Schwermetall

Schwermetall im Klärschlamm? Wir können vielleicht helfen!

Schwermetall im Klärschlamm? Wir können vielleicht helfen!

Wie man sieht, haben wir mit Schwermetall keine Schwierigkeiten und die Hantel hält nicht nur ein Ingenieur unseres Hauses mühelos waagerecht und auch noch ohne dabei zu zittern.

Auch unser Chemiker kann hier mithalten und er kann zudem die Hantel chemisch bewerten.

Haben Sie eine Schwermetallaufgabe mit Ihrem Klärschlamm?

Dann haben wir aus vielen Gründen mit der 5266 die beste Telefonnummer der Welt:

+49 3761 5266 oder für Deutschland: o3761 5266

Ein Grund für die beste Telefonnummer ist die wasserwirtschaftliche Erfahrung über 3 Generationen in der Familie!

Konsequenzen einer Grenzwertüberschreitung von Schwermetallkonzentrationen

  1. Hohe Kosten, denn bei Grenzwertüberschreitung von Schwermetallkonzentrationen wird dieser meist Sondermüll, dessen Entsorgung sehr teuer ist.
  2. Bei „Nichtstun“ und Anzeige, ggf. Anklage wegen Straftatbestand der Gewässerverschmutzung.

Nur wenn die relevanten Schwermetallemittenten (-verursacher) bekannt sind, kann die tatsächliche Ursache der Verschmutzung des Grundwassers beurteilt werden.

Eine eventuelle Verschmutzung des Grundwassers mit Schwermetallen – eine entsprechende Dosis vorausgesetzt – ist eine bedeutend folgenreichere Umweltvergiftung gegenüber zu viel Schwermetall im Klärschlamm, der, wenn dies bekannt ist, gefährdungslos – aber teuer – zu entsorgen ist.

Allerdings gibt es auch eine Selbstreinigung von Schwermetallen in der Natur;

Der Wasserkreislauf!

Man muss nur warten können und dürfen.

Wie schwer ist eigentlich Schwermetall?

Wie schwer ist denn nun Schwermetall?

Einer Definition zufolge ist alles Metall mit einer Dichte ≥ 5 g/cm³ Schwermetall.

Eisen hat die Dichte von ≈ 7,9 g/cm³, ist damit ein Schwermetall und so ist das Hantelgleichnis gar nicht so abwegig.

Da Eisen fast überall ist, gilt:

In jedem Klärschlamm dürfte eine gehörige Menge Schwermetall sein.

Wichtige Eigenschaften von Metall

Wegen der Vollständigkeit seien für den, der es noch nicht weiß, die wichtigsten Eigenschaften von Metall aufgezählt:

  1. elektrisch gut leitfähig
  2. undurchsichtig
  3. gut verformbar
  4. relativ hoher Schmelzpunkt
  5. glänzend

Und nun kommt das Besondere dieses Beitrages. Es geht um Schwermetalle,

  1. die nicht nur schwer,
  2. sondern die auch giftig sind,
  3. die vom Belebtschlamm aufgenommen werden und die dann
  4. im Klärschlamm landen.

Schwermetalle sind meist giftig!

Aber manche sind sogar lebensnotwendig!

Doch das ist hier kein Thema.

Warum sind nun Schwermetalle im Klärschlamm zu minimieren?

Um in Ausnahmefällen zu verhindern, dass bei hohen Stoffkonzentrationen giftige Schwermetalle über den Stoffkreislauf den Menschen und andere Organismen vergiften können.

In der Regel, weil es Vorschrift ist.

Eine Mittel zur Schwermetallminimierung: Erfahrung

Schwermetalle im Klärschlamm gelangen über die Kanalisation – meist über Indirekteinleiter auf die Kläranlage.

Langjährige Erfahrungen und kompetente, erfolgreiche Mitarbeiter, z. B. unseren Chemiker Herrn Uwe Eichhorn sind ein wichtiges Mittel zur Schwermetallminimierung.




Schlammabfuhr aus Kleinkläranlagen – Hinweise für Klärgrubenbesitzer

Zur Schlammabfuhr aus Kleinkläranlagen

Welche Aufgaben hat eine Abwasserfaulgrube (Kleinkläranlage nach DIN 4261-1)?

(In dem Fall, dass der Kleinkläranlage nach DIN 4261-1 eine biologische Stufe nachgeschaltet ist, wird in der Regel der in der nachgeschalteten Stufe anfallende Schlamm ebenfalls in der 1. Kammer der Abwasserfaulgrube sedimentiert und gelagert. Diese Schlammengen (Überschußschlamm)  können den Abfuhrzyklus erheblich reduzieren. Darauf wird in eine Ergänzung dieses Beitrages in Kürze eingegangen).

Häufig wird vergessen, dass Faulgruben nur drei/vier Funktionen haben:

  • Rückhalten von absetzbaren Stoffen
  • Rückhalten von Rechengut
  • Lagern des abgesetzten Schlammes bis zur Abfuhr
  • Bei Mehrkammer-Ausfaulgruben: auch Reduzierung des abzufahrenden Schlammes und damit der Entleerungskosten im besten Fall um ca. 45%.

Relevant ist: Schlamm oder Rechengut darf aus einer Kleinkläranlage nach DIN 4261-1 nicht in das Gewässer gelangen. Deshalb ist eine Schlammabfuhr bei Bedarf erforderlich.

Wie oft ist der Schlamm aus Kleinkläranlagen zu beräumen?

Nun – so oft es nötig ist.

Wann eine Schlammabfuhr es nötig?

Bevor das zulässige Schlammspeichervolumen überschritten wird.

Warum nur eine Schlammabfuhr so oft wie nötig und nicht so oft wie möglich?

  1. So oft wie möglich kostet den Klärgrubenbesitzer unnötig viel Geld.
  2. Im Szenario „So oft wie möglich“ wird sehr viel Wasser und wenig Schlamm „spazieren gefahren“ und unnötig viel Diesel verbraucht.
  3. Klärschlamm reduziert mit der Lagerzeit ganz erheblich sein Volumen: Also, je länger man wartet, desto weniger Schlamm fällt an und braucht abgefahren zu werden.
  4. Klärschlamm muss auf der Kläranlage weiterbehandelt werden. Je weniger Schlamm anfällt, desto geringer sind die zusätzlichen Kosten des AZV oder der Kommune.

In welchem Maße reduziert Klärschlamm sein Volumen mit der Lagerzeit?

Das Ausmaß ist anhand der folgenden Messergebnisse (veröffentlicht von Schütte, H. , Betriebserfahrungen mit Kleinkläranlagen, KA – Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall 2000 (47), Nr. 10, S. 1499-1505) zu erkennen:

Nach Schütte, H.Betriebserfahrungen mit Kleinkläranlagen KA – Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall 2000 (47) Nr. 10 S. 1499-1505

Man erkennt bei einer einjährigen Lagerzeit des Schlammes (d. h. jährliche Abfuhr), dass die aus der 1. Kammer (!) abzufahrende Schlammmenge 0.65 l/Ed also 237 l/Ea beträgt.
(E= Einwohner, a = Jahr, l = Liter).

Bei einer 5-jährigen Lagerzeit sinkt die spezifische Menge um 100 % auf  ca. 0,3 l. In diesem Fall beträgt die nach 5 Jahren abzufahrende Schlammmenge ca. 550 l/Ea.

In den 4 Jahren zusätzlicher Lagerzeit hat sich die Schlammmenge um 313 l (550-237) , also um 56 % durch Eindicken und durch Gärungsprozesse reduziert.

Voraussetzung für eine 5-jährige Lagerzeit ist natürlich, dass die Grube für eine derartige Lagerzeit bemessen wurde.

Entscheidend für die Bewertung ist nicht die Auslastung zum Errichtungsdatum, sondern immer die aktuelle Auslastung.

Übrigens der in Tabelle 1 des DWA-Arbeitsblattes 280 genannte  mittlere Schlammanfall von 1 m³/Ea  ist nur die halbe Wahrheit.

Wie kann man die  Speicherkapazität der Grube kalkulieren?

  • Nutzvolumen der Kammern ermitteln (siehe z. B. Planungsunterlagen (DDR-Kleinkläranlagen nach_TGL_7762 bzw. WAPRO-Standard sonst ausmessen)
  • angeschlossene Einwohner zählen
  • Ermitteln, ob man eine Mehrkammer-Absetzgrube (gesamtes Nutzvolumen > 2 m³ und 0,5 m³/E) oder eine Mehrkammer-Ausfaulgrube (gesamtes Nutzvolumen > 6 m³ und 1 m³/E) betreibt
  • Mehrkammer-Absetzgrube und Mehrkammer-Ausfaulgruben sind zu beräumen, wenn der Schlammspiegel 50 % der Nutztiefe erreicht.
  • Feststellen des Schlammspiegels: Wer es preiswert, weil selber machen will: Hier eine Anleitung wie Klärwärter früher einfach und simpel (und ich heute noch) das Problem lösten (bzw. löse): Schlammspiegelmessung. Es geht natürlich auch viele aufwändiger, wenn man z.B. einen „Schlammspiegelmesser“ bestellt.

Kalkulationsbeispiele für eine Schlammabfuhr:

Szenario: 4 Einwohner zum Planungszeitraum

  • Grubentyp: Mehrkammerabsetzgrube Typ PROWA 3/5 (3 Kammern, 5,4 m³ Nutzvolumen, 1. Kammer 2,7 m³ und in 1. Kammer max. 1,35 m³ Schlammvolumen)
  • 1.350 l/E und 5,4 m³ also großzügig nach Ermessen: Mehrkammerausfaulgrube
  • Im Vergleich der folgenden 2 Tabellen ist zu erkennen, wie erheblich der Abfuhrzyklus bei qualifizierter Bewertung des Fäkalschlammanfalls ausgedehnt werden kann. Ob es ratsam ist, einen 5 Jahresrhythmus zu überschreiten, muss man selber probieren. Es kann vorteilhaft sein, dafür zu sorgen, dass erhebliche Schlammmassen nicht in die 2. und 3. Kammer gespült werden.
  • Längere Abfuhrzyklen setzen voraus, dass der Anlagenbesitzer den Schlammspiegel anfangs wenigstens 1 x jährlich kontrolliert, bis er die Erfahrung für den notwendigen Zeitraum gewonnen hat.

Schlammabfuhr

Szenario: 2 Einwohner während des Betriebszeitraumes

Schlammabfuhr Zwei Einwohner

Selbst eine kleinere Mehrkammer-Absetzgrube kann bei Unterlastung durchaus mit einem 2-jährgen Zyklus auskommen:

Schlammabfuhr Mehrkammer-Absetzgrube

Es kommt auf eine Beobachtung und anschließende Bewertung des Schlammspiegels an. Dazu wird folgend die eigentlich simple Berechnungsmethode erläutert.

Schlammspiegel

Methode zur Berechnung der Mächtigkeit des abgelagerten Schlammes

Schlammspiegel

Eine Birke als Meßgerät, sofern man nicht z.B. ein optisches Meßgerät zur Hand hat

Schlammspiegelmessung

Schlammspiegelmessung mit einer Birke und einem Brett

Das Meßgerät besteht aus einem langen Stock, in diesem Fall aus einem entsprechend langem Birkenstamm (siehe Foto). Zweckmäßig ist eine Stablänge von Deckel bis Grubengesamttiefe (Deckel bis Grubensohle) plus ≥ 1 m. Am unteren dicken Ende ist ein Holzbrett mit der Länge und Breite eines A4-Blattes angeschraubt oder genagelt. Diese Vorrichtung wird in die 1. Kammer eingetaucht und langsam abgesenkt. Durch das Eintauchen dieser Vorrichtung in die Kammer, lässt sich der Schlammspiegel indirekt erfühlen. Wenn das Brett den Schlammspiegel erreicht, dann steigt der Kraftaufwand beim weiteren Absenken.

Allerdings: Das Gerät funktioniert nur bei Schlämmen, die schon mehr als nur ein Jahr Zeit hatten einzudicken. Bei frischen Schlammablagerungen ist die obere Schlammschicht von wasserähnlicher Konsistenz, so dass der Schlammspiegel mit dieser Vorrichtung nicht sicher zu bestimmen ist.

Wenn schon, denn schon…

Wenn die Industrie Grundstücksbesitzern die teuren Mehrkammer-Ausfaulgruben verkauft (was ja nicht falsch sein muss), dann sollte es aber auch gestattet sein, deren betriebliche Vorteile nutzen zu dürfen. Also Entleerung nach Bedarf.

Muss eine Kleinkläranlage dicht sein?

In der Regel ja.

Andererseits soll der Gewässerschutz auf wissenschaftlichen Füßen stehen. Und in Wertung der Tatsachen

  • Selbstdichtung von Kanälen und Abwasserbecken
  • Verstopfung von Pflanzenkläranlagen im Laufe der Zeit
  • Filtration des Abwassers bei der Leckpassage
  • verhältnismäßig völlig unbedeutende Frachteinträge

ist eine undichte Kleinkläranlage in der Regel eine wasserwirtschaftliche Lappalie.

Strittiges:

  • Kleinkläranlagen nach DIN 4261-1 werden nach der Verweilzeit des Abwassers bemessen. Zum Zeitpunkt der Bemessung (1930 bis heute) kalkuliert man immer noch mit einem Abwasseranfall im ländlichen Raum von 150 l/Ed, der in der Regel heute falsch ist und im ländlichen Raum eher zwischen 60…90 l/Ed liegt.
  • Damit erhöht sich die Verweilzeit des Abwassers und der Wirkunsgrad in den Gruben entsprechend. Das kann soweit gehen, dass unterlastete Mehrkammerausfaulgruben den BSB5-Überwachungswert (<= 40 mg BSB5/l) einhalten.
  • Es ist also durchaus möglich, dass eine Mehrkammer-Absetzgrube, die ursprünglich für 4 E vorgesehen war und heute nur noch von 2 Personen genutzt wird, Schlammlagerzeiten erreicht, die der einer Mehrkammer-Ausfaulgrube entsprechen.

Sehr wichtig!

Bei folgenden Abwasserbehandlungsverfahren ist eine regelmäßige Schlammspiegelmessung und – steuerung (durch rechtzeitige Abfuhr) sehr wichtig:

  • nachgeschaltete bepflanzte (Pflanzenkläranlagen) oder unbepflanzte Bodenfilter
    • Filtergräben
    • Filterbeete
  • Versickerungsschächte
  • Versickerungsgräben

Der Grund: Ein Schlammabtrieb kann die Filter- und Versickerungsanlagen verstopfen. Dann hilft nur noch ein Neubau.

Besonders schnell ist bei einem unerwünschten Schlammabtrieb mit einem Neubau zu rechnen, wenn das vorbehandelte Abwasser ein Vlies (Bestimmte Art eines Geotextils) passieren muss.

Wenn ein Geotextil erforderlich ist, dann wäre nur eines zu verwenden, das nicht zur Verstopfung neigt! Hier ein anschauliches Beispiel der FRITZ LANDOLT AG (http://www.landolt.com) :

„Landogeo™ Filter ist ein PE-Monofilgewebe und besteht aus einem zwei Fadensystem (Kette und Schuss), das in einer Ebene und im rechten Winkel miteinander zu einem zweidimensionalen Flächengebilde verkreuzt wird.“

Den Ball flach halten

Mitunter wird aus Geschäftsinteresse mit Kleinkläranlagen Panik verbreitet und so getan, als sei eine zentrale Abwasserbehandlung das Beste und einzig Gute für die Welt.

Das ist zu relativieren.

Erstens liegt der Schwerpunkt der Gewässerbelastung bekanntlich bei der industriellen Landwirtschaft und zweitens hat die zentrale Abwasserbeseitigung auch so ihre Schwächen, denn die Schmutzfrachten, die vor der Kläranlage in das Gewässer rauschen werden werden bei der Gesamtbilanz (ganzheitliche Gewässerbewertung nach der EU-WRRL) insbesondere bei der Festlegung von Überwachungswerten eher selten beachtet.

Überarbeitet: 08.10.2017




Vorsorge

Vorsorge

Der Grund zur Vorsorge oder zur Sorge – eine imaginäre Wolke?

Kommentar zu den Leitlinien für die Anwendung des Vorsorgeprinzips der Kommission der Europäischen Gemeinschaften

Nach einer Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften zur Bewertung des Grundes zur Sorge (Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips) vom 02.02.2000 sind verstärkt wissenschaftliche Methoden zur Untersuchung und Bewertung der Risiken zu nutzen.

Das ist eine Voraussetzung zum Beweis der Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips.

Durch die Nutzung wissenschaftlicher Methoden wird das Investitions- und Betriebsrisiko wasserwirtschaftlicher Maßnahmen für Abwasserbeseitigungspflichtige und von Wasserbehörden minimiert.

Schwerpunkt sind Verschärfungen von Überwachungswerten. Üblich war es in der Regel, wenn in einer Behörde ein Grund zur Sorge geäußert wurde, um zusätzliche Maßnahmen oder Kosten zu begründen. In der Regel handelt es sich um abstrakte Emotionen. Es ist aber unmöglich mit abstrakten Emotionen den Beweis zur Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips zu führen.

Damit genügt es in der Regel bei der Begründung einer Verschärfung der Überwachungswerte oder bei der Versagung einer Einleiterlaubnis, wenn eine Behörde oder Fachbehörde Grund zur Besorgnis z. B. einer möglichen Gewässerverunreinigung hat.

Der Grund ist aber ähnlich transparent zu beweisen, wie Kommune und Verbände z. B. ihre Wirtschaftlichkeit bzw. Zweckmäßigkeit nachweisen müssen.

Alle Effizienz der Abwasserbeseitigungspflichtigen verpufft, wenn wasserrechtlichen Zielen die wissenschaftliche Grundlage fehlt. Dieses Defizit ist nicht typisch, aber auch nicht gerade selten.

Der im Wasserrecht üblichen Umkehr der Beweislast ist nach der Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften eher in Ausnahmefällen zu folgen.

So wie es Vorschrift ist, bei Kostenbewertungen im Rahmen kommunaler Abwasserbeseitigungen die Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen der LAWA zu nutzen, wäre bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips schon seit 2000 nach den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips zu verfahren gewesen.

Nach den Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips ist der „Grund zur Besorgnis“ z. B. einer Gewässerverunreinigung dann nachvollziehbar und transparent, wenn folgende Prinzipien beachtet wurden:

  1. Verhältnismäßigkeit
  2. Diskriminierungsverbot
  3. Kohärenzgebot sowie das
  4. Prinzip der Abwägung der Vor- und Nachteile, die mit einem Tätigwerden oder Nichttätigwerden verbunden sind.

Bei den Leitlinien handelt es sich um logische Empfehlungen einer Risikobewertung, die eigentlich auf der Hand liegen sollten.

Neben diesen 4 Nachweisen ist ein 5., bislang kaum beachteter Beweis zu führen: Der Beweis der Refinanzierbarkeit mit einer Gebührenbedarfsprognose, denn das Argument, dass sich die Vorzugsvariante als kostengünstigste Lösung herausgestellt hat, ist nicht hinreichend dafür, dass es verhältnismäßig ist, oder dass es mit Gebühren und Beiträgen refinanzierbar ist und kommunalpolitische Akzeptanz findet.

Die Beobachtung zeigt seit Jahrzehnten, dass wasserbehördliche Maßnahmen, die über die Mindestanforderungen hinausgehen, nicht unbedingt mit konkreten Zielen zu begründen sind.

Bei der täglichen Arbeit ist auch das Prinzip der Transparenz zu beachten.

Die kommunalen Entscheidungsträger und die Bürger sind in den behördlichen Abwägungsprozess einzubeziehen. Das ist ohnehin eine verbindliche Forderung der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Die Chance in der Nutzung dieser Leitlinien liegt auch in der damit verbundenen Ge­währleistung der Verhältnismäßigkeit wasserwirtschaftlicher Forderungen, deren Umsetzung bekanntlich meist sehr kostenintensiv ist und bekanntlich in der Vergangenheit nicht immer den gewünschten Erfolg hatte.

Die Nutzung wissenschaftlicher Methoden zur leidenschaftslosen und unabhängigen Risikoanalyse und -bewertung ist nicht nur eine Voraussetzung zur Gewährleistung des verwaltungsrechtlichen Sparsamkeitsprinzips, sondern dessen Grundlage!

Vorsorge

Vorsorge zum Schutz dieses Biotops: Hier wohl – bei verhältnismäßigen Mitteln – berechtigt.

Sollte sich eine Besorgnis am Ende als unbegründet, unrealistisch, wenig folgenreich oder unwahrscheinlich herausstellen, dann waren alle meist erheblichen Kosten zu deren Abwendung vermeidbare Fehlinvestitionen.

Das Vorsorgeprinzip kann zur Veranschaulichung des Prinzips mit einem gewöhnlichen Versicherungsgeschäft verglichen werden. Es ist abzuwägen, ob z. B. die Kosten und Gefahren für Leben und Gesundheit, die z. B. im Ergebnis eines Brandes entstehen könnten, die Vorsorgeaufwendungen für z. B. eine vollautomatische Brandbekämpfungsanlage rechtfertigen. Mathematisch ist die Aufgabe in Abhängigkeit der Szenarien von Brand- und Schadenswahrscheinlichkeit zu lösen.

Die Abwägung von Gefahren für Leben und Gesundheit sowie zwischen Kostenalternativen mag zwar auf den ersten Blick problematisch erscheinen, ist aber bei genauer Betrachtung die Regel menschlicher Entscheidungen. So hat jeder Verkehrsteilnehmer z. B. diese Frage schon für sich selbst und „nicht humanistisch“ beantwortet. Er nutzt in diesem Falle nach komplexer Abwägung Verkehrsmittel unter Akzeptanz möglicher eigener und fremder Gefahren für Leben und Gesundheit.

Nach den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips ist es (meist) wohl nicht mehr so, dass ein Grund (Meinung) zur Besorgnis hinreichend ist, um Kosten für deren Abwendung zu rechtfertigen. Es hat auch den Anschein, dass Rechtsprechungen abstrakten Gefährdungsszenarien nicht mehr in jedem Fall folgen.

Die Besorgnis – zumindest, wenn es die meisten Abwasserarten betrifft – wäre schon wis­senschaftlich zu analysieren.

Und das dürfte oft – wie es auch den Leitlinien zu entnehmen ist – kein Problem sein.

 

Uwe Halbach

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Die Leitlinien für die Anwendung des Vorsorgeprinzips der Kommission der Europäischen Gemeinschaften

 

 

 




Dichtheitsprüfung der Hausanschlüsse – fast witzig?!

Dichtheitsprüfung

Wat stinkt, dat düngt!

Diesmal nicht von mir – es kommen auch andere darauf:

„Fast Witzig ist nun die Verordnung des Landeswasserschutzgesetzes NRW § 61, das die Dichtigkeitsprüfung der Hausanschlüsse der Kanalisation vorschreibt. Für viel Geld muss der Hausbesitzer sein Kanalsystem überprüfen lassen, ob an irgendeiner Stelle eine Undichtigkeit besteht, während möglicherweise auf der gegenüberliegenden Straßenseite hunderte von Kubikmetern Gülle auf die Felder verteilt werden.“

Quelle: Wat stinkt, dat düngt! (Doch trifft das auch zu EHEC-Zeiten noch zu…?)

Kommentar – Gründe gegen prinzipielle Dichtheitsprüfungen aller Grundleitungen

  1. Unverhältnismäßigkeit, d. h. der Aufwand rechtfertigt nicht den Effekt. (Das erkennen schon Laien.)
  2. Der Effekt der Folgen einer undichten Grundleitung bzw. Hausanschlussleitung wird nicht bewiesen. Die Argumentation beruht meist auf abstrakten Behauptungen.
  3. Undichtigkeiten in der Hausanschlussleitung sind – wenn in extrem seltenen Fällen tatsächlich relevant – dann nur an den Stellen des Abwasserrohres von Bedeutung, an denen Abwasser die Rohrwandung berührt. Das ist bei fast allen Hausanschlüssen (DN 150 angenommen) bei einer maximalen Teilfüllung von 3 cm über der Kanalsohle ein benetzter Umfang von nur 14 cm, der zudem nur wenige Minuten am Tag benetzt wird. Siehe hierzu die Darstellung der Ausdehnung der Sielhaut. (Die Sielhaut ist eine schleimige Schicht aus Bakterien, die u. a. das Ausmaß der regelmäßigen Benetzung beweist.)
  4. Selbst eine Undichtigkeit in der Sohle ist in der Regel keine Katastrophe, weil ein Selbstdichtungsprozess den Austritt von Abwasser minimiert.
    Beweis: z. B. Verstopfung des Filters von Pflanzenkläranlagen oder auch wissenschaftliche Vorträge über die Selbstdichtung von Hausanschlussleitungen.
  5. Zudem wird in Fachgremien diskutiert, dass manche Dichtheitsprüfungen durch den Druck bei einer Druckprüfung die vorhandene biologische Selbstdichtung zerstören und so eine Undichtigkeit vorgaukeln, die es tatsächlich in dem durch die Druckprüfungen festgestellten Ausmaß nicht gibt.
  6. Verlässt man sich auf die optische Sichtprüfung, dann werden die meisten Undichtigkeiten gar nicht bemerkt. Und, soll man einen Riss oberhalb der Sielhaut wirklich reparieren lassen?
  7. Zu prüfen wäre, ob bei einer prinzipiellen Dichtheitsprüfung aller Grundleitungen wegen fragwürdiger und vor allem wegen abstrakter Gefährdung gegen den Stand der Technik und gegen das Übermaßverbot verstoßen wird. Das eine prinzipielle Dichtheitsprüfung aller Grundleitungen gegen den Stand der Technik verstößt, mag verwundern. Erstaunlich ist aber, dass die Verfasser der Definition des Standes der Technik die Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsprinzips als notwendige Voraussetzung für den Stand der Technik im Anhang 1 des Wasserhaushaltsgesetzes bestimmt haben. Beweis: Stand der Technik.
  8. Das Fazit? Traue ich mir nicht zu schreiben. Darauf soll der Leser selber kommen. Es bleibt zu hoffen, dass solche Luxusprobleme nicht auf die neuen Bundesländer überschwappen. Siehe auch Hintergrund von Hassemer: Flächendeckende Vorfeldkriminalisierung im Umweltstrafrecht!

Dichtheitsprüfung

Veranschaulichung des geringen Ausmaßes des benetzten Umfanges bei Hausanschlussleitungen durch die Ausdehnung der Sielhaut

Weiteres unter: Dichtheitsprüfung

Siehe auch: Abwasserentsorgung bei Privaten: „Dichtheitsprüfung – Nein Danke“

(Beitrag vom Juli 2011. Geringfügig überarbeitet im März 2017)




Gewässerschutz

Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 widerspricht konkretem Gewässerschutz

Übermäßiger Gewässerschutz kann gegen das Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 verstoßen!

In diesem Beitrag geht es um die Darstellung der Tatsache, dass der praktizierte Gewässerschutz – also in der Weise wie er offiziell verfolgt wird – keineswegs selten seine Ziele gerade dann verfehlt, wenn er wasserrechtliche Regelungen rigoros umsetzt.

Das ist komisch, ist aber so!

(„Keineswegs selten“ bedeutet, dass es natürlich auch Fälle gibt, in denen der Gewässerschutz seine Ziele erreicht.)

Die Ursache des erwähnten Paradoxon liegt in der Unmöglichkeit,

  1. die konkrete Natur mit abstrakten Rechtsvorschriften abzubilden. Und
  2. in der Unmöglichkeit, mit Rechtsvorschriften in der Natur etwas zu steuern.

Wenn etwas in der Natur mehr oder weniger genau gesteuert werden kann, dann nur in Kenntnis und Anwendung der wissenschaftlichen Ökologie.

So, und nun zu den Tatsachen. Tatsachen haben die Eigenschaft, darauf sei noch hingewiesen, dass sie für ihre Wahrheit keine Akzeptanz benötigen. Beispiel: Die Erde ist rund und dies unabhängig davon, ob der Gesetzgeber oder eine Verwaltung nun daran glaubt oder nicht! Tatsachen bedürfen für ihre Akzeptanz der Dokumentation. Und fehlt die Dokumentation oder ihre Akzeptanz, so bleiben es trotzdem Tatsachen.

Ein schönes Beispiel ist der von Reichholf dokumentierte, gutgemeinte und tatsächliche Eingriff des „Gewässerschutzes“ in die Natur der völlig nach hinten losging. In der Konsequenz kam es zu einem vorhersehbaren Massensterben von Muscheln. Hier sollte man wissen, dass Muscheln gut 100 Jahre alt werden können und als Filtrierer einen beträchtlichen Anteil an der Klarheit eines Gewässers haben können. Zahlreiche Naturfreunde lesen seit Jahren Muscheln aus Gewässern, die aus verschiedensten Gründen zeitweise trocken liegen, um sie umzusiedeln oder anschließend wieder einzusetzen. 3 Beispiele mögen ihre Bemühungen veranschaulichen:

Das ist die eine Seite der Medaille!

Die andere Seite füllt das Wasserhaushaltsgesetz mit seiner Forderung, Abwässer nach dem Stand der Technik zu behandeln. REICHHOLF kritisiert diese Forderung schon 2005:

Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt? Wir können nicht all diesen Tieren die Nahrung wegnehmen und dann darüber klagen, dass sie seltener werden.Reichholf: Die Zukunft der Arten.

Der sogenannte Stand der Technik verursachte in einem dokumentierten Fall ein Massensterben schützenswerter Tiere im Gewässer. Auf der einen Seite begeistert sich der Naturfreund über die Rettung von 20 Muscheln, opfert seine freie Zeit und auf der anderen Seite werden beim guten Tun wasserrechtskonform 4.000 Muscheln/100 m²(!)  getötet.

Aus dem Kapitel 3, ab Seite 47 des Buches von REICHHOLF

Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten.
Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch, erschienen März 2005
München C.H. Beck Verlag

folgt, dass übermäßiger Gewässerschutz zur dramatischen Verschlechterung der Bedingungen in den Ökosystemen für Mauersegler und Großmuscheln führte. Aber lesen Sie selbst:

Gewässerschutz

Abbildung 10: Der Rückgang der Mauersegler verlief parallel zur Abnahme der Großmuscheln und der Mückenlarven.

Zum Verständnis des Diagramms 10 von REICHHOLF:

1968-1973 wurden je 100 m² noch 4.000 Großmuscheln gezählt. 1994 war infolge der „Verbesserung“ der Gewässergüte keine mehr da!

Zum Diagramm, Zitat:

„Dennoch lässt sich wohl der größere Teil — wenn nicht sogar der gesamte Rückgang — als «hausgemacht» erklären. Den Schlüssel dazu liefern ganz ähnliche, ja sogar im Ausmaß noch weit kräftiger ausgebildete Rückgänge bei den Großmuscheln. Und die wandern nicht irgendwohin, sondern sie leben dauerhaft für Jahre und Jahrzehnte in jenen Gewässern, aus denen auch die «Emergenz» von Zuckmücken, kleinen Eintagsfliegen und anderen Wasserinsekten hervorkommt. Abb. 8 zeigt diesen Rückgang der Großmuscheln im selben Gebiet der Stauseen am unteren Inn, in dem auch die starke Abnahme der Mauerseglerhäufigkeit festzustellen war. Die Kleinmuscheln gingen ebenfalls sehr stark zurück.
Fügt man nun auch noch die Abnahme der Häufigkeit der Zuckmückenlarven (Abb. 9) hinzu, die im Bodenschlamm dieser Stauseen leb(t)en, ergibt sich ein einheitliches Gesamtbild (Abb. 10).
Die Gleichsinnigkeit der Verläufe bei den drei so ganz unterschiedlichen Tiergruppen geht hieraus so deutlich hervor, dass sich ein gemeinsamer Grund geradezu aufdrängt. Er lässt sich aus der Lebensweise der Zuckmückenlarven und der Großmuscheln direkt ableiten und mit der Abnahme der Mauersegler verbinden. Beide, die Larven der Zuckmücken wie die Großmuscheln, leben von jenem schon benannten organischen Detritus, den Bakterien und Pilze zersetzen. Sie filtern oder strudeln ihn aus dem Wasser und den obersten Schichten des Bodenschlammes heraus. Vor allem das Bakterieneiweiß, das darin enthalten ist, stellt eine ergiebige Nahrungsgrundlage dar. Sie bildet gleichsam die Basis einer eigenen, sehr umfangreichen Nahrungskette. Erstnutzer dieses Detritus sind Zuckmückenlarven und Schlammröhrenwürmer, die in ähnlichen Mengen und Mengenverhältnissen wie die Zuckmückenlarven in solchen Gewässern vorkommen sowie die Muscheln. Wo es viel von dieser Detritus-Nahrung gibt, entwickeln sich große Bestände dieser «Schlammfauna» (Reichholf 1993). Mit bis zu 2,6 Kilogramm Frischgewicht pro Quadratmeter erreichten Ende der 1960er und Anfang der 1970erJahre die Zuckmückenlarven sogar ziemliche Rekordwerte. Noch erheblich größere Mengen hatte es am Ismaninger Speichersee gegeben.“ (Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten)

Zu dem Verhungern der Mauersegler und Großmuscheln kam es also durch Verschlechterung des Nahrungsangebotes infolge einer übermäßigen Abwasserreinigung.

Ein scheinbares Paradox: Ist doch gerade die Verschlechterung des Gewässerzustandes vom „Gewässerschutz“ ausdrücklich verboten!

Mitunter wird geglaubt, Muscheln brauchen klares Wasser. Das trifft aber nur auf wenige Muschelarten zu. Vielmehr ist korrekt, dass Muscheln – insbesondere Teichmuscheln – trübes Wasser reinigen. Sie filtrieren das Wasser. Für die Teichmuscheln im Dorfteich kann es eng werden, wenn Kleinkläranlagen, die bislang in den Teich entwässerten und nun wegen einer Emotion (abstrakter Grund einer Besorgnis), dass der Gewässerzustand schlechter werden könnte, dort nicht mehr einleiten dürfen. An solche Feinheiten darf eine Gewässerverwaltung nicht einmal denken. Derartige Abweichungen vom Gesetzestext hat der Gesetzgeber ihr bei Strafe verboten und insofern ist an dem negativen Effekt des Guten eine Wasserbehörde meist schuldlos. Es hat den Anschein, der Gesetzgeber traut seinen Unteren Wasserbehörden nicht über den Weg. Sicher sehr zu Unrecht, denn der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Ursachen der Schieflagen sind abstrakte und weltfremde Vorstellungen von der Natur, die zu allem Unglück in Gesetze und Verordnungen zementiert wurden und die unter allen Umständen einzuhalten sowie zu beachten sind, auch wenn Populationsdichte und Biodiversität den Bach hinunter gehen. Helfen könnten zwar

  • ein größerer Entscheidungs- und Verantwortungsspielraum der Unteren Wasserbehörden,
  • mehr Naturwissenschaftlichkeit in den Verwaltungen, so dass man auch Verschlechterungen als Konsequenz des Guten rechtzeitig erahnen kann,
  • Gestattung von Ausnahmen in begründeten Fällen sowie
  • eine Reform des § 27 WHG,

dass aber auch nur ein Teil davon umgesetzt wird, halte ich für ausgeschlossen, weil es tatsächlich um etwas anderes geht. 

Eine Ursache für die Verschlechterung des Gewässerzustandes (Rückgang der Populationsdichte und Biodiversität) ist der § 27 WHG.

Gewässerschutz und Paragraph 27: Bewirtschaftungsziele für oberirdische Gewässer (WHG – Wasserhaushaltsgesetz)

„(1) Oberirdische Gewässer sind, soweit sie nicht nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein guter ökologischer und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.

(2) Oberirdische Gewässer, die nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, sind so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen Potenzials und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein gutes ökologisches Potenzial und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.“

Schon der § 27 ist für den Gewässerschutz ein logisches Dilemma. Er ist in sich in hohem Maße widersprüchlich, wie folgende Aspekte beweisen mögen:

  1. Es gibt keine abstrakte Natur und kein abstraktes Gewässer.
  2. Es ist unmöglich etwas Abstraktes zu verbessern, zu verschlechtern oder zu schützen.
  3. Wasserwirtschaftliche Prinzipien (effiziente Nutzung des Wassers, Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips,…) sind immer konkret!
  4. Ein Effizienzbeweis ist immer nur konkret zu führen. 
  5. Wer abstrakt begründet, hat entweder keine Ahnung oder er verbirgt in raffinierter Weise seine tatsächlichen Ziele und Interessen.
  6. Ein ökologischer Zustand ist immer konkret orientiert, an einen konkreten Organismus oder an eine konkrete Lebensgemeinschaft gebunden. Der  ökologische Zustand bzw. das ökologische Potential im § 27 aber ist abstrakt.
  7. Zwischen dem ökologischen und dem chemischen Zustand gibt es eine Naturgesetzlichkeit. So kann z. B. die Verbesserung der Nahrungsgrundlage und damit des ökologischen Zustandes – konkret der Teichmuschel – eine Verschlechterung des wasserchemischen Zustandes erfordern.

Mit Gewissheit steht damit fest: Der § 27 WHG kann beliebig interpretiert werden. Es handelt sich beim § 27 um einen unter wissenschaftlichen Ökologen seit langen bekannten Nonsens. Er wird von ihnen nur etwas charmanter, in einer Weise formuliert, so dass sich ein Unwissender nicht beleidigt fühlt:

„Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten. Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.“ Lampert

Neben Lampert könnten noch weitere Ökologen genannt werden, z. B. Steinberg.

Am Ende kommt es im Streitfall auf den Richter an, ob dieser eher abstrakten oder konkreten Argumenten zugeneigt ist.

Rumm, u. a. notieren zurecht im Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie, 2. Auflage, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2006:

Maßnahmen müssen zielführend und eben kosteneffizient sein…

allerdings zeigt sich der § 27 für den Gewässerschutz davon völlig unbeeindruckt.

Und schließlich zusammenfassend:

Die Verbesserung der chemischen Gewässergüte zur abstrakten Umsetzung des Verschlechterungsverbotes, ist oft auch Ursache der  Verschlechterung der Lebensbedingungen für bestimmte Lebewesen in konkreten Ökosystemen.

Dem abstrakten Verschlechterungsverbot entspringt das Gebot abstraktes Gutes zu tun und das abstrakte Gute führt in Ökosystemen in der Konsequenz häufig zu konkreten Verschlechterungen. Im Streit über die Bewertung der Realität wird am Ende nicht dem gefolgt, der wissenschaftlich gesehen die Sachlage korrekt bewertet, sondern entscheidend ist – sofern der Streit nicht vor Gericht ausgetragen wird – häufig die Meinung meist einer einzigen Deutungshoheit in einer Verwaltung zur Auslegung abstrakter Regelungen und Dogmen.

Die Akzeptanz des Ergebnisses einer sachlichen, wissenschaftlichen Bewertung, wenn sie im Widerspruch zu den wirtschaftlichen und damit politischen Vorstellungen über die Natur steht, ist eher ein Ausnahmefall.

(Beitrag vom März 2013, überarbeitet im Januar 2017)




CSB – Kein Beweismittel einer Gewässerverschmutzung

Der CSB (Chemischer Sauerstoffbedarf) wird in einem Labor ermittelt. Die Reaktionsbedingungen zur Messung des CSB sind so lebensfeindlich und kommen im Wasser oder im Gewässer nicht vor, so dass das CSB-Laborergebnis unmöglich und mit Gewissheit auf Wasser, Gewässer oder auf die Natur übertragbar ist.

In den Anhängen zum Wasserhaushaltsgesetz wird von der falschen Annahme ausgegangen, dass der CSB ein Schadstoff sei. Diese Doktrin, dass der CSB ein Schadstoff ist, wird allein schon in Wertung der Tatsache ad absurdum geführt, dass im simplen Kaffee erhebliche Mengen des angeblich schädlichen CSB nachweisbar sind und dieser wird ja in Mengen konsumiert.

CSB

Kaffeetasse mit mächtig viel chemischem Sauerstoffverbrauch – nach wasserrechtlicher Deutung extrem schadstoffbelastet! Ein Liter Kaffee enthielt einer Messung des Labors AGROLAB zufolge biologisch nicht abbaubare Stoffe, die aber im Labor unter konkreten Bedingungen geneigt waren, vom K2Cr2O7 ca. 7.070 mg O2 anzunehmen! (BSB20 schon subtrahiert)

Es gibt in einem Gewässer keine, auch nur annähernd vergleichbare Reaktionsbedingungen, wie sie zur Bestimmung des CSB im Labor erforderlich sind.

Extreme Reaktionsbedingungen

Zum Verständnis seien einige Bedingungen genannt, um im Gewässer den gleichen CSB zu erzeugen, wie er im Labor gemessen wird:

  • Genutzt wird Kaliumdichromat. Es ist eines der stärksten chemischen Oxidationsmittel. Kaliumdichromat liefert den Sauerstoff zur Erzeugung des sog. „O2-Bedarfes“.
  • Um seine Reaktionswirkung noch zu steigern, wird nicht nur Schwefelsäure, sondern Silbersulfat zugegeben. Alles giftig!
  • Zusätzlich muss die ganze Mischung bei 148 °C ± 3 °C 110 Minuten schwach sieden. Da bekanntlich Wasser schon bei 100 °C kocht, ist die Reaktion unter Druck zu halten.
  • Auch die Dosis der weiteren Reaktionsmittel ist giftig. So werden auf 20 ml Probe (z. B. Kläranlagenablauf) 10 m l quecksilbersulfathaltige Kaliumdichromat-Lösung und 30 ml silbersulfathaltige hochkonzentrierte Schwefelsäure zugegeben.

Quecksilbersulfat, Silbersulfat oder gar Schwefelsäure ist zu Recht so das Letzte, was eine Wasserbehörde im Gewässer haben will. Als fiktives Weltbild scheinen den Gesetzgeber diese Gifte im Gewässer aber nicht zu stören. Warum?

Es gibt im Wasser oder im Gewässer keinen Bedarf an CSB.

Also, um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt keinen Bedarf an chemischem Sauerstoff! Durch die extremen Reaktionsbedingungen wird Kaliumdichromat im Labor (!) reduziert, d. h. sein chemisch gebundener Sauerstoff wird verbraucht. Wenn also etwas ein Sauerstoffdefizit erleidet, dann ist es das Kaliumdichromat, das aber im Gewässer oder im Wasser nicht vorkommt und deshalb auch dort keinen Bedarf verursachen kann.

Ein im Labor nach DIN 38409, Teil 41 bestimmter Verbrauch von chemisch gebundenem Sauerstoff lässt sich aufgrund der extremen Reaktionsbedingungen mit Gewissheit im Gewässer nicht reproduzieren oder gar übertragen. Denkbar wäre das in einer Fiktion, auf einem fernen Planeten bei 148 °C in einem Fluss, in dem Schwefelsäure mit einigen Verunreinigungen an quecksilbersulfathaltigem Kaliumdichromat und Silbersulfat fließt. Kippt man nun in diese heiße Suppe einen Liter Kaffee, dann könnte der Fluss einen Bedarf an 7.070 mg O2 verspüren, um zu verhindern, dass sich sein Kaliumdichromat zersetzt. Wie man erkennt, sollte man bei der Bewertung des CSB wenigstens die wichtigsten Aspekte seiner Bestimmung kennen. Das ist leider eher selten der Fall, wie die häufig falsche Interpretation des CSB beweist. Zu Gute halten muss man bestimmten Interpreten, dass der Gesetzgeber sie zwingt von falschen Voraussetzungen auszugehen.

Ein CSV oder wenn man unbedingt will auch der CSB – außerhalb des Laboratoriums – ist eine unwissenschaftliche Fiktion. Sachlich und fachlich ist deshalb der CSV offenkundig (im juristischen Sinne) und nach sachverständiger Prüfung mit Gewissheit kein Schadstoff; gesetzlich aber unbedingt und ausnahmslos.

Darüber, warum der Gesetzgeber die falschen Interpretationen des CSV-Begriffes erzwingt, darf diskutiert werden.

Fakt ist:

Jeder Straftatbestand einer Gewässerverunreinigung ist die Konklusion eines normativen Trugschlusses, wenn seine Prämissen ausschließlich auf einer oder mehreren CSB-Analyse bzw.  CSB-Analysen beruht bzw. beruhen.

Bei diesen Ausführungen handelt es sich nicht etwa um eine Neuheit, sondern um schlichtes, wenigstens seit 83 Jahren (Brix 1934) bekanntes wasserchemisches Grundlagenwissen, zu dem für jedermann nachlesbar beispielsweise in der DIN 38409, Teil 41.

Selbst als Hilfstatsache (Indiz) in einem Rechtsstreit ist der Chemische Sauerstoffbedarf (CSB) nur bedingt und keineswegs zuverlässig tauglich, weil für seine Bewertung eine Referenz sowie die Kenntnis der Wahrscheinlichkeit zwischen der Referenzanalyse (z. B. biologischer Sauerstoffbedarf)  und der Höhe des CSB benötigt wird.

Im Gewässer oder im Abwasser gibt es also keinen Bedarf an Sauerstoff (CSB) für eine chemische Reaktion nach DIN 38 409 Teil 41 und ein Gewässer hat auch keinen Bedarf an Sauerstoff des Kaliumdichromates. Schlicht deshalb nicht, weil im Gewässer kein Kaliumdichromat vorkommt, ausgenommen bei einem Chemieunfall!

Und wenn wirklich bei einem Chemieunfall Kaliumdichromat in ein Gewässer gelangen sollte, dann sterben die Fische blitzschnell am Kaliumdichromat und nicht an Sauerstoffarmut.

Früher wurde der CSB noch korrekt als CSV – Chemischer Sauerstoffverbrauch – bezeichnet

Wie schon erwähnt war man 1934 schon einmal klüger als heute. Damals wurde der chemische Sauerstoffbedarf noch korrekt chemischer Sauerstoffverbrauch (CSV) genannt, aber irgendeine Expertengruppe hat später dann wohl versucht dem Gewässer einen Bedarf an chemischen Sauerstoff andichten zu können. Und es ist ihr exzellent gelungen! Der CSB dient zur Begründung eines fiktiven Schadstoffes und man kann eine Abgabe für eine Fiktion erheben, vergleichbar mit dem Ablasshandel im Mittelalter. Für diese Fiktion muss der Abwasserbeseitigungspflichtige eine Lenkungsabgabe zahlen. Bei der CSB-Lenkungsabgabe kann allerdings zudem die Lenkung extrem in die falsche Richtung lenken, denn es gibt Situationen, in denen ein hoher CSB Indiz für eine besonders gute Abwasserreinigung ist. Und dann?

Dem ersten Leser eine Flasche Sekt, der mir mit den Regeln der Logik beweist, dass es im Gewässer einen Bedarf an chemischem Sauerstoff nach DIN 38 409, Teil 41 gibt. Es darf sich auch eine arme Studentin bewerben.

Ein falscher Begriff als Trojaner

Der „Chemische Sauerstoffbedarf“ als falscher Begriff ist ein Trojaner,…

…der die Verbreitung von Halbwissen fördert und Schäden verursacht, wie z. B.:

  • CSB-Abwasserabgabe
  • CSB-Überwachung von Abwassereinleitungen zum Beweis eines Straftatbestandes der unerlaubten Gewässerverschmutzung
  • unnötige Investitionen zur CSB-Reduktion
  • zusätzliche Aufwendungen beim Anlagenbetrieb
  • Begründung verschärfter CSB-Überwachungswerte mit einer Fiktion
  • Entwertung von kommunalem Eigentum (z. B. zahlreiche Außerbetriebnahme von ökologisch bedeutungsvollen Abwasserteichen, weil Mindestanforderungen an den CSB-Überwachungswert nicht eingehalten wurden)
  • durch die CSB-Doktrin verursachte Fehlsteuerung und Fehlentscheidungen im Gewässerschutz

Diese Fehlsteuerung und Fehlbewertung ist nicht aufzuhalten, weil die CSB-Schadstoffdoktrin in zahlreichen Gesetzeswerken unerschütterlich zementiert wurde.

Den CSB als Untersuchungsmethode abzuschaffen ist keine Lösung, denn sie hat durchaus zahlreiche Vorteile.

Der CSB ist aber kein Beweismittel für eine Gewässerverwaltung, um eine CSB-Abwasserabgabe oder eine CSB-Gewässerverschmutzung zu begründen!

Der CSB ist auch kein Schadstoff. Dafür fehlt die sachliche Begründung.

Wie soll etwas geschützt werden, wenn schon das Ziel unsachlich definiert wurde und die CSB-Begrifflichkeit falsch ist?

Weitere Argumente und Erklärungen über den CSB sind dem Fachbeitrag von 2013 in der wwt zu entnehmen. Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?

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(Artikel vom Juli 2012, überarbeitet am 11.01.2017)




Blaualgen – Umfängliche Erklärungen durch einen Experten

Blaualgen: Mehr als nur ein Überblick von Prof. Dr. rer. nat. habil. S. Jost Casper

Der folgende Beitrag aus dem Fachbuch

Urania Pflanzenreich
Niedere Pflanzen
Urania Verlag Leipzig-Jena-Berlin
2. Auflage1977

wurde mit Genehmigung des Autors Herrn Prof. Dr. rer. nat. habil. S. Jost Casper veröffentlicht.

Werdau, den 28.07.2008  Uwe Halbach

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Siegfried Jost Casper (*1929) ist ein deutscher Biologe. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lauter „Casper“.

Siegfried Caspers Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten Limnologie und Fettkräuter (Pinguicila). Gemeinsam mit Heinz-Dieter Krausch veröffentlichte er ein grundlegendes Nachschlagewerk zur Süßwasserflora Mitteleuropas. Casper arbeitete lang über den Stechlinsee sowie die Saale und veröffentlichte 1966 die bis heute als Standardwerk geltende „Monographie der Gattung Pinguicula L“. Bis in das Jahr 2004 hat er kontinuierlich weitere Beschreibungen über neuentdeckte Arten veröffentlicht. Er ist seit 1990 ordentliches Mitglied der Akademie Gemeinnütziger Wissenschaften in Erfurt und war Leiter des Botanischen Gartens der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

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Die Blaualgen

Inhaltsverzeichnis

1. Grundsätzliches
1.1 Zellbau und Zellformen
1.2 Färbung
1.3 Bewegung
1.4 Zellvermehrung und Fortpflanzung
1.5 Zell- und Trichomverbände
1.6 Vorkommen
1.7 Das System
2. Abteilung Blaualgen, Cyanophyta
2.1 Ordnung Kugelblaualgenartige, Chroococcales
2.2 Ordnung Rippenkapselartige, Pleurocapsales
2.3 Ordnung Dermocarpales (Chamaesiphonales)
2.4 Ordnung Schwingfadenartige, Oscillatoriales (Hormogonales)

1. Grundsätzliches zu den Blaualgen

Die Blaualgen wurden als systematische Gruppe zuerst von Wallroth 1833 in seiner »Flora cryptogamica Germaniae« unter dem wissenschaftlichen Namen Myxophyceae (»Schleimtange«) zusammengefaßt, dabei allerdings in anderem Sinne verstanden als heute. Spätere Benennungen wie Kützings Gloeosipheae (»Gallertschläuche«), Rabenhorsts Phycochromophyceae (»Phycochromalgen«), Sachsens Cyanophyceae (»Blaualgen«) und Cohns Schizophyceae (»Spaltalgen«) weisen auf verschiedene Charaktere hin, die der Organismengruppe mehr oder weniger eigentümlich sind. In der Algenkunde hat sich die Bezeichnung Cyanophyceae bzw. Cyanophyta eingebürgert, weil sie als parallele Wortbildung zu Chloro-, Rhodo- und Phaeophyceae oder -phyta praktische Vorteile bietet.

Die Blaualgen sind ein »uralter« Organismenstamm. Wahrscheinlich sind sie die ältesten grünen Organismen, die auf der Erde leben, phylogenetisch die ursprünglichste, undifferenzierteste »Algen«gruppe, die wir kennen, Relikte (»Archaiophyten«) einer präkambrischen photoautotrophen Vegetation. Für diese Ansicht spricht, daß sie eine in sich geschlossene von anderen Algen scharf abgegrenzte, systematische Einheit darstellen. Trotz ihres relativen Reichtums an Formen und ihrer weltweiten Verbreitung besiedeln sie bevorzugt Grenzbiotope, d. h. Standorte extremer ökologischer Konstitution. Bestimmte rezente Schizothrix-Formen sind schon vor 500 Millionen Jahren wesensgleich aufgetreten; kalkabscheidende Blaualgen haben vor mehr als einer Milliarde Jahren gelebt. Kürzlich sind in den präkambrischen Stromatolithenschichten Südafrikas »Kugelalgen« entdeckt worden, deren chemische Analyse zum Nachweis von Abbauprodukten des Chlorophylls geführt hat. Somit kommen die Blaualgen oder wenigstens Lebewesen eines vergleichbaren Organisationstyps auf das respektable Alter von 3 bis 4 Milliarden Jahren.

Die Blaualgen zeichnen sich durch ihr protokaryotisches Gestaltungsniveau, das völlige Fehlen begeißelter Entwicklungszustände, die dadurch bedingte eigentümliche Art der Bewegung sowie das spezifische Muster der Farb­ und Reservestoffausstattung vor allen anderen Algen aus. Auch die relative Kleinheit ihrer Zellen ist ein charakteristischer Zug. Manche ihrer Formen, die sogenannten »Ultraplankter« oder »µ-Algen«, lassen sich lichtmikroskopisch nur schwer oder gar nicht von Bakterien unterscheiden, mit denen sie im Grundbauplan, in der Gestalt und Teilungsweise der Zellen übereinstimmen. Bakterien und Blaualgen werden deshalb häufig als Schizophyta (»Spaltpflanzen«) in einer systematischen Kategorie zusammengefaßt. Angesichts der Schwierigkeiten, vor denen die taxonomische Analyse der »merkmalsarmen« Protokaryobionten steht, entspricht es unseren heutigen Kenntnissen am besten, wenn Bakterien und Blaualgen als selbständige Abteilungen auf der Stufe des protokaryotischen Gestaltungsniveaus betrachtet werden.

1.1. Zellbau und Zellformen der Blaualgen

 

Der Protoplast der Blaualgen ist nicht in Zytoplasma und Zellkern differenziert. Die hohlkugelige bis -zylindrische, stark gefärbte Rindenschicht, das Chromatoplasma, umschließt das blasse oder farblose Zentroplasma. Das Elektronenmikroskop zeigt, daß meist parallel zur Zellwand ausgerichtete Lamellensysteme (Thylakoide), auf denen die Assimilationspigmente liegen, zusammen mit Cyanophycinkörnchen und interlamellären Granula das Chromatoplasma aufbauen, während das Zentroplasma sich in der Hauptsache aus linearen, hochgeordneten DNS-Elementen (»Chromatinapparat«), Ribosomen und Volutinkörnchen zusammensetzt.

Thylakoide und DNS-Elemente nehmen Stellen und Funktionen der Plastiden bzw. des Kernes ein; sie sind nicht durch eine besondere Membran vom Grundplasma abgegrenzt. Das Grundplasma ist gelartig, hat keine Zellsafträume (Vakuolen) und zeigt weder Plasmaströmung noch Brownsche Molekularbewegung. Unter gewissen Bedingungen zerklüftet es sich und bildet unregelmäßig geformte, stickstoffhaltige Räume (Gasvakuolen, Pseudovakuolen), die den Zellen das Aufsteigen an die Wasseroberfläche ermöglichen (Wasserblütenbildung). Eine Zytoplasmamembran (Plasmalemma), die an der Zellteilung Zellwand- und Thylakoidbildung beteiligt ist, schließt es gegen die Zellwand ab. Die Zellwand selbst ist vierschichtig: Die beiden Innenlagen sind am Aufbau der Längs- und Querwand, die beiden Außenlagen, nur an dem der Längswand beteiligt. Bei der Querwandbildung wachsen die beiden Innenlagen irisblendenartig ein. Die dem Plasmalemma unmittelbar anliegende Zellwandschicht besteht, chemisch aus wechselnden Mengenverhältnissen von Aminosäuren und -zuckern. Sie prägt die Gestalt der Zelle. Oft sind die Zellwände sehr dick: Schleim aus umgewandelter Zellwandsubstanz und aus dem Zytoplasma, durch Schleimporen ausgeschieden, hüllt die Zellen ein. Bei den fadenförmigen Hormogonalen ist die gesamte Zellreihe von einem hohlzylindrischen, festen, gelartigen Zylinder, der Scheide (Vagina), umschlossen. Als gemeinsame Wandbildung aller Zellen ist sie meist geschichtet und fibrillär strukturiert. Trotzdem besitzt die Zellreihe innerhalb der Scheide weitgehende Selbständigkeit: Sie kann die Scheide sprengen und verlassen.

Schematisierter Schnitt durch eine Blaualgenzelle

Quelle: nach Metzner

Schematisierter Schnitt durch eine Blaualgenzelle vom Phormidium-Typ. CM Zytoplasmamembran, CY Cyanophycinkörner (?), G Granula unbekannter Art, K Kristall, MI Mittellamelle, Mp Mucopolymerschicht der Zellwand, N Chromatin, OS Oberflächenschicht der Zellwand, P1 strukturarme Plasmagrundsubstanz, P2 Ribosomen und Polysomen, PO Polyphosphatkörper, Pr eine Pore der Porenreihe der Zellwand, SCH Schleimhülle (Scheide), Th1 Thylakoidstapel, Th2 konzentrisch angeordnete Thylakoide, Th3 einzelnliegende Thylakoide, V Vakuole, W Zellwand (nach Metzner)

Bei den meisten Blaualgen ist die Zellform einfach und unmittelbar von der Kugel (überwiegend bei Chroococcalen) oder vom Zylinder (häufiger bei Hormogonalen) ableitbar. Sind die Zellpole zugespitzt (Dactylococcopsis), so ähnelt die Zelle einer Spindel. Wie offene Ringe sehen die Zellen der systematisch isolierten Gattung Gomontiella aus. Die Grundgestalt wird stärker deformiert, wenn der wachsende Protoplast in feste Scheiden eingezwängt ist (z. B. Hapalosiphon, Fischerella). Die Zellen der festsitzenden Arten sind polarisiert: Der basale Zellpol wird zur Haftscheibe, der distale Zellpol zum Organ der Zellvermehrung (Dermocarpa, Chamaesiphon).

1.2 Färbung der Blaualgen

 

Der lebende Protoplast ist praktisch niemals rein grün: Blaugrüne, spangrüne, violette bis rötliche, purpur- bis braunrote, braune und olivgrüne Farbtöne herrschen vor. Bei Mangel an Stickstoff, Phosphor und anderen Nährstoffen, auch unter extremen Lichtbedingungen, treten gelbliche, unter dem Einfluß von Schwefelwasserstoff gelbgrüne oder blaßbläuliche Färbungen auf. Die wichtigsten Pigmente sind: Chlorophyll a, die Phycobiline (Chromoproteide) C-Phycocyan, Allophycocyan und C-Phycoerythrin, das Karotin ß-Carotin sowie die Xanthophylle Echinenon, Myxoxanthophyll, Canthaxanthin, Oscillaxanthin, Zeaxanthin, Cryptoxanthin und Aphanizophyll. Ihr Mengenverhältnis ändert sich unter dem Einfluss ökologischer Faktoren und im Verlaufe der Entwicklung, so daß Farbabstufungen und -abänderungen bei ein und derselben Sippe beobachtet werden können. Es gibt Sippen, die stets rein blaugrün sind und höchstens unterschiedliche Grade der Farbstoffverarmung zeigen können (z.B. Oscillatoria nigra, Oscillatoria splendida, merhrere Anabaena-Arten). Andere sehen nie rein blaugrün aus, sondern erscheinen stets durch nichtgrüne Pigmente getönt (z. B. Phormidium autumnale, Oscillatoria princeps). Die Protoplasmafärbung wird häufig durch gefärbte Gallerthüllen und Scheiden modifiziert. Kräftigbraune Scheiden können die blaugrüne Protoplastenfärbung überdecken. Auch die Hüllenfärbungen, die zwischen gelben, braunen, rötlichen, violetten und blauen Tönen variieren, werden gewöhnlich durch ökologische Faktoren wie Licht, Austrocknung, Wasserstoffionenkonzentration und Chemismus des Milieus stark beeinflußt.

Beim Vergleich mit anderen Algengruppen erweist sich das Spektrum der Protoplasten- und Bestandsfärbungen bei Blaualgen als auffällig breit. Es ist auch breiter als das der mit dieser Gruppe verwandt geltenden Bakterien, bei denen die Bestandsfärbungen zur Artbestimmung herangezogen werden.

1.3 Bewegung

Die meisten Blaualgen sind unbeweglich; amöboide oder durch äußere Organellen (Geißeln, Zilien) verursachte Bewegungsweisen sind unbekannt. Trotzdem sind charakteristische Eigenbewegungen von Einzelzellen bzw. von Trichomen, Trichomstücken oder Hormogonien nachgewiesen. Unstet ruckend und richtungslos verändern viele Chroococcalen und überhaupt Einzelzellen, aber auch Trichomfragmente und Hormogonien ihren Ort. Nostocaceen und Pseudanabaena, auch die Hormogonien anderer Familien gleiten (»kriechen«) in Richtung ihrer Längsachse, wobei Geschwindigkeiten um 2 µm/s erreicht werden. Bei Oscillatoriaceen ist die Gleitbewegung mit einer Rotation um die Längsachse des Trichoms verknüpft, wodurch Geschwindigkeiten um 5 µm/s erzielt werden. Die Trichome können vorwärts und rückwärts gleiten; dabei kehren sie ihre Richtung nach einer deutlichen Brems- und Ruhezeit von gewöhnlich 5 bis 10 s um. Nackte Oscillatoriaceen-Trichome pendeln quer zur Längsachse, so daß Schlängelbewegungen entstehen. Die Ursachen der verschiedenen Bewegungsweisen sind noch nicht völlig bekannt.

Die Bewegungsweisen können die Aggregationsformen und Bestandsstrukturen prägen. So stellt eine Flocke von Aphanizomenon flos-aquae, der in unseren Seen und Teichen wasserblütenbildenden Sichelalge, ein in sich bewegtes System von Trichomen dar, die sich in Richtung ihrer Längsachse bewegen. Dabei nehmen die Geschwindigkeiten nach dem Bestandsinneren ab, und die an den Außenmänteln des Bestandes gegenläufigen Bewegungen verhalten sich in ihren Geschwindigkeiten etwa wie 2:1. Bewegungsspiel und Lagergestalt sind folglich ursächlich verbunden.

Blaualgen

Bildquelle: nach Schwabe

1 Bewegungsschema in der Flocke von Aphanizornenon flosaquae, 2 häufige Flockenformen (nach Schwabe)

1.4 Zellvermehrung und Fortpflanzung

Läßt man einige wohl nur ungenügend untersuchte Flagellatengruppen beiseite, so sind die Blaualgen die einzige Abteilung im Pflanzenreich, in der neben der Zellvermehrung durch Zellteilung nur ungeschlechtliche Fortpflanzungsvorgänge nachgewiesen werden konnten.

Die Zellvermehrung

Die Zellteilung der Blaualgen ist eine Plasmotomie, d. h. eine äquale Zweiteilung durch Furchung. Das Plasmalemma faltet sich zusammen mit der Zellwand ein und durchschnürt zentripetal, sich irisblendenartig zwischen die entstehenden Tochterprotoplasten schiebend, zunächst das Chromatoplasma, dann das Zentroplasma. Zur Spindel­ und Chromosomenbildung kommt es nicht: Die Plasmotomie ist keine Mitose. Die DNS-Elemente werden auf die Tochterzellen verteilt. Teilen sich nur das Plasmalemma und die inneren Zellwandschichten, die äußeren dagegen nicht, dann bleiben die Tochterzellen untereinander verbunden. Durch Ineinanderschachteln und Verschleimen der äußeren Zellwandschichten entstehen Zellverbände (Zoenobien).

Gewöhnlich folgt jeder Zweiteilung ein Wachstumsprozeß, der die Tochterzellen zur Ausgangsgröße zurückführt. Ist dieses Wachstum jedoch jeweils dem zweiten, dritten oder höheren Teilungszyklus zugeordnet, so wird die Mutterzelle in eine größere Zahl von kleineren Zellen zerlegt. Bei Merismopedia und Gomphosphaeria z. B. wachsen die Tochterzellen erst nach Erreichen des Vierzellstadiums, bei Chroococcus turgidus erst nach dem Achtzellstadium. Die Folge einer extremen Steigerung der Teilungsfrequenz ohne Wachstum ist die Nanozytenbildung, die für viele Chlorococcalen charakteristisch ist (z. B. Aphanothece caldariorum). Auch bei der thermophilen Hormogonale Mastigocladus lamellosus sind nanozytenartige Zerfallsteilungen beobachtet worden.

Die ungeschlechtliche Fortpflanzung

Erfolgen die Zellteilungen innerhalb eines besonderen, durch Größe und Stellung im Zellverband auffallenden Sporangiums (Aplanogonidangiums) und in hoher Zahl, dann sprechen wir von Endosporen-(Endogonidien-)bildung. Sie ist die für die Chamaesiphonales charakteristische Form der ungeschlechtlichen Fortpflanzung. Die Endosporen sind anfangs oft nackt, z. Z. der Reife aber stets behäutet. Sie entweichen durch einen Porus in der Sporangienwand.

Die Endosporenbildung zeigt recht verschiedenartige Aspekte. Bei Chroococcidiopsis kashaii teilt sich die Mutterzelle in 2, 4 oder 8 sekundäre Sporangien, die sich behäuten und heranwachsen, worauf ihr Inhalt in Sporen zerfällt. Bei Pleurocapsa fuliginosa entstehen die Sporangien aus den Endzellen mehrreihiger, bei Endonema aus jenen einreihiger polarisierter Fäden. Der polarisierte Zellkörper von Chamaesiphon sitzt mit seinem vegetativen Fußteil fest. Der apikale Pol wächst lang aus und wandelt sich in ein Sporangium um. Der Scheitel der Zelle reißt auf. Die verbleibende Wand des geöffneten Sporangiums, die Pseudovagina, hüllt den offenen, reproduktiven Abschnitt des Sporangiums ein, in dem durch Querteilung in basipetaler Folge kleine Sporen abgeschnürt werden. Man nennt sie, da sie scheinbar exogen entstehen, Exosporen.

Die Hormogonienbildung

Hormogonien sind sehr kurze oder längere, wenig differenzierte, einreihige, sich aktiv bewegende Trichomstücke. Wenn sie in Richtung ihrer Längsachse »kriechen«, teilen sich ihre Zellen nicht. Erst im Prozeß der »Keimung« erlangen sie ihre Teilungsfähigkeit wieder. Sie dienen der Verbreitung der Art. Sie können sich direkt durch einfache Trennung benachbarter Fadenglieder aus dem Verband lösen (Nostoc, Gomontiella) oder an interkalaren Heterozysten (»Trennzellen«) abbrechen (Nostoc, Anabaena). Bei Oscillatoria rubescens sterben einzelne oder mehrere dazwischenliegende Zellen, die sogenannten Nekriden oder Spaltkörper, ab und ermöglichen das Freiwerden der Hormogonien. Schließlich können auch Keimlinge von Dauerzellen die Eigenschaften von Hormogonien (Nostoc punctiforme) annehmen.

Die Zellfäden der scheidenlosen Oscillatoria-Arten werden als Dauerhormogonien aufgefaßt: Die bewegliche Fortpflanzungsphase ist zur vegetativen Dauerphase geworden. Ihre Zellen sind allerdings teilungsfähig.

Die Gonidienbildung

Gonidien sind Fortpflanzungszellen, die ohne besondere vorhergehende Teilungen, einfach durch Fragmentation kolonialer oder fädiger Zellverbände. entstehen. Bei Plectonema können einzellige Hormogonien gebildet werden, die dann als Gonidien zu bezeichnen wären.

Fortpflanzungskörper mit Dauerorgancharakter der Blaualgen

Einige Stigonemataceen, Scytonemataceen und Rivulariaceen bilden Hormozysten (»Sammeldauerzellen «) aus, d. h. Hormogonien, die sich durch ihren Reichtum an Reservestoffen und den Besitz einer dicken, verfestigten Scheide als Dauerorgane erweisen. Bei der Keimung streckt sich der Faden und beginnt sich zu teilen.

Aus vegetativen Zellen können unter besonderen äußeren Bedingungen Dauerzellen (Akineten) entstehen. Dabei schwellen die Zellen, reichern im Protoplasten Reservestoffe an, die Assimilationspigmente schwinden, und dicke, widerstandsfähige Zellwände bilden sich aus. Im Plasma treten vermehrt Cyanophycinkörnchen auf. Dauerzellen sind vor allem bei Nostocaceen und Rivulariaceen verbreitet. Bei Nostoc können die meisten Zellen des Fadens zu Dauerzellen werden, bei Anabaena liegen sie den interkalaren Heterozysten beiderseitig an. Ist die Heterozyste endständig, wie bei gewissen Cylindrospermum-Arten, dann tritt nur eine proximale Dauerzelle hinzu. Vielfach zieht die Bildung einer Dauerzelle die Umwandlung benachbarter vegetativer Zellen in weitere Dauerzellen nach sich (Anabaena oscillarioides). Sie können durch Verquellen der Zellwand (Nostoc ellipsosporum), durch Aufreißen der Zellwand (Nostoc punctiforme) und durch Öffnen mittels Deckels (Anabaenaflos-aquae) auskeimen.

Dauerzellartige Bildungen werden auch von Gloeocapsa alpina, Gloeocapsa sanguinea, Gloeocapsa kützingiana, Siphononema und Cyanophanon angegeben.

Wie tote Zellen wirken im Lichtmikroskop viele Heterozysten (»Grenzzellen«), da ihr plasmatischer Inhalt homogen ist und ihre Farbstoffe bis auf geringe Reste abgebaut zu sein scheinen. Auch bei ihnen wird die Zellwand verstärkt; sie ist außen meist glatt. Die inneren Ausmündungen der Tüpfelkanäle, durch die die Verbindung mit den Nachbarzellen hergestellt wird, springen in das Zellinnere vor und sind innen oft durch ein Cyanophycinkörnchen verschlossen. Das Elektronenmikroskop zeigt, daß sie reich an Plasma sind, ihre Verbindungsfäden (Plasmodesmen) zu den Nachbarzellen entwickelt haben und zahlreiche, blasig aufgetriebene Thylakoide besitzen. Die Heterozysten können einzeln, in Paaren oder in Ketten entstehen und auskeimen. Sie finden sich in natürlichen Algenherkünften in artspezifisch weitgehend bestimmter Form und Anordnung und stellen ein wichtiges taxonomisches Merkmal dar. Sie sind nur bei hormogonalen Blaualgen vorhanden. Ihre Funktion (Stickstoffbindung?) ist immer noch umstritten.

1.5 Zell- und Trichomverbände der Blaualgen

Die kleinste lebensfähige Einheit eines Blaualgenbestandes ist die einzelne Zelle. Ist ihre Grundform kugelig, so können Teilungsprozesse, bei denen sich die Teilungsprodukte nicht voneinander trennen, zur Bildung von Kleinkolonien oder Zoenobien führen. Bei Microcystis entstehen durch sich regellos in allen Richtungen des Raumes teilende Zellen, die in der Gallerte beieinander bleiben, Zellhaufen; bei Entophysalis teilen sich die Zellen meist in einer Richtung und formen unregelmäßig gekrümmte Zellreihen; bei Merismopedia und Tetrapedia teilen sie sich in 2, bei Eucapsis in 3 senkrecht aufeinanderstehende Richtungen und formen einschichtige Tafel- bzw. Paketkolonien. Hohlkugelige Kolonien zeichnen Gomphosphaeria aus.

Bei den Blaualgen mit zylindrischer Grundform führen die Teilungsprozesse zur Bildung von Zellreihen. Die Gesamtheit der Zellreihe samt Scheide nennt man Faden, die Zellreihe allein Trichom. Dabei stehen die Zellen des Trichoms der Hormogonalen durch Plasmodesmen miteinander in Verbindung. Die Trichome bzw. Fäden können sich verzweigen.

Aphanothece grevillei

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Aphanothece grevillei; die Zellen liegen in formlosen, schleimigen Lagern.

Scheinverzweigungen kommen bei Scytonemataceen und Rivulariaceen vor. Das in einer festen Scheide eingeschlossene Trichom wird an einer bestimmten Stelle, meist neben einer interkalaren Heterozyste, unterbrochen, die beiden Enden brechen seitlich aus der Scheide hervor und liefern 2 Seitenzweige (Scytonema-Typ). Oft entstehen die 2 Äste durch Bildung einer Trichomschlinge, die seitlich durchbricht und erst nachträglich reißt. Wächst nur ein Ende aus, so entsteht ein einziger Scheinast (Tolypothrix-Typ). Reißen die Schlingen nicht auf, so kommt es zu schlingförmigen Fadenbildungen (Kyrtuthrix dalmatica). Wiederholt sich der Vorgang der Scheinastbildung an den Unterbrechungsstellen immer wieder und nur nach einer Seite, dann entstehen regelmäßig aufgebaute Lager (Rivulariaceen). Eine eigentümliche Art der Scheinverzweigung (V-Verzweigung) kennzeichnet die Gattung Brachytrichia. Das Trichom bildet eine V-förmige Schlinge, deren Spitzenzelle zu einem kurzen oder längeren seitlichen Trichomstück auswächst.

Echt verzweigt sind die Stigonematales. Querteilungen der Zellen lassen zwei-, mehr- und vielreihige Fadenverbände entstehen. Bei Stigonema mammillosum wird der höchste Grad der Differenzierung erreicht. Die aufrechten, vielreihigen Trichome sind verzweigt und wachsen mit Scheitelzellen.

Zoenobien, Kleinkolonien, Trichome und Fäden können als einfache Zellverbandsstrukturen angesehen werden. Sie treten in der Natur zu höheren Aggregationsformen, den Lagern, zusammen. Dabei spielen endogene, d. h. genetisch gesteuerte Faktoren wie Eigenbeweglichkeit der Trichome, ihre Orientierung zueinander, zur Unterlage und zum Lichte und ihre Einbettung in Schleim- und Gallertmassen eine strukturbestimmende Rolle. Sie lassen sich meist bereits mit dem bloßen Auge oder doch unter der Lupe erkennen. Eine Übersicht über die Lagerformen vermittelt die Abbildung (siehe unten).

Die Grundtypen der Lagerformen bei Blaualgen

Bildquelle: nach Schwabe

Die Grundtypen der Lagerformen bei Blaualgen (schematisch). 1 Beschlag (Chroococcus), 2 Netz (Plectonema), 3 Rasen aus unverzweigten Fäden (Cyanophanon), 4 Rasen aus verzweigten Fäden (Scytonema), 5 Strang (Microcoleus), 6 Haut (Phormidium), 7 Bündel (Aphanizomenon), 8 Schwamm (Seytonema), 9 Verhau (Oscillatoria), 10 festsitzendes Polster (Rivularia), 11 planktisches Kugelpolster (Gloiotrichia), 12, 13 nostocoide Einbettungen (Nostoc, Mischbestände), 14 Kruste (Mischbestände) (nach Schwabe)

1.6 Vorkommen

Die Blaualgen sind auf der Erdoberfläche weit und allgemein verbreitet. Überall, wo photoautotrophe Organismen leben, sind auch sie gegenwärtig. Ihre ökologische Potenz befähigt sie, gerade unter Grenzbedingungen des photoautotrophen Lebens sich besonders aktiv zu entfalten. An derartigen Lebensstätten, wo die Konkurrenz anderer Pflanzen nahezu völlig fehlt, erweisen sich die Blaualgen als beherrschende Glieder der Vegetation.

Die meisten Blaualgen sind in ihren Lebensansprüchen vom Licht abhängig. In den Gewässern wird die Lichtstrahlung schnell absorbiert: In Seen sind in Tiefen um 10 m nur noch etwa 10 %, im Meere ist in Tiefen um 100 m nur noch etwa 1 % der Lichtintensität vorhanden. Trotzdem sind Vertreter der Gattung Nostoc noch in 4000 m tiefen Ozeanbecken gefunden worden. Auch die Qualität des Lichtes ändert sich mit zunehmender Tiefe: In den Dämmerzonen der Gewässer herrscht blaugrünes Licht vor. Hier verstärken Blaualgen die zum einfallenden Licht komplementären Farbstoffe, z. B. das Phycoerythrin, d. h., sie passen sich an die veränderten Lichtqualitäten an (chromatische Adaptation). Die meisten Blaualgenlager in den Tiefen der Gewässer sind daher rot oder violett gefärbt. Die roten Trichome von Trichodesmium erythraeum vermehren sich in den Tiefen des Roten Meeres, steigen auf und färben das Meerwasser rot. Vielleicht besitzt auch Oscillatoria rosea, die im Tiefenplankton unserer Seen vorkommt, die Fähigkeit der chromatischen Adaptation.

Die Assimilation erreicht bei Temperaturen um 65 °C ihre obere Grenze. In heißen Mineralquellen sind die Blaualgen die einzigen Besiedler, die Assimilationspigmente führen und bei Temperaturen bis etwa 75 °C aktiv lebensfähig sind. Sie können hier lebhaftgefärbte Algenteppiche entwickeln, die mehrere Zentimeter dick werden, da es keine Tiere gibt, die die Algenfäden abweiden, und da auch bakterielle Abbauvorgänge ganz gering sind. Typische Thermalalgen wie Mastigocladus laminosus und Phormidium laminosum sind praktisch weltweit verbreitet; sie finden sich sowohl im Abfluß des Karlsbader Sprudels als auch in den Thermen des Yellowstone-Nationalparkes. Interessant ist, daß die thermophilen Blaualgen bei »niedrigen« Temperaturen unter 30°C nicht wachsen.

Es gibt viele Blaualgen, die sehr tiefe Temperaturen ertragen können. So treten sie in der Antarktis unter den Bedingungen des extremen Wärmemangels (Temperaturen bis -88°C) auf. Gelegentlich finden sich hier am Boden ausgebreitete NostocMassen, die sich im Laufe längerer Zeiträume angehäuft haben und unter den gegebenen klimatischen Bedingungen nicht abgebaut werden können. Das Klima der Antarktis ist nicht nur durch extremen Wärmemangel gekennzeichnet. Geringe atmosphärische Feuchtigkeit sowie der Wechsel hoher sommerlicher Lichtintensität mit winterlicher Dunkelheit bewirken, daß die Zellen sogar während der Wachstumsperiode rhythmisch auftauen und einfrieren, ohne ihre Lebensfähigkeit einzubüßen.

Ähnlich ungünstig sind die Bedingungen in Lebensstätten wie den Tintenstrichvegetationen der Hochgebirge gemäßigter und tropischer Breiten sowie den endopedischen Beständen in Wüstenböden.

Massenentfaltungen von Blaualgen in Grenzbiotopen (nach Schwabe 1964, leicht verändert)

Extreme Bedingungen Blaualgenvegatation
Hohe Temperatur Thermalpiotope
(Akratothermen, Thiothermen usw.)
Niedrige Temperaturen Kryoseston (Firnfelder)
Dauerfrostböden
Temporärer Wassermangel Rieselstreifen („Tintenstriche“, „Zitzensinter“)
Endopedische Bestände in Trockensteppen und Wüsten
Lomavegetation
Krusten des Epilitorals
(Spritzzonen)
Schwankungen der Elektrolytkonzentration Farbstreifensandwatt
Sinterzonen von Thermal- und Mineralgewässern
Tirsbesiedlung
Krusten des Epilitorals
(Spritzzonen)
Ungewöhnliche chemische Faktoren Mineralgewässer
Abwasser
Fumarolen
Salzseen
Intensive Einstrahlung Rieselstreifen („Tintenstriche“, „Zitzensinter“)
Lomavegetation (Garua- und Camanchaca-Vegetation) S-Amerika
Krusten des Epilitorals
(Spritzzonen)
Sauerstoffmangel Faulschlamm
Thermalbiotope mit H2S
Lichtmangel Endopedische und endolithische Entfaltungen
Höhlen?
Dämmerzonen in Seen
(dysphotische Zone)

Temperaturen und Wasserversorgung pflegen tagesperiodisch oder unregelmäßig derart zu schwanken, daß alle Lebensvorgänge zeitweilig unterbrochen werden. Die Blaualge Scytonema nivochrous z. B. trocknet im Sommer völlig aus, lebt bei Befeuchtung wieder auf und beginnt zu wachsen, wobei sie auf dem felsigen Substrat mit bloßem Auge sichtbare, samtartig-dunkelbraune Flächen im »Tintenstrich« hervorruft. Typisch für feuchte Kalkfelsen sind die leicht schleimigen Krusten, die von Gloeocapsa sanguinea, Gloeocapsa alpina, Gloeocapsa rupestris, Tolypothrix elenkinii, Aphanocapsa montana, Nostoc microscopium und Scytonema crustaceum gebildet werden und dem Auge ein farbenprächtiges Bild roter, violetter, gelber, brauner und grüner Töne bieten.

Die Tatsache, daß Blaualgen in der Lage sind, unter ökologischen Extrembedingungen zu existieren, hat dazu geführt, ihnen gewisse physiologische Sonderleistungen zuzuschreiben. So glaubt man, daß ihre Fähigkeit, höchste oder tiefste Standortstemperaturen stoffwechselaktiv zu ertragen oder besonders widerstandsfähig gegen extreme und wiederholte Austrocknung – Herbarmaterial erwies sich noch nach 87 Jahren als lebensfähig! – zu sein, in der spezifischen Struktur bzw. Konfiguration der ihre Zellen aufbauenden Proteinmoleküle beruht. Daß die Blaualgen als Erstbesiedler kürzlich entstandener Landflächen, von Wüsten, Sanddünen, Steppen oder überhaupt Böden, denen anorganische Nährstoffe mangeln, erscheinen, beruht auf ihrer Fähigkeit, atmosphärischen Stickstoff zu binden. Dabei ist bemerkenswert, daß vor allem viele fädige Formen molekularen Stickstoff reduzieren können. Wahrscheinlich sind am Prozeß der N2-Fixierung obligonitrophile, in den Gallertscheiden der Blaualgen lebende Bakterien beteiligt. Zu den N2-Bindern gehören unter anderem Arten der Gattungen Gloeocapsa, Nostoc, Tolypothrix, Anabaena, Anabaenopsis, Cylindrospermum, Calothrix, Phormidium, Mastigocladus und Schizothrix. In Japan wird der Stickstoffbinder Tolypothrix tenuis kultiviert und die Rohkultur dem Wasser der Reisfelder zugegeben. Ertragssteigerungen bis 120 % konnten erzielt werden. In ähnlicher Weise werden in Indien unfruchtbare Salzböden (»Uzars«) rekultiviert. 3 Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans Krakatau im Jahre 1883 fanden sich auf der Aschen- und Tuffoberfläche gallertig-schleimige Lager von Anabaena, Lyngbya, Symploca und Tolypothrix. Auch unter den Erstbesiedlern der Vulkaninsel Surtsey, die 1963 vor der Südküste Islands entstand, befinden sich N2-bindende Blaualgen.

Es ist möglich, daß die N2-Bindung auch die Ursache für das Vorherrschen von Blaualgen im Plankton unserer Seen und Teiche in Zeiten ist, da der allgemeine Mangel an verwertbaren Stickstoffverbindungen die Entwicklung anderer Planktonalgen hemmt. Überhaupt haben Blaualgen an der phototrophen Produktion, der »Urproduktion« unserer Binnengewässer, einen erheblichen Anteil. Unter günstigen Bedingungen entfalten sich viele von ihnen so massenhaft, daß sie sichtbare Überzüge an der Wasseroberfläche, sogenannte »Wasserblüten«, bilden. Bei einigen Blaualgen wurde von dieser Eigenschaft der wissenschaftliche Artname abgeleitet, z.B. Microcystis flos-aquae, Anabaena flos-aquae und Aphanizomenon flos-aquae (lat. flos = Blüte; aqua = Wasser). Mehr als 40 verschiedene Blaualgen sind dazu besonders befähigt, da sich in ihren Zellen mit Stickstoff gefüllte Gasvakuolen entwickeln, die sie spezifisch leichter als Wasser machen. Die Wasserblütenbildung ist wirtschaftlich bedeutsam, bildet doch die in ihnen entwickelte Biomasse (pro ha 300 kg Trockensubstanz) die Nahrungsquelle für viele Wassertiere (Wasserflöhe!) und Bakterien. Fischteiche mit einer Wasserblüte von Aphanizomenon flos-aquae sind in der Regel sehr ertragreich. Durch Kalken und Düngung mit Superphosphat sucht sie der Fischwirt künstlich hervorzurufen. Sind solche Blaualgenmassen im Wasserkörper gleichmäßig verteilt, so spricht man von »Vegetationsfärbungen«: Die Flocken von Aphanizomenon flos-aquae können das Gewässer deutlich grün färben. Freilich können Wasserblüten auch negative Effekte hervorrufen. Vergiftungsfälle im Fischbestand und übler Geruch von Trinkwasser rühren oft von derartigen Massenentfaltungen her.

Vielfältig sind die Beziehungen zwischen Blaualgen und anderen Organismen. In der Kieselalge Rhizosolenia lebt Richelia intracellularis, Nostoc sphaericum kommt in den sackartigen Ausstülpungen des Pilzes Geosiphon pyriformis vor; die farblose Grünalge Gloeochaete wittrockiana beherbergt einen Synechococcus, Chalarodora azurea eine Rhabdoderma; Glaucocystis nostochinearum und Cyanoptyche gloeocystis werden von einem Nostoc »bewohnt«. Auch in den Cryptomonaden (?) Peliaina cyanea, Cyanophora paradoxa und Chroomonas gemma sowie im Wurzelfüßler Paufinella chromatophora kommen blaualgenartige »Organellen« vor. Das Zusammenleben der verschiedenartigen Organismen miteinander heißt Syncyanose, das Konsortium selbst Cyanom und die endobiontischen Blaualgen nennt man Cyanellen. Die Erscheinung hat zu der Vorstellung angeregt, daß die Chromatophoren der höheren Pflanzen ursprünglich unabhängige Organismen waren, die in Zellen eingedrungen sind, sich als intrazelluläre Symbionten etabliert und schließlich in Organellen der Wirtszelle umgewandelt haben.

Besonders bekannt ist die Symbiose von Blaualgen mit Flechtenpilzen. Arten der Gattungen Chroococ cus, Gloeocapsa, Nostoc, Calothrix, Scytonema, Stigonema, Rivularia und Dichothrix sind hier zu nennen. In der Gallertflechte Collema und der Fadenflechte Ephebe dominieren die Blaualgen und formen das Lager, in anderen Fällen dominieren die Pilze (z. B. Placynthium), so daß die Identifizierung der Blaualge (in diesem Falle Dichothrix) sehr erschwert wird. Die Alge, die an der Symbiose beteiligt ist, heißt Phykobiont (Gonidie), der Pilz Mykobiont.

Auch in höheren Pflanzen kommen Blaualgen vor. Nostoc­ und Anabaena-Arten leben in den Atemhöhlen verschiedener Moose (Blasia, Clavicularia, Anthoceros); in den Höhlungen der Blattlappen des Wasserfarns Azolla americana findet sich Anabaena azollae, intrazellulär in den Wurzeln der Palmfarne Cycas und Zamia Nostoc punctiforme. Auch Gunnera (Gallertkanäle des Rhizoms) und Trifolium (Wurzelknöllchen) beherbergen bestimmte NostocArten.

Über die Natur der verschiedenen Symbiosearten herrscht noch keine Klarheit. In einigen Fällen können Wirt und Blaualge getrennt und dann sogar besser leben, in anderen Fällen scheint der Wirt unter der Abwesenheit der Blaualge zu »leiden«. Vielleicht spielen die Assoziationen für die Stickstoffversorgung des Wirtes eine Rolle, da sich unter den endosymbiontischen Blaualgen viele Stickstoffbinder befinden. Die wirtschaftliche Bedeutung der Blaualgen ist gering. In China wird Nostoc commune var. flagelliforme (»Fa-Tsai«) als Proteinquelle für Mensch und Tier genutzt (einst von den Azteken als »teacitlatl«). Heute spielen Spirulina-Massenkulturen eine Rolle bei dem Versuch, Algen als Proteinquelle industriell zu verwerten.

 

1.7 Das System

Das System der Blaualgen ist ein Provisorium. Die relative »Merkmalsarmut«, die Variabilität der taxonomisch bewerteten Merkmale, die Schwierigkeiten der Artabgrenzung und die Unsicherheiten in der Beurteilung der Evolutionsrichtungen angesichts des hohen Alters der Gruppe machen ein hierarchisches, natürliches System und damit eine befriedigende Ordnung der Formenmannigfaltigkeit vorläufig noch unmöglich. Unsere Darstellung folgt im wesentlichen den Vorstellungen Geitlers.

 

2. Abteilung Blaualgen, Cyanophyta

2.1 Ordnung Kugelblaualgenartige, Chroococcales

Die hier zusammengefaßten etwa 30 Gattungen bilden Lager in Form von Beschlägen, Krusten oder Einbettungskolonien, deren Einzelzellen untereinander gleichartig sind und nicht wirklich fadenförmig wachsen. Die meist kugeligen oder stäbchenförmigen Zellen sind nicht in Basis und Spitze differenziert und oft von einer schleimigen und geschichteten Membran umhüllt. Sie vermehren sich durch einfache Zweiteilung, die sich vielfach innerhalb der äußeren Membranschichten vollzieht, so daß die Hüllen ineinandergeschachtelt erscheinen. Endosporen, Exosporen oder Heterozysten sind unbekannt.

Familie Chroococcaceae

Die vor allem im Süßwasser verbreitete Familie enthält zahlreiche Vertreter des Seen- und Teichplanktons.

Die rund 20 Arten umfassende Gattung Microcystis ist kosmopolitisch verbreitet. Ihre Zellen sind in eine gemeinsame, strukturlose Gallerte eingelagert und formen netzartig durchbrochene Einbettungskolonien. Viele Arten sind typische Plankter in nährstoffreichen Gewässern. Hier treiben sie, besonders in der warmen Jahreszeit und zusammen mit Arten anderer Gattungen, frei an der Wasseroberfläche und rufen Wasserblüten hervor. Die bis über 1 mm großen Kolonien von Microcystis aeruginosa, Microcystis flos-aquae und die kleineren von Microcystis viridis werden dabei gelegentlich durch Wind und Wellenschlag an Seen- und Teichufern zusammengeschwemmt, so daß sich dort breite, gelblichgrüne Säume bilden. Andere Arten, so Microcystis ichthyoblabe und Microcystis toxica, sind giftig für Fische und Rindvieh (Tränke!).

Auch unter den rund 25 Arten der Gattung Chroococcus, der Kugelblaualge, finden sich echte Plankter, so Chroococcus limneticus, der sogar im Brackwasser vorkommt. Die meisten Arten leben jedoch in der Uferregion der Seen, in Hochmooren (z. B. Chroococcus turgidus), Torfsümpfen und Thermen; andere überziehen feuchte Mauern oder Felsen (Chroococcus rufescens) mit ihren gefärbten Gallertlagern, in denen die Einzelzellen zu zweien, vieren oder mehreren in Kolonien mit dicht anliegenden, oft deutlich ineinandergeschachtelten Hüllen zusammenliegen.

Synechococcus maximus

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Synechococcus maximus aus lsland, typische chroococcale Blaualge, deren Zellen von einer dünnen, farblosen Hülle umgeben sind.

Kokkale Blaualgen

Bildquelle: nach Fott

Kokkale Blaualgen. 1 Synechococcus aeruginosus,2 Microystis aeruginosa, a Koloniehabitus, b junge Kolonie, Zellen mit Gasvakuolen, 3 Chroococcus turgidus, 4 Gloecapsa ralfsiana (nach Fott)

Ausgedehnte epi- oder endopetrische Lager bilden viele der 40 Arten der Gattung Gloeocapsa, der »Gallertkapsel«. Wie bei Chroococcus umhüllt geschichtete, ineinandergeschachtelte, gefärbte Gallerte, die jedoch typisch blasig aufgetrieben ist, die kugeligen Einzelzellen. Gloeocapsa alpina bildet an kalkberieselten Felswänden warzige, violette bis schwärzliche Krusten (»Zitzensinter«, »Tintenstriche«), Gloeocapsa sanguinea hingegen lebhaft rote, mit bloßem Auge sichtbare Gallertlager auf Silikat- und Kalkuntergrund.

Die regelmäßigen, flach tafelförmigen, gallertigen Kolonien von Merismopedia, dem »Teiltäfelchen«, finden sich am Grunde stehender oder fließender Gewässer und können bis über 1 mm groß werden; z. B. Merismopedia convoluta. Merismopedia elegans und Merismopedia tenuissima treten sekundär planktisch im Süß- und Brackwasser auf.

 Teiltäfelchen Merismopedia punctata

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Das Teiltäfelchen (Merismopedia punctata) von Surtsey, dessen Einzelzellen durch gemeinsame Gallerte verbunden und in einschichtigen »Täfelchen« regelmäßig angeordnet sind.

Familie Entophysalidaceae

Die meist kugeligen oder ellipsoidischen Zellen wachsen fadenartig und fügen sich zu krustenförmigen Lagern zusammen. Sie bilden dabei aufrechte, radial angeordnete Reihen oder produzieren Schleimstiele. Planktische Formen sind nicht bekannt.

Die Einzelzellen der Krusten der Gattung Entophysalis erinnern mit ihren aufgeblühten Schleimhüllen stark an die von Gloeocapsa. Entophysalis granulosa läßt die Wände der Uferfelsen der Binnenseen 20 cm über und unter der Wasserlinie braungestreift erscheinen. Entophysalis deusta färbt die im Flutbereich gelegenen Zonen heller Küstenfelsen schwarz. Sie kann in Formen auftreten, die Arten der Gattungen Hyella und Scopulonema ähneln.

 

2.2 Ordnung Rippenkapselartige, Pleurocapsales

In dieser etwa 20 Gattungen umfassenden Gruppe finden sich festsitzende, meist epiphytisch oder epipetrisch in stehenden und besonders fließenden, meist nährstoffarmen Gewässern lebende Formen, die sich von den Chroococcalen durch die Bildung von Endosporen unterscheiden. Die krusten- bis sohlenförmigen, pseudoparenchymatischen Lager sind aus gloeocapsaartigen Einzelzellen zusammengesetzt.

Familie Pleurocapsame

Die manchmal in Basis und Spitze differenzierten Zellen sind mit festen oder gallertigen Membranen umhüllt. Sie formen flache, krustenförmige Lager.

Die Gattung Pleurocapsa, die »Rippenkapsel«, umfaßt etwa 10 Arten. Pleurocapsa cuprea ist durch ihre kupferrotgefärbten Überzüge an Steinen in Gebirgsbächen leicht erkennbar; Pleurocapsa fluviatilis bildet dicke, im Alter oft hohle Krusten aus kurzen Fäden. Pleurocapsa fugliginosa wächst an Küstenfelsen in der Ebberegion.

Familie Hyellaceae

Die typisch polarisierten Einzelzellen bringen Fäden mit Spitzenwachstum hervor, die sich verzweigen und pseudoparenchymatische, oft erhabene, halbkugelförmige Lager entwickeln.

Die Gattung Hydrococcus, die „Wasserkugel“, ist in schnellfließenden Gebirgsbächen zu Hause. Ihr anfänglich scheibenförmiges Lager setzt sich schließlich aus langen, aufrechten Fäden zusammen. Hydrococcus rivularis fällt durch kissenartige, höckrige, submerse Lager auf Steinen, an Wassermoosen und Fadenalgen auf.

Bei der nahe verwandten Gattung Xenococcus bestehen die aufrechten Fäden nur aus 2 bis 4 Zellen, deren Endzelle deutlich vergrößert ist. Die dünnen, blau- bis olivgrünen Krusten Xenococcus rivularis sind für kalkarme Mittelmeergebirgsbäche charakteristisch.

Die Arten der Gattung Hyella kriechen in Fäden auf steinigem Substrat oder auf Schneckenschalen; einige Fäden dringen in das Substrat ein. Die Einzelzellen sind in eine dicke, geschichtete, gallertige Membran eingehüllt. Hyella fontana lebt in kalkhaltigen Gebirgsbächen.

 

2.3 Ordnung Dermocarpales (Chamaesiphonales)

Die Dermocarpales sind eine relativ natürliche, 6 Gattungen umfassende Ordnung, die von den Chroococcalen abgeleitet werden kann. Im Gegensatz zu diesen ist bei ihnen die einzelne Zelle stets deutlich in Basis und Spitze differenziert. Die Basis, mit der die Zelle untergetaucht auf Steinen oder größeren Algen festsitzt, ist meist als kurzer Gallertstiel ausgebildet. Die Einzelzelle wandelt sich mehr oder weniger vollständig in ein Sporangium um, dass Endo- oder Exosporen hervorbringt. Die Sporen werden in der Regel durch Aufreißen oder Abschnüren des Spitzenteils des Sporangiums frei.

Familie Dermocarpaceae

Die polarisierten, meist einzeln lebenden Zellen sind vorwiegend auf anderen Algen im Meerwasser zu finden.

Bei den Dermocarpa-Arten entstehen die Endosporen durch sukzedane Zerteilung des in ein Sporangium umgewandelten Zellinneren. Die basale Zelle kann steril sein, im geöffneten Sporangium zurückbleiben und zu einem neuen Endosporangium werden. Die tütenförmige Wand des geöffneten Sporangiums wird Pseudovagina genannt. Dermocarpa violacea bildet ausgebreitete, rosenrote; Dermocarpa prasina polster- bis halbkugelförmige, blau- bis olivgrüne Lager auf anderen Meeresalgen.

Bei Siphononema, dem Scheidenfädchen, führt der gleiche Teilungsmodus nur zu vegetativen Teilungsprodukten, die in der Pseudovagina verbleiben, ein mehrzelliges Lager bilden und schließlich aus der geöffneten Pseudovagina herauswachsen. Einzelne Zellen können sich aus dem Verband lösen und die Aufgabe von Sporen übernehmen. Siphononema polonicum kommt in Bergbächen vor, wo sie dicke, orange- bis rotbraune Krusten auf Steinen bildet.

Familie Chamaesiphonaceae

Die polarisierten Zellen leben einzeln oder bilden Kolonien durch Exosporen, die mit der Mutterzelle verbunden bleiben. Sie leben vorwiegend epiphytisch oder epipetrisch im Süßwasser.

Die etwa 25 Arten der Gattung Chamaesiphon, der Zwergscheide, kommen vor allem in schnellfließenden Bächen untergetaucht auf Steinen, Moosen und Fadenalgen vor. Dabei können sie in solchen Massen gedeihen, daß die Bachbetten gefärbt erscheinen. Besonders bemerkenswert ist die Art der Fortpflanzung. Dabei wandeln sich die Zellen in Sporangien um und schnüren am apikalen Ende Ketten von Exosporen ab. Die entstehende Exospore kann sich am Rand der Pseudovagina niederlassen und festsetzen, selbst wieder eine Pseudovagina und Exosporen bilden und so stockwerkartige Zellschichten hervorbringen. Die Pseudovaginen sind bei Chamaesiphon ferrugineus durch Speicherung von ausgeschiedenem Eisenhydroxid rostrot gefärbt. Die gebildeten Krusten sind mit bloßem Auge sichtbar. Das gilt auch für die braunen, dünnen, einschichtigen Krusten von Chamaesiphon fuscus, einer Charakterart der katharoben Zone der Bäche.

2.4 Ordnung Schwingfadenartige, Oscillatoriales (Hormogonales)

Zu dieser großen, je nach Auffassung 13 bis 31 Familien umfassenden Gruppe werden diejenigen Blaualgen gerechnet, deren Lager aus ein- oder mehrreihigen Fäden gebildet werden. Dabei bestehen die Zellfäden (Filamente) aus der eigentlichen Zellreihe, dem Trichom, und der sie umhüllenden Scheide, der Vagina. Die Trichomzellen haben dünne, getüpfelte Zellwände und sind untereinander durch Plasmodesmen verbunden. Sie bilden morphologisch und physiologisch eine Einheit. Den Trichomen kann eine Scheide fehlen; sie sind dann »nackt«. Sie pflanzen sich durch Hormogonien oder Dauerzellen, selten durch Planokokken fort. Heterozysten werden hier und da, Sporen nur bei der marinen Herpyzonema entwickelt.

Blaualgen

Bildquelle: nach Fott

1 Stigonema informe, mehrreihige, unregelmäßig verzweigte Fäden mit seitlichen Heterozysten (H), 2 Tolypothrix byssoidea, Fadenstück mit unechter Verzweigung, 3 Mastigocladus laminosus, 4 Scytonema myochrous. unechte Verzweigung (nach Fott)

Tolypothrix spec.

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Tolypothrix spec. von Gran Canaria mit heller erscheinenden Grenzzellen, unterhalb deren sich die Fäden meist verzweigen.

Familie Stigonemataceae

Ihre Vertreter bilden rasenartige oder filzigschwammartige Lager, die aus gekrümmten, feinen, echt verzweigten Fäden bestehen. Die meist niederliegenden Hauptäste entwickeln oft Dauerzellen, die senkrecht aufsteigenden Seitenäste tragen Hormogonien. Die Grenzzellen liegen meist interkalar oder lateral. Die Familie ist weltweit verbreitet und bevorzugt saure Moorgewässer, feuchte Silikat- und Kalkgesteine sowie Thermen.

Die meist an Felsen und Mauern lebende Gattung Stigonema umfaßt rund 25 Arten. Stigonema mammitlosum entwickelt dunkelbraune, schwammige, bis 12 mm hohe amphibische Lager, während die von Stigonema ocellatum, einer typischen Hochmoorform, nur bis 3 mm hoch werden. Einige Arten bestimmen als Gonidien von Flechten (Ephebe) deren Erscheinungsbild.

Eine typische Thermalalge ist Fischerella thermalis, deren teppichartige, oliv- bis schwärzlichgrüne Lager bis 1 mm hoch werden.

Familie Mastigoeladaceae

Die vor allem in Thermen verbreiteten Formen bilden häutige Gallertlager, die aus V-förmig scheinverzweigten Fäden bestehen. Die Äste treten als Hormogonien zwischen 2 benachbarten Zellen aus.

Mastigocladus laminosus ist in heißen Quellen weltweit verbreitet und entwickelt lederig-häutige, flach ausgebreitete, blaue bis blaugrüne Lager.

Familie Scytonemataceae

Auch hier sind die Fäden scheinverzweigt; die Äste treten meist in der Nachbarschaft von Grenzzellen aus. Die Fäden sind aus einzellreihigen Trichomen und Scheiden zusammengesetzt; sie laufen nicht in Schleimhaare aus.

Die Gattung Tolypothrix, der »Knäuelfaden«, umfaßt etwa 20 Arten. Tolypothrix tenuis kommt untergetaucht an Wasserpflanzen, sowohl limnisch als marin, vor, Tolypothrix byssoidea lebt amphibisch an feuchten Felsen. Tolypothrix lanata fällt in stehenden Gewässern durch schwarze, büschelige, bis 2 cm lange Lager auf, Tolypothrix cucullata überzieht mit etwa 1 cm2 großen, dunkel- bis braungrünen Polstern die faust- bis kopfgroßen Kalksteine in periodisch trockenfallenden Bergbächen.

Die Gattung Scytonema, der Lederfaden, bildet große, meist stark gebräunte, oft fellartige Lager auf nassem, periodisch oder dauernd überschwemmtem Gestein. Die Scheiden ihrer paarig-scheinverzweigten Fäden sind parallel geschichtet und kaum dicker als die Fäden selbst. Besonders bekannt ist Scytonema myochrous, das Mäusefell, das auf feuchten Felsen an den schwärzlichen, in Richtung des herabfließenden Wassers ausgedehnten streifigen Überzügen (»Tintenstrichen«) erkennbar ist.

Nur durch die auffälligen, trichterförmig-aufgequollen geschichteten Scheiden, die viel dicker als die Fäden selbst sind, unterscheiden sich die Petalonema-Arten von denen der Gattung Scytonema. Petalonema alatum entwickelt an nassen Felsen der Kalkgebirge etwa 1 cm große Lager mit vorn geröteten Fäden und innen gelbroten, außen farblosen Scheiden. Petalonema crustaceum besiedelt mit 1 cm dicken, dunklen Krusten stark verkalkte Tuffquellen.

Familie Rivulariaceae

Die immer einzellreihigen Trichome verjüngen sich meist zu verschleimenden Haaren. Frühzeitig polarisieren sich die Fäden in Spitze und Basis; die Spitze bildet das Haar, die Basis wird teilungsunfähig und entwickelt oft Heterozysten. Aus der teilungsfähigen Mitte des Trichoms können Seitenäste entstehen. Die Trichome ordnen sich mehr oder weniger radiär an und formen festsitzende Halbkugelpolster oder pelagische Kugelpolster.

In stehenden und langsamfließenden, meist nährstoffreichen Gewässern fallen die Kugelpolster der Gattung Gloeotrichia, des Schleimigels, auf. Gloeoetrichia natans sitzt anfangs als schmutzig-olivgrün, meist 1 cm bis 1 dm große Gallertkugel an untergetauchten Wasserpflanzen fest, löst sich später ab und schwimmt an der Wasseroberfläche. Im Sommer entwickelt die kleinere Gloeotrichia echinulata grießliche Wasserblüten. Gloeotrichia pisum sitzt als harte, erbsengroße, schwärzlichgrüne Gallertkugel an Pflanzenteilen fest und löst sich nur selten ab.

Ähnliche Standorte bevorzugt die 20 Arten umfassende, nahverwandte Gattung Rivularia, die Bachflocke, die sich von Gloeotrichia nur durch das Fehlen von Dauerzellen unterscheidet. Die radial-strahligen, anfangs halbkugelig-polsterförmigen, später ausgebreitet-rasigen Gallertlager von Rivularia haematites verkalken stark, imprägnieren sich mit Eisenhydroxid, können 1 bis 3 cm dick werden, weisen Jahresschichten auf und kommen besonders in kalkreichen Bächen und Flüssen vor. Ungeschichtet und weniger stark verkalkt bleiben die höchstens 1 cm dicken Lager der rotbraunen Rivularia rufescens und der schwarzgrünen Rivularia dura. Rivularia atra ist auf Steinen, Holz und an Algen an der Wasserlinie der Meeresküsten weltweit verbreitet.

Die Trichome der 30 Arten umfassenden Gattung Calothrix, der Schönfaser, sind kaum verzweigt. Viele ihrer Arten sind thermophil, z. B. die besonders in Schwefelthermen blaugrüne Lager bildende Calothrix thermalis. Temperaturen über 60 °C erträgt Calothrix calida. Dünne, teilweise endopetrische, braunschwarze Krusten zeichnen Calothrix parietina aus, die in der Wellenschlagzone von Bächen und Seen, aber auch im Meerwasser lebt.

Rivularia atra

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Rivularia atra, Bewuchs auf Steinen. Die auffällige Blaualge ist an der Wasserlinie der Meeresküsten weit verbreitet.

Familie Nostocaceae

In dieser Familie ist die Tendenz zur Gallertbildung sehr ausgeprägt, so daß oft große, mit bloßem Auge sichtbare Lager entstehen. Die Fäden sind einzellreihig und fast stets unverzweigt, haben kugelige Grenzzellen und lagern, oft rosenkranzartig gewunden, in dicken, verquellenden Gallertscheiden. Haarbildung kommt nur bei Aphanizomenon vor.

Die Typusgattung Nostoc, der »Schleimling« oder »Zittertang«, umfaßt rund 40 Arten, die ganz verschiedene Lebensstätten bewohnen. So kommt Nostoc commune, die »Sternschnuppe«, unter anderem an extrem trockenen Standorten, z. B. zwischen Ruderalpflanzen auf sonnenexponierten Schotterflächen, vor. Sein Lager ist dann blattartig-dünn und leicht bröckelig. Die Entwicklung zu gekröseförmigen, schwarzolivgrünen Lagern erfolgt meist nach gewittrigem Regen (»Tremella meteorica nigra«). Andere Arten, so Nostoc zetterstedtii oder Nostoc kihlmannii, können planktisch leben. Am Grunde der Seen (»epipythmenisch«) siedeln die meist pflaumengroßen, glattberindeten Lager von Nostoc pruniforme, das regelrechte Entwicklungszyklen von planktischen Hormogonien über junge, epiphytische Lager bis zur benthischen, kugeligknolligen, olivgrünen, reifen »Seepflaume« durchmacht. Grobhöckerig „berindet“ sind die bis 10 cm großen Lager von Nostoc verrucosum, Nostoc sphaericum lebt in den Höhlungen von Lebermoosen (Jungermanniales), Nostoc punctiforme in Wurzelknöllchen von Cycas und Trifolium. Nostac-Lager können in sogenannte Gallertflechten umgewandelt werden.

Blaualgen

Bildquelle: nach Fott

1 Gloeotrichia natans, a Teil einer Kolonie, b Basalteil eines Fadens mit einer Heterocyste (H) und Dauerzelle (D), 2 Calothrix parietina, 3 Nostoc commune, Teil einer Kolonie, 4 Lyngbya martensiana, Faden mit fester Hülle (nach Fott)

Wasserpflaume

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Die Wasserpflaume, Nostoc pruniforme, wächst am Grunde unserer Seen.

Die Lager der rund 100 Arten umfassenden Gattung Anabaena, dem Schnurfaden, bestehen aus scheidenlosen, meist vereinzelten Fäden, deren Grenz- und Dauerzellen im Gegensatz zu denen von Nostoc nicht endständig sind. Oft entwickeln sie Wasserblüten, so Anabaena flos-aquae, deren mit bloßem Auge sichtbare Lager aus knäuelig verflochtenen und oft mit Glockentierchen besetzten Fäden bestehen. Bei Anabaena spiroides sind die Fäden regelmäßig schraubig gewunden, bei Anabaena elliptica dagegen »schnurgerade«. Freien Stickstoff können viele Anabaena-Arten binden, z. B. Anabaena cylindrica, Anabaena oryzae aus indischen Reisfeldern beschrieben – und Anabaena variabilis.

Anabaena spec.

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Anabaena spec. von Gran Canaria in typischer »schnurfadenförmiger« Ausbildung mit Grenzzellen (Heterocysten)

An Fichtennadeln erinnern die mit bloßem Auge sichtbaren und in nährstoffreichen Seen und Teichen massenhaft auftretenden Fäden von Aphanizomenon flosaquae, der „Sichelalge“. Ihre Produktivität wird in der Teichwirtschaft durch Kalk- und Phosphatdüngung erhöht.

Die Knotenschnur, Nodularia spumigena, bildet in Teichen, aber auch im Salzwasser große, schaumige Massen. Eine Wasserblüte am Kleinen Jasmunder Bodden auf Rügen führte vor wenigen Jahren zu einem Entenmassensterben durch giftige Zersetzungsprodukte.

Familie Oscillatoriaceae

Die »Schwingfäden« bilden strang-, verhau- oder bündelförmige Lager aus unverzweigten, geraden Fäden, deren Zellen untereinander gleich oder bei denen nur die Endzellen von einer Art »Kalyptra« haubenförmig bedeckt sind und dadurch »kopfig« erscheinen. Die charakteristischen Kriech- oder Schwingbewegungen der scheidenlosen Formen haben der Familie den Namen gegeben.

Die Gattung Oscillatoria (mit mehr als 100 Arten) ist vielleicht ein sekundär vereinfachter Typ einer hormogonalen Blaualge. Sie pflanzt sich durch Hormogonien fort. Die Trichome bewegen sich durch charakteristische pendelartige Schwingungen und Drehungen um ihre Längsachse, wodurch typisch strangförmige Lager entstehen. Im Stillwasser auf schlammigem oder festem Grunde, meist an der Oberfläche von H2S-haltigem Schlamm, finden sich verhauartige Lager, in denen die Trichome locker und scheinbar regellos durcheinanderkriechen und durch dünnflüssigen Schleim im Verband gehalten werden. Typische Plankter sind Oscillatoria agardhii, Oscillatoria sancta, Oscillatoria lacustris und Oscillatoria redekii, die durch ihre blaugrüne Farbe hervorstechen. In der kühlen Jahreszeit entwickelt Oscillatoria rubescens rote Wasserblüten, das sogenannte Burgunderblut. An den Ufern von Alpenseen treten rotbraune bis braunviolette Überzüge von Oscillatoria borneti auf. Die schwärzlichen Flocken von Oscillatoria nigra leben in schwach verunreinigten Quellen und Brunnen. Dunkelstahlblaue Lager von Oscillatoria boryana finden sich in Thermen.

Phormidium äutumnale

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Phormidium äutumnale von Surfsey mit typischer Aufrollung der Trichome

Schizothrix lardacea in Microcoleus-Wuchsform

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Schizothrix lardacea in Microcoleus-Wuchsform. Erstbesiedler der 1963 entstandenen Vulkaninsel Surtsey vor Island. Beachte die gedrallten, zu einem Strang vereinigten Trichomgruppen!

Nur durch ihre spiralig gewundenen Trichome unterscheidet sich die Gattung Spirulina, die Schraubenfaser, von Oscillatoria. In Natronseen, z. B. im Tschad (Afrika), lebt Spirulina platensis. Sie wird zu Algenkuchen verarbeitet und gegessen. Der hohe Eiweißgehalt der Zellen macht sie für Massenkulturen geeignet, die vor allem in Frankreich betrieben werden.

Die flachen, dem Substrat mehr oder weniger angehefteten, hautartigen Lager der Gattung Phormidium, der Wattenfaser, bestehen aus gallertig-verklebten Trichomen. Das dunkelblaugrüne Phormidium favosum lebt an Krustensteinen in Seen und Flüssen.

Trichodesmium kommt in den tropischen Meeren in großen Mengen vor. Trichodesmium erythraeum hat lebhaftrot gefärbte Trichombündel und erzeugt Vegetationsfärbungen. Das Rote Meer soll ihm seinen Namen verdanken.

Mit über 100 Arten gehört Lyngbya zu den artenreichsten Gattungen. Sie entwickelt feste, ausdauernde Scheiden, kommt untergetaucht im Süßwasser, im Meer und in Thermen vor; einige Arten leben aerophytisch.

An nassen oder feuchten Flächen wachsen die strangförmigen Lager von Microcoleus, dem Scheidenfaden, die durch ihre stark verschleimenden, viele Fäden enthaltenden Scheiden ausgezeichnet sind. Der dunkelblaugrüne Microcoleus vaginatus lebt auf periodisch nassen Böden, Microcoleus steenstrupii in Thermen. Microcoleus lacustris kommt untergetaucht im Wasser von vielen Seen vor.

Sehr verbreitet am Ufer kalkreicher Gewässer, Seen oder Quellen sind die gelbroten bis violetten, kaum verkalkten Lager von Schizothrix lateritia. Die blaugrüne Schizothrix fasciculata besiedelt die Krusten- und Furchensteine im Litoral und Sublitoral kalkreicher Seen. Auffällig sind die schwärzlichen Lager von Schizothrix friesii, die mit ihren über 1 cm hohen, farblosen Scheiden über Sphagnum und anderen Moosen in feuchtschattigen Bergwäldern vorkommen.

Die farblosen Scheiden von Symploca, dem »Schopfbündel«, enthalten nur einen Faden. Symploca borealis bevorzugt feuchte Felsen, Symploca thermalis Thermen und Symploca muscorum wächst in stehenden Gewässern und auf feuchter Erde.

***

Mit freundlicher Genehmigung des Autors:
Prof. Dr. rer. nat. habil. S. Jost Casper

Literatur-Quelle:
URANIA Pflanzenreich
Niedere Pflanzen
2. Auflage 1997
Urania-Verlag Leipzig Jena Berlin




Ein guter wasserchemischer Zustand auf Biegen und Brechen?

Ein guter wasserchemischer Zustand ist für sich allein gesehen ein recht einfältiges Ziel. Trotzdem ist er aber bei vielen wasserbehördlichen Entscheidungen immer noch das Maß aller Dinge bzw. das k.o.-Kriterium für vernünftige und verhältnismäßige Alternativen.

Im Falle einer geplanten oder aktuellen Überwachungswertverschärfung wäre aus wasserwirtschaftlicher Sicht vor einer kompromisslosen wasserchemischen Zieldefinition ein Nachweis der Verhältnismäßigkeit lt. WRRL, Artikel 4, 3b notwendig:

Nachweis, dass sinnvollerweise durch andere Mittel keine wesentlich bessere Umweltoption zu erreichen ist, als durch die Verschärfung wasserchemischer Mindestanforderungen.

Diese notwendige Anforderung folgt aus dem Prinzip der Sparsamkeit, zu dessen Einhaltung normalerweise auch (nicht nur) die Unteren Wasserbehörden verpflichtet sind oder sein sollten:

wasserchemischer Zustand

Wie will man in dieser Landschaft eine Verschärfung der Überwachungswerte nachvollziehbar begründen? Gülle bis an das Ufer des Meliorationsgrabens („Gewässer“)! Keine Beschattung, aber die Kommune soll einen wasserchemisch guten Zustand garantieren. Die Frachten der Landwirtschaft werden nicht berücksichtigt, denn es geht juristisch feinsinnig nur um „unerlaubte“ Gewässerverschmutzung. Die Gewässerverschmutzung durch Gülle ist ausdrücklich gesetzlich erlaubt! Bei der Verschärfung der Überwachungswerte CSB, BSB, N, P fällt es oft sehr schwer, Indizien für ökologische Kompetenz in den wasserrechtlichen Begründungen zu entdecken.

Verschärfung von Überwachungswerten und wasserchemischer Zustand

Ein „guter wasserchemischer Zustand“ erfordert nach manchen behördlichen Vorstellungen oft die Verschärfung von Überwachungswerten und  hat immer ganz erhebliche zusätzliche einmalige und/oder laufende Aufwendungen für Unternehmen und Kommunen zur Folge.

Notwendig ist also ein Nachweis, dass diese zusätzlichen Aufwendungen auch tatsächlich erforderlich sind und dass zudem das Erreichen vorher bestimmter konkreter Gewässerschutzziele garantiert wird.

Diese Ansprüche sind in der wasser- bzw. fachbehördlichen Praxis eher eine Ausnahme. Die Folge sind erhebliche Effektivitätsverluste bei der Abwasserbeseitigung und beim Gewässerschutz, verursacht durch ein Übermaß bei der Gewässerverwaltung.

Grundlegende einfachste Zusammenhänge zwischen dem Aufwand und dem Wirkungsgrad (z. B. Geschwindigkeit eines Autos und dessen Benzinverbrauch) einer technischen Anlage sind der Gewässerverwaltung offensichtlich unbekannt. Dabei zählen diese Zusammenhänge zur Allgemeinbildung. Unter Mathematikern und Betriebswirtschaftlern sind diese Zusammenhänge durch das Pareto-Prinzip definiert:

Es ist möglich, dass mit 20 % Kosteneinsatz 80 % aller Gewässerprobleme gelöst werden können. Für die Lösung der restlichen 20 % der Gewässerprobleme ist mit weiteren 80 % Kosten zu rechnen.

Das heißt, die verbreiteten Anstrengungen zur ständigen „Verbesserung“ des Gewässerschutzes („guter wasserchemischer Zustand“) durch Verschärfung der Überwachungswerte – auch infolge der teils kontraproduktiven Forderung der Abwasserreinigung nach dem Stand der Technik – hat eine Kostenexplosion in Form einer Potenzfunktion zur Folge (Pareto-Verteilung).

Mangelhafte oder fehlende Effektivität

Auf den Verstoß gegen wasserwirtschaftliche Prinzipien (z. B. Missachtung notwendiger Effektivität) hat beispielsweise der Wiener Prof. Herr Kroiss schon mehrfach in seinen interessanten Vorträgen hingewiesen.

Die weit verbreitete abstrakte Formulierung von Gewässerschutzzielen („guter wasserchemischer Zustand“) im Rahmen zur Begründung von Verschärfungen der Überwachungswerte ist also unwissenschaftlich, ideologisch determiniert, beliebig und aus all diesen Gründen mit wasserwirtschaftlichen Ansprüchen nicht bewertbar. Zudem steht eine derartige Praxis im Widerspruch zu Regelungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie und zu zahlreichen anderen gesetzlichen Regelungen (z. B. Gemeindeordnung).

Mit abstrakten Gewässerschutzzielen wird das Sparsamkeitsprinzip willkürlich ausgehebelt.

Willkürlich deshalb, weil die sachliche Begründung fehlt. Voraussetzung für eine sachliche Begründung ist, dass sie auf konkreten Prämissen beruht. Gewässerschutzziele werden aber oft abstrakt formuliert (gutes Tun). Damit sind sie beliebig interpretierbar und entziehen sich einer konkreten Effizienzprüfung, die aber gesetzliche Vorschrift ist. Eine wissenschaftliche Kontrolle nach ökologischen Prinzipien wird damit vereitelt und die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz. Ein raffiniertes System.

Wissenschaftliche und sachliche oder politische und willkürliche Ökologie; das ist die Frage!

Bei der Ökologie ist mittlerweile zwischen der wissenschaftlichen und der politischen Ökologie zu unterscheiden. Die politische Ökologie ist als Weltanschauung abstrakt und hat beliebig „Gutes“ zum Ziel, wohingegen die wissenschaftliche Ökologie wertfrei und naturwissenschaftlich nachvollziehbar ist.

In der wissenschaftlichen Ökologie gibt es dagegen keine abstrakten guten Zustände, sondern die Zustände sind für konkrete Organismen in einem konkreten Ökosystem definiert. Daraus folgt das scheinbare Paradoxon, dass z. B. Fische im sauberen Wasser verhungern (sehr guter wasserchemischer Zustand!) und dass in Gewässern mit einer weniger guten wasserchemischen Qualität Artenvielfalt und Fischreichtum herrscht.

Da beide Ökologieformen (politische weltanschauliche Ökologie als Mutation zwischen Ideologie sowie Kommerz und wissenschaftliche Ökologie) nebeneinander existieren, ist es für den Laien fast unmöglich einen klaren Kopf zu behalten. Allerdings gibt es für ihn ein Indiz zur Unterscheidung: Immer wenn abstrakt geschwafelt wird, handelt es sich wahrscheinlich um Ökologismus oder um Ideologie, denn die Wahrheit braucht keine umständlichen Erklärungen. Weitere Indizien sind je nach Charakter und Bildung Ausreden, Verlegenheit oder Aggressivität der Disputanten, wenn sie nach konkreten Argumenten befragt werden.

Die Beliebigkeit des Abstrakten

Diese Beliebigkeit des Abstrakten wird höchstbequem für nicht wasserwirtschaftliche Geschäfte in vielfältiger Weise ausgenutzt.

Wurden Überwachungswerte erst einmal verschärft, dann wird in der Regel nicht mehr geprüft, ob diese Verschärfung noch oder überhaupt notwendig ist oder war. Damit entstehen dem Abwasserbeseitigungspflichtigen Schäden in Millionenhöhe.

Solange aber die Abwasserbeseitigungspflichtigen die Folgen unnötiger Verschärfungen erdulden, müssen sie auch mit den unnötigen einmaligen und/oder laufenden zusätzlichen Aufwendungen leben und haben damit entsprechend zusätzliche Abwasserbeseitigungskosten im Produktpreis zu kalkulieren oder über die Bürger zu refinanzieren.

Der EU-WRRL kann diese bundesweite Fehlentwicklung nicht in die Schuhe geschoben werden, sondern nur denjenigen, die sie nicht lesen, nicht verstehen, die kommerzielle oder ideologische Interessen verfolgen oder denen wasserwirtschaftliches Verständnis überhaupt fremd ist. Erstaunlich sind die Fehlentwicklungen nicht. Denn vielleicht 99,9 % aller Ingenieure beschäftigen sich mit der Umsetzung der Mindestanforderungen oder deren Verschärfung und vielleicht ein oder zwei Ökologen dürfen nachsehen, ob die Zielvorstellungen erreicht werden oder erreicht wurden.

Wer aber als Ökologe nach dem Sinn des Abstrakten sucht, sollte – da wir nicht bei den Indianern sind (die wohl Erfahrungen ihrer  Alten noch achteten) – kurz vor seiner Pensionierung stehen.

Tja, und fast schließlich:

Wasserrahmenrichtlinie Artikel 4, 3b und wasserchemischer Zustand

„(3) Die Mitgliedstaaten können einen Oberflächenwasserkörper als künstlich oder erheblich verändert einstufen, wenn a) die zum Erreichen eines guten ökologischen Zustandes erforderlichen Änderungen der hydromorphologischen Merkmale dieses Körpers signifikante negative Auswirkungen hätten auf:

i) die Umwelt im weiteren Sinne,

ii) die Schifffahrt, einschließlich Hafenanlagen, oder die Freizeitnutzung,

iii) die Tätigkeiten, zu deren Zweck das Wasser gespeichert wird, wie Trinkwasserversorgung, Stromerzeugung oder Bewässerung,

iv) die Wasserregulierung, den Schutz vor Überflutungen, die Landentwässerung, oder

v) andere ebenso wichtige nachhaltige Entwicklungstätigkeiten des Menschen,

b) die nutzbringenden Ziele, denen die künstlichen oder veränderten Merkmale des Wasserkörpers dienen, aus Gründen der technischen Durchführbarkeit oder aufgrund unverhältnismäßiger Kosten nicht in sinnvoller Weise durch andere Mittel erreicht werden können, die eine wesentlich bessere Umweltoption darstellen.“

Das Einfache kann das Geniale sein

Das heißt, ein zu hoher Ammonium- oder Phosphorgehalt kann z. B. durch Beschattung kompensiert werden.

Das Pflanzen von Schwarzerlen kann (und ist in vielen Fällen) wertvoller und kostengünstiger sein, als Denitrifikationsstufen oder Flockungsfiltrationen zu betreiben.

Zu hoffen bleibt, dass die Beachtung der Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie irgendwann doch noch zur Handlungsgrundlage jener wird, die meinen, sie arbeiten für die Wasserwirtschaft.

Und um mit Herrn Prof. Kroiss zu schließen:

„Das kostbarste Gut der Länder mit hohem Standard der Wassergütewirtschaft ist daher nicht das Wasser, weil wir das aus wirtschaftlichen Gründen höchstens 100 bis 200 km transportieren können, sondern das angesammelte Wissen und vor allem die Fähigkeit zur Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure. Der Wettbewerb um eine dauernde Verbesserung der Lösungen muss und darf darunter nicht leiden.“

(Beitrag wasserchemischer Zustand von 2012, überarbeitet am 11.01.2017)




Eine Oma, eine Ente, viel Gülle und das Verschlechterungsverbot

Eine Million entenfütternde Omas gegen Biogasanlagen und die industrielle Landwirtschaft!

Glosse aus dem März 2012

Wer gewinnt?

Dumme Frage!

Die Oma jedenfalls nicht!

Soll dieser Erpel – auch wenn es ein Männchen ist – wirklich verhungern?

Wenn das Gutgemeinte in der Verwaltung zum Terror mutiert…

„Ein ehrsamer Bürger, tierlieb und Freund der bedrohten Natur, nimmt sich der Fütterung von Enten an, die an dem kleinen Flüsschen, das sich traut durch unser Tal windet, ihre Freizeit verbringen und gerne mal ein Bröcklein trocken Brot von der Laufkundschaft entgegennehmen.

Gemach, lieber Tierfreund! Du hast Entscheidendes nicht bedacht.

Zur Labung tierischen Federviehs bist du nicht berechtigt.

Das „Wasserhaushaltsgesetz“ verbietet nämlich grundsätzlich das „Einbringen fester Stoffe“ in das Flüsslein, um „gesundheitlichen Gefahren“ vorzubeugen.

Dies schien dich, lieber Tierfreund, nicht von deinen Liebesbezeugungen an das einfältige Federvieh abhalten zu können. Der Mann war, so der besorgte Leserbrief, „mit großen Mengen Futter“ zu Gange, in der irrigen Meinung, hier Gutes für Gottes quakende Geschöpfe zu tun. Völlig vergessen schien er zu haben, dass die Tiere dadurch „von ihrem natürlichen Lebensraum entwöhnt“ würden, indem sie, Kreuzfahrt-Touristen gleich, zu oft an Land gingen, um es sich dort gut gehen zu lassen.

Ach ja, dass der Tierfreund vielleicht ein einsamer Mensch ist, der den Umgang mit diesen Tieren braucht, um nicht in die Verzweiflungsfalle alternder Menschen zu geraten, braucht unsere Gesetzeslust und Prinzipientreue nicht zu stören. Gesetz ist Gesetz.“

Quelle: Deutschland – Land der Verbote, von Josef Hueber

Also rein menschlich gedacht:

Wir sollten zuallererst die Natur kennen, die wir verwalten möchten!

Das Drama wäre nicht passiert, wenn ein gewisses klitzekleines ökologisches Grundwissen bei der deutschen Verwaltung der Gewässer nicht die Ausnahme wäre.

Andererseits: Passiert wäre es schon, aber man hätte einfach weggeschaut und man muss nicht alles beweisbar wissen müssen.

Gleiche Latte angelegt, dann wäre es auch in mancher Verwaltung verständlich, dass selbst die lässlichen Sünden Millionen entenfütternder Omas im Verhältnis zu der Nährstoffschwemme der industriellen landwirtschaftlichen Produktion und aus den wohllöblichen Biogasanlagen völlig unbedeutend, aber menschlich und kulturell gesehen höchst wertvoll sind.

Als die Oma noch ein kleines Mädchen war, hat sie auch Enten gefüttert und keiner hat sich aufgeregt. (Insofern stimmt es schon, dass Deutschland immer schneller zu einer Verbotsrepublik mutiert.)

Dicke Enten schmecken nun mal besser.

Ich gestehe: Ich habe diesen Vogel gefüttert!

Und selbst wenn mal ein Fisch nach Luft schnappt.

Na und?

Dann bitte beweist erst einmal, dass ausschließlich die Enten fütternde Oma daran schuld war.

Zu dem:

  1. Wo bleibt die Ehrfucht vor dem Alter?
  2. Wer zählt die geschredderten Vögel in der Luft?
  3. Wer zählt die Millionen toten Fische, die wegen des Gewässerschutzes durch übermäßige Gewässerreinhaltung verhungern?

Auch sind viele Wassertiere auf partikulären BSB angewiesen, dessen Einleitung den Betreiber von Kläranlagen wiederum bei Strafe verboten  ist.

Und so könnten die Omas, wenn sie nun nicht gerade in Trinkwassertalsperren die Fische füttern, den vom Gewässer“schutz“ verursachten Artenrückgang wenigsten etwas entgegen setzen.

Der Argumentation in dem Beitrag „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ beruht auf einem Trugschluss.

Wäre nämlich die Argumentation korrekt, dann würde es allein genügen die Enten nicht zu füttern, um die Tiere (Fische) nicht zu töten. Denn mit der Folge

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

ist auch zu rechnen, wenn Enten nicht gefüttert werden.

Ganz so simpel, wie in dem Beitrag dargestellt, reagiert die Natur nicht.  Mitunter „kippen“ die Gewässer gerade dann besonders häufig um, wenn die Grünalgen durch zu sauberes Wasser keinen Nitratstickstoff erhalten. Dann bilden sich Blaualgen und die brauchen kein Entenfutter. Es genügt für sie, wenn Phosphor nur in Spuren vorkommt. Die Folge ist die Gleiche – mit oder ohne Oma:

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

Insofern ist auch die Denitrifikation in den meisten Fällen keine Methode des Gewässerschutzes.

Aber das hat sich bei den „Gewässerschützern“, bei den Politikern und in den Verwaltungen noch nicht herumgesprochen.

Und zum Schluss:

Putzig ist auch diese Seite:  „Wasservögel“. (Ich lasse sie mal anonym.)

Im Text kann man lesen:

„Botulinus-Vergiftungen (Gift des Botulinus-Bakteriums, das im anaeroben Schlamm lebt) und das starke verschobene Geschlechterverhältnis erschweren die Existenz (der Enten) zusätzlich.“

und einer Bild-Unterschrift, dargestellt Oma mit Kind, kann man entnehmen:

„Das Füttern von Enten sollte kleinen Kindern vorbehalten sein.“

Warum, so fragt man sich?

Hat man zu viele Omas oder sind Kinder wiederstandsfähiger gegen Botulinus-Vergiftungen?

Ist es nicht auch Diskriminierung der Oma gegenüber dem Kind?

Soll das Kind gleich lernen, dass die Oma nicht das darf, was ein Kind darf?

Befürchtet man, dass Oma und/oder Kind den Botulinus-Schlamm essen oder könnte das Kind eine tote Botulinus-Ente streicheln oder gar in sie hineinbeißen?

Kinder machen so etwas!

Bei den Blaualgen – sie kommen im Sommer wieder in Mode – glauben die Medien ja auch, dass Kinder und sogar Erwachsene den Blaulagenschlamm in sich hinein löffeln und sich in ihm wälzen, wie Schweine in der Suhle.

Gäbe es keine Botulinus-Vergiftungen, wenn Oma bzw. das omageleitete Kind die Enten nicht füttern würde?

Natürlich nicht.

Es motzt jeden schwach recherchierten Artikel etwas auf, wenn man an eine Stelle – egal ob sie nun  passt oder nicht – das Wörtchen „Gift“ hineinstreuselt.

Und die Verwendung eines Fremdwortes, wie z. B. „Botulinus“, lässt erst recht auf Kompetenz schließen.

Um einem Mann Angst einzujagen hätte es einer nicht so umfangreichen Erklärung in „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ bedurft. Es hätte genügt:

  • Ente nicht füttern
  • Botulinus
  • Fisch tot
  • Oma und Kind vergiftet

Also immer schön unverständlich bleiben und Angst verbreiten, damit niemand auf den Gedanken kommt sich etwa seines Lebens zu freuen.

Angst und Dummheit beim Kunden sind die halbe Miete beim Geschäft, bei dem die Medien zumeist kräftig mit verdienen.

Und es kommt nicht darauf an, ob eine Botschaft wahr ist.  Dafür interessieren sich sowieso nur wenige Menschen am Rande der Gesellschaft.

Es genügt für den Zweck die Botschaft zu verbreiten und diese oft genug zu wiederholen.

***

(Sachlicher Link zu Botulinus: „Verursacher des Botulismus ist das Bakterium Clostridium botulinum, das in Böden und Schlamm weltweit verbreitet ist.“ )





Bodenabtrag von Intensivflächen bei Starkregen

„Wenn die Landwirtschaft sprichwörtlich den Bach runtergeht“

  • „Gerade aus Maisfeldern in Talauen und an erosionsgefährdeten Hängen fließt das Wasser besonders schnell ab. Dabei wird in erheblichem Umfang Oberboden ausgeschwemmt.“
  • „Laut Erosionsatlas beträgt der Bodenabtrag auf Intensivflächen bis zu 15 Tonnen pro Hektar und Jahr –bei einzelnen Starkregenereignissen sind Abträge von mehr als 100 Tonnen nachgewiesen.

Quelle: Wenn die Landwirtschaft sprichwörtlich den Bach runtergeht

Das sind einige der nicht reparablen Schäden der „erneuerbaren“ Energiepolitik.

2015_07_Starkregen_Schneidenbach_UH

Die Göltzsch an einem Julitag 2015 nach einem Starkregen.

 

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Die Göltzsch vor dem Zusammenfluss mit der Weißen Elster in Greiz am 16. Juli 2013 nach einem Starkregen.

Übrigens:

Energien waren noch nie und werden auch künftig nicht erneuerbar sein!

Anderenfalls gäbe es Perpetuum mobile.

Erstaunlich, dass die aktuelle Energiepolitik pseudowissenschaftlich Begriffe nutzen muss,  um sich selbst zu bestätigen.

In Sachsen zumindest werden andere physikalische Grundlagen über Energien z. B. in Sachsen schon in Klasse 7 vermittelt (siehe Lehrplan.)

Ich habe mir 1965 den Abschluss der polytechnischen Oberschule in Halle an der Saale erarbeitet. Hätte damals Jemand von der Erneuerbarkeit einer Energieform gefaselt, man hätte ihn für doof erklärt.

Die Zeiten und ihre Werte ändern sich.

Nach ständiger Wiederholung des MantrasEnergie ist erneuerbar!“ durch Unwissende geschehen täglich Wunder.

Irgendwann gibt es einen Anstieg der Energielinie und dann fließt auch das Wasser plötzlich bergauf. In der Vorstellung zumindest.

 

Lehrplan Physik Klasse 7. u.a. Energie, Energieformen, Energieumwandlung, Energieerhaltung Leistung und Wirkungsgrad

Lehrplan Physik Klasse 7. u. a. Energie, Energieformen, Energieumwandlung, Energieerhaltung, Leistung und Wirkungsgrad

 

Quelle: Serlo

Siehe z. B. auch: Potentielle und kinetische Energie in der Rohrhydraulik




Zustandsbewertung der Gewässer – Ökologischer Einklang

Ooom

Zum „ökologischen Einklang“ folgendes Zitat:

„Unberücksichtigt bleiben der Zusammenhang zwischen Stabilität und Mangel, der größere Änderungen einfach verhindert, und die tatsächlichen Ungleichgewichte in der Natur, ohne die sie gar nicht funktionieren könnte. Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, daß es ausgerechnet die »balancierten« mittleren Zustände sind, die zwar als solche wünschenswert wären, sich aber nicht so recht einstellen lassen. Das erste Beispiel liefert die Belastung und Reinhaltung von Seen Eingeleitete Abwässer düngten seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten, bis die Folgen sichtbar wurden. Die anfänglich sauberen Gewässer drohten zu »kippen«, was bedeuten sollte, daß sie vom nährstoffarmen, sauberen Zustand in einen nährstoffreichen, schmutzigen hinüberwechselten oder daß dieser Wechsel bevorstand. Durch Ringkanalisationen und starke Verminderung der Abwässerzufuhr ließ sich dieses Kippen in zahlreichen Fällen verhindern. Die Seen wurden wieder sauberer, aber nun nahmen auch die Fischerträge (stark) ab. Denn nährstoffarme Seen sind unproduktiv, weil in ihnen Mangel an Nährstoffen herrscht. Das ist gut für die Gewinnung von Trinkwasser aus dem See sowie für den Bade- und Erholungsbetrieb, nicht aber für die Fischerei und für die (zu schützenden) Wasservögel, für die bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier. All diesen geht es im nährstoffreichen See weitaus besser. Fische gibt es in Hülle und Fülle; Wasservögel auch und diese ohne nennenswerte Konflikte mit der Fischerei zu verursachen. Beide Zustände kann der See nicht gleichzeitig einnehmen. Er ist entweder nährstoffarm (oligotroph) und unproduktiv oder nährstoffreich (eutroph) und produktiv. Entweder — oder? Dazwischen liegt doch der mittlere Zustand, mesotroph genannt Er verbindet gute Produktivität mit sauberem Wasser, weil im Idealfall all das wieder um- und abgebaut wird, was im Sommer produziert worden ist. Doch dieser Mittelzustand erweist sich als instabil. Er geht rasch in den einen oder in den anderen über. Nur mit außerordentlich (und unrealistisch) hohem Aufwand ließe er sich aufrechterhalten. Stabile Zustände sind Nährstoffreichtum und -armut. Ist so ein See ein Sonderfall? Durchaus nicht. Nährstoffreiche und nährstoffarme Zustände sortieren sich allüberall in der Natur.“ Reichholf [1]

Also:

Den Zustandsbewertungen lt. EU WRRL scheint es in erheblichem Umfang an ökologischen Grundlagen zu fehlen.

Gemeint sind die Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie.

Die Weise, wie die EU WRRL mitunter umgesetzt und verstanden wird, führt ins wunderbare Chaos. Man wundert sich, warum es nicht gelingt mit guten wasserchemischen Zuständen gute biologische Zustände für „bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier“ zu gewährleisten. Es scheint unmöglich der Gewässerverwaltung zu vermitteln, dass ein guter Zustand häufig die Verschlechterung eines anderen Zustandes verursachen kann.

Der Ökologe Herr Prof. Reichholf steht mit seinen o.g. Tatsachenbewertungen nicht allein. Siehe auch den Beitrag zur Mistbiene.

Quelle:
[1] Stabile Ungleichgewichte.
Die Ökologie der Zukunft.
Josef H. Reichholf
edition unseld
SV
1. Auflage 2008
(S.111-112)




Stand der Technik auf Madeira

Eine Glosse

Lumpenschieber: Stand der Technik auf Madeira?

Na klar!

Dieses tolle 2-Wege-Absperrorgan – einen Lumpenschieber nämlich – fand ich bei einer Wanderung durch eine Ortschaft der Insel Madeira.

Bestimmte Dinge sind nur aus der Entfernung korrekt zu bewerten.

Überraschen kann dabei das Umschlagen der Meinungen in dem Maße, wie man sich vom betrachtetem Gegenstand oder Zusammenhang räumlich oder zeitlich entfernt.

So ist es auch mit der Bewertung des Lumpenschiebers.

Aus deutscher Sicht der Techniker ist es Schrott, aber bei Betrachtung in der Ferne einfach genial!

Der Techniker hasst das Geniale, weil es oft zu einfach ist.

Interessant ist neben dem unvergänglichem Stand der Technik auch die kulturhistorische Bedeutung, die sich jedem Betrachter auf Anhieb erschließen sollte.

Madeirischer Lumpenschieber nach dem Stand der Technik

Madeirischer Lumpenschieber ist Stand der Technik (Verteilung des Wassers aus einer Levada auf verschiedene Felder)

Merkmale und Nutzen des madeirischen 2-Wege-Absperrorgans

Die Merkmale des madeirischen 2-Wege-Absperrorgans springen ins Auge:

Er ist einfach, kinderleicht zu bedienen, man benötigt keine Sach- und Fachkunde.

Es genügt, wenn Papa dem Kleinen sagt: „Mach hin! Un tu die Steine wech!

Mehr Sachkunde braucht der Vierjährige nicht.

Fachkunde ist unnötig.

Da muss kein Schalter umgelegt werden und kein Nullleiter ans Gehäuse. FI-Schalter braucht das Ding nicht.

Hier macht Arbeiten noch Spaß und der Junge lernt etwas von klein auf.

Mancher deutsche Techniker wird wegen der niedrigen Anforderungen lästern. Stand der Technik?

Wer lacht?

Weise ist vorschnelles Verurteilen mit Gewissheit nicht.

Es sind die leisen Töne, die die Musik machen!

Diese Technik des Lumpenschiebers ist jedenfalls mehr Stand der Technik als der Stand der Technik mancherlei vollbiologischer Kleinkläranlage, die zudem in der Praxis manchmal anders funktioniert als auf dem Prüffeld.

Stand der Technik bei der Klärschlammverwertung – eine Bemerkung am Rande!

Auch die Begründung eines Standes der Technik bei der „Klärschlammverzauberung“ ist aufschlussreich.

Wird hier mit Macht und Kompetenz ein Problem geschaffen und veredelt, das vorher nicht da war?

Wo bitte sind die Klärschlammtoten und die vom Klärschlammgenuss Dahinsiechenden?

Negativatest der Tatsachen:

Wenn einer dem Klärschlamm und der Gülle lebendig ausgesetzt wurde, dann war es doch zweifellos der Ostdeutsche.

Aber dieser Holzmichel ist „putz und munter“ und vor allem: Er lebt immer noch!

Könnte es sein, dass dem Klärschlammnovellenaktionismus der Nutzen fehlt?  Jede Aktion ohne Nutzen ist unverhältnismäßig.

Wir lesen seit Jahren darüber Begründungen, wie toll es ist Klärschlamm zu verbrennen.

Nur, die Wahrheit braucht keine Begründungen und das macht nicht nur mich nachdenklich.

Vor- oder/und  nachschüssige Geschäfte mit der Technik

Wie das bei den Technikern so ist, fast alle denken ans vor- oder nachschüssige Geschäft mit der Technik.

Ich meine aber, das ist nicht verwerflich, weil für die Dummheit der Käufer schlecht die Verkäufer verantwortlich zu machen sind.

Allein fürs „techniken“ bekommt der Techniker kein Brötchen. Erst wenn er sein Zeug verkaufen kann, dann rollt der Rubel.

Und dem Markt sowie auch vielen Technikkäufern ist es schnurzpiepe, ob die Technik unnütz und nicht zweckmäßig ist, aber nur wenn es gelingt, ein gutes Gefühl mit zu verkaufen.

Manche geben sogar Geld aus nur für’s gute Gefühl.

Da kann man doch den Verkäufer nicht tadeln!  Der Mann ist echt gut! Solche Leute wollen wir doch!

In der Politik, an den Wahltagen, wird es vorgemacht. Was soll dann daran schlecht sein? Wir zahlen nachschüssig wenigstens (!) Steuern für ein gutes Gefühl, dass wir bei unserer Wahlentscheidung hatten.

Der letzte Schrei der Technik eher selten Stand der Technik

Doch zurück zur Technik. Und so fällt den Wenigsten auf, dass der letzte Schrei der Technik eher selten Stand der Technik ist. Es ist der Schrei eines Verzweifelten, dem nichts Vernünftiges einfiel. Aber fast alle haben so ein herrliches Gefühl im Herzen und oft vorher oder nach dem guten Gefühl einige hundert Euro weniger im Portemonnaie.

Und bei behördlichen und kommerziellen Bewertungen genügt meist als Argument, wenn der Stand der Technik z. B. folgende lustige Merkmale hat:

  • Große Bautafel aus nachwachsenden Rohstoffen mit der Beschriftung: „Garantiert gut Öko!“
  • maximale Wirkungsgrade
  • Elektronik
  • blinkende grüne oder rote Lämpchen
  • Technik optimiert mit Industriecomputer
  • maximale Wartung
  • Edelstahl
  • 100 % dicht
  • automatische Selbstanzeige bei Überwachungswertüberschreitung
  • in der Bemessung am Besten ein Integral, das keiner versteht
  • Bei der Konstruktion werden aber auch alle DIN’s, Regeln der Technik und… beachtet
  • Der gesunde Menschenverstand wurde versteckt eingebaut
  • Einzementierung der Lügen und Halbwahrheiten durch häufiges Wiederholen und Nachbeten. (Meist gilt: Je länger die Begründung, desto größer die Lüge.)

Warum gibt es diesen merkwürdigen Stand in der Wasserwirtschaft?

Gesetz nicht bis zu Ende gelesen

Es wurde wieder mal nicht bis zu Ende gelesen und diesmal bei der Definition des Standes der Technik.

Na? Was fehlt?

Die Verhältnismäßigkeit natürlich!

Zugegeben, es ist eine Sünde des Gesetzgebers, dass er bei der Formulierung des Standes der Technik

  1. die Begriffsdefinition für den Normalbürger unverständlich definierte und
  2. die Verhältnissmäßigkeit nicht an die erste Stelle als notwendige Prämisse

genannt hat.

Es ist überhaupt blöd, Begriffe zu formulieren, deren wahrscheinliche Deutung Nachdenken erfordert.

Verhältnismäßigkeitsbeweis des Lumpenschiebers

Nachdem wir nun den Nutzen des Lumpenschiebers erörtert haben, ist es Zeit sich den Kosten zuzuwenden.

Was haben wir da?

Es sind zwei Wackersteine von der Güte, die dem bösen Wolf in den Bauch genäht wurden. Sie erinnern sich? „Jetzt geht und sucht Wackersteine, damit wollen wir dem gottlosen Tier den Bauch füllen, solange es noch im Schlafe liegt.

Und dann haben wir noch einige Lumpen.

Also, wenn wir für das Zusammentragen für Beides 5 € einschließlich Märchensteuer veranschlagen, dann wissen wir, das die deutsche Industrie wohl kaum einen 2-Wegeschieber für 5 € bei dem angegebenen Nutzen herzustellen vermag.

Damit ist der Lumpenschieber aus Madeira für den konkreten Einsatzfall Stand der Technik! Da beisst die Maus keinen Faden ab.

Gewissenhafte und Verständige

Tja und nun wird es Ernst. Hand auf’s Herz:

Wer (allein oder als Arbeitsgruppe) hat einen Abwasserteich (kommunales Eigentum) auf dem Gewissen, der deshalb außer Betrieb genommen wurde, weil er angeblich nicht Stand der Technik sei? Und das ohne den Verhältnismäßigkeitsbeweis erbracht zu haben. Hier hat ein Gericht über etwas ganz ähnlich Schlimmes geurteilt:

Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten.

(Auch wenn das kommunale Eigentum schon abgeschrieben sein sollte, ist es deshalb nicht wertlos! Es fängt gerade an, besonders interessant für die Bürger zu werden.)

Nun sind wir ans Ende der Einlassung gekommen. Von den anfänglichen vieleicht 10 Lesern, wird sicher nur noch einer bis hierhin gefolgt sein, wenn überhaupt.

Wer das weiß, der schreibt nur für diesen Einen, Gleichgesinnten.

Und für ihn kommt das Beste zum Schluss:

Da denke ich an zwei Sachverständige:

Nicolás Gómez Dávila:Den Hohlkopf beeindruckt nur das Allerneueste. Für den klugen Menschen hängt nichts vom Datum ab.“

Friedrich Nietzsche:  „Seinem Gewissen zu folgen ist bequemer als seinem Verstand: denn es hat bei jedem Misserfolg eine Entschuldigung und Aufheiterung in sich, – darum gibt es < > so viele Gewissenhafte gegen so wenig Verständige.“

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P.S.:
Der Lumpenschieber wurde hier gefunden: Madeira

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Nitrat im Gewässer

Prolog, denn es ist Theater!

Hm? Was passt zur Einleitung? Beginnen wir mit Nicolás Gómez Dávila. Bei ihm kann zwischen verschiedenen Intensitäten der Erkenntnis gewählt werden, für deren Einstufung mir aber das Werkzeug fehlt. Beginnen wir mit einer kleinen Auswahl:

  •  „Die Kosten für den Fortschritt lassen sich in Dummköpfen berechnen.
  • „Die Menschheit sieht mit Schrecken, dass der Fortschritt dabei ist, unheilbar zu werden.“
  • Um jedes Mysterium abzuschaffen, genügt es die Welt mit den Augen eines Schweins zu betrachten.“ Das mit dem Mysterium ist gut! Verdammt, warum muss ich da an den gemenschelten Klimawandel denken. Mir ist nämlich nicht klar, mit welchen Maschinen es die Grönländer vor einigen hunderttausend Jahren schafften, ihr Land so zu erwärmen, dass es ergrünte? Aber lassen wir das. Kein gutes Thema.

Zurück zu Dávila! Ein selten kluger Mann. Wer aber Michel de Montaigne mag, für den findet sich am Schluss des Artikels ein Leckerbissen für selberdenkende Nachdenker. Ein Edelmann im wahrsten Sinne des Wortes, dieser Montaigne. Schade, dass es solche klugen Köpfe heute nicht gibt. Oder kennt man sie nur nicht? OK, zwei kenne ich von neueren Werken: Erstens vom Philosophen Peter Sloterdijk. Der wird ja aus dem putzigen Grunde gehasst, weil er die Akkumulation des Zorns (es sind auch andere Emotionen in das Modell substituierbar) durch Parteien und Verbände offenlegte. Starkes Werk von ihm: „Zorn und Zeit“. Der Zorn auf ihn ist unnötig. Jene, die sein Buch zur Revolution nutzen könnten, haben das Buch nicht gelesen und die anderen, die es gelesen haben, können als winzige Minderheit auch nicht viel ausrichten. Und genauso wird es mit der Nutzung diese Beitrages sein, weil der nicht den Konsens stützt mit dem so schön Geld verdient wird. Nicht auszudenken, wie viele Arbeitsplätze frei würden, wäre man gezwungen, ab sofort nur noch vernünftige und nützliche Dinge zu tun. Man ärgert sich anfangs über eine Wahrheit, besonders dann, wenn sie im Widerspruch zu den scheinbar edlen Gesellschaftsnormen steht, aber schwupp, morgen ärgert man sich über etwas anderes und schon sind diese Zeilen vergessen.

Ach ja, ich muss noch den zweiten Vordenker erwähnen: Ein geborener Sachse, der Herr Michael Klonovsky! Seine Aphorismen verführen zum Aha und diese stehen bei mir im Bücherregal gleich neben jenen von Nicolás Gómez Dávila. Eine Kostprobe von Klonovsky: „Auf ein Gewissen bei unseren Staatsbürgern verzichten wir gern, solange sie sich als moralisch erpressbar erweisen.“ Und was schreibt z. B. Dávila? „Dem modernen Menschen ist es gleichgültig, in seinem Leben keine Freiheit zu finden, wenn er sie in den Reden jener verherrlicht findet, die ihn unterdrücken.“ Die Herren passen doch zusammen in ihrer kritischen Denkweise! Aber wie das so ist, Leute die die Wahrheit sagen, bleiben einsam. Wahrheit? Nietzsche hat eine Antwort: „Wahrscheinlichkeit, aber keine Wahrheit: Freischeinlichkeit, aber keine Freiheit, – diese beiden Früchte sind es, derentwegen der Baum der Erkenntnis mit dem Baum des Lebens verwechselt werden kann.“ Und wenn Sie Geduld aufbringen, den Beitrag bis zum Ende zu verfolgen, werden Sie vielleicht feststellen, dass diese Unterscheidung von Nietzsche die Abweichung zwischen Wissenschaft und Praxis nicht nur bei der Nitratbewertung erklärt. Ob zu Beginn des Artikels erzeugte philosophische Abdampfrückstand auch und wenn ja in welchem Maße auf den Umwelt- und Gewässerschutz zutrifft, mag der Leser im Verlaufe des Beitrages selbst entscheiden. Dazu nun folgende Anregungen:

Ich habe als Wasserwirtschaftler zwei Wasserwirtschaften erlebt. Und wenn ich diese beiden heute auf den Punkt bringe, so bin ich der Meinung, dass die ostdeutsche Wasserwirtschaft über eine wissenschaftliche Grundlage verfügte, wobei man bemüht war, diese in der Praxis umzusetzen. Allein es fehlten die Mittel, oder wie man damals sagte, die Bilanzen. Markant, üblich und zwingend wegen der fehlenden Bilanzen war die Beachtung und Nutzung von heute in Vergessenheit geratenen Naturgesetzen z. B.

  1. Beachtung und Anwendung des Liebigschen Gesetzes vom Minimum
  2. Beachtung und Anwendung des Gesetzes von Paracelsus
  3. Nutzung der Selbstreinigungskraft der Gewässer
  4. Akzeptanz des Wasserkreislauf bei der Bewertung vermeintlicher Schäden

All diese Naturgesetze – die Grundlage eines kostenlosen Nutzens – spielen im Wasserhaushaltsgesetz oder in der Abwasserverordnung keine Rolle.  Unser diesbezügliches Handeln und Denken ist krank. Es vergleichbar mit einem willkürlichen Verbot, den Wind beim Segeln zu nutzen (z.B. weil das Sparen von Dieselkraftstoff, oder das Bauen von Segelschiffen bestimmen Industriezweigen schadet und die Buße des Menschen wegen seiner konstruierten Schuld als Schmutzfink schadet. Dieser Unfug keimt aus der Vorstellung, dass der Mensch nicht natürlich ist. Wer aber dem Argument folgt, dass der Mensch genauso ein Teil der Natur wie die Baualge ist, dann ist die Gewässerverschmutzung des Menschen eine Naturselbstverschmutzung, genauso wie eine Blaualgenblüte oder der Laubfall im Herbst in einen See.  Das wäre eine vernünftige Basis für eine wirkliche Wasserwirtschaft. Die Akzeptanz

  • der Naturselbstverschmutzung und
  • dass der Mensch Teil der Natur ist,

muss und soll natürlich nicht die Folge haben, dass z.B. Zyankali in Gewässer gekippt wird, weil dies so natürlich wäre, wie ein Vulkanausbruch.  Hier hilft Karl Georg Büchner (1813-1837, Dantons Tod) weiter:

Geht einmal euren Phrasen nach bis zu dem Punkt, wo sie verkörpert werden.

So etwas wie Technokommerz, also die absichtliche, den Kunden täuschende Verwechslung vom Mittel und Zweck war zu der Zeit, als ich noch jung war, schon finanziell unmöglich. Deshalb war damals die Technik noch logisch.

Heute haben wir auch ein höheres wissenschaftliches Niveau, nur es darf – wie noch bewiesen wird – dann nicht angewendet werden, wenn es unsere Vorstellung von der Natur, wie sie zu sein hat, stört, oder wenn wasserrechtliche Regelungen dies nicht zulassen.

Wasserrecht bricht (scheinbar) Naturgesetz.

Da sich die Natur nun nicht (immer) an wasserrechtliche Vorschriften hält, ist die Effizienz mancher wasserwirtschaftlicher Investitionen vom Zufall abhängig.

Ein Beispiel ist die Denitrifikation in Kläranlagen. Die Natur ist völlig unbeeindruckt davon, wie verbissen, edel, sorgfältig, gut meinend und gründlich oder gar vermeintlich nachhaltig wir das böse Nitrat eliminieren. Wenn die Natur ein Nitratdefizit verspürt, dann beseitigt sie dieses umgehend und ohne Rücksicht auf unsere Befindlichkeiten. Beispiel: Blaualgenblüten in der Ostsee bei Nitratmangel.

Die Natur ruft bei Mangel den blauen Algengeist (der in Wirklichkeit ein Bakterium ist), dem auch wir unser Leben verdanken.

So komisch sind die Sachen, die wir manchmal so machen. Wer kann als Wasserwirtschaftler mit Berufung bei der heutigen „Wasserwirtschaft“ noch ernst bleiben? Nach zwei oder drei Fragen über den Grund des wasserwirtschaftlichen Handelns ist man von der Natur beim Geschäft. Auch 2015 ist das Märchen „Des Kaisers neue Kleider “ des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen hochaktuell. Als ich noch geschätzte 100 Haare mehr auf dem Kopf hatte und nicht nur diese auch noch etwas jugendlicher aussahen, gab es in der TU Dresden, Sektion Wasserwesen, einen kleinen – sagen wir mal – Studentenprotest wegen eines Widerspruchs zwischen Wissenschaft und Praxis. Die Studenten hörten nämlich über die Stickstoffbewertung bei der Abwasserbehandlung in zwei Fächern gegensätzliche Standpunkte über die gleiche Sache. Ich denke, daran hat sich auch heute nichts geändert. Die betroffenen Fachbereiche verabredeten sich zu einer öffentlichen Tagung in der TU Dresden und erörterten ihre Standpunkte. Das war vor über 20 Jahren, genau am 3. Juni 1997.

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 Denitrifikation im Belebtschlammverfahren dient der Begrenzung technischer Probleme

Herr Prof. Lützner wies damals auf die Notwendigkeit der Denitrifikation für einen stabilen Kläranlagenbetrieb hin und führte u. a. fol­gende Argumente an:

  • Blähschlammbekämpfung durch anoxische Selektoren und die Notwendigkeit des Mi­lieuwechsels
  • verstärkte pH-Wert-Proble­me, insbesondere bei wei­chen Wässern, wenn nur nitri­fiziert wird
  • Nutzung des Nitratsauerstoffs für den BSB5-Abbau und da­mit wesentliche Senkung des Energiebedarfs für die Ab­wasserreinigung
  • Vermeidung von Grenzwert­überschreitungen infolge ei­ner wilden Denitrifikation in der Nachklärung.

Des Weiteren wies er darauf hin, dass bei einstufigen Bele­bungsanlagen die biologische Phosphorelimination ohne zu­sätzliche Maßnahmen nicht möglich ist. Auch wirkt Nitrat störend im Faulbehälter. Schließlich sei aus praktischer Sicht festzustellen, dass die in jüngster Zeit gebauten Kläranla­gen bis 20.000 EW im Regelfall über eine simultane aerobe Schlammstabilisierung ver­fügen und durch alternierende Belüftung die geschilderten ne­gativen Betriebsauswirkungen vermindert werden. Und es wurde festgehalten:

Wenn Biologen der Meinung sind, dass für die Gewässer Nitrat keine Belastung darstellt, dann sollte auch auf die Festsetzung von Überwachungswerten ver­zichtet werden und die Denitrifi­kation nur soweit erfolgen, wie sie für den Betrieb der Kläranlage notwendig ist.

Fragwürdig wird es, wenn nur zur Einhaltung der Überwachungswerte externe Kohlenstoffquellen (vorzugsweise auch Ethanol und Methanol) zugegeben werden müssen, wie es bereits jetzt in vielen Kläranla­gen praktiziert wird.

Nitrat als Nutzstoff

In seinen Ausführungen stellte Herr Prof. Uhlmann die von Herrn Prof. Lützner angeführte Notwendigkeit einer Denitrifika­tion für die Stabilität des Reini­gungsprozesses in Kläranlagen nicht infrage. Er wies jedoch nachdrücklich auf sehr gut gesi­cherte Forschungsergebnisse hin, die belegen, dass Nitrat auch als Sauerstoffspender für das Gewässer eine wichtige Rolle spielt. Herr Prof. Uhlmann erläuterte in anschaulicher Wei­se, in welchen Fällen Nitrat als Pflanzennährstoff wirkt, aber auch, dass Nitrat besonders wertvoll für die Sauerstoffver­sorgung von Sedimenten, die Schlammablagerungen in Seen und Meeren, ist.

Der gelöste Sauerstoff wird auf­grund der natürlichen Zeh­rungsprozesse an der Wasser- und Schlammgrenzschicht häufig schnell verbraucht. Allein das Nitrat diffundiert in die tiefe­ren Schlammschichten, so dass dort eine anoxische Nitratat­mung ermöglicht wird. Analog, wie dies in der Denitrifikations­stufe der Kläranlage erfolgt. Eine Sauerstoffversorgung der oberen Schlammschichten ver­hindert z. B., dass sedimentierte Phosphorverbindungen rück­gelöst werden, ähnlich wie dies technisch mit der biologischen P-Eliminierung praktiziert wird.

Fazit:

Stickstoff in der Nitratform ist wohl kaum als eutrophierender Faktor zu werten.

 Verzicht auf Denitrifikation?

Im Resümee verständigten sich die Teilnehmer dazu, dass einer­seits eine Denitrifikation für den störungsfreien Kläranlagenbe­trieb notwendig ist, andererseits aber Nitrat für die Sauerstoffver­sorgung der Sedimente in den Gewässern eine sehr wichtige Rolle spielt, und man deshalb nur soweit denitrifizieren sollte, wie es betrieblich erforderlich ist.

Die Notwendigkeit einer ge­setzlich vorgeschriebenen und behördlich kontrollierten Denitri­fikation in Kläranlagen wurde von den Gesprächsteilnehmern nicht gesehen.

Im Verlauf der Tagung wurde damals weiter disku­tiert, dass in Anwendung der Er­gebnisse das Tropfkörperver­fahren eine Renaissance erle­ben könnte, weil mit Einführung der neuen Abwasserverord­nung seit 01.04.1997 für Kläranla­gen 10.000 EW die Denitrifika­tion nicht mehr erforderlich ist.

Als Fazit hatte ich 1997 formuliert:

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Din­ge; und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müs­sen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

Heute stelle ich fest, dass die Wertung „einige Zeit“ nicht zutrifft. „Bis in alle Ewigkeit“ wäre sicher genauso falsch. Und diese Studenten von 1997 – heute wohl Ingenieure – warten immer noch auf die wasserrechtliche Akzeptanz, dass Nitrat kein Schadstoff sei und es deshalb keinen sachlichen Grund gibt für Nitrat Überwachungswerte festzusetzen oder gar eine Abwasserabgabe zu erheben. Nur am Rande sei erwähnt: Das Gleiche gilt auch für den CSB, mit dem ohne weiteres kein Schadstoffbeweis zu führen ist. Ob Handeln ohne sachlichen Grund in wasserrechtlichen Fällen Willkür ist, mögen Juristen entscheiden.

Irgendwann kann der Eindruck entstehen, dass es uns noch viel zu gut geht, als dass ein goldenes Kalb um sein Leben fürchten muss.

Und täglich wiederbelebt die Hoffnung der Defibrillator:

Die Signale der Wissenschaft­ler der TU Dresden und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sind hochinter­essant und werden hoffentlich bald in den Wassergesetzen vergegenständlicht. Sollten sich in der Gesetzge­bung einschließlich dem EU-Wasserrecht, bei den Ingenieu­ren und Behörden diese Er­kenntnisse durchsetzen, könn­te sich in der Abwasserbehand­lung und Gewässerpolitik das Reglement vereinfachen.

Gebänderte Prachtlibelle

Schädliches Weltbild

Wenn Investitionen wider besseren Wissens mit falschen Vorstellungen und falschen Begriffen begründet werden, dann entstehen Schäden. Genannt seien nur fünf Auswüchse:

  1. Fehlinvestitionen wegen mangelhaften oder fehlenden Nutzen
  2. Schäden durch Verbot effizienterer Investitionen
  3. Fehlurteile in der Rechtsprechung
  4. Minimierung von sonst vermeidbaren nachteiligen Prozessen im Gewässer (Blaualgen, Phosphorrücklösung, Mobilisierung von Schwermetallen)
  5. Wenn Nitrat ein Nutzstoff ist, dann darf bei Nitrateinleitung in ein Gewässer (von Trinkwassertalsperren abgesehen) keine Abwasserabgabe erhoben werden.

Im ersten Fall handelt es sich um Aufwendungen zur Denitrifikation, die in dem Umfang nicht notwendig wären, gäbe es keine Nitrat-Doktrin.

Im zweiten Fall werden Verfahren mit deutlich niedrigerem Energiebedarf verhindert. Alle sollen doch Energie sparen? Wann darf damit richtig begonnen werden?

Im dritten Fall kann eine Überschreitung von Stickstoffüberwachungswerten im Ergebnis zu hoher Nitratkonzentrationen zu einer  Verurteilung der Abwasserbeseitigungspflichtigen führen, obwohl ihnen dafür in der Regel die Verdienstmedallie verliehen werden müsste.

Und der vierte Fall ist ein Paradoxon von bedeutender Tragweite:

Der Gesetzgeber verursacht mit seiner Nitrat-Doktrin tatsächliche und beachtliche Gewässerschäden bzw. wasserwirtschaftliche Effizienzeinbußen.

Was dann geschah…

Einige Jahre nach der Veröffentlichung des Tagungsberichtes „Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte bei der Abwasserbehandlung“ verfasste ich zu dem Thema ein Kapitel in einem Fachbuch, in dem u. a. die Effizienzverluste infolge der Negierung der erwähnten wissenschaftlichen Ergebnisse dargestellt wurden. Herrn Prof. Uhlmann verdanke ich die kritische Durchsicht. Siehe dazu Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung und Nitrat stört den Phosphorkreislauf.

Hin und wieder gibt es ein paar Querdenker.

Mit Amüsement ist zu lesen, dass in Deutschland das Unmögliche natürlich in einem Einzelfall gelang – eine Erlaubnis dafür zu erhalten, um den „Gewässerschadstoff“ Nitrat in einen See zu kippen. Nicht nur ein klein wenig. Sondern richtig ordentlich! Ziel war die Bekämpfung der Blaualgen in einem See durch Nitrat.

Nichts neues, nur in Deutschland strengstens verboten!

Wie man das wasserrechtlich gedeichselt hat, ist mir ein Rätsel.

Damit stellt sich nun die Frage, ob manche bisherigen Sanierungsmaßnahmen für Seen falsch waren?

Also konsequente Herausnahme des gereinigten Abwassers.

Ich hatte beispielsweise zur Sanierung eines  größeren eutrophen Sees mit ausgeprägtem Phosphorkreislauf vor gut 10 Jahren in einem Gutachten vorgeschlagen, die Kläranlagen, die dort damals einleiteten, mit einer Nitrifikationsstufe auszurüsten. Auf diese Weise sollte Nitrat in den See eingeleitet werden, um Blaualgenblüten sowie den Phosphorkreislauf zu minimieren. Das ist immer noch Stand der Wissenschaft!

Der Fakt und das Gutachten wurde von der Gewässerverwaltung ignoriert und man gab anstelle einer wirklich effizienten Lösung lieber einige Millionen mehr vom Geld der Bürger aus, ohne schließlich das Problem des Sees zu lösen.

Ein unbequemer Nichtwasserwirtschaftler brachte es in einer ähnlichen Situation auf den Punkt:

„Also, mit Millionenaufwand wird heute in den Klärwerken in speziellen Denitrifikationsanlagen der Nitratgehalt des Abwassers stark gesenkt und als Folge schmeißt man den energieintensiv erzeugten Nitrat-Kunstdünger hinter den Kläranlagen wieder in die Gewässer.“

Der diesbezügliche Beitrag Fischqualen als Kollateralschaden eines dogmatischen Gewässerschutzes ist im Internet zu finden. Auf jeden Fall amüsant geschrieben und der Autor trifft den Nagel auf den Kopf.

Nitrat-Doktrin wackelt:

Die Nitrat-Doktrin wackelt, wenn die Bauindustrie erkennt, dass sich z.B. mit dem Bau von Tropfkörpern auch schönes Geld verdienen lässt.

Als Resümee und zur Heilung geistiger Wunden lesen oder tanzen 😉 wir Michel de Montaigne:

Drittes Buch, dreizehntes Kapitel „Über die Erfahrung“!

„Überhaupt halten sich ja Gesetze nicht deshalb, weil sie gerecht sind, sondern weil es Gesetze sind. Dies ist die geheimnisvolle Begründung ihrer Gültigkeit; sie haben keine andere; rund das ist gut für sie. Gesetze werden oft, von Dummköpfen geschaffen; öfter noch von Menschen, denen gleichmäßiges Abwägen zuwider ist und die deshalb in dem, was recht und billig ist, versagen; aber jedenfalls immer von Menschen, deren Schöpfungen, wie die aller Menschen, eitel und unklar sind. Nichts anderes ist so schwer und so weitgreifend mit Fehlern belastet wie Gesetze; nirgends treten sie so regelmäßig auf. Wer sie befolgt, weil sie gerecht sind, befolgt sie nicht recht; nicht deshalb ist er ihnen Gehorsam schuldig. …
Man soll der Natur folgen; je einfacher ich mich ihr anvertraue, um so weiser handle ich. Unwissenheit und Sorglosigkeit, ach, was bilden sie doch für ein weiches, angenehmes und zugleich gesundes Kissen zum Ausruhen für einen Menschen mit guten Anlagen.“




Phosphor im Kläranlagenablauf

Phosphor: Ziele versus Umsetzung

Kurzfassung eines Tagungsberichtes von Herrn Bringewski:

Prof. Dr.-Ing. Matthias Barjenbruch (Berlin) referierte über Phosphorelimination auf Kläranlagen und Erreichung der Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie:

  • Die Phosphorelimination auf kommunalen Kläranlagen in Deutschland liegt auf hohem Niveau.
  • Die Eliminationsrate beträgt derzeit im Bundesdurchschnitt etwa 91 Prozent.
  • Weitergehende Maßnahmen und verschärfte Grenzwerte können nur in kleinem Umfang die gesamten Phosphoremissionen reduzieren.
  • Der gute Zustand der Gewässer wird überwiegend aus morphologischen Gründen verfehlt. Deshalb kann eine weitergehende Phosphorelimination nur örtlich begrenzt zur Zielerreichung der Wasserrahmenrichtlinie beitragen.

Download des Vortrag von Herrn Dr. Claus-Gerhard Bergs aus dem Bundesumweltministerium „Phosphor – wo geht die Reise hin? Ziele und Vorstellungen der Politik“

Einige Schwerpunkte aus dem Vortrag von Herrn Bringewski:

  • Notwendigkeit des Phosphorrecyclings
  •  Abwasser/Klärschlamm – Recyclingphosphat kann theoretisch bis zu etwa 60 Prozent der Importe an Rohphosphat (Mineraldüngephosphat) substituieren.
  • Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung verlange ein Konzept für ein technisches Phosphorrecycling in Deutschland.
  • Für die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung sei eine Übergangsregelung von zehn Jahren im Gespräch und eventuell eine „Bagatellregelung“ für kleine Kläranlagen.
  • Regelungen zur bodenbezogenen Klärschlammverwertung und zur technischen Phosphorrückgewinnung werden laut der Präsentation von Bergs in eine Novelle der Klärschlammverordnung aufgenommen, eine separate Phosphorrückgewinnungsverordnung sei nicht mehr vorgesehen.

Quelle:
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall 2015 (62) Nr. 8, S. 678

 




Die Rettung eines Sees

Nitrat macht’s woanders möglich!

Die Lösung ist bekannt, aber in Deutschland verboten, weil man hier glaubt, Nitrat sei ein Schadstoff.

„Bei einigen Seen, wie z. B. beim Trummensee in Schweden, stellte sich die erwartete Oligotrophierung auch nach mehreren Jahren, nachdem das Einzugsgebiet saniert worden war, nicht ein. Die Ursache hierfür lag in der internen Düngung des Sees, die von dem abgelagerten Faulschlamm ausging.
Es wurden Laborversuche durchgeführt, um durch Sedimentbehandlung die interne Düngung zu unterdrücken. Hierbei erwies sich die Zugabe von Nitrat als erfolgversprechend [88,89]. Es zeigte sich:
—    Die organische Substanz im Sediment wird oxidiert, während das Nitrat reduziert wird. 3 CH2O + 2 NO3 N2↑ + 3 CO2↑ + 3 H2O
—    In Sedimenten mit einem hohen Gehalt an abbaubarer organischer Substanz fördert die Zugabe von Nitrat die Bildung von Denitrifikantenpopulationen.
—    Die Produkte der Denitrifikation sind mehr oder minder biologisch inert.
—    Der Denitrifikationsprozeß läuft bei einem relativ hohen Redoxpotential ab, so daß sogar Eisensulfid oxidiert wird.  Damit steht das Eisen wieder zur Festlegung von Phosphor zur Verfügung.

Quelle:
Scharf, B., u.a.
Seenrestaurierung
(Seite 321)
in
Besch, u.a.
Limnoökologie für die Praxis
Gerundlagen des Gewässerschutzes
3. Auflage
ecomed
1992

Das Einleiten von Nitrat in Gewässer zur Minimierung oder Vermeidung einer Blaualgenblüte ist eine von mehreren Maßnahmen.

Allgemein gilt:

Wo Nitrat ist, haben Blaualgen keine Chance!

Ebenso können auch Angler zur Gewässerverschmutzung beitragen, wenn Fried- und Jungfische nicht hinreichend minimiert werden.

Diese nämlich fressen Algenfresser.

So einfach ist das. Alles brachliegendes, unnützes Hochschulwissen.

Mit anderen Worten: Wer Seen von Nitrat und Raubfischen befreit, darf sich dann darüber wundern, dass er mit Blaulagen und trübem Wasser belohnt wird!

Siehe auch:

 

 




Keine Angst vor Abstraktionen!

„Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einer aktuellen Entscheidung zu der Frage Stellung genommen, ob neue DIN-Normen sofort zu einer Nachrüstpflicht bei Unternehmen führen. Im konkreten Fall ging es um eine Klägerin, die sich an einer halbautomatischen Glastür verletzt hatte.“

„Nicht jeder abstrakten Gefahr könne vorgebeugt werden.“

Quelle: HDI-Gerling Industrie Versicherung AG

 

 




Effizienz wasserwirtschaftlicher Maßnahmen in Ökosystemen

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen müssen effizient sein.

Das ist naheliegend und auch der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu entnehmen. Im Anhang III (Wirtschaftliche Analyse) der Richtlinie wurde formuliert: „Die wirtschaftliche Analyse muss (unter Berücksichtigung der Kosten für die Erhebung der betreffenden Daten) genügend Informationen in ausreichender Detailliertheit enthalten, damit

a)
die einschlägigen Berechnungen durchgeführt werden können, die erforderlich sind, um dem Grundsatz der Deckung der Kosten der Wasserdienstleistungen gemäß Artikel 9 unter Berücksichtigung der langfristigen Voraussagen für das Angebot und die Nachfrage von Wasser in der Flussgebietseinheit Rechnung zu tragen; erforderlichenfalls wird auch Folgendem Rechnung getragen:

– den Schätzungen der Menge, der Preise und der Kosten im Zusammenhang mit den Wasserdienstleistungen,
– den Schätzungen der einschlägigen Investitionen einschließlich der entsprechenden Vorausplanungen;
b)
die in Bezug auf die Wassernutzung kosteneffizientesten Kombinationen der in das Maßnahmenprogramm nach Artikel 11 aufzunehmenden Maßnahmen auf der Grundlage von Schätzungen ihrer potentiellen Kosten beurteilt werden können.“

Erfahrungen und Referenzen

Für diese nachvollziehbaren Effizienznachweise besitzen wir langjährige Erfahrungen und nutzen auch interdisziplinäre Zu- bzw. Mitarbeit.

Die Methode

Methodisch wird dabei u. a. der zusätzliche Nutzen, seine Wahrscheinlichkeit definiert und dies in das Verhältnis zu den voraussichtlichen zusätzlichen Kosten gesetzt.

Ausgangspunkt ist eine ökologisch korrekte Prüfung oder Bewertung für einen konkreten Organismus und/oder für dessen Habitat.

Dabei konzentrieren wir uns auf Tiere im und am Wasser.

Der Schwerpunkt

Letztlich geht es darum zu untersuchen:

Sind die geplanten meist zusätzlichen Schutzmaßnahmen hinreichend nützlich für den konkreten Zielorganismus sowie verhältnismäßig und verstoßen sie nicht gegen das Sparsamkeitsprinzip?

Tiere im und am Wasser

 

 




Starkregen überstieg den üblichen Bemessungsregen

38,1 mm Niederschlag in Schneidenbach (Vogtland) am 22.07.2015 bis 21:00 Uhr

2015_07_Starkregen_Schneidenbach_UH

Sehr viel CSB in der Göltzsch bei Schneidenbach, abends am 22.07.2015 nach einem Starkregen

Bewertung der Regenspende

In 15 Minuten fielen 21,4 mm Niederschlag. Auf einen Hektar fielen demnach 214.000 l Wasser. Das entspricht einer Regenspende von ca. 238 l/sha.

Der Bemessungsregen (KOSTRA) für dieses Gebiet beträgt bei einer einjährigen Wiederkehr und einer Regendauer von 15 Minuten 123 l/sha.

Die Überschreitung des Bemessungsregens betrug 115 l/sha bzw. 94 %.

Mit einem solchen 15 Minutenregen (Regenspende von 238 l/sha) ist im langjährigen Mittel aller 6 Jahre zu rechnen.

Die Gewässer werden häufig nur bei schönem Wetter bewertet.

So kann der Eindruck entstehen, wenn es darum geht , den Abtrieb jedes Milligrämmchens abfiltrierbaren Feststoffes oder des fiktiven Bedarfes von chemischen Sauerstoff aus Kläranlagen in die Gewässer zu verhindern. (Fiktiv deshalb, weil ein Gewässer oder ein Wasser unmöglich einen Bedarf an chemischen Sauerstoff hat oder haben kann, wenn er nach der DIN 38409, Teil 41, H 41-1 im Labor bestimmt wird. Es wäre sehr hilfreich und ein Quantensprung im Wasserrecht, wenn der CSB-Begriff wieder einen sachlichen Inhalt bekäme. )

Die Natur verunreinigt sich aber oft in erheblicher Weise selbst und verschmutzt sich – wie das Foto anschaulich beweisen mag – in einem solchen Maße mit CSB, dass in analoger Weise Geschäftsführer, Bürgermeister oder einfache Bürger als Betreiber von Kläranlagen in arge Erklärungsnot vor dem Staatsanwalt kommen würden, sähe der Ablauf ihrer Kläranlagen so natürlich aus, wie z. B. die Göltzsch nach einem Starkregen am 22.07.2015 oder wie der Ablauf eines Karpfenteiches bei seiner „Ernte“.

Die Überlegung soll darüber zum Nachdenken anregen, ob denn nicht nur beim Gewässer- und beim Naturschutz viele Vorstellungen und Regelungen auf Fiktionen und Doktrinen beruhen, so dass denen allesamt meist zwei Dinge fehlen dürften:

  • die Logik beim „Öko“
  • und die Wissenschaftlichkeit.

Die Wasserrechtler unterscheiden zudem feinsinnig zwischen erlaubter und unerlaubter Gewässerverschmutzung.

Liegt gar ein „Tatbestand der Diskriminierung“ vor, wenn und weil gleiche Sachverhalte, z. B.

  • Nährstoffeintrag durch die industrielle Landwirtschaft in die Gewässer,
  • Einleitung von Abwasser in einen Straßengraben oder in einen trockenfallenden Graben,
    • anaerob teilgereinigt nach DIN 4261-1 oder
    • aerob biologisch gereinigt

völlig unterschiedlich

  • strafrechtlich,
  • wasserrechtlich und
  • abwasserabgabenrechtlich

bewertet werden?

Könnte es sein, dass durch derartige gesetzliche Dogmen der Gesellschaft erhebliche Schäden entstehen, weil die wasserwirtschaftliche Effizienz der betreffenden Investitionen vom Gesetzgeber selbst verhindert wird?

Begünstigen manche gesetzlich definierten Schadstoffe, z. B.

die tatsächlich keine sind oder die nur unter ganz bestimmten Bedingungen zu unerwünschten Entwicklungen führen, Verstöße gegen das Sparsamkeits- und das Effizienzprinzip?




Abstrakte Gewässerbewertungen

Prof. Dr. Winfried Lampert Direktor am Max-Planck-Institut für Limnologie, Abteilung Ökophysiologie (24306 Plön) und Prof. Dr. Ulrich Sommer (Institut für Meereskunde an der Universität Kiel) verfassten ca. 1992 ein Fachbuch „Limnoökologie“, das in der zweiten Auflage 1999 erschien. Dem Kapitel „Stellung der Ökologie in der Gesellschaft“ sind folgende immer noch sehr aktuelle Hinweise zu entnehmen:

Stellung der Ökologie in der Gesellschaft

„Die Betonung des naturwissenschaftlichen Charakters der Ökologie widerspricht einer Erwartungshaltung, die in weiten Teilen unserer Gesellschaft verbreitet ist. Es herrscht vielfach die Meinung, die Ökologie könne der Grundlegung einer neuen Ethik oder einer neuen politischen Doktrin dienen. Derartige Erwartungen stecken in Formulierungen wie „Ökologie und Ökonomie versöhnen“, „ökosoziale Marktwirtschaft“, „Ökosozialismus“ etc.

Solche Forderungen an eine Naturwissenschaft widersprechen sowohl deren Wesen als auch dem Wesen einer demokratischen Gesellschaft.

Naturwissenschaften können Theorien darüber anbieten, wie die Natur funktioniert. Sie können jedoch nicht angeben, welcher Zustand der Natur ein erhaltenswürdiger Wert oder ein erstrebenswertes Ziel menschlichen Handelns ist.

Die Festsetzung solcher Werte und Ziele ist keine Aufgabe der Wissenschaft, sondern eine Aufgabe des demokratischen Entscheidungsprozesses.

Weder Ökologen noch irgendwelche anderen Experten haben in diesem Entscheidungsprozess größere Rechte als andere Menschen.

Die Aufgabe des Experten besteht allenfalls darin, Wege zum Erreichen von Zielen aufzuzeigen und Konflikte zwischen verschiedenen, für sich genommen durchaus berechtigten Zielen frühzeitig zu erkennen.

Selbst dann, wenn ein gesellschaftlicher Konsens bestünde, daß die „Gesundheit von Ökosystemen“ als schutzwürdiger Wert höchste Priorität genießt, könnte die Ökologie nichts zur näheren Definition dieses Wertes beitragen.

Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten. Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.

Auch die anerkanntesten und konsensfähigsten Ziele der Umweltpolitik folgen nicht zwingend aus den Erkenntnissen der Ökologie. Neben der Reduktion gesundheitsschädlicher Emissionen dienen die meisten Bestrebungen des Umwelt- und Naturschutzes zwei übergeordneten Zielen: der Erhaltung der Diversität und der Wiederherstellung bzw. Erhaltung einer möglichst großen Geschlossenheit der biogeochemischen Kreisläufe. Beides sind Ziele, die mittlerweile vielen Menschen einleuchten; sie sind jedoch in menschlichen Werturteilen begründet und nicht in wissenschaftlichen Lehrsätzen. Die Ökologie kann zwar aufzeigen, daß eine anthropogene Öffnung von Stoffkreisläufen unerwünschte Auswirkungen hat (mehr Nährstoffaustrag aus dem Boden —> mehr Bedarf an Düngung —> mehr Eutrophierung der Gewässer); es entzieht sich jedoch ihrer Kompetenz, zu bewerten, wie unerwünscht diese Auswirkungen sind.“

Quelle:
Limnoökologie
Winfried Lampert und Ulrich Sommer
2., überarbeitete Auflage
Georg Thieme Verlag Stuttgart • New York 1999
(Seite 446 – 447)

Mit diesen Bewertungen stehen die Autoren nicht allein. Die Aufzählung von Ökologen, die diese Darstellung teilen, kann auf Anhieb ergänzt werden.

Die übliche Gewässerbewertung in „gut“, „schlecht“ oder „fast gut“ führt zu beliebigen und willkürlichen Investitionen und Kosten.

Eine wasserwirtschaftliche Effizienz ist mit abstrakten Prämissen nur scheinbar zu begründen. Vergleiche auch den Aufsatz „Wassergütewirtschaft – Gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft“ von Herrn Prof. Kroiss der TU Wien.

Für die Plausibilitätsprüfung genügt es oft, wenn man selber das konkrete Gewässer an verschiedenen Stellen besichtigt und sich eine eigene Meinung bildet.

Auch wäre ggf. zu zeigen und erklären:

  • Was denn am Gewässer konkret schlecht ist?
  • Und wie wahrscheinlich ist es dass sich der Zustand mit der gewünschten Investition tatsächlich ändert?
  • Und ob denn der zusätzliche eventuell eintretende Nutzen die meist erheblichen Mehrkosten auch tatsächlich rechtfertig?
  • Und ob ein prüffähiger Effizienzbeweis vorliegt?
  • Und welche Garantien gegeben werden, dass es tatsächlich zu der Zustandsänderung kommt?

Ergänzende Hinweise: Ökologismus

 




Einsatz von Kleinkläranlagen eher bedeutungslos für den Gewässerschutz

Falsche Prämisse und falsche Konklusion

Der KA – Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall 2000 (47) Nr. 10 S. 1514 – 1524 ist zu entnehmen:

„In Deutschland waren 1996 rund 90,5% der Bewohner an kommunale Abwasseranlagen angeschlossen. Auf der Basis von Untersuchungen mehrerer tausend Anlagen, Ergebnissen von Umfragen bei Wasserbehörden sowie bei Herstellern von Kleinkläranlagen kann abgeschätzt werden, dass die 9,5% der Bevölkerung überschlägig bis zu maximal 44 % der durch Einwohner erzeugten Gesamt-CSB-Emissionen aus Abwasserbehandlungsanlagen und damit eine hohe Belastung der Gewässer verursachten. Der Einsatz von Kleinkläranlagen besitzt daher eine große Bedeutung für den Gewässerschutz.

Diese Begründung ist gleich mehrfach falsch:

  1. Der Gesamt-CSB erlaubt keine Beurteilung der Gewässerbelastung, auch wenn Tausende von derartigen Messungen vorliegen sollten.
    Beweis: wasserchemisches Grundlagenwissen und Logik
  2. Wenn der Gesamt-CSB keine Beurteilung der Gewässerbelastung erlaubt, dann ist es mit dieser Prämisse unmöglich zu schließen, dass der Einsatz von Kleinkläranlagen eine große Bedeutung für den Gewässerschutz besäße. Zudem wurde in wasserwirtschaftlichen Modellen nachgewiesen, dass Kleinkläranlagen für die Gewässerbelastung – von Ausnahmen mal abgesehen – bedeutungslos sind. Der Schwerpunkt der Gewässerbelastungen liegt bei Flächeneinträgen verursacht durch die industrielle Landwirtschaft.



Ein offensichtlich sehr sauberes Gewässer

Der Holzbach im Vogtland bei Weißensand – Gedanken beim Morgenspaziergang

Die Bewertung der Gewässer ist Arbeitsgebiet mannigfaltiger Experten. Dabei wird das Gewässer anhand von Regeln geprüft. Entspricht das Gewässer den Regeln, dann ist alles gut. Mitunter sind zur Gewässerbewertung auch keine Experten notwendig. Dann nämlich, wenn der Wanderer Mut und Freude dabei hat, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.  So kann er damit beginnen nachzudenken, warum es z. B. zahlreiche saubere Gewässer gibt und kein Mensch sich darüber freut.

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Mäander des Holzbaches kommen häufig vor.

Wie erkennen wir ohne Biologiestudium hinreichend genau einen sauberen Bach?

Nun, durch Anschaung. Sehen, riechen, nachdenken und kosten! Um saubere Gewässer zu erkennen, muss der Wanderer kein Wasserwirtschaftler sein. Es genügt in aller Regel, wenn er schaut und riecht.

Eine Regel ist abstrakt! Der Experte kennt das Konkrete im Einzelfall!

Dazu ein kleiner Ausflug zur Bedeutung einer Regel. Regeln beim „Gewässerschutz“ werden oft begründet, indem die Lebendigkeit, Dynamik und Vielfalt der Natur auf eine leicht zu merkende, bequeme und möglichst effizient umzusetzende Einfalt – auf eine Regel nämlich – reduziert wird.  Denn Einfalt aus wasserwirtschaftlichem Nichtwissen und völliger Ahnungslosigkeit verleihen der Regel scheinbare Bedeutsamkeit. Die Naturgesetze sind leider vielfältig und die Natur kennt keinen Konsens. Wer also offenen Auges durch die Landschaft geht, sieht die zahlreichen „Schiffbrüche“. Regeln oder Vorschriften  des Menschen straft die Natur duch Missachtung. Hier grenzt die Weltanschauung an den Glauben und Ideologie, wenn wir Mensch und Natur trennen.  Der Mensch ist Teil der Natur und er verändert sein Ökoystem genauso wie ein Bieber Bäume fällt und Dämme errichtet.

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Sehr klares Wasser des Holzbaches

 Der Holzbach – ein Einzelfall.

Versuchen wir konkret zu werden. Zunächst wäre zu prüfen, ob der Holzbach schön aussieht. Das tut er zweifellos. Das Einzigste was regulär stört, ist die nahe Wiese. Eine Wiese, selbst wenn seltene Blumen auf ihr wachsen, ist natürlich nicht natürlich. Ich finde Wiesen einerseits schön. Andererseits gibt es aber extreme Menschen, die hassen Menschen und damit auch seine Wiesen. Wie man also sieht, kommt es bei der Gewässerbewertung auch auf den Standpunkt an.

Das Wasser des Holzbaches ist klar. Auch der Porenzwischenraum der Bachsohle ist sauber, nicht veralgt und nicht verschlammt. Ein guter Lebensraum für Fischnährtiere, andererseits wollen die Bachflohkrebse auch die eine oder andere Alge fressen. Diese reichen nicht für alle!

Nicht zu vermitteln ist der Geruch des Wassers. Sein Wasser ist aber geruchlos, so wie es sein soll.

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Der Holzbach am 07.02. 2015

 Sauberes Wasser ist tödlich!

Sauberes Wasser hat einen oft verschwiegenen Nachteil: Es ist für Fische zumeist tödlich. Sie verhungern, wenn sie nicht ab und zu in etwas „verunreinigte“ Gewässerabschnitte schwimmen können oder dürfen.

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Ein vereister Abschnitt.

 Der Holzbach mündet in die Göltzsch.

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Das Mündungsdelta des Holzbaches in die Göltzsch.

Man erkennt auch hier keinerlei Schlammablagerungen.

Die Abschnitte des Holzbaches im dunklen Wald.

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Auch hier klares Wasser

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Der Göltzschtalwanderweg von Mylau nach Weißensand an der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Die Weißensander Autobahnbrücke (A72) bebüschelt und im Gegenlicht

Nun, da wir jetzt auch hier sind, möchte ich die Eindrücke von der Göltzsch zum Schluss nicht vorenthalten.

Die Göltzsch:

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Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen)

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Die Göltzsch nach Weißensand (Sachsen)

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Nistgelegenheiten für den Eisvogel am Prallhang

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Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen) – Ablagerungen nach dem letzten Hochwasser

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Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen)

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Der alte Bahndamm an der Göltzsch bei Weißensand (Sachsen) im Gegenlicht.

Bei nächster Gelegenheit wird von anderen Abschnitten des Holzbaches berichtet. Vielleicht wenn es wärmer ist.

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Ein alter Göltzschtalbaum am Ufer der Göltzsch, die deshalb Göltzsch heißt, weil es hier noch Göltzsch (Gold) gibt!

 




Gewässerbelastung

Ohne Subjekt keine Belastung!

Der im Zusammenhang mit der Gewässerbeurteilung häufig verwendete Begriff „Belastung“ ist wissenschaftlich unpräzise und beliebig deutbar.

Außerdem suggeriert der Begriff eine unbewiesene, negativ wertende Deutung, die Denken und Handeln sachlich unbegründet in bestimmte Richtungen lenkt.

Unsachliche, meist abstrakte Begriffe sind wichtigste Voraussetzungen für Manipulationen und Fehlentscheidungen.

Ökosysteme sind wertfrei und kennen deshalb keine Belastung.

Voraussetzung für die korrekte Definition einer Belastung ist der Beweis, ob und wenn ja für welche Tierart tatsächlich eine Belastung vorliegt.

Anderenfalls wäre es eine zustandsneutrale Fracht.

Im Übrigen ist der „schlechte“ wasserchemische Gewässerzustand III mit seiner wasserchemischen „Belastung“ für sehr viele Tiere gar nicht so „belastend“, wie allgemein geglaubt wird.

Ein „Belastung“ kann durch aus produktiv und höchst lebendig wirken.




Blaualgen und Badegewässer

Jährlichen Blaualgenkampagnen in der Presse fehlt Verhältnismäßigkeit und Sachlichkeit

Empfehlungen des Umweltbundesamtes zum Schutz der Badenden vor Cyanobakterientoxinen

Die Empfehlungen des Umweltbundesamtes zum Schutz der Badenden vor Cyanobakterientoxinen sind dem Internet zu entnehmen [1].

Schaut man sich diese Veröffentlichung mal genauer an, so ist diese durchaus nachvollziehbar.

Nur eine so große Gefahr für Badende – welche die jährlich auftretenden Pressekampagnen rechtfertigen – ist aus ihr nicht abzuleiten. Der Leser mag selbst urteilen. Hier nur einige kommentierte Auszüge aus der Empfehlung:

  • „Die Mehrzahl dieser Beobachtungen wurde im Zusammenhang mit dem Genuss von kontaminiertem Trinkwasser dokumentiert.“ (Also keine gesicherte Kenntnis über Badegefahren.)
  • „Zur Exposition beim Baden liegt, neben einzelnen Kasuistiken, bisher nur eine systematische epidemiologische Untersuchung aus Australien [16] vor.“ (Kasuistiken = Einzelfälle)
  • „Welche Bedeutung derartige Reaktionen für Badende haben, kann zurzeit jedoch noch nicht abgeschätzt werden.“ (Blaualgen begleiten den Menschen seit es ihn gibt. Nur als er begann Muscheln zu essen, die ihrerseits Blaualgen filtrierten, wurde es problematisch.)
  • „Aus der Sicht des Gesundheitsschutzes kommt den systemischen Wirkungen der Cyanotoxine nach oraler Aufnahme die größte Bedeutung zu.“ (Oral, d. h. Blaualgen trinken!)
  • „In diesem Zusammenhang stellen im Uferbereich der Badestelle spielende Kleinkinder im Krabbelalter aufgrund ihres Spielverhaltens und durch ihren häufigen Hand-Mund-Kontakt, bei dem sie unbeabsichtigt größere Mengen Sand und Wasser aufnehmen können, eine besondere Risikogruppe dar. Auch Kinder im Grundschulalter können beim Toben im Flachwasserbereich größere Wassermengen aufnehmen.“

„Eine Risikoabschätzung für Badende ist vor dem Hintergrund der eingeschränkten toxikologischen und epidemiologischen Datenlage nur mit großen Unsicherheiten möglich.“

Nicht plausibel ist allerdings die folgende Konklusion wegen fehlerhafter Begründung:

„Aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Baden in eutrophen, stark mit Cyanobakterien belasteten Gewässern ein Gesundheitsrisiko darstellt, insbesondere bei wiederholter Exposition innerhalb weniger Tage bis Wochen bei hoher Zelldichte bzw. Toxinkonzentration.“

Korrekt wäre dagegen:

Aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Baden in eutrophen, stark mit Cyanobakterien belasteten Gewässern ein Gesundheitsrisiko darstellt, insbesondere bei wiederholter Exposition innerhalb weniger Tage bis Wochen bei hoher Zelldichte bzw. Toxinkonzentration.

Wenn einerseits festgestellt wird

„Eine Risikoabschätzung für Badende ist vor dem Hintergrund der eingeschränkten toxikologischen und epidemiologischen Datenlage nur mit großen Unsicherheiten möglich.“

dann kann andererseits nicht behauptet werden

„Aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes muss jedoch davon ausgegangen werden,…“

Das Wörtchen „muss“ vermittelt Gewissheit, die ja in diesem Fall – wie in der Empfehlung korrekt selbst bewiesen – nicht vorliegt.

Insofern ist festzustellen:

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Badende im Wasser mit Cyanobakterientoxinen vergiften, ist wahrscheinlich sehr gering.

Dieses Feststellung vermag folgendes Indiz zu begründen: Es gibt zu wenige (wenn nicht sogar keine) erkrankten Badegäste in Deutschland, um die Besorgnis einer Vergiftung der Badegäste durch Blaualgen zu rechtfertigen. In warmen Gegenden mag die Gefahr aufgrund der höheren Stoffwechselgeschwindigkeit der Bakterien und damit einer deutlich schnelleren Teilung durchaus größer sein.

Die Besorgnis einer Vergiftung der Badegäste durch Blaualgen in Deutschland ist sachlich nicht nachvollziehbar, wohl eher vorsorglich überbewertet. Das Baden an sich ist lebensgefährlich (a). Die Blaualge ist damit verglichen harmlos.

Die Gefährlichkeit mancher Blaualgenarten ist einerseits unbestritten, andererseits hindert aber sicherlich häufig der gesunde Menschenverstand vor einem Bad in einer solchen grünen, undurchsichtigen Brühe. Genau das scheint der Hauptgrund für fehlende Vergiftungen oder Hautreizungen der Badenden durch Blaualgen zu sein. Theoretisch ist ja alles konstruierbar, aber wer geht in der Praxis in einem solchen Wasser, das unappetitlich aussieht und dessen  Algen zum Himmel stinken tatsächlich baden und wer lässt seine Kinder an solchen Teichen spielen?

Die Praxis scheint zu beweisen, dass die Gefahr, beim Baden durch Blaualgen vergiftet zu werden, oder dass man eine Hautreizung erleidet, gering ist.

Bewertung der für Cyanobacter kritischen Pges.-Konzentrationen

Nach den Empfehlungen des Umweltbundesamtes [1] können in thermisch geschichteten und insbesondere in großen Gewässern Cyanobakterien bereits ab 20 µg/l Gesamt-Phosphor dominieren (manchmal auch darunter) und in kleinen und durchmischten Gewässern eher ab 30-40 µg/l.

Wenn man nun mit Sicherheit Cyanobakterien ausschließen möchte, dann ist das wohl bei Konzentrationen < 20 µg/l Gesamt-Phosphor.

Orientiert man sich eher an kleinen und durchmischten Gewässern, dann gelten 30-40 µg/l Gesamt-Phosphor als kritisch.

Wenn das Ziel formuliert wird, Konzentrationen < 20 µg/l Gesamt-Phosphor zu erreichen, dann  ist es interessant sich eine Vorstellung von der „Kleinigkeit“ des Zieles zu machen: 20 µg/l Gesamt-Phosphor – das wären z. B. 20 g in 1.000 m³ Wasser. Um in einem See eine Konzentration von 20 Mikrogramm Phosphor/l  (= 20 g/1.000 m³) zu erzeugen, die eine Blaualgenblüte verspricht, braucht man die Landwirtschaft als Frachtmitverursacher nicht. Im FREMSA-Modell (S. 6) kalkulierte man für Sachsen-Anhalt  die  Phosphorfracht aus der Luft (u. a. Niederschlag) in Höhe von 0,58 kg Pges./haa. Ein See ohne Zu- und Abfluss (z. B. 100 m x 100 m x 2 m Tiefe = 20.000 m³)  bräuchte also 400 g Pges., um eine Konzentration von 20 Mikrogramm Phosphor/l  zu erreichen. Danach wäre nach 8 Monaten das Maß voll, d. h. es wäre die Pges.-Konzentration für eine Blaualgenblüte erreicht, wobei es nicht darauf ankommt, ob der Grenzwert nun 20, 30 oder 40 µg/l Gesamt-Phosphor beträgt. Dann dauert es eben ein Jahr oder zwei Jahre länger. Demnach müssten also fast alle Seen mit Blaualgenblüten zu kämpfen haben. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Also gibt es noch mehr Faktoren als nur eine Phosphorgrenzkonzentration, die eintreten muss bzw. müssen damit es zu einer Blaualgenblüte kommt oder nicht kommt. Immerhin könnte nach Uhlmann (1975)  sich in dem Modellsee eine Blaualgentrockenmasse von kalkulatorisch ca. 29 kg bilden, die bei einem angenommenen Wassergehalt von 90 % in 290 kg Algenfrischmasse umzurechnen wäre. Würden sich nun alle Blaualgen an der Wasseroberfläche versammeln – was nie der Fall ist –  dann wäre dies eine Schicht von 0,03 mm Mächtigkeit. Wie man erkennt, braucht man für eine  „richtige“ Blaualgenblüte eine größere Phosphorkonzentration als nur  20 oder 40 µg/l Gesamt-Phosphor. Daran sieht man wieder einmal, dass es nicht nur auf die Konzentration ankommt, sondern wohl in erster Linie auf die Dosis. Na ja, so etwas lernte man schon in der Grundschule oder noch früher, als Mutti Tabletten an das Kind austeilte und dabei immer auf die Dosis achtete.

Und:

  • Nicht alles was grün ist und auf dem Wasser schwimmt ist eine Blaualge.
  • Nicht jede Blaualge ist giftig.
  • Manche kann man sogar essen und werden auch gegessen.

Ein starkes Indiz:

Übermäßige Abwasserreinigung begünstigt Blaualgenblüten.

Blaualgen scheinen dann günstige Lebensbedingungen zu haben, wenn die Nitratkonzentration im Gewässer niedrig ist.

Nitrat wird aber in vielen Kläranlagen oft sachlich unbegründet beseitigt, denn Nitrat ist nur unter besonderen Bedingungen unerwünscht (Grundwasser, Trinkwassertalsperren…).

In vielen anderen Fällen ist es ein wertvoller Nutzstoff, der sogar so nützlich ist, dass er für die Sanierung von Seen Verwendung findet. Ob ein Stoff nun schädlich oder nützlich ist, kann sachlich nur durch eine Einzelfalluntersuchung geklärt werden, aber keinesfalls z. B. durch den Anhang 1 der Abwasserverordnung. So handelt es sich bei dem Anhang 1 der Abwasserverordnung um einen Konsens, dem die wissenschaftliche Grundlage (z. B. das Wirken der Naturgesetze) teilweise verloren ging.

Und:

Jungfische begünstigen ebenso Blaualgenblüten!

Jungfische fressen Wasserflöhe und Wasserflöhe fressen Algen.

Also, vereinfacht formuliert:

Keine Jungfische = viele Wasserflöhe = weniger Algen.

Das Fangen von Raubfischen begünstigt also Blaualgenblüten!

D. h. Blaualgenblüten können viele Verursacher haben.

 


(a) 2013: Erschreckende Bilanz der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft: In diesem Jahr hat sich die Zahl der Badetoten fast verdoppelt. 250 Menschen sind in Deutschland während der Sommermonate im Wasser ertrunken. Radio Hamburg meldet zu den häufigsten Ursachen für Badeunfälle: „Aber auch Stellen an denen Müll in den See geschmissen worden ist oder dort wo viele Wasserpflanzen wachsen ist die Gefahr sich unter Wasser zu verfangen groß. Die häufigsten Ursachen für Badeunfälle sind Überhitzung, Selbstüberschätzung und gerade bei Nicht-Schwimmern, aufblasbare Tiere oder Luftmatratzen . Dieses Wasserspielzeug bietet ein hohes Gefahrenpotential, da sie von diesen Tieren auch abrutschen können und dann Ertrinkungsgefahr droht. Damit Sie in Zukunft vorbereitet sind und erkennen, wenn jemand ertrinkt, gibt es hier ein paar Tipps, die Leben retten können. Um den tödlichen Ausgang von solchen Unfällen zu vermeiden, sollten Sie sich regelmäßig über Erste-Hilfe- und Wiederbelebungsmaßnahmen informieren.“ … Und kein Wort von Unfällen durch Blaualgen!

Literatur

[1] Empfehlung des Umweltbundesamtes zum Schutz von Badenden vor Cyanobakterien-Toxinen
Bundesgesundheitsbl. – Gesundheitsforsch. – Gesundheitsschutz
2003, 46, S: 530-538




Tödlicher Gewässerschutz

“Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt? Wir können nicht all diesen Tieren die Nahrung wegnehmen und dann darüber klagen, dass sie seltener werden.“ Reichholf

Gebänderte Prachtlibelle

Quelle:
Reichholf, Joseph, H.
Die Zukunft der Arten
C.H. Beck
2. Auflage 2006, S. 63

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gebänderte Prachtlibelle

Nährstoffarme Wiesengräben und –flüssen sind kein guter Zustand für die Gebänderte Prachtlibelle und
ein guter wasserchemischer Zustand kann durchaus sehr schlecht für viele Tiere sein.

Im Sinne des s.g. Verschlechterungsgebotes darf durchaus gedeutet werden, dass bei Vorkommen von Gebänderten Prachtlibellen der „schlechte“ wasserchemischer Zustand nicht verbessert werden darf, weil dies schlecht für die Prachtlibellen wäre.




Notwendige, aber nicht hinreichende Lebensbedingung

Für gute Lebensbedingungen für ein konkretes Tier – nehmen wir eine Forelle (KForelle ) – seien wenigstens folgende Prämissen gegeben:

P 1      notwendige (aber allein nicht hinreichend) wasserchemische Qualität

P 2      notwendige (aber allein nicht hinreichend) hydromorphologische Qualität

P 3      notwendiges (aber allein nicht hinreichend) Angebot von Fischnährtieren

Also gilt:

KForelle =  P 1 ∩ P 2∩  P 3

Das heißt, gute Lebensbedingungen für die Forelle (KForelle ) gibt es mit Gewissheit frühestens erst dann, wenn alle notwendigen Prämissen erfüllt sind.

Jede dieser einzelnen Prämissen ist zwar notwendig, aber nicht hinreichend.

Zudem gilt, der schlechteste Erfüllungsrad einer dieser Prämissen bestimmt den Gesamterfüllungsgrad, genau wie das schwächste Glied einer Kette wirkt.

Aus dem Grund sind alle Bemühungen um irgendwelche chemischen oder biologischen Merkmale des Gewässers solange vergebens, wie eine Bedingung  – im allgemeinen ist es die Hydromorphologie – hinterher hinkt.

Die Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips erfordert es, das die Prämissen P1-P3 nahezu gleichzeitig erfüllt werden und nicht in der Weise, dass heute die biologischen Voraussetzungen erfüllt werden und z.B. erst Jahre später vielleicht die Hydromorphologie verbessert wird.

In dem Rahmen darf an die Ungeschicklichkeit nach der Wende erinnert werden, wo es vereinzelt vorkam, dass erst die Kanäle errichtet wurden und Jahre später die zugehörigen Kläranlagen. Damit entstanden nicht refinanzierbare Investitionen. Eine korrekte Wasserwirtschaft muss genau so etwas durch sorgfältige Planung verhindern.




Schweizer Blaualgen

Bademeister kämpft gegen Blaualgen

Obwohl der Hüttwilersee eine gute Wasserqualität hat, treibt ein Algenfilm am Ufer des Strandbads. Während sich die Betreiber ärgern, baden zahlreiche Besucher trotzdem im Wasser.

„Eine gesundheitliche Gefahr ist der Algenpelz aber nicht. Wie Ehmann sagt, können die Algen Gift absondern. Allerdings sei diese toxikologische Konzentration viel zu gering, um gesundheitliche Schäden auszulösen.“




Abstrakte Gefährdungen

 

„Je höher das zu schützende ‚Gemeinwohlinteresse‘ als Rechtsgut, umso eher darf an Stelle von Verboten konkreter Gefährdungen auf abstrakte Gefährdungen zurückgegriffen werden.“

Quelle:
Jae-Yoon Kim
Umweltstrafrecht in der Risikogesellschaft: ein Beitrag zum Umgang mit abstrakten Gefährdungsdelikten
Dissertation
Cuvillier Verlag Göttingen
1. Auflage 2004

Kommentar:
Damit entscheidet der Sieg im Kampf um die Deutung der für abstrakte Verbote hinreichenden Höhe des Gemeinwohlinteresses.
Den Nährstoff „Phosphor“ würde ich in der Regel (Ausnahme z.B. Trinkwassertalsperre) nicht als hinreichend für Verbote abstrakter Gefährungen bewerten.
U. Halbach

 




Kein Paradies ist vollkommen…

Michael Klonovsky

29. Juni 2014

Auf einer Alm im Schwarzwald lasse ich mich unweit einer Schar Kühe nieder, von denen einige nahezu euphorisch auf den unverhofften Besuch reagieren und sich zu mir gesellen. Das Wäldchen in der Talsenke, die sattgrünen, sonnenbeschienenen Wiesen, die vereinzelten Bäume oberhalb der Alm, der weite Himmel, die Abwesenheit menschengemachter Geräusche, die gutmütigen Wiederkäuer: Alles ist Idylle. Aus der Nähe freilich bemerke ich die Fliegengeschwader an den Augen der Tiere, auch vereinzelte Bremsen auf ihren Rücken. Kühe sind denkbar schlecht ausgestattet, solche Plagegeister zu verscheuchen, Ohrenwackeln und Schwanzwedeln helfen wenig, sie müssten Hände haben oder bedienstete Wedelträger, so aber dulden sie stumm und stoisch, mit Ausnahme einer jüngeren Schwarzweißen, die immer wieder versucht, sich mit den Hinterläufen zu kratzen und später den Kopf an der Flanke einer Kameradin reibt, natürlich vergeblich, denn die Fliegen tanzen nur auf und kehren sofort danach zurück. Kein Paradies ist vollkommen, dachte ich seufzend. Und mit wurde klar, warum Satan auch der Herr der Fliegen geheißen ward. Auf die Menschenwelt übertragen: Journalisten …

http://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna

Kommentar:
Dieses anschauliche Szenario von Herrn Klonovsky verführt zu einigen ökologischen Überlegungen. Logisch übertragen auf ein Ökosystem wären Kühe, Bremsen und Fliegen in ihm gleichwertig. Der Beweis der Willkür bei der „ökologischen Bewertung“ liegt in diesem Beispiel in der Präferenz der Kuh. Dafür fehlt aber der ökologisch-sachliche Grund, weil die Ökologie eine wertfreie Wissenschaft  ist. Damit ist die Bewertung willkürlich und hat zur Ökologie keinerlei Bezug. Willkürliche Bewertungen sind aber nur dann anrüchig, wenn die Willkürlichkeit verschleiert oder verschwiegen wird. Und genau dies ist aber die Regel bei sog. „ökologischen Bewertungen“. Wer behauptet, aus ökologischen Gründen müsse dies oder jenes getan werden, ist entweder unwissend oder er schwindelt.

U. Halbach




Abstraktionen – Embryonen von Macht und Willkür

Abstraktionen – eine übliche, sehr unsichere Quelle der Erkenntnis

Üblich, aber problematisch ist die Bewertung von Einzelfällen mittels Regeln oder Normen. Der Vorteil liegt neben anderen – auch sehr negativen – Effekten insbesondere in der Einsparung von Denkarbeit, verbunden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von Fehlschlüssen im Vergleich zu Tatsachenfeststellungen in der konkreten Natur.

Regeln sind bekanntlich Ergebnisse von Abstraktionen. Sofern es sich um wissenschaftlich nachvollziehbare Abstraktionen handelt, können diese nach den Gesetzen der Induktion nur wahrscheinlich oder unwahrscheinlich, aber nie wahr oder falsch sein. Beweis z.B.: ZOGLAUER [1], SALMON [3].

In dem Moment, wenn die Informationen über die Wahrscheinlichkeit einer Regel – aus welchen Gründen auch immer verloren gehen – steigt zusätzlich die Wahrscheinlichkeit von Fehlschlüssen, weil der Nutzer der Regel von der falschen Annahme ausgeht, die Regel führe zu wahren Erkenntnissen und Urteilen.

Die Deutungsvielfalt des Abstraktionsprozesses ausgehend vom Konkreten (eine kleine Stadt) zum Abstrakten (Kuben) und von diesem „konkreten“ Abstrakten erneut zum Konkreten (chinesische Puppe) hat der Künstler und Mathematiker ESCHER [2] in geradezu perfekter und eindrucksvoller Weise veranschaulicht. Siehe hierzu Abbildung http://www.mcescher.com/gallery/woodcut/metamorphosis-i/

Bezogen auf die üblichen Abstraktionen der EU WRRL stellen die Kuben die „guten ökologischen Zustände“ dar und die „Deuter“ können in diesem Falle rätseln oder ohne stichhaltige Begründung schlicht behaupten (aber nie beweisen), dass der konkrete Ursprung der Abstraktion die kleine Stadt oder die chinesische Puppe war. Abstraktion verursacht somit Beliebigkeit.

Und Nicolás Gómez Dávila bringt es so auf den Punkt: „Verallgemeinerung erweitern unsere Macht und verarmen unseren Geist.

 

Quellen:

[1]       Zoglauer, T.
Einführung in die formale Logik für Philosophen
4. Auflage Vandenhoeck & Ruprecht
Göttingen 2008

[2]       Ernst, B.
Der Zauberspiegel des Maurits Cornelis Escher
Taschen GmbH
Köln 2007
http://www.mcescher.com/gallery/woodcut/metamorphosis-i/

[3]       Salmon
Logik
Reclam
Stuttgart 1983

 




Mauerseglersterben – ein Eigentor!

Es ist schon paradox!

Gewässerschutz kann  auch tödlich sein. Zumindest für jene Tiere, deren Nährstoff  „Phosphor“ minimiert wird.

Und dann wundert sich der Laie, dass in dem nun klaren Wasser lauter Leichen schwimmen.

Verhungert eben.

Stimmt nicht?

Doch!

Siehe: Übermäßiger Gewässerschutz

Und nun haben die Schweizer Streß, ihre selten gewordenen Mauersegler zu retten.

Schlagzeile: Hausabbruch löst Drama um seltene Jungvögel aus!

„St.Galler Tierschützer sind aufgebracht. Nachdem ein Haus mit Mauersegler-Nestern abgebrochen wurde, müssen sie drei Jungvögel aufpäppeln. Verantwortlich sei die Stadt.“

Das wäre nicht nötig, würde es die 600.000 (verhungerten?) Brutpaare noch geben.

Die Moral von der Geschichte?

Das Gute hat immer schlechte Konsequenzen!

Warum?

Logisch, weil man nur gut sein kann, wenn man anderen schadet.

Und das  Schlechte sollte man beim Gewässerschutz in der gleichen Weise analysieren und bewerten, ähnlich wie ein Arzt, der die Vorteile und die unerwünschten Nebenwirkungen eines Medikamentes kennt und abwägt.

Bei Nichtberücksichtigung des Schlechten besteht  Grund zur Besorgnis wegen Willkür.

Eigentlich alles simpel.

Der Fachmann staunt: Warum handeln wir dann so dumm?

Frosch

Frosch in der Elbaue

 

 




Kein Einklang

Natur: Macht sie euch untertan!

Von Jan-Philipp Hein

Quelle: Novo Argumente

Zitat:

„Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, was minus vier Dioptrien für Sie als Steinzeitmensch im Auge des Mammut bedeutet hätten? Fielmann gab es noch nicht. Damals galten Darwins Gesetze großflächig, soweit sie nicht hier und da schon mit dem Faustkeil oder einem Rad überlistet werden konnten. Wie man es dreht und wendet: Es ist ein Segen, die Natur besiegt zu haben. Gleichzeitig schreit uns die Sehnsucht nach der Natur oder dem, was für Natur gehalten wird, von jeder Plakatwand an. Kosmetika, Nahrungsmittel oder Wellnessprodukte sollen uns immer „das Beste aus der Natur“ liefern, weil wir es uns wert seien. So oder ähnlich ruft es uns die Werbung zu.

Mutter Natur“, so wird uns suggeriert, sei immer gut für uns. Das ist reichlich infantil. Natur ist ein ziemlich grausames Prinzip. Natur bedeutet hohe Säuglingssterblichkeit, Natur ist das Recht des Stärkeren, des Schnelleren, des Skrupelloseren, die Natur würde Menschen mit Behinderungen einfach aussortieren und angeborene Herzfehler wären ein natürliches Todesurteil. Mit ihren grausamen Prinzipien schafft die Natur dieses berühmte „natürliche Gleichgewicht“, nach dem seltsamerweise so viele streben. Wir sollten dagegen froh sein, darauf nicht mehr angewiesen zu sein und uns darüber erhoben zu haben. Inklusion ist zum Beispiel kein natürliches Prinzip, sondern eine zutiefst menschliche Idee. Die Natur hätte auch keine Rollstühle oder Herzschrittmacher erfunden. Das alles wird natürlich (!) keinen Öko-Romantiker daran hindern, einen „Einklang mit der Natur“ anzumahnen.“

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Teich bei Eisenach (Thür.)

 

 





Phosphor als Nährstoff

Atuelle Ergebnisse aus der Schweiz:

Fischer wollen Seewasser düngen

„Nach ihren deutschen Kollegen wollen nun auch die Schweizer Bodenseefischer mehr Phosphat in den See leiten. Umweltschützer lehnen das Ansinnen ab.“

„Die Erträge der Bodenseefischer sind in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. Grund ist das saubere Seewasser. Moderne Kläranlagen filtern fast alles Phosphat aus den Abwässern. Resultat: Die Fische finden weniger Nahrung, ihre Bestände gehen zurück, die Tiere werden weniger gross.“

„Das Vorhaben der Fischer stösst bei Umweltschützern jedoch auf wenig Gegenliebe: WWF und Pro Natura haben bereits klargemacht, dass sie von einer «Aufdüngung des Bodensees» wenig halten.“

Zu der Rolle der Nichtregierungsorganisationen (NGO) siehe z.B.:

  1. NovoArgumente: Dossiers : Grüne NGOs

    www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_dossiers/gruene_ngos/

    Grüne NGOs. Wolfgang Branscheid: Biofleisch: Globuli fürs Klima Der Öko-Landbau gilt als die politisch korrekte Produktionsform. Heiße Luft: Erfolge für Natur …

  2. EU: NGO-Förderung geht am Bürger vorbei – Novo

    www.novo-argumente.com/…/novo…/eu_ngo_foerderung_geht_am_bu…

    22.05.2014 – Die EU-Förderung für NGOs muss reformiert werden; sie ist … So definiert, sind NGO private Körperschaften und prinzipiell förderungsfähig.

  3. Was Sie (auch) über NGOs wissen sollten – Novo

    www.novo-argumente.com/…/novo…/was_sie_auch_ueber_ngos_wissen…

    25.03.2010 – Der Titel „Friends of the EU“, eine Anspielung auf die eingangs genannte

Siehe auch Gewässerschutz verursachte Fischsterben und arbeitslose Fischer




Verhältnismäßiger (?) Aufwand für ein konkretes Ziel

Zitat 1:

„Schön ist auch die Geschichte über die Kammolche. Entlang der geplanten A 44 zwischen Kassel und Eisenach wurden seinerzeit große Kammolchkolonien (1700 Tiere) entdeckt. Genau genommen in einer ehemaligen Klärgrube bei Helsa in Nordhessen. Aufgrund seiner natürlichen Geschwindigkeit kann der Kammolch nur sehr schwierig Verkehrswege überqueren und kommt daher sehr schnell unter die Räder. Parallel zur geplanten Autobahn soll eine Straßenbahnlinie für den Nahverkehr gebaut werden. Jetzt hatten die Molche ein zusätzliches Problem. Doch die Lösung war schnell in Sicht: Die Bahntrasse wird auf Ständer gestellt. Und um die Tiere vor den Autos zu schützen, werden jeweils zwei Tunnel von 1200 bis 2000 Metern Länge geplant. Zwar konnte eine Fauna-Flora-Habitat-Verträglichkeitsprüfung für diese Planung keine Beeinträchtigung der Kammolchlebensräume feststellen, das Bundesverkehrsministerium empfiehlt aber trotzdem einen durchgehenden Tunnel mit der Begründung einer „Vermeidungsstrategie des Lebensraumes bedrohter Tiere“. Die Folge: Mehrkosten von über 50 Millionen Euro und eine Bauverzögerung von sechs Monaten. Inzwischen soll sich dort die Population der Kammolche auf 5000 erhöht haben.“

„Dem Steuerzahler ist ein Kammolch derzeit also rund 10.000 Euro wert.““

Quelle http://ef-magazin.de/:

Verkehrspolitik: Durch meinen Garten wird niemals eine Autobahn gebaut!
von Frank Schäffler
„Deutschland im Stau“
27. Juni 2014

Zitat 2:

Am Ende fanden die Forscher in sechs Gutachten für insgesamt fast zwei Millionen Euro heraus, dass im Schwanheimer Wald genau eine männliche Bechsteinfledermaus beheimatet war. Eine wichtige Nachricht konnten die Biologen der erstaunten Öffentlichkeit dennoch mitteilen: Der Fledermausmann war nachweislich sexuell inaktiv.“

Keine Einzelfälle:

  • Falsche Schneckenbewertung wird aufwändig korrigiert: „Man solle, sagt Pfenninger, mit dem Begriff „invasiv“ künftig vorsichtiger sein. Hoffen wir, dass seine Kritik an einem starren Naturverständnis Gehör findet. Bis sie sich durchsetzt, wird es noch lange dauern. Denn, das wissen wir von Günter Grass, „der Fortschritt ist eine Schnecke.““
    Quelle: Maxeiner & Miersch

 

 

 

 





Abstrakt oder Konkret

Das Erkennen und Bewerten des Abstrakten (Regeln) und des Konkreten (Anschauung) ist für die Enttarnung von Manipulationen, Interessen und Geschäften unbedingte Voraussetzung. U.H.

Michel de Montaigne (1533 – 1592)

  • Was haben unsere Gesetzgeber dadurch gewonnen, daß sie hunderttausend Arten von besonderen Tatsachen ausgewählt und darauf hunderttausend Gesetze gemacht haben? Die Zahl hat nicht das geringste Verhältnis mit der verschiedenen Unendlichkeit menschlicher Handlungen. Die Vervielfältigung unserer (darauf bezüglichen) Erfindungen wird niemals an der Verschiedenheit der Beispiele reichen.
  • Jedes Ding hat hundert Glieder und hundert Gesichter.

und vor gut 400 Jahren (!) über die „guten“ abstrakten Ziele der EU-WRL:

Das menschliche Denken wird sinnlos, wenn es kein bestimmtes Ziel hat.

Nicolás Gómez Dávila:

  • Experten kann es nur für zweitrangige Angelegenheiten geben. Das Wichtige läßt sich niemals auf Normen zurückführen; es bleibt Wagnis des Verstandes.
  • Nichts beunruhigt den Verstand so sehr wie der Versuch, unserer abstrakten Vorstellungen von der Materie mit unserer konkreten geistigen Erfahrung zu verbinden.
  • Da Erklären Definieren bedeutet, wirkt die Erkenntnis dort nicht erläuternd, wo Individualität ihr Gegenstand ist.
  • Nichts Authentisches lässt sich mit Argumenten beglaubigen.
  • Für den, der es beobachtet hat das Ereignis soviele Bedeutungen wie es Zusammenhänge hat.
  • Verallgemeinerung erweitern unsere Macht und verarmen unseren Geist.
    Anmerkung: Das ist der Grund warum die Umweltindustrie und die viele Gewässerverwaltungen so an den Regeln und abstrakten Gefahren „kleben“  Nicht umsonst hat das Buch von Nicolás Gómez Dávila „Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten“ den Untertitel: „Ausgewählte Sprengsätze“.  U.H.
  • Die Theorie irrt, wenn sie die Realität auf Kategorien beschränkt, die ihre Manipulation erlauben. Die Praxis irrt, wenn sie so vorgeht, als ob die Theorie nicht irrte.
  • Der Autor, der das Konkrete klar zu sehen vermag, bewegt sich unverletzt zwischen idiotischen Ideen.
  • Die ungenauen Begriffe, die eine talentierter Autor mit Geschick handhabt, blenden den Nachahmer, der sie am Ende mit vulgarisierter Rhetorik darstellt.
  • Abstrakte Wahrheiten nennen wir die trockenen Flußbetten, durch die das Wasser irgendeines Wolkenbruches fließt.
  • Von einer Regel pflegen mir nur die Ausnahmen gültig zu sein.

Und kontra Regelwerke, Normen, „bio“. „öko“, „gut“, „böse“ und „ökologische Zustände“

Weder in der Natur der Welt noch in der menschlichen Natur gibt es Spuren von Normen. Die Normen entstehen durch Einmischung des Willens. Eines der Wahrnehmung des Wertes unterworfenen Willens.

Arthur Schopenhauer

  • Eben weil Worte bloße Allgemeinbegriffe, welche von den anschaulichen Vorstellungen durchaus verschieden sind, mitteilen, werden z.B. bei der Erzählung einer Begebenheit, zwar alle Zuhörer die selben Begriffe erhalten; allein wenn sie nachher sich den Vorgang veranschaulichen wollen, wird jeder ein anderes  Bild  davon in seiner Phantasie entwerfen, welches von dem richtigen, das allein der Augenzeuge hat, bedeutend abweicht. Hierin liegt der nächste Grund (zu welchem sich aber noch andere gesellen) warum jede Tatsache durch Weitererzählen notwendig entstellt wird: nämlich der zweite Erzähler teilt Begriffe mit, die er aus  seinem  Phantasiebilde abstrahiert hat und aus denen der Dritte sich wieder ein anderes noch abweichenderes Bild entwirft, welches er nun wieder in Begriffe umsetzt, und so geht es immer weiter. Wer trocken genug ist, bei den ihm mitgeteilten Begriffen stehn zu bleiben und diese weiter zu geben, wird der treueste Berichterstatter sein.“
  • „Das Wissen, die abstrakte Erkenntnis, hat ihren größten Wert in der Mittelbarkeit: erst hierdurch wird sie für das Praktische so unschätzbar wichtig.“
  • Daß Bücher nicht die Erfahrung und Gelehrsamkeit nicht das Genie ersetzt, sind zwei verwandte Phänomene: Ihr gemeinsamer Grund ist, daß das Abstrakte nie das Anschauliche ersetzen kann.
  • Intuitiv nämlich oder in concreto ist sich eigentlich jeder Mensch aller philosophischen Wahrheiten bewußt: Sie aber in sein abstraktes Wissen, in die Reflexion zu bringen, ist das Geschäft des Philosophen, der weiter nichts soll noch kann.

Schopenhauer, A.
Die Welt als Wille und Vorstellung
Dritte, verbeserte und beträchtlich erweiterete Auflage
Voltmedia, Paderborn

***

  • „Ein konkreter Begriff ist ein Begriff, den man „zur Definition einzelner Gegenstände (einer Art) oder zu einer Behauptung über einen beliebigen von gleichartigen Gegenständen benutzen“ kann[1] (Beispiele: Pferd, Mensch, Haus). Als konkreter Begriff, im Gegensatz zum abstrakten Begriff, wird ein bestimmter, gegebener Gegenstand oder eine bestimmte Klasse von Gegenständen bezeichnet: z. B. Hotel, Berlin, Umgebung, Apfel.
  • Ein abstrakter Begriff ist ein Begriff, der benötigt wird, „um eine Eigenschaft von Gegenständen oder eine Relation zwischen einzelnen Gegenständen zu definieren oder zu repräsentieren“[1] Beispiele dafür sind: Mut, Röte, Liebe, Hass, Menschenwürde. Er bezeichnet nicht gegenständliche Entitäten, wie Freiheit, Geist, Sein, sowie gegenständliche Entitäten, wie Natur, Materie, Ding, Leben usf.“

[1] Tatievskaya, Aussagenlogik [2003], S. 53

Zitat: Wikipedia

***

Fjodor Michailowitsch Dostojewskij (1821 – 1881)

Der Mensch besitzt eine solche Leidenschaft für Systematik und abstrakte Folgerungen, daß er es fertigbringt, bewußt die Wahrheit zu verdrehen und mit sehenden Augen nicht zu sehen und mit hörenden Ohren nicht zu hören.

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Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz

  • Klarheit in den Worten, Brauchbarkeit in den Sachen.
  • Auf der Unterscheidung unserer Vorstellungen beruht das Bewußtsein. Wenn Vorstellungen zu schwach oder mit anderen zu eng verbunden sind, um für sich hervorzutreten, so sind sie zwar in uns, aber sie kommen uns nicht zum Bewußtsein.
  • Das Vermögen, welches die Verbindung der Wahrheiten untereinander einsieht, heißt im eigentlichen Sinne die Vernunft.

Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz (1646 – 1716)
bedeutender deutscher Mathematiker, Physiker, Philosoph
Sprachwissenschaftler und Historiker

***

Johann Wolfgang von Goethe

  • Alles Abstrakte wird durch Anwendung dem Menschenverstand genähert, und so gelangt der Menschenverstand durch Handeln und Beobachten zur Abstraktion.
  • Man tut nicht wohl, sich allzulange im Abstrakten aufzuhalten. Das Esoterische schadet nur, indem es exoterisch zu werden trachtet. Leben wird am besten durchs Lebendige belehrt.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), deutscher Dichter der Klassik, Naturwissenschaftler und Staatsmann

Søren Aabye Kierkegaard

Das Ethische ist als solches immer abstrakt.

Søren Aabye Kierkegaard (1813 – 1855), dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller

***

Adolf Diesterweg

Adolf Diesterweg ein deutscher Schulreformer (1790 – 1866) stimmt mit Schopenhauer darin überein, dass Erkenntnis durch die Definition des Konkreten aus dem Abstrakten nicht gewinnbar ist:

Alles klare und sichere Erkennen der Jugend geht nur aus Anschauungen hervor, sowohl das Erkennen äußerer Dinge, als das Erkennen innerer Zustände des Geistes selbst. – Gehe vom Äußerlichen aus und schreite von da aus zum Begrifflichen fort, vom Einzelnen zum Allgemeinen, vom Konkreten zum Abstrakten, nicht umgekehrt.“

***

Konsequenz des Abstrakten, siehe Vorreyer:

So bestehen in erheblichem Maße Auslegungsprobleme; infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten, den gemeinsamen Rahmen zu umgehen, so dass zurzeit kaum etwas darüber ausgesagt werden kann, ob der Rahmen für eine wirklich harmonisierte, wettbewerbsvereinheitlichende Gewässerschutzpolitik ausreicht.

Vorreyer, Christian
Erläuterungen zur Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG)
durchgesehen und ergänzt von Friedrich Schröder
Stand: Juni 2007
Wasserrecht für die betriebliche Praxis
2008 WEKA MEDIA GmbH & Co. KG




Stand der Technik – unangenehme-Wahrheiten

Zunächst die offizielle Definition und einige Aufsätze:

Und nun von den Kritikern der Technik die unangenehmen Wahrheiten:

 

Nicolás Gómez Dávila

  • Um zu erreichen, daß der Techniker sich ausschließlich in seinem Amt befleißige, komprimiert die Industriegesellschaft sein Hirn, ohne seinen Schädel zu deformieren.
  • Der Techniker erlangt nur selten das Bewußtsein seines Elends. Der Wissenschaftler ist sich des seinen zwar gewöhnlich bewußt, doch er kuriert es mit der Philosophie aus, die er im Ramschladen an der Ecke billig erstanden hat.
  • Die Kosten für den Fortschritt lassen sich in Dummköpfen berechnen.
  • Über nichts ärgert sich der Fortschrittler so sehr, wie über die Starrsinnigkeit desjenigen, der sich weigert, das Sichere dem Neuen zu opfern.
  • Um die Patienten heilen zu können, den sie im 19. Jahrhundert verwundete, mußte ihn die Industriegesellschaft im 20. Jahrhundert verblöden. Der Preis für industriellen Wohlstand ist die geistige Misere.
  • Die Dummheit des Einzelnen entspricht in etwa proportional dem Enthusiasmus, den eine Maschine in ihm erwecken kann.
  • Den Hohlkopf beeindruckt nur das Allerneueste. Für den klugen Menschen hängt nichts vom Datum ab.
  • Das technisch Perfekte ist stets unzulänglich.
  • Die Macht der Technik ist nur unbegrenzt um zu zerstören und zu erniedrigen.

Kommentar: Ich nehme an, dass Dávila bei seinen Überlegungen eher die Übertreibungen im Blick hatte. In Bezug auf die  Bestimmung des Standes der Technik nach Anhang 2 Wasserhaushaltsgesetz dürften seine Weisheiten aber sicherlich zutreffen.  Es wird zwar mitunter darauf hingewiesn, bei der Bewertung des Konkreten durch eine abstrakte Regel den Verstand zu benutzen. Dies gelingt wohl allerdings deshalb nur ausnahmsweise, weil der Verstand eben eher ausnahmsweise vorkommt. U. Halbach

Regel der Technik

Allgemeine Begriffe und großer Dünkel sind immer auf dem Wege, entsetzliches Unglück anzurichten.

Johann W. von Goethe, Maximen und Reflexionen

***

Die Regel als Fiktion

Der Allgemeinbegriff ist nichts anderes als eine gewisse Fiktion.

Wilhelm von Ockham
* um 1285 in Ockham in der Grafschaft Surrey, England;
† 9. April 1347 in München

***

Michael Klonovsky

14. Juli 2014

Also von mir aus kann der Fortschritt sofort aufhören.

http://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna




Problematische Gewässerbewertungen

Prophezeiung von künftigen Gewässerzuständen

Die Ergebnisse der Gewässerzustandsbewertungen fließen häufig in Computermodelle ein, um zu beweisen, dass mit einer bestimmten Änderung wasserchemischer Parameter ein notwendiger Zielzustand erreicht wird. Dabei wird das Risiko, dass der Nutzen tatsächlich eintritt oder dass das Ziel überhaupt erreicht werden kann, entweder nicht untersucht oder verschwiegen.

Eine seriöse wissenschaftliche Prognose wäre es dann, wenn der Wahrheitswert angegeben wurde.

Oftmals ist es aber auch so, dass der Wahrheitswert der Prognose auf dem Weg von seiner wissenschaftlichen „Befruchtung“ hin zu seiner kommerziellen „Geburt“ einfach verloren ging, vielleicht auch deshalb, weil die Ungewißheit der Botschaft den Kunden in seinem Kaufverhalten stören könnte? Wer braucht schon nachdenkliche Käufer?

Nicolás Gómez Dávila (Auf verlorenem Posten – Karolinger Verlag, gebundene Ausgabe – 1992) brachte es auf den Punkt:

Wer bedenkenlos Prophezeiungen macht, hat eine Schwindelei im Sinn.

 

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Das Risko der Gewässergüte“vorhersagung“ ist mitunter Produkt aus 3 wesentlichen Risikofaktoren:

  1. Kein Mensch kann die Zukunft vorhersehen.
  2. Auch bei Nutzung von Computermodellen ist keine Gewissheit möglich.
  3. In der Regel wird beim Gewässerschutz nicht bewiesen, dass es mit dem Computermodell gelingt, bekannte vergangene  Zustände zu beschreiben. Man weissagt oft mit Modellen die Zukunft, die aber nur  selten in der Lage sind, die Vergangenheit zu beschreiben.  So erfreuen sich auch primitive Mischungsberechungen als Beweis zur Notwendigkeit einer Verschärfung von Überwachungswerten zunehmender Beliebtheit.

Das Verschweigen der Risiken bei der Zielsetzung kollidiert grob fahrlässig mit dem gesetzlich formulierten Sparsamkeitsprinzip.

Ob das wirklich so und ob es gewiss ist, darüber kann man reden und man muss einen vorsorglich nachhaltigen Konsens finden.

Dieses Dilemma ist aber bislang noch niemanden aufgefallen, weil eine solche Art der Zielsetzung von der Verantwortung für das resultierende Investitionsrisiko geschickt getrennt wurde.

Analoge Mängel und Risiken scheint es nebenbei bemerkt auch bei der Prognose des Klimawandels zu geben. Und es wäre ein Wunder, wenn nicht! Lennart Bengtsson:

Die Klimaerwärmung ist bis jetzt kein ernsthaftes Problem, wenn wir uns auf Beobachtungen stützen. Problematisch wird sie nur, wenn wir uns auf Modellsimulationen beziehen.

Quelle:
Lennart Bengtsson
Wissenschaft und Politik des Klimawandels,
Neue Zürcher Zeitung
Montag, 14. April 2014

Lennart Bengtsson war bis 1990 Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg.
Nach seiner Emeritierung hat er unter anderem die Abteilung Erdwissenschaften am International Space Science Institute in Bern geleitet.




Vielfalt vs. Vereinheitlichung

Öko-Logisches vom Experten

Zahlreiche Broschüren und Bücher des Herrn Prof. Josef H. Reichholf sind für den Laien und Naturfreund als Einstieg in das hochinteressante Fachgebiet der wissenschaftlichen Ökologie sehr gut geeignet. Die lebendige Darstellung der Zusammenhänge sowie deren kurzweilige Präsentation macht der Erlernen der Grundlagen der Ökologie zur Freude. Enttäuschend ist allerdings, dass die ökologischen Fakten und Grundlagen zu selten in wasserrechtlichen Entscheidungen oder gar bei der Gewässerverwaltung berücksichtigt werden.

Nun ein Auszug aus dem Buch“Naturschutz. Krise und Zukunft“ (S.52-59) mit freundlicher Empfehlung von Herrn Prof. Josef H. Reichholf:

Vielfalt vs. Vereinheitlichung
Recht unterschiedlich entwickelte sich dagegen in den letz­ten Jahrzehnten der Artenreichtum in den Gewässern. Im 19. Jahrhundert gab es in Flüssen und Seen nicht nur eine Fülle von Arten, sondern auch hohe, sehr ertragreiche Fischbestände. Früher als in der Landwirtschaft setzte hier jedoch im Zuge des Ausbaus der Flüsse die strukturelle Vereinheitlichung ein. Die größeren und großen Flüsse wurden zum Teil schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts begradigt. Der sogenannte Längsverbau be­deutete eine Kanalisierung, durch die der Abfluß beschleunigt und die Auen mit ihren Auwäldern vom Fluß getrennt wurden. Durch die rasche Eintiefung der begradigten Flüsse nahmen die früher häufigen Überschwemmungen ab. Sie beschränkten sich nun auf die selteneren starken Hochwässer. Daher konnten die ursprünglich hauptsächlich als Weideland genutzten Flußauen »in Kultur genommen« werden. Die Auwälder wurden gerodet und, wo das möglich war, in Felder umgewandelt. Trotzdem blieben die meisten Flüsse hinsichtlich der Fischereierträge recht produktiv. Das lag allerdings daran, daß von so gut wie allen Siedlungen, gleich, ob es sich um kleine Fischerdörfer oder gro­ße Städte handelte, menschliche Abwässer ungeklärt eingeleitet wurden. Die große Menge organischer Reststoffe, die darin ent­halten war, düngte die Flüsse, nährte die Kleintiere darin und kam damit den Fischen zugute. Der Verlust der Auen und der daraus stammenden pflanzlichen Abfallstoffe wurde durch die Abwässer der Menschen nicht nur ausgeglichen, sondern sogar übertroffen.

Jahrhundertelang war es also so, daß die strukturelle Verar­mung aufgrund der Begradigung durch die steigenden Abwas­sermengen der Menschen weitgehend ausgeglichen wurde. Doch dann nahm in den sechziger Jahren eine neue Entwick­lung ihren Lauf. Die Waschmittel bekamen Zusätze, die einen hohen Gehalt an Phosphaten aufwiesen. Diese düngten nun die Flüsse, insbesondere aber die Seen, in die Abwässer eingeleitet wurden, in einem nie dagewesenen Ausmaß. Wasserpflanzen fingen an zu wuchern, Gewässer verkrauteten, häufig waren sie nun mit stinkenden Massen absterbender Algen bedeckt. Ande­re Zusätze, die dazu dienten, die Oberflächenspannung des Wassers zu reduzieren, führten dazu, daß sich Schaumberge auf den Gewässern bildeten. Bald nahm das Fischsterben immer größere Ausmaße an. Die Gegenmaßnahmen (Kläranlagen zur Reinigung der Abwässer) wurden teuer. Die Waschmittel muß­ten (weitgehend) wieder phosphatfrei werden, und schon nach wenigen Jahrzehnten änderte sich die Lage erneut dramatisch: Aus Kloaken wurden wieder saubere Gewässer, in denen man sogar baden und Fische für den Verzehr angeln konnte.

Die frühere Menge an Fischen stellte sich allerdings nicht wie­der ein; natürlich nicht, denn es fehlte nun den „Nährtieren“ der Fische an Nahrung. Die Auen gab es längst nicht mehr. Kaum fünf Prozent der ursprünglichen Auwälder hatten die Regulierun­gen überlebt. Die begradigten Flüsse schwemmen all das, was an natürlicher Nahrung in ihr Wasser gelangt, viel zu schnell davon und transportieren es letztlich ins Meer. Der Abbau der Blätter oder anderer Pflanzenstoffe, insbesondere von Schwemmholz, braucht jedoch viel Zeit. Diese steht bei den »abflußertüchtig­ten«, begradigten Gewässern nicht mehr zu Verfügung. Auch der Rückbau zu natürlicheren Zuständen kann die frühere Pro­duktivität aus dem gleichen Grund nicht oder nur unvollständig wiederherstellen, wenn es am Fluß keine Auwälder mehr gibt. Es ist – allerdings nur in bezug auf die organischen Reststoffe – ­in unseren Gewässern genau das Gegenteil dessen geschehen, was sich an Land in Feld und Flur (und auch in den Wäldern, wenngleich in erheblich geringerem Maße) vollzogen hat. Die frühere Überdüngung wurde zurückgenommen und hat inzwi­schen dem Mangel Platz gemacht. Der Artenvielfalt kommt das zugute, nicht aber der Produktivität der Gewässer. Die Vielfalt erreicht dennoch bei weitem nicht die früheren Verhältnisse, weil gleichzeitig eine andere Form der Düngung zugenommen hat, die alle Gewässer massiv belastet. Es sind dies die Dünge­mittel mineralischer Art aus der Landwirtschaft, insbesondere Nitrate. Sie begünstigen weiterhin und sogar zunehmend das Wachstum bestimmter Algen, die jedoch keinen Ersatz für die organischen Reststoffe darstellen. Vielmehr verkleben sie das so­genannte Sandlückensystem unter dem überströmten Sand und dem feinen Kies in den Flüssen und an den Seeufern. Zuwenig Frischwasser mit Sauerstoff gelangt in die feinen Kanäle dieses Sandlückensystems, in denen sich die Eier mancher Fischarten entwickeln (würden, wenn sie noch könnten). Die Veralgung des Gewässerbodens beeinträchtigt die Kleintiere, die sich als Filtrierer betätigen. Sichtbar wird diese Veränderung, die auch ganz klare Fließgewässer erfaßt hat, an den Algenbärten an den Steinen am Flußgrund und dem Fehlen von Muscheln. Inzwi­schen werden zwar die menschlichen Abwässer außerordentlich gut gereinigt, nicht aber die ungleich größeren Mengen (je nach Region übertreffen sie die Abwässer der Menschen um das Drei­- bis Fünffache) aus der landwirtschaftlichen Viehhaltung. Die Reste des Mineraldüngers und die ins Grundwasser sickernden, gelösten Inhaltsstoffe der Gülle beschicken unsere Gewässer mit einem so hohen Übermaß an belastenden Stoffen, daß sich die großen Erfolge der menschlichen Abwasserreinigung in moder­nen, hochgradig wirkungsvollen Kläranlagen in den Gewässern nicht dem Aufwand entsprechend umsetzen. Die Kosten für die hoch effizienten und daher enorm teuren (man kann das an den horrenden Abwassergebühren ablesen) Kläranlagen stehen also in kaum einem sinnvollen Verhältnis zu den Ergebnissen in der Natur. Die Zielsetzungen von Natur-und Umweltschutz, die doch gerade im Hinblick auf das Abwasser miteinander kon­form gehen sollten, klaffen hier weit auseinander. Dementspre­chend finden sich viele im Wasser lebende Arten auf den Roten Listen, obwohl Jahrzehnte der Gewässerreinhaltung mit einem finanziellen Aufwand, der in die Milliarden ging, doch eigent­lich längst zu „Entwarnung“ und reichen Ernten bei den Fischen hätten führen sollen.“

Quellenangabe:
Josef H. Reichholf
Naturschutz. Krise und Zukunft.
edition unseld – SV
Erste Auflage
Surkamp-Verlag Berlin 2010
ISBN 978-3-518-26031-9

Siehe auch den aktuellen Beitrag NovoArgumente Online: Naturschutz: Betreten verboten!

Oder weitere Bücher:

Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

Reichholf, J.H.
Der schöpferische Impuls
Eine neue Sicht der Evolution
Erstveröffentlichung 1992
Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart
ISBN: 3-421-02763-3

Reichholf, J.H.
Stabile Ungleichgewichte
Die Ökologie der Zukunft
edition unseld
SV 2008
ISBN: 978-518-26005-0

Reichholf, J.H.
Ende der Artenvielfalt
Fischer Taschenbuchverlag
2008, 2010

Reichholf, J.H.
Die Zukunft der Arten. Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch
erschienen März 2005
237 Seiten, 25 Abb., Paperback
C.H. Beck Verlag, ISBN: 3406527868

Reichholf, J.H.
Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends
erschienen April 2007
S. Fischer Verlag , Frankfurt am Main
ISBN: 978-3-10-06294-5

Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch
2. Auflage 2003
Wagenbach Verlag Berlin , ISBN: 3 8031 24425




Seltenheitswert! Hurra! Ein Abwasserpilz!

Der Abwasserpilz ist selten geworden!

Verdient er unseren Schutz?

Wird so etwas im Bach gefunden…

Abwasserpilz

Foto 1: Sphaerotilus natans – Abwasserpilz – Gewässergüteklasse III oder auch III-IV

…dann darf ohne universitäre Spezialbildung auf den Gewässergütezustand III getippt werden.

Sieht es dagegen so aus:

Foto 2: Sphaerotilus natans & Weißfärbung der Gewässersohle – Gewässergüteklasse IV

dann dürfte die Gewässergüteklasse IV in diesem Abschnitt (!) vorliegen.

Der Unterschied liegt in der Weißfärbung der Gewässersohle durch Schwefelbakterien.

Ob der Zustand nun gut oder schlecht ist, dies kommt darauf an.

Der Verwaltungsmensch sagt so und ein richtiger Ökologe kann abstrakte Zustände nicht bewerten, denn er ist ja ein richtiger Ökologe!

Entscheidend ist dann die Meinung von jenem, der sich auf seine Deutungshoheit berufen kann und diese durchzusetzen vermag.

Ökologen könnten also (von Politik und Umweltindustrie natürlich unbeeinflusst und nur der Wissenschaft verpflichtet) bei dieser konkreten Bewertung aber auch den Ball flach halten, denn in diesem Fall ist es nämlich einige hundert Meter bachabwärts trotz und nach dem Abwasserpilz so richtig schön:

Foto 3: Ergebnis der Selbstreinigung – Wassergüteklasse 1!

Und auch das hyporheische Interstitial ist ganz allerliebst! Besser können wir es uns nicht erträumen:

Foto 4: Perfekt durchströmtes Hyporheal – ohne Veralgung und ohne anaerobe Zonen – alles gut!

Ein Gewässerabschnitt vor dem auf Foto 3 und 4 dargestellten Bereich weist die Gewässergüteklasse  III (Foto 1) auf. Man erkennt im Vergleich die Selbstreinigungskraft der Natur.

Das soll nun kein Argument dafür sein, die Abwasserbehandlung zu unterlassen, sondern es ist eine Anregung, die Situation vor Ort – also in der Natur – ideologiefrei und frei von kommerziellen Interessen zu bewerten.

Ein kleines einsames Abwasserpilzchen (zugegeben: es war eine Versammlung)  ist zwar einerseits durchaus ein Indiz für einen  Zustand, den sich Forellen eher nicht zum Brüten aussuchen würden. Ihre Eier würden verpilzen.

Durchschwimmen dagegen wäre, sofern Sauerstoff da ist und der pH-Wert stimmt, kein Problem. Schließlich ist ja ein Lieblingsplatz der Forellen im Bergland der Auslauf von Kläranlagen. Da kann man sie angeln und da sollen sie auch am Besten schmecken. Aus diesen Löchern (Kläranlagenablauf) fließt häufig Wasser mit einer Fracht von Inhaltsstoffen, die um Größenordnungen kleiner ist, als jene die die industrielle Landwirtschaft heimlich über Drain- und Grundwasser in die Fließgewässer schickt.

Dies darf bei der Gewässerverwaltung aber nicht berücksichtigt werden. Gewissermaßen hat diese diesbezüglich ein Weiterdenk- und Ermittlungsverbot, weil der Gesetzgeber in seiner unendlichen Weisheit und Voraussicht landwirtschaftliche Abwässer von der Beantragung einer Einleiterlaubnis und der Zahlung einer Abwasserabgabe befreite.

Diesen Fakt der Diskriminierung übersieht die EU-Kommission geflissentlich. Und so bleiben am Ende die Kommunen die Dummen, wobei die wasserchemische Gewässergüteklasse II oft nur erreicht werden kann, wenn die kommunalen Kläranlagen ihre Abwässer verdampfen und die industrielle Landwirtschaft ihre Produktion um schätzungsweise wenigstens 50 % zurückfährt. Nichts Neues, denn darauf hat ja REICHHOLF schon 2006 hingewiesen: Ein Großteil des Phosphors in unseren Gewässern stammt aus importierter Gülle von Übersee. (Genaueres bei REICHHOLF, Der Tanz um das goldene Kalb, Der Ökokolonialismus Europas, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 1. Auflage 2006 – sehr lehrreich!)

Zurück zum Spaerotilus, denn dieser wächst andererseits an der Stelle wenigstens schon über 50 Jahre und das eine oder andere Fischfuttertierchen gut 100 Meter bachabwärts freut sich regelmäßig darüber. Was sollen die Fischfuttertiere denn sonst fressen?

Dieser Beitrag soll nicht als Reklame für Abwasserpilze verstanden werden, aber in diesem ganz konkreten Fall ist kein sachlicher Nachteil aus dem Wachsen des Pilzes zu erkennen, der deshalb nun unbedingt zu beseitigen wäre.

Man muss eben die Dinge in der Natur und im Zusammenhang untersuchen.

Mehr sollte eigentlich nicht gesagt werden.




EU-WRRL – Ein Orakel?!

Guter oder sehr guter morphologischer Zustand - eher die absolute Ausnahme!

Warum Orakel?

Nun, weil die EU-WRRL genau wie ein Orakel aufgrund ihrer Abstraktheit gedeutet werden kann und muss. Das ist Fakt. Manche Regelungen der EU-WRRL werden unwissenschaftlich umgesetzt. Deshalb „orakeln“ seit längerem einige Ökologen – jene die ihre  Wissenschaft verteidigen  – bei der EU-WRRL nicht mehr mit. Sie sehen die Natur wie sie ist, nämlich wertfrei und da ist kein Verständnis für primitive Zustandsbewertung, wie für ein „gutes“ oder „böses“ Potential.

Die vom Orakel Betroffenen – also meist die Abwasserbeseitigungspflichtigen – müssen sich nun und nur überlegen, ob sie willkürliche Zustandsbewertungen umsetzen wollen. Meist wollen sie das, merken aber zu spät, dass sie dann zwangsläufig für die Orakelergebnisse Fremder bezahlen. So ist das im Leben auch bei anderen Dingen. Ein Orakel will und muss eben auch von irgendetwas leben.

Eine Lösung: Wenn die von der Gewässerverwaltung geplanten wasserwirtschaftlichen Maßnahmen für die Herstellung des guten ökologischen Zustandes oder des guten Potentials nicht effizient sind – sofern sich überhaupt jemand die Mühe macht, dies rechtzeitig nachvollziehbar zu untersuchen und darzulegen – dann besteht die schlichte Alternative darin, den guten ökologischen Zustand oder das gute Potential legitim so umzudeuten, dass dieses neue Ziel dann die Chance bekommt effizient zu werden. Wo ein Wille, ist immer ein Gebüsch!

Zugegeben: Mit dem Prüfen der Effizienz der Konsequenzen einer Zustandsbewertung ist wohl jede Gewässerverwaltung und jedes Umweltfachamt hoffnungslos überfordert, denn mittlerweile gibt es Bücher bzw. Dissertationen zu dem Thema, das keineswegs in der Verwaltungspraxis nebenbei bearbeitet werden kann.

Peinlich wird es nur, wenn der falsche Eindruck vermittelt wird, die Anforderungen für den guten Zustand oder für das gute Potential seien auf Effizienz geprüft und wenn behauptet wird, die EU-WRRL würde genau dies erfordern und es gäbe keine kostensparenden Alternativen.

Mittlerweile ist die EU-WRRL zu einem Monster gewachsen, das kein einzelner Mensch in seinem Leben je zu werten oder gar zu überblicken vermag. Der geneigte Leser mag ja im Zweifelsfall versuchen das Werk zu verstehen. Ohne Orakel kommt er nicht weit.  Es bleibt nur zu ergänzen, dass die alten Griechen unter dem Orakel drei Dinge verstanden: Den Ort, an dem orakelt wurde, das Orakel als Person und schließlich das Orakel als Weissagung.

Die Wertung der Effizienz einer wasserwirtschaftlichen Investition ist eine anspruchsvolle, komplizierte, aufwändige und zugleich interdisziplinäre Aufgabe, die neben verschiedenster Fachkunde, wie meist in der vernünftigen Reihenfolge

  1. Ökologie,
  2. Biologie,
  3. Hydromorphologie kontra Gewässerunterhaltung,
  4. Investitionsrechnung,
  5. Nutzensbewertung und Risikobewertung,
  6. Chemie (wie fälschlich nicht als Ziel, sondern als Mittel für ökologische Zustände und deshalb erst zum Schluss aufgezählt),
  7. Reduzierung der industriellen Landwirtschaft (wer sich traut 😉 ),
  8. kommunale Abwasserbeseitigung

auch praktische Erfahrung in der Natur – also nicht am Schreibtisch – erfordert. Was sagte ich? Ein Orakel? Eine Heerschar von Orakeln!

Nüchtern bringt es VORREYER [1] auf den Punkt:

„So bestehen in erheblichem Maße Auslegungsprobleme; infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten, den gemeinsamen Rahmen zu umgehen, sodass zurzeit kaum etwas darüber ausgesagt werden kann, ob der Rahmen für eine wirklich harmonisierte, wettbewerbsvereinheitlichende Gewässerschutzpolitik ausreicht.“

Man kann es auch so deuten: …infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten bei fragwürdigem Nutzen eine vernünftigen, effizienten Weg zu wählen und die Bürger eines Landes nicht unnötig finanziell zu belasten.

In der Praxis wird das Pferd oft immer noch von hinten aufgezäumt. Man beginnt mit dem Mut des Verzweifelten – mit dem, was man glaubt auf Kosten der Kommune leichtens ändern zu können – mit dem wasserchemischen Zustandsorakel und täuscht manchmal nur mit einer Mischungsgleichung (Gymnasium) vor, dass dieser wasserchemische Zustand schlecht und unbedingt zu bessern sei. Die Konsequenzen der „Verbesserung“ werden nicht untersucht, denn dafür ist man nicht zuständig, wie auch für den Erfolg seiner wasserchemischen Überlegungen.

Wir sollten von der Jugend lernen! Sie kennt die Natur besser als man meinen könnte. Machen wir eine Probe auf’s Exempel:

Jeder kleine Junge überlegt sich zuerst, welche Fische er im Aquarium haben will, bevor er über Pflanzen oder gar Phosphor überhaupt nachdenkt!

Die Änderung der Anforderungen an den guten ökologischen Zustand oder für das gute Potential erlaubt die EU-WRRL ausdrücklich.

Eine Voraussetzung dafür ist zunächst die Erlangung der Deutungshoheit. Dabei sind die jeweiligen Passagen in der EU-WRRL zu finden, die eine Deutungsvielfalt erlauben. Ein Stichwort: Effizienz!

Ein guter Anfang zur Effizienz wäre es, sich von Naturromantik zu trennen, denn wir wollen ja etwas bewirken.

Das erste Foto ist natürlich eine schöne Darstellung von einer schönen Natur, so wie Städter sie lieben, wenn sie auf dem Balkon Sonnenblumen anbeten.  Eine Sonnenblume – nicht jede – ist nämlich auch ein neuzeitliches Orakel; im ersten Sinne.

Seitengraben des Strengbaches - (Sachsen-Anhalt)

Ein allein durch landwirtschaftliche Abwässer eutrophierter Graben

Das zweite Foto ist auch Natur, wenn auch – auf den ersten Blick gewertet – nicht ganz so schön. Ein wertbesessener „Ökologe“ aber würde von einem schlechten ökologischen Potential faseln. (Ein normaler Mensch wird ohne umständliche Erklärungen nicht verstehen, wovon er redet. Auch markant: Wir sind inzwischen soweit, dass wir uns bürokratisch sagen lassen müssen, wie wir die Natur gefälligst zu werten, zu verstehen und zu lieben haben.)

Aus meiner Sicht oder aus der Sicht Frosches, die ich mir zu eigen mache, ist der Zustand im 2. Bild geradezu paradiesisch schön. Denn: „böser“ Phosphor = viele Algen = dicke Kaulquappen = dicke Frösche = neugierige Störche!  An der Kröte kann ein Naturromantiker – der Naturwissenschaften abgewählt hat – ersticken:  Gewässerdüngung macht Störche satt!

Die „unschöne“ Natur verspricht eine reiche Froschernte, die nur dann genutzt werden kann, sofern der Gewässerunterhaltungsverband nicht schneller ist und alles Lebendige aus dem Graben ausschabt und tötet, ähnlich wie es einer Warze beim Hautarzt geschehen würde, der mit einem scharfen Löffel ihr zu Leibe rückt.

Aber ohne Gewässerunterhaltungsverband wäre alles eine feuchte lebendige Wiese ohne industrielle Landwirtschaft. Wie es dann aussehen könnte, ist hier zu erahnen: Fauler See.

Die Realität sieht oft so aus: Zuckerrüben bis zum Horizont, industrielle Landwirtschaft und industrielle Tierproduktion, hier und da verträumte industrielle Biogasanlagen deren Gärreste neben Gülle in den Einzugsgebieten ausgebracht werden. Als Antwort und Lösung für das „gute Potential“ als Orakel eine flächendeckende Verschärfung der Überwachungswerte für kommunale Kläranlagen.

Über 20 Jahre wegen der Besorgnis verschärfte Überwachungswerte (BSB, CSB, N und P) und niemand schaut nach, ob dies tatsächlich einen hinreichenden Effekt brachte oder gar effizient war.

Kein Wunder, dass sich manche Ökologen mit Grausen von einem solchen „Gewässerschutz“ abwenden.

Heute unverständlich, wie wir ohne EU-WRRL überhaupt die Gewässer zu schützen vermochten! Wie doof und ungebildet waren doch die alten Wasserwirtschaftler! Was muss das früher für eine naturfeindliche Welt gewesen sein. Keine Biomaisfelder, keine Windkraftwerke, wenige Wasserkraftwerke, industrielle Landwirtschaft in Maßen….

Ob des Pudelskern darin besteht, dass sich hinter jeder kleinen Regelung ein Arbeitsplatz versteckt und dass es schon lange nicht mehr um die Natur geht?

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[1] Vorreyer, Christian
Erläuterungen zur Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG)
durchgesehen und ergänzt von Friedrich Schröder
Stand: Juni 2007
Wasserrecht für die betriebliche Praxis
2008 WEKA MEDIA GmbH & Co. KG

 

 




Vorsorge – ein Indiz für wasserwirtschaftliche Ausbildungsschwäche?

Bei dieser Vorsorge geht es nicht um natürliche menschliche Verhaltensweisen, wie z. B. derart, dass man sich warm anzieht, wenn es draußen kalt ist. Im Blickpunkt steht die Veränderung der Gesellschaft durch Vorsorgediktatur mit all ihren destruktiven Folgen, betrachtet am Beispiel des vorsorglichen Gewässerschutzes. Zu den zahlreichen Nachteilen des Vorsorgeprinzips haben sich schon viele Autoren nachvollziehbar ausgelassen, ohne dass es etwas genützt hat. Einige interessante Quellen [3]-[10] seien zum Nachlesen empfohlen.

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Missachtung des Vorsorgeprinzips schafft Freude und Genuss!

Bei fehlenden Effizienznachweisen für gewünschte zusätzliche Verbesserungen des Gewässerschutzes ist es üblich (manchmal vielleicht auch weil bequem) die behördlich verschärften Anforderungen an das Betreiben von technischen Anlagen mit dem fragwürdigen Vorsorgeprinzip zu begründen. Das ist sehr einfach, anspruchslos und zugleich im doppelten Sinne verantwortungslos. Man erklärt nur seine Ängste und Sorgen. Jemand der Angst hat und dies auch noch schriftlich darlegt, ist seine Verantwortung los. Das Vorsorgeprinzip in seiner ideologischen Nutzung negiert den technischen Fortschritt und die Lebensgefährlichkeit. Das Denken und Handeln übertragen die Bürger dem Staat. In der „wasserwirtschaftlichen“ Praxis verursacht die Anwendung des Vorsorgeprinzips im wesentlichen erhebliche Mehrkosten beim Gewässerschutz wobei wohl ganz selten ein Effizienznachweis vorliegt. Auch werden preiswerte Lösungen bei der Gewässernutzung oder bei der Abwasserbehandlung vorsorglich verhindert. Dahinter stecken neben Ängsten teilweise auch Industrieinteressen. Im vergangenen Jahr ist mir ein krasses Beispiel der Anwendung eines Vorsorgeprinzips aufgefallen, bei dem die Hygiene das Einleiten des Regenwassers von Dachflächen mit der Begründung untersagte, dass ja in den Dachrinnen (immer) tote Vögel liegen, die die Badewasserqualität verschlechtern könnten. Konsequenz dieses hygienischen Schildbürgerstreiches: Mehrkosten für einen Unternehmer, der den Streit am Ende genervt aufgab. Der Hygiene möchte man zurufen: „Und was ist mit den toten Vögeln, die beim Überfliegen des Badesees plötzlich sterben und ins Wasser fallen oder mit dem Fuchs, der am Ufer der Badestelle stirbt oder trinkt oder mit den Badegästen, die fleißig ins Wasser pullern, von denen einer ein Dauerausscheider von Cholera ist und mit der Schwimmerin, die nicht vorsorglich den Mund geschlossen hält oder mit den Elbe-Badetagen? Ist die Elbe oder die Natur an sich etwa steril?“ (Da frage ich mich wieder, ob ich so etwas schreiben darf und soll? Wenn’s aber stimmt! Vielleicht sollte man aber gerade dann den Mund halten, wenn man Recht hat?)

Tatsache ist, dass wir unseren hohen Lebensstandard (nicht nur in Deutschland) und viele Freuden ausschließlich der vorsätzlichen Missachtung des Vorsorgeprinzips verdanken. Darüber lohnt es sich bei Uneinsichtigkeit schon lange nachzudenken, wem das nicht auf Anhieb auffallen sollte. Man mag darüber nachdenken, ob es den verehrten Leser überhaupt geben würde, wenn das administrative Vorsorgeprinzip in der heutigen Form schon seit 500 Jahren die Menschen in Ketten legen würde. Die Völkerschlacht bei Leipzig z. B. wäre garantiert ausgefallen. Vorsorglich hätten damals alle erst mal aus ihren Häusern geschaut, was da draußen so passiert. Und es lebten vielleicht nur 10 % der Menschen in Deutschland – die anderen 90 % wären verhungert oder hätten gar nicht erst geboren werden können –  wenn es Deutschland überhaupt noch geben würde. Einfach deshalb, weil die Wissenschaftler Haber und Bosch ihre Synthese vorsorglich nicht hätten erfinden dürfen und so weiter und sofort. Fragwürdig ist das Vorsorgeprinzip bei exzessiver Anwendung, wie es in den letzten 20 Jahren zunehmend zu beobachten ist. Vielleicht ist diese negative Entwicklung auch Ausdruck der Überalterung, Trägheit und mangelhaften Schulbildung der Gesellschaft.

Ist die exzessive Nutzung des Vorsorgeprinzips etwa ein starkes Indiz für mangelhafte Ausbildung sowie für fehlende Sach- und Fachkunde?

Kaum jemand stört sich daran, dass bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips regelmäßig gegen die Leitlinien der EU-Kommission zur Anwendung des Vorsorgeprinzips [1] und sogar gegen die EU-WRRL verstoßen wird.  Beweis: Beide Leit- bzw- Richtlinien fordern Effizienznachweise bevor das Vorsorgeprinzip angewendet werden darf. Dieser Fakt wurde bislang noch nicht gedeutet.

Eine Ursache solcher Fehlentwicklungen ist die Formulierung abstrakter Ziele, deren Erfüllungsweise gedeutet und meist vor Gericht erkämpft werden muss, weil die Deutungshoheit eher selten beim Abwasserbeseitigungspflichtigen liegt.

Das eigentliche Problem liegt aber tiefer. Die Verschärfung von Überwachungswerten ohne prüffähigen Effizienznachweis können in grobfahrlässiger Weise wasserwirtschaftliche Fehlinvestitionen verursachen. Damit wird gegen das Sparsamkeitsprinzip verstoßen. Möglicherweise will ein Anwalt auch staatliche Willkür beweisen.

Kostenvergleichsrechnungen und Kosten-Wirksamkeits-Analysen bzw. Nutzwert-Kosten-Analysen werden zwar verlangt und erarbeitet, aber in der Praxis viel zu spät. Kaum jemand prüft nämlich, ob schon die Verschärfung mancher wasserchemischer Anforderungen überhaupt effizient oder verhältnismäßig ist. Diese Prüfung ist ratsam, bevor Angst und Schrecken mit scharfen Forderungen in den Abwasserzweckverbänden verbreitet wird. Effizienz und Verhältnismäßigkeit sind nämlich wichtige Forderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die – so hat man den Eindruck – nicht immer beachtet werden!

Also gilt unbedingt, wenn es zusätzliches Geld oder zusätzlichen Aufwand verursacht:

Verschärfungen der Überwachungswerte oder zusätzliche Auflagen sind grundsätzlich nicht plausibel!

Es mag Ausnahmen (Trinkwasserschutz) geben, bei denen z. B. 10 % Mehrnutzen unverhältnismäßig hohe Mehrkosten durchaus rechtfertigen können. Dies wäre aber umfänglich, prüffähig zu beweisen und in einem solchen Falle vorstellbar, wenn beispielsweise giftige Wirkungen im Gewässer nur bei normalerweise unverhältnismäßig hohen Mehrkosten mit hoher Sicherheit verhindert werden können, wobei über die „Sicherheit“ gestritten werden sollte, um Denkfehler zu minimieren.

Auch wenn die EU-Kommission mitunter kritisiert wird: Auf den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips sollte bestanden werden, denn danach ist die Vorsorge nur auf ganz wenige Ausnahmen beschränkt, keinesfalls aber auf Gewässerschutzmaßnahmen, deren Effekt kalkulierbar ist.

Die Menschheit ist Tausende Jahre lang ohne dieses destruktive und willkürliche Prinzip ausgekommen. Der heutige intensive missbräuchliche Einsatz des Vorsorgeprinzips raubt den Menschen einen Großteil ihrer Freude und Freiheit. Und dies auf raffinierte, destruktive, langsame und deshalb auch unauffällige Weise. Dieses Vorsorgeprinzip kann mit Sicherheit ersatzlos gestrichen werden, denn unseren hohen Lebensstandard verdanken wir paradoxerweise genau den unzähligen Verstößen gegen das Vorsorgeprinzip von Jonas [2]. Jonas, der  Erfinder, der sich selbst nicht ganz sicher war und wohl aus Gewissensgründen sein Buch vorsorglich mit dem Untertitel „Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation“ versah. Und dieses Wörtchen „Versuch“ wurde bei der exzessiven Einführung des Vorsorgeprinzips in die Gesetzgebung vorsorglich unterschlagen. Heute weiß niemand mehr, dass es sich bei dem Vorsorgeprinzip nur um einen Versuch handelt, der allerdings trefflich scheiterte, was aber auch keinen stört. Auch hat sich eine Ideologie gefunden, die nachhaltig auf dem Vorsorgeprinzip von Jonas [2] beruht und es fleißig missbraucht. Bildung und Klugheit ist deshalb m. E. vorzüglicher als der Versuch mit dem Vorsorgeprinzip.

Aber es gibt auch ein sehr gutes Beispiel in der nichtvorsorglichen Genehmigungspraxis, welches uns hoffen lässt:

Einen nachvollziehbaren und zudem gut begründeten Prozess der Verschärfung der Überwachungswerte unter Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung bis hin zur Versagung der Abwassereinleitung hat das Wasserwirtschaftsamt Hof beim Schutz der Flussperlmuschel demonstriert. Aufgrund der Kompetenz, der guten Vorbereitung und der rechtzeitig erarbeiteten wissenschaftlichen, ökologisch-ökonomischen Basis, kam man erfreulicherweise ohne „Anrufung“ des Vorsorgeprinzips aus. Wie man sieht, ist es möglich, Anforderungen im Gewässerschutz auch ohne Angst und Sorge zu begründen. Wir sollten es häufiger versuchen!

Tja, ich würde die regelmäßige Anwendung des Vorsorgeprinzips grundsätzlich verbieten, in den Gesetzestexten, in denen das Wort „Vorsorge“ oder „Besorgnis“ auftaucht, den jeweiligen Text durch „Bildung und Vernunft“ ersetzen und Vorsorge nur dann erlauben, wenn die Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips schön fleißig abgearbeitet wurden.  Da könnten wir gewaltig Geld sparen und unsere Zukunft etwas retten. Und weil wir gerade mal dabei sind: Das Gleiche gilt für die ideologische Kategorie „Nachhaltigkeit“. Man darf staunen, was ideologische Programme in Gesetzen zu suchen haben, die auch Nichtideologen einhalten sollen. Insofern kann man „Vorsorge“ und „Nachhaltigkeit“ auch als ideologische Trojaner und Wieselwörter bezeichnen.

Siehe auch: Verhältnismäßigkeit bei Gewässerschutz

____________

[1] Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips
in „Die Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips“
Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
Brüssel, den 02.02.2000, KOM (2000) 1 endgültig

[2] Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung:
Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation.
Frankfurt/M., 1979.

[3] Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch
2. Auflage 2003
Wagenbach Verlag Berlin

[4] Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

[5] Eilingsfeld, Heinrich
Der sanfte Wahn
Ökologismus total
Südwestdeutsche Verlagsanstalt Mannheim
(Bemerkenswert, dass das Buch schon 1989 erschien.)

[6] Gärtner, Edgar L.
Öko-Nihilismus
Eine Kritik der Politischen Ökologie
TvR Medienverlag Jena, 2007

[7] Driessen, P.K.
Öko-Imperialismus
Grüne Politik mit tödlichen Folgen
TvR Medienverlag 2006

[8] Maxeiner; D., u.a.
Die Zukunft und ihre Feinde
Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
Eichenborn AG 2002

[9] Maxeiner; D., u.a.
Das Mephistoprinzip
Warum es besser ist, nicht gut zu sein
Eichenborn AG 2001

[10] Steinberg, Ch.
Von Mistbienen, Haussperlingen und der EU-Wasserrahmenrichtlinie – eine
beabsichtigte Polemik
Wasser & Boden




Wenn die Lieblingstheorie falsch ist…

„Der berühmte britische Biologe Conrad Waddington schrieb im Jahre 1941:

Es ist … wichtig, dass Wissenschaftler darauf vorbereitet sind, dass sich ihre Lieblingstheorien als falsch herausstellen.

Wissenschaft als Ganzes kann niemals zulassen, dass die Beurteilungen der Fakten durch Ideologie verzerrt werden können, die festlegt, was zu stimmen hat und was nicht; oder was man hofft, das zutreffend ist.

Quelle: So sieht der wahre Zustand des Klimas aus

 




Steinfliege Aderhaft

Ein Exkurs in die Hydrobiologie

Nympfe der Steinfliege Aderhaft (Ecdyonurus?)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Steinfliege lebt in Gewässern mit gutem Zustand.

Literatur:

 




Der chemische Sauerstoffverbrauch

Der chemische Sauerstoffverbrauch – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung? von U. Halbach

Kaffeetasse mit mächtig viel chemischem Sauerstoffverbrauch - nach wasserrechtlicher Deutung extrem schadstoffbelastet!

Fachartikel  veröffentlicht in der wwt 6, 7-8 und 9/2013

Auszug einer Leserzuschrift von Herrn Jürgen Wachtendorf am 13.11.2013:

Sie schreiben auf S. 16 im 1. Teil (etwas unter dem CSV/BSB-Bild): „Zusätzlich muss die ganze Mischung bei 148 +/- 3°C 110 Minuten schwach sieden. Da bekanntlich Wasser schon bei 100°C kocht, ist die Reaktion unter Druck zu halten.“  Diese Aussage ist nicht korrekt, bei der CSB-Bestimmung nach DIN wird das Reaktionsgemisch am Rückfluss bei normalem Luftdruck am Sieden gehalten. Reines Wasser kocht tatsächlich schon bei 100°C, das Reaktionsgemisch hat aber einen derart hohen Säure- und Salzanteil, dass der Siedepunkt viel höher als 100°C liegt, eben bei besagten 148°C. Ein erhöhter Druck ist hier nicht erforderlich. Bei der CSB-Bestimmung mit einem Küvettentest, mit dem auf vielen Kläranlagen die CSB-Analyse zuverlässig durchgeführt wird (und die – nebenbei bemerkt – wesentlich appetitlicher, umweltfreundlicher und unter Arbeitsschutzaspekten sicherer als das DIN-Verfahren ist), stehen die geschlossenen Küvetten leicht unter Druck, da sich die Luft in der verschlossenen Küvette durch die Hitze ausdehnt, erforderlich ist dieser Druck aber nicht.

Kommentar:
Ich folge den Argumenten! Vielen Dank für die Hinweise!
U. Halbach




Sauberes Wasser ist tödlich!

Immer weniger Schweizer Fische gehen ins Netz

«Eine zu tiefe Phosphorkonzentration führt zu einer Hungersnot, Bestände und Fangerträge gingen mancherorts katastrophal zurück», sagte Silvano Solcà, Präsident des Schweizerischen Berufsfischerverbandes, gegenüber dem Landboten».

  • Die Bodenseefischer fingen 2011/2012 über ein Drittel weniger Fische
  • „Viele der 310 Berufsfischer, die es heute noch schweizweit gibt, sind deswegen auf einen Nebenerwerb angewiesen.“

Siehe auch:

 




Verschlechterungsverbot

Abstrakte Ziele sind zumeist Ursache für willkürliche Entscheidungen und willkürliches Handeln

Einige Überlegungen:

  1. Wenn als Prämisse gilt, dass wasserwirtschaftliche Entscheidungen auf wissenschaftlicher Grundlage zu fällen sind, dann ist das abstrakte Verschlechterungsverbot als Argument wegen seiner Abstraktheit recht fragwürdig.
  2. Ein wasserwirtschaftlich wertvolles Instrument wird das Verschlechterungsverbot dagegen, wenn es nicht abstrakt, sondern konkret begründet wird. Das ist möglich, wenn das Verschlechterungsverbot z. B. auf den Erhalt und den Schutz bestimmter (konkreter) Tier- oder Pflanzenarten und auf die Erhaltung der dafür notwendigen Lebensbedingungen in ihren komplexen Ökosystem gerichtet wird. Erst in ihrer konkreten Modifikation wird das Verschlechterungsverbot mit ökologischen Methoden definierbar. Es wird nun möglich, die Konsequenzen eines Zustandes z. B. für eine konkrete Tierart zu bewerten.
  3. Diese Bewertung liegt allerdings eher im gesellschaftlichen  Interesse, denn innerhalb der Wissenschaft „Ökologie“ gibt es (nicht nur) nach LAMPERT keinen Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.
  4. Dem Abstrakten fehlt die sachliche Grundlage.
  5. Abstrakte Ziele entziehen sich einer Nutzensbewertung und damit einer Bewertung der Wirtschaftlichkeit bzw. Wasserwirtschaftlichkeit.
  6. Willkürlich ist etwas, dem die sachliche Grundlage fehlt.
  7. Willkür ist  sachlich nicht prüfbar und Willkür entzieht sich den Gesetzen der Logik.
  8. Willkürliches Entscheiden und willkürliches Handeln ist dem Staat lt. Grundgesetz verboten.
  9. Abstrakte Ziele sind immer ein Grund nachdenklich, misstrauisch und vorsichtig zu werden.
  10. Präfixe, wie z. B. Bio und Öko begründen meist ein Geschäft oder eine Ideologie.



Ökologie ist wertfrei

 

Die Stellung der Ökologie in der Gesellschaft

Lampert, W.; Sommer, U., Limnoökologie, 2. überarbeitet Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart New York 1999 (S.447)

„Naturwissenschaften können Theorien darüber anbieten, wie die Natur funktioniert. Sie können jedoch nicht angeben, welcher Zustand der Natur ein erhaltenswürdiger Wert oder ein erstrebenswertes Ziel menschlichen Handelns ist. Die Festsetzung solcher Werte und Ziele ist keine Aufgabe der Wissenschaft, sondern eine Aufgabe des demokratischen Entscheidungsprozesses. Weder Ökologen noch irgendwelche anderen Experten haben in diesem Entscheidungsprozeß größere Rechte als andere Menschen. Die Aufgabe des Experten besteht allenfalls darin, Wege zum Erreichen von Zielen aufzuzeigen und Konflikte zwischen verschiedenen, für sich genommen durchaus berechtigten Zielen frühzeitig zu erkennen.

Selbst dann, wenn ein gesellschaftlicher Konsens bestünde, daß die „Gesundheit von Ökosystemen“ als schutzwürdiger Wert höchste Priorität genießt, könnte die Ökologie nichts zur näheren Definition dieses Wertes beitragen.

Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten.

Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.

Auch die anerkanntesten und konsensfähigsten Ziele der Umweltpolitik folgen nicht zwingend aus den Erkenntnissen der Ökologie.

Neben der Reduktion gesundheitsschädlicher Emissionen dienen die meisten Bestrebungen des Umwelt- und Naturschutzes zwei übergeordneten Zielen:

  • der Erhaltung der Diversität und
  • der Wiederherstellung bzw. Erhaltung einer möglichst großen Geschlossenheit der biogeochemischen Kreisläufe.

Beides sind Ziele, die mittlerweile vielen Menschen einleuchten; sie sind jedoch in menschlichen Werturteilen begründet und nicht in wissenschaftlichen Lehrsätzen.

Die Ökologie kann zwar aufzeigen, daß eine anthropogene Öffnung von Stoffkreisläufen unerwünschte Auswirkungen hat (mehr Nährstoffaustrag aus dem Boden – mehr Bedarf an Düngung — mehr Eutrophierung der Gewässer); es entzieht sich jedoch ihrer Kompetenz, zu bewerten, wie unerwünscht diese Auswirkungen sind.“

Gewässer im LSG „Fauler See“ bei Wanzleben

Foto aus dem Beitrag: Überlegungen zur Renaturierung des Domerslebener Sees




Ziel ist Kosteneffizienz

Zitate aus dem Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie

von Rumm, u.a.; 2. Auflage, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2006 (S. 47-48)

„Auf dieser Konferenz hat Volkmar Hartje (2000) in einem Vortrag folgende Elemente einer integrierten Wasserwirtschaft herausgearbeitet, wobei er sich auf die AGENDA 21 und davor auf die Dubliner Wasserkonferenz beruft:

  • Wasser als Teil des Ökosystems, als natürliche Ressource und als Wirtschaftsgut.
  • Der Flussgebietsansatz, der Oberflächen- und Grundwasser erfasst.
  • Die Einbeziehung der Landnutzung und des Bodens überhaupt in die Betrachtung.
  • Die Identifizierung und der Schutz der Süßwasser-Ressourcen. Die nachhaltige und rationelle Wassernutzung.
  • Die Entwicklung und Bewertung von Projekten und Programmen, die effizient und gleichzeitig sozialverträglich sind.
  • Ein beteiligungsorientierter Prozess der Politikentwicklung und der Entscheidungsfindung.
  • Die Betonung institutioneller, rechtlicher und finanzieller Instrumente zur Umsetzung.

In einer gewissen Abkehr von kapitalintensiven technischen Lösungen, zumindest aber in ihrer Ergänzung um institutionelle, rechtliche, ökonomische und soziale Aspekte, sieht Hartje den Kern einer integrierten Wasserwirtschaft.

Die Übereinstimmung mit der Philosophie der WRRL ist frappierend.

Der Ansatz der kosteneffizientesten Maßnahmenkombinationen (Anhang III) stellt eine systematische Abkehr von der Bevorzugung technischer Lösungen dar.

Danach sind zunächst alle Maßnahmentypen gleichwertig, seien sie technischer, institutioneller, rechtlicher, ökonomischer oder sozialer Art. Maßnahmen müssen nur zielführend und eben kosteneffizient sein.“

„Technische Maßnahmen bilden auf der Liste nur eine Teilmenge. Im übrigen ist diese Liste erklärtermaßen nicht geschlossen, wodurch noch einmal zum Ausdruck kommt, dass Maßnahmen aller Art in Frage kommen, solange sie zielführend sind.“




Schäden an Kanalisationen durch Druckprüfungen

„Fraglich ist jedoch, wie die Dichtheit der privaten Leitungen am besten zu überprüfen ist. Geräte und Verfahren, die im öffentlichen Bereich verwendet werden, können wegen der sehr viel ungünstigeren Randbedingungen !m privaten Sektor nur bedingt eingesetzt werden. Gemäß der technischen Regelwerken sind für die Prüfung grundsätzlich TV-Inspektionen und Druckprüfungen mit Luft oder Wasser anzuwenden (siehe Kapitel 3).

Diese Verfahren weisen jedoch Mängel auf. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass mit TV-Inspektionen Undichtigkeiten nicht immer sicher erkannt werden können.

Bei der Druckprüfung mit Luft oder Wasser wird hingegen ein so hoher Druck in den Leitungen aufgebaut, wie er üblicherweise beim Gebrauch privater Leitungen nicht auftritt, was Schäden erst verursachen könnte.

Unter normalen Betriebsbedingungen fließt das Wasser drucklos, mit einem nur geringen Füllstand durch die Leitungen.“ (Togler, Seite 4)

Quelle:

Togler, R.P.
Exfiltrationen bestehender Grundstücksentwässerungsanlagen
Auswirkungen, Einflussgrößen, Mengenermittlungen, neuartige Prüfmethoden, praxisgerechte Empfehlungen
Schriftenreihe des Lehrstuhls für Baubetrieb und Projektmanagement
ibb – Institut für Baumaschinen und Baubetrieb
Aachen 2006
Dissertation an der RWTH Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen




Dichtheitsprüfung Hausanschlusskanäle

Grundstücksentwässerung: Experten fordern „Lösungen mit Augenmaß“

In NRW gültige Frist für Dichtheitsprüfung bis Ende 2015 nicht zu erreichen

Die Sanierung von privaten Abwasserleitungen gehört derzeit zu den kontroversesten Themen in der deutschen Wasserwirtschaft. Die Diskussion um Sanierungspflichten der Grundstückseigentümer wird von der Politik, Verbänden und Bürgern äußerst emotional geführt. Schätzungen zufolge sind zwischen einer und 1,7 Millionen Kilometer privater Grundstücksleitungen in Deutschland verlegt, von denen je nach Untersuchung bis zu zwei Dritteln als sanierungsbedürftig gelten. Genau weiß es allerdings niemand, verdeutlichte Igor Borovsky, Geschäftsführer des Verbandes zertifizierter Sanierungsberater (VSB) in einer Expertendiskussion auf den Oldenburger Rohrleitungstagen am vergangenen Donnerstag die lückenhafte Faktenbasis, die eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema erschwert. Besonders akut ist das Thema derzeit in Nordrhein-Westfalen, wo nach dem aktuellen Landeswassergesetz private Abwasserleitungen bis spätestens Ende 2015 auf Dichtheit geprüft werden müssen. Eine Novellierung des § 61a mit einer Verlängerung der Frist für die Dichtheitsprüfung außerhalb von Wasserschutzgebieten bis 2020 befindet sich aktuell im parlamentarischen Verfahren (EUWID 03/2013).

Die Hausanschlusssanierung ist aus Sicht des Umweltschutzes und im Sinne einer nachhaltigen Funktionstüchtigkeit der unterirdischen Infrastruktur unbedingt notwendig, sprach sich Karl-Heinz Flick von der Gütegemeinschaft Güteschutz Grundstücksentwässerung klar pro Dichtheitsprüfung aus. Auch Dirk Armoneit vom Kanalsanierungsspezialisten Werner Vollert Tiefbau GmbH & Co. KG, Büdelsdorf, hält eine Zustandserfassung der privaten Abwasserleitungen für nötig, um das Ausmaß möglicher finanzieller Belastungen langfristig einschätzen zu können. Zudem müsse auch der nachfolgenden Generation ein vernünftiges und intaktes Netz hinterlassen werden.

Für Manfred Müller, Teilbetriebsleiter der Technischen Betriebe Solingen, ist eine Sanierung der im Verantwortungsbereich der öffentlichen Hand liegenden Hauptkanäle nur dann sinnvoll, wenn die privaten Leitungen miteinbezogen werden. „Wenn wir uns nicht um die privaten Leitungen kümmern, bekommen wir nicht nur Grundwasserprobleme und Probleme durch massive Fremdwassereinträge in die Kläranlagen, sondern langfristig auch mit der kompletten Infrastruktur.“ Es träte eine Vielzahl von Schäden in Kommunen auf, die durch undichte Hausanschlussleitungen verursacht würden. Eine Sanierung sei daher unbedingt notwendig. Die aktuell in Nordrhein-Westfalen zur Dichtheitsprüfung herrschende politische Ungewissheit sieht Müller, der auch als Sachverständiger bei der letzten Anhörung im Umweltausschuss des Landtages zu diesem Thema im Januar (EUWID 03/2013) geladen war, als sehr problematisch an. Die Politik sei nicht unbedingt an sachgerechten Lösungen interessiert, so sein Fazit. Das Ziel, dass bis 2015 alle privaten Leitungen auf ihre Dichtigkeit hin überprüft werden müssen, sei jedenfalls nicht zu erreichen.

„Völlig unverhältnismäßig“ findet der Sprecher der nordrhein-westfälischen Bürgerinitiative „Dichtheitsprüfung Nein Danke“, Fritz Pucher, den von der Politik auferlegten Sanierungszwang. Das Diktat einer völligen Dichtheit von Hausanschlussleitungen sei falsch und überhaupt nicht umzusetzen. „Wir werden im administrativen Chaos untergehen“, so die Einschätzung des Bürgervertreters mit Blick auf die knappe Frist 2015. Der Bürger werde außerdem mit den auf ihn zukommenden Anforderungen allein gelassen. „Nach welchen Kriterien soll ein Grundstückseigentümer die Qualität eines Sanierungsdienstleisters beurteilen?“ Da sich viele unqualifizierte Anbieter auf diesem Markt tummelten, sei das Sanierungsergebnis in vielen Fällen schlecht. Auch über die Kosten herrsche völlige lntransparenz. Die von Politikern immer wieder suggerierten Sanierungskosten von 3.000 Euro seien schlicht falsch, so Pucher. In Wahrheit lägen diese weitaus höher und könnten schnell einen fünfstelligen Betrag erreichen. „Es wird ohne Notwendigkeit ein Automatismus in Gang gesetzt, der Milliarden Euro an Kosten verursachen werde.

Ein klarer Gegner von gesetzlichen Sanierungspflichten bei der privaten Kanalisation ist auch Uwe Halbach, unter anderem als Sachverständiger für Abwasserbeseitigung der IHK Chemnitz tätig. Er bezeichnete die Gefahr für Böden und Grundwasser, die von undichten Hausanschlussleitungen und -kanälen ausgeht, als„lediglich abstrakt“. Wissenschaftliche Untersuchungen belegten, dass diese vernachlässigbar sei. Eine Hausanschlusssanierung sei daher nur in Einzelfällen gerechtfertigt. Aufgrund der ohnehin schon sehr hohen Abwasserkosten in Ostdeutschland sei eine flächendeckende Pflicht zur Dichtheitsprüfung mit anschließendem Sanierungszwang etwa in Sachsen nicht durchsetzbar.

Um sich vor unseriösen Anbietern beim Kanal-TÜV zu schützen, bietet laut Aussage von Flick das Gütezeichen Grundstücksentwässerung einen guten Anhaltspunkt. Die mittlerweile bundesweit 90 ausgezeichneten Unternehmen garantierten die erforderliche Qualität. Damit in ganz Deutschland zumindest gleiche Rahmenbedingungen für die Dichtheitsprüfung gelten, plädierte Armoneit für ein entsprechendes bundeseinheitliches Gesetz. Nur so könne die Akzeptanz der Bürger gewonnen beziehungsweise erhalten werden. Aus Sicht des Solinger Entwässerungschefs Müller schafft bereits § 60 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) eine ausreichende rechtliche Grundlage für die Instandhaltungspflichten privater Abwasserleitungen. Die Vorgaben müssten lediglich mit Augenmaß umgesetzt werden. Als Beispiel nannte er die Situation in seiner eigenen Kommune, wo das Team der Stadtentwässerung eng mit Privatleuten und ausgewiesenen Fachfirmen zusammenarbeite.

Bürgervertreter Pucher will das ganze Thema in die Hände der Netzbetreiber legen. Diese sollten wie bei Gas und Wasser für die Hausanschlussleitungen bis zur Hauswand zuständig sein. ,,Der Netzbetreiber prüft die Dichtheit und legt die Kosten über die Gebühren um„, so sein Vorschlag.

Auch der Tenor bei den anderen Diskussionsteilnehmer und im Publikum zum Abschluss der Diskussion deutete in eine ähnliche Richtung: Die flächendeckende Dichtheitsprüfung werde letztendlich nur Erfolg haben, wenn auch die Kommunen intensiv in das Thema einsteigen und eng mit den Privatleuten zusammenarbeiten, um die viel zitierten „Lösungen mit Augenmaß“ zu finden.

Quelle:

EUWID Wasser und Abwasser.
7.2013  12.02.2013 / Jahrgang 16
www.euwid-wasser.de

Genehmigung der Veröffentlichung:

Mit freundlicher Empfehlung von EUWID Wasser und Abwasser am 17.02.2013.




Ungeteilte Meinung

Zitat:

Schwedische Klimaforscher in Sorge vor zu viel Alarmismus

„Auch was die viel zitierten Extremereignisse angehe, so warnen die Schweden vor allzu großer Schwarzmalerei: “Es gibt keinerlei Hinweise auf einen ansteigenden Trend bei der Intensität oder der Anzahl von tropischer Wirbelstürme”. Damit widersprechen die vier Schweden nicht weniger als so gut wie allem, was im Potsdamer Institut als heilig gilt. Sie fürchten bei allzu viel Alarmismus eine “Bedrohung der Glaubwürdigkeit von Wissenschaftlern”.  Das ganze ist “unterschrieben von den folgenden vier Klimawissenschaftlern und Mitgliedern der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Lennart Bengtsson, Deliang Chen, Marie-José Gaillard, Henning Rodhe.”“

***

Kommentar:

Mein Bauchgefühl – wissenschaftlich unterfüttert – nach Gigerenzer sagt mir:

  • Den Ball flach halten und sich auf das Schlimmste vorbereiten.
  • Das mögliche Schlimmste ist garantiert nicht die Klimaerwärmung. 

Wieso?

Nun, es genügt sich nur nackig in die Sonne zu legen und aufzupassen was mit einem geschieht, wenn sich ’ne Wolke vor’s Zentralgestirn schiebt.

Da muss man nicht mal sein Gehirn einschalten. Der Bauch freut sich nicht, wenn keine Sonne auf ihn scheint.

U. Halbach

***

Gigerenzer, G.
Bauchentscheidungen
Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition
Goldmann Verlag
2008




Angst und Sorge

„Angst, der Dauerzustand der unmündigen Gesellschaft

  • Angst ist eine Grundbefindlichkeit des Menschen.
  • In Ermangelung von lebensbedrohender Angst sucht der Mensch der Industriegesellschaft sich neue Zielobjekte seiner Angst.
  • Paradoxerweise macht der Mensch gerade das zum Gegenstand seiner Ängste, das ihn von lebensbedrohenden Gefahren befreit: die moderne Technik.
  • Die Angst gilt als eine besondere Qualität des Menschseins und wird zur Grundlage der Politik gemacht, die Rationalität bleibt auf der Strecke.

Angst widersteht der Vernunft!

Quelle:

Eilingsfeld, H.
Der sanfte Wahn
Ökologismus total
Süddeutsche Verlagsanstalt Mannheim
1989
(Seite 37)

***

 

 

 




Rechtliches zur Grundstücksentwässerung

Rechtsprechung zur Dichtheitsprüfung von privaten Grundstücksentwässerungsanlagen

Zitate mit freundlicher Genehmigung des Rechtsanwaltes Herr Reinhart Piens (Essen) 10.1.2013

  • „In der fachlich, rechtlich und politisch umstrittenen Frage der Dichtheitsprüfung privater Abwasseranlagen hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg kürzlich ein interessantes Urteil gesprochen (10. Januar 2012, Aktenzeichen 9 KN 162/10). Es kommt im Rahmen eines Normenkontrollantrages gegen die Satzung eines Abwasserverbandes zu dem Ergebnis, dass eine Regelung in der Abwasserbeseitigungssatzung, wonach private Grundstücksentwässerungsanlagen entsprechend der DIN 1986-30 auf Dichtheit zu überprüfen sind, in Niedersachsen auf einer ausreichenden gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage beruht und mit höherrangigem Recht vereinbar ist. Dichtheitsprüfungen zusätzlich zur DIN 1986-30 können allerdings nur bei Vorliegen besonderer Rechtfertigungsgründe gefordert werden.
  • Der Senat sieht in dieser Bestimmung eine dynamische Verweisung auf die DIN 1986-30 in der jeweils geltenden Fassung, zurzeit also in der Fassung der 2. Auflage von 2003 und voraussichtlich ab dem 1. Februar 2012 in einer geänderten Fassung. Nach der Tabelle 1 in Abschnitt 5.5 der zurzeit geltenden DIN 1986-30 (Prüfverfahren und Zeitspanne für die Dichtheitsprüfung) sind Anlagen zur Ableitung von häuslichem Abwasser oder Mischwasser entweder im Zuge von Baumaßnahmen (Nrn. 1.1 und 1.2) oder aber jedenfalls bis zum 31. Dezember 2015 (Nr. 1.3) einer — erstmaligen — Dichtheitsprüfung zu unterziehen.
  • In der ab dem 1. Februar 2012 voraussichtlich geltenden Neufassung der DIN 1983-30 ist der 31. Dezember 2015 als Prüftermin entfallen und sind abweichende Prüfintervalle von 20 oder 30 Jahren vorgesehen.
  • In diesem Bereich können sie die Benutzung ihrer öffentlichen Einrichtungen durch den Erlass von Satzungen regeln und nach § 8 Nr. 2 NGO (jetzt § 13 Satz Nrn la und 2a NKomVG) für die Grundstücke ihres Gebietes den Anschluss an die Abwasserbeseitigung anordnen sowie deren Benutzung vorschreiben (Anschluss- und Benutzungszwang).
  • Auf der Grundlage der §§ 6 Abs. 1 Satz 1, 8 Nr. 2 NGO (jetzt §§ 10 Abs. 1, 13 Satz 1 Nrn la und 2a NKom VG) kann die Gemeinde eine Dichtheitsprüfung nur anordnen, soweit ein konkreter Bezug zur Erfüllung der eigenen Aufgabe Abwasserbeseitigung besteht. Kommunale Satzungen dürfen daher Anforderungen an Grundstücksentwässerungsanlagen lediglich aufstellen, um zu vermeiden, dass der Betrieb des öffentlichen Abwasserbeseitigungssystems erschwert oder beeinträchtigt wird, und um sicherzustellen, dass der bestehende Benutzungszwang und die Überlassungspflicht nach § 96 Abs. 9 NWG n. F. (§ 149 Abs. 10 NWG a. F.) eingehalten werden.
  • Eine Überprüfung der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen darf deshalb mit dem Ziel vorgesehen werden, das Eindringen von Fremdwasser in das Abwasserbeseitigungssystern zu verhindern.
    Nicht von der Satzungsermächtigung in den §§ 6 Abs. 1 Satz 1, 8 Nr. 2 NGO (jetzt §§ 10 Abs 1, 13 Satz 1 Nrn la und 2a NKom VG) gedeckt sind Regelungen, die allein auf die Einhaltung eines wasserrechtlich ordnungsgemäßen Zustands abzielen. Gegenstand des Wasserrechts ist unter anderem der Grundwasserschutz. Undichte Leitungen bringen die Gefahr mit sich, dass das Grundwasser durch den Eintritt von Schadstoffen beeinträchtigt wird (vgl. hierzu Schneider, ZfW 2005, 69). Wegen des hinsichtlich des Grundwasserschutzes abschließenden Charakters des Wasserrechts sind kommunale Satzungsregelungen, insbesondere auch die Anordnung einer Dichtheitsprüfung, mit dem Ziel, das Grundwasser vor Beeinträchtigungen zu bewahren, nicht zulässig.
  • Der Träger des Abwasserbeseitigungssystems muss im Interesse der erforderlichen effektiven Abwasserbeseitigung in der Lage sein, diesen — aus dem Verantwortungsbereich des Grundstückseigentümers herrührenden — Missstand zu beseitigen, und muss aus diesem Grund auch eine Dichtheitsprüfung anordnen dürfen, die an technische Anforderungen zur Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustands der Grundstücksentwässerungsanlage anknüpft.
  • Wegen der Vielfalt der möglichen Schadenseintritte und der Notwendigkeit eines auch vorbeugenden Schutzes kann eine Eigenkontrolle nicht nur bei denjenigen Grundstücken, bei denen sich eine allgemeine Gefährdungslage bereits konkretisiert hat, sondern für alle an die öffentliche Entwässerungsanlage angeschlossenen Grundstücke satzungsmäßig vorgeschrieben werden (BVerfG — ZfW 1994, 392f.
  • Die sachliche Rechtfertigung folge in erster Linie aus der Einwirkungs- und Verfügungsgewalt des Eigentümers.
  • Die Einhaltung dieser Pflichten setze notwendigerweise voraus, dass der Eigentümer den Zustand und die Benutzung der Sache durch Eigenkontrollen überprüfe.
  • Zu solchen Maßnahmen gehören auch regelmäßige Überprüfungen der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen durch den Eigentümer auf dessen Kosten.
  • Strengere Anforderungen im Vergleich zur DIN 1986 i. d. F. von 1988 … entsprechen nicht ohne Weiteres einer sachgerechten Ermessensausübung. Denn die DIN geben die anerkannten Regeln der Technik in sachverständiger Weise wieder. Sie geben daher zumindest für den Regelfall vor, welche Maßnahmen sachgerecht, erforderlich und ausreichend sind. Bestehen weitergehende Anforderungen nach der DIN nicht, so spricht dies dafür, dass solche Anforderungen nicht notwendig sind und als Ausfluss des Verhältnismäßigkeitsprinzips daher – auch angesichts der mit ihnen verbundenen Kosten und Anstrengungen … vom Grundstückseigentümer auch nicht verlangt werden können. Die Abwassersatzungen der Gemeinden und Landkreise dürfen somit strengere Anforderungen im Vergleich zur DIN 1986 i. d. F von 1988 nur vorsehen, wenn sie aus sachlichen Gründen – wie möglicherweise besonderen örtlichen Gegebenheiten – geboten sind. Derartige Rechtfertigungsgründe sind nur in Bezug auf die Buchstaben c und d des § 10 Abs. 2 Satz 2 ABS gegeben. Nach den dort getroffenen Regelungen können zusätzliche Dichtheitsprüfungen gefordert werden, wenn ein Grundstück in einem Gebiet mit hohem Fremdwasseranteil liegt oder konkrete Erkenntnisse bestehen, dass die Grundstücksentwässerungsanlage undicht ist.
  • Die Verfolgung wasserrechtlicher Ziele kann indessen aus den bereits dargelegten Gründen nur mit den Mitteln des Wasserrechts, nicht aber über kommunale Abwasserbeseitigungssatzungen erfolgen.“

Im Einzelnen wird auf den Gesamttext in der KA Korrespondenz Abwasser, Abfall 2012 (59) Nr. 6 S. 586-589 verwiesen.

Kommentar:

Die Argumentation

Der Träger des Abwasserbeseitigungssystems muss im Interesse der erforderlichen effektiven Abwasserbeseitigung in der Lage sein, diesen — aus dem Verantwortungsbereich des Grundstückseigentümers herrührenden — Missstand zu beseitigen, und muss aus diesem Grund auch eine Dichtheitsprüfung anordnen dürfen, die an technische Anforderungen zur Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustands der Grundstücksentwässerungsanlage anknüpft.“

verstößt wenigstens gegen das Verhältnismäßigkeitsprinzip der EU-WRRL und enthält sogar einen Trugschluss.  Dieser besteht darin , dass ja gerade die Dichtheitsprüfung aller Grundstücksleitungen (wie es gewünscht und  z. T. praktiziert wird) eine „effektiven Abwasserbeseitigung“ verhindert.

U. Halbach




Wasserwirtschaft!?

Mein Verständnis:

Effizienz bzw. Verhältnismäßigkeit des gewünschten Nutzens im Gewässer einerseits in Bezug auf die dafür notwendigen einmaligen und laufenden Aufwendungen andererseits unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeiten vom gewünschten oder erzielten Nutzen und Aufwand.

Kritik:

Heute spielt allerdings in der Praxis der Nutzen im Gewässer eher eine Nebenrolle oder hat eine Alibifunktion inne.

Relevant ist heute vielmehr, dass die Abwasserreinigung nach dem Stand der Technik vorgenommen wird, wobei die Effizienz zwar vorgeschrieben ist, aber in der Praxis eher keine oder eine unwesentliche Rolle spielt.

Das erkennt man auch an der erdrückenden Übermacht der Ingenieure gegenüber einer „handvoll“ Ökologen, die in der „Wasserwirtschaft“ zu finden sind.

Zudem verdient es nicht jede technische Entwicklung zur Norm zu werden. Nicolás Gómez Dávila brachte es krass auf den Punkt und der Leser mag über die Allgemeingültigkeit Dávilas Überlegungen entscheiden:

Um zu erreichen, daß der Techniker sich ausschließlich in seinem Amt befleißige, komprimiert die Industriegesellschaft sein Hirn, ohne seinen Schädel zu deformieren.

Der Schwerpunkt der Wasserwirtschaft liegt also heute zu oft beim Geschäft der Umweltwirtschaft als bei einer Effizienz im Umgang mit dem Wasser.

Wobei zu ergänzen ist: Und bei der Gewässerverwaltung als beim Gewässerschutz.

Mittlerweile sind wir an einem Punkt angekommen, an dem der ingenieurtechnische Gewässerschutz an vielen Orten zum Rückgang der Biodiversität und Populationsdichte am und im Gewässer führte.

Genau das Gegenteil dessen, was politisch ehemals als Ziel verkauft wurde.

Für all dies gibt es zahlreiche Indizien.




Abwassergebührensteigerung als logische Folge…

… der Energiekostensteigerung

 

Bei manchen Konsequenzen ist es ratsam, sie nur scheibchenweise zu verkünden.

Aktuell wird gerade eine Energiepreissteigerung in erheblichem Umfang verkündet.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn niemand denkt daran oder traut sich auf die sekundären Preiserhöhungen hinzuweisen oder diese mit spitzem Bleistift auszurechnen.

Und die sekundären Preiserhöhungen, so kann man vermuten, dürften in ihrer Summe die Kosten der primären Energiepreissteigerungen wahrscheinlich in den Schatten stellen.

Man ist alo bemüht, die Folgen zu verniedlichen. Der Beobachter wird an das Gleichnis mit dem kochenden Frosch erinnert, sofern ihm dies bekannt ist.

Offensichtlich ist, dass die Medien in den letzten Wochen sich plötzlich vermehrt gegen die „erneuerbaren“ Energien aussprechen. (Beispiel: Der alltägliche Irrsinn der deutschen Energiewende; )

Kaum eine Ware oder eine Dienstleistung dürfte es geben,  in der nicht in mehr oder weniger umfänglichem Maße elektrische Energie vergegenständlicht wurde bzw. wird und die damit meist in beachtlichem Maße unmittelbar preiserhöhend wirksam wird (besser: werden muss!).

Wenn nun die Energiepreise steigen, so werden folglich auch die Preise jener Waren steigen, zu deren Produktion, Lagerung, Transport und Verkauf elektrische Energie benötigt wird.

Die Bahn wird teurer, Telefon, Internet, die Speisen, der Stickstoffdünger, Pflanzenschutzmittel, die Fleischerzeugung (Schlachtung), die Spirituosen, die Medizin, Mineralöl, das Kochen, die Heizung, die Straßenbeleuchtung, Metalle (Stahl), Chemikalien,  Zement,… um nur auf Naheliegendes kurz hinzuweisen.

Viele Unternehmen wären sicherlich – nun, sagen wir es einmal vorsichtig – ungeschickt, würden sie mit den kommenden Energiepreissteigerungen für ihre Waren und Dienstleistungen nicht auch noch den einen oder anderen Gewinn- und/oder  Sicherheitszuschlag mit einkalkulieren. Ein solches Verhalten war schon bei der Einführung des Euros zu beobachten. Preise für Blumen bekamen z. B. einen anders nicht nachvollziehbaren Aufschlag von 100 %.

Die Lenkung der Aufmerksamkeit allein auf die Energiepreissteigerung ist raffiniert.

Tatsächlich werden wir sicherlich eine komplexe Preissteigerung erleben, deren Folgen in der Summe wir uns im Moment gar nicht vorstellen können.

Elektrisch betriebene Gebläse einer kleineren Kläranlage - Die Energiekosten für den notwendigen Sauerstoffeintrag bei der Abwasserbehandlung können schon 20 % der Betriebskosten erreichen. Die Betriebskosten sind zu 100 % Bestandteil der Abwassergebühren.

Es wird spannend sein zu beobachten, ob Deutschland mit der Abschaltung seiner Kernkraftwerke die eigenen Industriestandorte in einen „wirtschaftlichen Selbstmord“ zwingt und spannend wird es sein zu beobachten, wie das Volk auf die komplexen  Preissteigerung reagieren wird und vor allem dann, wenn es mitbekommt, dass jeder Protest zu spät ist. Markant ist, dass mittlerweile die Bildzeitung die ach so gute Windkraft thematisiert. Und bei den Photovoltaik-Anlagen ist nach Ferruccio Ferroni, Dipl. Ing. ETH, Zürich inzwischen klar, dass die Energie, die für ihre Herstellung verbraucht wird, deutlich größer ist, als jene, die innerhalb der Lebensdauer der Photovoltaik-Anlagen erzeugt werden kann.

Schließlich werden natürlich auch die Trink- und Abwassergebühren entsprechend steigen, denn die Abwasserreinigung ist besonders energie- und chemikalienkostenintensiv.

Uwe Halbach
Diplomvolkswirtschaftler

 




Ein Aufruf zur Bedachtsamkeit

Ist eine weitere Entfernung von Mikroverunreinigungen aus kommunalem Abwasser angezeigt?

Prof. Dr.-Ing. Harro Bode
Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands, Kronprinzenstraße 37
45128 Essen

Exzerpt

  • „Ich halte es in Fällen, in denen es nicht mehr um die Beseitigung offensichtlicher und schlimmer Missstände geht, grundsätzlich für legitim und notwendig, danach zu fragen, welche Beeinträchtigungen unter Kostenaspekten hingenommen werden können und sollen und welche nicht.“
  • „Wenn erst einmal neue Grenzwerte etabliert sind, die es in Oberflächengewässern einzuhalten gilt, ist das Beeinflussen anderer Bereiche wie Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Industrie- und Chemikalienpolitik oft der sehr viel steinigere und schwierigere Weg als der vergleichsweise einfache Ruf nach einem weiteren Kläranlagenausbau. Diese „politische“ Eigendynamik ist nicht zu unterschätzen. Wer sie nicht vor Augen hat, wenn er neue Grenzwerte für Oberflächengewässer fordert, handelt zumindest leichtfertig.“



Die Verrohrung eines Gewässers

Bleibt es ein Gewässer?

Ergebnis einer Rechtsprechung:

„Das Bundesverwaltungsgericht hat die bisherige Rechtsprechung nunmehr in einem neuen Urteil aufgegeben.

Die Gewässereigenschaft wird auch bejaht, wenn nicht nur eine unterirdisch geführte Teilstrecke als Zwischenstück verrohrt ist, sondern das Endstück.

Das Bundesverwaltungsgericht kommt insofern zu einer funktionsbezogenen, nicht mehr nur formalen Betrachtungsweise.“

Kommentiert von RA Reinhart Piens (Essen)

in: KA Korrespondenz Abwasser , Abfall 2012 (59) Nr. 7, Seite 669-670




Die Entwertung des Trinkwassers…

…durch Marketing war ja schon öfter ein Thema.

Nun aber ist es heraus, was bislang nur zu vermuten war:

„Leitungswasser gewinnt im Test gegen Mineralwasser“

Zu wenig Mineralien, manchmal sogar Keime: Die Stiftung Warentest hat stille Mineralwässer unter die Lupe genommen und ist wenig begeistert.
Die Verbraucherschützer raten deswegen zu Leitungswasser.

Siehe auch: Flaschenwahn statt Wasserhahn!

Man mag sich fragen, warum Deutschland eine zentrale Trinkwasserversorgung betreibt und bezahlt?

Insofern ist der Verkauf von Trinkwasser in Flaschen in Deutschland nur ausnahmsweise einzusehen. Er gelingt in den vorhandenen Größenordnungen nur durch vorherige Verdummung des Kunden, an der dieser aber oft eine gehörige Portion Mitschuld trägt.

Primäre Schuld für viele Betrugsfälle tragen demnach nicht die Anderen. Vielmehr ist es zumeist die eigene, oft grenzenlose Dummheit gepaart mit mangelhafter Ausbildung in den Grundlagen der Naturwissenschaften.

Und so ist es nicht immer die Raffgier der Anderen, oder charmanter ausgedrückt das Streben nach Gewinn. Hier insbesondere mit den Mitteln des Betruges, welche/s Ursache für sehr viele Fehlentwicklungen, Unglücke und Kriege zu sein scheint.

Schon oft bemühtes Zitat von Reinhard Mey („Sei Wachsam“, auf Leuchtfeuer, 1996).: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: – Halt Du sie dumm, ich halt sie arm.“

Oder um den Punkt zu setzen; Mephisto in Goethes Faust:

Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist werth daß es zu Grunde geht; / Drum besser wär’s daß nichts entstünde.




Fische tot gepinkelt?

So lautet eine lustige Schlagzeile der Bildzeitung. Auch wenn die Fische mit ziemlicher Sicherheit nicht totgepullert wurden, man kann darüber schmunzeln.

In den folgenden Erörterungen bzw. Ferndiagnosen und vereinfachten Darstellungen sollen 2 Aspekte im Mittelpunkt stehen:

  1. Die Blaualgenplage
  2. Das Fischsterben

Die Blaualgenplage

Manche Fische lieben es geradezu, wenn sie „gedüngt“ werden, denn die Nährstoffe im Urin fördern das Wachstum von Algen.  Kleinkrebse, wie Wasserflöhe beispielsweise fressen Algen und machen so das Wasser sauber – wenn sie die Möglichkeit erhalten. Und Jung- und Friedfische fressen Wasserflöhe. Also: Maßvolle Düngung = viele fette Fische.

So gesehen kann man mit Abwasser Friedfische mästen und alle sind glücklich. Das ist nicht neu, sondern als Reinigungsmethode in Form von Abwasserfischteichen schon jahrzehntelang erprobt. Abwasserfischteiche sind alte, aus der Mode gekommene, aber bewährte Abwasserreinigungsverfahren, die es früher im ländlichen Raum häufig gab.

Vor dem Hintergrund aber, dass der Eichbaumsee 1 km lang, 250 m breite und 16 m tief ist, kann ich mir ein Totpinkeln aus quantitativen Gründen nicht vorstellen. Wikipedia notiert über den Eichbaumsee:

„Der Eichbaumsee wird vom Anglerverband Hamburg mit Karpfen, Hechten, Zandern und Schleien besetzt[1] [2] und war vor dem Fischsterben 2009 besonders wegen des Fanges großer Karpfen bekannt. Der See war ein bei der Hamburger Bevölkerung beliebter Badesee, der jedoch in heißen Sommern immer wieder stark von Algen befallen ist. Trotz Sanierungsmaßnahmen durch Tiefenwasserbelüftung mit einer als „Polyp I“ bezeichneten Anlage im März 2005 und im März 2007 mit „Polyp II“ musste das Baden wegen der Blaualgen untersagt werden. Seit Ende August 2007 ist ein generelles Badeverbot ausgesprochen.“

Und nach dem Artikel soll also in den letzten Jahren etwas passiert sein, das die Blaualgen so schön wachsen lässt.

Blaualgen mit Heterocysten - Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Was kommt dafür als Indiz in Frage?

Nun, es sind m. E. die besonderen Anstrengungen zur  Reinhaltung der Gewässer.

Das mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, aber es gibt ganz plausible Zusammenhänge:

Erstens:

Wo Nitrat in ausreichender Menge vorkommt, treten Grünalgen auf und wo Grünalgen sind, gibt es keine Blaualgenplage.

In dem Maße, wie Nitrat – weil gesetzlich vorgeschrieben – aus den Gewässern verbannt wird, werden ideale Lebensbedingungen für Blaualgen geschaffen.

Beweis nach Prof. Dietwart Nehring: „Dass die westlichen und zentralen Teilgebiete der Ostsee besonders stark von Blaualgen heimgesucht werden, hängt mit dem relativen Stickstoffmangel zusammen…“

Also:

Kein Nitrat = Blaualgenplage!

Mit anderen Worten: Die Natur beweist uns eindrücklich, dass wir beim Duschen in üblicher Weise nass werden.

Die maßvolle Einleitung von nitrathaltigem gereinigten Wasser könnte die Blaualgenplage minimieren!

Zudem ist das Einleiten von Nitrat in Teiche eine anerkannte Sanierungsmethode.

Zweitens:

Angler können (müssen nicht) die natürliche Gewässerklärung verhindern.

Beweis:

  1. Kleinkrebse fressen Algen
  2. viele Kleinkrebse = wenig Algen
  3. Fried- und Jungfische fressen Kleinkrebse
  4. viele Fried- und Jungfische = wenig Kleinkrebse = viele Algen = trübes Wasser
  5. In dem Maße wie Raubfische geangelt werden und dadurch die Fried- und Jungfische nicht minimiert werden, steigt die Wahrscheinlichkeit von trübem Wasser.

Quintessenz:

Es ist Zeit, sich den Unsinn einer Gewässerreinhaltung ohne Augenmaß festzustellen.

Nicht nur wegen des Sinnes, sondern auch wegen der Geldverschwendung.

Denn nicht umsonst steckt in dem Wort Wasserwirtschaft ein Sinn, der zunehmend – weil wir es uns leisten können – verloren geht.

Überlegungen eines anerkannten Ökologen, die uns eher weniger Naturgebildeten – zu denken geben sollten:

„Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wennn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt?“

Quelle: Reichholf, Joseph, H., Die Zukunft der Arten, C.H. Beck, 2. Auflage 2006, S. 63

Oder mit anderen Worten:

Reine Gewässer sind biologisch tote Gewässer!

2. Das Fischsterben

Fische können aus den verschiedensten Gründen sterben und dies muss nicht immer mit einer Vergiftung zusammenhängen. Spektakulär wird es, wenn die Fische alle gleich alt sind und dann an Altersschwäche ziemlich gleichzeitig sterben. So geschehen im Jahr 2006 in der Talsperre Saidenbach im Erzgebirge, damals starben ca. 8 Tonnen Karpfen!

Zu häufigen Fischsterben kommt es in stehenden oder langsam fließenden Gewässern, wenn Algen und Sonneneinstrahlung zusammentreffen. Die Algen verbrauchen das im Wasser gelöste Kohlendioxid, dadurch steigt der pH-Wert an und es wird mehr Ammoniak gebildet. Ammoniak ist ein starkes Fischgift.

Soll dieser Prozess minimiert werden, dann sind die Algenfresser (Wasserflöhe, Kleinkrebse, Zuckmückenlarven,…) zu schützen und die Gewässer soweit wie möglich zu beschatten. Besonders geeignet dafür ist die Schwarzerle.

Insofern unterstützen Jung- und Friedfische durch das Fressen der Wasserflöhe die Fischvergiftung.

Durch das Einsetzen und Schützen von Teichmuscheln werden wiederum klare Gewässer gefördert.

Das Ersticken von Fischen durch das Einleiten von ungereinigtem Abwasser kommt eher seltener vor.

Literatur:

Blaualgen –  Ein Überblick




Frühaufsteher

Sachsen-Anhalt – Das Land der Frühaufsteher

Über diesen Slogan mag so mancher gelächelt haben, weil er diese Anhaltiner nicht kannte. Es ist in der Tat so:  In Sachsen-Anhalt und in den meisten neuen Bundesländern wird früher aufgestanden. Zumal geht hier die Sonne auch früher auf.

Und mit dem Werbespruch möchte man natürlich auch eine gewisse geistige Fitness verbinden.

Das ist nicht weit hergeholt, denn immerhin haben die Ostdeutschen ja eine Diktatur mehr erlebt als ihre westdeutschen Landsleute und merken manches also schneller, auch wenn sie darum kein Getöse machen.

Und so ist es kein Wunder, dass Herr Winfried Kluth, Richter am Landesverfassungsgericht von Sachsen-Anhalt, in einem aktuellen Gutachten korrekt und mutig feststellt:

Die Zulassung von Freiheitsbeschränkungen ohne jede empirische oder fachwissenschaftliche Grundlage ist nichts als ein Deckmantel für schlecht kaschierte Willkür, die vor einer gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung kapituliert.

Und weiter

Das Gericht verkennt und ignoriert mit seiner Vorgehensweise den wissenschaftlichen Meinungsstand und verletzt das rechtsstaatliche Verteilungsprinzip, das für freiheitsbeschränkende Regelungen eine tragfähige sachliche Begründung verlangt

Das erste Zitat habe nicht ich „ausgegraben“. Es stammt aus einer denkwürdigen Kolumne von Maxeiner & Miersch. Diese beiden Autoren steckten  schon häufig ihre Finger ganz tief in die Wunde im deutschen „Ökologie“verständnis.

Und zu recht, denn in keiner Zeit, wie in der heutigen gab es so extrem viele Verbote und Regulatorien.

Weitere Restriktionen gegen den Normalbürger sind wohl geplant und liegen schon in den Schubladen. Komisch ist, dass fast alle lieben Mitmenschen dies toll finden und sich schon auf weitere Verbote freuen.

In vielen Veröffentlichungen wird das Wieselwort „Freiheit“ bemüht und kaum jemand begreift, dass die beschleunigte Zunahme von Verboten und Regulativen eben genau diese schrittweise ausschließt.

Einfachste Dinge, wie z. B. ein Feuerchen anmachen – vor der ökologistischen Ära kein Problem – sind heute in der Regel verboten. Heute schreit sogar jeder Kamin nach einem Feinstaubfilter, um die Sterblichkeit durch Feinstaub in der putzmunteren Nachbarschaft auf die präökologistische Epoche zu reduzieren.

Wir wissen zwar nicht, ob es hilft, aber alle Guten machen mit!

Da ist schon die Frage erlaubt:

Leben wir überhaupt noch in einer Demokratie oder schon in einer Diktatur?

Angesichts der Gesetzesflut ein Neuerervorschlag:

§ 1: Wir verbieten dem Bürger grundsätzlich alles und schaffen alle Gesetze ab.

§2: Das was er noch darf, schreiben wir auf eine DIN A4-Seite

Und schließlich noch ein Analogieschluss:

Wenn

Die Zulassung von Freiheitsbeschränkungen ohne jede empirische oder fachwissenschaftliche Grundlage ist nichts als ein Deckmantel für schlecht kaschierte Willkür, die vor einer gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung kapituliert.

sind dann

Verbote im Umweltrecht ohne jede empirische oder fachwissenschaftliche Grundlage auch ist nichts als ein Deckmantel für schlecht kaschierte Willkür, die vor einer gesellschaftlichen (manipulierten) Mehrheitsmeinung kapituliert?

Lesenswertes, typisches und aufschlussreiches zum Thema „Freiheitsbeschränkungen“:

  • Grüne Männchen sind reine Glaubenssache
    Man könnte grüne Männchen richterlich verbieten lassen – solange nur die Mehrheit daran glaubt. Um wissenschaftliche Fakten geht es schließlich bei den wenigsten Gesetzen.
    Von Dirk Maxeiner und Michael Miersch
  • Schon etwas ältere, aber immer noch aktuelle Denkaufgabe:
    Der Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer sieht im Umweltstrafrecht „Neukriminalisierungen außerhalb eines Täter-Opfer-Bereichs“ sowie eine flächendeckende Vorfeldkriminalisierung, bevorzugt über abstrakte Gefährdungsdelikte.

    Quelle:

    auch von Maxeiner und Mirsch
    Die Zukunft und ihre Feinde – Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
    Eichenbornverlag 2002



Mistbiene

Cristian E.W. Steinberg

Von Mistbienen, Haussperlingen und der EU-Wasserrahmenrichtlinie – eine beabsichtigte Polemik

 

Mistbiene




Konsens ist Nonsens

Klimatisches auf den Punkt gebracht

Ein lesenswerter, krasser Artikel (im positiven Sinne) „Orakel von Delphi“ von Dr. Wolfgang Thüne, Ex-ZDF-Wetterfrosch und Kritiker der Klimakatastrophiker.

  • „Als Meteorologe kenne ich die Tagesgänge und die Jahresgänge des CO2– Gehaltes wie der Temperatur der Luft, weiß ich – das Umweltbundesamt, von dem ich diese Daten habe, weiß es auch sehr wohl -, dass zwischen beiden nicht die geringste kausale Abhängigkeit besteht. Die der Öffentlichkeit vom IPCC präsentierte Korrelation ist in Wirklichkeit eine bewusst in die Irre führen sollende Scheinkorrelation.“
  • „Wer sich der Macht des Gutmenschentums erwehren, die immer offensichtlicher werdende Bevormundung und Reglementierung abwehren, wer nicht in „grünen Fesseln“ (Vaclav Klaus) enden will, der sollte sich in die Materie einlesen, um nicht eines Tages in einer globalen und totalitären „Ökodiktatur“ aufzuwachen. Wer die Klimahoheit hat, hat die Neigungshoheit und damit die Meinungshoheit wie Manipulationsmacht.“
  • „Die Parole vom „CO2-freien Europa“ ist das Dümmste, was die grüne Bewegung bisher propagieren konnte. Doch wo ist der Widerstand?“

„Wird die Wissenschaft zu einer demokratischen Veranstaltung, wo „Naturgesetze“ nach dem Mehrheitsprinzip beschlossen und abgesegnet werden, dann können wir wieder bei René Descartes mit seinem „cogito ergo dubito, ergo sum“ (ich denke, also zweifele ich, also bin ich) und Vater des „analytischen Denkens“ ganz von vorne anfangen.“

 

 




Wiesel-Wörter und Trojaner im Umweltschutz

Was ist ein Wiesel-Wort?

„So wie das kleine Raubtier, das auch wir Wiesel nennen, angeblich aus einem Ei allen Inhalt heraussaugen kann, ohne daß man dies nachher der leeren Schale anmerkt, so sind die Wiesel-Wörter jene, die, wenn man sie einem Wort hinzufügt, dieses Wort jedes Inhalts und jeder Bedeutung berauben.“

Friedrich August von Hayek

Wiesel-Wörter im Umweltschutz sind wertende Präfixe, wie z. B.

  • gut, guter Gewässerzustand (Nur ein Beispiel: Der vermeintlich „gute“ Gewässerzustand führt zu Fischsterben – wegen Verhungern. Was also ist gut an dem extrem teuren Zustand?)
  • öko, Öko-Landbau (Ökologie ist keine wertende Wissenschaft)
  • bio, z. B. Bio-Butter (Biologie ist keine wertende Wissenschaft)

Beispielhafte Begründung:

  • Gewässer sind Biotope.
  • Biotope sind Kategorien der Ökologie.
  • Wenn die Ökologie keine wertende Wissenschaft ist, dann gibt es auch keine guten oder schlechten Gewässerzustände.
  • Die Zustandsbewertungen (öko, bio, klima) sind also subjektiv und willkürlich gewählt. Sie dienen dem Zweck, die Menschen zu bestimmtem Handeln zu zwingen, wobei die Wirkungen häufig am Ziel vorbeischießen und auch höchst kontraproduktiv sein können. Vergleichbar mit einem Rasenmäher, der alles gleich lang absäbelt, wobei der Rasenmähermann seinen  Mäher auch gern über Blumenrabatten lenkt.

Das Erkennen von „Wiesel-Wörtern“ ist neben der Pflege der deutschen Sprachlogik Voraussetzung für das Wahrhaftige und das Konkrete.

Oder nehmen wir Wiesel-Substantive in ihrer Zusammensetzung mit dem Wörtchen „-schutz“

  • -schutz, z. B. Gewässerschutz, Klimaschutz, Umweltschutz

Zugegeben: Es fällt nicht leicht „Wiesel-Wörter“ zu entdecken. Deshalb nicht, weil wir

  1. uns einerseits an sie schon gewöhnt haben,
  2. weil wir uns selten die Zeit nehmen und nachdenken: „Stimmt das eigentlich, was verkündet wird?“,
  3. weil sie wieselflink im Satz neben anderen Wörtern vorbeihuschen – bevor wir sie wahrgenommen haben, sind sie schon wieder weg.

Analysieren wir also das Wort „Gewässerschutz“.

Was soll geschützt werden? Vor wem soll es geschützt werden?

Das Wort ist abstrakt. Unser Handeln dagegen – es soll zielgerichtet sein. Und deshalb muss (sollte) Handeln konkret sein.

Nur mit konkreten Zielen lässt sich eine konkrete Geldverschwendung erkennen bzw. vermeiden.

Haben wir unendliche Ressourcen um uns abstrakte Ziele, wie z. B. den „guten Gewässerzustand“ überhaupt leisten zu können?

Ein Anspruch, der echte Ökologen auf die Palme bringt…

Die Zustandsbeschreibung „guter Gewässerzustand“ ist so kompliziert zu fassen, dass man wenigstens Wasserbiologie studiert haben sollte, um zu ahnen, was der Gesetzgeber meint zu wollen und um zu verstehen, dass solche Anforderungen widersinnig sind.

Kein Wunder, dass es Verwaltungsrechtlern schwer fällt, mit abstrakten Prämissen in einer konkreten Situation auch konkrete Urteile zu fällen (wenn es überhaupt mit logischen Methoden sicher möglich ist).

Wir wissen nicht mehr was wir tun und haben – weil wir im Geld schwimmen – verlernt, uns auf Schwerpunkte zu konzentrieren.

Das soll keineswegs bedeuten, dass alles, was unter der Überschrift „Gewässerschutz“ passiert, widersinnig und unnötig ist.

Aber dogmatisches, abstraktes Schützen führt z. B. zu Fischarmut.

Kritik und Wiederwort lenkt unser Denken auf versteckte oder getarnte Reserven und die liegen überwiegend in unseren Vorschriften zumeist von vorgestern, die wirklich effiziente Innovationen verbieten.

Ein weiteres Beispiel: Es ist verboten, die Selbstreinigung und die biologischen Prozesse im Gewässer für wasserwirtschaftliche Maßnahmen auszunutzen.

Verboten ist, was in der Medizin erlaubt ist:  Reduzieren der Dosis durch Verdünnung oder ganzheitliches Denken.

Ein Schiffer, der auf der Elbe stromabwärts fährt, drosselt seinen Diesel. Fährt er stromaufwärts, gibt er Gas.

Und wenn es im Büro stinkt, dann darf ohne Aktivkohleluftfilter gelüftet werden.

Kläranlagenbetreiber dürfen nicht so vernünftig handeln.

Sie müssen Energie verschwenden, denn sie sind dazu gesetzlich gezwungen.

Ob es nötig ist, fragt der Gesetzgeber nicht.

Müssen z. B. kommunale Kläranlagen im Winter,

  • wo es temperaturbedingt im Gewässer kaum eine Sauerstoffzehrung gibt,
  • wo die Sauerstoffsättigungskonzentration höher als im Sommer ist,
  • wo die Sauerstoffeintragsgeschwindigkeit größer als im Sommer ist und
  • wo die Energie besonders knapp ist,
  • wo zunehmend mehr Menschen frieren, weil sie sich keine Heizung leisten können, auch weil der Strompreis unwirtschaftliche Energiearten stützen muss

im Ablauf einen BSB5 von z. B. 25 mg/l oder gar 3 mg/l (der im warmen Labor bei  20 °C gemessen wurde) gewährleisten?

Die Welt als Wille und Vorstellung. (Foto: Wikipedia)

Nach der folgenden Tabelle hat ein Ablauf-BSB5 von z. B. 20 mg/l , der – wie üblich – im Labor bei angenehmen 20 °C  gemessen wird, bei einer Temperatur im Gewässer von nur 5 °C eine Zehrung, die einem BSB5 von 9 mg/l entspricht.

Denken Sie nach:

Es gibt noch mehr Beispiele im Gewässerschutz, bei denen Gerichte über Beträge urteilen müssen, die im Labor gemessen wurden und die nicht auf die Natur übertragbar sind.

Man urteilt über Vorstellungen, weil der Wille des Gesetzgebers mitunter dazu zwingt.

Preiswerter und effizienter wäre es, die objektive Realität zu erforschen und zu bewerten.

Wenn also Kläranlagen (auch große) bei einer Wassertemperatur im Gewässer von 5 °C im Ablauf einen BSB5 von 40 mg/l fahren, dann geht davon die Welt nicht unter. Im Winter, wenn jede Kilowattstunde gebraucht wird, dann leisten wir uns den Luxus und verschwenden Energie in einem Umfang, als hätten wir unendliche Ressourcen.

Ich bin überzeugt, wir werden Gesetze im Gewässerschutz noch drastisch ändern müssen. Dann nämlich, wenn die Energiekosten weiter steigen.

Momentan ist die Energie einfach noch zu billig, um heilige Kühe zu schlachten.

Das heißt, wir steuern also unsere Kläranlagen – weil es verwaltungsrechtlich bequem ist – nach einem Parameter, der unter weltfremden Bedingungen gemessen wurde und ohne Weiteres nicht auf die tatsächlichen Verhältnisse in der Natur übertragbar ist. Damit sind wir wiedermal bei dem deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788–1860):

Die Welt als Wille und Vorstellung.“

Das ist unter Experten profanes Wissen.

Aber ist es auch wirklich gut so?

Temperaturabhängige BSB-Äquivalenz

Bei den unnötig hohen und starren Kläranlagengrenzwerten liegen unsere eigentlichen Reserven bei der Energieeinsparung.

Es mag weh tun, aber die Wasserwirtschaft der DDR war deutlich wasserwirtschaftlicher.

Nicht weil sie besser war, sondern zwangsläufig, weil Geld für Gewässerschutz knapp war.

Ich will es nicht erörtern, ob der Realitätsverlust im Wasserrecht von Anfang an gewollt war.

Gewässerschutz ist also ein Wiesel-Wort, weil es – so wie es da steht und geübt wird – ohne Inhalt ist. Jeder kann es beliebig füllen, solange die Widersprüche nicht allzu offensichtlich werden. Selbst der naheliegende Schutz der Gewässer vor Schwermetallen ist ein Wiesel-Imperativ, weil dieser nicht hinreichend konkret ist. Konkret wird es dann, wenn z. B. die tatsächlich notwendige Grenzkonzentration im Gewässer bewiesen und genannt wird. Bis dahin ist alles zumeist vorsorglich, gut gemeint, beliebig und willkürlich.

Auch die Klimatologie ist keine wertende Wissenschaft. Analog ist der Klimaschutz ein „Wiesel-Wort“. Aber das nur am Rande.

Trojaner

Eher keine Wiesel-Wörter im Umweltschutz, sondern ein Trojaner in klassischer Analogie sind Adjektive, wie z. B.

  • erneuerbar, insbesondere im Zusammenhang mit Energie.

Wer sich diesen Trojaner in sein Gehirn zieht, wie einst die Trojaner das Pferd, das die feindlichen Griechen damals für sie bastelten, der verseucht sich mit „erneuerbaren“ industriellen und wirtschaftspolitischen Viren, verlernt schnell das präzise Denken und handelt quasi freiwillig, so wie es die Viren erzwingen. Am Rande sei bemerkt, dass die Wirtschaftspolitik, die von der scheinbaren Erneuerbarkeit profitiert, die Mehrzahl ihrer  anderen Wirtschaftsbereiche schwer schädigt, weil sie durch unnötige Kosten deren Wettbewerbsfähigkeit senkt. An sich ist es auch ein interner Wirtschaftskrieg einer Unternehmensgruppe gegen eine andere und das innerhalb eines Landes.

Wie erneuert man etwas Altes?

Hier handelt es sich wohl um die gleiche Ausdrucksschwäche wie bei solchen  Wortschöpfungen, wie „Bedachungsfirma“, „Getränkeabholmarkt“ oder trefflicher „Neueröffnung“.

Aus dieser Ecke kommt offensichtlich das erneuerbare „Optimalste“.

Dabei stellt sich die Frage, ob der Gedanke von der Erneuerbarkeit nicht sowieso einem eher schwächlichen Sinn entspringt?

Kann man überhaupt etwas erneuern?

Geht es neuer als neu?

Ein Mensch, der gerade geboren wird, ist neu.

Wie erneuere ich aber einen Menschen?

Oder eine Maschine, die gerade gebaut wird. Wie erneuert man eine alte Maschine? Man kann sie durch eine neue Maschine ersetzen, aber dadurch wird die alte doch nicht neu oder neuer.

Abgesehen davon ist erneuerbare Energie physikalisch gesehen nicht erneuerbar, denn sonst wäre ein System mit erneuerbarer Energie ein unmögliches Perpetuum mobile. Ob die Erfinder der Wortschöpfung der Erneuerbarkeit in der Schule das Fach Physik abwählten, soll nicht weiter erörtert werden. Im gewissen Sinne steckt aber doch eine Genialität hinter der wirtschaftspolitischen Doktrin von der Energieerneuerbarkeit. Auch wenn das „erneuerte“ Perpetuum mobile keine Energie erneuert, die man gewinnbringend verkaufen kann. So wurde doch auf jeden Fall ein Goldesel erfunden, aus dem mehr Geld kommt, als beim Betrieb eines Perpetuum mobile zu erwarten wäre.

Und das Geld fließt, ohne dass man welches hineinstecken muss (von einer Startinvestition, die andere bezahlen, mal abgesehen).

Auch toll!

Ein Wiesel ist ein Raubtier

Markant:  Alles – wie auch das Entdecken von Wiesel-Wörtern – kann verletzend und unbequem sein.

Je nachdem.

Verletzend, aber eher als heilendes Skalpell in der Hand eines Chirurgen und weniger als Fallbeil.

Präzision im Ausdruck ist der Anspruch

Dirk Friedrich:

Konfuzius soll gesagt haben: „Wenn die Sprache nicht stimmt, dann ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist. Ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen keine guten Werke zustande. Kommen keine guten Werke zustande, so gedeihen Kunst und Moral nicht. Gedeihen Kunst und Moral nicht, so trifft die Justiz nicht. Trifft die Justiz nicht, so weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen. Also dulde man keine Willkürlichkeit in den Worten. Das ist es, worauf es ankommt.“

In diesem Sinne: Achten wir auf einen präzisen Ausdruck!

Bzw. versuchen wir wenigstens den Erkenntnisprozess der Präzision mittels der deutschen Sprache.

Der Weg ist das Ziel, denn wer erreicht schon die Perfektion!

Initiator  für dieses Wieselthema war übrigens der scharfsinnige Aufsatz von Dirk Friedrich:

Von den Lügenwörtern: Die Wahrheit der Sprache als Bedingung von Recht und Freiheit

Die „Wiesel-„Aufzählungen sind unvollständig.

Kein Problem  für den Leser, der diese Aufzählungen ergänzen, präzisieren, bestreiten oder diskutieren möchte.




Die es gut meinen, das sind die schlimmsten…

…meinte Philippus Theophrastus Paracelsus

und das meine auch ich, insbesondere nach dem Lesen mancherlei Literatur, z. B. über die wissenschaftliche Ökologie.

Martin Johannes Grannenfeld hat die aktuelle „Unwort-des-Jahres-Show“ auf’s Korn genommen:

„Und jetzt geht’s los: „Gutmensch“. Ah wie originell. Zwar gibt die Jury zu, dass es den Begriff schon seit 20 Jahren gibt. Allerdings geistere er in jüngster Zeit vermehrt durch das, haltdichfest – Internet: Dort werde nämlich mit diesem Ausdruck regelmäßig „das ethische Ideal des ‚guten Menschen’ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch [widerspreche] Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationaler Diskussion gehören.“  Das ist kaum zu toppen an Schmierigkeit, Falschheit und Selbstgerechtigkeit. Wo anfangen bei all den Fehlern und Verzerrungen?“

Siehe dazu die komplette Bewertung des Gutmenschen: „Unworte des Jahres 2011: Demokratische Sprachoffensive  von Martin Johannes Grannenfeld

Lesenswert und aufschlussreich!

…und ferner Zitate über Gutmenschen.




Methoden einer Kampagne

Die Vorstellung

„Da wird schon wieder eine Sau durch’s  Dorf getrieben…“

drängt sich in dem Maße häufiger auf, wie man die Medien beobachtet.

Nicht was sie berichten, sondern wie sie manche ihrer Nachrichten methodisch vortragen , soll im Blickpunkt des Interesses stehen.

Auch Berichte über die Umwelt – ich vermeide den Begriff  „Umweltschutz“ – werden mitunter strategisch bestens vorbereitet.

Und so mag es auch kein Zufall gewesen sein, dass z. B. Meldungen über Uran im Trinkwasser im August 2008 ihren Höhepunkt erreichten, als die Geschäftsführer der Trinkwasserversorger sich gerade sonnten und auch ihre Kunden im Urlaub waren. Der beste Zeitpunkt, den Bürger aus seinem Dämmerschlaf zu wecken und seine Meinung etwas zu kneten.

Bestens war gesichert, dass die Nachricht die Aktiven und Passiven gleichermaßen erschreckte.  Zuvor hatte man in den USA den Urangrenzwert wegen Unbedenklichkeit von 20 Mikrogramm auf 30 Mikrogramm erhöht. In Kampagnen sind sachliche Argumente aber nur störend, denn es geht nie um die Sache, sondern nur um Macht bzw. um das Geschäft.

Der Leser von Horrornachrichten konzentriert sich in aller Regel auf den Inhalt der Schreckensmeldungen und lässt sich wollüstig gruseln. Für die Methoden der Nachrichtenkampagne hat er weniger einen Blick.

Das sollte er aber. Hätte er diesen nämlich, dann würde die Nachricht ihr Ziel verfehlen, denn:

Wer die Mechanik einer Geisterbahn kennt, hat keine Angst!

Und die Kampagne wäre entwertet.

Wie es bei der Rente eine vor- und nachschüssige Zahlung gibt, ist es auch bei dem Horror so. Richtet man sich nach Horrormeldungen in den Nachrichten, dann zahlt man diese recht wahrscheinlich nachschüssig. Besucht man dagegen einen Gruselfilm im Kino, dann wird es viel billiger.  Dann nämlich zahlt man vorschüssig und man kennt den Preis. Die scheinbar kostenlosen Horrormeldungen in den Nachrichten sind allerdings um ein Vielfaches einträglicher, wenn man sich z. B. nur nach den Klimahorrormeldungen richtet. Das kostet nachschüssig und da zahlen noch unsere Enkel für unseren Horrorgenuss, sofern man welche hat. Aber ich vergesse immer meine volkswirtschaftliche Ausbildung: Es kommt nicht darauf an, ob der Staat etwas Vernünftiges mit seinem Geld anstellt. Geld muss ausgegeben werden.

Interessant ist nun, dass es tatsächlich raffinierte Methoden zur Gestaltung erfolgreicher Pressekampagnen gibt und es ist reizvoll mit diesem Wissen die täglichen Nachrichten daraufhin retrospektiv zu bewerten.

Zudem dienen derartige Methoden bekanntlich der Marktgestaltung und erfreuen sich damit auch unternehmerischen Interesses.

Malte Lehming hat in den Potsdamer Nachrichten einen Beitrag „Wie ein Skandal gemacht wird“ veröffentlicht.

In diesem Artikel spielt die der Murdoch-Gruppe zugeschriebenen Anleitung mit dem Titel „The Making of a Scandal“ eine Rolle.

Hier eine kleine Auswahl von in Redaktionen zumeist bekannten Ratschlägen zur professionellen Gestaltung von Skandalen und Kampagnen, die in dem der Wasserwirtschaft zugeneigten Leser bestimmte Erinnerungen wecken dürften:

  • „Falls Du keine Enthüllungs-Konkurrenz befürchten musst, warte mit der Veröffentlichung auf eine nachrichtenarme Zeit. Gut ist der Beginn der Sommerferien, perfekt die Weihnachtszeit. Mangels anderer Themen gibt es hier die größtmögliche Resonanz.
  • Verschieß’ Dein Pulver nicht gleich beim ersten Mal. Strecke und dosiere die Geschichte so, dass der Leser das Gefühl bekommt, er habe erst die Spitze des Eisbergs gesehen. Das erzeugt Neugier und garantiert eine längere Haltbarkeit.
  • Ideal ist, wenn sich der Angegriffene zum Zeitpunkt der Lancierung auf Urlaub oder Dienstreise befindet. Dann kann er sich nicht unmittelbar zur Wehr setzen, sondern hinkt dem Skandal hinterher, der dadurch eine Eigendynamik bekommt.
  • Suche Komplizen! Ein einzelnes Medium ist für eine Kampagne zu schwach. Füttere also die Konkurrenz recht bald mit Exklusiv-Informationen, damit sie in die Geschichte einsteigt. Ohne andere willige Vollstrecker – insbesondere auch in den elektronischen Medien – laufen Affären schnell leer.“

Quelle: Wie ein Skandal gemacht wird von Malte Lehming

Vielleicht schließlich:

Nachrichten sind kaum noch Meldungen, nach denen man sich richten sollte!




Mit der CO2-Politik vergeuden wir nur Ressourcen!

…und das ist gut so!?

Literaturauszug:

„Unzureichende Faktenkenntnisse

Diejenigen, die der „Klimahysterie“ – wie der Titel eines 2011 erschienenen Buchs des Münchner Naturwissenschaftlers Josef H. Reichholf lautet – verfallen sind, wissen schon allein über elementare Fakten oft nicht Bescheid: In der Atmosphäre befinden sich derzeit 0,038 Prozent CO2; davon produziert die Natur gut 96 Prozent, die restlichen vier Prozent gehen auf das Konto des Menschen.

Der Anteil Deutschlands am globalen CO2-Ausstoß liegt bei 3,1 Prozent. Somit stammen 0,00004712 Prozent des menschenverursachten Luft-CO2 aus Deutschland.

Dieser Wert legt nahe, dass der Anspruch deutscher Politiker, Vorreiter bei der CO2-Einschränkung zu sein, ziemlich anmaßend ist. Diese Führungsrolle kostet aber die Deutschen an Steuern und sonstigen Belastungen jährlich mehr als 50 Milliarden Euro.“

Quelle: Klimafrontbericht: Profiteure der Hysterie
von Franz Kromka

Kommentar:

Was wird wohl in der Natur geschehen, wenn es uns tatsächlich gelänge die 0,00004712 Prozent des menschenverursachten Luft-CO2 aus Deutschland auf Null zu reduzieren?

Diese Zahl muss man sich erst einmal vorstellen, um ihren Einfluss vorstellen zu können:

0,00004712 Prozent sind erst einmal aufgerundet 0,00005 Prozent oder 5 dividiert durch 10 Millionen oder 0,00005 Prozent multipliziert mit 10.000 = 0,5 ppm, d. h. 0,5 Millionstel oder 5 Teile CO2 in 10 Millionen Teilen Luft.

Und um diese 0,5 Millionstel etwas zu senken, gibt Deutschland 50 Milliarden € aus.

Naja, wenigstens stimmt die „5“ ungefähr.

Ein Effekt wird nicht garantiert!

Die folgende Tabelle veranschaulicht die Proportionen.
(5E-07 = 5 dividiert durch 10 Millionen und 5E-1 = 0,5 ppm, 1 % = 10.000 ppm)

Was wird geschehen, wenn ein deutscher Biertrinker beschließt, zum Wohle Deutschlands, zum Wohle der Menschheit, zum eigenen Wohle oder auch zum Wohle des Klimas täglich 0,5 Millionstel Bier weniger zu trinken?

Wird man eine Wirkung messen können?

Tja, und dann gibt es ja noch das Naturgesetz vom Umschlag in eine andere Qualität durch quantitative Änderungen, d. h. ist das Quantum überhaupt hinreichend groß, um eine neue oder andere Qualität zu gewährleisten?

Hat das schon einmal jemand untersucht, bevor dieser globale Großversuch gestartet wurde?

Wie hoch ist die gemessene Wahrscheinlichkeit, dass 4 % von 0,038 %, dass  also 0,00152 % global gemenscheltes CO2 zu einem Effekt führen?

Und wer haftet für die Klimaprognosen, wenn sie nicht zutreffen?

Niemand, denn wer ist schon so blöd für Prognosen zu haften?

Die positiven planwirtschaftlichen Motive der Klimapolitik liegen auf der Hand:  Entwertung des Spar- und Leistungsvermögens der Massen durch die Umwandlung ihrer Dummheit in nutzlose Scheinwerte. Finanziell gleichwertige Alternativen zur Klimapolitik wären dagegen nicht so glücklich: Kriege, wesentlich höhere Arbeitslosigkeit, Senkung der Umsatzsteuer…

Erstaunlich ist auch, dass die tatsächliche Größenordnung der CO2-Senkung (0,5 Millionstel) verschwiegen wird.

Und das ist gut so, denn sonst könnte ja jedes Milchmädchen selber nachrechnen.

U.H.




Panik?!

Saalekreis
Krebsgefahr im Grundwasser

„Im Grundwasser sind erhöhte Konzentrationen von PFT festgestellt worden. Die chemische Verbindung – perfluorierte Tenside – gilt als Krebs erregend.“

Kommentar:

???

Allerdings ist dem Artikel nicht zu entnehmen – man möchte noch das Wort „natürlich“ hinzufügen – ob die Ängste tatsächlich berechtigt sind.

Hier muss man wissen, dass nicht nur die deutschen Grenzwerte schon seit langem kein Maßstab oder ein Beweis für irgendwelche konkreten Gefährdungen oder Besorgnisse sind.

Maßstab ist in der Regel allein das Leistungsvermögen moderner Reinigungsverfahren.

Die Definition des „Standes der Technik“ enthält zwar auch wirtschaftliche Aspekte, aus denen man sogar auch einen hinreichenden Nutzensnachweis ableiten könnte.

Das ist aber eher eine Theorie.

Die Praxis sieht anders aus.




Bestätigung vorgefasster Meinungen ein Schwerpunkt der Klimaforschung

Angus Millar Vortrag bei der Royal Society of the Arts
Edinburgh, 31. Oktober 2011

Zitat aus dem Vortag „Matt Ridley über Wissenschafts-Ketzerei“ (sehr lesenswert):

„Zusammenfassend möchte ich sagen,

dass ich eine Menge Zeit mit dem Thema Klima zugebracht habe.

Ich hätte mich auch damit befassen können, welche Fette gesund sind oder ob die Gene oder die Umwelt den Charakter eines Menschen prägen.

Mein Hauptargument ist, dass ähnlich wie in der Religion, die institutionalisierte Wissenschaft heute und in allen Zeiten von der Verlockung heimgesucht wird, eine bereits vorgefasste Meinung zu bestätigen.

Mit erschreckender Leichtigkeit verwandelt sie sich in Pseudowissenschaft, selbst dann – oder gerade wenn – sie sich in der Hand von einer Expertenelite befindet.

Das passiert im speziellen bei Zukunftsvorhersagen und wenn ein Übermaß an Förderung vorhanden ist.

Wissenschaft braucht Ketzer.

Ich danke Ihnen vielmals für Ihre Aufmerksamkeit.

Matt Ridley“

***

Matt Ridley ist ein britischer Zoologe und Autor populärwissenschaftlicher Bücher.

Ein weiteres Zitat von ihm: Klimapolitik




Ökodiktatur

.

Ein Blick aus Heidelberg über die Schweiz auf Deutschland

Einige Auszüge aus der NZZ Online vom 19. September 2011:

Paternalismus und Ökodiktatur

Autor: Ulrike Ackermann

  • Die Grenzen der Wirksamkeit des Staates sind offensichtlich, und doch herrscht eine Staatsgläubigkeit wie schon lange nicht mehr
  • Obwohl der Staat viele der Probleme mitverursacht hat, die uns heute bedrängen, soll er es sein, der uns aus der Krise herausführt.
  • Wer solches fordert, nimmt mehr zentrale Planung, Egalisierung und Vereinheitlichung in Kauf. Dabei waren es Privatinitiative, Freiheit und Demokratie, die uns den Wohlstand gebracht haben.

Inzwischen erlaubt sich der Staat immer mehr Übergriffe auf ihr privates Leben. Verbote und Vorschriften haben aber die Neigung gleichzumachen. Denn keiner soll aus der Reihe tanzen. Doch Paternalismus und Egalitarismus sind Zwillingsbrüder und beschneiden die Handlungsfreiheit und die Entfaltungsmöglichkeiten der Individuen. Mündigkeit des einzelnen Bürgers kann sich so kaum entfalten.

  • „Paternalismus, Egalitarismus und Etatismus sind Restbestände linker wie rechter Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts, mit denen wir offensichtlich bis heute zu kämpfen haben. Gemeinsam ist ihnen, die Menschen erziehen und sie, wenn nötig, zu ihrem Glück zwingen zu wollen. In modernem Gewande, verbunden mit Kapitalismus- und Wachstumskritik, ist die Ökologie die neue Heilslehre geworden, die erlösen soll von allen Übeln und an der die Menschheit genesen soll. Denn die Natur ist ja gut, und der Mensch ist schlecht. Eine interessante Mischung aus Wertkonservatismus, Ökologie, Askese und Skepsis gegenüber dem Fortschritt und der Moderne zeichnet die Grüne Partei aus. Ihr «Ö» für Ökologie ist gewissermassen das säkularisierte «C» der christlichen Parteien. Inzwischen ist dieser Öko-Egalitarismus, verbunden mit einem Misstrauen in den Markt, in Deutschland Bestandteil des Mainstream geworden.“
  • „Das Gegenteil von Paternalismus sind Selbstverantwortung, Eigensinn und Selbstsorge, aus denen neues Selbstvertrauen, Stolz und Würde und damit neue Lebensqualität für den einzelnen Bürger wie auch für Staaten erwachsen können. All dies sind Voraussetzungen, um die Freiheit zu entfalten, neue Freiräume zu entdecken und sie auszuloten auf dem Weg zu Mündigkeit und Selbstbestimmung. Die Verstaatlichung der Verantwortung entsolidarisiert hingegen die Gesellschaft.

Kommentar:

Wir haben uns schon so an die Verstaatlichung der Verantwortung gewöhnt, dass sie uns kaum auffällt.  Munter wird Jener, der versucht die Verantwortung für sein eigenes Leben wieder in seine eigenen Hände zu nehmen. Er wird feststellen, dass er dazu Deutschland verlassen muss.

Der Beitrag erhält eine besondere Wertung, wenn man die Kompetenzen der Autorin zur Kenntnis nimmt: Frau Prof. Dr. Ulrike Ackermann ist Direktorin des John-Stuart-Mill-Instituts für Freiheitsforschung an der Hochschule Heidelberg.

U.H.

***

(Paternalismus = Bestreben, andere zu bevormunden.

Egalitarismus = Lehre von der sozialen, rechtlichen und politischen Gleichheit der Menschen)

 

 




Verrechnung der Abwasserabgabe mit Kosten für Grundstücksanschlüsse

Rechtsstreit vor dem OVG Sachsen-Anhalt

  • Rechtsfrage: Können die Kosten für die Erstellung von Grundstücksanschlüssen mit der Abwasserabgabe verrechnet werden?
  • Beschluss OVG Sachsen-Anhalt: ja
  • Grund: „Sinn und Zweck der Verrechnungsvorschriften ist es, Maßnahmen zur Verringerung der Abwasserschädlichkeit anzustoßen, so dass eine Anreizwirkung zur Durchführung von Gewässerschutzmaßnahmen gegeben wird.“

Ausführliche Begründungen in der Quelle:
RA Reinhardt Piens (Essen)
KA 22011 (58) Nr. 11, Seite 1073 udn S 1074




Sparsamkeitsprinzip contra Bauchentscheidungen!

Übliche Bauchentscheidungen bei der Verschärfung des Gewässerschutzes…

könnten seltener werden, wenn die Besorgnisträger gesetzliche Vorschriften beachten, nach denen der Nutzen und Sinn zusätzlicher Aufwendungen nach wissenschaftlichen Methoden zu prüfen ist.

Das ist aber in der Praxis eine Frage des Standpunktes und erfordert eine gewisse Motivation, denn es gilt das Sparsamkeitsprinzip auch auf den wissenschaftlichen Nachweis des Grundes einer amtlichen Besorgnis auszudehnen.

Das wäre allerdings ein unüblicher früher Zeitpunkt, der lange vor der planerischen Grundlagenermittlung und Vorplanung liegt und so manche Fehlplanung vermeiden würde.

Bislang war dies immer noch sehr einfach. Es genügte allein Angst zu verbreiten und die Stirn in sorgenvolle Falten zu legen.

Seit Jahren ist zwar Geist nötig, aber es besteht keine Nachfrage.

Vorgeschrieben sind zur Prüfung des Grundes einer Besorgnis:

  • ökologische Risikoanalysen
  • Nutzwert-Analysen
  • Kosten-Wirksamkeitsanalysen

In der Praxis kann man diese Nachweise eher suchen und wenn man sie gefunden hat, dann wurden sie den Kommunen auf’s Auge gedrückt, obwohl nach der WRRL der Staat dafür zuständig wäre.

Merke:

Soweit verschiedene Vorhaben- oder Trassenvarianten vergleichend zu bewerten sind, kann es zweckmäßig sein, auch formalisierte Bewertungsverfahren(z. B. ökologische Risikoanalysen, Nutzwert-Analysen, Kosten-Wirksamkeitsanalysen) heranzuziehen, wenn die Ziele im Rahmen dieser Bewertungsverfahren aus den gesetzlichen Umweltanforderungen abgeleitet sind.“
Quelle:  Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Ausführung des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPVwV) vom 18. September 1995 (GMBl. Nr. 32 vom 29.09.1995 S. 671)

Dies wurde konkret in o. g. Vorschrift formuliert und die Forderung nach Nutzensbewertung kann ohne Weiteres auch auf andere „Besorgnisse“ ausgedehnt werden.

Kann – muss aber nicht, wie die wasserbehördliche Praxis – natürlich nur in wenigen Einzelfällen – beweist.

Die für den Bürger kostenintensive Verschärfung von Überwachungswerten für die Einleitung von gereinigtem Abwasser in Gewässer wird üblicherweise immer noch pauschal beurteilt:

„Tun wir mal was Gutes!“

Ob das Ganze auch zu einem konkreten Nutzen geführt hat, dafür interessiert sich hinterher kein Mensch.

Und so wartet der eingerahmte rot markierte Merksatz aus einer eigentlich verbindlichen Verwaltungsvorschrift nun schon seit über 16 Jahren auf seine Geburt.

Eine Ursache liegt wahrscheinlich darin, dass in den heutigen schweren Zeiten niemand Geld für derartige Geburten mit vorschüssigen Nachweiskosten hat.

Und bevor es eine Fehlgeburt wird, ist man lieber mit dem „Guten“ schwanger und reicht den dicken  Bauch zur Entbindung an die Kommunen, Abwasserzweckverbände und Unternehmen weiter, die dann mit der von ihnen nicht verursachten Behinderung leben müssen.

Schließlich, einer Tatsache darf man tapfer ins Auge schauen:

Die übertriebene Gewässerverwaltung hat viele unserer Gewässer von partikulären Nährstoffen befreit, damit aber auch dafür gesorgt, dass zahlreiche Tiere kein Futter mehr finden und abwandern.

Wo sind z. B. die Mauersegler, die Zuckmücken, die Teichmuscheln oder die zahlreichen Fische geblieben, die es vor 20…30 Jahren in einer offensichtlichen Überzahl gab?

Ideologen und die industrielle Landwirtschaft haben sie auf dem „Gewissen“.

Keinesfalls waren es kommunale oder industrielle Kläranlagen!

Also wäre es an der Zeit, „den Ball flach zu halten“!

Ist aber nicht gut für’s Geschäft!




Überwachungswertüberschreitung

Überwachungswertüberschreitung und Umweltverschmutzung

“Eine Überschreitung eines Überwachungswertes ist noch keine Umweltverschmutzung.”

Zitat: RA Fachanwalt für Verwaltungsrecht Herr Möller am 24.11.2009




Biostrom, nein danke!

Die Zerstörung unsere Heimat durch „Bio“ und „Öko“

Biostrom, nein danke!

„Die meisten Biogasanlagen belasten die Umwelt deutlich mehr, als sie ihr nutzen. Sie zerstören die Artenvielfalt, schädigen Gewässer und das Klima.“

„Viele der Biogasanlagen liegen in oder neben Naturschutzgebieten. Das ist erlaubt. Landwirtschaft ist in Biosphärenreservaten, Vogelschutzgebieten und Lebensräumen nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) willkommen, solange sie im Einklang mit der Natur betrieben wird. Doch weil die Milch von Weidekühen kaum mehr Gewinne bringt, satteln Landwirte um und erzeugen lieber Biostrom. Wenn sie ihn einspeisen, bekommen sie dafür eine hohe Vergütung, garantiert auf 20 Jahre. Und jeder Stromkunde finanziert gemäß dem gerade renovierten Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) die fortschreitende Industrialisierung der Landschaft mit.“

  • Zerstörung der Artenvielfalt
  • Monokulturen gefährden zahlreiche Vogelarten
  • Belastung der Umwelt

 

 




Die Umkehr der Beweislast

Nicht nur beim „Umweltschutz“ gilt das „unmenschliche“ Prinzip der Umkehr der Beweislast.

Dem Artikel der „Zeit-Online “ Was der Richter nicht kennt, erlaubt er nicht vom 07.09.2011 ist zu entnehmen:

„Solange eine Firma wie Monsanto nicht nachweist, dass ihre Genpflanzen oder deren Nebenprodukte auch als Lebensmittel harmlos sind, darf kein noch so winziges Molekül davon in einem Lebensmittel enthalten sein. Null-Toleranz heißt die Leitlinie, an die sich auch Europas höchstes Gericht hält. Was der Richter nicht kennt, erlaubt er nicht. Und das ist gut so.

Aber das ist nicht gut so, sondern wohl etwas entartet. Entartet deshalb, weil das Dogma der Umkehr der Beweislast ein fortschrittsfeindliches, verlogenes und unmenschliches Prinzip – um es sehr vorsichtig zu formulieren – zu sein scheint.

Dem Argument, die Umkehr der Beweislast sei üblich, steht entgegen: Allein, weil die Umkehr der Beweislast sich aus dem Mittelalter in mancherlei heutige Gesetze, in  manches menschliche Denken und Handeln herüber gerettet hat, muss die Umkehr der Beweislast deshalb nicht hilfreich, gut und edel sein.

Unmenschlich[1] und verlogen ist die Umkehr der Beweislast auch deshalb, weil die Genetik einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit und Ernährung der Menschen leisten kann, dies aber vom Gesetzgeber in diesem Fall gezielt verhindert wird. Damit entsteht der Menschheit ein Schaden. Die Verlogenheit resultiert auch aus der Ignoranz der Vorteile der Genetik.

Auch sind nicht die Richter zu verurteilen, weil sie der gesetzlichen Vorschrift der Umkehr der Beweislast folgten, sondern ausschließlich die Ökologisten sind die Verursacher, denen es in ihrer listigen Weise  gelang, ihre Sonderinteressen (derlei unmenschliche Prinzipien und die Umsetzung ihrer totalitären Ideologie) in allgemeingültige demokratische Gesetze zu kleiden, nach denen Richter zu entscheiden haben. Insofern zeugt die Schlagzeile „Was der Richter nicht kennt, erlaubt er nicht“ für wenig Kenntnis von diesen Zusammenhängen.

Auch gab es in der Geschichte der Menschheit noch keinen einzigen dokumentierten Fall, bei dem die Menschen eine Entwicklung unterließen, nur weil diese einer kleinen Gruppe als zu gefährlich erschien. Dem Fortschritt gelang es am Ende immer, die Gefahren hinreichend zu beherrschen. Nur deshalb haben wir heute zunehmend Zeit solchen Nonsens, wie z. B. die Umkehr der Beweislast zu kultivieren. Es ist schon außergewöhnlich naiv und weltfremd zu denken, man könne die Wissenschaft und den Fortschritt weichspülen. Fast alle Wissenschaft dient dem Kommerz. Und der Kommerz sucht sich – mit seiner Wissenschaft – reflektorisch die besten Bedingungen. Verschlechtern sich diese in Deutschland, dann gute Nacht liebes Deutschland!

Die Umkehr einer Beweislast hat auch nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Um das zu verstehen mag der Leser sich vorstellen, er soll lebendigen Leibes verbrannt werden, nur deshalb, weil es ihm nicht gelang, zu beweisen, dass er kein Hexer sei.

Und das soll gut so sein?

Die abschließende Bewertung des Zitates aus dem Artikel der Welt zu Anfang dieses Aufsatzes „Und das ist gut so.“ ist Indiz der Parteilichkeit des Redakteurs, da er bewertet und den Rahmen einer Tatsachendokumentation verlässt. Er nimmt dem Leser das selber Denken, selber Urteilen und die eigene Meinung ab.

In der Verhinderung des Fortschrittes kostet der Ökologismus endlich Menschenleben (nicht unbedingt immer in Deutschland) und uns allen Milliarden unseres Vermögens.

Der Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer sieht im Umweltstrafrecht „Neukriminalisierungen außerhalb eines Täter-Opfer-Bereichs“ sowie eine flächendeckende Vorfeldkriminalisierung, bevorzugt über abstrakte Gefährdungsdelikte.[2]

Warum die anderen Parteien überhaupt derlei Unfug, wie die Umkehr der Beweislast zuließen und heute immer noch zulassen, darüber mag man debattieren.

Für ein Land, das nichts weiter zu exportieren hat, als kluge Ideen und technischen Fortschritt, ist die Umkehr der Beweislast – um es mal ganz vorsichtig auszudrücken – außergewöhnlich dumm und entartet. Man könnte meinen, diese Idee von der Umkehr der Beweislast wurde von Personen eingeführt, die Deutschlands wirtschaftliche Erfolge minimieren oder verhindern wollen. Mit einem satten Bauch und einem geheizten Wohnzimmer lässt sich gut moralisieren.

Hanlons Rasiermesser

„Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.“

schneidet deshalb hier eher nicht zu Gunsten der Dummheit. Weshalb man dies annehmen könnte, wäre auch manche Überlegung wert, die ich aber anderen überlasse.

Und fast schließlich noch etwas Nachdenkenswertes von Nicolás Gómez Dávila:

„Die Demokratie hat den Terror als Mittel und den Totalitarismus als Zweck.“

Soll es das also wirklich gewesen sein?

Nach Platon durchaus, denn er sieht in der hochwohllöblichen Demokratie schlicht nur eine entartete[3] Verfassung[4]. So gesehen, ist die auf Sonderinteressen beruhende Umkehr der Beweislast Merkmal der Entartung der Verfassung eines Volkes und zugleich als Entartung an sich ein Wesensmerkmal jeder Demokratie. Das Abschaffen von Sonderinteressen, bedeutet letztlich die Demokratie abzuschaffen.

Damit schließt der Kreis und es stellt sich nun die Frage, warum man für Wissenschaft und Bildung überhaupt Geld ausgibt, wenn Sonderinteressen Leben und Land demokratisch und totalitär zugleich diktieren und den Fortschritt erfolgreich verhindern wollen?

Wer noch mehr Indizien von Entartungen der demokratischen Verfassung für seine Meinungsbildung benötigt, mag im Archiv der Novo-Argumente stöbern.


[1] Wird es recht bedacht, so erscheint das Attribut „unmenschlich“ widersprüchlich, da doch gerade die Unmenschlichkeit eine Tatsache und eine wesentliche Eigenschaft des Menschen ist. Kann also ein Mensch unmenschlich sein? Oder ist er im Grunde immer nur natürlich? Bei der Wertung kommt es wohl zunächst auf die Entscheidung über die zwei Prämissen an, ob der Mensch zur Natur gehört oder nicht. Und da scheiden sich schon die Geister. Nun ich denke, der Mensch ist mit all seinen Mängeln, auch mit seinem z. T. unmenschlichen Wesen immer ein Teil der Natur. Die Natur hat ihn hervorgebracht, er lebt in der Natur und unbedingt von der Natur. Wieso also soll er etwas anderes als natürlich sein?

[2] Vergleiche auch: Maxeiner und Mirsch, Die Zukunft und ihre Feinde – Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen, Eichenbornverlag 2002

[3] an Sonderinteressen orientiert

[4] Röd, W. , Kleine Geschichte der antiken Philosophie, Beck’sche Reihe 4018, Limitierte Sonderauflage 1998, Seite 247




Klima und Wasserwirtschaft

Das Klima ist bekanntlich ein schwer zu modellierendes, chaotisches System.

Langfristige Wahrsagungen von Klimazuständen sind nicht möglich.

Es ist nicht bewiesen, d. h. es ist mehr oder weniger unsicher:

  1. dass der Mensch die Klimaänderung verursacht hat,
  2. dass der Mensch das Klima zu ändern vermag,
  3. ob es eine Erwärmung geben könnte,
  4. oder ob es eine Abkühlung gibt,
  5. oder in welcher Reihenfolge sich das Klima ändern könnte,
  6. wie lange es dauern könnte, bis das Klima sich ändert.

Man muss kein Klimatologe sein, um logische Fehler in der üblichen Klimaargumentation zu entdecken, weil klimatologische Argumentationen in die Zukunft zumeist auf induktiven Beweisführungen beruhen und damit mehr oder weniger wahrscheinliche Prognosen sind.

Es handelt sich dabei zumeist um ein hinterlistiges und nicht rechtzeitig beweisbares Hypothesenkonstrukt.

Im Internet wird u. a. der Nonsens manchen Klimaglaubens zunehmend herausgearbeitet.

Ein Lehrbeispiel für die Entlarfung von Trugschlüssen liefert http://www.science-skeptical.de. Zur Veranschaulichung  kann dabei z. B. folgende Metapher dienen:

„Sie gehen zu sechs Ärzten und fünf davon teilen Ihnen mit, man müsse Ihnen sofort den Arm amputieren, anderenfalls könnten Sie ihn sich in 50 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% brechen.“

Wie würden Sie sich wohl verhalten?

Ausgewähltes zur aktuellen Klimadebatte unter Pro und Kontra, die ja auch Wasserwirtschaftler interessieren könnten.

Ich glaube, dass bei der Klimaänderung das CO2 keine wesentliche Rolle spielt, weil der Einfluss der Wolken für mich plausibler ist, als die ca. 100 Millionstel CO2 zusätzlich in der Luft.

***

Pro CO2:

„Natürlich“ hat die Sonne überhaupt keinen Einfluss auf das Klima: Schwankende Sonnenaktivität ändert Erd-Temperatur kaum Schwankende Sonnenaktivität ändert Erd-Temperatur kaum. Schwankende Sonnenaktivitäten haben nach neuen Erkenntnissen des Wissenschaftlers Georg Feulner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) kaum Auswirkungen auf das irdische Klima.

Kontra CO2:

Warum löst sich die Klimakanzlerin in Luft auf?

Die Klimakanzlerin löst sich in Luft auf!

 




Die Moral als fragwürdiges Kriterium einer Bewertung

Nach welchen grundsätzlichen Kriterien soll, kann oder darf man heute leidenschaftslos fachlich urteilen?

Varianten:

  1. Allgemein anerkannte Moralen
  2. Moralen einflussreicher Ideologien?
  3. Moral, die für das Geschäft ist?
  4. Moral, die gut für das beste Gewissen ist?
    (Wer und was bestimmt ein bestes Gewissen?)
  5. Nach bestem Wissen?
    (Sofern das beste Wissen nicht im Widerspruch zu den verbindlichen Moralen steht
    bzw. zu der Moral jener, die die Definitionsgewalt über jede Form menschlichen Zusammenlebens haben?)

Im Folgenden einige Zitate, mit deren Anregung der geneigte Leser sich seine eigenen Gedanken machen kann:

1. Moral als Symptom des Niedergangs

„Die heutige Moral beschränkt sich aber keineswegs auf die Befindlichkeiten einzelner oder die Machenschaften der Politik und Bürokratie. Sie erschafft sich ganz neue Ideologien.

Die Idee des Ökologismus beispielsweise ist in sich eine einzige Umdeutung ehemals moralischer Prinzipien.

Über Jahrtausende war es die höchste Kulturleistung des Menschen, sich nicht wie jedes Tier an seine Umgebung anzupassen, sondern diese nach seinen Ansprüchen zu formen und zu verändern.

Die unzähligen Eingriffe in eine durch und durch unbarmherzige und unserer Existenz gegenüber völlig gleichgültige Natur sind und waren Grundlage jeder Form von Zivilisation.

Knapp zwei Generationen in sorglosem Wohlstand haben genügt, um aus dem Bezwinger einen Schänder zu machen. Heute singt ein Popstar Zeilen wie „die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht?“. Man ist geneigt zu fragen, warum diese freundliche Erde ohne unser Zutun weder gewillt wäre uns zu ernähren, noch uns vor ihren atmosphärischen Launen zu schützen. Warum sie uns in ihrer ganzen Freundlichkeit Viren und Bakterien, Tsunamis, Wirbelstürmen, Trockenheit, Überschwemmungen und Vulkanausbrüchen aussetzt? Warum sie Fressen und Gefressenwerden zum Grundprinzip und zur Lebensgrundlage aller Existenz auf ihrer Oberfläche gemacht hat?

Dass derartige intellektuelle Ergüsse nicht nur unkritisiert bleiben, sondern als Ausdruck eines tiefen Problembewusstseins und moralischer Integrität Bewunderung finden, betrachte ich als eine Form der Dekadenz in ihrem ursprünglichsten Wortsinn. Wenn eine Gesellschaft die Negation der eigenen Leistungen und Möglichkeiten zum moralischen Prinzip erklärt, ist dies im wahrsten Sinne ein Akt des Herabfallens, der Dekadenz, des Untergangs. Vorläufiger Gipfel dieser Entwicklung ist die Negation der eigenen biologischen Existenz in Form des Gender Mainstreaming.“

„Wo der unzertrennbare Dualismus zwischen Chancen und Risiken ausschließlich ängstlich und visionslos zu Lasten der Chancen aufgelöst wird, herrscht nicht nur Stillstand, sondern Rückschritt.“

Quelle: Jürgen Fuchsberger Gesellschaft: Moral als Symptom des Niedergangs

Was ist Gender Mainstreaming?

2. Gedanken eines Benediktinermönches

“Der moralisch aufgeladene Staat ist mithin das unverzichtbare Gegenstück zur individualistischen, antiautoritären Freiheitsidee der Achtundsechziger und obendrein der Garant für unsere nationale Unschuld, die Verkörperung unserer Sehnsucht nach moralischer Unanfechtbarkeit.”

Moralische Sieger sind gegen Erfahrung resistent, sie werden niemals klüger, sie sind damit zufrieden, immer neue Gründe für ihre Empörung zu finden.”

“Die kritische Wachsamkeit gegenüber Staat und Gesellschaft zum Beispiel ist ein großartiges Erbe der Achtundsechziger. Diese Wachsamkeit müßte uns mißtrauisch machen gegen einen Staat, der sich die moralische Vormundschaft über uns anmaßt und es für seine Pflicht hält, die Kräfte des Einzelnen zu bändigen und jeden in die Schranken zu weisen.”

“Es rächt sich immer, wenn Moral vor Wahrheitsliebe geht.”

Notker Wolf
Worauf warten wir?:
Ketzerische Gedanken zu Deutschland
Rowohlt Verlag GmbH
01.04.2006

3. Lebenslüge siegt gegen Wissenschaft

Die chronische Lebenslüge des modernen Menschen, die abgrundtiefe Unmoral unserer Zeit, findet ihren Ausdruck in der Beliebigkeit und Willkür, mit der im persönlichen Leben ebenso wie im politischen und pseudowissenschaftlichem Disput Erkenntnis akzeptiert oder abgewiesen wird.”

Hans Mohr
Wissenschaftliches Verhalten und ethisches Bezugssystem;
in Studium generale, Universität Heidelberg
1981, Seite 64

aus:
Eilingsfeld, H.
Der sanfte Wahn
Ökologismus Total
Mannheim, Süddeutsche Verlagsanstalt
1989

4. Der Deutsche zu 100 % ein Schwein

Der Wissenschaftler Michael Braungart hat zur Naturromantik folgende Überlegungen:

“Ich mache mir Sorgen.

Im Gegensatz zu den Niederländern, die seit jeher mit der Bedrohung des Meeres konfrontiert sind, romantisieren die Deutschen die Natur.

Dabei wird übersehen, dass die krebserregendsten und giftigsten Stoffe immer noch in der Natur zu finden sind.

Es gibt keine Mutter Natur, wir sind von ihr übelst behandelt worden. Dagegen haben wir uns gewehrt und die Umwelt zerstört. Deswegen haben wir nun ein schlechtes Gewissen.

Aber wir müssen uns nicht dafür entschuldigen, hier zu sein.

Das Problem ist, dass in Deutschland das Umweltthema moralisch aufgeladen und Schuldmanagement betrieben wird, vor allem von den Grünen und Umweltorganisationen, deren Mitglieder sich als Gutmenschen stilisieren.

Die Deutschen wachen auf und denken sich: Ich bin zu hundert Prozent Schwein, und mein Ziel ist es, nur zu neunzig Prozent Schwein zu sein. Besser wäre, mich gäbe es nicht.”

5. Nietzsche über die Gutmenschen

Die Menschen sind leidende Geschöpfe geworden, infolge ihrer Moralen:
Was sie damit eingekauft haben, das ist alles in Allem, ein Gefühl, als ob sie im Grunde zu gut und zu bedeutend für die Erde wären und nur vorübergehend sich auf ihr aufhielten.
“Der leidende Hochmütige” ist einstweilen immer noch der höchste Typus des Menschen.

Friedrich Nietzsche
Morgenröte 1881 , 2. Aufl.

6. Moral? Aber wessen Moral?

Die Moral ist immer an bestimmte Interessensgruppen gebunden.

Ziel ist die Nötigung zu einer bestimmten Verhaltensweise, die wieder vorteilhaft für diese Gruppe sein muss.

Die Anzahl der Moralen ist wohl genauso groß, wie die Anzahl der Interessen.

Mitunter werden Moralen vertreten, die sich gegenseitig widersprechen.

Vergleiche Nietzsches Ausführungen zur Herren- und Sklavenmoral.

7. Machiavelli über die Herrenmoral:

(Zusammengetragen von einem Leser des Newsletters)

„Treue ist eine Tugend für eine Welt voll guter Menschen. Da sie aber schlecht sind, brauchst du sie ihnen auch nicht zu halten.“

„Viele haben sich Republiken und Fürstentümer ausgedacht, die niemals gesehen worden, noch als wirklich bekannt gewesen sind. Denn die Art, wie man lebt, ist so verschieden von der Art, wie man leben sollte, daß, wer sich nach dieser richtet statt nach jener, sich eher ins Verderben stürzt, als für seine Erhaltung sorgt; denn ein Mensch, der in allen Dingen nur das Gute tun will, muß unter so vielen, die das Schlechte tun, notwendig zugrunde gehen. Daher muß ein Fürst, der sich behaupten will, imstande sein, schlecht zu handeln, wenn die Notwendigkeit es erfordert.“

„Ein kluger Fürst kann und darf sein Wort nicht halten, wenn er dadurch sich selbst schaden würde.“

„Tugenden sind schädlich, wenn man sie besitzt und stets ausübt, und nützlich, wenn man sie zur Schau trägt.“

„Jeder sieht, was du zu sein scheinst, wenige wissen, was du wirklich bist; und jene Wenigen wagen es nicht, gegen den Strom der allgemeinen Meinung anzuschwimmen.“

„Der größte Feind der neuen Ordnung ist, wer aus der Alten Vorteile zog.“

„Ein Fürst braucht nur zu siegen und seine Herrschaft zu behaupten, so werden die Mittel dazu stets für ehrenvoll gelten und von jedem gepriesen werden.“

„Nicht wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt.“

„Die Menschen scheuen sich weniger, einen anzugreifen, der sich beliebt gemacht hat, als einen, den sie fürchten.“

„Man sieht oft, dass Bescheidenheit gar nichts nützt. Ja, dass sie nur schadet.“

„Klug ist es, sich zu drehen und zu wenden nach dem Winde.“

http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/geschichte/machiavelli/audio/




Die guten Seiten einer Kleinkläranlage

Es ist selten so, wie man denkt…

Mancherlei Argumente werden vorgebracht

  • Kleinkläranlagen sind undicht.
  • Die Betreiber von Kleinkläranlagen sind unfähig diese selber zu warten.
  • Kleinkläranlagen funktionieren nicht richtig.
  • Betreiber von Kleinkläranlagen bohren Löcher in ihre Gruben, damit sie weniger Schlamm entsorgen müssen.
  • Kleinkläranlagen belasten das Gewässer viel stärker als zentrale Kläranlagen.
  • ….

um zu begründen, dass Kleinkläranlagen schlechter sind, als eine zentrale Abwasserableitung durch eine Kanalisation.

Für eine Stadt oder eine größere Siedlung mag dies stimmen.

Aber zumindest im Vergleich mit einer Mischwasserkanalisationen schneiden die Kleinkläranlagen deutlich besser ab, wie das folgende Bild zeigt:

Die zentrale Abwasserableitung- und -behandlung hat auch so ihre Schattenseiten.

Bei dem Foto – das ich 2005 machte – handelt es sich um den Einlauf einer Kanalisation in einen kleinen Bach.

Hinter dem Einlauf befindet sich ein Regenüberlaufbecken einer Misch(ab)wasserkanalisation.

So etwas Schönes , wie auf dem Foto abgebildet, sieht man bei der Abwassereinleitung eines Dorfes, dessen Bewohner ihr Abwasser noch mit Kleinkläranlagen – z. B. primitiv nach DIN 4261-1 behandeln – nicht.

Der Leser mag darüber sinnieren, wo sich denn das andere Klopapier befindet, das nicht von diesem Gitter eher zufällig zurückgehalten wurde?

Nun, es ziert natürlich – bis zum nächsten Hochwasser – den einen oder anderen Strauch, Busch oder Baum am Ufer des Baches.

Seit einigen Jahren versucht man solche Eindrücke durch den Einbau von recht teuren Rechenanlagen in die Regenabwürfe zu vermeiden.

Wie aber die „Umweltpolizei“ völlig zu recht meint:

Es ist selten so, wie man denkt…

In diesem Fall ist es schlimmer, denn es sind die Dinge, die man nicht sieht, die uns zumeist das Leben schwer machen und die kann man nicht einfach aus dem Abwasser sieben.

Es ist ähnlich wie beim Kaffee: Das, was der Filter zurückhält, ist die Nebensache.

Und aus diesen wenig schmackhaften Gründen – im anderen Fall – darf man das Wasser in Flüssen und Bächen trotz gewaltiger Erfolge im staatlich geförderten und mit Abwasserabgabe stimulierten Wettbewerb um den saubersten Kläranlagenablauf nicht trinken.

Baden sollte man in den Bächen und Flüssen erst dann, wenn man sicher ist, dass es stromaufwärts wenigstens einige Tage nicht geregnet hat.

Und immer daran denken:

Das was im Fluss neben dem Wasser fließt, ist oft zu einem Großteil Gülle.

Gülle geringfügig verändert.

Mehr oder weniger biologisch durch mehr oder weniger vorhandene Bodenpassagen behandelt.

Mitunter ist es also ganz anders als es uns vorgedacht wird!

Aber ich kann versichern, ich kenne ein Kind, dass mehrfaches streng verbotenes Schwimmen in der Elbe im Alter von 8 Jahren wenigstens 54 Jahre ohne eine einzige Allergie überlebte.

In der ostdeutschen Elbe schwamm damals vielleicht auch ein wenig Rechengut mit.

Also – immer schön den Ball flach halten!

Es sind nicht die Gefahren, die uns die Propheten versprechen.

Es sind meist völlig andere.




Angst machen mit Nitrat im Wasser – recht offensichtlich!

Einiges über das Nitrat:

  • Im Gewässer ist Nitrat grundsätzlich kein Schadstoff, sondern eine wertvolle Sauerstoffquelle für kritische Gewässerzustände.
  • Dieser Fakt mag zwar nicht in manches Weltbild passen, bedarf  aber keiner Bestätigung um wahr zu sein.
  • Nitrat im Gewässer verhindert z.B. die Massenentwicklung von Blaualgen.
  • Die Bewertung von Nitratkonzentrationen  setzt wasserchemischen und ggf. auch wasserbiologischen Sachverstand voraus.
  • Der Nitratgrenzwert beträgt lt. Trinkwasserverordnung: 50 mg/l.
  • Vielen Pressenachrichten mangelt es an unabhängiger Bewertung der gemessenen Nitratkonzentrationen.

Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte – Sinn der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung

Nitrat und Phosphor im Gewässer

Schlechter wasserchemischer Gewässerzustand – auch eine Frage des Imports von Düngemitteln für den Export von Fleisch Reichholf: “Geht man auf den 55 % landwirtschhaftlich genutzter Landesfläche von einer Düngermenge aus, die gegenwärtig im Durchschnitt bei gut 200 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr liegt, so stellt sich die Frage, woher diese nun kommt. Mineraldünger macht [Weiterlesen →]

Bedrohung der Artenvielfalt

“Was ist die größte Bedrohung für die Artenvielfalt? Die Landwirtschaft. In Mitteleuropa etwa fördert die Überdüngung ganz bestimmte Pflanzen, wie Löwenzahn und dichtwüchsige Gräser. Das nimmt anderen Arten die Lebensmöglichkeit. Und zwar nicht nur auf den Flächen: Über das Grundwasser gelangen nitrathaltige Nährstoffe in die Gewässer und begünstigen dort einseitig Algenanarten, vor allem Blaugrünbakterien. Dadurch [Weiterlesen →]

Wassergütewirtschaft – gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft

Perspektiven der Wassergütewirtschaft 2050 — gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft Helmut Kroiss, Wien 1.    Einleitung – Bei der Beschäftigung eines Wissenschaftlers mit Prognosen tritt immer das Problem auf, dass er sich auf ein Terrain wagen muss, das nicht durch experimentelle oder andere empirische Daten abgesichert werden kann. Die Zukunft bleibt daher in vieler Hinsicht prinzipiell ungewiss. Nicht [Weiterlesen →]

Noch zu viel Phosphor und Stickstoff im Wasser

“Dessau-Roßlau /dpa. Das Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau (UBA) fordert die weitere Verbesserung der Wasserqualität in den Gewässern Deutschlands. Zwar seien viele Flüsse, Seen und Bäche mittlerweile weitgehend sauber, aber es gelange noch zu viel Phosphor und Stickstoff ins Wasser, erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth anlässlich des Welttages des Wassers am Montag. Zudem sei oftmals das Grundwasser mit [Weiterlesen →]

Gülle – Nicht nur ein bundesdeutscher Importschlager! 

200 Millionen Tonnen Gülle – jährlich! werden auf deutschen Feldern ausgeschüttet. Quelle: Der Spiegel Nr. 22 vom 30.05.2011, S. 17,  Nach Reichholf, J.H. ( Der Tanz um das goldene Kalb, Der Ökokolonialismus Europas, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 1. Auflage 2006) werden davon 2/3, also 133 Millionen Gülle importiert, wobei es auf die eine oder

Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen?!

Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff

Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung

Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung

Schwarze Flecken im Watt

Nitrat stört den Phosphorkreislauf

Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung

Widersprüche beim Gewässerschutz

Denitrifikation in natürlich belüfteten Teichkläranlagen

Abwasserabgabe – Teilweise Gewässerschädlich

Die Wahrscheinlichkeit der Prophezeiungen

Nach dem Lesen der Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg (01.07.1742 bis 24.02.1799), herausgegeben Insel-Taschenbuch 165 (1. Auflage 1976) kann man über das heutige Deutschland sehr nachdenklich werden. Es entsteht der Eindruck, Lichtenberg wäre ein Zeitgenosse, so aktuell ist er. Ein Zitat, vielleicht über 200 Jahre alt: Dieses ist eine Theorie, die meines Erachtens in der [Weiterlesen →]

Ausgewählte Quellen, teilweise eine Nitratpanik – Juni 2011:

Kein Nitrat im Gewässer! Aber alle wollen Milch trinken!

Landwirte im Kreis Cloppenburg fühlen sich “pauschal verunglimpft” General Anzeiger (Rhauderfehn) Der Berufszweig werde vom VSR-Gewässerschutz in ein falsches Licht gerückt, moniert Landvolk-Chef Hubertus Berges. Der Verein behaupte, “Landwirte würden…

Streit um Nitrat im Main

Main Post – ‎13.06.2011‎
Zu viel, sagen Umweltschützer vom „Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR-Gewässerschutz eV)“ nach umfangreichen Messungen. Sie sehen „dringenden Handlungsbedarf“. Der Main unterschreitet die Nitratvorgaben um mehr als 50 Prozent,

Umweltschützer untersuchen Brunnenwasser

Norddeutsche Neueste Nachrichten – ‎04.06.2011‎
„Es ist sinnvoll mit einem Brunnen das oberflächennahe Grundwasser zu nutzen und das aus tieferen Schichten gewonnene Leitungswasser sparsam zu verwenden“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende vom VSR-Gewässerschutz. Doch ist das selbst geförderte

Grundwasser häufig mit Nitrat belastet

Main-Spitze – ‎26.05.2011‎
Das Labormobil des „Vereins zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse“ (VSR) erweiterte das Angebot um die Möglichkeit, die Wasserqualität aus heimischen Brunnen oder in Kleingärten untersuchen zu lassen und auf diese Weise zu klären,

Streit um Nitrat im Main

Frankfurter Rundschau – ‎03.06.2011‎
Der Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR) unternahm mit einem eigenen Laborschiff kürzlich Messfahrten auf dem Main und seinen Zuflüssen, darunter Nidda und Kinzig. Der Verein, der dem Bundesverband Bürgerinitiativen und

Erhöhte Nitratwerte im Main

Primavera24 – ‎25.05.2011‎
Der Main im Primaveraland enthält zu viel Nitrat – das haben aktuelle Messungen vom VSR-Gewässerschutz ergeben. RHEIN-MAIN-GEBIET. Der Grenzwert für Nitrat liegt bei höchstens 11 Milligramm pro Liter. Die Messungen ergaben, dass das Mainwasser im

Streit um Nitrat im Main

Main Post – ‎13.06.2011‎

Zu viel, sagen Umweltschützer vom „Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR-Gewässerschutz eV)“ nach umfangreichen Messungen. Sie sehen „dringenden Handlungsbedarf“. Der Main unterschreitet die Nitratvorgaben um mehr als 50 Prozent,

Umweltschützer untersuchen Brunnenwasser

Norddeutsche Neueste Nachrichten – ‎04.06.2011‎

„Es ist sinnvoll mit einem Brunnen das oberflächennahe Grundwasser zu nutzen und das aus tieferen Schichten gewonnene Leitungswasser sparsam zu verwenden“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende vom VSR-Gewässerschutz. Doch ist das selbst geförderte

Grundwasser häufig mit Nitrat belastet

Main-Spitze – ‎26.05.2011‎

Das Labormobil des „Vereins zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse“ (VSR) erweiterte das Angebot um die Möglichkeit, die Wasserqualität aus heimischen Brunnen oder in Kleingärten untersuchen zu lassen und auf diese Weise zu klären,

Über 100 Menschen brachten Wasserproben aus ihren Brunnen mit und ließen es im Nibelungen Kurier

Streit um Nitrat im MainFrankfurter Rundschau – ‎03.06.2011‎

Der Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR) unternahm mit einem eigenen Laborschiff kürzlich Messfahrten auf dem Main und seinen Zuflüssen, darunter Nidda und Kinzig. Der Verein, der dem Bundesverband Bürgerinitiativen und

Erhöhte Nitratwerte im Main

Primavera24 – ‎25.05.2011‎

Der Main im Primaveraland enthält zu viel Nitrat – das haben aktuelle Messungen vom VSR-Gewässerschutz ergeben. RHEIN-MAIN-GEBIET. Der Grenzwert für Nitrat liegt bei höchstens 11 Milligramm pro Liter. Die Messungen ergaben, dass das Mainwasser im





Blaualgen – Panik

Blaualgen – die Wahrheit:

Ausgewählte Quellen, teilweise eine Blaualgenpanik – Juni 2011:

Blaualgen: Erneut Badeverbot im Kruppsee RP ONLINE – ‎Vor 14 Stunden‎
Friemersheim (skai) Das Institut für gesundheitlichen Verbraucherschutz der Stadt Duisburg hat im Kruppsee erneut Blaualgen nachgewiesen und bis auf Weiteres ein Badeverbot erlassen. Auch am Strandbad des Wolfssees an der Sechs-Seen-Platte im

Böhringer See: Badeverbot bleibt weiter bestehen suedkurier.de -Radolfzell
Schlechte Nachrichten für Badefreunde: Auch weiterhin darf im Böhringer See nicht gebadet werden, die Blaualgen sind immer noch gesundheitsgefährdend. Trotz der in den letzten Tagen festgestellten Rückläufigkeit der Algenblüte im Böhringer

Hitze fördert Blaualgen-Wachstum Märkische Allgemeine – ‎07.06.2011‎
Im Ergebnis der Untersuchung auf Blaualgen wird am Rahmer See ein Blaualgenwarnschild aufgestellt, teilt der Landkreis mit. Ohne Algenwachstum und damit von ausgezeichneter Badequalität sind im Oberhavel-Norden der Baalensee und der Röblinsee in

Blaualgen-Alarm am Rahmer See Die-Mark-Online – ‎08.06.2011‎
Oberhavel – Das Gesundheitsamt Oberhavel hat das erste Blaualgen-Warnschild der Saison aufgestellt. Von Burkhard Keeve Getrübt: Bislang steht nur am Rahmer See ein Warnschild, aber auch im Moderfitzsee in Himmelpfort tummeln sich die Algen bereits

Frischwasser für die Ostsee Deutschlandfunk – ‎06.06.2011‎
Sterben die Blaualgen ab, sinken sie auf den Meeresboden und werden dort von Mikroorganismen abgebaut. Das Problem: Letztere verbrauchen dafür fast allen verfügbaren Sauerstoff. Für Urlauber sind Blaualgen vor allem lästig: Die viele

Stadt Offenbach rät zur Vorsicht beim Baden im Schultheis-Weiher Familien-Blickpunkt.de – ‎03.06.2011‎
Blaualgen
können giftig sein und zu Krankheitserscheinungen führen. Kinder sind besonders gefährdet. Bei Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Atemnot oder Hautreizungen nach dem Kontakt mit dem Seewasser sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Der kompetente Ratgeber Nie mit vollem Magen und alkoholisiert ins Wasser BZ – ‎31.05.2011‎
Vorsicht, Blaualgen! Hohe Temperaturen können in Gewässern zu übermäßigem Algenwachstum führen. Bei fehlender Sauerstoffzufuhr beginnt die Biomasse zu faulen: Der See kippt um.> Nie in Gewässern baden, für die Badeverbot besteht.

Peru: Bedrohliches Blaualgenwachstum durch Abwässer im Fluss Camisea Womblog (Blog) – ‎02.06.2011‎
Der überdurchschnittliche Anstieg der Wassertemperatur im Fluss Camisea hat Blaualgen hervorgebracht, die Hautallergien sowie Magen- und Leberprobleme unter der indigenen Bevölkerung zur Folge haben können. Zudem schmecken Fische aus dem Fluss durch





Die Wahrscheinlichkeit der Prophezeiungen

Nach dem Lesen der Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg (01.07.1742 bis 24.02.1799), herausgegeben Insel-Taschenbuch 165 (1. Auflage 1976) kann man über das heutige Deutschland sehr nachdenklich werden.

Es entsteht der Eindruck, Lichtenberg wäre ein Zeitgenosse, so aktuell ist er. Ein Zitat, vielleicht über 200 Jahre alt:

Dieses ist eine Theorie, die meines Erachtens in der Psychologie eben das vorstellt, was eine sehr bekannte in der Physik ist, die das Nordlicht durch den Glanz der Heringe erklärt.

Aktuell befasse ich mich gerade im Rahmen zweier Gerichtsgutachten wieder mit der induktiven Beweismethode. Und da drängte sich mir folgende Überlegung auf:

  • Prognosen, wie z. B. die Beschreibung des Klimawandels (oder auch Planungen) beruhen auf induktiven Schlüssen.
  • Regelmäßig aber unterschlagen die meisten Propheten bei Ihren Verkündigungen, dass induktive Schlüsse nur in Verbindung mit der Wahrscheinlichkeit der Voraussetzungen korrekt sind. Und zudem gilt, dass trotz korrekter induktiver Argumentation falsche Schlüsse möglich sind. (Die Geschichte und die Welt der „Erkenntnis“ ist voll von Trugschlüssen.)
  • Je mehr Faktoren für ein Ereignis mit einer Wahrscheinlichkeit behaftet sind und für dessen Eintreten notwendig sind, umso unwahrscheinlicher wird die Prognose bzw. die Genauigkeit der Beschreibung. Wenn z.B. für ein Ereignis nur 4 Voraussetzungen notwendig sind und die selber mit einer z. B. schon sehr hohen Wahrscheinlichkeit von 70 % eintreten könnten, dann beträgt die Gesamtwahrscheinlichkeit nach dem Gesetz der Multiplikation der Wahrscheinlichkeiten für das gewünschte Ereignis nur 24 % (0,7 * 0,7 * 0,7 * 0,7 * 100 = 24 %).

Zur Erhöhung der Wahrscheinlichkeit von Prophezeiungen hatte Prof. Reicholf einen klugen Rat:

Wer behauptet, daß etwas so kommen wird, und es kommt nicht so, der sollte die Kosten zu tragen haben.

Mich erstaunt vor diesem doch recht einfachen Hintergrund (Grundlagenwissen der Logik) und insbesondere der bekannten Unsicherheit induktiver Schlüsse schon der Mut mancher Wissenschaftler zu derartigen Prophezeiungen.

Auch beim Gewässerschutz und bei der Abwassertechnik wimmelt es nur so von Prophezeiungen, wählen wir z. B. die Nitratprophezeiungen, wobei einige Behauptungen falsch sind:

Dreifacher Wert: Viel zu viel Nitrat in der Werse

Ahlener Zeitung -Ahlen – Die Werse ist stark nitratbelastet. Ab Ahlen übersteige der Wert sogar das Dreifache der Vorgaben, meldet der VSR-Gewässerschutz (Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse eV) und beruft sich auf seine jüngste März-Messung. …

VSR meldet hohen Nitratgehalt in der Werse

Borkener Zeitung – ‎Vor 13 Stunden‎
Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) solle das Wersewasser, um einen guten Zustand zu erreichen höchstens elf Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat aufweisen. Dieser Wert werde aber im gesamten Werseverlauf überschritten – ab

Streit um Nitrat im Main

Main Post – ‎13.06.2011‎
Im Main ist viel Nitrat. Zu viel, sagen Umweltschützer vom „Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR-Gewässerschutz eV)“ nach umfangreichen Messungen. Sie sehen „dringenden Handlungsbedarf“. Der Main unterschreitet die Nitratvorgaben

Streit um Nitrat im Main

Frankfurter Rundschau – ‎03.06.2011‎
Trübes Wasser, wuchernde Algen, sterbende Fische: Zeichen dafür, dass ein Fluss zu stark mit Nitraten belastet ist. Wie sieht es im Main aus? Der Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR) unternahm mit einem eigenen Laborschiff

Grundwasser häufig mit Nitrat belastet

Main-Spitze – ‎26.05.2011‎
Während Nitrate für Zierpflanzen und Rasenflächen unbedenklich sind, ja sogar als Dünger wirken können, ist bei Gemüsepflanzungen Vorsicht geboten. Dort können sich die oft durch landwirtschaftliche Nutzung ins Grundwasser eingeschwemmten Nitrate
(Offensichtlich, dass diese Meldungen gesteuert werden.)

Weitere Zitate von Lichtenberg.




Das stille Sterben an den Lechstauseen

Das stille Sterben an den Lechstauseen
Merkur Online
Er ist beim Landesfischereiverband Bayern für den Arten- und Gewässerschutz zuständig. Da die Abflusskurven beim Lech nahezu identisch seien mit der Einspeisevergütungskurve an der Strombörse in Leipzig, hegt auch Schnell den Verdacht, dass sich Eon




Auf direktem Weg in die Klimadiktatur?

Ja, gerne!?

Ein Bericht des wissenschaftlichen Beirats, der die Bundesregierung in Klimafragen berät, sorgt für Aufruhr – manche sehen sogar die Demokratie in Gefahr.“ Siehe Artikel des FOCUS.

Wolfgang Wippermann:

Die sprechen sogar von der „internationalen Allianz von Pionieren des Wandels“. Und das erinnert mich an die faschistische oder kommunistische Internationale. Ob sie da hin wollen, weiß ich nicht. Aber die Sprache ist schon mal schrecklich und das macht mir Angst. Wer so spricht, der handelt auch. Das ist eine negative Utopie, eine Dystopie. Und wenn Utopisten am Werk sind, wird es immer gefährlich.

Nun, vor diesem Trend – der sich schon vergegenständlicht hat – wird schon seit Jahren von den verschiedensten Autoren gewarnt. Driessen, P.K., Öko-Imperialismus – Grüne Politik mit tödlichen Folgen (TvR Medienverlag 2006):

Die Debatten über gesellschaftliche Verantwortung, Beteiligung von Anspruchsgruppen, nachhaltige Entwicklung, Vorsorgeprinzip und sozial verantwortliches Investieren führten in zu vielen Fällen dazu, daß Wissenschaft und Logik durch interessengeleitete Strategien, politische Zweckmäßigkeit und eine neue Form von Tyrannei ersetzt wurden.

Im Kern ist momentan eine Art von anonymem Wirtschaftskrieg gegen das eigene Volk im Gange, der mit ideologischen Waffen – insbesondere mit den Geschützen des Vorsorgeprinzips und der  Nachhaltigkeit – ausgetragen wird. Gezählt werden ausschließlich die neugeborenen Sieger – die vom Ökologismus geschaffenen neuen Arbeitsplätze. Die flächendeckend Dahinsiechenden und die Öko-Leichen werden ausgeblendet. Verbunden ist das Ganze mit einer gewaltigen Entwertung vielerlei bisher geschaffener Anlagen und einer Entwertung von manchem Privat- und Volksvermögen. Auch dieser Aspekt verleiht dem ganzen Gewusel einen kriegsähnlichen Charakter. Uns Deutschen geht es einfach zu gut.  Und bevor sich der Deutsche überlegt, sein Geld zu sparen oder bevor man die Umsatzsteuer senken müsste, braucht man dringend Begründungen Deutschland nach dem II. Weltkrieg ein zweites Mal aufbauen zu müssen. Das sind neben Machterhalt die Hintergründe.

Vorsorgeprinzip und Nachhaltigkeit kommen listig getarnt mit dem Mantel des Guten daher. Tatsächlich wurden und werden diese Instrumente des Terrors und der Ökodiktatur zunehmend in Gesetzen verankert. Wie heißt es so schön: „Jedes Gesetz ist der Embryo des Terrors.“ Da weiß man, was nachhaltig auf die nächste Generation zukommt. Die zunehmende Macht der Vorsorgedoktrin erklärt sich auch aus der Vergreisung der deutschen Gesellschaft. Die Jugend ist nicht vorsorglich. Sie ist dynamisch und riskant. Nur auf diesen Eigenschaften beruht der Fortschritt. Ob am Ende das Vorsorgeprinzip der ängstlichen Alten aus der eigentlich tapferen Jugend nachhaltige kleine Idioten macht?  So der Eindruck, wenn kritischer Literatur gefolgt wird.

Bolz, N. (Quelle: Der Gesinnungsterror der politisch Korrekten ist eine Feind-Erklärung: Er stellt jeden liberal Denkenden in seiner Existenz in Frage, Focusartikel von Bolz, N. Focus 37/210, S. 64-66.) charkterisiert den Zustand der deutschen Gesellschaft so:

Niemand wagt es, einem unabhängigen Gedankenzug zu folgen. Deshalb gibt es auch keine großen Denker mehr.

Wer zurückschaut, schärft seinen Blick für die Wertung der Vorgänge in der Gegenwart: Es ist nur „wenige“ Jahre her, als Menschen in Durchsetzung des Vorsorge- und Nachhaltigkeitsprinzips verbrannt wurden, denn die Hexenverbrennung war – auf den Punkt gebracht – nichts anderes als die Durchsetzung des Vorsorgeprinzips, durch besonders gute Menschen, die es mit den Hexen und den von den Hexen betroffenen Menschen nur besonders gut meinten. Erst vor wenigen Tagen – so scheint es – notierte Georg Christoph Lichtenberg (1.7.1742-24.2.1799):

Wir verbrennen zwar keine Hexen mehr, dafür aber jeden Brief, worin eine derbe Wahrheit gesagt wird.

Dem Buch von Gärtner, Edgar L., Öko-Nihilismus, Eine Kritik der Politischen Ökologie (TvR Medienverlag Jena, 2007) ist auf Seite 168 zu entnehmen:

Die große Triebkraft der Völkerenentwicklung war niemals die Wahrheit, sondern der Irrtum„, schrieb der französische Arzt und Begründer der Massenpsychologie Gustave Le Bon 1895. „Die soziale Täuschung“, fährt Le Bon fort, „herrscht heute auf allen Ruinen, die die Vergangenheit auftürmte, und ihr gehört die Zukunft. Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen mißfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.“ (S. 78) Le Bons Abhandlung über die „Psychologie der Massen“ wirkt noch heute so aktuell, als wäre sie hundert Jahre später geschrieben worden. Sie erklärt, warum es in der politischen Praxis meist einzelne Querköpfe und nicht Massenbewegungen sind, die den gesunden Menschenverstand zur Geltung bringen.
Dabei war Le Bon, bei allem düsteren Sarkasmus, sogar noch verhältnismäßig optimistisch. Er konnte noch die Hoffnung hegen, aus der Entgleisung der Französischen Revolution unter der Terrorherrschaft Robespierres und dem mißglückten Versuch, von einem leitenden Zentrum aus eine Gesellschaft um den Preis von Tausenden und Abertausenden von Toten ausschließlich nach Prinzipien der „reinen Vernunft“ umzumodeln, sei etwas gelernt worden. Heute wissen wir es besser. Der im Gefolge des Sturms auf die Bastille in die Welt gesetzte Revolutionsmythos war überaus verführerisch und stellte die magere, wenn nicht gar desaströse Bilanz der Schreckensherrschaft Robespierres in den Schatten. So kam im 20. Jahrhundert alles noch viel schlimmer.“

Wo ist bei dem selten hohen Stand von Wissenschaft und Technik das Licht am Ende des Tunnels, mag man fragen?

Die leisen Töne machen die Musik!




Die Dichtheitsprüfung in sanfter Weise ein Rauschmittel?

…oder wie koche ich einen Frosch?

„Für „sanfte“ Dichtheitsprüfung
Mindener Tageblatt
Förderleistungen aus der Abwasserabgabe (Investitionsprogramm Abwasser) für private Kanalsanierungen ab dem 1. Januar 2012 sollen nahtlos an die heute …“

„Gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden solle die Mustersatzung überarbeitet werden, um die schonendste Art der Dichtheitsprüfung zu nutzen. Grundsätzlich sollen in freier Wahl alle Prüfmethoden zulässig sein, Druckprüfung, TV-Inspektion und Wasserstandsfüllprüfung. Darüber hinaus wird die Einführung einer drucklosen Durchflussprüfung gefordert. Lediglich für Fremdwasserschwerpunktgebiete und in Wasserschutzgebieten seien Ausnahmen sinnvoll.“

Siehe auch:  Dichtheitsprüfung für Grundstückskanäle?
Wenn die Bürger aber irgendwann aus dem Rausch erwachen:

„Massive Proteste zeigen die erwünschte Wirkung
Deutschland Today
Die Protestdemo vor den Gebäuden des TAVEE habe eindrucksvoll gezeigt, dass für die Bürger das Thema hohe Wasser- und Abwasserkosten nicht vom Tisch ist. …“

Tja, wie kocht man nun einen Frosch?

Mit diesem Gleichnis habe ich mir schon einmal die Finger verbrüht, weil eine Leserin dachte, ich hätte eine besondere Erfahrung im Kochen von lebendigen Fröschen.

Interessant ist aber die Frage, warum die Frösche beim Atomausstieg nicht aus dem Topf  springen.

Naturwissenschaftlich gesehen, wahrscheinlich deshalb nicht, weil die Geschwindigkeit der Zunahme der Wassertemperatur größer war, als die Reaktionsgeschwindigkeit der deutschen Frösche.

Das wäre eine Hypothese.

Pragmatisch geht es mit Sicherheit so:

  1. Man setzt den Frosch in einen Topf.
  2. Legt etwas  auf ihn, vor dem ihm vorher wahnsinnig Angst gemacht wurde – z.B. etwas fernes japanisches – und dann kann man
  3. ihn beliebig in kochendem Wasser aufbrühen.

So geht es besser!

Die Angst vor Schlimmeren zwingt insbesondere deutsche Frösche in die Knie und schaltet ihre Gehirne gaaanz saaaaanft ab.

Das Wunderschöne bei der Angst ist ja, dass es für die Wirkung genügt, Angst einzujagen.

Es ist nicht nötig, dass das beängstigende Ereignis tatsächlich jemals eintritt.

Es genügt, wenn der Schäferhund die Schafe umkreist.

Die Fiktion beeinflusst das Denken und reale Handeln!

Aber das war schon immer so.

P.S.: Das mit dem Frosch ist letztlich nur eine schöne Geschichte, bei der es bekanntlich nicht darauf ankommt, dass sie in allen Punkten stimmt.




EHEC aus Biogasanlagen?

Ein aktuelles Thema der FAZ lautet:

Biogasanlagen – Brutstätten für Ehec-Keime?

„Angesichts der dramatischen Krankheitsverläufe und immer noch steigenden Fallzahlen entstehen derzeit viele neue Theorien, woher die Ehec-Keime im aktuellen Ausbruch stammen könnten. Weil immer noch kein einzelnes Lebensmittel als Auslöser konkret benannt werden konnte, konzentriert man sich jetzt auf größere Zusammenhänge, etwa die moderne Landwirtschaft mit ihren auf Kraftfutter angewiesenen Hochleistungskühen, die kein Weidegras mehr kennen. Daneben sind ein Terroranschlag und mangelnde Kenntnisse über Küchenhygiene im Zuge eines Generationswandels in der Diskussion.“

In dem Rahmen werden auch Analogien zu anderen Keimen in der Biogasgülle – die Clostridien – diskutiert. (Einige Arten der Clostridien sind pathogen)

„Im Gegenteil hat eine von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und der Technischen Universität München gemeinsam durchgeführte Studie ergeben, dass sich Clostridium perfringens weder in meso- noch in thermophil betriebenen Fermentern bei der Vergärung von Rindergülle vermehrte.“

Quelle: Stellungnahme zu den Artikeln „Biogasgülle am besten unterpflügen“ in Flur und Furche, Bd. 184, S. 19 (2005) sowie Biogas: „Gülle unterpflügen“ in dlz-Agrarmagazin Bd. 10, S. 14 (2005)

Siehe auch: Wikipedia

Markant scheint zu sein, dass die Bedenken Klärschlammbiogasanlagen eher nicht betreffen.

Weitere Quellen:

Mehr Fälle, mehr Thesen

FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung – ‎06.06.2011‎
Auf der Suche nach Erklärungsversuchen für die Ehec-Krise geraten auch Biogasanlagen in die Diskussion. Die Hypothese, die Anlagen seien eine Brutstätte für Krankheitserreger, ist nicht neu. Von Christina Hucklenbroich Angesichts der dramatischen

„Vielleicht sucht man vergeblich“

Salzburger Nachrichten – ‎05.06.2011‎
Zumindest Salzburg darf aufatmen: „Wir haben jenen 30-jährigen Patienten, bei dem Verdacht auf EHEC bestanden hatte, heute entlassen“, bestätigte der Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Primar Richard Greil, den SN am Sonntag.

Ehec-Ausbruch: Epidemie stellt Experten vor doppeltes Rätsel

Spiegel Online – ‎05.06.2011‎
Von Nina Weber Wie verbreiten sich die Ehec-Bakterien, die Hunderte Menschen infiziert haben? Und woher stammt der Erreger? Bisher konnten Forscher diese Fragen nicht klären. Doch nun gibt es womöglich eine neue Spur. Wie es zu dem Ehec-Ausbruch in

Schwieriger Kampf gegen Ehec-Epidemie: Krankenhäuser am Limit

STERN.DE – ‎05.06.2011‎
Gesundheitsminister Bahr räumt ein: Die Kliniken im Norden sind bei der Versorgung der Ehec-Patienten überlastet. Bei Suche der Erreger-Quelle geraten nun auch Biogasanlagen ins Visier. Seit drei Wochen treibt der aggressive Darmkeim Ehec in

Biogasanlagen – Brutstätten für Ehec-Keime?

FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung – ‎05.06.2011‎
Angesichts der dramatischen Krankheitsverläufe und immer noch steigenden Fallzahlen entstehen derzeit viele neue Theorien, woher die Ehec-Keime im aktuellen Ausbruch stammen könnten. Weil immer noch kein einzelnes Lebensmittel als Auslöser konkret

Mediziner verdächtigt Biogasanlagen als Ehec-Ursprung

Reuters Deutschland – ‎05.06.2011‎
Berlin (Reuters) – Einige Veterinär- und Labormediziner halten eine Herkunft des gefährlichen Ehec-Erregers aus Biogasanlagen für möglich. In den Gärbehältern der Biogasanlagen entstünden Bakterien, die es zuvor noch nie gegeben habe,

Ehec-Erreger könnte aus Biogasanlagen stammen

Financial Times Deutschland – ‎05.06.2011‎
Möglicherweise ist der tödliche Erreger ein Produkt der Energiewende: In Biogasanlagen könnte die aggressive Form des Darmkeims entstanden sein. Die Spur nach Lübeck scheint jedenfalls wertlos. Einige Veterinär- und Labormediziner halten eine Herkunft

Neue Spuren im Fall EHEC

NZZ Online – ‎05.06.2011‎
Eine medizinisch-technische Assistentin zeigt in Hamburg im mikrobiologischen Labor des Universitätsklinikums Eppendorf eine EHEC-Bakterienkultur. (Bild: Keystone / Philipp Guelland) Bei der Suche nach der Herkunft des gefährlichen EHEC-Erregers sind

 

 

 

 

 




Gülle – Nicht nur ein bundesdeutscher Importschlager!

200 Millionen Tonnen Gülle – jährlich!

werden auf deutschen Feldern ausgeschüttet. Quelle: Der Spiegel Nr. 22 vom 30.05.2011, S. 17

Foto: U. Halbach

Hochalm – Einzugsgebiet des Gardasees

 

Nach Reichholf, J. H. (Der Tanz um das goldene Kalb, Der Ökokolonialismus Europas, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 1. Auflage 2006) werden davon 2/3, also 133 Millionen Gülle importiert, wobei es auf die eine oder andere Million wohl nicht ankommt.

Eine Tonne Gülle entspricht etwa einem Kubikmeter.

Sicher wird die Gülle nicht flüssig importiert, sondern eher in ihrer Modifikation als Futtermittel.

Futtermittel werden importiert, weil auf deutschen Feldern nicht soviel Futtermittel wächst, wie gebraucht wird, um alle Exportschweine und Exportrinder zu füttern.

Gülle wird aus Futter erst dann, nachdem das importierte Futter von den zu exportierenden Tieren gefressen wird.

Vor dem Hintergrund des „Gülleimports“ bedarf es extremer Unwissenheit, an den Sinn der Auflagen zu glauben, biologisch gereinigtes Abwasser nur über die belebte Bodenzone versickern zu dürfen. Doch das nur am Rande.

Unter folgenden Annahmen:

  • alle Gülle besteht nur aus Rindergülle,
  • der TS-Gehalt der Rindergülle beträgt im Mittel 10 % (also bei 200 Mt Gülle = 20 t Gülletrockenmasse),
  • der Phosphorgehalt der Rindergülle beträgt im Mittel 1,9  % der Trockenmasse,
  • im Abwasser eines Einwohners finden sich täglich 1,8 g Phosphor bzw. jährlich  657 g und 657 t/ Million Einwohner,

errechnet sich zunächst eine Phosphorfracht in der Gülle von 380.000 t Phosphor/a. Wird diese Zahl durch 657 t Phosphor/Million Einwohner dividiert, dann ist bei diesen Annahmen festzustellen:

Die Gülle entspricht hinsichtlich der Phosphorfracht dem Abwasser eines Landes mit 578 Millionen Einwohner bzw. die landwirtschaftliche Viehhaltung erzeugt wenigstens siebenmal soviel Phosphor als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.

Nun, die Intention zu diesen Betrachtungen erhielt ich von Prof. Reichholf.  Und wie man sieht, ist seine Feststellung durchaus nachvollziehbar:

Die landwirtschaftliche Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser wie alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Hauptquelle der Überdüngung ist also nicht die Getreideproduktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung.

Weitere Überlegungen unter: Nitrat und Phosphor im Gewässer.

Nun darf der Leser darüber nachdenken, warum er  für die Einleitung von Phosphor und Stickstoff in Gewässer seit über zehn Jahren sein Geld abgeben muss, während dem Rindvieh dies erspart bleibt.

Insofern ist es biologisch, das Fleisch von Bio-Rindern zu essen, die sich ihr Bio-Futter selber suchen.

Die Gegend sieht dann allerdings  danach so aus:

Schweizer Kuhfladen – Garantiert biologischer Anbau

(Aber man muss ja nicht hineintreten.)

Wer sich aber für die Schweinemast interessiert:

Kostenloses E-Book zum Thema Schweinemast & Schweinefütterung mit umfassenden Informationen

(Eine Verlinkung für www.agrarnetz.com)

 

 




Vom Kopf auf den Fuß gestellt!

Die Wasserchemie ist Mittel der Ökologie und nicht – wie momentan eher dilettantisch benutzt – ein eigenständiges Ziel.

D. h. die Prämissen und Gesetze der Ökologie bestimmen die Anforderungen an den wasserchemischen Zustand.

Was ist sinnvoll, zweckmäßig und möglich?

Und es wartet ein goldenes Kalb auf seine Demontage:

Phosphor und Stickstoff sind keine Schadstoffe, sondern Nährstoffe!





Der schlechte Zustand!?

Diese allgemein herrschende Vorstellung ist mit 100 %-iger Sicherheit logisch falsch:

Schlechte wasserchemische Gewässergüteklasse III = schlechter ökologischer Zustand = schlechte Biologie!

Die Ökologie, die Biologie oder die Chemie ist niemals schlecht oder gut, höchstens für manche Geschäfte oder Interessen.

Ein Zusammenhang, der naturwissenschaftlich eindeutig falsch ist, kann trotzdem nach der Logik des Wasserrechtes oder der Politik durchaus korrekt sein.

Wohl auch aus diesem Grund ist das Versagen der Experten (vor dem Recht) immer ein reizendes Schauspiel…
würde Dávila meinen.




Mächtig viel CSB im Kaffee und kein Schadstoffbeweis?

Der CSB ist eine Summenbestimmung von (nur unter Laborbedingungen) chemisch oxidierbaren unbekannten Stoffen und unbekannten Einzelkonzentrationen.

Allein mit unbekannten Stoffen bzw. unbekannten Stoffgemischen und zudem unbekannten Einzelkonzentrationen ist kein Schadstoffbeweis möglich.

Entscheidend für eine Sauerstoffzehrung im Gewässer ist der sauerstoffzehrende Anteil des CSB.

Der muss aber als BSB separat gemessen werden.

Nun wäre die Frage zu beantworten:

Wenn allein mit dem CSB oder TOC kein Schadstoffbeweis sachlich möglich ist, warum wird dann für den CSB eine Abwasserabgabe erhoben?

(Siehe auch den Fachbeitrag von 2013 in der wwt. Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Bleibt nur noch hinzu zufügen, dass nicht nur ich als Student im Fach Wasserchemie schon 1968 an der Ingenieurschule für Wasserwirtschaft gelehrt bekam, dass mit allein mit dem CSB ein Schädlichkeitsbeweis nicht zu führen ist.

Und mit der Wende 1989 wurde schlagartig und sachlich unbegründet der CSB zum Schadstoff erklärt.

Die staatliche Gewässeraufsicht – so hieß eine Wasserbehörde vor 1989 – hatte bezüglich der CSB- und der Nährstoffbewertungen noch eine wissenschaftlich-ökologische Grundlage. Heute wurde ihren Nachfolgern in der ehemaligen DDR, den Wasserbehörden ein willkürliches Regulativ verordnet, um die Erhebung von Abgaben scheinbar zu begründen und Staftatbestände von CSB-Gewässerveschmutzungen zu verfolgen, die in Wahrheit keine sind.




Bodenfilter – Ein wertender Blick in die Vergangenheit

Unbepflanzte Bodenfilter – Auswertung einer Literaturquelle von 1934

Brix notiert:

„Unter Bodenfiltration versteht man in der Abwassertechnik eine auf verhältnismäßig kleinen Flächen betriebene Stauberieselung., die so stark mit vorgereinigtem Abwasser beschickt wird, daß auf die landwirtschaftliche Nutzung der Stauflächen verzichtet werden muß. Im übrigen ist der Vorgang der gleiche wie bei der Stauberieselung. Das Abwasser wird auf die mit Dämmen umgebene Fläche gestaut, sickert durch die Bodenschichten und fließt durch Drainagen ab. Wenn der Boden aus durchlässigem Sand und Kies besteht, können die natürlichen Verhältnisse beibehalten werden. Man beschränkt sich dann darauf, die auf dem Sand und Kies lagernden weniger durchlässigen Schichten Mutter- und Humusboden abzugraben und zu den Dämmen zu verwenden.

Ist die Wasserdurchlässigkeit der natürlichen Bodenlagen nicht ausreichend, so ist es nötig, die Filtermasse durch Sand, Kies oder Koks bzw. Kohle künstlich herzustellen. Die gröberen Filterstoffe kommen zu unterst, die Feinkörnigkeit muß nach oben zunehmen.

Es hat sich in der Praxis herausgestellt, daß bei vorschriftsmäßiger Anlage der Bodenfilter und richtiger Anpassung der Abwassermenge die Reinigung befriedigend erfolgen kann. Das abfließende Wasser ist klar, farblos und geruchfrei.

Die Belastung mit Abwasser hängt von den jeweiligen Verhältnissen, insbesondere von der Beschaffenheit und Stärke der Filterschicht ab. Sie schwankt zwischen 1000 und 5000 Einwohner je Hektar, das sind im Jahr 36500-180000 m³. Die Beschickung erfolgt in Ruhepausen, die abhängig von Betrieb, Bodenbeschaffenheit usw. im Einzelfalle praktisch zu ermitteln sind.

Legt man bei der Berechnung eine Stadt von 10000 Einwohnern mit einem täglichen Abfluß von 1000 m³ zugrunde, nimmt man weiter an, daß die Stauflächen mit 2500 Einwohnern = 250 m³ je Hektar täglich zu belasten sind, daß 8 Abteilungen von je 0,50 ha zur Verfügung stehen, von denen je 2 alle 4 Tage mit 1000 m³ zu beschicken sind, daß endlich die Tiefe der Drainage 1,50 m beträgt, so ergibt sich folgendes:

1. Größe der Staufläche 1000/250   = 4 ha.

2. Erforderliche Sekundenleistung der Drainage je Hektar = 1000 / (60 * 60 * 24 * 4) =  0,003 m³ = 3 Liter.

Quelle:
Brix, J. u.a.
Die Stadtentwässerung in Deutschland
Jena, Gustav Fischer 1934

Kommentar:

Die heutigen Filterbeete unterscheiden sich in ihrem Aufbau von den ursprünglichen Bodenfiltern von vielleicht 1920 dadurch, dass das Aufbringen des Abwassers früher über Gräben oder über ein oberflächlich verlegtes Rohrsystem auf das Filterbeet verteilt wurde, während dies heute über ein unterirdisch verlegtes Rohrverteilungssystem (Versickerungsrohre) vorzunehmen ist.

Rational, prinzipiell und in der Regel wären Filterbeete auch für größere Kläranlagen bei geeigneten Böden eine umweltschonende Alternative.

Umweltschonend auch deshalb, weil dieses bewährte biologisch aerob arbeitende Abwasserreinigungsverfahren ohne Energie und Chemikalien auskommt.

U. Halbach am 21. April 2011




Der Bodenfilter – Die fast wartungslose Kleinkläranlage

Unbepflanzter Bodenfilter für Kleinkläranlagen – mit Selbstbauanleitung

Grubenanlagen für die Behandlung des Abwassers von bis zu 50 Einwohnern (Gruben nach DIN 4261-1) müssen nach der Rechtslage mit einer sog. biologischen Stufe nachgerüstet werden. Die technischen Möglichkeiten sind vielfältig und die Wahl dürfte in der Regel den Haus- oder Grundstücksbesitzer weit überfordern.

Der Bodenfilter ist ein in manchen Bundesländern (z. B. Sachsen, Sachsen-Anhalt) zulässiges Verfahren zur biologischen Nachreinigung von Kleinkläranlagen.

Die Kleinkläranlagen müssen als Mehrkammerausfaulgruben für die Vorreinigung vorhanden sein oder nachgerüstet werden, wenn ein Bodenfilter nachgeschaltet werden soll.
Niederschlagswasser darf nicht in diese Kläranlagen eingeleitet werden.

Mehrkammerausfaulgruben haben darüber hinaus den Vorteil, dass aufgrund ihrer großen Verweilzeit der abgesetzte Fäkalschlamm lange genug ausfaulen kann, bis er sein Volumen derart verringert hat, dass seine Schlammbeseitigung frühestens in 5 Jahren notwendig werden kann.

Damit werden also in erheblichem Maße Schlammbeseitigungskosten gespart.

Ausgewählte Merkmale einer Mehrkammerausfaulgrube nach DIN 4261-1:

  • Gesamtvolumen ≥ 6 m³
  • Kammeranzahl ≥ 3 Kammern
  • Kammervolumen der 1. Kammer = 50 % des Gesamtvolumens
  • 1,5 m³ Nutzvolumen/Einwohner

Unbepflanzte Bodenfilter (auch Filterbeet genannt) sind ein „uraltes“  (vor 1933, vergleiche Geissler, W., Kanalisation und Abwasserreinigung, Berlin – Verlag von Julius Springer, 1933) und bewährtes Verfahren der Abwassertechnik, das m. E. wohl aus 2 Gründen in der heutigen Zeit etwas in Vergessenheit geriet:

  • Zum einem beansprucht ein Filterbeet mehr Fläche als eine im Werk vorgefertigte Kleinkläranlage und
  • zum anderen ist ein Filterbeet kommerziell weniger interessant. Es gibt auch keine Lobby für unbepflanzte Bodenfilter im Gegensatz zu den hinsichtlich des erforderlichen Reinigungsvermögens gleichwertigen bepflanzten Bodenfiltern.

Siehe auch: Bodenfilter – Ein wertender Blick in die Vergangenheit

Reinigungsprinzip:

  • In einem Bodenfilter wird mechanisch vorgereinigtes Abwasser stoßweise (es genügt für die Vorreinigung eine Mehrkammerausfaulgrube nach DIN4261-1) über ein Versickerungsrohr DN 100 (Schlitze weiten sich von innen  nach außen) auf eine Filterschicht (Grobsand) gegeben.
  • Unter der Filterschicht befindet sich z. B. eine Folie und auf dieser ein Drainagerohr (Schlitze weiten sich von außen nach innen).
  • Der Abwasserschwall durchdringt den Filter, sammelt sich im Drainagerohr und wird aus dem Bodenfilter nun biologisch abgeleitet.
  • Das nach unten im Filter sickerndes Abwasser verdrängt vor sich die Luft aus dem Filter und zieht nach sich frische Luft in den Filter.
  • Die Filterkörner sind am Ende der Einarbeitung mit einem biologischen Rasen überzogen, der dann den aeroben Abbau übernimmt.
  • Notwendig ist eine handelsübliche Schwallbeschickung (Stoßbeschickung), die sicherstellen muss, dass alle Sickerrohre gleichzeitig mit Abwasser gefüllt werden.

Die Enden aller Versickerungsrohre werden aus dem Boden herausgeführt und mit einer Belüftungshutze versehen (vorzugsweise wegen der Haltbarkeit des Stahlrohrs geringfügig einbetoniert) oder die Rohrleitungsenden können durch einen Querstrang verbunden und durch eine gemeinsame Lüftungsleitung mit einem Gesamteintrittsquerschnitt von mindestens 175 cm² gelüftet werden. Damit kann das Gelände unter dem Filterbeet besser genutzt werden.

Filtergraben nach DIN 4261-1

Abbildung 1: Schnitte durch einen Filtergraben (Bild 6 aus der DIN 4261-1) – Abweichend ist unbedingt der Einbau einer Stoßbeschickung, z. B. in die Verteilerkammer zu beachten!

Das aerob (mit Luftsauerstoff) biologisch arbeitende Filterbeet weist meiner Meinung nach folgende Vorteile auf:

  • kein Energieverbrauch
  • keine Wartung der Anlage
  • Nutzung der Oberfläche des Filters z. B. für den Gemüseanbau, Kräutergarten, Rasenfläche, Spielplatz, bei entsprechendem Bodenaufbau auch als Parkplatz
  • Eine Bepflanzung der Anlage mit Schilf ist nicht notwendig und auch nicht zulässig, wenn die Wurzeln des Schilfes mit dem Abwasser in Berührung kommen. Wird unbedingt eine Abwasserreinigung mit Pflanzen gewünscht, dann sind die Bestimmungen und Regeln für den Bau von Pflanzenkläranlagen zu beachten.
  • Bei der Planung der Anlage für eine Familie könnte das Filterbeet „lebenslänglich“ funktionsfähig bleiben, da sich die Belastung der Anlage mit dem Fortzug der Kinder reduzieren wird. Zudem ist durch die Reduzierung des Abwasseranfalls zwischen der Auslegung der DIN 4261-1 und heute um meist mehr als die Hälfte auch mit einer Leistungsverbesserung der Kläranalgen zu rechnen. (Nur am Rande weise ich darauf hin, dass der CSB als alleiniger Analysenparameter keine korrekte Leistungsbewertung der Anlage erlaubt, weil bekanntermaßen mit zunehmendem Wirkungsgrad auch der CSB in der Regel ansteigt.)

Ideal ist es natürlich, wenn die Anlage einschließlich Grundleitung und Mehrkammerausfaulgrube im freien Gefälle durchflossen werden kann.

Ein Filtergraben ist ein unbepflanzter Bodenfilter mit nur einem Versickerungs- und nur einem Drainagerohr. Es ist aber möglich und mitunter zweckmäßig mehrere Versickerungsrohre nebeneinander in eine hinreichend große Grube zu legen.

Der DIN 4261-1 „Kleinkläranlagen – Anlagen ohne Abwasserbelüftung, Anwendung, Bemessung und Ausführung vom Oktober 1983“ sind Bemessungshinweise zur Errichtung eines Filtergrabens zu entnehmen, die analog auch für ein Filterbeet (z. B. in Erdbauweise) gelten (einschließlich meiner ergänzenden Hinweise):

  • Filtergrabenlänge ≥ 6 m/Einwohner
  • Länge eines Sickerstranges ≤  30 m.
  • Gefälle des Sickerstranges 1 : 500
  • Der Graben muss eine Sohlenbreite im Falle eines Filtergrabens von ≤ 0,50 m haben.
  • Graben oder Beckentiefe ≥ 1,25 m
  • Auf die abgeglichene Sohle sind Drainrohre mit einer lichten Weite von mindestens 100 mm als Ablaufleitung zu verlegen, stumpfe Stöße sind oben abzudecken. (Stoßabdeckung entfällt bei Einsatz von Drainagerohren vom Bund.  Anmerkung U.H.)
  • Darauf ist der Graben mit einer Filterschicht aus Grobsand oder Feinkies 0,60 m hoch anzufüllen. Der Kornaufbau des Filtermaterials ist so zu wählen, dass das Filtermaterial nicht in die Leitungen eindringen kann.
  • Auf dieser Filterschicht wird die Zulaufleitung, bestehend aus Rohren nach DIN 1180 oder DIN 1187, Form B, mit Öffnungen von 1,1 bis 1,5 mm Breite mit einer lichten Weite von mindestens 100 mm verlegt und gegebenenfalls nach Abdecken der Stöße mindestens mit gleichem Material 0,20 m überdeckt. (Stoßabdeckung entfällt bei Einsatz von Versickerungsrohren z. B. vom Bund. Anmerkung U. H.)
  • Danach ist der Graben zu verfüllen.  Verhindert werden muss, dass das Verfüllmaterial durch Niederschläge in den Bodenfilter eindringen kann. Vorzugsweise ein Geotextil zwischen Filter und z. B. Mutterboden einbauen.
  • Der Abstand der Sickerstränge untereinander soll mindestens 1 m betragen. Bei Zusammenrücken der Rohrstränge auf diesen Mindestabstand ergibt sich ein Filterbeet.
  • Die oben und unten liegenden Leitungen sind getrennt zu lüften; die unten liegenden Leitungen sind nur über den Auslauf zu lüften. An den Enden der Rohrleitungen sind Lüftungsrohre einzubauen und gegen das Eindringen von Fremdkörpern zu schützen. Gleichhoch liegende Rohrleitungsenden können durch einen Querstrang verbunden und durch eine gemeinsame Lüftungsleitung mit einem Gesamteintrittsquerschnitt von mindestens 175 cm² gelüftet werden.
  • Die Verteilerkammer ist so zu konstruieren, dass alle Versickerungsrohre etwa gleichmäßig und in gleich intensiver Weise stoßartig beschickt werden. Ebenso ist es notwendig, dass alle Versickerungsrohre die gleiche Höhe, das gleiche Gefälle und den gleichen Reibungsverlust aufweisen!

Ziel ist sicherzustellen, dass alle Versickerungsrohre auf einmal geflutet werden. Bei einem Filterbeet für 8 Einwohner rechne ich mit einer Rohrlänge von 56 m DN 100 (56 = 4 x 12 m + 4 x 2 m). Das Leitungsvolumen beträgt dann 440 l. Wird die Leitung nur halb geflutet, müsste die Stoßbeschickung wenigstens 250 l als Schwall gewährleisten.

Am Rande ist auf eine kleine Unkorrektheit in der DIN 4261-1 hinzuweisen: Bodenfilter sind aerob arbeitende Anlagen mit Abwasserbelüftung. Die Klassifizierung in der DIN 4261-1 „Anlagen ohne Abwasserbelüftung“ ist deshalb irreführend.

Hinsichtlich der Be- und Entlüftung ist m. E. folgende Durchgängigkeit zu beachten:

  • Belüftung durch die Lüftungshauben am Ende der Versickerungsrohre
  • Luft strömt weiter durch die Versickerungsrohre
  • durch den Schacht mit der Stoßbeschickung
  • durch alle Gruben der Mehrkammerausfaulgrube
  • durch die Grundleitung des Hauses
  • durch die sanitäre Fallleitung
  • und entweicht als Abluft durch die Ablufthaube über Dach

Ich würde die sanitäre Fallleitung ohne Querschnittsverlust als DN 100 über Dach ziehen, weil es sich mitunter zeigte, dass die Entlüftung der sanitären Fallleitung in DN 50 oder DN 80 für die Be- und Entlüftung einer Kleinkläranlage nicht ausreichend ist. Wenn hinreichend Luft ungehindert durch die Anlagen der Grundstücksentwässerung bzw. Kleinkläranlage strömen kann und wenn diese Luftmenge auch ungehindert über Dach abgeleitet werden kann, dann kommt es nur in recht seltenen Fällen zu Geruchsbelästigungen in Erdbodennähe.

Filterbeet - Quelle: Abwasserentsorgung von Einzelanwesen- Bayrisches Landesamt für Wasserwirtschaft München 2002

Filterbeet – Quelle: Abwasserentsorgung von Einzelanwesen – Bayrisches Landesamt für Wasserwirtschaft München 2002

Abbildung 2: Plan eines Filterbeetes nach dem Bayrischen Landesamt für Wasserwirtschaft

Bei durchlässigem Boden ist die Auslegung des Filterbeetes mit einer Folie ratsam, die ich an den Rändern des Filterbeetes ca. 10 cm über den höchsten Rohrscheitel des Drainagerohres hochziehen würde.

Den Boden würde ich mit leichtem Gefälle (1 : 500) zur Drainagesammelleitung ziehen. Bei einem z. B. 15 m langen Becken wären das 3 cm Höhenunterschied.

Die Drainagesammelleitung DN 100 ist mit geschlossenem Mantel (KG-Rohr) wasserdicht durch die Folienseitenwand zu führen.

Filtersand

In Abweichung zur DIN 4261-1 würde ich Filtersand einbauen, wie er für Pflanzenkläranlagen Vorschrift ist. Damit dürften auch die Filterbeettiefen von 60 cm nach DIN 4261-1 bzw. DWA-A 262 genügen.

Anforderungen Filterkies DWA-A 262 – März 2006

„Der Durchlässigkeitsbeiwert des Filterkörpers sollte vorzugsweise im Bereich kfA = 10-4 m/s bis 10-3 m/s liegen (ermittelt nach Formel 10). Das Filtermaterial muss suffosionssicher (d. h. Verhinderung von Stoffverlagerung innerhalb bzw. aus einer Schicht in eine andere) sein. Diese Forderung erfüllen Filterkörper aus sandigem bis sandig-kiesigem Material mit den nachfolgend genannten Eigenschaften.

Es müssen enggestufte, definierte Korngemische mit stetiger Kornverteilungslinie gewählt werden. Bei gleicher Korngrößenverteilung ist in Abhängigkeit von Kornform und Kornaggregierung mit sehr unter­schiedlichen Durchlässigkeiten zu rechnen. Im Falle bindiger Anteile sollten diese einen natürlichen Anteil von 2 % nicht überschreiten. Die „wirksame Korngröße“ d10 von sandigen Filtern sollte 0,2 mm bis 0,4 mm und der Ungleichförmigkeitsgrad:

U = d60/d10 < 5 sein. (9)

Der Durchlässigkeitsbeiwert von Sanden lässt sich aus der Korngrößenverteilung z. B. wie folgt ermitteln:

kfA -Wert [m/s] = (d10)²/100                          (d10 in mm)     (10)

Es wird empfohlen, die Durchlässigkeit des Filtermaterials vor dem Einbau im Versuch an einer gepackten Säule bei mittlerer Lagerungsdichte unter Betriebsbedingungen (gesättigt/ungesättigt) zu bestimmen.

Die Kornverteilung des angelieferten Materials muss durch eine unabhängige Prüfstelle nachgewiesen werden. Das Material muss ohne maschinelle Verdichtung so eingebaut werden; dass nur noch geringfügige Setzungen möglich sind. Das ist z. B. durch zeitweiliges Anfüllen des eingebauten Filterkörpers mit Wasser möglich.

Sofern sie die o. g. Anforderungen hinsichtlich des Durchlässigkeitsbeiwerts erfüllen und suffosionssicher sind, können auch andere Materialien eingesetzt werden. Da zu diesen keine gesicherten langjährigen Erkenntnisse vorliegen, kann in diesem Arbeitsblatt nicht näher darauf eingegangen werden.“

Geeignet wäre z. B. ein Filtersand

Sand 0/2 gewaschen, DIN EN 12620;13139;13043

der Kies-Sand-Service Zwickau GmbH.

Aus den Angaben des Prüfbericht 03 / 0310 folgt:

  • U = 4 und damit < 5.
  • d10 ≤ 0,275 , also d10 ≥ 0,2 mm bis ≤ 0,4 mm
  • kfA = 7,6 * 10-4 also ≥  10-4 m/s und 10-3 m/s

Damit werden die Anforderungen an Filterkies lt. DWA-A 262 vom März 2006 eingehalten.

Der Filtersand kostet 2011 ab Werk 12,50 € netto.

Für eine Anlage mit 8 Einwohnern werden (ohne Sicherheit) 50 m³ Filtersand benötigt. Das sind bei einer Dichte von 2,6 Mg/m³ 130 t.

Die Kosten für den Filtersand betragen also ca. 1,6 T€ netto + Fahrtkosten.

Beispiel des Filteraufbaus

Es gibt die Meinung, dass das Filtermaterial nach DIN 4261-1 (Grobsand oder Feinkies) nicht optimal wäre.

Als Alternative bietet sich an, das Filtermaterial und den Aufbau analog wie für vertikale Pflanzenkläranlagen der DWA-A 262 zu wählen.

Die Bauweise ist erprobt und der Filter ebenso.

Anstelle der Pflanzen würde ein Versickerungsrohrsystem nach DIN 4261-1 zum Einsatz kommen, d. h. über den Drainagerohren würden Versickerungsrohre verlegt werden. (Eine Stoßbeschickung ist selbstverständlich).

Der grundsätzliche Aufbau wäre nun von unten nach oben gesehen wie folgt:

  1. Folie (in der Regel)
  2. Drainagerohr DN 100 überdeckt mit 10 cm gewaschenem Kies 2/8 mm
  3. eventuell Grobvlies (versuchstechnisch wird noch geprüft, ob Feinsand 0/2 in den gewaschenen Kies 2/8 mm gespült werden kann. Wenn ja, dann ist ein Vlies notwendig)
  4. 60 cm gewaschener Feinsand 0/2 mm nach DWA-A 262
  5. 10 cm gewaschener Kies 2/8 mm
  6. Verteilerrohr Drainagerohr DN 100 überdeckt mit 10 cm gewaschenem Kies 2/8 mm
  7. Geotextil zur Trennung des Bodens vom Filter
  8. ggf. Aushub
  9. 30 cm Mutterboden

Vorgesehen ist ein Probenahmeschacht.

Hinsichtlich des Fehlens der Pflanzen sind wohl keine Konsequenzen zu erwarten. Fast die Hälfte des Jahres muss jede Pflanzenkläranlage ohne Schilf auskommen, weil dieses dann nicht wächst.

Zudem kommen z. B. Langsamfilter in der Wasserversorgung und Infiltrationsbecken auch ohne Schilf zurecht.

Der Vorteil des Bodenfilters gegenüber der Pflanzenkläranlage besteht in dem geringeren Wartungsaufwand und in der Nutzbarkeit der Oberfläche des Filterbeetes.

Schließlich gibt es bei dieser Bauweise Sicherheiten von 50 %, weil ein Filtergaben mit 6 m/ E  z. B. bei 8 Einwohnern zu einer Filtergrundfläche 4 x 12 m = 48 m² aufweist. Das wären also 6 E /m². Vertikale Pflanzenkläranlagen benötigen aber nur 4 E/m². Streng genommen müsste eine „unterirdische vertikale Pflanzenkläranlage“ mit 4 E/m² letztlich eine interessante Lösung darstellen.

Beispiel der Bemessung eines Bodenfilters für 4 Einwohner:

Filterbeet für das mechanisch vorgereinigte Abwasser von 4 Einwohnern

Beispiel der Bemessung eines Bodenfilters für 8 Einwohner:

Filterbeet für das mechanisch vorgereinigte Abwasser von 8 Einwohnern

Lageplan zur Errichtung eines Filterbeetes zur vollbiologischen Behandlung des Abwassers von 8 Einwohnern nach DIN 4261-1

Abbildung 3: Beispiel eines Lageplans „Filterbeet für 8 Einwohner – Vorplanung“ (Schnitt in Anlehnung an Abbildung 1)

Errichtung des unbepflanzten Bodenfilters bei Einsatz einer Abwasserpumpe und Abwasserdruckleitung

Ist es aus Platz- oder Gefällegründen nicht möglich, das Filterbeet hinter der Mehrkammerausfaulgrube anzuordnen, so kann der Bodenfilter auch an einer anderen geeigneten Stelle im Grundstück vorgesehen werden.

Der Abwasserablauf aus der Mehrkammerausfaulgrube muss dann dorthin gepumpt werden. Dazu genügt in der Regel eine Leitung DN 50. Die Energiekosten mit schätzungsweise 3…5 €/a für 8 Einwohner sind wohl vernachlässigbar.

Mitunter bietet es sich an, den gleichen Rohrgraben auch für den Kanal für die Ableitung des gefilterten Abwassers  zu nutzen.

Zu prüfen wäre auch, ob die Abwasserförderung für die Schwallspülung genutzt werden kann. Dafür wäre eine Pumpe mit einem hinreichend großen Volumenstrom zu wählen, die aber dann eine entsprechend kürzere Laufzeit hätte.

Da die Abwasserpumpe mechanisch vorgereinigtes Abwasser fördert, sind die Anforderungen an den Pumpentyp nicht allzu hoch. D. h. die Wartungsanforderungen sind gering. Ich würde mir eine „Baumarktpumpe“ kaufen und diese testen.

Für die Be- und Entlüftung dieser dann abgekoppelten Anlage sind besondere Vorkehrungen notwendig.

Nutzung des gefilterten Wassers für die Bewässerung

Wenn es üblich ist, unsterile und unbehandelte Schweine- oder Hühnergülle mit extremen Nährstoffgehalten auf nicht eingezäunte Felder aufzubringen , so sollte es doch kein Problem sein, das biologische gereinigte und gefilterte häusliche persönliche Abwasser aus einer Kleinkläranlage für die persönliche Gartenbewässerung nutzen zu dürfen.

Sicher ist es ratsam Obst und Gemüse, das bald geerntet werden soll, nicht mit solchem Abwasser in Berührung zu bringen.

Die Natur ist grundsätzlich ungenießbar, pathogen und lebensgefährlich.

Stand der Technik und Genehmigungsfähigkeit

Mitunter gibt es Irritationen, dass ein Verfahren nach DIN 4261-1 von 1983 dem Stand der Technik entsprechen kann. Man kann diesbezüglich der Argumentation des Schleswig-Holsteinischen Umweltministeriums in einer Erklärung folgen. In dieser Erklärung wurden Filtergräben von einer Expertengruppe als Verfahren des Standes der Technik definiert:

„Im April 2008 wurde die DIN 4261 „Kleinkläranlagen“ mit Änderungen und Ergänzungen in Schleswig-Holstein als allgemein anerkannte Regel der Technik eingeführt und veröffentlicht (siehe auch weiterführende Links). Diese Schleswig-Holstein spezifischen Regeln waren erforderlich, damit die bundesweit nicht mehr zugelassen technisch unbelüfteten Behandlungsanlagen wie z. B. Filtergräben, Nachklärteiche, Pflanzenbeete und Untergrundverrieselungsanlagen weiterhin hier betrieben werden können und nicht durch technische belüfteten Systeme (bauartzugelassene Anlagen) ersetzt werden müssen.
Diese von einer Expertenarbeitsgruppe des Landes erarbeiteten Regeln, die die spezifischen Randbedingungen des Landes berücksichtigen, ergänzen die bundesweit gültigen Regeln um die technisch unbelüfteten Nachbehandlungsanlagen.“

Quelle: Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in 24106 Kiel Dezentrale Abwasserbeseitigung (Kleinkläranlagen)

Die Genehmigungsfähigkeit ist trotzdem diffus.  Mancherorts werden Filtergräben oder Filterbeete gefördert, aber nicht genehmigt. Anderenorts werden sie gefördert und genehmigt und vielleicht gibt es auch Fälle, in denen sie genehmigt aber nicht gefördert werden.

Siehe auch die sehr anschauliche Filtergrabendokumentation der Stadt Münster.

Wartung der Mehrkammer-Ausfaulgruben

Es genügt einmal im Jahr (sofern man nicht ein elektronisch arbeitendes Schlammspiegelmessgerät erwerben möchte) mit einem langen Stock – an dem ein Brett von der Größe eines  A4-Blattes befestigt ist – den Schlammspiegel in der ersten Kammer der Mehrkammerausfaulgrube zu messen.

Nach DIN 4261-3 kann als Regel gelten:

  • Mehrkammer-Ausfaulgruben sind nach Bedarf, in der Regel mindestens jedoch in 2-jährigem Abstand zu entschlammen.
  • Beim Räumvorgang sind zunächst die Schwimmschlammdecken aller Kammern zu entfernen.
  • Bei der anschließenden Schlammentnahme soll in allen Kammern ein vermischter Restschlamm von etwa 30 cm Höhe als Impfschlamm verbleiben.

Nach der aktuelleren Fachliteratur sind auch Räumzeiten von größer als 5 Jahre realistisch sowie unproblematisch und die Notwendigkeit des Verbleibens von Impfschlamm ist fachlich überholt.

Wartung des Filterbeetes

Hinsichtlich der Filtergräben bzw. Filterbeete führt die DIN 4261-3 aus:

  • Alle Anlagenteile sind regelmäßig, mindestens zweimal jährlich, zu überprüfen.
  • Dabei ist besonders auf die einwandfreie Funktionsfähigkeit der Lüftungsleitungen und der Ablaufleitungen sowie gegebenenfalls der Anlagen zur stoßweisen Beschickung zu achten und darauf, ob in den Sickersträngen ein Aufstau auftritt.
  • Läuft kein Abwasser zu, dürfen die Sickerstränge keinen längeren Aufstau aufweisen.
  • Kann die Sickerleistung nicht wiederhergestellt werden, ist für gleichwertigen Ersatz zu sorgen.

Bei einer ordnungsgemäß geplanten und errichteten Anlage ist ein längerer Aufstau in den Sickersträngen nach vielleicht erst 20…30 Jahren zu beobachten. Bis dahin kann man ja vorsorglich aller 6 Monate nachschauen, ob dieser Fall schon eingetreten ist.

Wenn ja, dann muss der Filter ausgebaut und erneuert werden.

Der Anlagenbetreiber hat zudem grundsätzlich ein besonderes Eigeninteresse daran, dass der Schlammspiegel in der ersten Kammer seiner Mehrkammer-Ausfaulgrube 50 % der Nutztiefe (Wasser + Schlammtiefe) nicht überschreitet.

Nach Feststellung der halben Füllung des Nutzvolumens sollte die Grube entschlammt werden (Regelung nach der neuen DIN 4261-1 ). Wird dies zulange herausgezögert, dann kann es zur Verschlammung des Filterbeetes und damit zu dessen Zerstörung kommen.

Diese Wartungsaufgaben sind – wie es schon seit Jahrzehnten bewiesen wird – ohne Weiteres von dem Besitzer einer derartigen Anlage, der sich über seine eigene Anlage sachkundig gemacht hat, zu erfüllen.

Die Regelung in der neuen DIN 4261-1, dass die Wartung mindestens einmal jährlich von einem Fachkundigen durchzuführen sei, hat wohl eher einen naheliegenden kommerziellen Hintergrund. Abwassertechnisch sehe ich keine Notwendigkeit dafür, dass unbedingt eine fachkundige Firma nachsehen muss, ob die Sickerstränge längeren Aufstau aufweisen. Zu Prüfung, ob längere Zeit Wasser in einem Schacht steht oder nach wie viel Zentimetern das Dicke in der ersten Kammer der Mehrkammerausfaulgrube ertastet werden kann, muss man keine Schule besucht haben. Es sei denn, man will oder muss (z. B.altersbedingt) einem Dritten dafür unbedingt Geld geben.

Betriebstagebuch

Der Betreiber sollte ein Betriebstagebuch führen, in dem er

  • jährlich einmal die Ergebnisse der Schlammspiegelmessungen in allen Kammern dokumentiert. Nach einer Beräumung der Mehrkammerausfaulgrube genügt es zumeist  den nächsten Schlammspiegel nach 3 Jahren zu messen.
  • Kopien der Rechnungen über die abgefahrenen Schlammmengen abheftet.
  • jährlich einmal notiert, ob er einen Rückstau nach der Stoßbeschickung feststellt und wie lange dieser anhält.

So, und nun wünsche ich viel Erfolg mit dem Basteln eines eigenen Filterbeetes.

Uwe Halbach
ö.b.u.v.  Sachverständiger für Abwasserbeseitigung

 

Nachtrag Oktober 2012

Mittlerweile bin ich zu der Auffassung gelangt, dass – bedingt durch die zusätzlichen Erschwernisse bei der Genehmigung eines Filtergrabens nach DIN 4261-1 – es ratsam ist, sich auf die Errichtung einer horizontal durchflossenen unbepflanzten Pflanzenkläranlage zu konzentrieren. Das könnte am Ende sogar zu geringeren Baukosten führen.

 

Hinweise von AquaVerde Juli 2015

Zu dem Thema „Bodenfilter“ erreichten uns  vom AquaVerde – Ing.- Büro für stromlose, „einfache“ Sanitärlösungen, Herrn Schwager (www.aqua-verde.de) nachstehende Hinweise und Anregungen, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. (Die Verfahren wurden in der Regel nicht vom Deutschen Institut für Bautechnik Berlin geprüft.)

Die Anregungen von Herrn Schwager können über die Kommentarfunktion dieser Seite bewertet werden.

„Unbepflanzte Bodenfilter (auch Filterbeet genannt) sind ein „uraltes“ (vor 1933, vergleiche Geissler, W., Kanalisation und Abwasserreinigung, Berlin – Verlag von Julius Springer, 1933) und bewährtes Verfahren der Abwassertechnik, das m. E. wohl aus 2 Gründen in der heutigen Zeit etwas in Vergessenheit geriet:

  • Zum einem beansprucht ein Filterbeet mehr Fläche [wenn mit Sand & Kies nach DIN] als eine im Werk vorgefertigte [technische] Kleinkläranlage und
  • zum anderen ist ein Filterbeet kommerziell weniger interessant. Es gibt auch keine Lobby für unbepflanzte Bodenfilter, im Gegensatz zu den hinsichtlich des erforderlichen Reinigungsvermögens gleichwertigen bepflanzten Bodenfiltern.“…

Anbei ein Link zu einer Schwedischen KKA, die auf den o.g. Erfahrungen mit unbewachsenen Bodenfiltern (Filtergraben) aufbaut, die vollkommen im Untergrund verschwindet und ca. 2/3 kleiner ist, als die mit Folie ausgelegten Filtergräben (mit Sand & Kies) nach DIN 4261 Teil 1 (9). Nur 2 Belüftungsrohre schauen oben raus, eine zusätzlich erzwungene Belüftung ist bei der einfachen Variante nicht notwendig. Der Biofilmträger dieser sehr flachen unterirdischen Anlage ist nur ein gut durchlüfteter, gefalteter Nylon-Textil mit Abstandhaltern, „eingesperrt“ in mehreren „Boxen“. Maße: Länge: 1.25 m, Breite: 0.6 m, Höhe: 0.2 m, Gewicht: 5.5 kg (Stück ~130 EUR netto)

IN-DRÄN der Firma FANN (http://www.fann.se)

Bild 1: IN-DRÄN aus Schweden, Firma FANN (http://www.fann.se)

Bild 2: IN-DRÄN aus Schweden, Firma FANN

Bild 2: IN-DRÄN aus Schweden, Firma FANN

Die Biofilm-Oberfläche soll eine etwa zehnmal größere Oberfläche besitzen als die von herkömmlichen Filtersanden und daher ist eine um ~2/3 kleinere Beetgrösse möglich. In Schweden geht man aber immer von extremen 200 l/d*Person aus! Eine „Box“ kann 125 l/d im kalten Schwedisch-Finnischen Klima „Nachklären“. D. h. in der BRD würden ~5 „Boxen“ für hiesige 4 EW-Anlagen reichen (~650 EUR). In den Tropen eventuell 4.

IN-DRÄN, aus Schweden:

Bild 3: IN-DRÄN aus Schweden, Firma FANN

Bild 3: IN-DRÄN aus Schweden, Firma FANN

Im Vergleich, dass „Gleiche“ in Sand und Kies nach DIN 4261 Teil 1 (9): auf Ihrer http://www.institut-halbach.de/2011/04/wartungslose-kleinklaeranlage/
Filtergraben – Bemessung: Anlagen ohne künstliche Abwasserbelüftung; Anwendung, Bemessung und Ausführung: spezifische Grabenlänge Š 6 m/EW; Sohlbreite Š 0,5 m; Mindesttiefe 1,25 m; Länge eines einzelnen Stranges höchstens 30 m, Filterkies 2/8 mm mindestens 60 cm hoch; Verteil- und Sammeldrainage NW 100 mit Gefälle ca. 1:500 = ~24 m (~12 m2) für 4 EW

BRD-Modifizierte Schwedische aerobe IN-DRÄN-KA mit PE-Folie: ~7,5 m (~4,5 m²) für 4 EW

BRD-Modifizierte schwedische arobe IN-DRÄN-KA mit PE Folie

BRD-Modifizierte schwedische arobe IN-DRÄN-KA mit PE Folie (http://www.roth-umwelttechnik.com und http://www.fann.se)

Die weiteren Videos auf Youtube, zeigen fast immer nur die sehr teure Version „Plus“ (mit blauer Plastik-Auffangwanne mit Elektro-Zwangsbelüftung darunter).

Das Video mit dem Einbau zeigt alle Komponenten sehr gut:
Auf den 4-6 Boxen liegt nur ein Rohr für Intervall-Beschickung mit ca. 40-50 l/Beschickung. Ich würde dies natürlich nur ohne Pumpe per Gefälle machen wollen. Ist bei solch einem flachen Ding (Sohle -60 cm unter Gelände) auch fast immer sehr einfach möglich.

Im Unterschied zu Schweden-Finnland, müssten unter BRD-Verhältnissen die höheren UWB-Anforderungen erfüllt werden, z. B. für 4 EW, als Nachrüstung zur vorh. Mehrkammergrube, Einbau in ein grabenartiges (~7,5 m x 0,6 x 0,6 m) wasserdichtes Becken aus 1 mm PE-Folie, mit 0,5-1% Sohlgefälle zum DN 400 Kontroll-& Probenahme-Schacht hin. Dafür könnte eine viel einfachere Belüftungs-Version ohne jeglichen Kies und Sand unter diesen IN-DRÄN-Boxen eingebaut werden. Auf einem Vlies reichen schon grobe Plastik-Boxen (im Grunde nur 10 cm Abstandhalter zur guten Durchlüftung der darüber liegenden IN-DRÄN-Boxen) oder billiger (6 parallele robustere Drainagerohre), Kies ist dann nicht mehr notwendig. Über die gesamte Anlage kommt ein Vlies, der zu starkes Sickerwasser von Oben an den Boxen vorbei ableitet. Der Auslauf ginge via eine Kontrollschachtes in „meiner Planung“ danach in eine einfache Muldenversickerung mit ca. 5 m2, oder in eine 14 m Rigole unterhalb der Anlage.

http://pro.fann.se/de/leitfaden-fur-neue-abwasseranlage/belastung.

Die sehr teure „Plus“-Version hat eine CE-Zertifizierung vom Aachener PIA.

40.000 St. davon soll es in S und Fi und nun auch in Polen geben (aber ohne „mein“ BRD-Folienbecken und -Kontroll- und -Probenahme-Schacht), mit direkter darunter liegender Versickerung ohne Kontrollmöglichkeiten der IN-DRÄN-Ablaufwerte.

http://pro.fann.se/de/in-dran/infiltration

Auf Karibik-Inseln mit viel Korallen aber keinen natürlichen Rundkorn-Sand (gebrochener Stein würder PKA’s Verstopfen), sind „normale“ einfache PKA’s mit z.B. 25 t für 16 m2, für 4 EW unbezahlbar, da alles vom Festland übers Meer gebracht werden müsste. Aber auch auf dem Festland ist die Absicherung von notwendig gleichwertiger Sand- und Kies-Qualität oft nicht möglich. Rückblickend hatte ich das auf Bonaire noch nicht voll im Blickfeld.




Qualitätsänderungen durch Quantitätsänderungen

Im Gegensatz zu den allgemeinen eher naiv-romantischen Vorstellungen von der Natur, es genüge ein wenig zu verbessern, dann würde alles schon gut werden, ist es unter den Bedingungen der grausamen Realität so, dass das Naturgesetz des Umschlages einer Qualität in eine andere durch quantitative Änderungen wirkt.

Dabei kann die Qualität allmählich oder sprungartig umschlagen.

Und genau das ist der Punkt.

In der Kernphysik, Medizin, Biologie,  Hydrobiologie und Ökologie sind Qualitätssprünge zu beachten, z. B. Grenzkonzentration von Pges. bei den wasserchemischen Gewässergüteklassen.

Es ist eine bestimmte Dosis notwendig, die zugeführt oder weggenommen werden muss, um eine Wirkung zu erzielen.

Wird dies nicht beachtet, dann mutiert der Trieb, etwas Gutes tun zu müssen, zum blinden Aktionismus.

Entweder es tut sich gar nichts und das Geld ist verschwendet, oder man kann auch das Gegenteil erreichen.

Insofern ist es wichtig, die notwendige Dosis und die Zusammenhänge zu kennen, damit die Natur die gewünschte Gestalt annehmen kann.




Nitrat und Phosphor im Gewässer

Schlechter wasserchemischer Gewässerzustand – auch eine Frage des Imports von Düngemitteln für den Export von Fleisch

Reichholf:

„Geht man auf den 55 % landwirtschhaftlich genutzter Landesfläche von einer Düngermenge aus, die gegenwärtig im Durchschnitt bei gut 200 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr liegt, so stellt sich die Frage, woher diese nun kommt.

Mineraldünger macht nur wenig mehr als die Hälfte davon aus; in großen Gebietsteilen sogar erheblich weniger.

Organischer Dünger liefert also bis zu 100 Kilogramm Stickstoff.

»Dung« war früher Mist und ist heute in ganz überwiegendem Maße Gülle, also das, was die Tiere wieder von sich geben.

Recycling ist das aber nicht, wie sich aus den Angaben und Kalkulationen in den ersten drei Kapiteln ergibt.

Die »Super-Serengeti« Deutschland kann ihren Tierbestand selbst nicht ernähren.

Sie importiert in gewaltigen Mengen Futtermittel.

Sie steckt fast die Hälfte der Getreideproduktion in die Bereitstellung von Tierfutter, also fließt ein Teil des Mineraldüngers über den Umweg der Pflanzenproduktion zu den Tieren in die Ställe und als Gülle über das Land.

Und er kommt als »Dünger aus der Luft« zurück, weil Ammoniak (NH3) der Gülle und den Ställen entweicht, der vom Niederschlag aufgenommen und gelöst wird, um schließlich in Form von Ammonium gleichfalls zu düngen.

Die Gesamtmengen lassen sich besser im Vergleich verstehen:

Die landwirtschaftliche Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Hauptquelle der Überdüngung ist also nicht die Getreideproduktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung.

Diese fällt das ganze Jahr über an, während sich der Mineraldüngereinsatz effizient auf die Zeit kurz vor Beginn und in den Wochen des starken Wachstums konzentriert.

Ginge das bei der Gülle auch, könnte sie den Mineraldünger sogar weitgehend ersetzen, aber Gülle gibt es nicht nur zwischen Mai und Juli.

Damit werden die importierten Futtermittel ganz klar zur Hauptquelle der generellen Überdüngung und Belastung von Böden, Grundwasser, Flüssen und Seen.

Der importierte Überschuß kann längst nicht mehr verkraftet und abgebaut werden.

Abwasser aus Südamerika fließt über Deutschland, könnte man verkürzt und überspitzt die Lage charakterisieren.

Gleichzeitig verschlingt dieser transkontinentale Fluß von Stoffen riesige Mengen an Energie.

In der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird pro Kopf mehr als dreimal soviel Energie verbraucht wie vom großen Rest der Bevölkerrung.

Dabei sind davon nur die direkt eingesetzten Energiemengen zur Erzeugung und nicht die indirekten für die schier unglaublichen Transportwege erfaßt, die Zwischenprodukte zurücklegen — mit gravierenden Folgen für Deutschland, Europa und die Welt.“

Quelle:

Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

***

Kommentar

Lesenswertes Buch!

Wäre zu ergänzen mit der Bedeutung der „Biogasgüllle“.

U. Halbach

zenproduktion zu den Tieren in die Ställe und als Gülle über das Land. Und er kommt als »Dünger aus der Luft« zurück, weil Ammoniak (NH3) der Gülle und den Ställen entweicht, der vom Niederschlag aufgenommen und gelöst wird, um schließlich in Form von Ammonium gleichfalls zu düngen. Die Gesamtmengen
fr
lassen sich besser im Vergleich verstehen: Die landwirtschaftliche ‚ Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.
Die Hauptquelle der Überdüngung ist also eetwereetteetergeSguktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung. Diese fällt das ganze Jahr über an, während sich der Mineraldüngereinsatz effizient auf die Zeit kurz vor Beginn und in den Wochen des starken Wachstums konzentriert. Ginge das bei der Gülle auch, könnte sie den Mineraldünger sogar weitgehend ersetzen, aber Gülle gibt es nicht nur zwischen Mai und Juli.
4)Anit werden die ImportfetietiPuttermittel ganz klar zur Haelliiir quelle der generellen Überdüngung und Belastung von Böden; Grundwasser, Flüssen und Seen. Der importierte Überschuß kann
le
längst nicht mehr verkraftet und abgebaut werden. Abwasser au ’s Südamerika fließt über Deutschland, könnte man verkürzt un ,
überspitzt die Lage charakterisieren. Gleichzeitig verschlingt diesentranskontinentale Fluß von Stoffen riesige Mengen an Energie. ha/
der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird pro Kopf mehr als dreimal soviel Energie verbraucht wie vom großen Rest der Bevölke-lr rung. Dabei sind davon nur die direkt eingesetzten Energiemengen
zur Erzeugung und nicht die indirekten für die schier unglaublichen Transportwege erfaßt, die Zwischenprodukte zurücklegen — mit gravierenden Folgen für Deutschland, Europa und die Welt.

zenproduktion zu den Tieren in die Ställe und als Gülle über das Land. Und er kommt als »Dünger aus der Luft« zurück, weil Ammoniak (NH3) der Gülle und den Ställen entweicht, der vom Niederschlag aufgenommen und gelöst wird, um schließlich in Form von Ammonium gleichfalls zu düngen. Die Gesamtmengen
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lassen sich besser im Vergleich verstehen: Die landwirtschaftliche ‚ Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.
Die Hauptquelle der Überdüngung ist also eetwereetteetergeSguktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung. Diese fällt das ganze Jahr über an, während sich der Mineraldüngereinsatz effizient auf die Zeit kurz vor Beginn und in den Wochen des starken Wachstums konzentriert. Ginge das bei der Gülle auch, könnte sie den Mineraldünger sogar weitgehend ersetzen, aber Gülle gibt es nicht nur zwischen Mai und Juli.
4)Anit werden die ImportfetietiPuttermittel ganz klar zur Haelliiir quelle der generellen Überdüngung und Belastung von Böden; Grundwasser, Flüssen und Seen. Der importierte Überschuß kann
le
längst nicht mehr verkraftet und abgebaut werden. Abwasser au ’s Südamerika fließt über Deutschland, könnte man verkürzt un ,
überspitzt die Lage charakterisieren. Gleichzeitig verschlingt diesentranskontinentale Fluß von Stoffen riesige Mengen an Energie. ha/
der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird pro Kopf mehr als dreimal soviel Energie verbraucht wie vom großen Rest der Bevölkerrung. Dabei sind davon nur die direkt eingesetzten Energiemengen
zur Erzeugung und nicht die indirekten für die schier unglaublichen Transportwege erfaßt, die Zwischenprodukte zurücklegen — mit gravierenden Folgen für Deutschland, Europa und die Welt.




Das gute ökologische Potenzial

Überlegungen zum ökologischen Potenzial in Verbindung mit einer schlechten wasserchemischen Gewässergüteklasse III

Über das, was das „gute“ ökologische Potenzial sein soll bzw. wie es konkret zu erkennen und umzusetzen ist, streiten sich noch die Experten[1].

Weiter kommt man in seinen Überlegungen, nachdem z. B. folgende simple Vorentscheidungen gefällt werden:

  1. Für welche Tierart sollen die wasserchemischen und hydromorphologischen Bedingungen gut sein?
  2. Wünscht man sich eine Artenvielfalt oder nur eher eine Tierart in der Natur?
  3. Wünscht man sich eine richtig lebendige Natur mit einer hohen Populationsdichte oder vielleicht doch eine gereinigte langweilige halbtote Natur[2], in der sich nichts mehr bewegt, weil alles verhungert ist?
  4. Ist man bereit zu akzeptieren, dass ein „schlechter“ chemischer Gewässerzustand (Güteklasse III) Voraussetzung für „Gutes“ in Position 2. und 3. ist?
  5. Hat man den Mut und die Kraft die industrielle Landwirtschaft aus den Einzugsgebieten der Flüsse und Bäche zu verbannen? Ja oder Nein? Denn das ist die nicht nur für wasserchemische Güte alles entscheidende primäre Frage und nicht jene, ob man nicht leichterweise die Überwachungswerte einer kommunalen Kläranlage verschärfen sollte.

Nun, für zahlreiche Bäche im ländlichen Raum mit intensiver Landwirtschaft wird wohl die  wasserchemische Gewässergüteklasse III die Regel sein und dies  selbst dann noch, wenn aus den Einzugsgebieten alle häuslichen Abwässer verbannt werden sollten.

Für diese Behauptung gibt es viele Beweise. Zwei Beweise sind besonders anschaulich. Sie zeigen zwei hochgedüngte Gewässerabschnitte in Sachsen-Anhalt in die ausschließlich landwirtschaftliche Abwässer (bodenfiltrierte Gülle, Dünger, u. a. m.) eingeleitet werden (siehe die folgenden 2 Fotos).  Die schon im Frühjahr deutlich sichtbare Verkrautung ist Beweis für den Überschuss an Nährstoffen.

(Nun, ich bilde mir keine Meinung darüber, ob man die Landwirtschaft wegen des EU-Zieles „Guter Gewässerzustand“  nur drastisch einschränken sollte oder nicht. Das ist mir egal. Mir geht es bei meiner Arbeit nur darum, die Akzeptanz zu erleichtern, dass mancherorts ohne die Beseitigung der industriellen Landwirtschaft eben eine wasserchemische Gewässergüteklasse II unmöglich ist und dies abgesehen davon, dass die Welt auch bei einer Gewässergüteklasse III nicht untergeht, denn schließlich hatte sie dazu ja schon jahrzehntelang  Zeit und stand dabei unter intensivster Beobachtung. )

Seitengraben des Strengbaches - (Sachsen-Anhalt)

eutrophierter Seitengraben des Strengbaches ohne kommunale Abwässer

 

Reide vor Pranitz – Blick entgegen der Fließrichtung Februar 2009 (Sachsen-Anhalt)

Im Übrigen ist der „schlechte“ wasserchemische Gewässerzustand III für sehr viele Tiere gar nicht so schlecht, wie allgemein geglaubt wird. Zwischen der Nährstoffbelastung eines Gewässers, der Artenvielfalt sowie Populationsdichte gibt es einen interessanten, aber kaum beachteten Zusammenhang:

„Nach einer persönlichen Information des Ökologen Herrn Prof. Reichholf [3] steigt mit zunehmender Gewässergüte zunächst die Artendiversität an, erreicht bei III – II ein Maximum und nimmt dann wieder (stark) ab, falls GKL I erreicht werden sollte.

Der Rückgang in die andere Richtung zu GKL IV ist weniger stark ausgeprägt, aber begleitet von einer massiven Zunahme der Individuenmenge bzw. dem Lebendgewicht der Organismen pro Flächeneinheit (als Maß für die Produktivität). Nur bei starkem Sauerstoffschwund oder in Zusammenhang mit Vergiftungsvorgängen sinkt die Produktivität der eutrophen Gewässer. Sonst ist sie maximal. In früheren Zeiten war dieser Zusammenhang unter den so genannten „Thienemann’schen Gesetzen“ in der Limnologie bekannt, aber von den zugrunde liegenden Ursachen nicht verstanden worden. Allgemeine Angaben hierzu sind zum Beispiel in ODUM, E. P. & J. H. REICHHOLF (1980): Ökologie. BLV München, enthalten. Es gibt eine Menge Detailanalysen hierzu in der limnologischen Literatur. Der Schüler Hans UTSCHICK des Herrn Prof. Reichholf hat das u. a. auch in seiner Diplomarbeit und Dissertation für die Wasservögel ausgearbeitet und publiziert in den Ornithol. Verhandlungen 22 (1976): 395 – 438 &  Bd. 23 (1980): 273 – 345.“

Ähnliche Beobachtungen wurden schon in Sachsen-Anhalt gemacht. Über wasserchemische Gewässergüte im 1. Becken einer belüfteten Teichkläranlage kann man lange nachdenken (Foto 7). Für die Weißflügelseeschwalben – eine Tierart auf die zumindest das Brandenburger Umweltministerium stolz ist[4] – war die Kläranlage in Sachsen-Anhalt als Futterquelle hoch willkommen.

Ökologisch korrekt zu denken, bedeutet auch Phosphor und Stickstoff nicht als Schadstoff zu begreifen, sondern als Nährstoff und als eine Voraussetzung für Artenvielfalt und Populationsdichte, die man sich natürlich in einer Trinkwassertalsperre oder im Forellenlaichgebiet nicht wünscht. Ohne diese „Schadstoffe“ wäre ein biologisches Leben, wie wir es kennen, unmöglich.

Ein Schwarm Weißflügelseeschwalben auf der Kläranlage Nordgermersleben in Sachsen-Anhalt

Ein Schwarm Weißflügelseeschwalben auf der Kläranlage Nordgermersleben in Sachsen-Anhalt.

Ausgehend von der Prämisse, dass die landwirtschaftliche Abwassereinleitung in die Gewässer wohl kaum soweit reduziert werden kann, dass in der Regel die wasserchemische Gewässergüteklasse II zu garantieren ist, sollte man in diesen Fällen die Gewässergüteklasse III als gegeben hinnehmen, denn mit unserem dummen Drang nach reiner Natur und reinen Gewässern haben wir schon genug Schäden in der Natur angerichtet und genug Geld verschwendet.

Anknüpfend an die Prämissen liegt das ökologische Potenzial nun in der Schaffung jener hydromorphologischen Bedingungen, die gut für Tiere sind, die auf die Gewässergüteklasse III angewiesen sind.

Sofern wasserwirtschaftliche Fehlinvestitionen beim Gewässerschutz auf unvermeidbare Grundrisiken beschränkt werden sollen, kann es diese Reihenfolge geben:

  1. Akzeptanz der Tatsache, dass die wasserchemischen Bedingungen, um die  Gewässergüteklasse II zu gewährleisten, nicht hinreichend geändert werden können (in der Regel verhindert dies die Landwirtschaft)
  2. Definition des ökologischen Potenzials durch wertfreie ökologische Arbeit nach wissenschaftlichen Prinzipien, konkret für die gegebenen wasserchemischen Bedingungen, in diesem Fall Gewässergüteklasse III
  3. Schaffung des ökologischen Potenzials, in der Regel über Gestaltung von Habitaten und anderen hydromorphologischen Voraussetzungen

Die Tiere, die in dem Ökosystem mit der wasserchemischen Güte III gut leben könnten, bestimmen auch das gute ökologische Potenzial.

Sollte dagegen das Pferd vom Schwanz aufgezäumt werden – wie es momentan mancherorts den Anschein hat – dann wird es nicht nur sehr teuer, sondern auch sinn- und nutzlos für die Bürger, die Länder und den Bund.

Letztlich gleichen die Überlegungen denen eines kleinen scheinbar kranken Jungen, der nicht fernsehen möchte oder mit dem Computer spielen will, sondern der sich nur ein Aquarium nach dem Vorbild der Natur einrichten möchte und dabei denkt. Insofern sind die Überlegungen doch alle recht einfach und sie fallen einem dann besonders leicht, wenn man den Hintern vom sterilen Schreibtisch weg in die raue, böse  und menschenfeindliche Natur bewegt und das auch dann noch, wenn es draußen stark regnet, stürmt oder schneit.

Und allzu häufig braucht man für grundlegende Feststellungen keine Hochschulbildung oder wasserchemische Untersuchungen. Es genügt mitunter nur die Augen auf zumachen und mit dem Gehirn zu verknüpfen.

Aber leider ist es mitunter viel einfacher etwas Unsinniges, Unnötiges, Kompliziertes und Teures zu tun, als etwas ganz Einfaches, Simples und Natürliches.

Und das ist gut so, denn sonst wären wir keine Menschen und ich hätte nichts zu tun.


[1] Kein Wunder, denn das ökologische Potenzial oder der gute ökologische Zustand hat nichts mit der Wissenschaft Ökologie zu tun. Deshalb nicht, weil die wissenschaftliche Ökologie keine Zustandsbewertungen kennt. Eine Fliege, eine Ratte, eine Mistbiene ist dem Ökologen genauso lieb und interessant, wie ein Frosch, ein Storch oder ein kuschliges Robbenbaby mit Knopfaugen. Insofern ist es nicht möglich, auf vernünftige, fachlich nachvollziehbare Weise etwas ökologisch gut oder schlecht zu bewerten. Allerdings führt die Akzeptanz derartiger Fakten in die Sackgasse, weil sie nicht nur die Gesetzgebung, sondern auch die naive-romantische Vorstellung der Allgemeinheit von der Natur erschüttern würde.

[2] wie sie jetzt schon in weiten Teilen Deutschlands Standard ist und so manchen Binnenfischer in den Ruin getrieben hat.

[3] Der Zoologe, Evolutionsbiologe und Ökologe Professor Reichholf lehrt Naturschutz an der TU und leitet die Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung in München.

[4] Seltene Seeschwalben waren dem Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg eine Pressemitteilung  wert: „Criewen – Wer sie bisher sehen wollte, musste nach Osten fahren – die Rede ist von den Weißbart- und Weißflügelseeschwalben. Die bei uns seltenen Seeschwalben sind typisch für naturnahe Flussauen im östlichen Polen. In diesem Frühjahr ließen sich erstmals die beiden Arten gemeinsam mit Trauerseeschwalben und Lachmöwen in einer Brutkolonie im Nationalpark Unteres Odertal nieder. Kurze Zeit später hat die Nationalparkverwaltung erste Bruterfolge beobachtet.“

 

 




Bewirtschaftungsplan – EU-WRRL

  • ist für jede Flussgebietseinheit aufzustellen § 36b WHG
  • Basis der fristgerechten Erreichung der Gewässerqualitätsziele der WRRL
  • konkretisiert die abstrakten Ziele der WRRL
  • enthält wesentliche Maßnahmen
  • Maßstab ist der gute Gewässerzustand  nach WRRL

Siehe auch:

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Kosteneffizienz beim Gewässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung




Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Bewirtschaftungsplan ist Ausgangspunkt

  • Wenn die Bewirtschaftungsplanung für ein Gewässer ergibt, dass keine Maßnahmen zur Verbesserung des Potenzials mehr möglich sind, dann hat das Gewässer das „gute ökologische Potenzial“ erreicht.
  • Solange aber noch Maßnahmen nach den Kriterien der Bewirtschaftungsplanung als machbar und vertretbar eingestuft werden, wird das Gewässer zunächst nicht in das „gute ökologische Potenzial“ eingestuft.
  • Als Orientierung werden auf jeden Fall auch die künstlichen und erheblich veränderten Gewässer nach den Kriterien für den eigentlichen Gewässertyp beurteilt.

Quelle:

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt,Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
des Landes Nordrhein-Westfalen

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Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Kosteneffizienz beim Gewässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung




Kosteneffizienz beim Gewässerschutz

Die Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik – Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vom 23.10.2000 (2000/60/EG, ABl. L 327/1), geändert durch die Entscheidung Nr. 2455/2001/EG vom 20.11.2001 (ABl. L 331/1) ist am 22.12.2000 in Kraft getreten.

Vorrangige Ziele sind die Herstellung eines guten ökologischen und chemischen Zustands der oberirdischen Gewässer und die Schaffung eines guten chemischen und quantitativen Zustands des Grundwassers.

Gefordert wird eine „Trendumkehr“ bei zunehmender Verschmutzung.

  1. Für künstliche oder erheblich veränderte Gewässer ist das gute ökologische Potenzial und der gute chemische Zustand herzustellen.
  2. Die Gewässerschutzmaßnahmen sind nach Kosteneffizienzkriterien durchzuführen.
  3. Alle signifikanten Belastungen im Einzugsgebiet der Gewässer sind zu erfassen und ihre Auswirkungen auf die Gewässer zu bewerten.
  4. Für die Zielerreichung sind unter Beteiligung der Öffentlichkeit Maßnahmenprogramme auszuarbeiten.

Kommentar:

Nach meiner langjährigen Beobachtung wird gegen die Positionen 2-4 dann am häufigsten verstoßen, wenn es um die Verschärfung oder um zusätzliche Gewässerschutzmaßnahmen geht.

Auf diese Weise werden dann mitunter sehr „teure Vögel“, aber in formal korrekter Manier geschaffen.

Man hält sich dabei vorzugsweise an Kommune und Abwasserzweckverbände, obwohl die Gewässerbelastung (N und P) z. T. mit über 90 % von der industriellen Landwirtschaft verursacht und z. T. sogar importiert wird.

U.H.

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Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung

 

 

 

 

 

 




Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

§ 4 Ermittlung aufgrund des Bescheides

„(1) Die der Ermittlung der Zahl der Schadeinheiten zugrunde zu legende Schadstofffracht errechnet sich außer bei Niederschlagswasser (§ 7) und bei Kleineinleitungen (§ 8) nach den Festlegungen des die Abwassereinleitung zulassenden Bescheides. Der Bescheid hat hierzu mindestens für die in der Anlage zu § 3 unter den Nummern 1 bis 5 genannten Schadstoffe und Schadstoffgruppen die in einem bestimmten Zeitraum im Abwasser einzuhaltende Konzentration und bei der Giftigkeit gegenüber Fischeiern den in einem bestimmten Zeitraum einzuhaltenden Verdünnungsfaktor zu begrenzen (Überwachungswerte) sowie die Jahresschmutzwassermenge festzulegen. Enthält der Bescheid für einen Schadstoff oder eine Schadstoffgruppe Überwachungswerte für verschiedene Zeiträume, ist der Abgabenberechnung der Überwachungswert für den längsten Zeitraum zugrunde zu legen. Ist im Abwasser einer der in der Anlage zu § 3 genannten Schadstoffe oder Schadstoffgruppen nicht über den dort angegebenen Schwellenwerten zu erwarten, so kann insoweit von der Festlegung von Überwachungswerten abgesehen werden.“

Anlage zu § 3

(1) Die Bewertungen der Schadstoffe und Schadstoffgruppen sowie die Schwellenwerte ergeben sich aus folgender Tabelle:

GEi ist der Verdünnungsfaktor, bei dem Abwasser im Fischeitest nicht mehr giftig ist. Den Festlegungen der Tabelle liegen die Verfahren zur Bestimmung der Schädlichkeit des Abwassers nach den angegebenen Nummern in der Anlage „Analysen- und Messverfahren“ zur Abwasserverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. Juni 2004 (BGBl. I S. 1108, 2625) zugrunde.

(2) Wird Abwasser in Küstengewässer eingeleitet, bleibt die Giftigkeit gegenüber Fischeiern insoweit unberücksichtigt, als sie auf dem Gehalt an solchen Salzen beruht, die den Hauptbestandteilen des Meerwassers gleichen. Das Gleiche gilt für das Einleiten von Abwasser in Mündungsstrecken oberirdischer Gewässer in das Meer, die einen ähnlichen natürlichen Salzgehalt wie die Küstengewässer aufweisen.

Quelle: Gesetz über Abgaben für das Einleiten von Abwasser in Gewässer (Abwasserabgabengesetz – AbwAG)

 

 




Überwachungswerte – Verschärfung

Wer Überwachungswerte verschärft, schuldet dem Betroffenen den Effekt und den Nachweis der Verhältnismäßigkeit  – zumindest moralisch.

Im Gegensatz zu den allgemeinen Vorstellungen von der Natur, man könne ein wenig verbessern, dann würde es schon gut werden, ist es unter den Bedingungen der grausamen Realität so, dass hier das Naturgesetz des Umschlages einer Qualität in eine andere durch quantitative Änderungen wirkt.

Dabei kann der Qualität allmählich oder sprungartig umschlagen. Und genau das ist der Punkt.

In der Biologie und Hydrobiologie sind Qualitätssprünge eher die Regel.

Sollte z. B. der geneigte Leser Schmerzen verspüren, die mit Acetylsalicylsäure beseitigt werden könnten, dann nützt es nichts, wenn er nur wenig davon kostet, sondern es ist eine bestimmte Dosis davon zu nehmen, damit man schmerzfrei wird.

Genauso ist es mit vielen Gewässern.

Es nützt nichts, ein bisschen die Überwachungswerte zu verschärfen, um dann den guten Gewässerzustand zu erreichen, wenn über 90 % der „Krankheitskeime“ durch die „offene Wunde“ namens „industrielle Landwirtschaft“ ständig aufs neue den Körper infizieren.

Entweder man beseitigt das Übel für die betroffenen Gewässer grundlegend oder man muss die Tatsachen akzeptieren.

Alles andere hat mit Gewässerschutz oder Wasserwirtschaft nichts mehr zu tun.

Ich neige in Bezug auf

Reichholf, J. H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

zu der Empfehlung, die Landwirtschaft weniger auf Export zu orientieren und bis dahin die nicht ohne Weiteres zu ändernden Tatsachen einfach zu akzeptieren.

Erfrischend ist für manchen Leser auch die Tatsache, dass nicht etwa die kommunalen Kläranlagen die  Gewässerverschmutzer Nr. 1 sind.

Das könnte die korrekte Reihenfolge sein, wobei ich mir bei der Reihenfolge von 2. und 3. nicht sicher bin:

  1. industrielle Landwirtschaft
  2. Biogasproduktion
  3. Bioethanol – Biospritproduktion
  4. ?
  5. ?
  6. kommunale Abwasserbehandlung
  7. Kleinkläranlagen nach DIN 4261-2
  8. Kleinkläranlagen nach DIN 4261-1

Was darf ein Fisch im Bach kosten?

Vergleiche:   Eine halbe Million Euro für einen Vogel?!

Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Kosteneffizienz beim Gwässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung




650 Gramm Kokain! Und das im Abwasser an einem einzigen Sommerwochenende

Kläranlagen lassen Giftstoffe durch, Nachrüstung ist nötig

Von Beate Kittl.

„Viele Chemikalien fließen heute trotz Abwasserreinigung ungehindert in Flüsse und Seen.

Ozongas und Aktivkohlefilter schaffen Abhilfe.

Wer die Aufrüstung bezahlen soll, ist jedoch umstritten.“

Basler Zeitung am 14.3.2011

„Christoph Mathieu von der Universität Bern fand an einem Sonntag im Zürcher Abwasser Spuren von 650 Gramm Kokain – das sind rund 19’000 Linien an einem einzigen Sommerwochenende.

Wird das Abwasser von den Mikroverunreinigungen gereinigt, verlieren die Fahnder einen ihrer verlässlichsten Informanten.“




Eine halbe Million Euro für einen Vogel?!

Wenn Naturschutz fremdes Geld unkontrolliert ausgibt…

„Heimisch im strengen Sinn sind nicht einmal die Großtrappen, die „teuersten Vögel der Welt“, für deren Restvorkommen an einer ICE-Trasse nach Berlin rund eine Million D-Mark ausgegeben worden war – pro Vogel.

Als Steppenvögel leben sie vor allem in Zentralasien sowie Spanien und kamen erst vor wenigen hundert Jahren nach Ostdeutschland. Ihre Bestände erreichten im 18. Jahrhundert den Höhepunkt und gehen seither zurück.“

Quelle: Nur fürs Auge von Josef H. Reichholf, Fachbeitrag im Focus

Im FOCUS erhebt Josef Reichholf drei Forderungen, um das zu ändern – und rechnet mit den Glaubenssätzen vieler Artenschützer ab.

„Der Naturschutz steckt in der Krise, weil er die falschen Schwerpunkte setzt.“

Einschätzung:

Sehr lesenwert!

Es gibt aber nicht nur teure Vögel in unserem reichen Land, sondern verdammt teure Fische, die ihrerseits mitunter auch nur wieder Futtertiere sind.

Man kann auf ähnliche Weise leicht hunderttausend Euro für einen toten Fisch ausgeben.

U. H.

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Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Kosteneffizienz beim Gwässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung






Gründer-Väter gehen auf Distanz zur grünen Bewegung

„Es ist Irrsinn, Wälder zu roden, um Energiepflanzen anzubauen.“

Zitate aus dem Online -Presseportal:

“Mich stört diese Ideologisierung des Natur- und Umweltschutzes, die sich mit wissenschaftlicher Redlichkeit vielfach nicht vereinbaren lässt”, sagte Reichholf weiter.

Der Biologe bezeichnet das Beharren auf Bio-Treibstoffen als typisches Beispiel erstarrter Positionen: “Es ist Irrsinn, Wälder zu roden, um Energiepflanzen anzubauen.”

“Die Apokalypse ist zum zentralen Motiv des Ökologismus geworden, vieles davon ist eine kollektive Neurose”, erklärte Patrick Moore in “Focus”.

Moore, der die Gründungsurkunde von Greenpeace Deutschland mit unterzeichnet hatte, beklagt, dass sich die Umweltorganisation heute von Wissenschaft und Logik verabschiedet habe.

Quelle: Online Presseportal




Kostennormativ

Kommunale Abwasserbeseitigung – Normative Kosten und Risikoabbau

Uwe Halbach, u. a.
Handbuch des Institutes für Wasserwirtschaft Halbach

4. unveränderte Auflage

Preisbasis 2003

Die Kosten wurden im März 2011 mit einigen ergänzenden Hinweisen noch für gültig befunden.

250 A4-Seiten als Ringbindung. Dieses Buch enthält 56 Diagramme, 38 Abbildungen und 36 Tabellen.

Inhaltsverzeichnis

Auszug aus dem Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung

Herausgeber: Institut für Wasserwirtschaft Halbach

Buchbesprechung von Herrn Prof. Hegemann

Bestellung per E-Mail oder Fax (03761) 5268.

Stückpreis: 39,80 € brutto (zzgl. Versand)
(Bestellung nur noch als Ringbindung möglich. Der Versand erfolgt als Büchersendung auf Rechnung. Die Postlaufzeit beträgt ca. 2-3 Tage.)

Einleitung:

Das Werk lässt sich in zwei große Abschnitte gliedern. Im ersten Teil sind die Normativkosten und weitere Kostenangaben enthalten. Im zweiten Teil werden ausgewählte Methoden als weitere Voraussetzung für eine risikominimierte kommunale Abwasserbeseitigung beschrieben.

Nach einer Information über Normativkosten, deren Anwendung im Kapitel 1.1 beschrieben wird und nach der Darstellung von Primärdaten im Kapitel 2, werden die Investitions-, Betriebs- und Jahreskosten in weitere Kapitel gegliedert. Ferner wird eine Untergliederung der betreffenden Kosten in Aufwendungen für die Abwasserableitung sowie für die Abwasser- und Schlammbehandlung vorgenommen.

Im Vergleich zu vorherigen Auflagen wurde das Werk um zahlreiche weitere Kosten für ausgewählte Anlagen ergänzt. Insbesondere handelt es sich hierbei um die Kosten für Kanalsanierung, die Klärschlammvererdung, für Kleinkläranlagen und ferner auch um Kosten für die Kontrolle einer Geschäftsbesorgung bzw. für die Kontrolle einer Privatisierung.

Etwa zwei Drittel des Buches befassen sich mit den Instrumenten zur Kontrolle, Steuerung und zum Risikoabbau bei der kommunalen Abwasserbeseitigung. Dieser Hauptabschnitt beginnt mit Hinweisen zur Abwassergebühren- und -beitragskalkulation. Danach werden Hinweise zu den Anforderungen für  Kostenvergleichsrechnungen vorgetragen.

Markant für die bisherige kommunale Abwasserbeseitigung war bisher, dass die Kommunen und Abwasserzweckverbände in ihren Zweckmäßigkeitsbetrachtungen beinahe ausschließlich gleichen Nutzen, Zweck und gleiche Risiken unterstellten und sich nur auf die Kosten konzentrierten. Derartige Methoden sind dann falsch, wenn eben die genannten Faktoren in ihren Nutzen unterschiedlich und damit nicht vergleichbar sind. Aus diesem Grund wurde ein umfangreiches Kapitel aufgenommen, das sich vordergründig mit der Bewertung der Zweckmäßigkeit befasst und ausgewählte einfache Methoden dazu vermittelt.

Die weiteren Abschnitte befassen sich mit der besonderen Bedeutung von Abwasserzielkonzeptionen bzw. Generalentwässerungsplanungen, mit der Voraussetzung zur Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflicht und leiten dann über zu einem Kapitel, in dem festgestellt wird, dass sich die Zweckmäßigkeitsgrenze für Kleinkläranlagen verschlechtert hat (sofern diese nicht gefördert werden).

Weitere Kapitel vermitteln den Kommunen und Verbänden wichtige Hinweise zur Kontrolle des Anlagenbetriebs, der Beratung im Allgemeinen und zur Kontrolle der Planung.

Im darauffolgenden Abschnitt werden dann Erfahrungen vorgestellt, die im Rahmen einer gutachterlichen Begleitung zahlreicher Gerichtsprozesse zwischen Kommunen bzw. Verbänden und planenden Büros gewonnen wurden.

Andere Kapitel befassen sich mit Methoden zur Leistungssteigerung der kommunalen Abwasserbeseitigung und damit zur Verbesserung der Zweckmäßigkeit bei der Nutzung von kommunalem Eigentum durch die Kommunen selbst.

Auf notleidende Abwasserzweckverbände, wie auch auf die Folgen zu großer Kläranlagen und auf die besondere Situation von Bürgerbewegungen wird eingegangen.

Die Arbeit analysiert ferner die Gefahren bei der Bildung privater Regionalmonopole und befasst sich mit Methoden aus der Unternehmensberatung, wie z. B. Public Private Partnership, Cross-Border-Leasing und Outsourcing.

In einem weiteren Abschnitt wird bewiesen, dass das Leasing – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen – für Kommunen und Verbände unzweckmäßig und viel zu teuer im Vergleich zur klassischen kommunalen Finanzierung ist.

Die letzten zwei Schwerpunkte der Arbeit betreffen ausgewählte Widersprüche beim Gewässerschutz sowie eine Kritik zum Abwasserabgabengesetz. In dem Kapitel „Widersprüche beim Gewässerschutz“ wird herausgearbeitet und bewiesen, dass die gesetzliche Normative zur grundsätzlichen Stickstoffeliminierung ab einer bestimmten Größenklasse der Kläranlagen einen Gewässerschaden verursachen kann. Außerdem wird das allgemein verbreitete Belebtschlammverfahren hinsichtlich der Verursachung von unnötigen Klimabelastungen analysiert.

Die Untersuchungen zur Abwasserabgabe knüpfen an die zahlreichen Feststellungen anderer Autoren an, dass das Abwasserabgabengesetz sich zunehmend als unzweckmäßiges und unnötiges Kontroll- und Steuerungsinstrument herausstellt. Ergänzend dazu wird bewiesen, dass die Abwasserabgabenerhebung für den Gesamtstickstoff und für den Chemischen Sauerstoffbedarf im Widerspruch zum Grundgesetz steht, da beide Parameter grundsätzlich keine Schadstoffe sind.

Das Buch ist ein parteilich verfasstes Werk. Im Blickpunkt stand die Wahrung der Interessen unserer Kommunen oder Abwasserzweckverbände. Aus dieser Position heraus ergibt sich zwangsläufig ein anderes Verständnis von Wirtschaftlichkeit als es im allgemeinen Sprachgebrauch üblich ist. Deshalb wird der Leser an vielen Stellen, an denen er das Wort „Wirtschaftlichkeit“ erwartet, die treffendere Bezeichnung „Zweckmäßigkeit“ finden. Die genaue Verwendung dieser Begriffe spielt für die Wiedererlangung des Selbstverständnisses der Kommunen und für den Schutz unseres kommunalen Eigentums eine ungeheuer wichtige Rolle (vergleiche Kapitel „Widerspruch zwischen kommunalem Zweck und privatem Gewinn“ ab Seite 110).

Es ist auf Grund des geteilten Leserkreises nicht Ziel gewesen, alle tangierenden Fragen interdisziplinär bis ins letzte Detail zu erschließen, da dies mit Sicherheit den Rahmen des Werkes sprengen würde. Es wäre auch ein unmöglich zu erfüllender Anspruch.

Dieses Buch wurde so strukturiert, dass ein Überblick zu einzelnen Sachgebieten erlaubt wird, ohne dass das gesamte Buch von vorn bis hinten zusammenhängend gelesen werden muss.

Den Ergebnissen liegt ein jahrelanger Recherche- und Erkenntnisprozess zu Grunde, der nicht abgeschlossen sein kann. Die Beteiligten sind auch künftig um Aktualisierungen bemüht und nehmen Hinweise zur Erhöhung der Aussagefähigkeit oder zu Ergänzungsvorschlägen des Werkes dankend entgegen.

Verzeichnisse über verwendete Formelzeichen und Abkürzungen, Seite 226, eine Definition ausgewählter Fachtermini, Seite 227, ein Stichwort-, Diagramm-, Tabellen-, Abbildungs- und Literaturverzeichnis ab Seite 214 runden die Arbeit ab.

Vorliegende Normative soll den Kommunen, Abwasserzweckverbänden und Behörden als ergänzendes Instrument für eine erste Prüfung der Investitionen der Abwasserbeseitigung dienen. Der Wertebereich wurde auf 100.000 EW begrenzt.

Die Kostenangaben in diesem Werk gliedern sich in Normativkosten, Ergebnisse von Kostenkalkulationen und in Literaturangaben.

Alle Kosten wurden auf der Preisbasis 2003 berechnet. Die Investitionskosten sind ohne und die Betriebs- sowie Jahreskosten wurden mit Umsatzsteuer ausgewiesen.

Nachtrag vom Oktober 2009 zur Einleitung und im März 2011 überprüft, ohne Änderungen der Kosten bzw. Normativen für notwendig zu halten

Da die Redaktion nun schon einige Jahre zurückliegt, informieren wir Sie auf diesen Wege, welche Abweichungen wir festgestellt haben und wie wir diese berücksichtigen.

Es ist natürlich Ihnen überlassen aufgrund Ihrer möglicherweise anderen Erfahrungen und anderen Beobachtungen zu abweichenden Überlegungen zu kommen.

1. Investkosten für Kläranlagen

Auf dem „Kläranlagenmarkt“ hat wohl eine Bereinigung stattgefunden.

In den letzten Jahren wurden offensichtlich weniger Anlagen errichtet.

Ein Indiz dafür dürfte auch sein, dass das Statistische Bundesamt keine Preisindizes für Kläranlagen mehr herausgibt.

Wir beobachteten in einigen Fällen, dass die gewählten Normativwerte unseres Handbuches deutlich überschritten wurden. Die Überschreitung lag bei über 20 %.

In solchen Situationen ist eine Einzelfallprüfung ratsam.

2. Investkosten für den Kanalbau

Bei den Kanalisationspreisen haben wir keine Änderungen bemerken können.

Da dennoch immer wieder Fragen zu den Kosten der Kanalisation und zu den zugehörigen Planungskosten gestellt werden, bitten wir folgende Hinweise in Bezug auf die Diagramme „Kanalisationskosten“ zu berücksichtigen:

  • Die Diagramme – wenn sie als Zielfunktion (ZF) bezeichnet wurden – weisen das u. E. prinzipiell erreichbare (niedrige) Kostenniveau inklusive aller Planungs- und Nebenkosten aus.
  • Es handelt sich dabei um Nettokosten (Kosten ohne Umsatzsteuer).
  • Es sind keine Schachtbauwerke enthalten.

Berücksichtigen Sie aber bitte auch die Ausführungen zur Tabelle 1 auf Seite 8 und natürlich die Tabelle 1 selbst. Danach wäre bei konzeptionellen Betrachtungen bzw. Refinanzierungsberechnungen aus Sicherheitsgründen mit einem eher mittleren Preisniveau und nicht mit einer Zielfunktion (ZF) zu kalkulieren.

Das Einhalten der Zielfunktion sollte ein Anspruch des zumeist kommunalen Auftraggebers sein. Ob der Anspruch aber realistisch ist, hängt von oft unbekannten Faktoren ab, die ein Auftraggeber oder auch ein planendes Büro nicht immer beeinflussen kann. Deshalb ist es sehr riskant, im Rahmen einer Investitionsrechnung oder eines Wirtschaftlichkeitsnachweises grundsätzlich von niedrigsten Kosten auszugehen. Man sollte sie kennen aber nicht als Dogma einsetzen.

Kostennormative sind als Bewertungsgrundlage überholt, wenn im Verlauf einer Entwurfsplanung und im Ergebnis eines nachvollziehbaren Variantenvergleiches bewiesen wird, dass die Zielfunktion im konkreten Einzelfall nicht zutrifft.

Konkrete Kostenberechnungen sind höherwertig und viel genauer als abstrakte Kennziffern.

Der Ansatz eines mittleren Preisniveaus soll vermeiden, dass gegenüber der reinen Zielfunktion ggf. erforderliche Zusatzaufwendungen im Zuge der Realisierung einzelner Maßnahmen zu einem Finanzierungsdefizit führen, weil z. B. zu wenig Kosten eingeplant wurden bzw. zu geringe Kostenansätze Eingang in die Refinanzierungsberechnungen fanden.

Deshalb wird empfohlen – wenn es um Refinanzierungssicherheit geht – (siehe Handbuch; Tabelle 1 ) auf die Zielfunktion (ZF) nach Tabelle 1 ca. 20 % aufzuschlagen, um ein mittleres Preisniveau abzubilden.

Alternativ kann natürlich auch anstelle des Pauschalzuschlages eine Kostenerhöhung durch einen separaten Aufschlag von beispielsweise ca. 10 % für Planung und weitere 5 bis 10 % für „sonstige Nebenkosten und Unvorhergesehenes“ vorgenommen werden, was letztlich zum gleichen Ergebnis – Gesamtnettokosten in einem mittleren bzw. durchschnittlichen Preisniveau – führt.

Über Änderungen informieren wir kostenlos in unserem Newsletter .

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1       Einleitung

1.1    Normative Kosten

1.1.1     Definition einer Normative und deren Ermittlung

1.1.2     Zweck von Normativen für die kommunale Abwasserbeseitigung

1.1.3     Voraussetzungen und Hinweise für die Nutzung der Normative

1.1.4     Aktualisierung der Normativkosten

1.1.5     Geltungsbereich

1.2    Ergebnisse von Kostenkalkulationen

1.3    Kostenangaben aus der Literatur

2       Primärdaten und Auswertung

2.1    Primärdatenherkunft

2.2    Vergleichbarkeit der Daten (Degressionsanalyse)

2.3    Auswertung der Baupreissteigerungen und Prognose

2.4    Preisbasis 2003

2.5    Weiterführende Literatur

3       Investitionskosten der Entwässerungssysteme

3.1    Kanäle für die Schmutz- und Regenwasserableitung

3.1.1     Freispiegelkanäle im Straßenbereich

3.1.2     Freispiegelkanäle im Gelände bzw. im Straßennebenbereich

3.1.3     Einfluss des Baugrundes auf die Kosten beim Kanalisationsbau

3.1.4     Schächte und Schachtabstände

3.1.5     Hausanschlüsse

3.2    Nettokosten für Kanalsanierung im nicht begehbaren Bereich nach [19]

3.3    Regenbecken.

3.3.1     Regenrückhaltebecken (RRB)

3.3.1.1    Offene Bauweise

3.3.1.2    Geschlossene Bauweise in Stahlbeton

3.3.2     Regenüberlaufbecken (RÜB)

3.3.3     Regenklärbecken im Trennsystem

3.4    Abwasserpumpwerke – Fertigteilpumpwerke in Nassaufstellung

3.4.1     Normative

3.4.2     Begründung zur Wahl der Normative

3.4.3     Trocken aufgestellte Abwasserpumpwerke – Prüfungsempfehlung

3.4.4     Investitionskosten für Biofilter an Zwischenpumpwerken

3.5    Druckleitungen

3.5.1     Herkömmliche Verlegetechnik im Rohrgraben

3.5.2     Alternative Verlegetechniken

3.5.2.1    Grabenlose Verlegetechnik

3.5.2.2    Einpflügen oder Fräsen

3.6    Sonderentwässerungssysteme

3.6.1     Druckentwässerungssystem

3.6.2     Vakuumentwässerung

3.6.3     Vergleich zwischen der Druck- und Vakuumentwässerung

3.7    Niederschlagswasser im dünn besiedelten Raum

4       Investitionskosten ausgewählter Abwasserbehandlungsverfahren

4.1    Grundsätzliche Hinweise

4.2    Kleinkläranlagen nach DIN 4261 Teil 2

4.3    Teich- und teichähnliche Kläranlagen

4.3.1     Pflanzenkläranlagen – vertikal durchströmt – bis 50 EW

4.3.2     Pflanzenkläranlagen – vertikal durchströmt – bis 1.400 EW

4.4    Containerkläranlagen – transportabel

4.5    Verfahren mit aerober Schlammstabilisierung

4.5.1     Kompaktkläranlagen mit Schlammstabilisierung bis 6.000 EW

4.5.2     Kläranlagen mit simultaner Schlammstabilisierung 5.000-20.000 EW

4.6    Kläranlagen mit 20.000 bis 100.000 EW Behandlungskapazität

4.7    Kläranlagen mit Trocknung, jedoch ohne Faulung

4.8    Natürliche Verfahren der Schlammentwässerung

4.9    Kosteneinsparung durch Industriebauweise

4.10  Aufwendungen für Automatisierungs- und Labortechnik

4.10.1   MSR-Technik für Kläranlagen

4.10.2   Investitionskosten für die Laboruntersuchungen

5       Betriebskosten im Kanalnetz

5.1    Kanalreinigung und Inspektion

5.2    Betriebskosten Pumpwerke

5.3    Betriebskosten für Biofilter an Pumpwerken

6       Betriebs-, Refinanzierungs- und Jahreskosten der Abwasserbehandlung

6.1    Laufende Kosten von Kleinkläranlagen nach DIN 4261 Teil 2. 61

6.1.1     Betriebskosten für ausgewählte Kleinkläranlagen

6.1.2     Spezifische Refinanzierungskosten

6.1.3     Jahreskosten ausgewählter Kleinkläranlagen

6.2    Betriebskosten für Kläranlagen zwischen 1.000 EW und 10.000 EW

6.2.1     Betriebskosten klassischer Verfahren

6.2.2     Betriebskosten von Pflanzenkläranlagen

6.3    Betriebskostenstruktur von Kläranlagen

6.4    Ausgewählte Betriebskostenarten der Abwasserbehandlung

6.4.1     Energiekosten

6.4.2     Personalkosten der Anlagenbedienung

6.4.3     Personalkosten der Verwaltung bzw. Geschäftsführung

6.4.4     Schlammentsorgungskosten

6.4.5     Instandhaltungs- und Sachkosten

6.4.6     Aufwendungen für die Eigenkontrolle

6.4.7     Aufwand für eine Gebührenbedarfsrechnung

6.4.8     Aufwand für eine Globalberechnung

6.4.9     Fäkalschlammabfuhr, Behandlung und Entsorgung

6.4.10   Kontrollkosten für Geschäftsbesorgung bzw. materielle Privatisierung

7       Grundsätzliche Hinweise zur Abwassergebührenkalkulation

7.1   Kosten

7.2    Abschreibungen

7.3    Zinsen

7.4    Aufwendungen der Kanalsanierung

7.5    Gebührenbemessung

7.6    Voraussetzungen der Gebührenkalkulation

7.7    Ziele der Gebührenkalkulation

7.8    Gebührenkalkulation bei Cross-Border-Leasing

8       Überblick zur Abwasserbeitragskalkulation – Globalberechnung

8.1    Allgemeine Hinweise

8.2    Begriffsbestimmungen

9       Kostenvergleiche sind nur bei gleichem Nutzen der Varianten zulässig

9.1    Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen der LAWA

9.2    Abwassergebührenvergleiche sind problematisch

10     Wissenschaftliche Bewertung der Zweckmäßigkeit einer Lösung

10.1  Einleitung

10.2  Beschreibung der Nutzwert-Analyse

10.3  Nutzwert-Kostenanalyse

10.4  Einfachste Risikokalkulation

10.4.1   Betrachtungen zum Grundrisiko jeder Entscheidung

10.4.2   Fallunterscheidung

10.4.3   Ausgewähltes Kalkulationsbeispiel – Refinanzierung

10.4.4   Einschätzung des CBL-Risikos

10.4.5   Lösungsansatz einer Risikomatrix – Beispiel

10.5  Entscheidungsspinne – Eigenlösung oder Abwasserzweckverband?

10.6  Zweckmäßigkeitsnachweise und Nutzenbewertung bei der Privatisierung

10.6.1   Widerspruch zwischen kommunalem Zweck und privatem Gewinn

10.6.2   Kommunales Eigentum heute ein trockener Brunnen?

10.6.3   Falsche Wirtschaftlichkeitsnachweise bei der Privatisierung

10.6.4   Konsequenzen mangelhafter Wertschätzung kommunalen Eigentums

11     Bedeutung und Umfang von Abwasserzielkonzeptionen

11.1  Strategische Überlegungen

11.2  Ausgewählte Bestandteile des Abwasserzielkonzeptes

11.3  Grundsätzlicher Informationsumfang

11.4  Konzept zur Regenwasserbewirtschaftung

11.5  Abwasserbeseitigung im ländlichen Raum

11.6  Nachweis der Zweckmäßigkeit eines Abwasserzielkonzeptes

11.7  Kostenschätzungen

11.8  Notwendiger Inhalt

12     Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflicht

12.1  Definition der Abwasserbeseitigungspflicht

12.2  Alternativlösung – Kleinkläranlage

12.3  Anschluss- und Benutzungszwang

13     Kleinkläranlagen werden leistungsfähiger, aber auch aufwendiger

13.1  Einsatzbereiche und Grundsätze

13.2  Klassifikation – Technische Verfahren

13.3  Technologie – Funktionsweise

13.4  Vergleich DIN 4261 Teil 1 und TGL 7762

13.5  Fäkalschlammmenge und -last

13.5.1   Fäkalschlammmenge

13.5.2   Last ausgewählter Fäkalschlamminhaltsstoffe

13.5.3   Huminsäuren

13.6  Förderung von Kleinkläranlagen

13.7  Zweckmäßigkeitsgrenze für Kleinkläranlagen gesunken

14     Kanäle sollen nicht konzeptionslos saniert werden

15     Kontrolle ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg

15.1  Kontrolle des Anlagenbetriebes

15.1.1   Der Verband auf der „grünen Wiese“ – Zero-Base-Planning

15.1.2   Kontrolle der privaten Geschäftsbesorgung

15.2  Kontrolle der Beratung und deren Ergebnisse

15.3  Behördliche Kontrolle befreit nicht von der Eigenverantwortung

15.4  Kontrolle der Planung

15.4.1   Rechtzeitige Einbeziehung von unabhängigen Sachverständigen

15.4.2   Kontrolle durch eine Projektsteuerung

16     Kommunen und Verbände in Gerichtsprozessen

16.1  Ausgewählte Mängel im Ergebnis der Begutachtungen von Planungen

16.1.1   Unklare vertragliche Vereinbarung der zu lösenden Aufgaben

16.1.2   Unvollständige Grundlagenermittlungen und Vorplanungen

16.1.3   Ungenügende Planungsprüfung durch Kommunen und Verbände

16.1.4   Planungen, die nicht prüffähig sind, sind deshalb mangelhaft

16.1.5   Kein Nachweis der Zweckmäßigkeit einer Planung als Mangel

16.2  Grundsätzliche Methodik zur Planungsprüfung

16.2.1   Prüfung einer Leistung auf Mangelfreiheit

16.3  Funktion von Parteigutachtern

16.4  Gerichtsgutachter sind in der Regel ö. b. u. v. Sachverständige

17     Leistungssteigerung der kommunalen Abwasserbeseitigung

17.1  Kommunales Outsourcing als Regel

17.2  Funktionalausschreibungen

17.3  Optimale Größe eines Abwasserzweckverbandes

17.4  Fehlerkorrektur bei der kommunalen Abwasserbeseitigung

17.4.1   Notleidender Abwasserzweckverband

17.4.2   Kläranlage zu groß – Fehlerbeseitigung

17.4.3   Bürgerbewegungen zu oft noch auf verlorenem Posten

18     Bildung privater Regionalmonopole

18.1  Gliederung der Privatisierung leitungsgebundener Anlagen

18.2  Wettbewerb nur vor der Monopolbildung

18.3  Kritische Stimmen zur Privatisierung

18.4  Kommunale Wasserwirtschaft ohne Monopol seit langem „teilprivatisiert“

18.5  Liberalisierung und Globalisierung des Wassermarktes

19     Public Private Partnership

20     Leasing von Abwasserreinigungsanlagen

20.1  Was ist Leasing?

20.2  Kostenvergleichsrechnung zwischen Leasing und Bankfinanzierung

20.3  Vor- und Nachteile der Leasingfinanzierung

21     Cross-Border-Leasing: Chance oder Risiko?

22     Widersprüche beim Gewässerschutz

22.1  Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung

22.2  Nitrat stört den Phosphorkreislauf

22.3  Schwarze Flecken im Watt

22.4  Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung

22.5  Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung

22.6  Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff

22.7  Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?

22.7.1   Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?

22.7.2   Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

23     Abwasserabgabe führt teilweise und mittelbar zu Umweltschäden

23.1  Abwasserabgabe ist unzweckmäßig

23.2  Wasserrecht teilweise im Widerspruch zum Grundgesetz

23.3  Abwasserabgabeerhebung für den CSB auf der Basis von Indizien

23.3.1   Was ist ein CSB?

23.3.2   Ist der CSB tatsächlich ein Schadstoff?

23.3.3   Ursachen für die Entstehung eines unschädlichen CSB

23.3.4   Rechtliches Problem aus Sicht des Abwasserbeseitigungspflichtigen

23.3.5   Abwasserabgabe auch für CSB im Widerspruch zum Grundgesetz

Stichwortverzeichnis

Diagrammverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Formelzeichen und Abkürzungen

Definition ausgewählter Fachtermini

Literaturverzeichnis

 




Kein CSB in der Natur!

Im übrigen erzeugt der CSB in der Natur keinen Sauerstoffbedarf, wie fälschlich fast ausnahmslos geglaubt wird.

Tatsächlich handelt es sich um den simulierten Verbrauch des Oxidationsmittels Kaliumdichromat unter unnatürlichen extremsten Laborbedingungen.

Stöchiometrisch wird die Masse des chemischen Sauerstoffes berechnet, den das Kaliumdichromat an das Reduktionsmittel „Wasserinhaltsstoffe“ abgibt.

Fachlich korrekt handelt es sich um den Kaliumdichromatverbrauch einer wässrigen Probe, ausgedrückt in mg O2 , z. B in mg O2/l.

Der CSB ist also eine Fiktion und noch nicht einmal eine wissenschaftliche.

Folgt man den Überlegungen von Goethe (Johann W. von Goethe, Maximen und Reflexionen) dann spielt es wohl ein wichtige Rolle, ob ein Begriff falsch oder wahr ist:

Begriffe und großer Dünkel sind immer auf dem Wege, entsetzliches Unglück anzurichten.

Siehe auch:

Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Der CSB-Dosisfehler

Schwer abbaubar – auch ein Glück für die Umwelt!

Das Dilemma der Überwachung




Der CSB-Dosisfehler

Zwischen dem Überschreiten des CSB-Überwachungswertes und dem spezifischen Abwasseranfall kann es einen Zusammenhang geben.

Da der CSB meist einen hohen Anteil von nicht abbaubaren Stoffen enthält, kann beim Rückgang der Abwassermengen und bei sonst gleichen Bedingungen natürlich die CSB-Konzentration im Kläranlagenablauf steigen.

Nicht abbaubare Stoffe werden nun mal – wie der Name es verrät – nicht abgebaut und schon gar nicht in gewöhnlichen Kläranlagen. Bleibt die CSB-Fracht gleich und sinkt die Abwassermenge dann steigt die CSB-Konzentration. Vor 1989 gab es im Osten Deutschlands dieses Dilemma nicht, denn der wissenschaftliche Ansatz beim damaligen Gewässerschutz – der Effekt sei mal dahingestellt – beruhte auf der Einleitfracht, z. B. kg BSB5 /d.

Die Dosis eines Stoffes ist maßgeblich für eine Schadwirkung und nicht die Konzentration eines Überwachungswertes, die sich natürlich leichter verwalten lässt, ohne dass man von der Sache auch etwas verstehen muss.

Die Überlegungen zur Notwendigkeit einer Dosis gehen auf Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim zurück, auf einen Arzt mit legendären Heilerfolgen. Die nach ihm benannte Paracelsus-Medaille ist die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft für verdiente Ärzte. Bei dem Gewässerschutz findet sein Schadstofflehrsatz von 1589 „All Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.“ jedoch keine Beachtung. (Bemerkenswert ist, dass der Frachtansatz für die  ostdeutsche Wasserwirtschaft vor der Wende selbstverständlich war. Auch in der österreichischen Indirekteinleiterverordnung sind ebenso Schmutzfrachten als Schadstoffgrenzen vorgeschrieben, die zudem noch in Abhängigkeit der Kläranlagengröße stehen.)

Im Wasserrecht und in der Praxis wurde die Notwendigkeit einer Dosis als grundlegende Voraussetzung für eine Schadwirkung nicht berücksichtigt und damit eine unwissenschaftliche Basis geschaffen.

Anstelle der Dosis tritt in der Wasserwirtschaft – im extremen Gegensatz zur Medizin – nun eine zufällige, mitunter auch willkürliche Vorsorge. (Man darf nur hoffen, dass die Mediziner nicht dem „wasserwirtschaftlichen“ Niveau nach unten folgen und die Arzneien als Wirkstoffkonzentration nach gutem Glauben des Patienten verordnen.)

Vor dem Hintergrund, dass die Wasserwirtschaft ja effektiv sein soll, so zumindest schreibt es der Gesetzgeber vor, entspricht ein CSB-Überwachungswert als Konzentration nicht dem Stand der Technik.

Ob das ein Rückschritt ist? Der Autor ist sich aber nicht sicher, ob der Stand der Wissenschaft eine höhere Priorität hat als der Stand der Technik, oder ob sich beide Stände – wenn es um den Kommerz geht – sich sogar hin und wieder ausschließen? Denn das was der letzte Schrei der Technik ist, muss deshalb noch lange nicht gut für Deutschlands Gewässer sein.  Eine interessante Frage lautet:

Ist der Stand der Technik auch dann noch Stand der Technik, wenn er wissenschaftlich gewertet oder nüchtern logisch gesehen zugleich Unfug ist?

Doch nun zu einigen Voraussetzungen, die notwendig sind, damit überhaupt der versprochene Umweltschaden eintritt. Damit ein Stoff Schaden anrichten kann, müssen u. a. folgende Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein:

  • Der Stoff muss am Zielort des Schadens sein.
  • Der Stoff muss hinreichend Zeit für seine Wirkung haben.
  • Der Stoff muss eine bestimmte Dosis überschreiten, die für die Schadwirkung notwendig ist.

Beweisführung

Prämissen

  1. Für das Verursachen eines Schadens ist eine Dosis notwendig
  2. Bei der CSB-Überwachung wird nur eine Konzentration gemessen.
  3. Eine Konzentration ist keine Dosis.

Konklusion:

Allein aus der CSB-Konzentration ist in der Regel keine Wirkung oder Schadwirkung zu beweisen.

(Eine Ausnahme: hinreichende Statistik bei induktiver Beweisführung.)

Siehe auch:

Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Schwer abbaubar – auch ein Glück für die Umwelt!

Das Dilemma der Überwachung

Kein CSB in der Natur!




Schwer abbaubar – auch ein Glück für die Umwelt!

Schwer abbaubare Stoffe immer ein Problem für die Umwelt?

Das kommt darauf an, was man unter „schwer abbaubar“ versteht.

Laien wird mit dem Begriff der schweren Abbaubarkeit gerne Angst eingejagt um ihr Denken und Handeln zu steuern.

Hinter einer schwer abbaubaren Verbindung wird gemeinhin „extrem harte, giftige und böse Chemie“ vermutet. Dabei ist die schwere Abbaubarkeit einer organischen Verbindung kein Beweis für das Vorliegen von Schadstoffen.

Alle ungehemmten biologischen Prozesse unterliegen einer Abbaufunktion, die am Anfang mit höherer und zum Abbauende mit langsamerer Geschwindigkeit (also schwer abbaubar) verläuft.  Schon allein der Mangel an Nährstoffen, an Spurenelementen oder auch am abzubauenden Substrat kann den Abbau bremsen.

Wird eine Probe aus einem biologischen Prozess entnommen, der langsam zu Ende geht, so findet der Chemiker natürlich zunehmend mehr schwer abbaubare Stoffe.

Eine schwere Abbaubarkeit ist auch ein Indiz für das Ende eines biologischen Abbaus.

Wein, in der Abbaustufe, wie er getrunken wird, hat z. B. seine Abbaugrenze erreicht. Wäre es anders, so wäre es leicht möglich, dass nicht nur Obstweinbereiter bei entsprechender Zuckerzugabe allein durch die alkoholische Gärung 100 % -igen Alkohol in ihren Bollons finden könnten. Leider hat die Natur als Abbauhemmnis sich den Alkohol einfallen lassen, der so ab 14 % je nach geübter Hefe den Abbau zunehmend erschwert bis er ihn ganz unmöglich macht.

Ob im Einzelfall ein hoher „CSB“ tatsächlich natürlichen Ursprungs ist, oder ob z. B. Gifte im Gewässer die Abbauhemmung verursachten, kann allein mit dem „CSB“ nicht bewiesen werden.

In der Regel genügt es allein (!), CSB zu finden, um damit die Zahlung einer Abwasserabgabe auszulösen oder den Straftatbestand der (unerlaubten) Gewässerverschmutzung festzustellen und zu verfolgen. (Der gehemmte biologische Abbau ist eher bei Havarien in kommunalen Abwässern oder in Abwässern der Lebensmittelindustrie zu finden. Dieser Abbau, z. B. von Giften, wie Formaldehyd verläuft anders und ist nicht Gegenstand dieses Beitrages.)

Beim biologischen Sauerstoffbedarf dagegen, der, wenn er vorkommt und gemessen wird, eine Teilmenge des chemischen Sauerstoffverbrauches bildet,  ist es so, dass mit der Erschwerung des biologischen Abbaus auch der tatsächliche Sauerstoffverbrauch im Gewässer extrem nachlässt.

Ein Vorteil der schweren Abbaubarkeit also!

Schwer abbaubare Stoffe – im Ergebnis einer üblichen biologischen Abbaukurve – sind scheinbar paradox:

Hinsichtlich der Sauerstoffzehrung im Gewässer sind dieses Stoffe (BSB20 minus BSB5) nämlich erheblich weniger wirksam, als ein Abwasser mit einem leicht abbaubaren BSB.

Die Schwerabbaubarkeit ist also nur Indiz für etwas Beliebiges.

Nutz-, Schadstoffe und belanglose Stoffe können nämlich allesamt schwer abbaubar sein und häufig sind sie es auch.

Nebulös bleibt immer ohne weitere Untersuchungen, welche Stoffe denn nun die schwere Abbaubarkeit verursachten.

Zu den schwer abbaubaren Substanzen notiert z. B. das DVWK-Merkblatt 228/1996: „Außerdem ist man in der Lage, einigermaßen begründet den Anteil der schwer abbaubaren Substanzen abzuschätzen, wenn man einen Vergleich zwischen Chemischem und Biochemischem Sauerstoffbedarf anstellt.“ [1]

Dies ist korrekt.

Schließlich noch ein natürliches Beispiel:

Im Rio Negro „wimmelt“ es nur so von schwer abbaubaren CSB, dass dieser davon ganz schwarz geworden ist.
Hier ein Luftbild von der Mündung des Rio Negro in den Amazonas:
Größere Kartenansicht
Würde der Rio Negro seinen nicht abbaubaren CSB verlieren, so wäre dies eine echte Katastrophe für viele Lebewesen in dem Fluss und ein wirklicher Grund zum Klagen.

Im Übrigen erzeugt der CSB in der Natur keinen Sauerstoffbedarf, wie fälschlich fast ausnahmslos geglaubt wird.

Literatur:

[1] DVWK-Merkblatt 228/1996
Aussagekraft von Gewässergüteparametern in Fließgewässern
Teil II: Summenparameter Kohlenstoffverbindungen und sauerstoffverbrauchende Substanzen, Mineralstoffe, Organische Schadstoffe, Hygienische Kennwerte

Siehe auch:

Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Der CSB-Dosisfehler

Das Dilemma der Überwachung

Kein CSB in der Natur!




Überlegungen zur Renaturierung des Domerslebener Sees

Plausibilitätsprüfung ausgewählter Aspekte, die einer Sanierung des Domerslebener Sees entgegen zustehen scheinen

Teilanonymisierte Stellungnahme

Auftraggeber:
Stadt Wanzleben-Börde – Ortschaft Domersleben
Markt 1-2, 39164 Wanzleben

Auftragnehmer:
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Schloßstraße 2, 08412 Werdau

Bearbeiter:
Uwe Halbach
Diplom-Ingenieur (FH) für Wasserwirtschaft & Diplom-Volkswirt

Ausfertigung: Internet

gez. U. Halbach
Institutsleiter

Werdau, den 24. September 2010


Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeine Hinweise

2 Beschreibung des momentanen Standes der Situation

3 Ausgewählte Meinungen gegen die Sanierung des Domerslebener Sees

4 Ergänzende Bemerkungen

5 Quellen- und Literaturverzeichnis


1. Allgemeine Hinweise

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Bewertung des wohl nur vermeintlichen Widerspruchs zwischen dem geplanten Vorhaben der Sanierung des Domerslebener Sees und den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Ziel der fachlichen Begleitung

des Institutes für Wasserwirtschaft Halbach ist es, das Projekt der Sanierung des Domerslebener Sees zu begründen, zu unterstützen, auch um den erforderlichen Aufwand der Gemeinde zur Bewältigung eventuell nicht zweckmäßiger Auflagen und Nachweise zu minimieren.

Die Bewertungsmethode beschränkt sich dabei nur auf die Plausibilitätsprüfung der Beweisführung, dass die Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Widerspruch zu den geplanten Vorhaben der Wiederentstehung des Domerslebener Sees stehen würden.

2. Beschreibung des momentanen Standes der Situation

Noch im 17. Jahrhundert gab es südlich der Ortslage Domersleben einen großen See. Als Vorfluter fließt die Domersleber Sarre aus der Ortslage Domersleben in Richtung Wanzleben. Der Mittelgraben, auch Dreilebener Sarre genannt, mündet aus westlicher Richtung, vom Remkersleber Wehr aus, in die Sarre (im ehemaligen Seegebiet).

Durch Eingriffe in den Wasserhaushalt und durch Eintrag von Erosionsmate