erlebt habe, dass es Ausnahmen bei der Pflege der Kanalisationen gibt, habe ich mich zum Verfassen dieses etwas längeren Beitrages entschlossen.

An sich ist es ganz einfach und bekannt, wie folgende Analogie zeigt, die es zwischen eigenen Wohnräumen, die man meist bestens kennt und einer Kanalisation gibt: Wenn es in der Küche feucht wird, die Wände zu schimmeln beginnen und der Putz rieselt, spätestens dann weis man, es wäre besser gewesen ab und zu mal zu lüften. Das Problem ist im Fall der Kanalisationen nur, dass diese eben keine Fenster haben, die man ohne weiteres öffnen kann. Dafür haben aber ihre Schächte Deckel, meist mit Löchern, aber dazu später.

2. Die Wissenschaft vom Kanalgestank

Die „Kanalgestankwissenschaft“ ist tatsächlich eine solche. Nur wird das Teilgebiet der Be- und Entlüftung an Hochschulen oder Universitäten nicht mehr gelehrt. So um 1900 und bis vielleicht 1930, als es in den deutschen Städten häufiger als heute noch so richtig stank, da war die Ursachenbekämpfung durch Belüftung selbstverständlich und niemand kam damals auf die Idee Nitrat tonnenweise in die Kanäle zu kippen. Aber wie das mit dem Selbstverständlichen so ist; es ist nur dem Verständigen selbstverständlich (fremde Definition des Selbstverständlichen). Und weil es auf die Dauer den Professoren zu langweilig wurde immer Selbstverständliches zu predigen, geriet die Wissenschaft vom Kanalgestank in ihrer Komplexität in Vergessenheit und die Ingenieure blieben (natürlich nur diesbezüglich) teilweise unwissend.

Eine Ursache ist auch, dass der Wert des Studiums alter Fachliteratur völlig unterschätzt wird. Deshalb bleibt manche Erkenntnis verborgen, Erscheinungen werden falsch bewertet und das Rad wird neu und teurer erfunden. Vielleicht hat man auch für den Blick zurück keine Zeit. Man muss DIN’s, technische Regeln, Merkblätter und Richtlinien lesen und beachten.

Heute weis man, die Schachtdeckel haben Löcher und die Hausanschlussleitungen werden über Dach gezogen. Kaum ein Mensch weis aber noch warum.

Soweit die Vorrede und nun wird es etwas konkreter. Dabei werden Sie verstehen, dass es eigentlich nur um den faulen Zahn geht und nicht um den Gestank aus dem Munde. Der Zahn ist das Wertvolle, den es zu schützen gilt, doch zunächst:

3. Manchmal sagen Bilder mehr als 1.000 Worte…

ngg_shortcode_0_placeholder

Mittlerweile verfügt das Institut für Wasserwirtschaft Halbach über umfangreiche Erfahrungen bei der Minimierung von Geruchsbelästigungen und Korrosionen in Kanalisationen, die 10 Jahre weit übersteigt.
Unsere in der Praxis bewährten Methoden erlauben es, Ihr Entscheidungs- und Investitionsrisiko gegen Null zu senken!

4. Kanalgestank – Ausgewählte Ursachen

4.1 Unmittelbare Ursache des Kanalgestanks

Im Schmutz- oder Mischwasserkanal fließt Abwasser und das stinkt unmittelbar verschieden und unterschiedlich intensiv.

Es ist eine Eigenschaft des sanitären Abwassers, die unter Erwachsenen nicht weiter erörtert werden braucht, dass es unbehandelt stinkt. Kinder dagegen können solche Themen erfreuen. Die psychologische Ursache zu erörtern, wäre auch ein interessantes Thema, würde aber den Umfang des Beitrages sicherlich noch weiter sprengen.

Besonders penetrant wird es, wenn man glaubt, es sei gut, Abwasser kilometerweit zu pumpen, weil dann der Bau einer kleineren Kläranlage gespart würde und dieser Glaube verstößt gegen den schon wenigstens 100 Jahre alten Erfahrungssatz:

Abwasser muss frisch auf die Kläranlage gelangen!

Der Geruch des Abwassers ändert sich mit zunehmendem Alter des Abwassers. Wie beim toten Tier. Das riecht nach dem Schlachten spezifisch und nach 14 Tagen im Hochsommer in der Sonne anders spezifisch.

Ich kenne einen Fall, da hat Abwasser zur Weihnachtszeit nicht nur aus einem Schachtdeckel unspezifisch „herausgemüffelt“. Fichtennadelduft lag in der Luft und dieser vertrug sich mit der Rostbratwurst überhaupt nicht. Was ich damit sagen will: Auch frischer Abwasserduft kann belästigen und in solchen Fällen bringt eine chemische Geruchsbekämpfung überhaupt nichts. Selbst wenn es nach faulen Eiern aus dem Kanaldeckel herausstinkt, dann kann man wohl mit Nitrat die Bildung des Schwefelwasserstoffes verhindern. Der neue Zustand wird sich dann dahingehend ändern, dass es nun nicht mehr nach faulen Eiern stinkt, sondern nach mehr oder weniger frischem Abwasser. Die Ursache ist simpel:

Wenn Kanalluft aus einem Kanaldeckel heraustritt, dann wird die Aerodynamik der Kanalhaltung durch die Zugabe von Chemie nicht geändert.

Wenn Sie das Übel an der Wurzel packen wollen, dann gehen Sie zum Experten für effiziente Be- und Entlüftungen von Teilkanalisationen und das sind wir. Sicher gibt es auch Fälle, in denen unsere Methode unzweckmäßig ist, aber das ist vor der Investition festzustellen.

4.2 Mittelbare Ursache des Kanalgestanks

Die mittelbaren Ursachen von Kanalgestank offenbaren sich schnell, wenn geprüft wird, warum es z. B. in manchen Städten oder Siedlungen häufig aus den Schachtdeckeln stinkt und warum dies in anderen Städten oder Siedlungen eher eine Ausnahmesituation ist.

Es liegt ganz schlicht an der Funktion der Be- und Entlüftung der Kanalisation.

In den Städten, in denen sie funktioniert, funktioniert sie korrekt und hinreichend wirkungsvoll und in den Städten oder Siedlungen, in denen es häufig aus dem Kanal herausstinkt, funktioniert sie eben nur mangelhaft oder gar nicht.

4.3 Manchmal liegt es förmlich auf der Zunge, warum es stinkt!

Früher – vor der Erfindung der Kanalisation in Europa (die alten Römer waren damals weiter) – hat es in den Städten immer und überall gestunken.

Heute ist es manchmal erstaunlich, warum es nicht noch mehr stinkt. Dazu folgende Ausführung. Zunächst schauen wir uns das schaurig schöne Bild des Untergrundes einer Großstadt an. Das Bild hat auch eine Geschichte. Der betreffenden Stadtentwässerung kam es unheimlich vor, in diese Abwasserflut – weil verbreitet, bequem und üblich – kesselwagenweise Nitrat zu schütten, um den Schwefelwasserstoff zu binden, der in diesem Abwasser nicht vorhanden war.

Kanalgestank

Foto 1: Es stinkt in diesem Kanal nach frischem Abwasser!

Kanalgestank

Foto 2: Ein Schachtdeckel sollte in der Regel Löcher haben!

Was fällt auf? Es gibt viel Luft und viel Abwasser. Und hier fließt förmlich ein Bach aus reinstem Abwasser! Die Besonderheit war und ist hier: Es handelt sich um frisches Abwasser und um eine Kanalatmosphäre mit unbedeutenden Spuren von Schwefelwasserstoff. Es ging also in diesem Fall nur um die Beseitigung des Geruches von frischem Abwasser. In den Bach Hineinfallen wäre unappetitlich und nicht nur deshalb zu vermeiden. Gegen den Strom können nur die Besten der Besten vielleicht 5 Minuten lang schwimmen. Aber das ist heute nicht das Thema. Nun stellen wir uns folgende Realität vor: Einige Meter stromabwärts (Bitte im Bild rechts lang!) befindet sich ein Schacht in die Oberwelt. Und der hat an seinem Ende einen Deckel mit Löchern. Auch wenn die Löcher verträumt klein sind. Man soll die Wirkung der Kleinen nicht unterschätzen! Es sind 16 an der Zahl mit einem Durchmesser von meist nur 38 mm, aber diese 16 Löcher haben zusammen einen äquivalenten Durchmesser eines Rohres DN 150 (15 cm) und da kann es im ungünstigen Fall ganz schön herausstinken. Und auf den Schachtdeckel steht ein Tisch mit einigen Stühlen und um den herum sitzen Gäste eines Boulevard Cafés. Den Tisch ziert z. B. ein duftender Cappuccino. Leute sitzen also 2 m über einer Abwasserflut und man wundert sich warum es stinkt! Zur Ehrenrettung sei gesagt, man fackelte nicht lange und löste das Problem kurzfristig durch Abdecken des Schachtdeckels mit Kunstrasen und mittelfristig endgültig durch Änderung der Aerodynamik der Kanalluftströmung und dies ohne dem Abwasserstrom Chemikalien zuzusetzen.

Gestand und Kaffee

Foto 3 bedarf keiner Erklärung.

Das hätte auch nicht viel gebracht, denn in der Nähe des Hauptsammlers gab es – wie schon erwähnt – nämlich einen Fichtennadelduftemittenten. Das führte dazu, dass es nicht immer nach frischem Abwasser stank, sondern mitunter auch deutlich nach Fichtennadelbadezusatz.

Und übrigens: Der auf dem Foto 1 gezeigte Kanal birgt eine Überraschung!

Wer hätte gedacht, dass der Kanalwind, der zwischen Wasserspiegel und unbenetzter Kanalwandung hier meist in Fließrichtung bläst, einem Volumenstrom von über 3.000 m³/h entspricht?

Dieser Betrag ist ein Mittelwert mehrerer Messungen. Und nun stelle man sich vor es gibt stromabwärts einen Einzelverlust, z. B. durch eine Vereinigung, eine Verengung oder eine Richtungsänderung. Die Konsequenz ist simpel: Die Aerodynamik verursacht eine lokale Luftdruckerhöhung und damit eine Luftströmung durch naheliegende Schächte nach oben und wer zufällig darüber steht, dem zieht es durch die Hosenbeine. 

5. Die dunkle Seite vom Kanalgestank,

wird dann beleuchtet, wenn Schwefelwasserstoff in der Luft liegt. Schwefelwasserstoff (H2S) ist ein Gas, das bei der Fäulnis von Biomasse entsteht, also auch wenn Abwasser sehr lange von der Anfallstelle zur Kläranlage fließen muss. Es ist extrem giftig und riecht schon bei geringen Konzentrationen nach faulen Eiern. Schwefelwasserstoff betäubt zudem ab einer bestimmten Konzentration ( 200 ppm = 0,2 Liter H2S pro Kubikmeter) die  Geruchsrezeptoren und kann dann nicht mehr gerochen werden. 5 Tausendstel H2S verteilt in einem Kubikmeter Luft töten in wenigen Sekunden.

Nun kommen wir zu der Analogie mit dem faulen Zahn zurück: Kanäle sind wenigstens genauso wertvoll wie Zähne eines Lebendigen. Der Gestank aus dem Kanal ist ein starkes Indiz auch dafür, dass der Kanal „kariös“ wird. Und das kann dann beim „Zahnarzt“ analog so ausschauen:

Kanalgestank

Foto 4: Durch falsche Kanalbelüftung trat in diesem Fall Schwefelwasserstoff aus dem Abwasser in den Schacht und wurde nicht – wie erforderlich – über die Entlüftungsleitung über Dach abgezogen. Der Schwefelwasserstoff löste sich im Kondenswasser und bildete im Schachtinneren schweflige Säure. Diese sehr aggressive Säure zersetzte nicht nur die Steigeisen, sondern auch den Zement der Fliesen auf der Berme (Auftritt neben dem Gerinne), wie an den fehlenden Fliesen zu erkennen ist. Das Ereignis wird auch biogene Korrosion genannt.

Kanalisationen sind nicht nur sehr teuer, sondern sie sollen theoretisch im besten Fall 80-100 Jahre halten. Zu einem anspruchsvollen Kanalbetrieb gehört es deshalb dafür zu sorgen, dass Frischluft in die Kanäle und Schächte gelangt, damit die unterirdischen Bauwerke trocken gehalten werden. Das dabei auch der Kanalgestank beseitigt wird, ist in Bezug auf die Werterhaltung ein willkommener Nebeneffekt.

Die korrekte Lüftung von Kanalisationen ist eine Aufgabe der Wartung von Kanälen aber diese ist nicht immer Stand der Technik.

Maßnahmen zur korrekten Belüftung von Kanalisationen sind teuer, in der Regel aber verhältnismäßig und damit Stand der Technik, weil eine trockene Kanalatmosphäre die Lebensdauer (Nutzen) der sehr teuren Kanalisationen gegenüber unbelüfteten Kanalisationen (normalerweise unnötige Sanierungskosten) spürbar verlängert. Daneben gibt es noch weitere Vorteile.

6. Voraussetzungen für öffentlichen Kanalgestank und es kommt auf das Maß an!

Dass Kanäle hin und wieder müffeln, muss hingenommen werden. Auch mit einer guten Gestaltung und Planung der Be- und Entlüftung von Kanalisationen ist nicht auszuschließen, dass es alle 365 Tage im Jahr nicht müffelt, denn die Be- und Entlüftungsöffnungen in Kanalisationen sind nur eine notwendige Voraussetzung dafür, dass es nicht aus den Kanaldeckeln herausstinkt. Die weitere/n notwendige/n Voraussetzung/en lautet/n:

  • Die Dichte der Kanalluft ist größer als die der Außenluft und/oder
  • der Wind, der über die Dächer bläst, hat genug Kraft, um die Kanalluft aus den Kanälen, über die Grundleitungen, durch die Fallleitungen der Häuser und die Abluftöffnungen im Dach zu saugen.

Die Konsequenz ist dann, dass Frischluft über die erwähnten Löcher der Kanaldeckel in die Kanalisation eindringt, diese trocknet, den Schwefelwasserstoff – sollte er anwesend sein – verdünnt und über Dach abzieht. Siehe dazu das folgende Foto:

Kanalgestank

Eine schlechte Be- und Entlüftung kann also viele Ursachen haben:

  • Mangelhafte Entlüftung des Kanals, weil nicht alle sanitären Fallleitungen über Dach gezogen wurden.
  • Mangelhafte Entlüftungen des Kanals wegen aufgelockerter oder fehlender Bebauung.
  • Mangelhafte Entlüftungen des Kanals wegen mangelhafter Belüftung (verschlossene Schächte, Einbau von Filtern).

Im Vergleich zu dem, was früher so investiert wurde, um den Kanalgestank loszuwerden, ist der Aufwand für eine Be- und Entlüftung, wie wir sie für Teilkanalisationen beherrschen, eher bedeutungslos. Gezeigt wird in der folgenden Abbildung eine „Hochschachtlüftung“, ausgeführt um 1880 in Blackpool (England). Die Schachtdeckel hatten damals noch keine Lüftungslöcher und die sanitären Fallleitungen wurden nicht über Dach entlüftet. Nur für diese Aufgaben gab es die im folgenden Bild dargestellten zwei Rohrsysteme.

Kanalgestank

Hochschachtlüftung, ausgeführt um 1880 in Blackpool (England). Links ist die Lufteinlasssäule zu sehen und an der Giebelwand des Hauses ist der Abluftkamin befestigt.


7. Verursacht das Sparen von Trinkwasser Kanalgestank?

Bei dem Beurteilen dieser These ist Zurückhaltung ratsam, denn wenn es stimmt, dass es unmöglich ist gegen den Wind zu stinken, dann kann das Wassersparen im Kanal nicht die Ursache für den Kanalgestank sein.

Erklärbar wäre, dass es häufiger und deutlicher stinken kann, wenn Trinkwasser gespart wird.

Im Grunde – wenn eine kleine Abschweifung erlaubt wird- ist das Trinkwassersparen im wasserreichen und gebildeten Deutschland sowieso eine äußerst komische Angelegenheit, denn

1. regnet es in der Sahara nicht deshalb häufiger, wenn die Deutschen Wasser sparen und

2. verursacht das Trinkwassersparen bei der Wasserverteilung und in der Kanalisation zusätzliche Kosten, die dann über Gebühren und Beiträge refinanziert werden.

Das übermäßige Sparen von Wasser in Deutschland verträgt sich nicht mit dem Verstand, von dem meint, er hätte davon nicht zu wenig. Sachlich ist das Komische also nicht erklärbar.

Insofern ist es klüger und nicht komisch sondern kostensparend, wenn rational und nicht emotional entschieden bzw. gehandelt wird. Aber das versucht die Masse der Menschen schon seit Tausenden von Jahren vergeblich. Als Erfahrungssatz mag gelten:

Wenn etwas komisch ist, dann hat man es

  1. tatsächlich mit Komik oder
  2. mit einem auf dem ersten Blick nicht offensichtlichen Geschäftsargument zu tun.

8. Und der Schluss!

Ich denke, es wurde dargelegt, dass Erfahrungen für die Bewertung praktischer und theoretischer Aerodynamik in Kanalisationen – also für die Untersuchungen und Bewertung von Kanalwinden schlechthin – im Institut für Wasserwirtschaft Halbach ausreichend seit mittlerweile über 10 Jahren vorliegen. Dabei wurden einige für die Effizienz notwendige Erfahrungen und Methoden in diesem Bericht unerwähnt gelassen.

Und wir haben neben Erfahrung auch Referenzen, die sich sehen lassen können.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass alle ggf. erforderlichen Luftausbreitungsberechnungen der ö.b.u.v. Sachverständige Herr Dr. Krauß (SHN Chemnitz) bislang und sicher auch künftig in bester Qualität für uns bzw. für unsere Auftraggeber erstellte, denn Niemand will, dass die Kanalluft, die wir an der einen Stelle zwecks Belüftung absaugen an einer anderen Stelle in ein Schlafzimmer, von wem auch immer, bläst.

Angeboten wird eine solide Lösung und diese will gut vorbereitet sein, denn mitunter sind die Kanalwinde nicht oder nur schwer berechenbar.

So, und wenn Sie immer noch da sind und diese letzte Zeile lesen, dann staune ich über Ihr Interesse und es freut mich, weil der Beitrag nicht umsonst verfasst wurde.

U. Halbach




Kanalgestank

Korrekte Be- und Entlüftung einer Kanalisation verhindert Kanalgestank

Ist die Be- und Entlüftung einer Mischwasserkanalisation mangelhaft oder nicht leistungsfähig, dann kann es Kanalgestank geben!

Voraussetzungen für öffentlichen Kanalgestank…

…und es kommt auf das Maß an!

Kanalgestank

Dass Kanäle hin und wieder müffeln, muss hingenommen werden. Auch mit einer guten Gestaltung und Planung der Be- und Entlüftung von Kanalisationen ist nicht auszuschließen, dass es alle 365 Tage im Jahr nicht müffelt, denn die Be- und Entlüftungsöffnungen in Kanalisationen sind nur eine notwendige Voraussetzung dafür, dass es nicht aus den Kanaldeckeln herausstinkt. Die weitere/n notwendige/n Voraussetzung/en lautet/n:

  • Die Dichte der Kanalluft ist größer als die der Außenluft und/oder
  • der Wind, der über die Dächer bläst, hat genug Kraft, um die Kanalluft aus den Kanälen, über die Grundleitungen, durch die Fallleitungen der Häuser und die Abluftöffnungen im Dach zu saugen.

Die Konsequenz ist dann, dass Frischluft über die erwähnten Löcher der Kanaldeckel in die Kanalisation eindringt, diese trocknet, den Schwefelwasserstoff – sollte er anwesend sein – verdünnt und über Dach abzieht. Siehe zur Entlüftung das folgende Foto:

Kanalgestank

Eine schlechte Be- und Entlüftung kann also viele Ursachen haben:

  • Mangelhafte Entlüftung des Kanals, weil nicht alle sanitären Fallleitungen über Dach gezogen wurden.
  • Mangelhafte Entlüftungen des Kanals wegen aufgelockerter oder fehlender Bebauung.
  • Mangelhafte Entlüftungen des Kanals wegen mangelhafter Belüftung (verschlossene Schächte, Einbau von Filtern).

Im Vergleich zu dem, was früher so investiert wurde, um den Kanalgestank loszuwerden, ist der Aufwand für eine Be- und Entlüftung, wie wir sie für Teilkanalisationen beherrschen, eher bedeutungslos. Gezeigt wird in der folgenden Abbildung eine „Hochschachtlüftung“, ausgeführt um 1880 in Blackpool (England). Die Schachtdeckel hatten damals noch keine Lüftungslöcher und die sanitären Fallleitungen wurden nicht über Dach entlüftet. Nur für diese Aufgaben gab es die im folgenden Bild dargestellten zwei Rohrsysteme.

Kanalgestank

Hochschachtlüftung, ausgeführt um 1880 in Blackpool (England). Links ist die Lufteinlasssäule zu sehen und an der Giebelwand des Hauses ist der Abluftkamin befestigt.

Weiteres im aufschlussreichen Beitrag Kanalgestank muss nicht sein. Ursachen und eine innovative Lösung!

***

(Beitrag vom Juli 2013, aktualisiert im Februar 2017)

 




Rückstau, Einstau, Überstau, Überflutung

Überflutung – Bewertung einer Schadensursache

Bewertung einer Schadensursache als Rückstau, Einstau, Überstau und/oder Überflutung

Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung

(Beitrag vom Februar 2010, mehrmals ergänzt)

Bei der Bewertung der Schadensursache durch Wasser aus Kanalisationen ist nach [2], [3] und [5] zu differenzieren zwischen:

  • Einstau – Wasserstand zwischen Rohrscheitel und GOK (hinreichend präzise: Schachtdeckelunterkante wird nass). Der Energiespiegel im Abwasserkanal steigt über den Rohrscheitel = Rückstau, d. h. das Abwasser bleibt im Kanalsystem
  • Überstau – Wasserstand auf bzw. über GOK. Insoweit als Bezugsebene für den Überstau die GOK gewählt wurde – siehe auch empfohlene Überstauhäufigkeiten Tabelle 3 [2] – entspricht ein Überstau einem Wasseraustritt aus der Kanalisation (hinreichend präzise: Kanaldeckeloberkante wird nass) „Überstau bezeichnet einen Zustand, bei dem der Wasserstand die Geländeoberkante erreicht und das Wasser aus dem Kanalnetz auszutreten beginnt bzw. zufließendes Wasser nicht vom Kanalnetz aufgenommen werden kann.“ [5]
  • Überflutung – Auftretende Schäden bzw. Funktionsstörungen durch Überstau. Energielinie bis über Gelände, Abwasseraustritt aus dem Kanal. Abwasser fließt auf Überschwemmungswegen ab, d. h. das Abwasser fließt z. T. oder vollständig aus dem Kanalsystem heraus. (Kanaldeckeloberkante wird nass und durch den Wasseraustritt können Schäden entstehen) „Als Überflutung wird in Deutschland ein Zustand angesehen, bei dem ein Wasserstand auf der Oberfläche auftritt, der einen Schadensfall nach sich ziehen kann.“ [5]  (Kommentar: Die Kombination mit der Möglichkeit eines Schadens überzeugt nicht. Massives Austreten von Wasser z. B. aus einem Schachtdeckel ist hydraulisch gesehen eine Überflutung, die nicht regelgerecht und nach der DIN  752-2 zu  begrenzen ist. Oberflächenüberflutung nach DIN 752-1: „Zustand, bei dem Schmutzwasser und/oder Regenwasser aus einem Entwässerungssystem entweichen oder nicht in dieses eintreten können und entweder auf der Oberfläche verbleiben oder von der Oberfläche her in Gebäude eindringen (siehe auch „Überflutung“)“ und Überflutung nach DIN 752-1: “ Zustand, bei dem Schmutzwasser und/oder Regenwasser aus einem Entwässerungssystem entweichen oder nicht in dieses eintreten können oder in Gebäude eindringen.“ )

(GOK = Geländeoberkante)

Meine Ergänzungen:

1. Rückstau = Wasserspiegel im Kanal wird angehoben, berührt aber noch nicht den Rohrscheitel. Berührt er den Rohrscheitel, dann wird der Rückstau aus hydraulischer Sicht zum Einstau. Nach allgemeinem Verständnis bleibt es ein Rückstau.

2. Hinsichtlich Überflutung bei der Siedlungsentwässerung in Kombination mit der Möglichkeit von Schäden durch Wasserabfluss außerhalb von Kanalisationen:

  • Überflutung durch oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser innerhalb der Siedlung
    • oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser gelangt gar nicht erst in Kanalisationen, weil diese
      • überlastet oder
      • nicht leistungsfähig genug sind oder
      • nicht vorhanden sind
  • oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser von außen liegenden Gebieten (z. B. Wiesen, Feldern, Wald) verursacht Schaden
    • durch seinen oberflächlichen Ablauf
    • durch sein nicht berücksichtigtes Eindringen in Kanalisationen (Folge: Überlastung der Kanalisationen)

Ggf. Planungsmangel: Abflüsse in Gräben oder kaum sichtbar ausgeprägten Tälern, die sich nur bei Starkregen mit Wasser füllen, werden unterschätzt oder gar nicht berücksichtigt. Das betrifft auch das Füllen von Mulden in Siedlungen bei Extrem- oder Starkregen.

Die Ableitung oberflächlich ablaufenden Niederschlagswassers von außen liegenden Gebieten in Kanalisationen ist ein Ausnahmefall, der besonderer Vorkehrungen bedarf.

In der Regel sollte die Abflussspitze von oberflächlich ablaufenden Niederschlagswassers von außen liegenden Gebieten durch Seen und/oder Regenrückhaltebecken vergleichmäßigt werden und der Abfluss dann gedrosselt unmittelbar in die Vorfluter möglichst in Gräben abgeleitet werden.

Hinweise zur Wertung von Rückstau

Im Fall eines Gutachtens für die Stadt Bornheim waren Überflutungen bzw. Kanalüberschwemmungen infolge Überstau relevant. Bei der Erstellung der Generalentwässerung wurde erkannt, dass ein Gebiet überflutungsgefährdet ist.

Es gelang zwar mit Erfolg die hydraulische Leistung der betreffenden Kanalabschnitte im Zuge der folgenden Kanalbaumaßnahmen deutlich zu vergrößern. Ein über die Spende des angesetzten Bemessungsregens hinausgehendes Ereignis führt aber trotzdem zwangsläufig zu einer Überflutung dieses Gebietes.

Nach dem technischen Regelwerk A 118 „Hydraulische Bemessung und Nachweis von Entwässerungssystemen“ [2] gilt:

Ist eine Überflutung angrenzender Grundstücke aufgrund der topographischen und sonstigen örtlichen Gegebenheiten zu befürchten, sind geeignete (konstruktive) Maßnahmen am Straßenverlauf umzusetzen oder die Ableitung des überschüssigen (Ab-)Wassers in ungefährdete Flächen zu prüfen.

Bei dem Schutz vor Überflutungen ist das Geländeprofil zu berücksichtigen:

Geländeneigung eines Baugrundstückes nach Gassener, E. und Heckenbücker, B. (Quelle: [4, S. 331])

Überflutung

Höhenlage eines Hauses und Oberflächengestaltung der Umgebung mit Rücksicht auf die Ableitung der Niederschläge [4

Geländeregulierung zum Schutz der Bebauung gegen Überflutung nach [5]

Überflutung

Geländeregulierung zur Sicherung der Bebauung durch Überflutungsgefahr [5

Weitere Hinweise unter [4,  Kapitel 10].

Private Gebäudesicherung gegen Schäden durch oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser durch den Grundstücks- bzw. Gebäudeeigentümer

Fallbeispiel 1 aus Bad Elster:

Flutweg

Flutweg für oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser – MediClin – Gebäude in Bad Elster (Der Hang links gehört zum Brunnenberg)

Fallbeispiel 2 aus Marienbad

(Nachtrag am 02.01.2016)

Flutweg

Oberer Flutweg für oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser – Gebäude der Univerzita Karlova V Praze in Marienbad

Flutweg

Unterer Flutweg für oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser als zusätzliche Sicherung der Lichtschächte – Gebäude der Univerzita Karlova V Praze in Marienbad

Flutweg

Mündung des oberen in den unteren Flutweg für oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser und weiterer Verlauf bergabwärts – Gebäude der Univerzita Karlova V Praze in Marienbad

Fallbeispiel 3 aus Brumby:

Flutweg

Wohl von der Kommune angelegter Flutweg in Brumby: Sachsen – Anhalt

Die Gebäudesicherung gegen Schäden durch oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser kann gegliedert werden in private Sicherungen durch den Gebäude- bzw. Grundstückseigentümer und in jene öffebtlichen Sicherungen für die die Kommune zuständig sein dürfte.

Meist wird ein Niederschlagswasserbeseitigungskonzept notwendig werden, denn der beste private Flutweg ist nutzlos, wenn das Wasser nicht ohne Schäden bis in das nächste Fließ- oder Standgewässer abgeleitet werden kann.

Es hat den Anschein, dass das Anlegen eines Flutweges eher die Antwort auf einen bereits eingetretenen Schaden ist, als Konsequenz einer  rechtzeitigen Nutzung wasserwirtschaftlichen Sachverstandes. Den Ingenieuren muss zu Gute gehalten werden, dass ihre Ratschläge, wenn deren Umsetzung Geld kostet, in den Kommunen wenig auf Gegenliebe stoßen. Andererseits ist eine gewisse Grundskepsis in den Kommunen gegenüber „Beraterratschlägen“ auch zu verstehen.

Ziel und Sinn von Überflutungsnachweisen:

„Im Rahmen des Überflutungsnachweises werden die Auswirkungen der aus dem Kanalnetz ausgetretenen Wassermengen durch lokale Maßnahmen, wie z. B. Erhöhung von Bordsteinkanten, Schaffung oberirdischer Überflutungswege, etc. auf ein Mindestmaß reduziert.“ [5]

Bzw. meine Auswertung, Ergänzung und Meinung:

Auf der Grundlage eines Überflutungsnachweises können und müssen (DIN EN 752-2) die Auswirkungen der aus dem Kanalnetz ausgetretenen Wassermengen durch lokale Maßnahmen, wie z. B.

  • Erhöhung von Bordsteinkanten,
  • Schaffung oberirdischer Überflutungswege,
  • etc.

auf ein Mindestmaß reduziert werden.

Eigentümer gefährdeter Grundstücke sind nachweislich über die mögliche Gefahr einer Überflutung zu informieren.

Siehe auch:

Literatur

[1] Abwassertechnische Vereinigung e. V.
Richtlinien für die hydraulische Berechnung von Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanälen
1984, 5. Auflage (unveränderter Text von 1977), ATV-A 118

[2] Abwassertechnische Vereinigung e. V.
Hydraulische Bemessung und Nachweis von Entwässerungssystemen
1999, ATV-A 118

[3] ATV-Handbuch
Bau und Betrieb der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1995

[4] ATV-Handbuch
Planung der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1994

[5] Federal Housing Administration: Land Planning.
Bulletin Nr. 3. Abschnitt Block and Lot Grading,
Washington D.C. (1954/8)
aus [4]

[6] Überstau und Überflutung
Arbeitsbericht der ATV-Arbeitsgruppe 1.2.6
KA Abwasser Heft 9 (1995) S. 1597-1598

***

Ergänzt am 09.12.2011




Überflutung

Überflutung – Ermittlung der Ursachen und Lösungswege

Die Ursachen einer Überflutung können vielfältig sein:

  • Starke Niederschläge?
  • Abflüsse, theoretische und tatsächliche!
  • Ungünstige Geländegestaltungen?
  • Waren Rückstausicherungen erforderlich?
  • Zu geringe Kanaldimensionierung?
  • Tatsächliche Leistung der Kanalisation?
  • Überflutung durch Kanalisationen?
  • Wege des Wassers?
  • Flutwege gepflegt und vorhanden?
  • Waren Flutwege erforderlich?
  • Flutung durch
    • Grundwasser?
    • bei Starkregen oberflächlich ablaufendes Wasser?
    • durch Gewässer?

Wer die Ursachen erforschte, der kennt auch Lösungen!

Unsere nachvollziehbaren und gut begründeten Gutachten zur Überflutung wurden schon in vielen Rechtsprechungen berücksichtigt.

Ein Beispiel unserer Mitwirkung: Urteil zur Überflutung eines Grundstückes

Siehe auch den Beitrag zur Bewertung einer Schadensursache als Rückstau, Einstau, Überstau und/oder Überflutung.

Weitere Informationen: Überflutung, Rückstau

Hatten Sie eine Überflutung? Dann denken Sie an die sofortige Beweissicherung bei Schäden infolge von Unwetter, Überflutung oder Rückstau!

Überflutung – Die Göltzsch tritt über ihre Ufer:

Überflutung Göltzsch 01 Juni 2013 _Nr05

Unscheinbar, aber das ist ein wichtiger Flutweg:

Fllutweg

Flutgraben Schackstedt – weiterer Verlauf

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)

 




Rückstau

Konzept – Interview MDR Thüringen am 10.7.2014

Rückstausicherungen sind keine Erfindung von heute! Siehe z.B.: Gürschner, u.a. ,Der städtische Tiefbau III., Stadtentwässerung, Verlag B.G. Teubner, Leipzig Berlin und Leipzig 1921

Rückstausicherungen liefern z. B.:

Auch Abwasserhebeanlagen können für die Rückstausicherung genutzt werden.

Achtung!

Bei der Auswahl der Rückstausicherung ist die Abwasserart zu beachten. So dürfen z. B. Rückstausicherungen, die für Regenwasser gedacht sind, nicht für fäkalienhaltiges Abwasser eingesetzt werden!

Siehe z. B.: „6. Fachtechnische Ursache eines ausgewählten Rückstauschadens in Thüringen“ in Beweissicherung bei Schäden infolge von Unwetter, Überflutung oder Rückstau.

Ggf. Hersteller oder Installationsbetrieb konsultieren!

Mit Rückstau ist immer zu rechnen!

  • Reparaturen
  • Kanalhavarien
  • Starkregen

Rückstauschäden, dann wahrscheinlich

  • wenn Abwasser oder Regenwasser aus Entwässerungseinrichtungen des Gebäudes, meist im Keller austritt
  • wobei diese unter der Schachtdeckelhöhe in der jeweiligen Straße liegen

Rückstau, Überstau und Überflutung

  • Rückstau: Wasserspiegel im Kanal verläuft horizontal und kann aus den Straßenschächten austreten.
  • Überstau: Wasser tritt aus den Straßenschächten aus und fließt ggf. ohne Schaden zu verursachen im Straßenschnittgerinne ab.
  • Überflutung = Überstau + Schäden

Woher kommt das Wasser?

  • Von der Straße?
  • Kellerüberflutung durch hohen Grundwasserstand?
  • Aus Hausinstallationseinrichtung im Keller?
  • Vom Gelände (Wald, Acker, Maisfeld)?
  • Gibt es mehre Wasserwege?

Welchen Weg nimmt das Wasser?

  • Aus dem Schachtdeckel in das Kellerfenster?
  • Vom Straßenschnittgerinne in die Tiefgarage?

Vorbeugend

  • Häuser sind so zu schützen, dass oberflächlich ablaufendes Wasser, um die Häuser herumgeführt wird.
  • Flutwege sind anzulegen und überflutungsgefährdete Häuser sind auszuweisen und die ggf. betroffenen Grundstücksbesitzer sind zu informieren.
  • Von einer Überflutung spricht man, wenn durch Rückstau oder oberflächlich ablaufendes Wasser Schäden verursacht werden.
  • Örtliche Auskünfte geben die Abwasserzweckverbände oder Installationsbetriebe.

Rückstauschutz

  • Siehe Entwässerungssatzung der jeweiligen Kommune oder des jeweiligen Abwasserzweckverbandes.
  • Über technische Lösungen berät der Installationsbetrieb.
  • Rückstausicherungen müssen nachweispflichtig gewartet werden, sonst erlischt Versicherungsschutz.
  • Voraussetzung für die Planung des Rückstauschutzes ist, dass der Grundstücksbesitzer seine Grundstücksentwässerungsanlagen kennt und dokumentiert hat.

Im Schadenfalle – Beweissicherung

  • Videos – Fotos
  • Zeitpunkt – Zeugen benennen
  • Woher kam das Wasser?
  • Welchen Weg nahm das Wasser?

Siehe auch:  Überflutung, Rückstau

Gebäudesicherung gegen oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser

Flutweg für oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser – MediClin – Gebäude in Bad Elster (Der Hang links gehört zum Brunnenberg)

Siehe auch:

  • Rückstau

    Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)

 

 




Urteil zur Überflutung eines Grundstückes

Wertung von häufigen Überschwemmungen eines Grundstückes durch oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser
Urteil des Oberlandesgerichts Dresden

Abbildung 1: Straßenablauf durch Abschwemmung verstopft

 

Aktenzeichen: 1 U 1156/11
Landgericht Dresden 5 0 2917/09
Verkündet am: 31.07.2013
1. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Dresden durch
Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht Riechert,
Richterin am Oberlandesgericht Tews und
Richter am Oberlandesgericht Lau

 

 

 

 

 

 

Ausgewählte Zitate aus dem Urteil die Abwasserbeseitigung betreffend:

  • Hieraus folgt auch die drittschützende Amtspflicht, den Kläger im Rahmen des ihr Zumutbaren vor einer Überschwemmung seines Grundstücks durch aus dem öffentlichen Straßenraum abfließendes Niederschlagswasser zu schützen.
  • In den Schutzbereich der Amtshaftung fallen vielmehr auch solche Schäden, die darauf beruhen, dass das Regenwasser infolge unzureichender Kapazität oder Aufnahmefähigkeit der Kanalisation erst gar nicht in die Rohrleitung gelangt, sondern ungefasst auf die anliegenden Grundstücke dringt.
  • Bei der Ermittlung der erforderlichen Leitungseigenschaften ist grundsätzlich von der Gesamtmenge des abzuführenden Wassers auszugehen.
  • Bei der Bemessung des Leitungsquerschnitts ist nicht erforderlich, dass dieser so groß gewählt wird, dass selbst die bei einem katastrophenartigen Unwetter, wie es erfahrungsgemäß nur in sehr großen Zeitabständen vorkommt (sogenanntes „Jahrhundertereignis“), anfallenden Wassermassen aufgenommen und geordnet abgeführt werden können. Wirtschaftliche Gründe zwingen jede Gemeinde dazu, das Fassungsvermögen einer Regenwasserkanalisation nicht so groß zu bemessen, dass es auch für ganz selten auftretende, außergewöhnlich heftige Regenfälle ausreicht. Daher ist eine Dimensionierung im Hinblick auch auf katastrophenartige Unwetter, wie sie erfahrungsgemäß nur in sehr großen Zeitabständen vorkommen, nicht erforderlich
  • Eine klare Festlegung dazu, wann, d.h. bei welcher statistischen Häufigkeit von einem katastrophenartigen Unwetter gesprochen werden kann, ist in der höchstrichterlichen Rechtsprechung bislang leider nicht getroffen worden. Jedenfalls unzureichend ist aber eine Auslegung der Leitungsanlage anhand eines Berechnungsregens von nur einem Jahr, weil dies im Extremfall darauf hinauslaufen würde, dass die Anlieger es hinnehmen müssten, einmal jährlich einer Überschwemmung ausgesetzt zu werden.  Spiegelbildlich hierzu muss eine Abwasseranlage aber auch nicht so ausgestaltet sein, dass sie nur einem Jahrhundertereignis nicht standhalten kann.
  • Maßgeblich ist letztlich immer eine umfassende Würdigung der Gesamtumstände.
  • Ein Rückgriff auf allgemeine Regeln, etwa im Hinblick auf einen bestimmten „Berechnungsregen“ oder eine bestimmte „Ein- oder Überstauhäufigkeit“ (Wasseranstieg bis zur Geländeoberkante) verbietet sich jedenfalls dann, wenn im konkreten Fall bestimmte Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass ein darauf zugeschnittenes Ableitungssystem außerstande ist, das anfallende Wasser nicht nur in seltenen Ausnahmefällen, sondern darüber hinaus auch bei häufigeren, auch im Rahmen einer generalisierenden Betrachtungsweise zu berücksichtigenden Anlässen zu bewältigen. Dies kann etwa der Fall sein, wenn sich zeigt, dass es in dem betroffenen Straßenzug trotz einer Auslegung der Kanalisation auf den Berechnungsregen immer wieder zu Überschwemmungen kommt. Es bedarf demnach einer umfassenden Würdigung aller maßgeblichen abwasserwirtschaftlichen, -technischen und topographischen Gegebenheiten.
  • Diese Grundsätze sind grundsätzlich auch auf sog. „Altanlagen“ wie die hier gegenständliche anzuwenden, die die Gemeinde — z.B. von einer Rechtsvorgängerin — übernommen hat. Insoweit ist lediglich der Kostenaufwand für die Modernisierung der Altanlage an die aktuellen tatsächlichen Gegebenheiten in der Gesamtabwägung stärker zu pointieren.
  • Für den Anlieger ist es letztlich unbeachtlich, ob sein Grundstück von aus der Kanalisation austretendem Wasser oder solchem, welches mangels Aufnahmefähigkeit gar nicht erst in die Kanalisation gelangt, überflutet wird. Eine Abwasseranlage, welche so ausgelegt ist, dass in regelmäßigen Abständen ein Einstau auftritt, welcher die Aufnahme von (dann unkontrolliert abfließendem) Oberflächenwasser verhindert, dürfte nicht den abwassertechnischen Regeln entsprechen.

Es sind auch die örtlichen Gegebenheiten, insbesondere das Höhenniveau des Gebiets, die Wasserführung, die möglichen Fließwege des Abwassers bei Austritt aus den Einläufen, aber auch die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß eines zu befürchtenden Schadens im Verhältnis zur Durchführbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Abwehrmaßnahmen zu berücksichtigen.

Die juristische Begründung und der Gesamtzusammenhang ist dem Urteil 2013_Urteil_OLG_DD_Überflutung Gutachter Halbach zu entnehmen.

Abbildung 2: Veralteter Seitenablauf mit ungenügender Leistungsfähigkeit

Bezüglich der Abwasserbeseitigung lag die Ursache der Überflutung in einer veralteten und nicht hinreichend leistungsfähigen Straßenentwässerung, insbesondere in  mangelhaften und zahlreich veralteten Straßenabläufen mit wenig leistungsfähigem Seiteneinlauf (Abbildung 2).

Nicht nur leistungsfähige Straßenabläufes sind wichtig. Neben der regelmäßigen Reinigung (Abbildung 1) ist auch dafür zu sorgen, dass das Wasser in diese gelangen kann und nicht etwa vorbeifließt oder über diese hinweg schießt. (Literaturhinweis: Kurzbericht „Abflusswege auf Straßen – Feldversuch zur Ermittlung des Schluckvermögens von Straßeneinläufen“ vom 14.12.2011 des Institutes für Grundbau, Abfall- und Wasserwesen (IGAW) Fachbereich D, Abteilung Bauingenieurwesen, Bergische Universität Wuppertal von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Andreas Schlenkhoff und Dr.-Ing. Mario Oertel).

Die negative Wirkung des Hinwegschießens versucht man mitunter durch ein Absenken des Straßenschnittgerinnes, vielleicht auch in Kombination mit einem Gegengefälle nach dem Seitenablauf etwas zu mildern. In Abbildung 3 ist diese Lösung veranschaulicht. Man erkennt, dass es dem von links zum Straßeneinlauf fließenden Wasser in Schnittgerinnen schwer gemacht wird, über den Einlaufbereich hinaus zu schießen. In der Folge kommt es zu einem Aufstau bzw. einem Anheben des Wasserspiegels – also zu einer Vergrößerung des Wasserdruckes auf die freien Querschnitte – und damit zu einer Vergrößerung der hydraulischen Leistung.

Abbildung 3: Ausbildung des Rinnengefälles an den Straßenabläufen (nach Hahn und Langbein) Geissler, W. Kanalisation und Abwasserreinigung, Berlin – Verlag von Julius Springer, 1933

 

 

 

 

 

 

Hinsichtlich des Satzes im Urteil des OLG

Jedenfalls unzureichend ist aber eine Auslegung der Leitungsanlage anhand eines Berechnungsregens von nur einem Jahr, weil dies im Extremfall darauf hinauslaufen würde, dass die Anlieger es hinnehmen müssten, einmal jährlich einer Überschwemmung ausgesetzt zu werden. „

wären ggf. die entsprechenden Hinweise der DIN EN 752 zu beachten.

Siehe auch:  Überflutung, Rückstau.

Nachtrag am 28.09.2015: Ungenügendes Quergefälle auf dem Fußweg verursachte Erosionen und Überflutungen

Siehe hierzu die folgenden Fotos:

IMG_0028

Abbildung 4: Erosionen auf dem Fußweg

 

IMG_0089

Abbildung 5: Erosionen auf dem Fußweg

 

IMG_0087

Abbildung 6: Erosionen auf dem Fußweg

Das Wasser schoss z. T. beidseitig auf den Fußwegen zum Tiefpunkt des Teileinzugsgebietes der Kanalisation, gelangte dabei nur teilweise in die Straßenabläufe, sammelte sich am Tiefpunkt und überflutete (mit Schadensfolge) häufig ein Grundstück.

Als Ursache wurde erkannt:

  • ungenügendes Quergefälle der Fußwege
  • mangelhafte Leistungsfähigkeit der Straßenabläufe, obwohl sie in der Anzahl ausreichend vorhanden waren
  • keine ausreichende Berücksichtigung des starken Straßenlängsgefälles
  • keine Anlegung von Flutwegen

Die Straßenabläufe stammen möglicherweise aus der Zeit vor 1945.

Heute werden derartige Seitenabläufe wegen der schlechten Leistungsfähigkeit kaum noch eingesetzt.

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)




Beweis der Undichtigkeit des Hausanschlusskanals und der Grundleitung

Undichtigkeit und Fundamentschäden

Für eine Undichtigkeit kann es sichere Beweise und/oder Indizien geben.

Eine defekte Rohrinnenwandung, z. B. fehlende Scherbe, ist aber zunächst nur ein Indiz einer Undichtigkeit. Je nach Beweisbeschluss kann es auch hauptsächlich auf die Verbindung zwischen Grundwasser und Kanalinnerem ankommen.

Eine scheinbar undichte Leitung, der mit Gewissheit eine Scherbe fehlt, kann trotzdem hinreichend dicht sein, dann nämlich wenn z. B. die Schadstelle von außen Ton umgeben und damit abgedichtet ist oder wurde – ein Zustand, der allein mit einer Kamerainspektion nicht unbedingt erkannt werden muss.

Gleiches ist vorstellbar, wenn der Kanal über Abschnitte verfügt, die durch Tonsperren getrennt sind. Eine Undichtigkeit, die zwischen zwei Tonsperren liegt, muss nicht die Bodeneigenschaften derart verändern, dass z. B. ein Fundament Schaden nimmt.

Erst in Kombination mit nachgewiesenem Fremdwassereintritt oder Abwassseraustritt liegt m. E. der sichere Beweis einer für die Tragfähigkeit des Bodens schädlichen Undichtigkeit vor.

Ohne Fremdwasser ist eine fehlende Scherbe also eher als Indiz für eine Schädigung der Tragfähigkeit des Bodens zu werten.

Diese Bemerkungen über eine Undichtigkeit betreffen eher in Betrieb befindliche Kanalisationen.




Unzureichende Bemessung

Mindestens fünfjähriger Berechnungsregen

  • „Der BGH führt zunächst aus, die Kanalisation sei unzureichend bemessen. Aufgrund seiner Rechtsprechung habe die Anlage nach den topographischen Gegebenheiten, vor allem der Hanglage des Geländes, der Bebauung sowie dem Ausmaß der dadurch bewirkten Bodenversiegelung, auf einen mindestens fünfjährigen Berechnungsregen ausgelegt werden müssen.
  • Denn der BGH habe bereits in einem Urteil aus dem Jahre 1983 die Auslegung einer Leitung nur auf einen einjährigen Berechnungsregen ohne Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse als unzureichend angesehen. Außerdem habe die Abwassertechnische Vereinigung im Arbeitsblatt A 118 vom Juli 1970 einen Sanierungsbedarf für diejenigen Abwasseranlagen vorgesehen, bei denen in allgemeinen Baugebieten ein Rückstau öfter als einmal in zwei Jahren auftrat.
  • Eine Haftung der Gemeinden für unzureichend bemessene Kanäle tritt nicht ein, wenn die Überschwemmungsschäden auch bei nach der Rechtsprechung des BGH ausreichender Auslegung eingetreten wären. Nach der Entscheidung des BGH haben die Gemeinden in diesen Fällen bei gerichtlichen Auseinandersetzungen den Beweis dafür zu erbringen. Dies war hier schwierig, da es sich um ein längeres Regenereignis handelte. Die Gemeinde konnte den Nachweis nicht erbringen, daß während der Zeit der größten Regenintensität auch das Fassungsvermögen einer auf einen fünfjährigen Berechnungsregen ausgelegten Anlage überschritten worden wäre.“

Quelle:
Dr. Paul-Martin Schulz;
BGH ZfW 1998, 496
Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis
WEKA-Verlag

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)

 

 




Überschwemmungshäufigkeit und Bemessungsregen

Überschwemmungshäufigkeit ist relevanter als Häufigkeit des Bemessungsregen

  • „Der BGH ist dem entgegengetreten. Der Schutz der Anlieger sei so nicht gewährleistet. Es sei nicht zumutbar, im Extremfall einmal jährlich einer Überschwemmung ausgesetzt zu werden. Dies entspreche nicht den anerkannten Regeln der Abwasserwirtschaft und Abwassertechnik.
  • Der Berechnungsregen kann dann nicht alleiniger Maßstab für die Dimensionierung der Anlage sein, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, daß eine auf den Berechnungsregen zugeschnittene Anlage außerstande ist, das anfallende Regenwasser nicht nur in seltenen Ausnahmefällen, sondern darüber hinaus auch bei häufigeren zu berücksichtigenden Anlässen zu bewältigen. Dies ist etwa dann der Fall, wenn es in dem betroffenen Straßenzug trotz einer Auslegung auf den Berechnungsregen immer wieder zu Überschwemmungen kommt. Es bedarf deshalb einer umfassenden Würdigung aller maßgeblichen abwasserwirtschaftlichen, -technischen und topographischen Gegebenheiten für die Bemessung der gemeindlichen Kanalisation.“

Quelle:
Dr. Paul-Martin Schulz;
NJW 1990, 1167,
Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis
WEKA-Verlag

 

 




Rechtliches zur Grundstücksentwässerung

Rechtsprechung zur Dichtheitsprüfung von privaten Grundstücksentwässerungsanlagen

Zitate mit freundlicher Genehmigung des Rechtsanwaltes Herr Reinhart Piens (Essen) 10.1.2013

  • „In der fachlich, rechtlich und politisch umstrittenen Frage der Dichtheitsprüfung privater Abwasseranlagen hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg kürzlich ein interessantes Urteil gesprochen (10. Januar 2012, Aktenzeichen 9 KN 162/10). Es kommt im Rahmen eines Normenkontrollantrages gegen die Satzung eines Abwasserverbandes zu dem Ergebnis, dass eine Regelung in der Abwasserbeseitigungssatzung, wonach private Grundstücksentwässerungsanlagen entsprechend der DIN 1986-30 auf Dichtheit zu überprüfen sind, in Niedersachsen auf einer ausreichenden gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage beruht und mit höherrangigem Recht vereinbar ist. Dichtheitsprüfungen zusätzlich zur DIN 1986-30 können allerdings nur bei Vorliegen besonderer Rechtfertigungsgründe gefordert werden.
  • Der Senat sieht in dieser Bestimmung eine dynamische Verweisung auf die DIN 1986-30 in der jeweils geltenden Fassung, zurzeit also in der Fassung der 2. Auflage von 2003 und voraussichtlich ab dem 1. Februar 2012 in einer geänderten Fassung. Nach der Tabelle 1 in Abschnitt 5.5 der zurzeit geltenden DIN 1986-30 (Prüfverfahren und Zeitspanne für die Dichtheitsprüfung) sind Anlagen zur Ableitung von häuslichem Abwasser oder Mischwasser entweder im Zuge von Baumaßnahmen (Nrn. 1.1 und 1.2) oder aber jedenfalls bis zum 31. Dezember 2015 (Nr. 1.3) einer — erstmaligen — Dichtheitsprüfung zu unterziehen.
  • In der ab dem 1. Februar 2012 voraussichtlich geltenden Neufassung der DIN 1983-30 ist der 31. Dezember 2015 als Prüftermin entfallen und sind abweichende Prüfintervalle von 20 oder 30 Jahren vorgesehen.
  • In diesem Bereich können sie die Benutzung ihrer öffentlichen Einrichtungen durch den Erlass von Satzungen regeln und nach § 8 Nr. 2 NGO (jetzt § 13 Satz Nrn la und 2a NKomVG) für die Grundstücke ihres Gebietes den Anschluss an die Abwasserbeseitigung anordnen sowie deren Benutzung vorschreiben (Anschluss- und Benutzungszwang).
  • Auf der Grundlage der §§ 6 Abs. 1 Satz 1, 8 Nr. 2 NGO (jetzt §§ 10 Abs. 1, 13 Satz 1 Nrn la und 2a NKom VG) kann die Gemeinde eine Dichtheitsprüfung nur anordnen, soweit ein konkreter Bezug zur Erfüllung der eigenen Aufgabe Abwasserbeseitigung besteht. Kommunale Satzungen dürfen daher Anforderungen an Grundstücksentwässerungsanlagen lediglich aufstellen, um zu vermeiden, dass der Betrieb des öffentlichen Abwasserbeseitigungssystems erschwert oder beeinträchtigt wird, und um sicherzustellen, dass der bestehende Benutzungszwang und die Überlassungspflicht nach § 96 Abs. 9 NWG n. F. (§ 149 Abs. 10 NWG a. F.) eingehalten werden.
  • Eine Überprüfung der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen darf deshalb mit dem Ziel vorgesehen werden, das Eindringen von Fremdwasser in das Abwasserbeseitigungssystern zu verhindern.
    Nicht von der Satzungsermächtigung in den §§ 6 Abs. 1 Satz 1, 8 Nr. 2 NGO (jetzt §§ 10 Abs 1, 13 Satz 1 Nrn la und 2a NKom VG) gedeckt sind Regelungen, die allein auf die Einhaltung eines wasserrechtlich ordnungsgemäßen Zustands abzielen. Gegenstand des Wasserrechts ist unter anderem der Grundwasserschutz. Undichte Leitungen bringen die Gefahr mit sich, dass das Grundwasser durch den Eintritt von Schadstoffen beeinträchtigt wird (vgl. hierzu Schneider, ZfW 2005, 69). Wegen des hinsichtlich des Grundwasserschutzes abschließenden Charakters des Wasserrechts sind kommunale Satzungsregelungen, insbesondere auch die Anordnung einer Dichtheitsprüfung, mit dem Ziel, das Grundwasser vor Beeinträchtigungen zu bewahren, nicht zulässig.
  • Der Träger des Abwasserbeseitigungssystems muss im Interesse der erforderlichen effektiven Abwasserbeseitigung in der Lage sein, diesen — aus dem Verantwortungsbereich des Grundstückseigentümers herrührenden — Missstand zu beseitigen, und muss aus diesem Grund auch eine Dichtheitsprüfung anordnen dürfen, die an technische Anforderungen zur Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustands der Grundstücksentwässerungsanlage anknüpft.
  • Wegen der Vielfalt der möglichen Schadenseintritte und der Notwendigkeit eines auch vorbeugenden Schutzes kann eine Eigenkontrolle nicht nur bei denjenigen Grundstücken, bei denen sich eine allgemeine Gefährdungslage bereits konkretisiert hat, sondern für alle an die öffentliche Entwässerungsanlage angeschlossenen Grundstücke satzungsmäßig vorgeschrieben werden (BVerfG — ZfW 1994, 392f.
  • Die sachliche Rechtfertigung folge in erster Linie aus der Einwirkungs- und Verfügungsgewalt des Eigentümers.
  • Die Einhaltung dieser Pflichten setze notwendigerweise voraus, dass der Eigentümer den Zustand und die Benutzung der Sache durch Eigenkontrollen überprüfe.
  • Zu solchen Maßnahmen gehören auch regelmäßige Überprüfungen der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen durch den Eigentümer auf dessen Kosten.
  • Strengere Anforderungen im Vergleich zur DIN 1986 i. d. F. von 1988 … entsprechen nicht ohne Weiteres einer sachgerechten Ermessensausübung. Denn die DIN geben die anerkannten Regeln der Technik in sachverständiger Weise wieder. Sie geben daher zumindest für den Regelfall vor, welche Maßnahmen sachgerecht, erforderlich und ausreichend sind. Bestehen weitergehende Anforderungen nach der DIN nicht, so spricht dies dafür, dass solche Anforderungen nicht notwendig sind und als Ausfluss des Verhältnismäßigkeitsprinzips daher – auch angesichts der mit ihnen verbundenen Kosten und Anstrengungen … vom Grundstückseigentümer auch nicht verlangt werden können. Die Abwassersatzungen der Gemeinden und Landkreise dürfen somit strengere Anforderungen im Vergleich zur DIN 1986 i. d. F von 1988 nur vorsehen, wenn sie aus sachlichen Gründen – wie möglicherweise besonderen örtlichen Gegebenheiten – geboten sind. Derartige Rechtfertigungsgründe sind nur in Bezug auf die Buchstaben c und d des § 10 Abs. 2 Satz 2 ABS gegeben. Nach den dort getroffenen Regelungen können zusätzliche Dichtheitsprüfungen gefordert werden, wenn ein Grundstück in einem Gebiet mit hohem Fremdwasseranteil liegt oder konkrete Erkenntnisse bestehen, dass die Grundstücksentwässerungsanlage undicht ist.
  • Die Verfolgung wasserrechtlicher Ziele kann indessen aus den bereits dargelegten Gründen nur mit den Mitteln des Wasserrechts, nicht aber über kommunale Abwasserbeseitigungssatzungen erfolgen.“

Im Einzelnen wird auf den Gesamttext in der KA Korrespondenz Abwasser, Abfall 2012 (59) Nr. 6 S. 586-589 verwiesen.

Kommentar:

Die Argumentation

Der Träger des Abwasserbeseitigungssystems muss im Interesse der erforderlichen effektiven Abwasserbeseitigung in der Lage sein, diesen — aus dem Verantwortungsbereich des Grundstückseigentümers herrührenden — Missstand zu beseitigen, und muss aus diesem Grund auch eine Dichtheitsprüfung anordnen dürfen, die an technische Anforderungen zur Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustands der Grundstücksentwässerungsanlage anknüpft.“

verstößt wenigstens gegen das Verhältnismäßigkeitsprinzip der EU-WRRL und enthält sogar einen Trugschluss.  Dieser besteht darin , dass ja gerade die Dichtheitsprüfung aller Grundstücksleitungen (wie es gewünscht und  z. T. praktiziert wird) eine „effektiven Abwasserbeseitigung“ verhindert.

U. Halbach




Eine Berme – Was ist das?

Hochgezogenes Gerinne im Schacht, auch Auftritt im Schützengraben.

Hat im Schacht mehrere Funktionen:

  1. Verhindert beim Einsteigen in den Schacht, dass der Kanalarbeiter gleich im Abwasser steht und je nach Wasserführung von diesem fortgerissen werden kann.
  2. Verhindert ein Breitlaufen des Wassers und damit Sandablagerungen im Schacht selbst. Siehe Abbildung.
  3. Bekannt sind regelmäßige Kanalverstopfungen allein wegen fehlender Berme.

Die Berme ist in einer Kanalisation Bestandteil des Schachtbodens.

Militärische Bedeutung:

Siehe Feldbefestigung.




Überflutungen von Grundstücken

Einige meiner kurz gehaltenen Meinungen…

(…die zu ändern, zu präzisieren oder zu ergänzen ich bei hinreichender Begründung durchaus bereit bin.)

  • Entscheidend zur Bewertung ist der Weg und die Herkunft des Wassers.
  • Der folgende Beitrag betrifft nicht Überflutungen, die durch Hochwasser verursacht werden.

1. Kellerüberflutungen durch Grund- und/oder Schichtenwasser

In der Regel ist der Grundstückseigentümer für Schutz bzw. Vorsorge und Folgen verantwortlich.

  • Hausabdichtung
  • Drainage, siehe folgende Abbildung

Kriterien für die Anordnung einer Drainage – Kriterien für die Anordnung einer Drainage – Quelle: Gebäude- und Grundstücksentwässerung, Kommentar zur DIN 1986 und DIN EN 1610, Beuth Verlag 2. Auflage 1998, S. 24

2. Kellerüberflutungen aus Entwässerungseinrichtungen

  • Verhinderung durch Rückstausicherungen.
  • Rückstausicherungen gibt es für Abwasser und für Niederschlagswasser.
  • Rückstausicherungen für Niederschlagswasser dürfen nicht für Abwasser eingesetzt werden.
  • Rückstausicherungen müssen nachweisbar gewartet werden.
  • Verantwortlich ist der Grundstückseigentümer.

3. Überflutungen über Kellerfenster oder Türen – Wasser von eigenen Grundstück

  • Wasser kommt aus Entwässerungseinrichtungen auf dem betroffenen Grundstück, dann mangelhafter Rückstauschutz und verantwortlich ist der Grundstückseigentümer.
  • Wasser stammt vom Niederschlag, der auf die Grundstücksfläche fällt, dann ist der Grundstückseigentümer für die Folgen verantwortlich, denn er hat seine Geländeoberfläche erfahrungsgemäß so zu gestalten, dass von dieser abfließendes Wasser schadlos um das Haus herum fließen kann. Die nachstehende Abbildung veranschaulicht ein Beispiel.
  • Eine Ausnahme: Der Planer einer inneren Erschließung eines Wohngebietes könnte verantwortlich sein, wenn keine Flutwege innerhalb des Wohngebietes vorgesehen wurden. (Bei dem Begriff einer Flutung muss man sich nicht eine gigantische Flutwelle vorstellen. Ein kleines Rinnsal mit z. B. 2 Litern Wasser je Sekunde kann – wenn es in einen Keller gelangt – diesen auch mit 14.000 Litern Wasser folgenreich fluten.)

Notwendige Geländegestaltung; Quelle: Federal Housing Administration: Land Planning. Bulletin Nr. 3. Abschnitt Block and Lot Grading, Washington D.C. (1954/8) aus: ATV-Handbuch, Planung der Kanalisation, Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1994

 

4. Überflutungen des Grundstückes und/oder des Gebäudes – Wasser kommt überwiegend von fremden Grundstücken

  • In der Regel ist die Partei verantwortlich, von der das Wasser kommt. (Ausnahmen, ggf. Konsultation: Fachanwalt für Verwaltungsrecht)
  • Mitunter hat aber der Oberlieger oder einzelne Bürger keine Möglichkeit sich vor Überflutungen zu schützen, wenn dies eine gemeinschaftliche Lösung erfordert. Der notwendige Bau z. B. eines Flutgrabens quer durch eine Siedlung übersteigt die Möglichkeiten der betroffenen Bürger. Dann ist m. E. der Niederschlagswasserbeseitigungspflichtige verantwortlich.
  • Flutwege ausweisen, Bürger von der besonderen Gefahr informieren, Flutrinne errichten und betreiben.
  • Die Notwendigkeit für das Ausweisen und den Ausbau von Flutwegen ist spätestens dann gegeben, wenn es in der Vergangenheit zu Überflutungen kam.
  • Die Konzeption von Flutwegen gehört seit wenigstens 80 Jahren zu den Grundlagen einer guten wasserwirtschaftlichen Ausbildung. Siehe Geißler: Erst entwässern, dann besiedeln!

Gepflegter historischer Flutgraben von Schackstedt (Sachsen-Anhalt) , Leistung ca. 18.000 m³/h

Siehe auch:

Genauere Bewertungen von Überflutungen bedürfen einer Einzelfalluntersuchung.

Ursachen stellt der Gerichtsgutachter fest und über die Schuldfrage entscheiden die Gerichte, also:

  1. Klären der technischen Ursachen: Gutachter
  2. erste Bewertung der Schuld: Fachanwälte für Verwaltungsrecht
  3. Entscheidung über Schuld: Richter

Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung der IHK Chemnitz

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)

 




Relativierung der Genauigkeit einer Kanalnetzhydraulik

Die Genauigkeit ist aufwendig

Die hydraulischen Berechnungen vermitteln mitunter den Eindruck als könne man genau berechnen, welche Wasserstände zu einem bestimmten Regenereignis im Kanal oder in einem Straßengraben geherrscht haben.

Sicher nimmt die Genauigkeit und die Komplexität der rechnerbasierten, mathematischen, hydrodynamischen Verfahren immer mehr zu.

Die Daten aber, mit denen diese Programme oder auch relativ einfache hydrodynamische Formeln gespeist werden, beruhen zumeist noch auf Abwägungen und Schätzungen.

Die Genauigkeit hydrodynamischer Berechnungsergebnisse wird in hohem Maße beeinflusst durch

  • die Niederschlagscharakteristik,
  • die Fläche des Einzugsgebietes und
  • den gewählten Abflussbeiwert.

(Bei anspruchsvollen Modellen wird das Modell im Einzugsgebiet geeicht, d. h. es wird geprüft, ob konkrete Regen und konkrete Abflüsse mit den berechneten Abflüssen und angenommenen Regen übereinstimmen.)

1.  Bewertung des Niederschlages

Bei Niederschlag ist u. a. zu unterscheiden zwischen dem Niederschlag, der zum Schadenszeitpunkt genau auf die relevante Einzugsgebietsfläche fiel und zwischen jenem Niederschlag, der für die Dimensionierung der Niederschlagswasserableitung (Gräben, Kanäle, weitere Bauwerke) zu wählen war. Oft wird versucht zu prüfen, ob der tatsächlich gefallene Niederschlag größer als der Bemessungsniederschlag war, weil man glaubt, damit ein wichtiges Argument zu haben. Mit der DIN EN 752-2 sollte sich der Schwerpunkt der Argumentation verlagern.

Im ersten Fall werden häufig Gutachten des Deutschen Wetterdienstes bestellt, deren Ergebnisse aber eher in Ausnahmefällen zu 100 % den Tatsachen am Schadensort entsprechen, weil der Gutachter eben nicht am Schadenstag vor Ort war und den Regen in seiner Dauer und Intensität selber gemessen hat. Der Wert meteorologischer Gutachten liegt aber darin, dass Feststellungen von Meteorologen über das Wetter mit einer größeren Wahrscheinlichkeit wahr sind, als jene von Laien.

Derartige Gutachten übertragen also einen Niederschlag, der zumeist an einer anderen Stelle gemessen wurde, auf den Schadensort.

Wer Wetter beobachtet weiß, dass Regen (wie auch die Natur) nur bedingt berechenbar sind (ist) und es sein kann, dass in einem wenige Kilometer entfernten Nachbarort ein Wolkenbruch niedergeht, während beim Beobachter die Sonne scheint.

Die Genauigkeit einer Wetterretrospektive nimmt deshalb mit zunehmender Entfernung zwischen Messort und Schadensort ab.

Es handelt sich bei den auf den Schadensort bezogenen Tatsachenfeststellungen um induktive Konklusionen, die eben aus Gründen der Logik nie zu 100 % wahr sein können. Eine Bewertung z. B. dass die Regeneigenschaften sehr wahrscheinlich so wie beschrieben waren, bedeutet nicht, dass sie auch tatsächlich so gewesen sein müssen. Es kann also Fälle geben, in denen meteorologische Gutachten die Situation zum Schadenszeitpunkt und am Schadensort so abbilden, wie es tatsächlich war und es gibt Fälle, in denen es eben nicht so war.

Eine weitgehend genaue Bewertung eines Schadensereignisses ist daher im Ausnahmefall nur möglich, wenn der Gutachter am Schadenstag von Anfang an vor Ort war und die Regenganglinie an mehreren Stellen im Einzugsgebiet möglichst selbst gemessen hatte und wenn zugleich die Abflussmengen und deren Wasserstände in wichtigen Kanälen oder Gräben gemessen wurden. Die Unsicherheiten liegen dann nur noch bei Mess- und Interpretationsfehlern.

2. Fläche des Einzugsgebietes

Die Fläche des Einzugsgebietes geht als Faktor in die Abflussmenge ein und somit ist ihre tatsächliche Größenbestimmung entscheidend.

In der Regel wird das Einzugsgebiet über Wasserscheidenkonstruktionen in topographischen Karten bestimmt.

Genauer, aber auch aufwändiger ist die Beauftragung eines Vermessungsbüros zur Einmessung der Wasserscheiden vor Ort.

Überprüfen kann man die Ergebnisse, wenn man sich bei sehr starkem Regen in diesen stellt und selbst nachschaut, woher das Wasser kommt und wohin es fließt.

3. Abflussbeiwert des Einzugsgebietes

Der Abflussbeiwert ist der Quotient aus der Abflussspende und der Regenspende. Er liegt zwischen 0-1.

Ein Abflussbeiwert von 0,5 sagt beispielsweise aus, dass 50 % von dem Regen abfließen.

Die Größe des Abflussbeiwertes beeinflusst das Schätzergebnis des prozentualen Anteils der versiegelten Fläche im Einzugsgebiet und die durchschnittliche Neigung der Oberfläche des Einzugsgebietes.

Beides sind zumeist Schätzwerte, deren Genauigkeit den tatsächlichen Abfluss bestimmt.

Die Tabelle für den zu wählenden Abflussbeiwert beruht selbst auf Erfahrungswerten.

Auch die Kalkulation des Abflussbeiwertes eines Teileinzugsgebietes kann Ungenauigkeiten oder Fehler enthalten, die dazu führen, dass die tatsächlichen Verhältnisse nicht korrekt widergespiegelt werden.

4. Fazit

Kalkulationen hydrodynamischer Abflüsse und Niederschläge beruhen auf zahlreichen Schätzungen und Annahmen.

Hinsichtlich der Methode der Logik handelt es sich um eine Konklusion einer Induktion zu der ein Wahrheitswert gehört. Der Wahrheitswert wird zumeist nach Intuition oder Abwägung subjektiv gewählt und verbal beschrieben, wie z. B. mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, sehr wahrscheinlich, weniger wahrscheinlich oder unwahrscheinlich.

Die Steigerung der Genauigkeit des Wahrheitswertes ist durch weiteren Aufwand bei der Tatsachenfeststellung (wenn rationell, Ersetzen von Annahmen durch Messungen) möglich und durch die Erhöhung der Anzahl der Beobachtungen. Das ist bei Schadensfällen aber zumeist nur eine theoretische Alternative.

Wie man sich denken kann, dürfte der Aufwand für die Feststellung des Wahrheitswertes einer Induktion einer Potenzfunktion ihres Wahrheitswertes folgen.

Oder mit anderen Worten:

  • Die Wahrheit hat ihren Preis.
  • Je genauer man sie wissen will, desto teurer wird es.
  • Manches ist nicht (oder nicht mehr) zu ermitteln.

Und häufig ist die Wahrheitsbewertung von  Relationen abhängig, die bekannt sein müssen,  wenn man es genau wissen will.

Zur Veranschaulichung das Kaffeesackbeispiel von Salmon: In einem Kaffeesack befinden sich genau 30 kg Kaffeebohnen  der Güteklasse III und 70 kg Bohnen der Güteklasse I.

In 70 % aller Probenahmen wird man eine Bohne der Güteklasse I ziehen.

Was aber, wenn das Verhältnis der Mischung nicht bekannt ist?

Dann wird es aufwendig.

***




Überflutungsschäden durch mangelhafte Einlaufbauwerke

Schadloses Ableiten von Niederschlagswasser, das oberflächlich von zumeist unbefestigten Flächen abfließt und in Kanälen weitergeleitet wird

Inhalt

  1. Ungeeignete „Einlaufbauwerke“
  2. Ohne Kontrolle und Wartung sind auch die besten Konstruktionen wertlos
  3. In Dresden übliche Kontrolle und Wartung
  4. Einlaufbauwerk für extreme Anforderungen
  5. Variante eines Einlaufbauwerkes mit geradem Sandfang und naturnahem Ausbau
  6. Variante eines Einlaufbauwerkes mit rundem Sandfang und naturnahem Ausbau
  7. Im Harz realisierte Lösungen robuster Einlaufbauwerke nur mit Handrechen
  8. Vorteilhafte Neigung des Rechens eines Einlaufbauwerkes
  9. Funktionierendes Einlaufbauwerk unmittelbar nach einer Flutung
  10. Zusammenfassung
  11. Weitere Quellen

Oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser kann zunächst in Gräben gesammelt und dann in Kanälen abgeleitet werden.

Bei den Kanälen kann es sich um Mischwasserkanäle oder auch um reine Regenwasserkanäle handeln.

Je nach Regenintensität, Geländebeschaffenheit und Grabenpflege kann das in Gräben ablaufende Niederschlagswasser erhebliche Mengen an Schlamm, Sand, Geröll und Rechengut mit sich führen.

Gelangen derartige Stoffe in Kanalsysteme, sind Ablagerungen in den Kanalsystemen (Sand, Geröll) wahrscheinlich, die dann sekundär zu Verstopfungen führen können.

Die Verstopfung des Kanals kann neben erhöhten Betriebsaufwendungen bei der Kanalreinigung dazu führen, dass das Wasser im Kanal zurückstaut, sich dann oberflächlich seinen Überschwemmungsweg sucht und ggf. Schäden verursacht, sollte z. B. im Überflutungsweg ein Haus stehen.

Weiterhin können mitgerissene Äste, Zweige und sonstige Fremdkörper bereits den Schachteinlauf verstopfen, so dass das Wasser gar nicht erst in ausreichendem Maße in den Kanal gelangen kann.

Zwischen den Entwässerungsgräben, die zumeist nur zeitweise Wasser führen und dem anschließenden Kanal werden also sog. Einlaufbauwerke vorgeschaltet, deren Aufgabe es ist, Niederschlagswasser im Kanal schadlos abzuleiten.

Im Folgenden werden einige ausgewählte nicht bewährte und bewährte Bauweisen von Einlaufbauwerken vorgestellt und z. T. erörtert.

1. Ungeeignete „Einlaufbauwerke“

Ungeeignete „Einlaufbauwerke“ (Verbindungen zwischen Graben und Kanal) veranschaulichen die Fotos 1-3.

Foto 1: Die Erfahrung zeigt, dass derartige Einläufe zur Entwässerung von Gräben sehr schnell verstopfen.

Foto 2: Ungeeigneter Einlauf für oberflächlich ablaufendes Wasser über unbefestigtes Gelände.

Foto 3: Rechen eines Einlaufbauwerkes mit unnötiger Rückstauwirkung

Für alle diese 3 Beispiele gilt, dass der freie Querschnitt recht gering ist und dass schon eine z. B. geringe Laubmenge genügt,  um den Einlauf zu verstopfen.

Im Falle des Beispiels im Foto 3 engt zudem der Rechen im unbelegten Zustand den freien Querschnitt erheblich ein, so dass es schon aus diesem Grund zu einem Rückstau kommen dürfte.

Foto 4: Einsatz der Feuerwehr von Eppelborn bei der Reinigung eines unzweckmäßig konstruierten Einlaufbauwerkes.

Das Foto 4 zeigt eindrücklich, dass auch dieser Einlauf nicht sonderlich zweckmäßig konstruiert wurde und dass es notwendig war, diese Konstruktion sofort nach dem Regen freizulegen. (Das Foto 4 wurde übrigens von der Eppelborner Feuerwehr aufgenommen und mit freundlicher Genehmigung der Eppelborner Feuerwehr durch den Pressesprecher Herrn Frank Recktenwald am 06.02.2012 für diese Seite zugelassen.)

Je nach Art des unbefestigten Einzugsgebietes der Gräben sind neben der Handrechenanlage zusätzliche Sand- und ggf. auch Geröllfänge erforderlich.

2. Ohne Kontrolle und Wartung sind auch die besten Konstruktionen wertlos

Alle derartigen Anlagen – auch die besten unter ihnen – sind wirkungslos, wenn sie nicht einer regelmäßigen Kontrolle und Wartung unterliegen.

Über die Kontrolle und Wartung derartiger Anlagen sollte Buch geführt werden, damit im Überflutungsfall mit Folgeschäden der Regenwasserbeseitigungspflichtige jederzeit nachweisen kann, dass er seinen betrieblichen Pflichten mit der erforderlichen Sorgfalt nachgekommen ist.

Sicher sollten Anwohner einen verstopften Rechen reinigen dürfen, sofern sie seine Verstopfung bemerken und dieser auch gefahrlos zu reinigen ist.

Aber dazu  könnten Fachanwälte für Verwaltungsrecht andere Auffassungen erstreiten (oder müssen) bzw. den Beitrag kommentieren.

Während oder nach starken Regenfällen (je nach Intensität) ist eine sofortige Kontrolle bzw. eine ggf. sofortige Reinigung derartiger Anlagen notwendig, weil die Erfahrung zeigt, dass nach Benutzung eines Handrechens dieser meist auch mit Rechengut belegt ist.

Die Aufgabe der Reinigung besteht oft in der Beseitigung von Rechengut vom Rechen und ggf. in der Reinigung der Geröll- bzw. Sandfänge, wenn diese vorhanden sind.

Sofern es sich bei dem Einlaufbauwerk um eine Anlage der Straßenentwässerung handelt, dürfte (vorbehaltlich einer verwaltungsrechtlichen Würdigung und der Einzelfalluntersuchung) wohl gelten:

Die Reinigung von zur Straße gehörenden Regenwasserabläufen und Sinkkästen ist bundesrechtlich (§ 54 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Abs. 2 WHG 2010) dem Regime der Abwasserbeseitigung zugewiesen, weil diese Einrichtungen dem Sammeln und Fortleiten des im Bereich der befestigten Straßenflächen anfallenden Niederschlagswassers dienen. Die Bestimmung der zur Erfüllung dieser Aufgabe verpflichteten juristischen Person des öffentlichen Rechts oder eines anderen Abwasserbeseitigungspflichtigen obliegt dem Landesrecht (§ 56 Satz 1 und 2 WHG 2010).“

Quelle: Beschluss  BVerwG 9 B 99.10, OVG 1 L 13/09 vom 21. Juli 2011

3. In Dresden übliche Kontrolle und Wartung

Nach einer Information des Abteilungsleiters Herrn Mebus im Straßen- u. Tiefbauamt Dresden gelten in Dresden folgende Regeln für die Reinigung und Inspektion von Einlaufbauwerken, für Kanäle und Schächte der Straßenentwässerung.

Straßengräben:

  • Das Mähen von Straßengräben beauftragt das STA Dresden 2-mal jährlich.

Für Einlaufbauwerke (Bauwerke mit Rechen zum Schutz der dann folgenden Verrohrung) gilt:

  • Einlaufbauwerke für eine Vorflut sind jährlich 2-mal zu reinigen bzw. zu inspizieren.
  • Zusätzlich erfolgt dies kurzfristig bei einer Unwetterwarnung und danach.

Kanäle und Schächte der Straßenentwässerung:

  • Kanäle der Straßenentwässerung und Schächte werden alle 5 Jahre inspiziert, was mit einer Reinigung verbunden ist.

4. Einlaufbauwerk für extreme Anforderungen

Ein Konstruktionsvorschlag für derartige Bauwerke – hier in der folgenden Abbildung wohl eher für den Einsatz im Gebirge vorgesehen – ist der Abbildung  1 zu entnehmen.

(In der neuen ATV-DVWK-A 157 von 2000 findet man nur noch schematische Darstellungen.)

Abbildung 1: Einlaufbauwerk mit Geröll- und Sandfang nach ATV-Regelwerk A 241 vom Juni 1978

5. Variante eines Einlaufbauwerkes mit geradem Sandfang und naturnahem Ausbau

Der Entwurf vom Juni 1996 zur ATV-A 241 enthält zwei interessante naturnahe Varianten. Siehe hierzu die Abbildungen 2 und 3.

Weitere  Schnitte zu allen hier dargestellten Formen von Einlaufbauwerken findet man u. a. auch in der in diesem Beitrag angegebenen Literatur.

Abbildung 2: Einlaufbauwerk in naturnahem Ausbau nach dem Entwurf der ATV-A 241 vom Juni 1996

 

Abbildung 3: Einlaufbauwerk in naturnahem Ausbau nach dem Entwurf der ATV-A 241 vom Juni 1996

6. Variante eines Einlaufbauwerkes mit rundem Sandfang und naturnahem Ausbau

Abbildung 4: Einlaufbauwerk in naturnahem Ausbau nach dem Entwurf der ATV-A 241 vom Juni 1996

Abbildung 5: Einlaufbauwerk in naturnahem Ausbau nach dem Entwurf der ATV-A 241 vom Juni 1996

7. Im Harz realisierte Lösungen robuster Einlaufbauwerke nur mit Handrechen

Foto 5: Einlaufbauwerk ohne Geröll und Sandfang in solider Qualität auf dem Brocken (Harz)

 

Foto 6: weiteres Einlaufbauwerk ohne Geröll und Sandfang in solider Qualität auf dem Brocken (Harz)

Im konkreten Fall der Fotos 5 und 6 war augenscheinlich kein Sand und Geröllfang notwendig.

Wie man erkennt, gibt es zur Konstruktion und Ausführung von Einlaufbauwerken recht fundierte Anforderungen und manche bewährte Lösung.

Anhand der Fotos 5 und 6 sind Prinzipien und Merkmale leistungsfähiger Einlaufbauwerke – in diesen Fällen ohne Sand- und Geröllfang – zu erkennen:

  1. Der Rechenfläche ist deutlich größer als der Rohrquerschnitt des abgehenden Kanals.
  2. Der Rechen befindet sich in einem gehörigen Abstand zum Kanaleinlauf und ist dem Kanal nicht unmittelbar vorgesetzt, wie z. B. fälschlich auf Foto 3 zu sehen. Bei dem Rechen nach auf Foto 3 wird außerdem der Einströmverlust hinter dem Rechen verschlechtert. Dies führt zu einem zusätzlichen Leistungsrückgang und einem sonst vermeidbaren zusätzlichen Aufstau. Zudem zählt der Rechen in Foto 3 auf Grund seines Stababstandes von << 4 cm  zu einem Feinrechen, der im Regenfall erfahrungsgemäß ständig gereinigt werden muss.
  3. Der freie Querschnitt eines Rechens muss deutlich größer sein als die Kanalquerschnittsfläche.
  4. Zwischen Rechen und Kanal befindet sich ein Betonschacht.
  5. Der Rechen selbst ist aus verzinktem Bandeisen gefertigt, dessen schmale Seite vom Wasser angeströmt wird.
  6. Das Wasser kann im Belegungsfall oder bei extremen Wasseranfall den Rechen wenigstens teilweise auch von oben fluten.
  7. Die Rechenneigung ist so gewählt, dass sie eine manuelle Reinigung erleichtert.
  8. Der Einlaufbereich ist befestigt. Hier gepflastert.

Zu der Bedeutung des freien Querschnittes noch einige Überlegungen:

Vergleiche dazu Abbildung 6. Die Notwendigkeit eines großzügig bemessenen freien Rechnerquerschnittes wird verständlich, wenn man sich den Prozess der Rechenbelegung bei einem Wasserstand von z. B. nur 10 cm im Graben vorstellt. Eine Handvoll  Laub genügt schon, um einen Rechen nach  Foto 3 im Einlaufbereich sofort zu belegen. Damit kommt es schon nach kurzer Niederschlagszeit zu einem Rückgang der Leistungsfähigkeit des Rechens um ca. 50 %!

Die Folge ist, dass der Rechen selbst zur Verstopfungsursache des Kanals wird, sollte er doch den Kanal vor innerlicher Verstopfung schützen.

Rechenbetreiber, die dies vermeiden wollen, müssen also für leistungsfähige wartungsarme Rechenanlagen in Einlaufbauwerke sorgen:

  • Rechenneigung: 1: 3  (siehe Punkt 8 )
  • Abstände der Flacheisen: 4…10 cm
    (je kleiner die Abstände, desto größer ist die Verstopfungsgefahr eines Handrechens
  • Rechen deutlich breiter als der Grabenquerschnitt (z. B. Abbildung 6)
  • freier Rechendurchgang deutlich breiter als die Querschnittsfläche des abgehenden Kanals –
    (z. B. Abbildung 4 und 5)

8. Vorteilhafte Neigung des Rechens

Handrechen waren früher in kleinen Kläranlagen häufig im Einsatz  (siehe Abbildung 6).

Hier hat sich ein Rechengefälle von 1 : 3 bewährt. Das hat den Vorteil einer größeren wirksamen Rechenoberfläche und einer leichteren Bedienbarkeit.

Vergleicht man die Rechenneigungen, so fällt auf, dass die Neigungen der Rechen nach dem Regelwerk und nach Foto 5 und 6 deutlich steiler und deshalb möglicherweise nachteiliger als die flacheren in der Abwasserbehandlung bewährten Handrechenneigungen sind.

Eine Rechenneigung von 1 : 3 erscheint vorteilhafter, als jene im Regelwerk dargestellte deutlich steilere Neigung!

Ich würde – wenn im Einzelfall möglich abweichend vom Regelwerk  – eine Rechenneigung von 1 : 3 wählen, da die geringe Neigung von 1 : 3 die genannten Vorteile verspricht.

Je flacher die Rechenneigung, desto länger könnte es wohl dauern, bis der Rechen mit Rechengut belegt ist und wieder gereinigt werden muss. D. h. ein flacher Handrechen – und wenn möglich zudem deutlich breiterer Rechen – bleibt länger betriebsbereit.

Da die Reinigung der Rechen jedes mal eine Aktion ist, d. h. der für die Reinigung des Rechens zuständige Mitarbeiter des Entwässerungsbetriebes oder der Kommune steht ja nicht ständig neben dem Rechen, bringt eine flachere und breitere Dimensionierung der Rechenfläche langfristig sicher manche zusätzlichen Vorteile.

Abbildung 6: Rechen für Handbedienung nach Gruhler, J.F. (Abwasserbehandlung, 2. Lehrbrief Berlin 1975, S. 64)

Randolf nennt eine Rechenneigung von 20…25° gegen die Horizontale (Randolf, Kanalisation und Abwasserbehandlung, VEB Verlag für Bauwesen Berlin, 1974,  S. 173).

1 : 3 sind 18°, 1 : 2,7 sind ca. 20° und 1 : 2,1 sind ca. 25°.

Wenn es möglich und notwendig ist, kann man den Rechen auch deutlich breiter als das Gerinne planen. Vergleiche Abbildung 6.

9. Funktionierendes Einlaufbauwerk unmittelbar nach einer Flutung

Foto 7: Überflutungen und kleine Erdrutsche in Ettenheim am 15. Juli 2009

Das Foto 7 veranschaulicht die Überflutung des Rechens im Belegungsfall oder bei extremen Wasseranfall wenigstens teilweise auch von oben.

Das der Rechen nun die Überflutung nicht verhindert, mag an anderen Ursachen liegen.

Auf jeden Fall hat der Rechen den Kanal vor Rechengut (u. a. PVC-Rohr) geschützt und zudem seine Leistungsfähigkeit und Funktion behalten.

(Bildquelle für Foto7:  Badische Zeitung; Artikel:  Überflutungen und kleine Erdrutsche in Ettenheim )

10. Zusammenfassung

  • Wird ein Graben an einen Kanal angeschlossen, so ist dazwischen in aller Regel ein Einlaufbauwerk erforderlich. Dann nämlich unbedingt, wenn die Gefahr besteht, dass bei Niederschlag bzw. Schneeschmelze Rechengut, Schlamm, Sand und/oder Geröll in den Kanal gespült werden könnte.
  • Auf die bewährten Konstruktionsvorschläge in Abbildung 1-4 bzw. in Foto 5 und 6 sollte in solchen Fällen zurückgegriffen werden.
  • Die Kontrolle und Reinigung der Einlaufbauwerke sollte schriftlich eindeutig nachgewiesen werden können. Die in Dresden übliche Verfahrensweise hat sich bewährt und kann empfohlen werden.

Die Bewertung des Einlaufbauwerkes ist weniger relevant, wenn der strittige Kanäle und Gräben als Gewässer II. Ordnung klassifiziert wird. Das ist deshalb nicht der Fall, weil dann der dem Graben folgende Kanal zumeist einen wesentlich größeren Durchmesser aufweisen würde (z. B. Abfluss nach HQ100) und weil er damit weniger verstopfungsanfällig wäre. Notwendig sind hier Einzelfalluntersuchungen.

 

Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung
Dipl-Ing. (FH) & Diplomvolkswirt

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)




Rückstau und Überflutung

Literaturrecherche:

1. Bau und Betrieb der Kanalisation – Exzerpt aus [3]

  • Ein besonderes Interesse fanden in den letzten Jahren – aus diesen Untersuchungen heraus die Netz-Füllungszustände bei Stau (Energiespiegel im Abwasserkanal steigt über den Rohrscheitel = Rückstau) oder Kanalüberschwemmung (Energiespiegel bis über Gelände, Abwasseraustritt aus dem Kanal auf Überschwemmungswege [430, 431]). Während im ersteren Zustand der Wasserzugang durch Stau in nicht nach DIN 1986, Abschn. 7, von 1988, (149], ausreichend gesicherte Keller beginnt oder beginnen kann – mit steigender Staulinie (= Energielinie) zunehmend – können im letzteren Fall der Überschwemmung Gefährdungen für tiefer liegende Grundstücke und Anlagen entstehen, evtl. eine Haftung des Kanalnetzbetreibers nach unserer bisherigen Rechtsprechung auslösend
  • Hatte man früher solche Fälle als solche „höherer Gewalt“ gesehen, so ist diese Sicht jetzt aus der neuen Haftpflicht – zum Schutze des Bürgers – differenziert zu sehen, je nach der Häufigkeit solcher Vorkommnisse. Damit muß sich der planende Ingenieur – was bisher weitgehend nicht üblich war – auch mit der Frage der „Überschwemmungswege“ zukünftig befassen.
  • Im Normalfall erfolgt der Abfluß – bei extremen Abflüssen aus Niederschlag – aus den Straßeneinläufen ausströmend statt zulaufend, dem natürlichen Geländegefälle folgend über die Straßenfahrbahn, zwischen den Randsteinen. Diese zusätzliche, erhebliche Abflußkapazität (neben dem Kanalsystem) ist jedoch eingeschränkt, wenn niedrige Randsteinhöhen zu tiefer liegenden Garagen oder Parkplätzen evtl. auch aus Einläufen dort (!) – aus diesem „Straßenabfluß“ seitlich zu Überschwemmungswegen über die Grundstücke führen, eventuell Schäden verursachend.
  • Auch Kanaldeckel-Aushebungen kommen vor. Bei Deckeln „mit Lüftung“ ist die Wahrscheinlichkeit des Vorkommens geringer (Entlastung durch Luftaustritt).
  • Ebenso können diese „Überschwemmungswege“ an Straßenkreuzungen, Tiefpunkten, aber auch Unterführungen zu seeartigen größeren Stauen führen, woraus sich auf dem weiteren Überschwemmungsweg Schäden ergeben können. Hier kann, wenn dies mit – nach Beurteilung des Gerichts – unzumutbarer Häufigkeit vorkommt, die Gemeinde haftpflichtig sein. Ähnlich wohl auch, wenn Schäden daraus (z. B. gekippte Zäune/Mauern, überschwemmte Keller) „vorhersehbar“ waren.
  • Es wird daher nötig sein, solche Fälle vorher als „Überschwemmungswege“ zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen für eine schadlose Ableitung zu sorgen, Risiken dabei zu mindern. [3] (S. 57)
  • „Um eine ordnungsgemäße Entwässerung zu den Straßen hin zu gewährleisten, wird man die Höhenlage der Gebäude und des sie umgebenden Geländes sorgfältig darauf abstimmen. Zu dieser Binsenweisheit, die, wie Erfahrungen lehren, offenbar immer wieder ausgesprochen werden muß, bringt Bild 10.3-32 eine Darstellung aus amerikanischen Empfehlungen. Diese Dinge sind offenbar so ernst zu nehmen, daß die Federal Housing Administration der Frage der Oberflächenentwässerung in den Einfamilienhaussiedlungen der suburbs besondere Aufmerksamkeit widmet [187]. In Bild 10.3-33 sind drei Fälle von Geländeneigungen im Schnitt wiedergegeben, und es ist hierzu angedeutet, wie man die Grundstücke im Hinblick auf die Oberflächenentwässerung zu regulieren hat, „um Feuchtigkeitsschäden am Haus, Dunstbildungen, Erosionen, Verschlammung der Höfe und Überflutung von Kleinkläranlagen zu vermeiden“ und nachträglichen teuren Behebungsmaßnahmen, wie Wiederherstellung der Geländeprofilierung und Einlegen von Dränagen, vorzubeugen. Diese Mahnung aus den USA sollte Anlaß sein, generell bei Entwässerungsprojekten in Verbindung mit dem Bebauungsplan Vorsorge für „Überschwemmungswege“ zu treffen, um bei außergewöhnlichen Stark- und Katastrophenregen Schäden zu begrenzen. Pfeiff hat dieses Problem in [430, 431] behandelt. Es spielt auch bei Rechtstreitigkeiten um Schadenersatz eine Rolle, nämlich bei der Frage nach der Abgrenzung zwischen „hoherer Gewalt“ und „Versäumnis“.

2 Hydraulische Bemessung und Nachweis von Entwässerungssystemen [2]

  • „Die europäische Norm DIN EN 752-2 geht von der Überflutungshäufigkeit als Nachweiskriterium für Überlastungszustände aus (vgl. Kap. 5.1). Der Überflutungsvorgang auf der Oberfläche und der Überflutungsschutz sind in hohem Maße von lokalen Verhältnissen abhängig und bedürfen deshalb einer Würdigung der Gegebenheiten in der Örtlichkeit. Die Möglichkeit und Gefahr einer Überflutung im Falle einer Überstauung der Kanalisation ist auch im Fall einer einfachen Bemessung nach Kap. 6.1.1 bzw. im Anschluß an die hydraulische Nachrechnung vor Ort zu prüfen. Wegen der Schwierigkeiten, den oberflächigen Überflutungsvorgang modelltechnisch nachzubilden, ist für Bereiche mit rechnerischem Überstau unbedingt eine Bewertung der Gegebenheiten vor Ort vorzunehmen. Ggf. sind vorliegende Aufzeichnungen zum bisherigen Systemverhalten auszuwerten (Feuerwehreinsätze o.ä.).
  • Nachweisrechnungen sollten für Netzpunkte mit Überstau über Gelände das Volumen des ausgetretenen bzw. nicht abgeleiteten Misch- oder Regenwassers sowie die Dauer des rechnerischen Überstaus ausweisen, um die Gefahr einer Überflutung angrenzender Grundstücke oder einer wesentlichen Funktionsbeeinträchtigung wichtiger Verkehrsanlagen (Unterführungen) besser bewerten zu können. Ist eine Überflutung angrenzender Grundstücke aufgrund der topographischen und sonstigen örtlichen Gegebenheiten zu befürchten, sind geeignete (konstruktive) Maßnahmen am Straßenverlauf umzusetzen oder die Ableitung des überschüssigen (Ab-)Wassers in ungefährdete Flächen zu prüfen. Sofern dieses an der Straßenoberfläche abgeleitet oder gespeichert wird, ist der Höhenverlauf der Straße in die Prüfung mit einzubeziehen und das schadlose Ableiten ggf. durch bauliche Maßnahmen sicherzustellen.“

 

Siehe auch: Überflutung, Rückstau

Literatur

[1] Abwassertechnische Vereinigung e. V.
Richtlinien für die hydraulische Berechnung von Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanälen
1984, 5. Auflage (unveränderter Text von 1977), ATV-A 118

[2] ATV-A 118
Hydraulische Bemessung und Nachweis von Entwässerungssystemen
(Punkt 6.3)
Abwassertechnische Vereinigung e. V., 1999 und 2006

[3] ATV-Handbuch
Bau und Betrieb der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1995

[4] ATV-Handbuch
Planung der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1994

[5] Federal Housing Administration: Land Planning.
Bulletin Nr. 3. Abschnitt Block and Lot Grading,
Washington D.C. (1954/8)
aus [4]

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)




Überschwemmungsweg – Haftung

Literaturrecherche

Quelle

ATV-Handbuch
Planung der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1994

Kapitel  2.9.1.2.3 von Herrn Dr.- Ing. Siegfried H. Pfeiff
Seniorsachverständiger

„Hatte man früher solche Fälle als solche „höherer Gewalt“ gesehen, so ist diese Sicht jetzt aus der neuen Haftpflicht – zum Schutze des Bürgers – differenziert zu sehen, je nach der Häufigkeit solcher Vorkommnisse. Damit muß sich der planende Ingenieur – was bisher weitgehend nicht üblich war – auch mit der Frage der „Überschwemmungswege“ zukünftig befassen.

Im Normalfall erfolgt der Abfluß – bei extremen Abflüssen aus Niederschlag – aus den Straßeneinläufen ausströmend statt zulaufend, dem natürlichen Geländegefälle folgend über die Straßenfahrbahn, zwischen den Randsteinen. Diese zusätzliche, erhebliche Abflußkapazität (neben dem Kanalsystem) ist jedoch eingeschränkt, wenn niedrige Randsteinhöhen zu tiefer liegenden Garagen oder Parkplätzen -evtl. auch aus Einläufen dort (!) – aus diesem „Straßenabfluß“ seitlich zu Überschwemmungswegen über die Grundstücke führen, eventuell Schäden verursachend.

Auch Kanaldeckel-Aushebungen kommen vor. Bei Deckeln „mit Lüftung“ ist die Wahrscheinlichkeit des Vorkommens geringer (Entlastung durch Luftaustritt).

Ebenso können diese „Überschwemmungswege“ an Straßenkreuzungen, Tiefpunkten, aber auch Unterführungen zu seeartigen größeren Stauen führen, woraus sich auf dem weiteren Überschwemmungsweg Schäden ergeben können. Hier kann, wenn dies mit – nach Beurteilung des Gerichts – unzumutbarer Häufigkeit vorkommt, die Gemeinde haftpflichtig sein. Ähnlich wohl auch, wenn Schäden daraus (z.B. gekippte Zäune/Mauern, überschwemmte Keller) „vorhersehbar“ waren.

Es wird daher nötig sein, solche Fälle vorher als „Überschwemmungswege“ zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen für eine schadlose Ableitung zu sorgen, Risiken dabei zu mindern.

Siehe auch:




Gutachten über Ursachen von Überflutungen und Rückstauereignisse

Probleme mit Rückstau, Einstau, Überstau und Überflutung?

Lassen Sie uns also aus Ihrem Problem eine gemeinsame Aufgabe machen, bei deren Lösung wir Sie gerne unterstützen möchten.

Wir freuen uns auf Ihren Anruf: 03761-5266 oder 5267

Meist wird Frau Felkel, unsere Sekretärin Ihr Telefonat oder Ihre E-Mail an box@institut-halbach.de entgegen nehmen bzw. weiterleiten.

Zu den o.g. Themen liegen langjährige Erfahrungen vor, die  sich in zahlreichen Gerichts- und Parteigutachten u. a. für folgende Gerichte, Kommunen  und Verbände widerspiegeln:

Aktuell arbeite ich an Gerichtsgutachten  für die Gerichte

Bewertungen der Rückstau- oder Überflutungsursachen übernehme in der Regel ich selbst in meiner Eigenschaft als ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung.

Weitere Hinweise sind im Thesaurus der Homepage (rechte Tabellenseite) unter „Überflutung/Rückstau“ zu finden.




Kommentar zur DIN EN 752 – Wasserdichtheit

Grundsätzliche Anforderungen aus der DIN EN 752-2

Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden, Teil 2 : Anforderungen

„Die grundsätzlichen Anforderungen an den Betrieb von Entwässerungssystemen sind folgende:

a) Verstopfungsfreier Betrieb;

b) Begrenzung der Überflutungshäufigkeiten auf die, vorgeschriebenen Werte;

c) Schutz von Gesundheit und Leben der Öffentlichkeit;

d) Die Überlastungshäufigkeiten sollten auf die vorgeschriebenen Werte begrenzt werden;

e) Schutz von Gesundheit und Leben des Betriebspersonals;

f) Schutz der Vorfluter vor Verschmutzung im Rahmen festgelegter Grenzen;

g) Ausschluß der Gefährdung von bestehenden, angrenzenden Bauten und Ver- und Entsorgungseinrichtungen durch Abwasserkanäle und -leitungen;

h) Erreichung der geforderten Nutzungsdauer und Erhaltung des baulichen Bestandes;

i) Wasserdichtheit der Abwasserkanäle und -leitungen entsprechend den Prüfungsanforderungen;

j) Vermeidung von Geruchsbelästigung und Giftigkeit;

k) Sicherstellung der geeigneten Zugänglichkeit für Unterhaltszwecke.“

Nicht Notwendiges aus der DIN EN 752-5

7.4.3 Wasserdichtheit

„Untersuchungen können erforderlich werden, um Undichtheiten von Abwasserleitungen und -kanälen festzustellen. Dabei sind vorrangig Leitungen und Kanäle zu untersuchen, die in Grundwasserschutzgebieten liegen oder besonders gefährliche Stoffe ableiten (siehe Abschnitt 7 von EN 752-2:1996).“

Kommentar:

Nach dem Wortlaut der DIN EN 752 – 2 gilt:

Grundsätzlich haben Abwasserkanäle und -leitungen entsprechend den Prüfungsanforderungen dicht zu sein.

Dies wird im allgemeinen jedoch völlig anders verstanden. Nämlich so:

„Abwasserkanäle und -leitungen müssen entsprechend den Prüfungsanforderunge stets dicht sein.“

Doch was bedeutet „grundsätzlich“?

Nun, das kommt darauf an,  wer gefragt wird oder wer etwas zu sagen hat.

Ein Rechtsanwalt oder ein Richter versteht unter „grundsätzlich“ eine Regel oder eine Leitlinie, wobei Ausnahmen oder Abweichungen  durchaus zulässig sind.

Das DWA-Regelwerk, die DIN oder die Rechtsprechung zur Mängelbewertung lässt sogar ausdrücklich Abweichungen zu.

Der „Rest der Welt“ glaubt dagegen zumeist bei „grundsätzlich“ grundsätzlich an eine unbedingt einzuhaltende Anforderung, was natürlich von dem einen oder anderen unseriösen Unternehmen gewinnbringend ausgenutzt wird.

Wäre nämlich tatsächlich Gefahr im Verzug – wie mitunter vorgegaukelt wird – dann hätte das skurrile Konsequenzen. Alle Kanalisationen müssten schlagartig außer Betrieb genommen werden, weil diese ja nicht nur grundsätzlich, sondern tatsächlich undicht sind.

Nicht nur in den Großstädten müsste das Abwasser sofort mit Güllefässern ausgefahren werden.  Das Abwasser wäre in Endlagern zu speichern, denn auf die Felder und auf die Deponien darf kein Abwasser.

Man sieht was „grundsätzlich“ für Nonsens anrichtet, wird es wörtlich und nicht mit juristischem Sachverstand gewertet.

Ein exzellenter Beweis übrigens für die Nützlichkeit von Juristen gegenüber den Technikern, denn die Letzteren würde der scharfsinnige Davila in einer zivilisierten Gesellschaft gerne in der Gesindestube speisen lassen. Und mit den Jahren verstehe ich auch sein hartes Urteil, obwohl es auch mich trifft.

Also für deutsche Nichtjuristen:

Abwasserkanäle und -leitungen sollten im Allgemeinen entsprechend den Prüfungsanforderungen dicht sein. Ausnahmen sind zugelassen.

Ich habe keine DIN oder keine Regel im technischen Regelwerk gefunden, nach der eine flächendeckende Inspektion und Dichtheitsprüfung aller deutschen alten Kanäle zwingend abzuleiten wäre.

Wer einen Blick für die Realitäten hat, bei dem könnte der Eindruck entstehen, dass in der Regel Kanäle eher undicht als dicht sind und dass aus dieser Tatsache in ganzheitlicher Wertung nach der EU-WRRL wohl kein Problem zu erkennen ist. D. h. bei ganzheitlicher Wertung werden die Frachten im Grundwasser eher in Ausnahmen von undichten Kanälen verursacht.

Andererseits stellen die Kanäle ein enormes kommunales Vermögen dar, das zu schützen und zu erhalten ist.

Voraussetzung dafür ist aber, dass man den Zustand der Kanäle kennt und die Reparatur, Modernisierung und Erneuerung der Kanalisationen in gleicher Weise betreibt, wie es bei den oberirdischen Abwasseranlagen üblich ist.

Sinnvoll, planmäßig, kompetent, insbesondere verhältnismäßig und mit Augenmaß.

Siehe auch: Überflutung, Rückstau

Uwe Halbach
zertifizierter Kanalsanierungsberater

error: Content is protected !!