Es gibt ihn nicht, den guten Gewässerzustand!

Gewässerzustand

Die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinien mit dem Ziel des guten Gewässerzustandes ist oft in hohem Maße unlogisch, unsachlich und beliebig. Verwechselt wird dabei zudem das Ziel mit dem Mittel.

Zur Beliebigkeit kommt es wegen abstrakter Begrifflichkeit des Gewässerzustandes.

Abstrakte Begriffe sind beliebig deutbar und wesentliche Ursache mancherlei fragwürdiger Aktionen.

Wer sich als echter Naturfreund die fragwürdigen Bewertungen eines abstrakten Gewässerzustandes verstehen möchte der lese hier.

Wer ahnt, dass dies eine Kläranlage ist? Ist es nicht ein guter Gewässerzustand?

Dabei scheint es leicht zu sein, mit der EU-WRRL etwas vernünftiges anzustellen. Man muss es nur wollen und klug anstellen:

  1. Zunächst wäre erstens die EU-WRRL in die Hände von erfahrenen, vorzugsweise mit  Hochschulausbildung (!) versehenen Ökologen zu legen, denn nur Ökologen sollten wissen was sie tun, was im Gewässer geht und was nicht.
  2. gilt es zu begreifen dass die Gewässerzustände nur Mittel der EU-WRRL und nicht ihr Zweck sind. Aktuell ist es so, wie in einer chaotischen Kapelle: Jeder spielt gleichzeitig ein anderes Lied. Der Chemiker will Trinkwasserqualität und das Wasser am Liebsten gleich destillieren, der Fischbiologe will viele fette Fische und braucht deshalb im Gewässer etwas Nährstoff. Der Ökologe, sofern er nicht sein Fachgebiet verraten oder mißverstanden hat, hat also eine Ahnung von Zuständen in der Natur. Er wird nur zu oft nicht gefragt. Das macht ihn traurig. Der Wasserbauer will Sturzfluten ableiten und die Bauwirtschaft will reichlich zu tun haben usw.  Dabei wird übersehen, dass Dreh- und Angelpunkt häufig die industrielle Landwirtschaft ist, die formaljuristisch von dem Verdacht der Gewässerverschmutzung befreit wurde. Damit hat der Gesetzgeber den Steuerzahler gegenüber z.B. dem Schwein des Bauern diskriminiert. So stelllt sich aber die Situation dar, wenn  man die Mitteilung der EU-Kommission von 2000 anwendet. Nicht gemeint ist, dass jetzt der Bauer auch Abwasserabgabe zahlen soll. Vielmehr ist es so, dass überhaupt die Zahlung einer Abwasserabgabe dann rechtlich gegen das Diskriminierungsverbot verstößt, wenn ein Gewässerverschmutzer sie nicht zahlen muss. In der Konsequenz konzentrierte man sich nun darauf, die fragwürdigen – weil abstrakten – Gewässerzustandsziele dadurch zu erreichen, indem vorzugsweise von kommunalen Kläranlagen höhere Reinigungsleistungen verlangt wird, ohne aber den Nachweis des hinreichenden Nutzens zu führen. Das ist blinder Aktionismus.
  3. ist die Lösung jedoch simpel, wenn man sie will: Zunächst müssen Ökologen und Betroffene (jene, die es am Ende bezahlen und aushalten) gemeinsam den Zweck definieren. Ein Zweck oder das Ziel – sofern es nicht Chaos verursachen soll – ist immer konkret und kann z.B. Karpfen, Eisvogel, Flussperlmuschel oder Prachtlibelle genannt werden.
  4. bestimmen die Lebensanforderungen des jeweiligen Tieres die in der EU-WRRL genannten Mittel (Gewässerzustände). Dabei kann es so sein, dass ein guter Gewässerzustand für den Karpfen einen weniger guten wasserchemischen Zustand erfordert. Und es kann so sein, dass ein Forellengewässer keinesfalls einen sehr guten Gewässerzustand benötigen. Schließlich ist bekannt, dass Forellen mitunter teils schon so verhungert sind, dass sie sich am Auslauf von Kläranlagen tummlen, weil sie dort am ehesten noch etwas zum Fressen bekommen. Ein sehr guter chemischer Gewässerzustand ist nur in Forellenlaichgebieten erforderlich. Forellen laichen eher kaum am Auslauf von Kläranlagen. Wenn man diese Zusammenhänge akzeptiert, dann sollte klar werden, dass Zustandsbewertungen und und die Definition von Zustandszielen nicht die Domäme von Bürokraten sein sollten.
  5. wird das Ganze realisiert. Dann sind alle glücklich und man kann für sein Geld auch einen Zustand vorweisen, der ausnahmsweise nicht im Widerspruch zur Ökologie steht.

Eisvogel besucht einen Teich mit einem schlechten chemischen Gewässerzustand gemessen am Phosphor. Die Stichlinge sind fett und den Eisvogel freut es.

Was lernen wir daraus?

Es gibt sie nicht, die guten Zustände, sofern sie als abstrakte Ziele verfolgt werden.

Abstrakte Begriffe sind beliebig deutbar und wesentliche Ursache mancherlei fragwürdiger Aktionen.

Gute Zustände sind nur für konkrete Organismen zu definieren.

Auch Nicolás Gómez Dávila (Auf verlorenem Posten) hat sich über abstrakte Ziele auch schon so seine Gedanken gemacht:

Verallgemeinerung erweitern unsere Macht und verarmen unseren Geist.

An sich ist es simpel. Ein kleiner Junge, der sich ein Aquarium einrichten möchte, versteht letzlich von Gewässerzuständen mehr als mancher bürokratische Gewässerschützer. Er wünscht sich Neonsalmler als Schutzziel und definiert sowie gewährleistet den Gewässerzustand genauso wie ihn Neonsalmler benötigen: Sauberes Wasser, etwas verschmutzt mit CSB in Form von Huminsäuren, Nährstoffe als Phosphor und Stickstoff damit die Fische nicht verhungern.

Ich konnte beobachten, wie Bürokraten in einem Bundesland auf einer Karte all die Fließggewässer rotpinselten, deren Wasser vermeintlich zu hohe Phosphatgrenzwerte aufwiesen, obwohl zugleich ein Zimmer weiter im gleichen Amt die Fischbiologen mit den Zustand für ihre Fische in dem ach so „gefährlichem“ Gewässern als gut bewerteten.

Auch aus diesen Gründen ist es Zufall, wenn ein abstraktes Gewässerschutziel einem konkreten Organismus – der es Wert ist ein Schutzziel zu sein – nützt!

Es gibt in den Ämtern allerdings auch Biologen, die den Gewässerzustand korrekt als Mittel zum Zweck definieren.  Der Schutz der Flussperlmuschel im Dreiländereck „Böhmen-Bayern-Sachsen“; mitiniziert durch einen Diplombiologen im Wasserwirtschaftsamt Hof ist eine solche bespielhafte Leistung. Hier wurde gezeigt wie es zu machen ist und der Ausgangspunkt war ein konkretes Ziel – eine Muschel – und kein fragwürdiger, weil sinnloser guter Gewässerzustand.

Es kommt darauf an, der EU-WRRL einen Sinn zu geben und nicht sinnlose Mittel zum Ziel zu machen.

Und schließlich: Wie gutes Tun so richtig in die Hose gegangen ist, kann man hier lesen. Aber man kann sich mit Petrarca trösten, denn das Gute zu Wollen soll besser sein als das Wahre zu erkennen. Heute würde ich einschränken: Aber nur, wenn man das Wahre durch Bildung, Anschauung (Schopenhauer) oder Fleiß nicht zu erkennen vermochte.




Perspektiven der Wassergütewirtschaft 2050

Wassergütewirtschaft

Ein Vorwort für Wasserwirtschaftler

Den naturwissenschaftlich interessierten Leser erwartet ein bislang m.E. kaum berücksichtigter, aber sehr wertvoller und aufschlußreicher Beitrag zur Wassergütewirtschaft von der TU Wien.

Allein die nachvollziehbare Relativierung des Schadstoffbegriffes nimmt vielen Passagen in den deutschen und EU-Vorschriften ihre Begründung. Und in der Tat: Paracelsus würde über mancherlei Formulierungen der EU – WRRL nur den Kopf schütteln und der Mann lebte von 1493- 1541!

Auf jeden Fall aber eine lesenswerte und mit Blick auf mancherlei Unwissenheit bei der Bewertung des „guten Gewässerzustandes “ auch eine aufklärende Arbeit eines sehr geschätzten Experten.

Die Antwort auf Frage von Herrn Professor Kroiss „Wo ist die Grenze, ab der wir insgesamt höhere Belastungen der Umwelt bewirken, als wir an Wert für saubere Gewässer gewinnen?“ sichert die Effizienz der Wasserwirtschaft und es ist schon erstaunlich, dass sich für die Antwort seit gut 8 Jahren wohl kaum ein Wasserwirtschaftler interessiert.

Vielmehr wird das Wohl oft in der Verschärfung der Überwachungswerte für Kläranlagen gesucht. Dabei ist die Begründung meist abstrakt und fragwürdig.

Der Vortrag wurde bereits 2010 gehalten, ist immer noch aktuell und er wird wohl, solange wir es uns leisten können, zeitlos bleiben.

Uwe Halbach  am 26.04.2018

***

Perspektiven der Wassergütewirtschaft 2050 – gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft

Kroiss, Wien

Inhaltsverzeichnis

1.       Einleitung
2.       Naturwissenschaftliche Grundlagen der Wassergütewirtschaft
2.1     Thermodynamik offener Systeme
2.2     1. Hauptsatz der Thermodynamik
2.3    2. Hauptsatz der Thermodynamik
2.4    Steuerung des Wachstums lebender Zellen
3       Grenzen der Ressourcenverfügbarkeit
4       Absehbare Entwicklung der Erdbevölkerung und ihre Folgen
5      Folgen der Bevölkerungszunahme für die Wasserwirtschaft
6      Energiehaushalt und globale Wirtschaft
7      Veränderungspotenziale in der Wassergütewirtschaft
8      Visionen und Ziele bis 2050
        Literatur    

1         Einleitung

Bei der Beschäftigung eines Wissenschaftlers mit Prognosen tritt immer das Problem auf, dass er sich auf ein Terrain wagen muss, das nicht durch experimentelle oder andere empirische Daten abgesichert werden kann. Die Zukunft bleibt daher in vieler Hinsicht prinzipiell ungewiss. Nicht umsonst gibt es daher das Bonmot: Prognosen sind besonders dann problematisch, wenn sie die Zukunft betreffen.

Das Ziel dieses Beitrages ist es darzustellen, welche Gesetzmäßigkeiten auch für die zukünftige Entwicklung der Wassergütewirtschaft als gesichert wirksam angenommen werden können und welche Entwicklungen mit ebenso großer Sicherheit nicht gesichert vorhergesagt werden können.

Der Prognosezeitraum von 40 Jahren ist so lange, dass man aus der historischen Erfahrung weiß, dass zumindest im politischen Bereich Brüche auftreten können, die nicht prognostizierbar sind. Man denke nur an die „Wende“ im Osten Europas vor ca. 20 Jahren. Auf der anderen Seite sind 40 Jahre für die Siedlungswasserwirtschaft kein besonders langer Zeitraum, wenn man bedenkt, dass wir Kanalnetzen eine Lebensdauer von 40 bis 100 Jahren zuordnen und auch Kläranlagen durchaus 40 Jahre ohne wesentliche Veränderungen betrieben werden können, wenn sie laufend instand gehalten werden.

Die Wassergütewirtschaft geht deutlich über die Siedlungswasserwirtschaft hinaus. Sie muss immer an die spezifischen lokalen und regionalen Bedingungen angepasst werden, wird aber auch von globalen Aspekten beeinflusst. Für Deutschland einem Umwelttechnik Exportland erscheint es wichtig, dieses Spannungsfeld zwischen den regionalen und den globalen Entwicklungen näher zu betrachten.

2         Naturwissenschaftliche Grundlagen der Wassergütewirtschaft


Es geht im Folgenden um die Darstellung von Gesetzmäßigkeiten, deren Wirkung wir auch für die Zukunft als gesichert annehmen können. Insbesondere geht es tim die Gesetzmäßigkeiten lebendiger Systeme, in die die Wassergütewirtschaft integriert ist, bzw. die in ihren technischen Einrichtungen und Maßnahmen auch genützt werden. Die Auswahl der Gesetzmäßigkeiten in der folgenden Ausführung ist natürlich sehr beschränkt und spiegelt auch den Bewusstseinsstand des Autors hinsichtlich ihrer Relevanz wieder. Daraus folgt auch die Begrenztheit der daraus gezogenen Schlüsse.

2.1       Thermodynamik offener Systeme

Thermodynamisch offene Systeme sind solche, die auf einen ununterbrochenen „Durchfluss“ von Materie und Energie angewiesen sind. Das gesamte Klimageschehen, die Zusammensetzung der Atmosphäre und damit auch alle Wassersysteme sind von der Entwicklung des Lebens auf der Erde abhängig. Letzteres ist zumindest auf die dauernde Zufuhr von Sonnenenergie und den Vorrat an chemischen Elementen in der Erdkruste angewiesen. Die Erde stellt daher physikalisch gesehen ein „thermodynamisch offenes“ System dar. Sie besitzt ganz besondere Eigenschaften, die üblicherweise in der allgemeinen Schulausbildung in Physik kaum vermittelt werden. Dort dominieren immer noch die klassische Physik und neuerdings auch die Atomphysik. Aus der Quantenphysik kann abgeleitet werden, dass die zukünftige Entwicklung „Freiheitsgrade“ besitzt, die Zukunft also prinzipiell nicht eindeutig vorhersehbar ist, die Vergangenheit jedoch prinzipiell nachvollziehbar ist. Für lebendige Systeme ist diese Asymmetrie zwischen Vergangenheit und Zukunft besonders charakteristisch und bedeutsam.

Lebensvorgänge sind prinzipiell nie vollständig reversibel, das ist uns Menschen sehr bewusst. Die vollständige Wiederherstellung vergangener Zustände ist daher unmöglich, was uns Menschen sehr bewusst ist. Auch die Erhaltung eines stationären Zustandes ist auf Dauer unmöglich, weil schon die externen Einflüsse (z. B. die Sonneneinstrahlung) dauernd schwanken. Die Verknüpfung von „Nachhaltigkeit“ mit der Erhaltung eines spezifischen stationären, krisenfreien Fließgleichgewichtes über Generationen, muss für lebendige Strukturen sowohl auf lokaler wie auch globaler Ebene zu Festlegung von falschen Zielen und falschen Wegen, diese zu erreichen, führen.

Aus der Theorie thermodynamisch offener Systeme kann man ableiten, dass sogenannte Bifurkationen (PRIGOGINE) auftreten können. Unter bestimmten Randbedingungen kann sich daher so ein System in zwei gänzlich unterschiedliche Richtungen entwickeln, wobei prinzipiell nicht vorhersagbar ist, in welche.

Lebendige Systeme haben die Eigenschaft, dass auch sehr kleine und sehr langsame Veränderungen zu Kipp-Prozessen führen können, wo ein System kurzfristig in ein gänzlich anderes „kippt“. So ist häufig der Übergang von „gesund“ zu „krank“. Aus der Wassergütewirtschaft kennen wir solche Kippvorgänge etwa von unseren Alpenseen. Sie halten sich entweder von selbst sauber oder sie werden „eutroph“ (überernährt). Der Zustand eines eutrophen Sees „verschlechtert“ sich (hinsichtlich unserer Ansprüche) ohne Eingriff von selbst. Auch bei den Anaerobprozessen kennen wir solch Kippvorgänge sehr gut. In sehr vielen Fällen bewirkt der menschliche Eingriff in die Natur, aber auch in die politisch-sozialen Mechanismen der Gesellschaft solche sprunghaften Veränderungen.

2.2       1. Hauptsatz der Thermodynamik

Allgemein bekannt ist meist der Erste Hauptsatz der Thermodynamik, der besagt, dass Materie und Energie in einem geschlossenen System nicht verschwinden können. Dieser Hauptsatz ist für die gesamte Wassergütewirtschaft und andere Umweltwissenschaften von fundamentaler Bedeutung, auch wenn das vielleicht nicht sofort einsichtig ist. Bei einem thermodynamisch offenen System (z. B. unserem Körper oder einem Siedlungsraum) gibt es einen ständigen Energie- und Materiestrom, der durch das System hindurchgeht.

Daher müssen wir zuerst ein System sehr genau abgrenzen, damit wir diesen Hauptsatz für eine Stoffbilanz sinnvoll anwenden können. Alles was z. B. an Stoffen in ein Siedlungsgebiet hineingelangt, muss entweder im Siedlungsgebiet (Lager) oder als „Export“ aus dem Bilanzraum wiedergefunden werden können. Stoffbilanzen stellen eine hervorragende Methode dar; mit der man die Richtigkeit und Vollständigkeit von Daten prüfen kann. Der 1. Hauptsatz besagt, dass Elemente und Energie nicht verschwinden können, wobei für die Wassergütewirtschaft das Energieäquivalent von Materie (E=m*c²) vernachlässigt werden kann.

Für biologische Systeme folgt aus dem 1. Hauptsatz der Thermodynamik, dass aus einer bestimmten Fracht an Nahrung (M/T1) nur eine bestimmte Menge an Organismen am Leben erhalten werden kann.

2.3       2. Hauptsatz der Thermodynamik

Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik (Entropiesatz) ist zwar ebenso fundamental wie der 1., allerdings in seinen Konsequenzen viel komplexer. Er wird dort relevant wo es um Qualität bzw. den Wert von Energie oder um die Reinheit von Stoffen geht. Er ist auch relevant für die möglichen Entwicklungen eines Systems.

Wenn wir z. B. saubere Gewässer haben wollen, geht es um die Frage, wie viel hochwertige elektrische Energie wir in geringwertige Niedertemperaturwärme umwandeln wollen, um Abwasser zu reinigen.

Wo ist die Grenze, ab der wir insgesamt höhere Belastungen der Umwelt bewirken, als wir an Wert für saubere Gewässer gewinnen?

Wenn der Mensch Ressourcen (Stoffe) verwendet, bleiben sie zwar erhalten (1. HS. der Thermodynamik), aber ihr Wert für gewisse Anwendungen verringert sich. Wenn wir z. B. Phosphorerzlager zur Erzeugung von Dünger ausbeuten und dann fein in der Landwirtschaft verteilen und schließlich über die Flüsse ins Meer gelangen lassen, ist der Phosphor von der Erde zwar nicht verschwunden, aber für uns und unsere Nachkommen nur mehr mit sehr hohen Kosten (Energieeinsatz) zurückzugewinnen.

Jeder Stoff, der überhaupt erzeugt und verwendet wurde oder wird, wird über kurz oder lang mit Luft und Wasser auf der ganzen Erde fein verteilt, so kann man kann die Bleiverhüttung während der Römerzeit im Eis der Antarktis nachweisen, ebenso wie z. B. polyfluorierte Tenside (PFT) die erst im 20. Jahrhundert entwickelt wurden. Man kann berechnen, dass mit ca. einem Kilogramm eines Stoffes, den wir in die Umwelt entlassen, jeder Liter Wasser auf der Erde inklusive der Meere mit ca. 10 bis 1000 Molekülen „verunreinigt‘ werden kann.

Alle lebendigen Strukturen brauchen eine ununterbrochene Energie-Zufuhr, und sie bewirken eine ununterbrochene Zunahme an Unordnung (Entropie)–, das ist eine Eigenschaft aller lebendigen Systeme. Aus hochwertiger Nahrung entsteht minderwertiges Abwasser, aus hochwertigen Metalllegierungen entstehen Schwermetallverunreinigungen in der Umwelt.

Die Sonne sichert eine zwar begrenzte aber dauernd gesicherte Zufuhr an hochwertiger Energie. Die Wärmeabstrahlung der Erde bewirkt eine dauernde gesicherte Entfernung von relativ minderwertiger Energie. Für das Leben auf der Erde steht also eine gesicherte Entropie-Differenz („Unordnungsentsorgung“) dauernd zur Verfügung.

Die Atmosphäre und das Klima sind mit der Biosphäre ganz eng verknüpft, das Klima hat also physikalische und biologische Ursachen, und das Leben hat sich rund um das Wasser entwickelt. Dieses Wasser war nie reines H20, sondern es war Wasser, das mit allen Stoffen verunreinigt war, die zumindest in der Erdkruste und in der Atmosphäre vorhanden waren. Leben ist nicht aus reinem H2O entstanden

Daraus ergibt sich ein Problem, für die Bewertung unseres Handelns mit Hilfe des 2.  Hauptsatzes der Thermodynamik. Wir wissen von vielen Stoffen, dass sie erst geringen Konzentrationen (hoher Verdünnung) Wertstoffe für lebendige Strukturen darstellen, während sie in höheren Konzentrationen (niedriges Entropieniveau) schädlich wirken können, in noch höherer Reinheit können sie wiederum sehr wertvoll sein. Am Beispiel von Kupfer wird dem jeder Wassergütewirtschaftler dies verstehen. Es gibt daher eigentlich keine „Schadstoffe oder alle Stoffe sind solche, solange es keine eindeutige Messvorschrift gibt, die dem Begriff zugeordnet wird.

Wir sollten daher den Begriff „Schadstoff“, wie er derzeit verwendet wird eliminieren.

Es gibt inzwischen etwa 50 Millionen registrierte Stoffe, ob sie nützlich, schädlich oder wirkungslos sind, hängt an ihrer Konzentration, ihrer Dosis und dem Ort wo sie auftreten. Das ist bei Medikamenten durchaus bekannt, gilt aber prinzipiell für alle Stoffe. Für viele Stoffe, die wir heute verwenden, ist ihre Wirkkonzentration oder -dosis für Mensch und Umwelt noch nicht bekannt, insbesondere bezüglich der Langzeit- oder der Synergiewirkung. Auf diesen Gebieten wird weltweit intensiv geforscht.

Das Entropieniveau von Stoffverteilungen kann jedenfalls nicht für jeden Stoff zu ih-er Bewertung verwendet werden. Der „Verlust“ einer hochwertigen (reinen) Substanz oder Energieform durch feine Verteilung in der Umwelt kann nicht nur negativ beurteilt werden. Auch die Natur erzeugt hochwirksame Gifte, die durch Verdünnung in der Umwelt unschädlich werden. Die meisten Schwermetalle, auch jene in der Erdkruste sind erst durch hohe Verdünnung im Wasser zu wertvollen und häufig essenziellen Spurenstoffen für die Entfaltung der Biosphäre geworden.

Es erscheint zulässig aus dem Entropiesatz abzuleiten, dass es keine vollständigen (100%-igen) physikalischen, chemischen oder biochemischen Umsetzungen oder Abbauvorgänge von Stoffen gibt.

2.4       Steuerung des Wachstums lebender Zellen

Alle Lebewesen besitzen Steuerungs- und Regelungssysteme zur Aufrechterhaltung ihrer Lebensvorgänge, wobei deren Komplexität sehr unterschiedlich und noch keineswegs vollständig aufgeklärt ist. Jedenfalls muss davon ausgehen, dass diese Steuerungssysteme sehr relevante Selektionsmechanismen für die Entwicklung der Biosphäre darstellen.

Wie neueste Forschungen (VERSTRAETE) nahelegen, sind mehrere fundamentale Steuerungsmechanismen universell im genetischen Code lebendiger Zellen verankert. Einer davon ist in der Wassergütewirtschaft sehr gut bekannt und in Bild 1 dargestellt. Es handelt sich um die Steuerung des Wachstums bzw. des Substratumsatzes von Zellen über das Nahrungsangebot. Die Wachstumsrate) lebendiger Zellen wird über die Konzentration jenes essenziellen Nährstoffes in der Umgebung der Zelle gesteuert, der das Wachstum begrenzt. Dieser Zusammenhang durch das Forscherpaar Michaelis-Menten (1913) für die Enzymkinetik (Stoffumsatz) und in der dargestellten Form von Monod (1942) experimentell für die Wachstumsrate abgesichert. Dieser Zusammenhang ist stark temperaturabhängig. Nur für ganz wenige Stoffe und Zellarten ist dieser Zusammenhang quantitativ bekannt. Jede konkrete Monod-Kurve stellt den Ort aller möglichen Gleichgewichte zwischen dem Angebot an einem essenziellen Nährstoff, und der Wachstumsrate dar.

 

Bild 1: Steuerung des Wachstums lebendiger Zellen durch Mangel an einem Nährstoff

Bild 1:   Steuerung des Wachstums lebendiger Zellen durch Mangel an einem Nährstoff

Aus Bild 1 kann man ableiten, wie sich lebendigen Zellen und Organismen bei Ressourcenmangel und -überfluss verhalten. Wenn alles Lebenswichtige im Überfluss zugänglich ist, dann steuert die genetisch fixierte, maximale Wachstumsrate oder Stoffumsatzrate das System. In der Biotechnologie versucht man meist alle durch Mangel verursachten Wachstumshemmungen zu beseitigen um zu maximalen Raumausbeuten zu gelangen. Auch die Maximierung der Stoffumsatzraten durch verbesserte genetischer Eigenschaften der eingesetzten Organismen wird gearbeitet (Züchtung, Gentechnik). Die dafür relevanten Zusammenhänge sind mit dem rechten oberen Teil der Kurve verbunden (a).

Wenn die Konzentration nur eines einzigen essenziellen Nährstoffes in der Umgebung des Organismus( der Zelle) gegen Null bewegt, kommt es relativ schlagartig zu einer massiven Reduktion der Wachstumsgeschwindigkeit. Die meisten von uns sehr geschätzten natürlichen, artenreichen Öko-Systeme sind durch Nahrungsmangel gekennzeichnet. Sie haben enorme Reserve-Kapazität, um auf kurzfristige Veränderungen des Nahrungsangebotes durch Veränderungen der Wachstumsgeschwindigkeit zu reagieren und die Stabilität des Ökosystems zu sichern.

Bei der biologischen Abwasserreinigung nützen wir diesen Zusammenhang indem wir Bedingungen schaffen, bei denen das Wachstum von (natürlichen) Biozönosen durch Mangel möglichst vieler Abwasserinhaltsstoffe begrenzt wird. Damit erreichen wir sehr geringe Restkonzentrationen im gereinigten Abwasser.

In den letzten 2 Jahrhunderten ist es auf Basis der Fortschritte in Wissenschaft und Technik gelungen, zumindest in den reichen Ländern, Ressourcenmangel weitgehend zu beseitigen. Unter Ressourcenüberfluss, werden dann die genetisch fixierten Eigenschaften der Menschen und die Entwicklung und Entfaltung der geistigen Fähigkeiten, (Ausbildung, Organisation und Erziehung) zu den begrenzenden Faktoren.

In der Landwirtschaft hat dieser Zusammenhang in der Düngelehre und der Züchtung ertragreicherer Nutzpflanzen seinen Niederschlag gefunden. Um höhere Erträge pro Flächeneinheit zu erzielen muss nicht nur der erhöhte Düngestoffgehalt der Ernte abgedeckt werden sondern es muss auch die Düngerkonzentration im Boden angehoben werden. Die durch Düngung erhöhten Nährstoffkonzentrationen im Boden führen allerdings auch zu erhöhten Verlusten von Nährstoffen aus den Böden in das Grundwasser und die Oberflächengewässer. Dort verursachen sie allerdings verschiedene Qualitätsverluste, wie das Nitratproblem für die Trinkwassergewinnung aus dem Grundwasser und ein übermäßiges Algenwachstum in den Oberflächengewässern (Eutrophierung).
Wir haben also ein klassisches Optimierungsproblem vor uns.

Ohne ausreichende Düngung kann die Ernährung der noch immer steigenden Weltbevölkerung nicht gesichert werden. Sie verursacht aber eine erhöhe Belastung der Gewässer mit Nährstoffen, was dort Qualitätsprobleme verursacht (Eutrophierung, Nitrat im Grundwasser). Gleichzeitig „verliert“ man diese Stoffströme durch Verdünnung im Meer.

3         Grenzen der Ressourcenverfügbarkeit

Spätestens seit dem Buch „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome vor 40 Jahren besteht das Bewusstsein, dass unsere Ressourcen begrenzt sind. Nur sind sie ganz unterschiedlich begrenzt und das muss man beim Versuch der Lösung dieses fundamentalen Problems immer beachten.

Es gibt Ressourcen, ohne die wir nicht leben können und die nicht substituierbar sind, so wie z. B. Wasser, Stickstoff, Phosphor, Kalium, Kalzium, Schwefel und die meisten Schwermetalle. Alle diese lebenswichtigen Stoffe müssen dauernd in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, sonst kann die Erdbevölkerung nicht am Leben erhalten und ernährt werden. Bei wahrscheinlich ~10 Milliarden Menschen im Jahre 2050 können diesbezüglich gravierende Probleme entstehen.

Die vielleicht wichtigste nicht substituierbare Ressource für uns und unsere Umwelt ist Süßwasser. Es ist eine begrenzte, aber erneuerbare Ressource. Die Sonne bewirkt den Wasserkreislauf, in dem auch eine weitgehende Erhaltung der Qualität des Wassers integriert ist. Die Verfügbarkeit dieser begrenzten Ressource ist lokal und regional äußerst unterschiedlich und primär klimatisch bestimmt.

Stickstoff ist der wichtigste Bestandteil der Atmosphäre und stellt eine praktisch unbegrenzte Ressource, dar. Die Natur hat zusätzlich vorgesorgt, dass Stickstoff aus lebendigen Strukturen auch immer wieder recykliert wird.

Phosphor ist zwar ubiquitär in geringen Konzentrationen vorhanden, aber für die Ernährung der noch immer steigenden Weltbevölkerung ist der Einsatz von Phosphordünger aus fossilen Lagern unumgänglich. Die Phosphorerz-Lager sind absehbar begrenzt, Phosphor kann zwar global gesehen durch Nutzung nicht verloren gehen, aber derzeit verlieren wir große Mengen an Phosphor in den Meeren, von wo wir ihn aus ökonomischen und ökologischen Gründen nicht als Dünger wiedergewinnen können. Wir müssen also darauf achten, dass wir Phosphor möglichst in regionalen Kreisläufen erhalten. Das hat man bisher kaum beachtet und ist heute Gegenstand intensiver Überlegungen zumindest in der Forschung.

Die fossilen Energieträger sind nicht nur begrenzt, sie gehen auch durch die Nutzung für uns für immer verloren. Die bei der Nutzung freiwerdende Energie bleibt erhalten, aber sie ist so fein verteilt, dass wir sie kaum mehr nutzen können und sie ist nach derzeitigem Wissen mitverantwortlich für den globalen Klimawandel. Wasserdampf stellt das am stärkste wirksame Klima-Gas der Atmosphäre dar und ist vermutlich der große Regulator für die langfristigen Klimaveränderungen. Wie schnell und in welchem Maße der Mensch das Klima in Zukunft beeinflussen wird, ist nach wie vor nicht gesichert vorhersagbar, aber nach dem Stand des Wissens von der Entwicklung der Menschheit abhängig.

Es gibt auch substituierbare Ressourcen. Etwa in der Bauwirtschaft werden viele „alte“ Baustoffe durch Stahl, Kunststoffe und Glas substituiert. Stahl kann wiederum für gewisse Anwendungen durch Karbonfasern substituiert werden. Dennoch werden wir wegen der begrenzten Substituierbarkeit aller Stoffe ein rigides Ressourcenmanagement brauchen um Mangelerscheinungen aller Ressourcen zu vermeiden oder zumindest erträglich zu erhalten.

4         Absehbare Entwicklung der Erdbevölkerung und ihre Folgen

Bild 2 zeigt, dass die Weltbevölkerung über sehr lange Zeiträume, Jahrtausende lang, nur wenig gewachsen ist und bis etwa 1700 n. Chr. unter 500 Mio. Menschen lag. In den letzten ca. 200 Jahren ist die Wachstumsrate dramatisch angestiegen, was im unteren Bild zu sehen ist. Man rechnet mit einer deutlichen Abflachung dieser Kurve in den nächsten 50 Jahren.

Die Entwicklung während der letzten 200 Jahre ist in mehrfacher Hinsicht absolut singulär in der Weltgeschichte. Dies gilt nicht nur für die Bevölkerungszunahme sondern in noch stärkerem Maße für den Ressourcenumsatz und den davon verursachten Einfluss des Menschen auf die Umwelt. So eine Entwicklung birgt zumindest den Keim für Krisen, zu deren Bewältigung die historische Erfahrung alleine wenig beitragen kann. Erkenntnis der entscheidenden Zusammenhänge, Innovation, Bereitschaft zu Veränderungen des Verhaltens und eine sensitive Beobachtung der Veränderungen in Gesellschaft und Umwelt sind notwendig.

Entwicklung der Weltbevölkerung während der letzten 3000 Jahre

Bild 2:   Entwicklung der Weltbevölkerung während der letzten 3000 Jahre

Auf Grund dieser Entwicklung erscheint es nicht mehr sinnvoll den Menschen aus der Natur gedanklich zu extrahieren. Er muss als Teil einer Einheit gedacht werden, in der Mensch und Natur miteinander auskommen. Es gibt keinen anderer Weg, weil beider Wohlergehen untrennbar verquickt ist.

Bild 3: entwicklung der Welltbevölkerung von 1950 bis 2050

Bild 3:   Entwicklung der Weltbevölkerung von 1950 bis 2050 nach Regionen. (http://timeforchange.orgigrowing-world-population)

Wie aus Bild 3 zu entnehmen ist, ist das Bevölkerungswachstum regional sehr ungleichmäßig über die Erde verteilt. Die Prognosen bis 2050 lassen nur einen geringen Spielraum für politische Einflussnahme. Nur nicht prognostizierbare globale Krisen und Kriege können relevante Abweichungen verursachen. Der größte einwohnerspezifische Ressourcenverbrauch ist derzeit in den Industriestaaten konzentriert, die Schwellenländer in Süd- und Ostasien oder Südamerika sind auf dem Wege ihren Ressourcenverbrauch stark zu steigern. Für die Ressource Wasser verursacht die Entwicklung der Bevölkerung je nach regionaler Besonderheit ganz unterschiedliche Problemstellungen.

5         Folgen der Bevölkerungszunahme für die Wasserwirtschaft

Zweifellos stellt eine ausreichende Versorgung der Gesellschaft mit Ressourcen eine ganz wichtige Voraussetzung für deren Entfaltung dar. Aber was heißt ausreichend? Den immer noch steigende Ressourcen-„Verbrauch“ werden sich auch die entwickelten Länder bis 2050 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht leisten können, insbesondere wenn alle Staaten die gleichen Ansprüche stellen.

Bei einer globalen Bevölkerung von etwa 10 Milliarden Menschen, stellt sich daher die Frage nach dem Anspruch auf Entfaltung des Einzelnen bzw. der Gesellschaften. Die Entfaltung braucht zumindest zwei Substrate: Ressourcen und Sinnerfüllung während der Lebenszeit. Es geht daher in den nächsten 40 Jahren nicht nur darum für 9-10 Milliarden Menschen ausreichende Ressourcen sondern auch Arbeitsplätze mit Sinnerfüllung bereitzustellen. Die Landwirtschaft bzw. Nahrungserzeugung haben diesbezüglich über Jahrtausende eine zentrale Rolle gespielt, die laufend an Bedeutung verliert.

Für die Wasserwirtschaft und insbesondere die Wassergütewirtschaft wird die Zunahme der Bevölkerung bis 2050 deutliche Auswirkungen haben, zu deren Abschätzung der jährliche Wasserbedarf eines Menschen (z. B. in der EU) kann folgendermaßen aufgegliedert werden:

  • ~ 1 m³/Jahr als Wasser zum Trinken, muss jederzeit zur Verfügung stehen,
  • ~  20 bis 60 m³/Jahr für Reinigung und Hygiene, sollte auch immer gesichert vorhanden sein.
  • ~  200 m³/Jahr für Industrie (Kühlwasser, Abwasser), stark variabel und technisch beeinflussbar
  •  >  1000 m³/Jahr Wasser für Nahrungsproduktion in der Landwirtschaft

Der Wasserbedarf, der aus Trinkwassernetzen gedeckt wird oder werden kann, ist aus wasserwirtschaftlicher Sicht mengenmäßig gering, allerdings mit einem hohen Qualitätsanspruch. Dieser Wasserbedarf kann auch in Zukunft mit schon heute bekannten technischen Verfahren überall und global gesehen vermutlich auch wirtschaftlich verträglich abgedeckt werden.

In Deutschland beträgt der Trinkwasserbedarf je Einwohner etwa 40 m³ pro Jahr. Nur ca. 1 m³/a dient als Lebensmittel der Rest als Transportmittel für die menschlichen Ausscheidungen und jene Verunreinigungen, die unsere Gesundheit gefährden können (Hygiene). Über innovative Wasser- und Abwassersysteme könnte man diesen Wasserbedarf schon heute ohne Komfortverlust auf ca. die Hälfte reduzieren. Mit moderner Technologie kann man auch Abwasser großtechnisch als Trinkwasser wiederverwenden (Singapur) und damit den Frischwasserbedarf noch weiter senken. Aber selbst ein Bedarf an Trinkwasser von ca. 50 m³/Einwohner und Jahr fällt in einer regionalen Wassermengenwirtschaft nur unter ganz besonderen Randbedingungen ins Gewicht.

Der Nutzwasserbedarf der Industrie liegt in der Größe von 200 m³ pro Jahr. Dieser Bedarf ist in den Industriestaaten eher rückläufig. Ein großer Teil dieses Bedarfes ist Kühlwasser, wo mit dem Wasser meist nur Wärme abtransportiert wird.

Bei der Nutzung des Wassers in Haushalt und Industrie wird Wasser nicht verbraucht, nur seine Qualität wird verändert. Übertriebenes Wassersparen im Haushalt durch kostenintensive Technik der Kreislaufführung oder teilweise Substitution durch Regenwasser kann ökologisch schwer begründet werden Es werden damit neue kostenintensive Probleme in unseren Leitungsnetzen für Trink- und Abwasser verursacht. Dort, wo die Kreislaufführung von Abwasser zu Kostenminderungen führt, sollte man dies nutzen.

Der bei weitem größte regionale Wasserbedarf wird von der Landwirtschaft verursacht. Das Wasser geht dabei durch Evapotranspiration regional für die Nutzung verloren, auch wenn es im natürlichen Kreislauf des Wassers erhalten bleibt. Jedenfalls muss immer zwischen Gebrauch und „Verbrauch“ von Wasser unterschieden werden, wenn es um regionale Betrachtungen geht.

Für die Erzeugung ausreichender Nahrung sind für jeden Menschen mindestens 700 bis 1000 m3 Wasser pro Jahr erforderlich. Die Verwendung des Abwassers in der Landwirtschaft kann bestenfalls regionale Engpässe entschärfen aber das globale Problem nicht lösen. Den minimalen Wasserbedarf für die Ernährung muss man zumindest global abdecken wenn man Hunger, und in der Folge Krieg oder Wanderbewegungen vermeiden will. In einer steigenden Anzahl von Staaten reichen die lokalen Wasserressourcen nicht aus, um die Bevölkerung aus dem eigenen Lande zu ernähren. Dort muss Nahrung aus anderen Ländern als „virtuelles Wasser“ importiert werden.

Man weiß heute, dass Gesundheit und körperliches Wohlbefinden aber auch die intellektuelle Entwicklung der heranwachsenden Menschen von einer ausreichenden und vielseitigen Ernährung abhängen. Es ist auch bekannt, dass die Produktion von tierischem Eiweiß etwa um den Faktor 4 bis 5 mehr an Wasser, Fläche und Düngereinsatz braucht als die jene der gleichen Menge an pflanzlichem Eiweiß.

Der hohe Fleischkonsum in den Industriestaaten führt dort zu einem Wasserverbrauch in der Landwirtschaft von über
2000 m³ pro Einwohner und Jahr.

In China hat der rapide Anstieg des Fleischkonsums und damit des Wasserbedarfes der Landwirtschaft zu dramatischen negativen Folgen für die Wasserführung viele Flüsse (Bewässerung) und als Folge auch ihrer Wassergüte geführt.

In ganzjährig „nassen“ Regionen können regionale Wasserverbraucher wie Landwirtschaft oder auch Wald wichtige Funktionen für Hochwasserschutz und Erosionsminderung haben. In Trockenregionen oder bei langen Trockenzeiten (z. B. Monsungebiete) kann es zu starker Konkurrenz um die lokalen Wasserressourcen zwischen Landwirtschaft und Wasserversorgung kommen.

6         Energiehaushalt und globale Wirtschaft

Über Jahrtausende war die Entwicklung der Menschheit durch eine begrenzte Verfügbarkeit an mechanischer Leistungskraft geprägt. Sie war durch die Arbeitskraft der Menschen und später der Haustiere begrenzt. Beide waren von der landwirtschaftlichen Produktion abhängig.

Der Mensch selbst hat eine Gesamtleistung von etwas über 0,1 kW. In den letzten 200 Jahren hat sich das grundlegend geändert. Heute beträgt die einwohnerspezifische Leistung aus Primärenergie (fossile Brennstoffe, Wasserkraft etc.) in Europa ca. 6 kW. Das heißt, dass, grob gesprochen, ununterbrochen ca. 60 Sklaven für jeden von uns Arbeit leisten ohne Nahrung zu beanspruchen. Die mechanische Leistungsfähigkeit des Menschen hat daher stark an Bedeutung verloren, weil sie durch Maschinen ersetzbar geworden ist. Dafür sind gänzlich neue Entfaltungsmöglichkeiten durch technische Entwicklungen möglich geworden, die allerdings entsprechende Bildung und Ausbildung sowie ausreichende Versorgung mit sehr vielen Ressourcen erfordern.

7         Veränderungspotenziale in der Wassergütewirtschaft

Bestehende wasserwirtschaftliche Strukturen sind zumindest in den entwickelten Gebieten der Erde fast immer für sehr lange Zeiträume geplant und gebaut worden. Sie werden daher vermutlich bis 2050 auch bei Auftreten großer technischer Revolutionen nur begrenzte Veränderungen erleben. Innovationen werden also überwiegend dort eingesetzt und ausprobiert werden, wo noch keine oder wenig Infrastruktur vorhanden ist oder die bestehende Infrastruktur die Funktionen nicht mehr erfüllen kann bzw. mit geringeren Kosten erfüllt werden kann.

Welche neuen Impulse und Fragestellungen kann man heute erkennen?

In den Industriestaaten werden bereits die meisten Gewässer so vor Verunreinigungen geschützt, dass sich dort eine standortspezifische Artenvielfalt entwickeln kann und jene Funktionen erfüllt werden können, die für die Menschen in den Flussgebieten als wichtig und notwendig erscheinen. Kommunales und industrielles Abwasser werden dazu auf Kläranlagen gereinigt, viele Stoffe werden bereits an der Quelle zurückgehalten oder nicht mehr verwendet.

Neue Impulse gehen besonders von 2 Entwicklungen aus:

  •  Trotz des hohen Standards der Abwasserreinigung sind noch viele sogenannte „Mikroverunreinigungen“ in den Kläranlagenabläufen, Gewässern und im Trinkwasser nachweisbar (geworden), weil sie nur teilweise und in sehr unterschiedlichem Maße in Kläranlagen und Wasseraufbereitungsanlagen entfernt werden. Viele dieser Stoffe gelangen mit alltäglich oder gezielt eingesetzten Produkten in den Haushalten, oder aus Industrie und Gewerbe über das (gereinigte) Abwasser (Punktquellen) oder aus diffusen Quellen über den Niederschlagsabfluss in die Gewässer.
  • Abwasser und seine Inhaltsstoffe werden nicht nur als Entsorgungsproblem und Verunreinigung sondern als Wertstoffe (Wasser, Nährstoffe, Energie, Spurenstoffe) erkannt und ihre Nutzung durch neue technische Einrichtungen (Sanitäranlagen, Klärschlammbehandlung, etc.) vorangetrieben (Larssen, Londong, Otterpohl, Dinkloh). Für diesen 2. Punkt wird hier nur auf die umfangreiche Literatur verwiesen, obwohl er natürlich mit dem ersten eng verknüpft ist.

Aus dem Problemkreis der Mikroverunreinigungen können folgende Fragen abgeleitet werden:

  •  Ab welcher Konzentration oder Dosis sind solche Stoffe für die Menschen oder die Umwelt gefährlich? Gibt es für jeden Stoff eine Konzentration, bei deren Unterschreitung keine negative Wirkung mehr zu besorgen ist.
  • Müssen wir bestimmte Stoffe weitgehend aus dem Wasser entfernen oder können wir sie in gewissen Konzentrationen im Trinkwasser und in den Gewässern dulden, weil sie dort keine negative Wirkung haben?
  • Stellen gewisse Konzentrationen von allen Stoffe, die wir erzeugen oder verwenden, erzeugt oder verwendet haben, ein unzulässiges Gefahrenpotenzial für Mensch und Gewässerbiozönose dar?
  • Welchen Nutzen stiften welche Stoffe, und welcher Aufwand ist notwendig um ein zumutbares Risiko (Schaden) zu vermeiden, oder dürfen gewisse Stoffe nicht produziert werden, müssen also an der Quelle vermieden werden?

All das sind ganz aktuelle Fragen in den entwickelten Ländern. Zur ihrer Lösung ist eine intensive Zusammenarbeit der Wassergütewirtschaft mit anderen Fachbereichen wie der Hydrologie, Landwirtschaft, Industrie und Städtebau, Gesundheits- und Bildungswesen und natürlich den technischen Wissenschaften erforderlich.

Wir können immer mehr Stoffströme im Wasser und in den Gewässern messtechnisch erfassen und ihr Gefährdungspotenzial bestimmen. Die Entscheidung über ein zulässiges Risiko, das von dem menschlichen Eingriff in die Wasser- und Gewässergüte verknüpft ist, muss dann politisch entschieden werden, was einer intensiven auch öffentlich geführten Diskussion bedarf.

In den Schwellenländern sind noch große Investitionen in die Errichtung der grundlegenden Infrastruktur für die Wassergütewirtschaft zu tätigen um einen Mindeststandard an Hygiene und Gewässerschutz zu erreichen. Dazu sind weltweit entsprechende Investitionen im Gange, aber es ist schon jetzt abzusehen, dass die Zielerreichung nicht am Mangel finanzieller Ressourcen, sondern am Mangel an Bildung, Ausbildung und effizienten Organisationsstrukturen in den betroffenen Ländern scheitern wird.

Schon heute wird die Forderung erhoben, dass dieser Mindeststandard durch eine gesicherte Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser in jedem Haus und eine hygienisch einwandfreie Abwasserentsorgung für alle Menschen charakterisiert sein muss. Das ist mehr als die WHO derzeit als Ziel formuliert und den Millenniumsgoals zugrunde gelegt hat. (IWA Development Congress Mexico, 2009).

Die Lösung der großen Wasserprobleme der Entwicklungsländer werden in erster Linie davon abhängen, ob es gelingt die Bildung und Ausbildung, insbesondere auch der Frauen, erheblich zu verbessern und angepasste Organisationsstrukturen aufzubauen, Dies sind nach dem Stand des Wissens auch die wirksamsten Maßnahme zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums.

Wenn wir eine evolutionäre Entwicklung annehmen, dann wird die Weltbevölkerung in den nächsten 40 Jahren auf etwa 9 Milliarden Menschen ansteigen. Dies verursacht einen enormen zusätzlichen Bedarf an Nahrung. Der kann nur über zusätzliche Flächen für die Landwirtschaft und/oder Erhöhung der Intensität der flächenspezifischen Produktion erreicht werden. Beide stehen in Konkurrenz zu Zielen der Wassergütewirtschaft. Die Ausweitung der Land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen stehen in Konkurrenz zu Naturlandschaften (Artenvielfalt) und naturnahen Fließgewässern. Die Erhöhung der Intensität durch Düngung und Pestizideinsatz steht in Konkurrenz zum Grundwasserschutz und der Eindämmung der Eutrophierung von Oberflächengewässern. Die Erhöhung der Intensität durch Bewässerung (mit oder ohne Wasserspeicherung) steht in Konkurrenz zur Erhaltung des natürlichen Abflusses in den Fließgewässern (z. B.: Ebro, Hoang Ho) bzw. einer ausgeglichenen Wasserbilanz stehender Gewässer (z. B. Aralsee, Kaspisches Meer) und damit zumindest regional auch in Konkurrenz zur Wasserversorgung der Siedlungsgebiete (Manila, Jakarta, Madrid).

Die Siedlungswasserwirtschaft kümmert sich traditionell nicht um den Wasserbedarf der „Natur“. Die Ökologen kämpfen darum die Artenvielfalt zu schützen, wofür sowohl Fläche als auch Wasser ausreichend verfügbar sein müssen. Bild 4 stammt aus einer weltweit sehr beachteten amerikanischen Studie (VÖRÖSMARTY et al. 2000) über die zu erwartende Entwicklung des Wasserstresses für Mensch und Umwelt. Sie berücksichtigt die Bevölkerungsentwicklung und den Wasserbedarf der Naturlandschaften, die für die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichtes und der Artenvielfalt relevant sind. Die roten Flecken stellen Regionen dar, die bis 2050 unter Wasserstress geraten werden, einmal ohne (mittleres Bild) und einmal mit Berücksichtigung des Klimawandels. Dazu braucht es keinen Kommentar.

Bild 4: Zunahme des regionalen Wasserstresses

Bild 4:   Zunahme des regionalen Wasserstresses bis 2050 mit und ohne Klimawandeleinfluss (rot = Wassermangel)

Bis 2050 werden bei evolutionärer Entwicklung vermutlich 75% der Weltbevölkerung in Ballungsgebieten (>3 Mio. Einwohner) leben. Diese als wertvollen Lebensraum zu gestalten und mit einer nachhaltigen und leistbaren technischen Infrastruktur auszustatten stellt eine große politische Aufgabe dar, die nur in enger Zusammenarbeit mit den Fachleuten aus Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie den technischen Wissenschaften (Architektur, Raum- und Städteplanung, Bauingenieurwesen, Verkehrsplanung etc.) gelingen kann. Wenn man den Nahrungsbedarf der Ballungsgebiete in „virtuelles Wasser“ umrechnet, wird auch klar, welch enormer „Wasserbedarf“ in ihnen konzentriert wird. Der größte Teil dieses „Wasserbedarfs“ wird nicht durch den „Gesamtwasserbedarf“ gedeckt!

Dem enormen Zuwachs an Bevölkerung in den Ballungsgebieten steht eine stagnierende bis abnehmende Bevölkerung im ländlichen Bereich entgegen. Der Lebensstandard ist dort häufig gering, was die Errichtung einer geordneten Siedlungswasserwirtschaft erschwert und innovative, robuste Lösungskonzepte mit geringen einwohnerspezifischen Kosten erfordert.

Unter der Annahme einer evolutionären Veränderung der aktuellen Ansprüche und des Zuwachses von ca. 3 Milliarden Menschen bis 2050 (75 Mio. neue Bewohner/Jahr) ergibt sich die Notwendigkeit einer hohen Geschwindigkeit von Anpassung und Innovation nicht nur in der Wasserwirtschaft. Entwicklungen, die bis 2050 relevant wirksam sein sollen, müssen heute schon begonnen haben, das kann man aus der Entwicklung des Gewässerschutzes ableiten.

Lösungskonzepte müssen nicht nur entwickelt, sondern auch implementiert werden. Dafür sind Leistbarkeit und Akzeptanz erforderlich. Beides ist regional stark unterschiedlich. Regional angepasste Lösungen müssen daher vorrangig in den betroffenen Ländern selbst entwickelt und umgesetzt werden.

8         Visionen und Ziele bis 2050

Alle bisher beschriebenen Entwicklungstrends gehen von einer überwiegend evolutionären Entwicklung aus. Bei revolutionären Entwicklungen sind kaum rational begründbare Prognosen möglich.

Aus der Geschichte kennen wir politische Revolutionen, die relativ rasch sowohl das Bewusstsein als auch das Verhalten der Menschen verändert haben, in der Regel treten sie dann auf, wenn die Anpassung an geänderte Macht und Umweltverhältnisse zu langsam vor sich gehen und massive Hemmungen der Entfaltung durch Mangel auftreten (Freiheit, Nahrung, Rohstoffe, Macht). Für solche Entwicklungen gibt es keine Prognose. Technische Neuerungen sind ebenfalls nicht prognostizierbar, sie führen meist zu keinen Revolutionen können aber die Evolution stark beschleunigen und in gänzlich neue Richtungen führen.

Die Regionen mit Wasserstress werden weltweit deutlich zunehmen. Dies gilt auch für die Bedeutung der optimalen Nutzung der lokalen natürlichen Ressourcen. Die Anpassung der Wassergütewirtschaft bzw. der gesamten Wasserinfrastruktur an die jeweils spezifische lokale Situation wird an Bedeutung gewinnen.

Wir werden weltweit ein neues Verhältnis zum Risiko brauchen. Risiko wird heute fast nur als Bedrohung und nicht auch als Entfaltungspotenzial gesehen. Bild 5 stellt den Versuch dar, „Nachhaltigkeit“ in einen zumindest qualitativen Zusammenhang mit dem Risiko zu bringen. Das läuft auf eine Optimierung des Kosten Nutzen Verhältnisses von Maßnahmen der Wassergütewirtschaft zum Schutz der Gewässer und unserer Gesundheit hinaus.

Bild 5: Nachhaltigkeit, Risiko, Kosten

Bild 5:   Wechselwirkung zwischen Nachhaltigkeit, Risiko und Kosten von Maßnahmen zum Risikomanagement in der Wassergütewirtschaft

Auf der rechten Seite des Bildes 5 haben wir bereits viele, durch Erfahrung und Wissen abgesicherte, Grundlagen. In vielen Bereichen können wir die Kosten durch Schäden den Kosten zu ihrer Vermeidung gegenüberstellen und sogar ein Optimum bestimmen. In der sehr komplexen Wassergütewirtschaft ist dies schwierig. In vielen Ländern vor allem Zentraleuropas hat man vorerst nicht exakt festgelegt, wie „sauber“ die Flüsse sein müssen um Schadensfälle zu vermeiden, sondern hat sich, auch aus wirtschaftlichen Überlegungen, für die Anwendung eines moderaten und gut begründetes Vorsorgeprinzips (Best Available Technique) entschieden.

An Hand der bisherigen Erfahrung kann angenommen werden, dass wir uns heute überwiegend in dem mittleren Bereich des Bildes 5 befinden. Hohe Kosten durch akute von Verunreinigungen verursachte Schäden sind überwiegend nur bei Übertretung der selbst gewählten Regeln aufgetreten.

Bezüglich der langfristigen Wirkung von Mikroverunreinigungen, die trotz Vorsorgeprinzip in den Gewässern und im Trinkwasser auftreten herrscht Unsicherheit bezüglich des Risikos.

Auf der linken Seite des Bildes 5 ist dargestellt, dass ein spezifisches Risiko meist nur dann gegen Null gebracht werden kann, wenn hohe Kosten in Kauf genommen werden und/oder die Nachhaltigkeit des Gesamtsystems geopfert wird, weil Freiheit und Kreativität weitgehend eingeschränkt werden müssen.

Ab wann der Aufwand zur Vermeidung eines Einzelrisikos kontraproduktiv für das Gesamtsystem wird, wissen wir nicht, bzw. fehlen uns die Maßstäbe und Methoden. IMBERGER (2006) meint, dass das globale Risiko nur dadurch in Grenzen gehalten werden kann, indem insbesondere die reichen Länder ein erhöhtes lokales Risiko zulassen. Die Festlegung eines „akzeptablen“ Risikos muss dabei prinzipiell auf politischer Ebene entschieden werden, die Wissenschaft kann nur Grundlagen dafür liefern. Diese Probleme werden uns bis 2050 begleiten.

Bild 6 stellt den Versuch dar, einerseits das Spannungsfeld zwischen Politik, Forschung und Technik und andererseits jenes zwischen Rechtssystem, persönlicher Wertvorstellung und naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeit aufzuzeigen.

Eine ganz wesentliche Funktion der Politik ist es, den Wertewandel der Gesellschaft über Rechtsnormen für die Gesellschaft verbindlich und umsetzbar zu machen.

Technik bewegt sich im Spannungsfeld zwischen den Naturgesetzen, die wir nicht ändern und auf die wir uns auch verlassen können und den Rechtsnormen.

Bild 6: Politik, Technik, Forschung

Bild 6:   Wechselwirkung zwischen Politik, Technik und Forschung

Vielfach erfüllt die Technik die Aufgabe rechtlich formulierte Ziele erreichbar zu machen, umgekehrt sollte ein Gesetz nie ein Ziel vorgeben, das technisch nicht erreichbar ist. Forschung steht im Spannungsfeld zwischen Wertewandel (der den Forscher auch erfasst) und den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.

Naturwissenschaft, Rechtssystem und Wertewandel arbeiten mit unterschiedlichen Begründungsmethoden, die nicht kompatibel sind. Es kann daher keine auf Dauer richtige Handlungsweise geben, sondern nur einen historisch begrenzten Konsens aller Betroffenen.

Um dies zu erreichen wird es notwendig sein, die Sprach- und Kommunikationsfähigkeit über die vielen betroffenen Disziplinen und Verantwortlichkeiten hinweg zu pflegen und weiter zu entwickeln, eine ganz große Aufgabe der Fachverbände auch in den nächsten 40 Jahren!

Das Internet ermöglicht zumindest im Prinzip einen fast unbegrenzten Zugang jedes Menschen zum Stand des Wissens. Diese Innovation wird allerdings nur für jene Menschen wirksam, die die Information auch verstehen. Es wird, global gesehen, keine Patentlösungen geben. Wir besitzen eine zunehmende Fülle von vielfältigen „Werkzeugen“ um die Probleme der Wassergütewirtschaft zu lösen. Es werden daher Menschen gebraucht, die diese Werkzeuge kennen und richtig bedienen können, damit eine Anpassung von Technik, Organisation und Verhalten an die jeweilige lokale Situation optimal durchgeführt werden kann. In Nordeuropa werden ganz andere Lösungen sinnvoll sein als in Zentralafrika oder Indien. Dennoch erscheint es sinnvoll eine globale Krisenvorsorge für die ganz großen regionalen Notfälle auf internationaler Ebne zu organisieren.

Für die Wassergütewirtschaft kann man ableiten, dass Bildung und Ausbildung die zentralen politischen Aufgaben der nächsten Zeit bleiben werden. Weltweit muss der steigende Bedarf an einer breiten Bildung und einer differenzierten Ausbildung allen Menschen bewusst gemacht und durch entsprechende Angebote befriedigt werden. Das kostbarste Gut der Länder mit hohem Standard der Wassergütewirtschaft ist daher nicht das Wasser, weil wir das aus wirtschaftlichen Gründen höchstens 100 bis 200 km transportieren können, sondern das angesammelte Wissen, und vor allem die Fähigkeit zur Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure. Der Wettbewerb um eine dauernde Verbesserung der Lösungen muss und darf darunter nicht leiden.

Wir brauchen Visionen und Innovationen, für die die Verschränkung der verschiedenen Fachgebiete, wie Wassergütewirtschaft, Ressourcenmanagement, Gesundheit, Landwirtschaft, Ernährung, Verkehr, Recht Politik und Verwaltung eine fruchtbare Grundlage darstellen sowie eine laufende Weiterentwicklung der technischen Infrastruktur zusammen mit Städteplanung, Architektur etc., die auch für revolutionäre Lösungen offen ist.

Vision und Innovationen werden aber erst dann wirksam, wenn sie in die Praxis umgesetzt werden, 40 Jahre sind dazu ein kurzer Zeitraum. An erster Stelle wird eine regional angepasste aber global wirksame Bildungs- und Ausbildungsoffensive für erforderlich gehalten, die alle Menschen umfasst und einen Bewusstseinssprung hinsichtlich des Umganges mit Wasser und seiner Güte verursacht.

Auch Wissenschaft, Forschung und technische Entwicklung werden vor große Herausforderungen gestellt sein. Eine davon wird in der Bescheidenheit liegen, bei allen neuen erfolgreichen Ideen und Lösungen die spezifischen Bedingungen für den Erfolg und die Relevanz des Erfolges mitzudenken und zu kommunizieren, damit die begrenzten Mittel nicht an falscher Stelle eingesetzt werden und Politik und Markt nicht in die Irre geführt werden.

Literatur

Kroiss, H. (2009): Neue Herausforderungen an die Wassergütewirtschaft. Wiener Mitteilungen Bd. S 1 bis ÖWAV Seminar März 2009, TU-Wien

Larssen, T.A.; Lienert, J: (2007): NoMix-Technologie. GWA Gas, Wasser, Abwasser, 2007, 4, 255-262

Londong, J. (2008): Zukunftsperspektiven Neuartiger Sanitärsysteme. Gewässerschutz, Wasser, Abwasser, Band 215, Aachen 2008, Seite 8/1-8/9, ISBN 978-3-938996-21-8

Weltbevölkerung: http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbev%C3%B6lkerung

Otterpohl, R.; Wendland, C.(2007): Innovative Sanitärkonzepte – mitteleuropäische Pilotprojekte und ihre Rolle im internationalen Kontext. http://www.wrrl-info.de/docs/vortrag_sem26_wendland.pdf

Vörösmarty, C.J.; Green, P.; Salisbury, J.; Lammers, R.B. (2000): Global Water Resources: Vulnerability from Climate Change and Population Growth. Science, Vol. 289. no. 5477, pp. 284 — 288

Prigogine, I.; Stengers, I. (1993): Dialog mit der Natur. Serie Piper, München 1993,ISBN 3-492-11181-5

Imberger, J.: Vortag „Life In A Changing Climate – Consequences of Perfecting Personal, Local, Risk Management“ (internet: 29.01.2010, 11:30), http://www.cwr.uwa.edu.au~jimberger/Life%20in%20a%20Changing%20Climate(New)/2008_10_2 1_Wouk/1.01_Title.html

Verstraete,W. (2009) Vortrag Gestion des Ressources Microbiennes, http://users.ugent.be~wverstraftesearch

Anschrift des Verfassers:

Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Kroiss
Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft der TU Wien Karlsplatz 13
A-1040 Wien
E-Mail: hkroiss@iwag.tuwien.ac.at

Der Beitrag wurde vom Herrn Prof. Kroiss als Vortrag zur 43. Essener Tagung (vom 17.03. – 19.03.2010) in Essen gehalten und u. a. mit freundlicher Genehmigung des Autors auch auf dieser Homepage veröffentlicht (31. Mai 2010). Hervorhebungen durch U. Halbach.




Blaualge

Wissenschaftlich fundierte Bewertung und Klassifizierung der Blaualgen

Blaualgen

Die Blaualgen

von Siegfried Jost Casper (*1929) 

Der Beitrag stammt aus dem ostdeutschen Fachbuch

Urania Pflanzenreich
Niedere Pflanzen
Urania Verlag Leipzig-Jena-Berlin
2. Auflage1977

Die Veröffentlichung wurde vom Autor Herrn Prof. Dr. rer. nat. habil. S. Jost  genehmigt.

Siegfried Jost Casper (*1929) ist ein deutscher Biologe. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lauter „Casper“.

Siegfried Caspers Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten Limnologie und Fettkräuter (Pinguicila). Gemeinsam mit Heinz-Dieter Krausch veröffentlichte er ein grundlegendes Nachschlagewerk zur Süßwasserflora Mitteleuropas. Casper arbeitete lang über den Stechlinsee sowie die Saale und veröffentlichte 1966 die bis heute als Standardwerk geltende „Monographie der Gattung Pinguicula L“. Bis in das Jahr 2004 hat er kontinuierlich weitere Beschreibungen über neuentdeckte Arten veröffentlicht.

Er ist seit 1990 ordentliches Mitglied der Akademie Gemeinnütziger Wissenschaften in Erfurt und war Leiter des Botanischen Gartens der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Download „Die Blaualgen“

Werdau, den 28.07.2008

Uwe Halbach

Blaualgen

Bildquelle: Siegfried Jost Casper




Überwachungswert für Kläranlagen

In dem Beitrag wird bewiesen, wie einige Vorschriften im Wasserhaushaltsgesetz, in der Abwasserverordnung und im Abwasserabgabengesetz die Effizienz einiger wasserwirtschaftlicher Maßnahmen nachhaltig verhindern.  Die Fehlregulation ist auf unlogische und unwissenschaftliche Vorschriften zurückzuführen. Der Zustand bzw. die Widersprüche in der Gesetzgebung ist bzw. sind in Fachkreisen seit Jahren bekannt.Überwachungswert

Ein Gleichnis anstelle der EinleitungÜ

Neulich beim Arzt: Überwachungswert

Jemand hatte höllische Muskelschmerzen. Lag wohl etwas lange entblößt im Bett und Wind zog durch geöffnete Fenster. Der Arme!

Nach einer Untersuchung die Therapie: „Nehmen Sie täglich 50 mg Acetylsalicylsäure (Aspirin) je Liter Wasser ein. Aber nicht mehr als 150 mg/l, sonst sterben Sie!“

Bei dieser Ansage gerät jeder Nichtchemiker in Streß. Denn bei der Prophezeiung sterben zu können, wenn der Grenzwert von 150 mg Aspirin/l überschritten wird, (was es auch immer bedeutet) versucht ein Nichtchemiker panisch nachzudenken.

Die Angst hat auch einen tiefen Grund. Sie liegt in dem Umstand, dass der Arzt nicht mitteilte, wie viel Liter Wasser mit der angegebenen Konzentration man trinken darf oder muss, um nicht zu sterben.

Soll der Patient nun verdursten oder ertrinken?

Das ist die Frage!

Der selber denkende Leser wird inzwischen bemerkt haben, dass diese Einleitung nur eine Metapher ist, um Folgendes zu veranschaulichen:

Wirkungen in der Medizin oder Biologie sind nicht mit Konzentrationen, sondern mit Dosen sicher zu erreichen.

Und biologische Kläranlagen – der Name sollte es verraten – sind biologische Systeme. Und in diesem Fall ähneln manche Prozesse jenen im menschlichen Körper. Also gelten für die Bewertung von Kläranlagen Dosen (man nennt sie auch Frachten) und nicht Konzentrationen.

Mitunter ist man geneigt anzunehmen, die Verfasser und Verteidiger der Anhänge der Abwasserverordnung oder des Abwasserabgabengesetzes glauben ganz fest an die Wirkung von Globuli oder Bachblüten.

Gegen den Konzentrations-Wirkungs-Glauben wäre ja nichts einzuwenden, wenn die Länder bei der Erhebung der Abwasserabgabe ebenso fest auch an die positive Wirkung von Bachblüten glauben würden. Dann nämlich wäre es legitim und erfreulich, die Abwasserabgabe einige Zeit in die Sonne zulegen, mit 5 Litern Wasser zu übergießen, 5 Liter Alkohol hinzuzufügen und solange zu verdünnen bis schließlich 2.400 Liter Essenz entstehen. Das ist eine Rezeptur für Euro-Blüten nach Bach. Die Euro-Essenz würde dann das Land in ca. 3 EB-Container per Post erhalten und die Abwasserbeseitigungspflichtigen könnten nach der Prozedur die Euronen trocknen, bügeln und mittels Bankeinzahlung dem Bürger zurücküberweisen.

Wäre das nicht eine tolle Lösung, die endlich und ohne langes Studium bestens nachvollziehbar dem Gleichheitsgrundsatz genügt?

Eine gefühlte Schädlichkeit sollte doch einer gefühlten Abwasserabgabe gleichwertig sein?!

Naturwissenschaft dreimal unverfälscht:

  1. Kläranlagen werden nach Zulauffrachten bemessen und nicht nach Zulaufkonzentrationen.
  2. In der Toxikologie gelten bei der Bewertung der Schädlichkeit Dosen (Frachten) und nicht Konzentrationen (Beispiel: letale Dosis (oral) = 3 mg Kaliumcyanid/kg Körpermasse).
  3. Schadstofflehrsatz von Paracelsus

Auf den Schadstofflehrsatz von Paracelsus lohnt es sich, einzugehen:

Die Überlegungen zur Notwendigkeit einer Dosis (Fracht) für eine Wirkung gehen auf Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim zurück, auf einen Arzt mit legendären Heilerfolgen. Die nach ihm benannte Paracelsus-Medaille ist die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft für verdiente Ärzte. Bei dem Gewässerschutz findet sein Schadstofflehrsatz von 1589 (!) jedoch keine Beachtung.

All Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.

Zwei Überwachungswert-Widersprüche mit erheblichen negativen Konsequenzen

Widerspruch zwischen notwendiger Schädlichkeit und fehlender Begründung:

Einerseits gilt:

 „Die Abwasserabgabe richtet sich grundsätzlich nach der Schädlichkeit des Abwassers…“  (§ 3 Gesetz über Abgaben für das Einleiten von Abwasser in Gewässer).

Andererseits gilt:

In den Anhängen der Abwasserverordnung werden keine Frachten, sondern nur einzuhaltende Konzentrationen genannt. Damit wird mit der Abwasserverordnung der notwendige Beweis der Schädlichkeit überflüssig und bleibt verantwortungslosem emotionalem (gutem Tun) oder esoterischen vorsorglichen Ahnungen überlassen.

Widerspruch zwischen notwendiger Effizienz und fehlender Begründung:

  1. Auf der einen Seite verlangt der Gesetzgeber nicht nur eine Abwasserbehandlung nach dem Stand der Technik (Anhang 2 Wasserhaushaltsgesetz), sondern er fordert zugleich mit dem Anspruch der Verhältnismäßigkeit die Effizienz, also die Wasserwirtschaftlichkeit einer Maßnahme!
  2. Andererseits wird aber die Wirkung des Standes der Technik nach unsachlichen und unwissenschaftlichen Methoden bewertet und damit die Effizienz – also die Wasserwirtschaftlichkeit – verhindert.

Es gilt also die Konsequenz:

Die unsachliche Kontrolle der Wirkung wasserwirtschaftlicher Maßnahmen mit Konzentrationen im Ablauf von Kläranlagen verhindert die Verhältnismäßigkeit beim Gewässerschutz.

Das ist nicht nur logisch oder theoretisch der Fall, sondern in der Praxis täglich zu beobachten. Ob bei der Kalkulation der Schäden wegen derartiger Effizienzverluste in Millionen oder Milliarden zu rechnen ist, bleibt Nachdenkern überlassen.

Interessant ist, dass so manche Wasserbehörde (nicht jede!!!) dogmatisch den „letzten Schrei der Technik“ einfordert, jedoch die Begründung (Kontrolle und Bewertung der Schädlichkeit des Kläranlagenablaufes) aus dem Mittelalter, weit vor 1582 zu stammen scheint.

Ein Aspekt noch:

Ohne den Schädlichkeitsbeweis mittels Dosis u. a. m. ist jede Abwasserabgabe eine unzulässige Steuer.

In dem Rahmen sei am Rande darauf hingewiesen, dass die üblichen abstrakten Begründungen, z. B. „Erreichen eines guten ökologischen Gewässerzustandes“ deshalb falsch sind, weil es keine  guten ökologischen Zustände gibt. Aber das zu erörtern wäre ein anderes Thema. Siehe z. B.: hier!

Ob die schon jahrzehntelange Umsetzung dieser fragwürdigen Vorschriften Ausdruck eines hohen fachlichen oder gar wissenschaftlichen Anspruches in der Wasserwirtschaft ist, bleibt dahingestellt.

Teichkläranlage Wallstawe

Konsequenzen der Unwissenschaftlichkeit eines konzentrationsdeterminierten Überwachungswertes

Nun mag man denken: „Was soll’s?“

Gewässerschutz ist aber sehr teuer und kostet Milliarden. Und sollten bei solchen Summen nicht wenigstens die Wirkungen mit wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen werden?

Es drängt sich ein Gleichnis aus zwei anderen Bereichen auf:  Die Kriminalistik bedient sich bei der Beweisführung – wenn möglich – mit fast 100 %-ig sicheren DNA-Analysen oder bei der Geschwindigkeitskontrolle von Fahrzeugen werden genauste Geschwindigkeitsmeßverfahren eingesetzt. Und beim Gewässerschutz? Hier mangelt es manchmal es an Sachlichkeit und Logik.

Für die Einleitung von Abwasserinhaltsstoffen wird eine Abwasserabgabe erhoben, an die sich der Bürger eher nicht erinnert, weil sie in der Abwassergebühr verborgen ist.

Werden Überwachungswerte (Konzentrationen) im Ablauf von Kläranlagen überschritten, so ist das erst einmal ein Straftatbestand einer unerlaubten Gewässerverschmutzung, der außerdem je nach Anlagengröße eine Abwasserabgabe in Millionenhöhe nach sich ziehen kann. Und dies ohne das ein realer Gewässerschaden nachzuweisen ist. Es genügen Gefühle (Ängste) und Glauben.  D. h. Abwasserzweckverbände, Behörden, Anwälte, Parteigutachter, Gerichtsgutachter und Gerichte befassen sich mitunter jahrelang mit einem Vorgang, der nur in der Einbildung existiert. Man beschäftigt sich damit zwangsläufig mit Fiktionen, denen im Gegensatz zu einer klassischen Science Fiction in vielen Fällen aber auch jeder Hauch Wissenschaftlichkeit oder Sachlichkeit fehlt.

Konzentrationsgeführte Überwachungswerte und die Abwasserabgabe blieben in Bezug auf die Nährstoffreduzierung, den s.g. chemischen und biologischen Sauerstoffbedarf nicht folgenlos.

Die Folgen waren aber oft genau das Gegenteil dessen, was der Gesetzgeber vorgab tun zu wollen. Beispiele sind unspektakuläres Fischsterben durch Verhungern.

Unverhältnismäßig wird eine Sache dann, wenn als eine notwendige Voraussetzung einer Effizienz der Nutzen verlorenging. Siehe hierzu als ein Beweis der Unverhältnismäßigkeit mancherlei Maßnahmen des Gewässerschutzes insbesondere den Beitrag des Ökologen Herrn Prof. Josef H. Reichholf  Vielfalt vs. Vereinheitlichung.

Siehe auch: Der chemische Sauerstoffverbrauch – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung? von U. Halbach

Ablauffrachtreduzierung wegen Überschreitung der Überwachungswerte?!

Das Konzentrations-Wirkungsparadox in den Anhängen der Abwasserverordnung kann in Kombination mit einem geringem spezifischen Abwasseranfall dazu führen, dass  die Überwachunsgwerte überschritten werden, obwohl die Ablauffrachten erheblich reduziert wurden. Als Beispiel mag die Untersuchung der Teichkläranlage Wallstawe gelten.

In solchen Fällen zeigt sich, wie die Abwasserabgabe lenkt. Sie lenkt zufällig, chaotisch. Häufig, aber nicht immer werden Kommunen, Verbände und Unternehmen, also Abwasserbeseitigungspflichtige mit viel Aufwand genötigt genau das Gegenteil von dem umzusetzen, was Wasserwirtschaft ausmacht.

Ob sich der Gewässerschutz etwas verselbständigt und vom Gewässer entfernt hat?

Die Zukunft mag beweisen, ob der Eindruck falsch war.

Im oben genanntem Fall kam es zu einer Überschreitung der Überwachungswerte durch Reduzierung der Abwasserablauffracht einer Kläranlage. Dies wurde in einem umfänglichen Gutachten bewiesen.

D. h. die Leistung der Kläranlage wurde maximiert, die Ablauffracht minimiert und nur deshalb kam es zu Überschreitungen der Überwachungswerte.

Das Dilemma wurde durch eine geringe spezifische Abwassermenge verursacht.  Die Reaktion des biologischen Systems „Kläranlage“ war und ist logisch.

Die Ergebnisse der Expertise dürfen auszugsweise und mit freundlicher Genehmigung des Verbandsgeschäftsführers Herrn Schütte hier vorgestellt werden.

Bewertet wurde die Teichkläranlage Wallstawe des Verbandes kommunale Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Salzwedel, Schäferstegel 56, 29410 Salzwedel.

Das Gutachten „Bewertung des aktuellen und erforderlichen Sauerstoffeintrages der Teichkläranlage Wallstawe“ ist vom 20. Oktober 2017 und von mir.

Download des Gutachtens – auszugsweise: Bewertung des aktuellen und erforderlichen Sauerstoffeintrages der Teichkläranlage Wallstawe

Eine „Bestrafung“ von Abwasserbeseitigungspflichtigen trotz oder wegen einer Reduzierung der Ablauffracht einer Kläranlage in ein Gewässer ist kein Einzelfall.

Ein Lösungsvorschlag für frachtdeterminierte Überwachungswerte

(Auszug aus dem Gutachten)

Der Gesetzgeber, oder wer auch immer das Wasserrecht anzuwenden hat, steht nun vor einem Dilemma: Entweder Kläranlagen werden künftig nach wissenschaftlichen Anforderungen (ablauffrachtdeterminiert) überwacht oder Abwasserteichkläranlagen werden für Abwassermengen < 150 l/Ed verboten, weil für diese Abwassermengen die Mindestanforderungen nicht hinreichend sicher eingehalten werden können[1].

Letztere Entscheidung hat – weil neue Kläranlagen dann zu bauen sind – Vorteile für die Bauindustrie, aber wegen der willkürlichen Entwertung von Kommunalvermögen Nachteile für die Kommunen.

Abgesehen davon würde der Gesetzgeber dann gegen sein eigenes Verschlechterungsverbot verstoßen, denn die Stilllegung von Abwasserteichen ist zweifelsfrei eine konkrete Verschlechterung durch Vernichtung eines meist wertvollen und seltenen Ökosystems (siehe Gliederungspunkt 3.1).

Eine Lösung für Abwasserteichkläranlagen könnte eine Anpassung der Überwachungswerte an die spezifische Abwassermenge im Anlagenzulauf sein. Dazu bedarf es wohl einer Gesetzesänderung.

Ausgehend von den Ergebnissen wäre im Fall der TKA Wallstawe mit einem Abwasserzulauf von 26 m³/d zu rechnen. Der spezifische Abwasseranfall beträgt dann bei 500 Einwohnern 52 l/Ed.

Unter Beachtung des Gleichheitsprinzips folgt nach Diagramm 4 ein BSB5-Überwachungswert von 120 mg BSB5/l für das Gewässer frachtäquivalent zu dem verbindlichen Überwachungswert von 40 mg BSB5/l.

Grundlage des Diagrammes ist eine Lastkonsequenz im Anlagenablauf bei der Bemessungsabwassermenge von 150 l/Ed kombiniert mit den Mindestanforderungen nach Anhang 1 der Abwasserverordnung in Höhe von

  • 22,5 g CSV/Ed[2],
  • 6 g BSB5/Ed.

Die Akzeptanz und Nutzung des Diagrammes durch die Wasserbehörden ist ein kleiner Schritt im Vergleich zu den finanziellen Konsequenzen und weiteren Nachteilen die Zweckverbände oder Kommunen haben werden, um natürliche Klärverfahren dem Wasserrecht anzupassen.

Zur Lösung werden die Überwachungswerte von Abwasserteichkläranlagen in Abhängigkeit der spezifischen Schmutz- und Fremdwassermenge festgelegt.

[1] Beweis: Diagramm 1 und Diagramm 2

[2] 22,5 g CSV/Ed = 0,15 g CSB/l * 150 l/Ed bzw. 6 g BSB5 /Ed = 0,04 g BSB5 /l * 150 l/Ed

Überwachungswert

Alternative CSV- Überwachungswerte bei Akzeptanz des technischen Standes und des tatsächlichen Leistungsvermögens – frachtdeterminiert – Kläranlagengrößenklasse I

Die Anwendung des Diagrammes ist simpel: Die durchschnittliche spezifische Jahresschmutzwassermenge (l/Ed) bestimmt den jeweiligen Überwachungswert.

Im Diagramm ist deutlich zu erkennen, dass bei gleicher Fracht die Ablaufkonzentration steigen muss, wenn der Abwasserbeseitigungspflichtige z. B. Wasser spart.

Schlusswort

Ich habe nicht die Illusion, dass die dargestellten Widersprüche gelöst werden, denn Probleme werden bekanntlich nicht auf der Ebene gelöst, auf der sie aufgeworfen wurden.

Aber vielleicht können die Argumente in dem einen oder anderen Streitfall, bei dem die Konsequenzen einer fiktiven Gewässerbelastung durch Überschreitung der Überwachungswerte zu bewerten sind, relativierend wirken und die Bewertung auf ein fachlich wasserwirtschaftlich anspruchsvolleres Niveau heben, als das bislang zu oft nicht der Fall war.

Kritiken an den Wasserbehörden sind selten berechtigt, denn sie haben oft keine andere Wahl als gesetzeskonform zu entscheiden. Und dabei konnte ich beobachten, dass der eine oder andere behördliche Mitarbeiter sich schon mal recht weit aus dem Fenster lehnte, weil er die Situation konstruktiv und unter Ausschöpfung all seines Ermessens für den Bürger lösen will bzw. wollte.

Hilfreich wäre aber, dass die Gewässerverwaltung ihr Fachwissen verstärkt nicht aus Vorschriften schöpft, sondern über eine ökologisch – wasserchemische Grundausbildung – frei von jeder Ideologie –  verfügt, damit z. B. die Schädlichkeit eines Abwassers nicht mehr emotional beurteilt zu werden braucht. Einfach deshalb, damit man weiß was man tut.

In dem Maße wie Sachlichkeit zunimmt erübrigt sich Willkür und Sachlichkeit kann nicht mit Vorschriften oder Regeln erarbeitet werden. Siehe hierzu: Tatsachenfeststellungen in Gerichtsgutachten

 

 

 




Schwermetall

Schwermetall im Klärschlamm? Wir können vielleicht helfen!

Schwermetall im Klärschlamm? Wir können vielleicht helfen!

Wie man sieht, haben wir mit Schwermetall keine Schwierigkeiten und die Hantel hält nicht nur ein Ingenieur unseres Hauses mühelos waagerecht und auch noch ohne dabei zu zittern.

Auch unser Chemiker kann hier mithalten und er kann zudem die Hantel chemisch bewerten.

Haben Sie eine Schwermetallaufgabe mit Ihrem Klärschlamm?

Dann haben wir aus vielen Gründen mit der 5266 die beste Telefonnummer der Welt:

+49 3761 5266 oder für Deutschland: o3761 5266

Ein Grund für die beste Telefonnummer ist die wasserwirtschaftliche Erfahrung über 3 Generationen in der Familie!

Konsequenzen einer Grenzwertüberschreitung von Schwermetallkonzentrationen

  1. Hohe Kosten, denn bei Grenzwertüberschreitung von Schwermetallkonzentrationen wird dieser meist Sondermüll, dessen Entsorgung sehr teuer ist.
  2. Bei „Nichtstun“ und Anzeige, ggf. Anklage wegen Straftatbestand der Gewässerverschmutzung.

Nur wenn die relevanten Schwermetallemittenten (-verursacher) bekannt sind, kann die tatsächliche Ursache der Verschmutzung des Grundwassers beurteilt werden.

Eine eventuelle Verschmutzung des Grundwassers mit Schwermetallen – eine entsprechende Dosis vorausgesetzt – ist eine bedeutend folgenreichere Umweltvergiftung gegenüber zu viel Schwermetall im Klärschlamm, der, wenn dies bekannt ist, gefährdungslos – aber teuer – zu entsorgen ist.

Allerdings gibt es auch eine Selbstreinigung von Schwermetallen in der Natur;

Der Wasserkreislauf!

Man muss nur warten können und dürfen.

Wie schwer ist eigentlich Schwermetall?

Wie schwer ist denn nun Schwermetall?

Einer Definition zufolge ist alles Metall mit einer Dichte ≥ 5 g/cm³ Schwermetall.

Eisen hat die Dichte von ≈ 7,9 g/cm³, ist damit ein Schwermetall und so ist das Hantelgleichnis gar nicht so abwegig.

Da Eisen fast überall ist, gilt:

In jedem Klärschlamm dürfte eine gehörige Menge Schwermetall sein.

Wichtige Eigenschaften von Metall

Wegen der Vollständigkeit seien für den, der es noch nicht weiß, die wichtigsten Eigenschaften von Metall aufgezählt:

  1. elektrisch gut leitfähig
  2. undurchsichtig
  3. gut verformbar
  4. relativ hoher Schmelzpunkt
  5. glänzend

Und nun kommt das Besondere dieses Beitrages. Es geht um Schwermetalle,

  1. die nicht nur schwer,
  2. sondern die auch giftig sind,
  3. die vom Belebtschlamm aufgenommen werden und die dann
  4. im Klärschlamm landen.

Schwermetalle sind meist giftig!

Aber manche sind sogar lebensnotwendig!

Doch das ist hier kein Thema.

Warum sind nun Schwermetalle im Klärschlamm zu minimieren?

Um in Ausnahmefällen zu verhindern, dass bei hohen Stoffkonzentrationen giftige Schwermetalle über den Stoffkreislauf den Menschen und andere Organismen vergiften können.

In der Regel, weil es Vorschrift ist.

Eine Mittel zur Schwermetallminimierung: Erfahrung

Schwermetalle im Klärschlamm gelangen über die Kanalisation – meist über Indirekteinleiter auf die Kläranlage.

Langjährige Erfahrungen und kompetente, erfolgreiche Mitarbeiter, z. B. unseren Chemiker Herrn Uwe Eichhorn sind ein wichtiges Mittel zur Schwermetallminimierung.




Schlammabfuhr aus Kleinkläranlagen – Hinweise für Klärgrubenbesitzer

Zur Schlammabfuhr aus Kleinkläranlagen

Welche Aufgaben hat eine Abwasserfaulgrube (Kleinkläranlage nach DIN 4261-1)?

(In dem Fall, dass der Kleinkläranlage nach DIN 4261-1 eine biologische Stufe nachgeschaltet ist, wird in der Regel der in der nachgeschalteten Stufe anfallende Schlamm ebenfalls in der 1. Kammer der Abwasserfaulgrube sedimentiert und gelagert. Diese Schlammengen (Überschußschlamm)  können den Abfuhrzyklus erheblich reduzieren. Darauf wird in eine Ergänzung dieses Beitrages in Kürze eingegangen).

Häufig wird vergessen, dass Faulgruben nur drei/vier Funktionen haben:

  • Rückhalten von absetzbaren Stoffen
  • Rückhalten von Rechengut
  • Lagern des abgesetzten Schlammes bis zur Abfuhr
  • Bei Mehrkammer-Ausfaulgruben: auch Reduzierung des abzufahrenden Schlammes und damit der Entleerungskosten im besten Fall um ca. 45%.

Relevant ist: Schlamm oder Rechengut darf aus einer Kleinkläranlage nach DIN 4261-1 nicht in das Gewässer gelangen. Deshalb ist eine Schlammabfuhr bei Bedarf erforderlich.

Wie oft ist der Schlamm aus Kleinkläranlagen zu beräumen?

Nun – so oft es nötig ist.

Wann eine Schlammabfuhr es nötig?

Bevor das zulässige Schlammspeichervolumen überschritten wird.

Warum nur eine Schlammabfuhr so oft wie nötig und nicht so oft wie möglich?

  1. So oft wie möglich kostet den Klärgrubenbesitzer unnötig viel Geld.
  2. Im Szenario „So oft wie möglich“ wird sehr viel Wasser und wenig Schlamm „spazieren gefahren“ und unnötig viel Diesel verbraucht.
  3. Klärschlamm reduziert mit der Lagerzeit ganz erheblich sein Volumen: Also, je länger man wartet, desto weniger Schlamm fällt an und braucht abgefahren zu werden.
  4. Klärschlamm muss auf der Kläranlage weiterbehandelt werden. Je weniger Schlamm anfällt, desto geringer sind die zusätzlichen Kosten des AZV oder der Kommune.

In welchem Maße reduziert Klärschlamm sein Volumen mit der Lagerzeit?

Das Ausmaß ist anhand der folgenden Messergebnisse (veröffentlicht von Schütte, H. , Betriebserfahrungen mit Kleinkläranlagen, KA – Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall 2000 (47), Nr. 10, S. 1499-1505) zu erkennen:

Nach Schütte, H.Betriebserfahrungen mit Kleinkläranlagen KA – Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall 2000 (47) Nr. 10 S. 1499-1505

Man erkennt bei einer einjährigen Lagerzeit des Schlammes (d. h. jährliche Abfuhr), dass die aus der 1. Kammer (!) abzufahrende Schlammmenge 0.65 l/Ed also 237 l/Ea beträgt.
(E= Einwohner, a = Jahr, l = Liter).

Bei einer 5-jährigen Lagerzeit sinkt die spezifische Menge um 100 % auf  ca. 0,3 l. In diesem Fall beträgt die nach 5 Jahren abzufahrende Schlammmenge ca. 550 l/Ea.

In den 4 Jahren zusätzlicher Lagerzeit hat sich die Schlammmenge um 313 l (550-237) , also um 56 % durch Eindicken und durch Gärungsprozesse reduziert.

Voraussetzung für eine 5-jährige Lagerzeit ist natürlich, dass die Grube für eine derartige Lagerzeit bemessen wurde.

Entscheidend für die Bewertung ist nicht die Auslastung zum Errichtungsdatum, sondern immer die aktuelle Auslastung.

Übrigens der in Tabelle 1 des DWA-Arbeitsblattes 280 genannte  mittlere Schlammanfall von 1 m³/Ea  ist nur die halbe Wahrheit.

Wie kann man die  Speicherkapazität der Grube kalkulieren?

  • Nutzvolumen der Kammern ermitteln (siehe z. B. Planungsunterlagen (DDR-Kleinkläranlagen nach_TGL_7762 bzw. WAPRO-Standard sonst ausmessen)
  • angeschlossene Einwohner zählen
  • Ermitteln, ob man eine Mehrkammer-Absetzgrube (gesamtes Nutzvolumen > 2 m³ und 0,5 m³/E) oder eine Mehrkammer-Ausfaulgrube (gesamtes Nutzvolumen > 6 m³ und 1 m³/E) betreibt
  • Mehrkammer-Absetzgrube und Mehrkammer-Ausfaulgruben sind zu beräumen, wenn der Schlammspiegel 50 % der Nutztiefe erreicht.
  • Feststellen des Schlammspiegels: Wer es preiswert, weil selber machen will: Hier eine Anleitung wie Klärwärter früher einfach und simpel (und ich heute noch) das Problem lösten (bzw. löse): Schlammspiegelmessung. Es geht natürlich auch viele aufwändiger, wenn man z.B. einen „Schlammspiegelmesser“ bestellt.

Kalkulationsbeispiele für eine Schlammabfuhr:

Szenario: 4 Einwohner zum Planungszeitraum

  • Grubentyp: Mehrkammerabsetzgrube Typ PROWA 3/5 (3 Kammern, 5,4 m³ Nutzvolumen, 1. Kammer 2,7 m³ und in 1. Kammer max. 1,35 m³ Schlammvolumen)
  • 1.350 l/E und 5,4 m³ also großzügig nach Ermessen: Mehrkammerausfaulgrube
  • Im Vergleich der folgenden 2 Tabellen ist zu erkennen, wie erheblich der Abfuhrzyklus bei qualifizierter Bewertung des Fäkalschlammanfalls ausgedehnt werden kann. Ob es ratsam ist, einen 5 Jahresrhythmus zu überschreiten, muss man selber probieren. Es kann vorteilhaft sein, dafür zu sorgen, dass erhebliche Schlammmassen nicht in die 2. und 3. Kammer gespült werden.
  • Längere Abfuhrzyklen setzen voraus, dass der Anlagenbesitzer den Schlammspiegel anfangs wenigstens 1 x jährlich kontrolliert, bis er die Erfahrung für den notwendigen Zeitraum gewonnen hat.

Schlammabfuhr

Szenario: 2 Einwohner während des Betriebszeitraumes

Schlammabfuhr Zwei Einwohner

Selbst eine kleinere Mehrkammer-Absetzgrube kann bei Unterlastung durchaus mit einem 2-jährgen Zyklus auskommen:

Schlammabfuhr Mehrkammer-Absetzgrube

Es kommt auf eine Beobachtung und anschließende Bewertung des Schlammspiegels an. Dazu wird folgend die eigentlich simple Berechnungsmethode erläutert.

Schlammspiegel

Methode zur Berechnung der Mächtigkeit des abgelagerten Schlammes

Schlammspiegel

Eine Birke als Meßgerät, sofern man nicht z.B. ein optisches Meßgerät zur Hand hat

Schlammspiegelmessung

Schlammspiegelmessung mit einer Birke und einem Brett

Das Meßgerät besteht aus einem langen Stock, in diesem Fall aus einem entsprechend langem Birkenstamm (siehe Foto). Zweckmäßig ist eine Stablänge von Deckel bis Grubengesamttiefe (Deckel bis Grubensohle) plus ≥ 1 m. Am unteren dicken Ende ist ein Holzbrett mit der Länge und Breite eines A4-Blattes angeschraubt oder genagelt. Diese Vorrichtung wird in die 1. Kammer eingetaucht und langsam abgesenkt. Durch das Eintauchen dieser Vorrichtung in die Kammer, lässt sich der Schlammspiegel indirekt erfühlen. Wenn das Brett den Schlammspiegel erreicht, dann steigt der Kraftaufwand beim weiteren Absenken.

Allerdings: Das Gerät funktioniert nur bei Schlämmen, die schon mehr als nur ein Jahr Zeit hatten einzudicken. Bei frischen Schlammablagerungen ist die obere Schlammschicht von wasserähnlicher Konsistenz, so dass der Schlammspiegel mit dieser Vorrichtung nicht sicher zu bestimmen ist.

Wenn schon, denn schon…

Wenn die Industrie Grundstücksbesitzern die teuren Mehrkammer-Ausfaulgruben verkauft (was ja nicht falsch sein muss), dann sollte es aber auch gestattet sein, deren betriebliche Vorteile nutzen zu dürfen. Also Entleerung nach Bedarf.

Muss eine Kleinkläranlage dicht sein?

In der Regel ja.

Andererseits soll der Gewässerschutz auf wissenschaftlichen Füßen stehen. Und in Wertung der Tatsachen

  • Selbstdichtung von Kanälen und Abwasserbecken
  • Verstopfung von Pflanzenkläranlagen im Laufe der Zeit
  • Filtration des Abwassers bei der Leckpassage
  • verhältnismäßig völlig unbedeutende Frachteinträge

ist eine undichte Kleinkläranlage in der Regel eine wasserwirtschaftliche Lappalie.

Strittiges:

  • Kleinkläranlagen nach DIN 4261-1 werden nach der Verweilzeit des Abwassers bemessen. Zum Zeitpunkt der Bemessung (1930 bis heute) kalkuliert man immer noch mit einem Abwasseranfall im ländlichen Raum von 150 l/Ed, der in der Regel heute falsch ist und im ländlichen Raum eher zwischen 60…90 l/Ed liegt.
  • Damit erhöht sich die Verweilzeit des Abwassers und der Wirkunsgrad in den Gruben entsprechend. Das kann soweit gehen, dass unterlastete Mehrkammerausfaulgruben den BSB5-Überwachungswert (<= 40 mg BSB5/l) einhalten.
  • Es ist also durchaus möglich, dass eine Mehrkammer-Absetzgrube, die ursprünglich für 4 E vorgesehen war und heute nur noch von 2 Personen genutzt wird, Schlammlagerzeiten erreicht, die der einer Mehrkammer-Ausfaulgrube entsprechen.

Sehr wichtig!

Bei folgenden Abwasserbehandlungsverfahren ist eine regelmäßige Schlammspiegelmessung und – steuerung (durch rechtzeitige Abfuhr) sehr wichtig:

  • nachgeschaltete bepflanzte (Pflanzenkläranlagen) oder unbepflanzte Bodenfilter
    • Filtergräben
    • Filterbeete
  • Versickerungsschächte
  • Versickerungsgräben

Der Grund: Ein Schlammabtrieb kann die Filter- und Versickerungsanlagen verstopfen. Dann hilft nur noch ein Neubau.

Besonders schnell ist bei einem unerwünschten Schlammabtrieb mit einem Neubau zu rechnen, wenn das vorbehandelte Abwasser ein Vlies (Bestimmte Art eines Geotextils) passieren muss.

Wenn ein Geotextil erforderlich ist, dann wäre nur eines zu verwenden, das nicht zur Verstopfung neigt! Hier ein anschauliches Beispiel der FRITZ LANDOLT AG (http://www.landolt.com) :

„Landogeo™ Filter ist ein PE-Monofilgewebe und besteht aus einem zwei Fadensystem (Kette und Schuss), das in einer Ebene und im rechten Winkel miteinander zu einem zweidimensionalen Flächengebilde verkreuzt wird.“

Den Ball flach halten

Mitunter wird aus Geschäftsinteresse mit Kleinkläranlagen Panik verbreitet und so getan, als sei eine zentrale Abwasserbehandlung das Beste und einzig Gute für die Welt.

Das ist zu relativieren.

Erstens liegt der Schwerpunkt der Gewässerbelastung bekanntlich bei der industriellen Landwirtschaft und zweitens hat die zentrale Abwasserbeseitigung auch so ihre Schwächen, denn die Schmutzfrachten, die vor der Kläranlage in das Gewässer rauschen werden werden bei der Gesamtbilanz (ganzheitliche Gewässerbewertung nach der EU-WRRL) insbesondere bei der Festlegung von Überwachungswerten eher selten beachtet.

Überarbeitet: 08.10.2017




Vorsorge

Vorsorge

Der Grund zur Vorsorge oder zur Sorge – eine imaginäre Wolke?

Kommentar zu den Leitlinien für die Anwendung des Vorsorgeprinzips der Kommission der Europäischen Gemeinschaften

Nach einer Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften zur Bewertung des Grundes zur Sorge (Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips) vom 02.02.2000 sind verstärkt wissenschaftliche Methoden zur Untersuchung und Bewertung der Risiken zu nutzen.

Das ist eine Voraussetzung zum Beweis der Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips.

Durch die Nutzung wissenschaftlicher Methoden wird das Investitions- und Betriebsrisiko wasserwirtschaftlicher Maßnahmen für Abwasserbeseitigungspflichtige und von Wasserbehörden minimiert.

Schwerpunkt sind Verschärfungen von Überwachungswerten. Üblich war es in der Regel, wenn in einer Behörde ein Grund zur Sorge geäußert wurde, um zusätzliche Maßnahmen oder Kosten zu begründen. In der Regel handelt es sich um abstrakte Emotionen. Es ist aber unmöglich mit abstrakten Emotionen den Beweis zur Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips zu führen.

Damit genügt es in der Regel bei der Begründung einer Verschärfung der Überwachungswerte oder bei der Versagung einer Einleiterlaubnis, wenn eine Behörde oder Fachbehörde Grund zur Besorgnis z. B. einer möglichen Gewässerverunreinigung hat.

Der Grund ist aber ähnlich transparent zu beweisen, wie Kommune und Verbände z. B. ihre Wirtschaftlichkeit bzw. Zweckmäßigkeit nachweisen müssen.

Alle Effizienz der Abwasserbeseitigungspflichtigen verpufft, wenn wasserrechtlichen Zielen die wissenschaftliche Grundlage fehlt. Dieses Defizit ist nicht typisch, aber auch nicht gerade selten.

Der im Wasserrecht üblichen Umkehr der Beweislast ist nach der Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften eher in Ausnahmefällen zu folgen.

So wie es Vorschrift ist, bei Kostenbewertungen im Rahmen kommunaler Abwasserbeseitigungen die Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen der LAWA zu nutzen, wäre bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips schon seit 2000 nach den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips zu verfahren gewesen.

Nach den Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips ist der „Grund zur Besorgnis“ z. B. einer Gewässerverunreinigung dann nachvollziehbar und transparent, wenn folgende Prinzipien beachtet wurden:

  1. Verhältnismäßigkeit
  2. Diskriminierungsverbot
  3. Kohärenzgebot sowie das
  4. Prinzip der Abwägung der Vor- und Nachteile, die mit einem Tätigwerden oder Nichttätigwerden verbunden sind.

Bei den Leitlinien handelt es sich um logische Empfehlungen einer Risikobewertung, die eigentlich auf der Hand liegen sollten.

Neben diesen 4 Nachweisen ist ein 5., bislang kaum beachteter Beweis zu führen: Der Beweis der Refinanzierbarkeit mit einer Gebührenbedarfsprognose, denn das Argument, dass sich die Vorzugsvariante als kostengünstigste Lösung herausgestellt hat, ist nicht hinreichend dafür, dass es verhältnismäßig ist, oder dass es mit Gebühren und Beiträgen refinanzierbar ist und kommunalpolitische Akzeptanz findet.

Die Beobachtung zeigt seit Jahrzehnten, dass wasserbehördliche Maßnahmen, die über die Mindestanforderungen hinausgehen, nicht unbedingt mit konkreten Zielen zu begründen sind.

Bei der täglichen Arbeit ist auch das Prinzip der Transparenz zu beachten.

Die kommunalen Entscheidungsträger und die Bürger sind in den behördlichen Abwägungsprozess einzubeziehen. Das ist ohnehin eine verbindliche Forderung der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Die Chance in der Nutzung dieser Leitlinien liegt auch in der damit verbundenen Ge­währleistung der Verhältnismäßigkeit wasserwirtschaftlicher Forderungen, deren Umsetzung bekanntlich meist sehr kostenintensiv ist und bekanntlich in der Vergangenheit nicht immer den gewünschten Erfolg hatte.

Die Nutzung wissenschaftlicher Methoden zur leidenschaftslosen und unabhängigen Risikoanalyse und -bewertung ist nicht nur eine Voraussetzung zur Gewährleistung des verwaltungsrechtlichen Sparsamkeitsprinzips, sondern dessen Grundlage!

Vorsorge

Vorsorge zum Schutz dieses Biotops: Hier wohl – bei verhältnismäßigen Mitteln – berechtigt.

Sollte sich eine Besorgnis am Ende als unbegründet, unrealistisch, wenig folgenreich oder unwahrscheinlich herausstellen, dann waren alle meist erheblichen Kosten zu deren Abwendung vermeidbare Fehlinvestitionen.

Das Vorsorgeprinzip kann zur Veranschaulichung des Prinzips mit einem gewöhnlichen Versicherungsgeschäft verglichen werden. Es ist abzuwägen, ob z. B. die Kosten und Gefahren für Leben und Gesundheit, die z. B. im Ergebnis eines Brandes entstehen könnten, die Vorsorgeaufwendungen für z. B. eine vollautomatische Brandbekämpfungsanlage rechtfertigen. Mathematisch ist die Aufgabe in Abhängigkeit der Szenarien von Brand- und Schadenswahrscheinlichkeit zu lösen.

Die Abwägung von Gefahren für Leben und Gesundheit sowie zwischen Kostenalternativen mag zwar auf den ersten Blick problematisch erscheinen, ist aber bei genauer Betrachtung die Regel menschlicher Entscheidungen. So hat jeder Verkehrsteilnehmer z. B. diese Frage schon für sich selbst und „nicht humanistisch“ beantwortet. Er nutzt in diesem Falle nach komplexer Abwägung Verkehrsmittel unter Akzeptanz möglicher eigener und fremder Gefahren für Leben und Gesundheit.

Nach den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips ist es (meist) wohl nicht mehr so, dass ein Grund (Meinung) zur Besorgnis hinreichend ist, um Kosten für deren Abwendung zu rechtfertigen. Es hat auch den Anschein, dass Rechtsprechungen abstrakten Gefährdungsszenarien nicht mehr in jedem Fall folgen.

Die Besorgnis – zumindest, wenn es die meisten Abwasserarten betrifft – wäre schon wis­senschaftlich zu analysieren.

Und das dürfte oft – wie es auch den Leitlinien zu entnehmen ist – kein Problem sein.

 

Uwe Halbach

****

Die Leitlinien für die Anwendung des Vorsorgeprinzips der Kommission der Europäischen Gemeinschaften

 

 

 




Dichtheitsprüfung der Hausanschlüsse – fast witzig?!

Dichtheitsprüfung

Wat stinkt, dat düngt!

Diesmal nicht von mir – es kommen auch andere darauf:

„Fast Witzig ist nun die Verordnung des Landeswasserschutzgesetzes NRW § 61, das die Dichtigkeitsprüfung der Hausanschlüsse der Kanalisation vorschreibt. Für viel Geld muss der Hausbesitzer sein Kanalsystem überprüfen lassen, ob an irgendeiner Stelle eine Undichtigkeit besteht, während möglicherweise auf der gegenüberliegenden Straßenseite hunderte von Kubikmetern Gülle auf die Felder verteilt werden.“

Quelle: Wat stinkt, dat düngt! (Doch trifft das auch zu EHEC-Zeiten noch zu…?)

Kommentar – Gründe gegen prinzipielle Dichtheitsprüfungen aller Grundleitungen

  1. Unverhältnismäßigkeit, d. h. der Aufwand rechtfertigt nicht den Effekt. (Das erkennen schon Laien.)
  2. Der Effekt der Folgen einer undichten Grundleitung bzw. Hausanschlussleitung wird nicht bewiesen. Die Argumentation beruht meist auf abstrakten Behauptungen.
  3. Undichtigkeiten in der Hausanschlussleitung sind – wenn in extrem seltenen Fällen tatsächlich relevant – dann nur an den Stellen des Abwasserrohres von Bedeutung, an denen Abwasser die Rohrwandung berührt. Das ist bei fast allen Hausanschlüssen (DN 150 angenommen) bei einer maximalen Teilfüllung von 3 cm über der Kanalsohle ein benetzter Umfang von nur 14 cm, der zudem nur wenige Minuten am Tag benetzt wird. Siehe hierzu die Darstellung der Ausdehnung der Sielhaut. (Die Sielhaut ist eine schleimige Schicht aus Bakterien, die u. a. das Ausmaß der regelmäßigen Benetzung beweist.)
  4. Selbst eine Undichtigkeit in der Sohle ist in der Regel keine Katastrophe, weil ein Selbstdichtungsprozess den Austritt von Abwasser minimiert.
    Beweis: z. B. Verstopfung des Filters von Pflanzenkläranlagen oder auch wissenschaftliche Vorträge über die Selbstdichtung von Hausanschlussleitungen.
  5. Zudem wird in Fachgremien diskutiert, dass manche Dichtheitsprüfungen durch den Druck bei einer Druckprüfung die vorhandene biologische Selbstdichtung zerstören und so eine Undichtigkeit vorgaukeln, die es tatsächlich in dem durch die Druckprüfungen festgestellten Ausmaß nicht gibt.
  6. Verlässt man sich auf die optische Sichtprüfung, dann werden die meisten Undichtigkeiten gar nicht bemerkt. Und, soll man einen Riss oberhalb der Sielhaut wirklich reparieren lassen?
  7. Zu prüfen wäre, ob bei einer prinzipiellen Dichtheitsprüfung aller Grundleitungen wegen fragwürdiger und vor allem wegen abstrakter Gefährdung gegen den Stand der Technik und gegen das Übermaßverbot verstoßen wird. Das eine prinzipielle Dichtheitsprüfung aller Grundleitungen gegen den Stand der Technik verstößt, mag verwundern. Erstaunlich ist aber, dass die Verfasser der Definition des Standes der Technik die Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsprinzips als notwendige Voraussetzung für den Stand der Technik im Anhang 1 des Wasserhaushaltsgesetzes bestimmt haben. Beweis: Stand der Technik.
  8. Das Fazit? Traue ich mir nicht zu schreiben. Darauf soll der Leser selber kommen. Es bleibt zu hoffen, dass solche Luxusprobleme nicht auf die neuen Bundesländer überschwappen. Siehe auch Hintergrund von Hassemer: Flächendeckende Vorfeldkriminalisierung im Umweltstrafrecht!

Dichtheitsprüfung

Veranschaulichung des geringen Ausmaßes des benetzten Umfanges bei Hausanschlussleitungen durch die Ausdehnung der Sielhaut

Weiteres unter: Dichtheitsprüfung

Siehe auch: Abwasserentsorgung bei Privaten: „Dichtheitsprüfung – Nein Danke“

(Beitrag vom Juli 2011. Geringfügig überarbeitet im März 2017)




Gewässerschutz

Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 widerspricht konkretem Gewässerschutz

Übermäßiger Gewässerschutz kann gegen das Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 verstoßen!

In diesem Beitrag geht es um die Darstellung der Tatsache, dass der praktizierte Gewässerschutz – also in der Weise wie er offiziell verfolgt wird – keineswegs selten seine Ziele gerade dann verfehlt, wenn er wasserrechtliche Regelungen rigoros umsetzt.

Das ist komisch, ist aber so!

(„Keineswegs selten“ bedeutet, dass es natürlich auch Fälle gibt, in denen der Gewässerschutz seine Ziele erreicht.)

Die Ursache des erwähnten Paradoxon liegt in der Unmöglichkeit,

  1. die konkrete Natur mit abstrakten Rechtsvorschriften abzubilden. Und
  2. in der Unmöglichkeit, mit Rechtsvorschriften in der Natur etwas zu steuern.

Wenn etwas in der Natur mehr oder weniger genau gesteuert werden kann, dann nur in Kenntnis und Anwendung der wissenschaftlichen Ökologie.

So, und nun zu den Tatsachen. Tatsachen haben die Eigenschaft, darauf sei noch hingewiesen, dass sie für ihre Wahrheit keine Akzeptanz benötigen. Beispiel: Die Erde ist rund und dies unabhängig davon, ob der Gesetzgeber oder eine Verwaltung nun daran glaubt oder nicht! Tatsachen bedürfen für ihre Akzeptanz der Dokumentation. Und fehlt die Dokumentation oder ihre Akzeptanz, so bleiben es trotzdem Tatsachen.

Ein schönes Beispiel ist der von Reichholf dokumentierte, gutgemeinte und tatsächliche Eingriff des „Gewässerschutzes“ in die Natur der völlig nach hinten losging. In der Konsequenz kam es zu einem vorhersehbaren Massensterben von Muscheln. Hier sollte man wissen, dass Muscheln gut 100 Jahre alt werden können und als Filtrierer einen beträchtlichen Anteil an der Klarheit eines Gewässers haben können. Zahlreiche Naturfreunde lesen seit Jahren Muscheln aus Gewässern, die aus verschiedensten Gründen zeitweise trocken liegen, um sie umzusiedeln oder anschließend wieder einzusetzen. 3 Beispiele mögen ihre Bemühungen veranschaulichen:

Das ist die eine Seite der Medaille!

Die andere Seite füllt das Wasserhaushaltsgesetz mit seiner Forderung, Abwässer nach dem Stand der Technik zu behandeln. REICHHOLF kritisiert diese Forderung schon 2005:

Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt? Wir können nicht all diesen Tieren die Nahrung wegnehmen und dann darüber klagen, dass sie seltener werden.Reichholf: Die Zukunft der Arten.

Der sogenannte Stand der Technik verursachte in einem dokumentierten Fall ein Massensterben schützenswerter Tiere im Gewässer. Auf der einen Seite begeistert sich der Naturfreund über die Rettung von 20 Muscheln, opfert seine freie Zeit und auf der anderen Seite werden beim guten Tun wasserrechtskonform 4.000 Muscheln/100 m²(!)  getötet.

Aus dem Kapitel 3, ab Seite 47 des Buches von REICHHOLF

Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten.
Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch, erschienen März 2005
München C.H. Beck Verlag

folgt, dass übermäßiger Gewässerschutz zur dramatischen Verschlechterung der Bedingungen in den Ökosystemen für Mauersegler und Großmuscheln führte. Aber lesen Sie selbst:

Gewässerschutz

Abbildung 10: Der Rückgang der Mauersegler verlief parallel zur Abnahme der Großmuscheln und der Mückenlarven.

Zum Verständnis des Diagramms 10 von REICHHOLF:

1968-1973 wurden je 100 m² noch 4.000 Großmuscheln gezählt. 1994 war infolge der „Verbesserung“ der Gewässergüte keine mehr da!

Zum Diagramm, Zitat:

„Dennoch lässt sich wohl der größere Teil — wenn nicht sogar der gesamte Rückgang — als «hausgemacht» erklären. Den Schlüssel dazu liefern ganz ähnliche, ja sogar im Ausmaß noch weit kräftiger ausgebildete Rückgänge bei den Großmuscheln. Und die wandern nicht irgendwohin, sondern sie leben dauerhaft für Jahre und Jahrzehnte in jenen Gewässern, aus denen auch die «Emergenz» von Zuckmücken, kleinen Eintagsfliegen und anderen Wasserinsekten hervorkommt. Abb. 8 zeigt diesen Rückgang der Großmuscheln im selben Gebiet der Stauseen am unteren Inn, in dem auch die starke Abnahme der Mauerseglerhäufigkeit festzustellen war. Die Kleinmuscheln gingen ebenfalls sehr stark zurück.
Fügt man nun auch noch die Abnahme der Häufigkeit der Zuckmückenlarven (Abb. 9) hinzu, die im Bodenschlamm dieser Stauseen leb(t)en, ergibt sich ein einheitliches Gesamtbild (Abb. 10).
Die Gleichsinnigkeit der Verläufe bei den drei so ganz unterschiedlichen Tiergruppen geht hieraus so deutlich hervor, dass sich ein gemeinsamer Grund geradezu aufdrängt. Er lässt sich aus der Lebensweise der Zuckmückenlarven und der Großmuscheln direkt ableiten und mit der Abnahme der Mauersegler verbinden. Beide, die Larven der Zuckmücken wie die Großmuscheln, leben von jenem schon benannten organischen Detritus, den Bakterien und Pilze zersetzen. Sie filtern oder strudeln ihn aus dem Wasser und den obersten Schichten des Bodenschlammes heraus. Vor allem das Bakterieneiweiß, das darin enthalten ist, stellt eine ergiebige Nahrungsgrundlage dar. Sie bildet gleichsam die Basis einer eigenen, sehr umfangreichen Nahrungskette. Erstnutzer dieses Detritus sind Zuckmückenlarven und Schlammröhrenwürmer, die in ähnlichen Mengen und Mengenverhältnissen wie die Zuckmückenlarven in solchen Gewässern vorkommen sowie die Muscheln. Wo es viel von dieser Detritus-Nahrung gibt, entwickeln sich große Bestände dieser «Schlammfauna» (Reichholf 1993). Mit bis zu 2,6 Kilogramm Frischgewicht pro Quadratmeter erreichten Ende der 1960er und Anfang der 1970erJahre die Zuckmückenlarven sogar ziemliche Rekordwerte. Noch erheblich größere Mengen hatte es am Ismaninger Speichersee gegeben.“ (Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten)

Zu dem Verhungern der Mauersegler und Großmuscheln kam es also durch Verschlechterung des Nahrungsangebotes infolge einer übermäßigen Abwasserreinigung.

Ein scheinbares Paradox: Ist doch gerade die Verschlechterung des Gewässerzustandes vom „Gewässerschutz“ ausdrücklich verboten!

Mitunter wird geglaubt, Muscheln brauchen klares Wasser. Das trifft aber nur auf wenige Muschelarten zu. Vielmehr ist korrekt, dass Muscheln – insbesondere Teichmuscheln – trübes Wasser reinigen. Sie filtrieren das Wasser. Für die Teichmuscheln im Dorfteich kann es eng werden, wenn Kleinkläranlagen, die bislang in den Teich entwässerten und nun wegen einer Emotion (abstrakter Grund einer Besorgnis), dass der Gewässerzustand schlechter werden könnte, dort nicht mehr einleiten dürfen. An solche Feinheiten darf eine Gewässerverwaltung nicht einmal denken. Derartige Abweichungen vom Gesetzestext hat der Gesetzgeber ihr bei Strafe verboten und insofern ist an dem negativen Effekt des Guten eine Wasserbehörde meist schuldlos. Es hat den Anschein, der Gesetzgeber traut seinen Unteren Wasserbehörden nicht über den Weg. Sicher sehr zu Unrecht, denn der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Ursachen der Schieflagen sind abstrakte und weltfremde Vorstellungen von der Natur, die zu allem Unglück in Gesetze und Verordnungen zementiert wurden und die unter allen Umständen einzuhalten sowie zu beachten sind, auch wenn Populationsdichte und Biodiversität den Bach hinunter gehen. Helfen könnten zwar

  • ein größerer Entscheidungs- und Verantwortungsspielraum der Unteren Wasserbehörden,
  • mehr Naturwissenschaftlichkeit in den Verwaltungen, so dass man auch Verschlechterungen als Konsequenz des Guten rechtzeitig erahnen kann,
  • Gestattung von Ausnahmen in begründeten Fällen sowie
  • eine Reform des § 27 WHG,

dass aber auch nur ein Teil davon umgesetzt wird, halte ich für ausgeschlossen, weil es tatsächlich um etwas anderes geht. 

Eine Ursache für die Verschlechterung des Gewässerzustandes (Rückgang der Populationsdichte und Biodiversität) ist der § 27 WHG.

Gewässerschutz und Paragraph 27: Bewirtschaftungsziele für oberirdische Gewässer (WHG – Wasserhaushaltsgesetz)

„(1) Oberirdische Gewässer sind, soweit sie nicht nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein guter ökologischer und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.

(2) Oberirdische Gewässer, die nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, sind so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen Potenzials und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein gutes ökologisches Potenzial und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.“

Schon der § 27 ist für den Gewässerschutz ein logisches Dilemma. Er ist in sich in hohem Maße widersprüchlich, wie folgende Aspekte beweisen mögen:

  1. Es gibt keine abstrakte Natur und kein abstraktes Gewässer.
  2. Es ist unmöglich etwas Abstraktes zu verbessern, zu verschlechtern oder zu schützen.
  3. Wasserwirtschaftliche Prinzipien (effiziente Nutzung des Wassers, Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips,…) sind immer konkret!
  4. Ein Effizienzbeweis ist immer nur konkret zu führen. 
  5. Wer abstrakt begründet, hat entweder keine Ahnung oder er verbirgt in raffinierter Weise seine tatsächlichen Ziele und Interessen.
  6. Ein ökologischer Zustand ist immer konkret orientiert, an einen konkreten Organismus oder an eine konkrete Lebensgemeinschaft gebunden. Der  ökologische Zustand bzw. das ökologische Potential im § 27 aber ist abstrakt.
  7. Zwischen dem ökologischen und dem chemischen Zustand gibt es eine Naturgesetzlichkeit. So kann z. B. die Verbesserung der Nahrungsgrundlage und damit des ökologischen Zustandes – konkret der Teichmuschel – eine Verschlechterung des wasserchemischen Zustandes erfordern.

Mit Gewissheit steht damit fest: Der § 27 WHG kann beliebig interpretiert werden. Es handelt sich beim § 27 um einen unter wissenschaftlichen Ökologen seit langen bekannten Nonsens. Er wird von ihnen nur etwas charmanter, in einer Weise formuliert, so dass sich ein Unwissender nicht beleidigt fühlt:

„Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten. Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.“ Lampert

Neben Lampert könnten noch weitere Ökologen genannt werden, z. B. Steinberg.

Am Ende kommt es im Streitfall auf den Richter an, ob dieser eher abstrakten oder konkreten Argumenten zugeneigt ist.

Rumm, u. a. notieren zurecht im Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie, 2. Auflage, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2006:

Maßnahmen müssen zielführend und eben kosteneffizient sein…

allerdings zeigt sich der § 27 für den Gewässerschutz davon völlig unbeeindruckt.

Und schließlich zusammenfassend:

Die Verbesserung der chemischen Gewässergüte zur abstrakten Umsetzung des Verschlechterungsverbotes, ist oft auch Ursache der  Verschlechterung der Lebensbedingungen für bestimmte Lebewesen in konkreten Ökosystemen.

Dem abstrakten Verschlechterungsverbot entspringt das Gebot abstraktes Gutes zu tun und das abstrakte Gute führt in Ökosystemen in der Konsequenz häufig zu konkreten Verschlechterungen. Im Streit über die Bewertung der Realität wird am Ende nicht dem gefolgt, der wissenschaftlich gesehen die Sachlage korrekt bewertet, sondern entscheidend ist – sofern der Streit nicht vor Gericht ausgetragen wird – häufig die Meinung meist einer einzigen Deutungshoheit in einer Verwaltung zur Auslegung abstrakter Regelungen und Dogmen.

Die Akzeptanz des Ergebnisses einer sachlichen, wissenschaftlichen Bewertung, wenn sie im Widerspruch zu den wirtschaftlichen und damit politischen Vorstellungen über die Natur steht, ist eher ein Ausnahmefall.

(Beitrag vom März 2013, überarbeitet im Januar 2017)




CSB – Kein Beweismittel einer Gewässerverschmutzung

Der CSB (Chemischer Sauerstoffbedarf) wird in einem Labor ermittelt. Die Reaktionsbedingungen zur Messung des CSB sind so lebensfeindlich und kommen im Wasser oder im Gewässer nicht vor, so dass das CSB-Laborergebnis unmöglich und mit Gewissheit auf Wasser, Gewässer oder auf die Natur übertragbar ist.

In den Anhängen zum Wasserhaushaltsgesetz wird von der falschen Annahme ausgegangen, dass der CSB ein Schadstoff sei. Diese Doktrin, dass der CSB ein Schadstoff ist, wird allein schon in Wertung der Tatsache ad absurdum geführt, dass im simplen Kaffee erhebliche Mengen des angeblich schädlichen CSB nachweisbar sind und dieser wird ja in Mengen konsumiert.

CSB

Kaffeetasse mit mächtig viel chemischem Sauerstoffverbrauch – nach wasserrechtlicher Deutung extrem schadstoffbelastet! Ein Liter Kaffee enthielt einer Messung des Labors AGROLAB zufolge biologisch nicht abbaubare Stoffe, die aber im Labor unter konkreten Bedingungen geneigt waren, vom K2Cr2O7 ca. 7.070 mg O2 anzunehmen! (BSB20 schon subtrahiert)

Es gibt in einem Gewässer keine, auch nur annähernd vergleichbare Reaktionsbedingungen, wie sie zur Bestimmung des CSB im Labor erforderlich sind.

Extreme Reaktionsbedingungen

Zum Verständnis seien einige Bedingungen genannt, um im Gewässer den gleichen CSB zu erzeugen, wie er im Labor gemessen wird:

  • Genutzt wird Kaliumdichromat. Es ist eines der stärksten chemischen Oxidationsmittel. Kaliumdichromat liefert den Sauerstoff zur Erzeugung des sog. „O2-Bedarfes“.
  • Um seine Reaktionswirkung noch zu steigern, wird nicht nur Schwefelsäure, sondern Silbersulfat zugegeben. Alles giftig!
  • Zusätzlich muss die ganze Mischung bei 148 °C ± 3 °C 110 Minuten schwach sieden. Da bekanntlich Wasser schon bei 100 °C kocht, ist die Reaktion unter Druck zu halten.
  • Auch die Dosis der weiteren Reaktionsmittel ist giftig. So werden auf 20 ml Probe (z. B. Kläranlagenablauf) 10 m l quecksilbersulfathaltige Kaliumdichromat-Lösung und 30 ml silbersulfathaltige hochkonzentrierte Schwefelsäure zugegeben.

Quecksilbersulfat, Silbersulfat oder gar Schwefelsäure ist zu Recht so das Letzte, was eine Wasserbehörde im Gewässer haben will. Als fiktives Weltbild scheinen den Gesetzgeber diese Gifte im Gewässer aber nicht zu stören. Warum?

Es gibt im Wasser oder im Gewässer keinen Bedarf an CSB.

Also, um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt keinen Bedarf an chemischem Sauerstoff! Durch die extremen Reaktionsbedingungen wird Kaliumdichromat im Labor (!) reduziert, d. h. sein chemisch gebundener Sauerstoff wird verbraucht. Wenn also etwas ein Sauerstoffdefizit erleidet, dann ist es das Kaliumdichromat, das aber im Gewässer oder im Wasser nicht vorkommt und deshalb auch dort keinen Bedarf verursachen kann.

Ein im Labor nach DIN 38409, Teil 41 bestimmter Verbrauch von chemisch gebundenem Sauerstoff lässt sich aufgrund der extremen Reaktionsbedingungen mit Gewissheit im Gewässer nicht reproduzieren oder gar übertragen. Denkbar wäre das in einer Fiktion, auf einem fernen Planeten bei 148 °C in einem Fluss, in dem Schwefelsäure mit einigen Verunreinigungen an quecksilbersulfathaltigem Kaliumdichromat und Silbersulfat fließt. Kippt man nun in diese heiße Suppe einen Liter Kaffee, dann könnte der Fluss einen Bedarf an 7.070 mg O2 verspüren, um zu verhindern, dass sich sein Kaliumdichromat zersetzt. Wie man erkennt, sollte man bei der Bewertung des CSB wenigstens die wichtigsten Aspekte seiner Bestimmung kennen. Das ist leider eher selten der Fall, wie die häufig falsche Interpretation des CSB beweist. Zu Gute halten muss man bestimmten Interpreten, dass der Gesetzgeber sie zwingt von falschen Voraussetzungen auszugehen.

Ein CSV oder wenn man unbedingt will auch der CSB – außerhalb des Laboratoriums – ist eine unwissenschaftliche Fiktion. Sachlich und fachlich ist deshalb der CSV offenkundig (im juristischen Sinne) und nach sachverständiger Prüfung mit Gewissheit kein Schadstoff; gesetzlich aber unbedingt und ausnahmslos.

Darüber, warum der Gesetzgeber die falschen Interpretationen des CSV-Begriffes erzwingt, darf diskutiert werden.

Fakt ist:

Jeder Straftatbestand einer Gewässerverunreinigung ist die Konklusion eines normativen Trugschlusses, wenn seine Prämissen ausschließlich auf einer oder mehreren CSB-Analyse bzw.  CSB-Analysen beruht bzw. beruhen.

Bei diesen Ausführungen handelt es sich nicht etwa um eine Neuheit, sondern um schlichtes, wenigstens seit 83 Jahren (Brix 1934) bekanntes wasserchemisches Grundlagenwissen, zu dem für jedermann nachlesbar beispielsweise in der DIN 38409, Teil 41.

Selbst als Hilfstatsache (Indiz) in einem Rechtsstreit ist der Chemische Sauerstoffbedarf (CSB) nur bedingt und keineswegs zuverlässig tauglich, weil für seine Bewertung eine Referenz sowie die Kenntnis der Wahrscheinlichkeit zwischen der Referenzanalyse (z. B. biologischer Sauerstoffbedarf)  und der Höhe des CSB benötigt wird.

Im Gewässer oder im Abwasser gibt es also keinen Bedarf an Sauerstoff (CSB) für eine chemische Reaktion nach DIN 38 409 Teil 41 und ein Gewässer hat auch keinen Bedarf an Sauerstoff des Kaliumdichromates. Schlicht deshalb nicht, weil im Gewässer kein Kaliumdichromat vorkommt, ausgenommen bei einem Chemieunfall!

Und wenn wirklich bei einem Chemieunfall Kaliumdichromat in ein Gewässer gelangen sollte, dann sterben die Fische blitzschnell am Kaliumdichromat und nicht an Sauerstoffarmut.

Früher wurde der CSB noch korrekt als CSV – Chemischer Sauerstoffverbrauch – bezeichnet

Wie schon erwähnt war man 1934 schon einmal klüger als heute. Damals wurde der chemische Sauerstoffbedarf noch korrekt chemischer Sauerstoffverbrauch (CSV) genannt, aber irgendeine Expertengruppe hat später dann wohl versucht dem Gewässer einen Bedarf an chemischen Sauerstoff andichten zu können. Und es ist ihr exzellent gelungen! Der CSB dient zur Begründung eines fiktiven Schadstoffes und man kann eine Abgabe für eine Fiktion erheben, vergleichbar mit dem Ablasshandel im Mittelalter. Für diese Fiktion muss der Abwasserbeseitigungspflichtige eine Lenkungsabgabe zahlen. Bei der CSB-Lenkungsabgabe kann allerdings zudem die Lenkung extrem in die falsche Richtung lenken, denn es gibt Situationen, in denen ein hoher CSB Indiz für eine besonders gute Abwasserreinigung ist. Und dann?

Dem ersten Leser eine Flasche Sekt, der mir mit den Regeln der Logik beweist, dass es im Gewässer einen Bedarf an chemischem Sauerstoff nach DIN 38 409, Teil 41 gibt. Es darf sich auch eine arme Studentin bewerben.

Ein falscher Begriff als Trojaner

Der „Chemische Sauerstoffbedarf“ als falscher Begriff ist ein Trojaner,…

…der die Verbreitung von Halbwissen fördert und Schäden verursacht, wie z. B.:

  • CSB-Abwasserabgabe
  • CSB-Überwachung von Abwassereinleitungen zum Beweis eines Straftatbestandes der unerlaubten Gewässerverschmutzung
  • unnötige Investitionen zur CSB-Reduktion
  • zusätzliche Aufwendungen beim Anlagenbetrieb
  • Begründung verschärfter CSB-Überwachungswerte mit einer Fiktion
  • Entwertung von kommunalem Eigentum (z. B. zahlreiche Außerbetriebnahme von ökologisch bedeutungsvollen Abwasserteichen, weil Mindestanforderungen an den CSB-Überwachungswert nicht eingehalten wurden)
  • durch die CSB-Doktrin verursachte Fehlsteuerung und Fehlentscheidungen im Gewässerschutz

Diese Fehlsteuerung und Fehlbewertung ist nicht aufzuhalten, weil die CSB-Schadstoffdoktrin in zahlreichen Gesetzeswerken unerschütterlich zementiert wurde.

Den CSB als Untersuchungsmethode abzuschaffen ist keine Lösung, denn sie hat durchaus zahlreiche Vorteile.

Der CSB ist aber kein Beweismittel für eine Gewässerverwaltung, um eine CSB-Abwasserabgabe oder eine CSB-Gewässerverschmutzung zu begründen!

Der CSB ist auch kein Schadstoff. Dafür fehlt die sachliche Begründung.

Wie soll etwas geschützt werden, wenn schon das Ziel unsachlich definiert wurde und die CSB-Begrifflichkeit falsch ist?

Weitere Argumente und Erklärungen über den CSB sind dem Fachbeitrag von 2013 in der wwt zu entnehmen. Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?

***

(Artikel vom Juli 2012, überarbeitet am 11.01.2017)




Ein guter wasserchemischer Zustand auf Biegen und Brechen?

Ein guter wasserchemischer Zustand ist für sich allein gesehen ein recht einfältiges Ziel. Trotzdem ist er aber bei vielen wasserbehördlichen Entscheidungen immer noch das Maß aller Dinge bzw. das k.o.-Kriterium für vernünftige und verhältnismäßige Alternativen.

Im Falle einer geplanten oder aktuellen Überwachungswertverschärfung wäre aus wasserwirtschaftlicher Sicht vor einer kompromisslosen wasserchemischen Zieldefinition ein Nachweis der Verhältnismäßigkeit lt. WRRL, Artikel 4, 3b notwendig:

Nachweis, dass sinnvollerweise durch andere Mittel keine wesentlich bessere Umweltoption zu erreichen ist, als durch die Verschärfung wasserchemischer Mindestanforderungen.

Diese notwendige Anforderung folgt aus dem Prinzip der Sparsamkeit, zu dessen Einhaltung normalerweise auch (nicht nur) die Unteren Wasserbehörden verpflichtet sind oder sein sollten:

wasserchemischer Zustand

Wie will man in dieser Landschaft eine Verschärfung der Überwachungswerte nachvollziehbar begründen? Gülle bis an das Ufer des Meliorationsgrabens („Gewässer“)! Keine Beschattung, aber die Kommune soll einen wasserchemisch guten Zustand garantieren. Die Frachten der Landwirtschaft werden nicht berücksichtigt, denn es geht juristisch feinsinnig nur um „unerlaubte“ Gewässerverschmutzung. Die Gewässerverschmutzung durch Gülle ist ausdrücklich gesetzlich erlaubt! Bei der Verschärfung der Überwachungswerte CSB, BSB, N, P fällt es oft sehr schwer, Indizien für ökologische Kompetenz in den wasserrechtlichen Begründungen zu entdecken.

Verschärfung von Überwachungswerten und wasserchemischer Zustand

Ein „guter wasserchemischer Zustand“ erfordert nach manchen behördlichen Vorstellungen oft die Verschärfung von Überwachungswerten und  hat immer ganz erhebliche zusätzliche einmalige und/oder laufende Aufwendungen für Unternehmen und Kommunen zur Folge.

Notwendig ist also ein Nachweis, dass diese zusätzlichen Aufwendungen auch tatsächlich erforderlich sind und dass zudem das Erreichen vorher bestimmter konkreter Gewässerschutzziele garantiert wird.

Diese Ansprüche sind in der wasser- bzw. fachbehördlichen Praxis eher eine Ausnahme. Die Folge sind erhebliche Effektivitätsverluste bei der Abwasserbeseitigung und beim Gewässerschutz, verursacht durch ein Übermaß bei der Gewässerverwaltung.

Grundlegende einfachste Zusammenhänge zwischen dem Aufwand und dem Wirkungsgrad (z. B. Geschwindigkeit eines Autos und dessen Benzinverbrauch) einer technischen Anlage sind der Gewässerverwaltung offensichtlich unbekannt. Dabei zählen diese Zusammenhänge zur Allgemeinbildung. Unter Mathematikern und Betriebswirtschaftlern sind diese Zusammenhänge durch das Pareto-Prinzip definiert:

Es ist möglich, dass mit 20 % Kosteneinsatz 80 % aller Gewässerprobleme gelöst werden können. Für die Lösung der restlichen 20 % der Gewässerprobleme ist mit weiteren 80 % Kosten zu rechnen.

Das heißt, die verbreiteten Anstrengungen zur ständigen „Verbesserung“ des Gewässerschutzes („guter wasserchemischer Zustand“) durch Verschärfung der Überwachungswerte – auch infolge der teils kontraproduktiven Forderung der Abwasserreinigung nach dem Stand der Technik – hat eine Kostenexplosion in Form einer Potenzfunktion zur Folge (Pareto-Verteilung).

Mangelhafte oder fehlende Effektivität

Auf den Verstoß gegen wasserwirtschaftliche Prinzipien (z. B. Missachtung notwendiger Effektivität) hat beispielsweise der Wiener Prof. Herr Kroiss schon mehrfach in seinen interessanten Vorträgen hingewiesen.

Die weit verbreitete abstrakte Formulierung von Gewässerschutzzielen („guter wasserchemischer Zustand“) im Rahmen zur Begründung von Verschärfungen der Überwachungswerte ist also unwissenschaftlich, ideologisch determiniert, beliebig und aus all diesen Gründen mit wasserwirtschaftlichen Ansprüchen nicht bewertbar. Zudem steht eine derartige Praxis im Widerspruch zu Regelungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie und zu zahlreichen anderen gesetzlichen Regelungen (z. B. Gemeindeordnung).

Mit abstrakten Gewässerschutzzielen wird das Sparsamkeitsprinzip willkürlich ausgehebelt.

Willkürlich deshalb, weil die sachliche Begründung fehlt. Voraussetzung für eine sachliche Begründung ist, dass sie auf konkreten Prämissen beruht. Gewässerschutzziele werden aber oft abstrakt formuliert (gutes Tun). Damit sind sie beliebig interpretierbar und entziehen sich einer konkreten Effizienzprüfung, die aber gesetzliche Vorschrift ist. Eine wissenschaftliche Kontrolle nach ökologischen Prinzipien wird damit vereitelt und die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz. Ein raffiniertes System.

Wissenschaftliche und sachliche oder politische und willkürliche Ökologie; das ist die Frage!

Bei der Ökologie ist mittlerweile zwischen der wissenschaftlichen und der politischen Ökologie zu unterscheiden. Die politische Ökologie ist als Weltanschauung abstrakt und hat beliebig „Gutes“ zum Ziel, wohingegen die wissenschaftliche Ökologie wertfrei und naturwissenschaftlich nachvollziehbar ist.

In der wissenschaftlichen Ökologie gibt es dagegen keine abstrakten guten Zustände, sondern die Zustände sind für konkrete Organismen in einem konkreten Ökosystem definiert. Daraus folgt das scheinbare Paradoxon, dass z. B. Fische im sauberen Wasser verhungern (sehr guter wasserchemischer Zustand!) und dass in Gewässern mit einer weniger guten wasserchemischen Qualität Artenvielfalt und Fischreichtum herrscht.

Da beide Ökologieformen (politische weltanschauliche Ökologie als Mutation zwischen Ideologie sowie Kommerz und wissenschaftliche Ökologie) nebeneinander existieren, ist es für den Laien fast unmöglich einen klaren Kopf zu behalten. Allerdings gibt es für ihn ein Indiz zur Unterscheidung: Immer wenn abstrakt geschwafelt wird, handelt es sich wahrscheinlich um Ökologismus oder um Ideologie, denn die Wahrheit braucht keine umständlichen Erklärungen. Weitere Indizien sind je nach Charakter und Bildung Ausreden, Verlegenheit oder Aggressivität der Disputanten, wenn sie nach konkreten Argumenten befragt werden.

Die Beliebigkeit des Abstrakten

Diese Beliebigkeit des Abstrakten wird höchstbequem für nicht wasserwirtschaftliche Geschäfte in vielfältiger Weise ausgenutzt.

Wurden Überwachungswerte erst einmal verschärft, dann wird in der Regel nicht mehr geprüft, ob diese Verschärfung noch oder überhaupt notwendig ist oder war. Damit entstehen dem Abwasserbeseitigungspflichtigen Schäden in Millionenhöhe.

Solange aber die Abwasserbeseitigungspflichtigen die Folgen unnötiger Verschärfungen erdulden, müssen sie auch mit den unnötigen einmaligen und/oder laufenden zusätzlichen Aufwendungen leben und haben damit entsprechend zusätzliche Abwasserbeseitigungskosten im Produktpreis zu kalkulieren oder über die Bürger zu refinanzieren.

Der EU-WRRL kann diese bundesweite Fehlentwicklung nicht in die Schuhe geschoben werden, sondern nur denjenigen, die sie nicht lesen, nicht verstehen, die kommerzielle oder ideologische Interessen verfolgen oder denen wasserwirtschaftliches Verständnis überhaupt fremd ist. Erstaunlich sind die Fehlentwicklungen nicht. Denn vielleicht 99,9 % aller Ingenieure beschäftigen sich mit der Umsetzung der Mindestanforderungen oder deren Verschärfung und vielleicht ein oder zwei Ökologen dürfen nachsehen, ob die Zielvorstellungen erreicht werden oder erreicht wurden.

Wer aber als Ökologe nach dem Sinn des Abstrakten sucht, sollte – da wir nicht bei den Indianern sind (die wohl Erfahrungen ihrer  Alten noch achteten) – kurz vor seiner Pensionierung stehen.

Tja, und fast schließlich:

Wasserrahmenrichtlinie Artikel 4, 3b und wasserchemischer Zustand

„(3) Die Mitgliedstaaten können einen Oberflächenwasserkörper als künstlich oder erheblich verändert einstufen, wenn a) die zum Erreichen eines guten ökologischen Zustandes erforderlichen Änderungen der hydromorphologischen Merkmale dieses Körpers signifikante negative Auswirkungen hätten auf:

i) die Umwelt im weiteren Sinne,

ii) die Schifffahrt, einschließlich Hafenanlagen, oder die Freizeitnutzung,

iii) die Tätigkeiten, zu deren Zweck das Wasser gespeichert wird, wie Trinkwasserversorgung, Stromerzeugung oder Bewässerung,

iv) die Wasserregulierung, den Schutz vor Überflutungen, die Landentwässerung, oder

v) andere ebenso wichtige nachhaltige Entwicklungstätigkeiten des Menschen,

b) die nutzbringenden Ziele, denen die künstlichen oder veränderten Merkmale des Wasserkörpers dienen, aus Gründen der technischen Durchführbarkeit oder aufgrund unverhältnismäßiger Kosten nicht in sinnvoller Weise durch andere Mittel erreicht werden können, die eine wesentlich bessere Umweltoption darstellen.“

Das Einfache kann das Geniale sein

Das heißt, ein zu hoher Ammonium- oder Phosphorgehalt kann z. B. durch Beschattung kompensiert werden.

Das Pflanzen von Schwarzerlen kann (und ist in vielen Fällen) wertvoller und kostengünstiger sein, als Denitrifikationsstufen oder Flockungsfiltrationen zu betreiben.

Zu hoffen bleibt, dass die Beachtung der Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie irgendwann doch noch zur Handlungsgrundlage jener wird, die meinen, sie arbeiten für die Wasserwirtschaft.

Und um mit Herrn Prof. Kroiss zu schließen:

„Das kostbarste Gut der Länder mit hohem Standard der Wassergütewirtschaft ist daher nicht das Wasser, weil wir das aus wirtschaftlichen Gründen höchstens 100 bis 200 km transportieren können, sondern das angesammelte Wissen und vor allem die Fähigkeit zur Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure. Der Wettbewerb um eine dauernde Verbesserung der Lösungen muss und darf darunter nicht leiden.“

(Beitrag wasserchemischer Zustand von 2012, überarbeitet am 11.01.2017)




Eine Oma, eine Ente, viel Gülle und das Verschlechterungsverbot

Eine Million entenfütternde Omas gegen Biogasanlagen und die industrielle Landwirtschaft!

Glosse aus dem März 2012

Wer gewinnt?

Dumme Frage!

Die Oma jedenfalls nicht!

Soll dieser Erpel – auch wenn es ein Männchen ist – wirklich verhungern?

Wenn das Gutgemeinte in der Verwaltung zum Terror mutiert…

„Ein ehrsamer Bürger, tierlieb und Freund der bedrohten Natur, nimmt sich der Fütterung von Enten an, die an dem kleinen Flüsschen, das sich traut durch unser Tal windet, ihre Freizeit verbringen und gerne mal ein Bröcklein trocken Brot von der Laufkundschaft entgegennehmen.

Gemach, lieber Tierfreund! Du hast Entscheidendes nicht bedacht.

Zur Labung tierischen Federviehs bist du nicht berechtigt.

Das „Wasserhaushaltsgesetz“ verbietet nämlich grundsätzlich das „Einbringen fester Stoffe“ in das Flüsslein, um „gesundheitlichen Gefahren“ vorzubeugen.

Dies schien dich, lieber Tierfreund, nicht von deinen Liebesbezeugungen an das einfältige Federvieh abhalten zu können. Der Mann war, so der besorgte Leserbrief, „mit großen Mengen Futter“ zu Gange, in der irrigen Meinung, hier Gutes für Gottes quakende Geschöpfe zu tun. Völlig vergessen schien er zu haben, dass die Tiere dadurch „von ihrem natürlichen Lebensraum entwöhnt“ würden, indem sie, Kreuzfahrt-Touristen gleich, zu oft an Land gingen, um es sich dort gut gehen zu lassen.

Ach ja, dass der Tierfreund vielleicht ein einsamer Mensch ist, der den Umgang mit diesen Tieren braucht, um nicht in die Verzweiflungsfalle alternder Menschen zu geraten, braucht unsere Gesetzeslust und Prinzipientreue nicht zu stören. Gesetz ist Gesetz.“

Quelle: Deutschland – Land der Verbote, von Josef Hueber

Also rein menschlich gedacht:

Wir sollten zuallererst die Natur kennen, die wir verwalten möchten!

Das Drama wäre nicht passiert, wenn ein gewisses klitzekleines ökologisches Grundwissen bei der deutschen Verwaltung der Gewässer nicht die Ausnahme wäre.

Andererseits: Passiert wäre es schon, aber man hätte einfach weggeschaut und man muss nicht alles beweisbar wissen müssen.

Gleiche Latte angelegt, dann wäre es auch in mancher Verwaltung verständlich, dass selbst die lässlichen Sünden Millionen entenfütternder Omas im Verhältnis zu der Nährstoffschwemme der industriellen landwirtschaftlichen Produktion und aus den wohllöblichen Biogasanlagen völlig unbedeutend, aber menschlich und kulturell gesehen höchst wertvoll sind.

Als die Oma noch ein kleines Mädchen war, hat sie auch Enten gefüttert und keiner hat sich aufgeregt. (Insofern stimmt es schon, dass Deutschland immer schneller zu einer Verbotsrepublik mutiert.)

Dicke Enten schmecken nun mal besser.

Ich gestehe: Ich habe diesen Vogel gefüttert!

Und selbst wenn mal ein Fisch nach Luft schnappt.

Na und?

Dann bitte beweist erst einmal, dass ausschließlich die Enten fütternde Oma daran schuld war.

Zu dem:

  1. Wo bleibt die Ehrfucht vor dem Alter?
  2. Wer zählt die geschredderten Vögel in der Luft?
  3. Wer zählt die Millionen toten Fische, die wegen des Gewässerschutzes durch übermäßige Gewässerreinhaltung verhungern?

Auch sind viele Wassertiere auf partikulären BSB angewiesen, dessen Einleitung den Betreiber von Kläranlagen wiederum bei Strafe verboten  ist.

Und so könnten die Omas, wenn sie nun nicht gerade in Trinkwassertalsperren die Fische füttern, den vom Gewässer“schutz“ verursachten Artenrückgang wenigsten etwas entgegen setzen.

Der Argumentation in dem Beitrag „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ beruht auf einem Trugschluss.

Wäre nämlich die Argumentation korrekt, dann würde es allein genügen die Enten nicht zu füttern, um die Tiere (Fische) nicht zu töten. Denn mit der Folge

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

ist auch zu rechnen, wenn Enten nicht gefüttert werden.

Ganz so simpel, wie in dem Beitrag dargestellt, reagiert die Natur nicht.  Mitunter „kippen“ die Gewässer gerade dann besonders häufig um, wenn die Grünalgen durch zu sauberes Wasser keinen Nitratstickstoff erhalten. Dann bilden sich Blaualgen und die brauchen kein Entenfutter. Es genügt für sie, wenn Phosphor nur in Spuren vorkommt. Die Folge ist die Gleiche – mit oder ohne Oma:

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

Insofern ist auch die Denitrifikation in den meisten Fällen keine Methode des Gewässerschutzes.

Aber das hat sich bei den „Gewässerschützern“, bei den Politikern und in den Verwaltungen noch nicht herumgesprochen.

Und zum Schluss:

Putzig ist auch diese Seite:  „Wasservögel“. (Ich lasse sie mal anonym.)

Im Text kann man lesen:

„Botulinus-Vergiftungen (Gift des Botulinus-Bakteriums, das im anaeroben Schlamm lebt) und das starke verschobene Geschlechterverhältnis erschweren die Existenz (der Enten) zusätzlich.“

und einer Bild-Unterschrift, dargestellt Oma mit Kind, kann man entnehmen:

„Das Füttern von Enten sollte kleinen Kindern vorbehalten sein.“

Warum, so fragt man sich?

Hat man zu viele Omas oder sind Kinder wiederstandsfähiger gegen Botulinus-Vergiftungen?

Ist es nicht auch Diskriminierung der Oma gegenüber dem Kind?

Soll das Kind gleich lernen, dass die Oma nicht das darf, was ein Kind darf?

Befürchtet man, dass Oma und/oder Kind den Botulinus-Schlamm essen oder könnte das Kind eine tote Botulinus-Ente streicheln oder gar in sie hineinbeißen?

Kinder machen so etwas!

Bei den Blaualgen – sie kommen im Sommer wieder in Mode – glauben die Medien ja auch, dass Kinder und sogar Erwachsene den Blaulagenschlamm in sich hinein löffeln und sich in ihm wälzen, wie Schweine in der Suhle.

Gäbe es keine Botulinus-Vergiftungen, wenn Oma bzw. das omageleitete Kind die Enten nicht füttern würde?

Natürlich nicht.

Es motzt jeden schwach recherchierten Artikel etwas auf, wenn man an eine Stelle – egal ob sie nun  passt oder nicht – das Wörtchen „Gift“ hineinstreuselt.

Und die Verwendung eines Fremdwortes, wie z. B. „Botulinus“, lässt erst recht auf Kompetenz schließen.

Um einem Mann Angst einzujagen hätte es einer nicht so umfangreichen Erklärung in „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ bedurft. Es hätte genügt:

  • Ente nicht füttern
  • Botulinus
  • Fisch tot
  • Oma und Kind vergiftet

Also immer schön unverständlich bleiben und Angst verbreiten, damit niemand auf den Gedanken kommt sich etwa seines Lebens zu freuen.

Angst und Dummheit beim Kunden sind die halbe Miete beim Geschäft, bei dem die Medien zumeist kräftig mit verdienen.

Und es kommt nicht darauf an, ob eine Botschaft wahr ist.  Dafür interessieren sich sowieso nur wenige Menschen am Rande der Gesellschaft.

Es genügt für den Zweck die Botschaft zu verbreiten und diese oft genug zu wiederholen.

***

(Sachlicher Link zu Botulinus: „Verursacher des Botulismus ist das Bakterium Clostridium botulinum, das in Böden und Schlamm weltweit verbreitet ist.“ )





Bodenabtrag von Intensivflächen bei Starkregen

„Wenn die Landwirtschaft sprichwörtlich den Bach runtergeht“

  • „Gerade aus Maisfeldern in Talauen und an erosionsgefährdeten Hängen fließt das Wasser besonders schnell ab. Dabei wird in erheblichem Umfang Oberboden ausgeschwemmt.“
  • „Laut Erosionsatlas beträgt der Bodenabtrag auf Intensivflächen bis zu 15 Tonnen pro Hektar und Jahr –bei einzelnen Starkregenereignissen sind Abträge von mehr als 100 Tonnen nachgewiesen.

Quelle: Wenn die Landwirtschaft sprichwörtlich den Bach runtergeht

Das sind einige der nicht reparablen Schäden der „erneuerbaren“ Energiepolitik.

2015_07_Starkregen_Schneidenbach_UH

Die Göltzsch an einem Julitag 2015 nach einem Starkregen.

 

16_2013_06_01

Die Göltzsch vor dem Zusammenfluss mit der Weißen Elster in Greiz am 16. Juli 2013 nach einem Starkregen.

Übrigens:

Energien waren noch nie und werden auch künftig nicht erneuerbar sein!

Anderenfalls gäbe es Perpetuum mobile.

Erstaunlich, dass die aktuelle Energiepolitik pseudowissenschaftlich Begriffe nutzen muss,  um sich selbst zu bestätigen.

In Sachsen zumindest werden andere physikalische Grundlagen über Energien z. B. in Sachsen schon in Klasse 7 vermittelt (siehe Lehrplan.)

Ich habe mir 1965 den Abschluss der polytechnischen Oberschule in Halle an der Saale erarbeitet. Hätte damals Jemand von der Erneuerbarkeit einer Energieform gefaselt, man hätte ihn für doof erklärt.

Die Zeiten und ihre Werte ändern sich.

Nach ständiger Wiederholung des MantrasEnergie ist erneuerbar!“ durch Unwissende geschehen täglich Wunder.

Irgendwann gibt es einen Anstieg der Energielinie und dann fließt auch das Wasser plötzlich bergauf. In der Vorstellung zumindest.

 

Lehrplan Physik Klasse 7. u.a. Energie, Energieformen, Energieumwandlung, Energieerhaltung Leistung und Wirkungsgrad

Lehrplan Physik Klasse 7. u. a. Energie, Energieformen, Energieumwandlung, Energieerhaltung, Leistung und Wirkungsgrad

 

Quelle: Serlo

Siehe z. B. auch: Potentielle und kinetische Energie in der Rohrhydraulik




Zustandsbewertung der Gewässer – Ökologischer Einklang

Ooom

Zum „ökologischen Einklang“ folgendes Zitat:

„Unberücksichtigt bleiben der Zusammenhang zwischen Stabilität und Mangel, der größere Änderungen einfach verhindert, und die tatsächlichen Ungleichgewichte in der Natur, ohne die sie gar nicht funktionieren könnte. Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, daß es ausgerechnet die »balancierten« mittleren Zustände sind, die zwar als solche wünschenswert wären, sich aber nicht so recht einstellen lassen. Das erste Beispiel liefert die Belastung und Reinhaltung von Seen Eingeleitete Abwässer düngten seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten, bis die Folgen sichtbar wurden. Die anfänglich sauberen Gewässer drohten zu »kippen«, was bedeuten sollte, daß sie vom nährstoffarmen, sauberen Zustand in einen nährstoffreichen, schmutzigen hinüberwechselten oder daß dieser Wechsel bevorstand. Durch Ringkanalisationen und starke Verminderung der Abwässerzufuhr ließ sich dieses Kippen in zahlreichen Fällen verhindern. Die Seen wurden wieder sauberer, aber nun nahmen auch die Fischerträge (stark) ab. Denn nährstoffarme Seen sind unproduktiv, weil in ihnen Mangel an Nährstoffen herrscht. Das ist gut für die Gewinnung von Trinkwasser aus dem See sowie für den Bade- und Erholungsbetrieb, nicht aber für die Fischerei und für die (zu schützenden) Wasservögel, für die bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier. All diesen geht es im nährstoffreichen See weitaus besser. Fische gibt es in Hülle und Fülle; Wasservögel auch und diese ohne nennenswerte Konflikte mit der Fischerei zu verursachen. Beide Zustände kann der See nicht gleichzeitig einnehmen. Er ist entweder nährstoffarm (oligotroph) und unproduktiv oder nährstoffreich (eutroph) und produktiv. Entweder — oder? Dazwischen liegt doch der mittlere Zustand, mesotroph genannt Er verbindet gute Produktivität mit sauberem Wasser, weil im Idealfall all das wieder um- und abgebaut wird, was im Sommer produziert worden ist. Doch dieser Mittelzustand erweist sich als instabil. Er geht rasch in den einen oder in den anderen über. Nur mit außerordentlich (und unrealistisch) hohem Aufwand ließe er sich aufrechterhalten. Stabile Zustände sind Nährstoffreichtum und -armut. Ist so ein See ein Sonderfall? Durchaus nicht. Nährstoffreiche und nährstoffarme Zustände sortieren sich allüberall in der Natur.“ Reichholf [1]

Also:

Den Zustandsbewertungen lt. EU WRRL scheint es in erheblichem Umfang an ökologischen Grundlagen zu fehlen.

Gemeint sind die Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie.

Die Weise, wie die EU WRRL mitunter umgesetzt und verstanden wird, führt ins wunderbare Chaos. Man wundert sich, warum es nicht gelingt mit guten wasserchemischen Zuständen gute biologische Zustände für „bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier“ zu gewährleisten. Es scheint unmöglich der Gewässerverwaltung zu vermitteln, dass ein guter Zustand häufig die Verschlechterung eines anderen Zustandes verursachen kann.

Der Ökologe Herr Prof. Reichholf steht mit seinen o.g. Tatsachenbewertungen nicht allein. Siehe auch den Beitrag zur Mistbiene.

Quelle:
[1] Stabile Ungleichgewichte.
Die Ökologie der Zukunft.
Josef H. Reichholf
edition unseld
SV
1. Auflage 2008
(S.111-112)




Stand der Technik auf Madeira

Eine Glosse

Lumpenschieber: Stand der Technik auf Madeira?

Na klar!

Dieses tolle 2-Wege-Absperrorgan – einen Lumpenschieber nämlich – fand ich bei einer Wanderung durch eine Ortschaft der Insel Madeira.

Bestimmte Dinge sind nur aus der Entfernung korrekt zu bewerten.

Überraschen kann dabei das Umschlagen der Meinungen in dem Maße, wie man sich vom betrachtetem Gegenstand oder Zusammenhang räumlich oder zeitlich entfernt.

So ist es auch mit der Bewertung des Lumpenschiebers.

Aus deutscher Sicht der Techniker ist es Schrott, aber bei Betrachtung in der Ferne einfach genial!

Der Techniker hasst das Geniale, weil es oft zu einfach ist.

Interessant ist neben dem unvergänglichem Stand der Technik auch die kulturhistorische Bedeutung, die sich jedem Betrachter auf Anhieb erschließen sollte.

Madeirischer Lumpenschieber nach dem Stand der Technik

Madeirischer Lumpenschieber ist Stand der Technik (Verteilung des Wassers aus einer Levada auf verschiedene Felder)

Merkmale und Nutzen des madeirischen 2-Wege-Absperrorgans

Die Merkmale des madeirischen 2-Wege-Absperrorgans springen ins Auge:

Er ist einfach, kinderleicht zu bedienen, man benötigt keine Sach- und Fachkunde.

Es genügt, wenn Papa dem Kleinen sagt: „Mach hin! Un tu die Steine wech!

Mehr Sachkunde braucht der Vierjährige nicht.

Fachkunde ist unnötig.

Da muss kein Schalter umgelegt werden und kein Nullleiter ans Gehäuse. FI-Schalter braucht das Ding nicht.

Hier macht Arbeiten noch Spaß und der Junge lernt etwas von klein auf.

Mancher deutsche Techniker wird wegen der niedrigen Anforderungen lästern. Stand der Technik?

Wer lacht?

Weise ist vorschnelles Verurteilen mit Gewissheit nicht.

Es sind die leisen Töne, die die Musik machen!

Diese Technik des Lumpenschiebers ist jedenfalls mehr Stand der Technik als der Stand der Technik mancherlei vollbiologischer Kleinkläranlage, die zudem in der Praxis manchmal anders funktioniert als auf dem Prüffeld.

Stand der Technik bei der Klärschlammverwertung – eine Bemerkung am Rande!

Auch die Begründung eines Standes der Technik bei der „Klärschlammverzauberung“ ist aufschlussreich.

Wird hier mit Macht und Kompetenz ein Problem geschaffen und veredelt, das vorher nicht da war?

Wo bitte sind die Klärschlammtoten und die vom Klärschlammgenuss Dahinsiechenden?

Negativatest der Tatsachen:

Wenn einer dem Klärschlamm und der Gülle lebendig ausgesetzt wurde, dann war es doch zweifellos der Ostdeutsche.

Aber dieser Holzmichel ist „putz und munter“ und vor allem: Er lebt immer noch!

Könnte es sein, dass dem Klärschlammnovellenaktionismus der Nutzen fehlt?  Jede Aktion ohne Nutzen ist unverhältnismäßig.

Wir lesen seit Jahren darüber Begründungen, wie toll es ist Klärschlamm zu verbrennen.

Nur, die Wahrheit braucht keine Begründungen und das macht nicht nur mich nachdenklich.

Vor- oder/und  nachschüssige Geschäfte mit der Technik

Wie das bei den Technikern so ist, fast alle denken ans vor- oder nachschüssige Geschäft mit der Technik.

Ich meine aber, das ist nicht verwerflich, weil für die Dummheit der Käufer schlecht die Verkäufer verantwortlich zu machen sind.

Allein fürs „techniken“ bekommt der Techniker kein Brötchen. Erst wenn er sein Zeug verkaufen kann, dann rollt der Rubel.

Und dem Markt sowie auch vielen Technikkäufern ist es schnurzpiepe, ob die Technik unnütz und nicht zweckmäßig ist, aber nur wenn es gelingt, ein gutes Gefühl mit zu verkaufen.

Manche geben sogar Geld aus nur für’s gute Gefühl.

Da kann man doch den Verkäufer nicht tadeln!  Der Mann ist echt gut! Solche Leute wollen wir doch!

In der Politik, an den Wahltagen, wird es vorgemacht. Was soll dann daran schlecht sein? Wir zahlen nachschüssig wenigstens (!) Steuern für ein gutes Gefühl, dass wir bei unserer Wahlentscheidung hatten.

Der letzte Schrei der Technik eher selten Stand der Technik

Doch zurück zur Technik. Und so fällt den Wenigsten auf, dass der letzte Schrei der Technik eher selten Stand der Technik ist. Es ist der Schrei eines Verzweifelten, dem nichts Vernünftiges einfiel. Aber fast alle haben so ein herrliches Gefühl im Herzen und oft vorher oder nach dem guten Gefühl einige hundert Euro weniger im Portemonnaie.

Und bei behördlichen und kommerziellen Bewertungen genügt meist als Argument, wenn der Stand der Technik z. B. folgende lustige Merkmale hat:

  • Große Bautafel aus nachwachsenden Rohstoffen mit der Beschriftung: „Garantiert gut Öko!“
  • maximale Wirkungsgrade
  • Elektronik
  • blinkende grüne oder rote Lämpchen
  • Technik optimiert mit Industriecomputer
  • maximale Wartung
  • Edelstahl
  • 100 % dicht
  • automatische Selbstanzeige bei Überwachungswertüberschreitung
  • in der Bemessung am Besten ein Integral, das keiner versteht
  • Bei der Konstruktion werden aber auch alle DIN’s, Regeln der Technik und… beachtet
  • Der gesunde Menschenverstand wurde versteckt eingebaut
  • Einzementierung der Lügen und Halbwahrheiten durch häufiges Wiederholen und Nachbeten. (Meist gilt: Je länger die Begründung, desto größer die Lüge.)

Warum gibt es diesen merkwürdigen Stand in der Wasserwirtschaft?

Gesetz nicht bis zu Ende gelesen

Es wurde wieder mal nicht bis zu Ende gelesen und diesmal bei der Definition des Standes der Technik.

Na? Was fehlt?

Die Verhältnismäßigkeit natürlich!

Zugegeben, es ist eine Sünde des Gesetzgebers, dass er bei der Formulierung des Standes der Technik

  1. die Begriffsdefinition für den Normalbürger unverständlich definierte und
  2. die Verhältnissmäßigkeit nicht an die erste Stelle als notwendige Prämisse

genannt hat.

Es ist überhaupt blöd, Begriffe zu formulieren, deren wahrscheinliche Deutung Nachdenken erfordert.

Verhältnismäßigkeitsbeweis des Lumpenschiebers

Nachdem wir nun den Nutzen des Lumpenschiebers erörtert haben, ist es Zeit sich den Kosten zuzuwenden.

Was haben wir da?

Es sind zwei Wackersteine von der Güte, die dem bösen Wolf in den Bauch genäht wurden. Sie erinnern sich? „Jetzt geht und sucht Wackersteine, damit wollen wir dem gottlosen Tier den Bauch füllen, solange es noch im Schlafe liegt.

Und dann haben wir noch einige Lumpen.

Also, wenn wir für das Zusammentragen für Beides 5 € einschließlich Märchensteuer veranschlagen, dann wissen wir, das die deutsche Industrie wohl kaum einen 2-Wegeschieber für 5 € bei dem angegebenen Nutzen herzustellen vermag.

Damit ist der Lumpenschieber aus Madeira für den konkreten Einsatzfall Stand der Technik! Da beisst die Maus keinen Faden ab.

Gewissenhafte und Verständige

Tja und nun wird es Ernst. Hand auf’s Herz:

Wer (allein oder als Arbeitsgruppe) hat einen Abwasserteich (kommunales Eigentum) auf dem Gewissen, der deshalb außer Betrieb genommen wurde, weil er angeblich nicht Stand der Technik sei? Und das ohne den Verhältnismäßigkeitsbeweis erbracht zu haben. Hier hat ein Gericht über etwas ganz ähnlich Schlimmes geurteilt:

Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten.

(Auch wenn das kommunale Eigentum schon abgeschrieben sein sollte, ist es deshalb nicht wertlos! Es fängt gerade an, besonders interessant für die Bürger zu werden.)

Nun sind wir ans Ende der Einlassung gekommen. Von den anfänglichen vieleicht 10 Lesern, wird sicher nur noch einer bis hierhin gefolgt sein, wenn überhaupt.

Wer das weiß, der schreibt nur für diesen Einen, Gleichgesinnten.

Und für ihn kommt das Beste zum Schluss:

Da denke ich an zwei Sachverständige:

Nicolás Gómez Dávila:Den Hohlkopf beeindruckt nur das Allerneueste. Für den klugen Menschen hängt nichts vom Datum ab.“

Friedrich Nietzsche:  „Seinem Gewissen zu folgen ist bequemer als seinem Verstand: denn es hat bei jedem Misserfolg eine Entschuldigung und Aufheiterung in sich, – darum gibt es < > so viele Gewissenhafte gegen so wenig Verständige.“

____________________

P.S.:
Der Lumpenschieber wurde hier gefunden: Madeira

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Nitrat im Gewässer

Prolog, denn es ist Theater!

Hm? Was passt zur Einleitung? Beginnen wir mit Nicolás Gómez Dávila. Bei ihm kann zwischen verschiedenen Intensitäten der Erkenntnis gewählt werden, für deren Einstufung mir aber das Werkzeug fehlt. Beginnen wir mit einer kleinen Auswahl:

  •  „Die Kosten für den Fortschritt lassen sich in Dummköpfen berechnen.
  • „Die Menschheit sieht mit Schrecken, dass der Fortschritt dabei ist, unheilbar zu werden.“
  • Um jedes Mysterium abzuschaffen, genügt es die Welt mit den Augen eines Schweins zu betrachten.“ Das mit dem Mysterium ist gut! Verdammt, warum muss ich da an den gemenschelten Klimawandel denken. Mir ist nämlich nicht klar, mit welchen Maschinen es die Grönländer vor einigen hunderttausend Jahren schafften, ihr Land so zu erwärmen, dass es ergrünte? Aber lassen wir das. Kein gutes Thema.

Zurück zu Dávila! Ein selten kluger Mann. Wer aber Michel de Montaigne mag, für den findet sich am Schluss des Artikels ein Leckerbissen für selberdenkende Nachdenker. Ein Edelmann im wahrsten Sinne des Wortes, dieser Montaigne. Schade, dass es solche klugen Köpfe heute nicht gibt. Oder kennt man sie nur nicht? OK, zwei kenne ich von neueren Werken: Erstens vom Philosophen Peter Sloterdijk. Der wird ja aus dem putzigen Grunde gehasst, weil er die Akkumulation des Zorns (es sind auch andere Emotionen in das Modell substituierbar) durch Parteien und Verbände offenlegte. Starkes Werk von ihm: „Zorn und Zeit“. Der Zorn auf ihn ist unnötig. Jene, die sein Buch zur Revolution nutzen könnten, haben das Buch nicht gelesen und die anderen, die es gelesen haben, können als winzige Minderheit auch nicht viel ausrichten. Und genauso wird es mit der Nutzung diese Beitrages sein, weil der nicht den Konsens stützt mit dem so schön Geld verdient wird. Nicht auszudenken, wie viele Arbeitsplätze frei würden, wäre man gezwungen, ab sofort nur noch vernünftige und nützliche Dinge zu tun. Man ärgert sich anfangs über eine Wahrheit, besonders dann, wenn sie im Widerspruch zu den scheinbar edlen Gesellschaftsnormen steht, aber schwupp, morgen ärgert man sich über etwas anderes und schon sind diese Zeilen vergessen.

Ach ja, ich muss noch den zweiten Vordenker erwähnen: Ein geborener Sachse, der Herr Michael Klonovsky! Seine Aphorismen verführen zum Aha und diese stehen bei mir im Bücherregal gleich neben jenen von Nicolás Gómez Dávila. Eine Kostprobe von Klonovsky: „Auf ein Gewissen bei unseren Staatsbürgern verzichten wir gern, solange sie sich als moralisch erpressbar erweisen.“ Und was schreibt z. B. Dávila? „Dem modernen Menschen ist es gleichgültig, in seinem Leben keine Freiheit zu finden, wenn er sie in den Reden jener verherrlicht findet, die ihn unterdrücken.“ Die Herren passen doch zusammen in ihrer kritischen Denkweise! Aber wie das so ist, Leute die die Wahrheit sagen, bleiben einsam. Wahrheit? Nietzsche hat eine Antwort: „Wahrscheinlichkeit, aber keine Wahrheit: Freischeinlichkeit, aber keine Freiheit, – diese beiden Früchte sind es, derentwegen der Baum der Erkenntnis mit dem Baum des Lebens verwechselt werden kann.“ Und wenn Sie Geduld aufbringen, den Beitrag bis zum Ende zu verfolgen, werden Sie vielleicht feststellen, dass diese Unterscheidung von Nietzsche die Abweichung zwischen Wissenschaft und Praxis nicht nur bei der Nitratbewertung erklärt. Ob zu Beginn des Artikels erzeugte philosophische Abdampfrückstand auch und wenn ja in welchem Maße auf den Umwelt- und Gewässerschutz zutrifft, mag der Leser im Verlaufe des Beitrages selbst entscheiden. Dazu nun folgende Anregungen:

Ich habe als Wasserwirtschaftler zwei Wasserwirtschaften erlebt. Und wenn ich diese beiden heute auf den Punkt bringe, so bin ich der Meinung, dass die ostdeutsche Wasserwirtschaft über eine wissenschaftliche Grundlage verfügte, wobei man bemüht war, diese in der Praxis umzusetzen. Allein es fehlten die Mittel, oder wie man damals sagte, die Bilanzen. Markant, üblich und zwingend wegen der fehlenden Bilanzen war die Beachtung und Nutzung von heute in Vergessenheit geratenen Naturgesetzen z. B.

  1. Beachtung und Anwendung des Liebigschen Gesetzes vom Minimum
  2. Beachtung und Anwendung des Gesetzes von Paracelsus
  3. Nutzung der Selbstreinigungskraft der Gewässer
  4. Akzeptanz des Wasserkreislauf bei der Bewertung vermeintlicher Schäden

All diese Naturgesetze – die Grundlage eines kostenlosen Nutzens – spielen im Wasserhaushaltsgesetz oder in der Abwasserverordnung keine Rolle.  Unser diesbezügliches Handeln und Denken ist krank. Es vergleichbar mit einem willkürlichen Verbot, den Wind beim Segeln zu nutzen (z.B. weil das Sparen von Dieselkraftstoff, oder das Bauen von Segelschiffen bestimmen Industriezweigen schadet und die Buße des Menschen wegen seiner konstruierten Schuld als Schmutzfink schadet. Dieser Unfug keimt aus der Vorstellung, dass der Mensch nicht natürlich ist. Wer aber dem Argument folgt, dass der Mensch genauso ein Teil der Natur wie die Baualge ist, dann ist die Gewässerverschmutzung des Menschen eine Naturselbstverschmutzung, genauso wie eine Blaualgenblüte oder der Laubfall im Herbst in einen See.  Das wäre eine vernünftige Basis für eine wirkliche Wasserwirtschaft. Die Akzeptanz

  • der Naturselbstverschmutzung und
  • dass der Mensch Teil der Natur ist,

muss und soll natürlich nicht die Folge haben, dass z.B. Zyankali in Gewässer gekippt wird, weil dies so natürlich wäre, wie ein Vulkanausbruch.  Hier hilft Karl Georg Büchner (1813-1837, Dantons Tod) weiter:

Geht einmal euren Phrasen nach bis zu dem Punkt, wo sie verkörpert werden.

So etwas wie Technokommerz, also die absichtliche, den Kunden täuschende Verwechslung vom Mittel und Zweck war zu der Zeit, als ich noch jung war, schon finanziell unmöglich. Deshalb war damals die Technik noch logisch.

Heute haben wir auch ein höheres wissenschaftliches Niveau, nur es darf – wie noch bewiesen wird – dann nicht angewendet werden, wenn es unsere Vorstellung von der Natur, wie sie zu sein hat, stört, oder wenn wasserrechtliche Regelungen dies nicht zulassen.

Wasserrecht bricht (scheinbar) Naturgesetz.

Da sich die Natur nun nicht (immer) an wasserrechtliche Vorschriften hält, ist die Effizienz mancher wasserwirtschaftlicher Investitionen vom Zufall abhängig.

Ein Beispiel ist die Denitrifikation in Kläranlagen. Die Natur ist völlig unbeeindruckt davon, wie verbissen, edel, sorgfältig, gut meinend und gründlich oder gar vermeintlich nachhaltig wir das böse Nitrat eliminieren. Wenn die Natur ein Nitratdefizit verspürt, dann beseitigt sie dieses umgehend und ohne Rücksicht auf unsere Befindlichkeiten. Beispiel: Blaualgenblüten in der Ostsee bei Nitratmangel.

Die Natur ruft bei Mangel den blauen Algengeist (der in Wirklichkeit ein Bakterium ist), dem auch wir unser Leben verdanken.

So komisch sind die Sachen, die wir manchmal so machen. Wer kann als Wasserwirtschaftler mit Berufung bei der heutigen „Wasserwirtschaft“ noch ernst bleiben? Nach zwei oder drei Fragen über den Grund des wasserwirtschaftlichen Handelns ist man von der Natur beim Geschäft. Auch 2015 ist das Märchen „Des Kaisers neue Kleider “ des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen hochaktuell. Als ich noch geschätzte 100 Haare mehr auf dem Kopf hatte und nicht nur diese auch noch etwas jugendlicher aussahen, gab es in der TU Dresden, Sektion Wasserwesen, einen kleinen – sagen wir mal – Studentenprotest wegen eines Widerspruchs zwischen Wissenschaft und Praxis. Die Studenten hörten nämlich über die Stickstoffbewertung bei der Abwasserbehandlung in zwei Fächern gegensätzliche Standpunkte über die gleiche Sache. Ich denke, daran hat sich auch heute nichts geändert. Die betroffenen Fachbereiche verabredeten sich zu einer öffentlichen Tagung in der TU Dresden und erörterten ihre Standpunkte. Das war vor über 20 Jahren, genau am 3. Juni 1997.

03_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

 Denitrifikation im Belebtschlammverfahren dient der Begrenzung technischer Probleme

Herr Prof. Lützner wies damals auf die Notwendigkeit der Denitrifikation für einen stabilen Kläranlagenbetrieb hin und führte u. a. fol­gende Argumente an:

  • Blähschlammbekämpfung durch anoxische Selektoren und die Notwendigkeit des Mi­lieuwechsels
  • verstärkte pH-Wert-Proble­me, insbesondere bei wei­chen Wässern, wenn nur nitri­fiziert wird
  • Nutzung des Nitratsauerstoffs für den BSB5-Abbau und da­mit wesentliche Senkung des Energiebedarfs für die Ab­wasserreinigung
  • Vermeidung von Grenzwert­überschreitungen infolge ei­ner wilden Denitrifikation in der Nachklärung.

Des Weiteren wies er darauf hin, dass bei einstufigen Bele­bungsanlagen die biologische Phosphorelimination ohne zu­sätzliche Maßnahmen nicht möglich ist. Auch wirkt Nitrat störend im Faulbehälter. Schließlich sei aus praktischer Sicht festzustellen, dass die in jüngster Zeit gebauten Kläranla­gen bis 20.000 EW im Regelfall über eine simultane aerobe Schlammstabilisierung ver­fügen und durch alternierende Belüftung die geschilderten ne­gativen Betriebsauswirkungen vermindert werden. Und es wurde festgehalten:

Wenn Biologen der Meinung sind, dass für die Gewässer Nitrat keine Belastung darstellt, dann sollte auch auf die Festsetzung von Überwachungswerten ver­zichtet werden und die Denitrifi­kation nur soweit erfolgen, wie sie für den Betrieb der Kläranlage notwendig ist.

Fragwürdig wird es, wenn nur zur Einhaltung der Überwachungswerte externe Kohlenstoffquellen (vorzugsweise auch Ethanol und Methanol) zugegeben werden müssen, wie es bereits jetzt in vielen Kläranla­gen praktiziert wird.

Nitrat als Nutzstoff

In seinen Ausführungen stellte Herr Prof. Uhlmann die von Herrn Prof. Lützner angeführte Notwendigkeit einer Denitrifika­tion für die Stabilität des Reini­gungsprozesses in Kläranlagen nicht infrage. Er wies jedoch nachdrücklich auf sehr gut gesi­cherte Forschungsergebnisse hin, die belegen, dass Nitrat auch als Sauerstoffspender für das Gewässer eine wichtige Rolle spielt. Herr Prof. Uhlmann erläuterte in anschaulicher Wei­se, in welchen Fällen Nitrat als Pflanzennährstoff wirkt, aber auch, dass Nitrat besonders wertvoll für die Sauerstoffver­sorgung von Sedimenten, die Schlammablagerungen in Seen und Meeren, ist.

Der gelöste Sauerstoff wird auf­grund der natürlichen Zeh­rungsprozesse an der Wasser- und Schlammgrenzschicht häufig schnell verbraucht. Allein das Nitrat diffundiert in die tiefe­ren Schlammschichten, so dass dort eine anoxische Nitratat­mung ermöglicht wird. Analog, wie dies in der Denitrifikations­stufe der Kläranlage erfolgt. Eine Sauerstoffversorgung der oberen Schlammschichten ver­hindert z. B., dass sedimentierte Phosphorverbindungen rück­gelöst werden, ähnlich wie dies technisch mit der biologischen P-Eliminierung praktiziert wird.

Fazit:

Stickstoff in der Nitratform ist wohl kaum als eutrophierender Faktor zu werten.

 Verzicht auf Denitrifikation?

Im Resümee verständigten sich die Teilnehmer dazu, dass einer­seits eine Denitrifikation für den störungsfreien Kläranlagenbe­trieb notwendig ist, andererseits aber Nitrat für die Sauerstoffver­sorgung der Sedimente in den Gewässern eine sehr wichtige Rolle spielt, und man deshalb nur soweit denitrifizieren sollte, wie es betrieblich erforderlich ist.

Die Notwendigkeit einer ge­setzlich vorgeschriebenen und behördlich kontrollierten Denitri­fikation in Kläranlagen wurde von den Gesprächsteilnehmern nicht gesehen.

Im Verlauf der Tagung wurde damals weiter disku­tiert, dass in Anwendung der Er­gebnisse das Tropfkörperver­fahren eine Renaissance erle­ben könnte, weil mit Einführung der neuen Abwasserverord­nung seit 01.04.1997 für Kläranla­gen 10.000 EW die Denitrifika­tion nicht mehr erforderlich ist.

Als Fazit hatte ich 1997 formuliert:

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Din­ge; und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müs­sen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

Heute stelle ich fest, dass die Wertung „einige Zeit“ nicht zutrifft. „Bis in alle Ewigkeit“ wäre sicher genauso falsch. Und diese Studenten von 1997 – heute wohl Ingenieure – warten immer noch auf die wasserrechtliche Akzeptanz, dass Nitrat kein Schadstoff sei und es deshalb keinen sachlichen Grund gibt für Nitrat Überwachungswerte festzusetzen oder gar eine Abwasserabgabe zu erheben. Nur am Rande sei erwähnt: Das Gleiche gilt auch für den CSB, mit dem ohne weiteres kein Schadstoffbeweis zu führen ist. Ob Handeln ohne sachlichen Grund in wasserrechtlichen Fällen Willkür ist, mögen Juristen entscheiden.

Irgendwann kann der Eindruck entstehen, dass es uns noch viel zu gut geht, als dass ein goldenes Kalb um sein Leben fürchten muss.

Und täglich wiederbelebt die Hoffnung der Defibrillator:

Die Signale der Wissenschaft­ler der TU Dresden und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sind hochinter­essant und werden hoffentlich bald in den Wassergesetzen vergegenständlicht. Sollten sich in der Gesetzge­bung einschließlich dem EU-Wasserrecht, bei den Ingenieu­ren und Behörden diese Er­kenntnisse durchsetzen, könn­te sich in der Abwasserbehand­lung und Gewässerpolitik das Reglement vereinfachen.

Gebänderte Prachtlibelle

Schädliches Weltbild

Wenn Investitionen wider besseren Wissens mit falschen Vorstellungen und falschen Begriffen begründet werden, dann entstehen Schäden. Genannt seien nur fünf Auswüchse:

  1. Fehlinvestitionen wegen mangelhaften oder fehlenden Nutzen
  2. Schäden durch Verbot effizienterer Investitionen
  3. Fehlurteile in der Rechtsprechung
  4. Minimierung von sonst vermeidbaren nachteiligen Prozessen im Gewässer (Blaualgen, Phosphorrücklösung, Mobilisierung von Schwermetallen)
  5. Wenn Nitrat ein Nutzstoff ist, dann darf bei Nitrateinleitung in ein Gewässer (von Trinkwassertalsperren abgesehen) keine Abwasserabgabe erhoben werden.

Im ersten Fall handelt es sich um Aufwendungen zur Denitrifikation, die in dem Umfang nicht notwendig wären, gäbe es keine Nitrat-Doktrin.

Im zweiten Fall werden Verfahren mit deutlich niedrigerem Energiebedarf verhindert. Alle sollen doch Energie sparen? Wann darf damit richtig begonnen werden?

Im dritten Fall kann eine Überschreitung von Stickstoffüberwachungswerten im Ergebnis zu hoher Nitratkonzentrationen zu einer  Verurteilung der Abwasserbeseitigungspflichtigen führen, obwohl ihnen dafür in der Regel die Verdienstmedallie verliehen werden müsste.

Und der vierte Fall ist ein Paradoxon von bedeutender Tragweite:

Der Gesetzgeber verursacht mit seiner Nitrat-Doktrin tatsächliche und beachtliche Gewässerschäden bzw. wasserwirtschaftliche Effizienzeinbußen.

Was dann geschah…

Einige Jahre nach der Veröffentlichung des Tagungsberichtes „Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte bei der Abwasserbehandlung“ verfasste ich zu dem Thema ein Kapitel in einem Fachbuch, in dem u. a. die Effizienzverluste infolge der Negierung der erwähnten wissenschaftlichen Ergebnisse dargestellt wurden. Herrn Prof. Uhlmann verdanke ich die kritische Durchsicht. Siehe dazu Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung und Nitrat stört den Phosphorkreislauf.

Hin und wieder gibt es ein paar Querdenker.

Mit Amüsement ist zu lesen, dass in Deutschland das Unmögliche natürlich in einem Einzelfall gelang – eine Erlaubnis dafür zu erhalten, um den „Gewässerschadstoff“ Nitrat in einen See zu kippen. Nicht nur ein klein wenig. Sondern richtig ordentlich! Ziel war die Bekämpfung der Blaualgen in einem See durch Nitrat.

Nichts neues, nur in Deutschland strengstens verboten!

Wie man das wasserrechtlich gedeichselt hat, ist mir ein Rätsel.

Damit stellt sich nun die Frage, ob manche bisherigen Sanierungsmaßnahmen für Seen falsch waren?

Also konsequente Herausnahme des gereinigten Abwassers.

Ich hatte beispielsweise zur Sanierung eines  größeren eutrophen Sees mit ausgeprägtem Phosphorkreislauf vor gut 10 Jahren in einem Gutachten vorgeschlagen, die Kläranlagen, die dort damals einleiteten, mit einer Nitrifikationsstufe auszurüsten. Auf diese Weise sollte Nitrat in den See eingeleitet werden, um Blaualgenblüten sowie den Phosphorkreislauf zu minimieren. Das ist immer noch Stand der Wissenschaft!

Der Fakt und das Gutachten wurde von der Gewässerverwaltung ignoriert und man gab anstelle einer wirklich effizienten Lösung lieber einige Millionen mehr vom Geld der Bürger aus, ohne schließlich das Problem des Sees zu lösen.

Ein unbequemer Nichtwasserwirtschaftler brachte es in einer ähnlichen Situation auf den Punkt:

„Also, mit Millionenaufwand wird heute in den Klärwerken in speziellen Denitrifikationsanlagen der Nitratgehalt des Abwassers stark gesenkt und als Folge schmeißt man den energieintensiv erzeugten Nitrat-Kunstdünger hinter den Kläranlagen wieder in die Gewässer.“

Der diesbezügliche Beitrag Fischqualen als Kollateralschaden eines dogmatischen Gewässerschutzes ist im Internet zu finden. Auf jeden Fall amüsant geschrieben und der Autor trifft den Nagel auf den Kopf.

Nitrat-Doktrin wackelt:

Die Nitrat-Doktrin wackelt, wenn die Bauindustrie erkennt, dass sich z.B. mit dem Bau von Tropfkörpern auch schönes Geld verdienen lässt.

Als Resümee und zur Heilung geistiger Wunden lesen oder tanzen 😉 wir Michel de Montaigne:

Drittes Buch, dreizehntes Kapitel „Über die Erfahrung“!

„Überhaupt halten sich ja Gesetze nicht deshalb, weil sie gerecht sind, sondern weil es Gesetze sind. Dies ist die geheimnisvolle Begründung ihrer Gültigkeit; sie haben keine andere; rund das ist gut für sie. Gesetze werden oft, von Dummköpfen geschaffen; öfter noch von Menschen, denen gleichmäßiges Abwägen zuwider ist und die deshalb in dem, was recht und billig ist, versagen; aber jedenfalls immer von Menschen, deren Schöpfungen, wie die aller Menschen, eitel und unklar sind. Nichts anderes ist so schwer und so weitgreifend mit Fehlern belastet wie Gesetze; nirgends treten sie so regelmäßig auf. Wer sie befolgt, weil sie gerecht sind, befolgt sie nicht recht; nicht deshalb ist er ihnen Gehorsam schuldig. …
Man soll der Natur folgen; je einfacher ich mich ihr anvertraue, um so weiser handle ich. Unwissenheit und Sorglosigkeit, ach, was bilden sie doch für ein weiches, angenehmes und zugleich gesundes Kissen zum Ausruhen für einen Menschen mit guten Anlagen.“




Phosphor im Kläranlagenablauf

Phosphor: Ziele versus Umsetzung

Kurzfassung eines Tagungsberichtes von Herrn Bringewski:

Prof. Dr.-Ing. Matthias Barjenbruch (Berlin) referierte über Phosphorelimination auf Kläranlagen und Erreichung der Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie:

  • Die Phosphorelimination auf kommunalen Kläranlagen in Deutschland liegt auf hohem Niveau.
  • Die Eliminationsrate beträgt derzeit im Bundesdurchschnitt etwa 91 Prozent.
  • Weitergehende Maßnahmen und verschärfte Grenzwerte können nur in kleinem Umfang die gesamten Phosphoremissionen reduzieren.
  • Der gute Zustand der Gewässer wird überwiegend aus morphologischen Gründen verfehlt. Deshalb kann eine weitergehende Phosphorelimination nur örtlich begrenzt zur Zielerreichung der Wasserrahmenrichtlinie beitragen.

Download des Vortrag von Herrn Dr. Claus-Gerhard Bergs aus dem Bundesumweltministerium „Phosphor – wo geht die Reise hin? Ziele und Vorstellungen der Politik“

Einige Schwerpunkte aus dem Vortrag von Herrn Bringewski:

  • Notwendigkeit des Phosphorrecyclings
  •  Abwasser/Klärschlamm – Recyclingphosphat kann theoretisch bis zu etwa 60 Prozent der Importe an Rohphosphat (Mineraldüngephosphat) substituieren.
  • Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung verlange ein Konzept für ein technisches Phosphorrecycling in Deutschland.
  • Für die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung sei eine Übergangsregelung von zehn Jahren im Gespräch und eventuell eine „Bagatellregelung“ für kleine Kläranlagen.
  • Regelungen zur bodenbezogenen Klärschlammverwertung und zur technischen Phosphorrückgewinnung werden laut der Präsentation von Bergs in eine Novelle der Klärschlammverordnung aufgenommen, eine separate Phosphorrückgewinnungsverordnung sei nicht mehr vorgesehen.

Quelle:
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall 2015 (62) Nr. 8, S. 678

 




Die Rettung eines Sees

Nitrat macht’s woanders möglich!

Die Lösung ist bekannt, aber in Deutschland verboten, weil man hier glaubt, Nitrat sei ein Schadstoff.

„Bei einigen Seen, wie z. B. beim Trummensee in Schweden, stellte sich die erwartete Oligotrophierung auch nach mehreren Jahren, nachdem das Einzugsgebiet saniert worden war, nicht ein. Die Ursache hierfür lag in der internen Düngung des Sees, die von dem abgelagerten Faulschlamm ausging.
Es wurden Laborversuche durchgeführt, um durch Sedimentbehandlung die interne Düngung zu unterdrücken. Hierbei erwies sich die Zugabe von Nitrat als erfolgversprechend [88,89]. Es zeigte sich:
—    Die organische Substanz im Sediment wird oxidiert, während das Nitrat reduziert wird. 3 CH2O + 2 NO3 N2↑ + 3 CO2↑ + 3 H2O
—    In Sedimenten mit einem hohen Gehalt an abbaubarer organischer Substanz fördert die Zugabe von Nitrat die Bildung von Denitrifikantenpopulationen.
—    Die Produkte der Denitrifikation sind mehr oder minder biologisch inert.
—    Der Denitrifikationsprozeß läuft bei einem relativ hohen Redoxpotential ab, so daß sogar Eisensulfid oxidiert wird.  Damit steht das Eisen wieder zur Festlegung von Phosphor zur Verfügung.

Quelle:
Scharf, B., u.a.
Seenrestaurierung
(Seite 321)
in
Besch, u.a.
Limnoökologie für die Praxis
Gerundlagen des Gewässerschutzes
3. Auflage
ecomed
1992

Das Einleiten von Nitrat in Gewässer zur Minimierung oder Vermeidung einer Blaualgenblüte ist eine von mehreren Maßnahmen.

Allgemein gilt:

Wo Nitrat ist, haben Blaualgen keine Chance!

Ebenso können auch Angler zur Gewässerverschmutzung beitragen, wenn Fried- und Jungfische nicht hinreichend minimiert werden.

Diese nämlich fressen Algenfresser.

So einfach ist das. Alles brachliegendes, unnützes Hochschulwissen.

Mit anderen Worten: Wer Seen von Nitrat und Raubfischen befreit, darf sich dann darüber wundern, dass er mit Blaulagen und trübem Wasser belohnt wird!

Siehe auch:

 

 




Keine Angst vor Abstraktionen!

„Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einer aktuellen Entscheidung zu der Frage Stellung genommen, ob neue DIN-Normen sofort zu einer Nachrüstpflicht bei Unternehmen führen. Im konkreten Fall ging es um eine Klägerin, die sich an einer halbautomatischen Glastür verletzt hatte.“

„Nicht jeder abstrakten Gefahr könne vorgebeugt werden.“

Quelle: HDI-Gerling Industrie Versicherung AG

 

 




Effizienz wasserwirtschaftlicher Maßnahmen in Ökosystemen

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen müssen effizient sein.

Das ist naheliegend und auch der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu entnehmen. Im Anhang III (Wirtschaftliche Analyse) der Richtlinie wurde formuliert: „Die wirtschaftliche Analyse muss (unter Berücksichtigung der Kosten für die Erhebung der betreffenden Daten) genügend Informationen in ausreichender Detailliertheit enthalten, damit

a)
die einschlägigen Berechnungen durchgeführt werden können, die erforderlich sind, um dem Grundsatz der Deckung der Kosten der Wasserdienstleistungen gemäß Artikel 9 unter Berücksichtigung der langfristigen Voraussagen für das Angebot und die Nachfrage von Wasser in der Flussgebietseinheit Rechnung zu tragen; erforderlichenfalls wird auch Folgendem Rechnung getragen:

– den Schätzungen der Menge, der Preise und der Kosten im Zusammenhang mit den Wasserdienstleistungen,
– den Schätzungen der einschlägigen Investitionen einschließlich der entsprechenden Vorausplanungen;
b)
die in Bezug auf die Wassernutzung kosteneffizientesten Kombinationen der in das Maßnahmenprogramm nach Artikel 11 aufzunehmenden Maßnahmen auf der Grundlage von Schätzungen ihrer potentiellen Kosten beurteilt werden können.“

Erfahrungen und Referenzen

Für diese nachvollziehbaren Effizienznachweise besitzen wir langjährige Erfahrungen und nutzen auch interdisziplinäre Zu- bzw. Mitarbeit.

Die Methode

Methodisch wird dabei u. a. der zusätzliche Nutzen, seine Wahrscheinlichkeit definiert und dies in das Verhältnis zu den voraussichtlichen zusätzlichen Kosten gesetzt.

Ausgangspunkt ist eine ökologisch korrekte Prüfung oder Bewertung für einen konkreten Organismus und/oder für dessen Habitat.

Dabei konzentrieren wir uns auf Tiere im und am Wasser.

Der Schwerpunkt

Letztlich geht es darum zu untersuchen:

Sind die geplanten meist zusätzlichen Schutzmaßnahmen hinreichend nützlich für den konkreten Zielorganismus sowie verhältnismäßig und verstoßen sie nicht gegen das Sparsamkeitsprinzip?

Tiere im und am Wasser

 

 




Starkregen überstieg den üblichen Bemessungsregen

38,1 mm Niederschlag in Schneidenbach (Vogtland) am 22.07.2015 bis 21:00 Uhr

2015_07_Starkregen_Schneidenbach_UH

Sehr viel CSB in der Göltzsch bei Schneidenbach, abends am 22.07.2015 nach einem Starkregen

Bewertung der Regenspende

In 15 Minuten fielen 21,4 mm Niederschlag. Auf einen Hektar fielen demnach 214.000 l Wasser. Das entspricht einer Regenspende von ca. 238 l/sha.

Der Bemessungsregen (KOSTRA) für dieses Gebiet beträgt bei einer einjährigen Wiederkehr und einer Regendauer von 15 Minuten 123 l/sha.

Die Überschreitung des Bemessungsregens betrug 115 l/sha bzw. 94 %.

Mit einem solchen 15 Minutenregen (Regenspende von 238 l/sha) ist im langjährigen Mittel aller 6 Jahre zu rechnen.

Die Gewässer werden häufig nur bei schönem Wetter bewertet.

So kann der Eindruck entstehen, wenn es darum geht , den Abtrieb jedes Milligrämmchens abfiltrierbaren Feststoffes oder des fiktiven Bedarfes von chemischen Sauerstoff aus Kläranlagen in die Gewässer zu verhindern. (Fiktiv deshalb, weil ein Gewässer oder ein Wasser unmöglich einen Bedarf an chemischen Sauerstoff hat oder haben kann, wenn er nach der DIN 38409, Teil 41, H 41-1 im Labor bestimmt wird. Es wäre sehr hilfreich und ein Quantensprung im Wasserrecht, wenn der CSB-Begriff wieder einen sachlichen Inhalt bekäme. )

Die Natur verunreinigt sich aber oft in erheblicher Weise selbst und verschmutzt sich – wie das Foto anschaulich beweisen mag – in einem solchen Maße mit CSB, dass in analoger Weise Geschäftsführer, Bürgermeister oder einfache Bürger als Betreiber von Kläranlagen in arge Erklärungsnot vor dem Staatsanwalt kommen würden, sähe der Ablauf ihrer Kläranlagen so natürlich aus, wie z. B. die Göltzsch nach einem Starkregen am 22.07.2015 oder wie der Ablauf eines Karpfenteiches bei seiner „Ernte“.

Die Überlegung soll darüber zum Nachdenken anregen, ob denn nicht nur beim Gewässer- und beim Naturschutz viele Vorstellungen und Regelungen auf Fiktionen und Doktrinen beruhen, so dass denen allesamt meist zwei Dinge fehlen dürften:

  • die Logik beim „Öko“
  • und die Wissenschaftlichkeit.

Die Wasserrechtler unterscheiden zudem feinsinnig zwischen erlaubter und unerlaubter Gewässerverschmutzung.

Liegt gar ein „Tatbestand der Diskriminierung“ vor, wenn und weil gleiche Sachverhalte, z. B.

  • Nährstoffeintrag durch die industrielle Landwirtschaft in die Gewässer,
  • Einleitung von Abwasser in einen Straßengraben oder in einen trockenfallenden Graben,
    • anaerob teilgereinigt nach DIN 4261-1 oder
    • aerob biologisch gereinigt

völlig unterschiedlich

  • strafrechtlich,
  • wasserrechtlich und
  • abwasserabgabenrechtlich

bewertet werden?

Könnte es sein, dass durch derartige gesetzliche Dogmen der Gesellschaft erhebliche Schäden entstehen, weil die wasserwirtschaftliche Effizienz der betreffenden Investitionen vom Gesetzgeber selbst verhindert wird?

Begünstigen manche gesetzlich definierten Schadstoffe, z. B.

die tatsächlich keine sind oder die nur unter ganz bestimmten Bedingungen zu unerwünschten Entwicklungen führen, Verstöße gegen das Sparsamkeits- und das Effizienzprinzip?




Abstrakte Gewässerbewertungen

Prof. Dr. Winfried Lampert Direktor am Max-Planck-Institut für Limnologie, Abteilung Ökophysiologie (24306 Plön) und Prof. Dr. Ulrich Sommer (Institut für Meereskunde an der Universität Kiel) verfassten ca. 1992 ein Fachbuch „Limnoökologie“, das in der zweiten Auflage 1999 erschien. Dem Kapitel „Stellung der Ökologie in der Gesellschaft“ sind folgende immer noch sehr aktuelle Hinweise zu entnehmen:

Stellung der Ökologie in der Gesellschaft

„Die Betonung des naturwissenschaftlichen Charakters der Ökologie widerspricht einer Erwartungshaltung, die in weiten Teilen unserer Gesellschaft verbreitet ist. Es herrscht vielfach die Meinung, die Ökologie könne der Grundlegung einer neuen Ethik oder einer neuen politischen Doktrin dienen. Derartige Erwartungen stecken in Formulierungen wie „Ökologie und Ökonomie versöhnen“, „ökosoziale Marktwirtschaft“, „Ökosozialismus“ etc.

Solche Forderungen an eine Naturwissenschaft widersprechen sowohl deren Wesen als auch dem Wesen einer demokratischen Gesellschaft.

Naturwissenschaften können Theorien darüber anbieten, wie die Natur funktioniert. Sie können jedoch nicht angeben, welcher Zustand der Natur ein erhaltenswürdiger Wert oder ein erstrebenswertes Ziel menschlichen Handelns ist.

Die Festsetzung solcher Werte und Ziele ist keine Aufgabe der Wissenschaft, sondern eine Aufgabe des demokratischen Entscheidungsprozesses.

Weder Ökologen noch irgendwelche anderen Experten haben in diesem Entscheidungsprozess größere Rechte als andere Menschen.

Die Aufgabe des Experten besteht allenfalls darin, Wege zum Erreichen von Zielen aufzuzeigen und Konflikte zwischen verschiedenen, für sich genommen durchaus berechtigten Zielen frühzeitig zu erkennen.

Selbst dann, wenn ein gesellschaftlicher Konsens bestünde, daß die „Gesundheit von Ökosystemen“ als schutzwürdiger Wert höchste Priorität genießt, könnte die Ökologie nichts zur näheren Definition dieses Wertes beitragen.

Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten. Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.

Auch die anerkanntesten und konsensfähigsten Ziele der Umweltpolitik folgen nicht zwingend aus den Erkenntnissen der Ökologie. Neben der Reduktion gesundheitsschädlicher Emissionen dienen die meisten Bestrebungen des Umwelt- und Naturschutzes zwei übergeordneten Zielen: der Erhaltung der Diversität und der Wiederherstellung bzw. Erhaltung einer möglichst großen Geschlossenheit der biogeochemischen Kreisläufe. Beides sind Ziele, die mittlerweile vielen Menschen einleuchten; sie sind jedoch in menschlichen Werturteilen begründet und nicht in wissenschaftlichen Lehrsätzen. Die Ökologie kann zwar aufzeigen, daß eine anthropogene Öffnung von Stoffkreisläufen unerwünschte Auswirkungen hat (mehr Nährstoffaustrag aus dem Boden —> mehr Bedarf an Düngung —> mehr Eutrophierung der Gewässer); es entzieht sich jedoch ihrer Kompetenz, zu bewerten, wie unerwünscht diese Auswirkungen sind.“

Quelle:
Limnoökologie
Winfried Lampert und Ulrich Sommer
2., überarbeitete Auflage
Georg Thieme Verlag Stuttgart • New York 1999
(Seite 446 – 447)

Mit diesen Bewertungen stehen die Autoren nicht allein. Die Aufzählung von Ökologen, die diese Darstellung teilen, kann auf Anhieb ergänzt werden.

Die übliche Gewässerbewertung in „gut“, „schlecht“ oder „fast gut“ führt zu beliebigen und willkürlichen Investitionen und Kosten.

Eine wasserwirtschaftliche Effizienz ist mit abstrakten Prämissen nur scheinbar zu begründen. Vergleiche auch den Aufsatz „Wassergütewirtschaft – Gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft“ von Herrn Prof. Kroiss der TU Wien.

Für die Plausibilitätsprüfung genügt es oft, wenn man selber das konkrete Gewässer an verschiedenen Stellen besichtigt und sich eine eigene Meinung bildet.

Auch wäre ggf. zu zeigen und erklären:

  • Was denn am Gewässer konkret schlecht ist?
  • Und wie wahrscheinlich ist es dass sich der Zustand mit der gewünschten Investition tatsächlich ändert?
  • Und ob denn der zusätzliche eventuell eintretende Nutzen die meist erheblichen Mehrkosten auch tatsächlich rechtfertig?
  • Und ob ein prüffähiger Effizienzbeweis vorliegt?
  • Und welche Garantien gegeben werden, dass es tatsächlich zu der Zustandsänderung kommt?

Ergänzende Hinweise: Ökologismus

 




Einsatz von Kleinkläranlagen eher bedeutungslos für den Gewässerschutz

Falsche Prämisse und falsche Konklusion

Der KA – Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall 2000 (47) Nr. 10 S. 1514 – 1524 ist zu entnehmen:

„In Deutschland waren 1996 rund 90,5% der Bewohner an kommunale Abwasseranlagen angeschlossen. Auf der Basis von Untersuchungen mehrerer tausend Anlagen, Ergebnissen von Umfragen bei Wasserbehörden sowie bei Herstellern von Kleinkläranlagen kann abgeschätzt werden, dass die 9,5% der Bevölkerung überschlägig bis zu maximal 44 % der durch Einwohner erzeugten Gesamt-CSB-Emissionen aus Abwasserbehandlungsanlagen und damit eine hohe Belastung der Gewässer verursachten. Der Einsatz von Kleinkläranlagen besitzt daher eine große Bedeutung für den Gewässerschutz.

Diese Begründung ist gleich mehrfach falsch:

  1. Der Gesamt-CSB erlaubt keine Beurteilung der Gewässerbelastung, auch wenn Tausende von derartigen Messungen vorliegen sollten.
    Beweis: wasserchemisches Grundlagenwissen und Logik
  2. Wenn der Gesamt-CSB keine Beurteilung der Gewässerbelastung erlaubt, dann ist es mit dieser Prämisse unmöglich zu schließen, dass der Einsatz von Kleinkläranlagen eine große Bedeutung für den Gewässerschutz besäße. Zudem wurde in wasserwirtschaftlichen Modellen nachgewiesen, dass Kleinkläranlagen für die Gewässerbelastung – von Ausnahmen mal abgesehen – bedeutungslos sind. Der Schwerpunkt der Gewässerbelastungen liegt bei Flächeneinträgen verursacht durch die industrielle Landwirtschaft.



Ein offensichtlich sehr sauberes Gewässer

Der Holzbach im Vogtland bei Weißensand – Gedanken beim Morgenspaziergang

Die Bewertung der Gewässer ist Arbeitsgebiet mannigfaltiger Experten. Dabei wird das Gewässer anhand von Regeln geprüft. Entspricht das Gewässer den Regeln, dann ist alles gut. Mitunter sind zur Gewässerbewertung auch keine Experten notwendig. Dann nämlich, wenn der Wanderer Mut und Freude dabei hat, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.  So kann er damit beginnen nachzudenken, warum es z. B. zahlreiche saubere Gewässer gibt und kein Mensch sich darüber freut.

18_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Mäander des Holzbaches kommen häufig vor.

Wie erkennen wir ohne Biologiestudium hinreichend genau einen sauberen Bach?

Nun, durch Anschaung. Sehen, riechen, nachdenken und kosten! Um saubere Gewässer zu erkennen, muss der Wanderer kein Wasserwirtschaftler sein. Es genügt in aller Regel, wenn er schaut und riecht.

Eine Regel ist abstrakt! Der Experte kennt das Konkrete im Einzelfall!

Dazu ein kleiner Ausflug zur Bedeutung einer Regel. Regeln beim „Gewässerschutz“ werden oft begründet, indem die Lebendigkeit, Dynamik und Vielfalt der Natur auf eine leicht zu merkende, bequeme und möglichst effizient umzusetzende Einfalt – auf eine Regel nämlich – reduziert wird.  Denn Einfalt aus wasserwirtschaftlichem Nichtwissen und völliger Ahnungslosigkeit verleihen der Regel scheinbare Bedeutsamkeit. Die Naturgesetze sind leider vielfältig und die Natur kennt keinen Konsens. Wer also offenen Auges durch die Landschaft geht, sieht die zahlreichen „Schiffbrüche“. Regeln oder Vorschriften  des Menschen straft die Natur duch Missachtung. Hier grenzt die Weltanschauung an den Glauben und Ideologie, wenn wir Mensch und Natur trennen.  Der Mensch ist Teil der Natur und er verändert sein Ökoystem genauso wie ein Bieber Bäume fällt und Dämme errichtet.

14_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Sehr klares Wasser des Holzbaches

 Der Holzbach – ein Einzelfall.

Versuchen wir konkret zu werden. Zunächst wäre zu prüfen, ob der Holzbach schön aussieht. Das tut er zweifellos. Das Einzigste was regulär stört, ist die nahe Wiese. Eine Wiese, selbst wenn seltene Blumen auf ihr wachsen, ist natürlich nicht natürlich. Ich finde Wiesen einerseits schön. Andererseits gibt es aber extreme Menschen, die hassen Menschen und damit auch seine Wiesen. Wie man also sieht, kommt es bei der Gewässerbewertung auch auf den Standpunkt an.

Das Wasser des Holzbaches ist klar. Auch der Porenzwischenraum der Bachsohle ist sauber, nicht veralgt und nicht verschlammt. Ein guter Lebensraum für Fischnährtiere, andererseits wollen die Bachflohkrebse auch die eine oder andere Alge fressen. Diese reichen nicht für alle!

Nicht zu vermitteln ist der Geruch des Wassers. Sein Wasser ist aber geruchlos, so wie es sein soll.

13_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Der Holzbach am 07.02. 2015

 Sauberes Wasser ist tödlich!

Sauberes Wasser hat einen oft verschwiegenen Nachteil: Es ist für Fische zumeist tödlich. Sie verhungern, wenn sie nicht ab und zu in etwas „verunreinigte“ Gewässerabschnitte schwimmen können oder dürfen.

12_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Ein vereister Abschnitt.

 Der Holzbach mündet in die Göltzsch.

09_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Das Mündungsdelta des Holzbaches in die Göltzsch.

Man erkennt auch hier keinerlei Schlammablagerungen.

Die Abschnitte des Holzbaches im dunklen Wald.

28 Holzbach_U_Halbach_Febrau 2015

Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

27 Holzbach_U_Halbach_Febrau 2015

Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

26 Holzbach_U_Halbach_Febrau 2015

Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

25 Holzbach_U_Halbach_Febrau 2015

Auch hier klares Wasser

24 Holzbach_U_Halbach_Febrau 2015

Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

23 Holzbach_U_Halbach_Febrau 2015

Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

30 Holzbach_U_Halbach_Febrau 2015

Der Göltzschtalwanderweg von Mylau nach Weißensand an der Holzbachbrücke – Februar 2015

29 Holzbach_U_Halbach_Febrau 2015

Die Weißensander Autobahnbrücke (A72) bebüschelt und im Gegenlicht

Nun, da wir jetzt auch hier sind, möchte ich die Eindrücke von der Göltzsch zum Schluss nicht vorenthalten.

Die Göltzsch:

10_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen)

11_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Die Göltzsch nach Weißensand (Sachsen)

06_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Nistgelegenheiten für den Eisvogel am Prallhang

04_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen) – Ablagerungen nach dem letzten Hochwasser

03_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen)

01_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Der alte Bahndamm an der Göltzsch bei Weißensand (Sachsen) im Gegenlicht.

Bei nächster Gelegenheit wird von anderen Abschnitten des Holzbaches berichtet. Vielleicht wenn es wärmer ist.

20_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Ein alter Göltzschtalbaum am Ufer der Göltzsch, die deshalb Göltzsch heißt, weil es hier noch Göltzsch (Gold) gibt!

 




Gewässerbelastung

Ohne Subjekt keine Belastung!

Der im Zusammenhang mit der Gewässerbeurteilung häufig verwendete Begriff „Belastung“ ist wissenschaftlich unpräzise und beliebig deutbar.

Außerdem suggeriert der Begriff eine unbewiesene, negativ wertende Deutung, die Denken und Handeln sachlich unbegründet in bestimmte Richtungen lenkt.

Unsachliche, meist abstrakte Begriffe sind wichtigste Voraussetzungen für Manipulationen und Fehlentscheidungen.

Ökosysteme sind wertfrei und kennen deshalb keine Belastung.

Voraussetzung für die korrekte Definition einer Belastung ist der Beweis, ob und wenn ja für welche Tierart tatsächlich eine Belastung vorliegt.

Anderenfalls wäre es eine zustandsneutrale Fracht.

Im Übrigen ist der „schlechte“ wasserchemische Gewässerzustand III mit seiner wasserchemischen „Belastung“ für sehr viele Tiere gar nicht so „belastend“, wie allgemein geglaubt wird.

Ein „Belastung“ kann durch aus produktiv und höchst lebendig wirken.




Blaualgen und Badegewässer

Jährlichen Blaualgenkampagnen in der Presse fehlt Verhältnismäßigkeit und Sachlichkeit

Empfehlungen des Umweltbundesamtes zum Schutz der Badenden vor Cyanobakterientoxinen

Die Empfehlungen des Umweltbundesamtes zum Schutz der Badenden vor Cyanobakterientoxinen sind dem Internet zu entnehmen [1].

Schaut man sich diese Veröffentlichung mal genauer an, so ist diese durchaus nachvollziehbar.

Nur eine so große Gefahr für Badende – welche die jährlich auftretenden Pressekampagnen rechtfertigen – ist aus ihr nicht abzuleiten. Der Leser mag selbst urteilen. Hier nur einige kommentierte Auszüge aus der Empfehlung:

  • „Die Mehrzahl dieser Beobachtungen wurde im Zusammenhang mit dem Genuss von kontaminiertem Trinkwasser dokumentiert.“ (Also keine gesicherte Kenntnis über Badegefahren.)
  • „Zur Exposition beim Baden liegt, neben einzelnen Kasuistiken, bisher nur eine systematische epidemiologische Untersuchung aus Australien [16] vor.“ (Kasuistiken = Einzelfälle)
  • „Welche Bedeutung derartige Reaktionen für Badende haben, kann zurzeit jedoch noch nicht abgeschätzt werden.“ (Blaualgen begleiten den Menschen seit es ihn gibt. Nur als er begann Muscheln zu essen, die ihrerseits Blaualgen filtrierten, wurde es problematisch.)
  • „Aus der Sicht des Gesundheitsschutzes kommt den systemischen Wirkungen der Cyanotoxine nach oraler Aufnahme die größte Bedeutung zu.“ (Oral, d. h. Blaualgen trinken!)
  • „In diesem Zusammenhang stellen im Uferbereich der Badestelle spielende Kleinkinder im Krabbelalter aufgrund ihres Spielverhaltens und durch ihren häufigen Hand-Mund-Kontakt, bei dem sie unbeabsichtigt größere Mengen Sand und Wasser aufnehmen können, eine besondere Risikogruppe dar. Auch Kinder im Grundschulalter können beim Toben im Flachwasserbereich größere Wassermengen aufnehmen.“

„Eine Risikoabschätzung für Badende ist vor dem Hintergrund der eingeschränkten toxikologischen und epidemiologischen Datenlage nur mit großen Unsicherheiten möglich.“

Nicht plausibel ist allerdings die folgende Konklusion wegen fehlerhafter Begründung:

„Aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Baden in eutrophen, stark mit Cyanobakterien belasteten Gewässern ein Gesundheitsrisiko darstellt, insbesondere bei wiederholter Exposition innerhalb weniger Tage bis Wochen bei hoher Zelldichte bzw. Toxinkonzentration.“

Korrekt wäre dagegen:

Aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Baden in eutrophen, stark mit Cyanobakterien belasteten Gewässern ein Gesundheitsrisiko darstellt, insbesondere bei wiederholter Exposition innerhalb weniger Tage bis Wochen bei hoher Zelldichte bzw. Toxinkonzentration.

Wenn einerseits festgestellt wird

„Eine Risikoabschätzung für Badende ist vor dem Hintergrund der eingeschränkten toxikologischen und epidemiologischen Datenlage nur mit großen Unsicherheiten möglich.“

dann kann andererseits nicht behauptet werden

„Aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes muss jedoch davon ausgegangen werden,…“

Das Wörtchen „muss“ vermittelt Gewissheit, die ja in diesem Fall – wie in der Empfehlung korrekt selbst bewiesen – nicht vorliegt.

Insofern ist festzustellen:

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Badende im Wasser mit Cyanobakterientoxinen vergiften, ist wahrscheinlich sehr gering.

Dieses Feststellung vermag folgendes Indiz zu begründen: Es gibt zu wenige (wenn nicht sogar keine) erkrankten Badegäste in Deutschland, um die Besorgnis einer Vergiftung der Badegäste durch Blaualgen zu rechtfertigen. In warmen Gegenden mag die Gefahr aufgrund der höheren Stoffwechselgeschwindigkeit der Bakterien und damit einer deutlich schnelleren Teilung durchaus größer sein.

Die Besorgnis einer Vergiftung der Badegäste durch Blaualgen in Deutschland ist sachlich nicht nachvollziehbar, wohl eher vorsorglich überbewertet. Das Baden an sich ist lebensgefährlich (a). Die Blaualge ist damit verglichen harmlos.

Die Gefährlichkeit mancher Blaualgenarten ist einerseits unbestritten, andererseits hindert aber sicherlich häufig der gesunde Menschenverstand vor einem Bad in einer solchen grünen, undurchsichtigen Brühe. Genau das scheint der Hauptgrund für fehlende Vergiftungen oder Hautreizungen der Badenden durch Blaualgen zu sein. Theoretisch ist ja alles konstruierbar, aber wer geht in der Praxis in einem solchen Wasser, das unappetitlich aussieht und dessen  Algen zum Himmel stinken tatsächlich baden und wer lässt seine Kinder an solchen Teichen spielen?

Die Praxis scheint zu beweisen, dass die Gefahr, beim Baden durch Blaualgen vergiftet zu werden, oder dass man eine Hautreizung erleidet, gering ist.

Bewertung der für Cyanobacter kritischen Pges.-Konzentrationen

Nach den Empfehlungen des Umweltbundesamtes [1] können in thermisch geschichteten und insbesondere in großen Gewässern Cyanobakterien bereits ab 20 µg/l Gesamt-Phosphor dominieren (manchmal auch darunter) und in kleinen und durchmischten Gewässern eher ab 30-40 µg/l.

Wenn man nun mit Sicherheit Cyanobakterien ausschließen möchte, dann ist das wohl bei Konzentrationen < 20 µg/l Gesamt-Phosphor.

Orientiert man sich eher an kleinen und durchmischten Gewässern, dann gelten 30-40 µg/l Gesamt-Phosphor als kritisch.

Wenn das Ziel formuliert wird, Konzentrationen < 20 µg/l Gesamt-Phosphor zu erreichen, dann  ist es interessant sich eine Vorstellung von der „Kleinigkeit“ des Zieles zu machen: 20 µg/l Gesamt-Phosphor – das wären z. B. 20 g in 1.000 m³ Wasser. Um in einem See eine Konzentration von 20 Mikrogramm Phosphor/l  (= 20 g/1.000 m³) zu erzeugen, die eine Blaualgenblüte verspricht, braucht man die Landwirtschaft als Frachtmitverursacher nicht. Im FREMSA-Modell (S. 6) kalkulierte man für Sachsen-Anhalt  die  Phosphorfracht aus der Luft (u. a. Niederschlag) in Höhe von 0,58 kg Pges./haa. Ein See ohne Zu- und Abfluss (z. B. 100 m x 100 m x 2 m Tiefe = 20.000 m³)  bräuchte also 400 g Pges., um eine Konzentration von 20 Mikrogramm Phosphor/l  zu erreichen. Danach wäre nach 8 Monaten das Maß voll, d. h. es wäre die Pges.-Konzentration für eine Blaualgenblüte erreicht, wobei es nicht darauf ankommt, ob der Grenzwert nun 20, 30 oder 40 µg/l Gesamt-Phosphor beträgt. Dann dauert es eben ein Jahr oder zwei Jahre länger. Demnach müssten also fast alle Seen mit Blaualgenblüten zu kämpfen haben. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Also gibt es noch mehr Faktoren als nur eine Phosphorgrenzkonzentration, die eintreten muss bzw. müssen damit es zu einer Blaualgenblüte kommt oder nicht kommt. Immerhin könnte nach Uhlmann (1975)  sich in dem Modellsee eine Blaualgentrockenmasse von kalkulatorisch ca. 29 kg bilden, die bei einem angenommenen Wassergehalt von 90 % in 290 kg Algenfrischmasse umzurechnen wäre. Würden sich nun alle Blaualgen an der Wasseroberfläche versammeln – was nie der Fall ist –  dann wäre dies eine Schicht von 0,03 mm Mächtigkeit. Wie man erkennt, braucht man für eine  „richtige“ Blaualgenblüte eine größere Phosphorkonzentration als nur  20 oder 40 µg/l Gesamt-Phosphor. Daran sieht man wieder einmal, dass es nicht nur auf die Konzentration ankommt, sondern wohl in erster Linie auf die Dosis. Na ja, so etwas lernte man schon in der Grundschule oder noch früher, als Mutti Tabletten an das Kind austeilte und dabei immer auf die Dosis achtete.

Und:

  • Nicht alles was grün ist und auf dem Wasser schwimmt ist eine Blaualge.
  • Nicht jede Blaualge ist giftig.
  • Manche kann man sogar essen und werden auch gegessen.

Ein starkes Indiz:

Übermäßige Abwasserreinigung begünstigt Blaualgenblüten.

Blaualgen scheinen dann günstige Lebensbedingungen zu haben, wenn die Nitratkonzentration im Gewässer niedrig ist.

Nitrat wird aber in vielen Kläranlagen oft sachlich unbegründet beseitigt, denn Nitrat ist nur unter besonderen Bedingungen unerwünscht (Grundwasser, Trinkwassertalsperren…).

In vielen anderen Fällen ist es ein wertvoller Nutzstoff, der sogar so nützlich ist, dass er für die Sanierung von Seen Verwendung findet. Ob ein Stoff nun schädlich oder nützlich ist, kann sachlich nur durch eine Einzelfalluntersuchung geklärt werden, aber keinesfalls z. B. durch den Anhang 1 der Abwasserverordnung. So handelt es sich bei dem Anhang 1 der Abwasserverordnung um einen Konsens, dem die wissenschaftliche Grundlage (z. B. das Wirken der Naturgesetze) teilweise verloren ging.

Und:

Jungfische begünstigen ebenso Blaualgenblüten!

Jungfische fressen Wasserflöhe und Wasserflöhe fressen Algen.

Also, vereinfacht formuliert:

Keine Jungfische = viele Wasserflöhe = weniger Algen.

Das Fangen von Raubfischen begünstigt also Blaualgenblüten!

D. h. Blaualgenblüten können viele Verursacher haben.

 


(a) 2013: Erschreckende Bilanz der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft: In diesem Jahr hat sich die Zahl der Badetoten fast verdoppelt. 250 Menschen sind in Deutschland während der Sommermonate im Wasser ertrunken. Radio Hamburg meldet zu den häufigsten Ursachen für Badeunfälle: „Aber auch Stellen an denen Müll in den See geschmissen worden ist oder dort wo viele Wasserpflanzen wachsen ist die Gefahr sich unter Wasser zu verfangen groß. Die häufigsten Ursachen für Badeunfälle sind Überhitzung, Selbstüberschätzung und gerade bei Nicht-Schwimmern, aufblasbare Tiere oder Luftmatratzen . Dieses Wasserspielzeug bietet ein hohes Gefahrenpotential, da sie von diesen Tieren auch abrutschen können und dann Ertrinkungsgefahr droht. Damit Sie in Zukunft vorbereitet sind und erkennen, wenn jemand ertrinkt, gibt es hier ein paar Tipps, die Leben retten können. Um den tödlichen Ausgang von solchen Unfällen zu vermeiden, sollten Sie sich regelmäßig über Erste-Hilfe- und Wiederbelebungsmaßnahmen informieren.“ … Und kein Wort von Unfällen durch Blaualgen!

Literatur

[1] Empfehlung des Umweltbundesamtes zum Schutz von Badenden vor Cyanobakterien-Toxinen
Bundesgesundheitsbl. – Gesundheitsforsch. – Gesundheitsschutz
2003, 46, S: 530-538




Tödlicher Gewässerschutz

“Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt? Wir können nicht all diesen Tieren die Nahrung wegnehmen und dann darüber klagen, dass sie seltener werden.“ Reichholf

Gebänderte Prachtlibelle

Quelle:
Reichholf, Joseph, H.
Die Zukunft der Arten
C.H. Beck
2. Auflage 2006, S. 63

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gebänderte Prachtlibelle

Nährstoffarme Wiesengräben und –flüssen sind kein guter Zustand für die Gebänderte Prachtlibelle und
ein guter wasserchemischer Zustand kann durchaus sehr schlecht für viele Tiere sein.

Im Sinne des s.g. Verschlechterungsgebotes darf durchaus gedeutet werden, dass bei Vorkommen von Gebänderten Prachtlibellen der „schlechte“ wasserchemischer Zustand nicht verbessert werden darf, weil dies schlecht für die Prachtlibellen wäre.




Notwendige, aber nicht hinreichende Lebensbedingung

Für gute Lebensbedingungen für ein konkretes Tier – nehmen wir eine Forelle (KForelle ) – seien wenigstens folgende Prämissen gegeben:

P 1      notwendige (aber allein nicht hinreichend) wasserchemische Qualität

P 2      notwendige (aber allein nicht hinreichend) hydromorphologische Qualität

P 3      notwendiges (aber allein nicht hinreichend) Angebot von Fischnährtieren

Also gilt:

KForelle =  P 1 ∩ P 2∩  P 3

Das heißt, gute Lebensbedingungen für die Forelle (KForelle ) gibt es mit Gewissheit frühestens erst dann, wenn alle notwendigen Prämissen erfüllt sind.

Jede dieser einzelnen Prämissen ist zwar notwendig, aber nicht hinreichend.

Zudem gilt, der schlechteste Erfüllungsrad einer dieser Prämissen bestimmt den Gesamterfüllungsgrad, genau wie das schwächste Glied einer Kette wirkt.

Aus dem Grund sind alle Bemühungen um irgendwelche chemischen oder biologischen Merkmale des Gewässers solange vergebens, wie eine Bedingung  – im allgemeinen ist es die Hydromorphologie – hinterher hinkt.

Die Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips erfordert es, das die Prämissen P1-P3 nahezu gleichzeitig erfüllt werden und nicht in der Weise, dass heute die biologischen Voraussetzungen erfüllt werden und z.B. erst Jahre später vielleicht die Hydromorphologie verbessert wird.

In dem Rahmen darf an die Ungeschicklichkeit nach der Wende erinnert werden, wo es vereinzelt vorkam, dass erst die Kanäle errichtet wurden und Jahre später die zugehörigen Kläranlagen. Damit entstanden nicht refinanzierbare Investitionen. Eine korrekte Wasserwirtschaft muss genau so etwas durch sorgfältige Planung verhindern.




Abstrakte Gefährdungen

 

„Je höher das zu schützende ‚Gemeinwohlinteresse‘ als Rechtsgut, umso eher darf an Stelle von Verboten konkreter Gefährdungen auf abstrakte Gefährdungen zurückgegriffen werden.“

Quelle:
Jae-Yoon Kim
Umweltstrafrecht in der Risikogesellschaft: ein Beitrag zum Umgang mit abstrakten Gefährdungsdelikten
Dissertation
Cuvillier Verlag Göttingen
1. Auflage 2004

Kommentar:
Damit entscheidet der Sieg im Kampf um die Deutung der für abstrakte Verbote hinreichenden Höhe des Gemeinwohlinteresses.
Den Nährstoff „Phosphor“ würde ich in der Regel (Ausnahme z.B. Trinkwassertalsperre) nicht als hinreichend für Verbote abstrakter Gefährungen bewerten.
U. Halbach

 




Mauerseglersterben – ein Eigentor!

Es ist schon paradox!

Gewässerschutz kann  auch tödlich sein. Zumindest für jene Tiere, deren Nährstoff  „Phosphor“ minimiert wird.

Und dann wundert sich der Laie, dass in dem nun klaren Wasser lauter Leichen schwimmen.

Verhungert eben.

Stimmt nicht?

Doch!

Siehe: Übermäßiger Gewässerschutz

Und nun haben die Schweizer Streß, ihre selten gewordenen Mauersegler zu retten.

Schlagzeile: Hausabbruch löst Drama um seltene Jungvögel aus!

„St.Galler Tierschützer sind aufgebracht. Nachdem ein Haus mit Mauersegler-Nestern abgebrochen wurde, müssen sie drei Jungvögel aufpäppeln. Verantwortlich sei die Stadt.“

Das wäre nicht nötig, würde es die 600.000 (verhungerten?) Brutpaare noch geben.

Die Moral von der Geschichte?

Das Gute hat immer schlechte Konsequenzen!

Warum?

Logisch, weil man nur gut sein kann, wenn man anderen schadet.

Und das  Schlechte sollte man beim Gewässerschutz in der gleichen Weise analysieren und bewerten, ähnlich wie ein Arzt, der die Vorteile und die unerwünschten Nebenwirkungen eines Medikamentes kennt und abwägt.

Bei Nichtberücksichtigung des Schlechten besteht  Grund zur Besorgnis wegen Willkür.

Eigentlich alles simpel.

Der Fachmann staunt: Warum handeln wir dann so dumm?

Frosch

Frosch in der Elbaue

 

 




Abstrakt oder Konkret

Das Erkennen und Bewerten des Abstrakten (Regeln) und des Konkreten (Anschauung) ist für die Enttarnung von Manipulationen, Interessen und Geschäften unbedingte Voraussetzung. U.H.

Michel de Montaigne (1533 – 1592)

  • Was haben unsere Gesetzgeber dadurch gewonnen, daß sie hunderttausend Arten von besonderen Tatsachen ausgewählt und darauf hunderttausend Gesetze gemacht haben? Die Zahl hat nicht das geringste Verhältnis mit der verschiedenen Unendlichkeit menschlicher Handlungen. Die Vervielfältigung unserer (darauf bezüglichen) Erfindungen wird niemals an der Verschiedenheit der Beispiele reichen.
  • Jedes Ding hat hundert Glieder und hundert Gesichter.

und vor gut 400 Jahren (!) über die „guten“ abstrakten Ziele der EU-WRL:

Das menschliche Denken wird sinnlos, wenn es kein bestimmtes Ziel hat.

Nicolás Gómez Dávila:

  • Experten kann es nur für zweitrangige Angelegenheiten geben. Das Wichtige läßt sich niemals auf Normen zurückführen; es bleibt Wagnis des Verstandes.
  • Nichts beunruhigt den Verstand so sehr wie der Versuch, unserer abstrakten Vorstellungen von der Materie mit unserer konkreten geistigen Erfahrung zu verbinden.
  • Da Erklären Definieren bedeutet, wirkt die Erkenntnis dort nicht erläuternd, wo Individualität ihr Gegenstand ist.
  • Nichts Authentisches lässt sich mit Argumenten beglaubigen.
  • Für den, der es beobachtet hat das Ereignis soviele Bedeutungen wie es Zusammenhänge hat.
  • Verallgemeinerung erweitern unsere Macht und verarmen unseren Geist.
    Anmerkung: Das ist der Grund warum die Umweltindustrie und die viele Gewässerverwaltungen so an den Regeln und abstrakten Gefahren „kleben“  Nicht umsonst hat das Buch von Nicolás Gómez Dávila „Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten“ den Untertitel: „Ausgewählte Sprengsätze“.  U.H.
  • Die Theorie irrt, wenn sie die Realität auf Kategorien beschränkt, die ihre Manipulation erlauben. Die Praxis irrt, wenn sie so vorgeht, als ob die Theorie nicht irrte.
  • Der Autor, der das Konkrete klar zu sehen vermag, bewegt sich unverletzt zwischen idiotischen Ideen.
  • Die ungenauen Begriffe, die eine talentierter Autor mit Geschick handhabt, blenden den Nachahmer, der sie am Ende mit vulgarisierter Rhetorik darstellt.
  • Abstrakte Wahrheiten nennen wir die trockenen Flußbetten, durch die das Wasser irgendeines Wolkenbruches fließt.
  • Von einer Regel pflegen mir nur die Ausnahmen gültig zu sein.

Und kontra Regelwerke, Normen, „bio“. „öko“, „gut“, „böse“ und „ökologische Zustände“

Weder in der Natur der Welt noch in der menschlichen Natur gibt es Spuren von Normen. Die Normen entstehen durch Einmischung des Willens. Eines der Wahrnehmung des Wertes unterworfenen Willens.

Arthur Schopenhauer

  • Eben weil Worte bloße Allgemeinbegriffe, welche von den anschaulichen Vorstellungen durchaus verschieden sind, mitteilen, werden z.B. bei der Erzählung einer Begebenheit, zwar alle Zuhörer die selben Begriffe erhalten; allein wenn sie nachher sich den Vorgang veranschaulichen wollen, wird jeder ein anderes  Bild  davon in seiner Phantasie entwerfen, welches von dem richtigen, das allein der Augenzeuge hat, bedeutend abweicht. Hierin liegt der nächste Grund (zu welchem sich aber noch andere gesellen) warum jede Tatsache durch Weitererzählen notwendig entstellt wird: nämlich der zweite Erzähler teilt Begriffe mit, die er aus  seinem  Phantasiebilde abstrahiert hat und aus denen der Dritte sich wieder ein anderes noch abweichenderes Bild entwirft, welches er nun wieder in Begriffe umsetzt, und so geht es immer weiter. Wer trocken genug ist, bei den ihm mitgeteilten Begriffen stehn zu bleiben und diese weiter zu geben, wird der treueste Berichterstatter sein.“
  • „Das Wissen, die abstrakte Erkenntnis, hat ihren größten Wert in der Mittelbarkeit: erst hierdurch wird sie für das Praktische so unschätzbar wichtig.“
  • Daß Bücher nicht die Erfahrung und Gelehrsamkeit nicht das Genie ersetzt, sind zwei verwandte Phänomene: Ihr gemeinsamer Grund ist, daß das Abstrakte nie das Anschauliche ersetzen kann.
  • Intuitiv nämlich oder in concreto ist sich eigentlich jeder Mensch aller philosophischen Wahrheiten bewußt: Sie aber in sein abstraktes Wissen, in die Reflexion zu bringen, ist das Geschäft des Philosophen, der weiter nichts soll noch kann.

Schopenhauer, A.
Die Welt als Wille und Vorstellung
Dritte, verbeserte und beträchtlich erweiterete Auflage
Voltmedia, Paderborn

***

  • „Ein konkreter Begriff ist ein Begriff, den man „zur Definition einzelner Gegenstände (einer Art) oder zu einer Behauptung über einen beliebigen von gleichartigen Gegenständen benutzen“ kann[1] (Beispiele: Pferd, Mensch, Haus). Als konkreter Begriff, im Gegensatz zum abstrakten Begriff, wird ein bestimmter, gegebener Gegenstand oder eine bestimmte Klasse von Gegenständen bezeichnet: z. B. Hotel, Berlin, Umgebung, Apfel.
  • Ein abstrakter Begriff ist ein Begriff, der benötigt wird, „um eine Eigenschaft von Gegenständen oder eine Relation zwischen einzelnen Gegenständen zu definieren oder zu repräsentieren“[1] Beispiele dafür sind: Mut, Röte, Liebe, Hass, Menschenwürde. Er bezeichnet nicht gegenständliche Entitäten, wie Freiheit, Geist, Sein, sowie gegenständliche Entitäten, wie Natur, Materie, Ding, Leben usf.“

[1] Tatievskaya, Aussagenlogik [2003], S. 53

Zitat: Wikipedia

***

Fjodor Michailowitsch Dostojewskij (1821 – 1881)

Der Mensch besitzt eine solche Leidenschaft für Systematik und abstrakte Folgerungen, daß er es fertigbringt, bewußt die Wahrheit zu verdrehen und mit sehenden Augen nicht zu sehen und mit hörenden Ohren nicht zu hören.

***

Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz

  • Klarheit in den Worten, Brauchbarkeit in den Sachen.
  • Auf der Unterscheidung unserer Vorstellungen beruht das Bewußtsein. Wenn Vorstellungen zu schwach oder mit anderen zu eng verbunden sind, um für sich hervorzutreten, so sind sie zwar in uns, aber sie kommen uns nicht zum Bewußtsein.
  • Das Vermögen, welches die Verbindung der Wahrheiten untereinander einsieht, heißt im eigentlichen Sinne die Vernunft.

Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz (1646 – 1716)
bedeutender deutscher Mathematiker, Physiker, Philosoph
Sprachwissenschaftler und Historiker

***

Johann Wolfgang von Goethe

  • Alles Abstrakte wird durch Anwendung dem Menschenverstand genähert, und so gelangt der Menschenverstand durch Handeln und Beobachten zur Abstraktion.
  • Man tut nicht wohl, sich allzulange im Abstrakten aufzuhalten. Das Esoterische schadet nur, indem es exoterisch zu werden trachtet. Leben wird am besten durchs Lebendige belehrt.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), deutscher Dichter der Klassik, Naturwissenschaftler und Staatsmann

Søren Aabye Kierkegaard

Das Ethische ist als solches immer abstrakt.

Søren Aabye Kierkegaard (1813 – 1855), dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller

***

Adolf Diesterweg

Adolf Diesterweg ein deutscher Schulreformer (1790 – 1866) stimmt mit Schopenhauer darin überein, dass Erkenntnis durch die Definition des Konkreten aus dem Abstrakten nicht gewinnbar ist:

Alles klare und sichere Erkennen der Jugend geht nur aus Anschauungen hervor, sowohl das Erkennen äußerer Dinge, als das Erkennen innerer Zustände des Geistes selbst. – Gehe vom Äußerlichen aus und schreite von da aus zum Begrifflichen fort, vom Einzelnen zum Allgemeinen, vom Konkreten zum Abstrakten, nicht umgekehrt.“

***

Konsequenz des Abstrakten, siehe Vorreyer:

So bestehen in erheblichem Maße Auslegungsprobleme; infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten, den gemeinsamen Rahmen zu umgehen, so dass zurzeit kaum etwas darüber ausgesagt werden kann, ob der Rahmen für eine wirklich harmonisierte, wettbewerbsvereinheitlichende Gewässerschutzpolitik ausreicht.

Vorreyer, Christian
Erläuterungen zur Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG)
durchgesehen und ergänzt von Friedrich Schröder
Stand: Juni 2007
Wasserrecht für die betriebliche Praxis
2008 WEKA MEDIA GmbH & Co. KG




Problematische Gewässerbewertungen

Prophezeiung von künftigen Gewässerzuständen

Die Ergebnisse der Gewässerzustandsbewertungen fließen häufig in Computermodelle ein, um zu beweisen, dass mit einer bestimmten Änderung wasserchemischer Parameter ein notwendiger Zielzustand erreicht wird. Dabei wird das Risiko, dass der Nutzen tatsächlich eintritt oder dass das Ziel überhaupt erreicht werden kann, entweder nicht untersucht oder verschwiegen.

Eine seriöse wissenschaftliche Prognose wäre es dann, wenn der Wahrheitswert angegeben wurde.

Oftmals ist es aber auch so, dass der Wahrheitswert der Prognose auf dem Weg von seiner wissenschaftlichen „Befruchtung“ hin zu seiner kommerziellen „Geburt“ einfach verloren ging, vielleicht auch deshalb, weil die Ungewißheit der Botschaft den Kunden in seinem Kaufverhalten stören könnte? Wer braucht schon nachdenkliche Käufer?

Nicolás Gómez Dávila (Auf verlorenem Posten – Karolinger Verlag, gebundene Ausgabe – 1992) brachte es auf den Punkt:

Wer bedenkenlos Prophezeiungen macht, hat eine Schwindelei im Sinn.

 

img_6016

Das Risko der Gewässergüte“vorhersagung“ ist mitunter Produkt aus 3 wesentlichen Risikofaktoren:

  1. Kein Mensch kann die Zukunft vorhersehen.
  2. Auch bei Nutzung von Computermodellen ist keine Gewissheit möglich.
  3. In der Regel wird beim Gewässerschutz nicht bewiesen, dass es mit dem Computermodell gelingt, bekannte vergangene  Zustände zu beschreiben. Man weissagt oft mit Modellen die Zukunft, die aber nur  selten in der Lage sind, die Vergangenheit zu beschreiben.  So erfreuen sich auch primitive Mischungsberechungen als Beweis zur Notwendigkeit einer Verschärfung von Überwachungswerten zunehmender Beliebtheit.

Das Verschweigen der Risiken bei der Zielsetzung kollidiert grob fahrlässig mit dem gesetzlich formulierten Sparsamkeitsprinzip.

Ob das wirklich so und ob es gewiss ist, darüber kann man reden und man muss einen vorsorglich nachhaltigen Konsens finden.

Dieses Dilemma ist aber bislang noch niemanden aufgefallen, weil eine solche Art der Zielsetzung von der Verantwortung für das resultierende Investitionsrisiko geschickt getrennt wurde.

Analoge Mängel und Risiken scheint es nebenbei bemerkt auch bei der Prognose des Klimawandels zu geben. Und es wäre ein Wunder, wenn nicht! Lennart Bengtsson:

Die Klimaerwärmung ist bis jetzt kein ernsthaftes Problem, wenn wir uns auf Beobachtungen stützen. Problematisch wird sie nur, wenn wir uns auf Modellsimulationen beziehen.

Quelle:
Lennart Bengtsson
Wissenschaft und Politik des Klimawandels,
Neue Zürcher Zeitung
Montag, 14. April 2014

Lennart Bengtsson war bis 1990 Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg.
Nach seiner Emeritierung hat er unter anderem die Abteilung Erdwissenschaften am International Space Science Institute in Bern geleitet.




Seltenheitswert! Hurra! Ein Abwasserpilz!

Der Abwasserpilz ist selten geworden!

Verdient er unseren Schutz?

Wird so etwas im Bach gefunden…

Abwasserpilz

Foto 1: Sphaerotilus natans – Abwasserpilz – Gewässergüteklasse III oder auch III-IV

…dann darf ohne universitäre Spezialbildung auf den Gewässergütezustand III getippt werden.

Sieht es dagegen so aus:

Foto 2: Sphaerotilus natans & Weißfärbung der Gewässersohle – Gewässergüteklasse IV

dann dürfte die Gewässergüteklasse IV in diesem Abschnitt (!) vorliegen.

Der Unterschied liegt in der Weißfärbung der Gewässersohle durch Schwefelbakterien.

Ob der Zustand nun gut oder schlecht ist, dies kommt darauf an.

Der Verwaltungsmensch sagt so und ein richtiger Ökologe kann abstrakte Zustände nicht bewerten, denn er ist ja ein richtiger Ökologe!

Entscheidend ist dann die Meinung von jenem, der sich auf seine Deutungshoheit berufen kann und diese durchzusetzen vermag.

Ökologen könnten also (von Politik und Umweltindustrie natürlich unbeeinflusst und nur der Wissenschaft verpflichtet) bei dieser konkreten Bewertung aber auch den Ball flach halten, denn in diesem Fall ist es nämlich einige hundert Meter bachabwärts trotz und nach dem Abwasserpilz so richtig schön:

Foto 3: Ergebnis der Selbstreinigung – Wassergüteklasse 1!

Und auch das hyporheische Interstitial ist ganz allerliebst! Besser können wir es uns nicht erträumen:

Foto 4: Perfekt durchströmtes Hyporheal – ohne Veralgung und ohne anaerobe Zonen – alles gut!

Ein Gewässerabschnitt vor dem auf Foto 3 und 4 dargestellten Bereich weist die Gewässergüteklasse  III (Foto 1) auf. Man erkennt im Vergleich die Selbstreinigungskraft der Natur.

Das soll nun kein Argument dafür sein, die Abwasserbehandlung zu unterlassen, sondern es ist eine Anregung, die Situation vor Ort – also in der Natur – ideologiefrei und frei von kommerziellen Interessen zu bewerten.

Ein kleines einsames Abwasserpilzchen (zugegeben: es war eine Versammlung)  ist zwar einerseits durchaus ein Indiz für einen  Zustand, den sich Forellen eher nicht zum Brüten aussuchen würden. Ihre Eier würden verpilzen.

Durchschwimmen dagegen wäre, sofern Sauerstoff da ist und der pH-Wert stimmt, kein Problem. Schließlich ist ja ein Lieblingsplatz der Forellen im Bergland der Auslauf von Kläranlagen. Da kann man sie angeln und da sollen sie auch am Besten schmecken. Aus diesen Löchern (Kläranlagenablauf) fließt häufig Wasser mit einer Fracht von Inhaltsstoffen, die um Größenordnungen kleiner ist, als jene die die industrielle Landwirtschaft heimlich über Drain- und Grundwasser in die Fließgewässer schickt.

Dies darf bei der Gewässerverwaltung aber nicht berücksichtigt werden. Gewissermaßen hat diese diesbezüglich ein Weiterdenk- und Ermittlungsverbot, weil der Gesetzgeber in seiner unendlichen Weisheit und Voraussicht landwirtschaftliche Abwässer von der Beantragung einer Einleiterlaubnis und der Zahlung einer Abwasserabgabe befreite.

Diesen Fakt der Diskriminierung übersieht die EU-Kommission geflissentlich. Und so bleiben am Ende die Kommunen die Dummen, wobei die wasserchemische Gewässergüteklasse II oft nur erreicht werden kann, wenn die kommunalen Kläranlagen ihre Abwässer verdampfen und die industrielle Landwirtschaft ihre Produktion um schätzungsweise wenigstens 50 % zurückfährt. Nichts Neues, denn darauf hat ja REICHHOLF schon 2006 hingewiesen: Ein Großteil des Phosphors in unseren Gewässern stammt aus importierter Gülle von Übersee. (Genaueres bei REICHHOLF, Der Tanz um das goldene Kalb, Der Ökokolonialismus Europas, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 1. Auflage 2006 – sehr lehrreich!)

Zurück zum Spaerotilus, denn dieser wächst andererseits an der Stelle wenigstens schon über 50 Jahre und das eine oder andere Fischfuttertierchen gut 100 Meter bachabwärts freut sich regelmäßig darüber. Was sollen die Fischfuttertiere denn sonst fressen?

Dieser Beitrag soll nicht als Reklame für Abwasserpilze verstanden werden, aber in diesem ganz konkreten Fall ist kein sachlicher Nachteil aus dem Wachsen des Pilzes zu erkennen, der deshalb nun unbedingt zu beseitigen wäre.

Man muss eben die Dinge in der Natur und im Zusammenhang untersuchen.

Mehr sollte eigentlich nicht gesagt werden.




EU-WRRL – Ein Orakel?!

Guter oder sehr guter morphologischer Zustand - eher die absolute Ausnahme!

Warum Orakel?

Nun, weil die EU-WRRL genau wie ein Orakel aufgrund ihrer Abstraktheit gedeutet werden kann und muss. Das ist Fakt. Manche Regelungen der EU-WRRL werden unwissenschaftlich umgesetzt. Deshalb „orakeln“ seit längerem einige Ökologen – jene die ihre  Wissenschaft verteidigen  – bei der EU-WRRL nicht mehr mit. Sie sehen die Natur wie sie ist, nämlich wertfrei und da ist kein Verständnis für primitive Zustandsbewertung, wie für ein „gutes“ oder „böses“ Potential.

Die vom Orakel Betroffenen – also meist die Abwasserbeseitigungspflichtigen – müssen sich nun und nur überlegen, ob sie willkürliche Zustandsbewertungen umsetzen wollen. Meist wollen sie das, merken aber zu spät, dass sie dann zwangsläufig für die Orakelergebnisse Fremder bezahlen. So ist das im Leben auch bei anderen Dingen. Ein Orakel will und muss eben auch von irgendetwas leben.

Eine Lösung: Wenn die von der Gewässerverwaltung geplanten wasserwirtschaftlichen Maßnahmen für die Herstellung des guten ökologischen Zustandes oder des guten Potentials nicht effizient sind – sofern sich überhaupt jemand die Mühe macht, dies rechtzeitig nachvollziehbar zu untersuchen und darzulegen – dann besteht die schlichte Alternative darin, den guten ökologischen Zustand oder das gute Potential legitim so umzudeuten, dass dieses neue Ziel dann die Chance bekommt effizient zu werden. Wo ein Wille, ist immer ein Gebüsch!

Zugegeben: Mit dem Prüfen der Effizienz der Konsequenzen einer Zustandsbewertung ist wohl jede Gewässerverwaltung und jedes Umweltfachamt hoffnungslos überfordert, denn mittlerweile gibt es Bücher bzw. Dissertationen zu dem Thema, das keineswegs in der Verwaltungspraxis nebenbei bearbeitet werden kann.

Peinlich wird es nur, wenn der falsche Eindruck vermittelt wird, die Anforderungen für den guten Zustand oder für das gute Potential seien auf Effizienz geprüft und wenn behauptet wird, die EU-WRRL würde genau dies erfordern und es gäbe keine kostensparenden Alternativen.

Mittlerweile ist die EU-WRRL zu einem Monster gewachsen, das kein einzelner Mensch in seinem Leben je zu werten oder gar zu überblicken vermag. Der geneigte Leser mag ja im Zweifelsfall versuchen das Werk zu verstehen. Ohne Orakel kommt er nicht weit.  Es bleibt nur zu ergänzen, dass die alten Griechen unter dem Orakel drei Dinge verstanden: Den Ort, an dem orakelt wurde, das Orakel als Person und schließlich das Orakel als Weissagung.

Die Wertung der Effizienz einer wasserwirtschaftlichen Investition ist eine anspruchsvolle, komplizierte, aufwändige und zugleich interdisziplinäre Aufgabe, die neben verschiedenster Fachkunde, wie meist in der vernünftigen Reihenfolge

  1. Ökologie,
  2. Biologie,
  3. Hydromorphologie kontra Gewässerunterhaltung,
  4. Investitionsrechnung,
  5. Nutzensbewertung und Risikobewertung,
  6. Chemie (wie fälschlich nicht als Ziel, sondern als Mittel für ökologische Zustände und deshalb erst zum Schluss aufgezählt),
  7. Reduzierung der industriellen Landwirtschaft (wer sich traut 😉 ),
  8. kommunale Abwasserbeseitigung

auch praktische Erfahrung in der Natur – also nicht am Schreibtisch – erfordert. Was sagte ich? Ein Orakel? Eine Heerschar von Orakeln!

Nüchtern bringt es VORREYER [1] auf den Punkt:

„So bestehen in erheblichem Maße Auslegungsprobleme; infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten, den gemeinsamen Rahmen zu umgehen, sodass zurzeit kaum etwas darüber ausgesagt werden kann, ob der Rahmen für eine wirklich harmonisierte, wettbewerbsvereinheitlichende Gewässerschutzpolitik ausreicht.“

Man kann es auch so deuten: …infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten bei fragwürdigem Nutzen eine vernünftigen, effizienten Weg zu wählen und die Bürger eines Landes nicht unnötig finanziell zu belasten.

In der Praxis wird das Pferd oft immer noch von hinten aufgezäumt. Man beginnt mit dem Mut des Verzweifelten – mit dem, was man glaubt auf Kosten der Kommune leichtens ändern zu können – mit dem wasserchemischen Zustandsorakel und täuscht manchmal nur mit einer Mischungsgleichung (Gymnasium) vor, dass dieser wasserchemische Zustand schlecht und unbedingt zu bessern sei. Die Konsequenzen der „Verbesserung“ werden nicht untersucht, denn dafür ist man nicht zuständig, wie auch für den Erfolg seiner wasserchemischen Überlegungen.

Wir sollten von der Jugend lernen! Sie kennt die Natur besser als man meinen könnte. Machen wir eine Probe auf’s Exempel:

Jeder kleine Junge überlegt sich zuerst, welche Fische er im Aquarium haben will, bevor er über Pflanzen oder gar Phosphor überhaupt nachdenkt!

Die Änderung der Anforderungen an den guten ökologischen Zustand oder für das gute Potential erlaubt die EU-WRRL ausdrücklich.

Eine Voraussetzung dafür ist zunächst die Erlangung der Deutungshoheit. Dabei sind die jeweiligen Passagen in der EU-WRRL zu finden, die eine Deutungsvielfalt erlauben. Ein Stichwort: Effizienz!

Ein guter Anfang zur Effizienz wäre es, sich von Naturromantik zu trennen, denn wir wollen ja etwas bewirken.

Das erste Foto ist natürlich eine schöne Darstellung von einer schönen Natur, so wie Städter sie lieben, wenn sie auf dem Balkon Sonnenblumen anbeten.  Eine Sonnenblume – nicht jede – ist nämlich auch ein neuzeitliches Orakel; im ersten Sinne.

Seitengraben des Strengbaches - (Sachsen-Anhalt)

Ein allein durch landwirtschaftliche Abwässer eutrophierter Graben

Das zweite Foto ist auch Natur, wenn auch – auf den ersten Blick gewertet – nicht ganz so schön. Ein wertbesessener „Ökologe“ aber würde von einem schlechten ökologischen Potential faseln. (Ein normaler Mensch wird ohne umständliche Erklärungen nicht verstehen, wovon er redet. Auch markant: Wir sind inzwischen soweit, dass wir uns bürokratisch sagen lassen müssen, wie wir die Natur gefälligst zu werten, zu verstehen und zu lieben haben.)

Aus meiner Sicht oder aus der Sicht Frosches, die ich mir zu eigen mache, ist der Zustand im 2. Bild geradezu paradiesisch schön. Denn: „böser“ Phosphor = viele Algen = dicke Kaulquappen = dicke Frösche = neugierige Störche!  An der Kröte kann ein Naturromantiker – der Naturwissenschaften abgewählt hat – ersticken:  Gewässerdüngung macht Störche satt!

Die „unschöne“ Natur verspricht eine reiche Froschernte, die nur dann genutzt werden kann, sofern der Gewässerunterhaltungsverband nicht schneller ist und alles Lebendige aus dem Graben ausschabt und tötet, ähnlich wie es einer Warze beim Hautarzt geschehen würde, der mit einem scharfen Löffel ihr zu Leibe rückt.

Aber ohne Gewässerunterhaltungsverband wäre alles eine feuchte lebendige Wiese ohne industrielle Landwirtschaft. Wie es dann aussehen könnte, ist hier zu erahnen: Fauler See.

Die Realität sieht oft so aus: Zuckerrüben bis zum Horizont, industrielle Landwirtschaft und industrielle Tierproduktion, hier und da verträumte industrielle Biogasanlagen deren Gärreste neben Gülle in den Einzugsgebieten ausgebracht werden. Als Antwort und Lösung für das „gute Potential“ als Orakel eine flächendeckende Verschärfung der Überwachungswerte für kommunale Kläranlagen.

Über 20 Jahre wegen der Besorgnis verschärfte Überwachungswerte (BSB, CSB, N und P) und niemand schaut nach, ob dies tatsächlich einen hinreichenden Effekt brachte oder gar effizient war.

Kein Wunder, dass sich manche Ökologen mit Grausen von einem solchen „Gewässerschutz“ abwenden.

Heute unverständlich, wie wir ohne EU-WRRL überhaupt die Gewässer zu schützen vermochten! Wie doof und ungebildet waren doch die alten Wasserwirtschaftler! Was muss das früher für eine naturfeindliche Welt gewesen sein. Keine Biomaisfelder, keine Windkraftwerke, wenige Wasserkraftwerke, industrielle Landwirtschaft in Maßen….

Ob des Pudelskern darin besteht, dass sich hinter jeder kleinen Regelung ein Arbeitsplatz versteckt und dass es schon lange nicht mehr um die Natur geht?

________

[1] Vorreyer, Christian
Erläuterungen zur Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG)
durchgesehen und ergänzt von Friedrich Schröder
Stand: Juni 2007
Wasserrecht für die betriebliche Praxis
2008 WEKA MEDIA GmbH & Co. KG

 

 




Vorsorge – ein Indiz für wasserwirtschaftliche Ausbildungsschwäche?

Bei dieser Vorsorge geht es nicht um natürliche menschliche Verhaltensweisen, wie z. B. derart, dass man sich warm anzieht, wenn es draußen kalt ist. Im Blickpunkt steht die Veränderung der Gesellschaft durch Vorsorgediktatur mit all ihren destruktiven Folgen, betrachtet am Beispiel des vorsorglichen Gewässerschutzes. Zu den zahlreichen Nachteilen des Vorsorgeprinzips haben sich schon viele Autoren nachvollziehbar ausgelassen, ohne dass es etwas genützt hat. Einige interessante Quellen [3]-[10] seien zum Nachlesen empfohlen.

img_6047

Missachtung des Vorsorgeprinzips schafft Freude und Genuss!

Bei fehlenden Effizienznachweisen für gewünschte zusätzliche Verbesserungen des Gewässerschutzes ist es üblich (manchmal vielleicht auch weil bequem) die behördlich verschärften Anforderungen an das Betreiben von technischen Anlagen mit dem fragwürdigen Vorsorgeprinzip zu begründen. Das ist sehr einfach, anspruchslos und zugleich im doppelten Sinne verantwortungslos. Man erklärt nur seine Ängste und Sorgen. Jemand der Angst hat und dies auch noch schriftlich darlegt, ist seine Verantwortung los. Das Vorsorgeprinzip in seiner ideologischen Nutzung negiert den technischen Fortschritt und die Lebensgefährlichkeit. Das Denken und Handeln übertragen die Bürger dem Staat. In der „wasserwirtschaftlichen“ Praxis verursacht die Anwendung des Vorsorgeprinzips im wesentlichen erhebliche Mehrkosten beim Gewässerschutz wobei wohl ganz selten ein Effizienznachweis vorliegt. Auch werden preiswerte Lösungen bei der Gewässernutzung oder bei der Abwasserbehandlung vorsorglich verhindert. Dahinter stecken neben Ängsten teilweise auch Industrieinteressen. Im vergangenen Jahr ist mir ein krasses Beispiel der Anwendung eines Vorsorgeprinzips aufgefallen, bei dem die Hygiene das Einleiten des Regenwassers von Dachflächen mit der Begründung untersagte, dass ja in den Dachrinnen (immer) tote Vögel liegen, die die Badewasserqualität verschlechtern könnten. Konsequenz dieses hygienischen Schildbürgerstreiches: Mehrkosten für einen Unternehmer, der den Streit am Ende genervt aufgab. Der Hygiene möchte man zurufen: „Und was ist mit den toten Vögeln, die beim Überfliegen des Badesees plötzlich sterben und ins Wasser fallen oder mit dem Fuchs, der am Ufer der Badestelle stirbt oder trinkt oder mit den Badegästen, die fleißig ins Wasser pullern, von denen einer ein Dauerausscheider von Cholera ist und mit der Schwimmerin, die nicht vorsorglich den Mund geschlossen hält oder mit den Elbe-Badetagen? Ist die Elbe oder die Natur an sich etwa steril?“ (Da frage ich mich wieder, ob ich so etwas schreiben darf und soll? Wenn’s aber stimmt! Vielleicht sollte man aber gerade dann den Mund halten, wenn man Recht hat?)

Tatsache ist, dass wir unseren hohen Lebensstandard (nicht nur in Deutschland) und viele Freuden ausschließlich der vorsätzlichen Missachtung des Vorsorgeprinzips verdanken. Darüber lohnt es sich bei Uneinsichtigkeit schon lange nachzudenken, wem das nicht auf Anhieb auffallen sollte. Man mag darüber nachdenken, ob es den verehrten Leser überhaupt geben würde, wenn das administrative Vorsorgeprinzip in der heutigen Form schon seit 500 Jahren die Menschen in Ketten legen würde. Die Völkerschlacht bei Leipzig z. B. wäre garantiert ausgefallen. Vorsorglich hätten damals alle erst mal aus ihren Häusern geschaut, was da draußen so passiert. Und es lebten vielleicht nur 10 % der Menschen in Deutschland – die anderen 90 % wären verhungert oder hätten gar nicht erst geboren werden können –  wenn es Deutschland überhaupt noch geben würde. Einfach deshalb, weil die Wissenschaftler Haber und Bosch ihre Synthese vorsorglich nicht hätten erfinden dürfen und so weiter und sofort. Fragwürdig ist das Vorsorgeprinzip bei exzessiver Anwendung, wie es in den letzten 20 Jahren zunehmend zu beobachten ist. Vielleicht ist diese negative Entwicklung auch Ausdruck der Überalterung, Trägheit und mangelhaften Schulbildung der Gesellschaft.

Ist die exzessive Nutzung des Vorsorgeprinzips etwa ein starkes Indiz für mangelhafte Ausbildung sowie für fehlende Sach- und Fachkunde?

Kaum jemand stört sich daran, dass bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips regelmäßig gegen die Leitlinien der EU-Kommission zur Anwendung des Vorsorgeprinzips [1] und sogar gegen die EU-WRRL verstoßen wird.  Beweis: Beide Leit- bzw- Richtlinien fordern Effizienznachweise bevor das Vorsorgeprinzip angewendet werden darf. Dieser Fakt wurde bislang noch nicht gedeutet.

Eine Ursache solcher Fehlentwicklungen ist die Formulierung abstrakter Ziele, deren Erfüllungsweise gedeutet und meist vor Gericht erkämpft werden muss, weil die Deutungshoheit eher selten beim Abwasserbeseitigungspflichtigen liegt.

Das eigentliche Problem liegt aber tiefer. Die Verschärfung von Überwachungswerten ohne prüffähigen Effizienznachweis können in grobfahrlässiger Weise wasserwirtschaftliche Fehlinvestitionen verursachen. Damit wird gegen das Sparsamkeitsprinzip verstoßen. Möglicherweise will ein Anwalt auch staatliche Willkür beweisen.

Kostenvergleichsrechnungen und Kosten-Wirksamkeits-Analysen bzw. Nutzwert-Kosten-Analysen werden zwar verlangt und erarbeitet, aber in der Praxis viel zu spät. Kaum jemand prüft nämlich, ob schon die Verschärfung mancher wasserchemischer Anforderungen überhaupt effizient oder verhältnismäßig ist. Diese Prüfung ist ratsam, bevor Angst und Schrecken mit scharfen Forderungen in den Abwasserzweckverbänden verbreitet wird. Effizienz und Verhältnismäßigkeit sind nämlich wichtige Forderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die – so hat man den Eindruck – nicht immer beachtet werden!

Also gilt unbedingt, wenn es zusätzliches Geld oder zusätzlichen Aufwand verursacht:

Verschärfungen der Überwachungswerte oder zusätzliche Auflagen sind grundsätzlich nicht plausibel!

Es mag Ausnahmen (Trinkwasserschutz) geben, bei denen z. B. 10 % Mehrnutzen unverhältnismäßig hohe Mehrkosten durchaus rechtfertigen können. Dies wäre aber umfänglich, prüffähig zu beweisen und in einem solchen Falle vorstellbar, wenn beispielsweise giftige Wirkungen im Gewässer nur bei normalerweise unverhältnismäßig hohen Mehrkosten mit hoher Sicherheit verhindert werden können, wobei über die „Sicherheit“ gestritten werden sollte, um Denkfehler zu minimieren.

Auch wenn die EU-Kommission mitunter kritisiert wird: Auf den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips sollte bestanden werden, denn danach ist die Vorsorge nur auf ganz wenige Ausnahmen beschränkt, keinesfalls aber auf Gewässerschutzmaßnahmen, deren Effekt kalkulierbar ist.

Die Menschheit ist Tausende Jahre lang ohne dieses destruktive und willkürliche Prinzip ausgekommen. Der heutige intensive missbräuchliche Einsatz des Vorsorgeprinzips raubt den Menschen einen Großteil ihrer Freude und Freiheit. Und dies auf raffinierte, destruktive, langsame und deshalb auch unauffällige Weise. Dieses Vorsorgeprinzip kann mit Sicherheit ersatzlos gestrichen werden, denn unseren hohen Lebensstandard verdanken wir paradoxerweise genau den unzähligen Verstößen gegen das Vorsorgeprinzip von Jonas [2]. Jonas, der  Erfinder, der sich selbst nicht ganz sicher war und wohl aus Gewissensgründen sein Buch vorsorglich mit dem Untertitel „Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation“ versah. Und dieses Wörtchen „Versuch“ wurde bei der exzessiven Einführung des Vorsorgeprinzips in die Gesetzgebung vorsorglich unterschlagen. Heute weiß niemand mehr, dass es sich bei dem Vorsorgeprinzip nur um einen Versuch handelt, der allerdings trefflich scheiterte, was aber auch keinen stört. Auch hat sich eine Ideologie gefunden, die nachhaltig auf dem Vorsorgeprinzip von Jonas [2] beruht und es fleißig missbraucht. Bildung und Klugheit ist deshalb m. E. vorzüglicher als der Versuch mit dem Vorsorgeprinzip.

Aber es gibt auch ein sehr gutes Beispiel in der nichtvorsorglichen Genehmigungspraxis, welches uns hoffen lässt:

Einen nachvollziehbaren und zudem gut begründeten Prozess der Verschärfung der Überwachungswerte unter Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung bis hin zur Versagung der Abwassereinleitung hat das Wasserwirtschaftsamt Hof beim Schutz der Flussperlmuschel demonstriert. Aufgrund der Kompetenz, der guten Vorbereitung und der rechtzeitig erarbeiteten wissenschaftlichen, ökologisch-ökonomischen Basis, kam man erfreulicherweise ohne „Anrufung“ des Vorsorgeprinzips aus. Wie man sieht, ist es möglich, Anforderungen im Gewässerschutz auch ohne Angst und Sorge zu begründen. Wir sollten es häufiger versuchen!

Tja, ich würde die regelmäßige Anwendung des Vorsorgeprinzips grundsätzlich verbieten, in den Gesetzestexten, in denen das Wort „Vorsorge“ oder „Besorgnis“ auftaucht, den jeweiligen Text durch „Bildung und Vernunft“ ersetzen und Vorsorge nur dann erlauben, wenn die Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips schön fleißig abgearbeitet wurden.  Da könnten wir gewaltig Geld sparen und unsere Zukunft etwas retten. Und weil wir gerade mal dabei sind: Das Gleiche gilt für die ideologische Kategorie „Nachhaltigkeit“. Man darf staunen, was ideologische Programme in Gesetzen zu suchen haben, die auch Nichtideologen einhalten sollen. Insofern kann man „Vorsorge“ und „Nachhaltigkeit“ auch als ideologische Trojaner und Wieselwörter bezeichnen.

Siehe auch: Verhältnismäßigkeit bei Gewässerschutz

____________

[1] Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips
in „Die Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips“
Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
Brüssel, den 02.02.2000, KOM (2000) 1 endgültig

[2] Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung:
Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation.
Frankfurt/M., 1979.

[3] Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch
2. Auflage 2003
Wagenbach Verlag Berlin

[4] Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

[5] Eilingsfeld, Heinrich
Der sanfte Wahn
Ökologismus total
Südwestdeutsche Verlagsanstalt Mannheim
(Bemerkenswert, dass das Buch schon 1989 erschien.)

[6] Gärtner, Edgar L.
Öko-Nihilismus
Eine Kritik der Politischen Ökologie
TvR Medienverlag Jena, 2007

[7] Driessen, P.K.
Öko-Imperialismus
Grüne Politik mit tödlichen Folgen
TvR Medienverlag 2006

[8] Maxeiner; D., u.a.
Die Zukunft und ihre Feinde
Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
Eichenborn AG 2002

[9] Maxeiner; D., u.a.
Das Mephistoprinzip
Warum es besser ist, nicht gut zu sein
Eichenborn AG 2001

[10] Steinberg, Ch.
Von Mistbienen, Haussperlingen und der EU-Wasserrahmenrichtlinie – eine
beabsichtigte Polemik
Wasser & Boden




Wenn die Lieblingstheorie falsch ist…

„Der berühmte britische Biologe Conrad Waddington schrieb im Jahre 1941:

Es ist … wichtig, dass Wissenschaftler darauf vorbereitet sind, dass sich ihre Lieblingstheorien als falsch herausstellen.

Wissenschaft als Ganzes kann niemals zulassen, dass die Beurteilungen der Fakten durch Ideologie verzerrt werden können, die festlegt, was zu stimmen hat und was nicht; oder was man hofft, das zutreffend ist.

Quelle: So sieht der wahre Zustand des Klimas aus

 




Steinfliege Aderhaft

Ein Exkurs in die Hydrobiologie

Nympfe der Steinfliege Aderhaft (Ecdyonurus?)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Steinfliege lebt in Gewässern mit gutem Zustand.

Literatur:

 




Der chemische Sauerstoffverbrauch

Der chemische Sauerstoffverbrauch – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung? von U. Halbach

Kaffeetasse mit mächtig viel chemischem Sauerstoffverbrauch - nach wasserrechtlicher Deutung extrem schadstoffbelastet!

Fachartikel  veröffentlicht in der wwt 6, 7-8 und 9/2013

Auszug einer Leserzuschrift von Herrn Jürgen Wachtendorf am 13.11.2013:

Sie schreiben auf S. 16 im 1. Teil (etwas unter dem CSV/BSB-Bild): „Zusätzlich muss die ganze Mischung bei 148 +/- 3°C 110 Minuten schwach sieden. Da bekanntlich Wasser schon bei 100°C kocht, ist die Reaktion unter Druck zu halten.“  Diese Aussage ist nicht korrekt, bei der CSB-Bestimmung nach DIN wird das Reaktionsgemisch am Rückfluss bei normalem Luftdruck am Sieden gehalten. Reines Wasser kocht tatsächlich schon bei 100°C, das Reaktionsgemisch hat aber einen derart hohen Säure- und Salzanteil, dass der Siedepunkt viel höher als 100°C liegt, eben bei besagten 148°C. Ein erhöhter Druck ist hier nicht erforderlich. Bei der CSB-Bestimmung mit einem Küvettentest, mit dem auf vielen Kläranlagen die CSB-Analyse zuverlässig durchgeführt wird (und die – nebenbei bemerkt – wesentlich appetitlicher, umweltfreundlicher und unter Arbeitsschutzaspekten sicherer als das DIN-Verfahren ist), stehen die geschlossenen Küvetten leicht unter Druck, da sich die Luft in der verschlossenen Küvette durch die Hitze ausdehnt, erforderlich ist dieser Druck aber nicht.

Kommentar:
Ich folge den Argumenten! Vielen Dank für die Hinweise!
U. Halbach




Sauberes Wasser ist tödlich!

Immer weniger Schweizer Fische gehen ins Netz

«Eine zu tiefe Phosphorkonzentration führt zu einer Hungersnot, Bestände und Fangerträge gingen mancherorts katastrophal zurück», sagte Silvano Solcà, Präsident des Schweizerischen Berufsfischerverbandes, gegenüber dem Landboten».

  • Die Bodenseefischer fingen 2011/2012 über ein Drittel weniger Fische
  • „Viele der 310 Berufsfischer, die es heute noch schweizweit gibt, sind deswegen auf einen Nebenerwerb angewiesen.“

Siehe auch:

 




Verschlechterungsverbot

Abstrakte Ziele sind zumeist Ursache für willkürliche Entscheidungen und willkürliches Handeln

Einige Überlegungen:

  1. Wenn als Prämisse gilt, dass wasserwirtschaftliche Entscheidungen auf wissenschaftlicher Grundlage zu fällen sind, dann ist das abstrakte Verschlechterungsverbot als Argument wegen seiner Abstraktheit recht fragwürdig.
  2. Ein wasserwirtschaftlich wertvolles Instrument wird das Verschlechterungsverbot dagegen, wenn es nicht abstrakt, sondern konkret begründet wird. Das ist möglich, wenn das Verschlechterungsverbot z. B. auf den Erhalt und den Schutz bestimmter (konkreter) Tier- oder Pflanzenarten und auf die Erhaltung der dafür notwendigen Lebensbedingungen in ihren komplexen Ökosystem gerichtet wird. Erst in ihrer konkreten Modifikation wird das Verschlechterungsverbot mit ökologischen Methoden definierbar. Es wird nun möglich, die Konsequenzen eines Zustandes z. B. für eine konkrete Tierart zu bewerten.
  3. Diese Bewertung liegt allerdings eher im gesellschaftlichen  Interesse, denn innerhalb der Wissenschaft „Ökologie“ gibt es (nicht nur) nach LAMPERT keinen Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.
  4. Dem Abstrakten fehlt die sachliche Grundlage.
  5. Abstrakte Ziele entziehen sich einer Nutzensbewertung und damit einer Bewertung der Wirtschaftlichkeit bzw. Wasserwirtschaftlichkeit.
  6. Willkürlich ist etwas, dem die sachliche Grundlage fehlt.
  7. Willkür ist  sachlich nicht prüfbar und Willkür entzieht sich den Gesetzen der Logik.
  8. Willkürliches Entscheiden und willkürliches Handeln ist dem Staat lt. Grundgesetz verboten.
  9. Abstrakte Ziele sind immer ein Grund nachdenklich, misstrauisch und vorsichtig zu werden.
  10. Präfixe, wie z. B. Bio und Öko begründen meist ein Geschäft oder eine Ideologie.



Ungeteilte Meinung

Zitat:

Schwedische Klimaforscher in Sorge vor zu viel Alarmismus

„Auch was die viel zitierten Extremereignisse angehe, so warnen die Schweden vor allzu großer Schwarzmalerei: “Es gibt keinerlei Hinweise auf einen ansteigenden Trend bei der Intensität oder der Anzahl von tropischer Wirbelstürme”. Damit widersprechen die vier Schweden nicht weniger als so gut wie allem, was im Potsdamer Institut als heilig gilt. Sie fürchten bei allzu viel Alarmismus eine “Bedrohung der Glaubwürdigkeit von Wissenschaftlern”.  Das ganze ist “unterschrieben von den folgenden vier Klimawissenschaftlern und Mitgliedern der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Lennart Bengtsson, Deliang Chen, Marie-José Gaillard, Henning Rodhe.”“

***

Kommentar:

Mein Bauchgefühl – wissenschaftlich unterfüttert – nach Gigerenzer sagt mir:

  • Den Ball flach halten und sich auf das Schlimmste vorbereiten.
  • Das mögliche Schlimmste ist garantiert nicht die Klimaerwärmung. 

Wieso?

Nun, es genügt sich nur nackig in die Sonne zu legen und aufzupassen was mit einem geschieht, wenn sich ’ne Wolke vor’s Zentralgestirn schiebt.

Da muss man nicht mal sein Gehirn einschalten. Der Bauch freut sich nicht, wenn keine Sonne auf ihn scheint.

U. Halbach

***

Gigerenzer, G.
Bauchentscheidungen
Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition
Goldmann Verlag
2008




Rechtliches zur Grundstücksentwässerung

Rechtsprechung zur Dichtheitsprüfung von privaten Grundstücksentwässerungsanlagen

Zitate mit freundlicher Genehmigung des Rechtsanwaltes Herr Reinhart Piens (Essen) 10.1.2013

  • „In der fachlich, rechtlich und politisch umstrittenen Frage der Dichtheitsprüfung privater Abwasseranlagen hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg kürzlich ein interessantes Urteil gesprochen (10. Januar 2012, Aktenzeichen 9 KN 162/10). Es kommt im Rahmen eines Normenkontrollantrages gegen die Satzung eines Abwasserverbandes zu dem Ergebnis, dass eine Regelung in der Abwasserbeseitigungssatzung, wonach private Grundstücksentwässerungsanlagen entsprechend der DIN 1986-30 auf Dichtheit zu überprüfen sind, in Niedersachsen auf einer ausreichenden gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage beruht und mit höherrangigem Recht vereinbar ist. Dichtheitsprüfungen zusätzlich zur DIN 1986-30 können allerdings nur bei Vorliegen besonderer Rechtfertigungsgründe gefordert werden.
  • Der Senat sieht in dieser Bestimmung eine dynamische Verweisung auf die DIN 1986-30 in der jeweils geltenden Fassung, zurzeit also in der Fassung der 2. Auflage von 2003 und voraussichtlich ab dem 1. Februar 2012 in einer geänderten Fassung. Nach der Tabelle 1 in Abschnitt 5.5 der zurzeit geltenden DIN 1986-30 (Prüfverfahren und Zeitspanne für die Dichtheitsprüfung) sind Anlagen zur Ableitung von häuslichem Abwasser oder Mischwasser entweder im Zuge von Baumaßnahmen (Nrn. 1.1 und 1.2) oder aber jedenfalls bis zum 31. Dezember 2015 (Nr. 1.3) einer — erstmaligen — Dichtheitsprüfung zu unterziehen.
  • In der ab dem 1. Februar 2012 voraussichtlich geltenden Neufassung der DIN 1983-30 ist der 31. Dezember 2015 als Prüftermin entfallen und sind abweichende Prüfintervalle von 20 oder 30 Jahren vorgesehen.
  • In diesem Bereich können sie die Benutzung ihrer öffentlichen Einrichtungen durch den Erlass von Satzungen regeln und nach § 8 Nr. 2 NGO (jetzt § 13 Satz Nrn la und 2a NKomVG) für die Grundstücke ihres Gebietes den Anschluss an die Abwasserbeseitigung anordnen sowie deren Benutzung vorschreiben (Anschluss- und Benutzungszwang).
  • Auf der Grundlage der §§ 6 Abs. 1 Satz 1, 8 Nr. 2 NGO (jetzt §§ 10 Abs. 1, 13 Satz 1 Nrn la und 2a NKom VG) kann die Gemeinde eine Dichtheitsprüfung nur anordnen, soweit ein konkreter Bezug zur Erfüllung der eigenen Aufgabe Abwasserbeseitigung besteht. Kommunale Satzungen dürfen daher Anforderungen an Grundstücksentwässerungsanlagen lediglich aufstellen, um zu vermeiden, dass der Betrieb des öffentlichen Abwasserbeseitigungssystems erschwert oder beeinträchtigt wird, und um sicherzustellen, dass der bestehende Benutzungszwang und die Überlassungspflicht nach § 96 Abs. 9 NWG n. F. (§ 149 Abs. 10 NWG a. F.) eingehalten werden.
  • Eine Überprüfung der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen darf deshalb mit dem Ziel vorgesehen werden, das Eindringen von Fremdwasser in das Abwasserbeseitigungssystern zu verhindern.
    Nicht von der Satzungsermächtigung in den §§ 6 Abs. 1 Satz 1, 8 Nr. 2 NGO (jetzt §§ 10 Abs 1, 13 Satz 1 Nrn la und 2a NKom VG) gedeckt sind Regelungen, die allein auf die Einhaltung eines wasserrechtlich ordnungsgemäßen Zustands abzielen. Gegenstand des Wasserrechts ist unter anderem der Grundwasserschutz. Undichte Leitungen bringen die Gefahr mit sich, dass das Grundwasser durch den Eintritt von Schadstoffen beeinträchtigt wird (vgl. hierzu Schneider, ZfW 2005, 69). Wegen des hinsichtlich des Grundwasserschutzes abschließenden Charakters des Wasserrechts sind kommunale Satzungsregelungen, insbesondere auch die Anordnung einer Dichtheitsprüfung, mit dem Ziel, das Grundwasser vor Beeinträchtigungen zu bewahren, nicht zulässig.
  • Der Träger des Abwasserbeseitigungssystems muss im Interesse der erforderlichen effektiven Abwasserbeseitigung in der Lage sein, diesen — aus dem Verantwortungsbereich des Grundstückseigentümers herrührenden — Missstand zu beseitigen, und muss aus diesem Grund auch eine Dichtheitsprüfung anordnen dürfen, die an technische Anforderungen zur Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustands der Grundstücksentwässerungsanlage anknüpft.
  • Wegen der Vielfalt der möglichen Schadenseintritte und der Notwendigkeit eines auch vorbeugenden Schutzes kann eine Eigenkontrolle nicht nur bei denjenigen Grundstücken, bei denen sich eine allgemeine Gefährdungslage bereits konkretisiert hat, sondern für alle an die öffentliche Entwässerungsanlage angeschlossenen Grundstücke satzungsmäßig vorgeschrieben werden (BVerfG — ZfW 1994, 392f.
  • Die sachliche Rechtfertigung folge in erster Linie aus der Einwirkungs- und Verfügungsgewalt des Eigentümers.
  • Die Einhaltung dieser Pflichten setze notwendigerweise voraus, dass der Eigentümer den Zustand und die Benutzung der Sache durch Eigenkontrollen überprüfe.
  • Zu solchen Maßnahmen gehören auch regelmäßige Überprüfungen der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen durch den Eigentümer auf dessen Kosten.
  • Strengere Anforderungen im Vergleich zur DIN 1986 i. d. F. von 1988 … entsprechen nicht ohne Weiteres einer sachgerechten Ermessensausübung. Denn die DIN geben die anerkannten Regeln der Technik in sachverständiger Weise wieder. Sie geben daher zumindest für den Regelfall vor, welche Maßnahmen sachgerecht, erforderlich und ausreichend sind. Bestehen weitergehende Anforderungen nach der DIN nicht, so spricht dies dafür, dass solche Anforderungen nicht notwendig sind und als Ausfluss des Verhältnismäßigkeitsprinzips daher – auch angesichts der mit ihnen verbundenen Kosten und Anstrengungen … vom Grundstückseigentümer auch nicht verlangt werden können. Die Abwassersatzungen der Gemeinden und Landkreise dürfen somit strengere Anforderungen im Vergleich zur DIN 1986 i. d. F von 1988 nur vorsehen, wenn sie aus sachlichen Gründen – wie möglicherweise besonderen örtlichen Gegebenheiten – geboten sind. Derartige Rechtfertigungsgründe sind nur in Bezug auf die Buchstaben c und d des § 10 Abs. 2 Satz 2 ABS gegeben. Nach den dort getroffenen Regelungen können zusätzliche Dichtheitsprüfungen gefordert werden, wenn ein Grundstück in einem Gebiet mit hohem Fremdwasseranteil liegt oder konkrete Erkenntnisse bestehen, dass die Grundstücksentwässerungsanlage undicht ist.
  • Die Verfolgung wasserrechtlicher Ziele kann indessen aus den bereits dargelegten Gründen nur mit den Mitteln des Wasserrechts, nicht aber über kommunale Abwasserbeseitigungssatzungen erfolgen.“

Im Einzelnen wird auf den Gesamttext in der KA Korrespondenz Abwasser, Abfall 2012 (59) Nr. 6 S. 586-589 verwiesen.

Kommentar:

Die Argumentation

Der Träger des Abwasserbeseitigungssystems muss im Interesse der erforderlichen effektiven Abwasserbeseitigung in der Lage sein, diesen — aus dem Verantwortungsbereich des Grundstückseigentümers herrührenden — Missstand zu beseitigen, und muss aus diesem Grund auch eine Dichtheitsprüfung anordnen dürfen, die an technische Anforderungen zur Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustands der Grundstücksentwässerungsanlage anknüpft.“

verstößt wenigstens gegen das Verhältnismäßigkeitsprinzip der EU-WRRL und enthält sogar einen Trugschluss.  Dieser besteht darin , dass ja gerade die Dichtheitsprüfung aller Grundstücksleitungen (wie es gewünscht und  z. T. praktiziert wird) eine „effektiven Abwasserbeseitigung“ verhindert.

U. Halbach




Wasserwirtschaft!?

Mein Verständnis:

Effizienz bzw. Verhältnismäßigkeit des gewünschten Nutzens im Gewässer einerseits in Bezug auf die dafür notwendigen einmaligen und laufenden Aufwendungen andererseits unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeiten vom gewünschten oder erzielten Nutzen und Aufwand.

Kritik:

Heute spielt allerdings in der Praxis der Nutzen im Gewässer eher eine Nebenrolle oder hat eine Alibifunktion inne.

Relevant ist heute vielmehr, dass die Abwasserreinigung nach dem Stand der Technik vorgenommen wird, wobei die Effizienz zwar vorgeschrieben ist, aber in der Praxis eher keine oder eine unwesentliche Rolle spielt.

Das erkennt man auch an der erdrückenden Übermacht der Ingenieure gegenüber einer „handvoll“ Ökologen, die in der „Wasserwirtschaft“ zu finden sind.

Zudem verdient es nicht jede technische Entwicklung zur Norm zu werden. Nicolás Gómez Dávila brachte es krass auf den Punkt und der Leser mag über die Allgemeingültigkeit Dávilas Überlegungen entscheiden:

Um zu erreichen, daß der Techniker sich ausschließlich in seinem Amt befleißige, komprimiert die Industriegesellschaft sein Hirn, ohne seinen Schädel zu deformieren.

Der Schwerpunkt der Wasserwirtschaft liegt also heute zu oft beim Geschäft der Umweltwirtschaft als bei einer Effizienz im Umgang mit dem Wasser.

Wobei zu ergänzen ist: Und bei der Gewässerverwaltung als beim Gewässerschutz.

Mittlerweile sind wir an einem Punkt angekommen, an dem der ingenieurtechnische Gewässerschutz an vielen Orten zum Rückgang der Biodiversität und Populationsdichte am und im Gewässer führte.

Genau das Gegenteil dessen, was politisch ehemals als Ziel verkauft wurde.

Für all dies gibt es zahlreiche Indizien.




Abwassergebührensteigerung als logische Folge…

… der Energiekostensteigerung

 

Bei manchen Konsequenzen ist es ratsam, sie nur scheibchenweise zu verkünden.

Aktuell wird gerade eine Energiepreissteigerung in erheblichem Umfang verkündet.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn niemand denkt daran oder traut sich auf die sekundären Preiserhöhungen hinzuweisen oder diese mit spitzem Bleistift auszurechnen.

Und die sekundären Preiserhöhungen, so kann man vermuten, dürften in ihrer Summe die Kosten der primären Energiepreissteigerungen wahrscheinlich in den Schatten stellen.

Man ist alo bemüht, die Folgen zu verniedlichen. Der Beobachter wird an das Gleichnis mit dem kochenden Frosch erinnert, sofern ihm dies bekannt ist.

Offensichtlich ist, dass die Medien in den letzten Wochen sich plötzlich vermehrt gegen die „erneuerbaren“ Energien aussprechen. (Beispiel: Der alltägliche Irrsinn der deutschen Energiewende; )

Kaum eine Ware oder eine Dienstleistung dürfte es geben,  in der nicht in mehr oder weniger umfänglichem Maße elektrische Energie vergegenständlicht wurde bzw. wird und die damit meist in beachtlichem Maße unmittelbar preiserhöhend wirksam wird (besser: werden muss!).

Wenn nun die Energiepreise steigen, so werden folglich auch die Preise jener Waren steigen, zu deren Produktion, Lagerung, Transport und Verkauf elektrische Energie benötigt wird.

Die Bahn wird teurer, Telefon, Internet, die Speisen, der Stickstoffdünger, Pflanzenschutzmittel, die Fleischerzeugung (Schlachtung), die Spirituosen, die Medizin, Mineralöl, das Kochen, die Heizung, die Straßenbeleuchtung, Metalle (Stahl), Chemikalien,  Zement,… um nur auf Naheliegendes kurz hinzuweisen.

Viele Unternehmen wären sicherlich – nun, sagen wir es einmal vorsichtig – ungeschickt, würden sie mit den kommenden Energiepreissteigerungen für ihre Waren und Dienstleistungen nicht auch noch den einen oder anderen Gewinn- und/oder  Sicherheitszuschlag mit einkalkulieren. Ein solches Verhalten war schon bei der Einführung des Euros zu beobachten. Preise für Blumen bekamen z. B. einen anders nicht nachvollziehbaren Aufschlag von 100 %.

Die Lenkung der Aufmerksamkeit allein auf die Energiepreissteigerung ist raffiniert.

Tatsächlich werden wir sicherlich eine komplexe Preissteigerung erleben, deren Folgen in der Summe wir uns im Moment gar nicht vorstellen können.

Elektrisch betriebene Gebläse einer kleineren Kläranlage - Die Energiekosten für den notwendigen Sauerstoffeintrag bei der Abwasserbehandlung können schon 20 % der Betriebskosten erreichen. Die Betriebskosten sind zu 100 % Bestandteil der Abwassergebühren.

Es wird spannend sein zu beobachten, ob Deutschland mit der Abschaltung seiner Kernkraftwerke die eigenen Industriestandorte in einen „wirtschaftlichen Selbstmord“ zwingt und spannend wird es sein zu beobachten, wie das Volk auf die komplexen  Preissteigerung reagieren wird und vor allem dann, wenn es mitbekommt, dass jeder Protest zu spät ist. Markant ist, dass mittlerweile die Bildzeitung die ach so gute Windkraft thematisiert. Und bei den Photovoltaik-Anlagen ist nach Ferruccio Ferroni, Dipl. Ing. ETH, Zürich inzwischen klar, dass die Energie, die für ihre Herstellung verbraucht wird, deutlich größer ist, als jene, die innerhalb der Lebensdauer der Photovoltaik-Anlagen erzeugt werden kann.

Schließlich werden natürlich auch die Trink- und Abwassergebühren entsprechend steigen, denn die Abwasserreinigung ist besonders energie- und chemikalienkostenintensiv.

Uwe Halbach
Diplomvolkswirtschaftler

 




Die Entwertung des Trinkwassers…

…durch Marketing war ja schon öfter ein Thema.

Nun aber ist es heraus, was bislang nur zu vermuten war:

„Leitungswasser gewinnt im Test gegen Mineralwasser“

Zu wenig Mineralien, manchmal sogar Keime: Die Stiftung Warentest hat stille Mineralwässer unter die Lupe genommen und ist wenig begeistert.
Die Verbraucherschützer raten deswegen zu Leitungswasser.

Siehe auch: Flaschenwahn statt Wasserhahn!

Man mag sich fragen, warum Deutschland eine zentrale Trinkwasserversorgung betreibt und bezahlt?

Insofern ist der Verkauf von Trinkwasser in Flaschen in Deutschland nur ausnahmsweise einzusehen. Er gelingt in den vorhandenen Größenordnungen nur durch vorherige Verdummung des Kunden, an der dieser aber oft eine gehörige Portion Mitschuld trägt.

Primäre Schuld für viele Betrugsfälle tragen demnach nicht die Anderen. Vielmehr ist es zumeist die eigene, oft grenzenlose Dummheit gepaart mit mangelhafter Ausbildung in den Grundlagen der Naturwissenschaften.

Und so ist es nicht immer die Raffgier der Anderen, oder charmanter ausgedrückt das Streben nach Gewinn. Hier insbesondere mit den Mitteln des Betruges, welche/s Ursache für sehr viele Fehlentwicklungen, Unglücke und Kriege zu sein scheint.

Schon oft bemühtes Zitat von Reinhard Mey („Sei Wachsam“, auf Leuchtfeuer, 1996).: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: – Halt Du sie dumm, ich halt sie arm.“

Oder um den Punkt zu setzen; Mephisto in Goethes Faust:

Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist werth daß es zu Grunde geht; / Drum besser wär’s daß nichts entstünde.




Fische tot gepinkelt?

So lautet eine lustige Schlagzeile der Bildzeitung. Auch wenn die Fische mit ziemlicher Sicherheit nicht totgepullert wurden, man kann darüber schmunzeln.

In den folgenden Erörterungen bzw. Ferndiagnosen und vereinfachten Darstellungen sollen 2 Aspekte im Mittelpunkt stehen:

  1. Die Blaualgenplage
  2. Das Fischsterben

Die Blaualgenplage

Manche Fische lieben es geradezu, wenn sie „gedüngt“ werden, denn die Nährstoffe im Urin fördern das Wachstum von Algen.  Kleinkrebse, wie Wasserflöhe beispielsweise fressen Algen und machen so das Wasser sauber – wenn sie die Möglichkeit erhalten. Und Jung- und Friedfische fressen Wasserflöhe. Also: Maßvolle Düngung = viele fette Fische.

So gesehen kann man mit Abwasser Friedfische mästen und alle sind glücklich. Das ist nicht neu, sondern als Reinigungsmethode in Form von Abwasserfischteichen schon jahrzehntelang erprobt. Abwasserfischteiche sind alte, aus der Mode gekommene, aber bewährte Abwasserreinigungsverfahren, die es früher im ländlichen Raum häufig gab.

Vor dem Hintergrund aber, dass der Eichbaumsee 1 km lang, 250 m breite und 16 m tief ist, kann ich mir ein Totpinkeln aus quantitativen Gründen nicht vorstellen. Wikipedia notiert über den Eichbaumsee:

„Der Eichbaumsee wird vom Anglerverband Hamburg mit Karpfen, Hechten, Zandern und Schleien besetzt[1] [2] und war vor dem Fischsterben 2009 besonders wegen des Fanges großer Karpfen bekannt. Der See war ein bei der Hamburger Bevölkerung beliebter Badesee, der jedoch in heißen Sommern immer wieder stark von Algen befallen ist. Trotz Sanierungsmaßnahmen durch Tiefenwasserbelüftung mit einer als „Polyp I“ bezeichneten Anlage im März 2005 und im März 2007 mit „Polyp II“ musste das Baden wegen der Blaualgen untersagt werden. Seit Ende August 2007 ist ein generelles Badeverbot ausgesprochen.“

Und nach dem Artikel soll also in den letzten Jahren etwas passiert sein, das die Blaualgen so schön wachsen lässt.

Blaualgen mit Heterocysten - Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Was kommt dafür als Indiz in Frage?

Nun, es sind m. E. die besonderen Anstrengungen zur  Reinhaltung der Gewässer.

Das mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, aber es gibt ganz plausible Zusammenhänge:

Erstens:

Wo Nitrat in ausreichender Menge vorkommt, treten Grünalgen auf und wo Grünalgen sind, gibt es keine Blaualgenplage.

In dem Maße, wie Nitrat – weil gesetzlich vorgeschrieben – aus den Gewässern verbannt wird, werden ideale Lebensbedingungen für Blaualgen geschaffen.

Beweis nach Prof. Dietwart Nehring: „Dass die westlichen und zentralen Teilgebiete der Ostsee besonders stark von Blaualgen heimgesucht werden, hängt mit dem relativen Stickstoffmangel zusammen…“

Also:

Kein Nitrat = Blaualgenplage!

Mit anderen Worten: Die Natur beweist uns eindrücklich, dass wir beim Duschen in üblicher Weise nass werden.

Die maßvolle Einleitung von nitrathaltigem gereinigten Wasser könnte die Blaualgenplage minimieren!

Zudem ist das Einleiten von Nitrat in Teiche eine anerkannte Sanierungsmethode.

Zweitens:

Angler können (müssen nicht) die natürliche Gewässerklärung verhindern.

Beweis:

  1. Kleinkrebse fressen Algen
  2. viele Kleinkrebse = wenig Algen
  3. Fried- und Jungfische fressen Kleinkrebse
  4. viele Fried- und Jungfische = wenig Kleinkrebse = viele Algen = trübes Wasser
  5. In dem Maße wie Raubfische geangelt werden und dadurch die Fried- und Jungfische nicht minimiert werden, steigt die Wahrscheinlichkeit von trübem Wasser.

Quintessenz:

Es ist Zeit, sich den Unsinn einer Gewässerreinhaltung ohne Augenmaß festzustellen.

Nicht nur wegen des Sinnes, sondern auch wegen der Geldverschwendung.

Denn nicht umsonst steckt in dem Wort Wasserwirtschaft ein Sinn, der zunehmend – weil wir es uns leisten können – verloren geht.

Überlegungen eines anerkannten Ökologen, die uns eher weniger Naturgebildeten – zu denken geben sollten:

„Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wennn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt?“

Quelle: Reichholf, Joseph, H., Die Zukunft der Arten, C.H. Beck, 2. Auflage 2006, S. 63

Oder mit anderen Worten:

Reine Gewässer sind biologisch tote Gewässer!

2. Das Fischsterben

Fische können aus den verschiedensten Gründen sterben und dies muss nicht immer mit einer Vergiftung zusammenhängen. Spektakulär wird es, wenn die Fische alle gleich alt sind und dann an Altersschwäche ziemlich gleichzeitig sterben. So geschehen im Jahr 2006 in der Talsperre Saidenbach im Erzgebirge, damals starben ca. 8 Tonnen Karpfen!

Zu häufigen Fischsterben kommt es in stehenden oder langsam fließenden Gewässern, wenn Algen und Sonneneinstrahlung zusammentreffen. Die Algen verbrauchen das im Wasser gelöste Kohlendioxid, dadurch steigt der pH-Wert an und es wird mehr Ammoniak gebildet. Ammoniak ist ein starkes Fischgift.

Soll dieser Prozess minimiert werden, dann sind die Algenfresser (Wasserflöhe, Kleinkrebse, Zuckmückenlarven,…) zu schützen und die Gewässer soweit wie möglich zu beschatten. Besonders geeignet dafür ist die Schwarzerle.

Insofern unterstützen Jung- und Friedfische durch das Fressen der Wasserflöhe die Fischvergiftung.

Durch das Einsetzen und Schützen von Teichmuscheln werden wiederum klare Gewässer gefördert.

Das Ersticken von Fischen durch das Einleiten von ungereinigtem Abwasser kommt eher seltener vor.

Literatur:

Blaualgen –  Ein Überblick




Frühaufsteher

Sachsen-Anhalt – Das Land der Frühaufsteher

Über diesen Slogan mag so mancher gelächelt haben, weil er diese Anhaltiner nicht kannte. Es ist in der Tat so:  In Sachsen-Anhalt und in den meisten neuen Bundesländern wird früher aufgestanden. Zumal geht hier die Sonne auch früher auf.

Und mit dem Werbespruch möchte man natürlich auch eine gewisse geistige Fitness verbinden.

Das ist nicht weit hergeholt, denn immerhin haben die Ostdeutschen ja eine Diktatur mehr erlebt als ihre westdeutschen Landsleute und merken manches also schneller, auch wenn sie darum kein Getöse machen.

Und so ist es kein Wunder, dass Herr Winfried Kluth, Richter am Landesverfassungsgericht von Sachsen-Anhalt, in einem aktuellen Gutachten korrekt und mutig feststellt:

Die Zulassung von Freiheitsbeschränkungen ohne jede empirische oder fachwissenschaftliche Grundlage ist nichts als ein Deckmantel für schlecht kaschierte Willkür, die vor einer gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung kapituliert.

Und weiter

Das Gericht verkennt und ignoriert mit seiner Vorgehensweise den wissenschaftlichen Meinungsstand und verletzt das rechtsstaatliche Verteilungsprinzip, das für freiheitsbeschränkende Regelungen eine tragfähige sachliche Begründung verlangt

Das erste Zitat habe nicht ich „ausgegraben“. Es stammt aus einer denkwürdigen Kolumne von Maxeiner & Miersch. Diese beiden Autoren steckten  schon häufig ihre Finger ganz tief in die Wunde im deutschen „Ökologie“verständnis.

Und zu recht, denn in keiner Zeit, wie in der heutigen gab es so extrem viele Verbote und Regulatorien.

Weitere Restriktionen gegen den Normalbürger sind wohl geplant und liegen schon in den Schubladen. Komisch ist, dass fast alle lieben Mitmenschen dies toll finden und sich schon auf weitere Verbote freuen.

In vielen Veröffentlichungen wird das Wieselwort „Freiheit“ bemüht und kaum jemand begreift, dass die beschleunigte Zunahme von Verboten und Regulativen eben genau diese schrittweise ausschließt.

Einfachste Dinge, wie z. B. ein Feuerchen anmachen – vor der ökologistischen Ära kein Problem – sind heute in der Regel verboten. Heute schreit sogar jeder Kamin nach einem Feinstaubfilter, um die Sterblichkeit durch Feinstaub in der putzmunteren Nachbarschaft auf die präökologistische Epoche zu reduzieren.

Wir wissen zwar nicht, ob es hilft, aber alle Guten machen mit!

Da ist schon die Frage erlaubt:

Leben wir überhaupt noch in einer Demokratie oder schon in einer Diktatur?

Angesichts der Gesetzesflut ein Neuerervorschlag:

§ 1: Wir verbieten dem Bürger grundsätzlich alles und schaffen alle Gesetze ab.

§2: Das was er noch darf, schreiben wir auf eine DIN A4-Seite

Und schließlich noch ein Analogieschluss:

Wenn

Die Zulassung von Freiheitsbeschränkungen ohne jede empirische oder fachwissenschaftliche Grundlage ist nichts als ein Deckmantel für schlecht kaschierte Willkür, die vor einer gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung kapituliert.

sind dann

Verbote im Umweltrecht ohne jede empirische oder fachwissenschaftliche Grundlage auch ist nichts als ein Deckmantel für schlecht kaschierte Willkür, die vor einer gesellschaftlichen (manipulierten) Mehrheitsmeinung kapituliert?

Lesenswertes, typisches und aufschlussreiches zum Thema „Freiheitsbeschränkungen“:

  • Grüne Männchen sind reine Glaubenssache
    Man könnte grüne Männchen richterlich verbieten lassen – solange nur die Mehrheit daran glaubt. Um wissenschaftliche Fakten geht es schließlich bei den wenigsten Gesetzen.
    Von Dirk Maxeiner und Michael Miersch
  • Schon etwas ältere, aber immer noch aktuelle Denkaufgabe:
    Der Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer sieht im Umweltstrafrecht „Neukriminalisierungen außerhalb eines Täter-Opfer-Bereichs“ sowie eine flächendeckende Vorfeldkriminalisierung, bevorzugt über abstrakte Gefährdungsdelikte.

    Quelle:

    auch von Maxeiner und Mirsch
    Die Zukunft und ihre Feinde – Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
    Eichenbornverlag 2002



Konsens ist Nonsens

Klimatisches auf den Punkt gebracht

Ein lesenswerter, krasser Artikel (im positiven Sinne) „Orakel von Delphi“ von Dr. Wolfgang Thüne, Ex-ZDF-Wetterfrosch und Kritiker der Klimakatastrophiker.

  • „Als Meteorologe kenne ich die Tagesgänge und die Jahresgänge des CO2– Gehaltes wie der Temperatur der Luft, weiß ich – das Umweltbundesamt, von dem ich diese Daten habe, weiß es auch sehr wohl -, dass zwischen beiden nicht die geringste kausale Abhängigkeit besteht. Die der Öffentlichkeit vom IPCC präsentierte Korrelation ist in Wirklichkeit eine bewusst in die Irre führen sollende Scheinkorrelation.“
  • „Wer sich der Macht des Gutmenschentums erwehren, die immer offensichtlicher werdende Bevormundung und Reglementierung abwehren, wer nicht in „grünen Fesseln“ (Vaclav Klaus) enden will, der sollte sich in die Materie einlesen, um nicht eines Tages in einer globalen und totalitären „Ökodiktatur“ aufzuwachen. Wer die Klimahoheit hat, hat die Neigungshoheit und damit die Meinungshoheit wie Manipulationsmacht.“
  • „Die Parole vom „CO2-freien Europa“ ist das Dümmste, was die grüne Bewegung bisher propagieren konnte. Doch wo ist der Widerstand?“

„Wird die Wissenschaft zu einer demokratischen Veranstaltung, wo „Naturgesetze“ nach dem Mehrheitsprinzip beschlossen und abgesegnet werden, dann können wir wieder bei René Descartes mit seinem „cogito ergo dubito, ergo sum“ (ich denke, also zweifele ich, also bin ich) und Vater des „analytischen Denkens“ ganz von vorne anfangen.“

 

 




Wiesel-Wörter und Trojaner im Umweltschutz

Was ist ein Wiesel-Wort?

„So wie das kleine Raubtier, das auch wir Wiesel nennen, angeblich aus einem Ei allen Inhalt heraussaugen kann, ohne daß man dies nachher der leeren Schale anmerkt, so sind die Wiesel-Wörter jene, die, wenn man sie einem Wort hinzufügt, dieses Wort jedes Inhalts und jeder Bedeutung berauben.“

Friedrich August von Hayek

Wiesel-Wörter im Umweltschutz sind wertende Präfixe, wie z. B.

  • gut, guter Gewässerzustand (Nur ein Beispiel: Der vermeintlich „gute“ Gewässerzustand führt zu Fischsterben – wegen Verhungern. Was also ist gut an dem extrem teuren Zustand?)
  • öko, Öko-Landbau (Ökologie ist keine wertende Wissenschaft)
  • bio, z. B. Bio-Butter (Biologie ist keine wertende Wissenschaft)

Beispielhafte Begründung:

  • Gewässer sind Biotope.
  • Biotope sind Kategorien der Ökologie.
  • Wenn die Ökologie keine wertende Wissenschaft ist, dann gibt es auch keine guten oder schlechten Gewässerzustände.
  • Die Zustandsbewertungen (öko, bio, klima) sind also subjektiv und willkürlich gewählt. Sie dienen dem Zweck, die Menschen zu bestimmtem Handeln zu zwingen, wobei die Wirkungen häufig am Ziel vorbeischießen und auch höchst kontraproduktiv sein können. Vergleichbar mit einem Rasenmäher, der alles gleich lang absäbelt, wobei der Rasenmähermann seinen  Mäher auch gern über Blumenrabatten lenkt.

Das Erkennen von „Wiesel-Wörtern“ ist neben der Pflege der deutschen Sprachlogik Voraussetzung für das Wahrhaftige und das Konkrete.

Oder nehmen wir Wiesel-Substantive in ihrer Zusammensetzung mit dem Wörtchen „-schutz“

  • -schutz, z. B. Gewässerschutz, Klimaschutz, Umweltschutz

Zugegeben: Es fällt nicht leicht „Wiesel-Wörter“ zu entdecken. Deshalb nicht, weil wir

  1. uns einerseits an sie schon gewöhnt haben,
  2. weil wir uns selten die Zeit nehmen und nachdenken: „Stimmt das eigentlich, was verkündet wird?“,
  3. weil sie wieselflink im Satz neben anderen Wörtern vorbeihuschen – bevor wir sie wahrgenommen haben, sind sie schon wieder weg.

Analysieren wir also das Wort „Gewässerschutz“.

Was soll geschützt werden? Vor wem soll es geschützt werden?

Das Wort ist abstrakt. Unser Handeln dagegen – es soll zielgerichtet sein. Und deshalb muss (sollte) Handeln konkret sein.

Nur mit konkreten Zielen lässt sich eine konkrete Geldverschwendung erkennen bzw. vermeiden.

Haben wir unendliche Ressourcen um uns abstrakte Ziele, wie z. B. den „guten Gewässerzustand“ überhaupt leisten zu können?

Ein Anspruch, der echte Ökologen auf die Palme bringt…

Die Zustandsbeschreibung „guter Gewässerzustand“ ist so kompliziert zu fassen, dass man wenigstens Wasserbiologie studiert haben sollte, um zu ahnen, was der Gesetzgeber meint zu wollen und um zu verstehen, dass solche Anforderungen widersinnig sind.

Kein Wunder, dass es Verwaltungsrechtlern schwer fällt, mit abstrakten Prämissen in einer konkreten Situation auch konkrete Urteile zu fällen (wenn es überhaupt mit logischen Methoden sicher möglich ist).

Wir wissen nicht mehr was wir tun und haben – weil wir im Geld schwimmen – verlernt, uns auf Schwerpunkte zu konzentrieren.

Das soll keineswegs bedeuten, dass alles, was unter der Überschrift „Gewässerschutz“ passiert, widersinnig und unnötig ist.

Aber dogmatisches, abstraktes Schützen führt z. B. zu Fischarmut.

Kritik und Wiederwort lenkt unser Denken auf versteckte oder getarnte Reserven und die liegen überwiegend in unseren Vorschriften zumeist von vorgestern, die wirklich effiziente Innovationen verbieten.

Ein weiteres Beispiel: Es ist verboten, die Selbstreinigung und die biologischen Prozesse im Gewässer für wasserwirtschaftliche Maßnahmen auszunutzen.

Verboten ist, was in der Medizin erlaubt ist:  Reduzieren der Dosis durch Verdünnung oder ganzheitliches Denken.

Ein Schiffer, der auf der Elbe stromabwärts fährt, drosselt seinen Diesel. Fährt er stromaufwärts, gibt er Gas.

Und wenn es im Büro stinkt, dann darf ohne Aktivkohleluftfilter gelüftet werden.

Kläranlagenbetreiber dürfen nicht so vernünftig handeln.

Sie müssen Energie verschwenden, denn sie sind dazu gesetzlich gezwungen.

Ob es nötig ist, fragt der Gesetzgeber nicht.

Müssen z. B. kommunale Kläranlagen im Winter,

  • wo es temperaturbedingt im Gewässer kaum eine Sauerstoffzehrung gibt,
  • wo die Sauerstoffsättigungskonzentration höher als im Sommer ist,
  • wo die Sauerstoffeintragsgeschwindigkeit größer als im Sommer ist und
  • wo die Energie besonders knapp ist,
  • wo zunehmend mehr Menschen frieren, weil sie sich keine Heizung leisten können, auch weil der Strompreis unwirtschaftliche Energiearten stützen muss

im Ablauf einen BSB5 von z. B. 25 mg/l oder gar 3 mg/l (der im warmen Labor bei  20 °C gemessen wurde) gewährleisten?

Die Welt als Wille und Vorstellung. (Foto: Wikipedia)

Nach der folgenden Tabelle hat ein Ablauf-BSB5 von z. B. 20 mg/l , der – wie üblich – im Labor bei angenehmen 20 °C  gemessen wird, bei einer Temperatur im Gewässer von nur 5 °C eine Zehrung, die einem BSB5 von 9 mg/l entspricht.

Denken Sie nach:

Es gibt noch mehr Beispiele im Gewässerschutz, bei denen Gerichte über Beträge urteilen müssen, die im Labor gemessen wurden und die nicht auf die Natur übertragbar sind.

Man urteilt über Vorstellungen, weil der Wille des Gesetzgebers mitunter dazu zwingt.

Preiswerter und effizienter wäre es, die objektive Realität zu erforschen und zu bewerten.

Wenn also Kläranlagen (auch große) bei einer Wassertemperatur im Gewässer von 5 °C im Ablauf einen BSB5 von 40 mg/l fahren, dann geht davon die Welt nicht unter. Im Winter, wenn jede Kilowattstunde gebraucht wird, dann leisten wir uns den Luxus und verschwenden Energie in einem Umfang, als hätten wir unendliche Ressourcen.

Ich bin überzeugt, wir werden Gesetze im Gewässerschutz noch drastisch ändern müssen. Dann nämlich, wenn die Energiekosten weiter steigen.

Momentan ist die Energie einfach noch zu billig, um heilige Kühe zu schlachten.

Das heißt, wir steuern also unsere Kläranlagen – weil es verwaltungsrechtlich bequem ist – nach einem Parameter, der unter weltfremden Bedingungen gemessen wurde und ohne Weiteres nicht auf die tatsächlichen Verhältnisse in der Natur übertragbar ist. Damit sind wir wiedermal bei dem deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788–1860):

Die Welt als Wille und Vorstellung.“

Das ist unter Experten profanes Wissen.

Aber ist es auch wirklich gut so?

Temperaturabhängige BSB-Äquivalenz

Bei den unnötig hohen und starren Kläranlagengrenzwerten liegen unsere eigentlichen Reserven bei der Energieeinsparung.

Es mag weh tun, aber die Wasserwirtschaft der DDR war deutlich wasserwirtschaftlicher.

Nicht weil sie besser war, sondern zwangsläufig, weil Geld für Gewässerschutz knapp war.

Ich will es nicht erörtern, ob der Realitätsverlust im Wasserrecht von Anfang an gewollt war.

Gewässerschutz ist also ein Wiesel-Wort, weil es – so wie es da steht und geübt wird – ohne Inhalt ist. Jeder kann es beliebig füllen, solange die Widersprüche nicht allzu offensichtlich werden. Selbst der naheliegende Schutz der Gewässer vor Schwermetallen ist ein Wiesel-Imperativ, weil dieser nicht hinreichend konkret ist. Konkret wird es dann, wenn z. B. die tatsächlich notwendige Grenzkonzentration im Gewässer bewiesen und genannt wird. Bis dahin ist alles zumeist vorsorglich, gut gemeint, beliebig und willkürlich.

Auch die Klimatologie ist keine wertende Wissenschaft. Analog ist der Klimaschutz ein „Wiesel-Wort“. Aber das nur am Rande.

Trojaner

Eher keine Wiesel-Wörter im Umweltschutz, sondern ein Trojaner in klassischer Analogie sind Adjektive, wie z. B.

  • erneuerbar, insbesondere im Zusammenhang mit Energie.

Wer sich diesen Trojaner in sein Gehirn zieht, wie einst die Trojaner das Pferd, das die feindlichen Griechen damals für sie bastelten, der verseucht sich mit „erneuerbaren“ industriellen und wirtschaftspolitischen Viren, verlernt schnell das präzise Denken und handelt quasi freiwillig, so wie es die Viren erzwingen. Am Rande sei bemerkt, dass die Wirtschaftspolitik, die von der scheinbaren Erneuerbarkeit profitiert, die Mehrzahl ihrer  anderen Wirtschaftsbereiche schwer schädigt, weil sie durch unnötige Kosten deren Wettbewerbsfähigkeit senkt. An sich ist es auch ein interner Wirtschaftskrieg einer Unternehmensgruppe gegen eine andere und das innerhalb eines Landes.

Wie erneuert man etwas Altes?

Hier handelt es sich wohl um die gleiche Ausdrucksschwäche wie bei solchen  Wortschöpfungen, wie „Bedachungsfirma“, „Getränkeabholmarkt“ oder trefflicher „Neueröffnung“.

Aus dieser Ecke kommt offensichtlich das erneuerbare „Optimalste“.

Dabei stellt sich die Frage, ob der Gedanke von der Erneuerbarkeit nicht sowieso einem eher schwächlichen Sinn entspringt?

Kann man überhaupt etwas erneuern?

Geht es neuer als neu?

Ein Mensch, der gerade geboren wird, ist neu.

Wie erneuere ich aber einen Menschen?

Oder eine Maschine, die gerade gebaut wird. Wie erneuert man eine alte Maschine? Man kann sie durch eine neue Maschine ersetzen, aber dadurch wird die alte doch nicht neu oder neuer.

Abgesehen davon ist erneuerbare Energie physikalisch gesehen nicht erneuerbar, denn sonst wäre ein System mit erneuerbarer Energie ein unmögliches Perpetuum mobile. Ob die Erfinder der Wortschöpfung der Erneuerbarkeit in der Schule das Fach Physik abwählten, soll nicht weiter erörtert werden. Im gewissen Sinne steckt aber doch eine Genialität hinter der wirtschaftspolitischen Doktrin von der Energieerneuerbarkeit. Auch wenn das „erneuerte“ Perpetuum mobile keine Energie erneuert, die man gewinnbringend verkaufen kann. So wurde doch auf jeden Fall ein Goldesel erfunden, aus dem mehr Geld kommt, als beim Betrieb eines Perpetuum mobile zu erwarten wäre.

Und das Geld fließt, ohne dass man welches hineinstecken muss (von einer Startinvestition, die andere bezahlen, mal abgesehen).

Auch toll!

Ein Wiesel ist ein Raubtier

Markant:  Alles – wie auch das Entdecken von Wiesel-Wörtern – kann verletzend und unbequem sein.

Je nachdem.

Verletzend, aber eher als heilendes Skalpell in der Hand eines Chirurgen und weniger als Fallbeil.

Präzision im Ausdruck ist der Anspruch

Dirk Friedrich:

Konfuzius soll gesagt haben: „Wenn die Sprache nicht stimmt, dann ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist. Ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen keine guten Werke zustande. Kommen keine guten Werke zustande, so gedeihen Kunst und Moral nicht. Gedeihen Kunst und Moral nicht, so trifft die Justiz nicht. Trifft die Justiz nicht, so weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen. Also dulde man keine Willkürlichkeit in den Worten. Das ist es, worauf es ankommt.“

In diesem Sinne: Achten wir auf einen präzisen Ausdruck!

Bzw. versuchen wir wenigstens den Erkenntnisprozess der Präzision mittels der deutschen Sprache.

Der Weg ist das Ziel, denn wer erreicht schon die Perfektion!

Initiator  für dieses Wieselthema war übrigens der scharfsinnige Aufsatz von Dirk Friedrich:

Von den Lügenwörtern: Die Wahrheit der Sprache als Bedingung von Recht und Freiheit

Die „Wiesel-„Aufzählungen sind unvollständig.

Kein Problem  für den Leser, der diese Aufzählungen ergänzen, präzisieren, bestreiten oder diskutieren möchte.




Die es gut meinen, das sind die schlimmsten…

…meinte Philippus Theophrastus Paracelsus

und das meine auch ich, insbesondere nach dem Lesen mancherlei Literatur, z. B. über die wissenschaftliche Ökologie.

Martin Johannes Grannenfeld hat die aktuelle „Unwort-des-Jahres-Show“ auf’s Korn genommen:

„Und jetzt geht’s los: „Gutmensch“. Ah wie originell. Zwar gibt die Jury zu, dass es den Begriff schon seit 20 Jahren gibt. Allerdings geistere er in jüngster Zeit vermehrt durch das, haltdichfest – Internet: Dort werde nämlich mit diesem Ausdruck regelmäßig „das ethische Ideal des ‚guten Menschen’ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch [widerspreche] Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationaler Diskussion gehören.“  Das ist kaum zu toppen an Schmierigkeit, Falschheit und Selbstgerechtigkeit. Wo anfangen bei all den Fehlern und Verzerrungen?“

Siehe dazu die komplette Bewertung des Gutmenschen: „Unworte des Jahres 2011: Demokratische Sprachoffensive  von Martin Johannes Grannenfeld

Lesenswert und aufschlussreich!

…und ferner Zitate über Gutmenschen.




Methoden einer Kampagne

Die Vorstellung

„Da wird schon wieder eine Sau durch’s  Dorf getrieben…“

drängt sich in dem Maße häufiger auf, wie man die Medien beobachtet.

Nicht was sie berichten, sondern wie sie manche ihrer Nachrichten methodisch vortragen , soll im Blickpunkt des Interesses stehen.

Auch Berichte über die Umwelt – ich vermeide den Begriff  „Umweltschutz“ – werden mitunter strategisch bestens vorbereitet.

Und so mag es auch kein Zufall gewesen sein, dass z. B. Meldungen über Uran im Trinkwasser im August 2008 ihren Höhepunkt erreichten, als die Geschäftsführer der Trinkwasserversorger sich gerade sonnten und auch ihre Kunden im Urlaub waren. Der beste Zeitpunkt, den Bürger aus seinem Dämmerschlaf zu wecken und seine Meinung etwas zu kneten.

Bestens war gesichert, dass die Nachricht die Aktiven und Passiven gleichermaßen erschreckte.  Zuvor hatte man in den USA den Urangrenzwert wegen Unbedenklichkeit von 20 Mikrogramm auf 30 Mikrogramm erhöht. In Kampagnen sind sachliche Argumente aber nur störend, denn es geht nie um die Sache, sondern nur um Macht bzw. um das Geschäft.

Der Leser von Horrornachrichten konzentriert sich in aller Regel auf den Inhalt der Schreckensmeldungen und lässt sich wollüstig gruseln. Für die Methoden der Nachrichtenkampagne hat er weniger einen Blick.

Das sollte er aber. Hätte er diesen nämlich, dann würde die Nachricht ihr Ziel verfehlen, denn:

Wer die Mechanik einer Geisterbahn kennt, hat keine Angst!

Und die Kampagne wäre entwertet.

Wie es bei der Rente eine vor- und nachschüssige Zahlung gibt, ist es auch bei dem Horror so. Richtet man sich nach Horrormeldungen in den Nachrichten, dann zahlt man diese recht wahrscheinlich nachschüssig. Besucht man dagegen einen Gruselfilm im Kino, dann wird es viel billiger.  Dann nämlich zahlt man vorschüssig und man kennt den Preis. Die scheinbar kostenlosen Horrormeldungen in den Nachrichten sind allerdings um ein Vielfaches einträglicher, wenn man sich z. B. nur nach den Klimahorrormeldungen richtet. Das kostet nachschüssig und da zahlen noch unsere Enkel für unseren Horrorgenuss, sofern man welche hat. Aber ich vergesse immer meine volkswirtschaftliche Ausbildung: Es kommt nicht darauf an, ob der Staat etwas Vernünftiges mit seinem Geld anstellt. Geld muss ausgegeben werden.

Interessant ist nun, dass es tatsächlich raffinierte Methoden zur Gestaltung erfolgreicher Pressekampagnen gibt und es ist reizvoll mit diesem Wissen die täglichen Nachrichten daraufhin retrospektiv zu bewerten.

Zudem dienen derartige Methoden bekanntlich der Marktgestaltung und erfreuen sich damit auch unternehmerischen Interesses.

Malte Lehming hat in den Potsdamer Nachrichten einen Beitrag „Wie ein Skandal gemacht wird“ veröffentlicht.

In diesem Artikel spielt die der Murdoch-Gruppe zugeschriebenen Anleitung mit dem Titel „The Making of a Scandal“ eine Rolle.

Hier eine kleine Auswahl von in Redaktionen zumeist bekannten Ratschlägen zur professionellen Gestaltung von Skandalen und Kampagnen, die in dem der Wasserwirtschaft zugeneigten Leser bestimmte Erinnerungen wecken dürften:

  • „Falls Du keine Enthüllungs-Konkurrenz befürchten musst, warte mit der Veröffentlichung auf eine nachrichtenarme Zeit. Gut ist der Beginn der Sommerferien, perfekt die Weihnachtszeit. Mangels anderer Themen gibt es hier die größtmögliche Resonanz.
  • Verschieß’ Dein Pulver nicht gleich beim ersten Mal. Strecke und dosiere die Geschichte so, dass der Leser das Gefühl bekommt, er habe erst die Spitze des Eisbergs gesehen. Das erzeugt Neugier und garantiert eine längere Haltbarkeit.
  • Ideal ist, wenn sich der Angegriffene zum Zeitpunkt der Lancierung auf Urlaub oder Dienstreise befindet. Dann kann er sich nicht unmittelbar zur Wehr setzen, sondern hinkt dem Skandal hinterher, der dadurch eine Eigendynamik bekommt.
  • Suche Komplizen! Ein einzelnes Medium ist für eine Kampagne zu schwach. Füttere also die Konkurrenz recht bald mit Exklusiv-Informationen, damit sie in die Geschichte einsteigt. Ohne andere willige Vollstrecker – insbesondere auch in den elektronischen Medien – laufen Affären schnell leer.“

Quelle: Wie ein Skandal gemacht wird von Malte Lehming

Vielleicht schließlich:

Nachrichten sind kaum noch Meldungen, nach denen man sich richten sollte!




Mit der CO2-Politik vergeuden wir nur Ressourcen!

…und das ist gut so!?

Literaturauszug:

„Unzureichende Faktenkenntnisse

Diejenigen, die der „Klimahysterie“ – wie der Titel eines 2011 erschienenen Buchs des Münchner Naturwissenschaftlers Josef H. Reichholf lautet – verfallen sind, wissen schon allein über elementare Fakten oft nicht Bescheid: In der Atmosphäre befinden sich derzeit 0,038 Prozent CO2; davon produziert die Natur gut 96 Prozent, die restlichen vier Prozent gehen auf das Konto des Menschen.

Der Anteil Deutschlands am globalen CO2-Ausstoß liegt bei 3,1 Prozent. Somit stammen 0,00004712 Prozent des menschenverursachten Luft-CO2 aus Deutschland.

Dieser Wert legt nahe, dass der Anspruch deutscher Politiker, Vorreiter bei der CO2-Einschränkung zu sein, ziemlich anmaßend ist. Diese Führungsrolle kostet aber die Deutschen an Steuern und sonstigen Belastungen jährlich mehr als 50 Milliarden Euro.“

Quelle: Klimafrontbericht: Profiteure der Hysterie
von Franz Kromka

Kommentar:

Was wird wohl in der Natur geschehen, wenn es uns tatsächlich gelänge die 0,00004712 Prozent des menschenverursachten Luft-CO2 aus Deutschland auf Null zu reduzieren?

Diese Zahl muss man sich erst einmal vorstellen, um ihren Einfluss vorstellen zu können:

0,00004712 Prozent sind erst einmal aufgerundet 0,00005 Prozent oder 5 dividiert durch 10 Millionen oder 0,00005 Prozent multipliziert mit 10.000 = 0,5 ppm, d. h. 0,5 Millionstel oder 5 Teile CO2 in 10 Millionen Teilen Luft.

Und um diese 0,5 Millionstel etwas zu senken, gibt Deutschland 50 Milliarden € aus.

Naja, wenigstens stimmt die „5“ ungefähr.

Ein Effekt wird nicht garantiert!

Die folgende Tabelle veranschaulicht die Proportionen.
(5E-07 = 5 dividiert durch 10 Millionen und 5E-1 = 0,5 ppm, 1 % = 10.000 ppm)

Was wird geschehen, wenn ein deutscher Biertrinker beschließt, zum Wohle Deutschlands, zum Wohle der Menschheit, zum eigenen Wohle oder auch zum Wohle des Klimas täglich 0,5 Millionstel Bier weniger zu trinken?

Wird man eine Wirkung messen können?

Tja, und dann gibt es ja noch das Naturgesetz vom Umschlag in eine andere Qualität durch quantitative Änderungen, d. h. ist das Quantum überhaupt hinreichend groß, um eine neue oder andere Qualität zu gewährleisten?

Hat das schon einmal jemand untersucht, bevor dieser globale Großversuch gestartet wurde?

Wie hoch ist die gemessene Wahrscheinlichkeit, dass 4 % von 0,038 %, dass  also 0,00152 % global gemenscheltes CO2 zu einem Effekt führen?

Und wer haftet für die Klimaprognosen, wenn sie nicht zutreffen?

Niemand, denn wer ist schon so blöd für Prognosen zu haften?

Die positiven planwirtschaftlichen Motive der Klimapolitik liegen auf der Hand:  Entwertung des Spar- und Leistungsvermögens der Massen durch die Umwandlung ihrer Dummheit in nutzlose Scheinwerte. Finanziell gleichwertige Alternativen zur Klimapolitik wären dagegen nicht so glücklich: Kriege, wesentlich höhere Arbeitslosigkeit, Senkung der Umsatzsteuer…

Erstaunlich ist auch, dass die tatsächliche Größenordnung der CO2-Senkung (0,5 Millionstel) verschwiegen wird.

Und das ist gut so, denn sonst könnte ja jedes Milchmädchen selber nachrechnen.

U.H.




Panik?!

Saalekreis
Krebsgefahr im Grundwasser

„Im Grundwasser sind erhöhte Konzentrationen von PFT festgestellt worden. Die chemische Verbindung – perfluorierte Tenside – gilt als Krebs erregend.“

Kommentar:

???

Allerdings ist dem Artikel nicht zu entnehmen – man möchte noch das Wort „natürlich“ hinzufügen – ob die Ängste tatsächlich berechtigt sind.

Hier muss man wissen, dass nicht nur die deutschen Grenzwerte schon seit langem kein Maßstab oder ein Beweis für irgendwelche konkreten Gefährdungen oder Besorgnisse sind.

Maßstab ist in der Regel allein das Leistungsvermögen moderner Reinigungsverfahren.

Die Definition des „Standes der Technik“ enthält zwar auch wirtschaftliche Aspekte, aus denen man sogar auch einen hinreichenden Nutzensnachweis ableiten könnte.

Das ist aber eher eine Theorie.

Die Praxis sieht anders aus.




Bestätigung vorgefasster Meinungen ein Schwerpunkt der Klimaforschung

Angus Millar Vortrag bei der Royal Society of the Arts
Edinburgh, 31. Oktober 2011

Zitat aus dem Vortag „Matt Ridley über Wissenschafts-Ketzerei“ (sehr lesenswert):

„Zusammenfassend möchte ich sagen,

dass ich eine Menge Zeit mit dem Thema Klima zugebracht habe.

Ich hätte mich auch damit befassen können, welche Fette gesund sind oder ob die Gene oder die Umwelt den Charakter eines Menschen prägen.

Mein Hauptargument ist, dass ähnlich wie in der Religion, die institutionalisierte Wissenschaft heute und in allen Zeiten von der Verlockung heimgesucht wird, eine bereits vorgefasste Meinung zu bestätigen.

Mit erschreckender Leichtigkeit verwandelt sie sich in Pseudowissenschaft, selbst dann – oder gerade wenn – sie sich in der Hand von einer Expertenelite befindet.

Das passiert im speziellen bei Zukunftsvorhersagen und wenn ein Übermaß an Förderung vorhanden ist.

Wissenschaft braucht Ketzer.

Ich danke Ihnen vielmals für Ihre Aufmerksamkeit.

Matt Ridley“

***

Matt Ridley ist ein britischer Zoologe und Autor populärwissenschaftlicher Bücher.

Ein weiteres Zitat von ihm: Klimapolitik




Ökodiktatur

.

Ein Blick aus Heidelberg über die Schweiz auf Deutschland

Einige Auszüge aus der NZZ Online vom 19. September 2011:

Paternalismus und Ökodiktatur

Autor: Ulrike Ackermann

  • Die Grenzen der Wirksamkeit des Staates sind offensichtlich, und doch herrscht eine Staatsgläubigkeit wie schon lange nicht mehr
  • Obwohl der Staat viele der Probleme mitverursacht hat, die uns heute bedrängen, soll er es sein, der uns aus der Krise herausführt.
  • Wer solches fordert, nimmt mehr zentrale Planung, Egalisierung und Vereinheitlichung in Kauf. Dabei waren es Privatinitiative, Freiheit und Demokratie, die uns den Wohlstand gebracht haben.

Inzwischen erlaubt sich der Staat immer mehr Übergriffe auf ihr privates Leben. Verbote und Vorschriften haben aber die Neigung gleichzumachen. Denn keiner soll aus der Reihe tanzen. Doch Paternalismus und Egalitarismus sind Zwillingsbrüder und beschneiden die Handlungsfreiheit und die Entfaltungsmöglichkeiten der Individuen. Mündigkeit des einzelnen Bürgers kann sich so kaum entfalten.

  • „Paternalismus, Egalitarismus und Etatismus sind Restbestände linker wie rechter Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts, mit denen wir offensichtlich bis heute zu kämpfen haben. Gemeinsam ist ihnen, die Menschen erziehen und sie, wenn nötig, zu ihrem Glück zwingen zu wollen. In modernem Gewande, verbunden mit Kapitalismus- und Wachstumskritik, ist die Ökologie die neue Heilslehre geworden, die erlösen soll von allen Übeln und an der die Menschheit genesen soll. Denn die Natur ist ja gut, und der Mensch ist schlecht. Eine interessante Mischung aus Wertkonservatismus, Ökologie, Askese und Skepsis gegenüber dem Fortschritt und der Moderne zeichnet die Grüne Partei aus. Ihr «Ö» für Ökologie ist gewissermassen das säkularisierte «C» der christlichen Parteien. Inzwischen ist dieser Öko-Egalitarismus, verbunden mit einem Misstrauen in den Markt, in Deutschland Bestandteil des Mainstream geworden.“
  • „Das Gegenteil von Paternalismus sind Selbstverantwortung, Eigensinn und Selbstsorge, aus denen neues Selbstvertrauen, Stolz und Würde und damit neue Lebensqualität für den einzelnen Bürger wie auch für Staaten erwachsen können. All dies sind Voraussetzungen, um die Freiheit zu entfalten, neue Freiräume zu entdecken und sie auszuloten auf dem Weg zu Mündigkeit und Selbstbestimmung. Die Verstaatlichung der Verantwortung entsolidarisiert hingegen die Gesellschaft.

Kommentar:

Wir haben uns schon so an die Verstaatlichung der Verantwortung gewöhnt, dass sie uns kaum auffällt.  Munter wird Jener, der versucht die Verantwortung für sein eigenes Leben wieder in seine eigenen Hände zu nehmen. Er wird feststellen, dass er dazu Deutschland verlassen muss.

Der Beitrag erhält eine besondere Wertung, wenn man die Kompetenzen der Autorin zur Kenntnis nimmt: Frau Prof. Dr. Ulrike Ackermann ist Direktorin des John-Stuart-Mill-Instituts für Freiheitsforschung an der Hochschule Heidelberg.

U.H.

***

(Paternalismus = Bestreben, andere zu bevormunden.

Egalitarismus = Lehre von der sozialen, rechtlichen und politischen Gleichheit der Menschen)

 

 




Verrechnung der Abwasserabgabe mit Kosten für Grundstücksanschlüsse

Rechtsstreit vor dem OVG Sachsen-Anhalt

  • Rechtsfrage: Können die Kosten für die Erstellung von Grundstücksanschlüssen mit der Abwasserabgabe verrechnet werden?
  • Beschluss OVG Sachsen-Anhalt: ja
  • Grund: „Sinn und Zweck der Verrechnungsvorschriften ist es, Maßnahmen zur Verringerung der Abwasserschädlichkeit anzustoßen, so dass eine Anreizwirkung zur Durchführung von Gewässerschutzmaßnahmen gegeben wird.“

Ausführliche Begründungen in der Quelle:
RA Reinhardt Piens (Essen)
KA 22011 (58) Nr. 11, Seite 1073 udn S 1074




Sparsamkeitsprinzip contra Bauchentscheidungen!

Übliche Bauchentscheidungen bei der Verschärfung des Gewässerschutzes…

könnten seltener werden, wenn die Besorgnisträger gesetzliche Vorschriften beachten, nach denen der Nutzen und Sinn zusätzlicher Aufwendungen nach wissenschaftlichen Methoden zu prüfen ist.

Das ist aber in der Praxis eine Frage des Standpunktes und erfordert eine gewisse Motivation, denn es gilt das Sparsamkeitsprinzip auch auf den wissenschaftlichen Nachweis des Grundes einer amtlichen Besorgnis auszudehnen.

Das wäre allerdings ein unüblicher früher Zeitpunkt, der lange vor der planerischen Grundlagenermittlung und Vorplanung liegt und so manche Fehlplanung vermeiden würde.

Bislang war dies immer noch sehr einfach. Es genügte allein Angst zu verbreiten und die Stirn in sorgenvolle Falten zu legen.

Seit Jahren ist zwar Geist nötig, aber es besteht keine Nachfrage.

Vorgeschrieben sind zur Prüfung des Grundes einer Besorgnis:

  • ökologische Risikoanalysen
  • Nutzwert-Analysen
  • Kosten-Wirksamkeitsanalysen

In der Praxis kann man diese Nachweise eher suchen und wenn man sie gefunden hat, dann wurden sie den Kommunen auf’s Auge gedrückt, obwohl nach der WRRL der Staat dafür zuständig wäre.

Merke:

Soweit verschiedene Vorhaben- oder Trassenvarianten vergleichend zu bewerten sind, kann es zweckmäßig sein, auch formalisierte Bewertungsverfahren(z. B. ökologische Risikoanalysen, Nutzwert-Analysen, Kosten-Wirksamkeitsanalysen) heranzuziehen, wenn die Ziele im Rahmen dieser Bewertungsverfahren aus den gesetzlichen Umweltanforderungen abgeleitet sind.“
Quelle:  Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Ausführung des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPVwV) vom 18. September 1995 (GMBl. Nr. 32 vom 29.09.1995 S. 671)

Dies wurde konkret in o. g. Vorschrift formuliert und die Forderung nach Nutzensbewertung kann ohne Weiteres auch auf andere „Besorgnisse“ ausgedehnt werden.

Kann – muss aber nicht, wie die wasserbehördliche Praxis – natürlich nur in wenigen Einzelfällen – beweist.

Die für den Bürger kostenintensive Verschärfung von Überwachungswerten für die Einleitung von gereinigtem Abwasser in Gewässer wird üblicherweise immer noch pauschal beurteilt:

„Tun wir mal was Gutes!“

Ob das Ganze auch zu einem konkreten Nutzen geführt hat, dafür interessiert sich hinterher kein Mensch.

Und so wartet der eingerahmte rot markierte Merksatz aus einer eigentlich verbindlichen Verwaltungsvorschrift nun schon seit über 16 Jahren auf seine Geburt.

Eine Ursache liegt wahrscheinlich darin, dass in den heutigen schweren Zeiten niemand Geld für derartige Geburten mit vorschüssigen Nachweiskosten hat.

Und bevor es eine Fehlgeburt wird, ist man lieber mit dem „Guten“ schwanger und reicht den dicken  Bauch zur Entbindung an die Kommunen, Abwasserzweckverbände und Unternehmen weiter, die dann mit der von ihnen nicht verursachten Behinderung leben müssen.

Schließlich, einer Tatsache darf man tapfer ins Auge schauen:

Die übertriebene Gewässerverwaltung hat viele unserer Gewässer von partikulären Nährstoffen befreit, damit aber auch dafür gesorgt, dass zahlreiche Tiere kein Futter mehr finden und abwandern.

Wo sind z. B. die Mauersegler, die Zuckmücken, die Teichmuscheln oder die zahlreichen Fische geblieben, die es vor 20…30 Jahren in einer offensichtlichen Überzahl gab?

Ideologen und die industrielle Landwirtschaft haben sie auf dem „Gewissen“.

Keinesfalls waren es kommunale oder industrielle Kläranlagen!

Also wäre es an der Zeit, „den Ball flach zu halten“!

Ist aber nicht gut für’s Geschäft!




Überwachungswertüberschreitung

Überwachungswertüberschreitung und Umweltverschmutzung

“Eine Überschreitung eines Überwachungswertes ist noch keine Umweltverschmutzung.”

Zitat: RA Fachanwalt für Verwaltungsrecht Herr Möller am 24.11.2009




Die Umkehr der Beweislast

Nicht nur beim „Umweltschutz“ gilt das „unmenschliche“ Prinzip der Umkehr der Beweislast.

Dem Artikel der „Zeit-Online “ Was der Richter nicht kennt, erlaubt er nicht vom 07.09.2011 ist zu entnehmen:

„Solange eine Firma wie Monsanto nicht nachweist, dass ihre Genpflanzen oder deren Nebenprodukte auch als Lebensmittel harmlos sind, darf kein noch so winziges Molekül davon in einem Lebensmittel enthalten sein. Null-Toleranz heißt die Leitlinie, an die sich auch Europas höchstes Gericht hält. Was der Richter nicht kennt, erlaubt er nicht. Und das ist gut so.

Aber das ist nicht gut so, sondern wohl etwas entartet. Entartet deshalb, weil das Dogma der Umkehr der Beweislast ein fortschrittsfeindliches, verlogenes und unmenschliches Prinzip – um es sehr vorsichtig zu formulieren – zu sein scheint.

Dem Argument, die Umkehr der Beweislast sei üblich, steht entgegen: Allein, weil die Umkehr der Beweislast sich aus dem Mittelalter in mancherlei heutige Gesetze, in  manches menschliche Denken und Handeln herüber gerettet hat, muss die Umkehr der Beweislast deshalb nicht hilfreich, gut und edel sein.

Unmenschlich[1] und verlogen ist die Umkehr der Beweislast auch deshalb, weil die Genetik einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit und Ernährung der Menschen leisten kann, dies aber vom Gesetzgeber in diesem Fall gezielt verhindert wird. Damit entsteht der Menschheit ein Schaden. Die Verlogenheit resultiert auch aus der Ignoranz der Vorteile der Genetik.

Auch sind nicht die Richter zu verurteilen, weil sie der gesetzlichen Vorschrift der Umkehr der Beweislast folgten, sondern ausschließlich die Ökologisten sind die Verursacher, denen es in ihrer listigen Weise  gelang, ihre Sonderinteressen (derlei unmenschliche Prinzipien und die Umsetzung ihrer totalitären Ideologie) in allgemeingültige demokratische Gesetze zu kleiden, nach denen Richter zu entscheiden haben. Insofern zeugt die Schlagzeile „Was der Richter nicht kennt, erlaubt er nicht“ für wenig Kenntnis von diesen Zusammenhängen.

Auch gab es in der Geschichte der Menschheit noch keinen einzigen dokumentierten Fall, bei dem die Menschen eine Entwicklung unterließen, nur weil diese einer kleinen Gruppe als zu gefährlich erschien. Dem Fortschritt gelang es am Ende immer, die Gefahren hinreichend zu beherrschen. Nur deshalb haben wir heute zunehmend Zeit solchen Nonsens, wie z. B. die Umkehr der Beweislast zu kultivieren. Es ist schon außergewöhnlich naiv und weltfremd zu denken, man könne die Wissenschaft und den Fortschritt weichspülen. Fast alle Wissenschaft dient dem Kommerz. Und der Kommerz sucht sich – mit seiner Wissenschaft – reflektorisch die besten Bedingungen. Verschlechtern sich diese in Deutschland, dann gute Nacht liebes Deutschland!

Die Umkehr einer Beweislast hat auch nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Um das zu verstehen mag der Leser sich vorstellen, er soll lebendigen Leibes verbrannt werden, nur deshalb, weil es ihm nicht gelang, zu beweisen, dass er kein Hexer sei.

Und das soll gut so sein?

Die abschließende Bewertung des Zitates aus dem Artikel der Welt zu Anfang dieses Aufsatzes „Und das ist gut so.“ ist Indiz der Parteilichkeit des Redakteurs, da er bewertet und den Rahmen einer Tatsachendokumentation verlässt. Er nimmt dem Leser das selber Denken, selber Urteilen und die eigene Meinung ab.

In der Verhinderung des Fortschrittes kostet der Ökologismus endlich Menschenleben (nicht unbedingt immer in Deutschland) und uns allen Milliarden unseres Vermögens.

Der Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer sieht im Umweltstrafrecht „Neukriminalisierungen außerhalb eines Täter-Opfer-Bereichs“ sowie eine flächendeckende Vorfeldkriminalisierung, bevorzugt über abstrakte Gefährdungsdelikte.[2]

Warum die anderen Parteien überhaupt derlei Unfug, wie die Umkehr der Beweislast zuließen und heute immer noch zulassen, darüber mag man debattieren.

Für ein Land, das nichts weiter zu exportieren hat, als kluge Ideen und technischen Fortschritt, ist die Umkehr der Beweislast – um es mal ganz vorsichtig auszudrücken – außergewöhnlich dumm und entartet. Man könnte meinen, diese Idee von der Umkehr der Beweislast wurde von Personen eingeführt, die Deutschlands wirtschaftliche Erfolge minimieren oder verhindern wollen. Mit einem satten Bauch und einem geheizten Wohnzimmer lässt sich gut moralisieren.

Hanlons Rasiermesser

„Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.“

schneidet deshalb hier eher nicht zu Gunsten der Dummheit. Weshalb man dies annehmen könnte, wäre auch manche Überlegung wert, die ich aber anderen überlasse.

Und fast schließlich noch etwas Nachdenkenswertes von Nicolás Gómez Dávila:

„Die Demokratie hat den Terror als Mittel und den Totalitarismus als Zweck.“

Soll es das also wirklich gewesen sein?

Nach Platon durchaus, denn er sieht in der hochwohllöblichen Demokratie schlicht nur eine entartete[3] Verfassung[4]. So gesehen, ist die auf Sonderinteressen beruhende Umkehr der Beweislast Merkmal der Entartung der Verfassung eines Volkes und zugleich als Entartung an sich ein Wesensmerkmal jeder Demokratie. Das Abschaffen von Sonderinteressen, bedeutet letztlich die Demokratie abzuschaffen.

Damit schließt der Kreis und es stellt sich nun die Frage, warum man für Wissenschaft und Bildung überhaupt Geld ausgibt, wenn Sonderinteressen Leben und Land demokratisch und totalitär zugleich diktieren und den Fortschritt erfolgreich verhindern wollen?

Wer noch mehr Indizien von Entartungen der demokratischen Verfassung für seine Meinungsbildung benötigt, mag im Archiv der Novo-Argumente stöbern.


[1] Wird es recht bedacht, so erscheint das Attribut „unmenschlich“ widersprüchlich, da doch gerade die Unmenschlichkeit eine Tatsache und eine wesentliche Eigenschaft des Menschen ist. Kann also ein Mensch unmenschlich sein? Oder ist er im Grunde immer nur natürlich? Bei der Wertung kommt es wohl zunächst auf die Entscheidung über die zwei Prämissen an, ob der Mensch zur Natur gehört oder nicht. Und da scheiden sich schon die Geister. Nun ich denke, der Mensch ist mit all seinen Mängeln, auch mit seinem z. T. unmenschlichen Wesen immer ein Teil der Natur. Die Natur hat ihn hervorgebracht, er lebt in der Natur und unbedingt von der Natur. Wieso also soll er etwas anderes als natürlich sein?

[2] Vergleiche auch: Maxeiner und Mirsch, Die Zukunft und ihre Feinde – Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen, Eichenbornverlag 2002

[3] an Sonderinteressen orientiert

[4] Röd, W. , Kleine Geschichte der antiken Philosophie, Beck’sche Reihe 4018, Limitierte Sonderauflage 1998, Seite 247




Klima und Wasserwirtschaft

Das Klima ist bekanntlich ein schwer zu modellierendes, chaotisches System.

Langfristige Wahrsagungen von Klimazuständen sind nicht möglich.

Es ist nicht bewiesen, d. h. es ist mehr oder weniger unsicher:

  1. dass der Mensch die Klimaänderung verursacht hat,
  2. dass der Mensch das Klima zu ändern vermag,
  3. ob es eine Erwärmung geben könnte,
  4. oder ob es eine Abkühlung gibt,
  5. oder in welcher Reihenfolge sich das Klima ändern könnte,
  6. wie lange es dauern könnte, bis das Klima sich ändert.

Man muss kein Klimatologe sein, um logische Fehler in der üblichen Klimaargumentation zu entdecken, weil klimatologische Argumentationen in die Zukunft zumeist auf induktiven Beweisführungen beruhen und damit mehr oder weniger wahrscheinliche Prognosen sind.

Es handelt sich dabei zumeist um ein hinterlistiges und nicht rechtzeitig beweisbares Hypothesenkonstrukt.

Im Internet wird u. a. der Nonsens manchen Klimaglaubens zunehmend herausgearbeitet.

Ein Lehrbeispiel für die Entlarfung von Trugschlüssen liefert http://www.science-skeptical.de. Zur Veranschaulichung  kann dabei z. B. folgende Metapher dienen:

„Sie gehen zu sechs Ärzten und fünf davon teilen Ihnen mit, man müsse Ihnen sofort den Arm amputieren, anderenfalls könnten Sie ihn sich in 50 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% brechen.“

Wie würden Sie sich wohl verhalten?

Ausgewähltes zur aktuellen Klimadebatte unter Pro und Kontra, die ja auch Wasserwirtschaftler interessieren könnten.

Ich glaube, dass bei der Klimaänderung das CO2 keine wesentliche Rolle spielt, weil der Einfluss der Wolken für mich plausibler ist, als die ca. 100 Millionstel CO2 zusätzlich in der Luft.

***

Pro CO2:

„Natürlich“ hat die Sonne überhaupt keinen Einfluss auf das Klima: Schwankende Sonnenaktivität ändert Erd-Temperatur kaum Schwankende Sonnenaktivität ändert Erd-Temperatur kaum. Schwankende Sonnenaktivitäten haben nach neuen Erkenntnissen des Wissenschaftlers Georg Feulner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) kaum Auswirkungen auf das irdische Klima.

Kontra CO2:

Warum löst sich die Klimakanzlerin in Luft auf?

Die Klimakanzlerin löst sich in Luft auf!

 




Die Moral als fragwürdiges Kriterium einer Bewertung

Nach welchen grundsätzlichen Kriterien soll, kann oder darf man heute leidenschaftslos fachlich urteilen?

Varianten:

  1. Allgemein anerkannte Moralen
  2. Moralen einflussreicher Ideologien?
  3. Moral, die für das Geschäft ist?
  4. Moral, die gut für das beste Gewissen ist?
    (Wer und was bestimmt ein bestes Gewissen?)
  5. Nach bestem Wissen?
    (Sofern das beste Wissen nicht im Widerspruch zu den verbindlichen Moralen steht
    bzw. zu der Moral jener, die die Definitionsgewalt über jede Form menschlichen Zusammenlebens haben?)

Im Folgenden einige Zitate, mit deren Anregung der geneigte Leser sich seine eigenen Gedanken machen kann:

1. Moral als Symptom des Niedergangs

„Die heutige Moral beschränkt sich aber keineswegs auf die Befindlichkeiten einzelner oder die Machenschaften der Politik und Bürokratie. Sie erschafft sich ganz neue Ideologien.

Die Idee des Ökologismus beispielsweise ist in sich eine einzige Umdeutung ehemals moralischer Prinzipien.

Über Jahrtausende war es die höchste Kulturleistung des Menschen, sich nicht wie jedes Tier an seine Umgebung anzupassen, sondern diese nach seinen Ansprüchen zu formen und zu verändern.

Die unzähligen Eingriffe in eine durch und durch unbarmherzige und unserer Existenz gegenüber völlig gleichgültige Natur sind und waren Grundlage jeder Form von Zivilisation.

Knapp zwei Generationen in sorglosem Wohlstand haben genügt, um aus dem Bezwinger einen Schänder zu machen. Heute singt ein Popstar Zeilen wie „die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht?“. Man ist geneigt zu fragen, warum diese freundliche Erde ohne unser Zutun weder gewillt wäre uns zu ernähren, noch uns vor ihren atmosphärischen Launen zu schützen. Warum sie uns in ihrer ganzen Freundlichkeit Viren und Bakterien, Tsunamis, Wirbelstürmen, Trockenheit, Überschwemmungen und Vulkanausbrüchen aussetzt? Warum sie Fressen und Gefressenwerden zum Grundprinzip und zur Lebensgrundlage aller Existenz auf ihrer Oberfläche gemacht hat?

Dass derartige intellektuelle Ergüsse nicht nur unkritisiert bleiben, sondern als Ausdruck eines tiefen Problembewusstseins und moralischer Integrität Bewunderung finden, betrachte ich als eine Form der Dekadenz in ihrem ursprünglichsten Wortsinn. Wenn eine Gesellschaft die Negation der eigenen Leistungen und Möglichkeiten zum moralischen Prinzip erklärt, ist dies im wahrsten Sinne ein Akt des Herabfallens, der Dekadenz, des Untergangs. Vorläufiger Gipfel dieser Entwicklung ist die Negation der eigenen biologischen Existenz in Form des Gender Mainstreaming.“

„Wo der unzertrennbare Dualismus zwischen Chancen und Risiken ausschließlich ängstlich und visionslos zu Lasten der Chancen aufgelöst wird, herrscht nicht nur Stillstand, sondern Rückschritt.“

Quelle: Jürgen Fuchsberger Gesellschaft: Moral als Symptom des Niedergangs

Was ist Gender Mainstreaming?

2. Gedanken eines Benediktinermönches

“Der moralisch aufgeladene Staat ist mithin das unverzichtbare Gegenstück zur individualistischen, antiautoritären Freiheitsidee der Achtundsechziger und obendrein der Garant für unsere nationale Unschuld, die Verkörperung unserer Sehnsucht nach moralischer Unanfechtbarkeit.”

Moralische Sieger sind gegen Erfahrung resistent, sie werden niemals klüger, sie sind damit zufrieden, immer neue Gründe für ihre Empörung zu finden.”

“Die kritische Wachsamkeit gegenüber Staat und Gesellschaft zum Beispiel ist ein großartiges Erbe der Achtundsechziger. Diese Wachsamkeit müßte uns mißtrauisch machen gegen einen Staat, der sich die moralische Vormundschaft über uns anmaßt und es für seine Pflicht hält, die Kräfte des Einzelnen zu bändigen und jeden in die Schranken zu weisen.”

“Es rächt sich immer, wenn Moral vor Wahrheitsliebe geht.”

Notker Wolf
Worauf warten wir?:
Ketzerische Gedanken zu Deutschland
Rowohlt Verlag GmbH
01.04.2006

3. Lebenslüge siegt gegen Wissenschaft

Die chronische Lebenslüge des modernen Menschen, die abgrundtiefe Unmoral unserer Zeit, findet ihren Ausdruck in der Beliebigkeit und Willkür, mit der im persönlichen Leben ebenso wie im politischen und pseudowissenschaftlichem Disput Erkenntnis akzeptiert oder abgewiesen wird.”

Hans Mohr
Wissenschaftliches Verhalten und ethisches Bezugssystem;
in Studium generale, Universität Heidelberg
1981, Seite 64

aus:
Eilingsfeld, H.
Der sanfte Wahn
Ökologismus Total
Mannheim, Süddeutsche Verlagsanstalt
1989

4. Der Deutsche zu 100 % ein Schwein

Der Wissenschaftler Michael Braungart hat zur Naturromantik folgende Überlegungen:

“Ich mache mir Sorgen.

Im Gegensatz zu den Niederländern, die seit jeher mit der Bedrohung des Meeres konfrontiert sind, romantisieren die Deutschen die Natur.

Dabei wird übersehen, dass die krebserregendsten und giftigsten Stoffe immer noch in der Natur zu finden sind.

Es gibt keine Mutter Natur, wir sind von ihr übelst behandelt worden. Dagegen haben wir uns gewehrt und die Umwelt zerstört. Deswegen haben wir nun ein schlechtes Gewissen.

Aber wir müssen uns nicht dafür entschuldigen, hier zu sein.

Das Problem ist, dass in Deutschland das Umweltthema moralisch aufgeladen und Schuldmanagement betrieben wird, vor allem von den Grünen und Umweltorganisationen, deren Mitglieder sich als Gutmenschen stilisieren.

Die Deutschen wachen auf und denken sich: Ich bin zu hundert Prozent Schwein, und mein Ziel ist es, nur zu neunzig Prozent Schwein zu sein. Besser wäre, mich gäbe es nicht.”

5. Nietzsche über die Gutmenschen

Die Menschen sind leidende Geschöpfe geworden, infolge ihrer Moralen:
Was sie damit eingekauft haben, das ist alles in Allem, ein Gefühl, als ob sie im Grunde zu gut und zu bedeutend für die Erde wären und nur vorübergehend sich auf ihr aufhielten.
“Der leidende Hochmütige” ist einstweilen immer noch der höchste Typus des Menschen.

Friedrich Nietzsche
Morgenröte 1881 , 2. Aufl.

6. Moral? Aber wessen Moral?

Die Moral ist immer an bestimmte Interessensgruppen gebunden.

Ziel ist die Nötigung zu einer bestimmten Verhaltensweise, die wieder vorteilhaft für diese Gruppe sein muss.

Die Anzahl der Moralen ist wohl genauso groß, wie die Anzahl der Interessen.

Mitunter werden Moralen vertreten, die sich gegenseitig widersprechen.

Vergleiche Nietzsches Ausführungen zur Herren- und Sklavenmoral.

7. Machiavelli über die Herrenmoral:

(Zusammengetragen von einem Leser des Newsletters)

„Treue ist eine Tugend für eine Welt voll guter Menschen. Da sie aber schlecht sind, brauchst du sie ihnen auch nicht zu halten.“

„Viele haben sich Republiken und Fürstentümer ausgedacht, die niemals gesehen worden, noch als wirklich bekannt gewesen sind. Denn die Art, wie man lebt, ist so verschieden von der Art, wie man leben sollte, daß, wer sich nach dieser richtet statt nach jener, sich eher ins Verderben stürzt, als für seine Erhaltung sorgt; denn ein Mensch, der in allen Dingen nur das Gute tun will, muß unter so vielen, die das Schlechte tun, notwendig zugrunde gehen. Daher muß ein Fürst, der sich behaupten will, imstande sein, schlecht zu handeln, wenn die Notwendigkeit es erfordert.“

„Ein kluger Fürst kann und darf sein Wort nicht halten, wenn er dadurch sich selbst schaden würde.“

„Tugenden sind schädlich, wenn man sie besitzt und stets ausübt, und nützlich, wenn man sie zur Schau trägt.“

„Jeder sieht, was du zu sein scheinst, wenige wissen, was du wirklich bist; und jene Wenigen wagen es nicht, gegen den Strom der allgemeinen Meinung anzuschwimmen.“

„Der größte Feind der neuen Ordnung ist, wer aus der Alten Vorteile zog.“

„Ein Fürst braucht nur zu siegen und seine Herrschaft zu behaupten, so werden die Mittel dazu stets für ehrenvoll gelten und von jedem gepriesen werden.“

„Nicht wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt.“

„Die Menschen scheuen sich weniger, einen anzugreifen, der sich beliebt gemacht hat, als einen, den sie fürchten.“

„Man sieht oft, dass Bescheidenheit gar nichts nützt. Ja, dass sie nur schadet.“

„Klug ist es, sich zu drehen und zu wenden nach dem Winde.“

http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/geschichte/machiavelli/audio/




Die guten Seiten einer Kleinkläranlage

Es ist selten so, wie man denkt…

Mancherlei Argumente werden vorgebracht

  • Kleinkläranlagen sind undicht.
  • Die Betreiber von Kleinkläranlagen sind unfähig diese selber zu warten.
  • Kleinkläranlagen funktionieren nicht richtig.
  • Betreiber von Kleinkläranlagen bohren Löcher in ihre Gruben, damit sie weniger Schlamm entsorgen müssen.
  • Kleinkläranlagen belasten das Gewässer viel stärker als zentrale Kläranlagen.
  • ….

um zu begründen, dass Kleinkläranlagen schlechter sind, als eine zentrale Abwasserableitung durch eine Kanalisation.

Für eine Stadt oder eine größere Siedlung mag dies stimmen.

Aber zumindest im Vergleich mit einer Mischwasserkanalisationen schneiden die Kleinkläranlagen deutlich besser ab, wie das folgende Bild zeigt:

Die zentrale Abwasserableitung- und -behandlung hat auch so ihre Schattenseiten.

Bei dem Foto – das ich 2005 machte – handelt es sich um den Einlauf einer Kanalisation in einen kleinen Bach.

Hinter dem Einlauf befindet sich ein Regenüberlaufbecken einer Misch(ab)wasserkanalisation.

So etwas Schönes , wie auf dem Foto abgebildet, sieht man bei der Abwassereinleitung eines Dorfes, dessen Bewohner ihr Abwasser noch mit Kleinkläranlagen – z. B. primitiv nach DIN 4261-1 behandeln – nicht.

Der Leser mag darüber sinnieren, wo sich denn das andere Klopapier befindet, das nicht von diesem Gitter eher zufällig zurückgehalten wurde?

Nun, es ziert natürlich – bis zum nächsten Hochwasser – den einen oder anderen Strauch, Busch oder Baum am Ufer des Baches.

Seit einigen Jahren versucht man solche Eindrücke durch den Einbau von recht teuren Rechenanlagen in die Regenabwürfe zu vermeiden.

Wie aber die „Umweltpolizei“ völlig zu recht meint:

Es ist selten so, wie man denkt…

In diesem Fall ist es schlimmer, denn es sind die Dinge, die man nicht sieht, die uns zumeist das Leben schwer machen und die kann man nicht einfach aus dem Abwasser sieben.

Es ist ähnlich wie beim Kaffee: Das, was der Filter zurückhält, ist die Nebensache.

Und aus diesen wenig schmackhaften Gründen – im anderen Fall – darf man das Wasser in Flüssen und Bächen trotz gewaltiger Erfolge im staatlich geförderten und mit Abwasserabgabe stimulierten Wettbewerb um den saubersten Kläranlagenablauf nicht trinken.

Baden sollte man in den Bächen und Flüssen erst dann, wenn man sicher ist, dass es stromaufwärts wenigstens einige Tage nicht geregnet hat.

Und immer daran denken:

Das was im Fluss neben dem Wasser fließt, ist oft zu einem Großteil Gülle.

Gülle geringfügig verändert.

Mehr oder weniger biologisch durch mehr oder weniger vorhandene Bodenpassagen behandelt.

Mitunter ist es also ganz anders als es uns vorgedacht wird!

Aber ich kann versichern, ich kenne ein Kind, dass mehrfaches streng verbotenes Schwimmen in der Elbe im Alter von 8 Jahren wenigstens 54 Jahre ohne eine einzige Allergie überlebte.

In der ostdeutschen Elbe schwamm damals vielleicht auch ein wenig Rechengut mit.

Also – immer schön den Ball flach halten!

Es sind nicht die Gefahren, die uns die Propheten versprechen.

Es sind meist völlig andere.




Angst machen mit Nitrat im Wasser – recht offensichtlich!

Einiges über das Nitrat:

  • Im Gewässer ist Nitrat grundsätzlich kein Schadstoff, sondern eine wertvolle Sauerstoffquelle für kritische Gewässerzustände.
  • Dieser Fakt mag zwar nicht in manches Weltbild passen, bedarf  aber keiner Bestätigung um wahr zu sein.
  • Nitrat im Gewässer verhindert z.B. die Massenentwicklung von Blaualgen.
  • Die Bewertung von Nitratkonzentrationen  setzt wasserchemischen und ggf. auch wasserbiologischen Sachverstand voraus.
  • Der Nitratgrenzwert beträgt lt. Trinkwasserverordnung: 50 mg/l.
  • Vielen Pressenachrichten mangelt es an unabhängiger Bewertung der gemessenen Nitratkonzentrationen.

Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte – Sinn der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung

Nitrat und Phosphor im Gewässer

Schlechter wasserchemischer Gewässerzustand – auch eine Frage des Imports von Düngemitteln für den Export von Fleisch Reichholf: “Geht man auf den 55 % landwirtschhaftlich genutzter Landesfläche von einer Düngermenge aus, die gegenwärtig im Durchschnitt bei gut 200 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr liegt, so stellt sich die Frage, woher diese nun kommt. Mineraldünger macht [Weiterlesen →]

Bedrohung der Artenvielfalt

“Was ist die größte Bedrohung für die Artenvielfalt? Die Landwirtschaft. In Mitteleuropa etwa fördert die Überdüngung ganz bestimmte Pflanzen, wie Löwenzahn und dichtwüchsige Gräser. Das nimmt anderen Arten die Lebensmöglichkeit. Und zwar nicht nur auf den Flächen: Über das Grundwasser gelangen nitrathaltige Nährstoffe in die Gewässer und begünstigen dort einseitig Algenanarten, vor allem Blaugrünbakterien. Dadurch [Weiterlesen →]

Wassergütewirtschaft – gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft

Perspektiven der Wassergütewirtschaft 2050 — gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft Helmut Kroiss, Wien 1.    Einleitung – Bei der Beschäftigung eines Wissenschaftlers mit Prognosen tritt immer das Problem auf, dass er sich auf ein Terrain wagen muss, das nicht durch experimentelle oder andere empirische Daten abgesichert werden kann. Die Zukunft bleibt daher in vieler Hinsicht prinzipiell ungewiss. Nicht [Weiterlesen →]

Noch zu viel Phosphor und Stickstoff im Wasser

“Dessau-Roßlau /dpa. Das Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau (UBA) fordert die weitere Verbesserung der Wasserqualität in den Gewässern Deutschlands. Zwar seien viele Flüsse, Seen und Bäche mittlerweile weitgehend sauber, aber es gelange noch zu viel Phosphor und Stickstoff ins Wasser, erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth anlässlich des Welttages des Wassers am Montag. Zudem sei oftmals das Grundwasser mit [Weiterlesen →]

Gülle – Nicht nur ein bundesdeutscher Importschlager! 

200 Millionen Tonnen Gülle – jährlich! werden auf deutschen Feldern ausgeschüttet. Quelle: Der Spiegel Nr. 22 vom 30.05.2011, S. 17,  Nach Reichholf, J.H. ( Der Tanz um das goldene Kalb, Der Ökokolonialismus Europas, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 1. Auflage 2006) werden davon 2/3, also 133 Millionen Gülle importiert, wobei es auf die eine oder

Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen?!

Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff

Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung

Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung

Schwarze Flecken im Watt

Nitrat stört den Phosphorkreislauf

Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung

Widersprüche beim Gewässerschutz

Denitrifikation in natürlich belüfteten Teichkläranlagen

Abwasserabgabe – Teilweise Gewässerschädlich

Die Wahrscheinlichkeit der Prophezeiungen

Nach dem Lesen der Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg (01.07.1742 bis 24.02.1799), herausgegeben Insel-Taschenbuch 165 (1. Auflage 1976) kann man über das heutige Deutschland sehr nachdenklich werden. Es entsteht der Eindruck, Lichtenberg wäre ein Zeitgenosse, so aktuell ist er. Ein Zitat, vielleicht über 200 Jahre alt: Dieses ist eine Theorie, die meines Erachtens in der [Weiterlesen →]

Ausgewählte Quellen, teilweise eine Nitratpanik – Juni 2011:

Kein Nitrat im Gewässer! Aber alle wollen Milch trinken!

Landwirte im Kreis Cloppenburg fühlen sich “pauschal verunglimpft” General Anzeiger (Rhauderfehn) Der Berufszweig werde vom VSR-Gewässerschutz in ein falsches Licht gerückt, moniert Landvolk-Chef Hubertus Berges. Der Verein behaupte, “Landwirte würden…

Streit um Nitrat im Main

Main Post – ‎13.06.2011‎
Zu viel, sagen Umweltschützer vom „Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR-Gewässerschutz eV)“ nach umfangreichen Messungen. Sie sehen „dringenden Handlungsbedarf“. Der Main unterschreitet die Nitratvorgaben um mehr als 50 Prozent,

Umweltschützer untersuchen Brunnenwasser

Norddeutsche Neueste Nachrichten – ‎04.06.2011‎
„Es ist sinnvoll mit einem Brunnen das oberflächennahe Grundwasser zu nutzen und das aus tieferen Schichten gewonnene Leitungswasser sparsam zu verwenden“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende vom VSR-Gewässerschutz. Doch ist das selbst geförderte

Grundwasser häufig mit Nitrat belastet

Main-Spitze – ‎26.05.2011‎
Das Labormobil des „Vereins zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse“ (VSR) erweiterte das Angebot um die Möglichkeit, die Wasserqualität aus heimischen Brunnen oder in Kleingärten untersuchen zu lassen und auf diese Weise zu klären,

Streit um Nitrat im Main

Frankfurter Rundschau – ‎03.06.2011‎
Der Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR) unternahm mit einem eigenen Laborschiff kürzlich Messfahrten auf dem Main und seinen Zuflüssen, darunter Nidda und Kinzig. Der Verein, der dem Bundesverband Bürgerinitiativen und

Erhöhte Nitratwerte im Main

Primavera24 – ‎25.05.2011‎
Der Main im Primaveraland enthält zu viel Nitrat – das haben aktuelle Messungen vom VSR-Gewässerschutz ergeben. RHEIN-MAIN-GEBIET. Der Grenzwert für Nitrat liegt bei höchstens 11 Milligramm pro Liter. Die Messungen ergaben, dass das Mainwasser im

Streit um Nitrat im Main

Main Post – ‎13.06.2011‎

Zu viel, sagen Umweltschützer vom „Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR-Gewässerschutz eV)“ nach umfangreichen Messungen. Sie sehen „dringenden Handlungsbedarf“. Der Main unterschreitet die Nitratvorgaben um mehr als 50 Prozent,

Umweltschützer untersuchen Brunnenwasser

Norddeutsche Neueste Nachrichten – ‎04.06.2011‎

„Es ist sinnvoll mit einem Brunnen das oberflächennahe Grundwasser zu nutzen und das aus tieferen Schichten gewonnene Leitungswasser sparsam zu verwenden“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende vom VSR-Gewässerschutz. Doch ist das selbst geförderte

Grundwasser häufig mit Nitrat belastet

Main-Spitze – ‎26.05.2011‎

Das Labormobil des „Vereins zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse“ (VSR) erweiterte das Angebot um die Möglichkeit, die Wasserqualität aus heimischen Brunnen oder in Kleingärten untersuchen zu lassen und auf diese Weise zu klären,

Über 100 Menschen brachten Wasserproben aus ihren Brunnen mit und ließen es im Nibelungen Kurier

Streit um Nitrat im MainFrankfurter Rundschau – ‎03.06.2011‎

Der Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR) unternahm mit einem eigenen Laborschiff kürzlich Messfahrten auf dem Main und seinen Zuflüssen, darunter Nidda und Kinzig. Der Verein, der dem Bundesverband Bürgerinitiativen und

Erhöhte Nitratwerte im Main

Primavera24 – ‎25.05.2011‎

Der Main im Primaveraland enthält zu viel Nitrat – das haben aktuelle Messungen vom VSR-Gewässerschutz ergeben. RHEIN-MAIN-GEBIET. Der Grenzwert für Nitrat liegt bei höchstens 11 Milligramm pro Liter. Die Messungen ergaben, dass das Mainwasser im





Blaualgen – Panik

Blaualgen – die Wahrheit:

Ausgewählte Quellen, teilweise eine Blaualgenpanik – Juni 2011:

Blaualgen: Erneut Badeverbot im Kruppsee RP ONLINE – ‎Vor 14 Stunden‎
Friemersheim (skai) Das Institut für gesundheitlichen Verbraucherschutz der Stadt Duisburg hat im Kruppsee erneut Blaualgen nachgewiesen und bis auf Weiteres ein Badeverbot erlassen. Auch am Strandbad des Wolfssees an der Sechs-Seen-Platte im

Böhringer See: Badeverbot bleibt weiter bestehen suedkurier.de -Radolfzell
Schlechte Nachrichten für Badefreunde: Auch weiterhin darf im Böhringer See nicht gebadet werden, die Blaualgen sind immer noch gesundheitsgefährdend. Trotz der in den letzten Tagen festgestellten Rückläufigkeit der Algenblüte im Böhringer

Hitze fördert Blaualgen-Wachstum Märkische Allgemeine – ‎07.06.2011‎
Im Ergebnis der Untersuchung auf Blaualgen wird am Rahmer See ein Blaualgenwarnschild aufgestellt, teilt der Landkreis mit. Ohne Algenwachstum und damit von ausgezeichneter Badequalität sind im Oberhavel-Norden der Baalensee und der Röblinsee in

Blaualgen-Alarm am Rahmer See Die-Mark-Online – ‎08.06.2011‎
Oberhavel – Das Gesundheitsamt Oberhavel hat das erste Blaualgen-Warnschild der Saison aufgestellt. Von Burkhard Keeve Getrübt: Bislang steht nur am Rahmer See ein Warnschild, aber auch im Moderfitzsee in Himmelpfort tummeln sich die Algen bereits

Frischwasser für die Ostsee Deutschlandfunk – ‎06.06.2011‎
Sterben die Blaualgen ab, sinken sie auf den Meeresboden und werden dort von Mikroorganismen abgebaut. Das Problem: Letztere verbrauchen dafür fast allen verfügbaren Sauerstoff. Für Urlauber sind Blaualgen vor allem lästig: Die viele

Stadt Offenbach rät zur Vorsicht beim Baden im Schultheis-Weiher Familien-Blickpunkt.de – ‎03.06.2011‎
Blaualgen
können giftig sein und zu Krankheitserscheinungen führen. Kinder sind besonders gefährdet. Bei Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Atemnot oder Hautreizungen nach dem Kontakt mit dem Seewasser sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Der kompetente Ratgeber Nie mit vollem Magen und alkoholisiert ins Wasser BZ – ‎31.05.2011‎
Vorsicht, Blaualgen! Hohe Temperaturen können in Gewässern zu übermäßigem Algenwachstum führen. Bei fehlender Sauerstoffzufuhr beginnt die Biomasse zu faulen: Der See kippt um.> Nie in Gewässern baden, für die Badeverbot besteht.

Peru: Bedrohliches Blaualgenwachstum durch Abwässer im Fluss Camisea Womblog (Blog) – ‎02.06.2011‎
Der überdurchschnittliche Anstieg der Wassertemperatur im Fluss Camisea hat Blaualgen hervorgebracht, die Hautallergien sowie Magen- und Leberprobleme unter der indigenen Bevölkerung zur Folge haben können. Zudem schmecken Fische aus dem Fluss durch





Die Wahrscheinlichkeit der Prophezeiungen

Nach dem Lesen der Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg (01.07.1742 bis 24.02.1799), herausgegeben Insel-Taschenbuch 165 (1. Auflage 1976) kann man über das heutige Deutschland sehr nachdenklich werden.

Es entsteht der Eindruck, Lichtenberg wäre ein Zeitgenosse, so aktuell ist er. Ein Zitat, vielleicht über 200 Jahre alt:

Dieses ist eine Theorie, die meines Erachtens in der Psychologie eben das vorstellt, was eine sehr bekannte in der Physik ist, die das Nordlicht durch den Glanz der Heringe erklärt.

Aktuell befasse ich mich gerade im Rahmen zweier Gerichtsgutachten wieder mit der induktiven Beweismethode. Und da drängte sich mir folgende Überlegung auf:

  • Prognosen, wie z. B. die Beschreibung des Klimawandels (oder auch Planungen) beruhen auf induktiven Schlüssen.
  • Regelmäßig aber unterschlagen die meisten Propheten bei Ihren Verkündigungen, dass induktive Schlüsse nur in Verbindung mit der Wahrscheinlichkeit der Voraussetzungen korrekt sind. Und zudem gilt, dass trotz korrekter induktiver Argumentation falsche Schlüsse möglich sind. (Die Geschichte und die Welt der „Erkenntnis“ ist voll von Trugschlüssen.)
  • Je mehr Faktoren für ein Ereignis mit einer Wahrscheinlichkeit behaftet sind und für dessen Eintreten notwendig sind, umso unwahrscheinlicher wird die Prognose bzw. die Genauigkeit der Beschreibung. Wenn z.B. für ein Ereignis nur 4 Voraussetzungen notwendig sind und die selber mit einer z. B. schon sehr hohen Wahrscheinlichkeit von 70 % eintreten könnten, dann beträgt die Gesamtwahrscheinlichkeit nach dem Gesetz der Multiplikation der Wahrscheinlichkeiten für das gewünschte Ereignis nur 24 % (0,7 * 0,7 * 0,7 * 0,7 * 100 = 24 %).

Zur Erhöhung der Wahrscheinlichkeit von Prophezeiungen hatte Prof. Reicholf einen klugen Rat:

Wer behauptet, daß etwas so kommen wird, und es kommt nicht so, der sollte die Kosten zu tragen haben.

Mich erstaunt vor diesem doch recht einfachen Hintergrund (Grundlagenwissen der Logik) und insbesondere der bekannten Unsicherheit induktiver Schlüsse schon der Mut mancher Wissenschaftler zu derartigen Prophezeiungen.

Auch beim Gewässerschutz und bei der Abwassertechnik wimmelt es nur so von Prophezeiungen, wählen wir z. B. die Nitratprophezeiungen, wobei einige Behauptungen falsch sind:

Dreifacher Wert: Viel zu viel Nitrat in der Werse

Ahlener Zeitung -Ahlen – Die Werse ist stark nitratbelastet. Ab Ahlen übersteige der Wert sogar das Dreifache der Vorgaben, meldet der VSR-Gewässerschutz (Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse eV) und beruft sich auf seine jüngste März-Messung. …

VSR meldet hohen Nitratgehalt in der Werse

Borkener Zeitung – ‎Vor 13 Stunden‎
Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) solle das Wersewasser, um einen guten Zustand zu erreichen höchstens elf Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat aufweisen. Dieser Wert werde aber im gesamten Werseverlauf überschritten – ab

Streit um Nitrat im Main

Main Post – ‎13.06.2011‎
Im Main ist viel Nitrat. Zu viel, sagen Umweltschützer vom „Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR-Gewässerschutz eV)“ nach umfangreichen Messungen. Sie sehen „dringenden Handlungsbedarf“. Der Main unterschreitet die Nitratvorgaben

Streit um Nitrat im Main

Frankfurter Rundschau – ‎03.06.2011‎
Trübes Wasser, wuchernde Algen, sterbende Fische: Zeichen dafür, dass ein Fluss zu stark mit Nitraten belastet ist. Wie sieht es im Main aus? Der Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR) unternahm mit einem eigenen Laborschiff

Grundwasser häufig mit Nitrat belastet

Main-Spitze – ‎26.05.2011‎
Während Nitrate für Zierpflanzen und Rasenflächen unbedenklich sind, ja sogar als Dünger wirken können, ist bei Gemüsepflanzungen Vorsicht geboten. Dort können sich die oft durch landwirtschaftliche Nutzung ins Grundwasser eingeschwemmten Nitrate
(Offensichtlich, dass diese Meldungen gesteuert werden.)

Weitere Zitate von Lichtenberg.




Das stille Sterben an den Lechstauseen

Das stille Sterben an den Lechstauseen
Merkur Online
Er ist beim Landesfischereiverband Bayern für den Arten- und Gewässerschutz zuständig. Da die Abflusskurven beim Lech nahezu identisch seien mit der Einspeisevergütungskurve an der Strombörse in Leipzig, hegt auch Schnell den Verdacht, dass sich Eon




Auf direktem Weg in die Klimadiktatur?

Ja, gerne!?

Ein Bericht des wissenschaftlichen Beirats, der die Bundesregierung in Klimafragen berät, sorgt für Aufruhr – manche sehen sogar die Demokratie in Gefahr.“ Siehe Artikel des FOCUS.

Wolfgang Wippermann:

Die sprechen sogar von der „internationalen Allianz von Pionieren des Wandels“. Und das erinnert mich an die faschistische oder kommunistische Internationale. Ob sie da hin wollen, weiß ich nicht. Aber die Sprache ist schon mal schrecklich und das macht mir Angst. Wer so spricht, der handelt auch. Das ist eine negative Utopie, eine Dystopie. Und wenn Utopisten am Werk sind, wird es immer gefährlich.

Nun, vor diesem Trend – der sich schon vergegenständlicht hat – wird schon seit Jahren von den verschiedensten Autoren gewarnt. Driessen, P.K., Öko-Imperialismus – Grüne Politik mit tödlichen Folgen (TvR Medienverlag 2006):

Die Debatten über gesellschaftliche Verantwortung, Beteiligung von Anspruchsgruppen, nachhaltige Entwicklung, Vorsorgeprinzip und sozial verantwortliches Investieren führten in zu vielen Fällen dazu, daß Wissenschaft und Logik durch interessengeleitete Strategien, politische Zweckmäßigkeit und eine neue Form von Tyrannei ersetzt wurden.

Im Kern ist momentan eine Art von anonymem Wirtschaftskrieg gegen das eigene Volk im Gange, der mit ideologischen Waffen – insbesondere mit den Geschützen des Vorsorgeprinzips und der  Nachhaltigkeit – ausgetragen wird. Gezählt werden ausschließlich die neugeborenen Sieger – die vom Ökologismus geschaffenen neuen Arbeitsplätze. Die flächendeckend Dahinsiechenden und die Öko-Leichen werden ausgeblendet. Verbunden ist das Ganze mit einer gewaltigen Entwertung vielerlei bisher geschaffener Anlagen und einer Entwertung von manchem Privat- und Volksvermögen. Auch dieser Aspekt verleiht dem ganzen Gewusel einen kriegsähnlichen Charakter. Uns Deutschen geht es einfach zu gut.  Und bevor sich der Deutsche überlegt, sein Geld zu sparen oder bevor man die Umsatzsteuer senken müsste, braucht man dringend Begründungen Deutschland nach dem II. Weltkrieg ein zweites Mal aufbauen zu müssen. Das sind neben Machterhalt die Hintergründe.

Vorsorgeprinzip und Nachhaltigkeit kommen listig getarnt mit dem Mantel des Guten daher. Tatsächlich wurden und werden diese Instrumente des Terrors und der Ökodiktatur zunehmend in Gesetzen verankert. Wie heißt es so schön: „Jedes Gesetz ist der Embryo des Terrors.“ Da weiß man, was nachhaltig auf die nächste Generation zukommt. Die zunehmende Macht der Vorsorgedoktrin erklärt sich auch aus der Vergreisung der deutschen Gesellschaft. Die Jugend ist nicht vorsorglich. Sie ist dynamisch und riskant. Nur auf diesen Eigenschaften beruht der Fortschritt. Ob am Ende das Vorsorgeprinzip der ängstlichen Alten aus der eigentlich tapferen Jugend nachhaltige kleine Idioten macht?  So der Eindruck, wenn kritischer Literatur gefolgt wird.

Bolz, N. (Quelle: Der Gesinnungsterror der politisch Korrekten ist eine Feind-Erklärung: Er stellt jeden liberal Denkenden in seiner Existenz in Frage, Focusartikel von Bolz, N. Focus 37/210, S. 64-66.) charkterisiert den Zustand der deutschen Gesellschaft so:

Niemand wagt es, einem unabhängigen Gedankenzug zu folgen. Deshalb gibt es auch keine großen Denker mehr.

Wer zurückschaut, schärft seinen Blick für die Wertung der Vorgänge in der Gegenwart: Es ist nur „wenige“ Jahre her, als Menschen in Durchsetzung des Vorsorge- und Nachhaltigkeitsprinzips verbrannt wurden, denn die Hexenverbrennung war – auf den Punkt gebracht – nichts anderes als die Durchsetzung des Vorsorgeprinzips, durch besonders gute Menschen, die es mit den Hexen und den von den Hexen betroffenen Menschen nur besonders gut meinten. Erst vor wenigen Tagen – so scheint es – notierte Georg Christoph Lichtenberg (1.7.1742-24.2.1799):

Wir verbrennen zwar keine Hexen mehr, dafür aber jeden Brief, worin eine derbe Wahrheit gesagt wird.

Dem Buch von Gärtner, Edgar L., Öko-Nihilismus, Eine Kritik der Politischen Ökologie (TvR Medienverlag Jena, 2007) ist auf Seite 168 zu entnehmen:

Die große Triebkraft der Völkerenentwicklung war niemals die Wahrheit, sondern der Irrtum„, schrieb der französische Arzt und Begründer der Massenpsychologie Gustave Le Bon 1895. „Die soziale Täuschung“, fährt Le Bon fort, „herrscht heute auf allen Ruinen, die die Vergangenheit auftürmte, und ihr gehört die Zukunft. Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen mißfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.“ (S. 78) Le Bons Abhandlung über die „Psychologie der Massen“ wirkt noch heute so aktuell, als wäre sie hundert Jahre später geschrieben worden. Sie erklärt, warum es in der politischen Praxis meist einzelne Querköpfe und nicht Massenbewegungen sind, die den gesunden Menschenverstand zur Geltung bringen.
Dabei war Le Bon, bei allem düsteren Sarkasmus, sogar noch verhältnismäßig optimistisch. Er konnte noch die Hoffnung hegen, aus der Entgleisung der Französischen Revolution unter der Terrorherrschaft Robespierres und dem mißglückten Versuch, von einem leitenden Zentrum aus eine Gesellschaft um den Preis von Tausenden und Abertausenden von Toten ausschließlich nach Prinzipien der „reinen Vernunft“ umzumodeln, sei etwas gelernt worden. Heute wissen wir es besser. Der im Gefolge des Sturms auf die Bastille in die Welt gesetzte Revolutionsmythos war überaus verführerisch und stellte die magere, wenn nicht gar desaströse Bilanz der Schreckensherrschaft Robespierres in den Schatten. So kam im 20. Jahrhundert alles noch viel schlimmer.“

Wo ist bei dem selten hohen Stand von Wissenschaft und Technik das Licht am Ende des Tunnels, mag man fragen?

Die leisen Töne machen die Musik!




Die Dichtheitsprüfung in sanfter Weise ein Rauschmittel?

…oder wie koche ich einen Frosch?

„Für „sanfte“ Dichtheitsprüfung
Mindener Tageblatt
Förderleistungen aus der Abwasserabgabe (Investitionsprogramm Abwasser) für private Kanalsanierungen ab dem 1. Januar 2012 sollen nahtlos an die heute …“

„Gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden solle die Mustersatzung überarbeitet werden, um die schonendste Art der Dichtheitsprüfung zu nutzen. Grundsätzlich sollen in freier Wahl alle Prüfmethoden zulässig sein, Druckprüfung, TV-Inspektion und Wasserstandsfüllprüfung. Darüber hinaus wird die Einführung einer drucklosen Durchflussprüfung gefordert. Lediglich für Fremdwasserschwerpunktgebiete und in Wasserschutzgebieten seien Ausnahmen sinnvoll.“

Siehe auch:  Dichtheitsprüfung für Grundstückskanäle?
Wenn die Bürger aber irgendwann aus dem Rausch erwachen:

„Massive Proteste zeigen die erwünschte Wirkung
Deutschland Today
Die Protestdemo vor den Gebäuden des TAVEE habe eindrucksvoll gezeigt, dass für die Bürger das Thema hohe Wasser- und Abwasserkosten nicht vom Tisch ist. …“

Tja, wie kocht man nun einen Frosch?

Mit diesem Gleichnis habe ich mir schon einmal die Finger verbrüht, weil eine Leserin dachte, ich hätte eine besondere Erfahrung im Kochen von lebendigen Fröschen.

Interessant ist aber die Frage, warum die Frösche beim Atomausstieg nicht aus dem Topf  springen.

Naturwissenschaftlich gesehen, wahrscheinlich deshalb nicht, weil die Geschwindigkeit der Zunahme der Wassertemperatur größer war, als die Reaktionsgeschwindigkeit der deutschen Frösche.

Das wäre eine Hypothese.

Pragmatisch geht es mit Sicherheit so:

  1. Man setzt den Frosch in einen Topf.
  2. Legt etwas  auf ihn, vor dem ihm vorher wahnsinnig Angst gemacht wurde – z.B. etwas fernes japanisches – und dann kann man
  3. ihn beliebig in kochendem Wasser aufbrühen.

So geht es besser!

Die Angst vor Schlimmeren zwingt insbesondere deutsche Frösche in die Knie und schaltet ihre Gehirne gaaanz saaaaanft ab.

Das Wunderschöne bei der Angst ist ja, dass es für die Wirkung genügt, Angst einzujagen.

Es ist nicht nötig, dass das beängstigende Ereignis tatsächlich jemals eintritt.

Es genügt, wenn der Schäferhund die Schafe umkreist.

Die Fiktion beeinflusst das Denken und reale Handeln!

Aber das war schon immer so.

P.S.: Das mit dem Frosch ist letztlich nur eine schöne Geschichte, bei der es bekanntlich nicht darauf ankommt, dass sie in allen Punkten stimmt.




EHEC aus Biogasanlagen?

Ein aktuelles Thema der FAZ lautet:

Biogasanlagen – Brutstätten für Ehec-Keime?

„Angesichts der dramatischen Krankheitsverläufe und immer noch steigenden Fallzahlen entstehen derzeit viele neue Theorien, woher die Ehec-Keime im aktuellen Ausbruch stammen könnten. Weil immer noch kein einzelnes Lebensmittel als Auslöser konkret benannt werden konnte, konzentriert man sich jetzt auf größere Zusammenhänge, etwa die moderne Landwirtschaft mit ihren auf Kraftfutter angewiesenen Hochleistungskühen, die kein Weidegras mehr kennen. Daneben sind ein Terroranschlag und mangelnde Kenntnisse über Küchenhygiene im Zuge eines Generationswandels in der Diskussion.“

In dem Rahmen werden auch Analogien zu anderen Keimen in der Biogasgülle – die Clostridien – diskutiert. (Einige Arten der Clostridien sind pathogen)

„Im Gegenteil hat eine von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und der Technischen Universität München gemeinsam durchgeführte Studie ergeben, dass sich Clostridium perfringens weder in meso- noch in thermophil betriebenen Fermentern bei der Vergärung von Rindergülle vermehrte.“

Quelle: Stellungnahme zu den Artikeln „Biogasgülle am besten unterpflügen“ in Flur und Furche, Bd. 184, S. 19 (2005) sowie Biogas: „Gülle unterpflügen“ in dlz-Agrarmagazin Bd. 10, S. 14 (2005)

Siehe auch: Wikipedia

Markant scheint zu sein, dass die Bedenken Klärschlammbiogasanlagen eher nicht betreffen.

Weitere Quellen:

Mehr Fälle, mehr Thesen

FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung – ‎06.06.2011‎
Auf der Suche nach Erklärungsversuchen für die Ehec-Krise geraten auch Biogasanlagen in die Diskussion. Die Hypothese, die Anlagen seien eine Brutstätte für Krankheitserreger, ist nicht neu. Von Christina Hucklenbroich Angesichts der dramatischen

„Vielleicht sucht man vergeblich“

Salzburger Nachrichten – ‎05.06.2011‎
Zumindest Salzburg darf aufatmen: „Wir haben jenen 30-jährigen Patienten, bei dem Verdacht auf EHEC bestanden hatte, heute entlassen“, bestätigte der Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Primar Richard Greil, den SN am Sonntag.

Ehec-Ausbruch: Epidemie stellt Experten vor doppeltes Rätsel

Spiegel Online – ‎05.06.2011‎
Von Nina Weber Wie verbreiten sich die Ehec-Bakterien, die Hunderte Menschen infiziert haben? Und woher stammt der Erreger? Bisher konnten Forscher diese Fragen nicht klären. Doch nun gibt es womöglich eine neue Spur. Wie es zu dem Ehec-Ausbruch in

Schwieriger Kampf gegen Ehec-Epidemie: Krankenhäuser am Limit

STERN.DE – ‎05.06.2011‎
Gesundheitsminister Bahr räumt ein: Die Kliniken im Norden sind bei der Versorgung der Ehec-Patienten überlastet. Bei Suche der Erreger-Quelle geraten nun auch Biogasanlagen ins Visier. Seit drei Wochen treibt der aggressive Darmkeim Ehec in

Biogasanlagen – Brutstätten für Ehec-Keime?

FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung – ‎05.06.2011‎
Angesichts der dramatischen Krankheitsverläufe und immer noch steigenden Fallzahlen entstehen derzeit viele neue Theorien, woher die Ehec-Keime im aktuellen Ausbruch stammen könnten. Weil immer noch kein einzelnes Lebensmittel als Auslöser konkret

Mediziner verdächtigt Biogasanlagen als Ehec-Ursprung

Reuters Deutschland – ‎05.06.2011‎
Berlin (Reuters) – Einige Veterinär- und Labormediziner halten eine Herkunft des gefährlichen Ehec-Erregers aus Biogasanlagen für möglich. In den Gärbehältern der Biogasanlagen entstünden Bakterien, die es zuvor noch nie gegeben habe,

Ehec-Erreger könnte aus Biogasanlagen stammen

Financial Times Deutschland – ‎05.06.2011‎
Möglicherweise ist der tödliche Erreger ein Produkt der Energiewende: In Biogasanlagen könnte die aggressive Form des Darmkeims entstanden sein. Die Spur nach Lübeck scheint jedenfalls wertlos. Einige Veterinär- und Labormediziner halten eine Herkunft

Neue Spuren im Fall EHEC

NZZ Online – ‎05.06.2011‎
Eine medizinisch-technische Assistentin zeigt in Hamburg im mikrobiologischen Labor des Universitätsklinikums Eppendorf eine EHEC-Bakterienkultur. (Bild: Keystone / Philipp Guelland) Bei der Suche nach der Herkunft des gefährlichen EHEC-Erregers sind

 

 

 

 

 




Gülle – Nicht nur ein bundesdeutscher Importschlager!

200 Millionen Tonnen Gülle – jährlich!

werden auf deutschen Feldern ausgeschüttet. Quelle: Der Spiegel Nr. 22 vom 30.05.2011, S. 17

Foto: U. Halbach

Hochalm – Einzugsgebiet des Gardasees

 

Nach Reichholf, J. H. (Der Tanz um das goldene Kalb, Der Ökokolonialismus Europas, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 1. Auflage 2006) werden davon 2/3, also 133 Millionen Gülle importiert, wobei es auf die eine oder andere Million wohl nicht ankommt.

Eine Tonne Gülle entspricht etwa einem Kubikmeter.

Sicher wird die Gülle nicht flüssig importiert, sondern eher in ihrer Modifikation als Futtermittel.

Futtermittel werden importiert, weil auf deutschen Feldern nicht soviel Futtermittel wächst, wie gebraucht wird, um alle Exportschweine und Exportrinder zu füttern.

Gülle wird aus Futter erst dann, nachdem das importierte Futter von den zu exportierenden Tieren gefressen wird.

Vor dem Hintergrund des „Gülleimports“ bedarf es extremer Unwissenheit, an den Sinn der Auflagen zu glauben, biologisch gereinigtes Abwasser nur über die belebte Bodenzone versickern zu dürfen. Doch das nur am Rande.

Unter folgenden Annahmen:

  • alle Gülle besteht nur aus Rindergülle,
  • der TS-Gehalt der Rindergülle beträgt im Mittel 10 % (also bei 200 Mt Gülle = 20 t Gülletrockenmasse),
  • der Phosphorgehalt der Rindergülle beträgt im Mittel 1,9  % der Trockenmasse,
  • im Abwasser eines Einwohners finden sich täglich 1,8 g Phosphor bzw. jährlich  657 g und 657 t/ Million Einwohner,

errechnet sich zunächst eine Phosphorfracht in der Gülle von 380.000 t Phosphor/a. Wird diese Zahl durch 657 t Phosphor/Million Einwohner dividiert, dann ist bei diesen Annahmen festzustellen:

Die Gülle entspricht hinsichtlich der Phosphorfracht dem Abwasser eines Landes mit 578 Millionen Einwohner bzw. die landwirtschaftliche Viehhaltung erzeugt wenigstens siebenmal soviel Phosphor als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.

Nun, die Intention zu diesen Betrachtungen erhielt ich von Prof. Reichholf.  Und wie man sieht, ist seine Feststellung durchaus nachvollziehbar:

Die landwirtschaftliche Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser wie alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Hauptquelle der Überdüngung ist also nicht die Getreideproduktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung.

Weitere Überlegungen unter: Nitrat und Phosphor im Gewässer.

Nun darf der Leser darüber nachdenken, warum er  für die Einleitung von Phosphor und Stickstoff in Gewässer seit über zehn Jahren sein Geld abgeben muss, während dem Rindvieh dies erspart bleibt.

Insofern ist es biologisch, das Fleisch von Bio-Rindern zu essen, die sich ihr Bio-Futter selber suchen.

Die Gegend sieht dann allerdings  danach so aus:

Schweizer Kuhfladen – Garantiert biologischer Anbau

(Aber man muss ja nicht hineintreten.)

Wer sich aber für die Schweinemast interessiert:

Kostenloses E-Book zum Thema Schweinemast & Schweinefütterung mit umfassenden Informationen

(Eine Verlinkung für www.agrarnetz.com)

 

 




Vom Kopf auf den Fuß gestellt!

Die Wasserchemie ist Mittel der Ökologie und nicht – wie momentan eher dilettantisch benutzt – ein eigenständiges Ziel.

D. h. die Prämissen und Gesetze der Ökologie bestimmen die Anforderungen an den wasserchemischen Zustand.

Was ist sinnvoll, zweckmäßig und möglich?

Und es wartet ein goldenes Kalb auf seine Demontage:

Phosphor und Stickstoff sind keine Schadstoffe, sondern Nährstoffe!





Der schlechte Zustand!?

Diese allgemein herrschende Vorstellung ist mit 100 %-iger Sicherheit logisch falsch:

Schlechte wasserchemische Gewässergüteklasse III = schlechter ökologischer Zustand = schlechte Biologie!

Die Ökologie, die Biologie oder die Chemie ist niemals schlecht oder gut, höchstens für manche Geschäfte oder Interessen.

Ein Zusammenhang, der naturwissenschaftlich eindeutig falsch ist, kann trotzdem nach der Logik des Wasserrechtes oder der Politik durchaus korrekt sein.

Wohl auch aus diesem Grund ist das Versagen der Experten (vor dem Recht) immer ein reizendes Schauspiel…
würde Dávila meinen.




Mächtig viel CSB im Kaffee und kein Schadstoffbeweis?

Der CSB ist eine Summenbestimmung von (nur unter Laborbedingungen) chemisch oxidierbaren unbekannten Stoffen und unbekannten Einzelkonzentrationen.

Allein mit unbekannten Stoffen bzw. unbekannten Stoffgemischen und zudem unbekannten Einzelkonzentrationen ist kein Schadstoffbeweis möglich.

Entscheidend für eine Sauerstoffzehrung im Gewässer ist der sauerstoffzehrende Anteil des CSB.

Der muss aber als BSB separat gemessen werden.

Nun wäre die Frage zu beantworten:

Wenn allein mit dem CSB oder TOC kein Schadstoffbeweis sachlich möglich ist, warum wird dann für den CSB eine Abwasserabgabe erhoben?

(Siehe auch den Fachbeitrag von 2013 in der wwt. Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Bleibt nur noch hinzu zufügen, dass nicht nur ich als Student im Fach Wasserchemie schon 1968 an der Ingenieurschule für Wasserwirtschaft gelehrt bekam, dass mit allein mit dem CSB ein Schädlichkeitsbeweis nicht zu führen ist.

Und mit der Wende 1989 wurde schlagartig und sachlich unbegründet der CSB zum Schadstoff erklärt.

Die staatliche Gewässeraufsicht – so hieß eine Wasserbehörde vor 1989 – hatte bezüglich der CSB- und der Nährstoffbewertungen noch eine wissenschaftlich-ökologische Grundlage. Heute wurde ihren Nachfolgern in der ehemaligen DDR, den Wasserbehörden ein willkürliches Regulativ verordnet, um die Erhebung von Abgaben scheinbar zu begründen und Staftatbestände von CSB-Gewässerveschmutzungen zu verfolgen, die in Wahrheit keine sind.




Bodenfilter – Ein wertender Blick in die Vergangenheit

Unbepflanzte Bodenfilter – Auswertung einer Literaturquelle von 1934

Brix notiert:

„Unter Bodenfiltration versteht man in der Abwassertechnik eine auf verhältnismäßig kleinen Flächen betriebene Stauberieselung., die so stark mit vorgereinigtem Abwasser beschickt wird, daß auf die landwirtschaftliche Nutzung der Stauflächen verzichtet werden muß. Im übrigen ist der Vorgang der gleiche wie bei der Stauberieselung. Das Abwasser wird auf die mit Dämmen umgebene Fläche gestaut, sickert durch die Bodenschichten und fließt durch Drainagen ab. Wenn der Boden aus durchlässigem Sand und Kies besteht, können die natürlichen Verhältnisse beibehalten werden. Man beschränkt sich dann darauf, die auf dem Sand und Kies lagernden weniger durchlässigen Schichten Mutter- und Humusboden abzugraben und zu den Dämmen zu verwenden.

Ist die Wasserdurchlässigkeit der natürlichen Bodenlagen nicht ausreichend, so ist es nötig, die Filtermasse durch Sand, Kies oder Koks bzw. Kohle künstlich herzustellen. Die gröberen Filterstoffe kommen zu unterst, die Feinkörnigkeit muß nach oben zunehmen.

Es hat sich in der Praxis herausgestellt, daß bei vorschriftsmäßiger Anlage der Bodenfilter und richtiger Anpassung der Abwassermenge die Reinigung befriedigend erfolgen kann. Das abfließende Wasser ist klar, farblos und geruchfrei.

Die Belastung mit Abwasser hängt von den jeweiligen Verhältnissen, insbesondere von der Beschaffenheit und Stärke der Filterschicht ab. Sie schwankt zwischen 1000 und 5000 Einwohner je Hektar, das sind im Jahr 36500-180000 m³. Die Beschickung erfolgt in Ruhepausen, die abhängig von Betrieb, Bodenbeschaffenheit usw. im Einzelfalle praktisch zu ermitteln sind.

Legt man bei der Berechnung eine Stadt von 10000 Einwohnern mit einem täglichen Abfluß von 1000 m³ zugrunde, nimmt man weiter an, daß die Stauflächen mit 2500 Einwohnern = 250 m³ je Hektar täglich zu belasten sind, daß 8 Abteilungen von je 0,50 ha zur Verfügung stehen, von denen je 2 alle 4 Tage mit 1000 m³ zu beschicken sind, daß endlich die Tiefe der Drainage 1,50 m beträgt, so ergibt sich folgendes:

1. Größe der Staufläche 1000/250   = 4 ha.

2. Erforderliche Sekundenleistung der Drainage je Hektar = 1000 / (60 * 60 * 24 * 4) =  0,003 m³ = 3 Liter.

Quelle:
Brix, J. u.a.
Die Stadtentwässerung in Deutschland
Jena, Gustav Fischer 1934

Kommentar:

Die heutigen Filterbeete unterscheiden sich in ihrem Aufbau von den ursprünglichen Bodenfiltern von vielleicht 1920 dadurch, dass das Aufbringen des Abwassers früher über Gräben oder über ein oberflächlich verlegtes Rohrsystem auf das Filterbeet verteilt wurde, während dies heute über ein unterirdisch verlegtes Rohrverteilungssystem (Versickerungsrohre) vorzunehmen ist.

Rational, prinzipiell und in der Regel wären Filterbeete auch für größere Kläranlagen bei geeigneten Böden eine umweltschonende Alternative.

Umweltschonend auch deshalb, weil dieses bewährte biologisch aerob arbeitende Abwasserreinigungsverfahren ohne Energie und Chemikalien auskommt.

U. Halbach am 21. April 2011




Der Bodenfilter – Die fast wartungslose Kleinkläranlage

Unbepflanzter Bodenfilter für Kleinkläranlagen – mit Selbstbauanleitung

Grubenanlagen für die Behandlung des Abwassers von bis zu 50 Einwohnern (Gruben nach DIN 4261-1) müssen nach der Rechtslage mit einer sog. biologischen Stufe nachgerüstet werden. Die technischen Möglichkeiten sind vielfältig und die Wahl dürfte in der Regel den Haus- oder Grundstücksbesitzer weit überfordern.

Der Bodenfilter ist ein in manchen Bundesländern (z. B. Sachsen, Sachsen-Anhalt) zulässiges Verfahren zur biologischen Nachreinigung von Kleinkläranlagen.

Die Kleinkläranlagen müssen als Mehrkammerausfaulgruben für die Vorreinigung vorhanden sein oder nachgerüstet werden, wenn ein Bodenfilter nachgeschaltet werden soll.
Niederschlagswasser darf nicht in diese Kläranlagen eingeleitet werden.

Mehrkammerausfaulgruben haben darüber hinaus den Vorteil, dass aufgrund ihrer großen Verweilzeit der abgesetzte Fäkalschlamm lange genug ausfaulen kann, bis er sein Volumen derart verringert hat, dass seine Schlammbeseitigung frühestens in 5 Jahren notwendig werden kann.

Damit werden also in erheblichem Maße Schlammbeseitigungskosten gespart.

Ausgewählte Merkmale einer Mehrkammerausfaulgrube nach DIN 4261-1:

  • Gesamtvolumen ≥ 6 m³
  • Kammeranzahl ≥ 3 Kammern
  • Kammervolumen der 1. Kammer = 50 % des Gesamtvolumens
  • 1,5 m³ Nutzvolumen/Einwohner

Unbepflanzte Bodenfilter (auch Filterbeet genannt) sind ein „uraltes“  (vor 1933, vergleiche Geissler, W., Kanalisation und Abwasserreinigung, Berlin – Verlag von Julius Springer, 1933) und bewährtes Verfahren der Abwassertechnik, das m. E. wohl aus 2 Gründen in der heutigen Zeit etwas in Vergessenheit geriet:

  • Zum einem beansprucht ein Filterbeet mehr Fläche als eine im Werk vorgefertigte Kleinkläranlage und
  • zum anderen ist ein Filterbeet kommerziell weniger interessant. Es gibt auch keine Lobby für unbepflanzte Bodenfilter im Gegensatz zu den hinsichtlich des erforderlichen Reinigungsvermögens gleichwertigen bepflanzten Bodenfiltern.

Siehe auch: Bodenfilter – Ein wertender Blick in die Vergangenheit

Reinigungsprinzip:

  • In einem Bodenfilter wird mechanisch vorgereinigtes Abwasser stoßweise (es genügt für die Vorreinigung eine Mehrkammerausfaulgrube nach DIN4261-1) über ein Versickerungsrohr DN 100 (Schlitze weiten sich von innen  nach außen) auf eine Filterschicht (Grobsand) gegeben.
  • Unter der Filterschicht befindet sich z. B. eine Folie und auf dieser ein Drainagerohr (Schlitze weiten sich von außen nach innen).
  • Der Abwasserschwall durchdringt den Filter, sammelt sich im Drainagerohr und wird aus dem Bodenfilter nun biologisch abgeleitet.
  • Das nach unten im Filter sickerndes Abwasser verdrängt vor sich die Luft aus dem Filter und zieht nach sich frische Luft in den Filter.
  • Die Filterkörner sind am Ende der Einarbeitung mit einem biologischen Rasen überzogen, der dann den aeroben Abbau übernimmt.
  • Notwendig ist eine handelsübliche Schwallbeschickung (Stoßbeschickung), die sicherstellen muss, dass alle Sickerrohre gleichzeitig mit Abwasser gefüllt werden.

Die Enden aller Versickerungsrohre werden aus dem Boden herausgeführt und mit einer Belüftungshutze versehen (vorzugsweise wegen der Haltbarkeit des Stahlrohrs geringfügig einbetoniert) oder die Rohrleitungsenden können durch einen Querstrang verbunden und durch eine gemeinsame Lüftungsleitung mit einem Gesamteintrittsquerschnitt von mindestens 175 cm² gelüftet werden. Damit kann das Gelände unter dem Filterbeet besser genutzt werden.

Filtergraben nach DIN 4261-1

Abbildung 1: Schnitte durch einen Filtergraben (Bild 6 aus der DIN 4261-1) – Abweichend ist unbedingt der Einbau einer Stoßbeschickung, z. B. in die Verteilerkammer zu beachten!

Das aerob (mit Luftsauerstoff) biologisch arbeitende Filterbeet weist meiner Meinung nach folgende Vorteile auf:

  • kein Energieverbrauch
  • keine Wartung der Anlage
  • Nutzung der Oberfläche des Filters z. B. für den Gemüseanbau, Kräutergarten, Rasenfläche, Spielplatz, bei entsprechendem Bodenaufbau auch als Parkplatz
  • Eine Bepflanzung der Anlage mit Schilf ist nicht notwendig und auch nicht zulässig, wenn die Wurzeln des Schilfes mit dem Abwasser in Berührung kommen. Wird unbedingt eine Abwasserreinigung mit Pflanzen gewünscht, dann sind die Bestimmungen und Regeln für den Bau von Pflanzenkläranlagen zu beachten.
  • Bei der Planung der Anlage für eine Familie könnte das Filterbeet „lebenslänglich“ funktionsfähig bleiben, da sich die Belastung der Anlage mit dem Fortzug der Kinder reduzieren wird. Zudem ist durch die Reduzierung des Abwasseranfalls zwischen der Auslegung der DIN 4261-1 und heute um meist mehr als die Hälfte auch mit einer Leistungsverbesserung der Kläranalgen zu rechnen. (Nur am Rande weise ich darauf hin, dass der CSB als alleiniger Analysenparameter keine korrekte Leistungsbewertung der Anlage erlaubt, weil bekanntermaßen mit zunehmendem Wirkungsgrad auch der CSB in der Regel ansteigt.)

Ideal ist es natürlich, wenn die Anlage einschließlich Grundleitung und Mehrkammerausfaulgrube im freien Gefälle durchflossen werden kann.

Ein Filtergraben ist ein unbepflanzter Bodenfilter mit nur einem Versickerungs- und nur einem Drainagerohr. Es ist aber möglich und mitunter zweckmäßig mehrere Versickerungsrohre nebeneinander in eine hinreichend große Grube zu legen.

Der DIN 4261-1 „Kleinkläranlagen – Anlagen ohne Abwasserbelüftung, Anwendung, Bemessung und Ausführung vom Oktober 1983“ sind Bemessungshinweise zur Errichtung eines Filtergrabens zu entnehmen, die analog auch für ein Filterbeet (z. B. in Erdbauweise) gelten (einschließlich meiner ergänzenden Hinweise):

  • Filtergrabenlänge ≥ 6 m/Einwohner
  • Länge eines Sickerstranges ≤  30 m.
  • Gefälle des Sickerstranges 1 : 500
  • Der Graben muss eine Sohlenbreite im Falle eines Filtergrabens von ≤ 0,50 m haben.
  • Graben oder Beckentiefe ≥ 1,25 m
  • Auf die abgeglichene Sohle sind Drainrohre mit einer lichten Weite von mindestens 100 mm als Ablaufleitung zu verlegen, stumpfe Stöße sind oben abzudecken. (Stoßabdeckung entfällt bei Einsatz von Drainagerohren vom Bund.  Anmerkung U.H.)
  • Darauf ist der Graben mit einer Filterschicht aus Grobsand oder Feinkies 0,60 m hoch anzufüllen. Der Kornaufbau des Filtermaterials ist so zu wählen, dass das Filtermaterial nicht in die Leitungen eindringen kann.
  • Auf dieser Filterschicht wird die Zulaufleitung, bestehend aus Rohren nach DIN 1180 oder DIN 1187, Form B, mit Öffnungen von 1,1 bis 1,5 mm Breite mit einer lichten Weite von mindestens 100 mm verlegt und gegebenenfalls nach Abdecken der Stöße mindestens mit gleichem Material 0,20 m überdeckt. (Stoßabdeckung entfällt bei Einsatz von Versickerungsrohren z. B. vom Bund. Anmerkung U. H.)
  • Danach ist der Graben zu verfüllen.  Verhindert werden muss, dass das Verfüllmaterial durch Niederschläge in den Bodenfilter eindringen kann. Vorzugsweise ein Geotextil zwischen Filter und z. B. Mutterboden einbauen.
  • Der Abstand der Sickerstränge untereinander soll mindestens 1 m betragen. Bei Zusammenrücken der Rohrstränge auf diesen Mindestabstand ergibt sich ein Filterbeet.
  • Die oben und unten liegenden Leitungen sind getrennt zu lüften; die unten liegenden Leitungen sind nur über den Auslauf zu lüften. An den Enden der Rohrleitungen sind Lüftungsrohre einzubauen und gegen das Eindringen von Fremdkörpern zu schützen. Gleichhoch liegende Rohrleitungsenden können durch einen Querstrang verbunden und durch eine gemeinsame Lüftungsleitung mit einem Gesamteintrittsquerschnitt von mindestens 175 cm² gelüftet werden.
  • Die Verteilerkammer ist so zu konstruieren, dass alle Versickerungsrohre etwa gleichmäßig und in gleich intensiver Weise stoßartig beschickt werden. Ebenso ist es notwendig, dass alle Versickerungsrohre die gleiche Höhe, das gleiche Gefälle und den gleichen Reibungsverlust aufweisen!

Ziel ist sicherzustellen, dass alle Versickerungsrohre auf einmal geflutet werden. Bei einem Filterbeet für 8 Einwohner rechne ich mit einer Rohrlänge von 56 m DN 100 (56 = 4 x 12 m + 4 x 2 m). Das Leitungsvolumen beträgt dann 440 l. Wird die Leitung nur halb geflutet, müsste die Stoßbeschickung wenigstens 250 l als Schwall gewährleisten.

Am Rande ist auf eine kleine Unkorrektheit in der DIN 4261-1 hinzuweisen: Bodenfilter sind aerob arbeitende Anlagen mit Abwasserbelüftung. Die Klassifizierung in der DIN 4261-1 „Anlagen ohne Abwasserbelüftung“ ist deshalb irreführend.

Hinsichtlich der Be- und Entlüftung ist m. E. folgende Durchgängigkeit zu beachten:

  • Belüftung durch die Lüftungshauben am Ende der Versickerungsrohre
  • Luft strömt weiter durch die Versickerungsrohre
  • durch den Schacht mit der Stoßbeschickung
  • durch alle Gruben der Mehrkammerausfaulgrube
  • durch die Grundleitung des Hauses
  • durch die sanitäre Fallleitung
  • und entweicht als Abluft durch die Ablufthaube über Dach

Ich würde die sanitäre Fallleitung ohne Querschnittsverlust als DN 100 über Dach ziehen, weil es sich mitunter zeigte, dass die Entlüftung der sanitären Fallleitung in DN 50 oder DN 80 für die Be- und Entlüftung einer Kleinkläranlage nicht ausreichend ist. Wenn hinreichend Luft ungehindert durch die Anlagen der Grundstücksentwässerung bzw. Kleinkläranlage strömen kann und wenn diese Luftmenge auch ungehindert über Dach abgeleitet werden kann, dann kommt es nur in recht seltenen Fällen zu Geruchsbelästigungen in Erdbodennähe.

Filterbeet - Quelle: Abwasserentsorgung von Einzelanwesen- Bayrisches Landesamt für Wasserwirtschaft München 2002

Filterbeet – Quelle: Abwasserentsorgung von Einzelanwesen – Bayrisches Landesamt für Wasserwirtschaft München 2002

Abbildung 2: Plan eines Filterbeetes nach dem Bayrischen Landesamt für Wasserwirtschaft

Bei durchlässigem Boden ist die Auslegung des Filterbeetes mit einer Folie ratsam, die ich an den Rändern des Filterbeetes ca. 10 cm über den höchsten Rohrscheitel des Drainagerohres hochziehen würde.

Den Boden würde ich mit leichtem Gefälle (1 : 500) zur Drainagesammelleitung ziehen. Bei einem z. B. 15 m langen Becken wären das 3 cm Höhenunterschied.

Die Drainagesammelleitung DN 100 ist mit geschlossenem Mantel (KG-Rohr) wasserdicht durch die Folienseitenwand zu führen.

Filtersand

In Abweichung zur DIN 4261-1 würde ich Filtersand einbauen, wie er für Pflanzenkläranlagen Vorschrift ist. Damit dürften auch die Filterbeettiefen von 60 cm nach DIN 4261-1 bzw. DWA-A 262 genügen.

Anforderungen Filterkies DWA-A 262 – März 2006

„Der Durchlässigkeitsbeiwert des Filterkörpers sollte vorzugsweise im Bereich kfA = 10-4 m/s bis 10-3 m/s liegen (ermittelt nach Formel 10). Das Filtermaterial muss suffosionssicher (d. h. Verhinderung von Stoffverlagerung innerhalb bzw. aus einer Schicht in eine andere) sein. Diese Forderung erfüllen Filterkörper aus sandigem bis sandig-kiesigem Material mit den nachfolgend genannten Eigenschaften.

Es müssen enggestufte, definierte Korngemische mit stetiger Kornverteilungslinie gewählt werden. Bei gleicher Korngrößenverteilung ist in Abhängigkeit von Kornform und Kornaggregierung mit sehr unter­schiedlichen Durchlässigkeiten zu rechnen. Im Falle bindiger Anteile sollten diese einen natürlichen Anteil von 2 % nicht überschreiten. Die „wirksame Korngröße“ d10 von sandigen Filtern sollte 0,2 mm bis 0,4 mm und der Ungleichförmigkeitsgrad:

U = d60/d10 < 5 sein. (9)

Der Durchlässigkeitsbeiwert von Sanden lässt sich aus der Korngrößenverteilung z. B. wie folgt ermitteln:

kfA -Wert [m/s] = (d10)²/100                          (d10 in mm)     (10)

Es wird empfohlen, die Durchlässigkeit des Filtermaterials vor dem Einbau im Versuch an einer gepackten Säule bei mittlerer Lagerungsdichte unter Betriebsbedingungen (gesättigt/ungesättigt) zu bestimmen.

Die Kornverteilung des angelieferten Materials muss durch eine unabhängige Prüfstelle nachgewiesen werden. Das Material muss ohne maschinelle Verdichtung so eingebaut werden; dass nur noch geringfügige Setzungen möglich sind. Das ist z. B. durch zeitweiliges Anfüllen des eingebauten Filterkörpers mit Wasser möglich.

Sofern sie die o. g. Anforderungen hinsichtlich des Durchlässigkeitsbeiwerts erfüllen und suffosionssicher sind, können auch andere Materialien eingesetzt werden. Da zu diesen keine gesicherten langjährigen Erkenntnisse vorliegen, kann in diesem Arbeitsblatt nicht näher darauf eingegangen werden.“

Geeignet wäre z. B. ein Filtersand

Sand 0/2 gewaschen, DIN EN 12620;13139;13043

der Kies-Sand-Service Zwickau GmbH.

Aus den Angaben des Prüfbericht 03 / 0310 folgt:

  • U = 4 und damit < 5.
  • d10 ≤ 0,275 , also d10 ≥ 0,2 mm bis ≤ 0,4 mm
  • kfA = 7,6 * 10-4 also ≥  10-4 m/s und 10-3 m/s

Damit werden die Anforderungen an Filterkies lt. DWA-A 262 vom März 2006 eingehalten.

Der Filtersand kostet 2011 ab Werk 12,50 € netto.

Für eine Anlage mit 8 Einwohnern werden (ohne Sicherheit) 50 m³ Filtersand benötigt. Das sind bei einer Dichte von 2,6 Mg/m³ 130 t.

Die Kosten für den Filtersand betragen also ca. 1,6 T€ netto + Fahrtkosten.

Beispiel des Filteraufbaus

Es gibt die Meinung, dass das Filtermaterial nach DIN 4261-1 (Grobsand oder Feinkies) nicht optimal wäre.

Als Alternative bietet sich an, das Filtermaterial und den Aufbau analog wie für vertikale Pflanzenkläranlagen der DWA-A 262 zu wählen.

Die Bauweise ist erprobt und der Filter ebenso.

Anstelle der Pflanzen würde ein Versickerungsrohrsystem nach DIN 4261-1 zum Einsatz kommen, d. h. über den Drainagerohren würden Versickerungsrohre verlegt werden. (Eine Stoßbeschickung ist selbstverständlich).

Der grundsätzliche Aufbau wäre nun von unten nach oben gesehen wie folgt:

  1. Folie (in der Regel)
  2. Drainagerohr DN 100 überdeckt mit 10 cm gewaschenem Kies 2/8 mm
  3. eventuell Grobvlies (versuchstechnisch wird noch geprüft, ob Feinsand 0/2 in den gewaschenen Kies 2/8 mm gespült werden kann. Wenn ja, dann ist ein Vlies notwendig)
  4. 60 cm gewaschener Feinsand 0/2 mm nach DWA-A 262
  5. 10 cm gewaschener Kies 2/8 mm
  6. Verteilerrohr Drainagerohr DN 100 überdeckt mit 10 cm gewaschenem Kies 2/8 mm
  7. Geotextil zur Trennung des Bodens vom Filter
  8. ggf. Aushub
  9. 30 cm Mutterboden

Vorgesehen ist ein Probenahmeschacht.

Hinsichtlich des Fehlens der Pflanzen sind wohl keine Konsequenzen zu erwarten. Fast die Hälfte des Jahres muss jede Pflanzenkläranlage ohne Schilf auskommen, weil dieses dann nicht wächst.

Zudem kommen z. B. Langsamfilter in der Wasserversorgung und Infiltrationsbecken auch ohne Schilf zurecht.

Der Vorteil des Bodenfilters gegenüber der Pflanzenkläranlage besteht in dem geringeren Wartungsaufwand und in der Nutzbarkeit der Oberfläche des Filterbeetes.

Schließlich gibt es bei dieser Bauweise Sicherheiten von 50 %, weil ein Filtergaben mit 6 m/ E  z. B. bei 8 Einwohnern zu einer Filtergrundfläche 4 x 12 m = 48 m² aufweist. Das wären also 6 E /m². Vertikale Pflanzenkläranlagen benötigen aber nur 4 E/m². Streng genommen müsste eine „unterirdische vertikale Pflanzenkläranlage“ mit 4 E/m² letztlich eine interessante Lösung darstellen.

Beispiel der Bemessung eines Bodenfilters für 4 Einwohner:

Filterbeet für das mechanisch vorgereinigte Abwasser von 4 Einwohnern

Beispiel der Bemessung eines Bodenfilters für 8 Einwohner:

Filterbeet für das mechanisch vorgereinigte Abwasser von 8 Einwohnern

Lageplan zur Errichtung eines Filterbeetes zur vollbiologischen Behandlung des Abwassers von 8 Einwohnern nach DIN 4261-1

Abbildung 3: Beispiel eines Lageplans „Filterbeet für 8 Einwohner – Vorplanung“ (Schnitt in Anlehnung an Abbildung 1)

Errichtung des unbepflanzten Bodenfilters bei Einsatz einer Abwasserpumpe und Abwasserdruckleitung

Ist es aus Platz- oder Gefällegründen nicht möglich, das Filterbeet hinter der Mehrkammerausfaulgrube anzuordnen, so kann der Bodenfilter auch an einer anderen geeigneten Stelle im Grundstück vorgesehen werden.

Der Abwasserablauf aus der Mehrkammerausfaulgrube muss dann dorthin gepumpt werden. Dazu genügt in der Regel eine Leitung DN 50. Die Energiekosten mit schätzungsweise 3…5 €/a für 8 Einwohner sind wohl vernachlässigbar.

Mitunter bietet es sich an, den gleichen Rohrgraben auch für den Kanal für die Ableitung des gefilterten Abwassers  zu nutzen.

Zu prüfen wäre auch, ob die Abwasserförderung für die Schwallspülung genutzt werden kann. Dafür wäre eine Pumpe mit einem hinreichend großen Volumenstrom zu wählen, die aber dann eine entsprechend kürzere Laufzeit hätte.

Da die Abwasserpumpe mechanisch vorgereinigtes Abwasser fördert, sind die Anforderungen an den Pumpentyp nicht allzu hoch. D. h. die Wartungsanforderungen sind gering. Ich würde mir eine „Baumarktpumpe“ kaufen und diese testen.

Für die Be- und Entlüftung dieser dann abgekoppelten Anlage sind besondere Vorkehrungen notwendig.

Nutzung des gefilterten Wassers für die Bewässerung

Wenn es üblich ist, unsterile und unbehandelte Schweine- oder Hühnergülle mit extremen Nährstoffgehalten auf nicht eingezäunte Felder aufzubringen , so sollte es doch kein Problem sein, das biologische gereinigte und gefilterte häusliche persönliche Abwasser aus einer Kleinkläranlage für die persönliche Gartenbewässerung nutzen zu dürfen.

Sicher ist es ratsam Obst und Gemüse, das bald geerntet werden soll, nicht mit solchem Abwasser in Berührung zu bringen.

Die Natur ist grundsätzlich ungenießbar, pathogen und lebensgefährlich.

Stand der Technik und Genehmigungsfähigkeit

Mitunter gibt es Irritationen, dass ein Verfahren nach DIN 4261-1 von 1983 dem Stand der Technik entsprechen kann. Man kann diesbezüglich der Argumentation des Schleswig-Holsteinischen Umweltministeriums in einer Erklärung folgen. In dieser Erklärung wurden Filtergräben von einer Expertengruppe als Verfahren des Standes der Technik definiert:

„Im April 2008 wurde die DIN 4261 „Kleinkläranlagen“ mit Änderungen und Ergänzungen in Schleswig-Holstein als allgemein anerkannte Regel der Technik eingeführt und veröffentlicht (siehe auch weiterführende Links). Diese Schleswig-Holstein spezifischen Regeln waren erforderlich, damit die bundesweit nicht mehr zugelassen technisch unbelüfteten Behandlungsanlagen wie z. B. Filtergräben, Nachklärteiche, Pflanzenbeete und Untergrundverrieselungsanlagen weiterhin hier betrieben werden können und nicht durch technische belüfteten Systeme (bauartzugelassene Anlagen) ersetzt werden müssen.
Diese von einer Expertenarbeitsgruppe des Landes erarbeiteten Regeln, die die spezifischen Randbedingungen des Landes berücksichtigen, ergänzen die bundesweit gültigen Regeln um die technisch unbelüfteten Nachbehandlungsanlagen.“

Quelle: Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in 24106 Kiel Dezentrale Abwasserbeseitigung (Kleinkläranlagen)

Die Genehmigungsfähigkeit ist trotzdem diffus.  Mancherorts werden Filtergräben oder Filterbeete gefördert, aber nicht genehmigt. Anderenorts werden sie gefördert und genehmigt und vielleicht gibt es auch Fälle, in denen sie genehmigt aber nicht gefördert werden.

Siehe auch die sehr anschauliche Filtergrabendokumentation der Stadt Münster.

Wartung der Mehrkammer-Ausfaulgruben

Es genügt einmal im Jahr (sofern man nicht ein elektronisch arbeitendes Schlammspiegelmessgerät erwerben möchte) mit einem langen Stock – an dem ein Brett von der Größe eines  A4-Blattes befestigt ist – den Schlammspiegel in der ersten Kammer der Mehrkammerausfaulgrube zu messen.

Nach DIN 4261-3 kann als Regel gelten:

  • Mehrkammer-Ausfaulgruben sind nach Bedarf, in der Regel mindestens jedoch in 2-jährigem Abstand zu entschlammen.
  • Beim Räumvorgang sind zunächst die Schwimmschlammdecken aller Kammern zu entfernen.
  • Bei der anschließenden Schlammentnahme soll in allen Kammern ein vermischter Restschlamm von etwa 30 cm Höhe als Impfschlamm verbleiben.

Nach der aktuelleren Fachliteratur sind auch Räumzeiten von größer als 5 Jahre realistisch sowie unproblematisch und die Notwendigkeit des Verbleibens von Impfschlamm ist fachlich überholt.

Wartung des Filterbeetes

Hinsichtlich der Filtergräben bzw. Filterbeete führt die DIN 4261-3 aus:

  • Alle Anlagenteile sind regelmäßig, mindestens zweimal jährlich, zu überprüfen.
  • Dabei ist besonders auf die einwandfreie Funktionsfähigkeit der Lüftungsleitungen und der Ablaufleitungen sowie gegebenenfalls der Anlagen zur stoßweisen Beschickung zu achten und darauf, ob in den Sickersträngen ein Aufstau auftritt.
  • Läuft kein Abwasser zu, dürfen die Sickerstränge keinen längeren Aufstau aufweisen.
  • Kann die Sickerleistung nicht wiederhergestellt werden, ist für gleichwertigen Ersatz zu sorgen.

Bei einer ordnungsgemäß geplanten und errichteten Anlage ist ein längerer Aufstau in den Sickersträngen nach vielleicht erst 20…30 Jahren zu beobachten. Bis dahin kann man ja vorsorglich aller 6 Monate nachschauen, ob dieser Fall schon eingetreten ist.

Wenn ja, dann muss der Filter ausgebaut und erneuert werden.

Der Anlagenbetreiber hat zudem grundsätzlich ein besonderes Eigeninteresse daran, dass der Schlammspiegel in der ersten Kammer seiner Mehrkammer-Ausfaulgrube 50 % der Nutztiefe (Wasser + Schlammtiefe) nicht überschreitet.

Nach Feststellung der halben Füllung des Nutzvolumens sollte die Grube entschlammt werden (Regelung nach der neuen DIN 4261-1 ). Wird dies zulange herausgezögert, dann kann es zur Verschlammung des Filterbeetes und damit zu dessen Zerstörung kommen.

Diese Wartungsaufgaben sind – wie es schon seit Jahrzehnten bewiesen wird – ohne Weiteres von dem Besitzer einer derartigen Anlage, der sich über seine eigene Anlage sachkundig gemacht hat, zu erfüllen.

Die Regelung in der neuen DIN 4261-1, dass die Wartung mindestens einmal jährlich von einem Fachkundigen durchzuführen sei, hat wohl eher einen naheliegenden kommerziellen Hintergrund. Abwassertechnisch sehe ich keine Notwendigkeit dafür, dass unbedingt eine fachkundige Firma nachsehen muss, ob die Sickerstränge längeren Aufstau aufweisen. Zu Prüfung, ob längere Zeit Wasser in einem Schacht steht oder nach wie viel Zentimetern das Dicke in der ersten Kammer der Mehrkammerausfaulgrube ertastet werden kann, muss man keine Schule besucht haben. Es sei denn, man will oder muss (z. B.altersbedingt) einem Dritten dafür unbedingt Geld geben.

Betriebstagebuch

Der Betreiber sollte ein Betriebstagebuch führen, in dem er

  • jährlich einmal die Ergebnisse der Schlammspiegelmessungen in allen Kammern dokumentiert. Nach einer Beräumung der Mehrkammerausfaulgrube genügt es zumeist  den nächsten Schlammspiegel nach 3 Jahren zu messen.
  • Kopien der Rechnungen über die abgefahrenen Schlammmengen abheftet.
  • jährlich einmal notiert, ob er einen Rückstau nach der Stoßbeschickung feststellt und wie lange dieser anhält.

So, und nun wünsche ich viel Erfolg mit dem Basteln eines eigenen Filterbeetes.

Uwe Halbach
ö.b.u.v.  Sachverständiger für Abwasserbeseitigung

 

Nachtrag Oktober 2012

Mittlerweile bin ich zu der Auffassung gelangt, dass – bedingt durch die zusätzlichen Erschwernisse bei der Genehmigung eines Filtergrabens nach DIN 4261-1 – es ratsam ist, sich auf die Errichtung einer horizontal durchflossenen unbepflanzten Pflanzenkläranlage zu konzentrieren. Das könnte am Ende sogar zu geringeren Baukosten führen.

 

Hinweise von AquaVerde Juli 2015

Zu dem Thema „Bodenfilter“ erreichten uns  vom AquaVerde – Ing.- Büro für stromlose, „einfache“ Sanitärlösungen, Herrn Schwager (www.aqua-verde.de) nachstehende Hinweise und Anregungen, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. (Die Verfahren wurden in der Regel nicht vom Deutschen Institut für Bautechnik Berlin geprüft.)

Die Anregungen von Herrn Schwager können über die Kommentarfunktion dieser Seite bewertet werden.

„Unbepflanzte Bodenfilter (auch Filterbeet genannt) sind ein „uraltes“ (vor 1933, vergleiche Geissler, W., Kanalisation und Abwasserreinigung, Berlin – Verlag von Julius Springer, 1933) und bewährtes Verfahren der Abwassertechnik, das m. E. wohl aus 2 Gründen in der heutigen Zeit etwas in Vergessenheit geriet:

  • Zum einem beansprucht ein Filterbeet mehr Fläche [wenn mit Sand & Kies nach DIN] als eine im Werk vorgefertigte [technische] Kleinkläranlage und
  • zum anderen ist ein Filterbeet kommerziell weniger interessant. Es gibt auch keine Lobby für unbepflanzte Bodenfilter, im Gegensatz zu den hinsichtlich des erforderlichen Reinigungsvermögens gleichwertigen bepflanzten Bodenfiltern.“…

Anbei ein Link zu einer Schwedischen KKA, die auf den o.g. Erfahrungen mit unbewachsenen Bodenfiltern (Filtergraben) aufbaut, die vollkommen im Untergrund verschwindet und ca. 2/3 kleiner ist, als die mit Folie ausgelegten Filtergräben (mit Sand & Kies) nach DIN 4261 Teil 1 (9). Nur 2 Belüftungsrohre schauen oben raus, eine zusätzlich erzwungene Belüftung ist bei der einfachen Variante nicht notwendig. Der Biofilmträger dieser sehr flachen unterirdischen Anlage ist nur ein gut durchlüfteter, gefalteter Nylon-Textil mit Abstandhaltern, „eingesperrt“ in mehreren „Boxen“. Maße: Länge: 1.25 m, Breite: 0.6 m, Höhe: 0.2 m, Gewicht: 5.5 kg (Stück ~130 EUR netto)

IN-DRÄN der Firma FANN (http://www.fann.se)

Bild 1: IN-DRÄN aus Schweden, Firma FANN (http://www.fann.se)

Bild 2: IN-DRÄN aus Schweden, Firma FANN

Bild 2: IN-DRÄN aus Schweden, Firma FANN

Die Biofilm-Oberfläche soll eine etwa zehnmal größere Oberfläche besitzen als die von herkömmlichen Filtersanden und daher ist eine um ~2/3 kleinere Beetgrösse möglich. In Schweden geht man aber immer von extremen 200 l/d*Person aus! Eine „Box“ kann 125 l/d im kalten Schwedisch-Finnischen Klima „Nachklären“. D. h. in der BRD würden ~5 „Boxen“ für hiesige 4 EW-Anlagen reichen (~650 EUR). In den Tropen eventuell 4.

IN-DRÄN, aus Schweden:

Bild 3: IN-DRÄN aus Schweden, Firma FANN

Bild 3: IN-DRÄN aus Schweden, Firma FANN

Im Vergleich, dass „Gleiche“ in Sand und Kies nach DIN 4261 Teil 1 (9): auf Ihrer https://www.institut-halbach.de/2011/04/wartungslose-kleinklaeranlage/
Filtergraben – Bemessung: Anlagen ohne künstliche Abwasserbelüftung; Anwendung, Bemessung und Ausführung: spezifische Grabenlänge Š 6 m/EW; Sohlbreite Š 0,5 m; Mindesttiefe 1,25 m; Länge eines einzelnen Stranges höchstens 30 m, Filterkies 2/8 mm mindestens 60 cm hoch; Verteil- und Sammeldrainage NW 100 mit Gefälle ca. 1:500 = ~24 m (~12 m2) für 4 EW

BRD-Modifizierte Schwedische aerobe IN-DRÄN-KA mit PE-Folie: ~7,5 m (~4,5 m²) für 4 EW

BRD-Modifizierte schwedische arobe IN-DRÄN-KA mit PE Folie

BRD-Modifizierte schwedische arobe IN-DRÄN-KA mit PE Folie (http://www.roth-umwelttechnik.com und http://www.fann.se)

Die weiteren Videos auf Youtube, zeigen fast immer nur die sehr teure Version „Plus“ (mit blauer Plastik-Auffangwanne mit Elektro-Zwangsbelüftung darunter).

Das Video mit dem Einbau zeigt alle Komponenten sehr gut:
Auf den 4-6 Boxen liegt nur ein Rohr für Intervall-Beschickung mit ca. 40-50 l/Beschickung. Ich würde dies natürlich nur ohne Pumpe per Gefälle machen wollen. Ist bei solch einem flachen Ding (Sohle -60 cm unter Gelände) auch fast immer sehr einfach möglich.

Im Unterschied zu Schweden-Finnland, müssten unter BRD-Verhältnissen die höheren UWB-Anforderungen erfüllt werden, z. B. für 4 EW, als Nachrüstung zur vorh. Mehrkammergrube, Einbau in ein grabenartiges (~7,5 m x 0,6 x 0,6 m) wasserdichtes Becken aus 1 mm PE-Folie, mit 0,5-1% Sohlgefälle zum DN 400 Kontroll-& Probenahme-Schacht hin. Dafür könnte eine viel einfachere Belüftungs-Version ohne jeglichen Kies und Sand unter diesen IN-DRÄN-Boxen eingebaut werden. Auf einem Vlies reichen schon grobe Plastik-Boxen (im Grunde nur 10 cm Abstandhalter zur guten Durchlüftung der darüber liegenden IN-DRÄN-Boxen) oder billiger (6 parallele robustere Drainagerohre), Kies ist dann nicht mehr notwendig. Über die gesamte Anlage kommt ein Vlies, der zu starkes Sickerwasser von Oben an den Boxen vorbei ableitet. Der Auslauf ginge via eine Kontrollschachtes in „meiner Planung“ danach in eine einfache Muldenversickerung mit ca. 5 m2, oder in eine 14 m Rigole unterhalb der Anlage.

http://pro.fann.se/de/leitfaden-fur-neue-abwasseranlage/belastung.

Die sehr teure „Plus“-Version hat eine CE-Zertifizierung vom Aachener PIA.

40.000 St. davon soll es in S und Fi und nun auch in Polen geben (aber ohne „mein“ BRD-Folienbecken und -Kontroll- und -Probenahme-Schacht), mit direkter darunter liegender Versickerung ohne Kontrollmöglichkeiten der IN-DRÄN-Ablaufwerte.

http://pro.fann.se/de/in-dran/infiltration

Auf Karibik-Inseln mit viel Korallen aber keinen natürlichen Rundkorn-Sand (gebrochener Stein würder PKA’s Verstopfen), sind „normale“ einfache PKA’s mit z.B. 25 t für 16 m2, für 4 EW unbezahlbar, da alles vom Festland übers Meer gebracht werden müsste. Aber auch auf dem Festland ist die Absicherung von notwendig gleichwertiger Sand- und Kies-Qualität oft nicht möglich. Rückblickend hatte ich das auf Bonaire noch nicht voll im Blickfeld.




Qualitätsänderungen durch Quantitätsänderungen

Im Gegensatz zu den allgemeinen eher naiv-romantischen Vorstellungen von der Natur, es genüge ein wenig zu verbessern, dann würde alles schon gut werden, ist es unter den Bedingungen der grausamen Realität so, dass das Naturgesetz des Umschlages einer Qualität in eine andere durch quantitative Änderungen wirkt.

Dabei kann die Qualität allmählich oder sprungartig umschlagen.

Und genau das ist der Punkt.

In der Kernphysik, Medizin, Biologie,  Hydrobiologie und Ökologie sind Qualitätssprünge zu beachten, z. B. Grenzkonzentration von Pges. bei den wasserchemischen Gewässergüteklassen.

Es ist eine bestimmte Dosis notwendig, die zugeführt oder weggenommen werden muss, um eine Wirkung zu erzielen.

Wird dies nicht beachtet, dann mutiert der Trieb, etwas Gutes tun zu müssen, zum blinden Aktionismus.

Entweder es tut sich gar nichts und das Geld ist verschwendet, oder man kann auch das Gegenteil erreichen.

Insofern ist es wichtig, die notwendige Dosis und die Zusammenhänge zu kennen, damit die Natur die gewünschte Gestalt annehmen kann.




Das gute ökologische Potenzial

Überlegungen zum ökologischen Potenzial in Verbindung mit einer schlechten wasserchemischen Gewässergüteklasse III

Über das, was das „gute“ ökologische Potenzial sein soll bzw. wie es konkret zu erkennen und umzusetzen ist, streiten sich noch die Experten[1].

Weiter kommt man in seinen Überlegungen, nachdem z. B. folgende simple Vorentscheidungen gefällt werden:

  1. Für welche Tierart sollen die wasserchemischen und hydromorphologischen Bedingungen gut sein?
  2. Wünscht man sich eine Artenvielfalt oder nur eher eine Tierart in der Natur?
  3. Wünscht man sich eine richtig lebendige Natur mit einer hohen Populationsdichte oder vielleicht doch eine gereinigte langweilige halbtote Natur[2], in der sich nichts mehr bewegt, weil alles verhungert ist?
  4. Ist man bereit zu akzeptieren, dass ein „schlechter“ chemischer Gewässerzustand (Güteklasse III) Voraussetzung für „Gutes“ in Position 2. und 3. ist?
  5. Hat man den Mut und die Kraft die industrielle Landwirtschaft aus den Einzugsgebieten der Flüsse und Bäche zu verbannen? Ja oder Nein? Denn das ist die nicht nur für wasserchemische Güte alles entscheidende primäre Frage und nicht jene, ob man nicht leichterweise die Überwachungswerte einer kommunalen Kläranlage verschärfen sollte.

Nun, für zahlreiche Bäche im ländlichen Raum mit intensiver Landwirtschaft wird wohl die  wasserchemische Gewässergüteklasse III die Regel sein und dies  selbst dann noch, wenn aus den Einzugsgebieten alle häuslichen Abwässer verbannt werden sollten.

Für diese Behauptung gibt es viele Beweise. Zwei Beweise sind besonders anschaulich. Sie zeigen zwei hochgedüngte Gewässerabschnitte in Sachsen-Anhalt in die ausschließlich landwirtschaftliche Abwässer (bodenfiltrierte Gülle, Dünger, u. a. m.) eingeleitet werden (siehe die folgenden 2 Fotos).  Die schon im Frühjahr deutlich sichtbare Verkrautung ist Beweis für den Überschuss an Nährstoffen.

(Nun, ich bilde mir keine Meinung darüber, ob man die Landwirtschaft wegen des EU-Zieles „Guter Gewässerzustand“  nur drastisch einschränken sollte oder nicht. Das ist mir egal. Mir geht es bei meiner Arbeit nur darum, die Akzeptanz zu erleichtern, dass mancherorts ohne die Beseitigung der industriellen Landwirtschaft eben eine wasserchemische Gewässergüteklasse II unmöglich ist und dies abgesehen davon, dass die Welt auch bei einer Gewässergüteklasse III nicht untergeht, denn schließlich hatte sie dazu ja schon jahrzehntelang  Zeit und stand dabei unter intensivster Beobachtung. )

Seitengraben des Strengbaches - (Sachsen-Anhalt)

eutrophierter Seitengraben des Strengbaches ohne kommunale Abwässer

 

Reide vor Pranitz – Blick entgegen der Fließrichtung Februar 2009 (Sachsen-Anhalt)

Im Übrigen ist der „schlechte“ wasserchemische Gewässerzustand III für sehr viele Tiere gar nicht so schlecht, wie allgemein geglaubt wird. Zwischen der Nährstoffbelastung eines Gewässers, der Artenvielfalt sowie Populationsdichte gibt es einen interessanten, aber kaum beachteten Zusammenhang:

„Nach einer persönlichen Information des Ökologen Herrn Prof. Reichholf [3] steigt mit zunehmender Gewässergüte zunächst die Artendiversität an, erreicht bei III – II ein Maximum und nimmt dann wieder (stark) ab, falls GKL I erreicht werden sollte.

Der Rückgang in die andere Richtung zu GKL IV ist weniger stark ausgeprägt, aber begleitet von einer massiven Zunahme der Individuenmenge bzw. dem Lebendgewicht der Organismen pro Flächeneinheit (als Maß für die Produktivität). Nur bei starkem Sauerstoffschwund oder in Zusammenhang mit Vergiftungsvorgängen sinkt die Produktivität der eutrophen Gewässer. Sonst ist sie maximal. In früheren Zeiten war dieser Zusammenhang unter den so genannten „Thienemann’schen Gesetzen“ in der Limnologie bekannt, aber von den zugrunde liegenden Ursachen nicht verstanden worden. Allgemeine Angaben hierzu sind zum Beispiel in ODUM, E. P. & J. H. REICHHOLF (1980): Ökologie. BLV München, enthalten. Es gibt eine Menge Detailanalysen hierzu in der limnologischen Literatur. Der Schüler Hans UTSCHICK des Herrn Prof. Reichholf hat das u. a. auch in seiner Diplomarbeit und Dissertation für die Wasservögel ausgearbeitet und publiziert in den Ornithol. Verhandlungen 22 (1976): 395 – 438 &  Bd. 23 (1980): 273 – 345.“

Ähnliche Beobachtungen wurden schon in Sachsen-Anhalt gemacht. Über wasserchemische Gewässergüte im 1. Becken einer belüfteten Teichkläranlage kann man lange nachdenken (Foto 7). Für die Weißflügelseeschwalben – eine Tierart auf die zumindest das Brandenburger Umweltministerium stolz ist[4] – war die Kläranlage in Sachsen-Anhalt als Futterquelle hoch willkommen.

Ökologisch korrekt zu denken, bedeutet auch Phosphor und Stickstoff nicht als Schadstoff zu begreifen, sondern als Nährstoff und als eine Voraussetzung für Artenvielfalt und Populationsdichte, die man sich natürlich in einer Trinkwassertalsperre oder im Forellenlaichgebiet nicht wünscht. Ohne diese „Schadstoffe“ wäre ein biologisches Leben, wie wir es kennen, unmöglich.

Ein Schwarm Weißflügelseeschwalben auf der Kläranlage Nordgermersleben in Sachsen-Anhalt

Ein Schwarm Weißflügelseeschwalben auf der Kläranlage Nordgermersleben in Sachsen-Anhalt.

Ausgehend von der Prämisse, dass die landwirtschaftliche Abwassereinleitung in die Gewässer wohl kaum soweit reduziert werden kann, dass in der Regel die wasserchemische Gewässergüteklasse II zu garantieren ist, sollte man in diesen Fällen die Gewässergüteklasse III als gegeben hinnehmen, denn mit unserem dummen Drang nach reiner Natur und reinen Gewässern haben wir schon genug Schäden in der Natur angerichtet und genug Geld verschwendet.

Anknüpfend an die Prämissen liegt das ökologische Potenzial nun in der Schaffung jener hydromorphologischen Bedingungen, die gut für Tiere sind, die auf die Gewässergüteklasse III angewiesen sind.

Sofern wasserwirtschaftliche Fehlinvestitionen beim Gewässerschutz auf unvermeidbare Grundrisiken beschränkt werden sollen, kann es diese Reihenfolge geben:

  1. Akzeptanz der Tatsache, dass die wasserchemischen Bedingungen, um die  Gewässergüteklasse II zu gewährleisten, nicht hinreichend geändert werden können (in der Regel verhindert dies die Landwirtschaft)
  2. Definition des ökologischen Potenzials durch wertfreie ökologische Arbeit nach wissenschaftlichen Prinzipien, konkret für die gegebenen wasserchemischen Bedingungen, in diesem Fall Gewässergüteklasse III
  3. Schaffung des ökologischen Potenzials, in der Regel über Gestaltung von Habitaten und anderen hydromorphologischen Voraussetzungen

Die Tiere, die in dem Ökosystem mit der wasserchemischen Güte III gut leben könnten, bestimmen auch das gute ökologische Potenzial.

Sollte dagegen das Pferd vom Schwanz aufgezäumt werden – wie es momentan mancherorts den Anschein hat – dann wird es nicht nur sehr teuer, sondern auch sinn- und nutzlos für die Bürger, die Länder und den Bund.

Letztlich gleichen die Überlegungen denen eines kleinen scheinbar kranken Jungen, der nicht fernsehen möchte oder mit dem Computer spielen will, sondern der sich nur ein Aquarium nach dem Vorbild der Natur einrichten möchte und dabei denkt. Insofern sind die Überlegungen doch alle recht einfach und sie fallen einem dann besonders leicht, wenn man den Hintern vom sterilen Schreibtisch weg in die raue, böse  und menschenfeindliche Natur bewegt und das auch dann noch, wenn es draußen stark regnet, stürmt oder schneit.

Und allzu häufig braucht man für grundlegende Feststellungen keine Hochschulbildung oder wasserchemische Untersuchungen. Es genügt mitunter nur die Augen auf zumachen und mit dem Gehirn zu verknüpfen.

Aber leider ist es mitunter viel einfacher etwas Unsinniges, Unnötiges, Kompliziertes und Teures zu tun, als etwas ganz Einfaches, Simples und Natürliches.

Und das ist gut so, denn sonst wären wir keine Menschen und ich hätte nichts zu tun.


[1] Kein Wunder, denn das ökologische Potenzial oder der gute ökologische Zustand hat nichts mit der Wissenschaft Ökologie zu tun. Deshalb nicht, weil die wissenschaftliche Ökologie keine Zustandsbewertungen kennt. Eine Fliege, eine Ratte, eine Mistbiene ist dem Ökologen genauso lieb und interessant, wie ein Frosch, ein Storch oder ein kuschliges Robbenbaby mit Knopfaugen. Insofern ist es nicht möglich, auf vernünftige, fachlich nachvollziehbare Weise etwas ökologisch gut oder schlecht zu bewerten. Allerdings führt die Akzeptanz derartiger Fakten in die Sackgasse, weil sie nicht nur die Gesetzgebung, sondern auch die naive-romantische Vorstellung der Allgemeinheit von der Natur erschüttern würde.

[2] wie sie jetzt schon in weiten Teilen Deutschlands Standard ist und so manchen Binnenfischer in den Ruin getrieben hat.

[3] Der Zoologe, Evolutionsbiologe und Ökologe Professor Reichholf lehrt Naturschutz an der TU und leitet die Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung in München.

[4] Seltene Seeschwalben waren dem Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg eine Pressemitteilung  wert: „Criewen – Wer sie bisher sehen wollte, musste nach Osten fahren – die Rede ist von den Weißbart- und Weißflügelseeschwalben. Die bei uns seltenen Seeschwalben sind typisch für naturnahe Flussauen im östlichen Polen. In diesem Frühjahr ließen sich erstmals die beiden Arten gemeinsam mit Trauerseeschwalben und Lachmöwen in einer Brutkolonie im Nationalpark Unteres Odertal nieder. Kurze Zeit später hat die Nationalparkverwaltung erste Bruterfolge beobachtet.“

 

 




Bewirtschaftungsplan – EU-WRRL

  • ist für jede Flussgebietseinheit aufzustellen § 36b WHG
  • Basis der fristgerechten Erreichung der Gewässerqualitätsziele der WRRL
  • konkretisiert die abstrakten Ziele der WRRL
  • enthält wesentliche Maßnahmen
  • Maßstab ist der gute Gewässerzustand  nach WRRL

Siehe auch:

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Kosteneffizienz beim Gewässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung




Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Bewirtschaftungsplan ist Ausgangspunkt

  • Wenn die Bewirtschaftungsplanung für ein Gewässer ergibt, dass keine Maßnahmen zur Verbesserung des Potenzials mehr möglich sind, dann hat das Gewässer das „gute ökologische Potenzial“ erreicht.
  • Solange aber noch Maßnahmen nach den Kriterien der Bewirtschaftungsplanung als machbar und vertretbar eingestuft werden, wird das Gewässer zunächst nicht in das „gute ökologische Potenzial“ eingestuft.
  • Als Orientierung werden auf jeden Fall auch die künstlichen und erheblich veränderten Gewässer nach den Kriterien für den eigentlichen Gewässertyp beurteilt.

Quelle:

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt,Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
des Landes Nordrhein-Westfalen

***

Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Kosteneffizienz beim Gewässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung




Kosteneffizienz beim Gewässerschutz

Die Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik – Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vom 23.10.2000 (2000/60/EG, ABl. L 327/1), geändert durch die Entscheidung Nr. 2455/2001/EG vom 20.11.2001 (ABl. L 331/1) ist am 22.12.2000 in Kraft getreten.

Vorrangige Ziele sind die Herstellung eines guten ökologischen und chemischen Zustands der oberirdischen Gewässer und die Schaffung eines guten chemischen und quantitativen Zustands des Grundwassers.

Gefordert wird eine „Trendumkehr“ bei zunehmender Verschmutzung.

  1. Für künstliche oder erheblich veränderte Gewässer ist das gute ökologische Potenzial und der gute chemische Zustand herzustellen.
  2. Die Gewässerschutzmaßnahmen sind nach Kosteneffizienzkriterien durchzuführen.
  3. Alle signifikanten Belastungen im Einzugsgebiet der Gewässer sind zu erfassen und ihre Auswirkungen auf die Gewässer zu bewerten.
  4. Für die Zielerreichung sind unter Beteiligung der Öffentlichkeit Maßnahmenprogramme auszuarbeiten.

Kommentar:

Nach meiner langjährigen Beobachtung wird gegen die Positionen 2-4 dann am häufigsten verstoßen, wenn es um die Verschärfung oder um zusätzliche Gewässerschutzmaßnahmen geht.

Auf diese Weise werden dann mitunter sehr „teure Vögel“, aber in formal korrekter Manier geschaffen.

Man hält sich dabei vorzugsweise an Kommune und Abwasserzweckverbände, obwohl die Gewässerbelastung (N und P) z. T. mit über 90 % von der industriellen Landwirtschaft verursacht und z. T. sogar importiert wird.

U.H.

***

Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung

 

 

 

 

 

 




Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

§ 4 Ermittlung aufgrund des Bescheides

„(1) Die der Ermittlung der Zahl der Schadeinheiten zugrunde zu legende Schadstofffracht errechnet sich außer bei Niederschlagswasser (§ 7) und bei Kleineinleitungen (§ 8) nach den Festlegungen des die Abwassereinleitung zulassenden Bescheides. Der Bescheid hat hierzu mindestens für die in der Anlage zu § 3 unter den Nummern 1 bis 5 genannten Schadstoffe und Schadstoffgruppen die in einem bestimmten Zeitraum im Abwasser einzuhaltende Konzentration und bei der Giftigkeit gegenüber Fischeiern den in einem bestimmten Zeitraum einzuhaltenden Verdünnungsfaktor zu begrenzen (Überwachungswerte) sowie die Jahresschmutzwassermenge festzulegen. Enthält der Bescheid für einen Schadstoff oder eine Schadstoffgruppe Überwachungswerte für verschiedene Zeiträume, ist der Abgabenberechnung der Überwachungswert für den längsten Zeitraum zugrunde zu legen. Ist im Abwasser einer der in der Anlage zu § 3 genannten Schadstoffe oder Schadstoffgruppen nicht über den dort angegebenen Schwellenwerten zu erwarten, so kann insoweit von der Festlegung von Überwachungswerten abgesehen werden.“

Anlage zu § 3

(1) Die Bewertungen der Schadstoffe und Schadstoffgruppen sowie die Schwellenwerte ergeben sich aus folgender Tabelle:

GEi ist der Verdünnungsfaktor, bei dem Abwasser im Fischeitest nicht mehr giftig ist. Den Festlegungen der Tabelle liegen die Verfahren zur Bestimmung der Schädlichkeit des Abwassers nach den angegebenen Nummern in der Anlage „Analysen- und Messverfahren“ zur Abwasserverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. Juni 2004 (BGBl. I S. 1108, 2625) zugrunde.

(2) Wird Abwasser in Küstengewässer eingeleitet, bleibt die Giftigkeit gegenüber Fischeiern insoweit unberücksichtigt, als sie auf dem Gehalt an solchen Salzen beruht, die den Hauptbestandteilen des Meerwassers gleichen. Das Gleiche gilt für das Einleiten von Abwasser in Mündungsstrecken oberirdischer Gewässer in das Meer, die einen ähnlichen natürlichen Salzgehalt wie die Küstengewässer aufweisen.

Quelle: Gesetz über Abgaben für das Einleiten von Abwasser in Gewässer (Abwasserabgabengesetz – AbwAG)

 

 




Überwachungswerte – Verschärfung

Wer Überwachungswerte verschärft, schuldet dem Betroffenen den Effekt und den Nachweis der Verhältnismäßigkeit  – zumindest moralisch.

Im Gegensatz zu den allgemeinen Vorstellungen von der Natur, man könne ein wenig verbessern, dann würde es schon gut werden, ist es unter den Bedingungen der grausamen Realität so, dass hier das Naturgesetz des Umschlages einer Qualität in eine andere durch quantitative Änderungen wirkt.

Dabei kann der Qualität allmählich oder sprungartig umschlagen. Und genau das ist der Punkt.

In der Biologie und Hydrobiologie sind Qualitätssprünge eher die Regel.

Sollte z. B. der geneigte Leser Schmerzen verspüren, die mit Acetylsalicylsäure beseitigt werden könnten, dann nützt es nichts, wenn er nur wenig davon kostet, sondern es ist eine bestimmte Dosis davon zu nehmen, damit man schmerzfrei wird.

Genauso ist es mit vielen Gewässern.

Es nützt nichts, ein bisschen die Überwachungswerte zu verschärfen, um dann den guten Gewässerzustand zu erreichen, wenn über 90 % der „Krankheitskeime“ durch die „offene Wunde“ namens „industrielle Landwirtschaft“ ständig aufs neue den Körper infizieren.

Entweder man beseitigt das Übel für die betroffenen Gewässer grundlegend oder man muss die Tatsachen akzeptieren.

Alles andere hat mit Gewässerschutz oder Wasserwirtschaft nichts mehr zu tun.

Ich neige in Bezug auf

Reichholf, J. H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

zu der Empfehlung, die Landwirtschaft weniger auf Export zu orientieren und bis dahin die nicht ohne Weiteres zu ändernden Tatsachen einfach zu akzeptieren.

Erfrischend ist für manchen Leser auch die Tatsache, dass nicht etwa die kommunalen Kläranlagen die  Gewässerverschmutzer Nr. 1 sind.

Das könnte die korrekte Reihenfolge sein, wobei ich mir bei der Reihenfolge von 2. und 3. nicht sicher bin:

  1. industrielle Landwirtschaft
  2. Biogasproduktion
  3. Bioethanol – Biospritproduktion
  4. ?
  5. ?
  6. kommunale Abwasserbehandlung
  7. Kleinkläranlagen nach DIN 4261-2
  8. Kleinkläranlagen nach DIN 4261-1

Was darf ein Fisch im Bach kosten?

Vergleiche:   Eine halbe Million Euro für einen Vogel?!

Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Kosteneffizienz beim Gwässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung




650 Gramm Kokain! Und das im Abwasser an einem einzigen Sommerwochenende

Kläranlagen lassen Giftstoffe durch, Nachrüstung ist nötig

Von Beate Kittl.

„Viele Chemikalien fließen heute trotz Abwasserreinigung ungehindert in Flüsse und Seen.

Ozongas und Aktivkohlefilter schaffen Abhilfe.

Wer die Aufrüstung bezahlen soll, ist jedoch umstritten.“

Basler Zeitung am 14.3.2011

„Christoph Mathieu von der Universität Bern fand an einem Sonntag im Zürcher Abwasser Spuren von 650 Gramm Kokain – das sind rund 19’000 Linien an einem einzigen Sommerwochenende.

Wird das Abwasser von den Mikroverunreinigungen gereinigt, verlieren die Fahnder einen ihrer verlässlichsten Informanten.“




Eine halbe Million Euro für einen Vogel?!

Wenn Naturschutz fremdes Geld unkontrolliert ausgibt…

„Heimisch im strengen Sinn sind nicht einmal die Großtrappen, die „teuersten Vögel der Welt“, für deren Restvorkommen an einer ICE-Trasse nach Berlin rund eine Million D-Mark ausgegeben worden war – pro Vogel.

Als Steppenvögel leben sie vor allem in Zentralasien sowie Spanien und kamen erst vor wenigen hundert Jahren nach Ostdeutschland. Ihre Bestände erreichten im 18. Jahrhundert den Höhepunkt und gehen seither zurück.“

Quelle: Nur fürs Auge von Josef H. Reichholf, Fachbeitrag im Focus

Im FOCUS erhebt Josef Reichholf drei Forderungen, um das zu ändern – und rechnet mit den Glaubenssätzen vieler Artenschützer ab.

„Der Naturschutz steckt in der Krise, weil er die falschen Schwerpunkte setzt.“

Einschätzung:

Sehr lesenwert!

Es gibt aber nicht nur teure Vögel in unserem reichen Land, sondern verdammt teure Fische, die ihrerseits mitunter auch nur wieder Futtertiere sind.

Man kann auf ähnliche Weise leicht hunderttausend Euro für einen toten Fisch ausgeben.

U. H.

***

Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Kosteneffizienz beim Gwässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung






Gründer-Väter gehen auf Distanz zur grünen Bewegung

„Es ist Irrsinn, Wälder zu roden, um Energiepflanzen anzubauen.“

Zitate aus dem Online -Presseportal:

“Mich stört diese Ideologisierung des Natur- und Umweltschutzes, die sich mit wissenschaftlicher Redlichkeit vielfach nicht vereinbaren lässt”, sagte Reichholf weiter.

Der Biologe bezeichnet das Beharren auf Bio-Treibstoffen als typisches Beispiel erstarrter Positionen: “Es ist Irrsinn, Wälder zu roden, um Energiepflanzen anzubauen.”

“Die Apokalypse ist zum zentralen Motiv des Ökologismus geworden, vieles davon ist eine kollektive Neurose”, erklärte Patrick Moore in “Focus”.

Moore, der die Gründungsurkunde von Greenpeace Deutschland mit unterzeichnet hatte, beklagt, dass sich die Umweltorganisation heute von Wissenschaft und Logik verabschiedet habe.

Quelle: Online Presseportal




Kostennormativ

Kommunale Abwasserbeseitigung – Normative Kosten und Risikoabbau

Uwe Halbach, u. a.
Handbuch des Institutes für Wasserwirtschaft Halbach

4. unveränderte Auflage

Preisbasis 2003

Die Kosten wurden im März 2011 mit einigen ergänzenden Hinweisen noch für gültig befunden.

250 A4-Seiten als Ringbindung. Dieses Buch enthält 56 Diagramme, 38 Abbildungen und 36 Tabellen.

Inhaltsverzeichnis

Auszug aus dem Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung

Herausgeber: Institut für Wasserwirtschaft Halbach

Buchbesprechung von Herrn Prof. Hegemann

Bestellung per E-Mail oder Fax (03761) 5268.

Stückpreis: 39,80 € brutto (zzgl. Versand)
(Bestellung nur noch als Ringbindung möglich. Der Versand erfolgt als Büchersendung auf Rechnung. Die Postlaufzeit beträgt ca. 2-3 Tage.)

Einleitung:

Das Werk lässt sich in zwei große Abschnitte gliedern. Im ersten Teil sind die Normativkosten und weitere Kostenangaben enthalten. Im zweiten Teil werden ausgewählte Methoden als weitere Voraussetzung für eine risikominimierte kommunale Abwasserbeseitigung beschrieben.

Nach einer Information über Normativkosten, deren Anwendung im Kapitel 1.1 beschrieben wird und nach der Darstellung von Primärdaten im Kapitel 2, werden die Investitions-, Betriebs- und Jahreskosten in weitere Kapitel gegliedert. Ferner wird eine Untergliederung der betreffenden Kosten in Aufwendungen für die Abwasserableitung sowie für die Abwasser- und Schlammbehandlung vorgenommen.

Im Vergleich zu vorherigen Auflagen wurde das Werk um zahlreiche weitere Kosten für ausgewählte Anlagen ergänzt. Insbesondere handelt es sich hierbei um die Kosten für Kanalsanierung, die Klärschlammvererdung, für Kleinkläranlagen und ferner auch um Kosten für die Kontrolle einer Geschäftsbesorgung bzw. für die Kontrolle einer Privatisierung.

Etwa zwei Drittel des Buches befassen sich mit den Instrumenten zur Kontrolle, Steuerung und zum Risikoabbau bei der kommunalen Abwasserbeseitigung. Dieser Hauptabschnitt beginnt mit Hinweisen zur Abwassergebühren- und -beitragskalkulation. Danach werden Hinweise zu den Anforderungen für  Kostenvergleichsrechnungen vorgetragen.

Markant für die bisherige kommunale Abwasserbeseitigung war bisher, dass die Kommunen und Abwasserzweckverbände in ihren Zweckmäßigkeitsbetrachtungen beinahe ausschließlich gleichen Nutzen, Zweck und gleiche Risiken unterstellten und sich nur auf die Kosten konzentrierten. Derartige Methoden sind dann falsch, wenn eben die genannten Faktoren in ihren Nutzen unterschiedlich und damit nicht vergleichbar sind. Aus diesem Grund wurde ein umfangreiches Kapitel aufgenommen, das sich vordergründig mit der Bewertung der Zweckmäßigkeit befasst und ausgewählte einfache Methoden dazu vermittelt.

Die weiteren Abschnitte befassen sich mit der besonderen Bedeutung von Abwasserzielkonzeptionen bzw. Generalentwässerungsplanungen, mit der Voraussetzung zur Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflicht und leiten dann über zu einem Kapitel, in dem festgestellt wird, dass sich die Zweckmäßigkeitsgrenze für Kleinkläranlagen verschlechtert hat (sofern diese nicht gefördert werden).

Weitere Kapitel vermitteln den Kommunen und Verbänden wichtige Hinweise zur Kontrolle des Anlagenbetriebs, der Beratung im Allgemeinen und zur Kontrolle der Planung.

Im darauffolgenden Abschnitt werden dann Erfahrungen vorgestellt, die im Rahmen einer gutachterlichen Begleitung zahlreicher Gerichtsprozesse zwischen Kommunen bzw. Verbänden und planenden Büros gewonnen wurden.

Andere Kapitel befassen sich mit Methoden zur Leistungssteigerung der kommunalen Abwasserbeseitigung und damit zur Verbesserung der Zweckmäßigkeit bei der Nutzung von kommunalem Eigentum durch die Kommunen selbst.

Auf notleidende Abwasserzweckverbände, wie auch auf die Folgen zu großer Kläranlagen und auf die besondere Situation von Bürgerbewegungen wird eingegangen.

Die Arbeit analysiert ferner die Gefahren bei der Bildung privater Regionalmonopole und befasst sich mit Methoden aus der Unternehmensberatung, wie z. B. Public Private Partnership, Cross-Border-Leasing und Outsourcing.

In einem weiteren Abschnitt wird bewiesen, dass das Leasing – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen – für Kommunen und Verbände unzweckmäßig und viel zu teuer im Vergleich zur klassischen kommunalen Finanzierung ist.

Die letzten zwei Schwerpunkte der Arbeit betreffen ausgewählte Widersprüche beim Gewässerschutz sowie eine Kritik zum Abwasserabgabengesetz. In dem Kapitel „Widersprüche beim Gewässerschutz“ wird herausgearbeitet und bewiesen, dass die gesetzliche Normative zur grundsätzlichen Stickstoffeliminierung ab einer bestimmten Größenklasse der Kläranlagen einen Gewässerschaden verursachen kann. Außerdem wird das allgemein verbreitete Belebtschlammverfahren hinsichtlich der Verursachung von unnötigen Klimabelastungen analysiert.

Die Untersuchungen zur Abwasserabgabe knüpfen an die zahlreichen Feststellungen anderer Autoren an, dass das Abwasserabgabengesetz sich zunehmend als unzweckmäßiges und unnötiges Kontroll- und Steuerungsinstrument herausstellt. Ergänzend dazu wird bewiesen, dass die Abwasserabgabenerhebung für den Gesamtstickstoff und für den Chemischen Sauerstoffbedarf im Widerspruch zum Grundgesetz steht, da beide Parameter grundsätzlich keine Schadstoffe sind.

Das Buch ist ein parteilich verfasstes Werk. Im Blickpunkt stand die Wahrung der Interessen unserer Kommunen oder Abwasserzweckverbände. Aus dieser Position heraus ergibt sich zwangsläufig ein anderes Verständnis von Wirtschaftlichkeit als es im allgemeinen Sprachgebrauch üblich ist. Deshalb wird der Leser an vielen Stellen, an denen er das Wort „Wirtschaftlichkeit“ erwartet, die treffendere Bezeichnung „Zweckmäßigkeit“ finden. Die genaue Verwendung dieser Begriffe spielt für die Wiedererlangung des Selbstverständnisses der Kommunen und für den Schutz unseres kommunalen Eigentums eine ungeheuer wichtige Rolle (vergleiche Kapitel „Widerspruch zwischen kommunalem Zweck und privatem Gewinn“ ab Seite 110).

Es ist auf Grund des geteilten Leserkreises nicht Ziel gewesen, alle tangierenden Fragen interdisziplinär bis ins letzte Detail zu erschließen, da dies mit Sicherheit den Rahmen des Werkes sprengen würde. Es wäre auch ein unmöglich zu erfüllender Anspruch.

Dieses Buch wurde so strukturiert, dass ein Überblick zu einzelnen Sachgebieten erlaubt wird, ohne dass das gesamte Buch von vorn bis hinten zusammenhängend gelesen werden muss.

Den Ergebnissen liegt ein jahrelanger Recherche- und Erkenntnisprozess zu Grunde, der nicht abgeschlossen sein kann. Die Beteiligten sind auch künftig um Aktualisierungen bemüht und nehmen Hinweise zur Erhöhung der Aussagefähigkeit oder zu Ergänzungsvorschlägen des Werkes dankend entgegen.

Verzeichnisse über verwendete Formelzeichen und Abkürzungen, Seite 226, eine Definition ausgewählter Fachtermini, Seite 227, ein Stichwort-, Diagramm-, Tabellen-, Abbildungs- und Literaturverzeichnis ab Seite 214 runden die Arbeit ab.

Vorliegende Normative soll den Kommunen, Abwasserzweckverbänden und Behörden als ergänzendes Instrument für eine erste Prüfung der Investitionen der Abwasserbeseitigung dienen. Der Wertebereich wurde auf 100.000 EW begrenzt.

Die Kostenangaben in diesem Werk gliedern sich in Normativkosten, Ergebnisse von Kostenkalkulationen und in Literaturangaben.

Alle Kosten wurden auf der Preisbasis 2003 berechnet. Die Investitionskosten sind ohne und die Betriebs- sowie Jahreskosten wurden mit Umsatzsteuer ausgewiesen.

Nachtrag vom Oktober 2009 zur Einleitung und im März 2011 überprüft, ohne Änderungen der Kosten bzw. Normativen für notwendig zu halten

Da die Redaktion nun schon einige Jahre zurückliegt, informieren wir Sie auf diesen Wege, welche Abweichungen wir festgestellt haben und wie wir diese berücksichtigen.

Es ist natürlich Ihnen überlassen aufgrund Ihrer möglicherweise anderen Erfahrungen und anderen Beobachtungen zu abweichenden Überlegungen zu kommen.

1. Investkosten für Kläranlagen

Auf dem „Kläranlagenmarkt“ hat wohl eine Bereinigung stattgefunden.

In den letzten Jahren wurden offensichtlich weniger Anlagen errichtet.

Ein Indiz dafür dürfte auch sein, dass das Statistische Bundesamt keine Preisindizes für Kläranlagen mehr herausgibt.

Wir beobachteten in einigen Fällen, dass die gewählten Normativwerte unseres Handbuches deutlich überschritten wurden. Die Überschreitung lag bei über 20 %.

In solchen Situationen ist eine Einzelfallprüfung ratsam.

2. Investkosten für den Kanalbau

Bei den Kanalisationspreisen haben wir keine Änderungen bemerken können.

Da dennoch immer wieder Fragen zu den Kosten der Kanalisation und zu den zugehörigen Planungskosten gestellt werden, bitten wir folgende Hinweise in Bezug auf die Diagramme „Kanalisationskosten“ zu berücksichtigen:

  • Die Diagramme – wenn sie als Zielfunktion (ZF) bezeichnet wurden – weisen das u. E. prinzipiell erreichbare (niedrige) Kostenniveau inklusive aller Planungs- und Nebenkosten aus.
  • Es handelt sich dabei um Nettokosten (Kosten ohne Umsatzsteuer).
  • Es sind keine Schachtbauwerke enthalten.

Berücksichtigen Sie aber bitte auch die Ausführungen zur Tabelle 1 auf Seite 8 und natürlich die Tabelle 1 selbst. Danach wäre bei konzeptionellen Betrachtungen bzw. Refinanzierungsberechnungen aus Sicherheitsgründen mit einem eher mittleren Preisniveau und nicht mit einer Zielfunktion (ZF) zu kalkulieren.

Das Einhalten der Zielfunktion sollte ein Anspruch des zumeist kommunalen Auftraggebers sein. Ob der Anspruch aber realistisch ist, hängt von oft unbekannten Faktoren ab, die ein Auftraggeber oder auch ein planendes Büro nicht immer beeinflussen kann. Deshalb ist es sehr riskant, im Rahmen einer Investitionsrechnung oder eines Wirtschaftlichkeitsnachweises grundsätzlich von niedrigsten Kosten auszugehen. Man sollte sie kennen aber nicht als Dogma einsetzen.

Kostennormative sind als Bewertungsgrundlage überholt, wenn im Verlauf einer Entwurfsplanung und im Ergebnis eines nachvollziehbaren Variantenvergleiches bewiesen wird, dass die Zielfunktion im konkreten Einzelfall nicht zutrifft.

Konkrete Kostenberechnungen sind höherwertig und viel genauer als abstrakte Kennziffern.

Der Ansatz eines mittleren Preisniveaus soll vermeiden, dass gegenüber der reinen Zielfunktion ggf. erforderliche Zusatzaufwendungen im Zuge der Realisierung einzelner Maßnahmen zu einem Finanzierungsdefizit führen, weil z. B. zu wenig Kosten eingeplant wurden bzw. zu geringe Kostenansätze Eingang in die Refinanzierungsberechnungen fanden.

Deshalb wird empfohlen – wenn es um Refinanzierungssicherheit geht – (siehe Handbuch; Tabelle 1 ) auf die Zielfunktion (ZF) nach Tabelle 1 ca. 20 % aufzuschlagen, um ein mittleres Preisniveau abzubilden.

Alternativ kann natürlich auch anstelle des Pauschalzuschlages eine Kostenerhöhung durch einen separaten Aufschlag von beispielsweise ca. 10 % für Planung und weitere 5 bis 10 % für „sonstige Nebenkosten und Unvorhergesehenes“ vorgenommen werden, was letztlich zum gleichen Ergebnis – Gesamtnettokosten in einem mittleren bzw. durchschnittlichen Preisniveau – führt.

Über Änderungen informieren wir kostenlos in unserem Newsletter .

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1       Einleitung

1.1    Normative Kosten

1.1.1     Definition einer Normative und deren Ermittlung

1.1.2     Zweck von Normativen für die kommunale Abwasserbeseitigung

1.1.3     Voraussetzungen und Hinweise für die Nutzung der Normative

1.1.4     Aktualisierung der Normativkosten

1.1.5     Geltungsbereich

1.2    Ergebnisse von Kostenkalkulationen

1.3    Kostenangaben aus der Literatur

2       Primärdaten und Auswertung

2.1    Primärdatenherkunft

2.2    Vergleichbarkeit der Daten (Degressionsanalyse)

2.3    Auswertung der Baupreissteigerungen und Prognose

2.4    Preisbasis 2003

2.5    Weiterführende Literatur

3       Investitionskosten der Entwässerungssysteme

3.1    Kanäle für die Schmutz- und Regenwasserableitung

3.1.1     Freispiegelkanäle im Straßenbereich

3.1.2     Freispiegelkanäle im Gelände bzw. im Straßennebenbereich

3.1.3     Einfluss des Baugrundes auf die Kosten beim Kanalisationsbau

3.1.4     Schächte und Schachtabstände

3.1.5     Hausanschlüsse

3.2    Nettokosten für Kanalsanierung im nicht begehbaren Bereich nach [19]

3.3    Regenbecken.

3.3.1     Regenrückhaltebecken (RRB)

3.3.1.1    Offene Bauweise

3.3.1.2    Geschlossene Bauweise in Stahlbeton

3.3.2     Regenüberlaufbecken (RÜB)

3.3.3     Regenklärbecken im Trennsystem

3.4    Abwasserpumpwerke – Fertigteilpumpwerke in Nassaufstellung

3.4.1     Normative

3.4.2     Begründung zur Wahl der Normative

3.4.3     Trocken aufgestellte Abwasserpumpwerke – Prüfungsempfehlung

3.4.4     Investitionskosten für Biofilter an Zwischenpumpwerken

3.5    Druckleitungen

3.5.1     Herkömmliche Verlegetechnik im Rohrgraben

3.5.2     Alternative Verlegetechniken

3.5.2.1    Grabenlose Verlegetechnik

3.5.2.2    Einpflügen oder Fräsen

3.6    Sonderentwässerungssysteme

3.6.1     Druckentwässerungssystem

3.6.2     Vakuumentwässerung

3.6.3     Vergleich zwischen der Druck- und Vakuumentwässerung

3.7    Niederschlagswasser im dünn besiedelten Raum

4       Investitionskosten ausgewählter Abwasserbehandlungsverfahren

4.1    Grundsätzliche Hinweise

4.2    Kleinkläranlagen nach DIN 4261 Teil 2

4.3    Teich- und teichähnliche Kläranlagen

4.3.1     Pflanzenkläranlagen – vertikal durchströmt – bis 50 EW

4.3.2     Pflanzenkläranlagen – vertikal durchströmt – bis 1.400 EW

4.4    Containerkläranlagen – transportabel

4.5    Verfahren mit aerober Schlammstabilisierung

4.5.1     Kompaktkläranlagen mit Schlammstabilisierung bis 6.000 EW

4.5.2     Kläranlagen mit simultaner Schlammstabilisierung 5.000-20.000 EW

4.6    Kläranlagen mit 20.000 bis 100.000 EW Behandlungskapazität

4.7    Kläranlagen mit Trocknung, jedoch ohne Faulung

4.8    Natürliche Verfahren der Schlammentwässerung

4.9    Kosteneinsparung durch Industriebauweise

4.10  Aufwendungen für Automatisierungs- und Labortechnik

4.10.1   MSR-Technik für Kläranlagen

4.10.2   Investitionskosten für die Laboruntersuchungen

5       Betriebskosten im Kanalnetz

5.1    Kanalreinigung und Inspektion

5.2    Betriebskosten Pumpwerke

5.3    Betriebskosten für Biofilter an Pumpwerken

6       Betriebs-, Refinanzierungs- und Jahreskosten der Abwasserbehandlung

6.1    Laufende Kosten von Kleinkläranlagen nach DIN 4261 Teil 2. 61

6.1.1     Betriebskosten für ausgewählte Kleinkläranlagen

6.1.2     Spezifische Refinanzierungskosten

6.1.3     Jahreskosten ausgewählter Kleinkläranlagen

6.2    Betriebskosten für Kläranlagen zwischen 1.000 EW und 10.000 EW

6.2.1     Betriebskosten klassischer Verfahren

6.2.2     Betriebskosten von Pflanzenkläranlagen

6.3    Betriebskostenstruktur von Kläranlagen

6.4    Ausgewählte Betriebskostenarten der Abwasserbehandlung

6.4.1     Energiekosten

6.4.2     Personalkosten der Anlagenbedienung

6.4.3     Personalkosten der Verwaltung bzw. Geschäftsführung

6.4.4     Schlammentsorgungskosten

6.4.5     Instandhaltungs- und Sachkosten

6.4.6     Aufwendungen für die Eigenkontrolle

6.4.7     Aufwand für eine Gebührenbedarfsrechnung

6.4.8     Aufwand für eine Globalberechnung

6.4.9     Fäkalschlammabfuhr, Behandlung und Entsorgung

6.4.10   Kontrollkosten für Geschäftsbesorgung bzw. materielle Privatisierung

7       Grundsätzliche Hinweise zur Abwassergebührenkalkulation

7.1   Kosten

7.2    Abschreibungen

7.3    Zinsen

7.4    Aufwendungen der Kanalsanierung

7.5    Gebührenbemessung

7.6    Voraussetzungen der Gebührenkalkulation

7.7    Ziele der Gebührenkalkulation

7.8    Gebührenkalkulation bei Cross-Border-Leasing

8       Überblick zur Abwasserbeitragskalkulation – Globalberechnung

8.1    Allgemeine Hinweise

8.2    Begriffsbestimmungen

9       Kostenvergleiche sind nur bei gleichem Nutzen der Varianten zulässig

9.1    Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen der LAWA

9.2    Abwassergebührenvergleiche sind problematisch

10     Wissenschaftliche Bewertung der Zweckmäßigkeit einer Lösung

10.1  Einleitung

10.2  Beschreibung der Nutzwert-Analyse

10.3  Nutzwert-Kostenanalyse

10.4  Einfachste Risikokalkulation

10.4.1   Betrachtungen zum Grundrisiko jeder Entscheidung

10.4.2   Fallunterscheidung

10.4.3   Ausgewähltes Kalkulationsbeispiel – Refinanzierung

10.4.4   Einschätzung des CBL-Risikos

10.4.5   Lösungsansatz einer Risikomatrix – Beispiel

10.5  Entscheidungsspinne – Eigenlösung oder Abwasserzweckverband?

10.6  Zweckmäßigkeitsnachweise und Nutzenbewertung bei der Privatisierung

10.6.1   Widerspruch zwischen kommunalem Zweck und privatem Gewinn

10.6.2   Kommunales Eigentum heute ein trockener Brunnen?

10.6.3   Falsche Wirtschaftlichkeitsnachweise bei der Privatisierung

10.6.4   Konsequenzen mangelhafter Wertschätzung kommunalen Eigentums

11     Bedeutung und Umfang von Abwasserzielkonzeptionen

11.1  Strategische Überlegungen

11.2  Ausgewählte Bestandteile des Abwasserzielkonzeptes

11.3  Grundsätzlicher Informationsumfang

11.4  Konzept zur Regenwasserbewirtschaftung

11.5  Abwasserbeseitigung im ländlichen Raum

11.6  Nachweis der Zweckmäßigkeit eines Abwasserzielkonzeptes

11.7  Kostenschätzungen

11.8  Notwendiger Inhalt

12     Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflicht

12.1  Definition der Abwasserbeseitigungspflicht

12.2  Alternativlösung – Kleinkläranlage

12.3  Anschluss- und Benutzungszwang

13     Kleinkläranlagen werden leistungsfähiger, aber auch aufwendiger

13.1  Einsatzbereiche und Grundsätze

13.2  Klassifikation – Technische Verfahren

13.3  Technologie – Funktionsweise

13.4  Vergleich DIN 4261 Teil 1 und TGL 7762

13.5  Fäkalschlammmenge und -last

13.5.1   Fäkalschlammmenge

13.5.2   Last ausgewählter Fäkalschlamminhaltsstoffe

13.5.3   Huminsäuren

13.6  Förderung von Kleinkläranlagen

13.7  Zweckmäßigkeitsgrenze für Kleinkläranlagen gesunken

14     Kanäle sollen nicht konzeptionslos saniert werden

15     Kontrolle ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg

15.1  Kontrolle des Anlagenbetriebes

15.1.1   Der Verband auf der „grünen Wiese“ – Zero-Base-Planning

15.1.2   Kontrolle der privaten Geschäftsbesorgung

15.2  Kontrolle der Beratung und deren Ergebnisse

15.3  Behördliche Kontrolle befreit nicht von der Eigenverantwortung

15.4  Kontrolle der Planung

15.4.1   Rechtzeitige Einbeziehung von unabhängigen Sachverständigen

15.4.2   Kontrolle durch eine Projektsteuerung

16     Kommunen und Verbände in Gerichtsprozessen

16.1  Ausgewählte Mängel im Ergebnis der Begutachtungen von Planungen

16.1.1   Unklare vertragliche Vereinbarung der zu lösenden Aufgaben

16.1.2   Unvollständige Grundlagenermittlungen und Vorplanungen

16.1.3   Ungenügende Planungsprüfung durch Kommunen und Verbände

16.1.4   Planungen, die nicht prüffähig sind, sind deshalb mangelhaft

16.1.5   Kein Nachweis der Zweckmäßigkeit einer Planung als Mangel

16.2  Grundsätzliche Methodik zur Planungsprüfung

16.2.1   Prüfung einer Leistung auf Mangelfreiheit

16.3  Funktion von Parteigutachtern

16.4  Gerichtsgutachter sind in der Regel ö. b. u. v. Sachverständige

17     Leistungssteigerung der kommunalen Abwasserbeseitigung

17.1  Kommunales Outsourcing als Regel

17.2  Funktionalausschreibungen

17.3  Optimale Größe eines Abwasserzweckverbandes

17.4  Fehlerkorrektur bei der kommunalen Abwasserbeseitigung

17.4.1   Notleidender Abwasserzweckverband

17.4.2   Kläranlage zu groß – Fehlerbeseitigung

17.4.3   Bürgerbewegungen zu oft noch auf verlorenem Posten

18     Bildung privater Regionalmonopole

18.1  Gliederung der Privatisierung leitungsgebundener Anlagen

18.2  Wettbewerb nur vor der Monopolbildung

18.3  Kritische Stimmen zur Privatisierung

18.4  Kommunale Wasserwirtschaft ohne Monopol seit langem „teilprivatisiert“

18.5  Liberalisierung und Globalisierung des Wassermarktes

19     Public Private Partnership

20     Leasing von Abwasserreinigungsanlagen

20.1  Was ist Leasing?

20.2  Kostenvergleichsrechnung zwischen Leasing und Bankfinanzierung

20.3  Vor- und Nachteile der Leasingfinanzierung

21     Cross-Border-Leasing: Chance oder Risiko?

22     Widersprüche beim Gewässerschutz

22.1  Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung

22.2  Nitrat stört den Phosphorkreislauf

22.3  Schwarze Flecken im Watt

22.4  Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung

22.5  Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung

22.6  Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff

22.7  Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?

22.7.1   Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?

22.7.2   Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

23     Abwasserabgabe führt teilweise und mittelbar zu Umweltschäden

23.1  Abwasserabgabe ist unzweckmäßig

23.2  Wasserrecht teilweise im Widerspruch zum Grundgesetz

23.3  Abwasserabgabeerhebung für den CSB auf der Basis von Indizien

23.3.1   Was ist ein CSB?

23.3.2   Ist der CSB tatsächlich ein Schadstoff?

23.3.3   Ursachen für die Entstehung eines unschädlichen CSB

23.3.4   Rechtliches Problem aus Sicht des Abwasserbeseitigungspflichtigen

23.3.5   Abwasserabgabe auch für CSB im Widerspruch zum Grundgesetz

Stichwortverzeichnis

Diagrammverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Formelzeichen und Abkürzungen

Definition ausgewählter Fachtermini

Literaturverzeichnis

 




Kein CSB in der Natur!

Im übrigen erzeugt der CSB in der Natur keinen Sauerstoffbedarf, wie fälschlich fast ausnahmslos geglaubt wird.

Tatsächlich handelt es sich um den simulierten Verbrauch des Oxidationsmittels Kaliumdichromat unter unnatürlichen extremsten Laborbedingungen.

Stöchiometrisch wird die Masse des chemischen Sauerstoffes berechnet, den das Kaliumdichromat an das Reduktionsmittel „Wasserinhaltsstoffe“ abgibt.

Fachlich korrekt handelt es sich um den Kaliumdichromatverbrauch einer wässrigen Probe, ausgedrückt in mg O2 , z. B in mg O2/l.

Der CSB ist also eine Fiktion und noch nicht einmal eine wissenschaftliche.

Folgt man den Überlegungen von Goethe (Johann W. von Goethe, Maximen und Reflexionen) dann spielt es wohl ein wichtige Rolle, ob ein Begriff falsch oder wahr ist:

Begriffe und großer Dünkel sind immer auf dem Wege, entsetzliches Unglück anzurichten.

Siehe auch:

Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Der CSB-Dosisfehler

Schwer abbaubar – auch ein Glück für die Umwelt!

Das Dilemma der Überwachung




Der CSB-Dosisfehler

Zwischen dem Überschreiten des CSB-Überwachungswertes und dem spezifischen Abwasseranfall kann es einen Zusammenhang geben.

Da der CSB meist einen hohen Anteil von nicht abbaubaren Stoffen enthält, kann beim Rückgang der Abwassermengen und bei sonst gleichen Bedingungen natürlich die CSB-Konzentration im Kläranlagenablauf steigen.

Nicht abbaubare Stoffe werden nun mal – wie der Name es verrät – nicht abgebaut und schon gar nicht in gewöhnlichen Kläranlagen. Bleibt die CSB-Fracht gleich und sinkt die Abwassermenge dann steigt die CSB-Konzentration. Vor 1989 gab es im Osten Deutschlands dieses Dilemma nicht, denn der wissenschaftliche Ansatz beim damaligen Gewässerschutz – der Effekt sei mal dahingestellt – beruhte auf der Einleitfracht, z. B. kg BSB5 /d.

Die Dosis eines Stoffes ist maßgeblich für eine Schadwirkung und nicht die Konzentration eines Überwachungswertes, die sich natürlich leichter verwalten lässt, ohne dass man von der Sache auch etwas verstehen muss.

Die Überlegungen zur Notwendigkeit einer Dosis gehen auf Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim zurück, auf einen Arzt mit legendären Heilerfolgen. Die nach ihm benannte Paracelsus-Medaille ist die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft für verdiente Ärzte. Bei dem Gewässerschutz findet sein Schadstofflehrsatz von 1589 „All Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.“ jedoch keine Beachtung. (Bemerkenswert ist, dass der Frachtansatz für die  ostdeutsche Wasserwirtschaft vor der Wende selbstverständlich war. Auch in der österreichischen Indirekteinleiterverordnung sind ebenso Schmutzfrachten als Schadstoffgrenzen vorgeschrieben, die zudem noch in Abhängigkeit der Kläranlagengröße stehen.)

Im Wasserrecht und in der Praxis wurde die Notwendigkeit einer Dosis als grundlegende Voraussetzung für eine Schadwirkung nicht berücksichtigt und damit eine unwissenschaftliche Basis geschaffen.

Anstelle der Dosis tritt in der Wasserwirtschaft – im extremen Gegensatz zur Medizin – nun eine zufällige, mitunter auch willkürliche Vorsorge. (Man darf nur hoffen, dass die Mediziner nicht dem „wasserwirtschaftlichen“ Niveau nach unten folgen und die Arzneien als Wirkstoffkonzentration nach gutem Glauben des Patienten verordnen.)

Vor dem Hintergrund, dass die Wasserwirtschaft ja effektiv sein soll, so zumindest schreibt es der Gesetzgeber vor, entspricht ein CSB-Überwachungswert als Konzentration nicht dem Stand der Technik.

Ob das ein Rückschritt ist? Der Autor ist sich aber nicht sicher, ob der Stand der Wissenschaft eine höhere Priorität hat als der Stand der Technik, oder ob sich beide Stände – wenn es um den Kommerz geht – sich sogar hin und wieder ausschließen? Denn das was der letzte Schrei der Technik ist, muss deshalb noch lange nicht gut für Deutschlands Gewässer sein.  Eine interessante Frage lautet:

Ist der Stand der Technik auch dann noch Stand der Technik, wenn er wissenschaftlich gewertet oder nüchtern logisch gesehen zugleich Unfug ist?

Doch nun zu einigen Voraussetzungen, die notwendig sind, damit überhaupt der versprochene Umweltschaden eintritt. Damit ein Stoff Schaden anrichten kann, müssen u. a. folgende Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein:

  • Der Stoff muss am Zielort des Schadens sein.
  • Der Stoff muss hinreichend Zeit für seine Wirkung haben.
  • Der Stoff muss eine bestimmte Dosis überschreiten, die für die Schadwirkung notwendig ist.

Beweisführung

Prämissen

  1. Für das Verursachen eines Schadens ist eine Dosis notwendig
  2. Bei der CSB-Überwachung wird nur eine Konzentration gemessen.
  3. Eine Konzentration ist keine Dosis.

Konklusion:

Allein aus der CSB-Konzentration ist in der Regel keine Wirkung oder Schadwirkung zu beweisen.

(Eine Ausnahme: hinreichende Statistik bei induktiver Beweisführung.)

Siehe auch:

Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Schwer abbaubar – auch ein Glück für die Umwelt!

Das Dilemma der Überwachung

Kein CSB in der Natur!




Schwer abbaubar – auch ein Glück für die Umwelt!

Schwer abbaubare Stoffe immer ein Problem für die Umwelt?

Das kommt darauf an, was man unter „schwer abbaubar“ versteht.

Laien wird mit dem Begriff der schweren Abbaubarkeit gerne Angst eingejagt um ihr Denken und Handeln zu steuern.

Hinter einer schwer abbaubaren Verbindung wird gemeinhin „extrem harte, giftige und böse Chemie“ vermutet. Dabei ist die schwere Abbaubarkeit einer organischen Verbindung kein Beweis für das Vorliegen von Schadstoffen.

Alle ungehemmten biologischen Prozesse unterliegen einer Abbaufunktion, die am Anfang mit höherer und zum Abbauende mit langsamerer Geschwindigkeit (also schwer abbaubar) verläuft.  Schon allein der Mangel an Nährstoffen, an Spurenelementen oder auch am abzubauenden Substrat kann den Abbau bremsen.

Wird eine Probe aus einem biologischen Prozess entnommen, der langsam zu Ende geht, so findet der Chemiker natürlich zunehmend mehr schwer abbaubare Stoffe.

Eine schwere Abbaubarkeit ist auch ein Indiz für das Ende eines biologischen Abbaus.

Wein, in der Abbaustufe, wie er getrunken wird, hat z. B. seine Abbaugrenze erreicht. Wäre es anders, so wäre es leicht möglich, dass nicht nur Obstweinbereiter bei entsprechender Zuckerzugabe allein durch die alkoholische Gärung 100 % -igen Alkohol in ihren Bollons finden könnten. Leider hat die Natur als Abbauhemmnis sich den Alkohol einfallen lassen, der so ab 14 % je nach geübter Hefe den Abbau zunehmend erschwert bis er ihn ganz unmöglich macht.

Ob im Einzelfall ein hoher „CSB“ tatsächlich natürlichen Ursprungs ist, oder ob z. B. Gifte im Gewässer die Abbauhemmung verursachten, kann allein mit dem „CSB“ nicht bewiesen werden.

In der Regel genügt es allein (!), CSB zu finden, um damit die Zahlung einer Abwasserabgabe auszulösen oder den Straftatbestand der (unerlaubten) Gewässerverschmutzung festzustellen und zu verfolgen. (Der gehemmte biologische Abbau ist eher bei Havarien in kommunalen Abwässern oder in Abwässern der Lebensmittelindustrie zu finden. Dieser Abbau, z. B. von Giften, wie Formaldehyd verläuft anders und ist nicht Gegenstand dieses Beitrages.)

Beim biologischen Sauerstoffbedarf dagegen, der, wenn er vorkommt und gemessen wird, eine Teilmenge des chemischen Sauerstoffverbrauches bildet,  ist es so, dass mit der Erschwerung des biologischen Abbaus auch der tatsächliche Sauerstoffverbrauch im Gewässer extrem nachlässt.

Ein Vorteil der schweren Abbaubarkeit also!

Schwer abbaubare Stoffe – im Ergebnis einer üblichen biologischen Abbaukurve – sind scheinbar paradox:

Hinsichtlich der Sauerstoffzehrung im Gewässer sind dieses Stoffe (BSB20 minus BSB5) nämlich erheblich weniger wirksam, als ein Abwasser mit einem leicht abbaubaren BSB.

Die Schwerabbaubarkeit ist also nur Indiz für etwas Beliebiges.

Nutz-, Schadstoffe und belanglose Stoffe können nämlich allesamt schwer abbaubar sein und häufig sind sie es auch.

Nebulös bleibt immer ohne weitere Untersuchungen, welche Stoffe denn nun die schwere Abbaubarkeit verursachten.

Zu den schwer abbaubaren Substanzen notiert z. B. das DVWK-Merkblatt 228/1996: „Außerdem ist man in der Lage, einigermaßen begründet den Anteil der schwer abbaubaren Substanzen abzuschätzen, wenn man einen Vergleich zwischen Chemischem und Biochemischem Sauerstoffbedarf anstellt.“ [1]

Dies ist korrekt.

Schließlich noch ein natürliches Beispiel:

Im Rio Negro „wimmelt“ es nur so von schwer abbaubaren CSB, dass dieser davon ganz schwarz geworden ist.
Hier ein Luftbild von der Mündung des Rio Negro in den Amazonas:
Größere Kartenansicht
Würde der Rio Negro seinen nicht abbaubaren CSB verlieren, so wäre dies eine echte Katastrophe für viele Lebewesen in dem Fluss und ein wirklicher Grund zum Klagen.

Im Übrigen erzeugt der CSB in der Natur keinen Sauerstoffbedarf, wie fälschlich fast ausnahmslos geglaubt wird.

Literatur:

[1] DVWK-Merkblatt 228/1996
Aussagekraft von Gewässergüteparametern in Fließgewässern
Teil II: Summenparameter Kohlenstoffverbindungen und sauerstoffverbrauchende Substanzen, Mineralstoffe, Organische Schadstoffe, Hygienische Kennwerte

Siehe auch:

Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Der CSB-Dosisfehler

Das Dilemma der Überwachung

Kein CSB in der Natur!




Überlegungen zur Renaturierung des Domerslebener Sees

Plausibilitätsprüfung ausgewählter Aspekte, die einer Sanierung des Domerslebener Sees entgegen zustehen scheinen

Teilanonymisierte Stellungnahme

Auftraggeber:
Stadt Wanzleben-Börde – Ortschaft Domersleben
Markt 1-2, 39164 Wanzleben

Auftragnehmer:
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Schloßstraße 2, 08412 Werdau

Bearbeiter:
Uwe Halbach
Diplom-Ingenieur (FH) für Wasserwirtschaft & Diplom-Volkswirt

Ausfertigung: Internet

gez. U. Halbach
Institutsleiter

Werdau, den 24. September 2010


Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeine Hinweise

2 Beschreibung des momentanen Standes der Situation

3 Ausgewählte Meinungen gegen die Sanierung des Domerslebener Sees

4 Ergänzende Bemerkungen

5 Quellen- und Literaturverzeichnis


1. Allgemeine Hinweise

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Bewertung des wohl nur vermeintlichen Widerspruchs zwischen dem geplanten Vorhaben der Sanierung des Domerslebener Sees und den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Ziel der fachlichen Begleitung

des Institutes für Wasserwirtschaft Halbach ist es, das Projekt der Sanierung des Domerslebener Sees zu begründen, zu unterstützen, auch um den erforderlichen Aufwand der Gemeinde zur Bewältigung eventuell nicht zweckmäßiger Auflagen und Nachweise zu minimieren.

Die Bewertungsmethode beschränkt sich dabei nur auf die Plausibilitätsprüfung der Beweisführung, dass die Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Widerspruch zu den geplanten Vorhaben der Wiederentstehung des Domerslebener Sees stehen würden.

2. Beschreibung des momentanen Standes der Situation

Noch im 17. Jahrhundert gab es südlich der Ortslage Domersleben einen großen See. Als Vorfluter fließt die Domersleber Sarre aus der Ortslage Domersleben in Richtung Wanzleben. Der Mittelgraben, auch Dreilebener Sarre genannt, mündet aus westlicher Richtung, vom Remkersleber Wehr aus, in die Sarre (im ehemaligen Seegebiet).

Durch Eingriffe in den Wasserhaushalt und durch Eintrag von Erosionsmaterial der umliegenden Äcker verlandete der See schleichend. Im 19. Jahrhundert war der See dadurch entgültig verschwunden. Die übriggebliebenen Wiesen sind sehr feucht, mit Gräben durchzogen und teils mit Schilf bewachsen. Vom Herbst bis zum Frühjahr bilden sich oft ausgedehnte Wasserflächen, mit einer Tiefe von bis zu einem halben Meter aus. Der Bereich ist außerdem als Retentionsfläche, zum Hochwasserschutz der Stadt Wanzleben, von großer Bedeutung. Dies ist im Zusammenhang mit der Betriebsweise und der damit verbundenen Erlangung der Wasserrechtlichen Erlaubnis des bereits vorhandenen Domersleber Wehres zu betrachten.“ [7]

Nach der Ortschronik Domersleben (von Hermann Merbt, S. 133 Auszug in [7]) hatte der See eine ursprüngliche Fläche von 287,5 Hektar.

Ursprünglich wurde der See hauptsächlich durch die Dreileber Sarre, heute auch als Mittelgraben bezeichnet, gespeist. Der Abfluss erfolgte über eine Kalksteinschwelle am Steinbruch in Richtung Wanzleben.“ [7]

Von Bedeutung ist also:

  • Im 17. Jahrhundert gab es südlich von Domesleben einen großen See.
  • Ursprünglich wurde der See hauptsächlich durch die Dreileber Sarre gespeist.
  • Der See verlandete schleichend, wohl auch (nicht allein) durch absichtliche Trockenlegung.
  • Der See zeigt sich in feuchten Jahreszeiten in Form ausgeprägter Pfützenbildungen.

Ziel ist es nun, den ursprünglichen Zustand durch Sanierung wiederherzustellen und zudem den neuen (alten) See auch für den Hochwasserschutz und für andere Zwecke zu nutzen.

3. Ausgewählte Meinungen gegen die Sanierung des Domerslebener Sees

3.1 Verschlechterung bezüglich der ökologischen Durchgängigkeit

3.1.1 Zitat aus dem Schriftsatz der *** [8]

„Im Festlegungsprotokoll des Landesverwaltungsamtes vom 22. Juni 2009 wird unter Punkt 2: Festlegungen zur Begründung der geplanten Maßnahme gefordert:

2.1 Im Erläuterungsbericht ist die Erforderlichkeit der Maßnahme unter Berücksichtigung der EU-WRRL hinreichend zu begründen.

Kommentar: Wir sehen keine ausreichende Möglichkeit für eine solche Begründung. Im Gegenteil – die Maßnahme führt zu einer Verschlechterung bezüglich der ökologischen Durchgängigkeit, der Wasserqualität (z.B. Nährstoffeintrag aus Lösböden) sowie Wassertemperatur und beeinträchtigt negativ die Abflussverhältnisse.“

3.1.2 Stellungnahme zum Sanierungsgebot nach Artikel 4 WRRL

Nach Artikel 4 WRRL [11] besteht ein Sanierungsgebot zur Sanierung erheblich veränderter Wasserkörper.

Beweis:

„1 a) bei Oberflächengewässern:

ii) die Mitgliedstaaten schützen, verbessern und sanieren alle Oberflächenwasserkörper, vorbehaltlich der Anwendung der Ziffer iii betreffend künstliche und erheblich veränderte Wasserkörper, mit dem Ziel, spätestens 15 Jahre nach In-Kraft-Treten dieser Richtlinie gemäß den Bestimmungen des Anhangs V, vorbehaltlich etwaiger Verlängerungen gemäß Absatz 4 sowie der Anwendung der Absätze 5, 6 und 7 und unbeschadet des Absatzes 8 einen guten Zustand der Oberflächengewässer zu erreichen;…“

Im Falle des Domerslebener Sees handelt es sich um einen erheblich veränderten natürlichen Wasserkörper, der durch Sanierung in einen guten Zustand versetzt werden soll. D. h., man kann den Artikel 4 der WRRL durchaus auch wie folgt auslegen:

Der Domerslebener See ist zu sanieren, weil der bisherige schlechte Zustand nachteilig für die Artenvielfalt in dem landwirtschaftlich geprägten Gebiet um Domersleben ist.

3.1.3 Stellungnahme zur „Verschlechterung“

Die Argumentation ist wertlos, weil es an ihrer Begründung bzw. am Nachweis fehlt, dass die Schlüsse der Argumentation korrekt sind. Es handelt sich um unbegründete Behauptungen. Es mag Begründungen geben; sie wurden aber bislang nicht vorgetragen.

Das nachfolgende Beispiel veranschaulicht, dass es trotz Verschlechterung bezüglich der ökologischen Durchgängigkeit, der Wasserqualität (z. B. Nährstoffeintrag) sowie Wassertemperatur und negativ beeinträchtigte Abflussverhältnisse, aber insgesamt positiv gewertete Gewässer – sogar künstlichen Ursprungs – gibt, auf die kein Mensch verzichten will.

Es kommt also nicht auf pauschale und prüffähige Meinungen, sondern auf konkrete nachvollziehbare Bewertungen der komplexen und dynamischen Natur an, die, nebenbei bemerkt (wie auch die Ökologie), keine Gleichgewichtszustände – außer den Tod – kennt.

Beispiel:

Die Wippervorsperre beeinträchtigt auch negativ (unnatürlich) die Abflussverhältnisse und die Wassertemperatur. Eine ökologische Durchgängigkeit wird durch die Staumauer verhindert und zudem ist die Wippervorsperre derartig von Nährstoffeinträgen durch Niederschlag und Landwirtschaft belastet, dass selbst die Unterlassung jeglicher Abwassereinleitung aus den Kläranlagen des Einzugsgebietes keine Verbesserung der Gewässergüte zur Folge hätte. Beweis hierzu: Halbach [10]

Aber niemand kommt auf den Gedanken, die Wippervorsperre zu entleeren und abzureißen, obwohl der Artikel 4 der WRRL dazu die gesetzliche Grundlage liefern würde. Warum wohl? Einfach deshalb, weil in der Summe die wasserwirtschaftlichen Vorteile – dazu zählt auch der Nutzen für den Menschen – deutlich und zweifellos überwiegen.

Stehende nährstoffreiche Gewässer vergrößern bekanntlich die Artenvielfalt, um genau jene Tierarten, die auf stehende Gewässer angewiesen sind und die in den zu häufig verbreiteten „meliorationsgrabenartigen“ mit sehr schlechtem Gewässerzustand keinen Lebensraum (Habitat) finden.

Der schlechte Gewässerzustand wird in diesen Fällen meist schon auf den ersten Blick durch die unnatürliche Hydromorphologie[1] geprägt.

Es kommt bei der Bewertung der Sanierung des Domerslebener Sees darauf an, die ökologischen Aspekte und wasserwirtschaftlichen Vorteile eines Sees in der „landwirtschaftlichen Wüste von Domersleben“ zu erkennen.

Dabei hat die Bewertung frei von Öko-Ideologie und weltfremden Vorstellungen zu sein, wenn Fehlurteile wegen Weltfremdheit vermieden werden sollen. Bewertungsgrundlage müssen naturwissenschaftliche nachvollziehbare Methoden und Tatsachenbefunde sein. Dabei ist die Natur nicht als romantische Vorstellung zu bewerten, sondern in ihrer Realität.

Die Bewertungsmethode sollte also eine Ökologische sein. Das hat schon einmal die ungewohnte Bewertungskonsequenz, dass keine guten oder schlechten Zustände zu definieren sind, sondern nur Vor- oder Nachteile für bestimmte Tiere oder Tierarten.

Ökologisch korrekt wäre z. B. eine Bewertung:

„Das neu zuschaffende betreffende Ökosystem bietet gute Bedingungen als Brutgewässer für Cypriniden[2], wenn bei der Anlage des Sees folgende Voraussetzungen eingehalten werden…

Durch das Einsetzen von Raubfischen, die nicht geangelt werden dürfen, wird der Fraßdruck auf die Cypriniden aufrecht gehalten, so dass diese ihrerseits nicht die Daphnien minimieren, weil Daphnien neben Muscheln als Filtrierer das Wasser klar halten.“

3.1.4 Keine Verschlechterung, sondern eine Gewässerrenaturierung!

Abgesehen davon, ob die „Verschlechterungsbedenken“ in dieser Weise zutreffen oder nicht, handelt es sich in der Tat um keine Verschlechterung, sondern um eine beabsichtigte Verbesserung des Gewässerzustandes unter Erschließung des ökologischen Potentials, wie nachfolgende Abbildung zweifelsfrei beweist.

Abbildung 1: Domerslebener See in der Vergangenheit

Foto 1: Gewässer im LSG „Fauler See“ bei Wanzleben

Auf der Abbildung 1 ist zu erkennen, dass der Domerslebener See – als noch viel Wasser in ihm war – zur Erholung genutzt wurde, wie aus den dargestellten Spaziergängern am Seeufer abzuleiten ist.

Ebenfalls am Seeufer zum Trocknen aufgestellte Netze sind Indiz für den Fischreichtum des Sees, als es ihn noch in seiner ursprünglichen Form gab.

Ob der Mann auf dem Boot nun ein Fischer ist oder aus welchen Gründen er den See befuhr, ist ungewiss.

Die Abbildung 1 ist die Kopie einer Kopie, die im Kulturhaus der Gemeinde Domersleben sicher schon seit Jahren hängt.

Der Domerslebener See hat in der Gemeinde Domersleben eine besondere Bedeutung, wie neben einem Gemälde vom See auch die Planung zur Sanierung des Sees beweist.

Bei der Bewertung des Sees werden jedoch von denen, die ihn ablehnen, Ursache und Wirkung verwechselt.

Der Gewässerzustand des Sees wurde durch Eingriffe des Menschen in der Vergangenheit (Umleitung der Sarre, Anlage von Meliorationsgräben vorwiegend wohl durch die Landwirtschaft) auf wenige Quadratmeter nasse Wiese und einige Pfützen extrem verschlechtert. So etwas hat immer einen dramatischen Rückgang der Artenvielfalt (Biodiversität) und der Tieranzahl (Populationsdichte) zum Ergebnis.

Foto 2: Das Wehr im Gewässer im LSG „Fauler See“ bei Wanzleben verhindert ein Austrocknen des Feuchtbiotops

Das ist die Ausgangssituation, vor deren Hintergrund ablehnende Positionen und Meinung nicht zu verstehen sind, geht es doch darum, einen vom Menschen misslichen Eingriff in die Natur zu korrigieren.

  • Die EU-Wasserrahmenrichtlinie kennt dafür 2 förderfähige Instrumente: Gewässersanierung (Renaturierung) und
  • Erschließung des ökologischen Potentials, wobei dieses schon zu einem guten – bis vielleicht auch sehr guten Zustand geführt werden könnte.

Welche Vielfalt Wasser in der Natur bewirken kann, das erschließt sich dem Naturfreund in dem nur 4 km von Domersleben entfernten Biotop, das – markanter Weise – nur existiert, weil der Naturschützer den Abfluss des Wassers durch die Melioration mittels eines Wehres unterband. Dem Land Sachsen-Anhalt war und ist dieses Gebiet so wertvoll, dass es völlig zu Recht in die Liste der Landschaftsschutzgebiete aufgenommen wurde.

Siehe hierzu Foto 1 bis Foto 3[3].

Eine ähnliche Methode ist auch für die Sanierung des Domerslebener Sees geplant. Allerdings sind dafür noch die Naturschützer in den Behörden einzubeziehen. Eine Unterstützung des Vorhabens durch das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt in Halle wäre wohl – mit Blick auf das LSG „Fauler See“ – nicht ausgeschlossen.

Foto 3: Der von der Landwirtschaft verursachte schlechte Gewässerzustand – um mehrere Meter abgesenktes Grundwasser, einfältige „Natur“, umweltschädliche „Gewässerunterhaltung“

Nachtrag am 28.11.2013. Siehe hierzu:


3.2. Hochwasserrückhalt

3.2.1 Zitat aus dem Schriftsatz der *** [8]

Auszug:

„2.2 Der tatsächlich realisierbare Hochwasserrückhalt bzw. die Effektivität der prognostizierten Hochwasserschutzwirkung des geplanten Sees ist fachlich begründet darzulegen.

Kommentar: Für einen effektiven Hochwasserschutz muss über die längste Zeit des Jahres ein Retentionsraum freigehalten werden, der bei Hochwasserereignissen relativ schnell gefüllt und zeitverzögert wieder abgelassen wird. Bei der geplanten touristischen Nutzung stehen andere Prämissen in Vordergrund, wie z.B. ein relativ konstanter und hoher Wasserspiegel. Ein angedachter Hochwasserrückhalt ist bei genauerer Betrachtung fachlich nicht zu belegen.“

3.2.2 Stellungnahme

Wenn ein angedachter Hochwasserrückhalt bei genauerer Betrachtung fachlich nicht zu belegen ist, dann wäre ein Weg aufzuweisen, wie es trotzdem geht.

Die Talsperre Pöhl in Sachsen ist ein zugelassenes Badegewässer und weist trotzdem eine erhebliche Wasserspiegelschwankung bei Hochwasser auf.

Durch entsprechende Ufergestaltung, oder ggf. durch schwimmbare Stegpontons ist das Problem des Hochwassers wohl zu beseitigen.

Bekanntlich gehen Millionen von Menschen bei variablen Wasserständen baden.

Zudem ist bei Hochwasser auch nicht unbedingt in jedem Fall mit großem Badebetrieb zu rechnen.

Die Argumentation im Schriftsatz der *** [8] überzeugt mich nicht.

3.3 Nebenschluss

3.3.1 Zitat aus dem Schriftsatz der *** [8]

„2.3 Zwecks Gewährleistung der ökologischen Durchgängigkeit des Mittelgrabens/Sarre gemäß dem Verschlechterungsverbot der WRRL ist im Rahmen einer Variantenuntersuchung die technische Realisierbarkeit der Anordnung des Mittelgrabens und der Sarre im Nebenschluss zum Domersleber See zu prüfen.

Kommentar: Dieser Punkt zielt darauf ab, die Fließgewässer zu belassen (eventuell umzuverlegen) und einen See im Grundwasseranschnitt zu errichten. Es entsteht ein relativ flaches Stillgewässer, indem bereits nach einigen Jahren erste Sanierungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der Wasserqualität erfolgen müssen.“

3.3.2 Stellungnahme

Ein Gewässer im Nebenschluss wäre möglicherweise keine Sanierungsmaßnahme nach Artikel 4 WRRL [11].

Zudem hat sich wohl schon in der Vergangenheit gezeigt, dass die Umleitung der Sarre eine Verschlechterung darstellte, weil damit das Wasserökosystem beseitigt wurde.

3.4 Mindestwasserstand

3.4.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Für die geplante Nutzung als Naherholungsgewässer bedarf es der Gewährleistung eines Mindestwasserstandes. Dies widerspricht jedoch dem Erfordernis, ganzjährig ein Speichervolumen für die Belange des Hochwasserschutzes vorzuhalten.“

3.4.2 Stellungnahme

Siehe hierzu Gliederungspunkt 3.2.2 auf Seite 3.

3.5 Nutzung als Bade- und Fischereigewässer

3.5.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Ausgehend von den bestehenden Verhältnissen und der tatsächlichen intensiven Nutzung der die geplante Seefläche umgebenden Flächen muss davon ausgegangen werden, dass ein langfristig stark eutrophiertes Stillgewässer entsteht. Dieser Sachverhalt schließt eine Nutzung als Bade- und Fischereigewässer grundsätzlich aus.“

3.5.2 Stellungnahme

Es ist korrekt, dass eine intensive landwirtschaftliche Nutzung mit Abstand die größte Fracht an Phosphor und Stickstoff in die Gewässer ableitet.

So besteht das Einzugsgebiet der auch intensiv zum Baden genutzten Talsperre Pöhl überwiegend aus landwirtschaftlicher Nutzfläche (Abbildung 3) und trotzdem schließt dieser Sachverhalt nachweislich seit Inbetriebnahme der Talsperre eine Nutzung dieser als Badegewässer nicht aus.

Warum eine Nutzung als Fischereigewässer bei Eutrophierung grundsätzlich nicht vorstellbar wäre, ist mir unklar, weil doch gerade eutrophe Gewässer neben einem besonders großen Fischreichtum auch einen großen Reichtum an Fröschen (Abbildung 2) und Lurchen versprechen. In sauberen Gewässern verhungern bekanntlich die Fische.

Wie schon darauf hingewiesen – sollten, wenn Fische schon nicht vermieden werden können – Raubfische die Friedfische „kurz halten“.

Ebenso wäre es wohl vorteilhaft geeignete Teichmuscheln[4], die wegen übermäßiger Abwasserreinigung in ihrer Populationsdichte stark im Rückgang begriffen sind[5], zur Filtration des Wassers einzusetzen.

Keine Friedfische und viele Filtrierer sind ein Rezept für klares Wasser trotz einer mäßigen Eutrophierung.

Zusammenfassend:

  • Wenn man klares Wasser bei mäßiger Eutrophierung haben will, dann sind Friedfische kontraproduktiv.
  • Wenn man im grünen Wasser baden kann, dann stört das die Fische nicht.
  • Wenn man Blaualgen verhindern will, dann muss man für Grünalgen gute Bedingungen schaffen.
  • Die Formulierung „grundsätzlicher Ausschluss“ bedeutet nicht, dass es verboten ist, sondern nur, dass es zulässige Ausnahmen gib, die auszuloten wären.


Foto 4: Froschlaich in einem Nachklärteich der Abwasserteichkläranlage Hayn

Größere Kartenansicht
Abbildung 2: Das Einzugsgebiet der Talsperre Pöhl besteht überwiegend aus landwirtschaftlicher Nutzfläche.

3.6 Biozönose

3.6.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Um über die niederschlagsarmen Sommermonate einen für die Nutzung als Badesee und Fischereigewässer notwendigen Wasserstand zu halten und die Verdunstungsverluste zu kompensieren, wird es nahezu unmöglich sein, einen landschaftlich notwendigen Mindestabfluss in der Sarre unterhalb zu gewährleisten, um unterlaufseitig die Biozönose dieses Gewässers nicht zu beeinträchtigen.“

3.6.2 Stellungnahme

Zunächst wäre festzustellen, worin die Biozönose[6] dieses Gewässers konkret besteht.

Wenn beispielsweise der Gewässerunterhaltungsverband jährlich die Sarre mit dem „scharfen Löffel“ ausschabt, dann liegt die ganze Biozönose – abgesehen von dem, was wegschwimmen kann – auf dem Trockenen und wird abgefahren.

Sicher gibt es wertvolle Biozönosen, z. B. Forelle und Flussperlmuschel. Die wären aber ggf. festzustellen und gegen die neu entstehenden Biozönosen zu bewerten.

Zu beachten ist nicht nur die Biozönose, sondern auch die Populationsdichte. Paradox ist dabei, dass gerade der „praktizierende“ Naturschutz eine wesentliche Ursache für den Rückgang der Biodiversität ist:

Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt?“ REICHHOLF [6]

3.7 Naturraumtypische und standortgerechte Artengemeinschaften

3.7.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Die untere Wasserbehörde hatte in bisherigen Stellungnahmen gefordert, durch eine Variantenuntersuchung die technische Realisierbarkeit der Anordnung des Domersleber Sees im Nebenschluss zum Mittelgraben und der Sarre zu prüfen. Die vorgesehene Anordnung im Hauptschluss verstößt gegen das Verschlechterungsverbot in Bezug auf die ökologische Durchgängigkeit des Mittelgrabens/ Sarre gemäß den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (§ 67 WG LSA). Ein Standgewässer im Hauptschluss stellt auf Dauer ein ökologisch unüberwindliches Querbauwerk für naturraumtypische und standortgerechte Artengemeinschaften dar.“

3.7.2 Stellungnahme

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen nach der EU-WRRL sind ganzheitlich komplex und dynamisch zu verstehen.

Die Bezeichnung „guter Gewässerzustand“ nach der EU-WRRL erfordert die gleichzeitige Erfüllung folgender 5 Bedingungen (siehe auch RUMM [12]):

  • Gewässerstruktur, einschließlich Durchgängigkeit (Hydromorphologie)
  • Biologie
  • Nährstoffe
  • physikalisch/chemische Stoffe und spezifische Schadstoffe (Anhang VIII)
  • prioritäre Stoffe (Anhang IX und X)

Man erkennt auf den ersten Blick, dass die als Verschlechterung kritisierte „Durchgäng-igkeit“ zwar zutrifft, die Anforderungen zur Gewässerstruktur aber im Falle der Sarre kein Thema sind, obwohl nach Diagramm 1 auch die Gewässerstruktur mindestens einen guten Zustand aufweisen muss.

Um es zu veranschaulichen: Was nutzt die gute Durchgängigkeit für die Cyprinide, wenn sie ungehindert von der Mündung bis zur Quelle schwimmen kann, dabei aber kein Laichgewässer findet und auf dem Hin- und erfolglosen Rückweg an hungrigen Raubvögeln ohne Deckung vorbei schwimmen muss?

Ist es da für den „armen“ Fisch nicht besser, dass er wenigstens im neuen (alten) Domerslebener See laichen kann?

Womit bewiesen ist, dass eine pauschale Anwendung des Verschlechterungsgebotes hinsichtlich des Endes der Durchgängigkeit am eventuell künftigen Domerslebener See – ökologisch gesehen (aus Sicht der Cyprinide) – nicht plausibel ist.

Diagramm 1: In den Flussgebieten am häufigsten genannte Ursachen für die Zielverfehlung von Oberflächengewässern (Datengrundlage: zehn Flussgebietsberichte) RUMM [12], Seite 150

Auch bei allem guten Willen zur Gewährleistung eines „guten Gewässerzustandes“ sollte man der Tatsache ins Auge schauen, dass dieser Zustand eher in Ausnahmefällen zu erreichen ist, es sei denn die Landwirtschaft drosselt ihre Produktion um vielleicht 70 % und die nächsten 50 Jahre werden dazu genutzt, um fast alle Bäche und Flüsse in den Zustand zu versetzen, den sie vor 1.000 Jahren vielleicht mal hatten.

RUMM [12] weist auf folgende Fakten hin, die wohl auch für das Gebiet um Domersleben gelten dürften:

  • „In den meisten Bundesländern und somit in nahezu allen deutschen Flussgebietseinheiten ist die Gewässermorphologie durch den Menschen auf weiten Strecken verändert und beeinträchtigt.
  • Ein großer Teil der Flüsse und Bäche wird die Umweltziele der Wasserrahmenrichtlinie ohne konsequente Umsetzung entsprechender Maßnahmen zur Verbesserung des Gewässerzustands voraussichtlich verfehlen. In den Stadtstaaten zeichnet sich ab, dass ein guter ökologischer Zustand der Gewässer kaum erreicht werden kann, was insbesondere auf die intensive wirtschaftliche Nutzung und damit auf die dauerhaft veränderte Gewässermorphologie zurückzuführen ist.“

Also, wenn es verboten werden sollte, den Domerslebener Sees wegen Verschlechterung der Durchgängigkeit sanieren zu dürfen, dann wären aber auch gleichzeitig Fördermittel bereitzustellen, damit entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung des Gewässerzustands lt. EU-WRRL konsequent und planmäßig umgesetzt werden können, wie

  • Rückbau der Fließgewässer
  • Reduzierung der Landwirtschaft um schätzungsweise 70 % zur Erreichung des guten wasserchemischen Zustandes hinsichtlich Phosphor und Stickstoff
  • Verbot der Gewässerunterhaltung zum Schutz der Biozönose

Die gleichzeitige Erfüllung aller Anforderungen ist unbedingte Voraussetzung für die Gewährleistung des für alle Parteien verbindlichen und gesetzlichen Sparsamkeitsprinzips. Nur bei gleichzeitiger Erfüllung aller Anforderungen für den guten Gewässerzustand ist überhaupt ein Effekt im Gewässer gewährleistet (von Ausnahmen mal abgesehen.) Und den Effekt schuldet der Gewässerschutz, um die hohen Aufwendungen zu rechtfertigen. Aus diesem Grund sind Maßnahmen für die Gewährleistung des guten Gewässerzustandes komplex und ganzheitlich zu planen.

Mal ein „bisschen“ Durchgängigkeit durchzusetzen ist völlig effektlos, wenn nicht zugleich die Voraussetzungen für ein gewünschtes vielfältiges ständiges Leben im Gewässer geschaffen werden (z. B. Fischunterstände). Rechnet man alle Kosten für die Gewährleistung eines guten Gewässerzustandes zusammen, dann ist es leicht vorstellbar, dass ein einziger im Schlamm wühlender Fisch in der Sarre, schon mal einen Wert von vielleicht 5.000 € verkörpert. Also ein Grund mehr um Nägel mit Köpfen zu machen.

3.8 Stoffaustrag aus dem See

3.8.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Die geplanten Ausmaße des Sees sowie die vorgesehenen verschiedenartigen Nutzungen, z.B. als Bade- und Fischereigewässer, würden negative Auswirkungen auf die Wasserbilanz (hohe Verdunstungsrate ) sowie die gewässerökologische Beschaffenheit des Standgewässers und daraus resultierend auf die Sarre unterhalb zur Folge haben. Hierbei sind u.a. folgende Aspekte zu nennen:

– Stoffaustrag aus dem See über gelöste Nährstoffe und Algen,

– Erhöhung der Wassertemperatur sowie des pH-Wertes im Fließgewässer,

– Minderung des gelösten Sauerstoffgehaltes im unterhalb liegenden Gewässerabschnitt

Diese zu erwartenden negativen Folgen können von Seiten der unteren Wasserbehörde nicht akzeptiert bzw. zugelassen werden.“

3.8.2 Stellungnahme

Die Überlegungen sind z. T. unlogisch.

In dem betreffenden Einzugsgebiet fällt unabhängig davon, ob der See errichtet wird oder nicht, eine bestimmte jährliche Fracht an Phosphor und Stickstoff an. Emittenten sind hauptsächlich die Landwirtschaft und der Niederschlag.

Wird nun ein See errichtet, dann bewirken seine Stoffwechselprozesse eine Reduzierung dieser Fracht, weil ein Teil des Stickstoffes denitrifiziert wird und in die Atmosphäre ausgast, ein Teil des Phosphors fällt als Bodenschlamm und wird endgültig fixiert.

Ein Teil des Stickstoffes und des Phosphors wird von den Anglern aufgegessen, ein anderer Teil fliegt weg und wieder ein anderer Teil wird von Raubvögeln aufgefressen.

Sicher verlassen noch beachtliche Teile der Frachten den See. Es dürften aber bei Grünalgenüberschuss weniger sein, als in ihn hineinfließen.

Festzustellen ist also, es gibt durchaus einen Stoffaustrag aus dem See über gelöste Nährstoffe und Algen, dieser ist aber geringer als der Stoffeintrag.

Die Erhöhung der Wassertemperatur im See hat zur Folge, dass der Stoffumsatz des Sees beschleunigt wird. Ob nun unbedingt der pH-Wert im See steigen muss, ist unsicher, aber vergleichbare Seen gibt es massenhaft, in denen dies in der Regel kein Problem ist.

Zur Minimierung der Photosynthese (als Auslöser einer möglichen pH-Wertsteigerung) in Fließgewässern hat sich das Pflanzen von Schwarzerlen bewährt, die zudem auch einen ausgezeichneten Beitrag zur Renaturierung der Gewässer darstellen.

Und wenn die Minderung des gelösten Sauerstoffgehaltes im unterhalb liegenden Gewässerabschnitt relevant sein sollte, wieso ist sie bei vergleichbaren Seen kaum von Bedeutung?

Die Überlegungen des Umweltamtes sind sicher durch konkrete Berechnungen und Messungen zu untersetzen. Wenn die Bedenken zutreffend wären, dann dürfte es in der Kulturlandschaft keine kaum durchflossenen Seen geben. Sie wären alle wegen der „Verschlechterung“ trocken zulegen.

Kaum durchflossene Seen sind aber im Vogtland z. B. die Regel. Da gibt es aller paar Kilometer einen See, der mit nährstoffreichen Zuläufen gespeist wird. Oder wie verhält es sich mit den sehr gut gedüngten Fischteichen, deren Ablauffrachten jene des künftigen Domerslebener Sees weit in den Schatten stellen dürfte?

Im Übrigen kann die zu erwartende Eutrophierungsstufe kalkuliert werden.

4. Ergänzende Bemerkungen

4.1 Wasserwirtschaftliche Bedeutung der Wiedererschaffung ehemaliger Seen

Allgemein bekannt ist die Fruchtbarkeit der Magdeburger Börde:

Häufig sind in der Magdeburger Börde Senkenbildungen zu erkennen, die durch Auslaugungen von Salzen und Gipsen des Röts und des Mittleren Muschelkalks entstanden. Der Faule See im gleichnamigen LSG ist eine solche Auslaugungssenke, die heute waldbestanden ist. Die Geschiebemergelhochflächen sind von mächtigen Lößschichten überlagert. Die fruchtbaren Lößböden bedingen eine intensive ackerbauliche Nutzung der Landschaftseinheit. Bei Wanzleben werden Bodenwertzahlen bis 100 erreicht, die höchsten für Deutschland festgestellten Bonitäten überhaupt.“ [3]

Die Magdeburger Börde ist also eine landwirtschaftlich äußerst intensiv genutzte Gegend in Sachsen-Anhalt (siehe Abbildung 4).

4.2 Landwirtschaft und Naturschutz als Ursache der Artenarmut

REICHHOLF hat die Landwirtschaft und scheinbar paradox auch den Naturschutz selbst als eine der Hauptursachen für den Artenschwund ausgemacht:

„Der Artenschwund geht daher mit weitem Abstand vor allem an deren Wirkgrößen auf das Konto der modernen Landwirtschaft. Denn Überdüngung, Strukturverarmung und Vereinheitlichung der Lebensbedingungen (möglichst gleichartige Produktionsverhältnisse zu haben oder zu schaffen) sind ihre Auswirkungen. Der Stickstoff wurde zum «Erstick-Stoff» für die Artenvielfalt.

Überdüngung, speziell auch mit Gülle, belastete Böden, Grundwasser, Oberflächengewässer und die Luft.

Doch an zweiter Stelle nach der Landwirtschaft folgt bereits der Naturschutz selbst. Die Unterbindung der vielen kleinen Eingriffe, der «Störungen», brachte genau das Gegenteil von Förderung der Artenvielfalt und Schutz der seltenen Arten.

Seit keine kleinen Abgrabungen und solche mittlerer Größe mehr gemacht werden können, keine Kleingewässer in der Landschaft entstehen, kein Abflämmen von Böschungen und Triften mehr erlaubt und Kahlschläge verdammt sind, fehlt es an den jungen Stadien von Entwicklungen, mangelt es an Stellen ohne intensive landwirtschaftliche Nutzung und wächst alles zu, was nicht direkt in die Nutzungen einbezogen ist.

So entfällt der zweitgrößte Teil der Artenrückgänge auf die Umsetzung von Naturschutzzielen.“ REICHHOLF [6]

Größere Kartenansicht

Abbildung 2: Domersleben – Landwirtschaft – soweit das Auge reicht

4.3 Der Faule See – Landschaftsschutzgebiet 4 km südlich von Domersleben

In Bezug auf die Biodiversität der Magdeburger Börde stellt das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt mit Blick auf das in der Nähe von Domersleben liegende Landschaftsschutzgebiet hinsichtlich der Tier- und Pflanzenwelt nachvollziehbar fest:

„Die potentiell natürliche Vegetation stellt auf den nicht dauerhaft vernäßten Standorten der Waldziest-Stieleichen-Hainbuchenwald und bei hoch anstehendem Grundwasser der Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald und kleinflächig auch der Erlenbruchwald dar. In dem Bereich der Salzquellen hat sich bereits kleinflächig die entsprechende Salzvegetation in Form von Quellerfluren gut entwickeln können.

In der aktuellen Vegetation sind die natürlichen Waldtypen überwiegend durch Pappelgehölze, teilweise aber auch durch naturnähere Feuchtwälder, ersetzt worden.

Teile der Niederung werden von Grünlandgesellschaften mit einem hohen Anteil salzliebender Arten bedeckt, wobei der Anteil strenger Halophyten gering ist. Allerdings sind Queller und Strand-Aster im Gebiet zu finden.

Die Vielfalt des Gebietes kommt auch darin zum Ausdruck, daß im Landschaftsschutzgebiet Halbtrockenrasengesellschaften mit einem Vorkommen des Deutschen Enzians zu verzeichnen sind, wohl der einzige Standort der Art in der Magdeburger Börde. Eine weitere Besonderheit ist das Vorkommen des Bleichen Waldvögleins in einem lichten Pappelforst.

Neben einer artenreichen Kleinvogelwelt kommen im LSG Rot- und Schwarzmilan Rohrweihe und Kolkrabe vor.

Aus dem Bereich der Salzstelle sind die seltenen Nachweise von Südlicher Binsenjungfer, Helm-Azurjungfer und Südlichem Blaupfeil als vom Aussterben bedrohte beziehungsweise gefährdete Libellen-Arten hervorzuheben.

Insgesamt gesehen stellt das LSG eine wertvolle, strukturreiche Oase innerhalb der artenarmen Bördelandschaft dar.“ [3]

Von Bedeutung ist die Feststellung insoweit, dass das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt die Artenarmut der Bördelandschaft herausstellt.

Durch die Sanierung des Sees in Domersleben – sofern er ein gewisses Maß an Nährstoffen enthält – dürfte sich nicht nur die Artenvielfalt erhöhen, sondern auch deren Tieranzahl.

Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass sauberes Wasser die Artenvielfalt und die Popula-tionsdichte erhöht. Das Gegenteil ist der Fall. Insofern dient eine maßvolle Eutrophierung der Biodiversität, der Produktivität und damit der Populationsdichte. Schließlich soll mit dem Domerslebener See kein alpiner Hochgebirgssee oder eine Trinkwassertalsperre errichtet werden.

4.4 Gewässergüte und Artendiversität [7]

Zwischen der Nährstoffbelastung eines Gewässers, der Artenvielfalt sowie Populationsdichte gibt es einen interessanten, aber kaum beachteten Zusammenhang.

Nach einer persönlichen Information des Ökologen Herrn Prof. Reichholf [8] steigt mit zunehmender Gewässergüte zunächst die Artendiversität an, erreicht bei III-II ein Maximum und nimmt dann wieder (stark) ab, falls GKL I erreicht werden sollte.

Der Rückgang in die andere Richtung zu GKL IV ist weniger stark ausgeprägt, aber begleitet von einer massiven Zunahme der Individuenmenge bzw. dem Lebendgewicht der Organismen pro Flächeneinheit (als Maß für die Produktivität). Nur bei starkem Sauerstoffschwund oder im Zusammenhang mit Vergiftungsvorgängen sinkt die Produktivität der eutrophen Gewässer. Sonst ist sie maximal. In früheren Zeiten war dieser Zusammenhang unter den sogenannten „Thienemann’schen Gesetzen“ in der Limnologie bekannt, aber von den zugrunde liegenden Ursachen nicht verstanden worden. Allgemeine Angaben hierzu sind zum Beispiel in ODUM, E. P. & J. H. REICHHOLF (1980): Ökologie. BLV München, enthalten. Es gibt eine Menge Detailanalysen hierzu in der limnologischen Literatur. Der Schüler Hans UTSCHICK des Herrn Prof. Reichholf hat das u. a. auch in seiner Diplomarbeit und Dissertation für die Wasservögel ausgearbeitet und publiziert in den Ornithol. Verhandlungen 22 (1976): 395 – 438 & Bd. 23 (1980): 273-345.

Insofern ist die pauschale Bewertung des Phosphors und Stickstoffs als Schadstoff allein nach seiner Konzentration fragwürdig. Erstens, weil nicht die Konzentration, sondern die Dosis das Kriterium für eine Schädlichkeit ist und zweitens, weil es keinen Ökosystemschaden durch diese Nährstoffe geben kann.

Kleine Gewässer – wie z. B. die Abwasserteiche – zeichnen sich durch eine relativ geringe Tiefe aus. Da viele Wasservögel ihre Nahrung vornehmlich im Litoral [9] durch Gründeln aufnehmen, steht die gesamte Fläche für die Nahrungsaufnahme zur Verfügung und stellt somit einen guten Lebensraum für viele Wasservögel dar (siehe Abbildung 5).

Foto 5: Seltene Weißflügelseeschwalben auf der Futtersuche über einem stark eutrophen Biotop (Abwasserteich von Nordgermersleben)

Daneben trägt die gute Durchmischung zu einer hohen Produktivität und damit zu einem reichhaltigen Nahrungsangebot bei.

Utschick [4] beobachtete an bayrischen Seen, dass je stärker eutrophiert ein Stillgewässer ist, desto größer ist die Dichte der Wasservögel. Dies gilt allerdings nur solange, wie die Produktivität des Gewässers steigt. Bei Hypertrophierung [10] lässt die Produktivität nach und auch die Anzahl der Wasservögel verringert sich.

Im Falle der Untersuchungen von Utschick [4] wurde das Optimum an Artendiversität bei einem mesotrophen [11] Gewässer festgestellt.

Nach verschiedenen Maßnahmen zur Gewässerreinhaltung ist nach Utschick [4] und dem Wasserwirtschaftsamt München [5] die Population ohne Verzögerung sofort zurückgegangen. Von dem Rückgang waren vor allem die Wasservögel betroffen, die sich von Organismen im Schlamm ernähren.

Selbst bei den Tauchern, wie dem Haubentaucher, war in stärker eutrophierten Seen eine höhere Dichte an Tieren beobachtet worden, als bei weniger eutrophen Gewässern. Dies liegt vor allem daran, dass sich mit steigender Trophiestufe [12] die Fischzusammensetzung zu Ungunsten der Edelfische ändert und mehr Weißfische auftreten, welche die Hauptnahrungsquelle für die Taucher darstellen.

Die rein herbivoren [13] Arten gingen allerdings mit steigender Trophiestufe in ihrem Anteil an der Gesamtwasservogelzahl zurück.

Es bleibt also festzuhalten, dass je eutrophierter ein Gewässer ist, desto mehr (bezogen auf die Dichte) Wasservögel kann dieses Gewässer ernähren. Dies gilt allerdings nur solange, wie auch die Produktivität des Gewässers steigt. Bei sinkender Produktivität sinkt dann auch die Dichte der Wasservögel wieder.

Bezogen auf die Artendiversität – also die Vielfalt – ist mit steigender Trophierung eine sinkende Diversität zu verzeichnen.

Insgesamt wurde das Optimum beim mesotrophen Stillgewässer festgestellt.

Ein übermäßiger Gewässerschutz ist deshalb nachteilig für die Artenvielfalt und die Anzahl der Tiere einer Art.

Es ist eine Tatsache, dass eine gewisse „Verunreinigung“ der Gewässer mit Nährstoffen für die Artenvielfalt und für viele Tiere durchaus auch ein guter Gewässerzustand sein kann, den sie mit häufigen Besuchen, Bruterfolgen oder als Gäste honorieren.

Die Anlage von Seen zählt in den Gegenden von Sachsen-Anhalt mit ausgeprägter Nutzung durch die Landwirtschaft zu den wasserwirtschaftlichen Maßnahmen mit sehr hoher Bedeutung.

Diese Auffassung teilt offensichtlich auch das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt.

Große Anstrengungen unternahm das Land Sachsen-Anhhalt beispielsweise auch zur Wiederentstehung des Salzigen Sees bei Querfurt. Diese Maßnahme scheiterte aber nur an den zu erwartenden Schäden in Folge des mit der Maßnahme verbundenen Grundwasseranstieges. Aus diesem Blickwinkel ist es nicht nachvollziehbar, warum der Sanierung des Domerslebener Sees derartige Widerstände entgegengesetzt werden. Ein neues Gewässer in einer „Kultur“-Landschaft ist immer eine ungemeine Bereicherung, eine Herausforderung und eine seltene Gestaltungschance für erfahrene Ökologen.

4.5 Bewertung des Verschlechterungsverbotes – Wasserrecht LSA

Im § 2 des Wasserrechtes des Landes Sachsen-Anhalt sind folgende ausgewählte Grundsätze enthalten:

„(1) Die Gewässer sind als Bestandteil des Naturhaushaltes und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu sichern.

Sie sind so zu bewirtschaften, dass sie dem Wohl der Allgemeinheit und im Einklang mit ihm auch dem Nutzen Einzelner dienen, vermeidbare Beeinträchtigungen ihrer ökologischen Funktionen und der direkt von ihnen abhängenden Landökosysteme und Feuchtgebiete im Hinblick auf deren Wasserhaushalt unterbleiben und damit insgesamt eine nachhaltige Entwicklung gewährleistet wird.

Dabei sind insbesondere mögliche Verlagerungen von nachteiligen Auswirkungen von einem Schutzgut auf ein anderes zu berücksichtigen; ein hohes Schutzniveau für die Umwelt insgesamt, unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Klimaschutzes, ist zu gewährleisten.

(2) Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Verschlechterung des Gewässerzustandes führen, sind unzulässig.

(3) Das Wohl der Allgemeinheit erfordert insbesondere, dass

1. nutzbares Wasser in ausreichender Menge und Güte zur Verfügung steht und die öffentliche Wasserversorgung nicht gefährdet wird,

2. Hochwasserschäden, schädliches Abschwemmen von Boden und eine schädliche Auswaschung von Nährstoffen verhindert werden,

3. landwirtschaftlich und anders genutzte Flächen unter Vermeidung dauerhaft nachteiliger Wirkungen auf den Naturhaushalt entwässert werden können,

4. die Gewässer einschließlich des Meeres vor Verunreinigung geschützt werden,

5. die Bedeutung der Gewässer und ihrer Uferbereiche als Lebensstätte für Pflanzen und Tiere und ihre Bedeutung für das Bild der Landschaft berücksichtigt werden,

6. das Wasserrückhaltevermögen und die Selbstreinigungskraft der Gewässer gesichert und, soweit erforderlich, wiederhergestellt und verbessert werden.“

Kommentar:

Nun, in der Natur gibt es keine Verschlechterung einer Sache, die nicht zugleich eine Verbesserung für ein anderes Wesen darstellt. Insofern kommt es auf den Standpunkt bei der Bewertung an und ob komplexe Zusammenhänge erfasst werden sollen.

Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Verschlechterung des Gewässerzustandes führen, sind also unzulässig. Wie aber in vorherigen Abschnitten bewiesen wurde, führt eine Nährstoffminimierung am Ende zu einem sehr schlechten Gewässerzustand für manches Wassergeflügel wegen Verhungerns. Die Regelung „Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Verschlechterung des Gewässerzustandes führen, sind unzulässig.“ bedarf also einer Interpretation der konkreten und komplexen Sachlage, sicher auch unter Berücksichtigung aller Vor- und Nachteile. Ließe man die Regelung dogmatisch gelten, dann wäre z. B. die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt zu verbieten, weil sie eindeutig eine Maßnahme ist, die zu einer nachhaltigen Verschlechterung des Gewässerzustandes führt und damit unzulässig wäre. Mit ökologischen Methoden sind jedoch Vorteile für Artenvielfalt und Populationsdichte in eutrophen Seen beweisbar.

Wenn die Sanierung des Domerslebener Sees gewünscht wird, dann sollte es leicht möglich sein, Wege und Lösungen zu finden, wie Vorteile dieses Vorhabens für die Menschen und für Tiere – die auf Seen angewiesen sind – erschlossen werden können. Gründe, warum es nicht gehen soll oder darf, sind auf konstruktivem Wege durch Lösungen zu neutralisieren.

Dazu sind auch vorhandene Passagen von Vorschriften zu werten, die eine Sanierung des Domerslebener Sees stützen und fördern.

(Es soll davon abgesehen werden, dass der o. g. Gesetzestext in Teilen auf keinem wissenschaftlichen Fundament beruht. Er ist „ökounlogisch“ [14]. Letztlich kommt es darauf an, was man will und wie es gelingt alle Beteiligten für diese Maßnahem zu begeistern.)

Das Wasserrecht von Sachsen-Anhalt und auch die EU-WRRL lassen sich – ohne verbogen zu werden – durchaus auch so verstehen, dass die Sanierung von Seen ein förderungswürdiges Vorhaben ist, das die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere und deren Anzahl je Fläche erheblich verbessert.

Was also soll daran insgesamt gewertet nachteilig sein?

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

[1] Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis – EU-Recht
WEKA Fachverlag

[2] Wassergesetz für das Land Sachsen-Anhalt (WG-LSA) in der Fassung der Bekanntmachung vom 12. April 2006 (GVBl. LSA Nr. 15 vom 20.04.2006, S. 248) in Verbindung mit § 3 Abs. 2 des Gesetzes vom 15. April 2005 (GVBl. LSA S. 208), geändert durch Gesetz vom 7. November 2007 (GVBl. LSA S. 353)

[3] Die Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts
Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Magdeburg 2000

[4] Utschick, H.
Wasservögel als Indikatoren für den ökologischen Zustand von Seen
Verhandlungen der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern
Band 22, Heft 3 / 4, 1976, Seiten 395/438

[5] Wasserwirtschaftsamt München
Der Speichersee und die Abwasserfischteiche – technische Großanlage und „Europareservat“ für Wasservögel
Infoblatt 2/99

[6] Reichholf, J.H.
Die Zukunft der Arten. Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch
erschienen März 2005 München
C.H. Beck Verlag

[7] Handlungskonzept zur Wiederherstellung des Domerslebener Sees und zum Hochwasserschutz der Stadt Wanzleben
Tischvorlage vom 30.10.2007
Verfasser: Muting GmbH (Magdeburg) und PGI GmbH (Magdeburg)

[8] ***
vom 13.10.2009

[9] ***
vom 10.03.2010

[10] Halbach, U. , Benndorf, J.
Hydrobiologische Plausibilitätsprüfung
Geplante Verschärfung der Überwachungswerte der zentralen Kläranlage Hayn
Kurzbericht vom 03.07.2008

[11] Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik

[12] Rumm, u. a.
Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie
2. Auflage
Erich Schmidt Verlag
Berlin 2006

[13] Lampert, W., u.a.
Limnoökologie
Georg Thieme Verlag Stuttgart
1999


[1] Gewässergestalt

[2] karpfenartige Süßwasserfische

[3] Fotos: U. Halbach am 23. September 2010

[4] Wenn das Wasser „schön eutroph“ ist, dann kann man nach Besatz und einigen Jahren einige Tausend Großmuscheln je 100 m² Teichbodenfläche finden. Reichholf [6]

[5] siehe Reichholf [6]

[6] Lebensgemeinschaft

[7] Vielfalt

[8] Der Zoologe, Evolutionsbiologe und Ökologe Professor Reichholf lehrt Naturschutz an der TU und leitet die Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung in München.

[9] Ufer, Küstenzone

[10] Das gilt nur in Bezug auf organische Stoffe. Bei toxischen Stoffen reicht eine geringere Dosis, um die Anzahl der Wasservögel an einem Gewässer zu verringern. (Trophie = Zufuhr von Nährstoffen)

[11] stehende Gewässer mit mittlerer Nährstoffbelastung und Produktivität

[12] In der Limnologie bezeichnet Trophierung die Zufuhr von Nährstoffen im Gewässer. Nach dem Gehalt an organischen und anorganischen Nährstoffen teilt man im Trophiensystem Gewässer in verschiedene Trophiestufen ein. Das Trophiensystem wird üblicherweise zur Klassifizierung von stehenden Gewässern angewandt. (Wikipedia)

[13] Pflanzenfresser

[14] Die Ökologie als Wissenschaft kennt keine „vermeidbare Beeinträchtigungen ihrer ökologischen Funktionen“. Die Ökologie ist eine wertfreie Wissenschaft, die sich mit den Wechselwirkungen befasst, die die Verbreitung und Häufigkeit der Organismen bestimmen. Siehe hierzu LAMPERT [13]. Beispiel: Eine ökologische Funktion eines zumeist weniger geliebten, aber ökologisch hoch interessanten Gülleteiches als Biotop besteht darin, ein seltenes Habitat für das schöne Insekt Eristalis tenax zu sein. Mit der Reinigung des Gülleteiches würde man diese Tierart im Extremfall ausrotten, was nicht nur nach § 2 (1), sondern auch nach § 2 (2) des Wasserrechtes des Landes Sachsen-Anhalt verboten wäre. Wie man sieht, kann man mit dem Verschlechterungsgebot recht willkürlich oder beliebig umgehen. Es ist letztlich nur eine Frage der Interpretationsbefugnis und was man konkret will.

____________________

Siehe auch: Reaktion auf dieses Gutachten

Bislang nicht veröffentlichtes Foto vom Faulen See:




Kleinkläranlagen und Wassersparen

Wassersparen kann zu einer Überschreitung des CSB führen, weil die Konzentration der schwer- oder nicht abbaubaren Stoffe im Ablauf teilweise nur durch die Verdünnung reduziert wird.

Spart der Hauseigentümer Trinkwasser, dann konzentriert sich der CSB logischerweise auf. Diese Überlegungen treffen auch für kleine Siedlungskläranlagen zu.

Siehe hierzu die Abbildung. Man erkennt, dass Ablaufkonzentrationen von 250 mg CSB/l bei einem Trinkwasserverbrauch von 100 l/Ed normal sein können.

Die Überschreitung des CSB-Überwachunsgwertes ist aber kein Beweis für einen Straftatbestand der Gewässerverschmutzung, weil das CSB-Laborergebnis nicht auf die Natur übertragbar ist. Es gibt in der Natur keinen CSB.

Im Übrigen ist der Chemische Sauerstoffbedarf ein falscher Begriff. Tatsächlich handelt es sich um den Verbrauch von Sauerstoff, der an ein Oxidationsmittel chemisch gebunden ist.

Da im Gewässer dieses Oxidationsmittel nicht vorhanden ist, kann es dort auch keinen Bedarf für die Reduktion dieses Oxidationsmittels (Kaliumdichromat) geben.

 

(Siehe auch den Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)




Das Dilemma der Überwachung

Wer „a“ sagt, sollte auch „b“ sagen.

Nur mal fälschlich angenommen: Der „CSB“ ist ein Schadstoff!

Dann aber darf die Gewässerüberwachung sich nicht darauf beschränken, eine höhere Abwasserabgabe zu berechnen, sondern es ist sofort der Beweis zu führen, was denn die Ursache für den höheren „CSB“ ist.

Möglicherweise leitet jemand Desinfektionsmittel ab, die den BSB5 hemmen und zu einem hohen „CSB“ führen?

Wenn also fest an den „CSB“ als Schadstoff geglaubt wird oder geglaubt werden muss, dann ist auf jeden Fall auch festzustellen, welcher Schadstoff sich ganz konkret hinter dem „CSB“ verbirgt.

Siehe auch:

Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Der CSB-Dosisfehler

Schwer abbaubar – auch ein Glück für die Umwelt!

Kein CSB in der Natur!




Reaktion auf ein Gutachten

Zur Renaturierung eines Sees in Domersleben wurde von mir eine Stellungnahme angefertigt.

Eine Reaktion darauf ist der Volksstimme zu entnehmen.

Im Februar 2011 fand ich noch folgenden Beitrag des Institutes für Biowissenschaften der Universität Rostock:

Alexandra HOESCH
Renaturierung von Flachseen durch gezielte Makrophytenbesiedlung
(Hoesch-Makrophytenbesiedlung)

U. a. wird ausgeführt:

„Die Eutrophierung ist einer der Hauptgründe für hohe organischen Sedimentationen, geringe Sichttiefen, Blau- und Grünalgenblüten und Gewässer-verödungen. Eutrophierungen sind bei vielen Gewässern anthropogen bedingt. Einleitungen von häuslichen Abwassern sind in Deutschland nicht mehr das Hauptproblem, sondern die diffusen Einleitungen aus der Landwirtschaft. Leider ist bei den Landwirten bzgl. ihrer Düngepraxis, außer durch direkte Ent-schädigungszahlungen, wenig zu machen. Deswegen ist es erfahrungsgemäß selten, dass bei einer Flachseenrenaturierung damit zu rechnen ist, die anfallenden diffusen landwirtschaftlichen Einträge im Einzugsgebiet langfristig reduzieren zu können. Sinnvoll ist es dem Beispiel der Münchner Wasserwerke zu folgen und die Biobauern im Einzugsgebiet zu subventionieren.

Wenn Zahlungen nicht möglich sind, bieten Röhrichtbeckenanlagen – auch Schilfpolder genannt – kostengünstige lokale Lösungen (Feibicke 2006). Das sind eingewallte Röhrichtgebiete, die landwirtschaftliche Ausschwemmungen auffangen und – ähnlich Retentionsbecken für Hochwasser – belastetes Wasser aufnehmen und speichern. Hier können sich Schwebstoffe absetzen und gelöste Nährstoffe werden von den Pflanzen aufgenommen.

Das vorgeklärte Wasser kann durch einen Überlauf in den See abfließen. Natürlich muss eine solche Anlage durch Mähen und Abtragen der abgelagerten Frachten unterhalten werden.“

Es gibt also wenigstens eine Lösung, trotz Eutrophierung.

Siehe auch: Diskussion schlägt im Bauausschuss Wellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Domersleben



Dioxin – Horror oder Witz?

„Ein solcher Grenzwert sagt nichts über die Giftigkeit aus.“

„Bei der Erstellung dieser Lebensmittel-Grenzwerte wurde berücksichtigt, welche Konzentrationen an Dioxinen und PCB normalerweise in den jeweiligen Lebensmitteln vorkommen. (Hintergrundkontamination).

Höchstgehalte für Dioxine und dioxinähnliche PCB in Lebensmitteln sind geeignet, eine unannehmbar hohe Exposition der Bevölkerung und den Vertrieb unannehmbar stark kontaminierter Lebensmittel – beispielsweise durch versehentliche Verunreinigung oder Exposition – zu vermeiden (Erwägungsgrund 10 der Verordnung (EG) Nr. 2375/2001.

Ein solcher Grenzwert sagt nichts über die Giftigkeit aus.“

Quelle – Umweltbundesamt: Chemikalienpolitik und Schadstoffe, REACH, Dioxine

***

Kommentar:

Ein Pikogramm Dioxin im Liter Trinkwasser

Bei der Wertung ist sicher auch die Größenordnung zu berücksichtigen:

Der Mensch nimmt täglich 2 pg Dioxin und dioxinähnlicher Verbindungen auf (Hintergrundartikel). Ein pg ist ein Pikogramm, also ein Billionstel Gramm.

Stellen wir uns mal ein Pikogramm vor und lassen einen fetten Tropfen bestes Dioxin mit einem Kugeldurchmesser von 3 mm in bestes Trinkwasser fallen.

Wie groß wäre wohl das nötige Wasservolumen um eine Konzentration von  einem Pikogramm je Liter Wasser zu gewährleisten?

Dazu nehmen wir weiter an, die Dichte wäre 1.

Eine Kugel mit einem  Durchmesser von 3 mm hat ein Volumen von ca. 14 Kubikmillimeter Dioxin.

14 Kubikmillimeter sind 1,4 * 10^(-8) m³.

Das Billionenfache sind dann 14.137 m³.

Schwer vorzustellen!

Also nehmen wir nun an, es handelt sich um einen Teich mit 5 m Wassertiefe.

Dann hätte dieser eine Kantenlänge von 53 m.

Wenn nun in diesen Teich mit 14.137 m³ Wasser ein Tropfen 100 %-iges Dioxin fiele, dann würden die Chemiker im Liter Wasser 1 Pikogramm Dioxin finden.

Vorausgesetzt sie würden vorher schön umrühren. Das kann vermutlich  – je nach dem – Jahre dauern.

Und mal ehrlich, ob es etwas ausmachen würde, wenn die Konzentration z. B. um das Zehnfache steigen würde?

Nun ist es vielleicht gelungen, eine Vorstellung zu erarbeiten, über welche Konzentrationen und Dosen man eigentlich redet.

Es ist auch korrekt, wenn das Umweltbundesamt schreibt:  Ein solcher Grenzwert sagt nichts über die Giftigkeit aus.“

Einfach deshalb, weil Grenzwerte seit einigen Jahren nach dem Vorsorgeprinzip und den technischen Möglichkeiten zur Entfernung und Überwachung festgelegt werden.

Und diese Parameter  haben sich – auch aus marktwirtschaftlichen und ideologischen Gründen – meilenweit von tatsächlichen Gefährdungen oder wirtschaftlichen Prämissen (Effektivität) entfernt.

Vergleiche auch: Wassergütewirtschaft – gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft

Ein Redakteur also – der gerne Dioxinängste verbreiten möchte  oder muss (weil es der Leser und Fernsehzuschauer gern ein wenig gruselig hätte)  –  kennt normalerweise weder das Dioxin noch ein Piko und so ist die Grundlage für die Dioxinhysterie mit allen Schäden für die Lebensmittelindustrie, den Verbraucher und den Staat bereitet.

Insofern ist auch nichts moralisch Verwerfliches zu finden, wo doch die Angsthasen Millionen ausgeben, um sich für viel Geld Angst machen zu lassen. Man denke nur an die „konsumierten“ ungezählten Leichen in den Krimis, an die vielen Horrorfilme mit und ohne Untote und an die Geisterbahnen.

Überall zahlt der Kunde für die Befriedigung seiner Ängste. So brachte z. B. nur ein Film einen Umsatz von 102 Millionen Dollar.

So gesehen kann er doch den Medien dankbar sein, wenn sie ihm nachschüssig zu zahlende Dioxin- Ängste einjagen.

Für den mit etwas chemischen Grundlagenwissen ausgerüsteten Leser sind die aktuellen Dioxin- Ängste kein Stoff für Horrornachrichten, sondern eher für einen schönen Witzfilm.

Zum Schreiben, Recherchieren  und Rechnen dieses Artikels habe ich weniger als ein Stunde gebraucht. Mit so wenig Aufwand wäre es möglich gewesen, den Millionenschaden von der Lebensmittelindustrie abzuwenden und den Ball flach zuhalten.

Siehe auch ausgewählte Zitate von Boris Kotchoubey:

aus seinem sehr interessanten Fachartikel

Écrasez l’infâme!
Die „vierte Gewalt” im Staate gehört in gesetzliche Schranken verwiesen.
Die Medienapparate dienen nur noch sich selbst und manipulieren das Gemeinwohl.
Eine Entrüstung von Boris Kotchoubey.

NovoArgumente 110,111 01 – 4 2011
S. 102-107

(Boris Kotchoubey ist Professor am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie an der Universität Tübingen.)

U. Halbach




Dichtheitsprüfung für Grundstückskanäle?

„Sollten“ bedeutet nicht „müssen“!

…solange nicht Abwasserbeseitigungsflichtige (Kommunen, Abwasserzweckverbände)  es für ihre Bürger strenger bestimmen:

„Achim – ACHIM (mb) · Flächendeckend sollten in der Bundesrepublik die privaten Abwasser-Hausanschlüsse auf ihre Dichtheit überprüft werden, um maroden Leitungen auf die Spur zu kommen und Umweltschäden auch fürs Grundwasser zu vermeiden. Von diesen zusätzlichen Kosten von rund 400 Euro pro Untersuchung plus Reparaturkosten bleiben die Achimer erst einmal verschont.“

„Die Stadt nimmt von einer solchen Ortssatzung allerdings Abstand, da sie mit einem erheblichen Arbeits- und Kostenaufwand verbunden wäre und eine solche Verpflichtung auch nicht unbedingt rechtssicher wäre.“

„Der Hauseigentümer ist damit, so der Achimer Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung, keineswegs aus seiner Verantwortung entbunden.  Sollte sich durch ein Kanalleck ein Umweltschaden ergeben, hat der Hauseigentümer für diesen Schaden die Konsequenzen zu tragen.“

Quelle: Kreiszeitung.de 23.06.2010

Siehe auch:




Logisches vom Klimaleugner

Grün-blaues Gefecht: „Klimaleugner“ und „Klimahysterie“

„Er halte es für verantwortungslos, „die gesamte Politik einem einzigen Ziel unterzuordnen, dessen Sinnhaftigkeit nicht eindeutig belegt ist: nämlich der Reduktion von CO2“, reagierte Haimbuchner auf die Aussagen Anschobers.

Die Frage des Klimaschutzes entwickle sich immer mehr zu einer „Klimahysterie“. Auch wenn er sich zu Klimaschutz und einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen bekenne, werde er sich auch in Zukunft nicht an „Ideologien von Weltverbesserern und Utopisten orientieren“, sagt Haimbuchner. Energiesparende Maßnahmen werde er weiterhin fördern, „aber nicht zum Selbstzweck, sondern um leistbares Wohnen zu ermöglichen.“

Quelle: Grün-blaues Gefecht: „Klimaleugner“ und „Klimahysterie“

OÖ. Online GmbH & Co.KG.
4010 Linz, Promenade 2323.
Juni 2010

Ist es verantwortungslos, die gesamte Politik einem einzigen Ziel unterzuordnen, dessen Sinnhaftigkeit nicht eindeutig belegt ist: nämlich der Reduktion von CO2?




Glauben wiegt schwerer als Wissen

Uwe Halbach über unsinnige und teure Missstände bei der Gewährleistung eines guten Gewässerzustandes

Veröffentlicht 2008 in
novo-argumente
Heft Nr. 96, 9-10 (2008)
S. 35-37

Eines der Grundprinzipien des demokratischen Rechtsstaates lautet: Im Zweifel für den Angeklagten.Das Vorsorgeprinzip in seiner heutigen Auslegung kehrt diesen Grundsatz um. Der gut gemeinte und vernünftige Gedanke der Vorsorge ist in ein freiheitsfeindliches Konzept verwandelt worden.“ Maxeiner[1]

Im Falle einer Einleitung von gereinigtem Abwasser in Gewässer muss der Abwasserbeseitigungspflichtige in der Regel Mindestanforderungen einhalten. In Ausnahmefällen werden diese Mindestanforderungen oft aus Besorgnisgründen verschärft, womit die Abwasserbeseitigungskosten überdurchschnittlich steigen.

In zahlreichen Gutachten meines Institutes für Wasserwirtschaft in Werdau (Sachsen), z. T. auch gemeinsam mit dem Institut für Hydrobiologie der TU Dresden durchgeführt, haben wir zeigen können, dass „behördliche Besorgnisse“, die zur Verschärfung der Überwachungswerte führten, nicht plausibel waren.

Es gelang nicht, sie mit den wasserrechtlichen Regulativen, z. B. in Anwendung der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu begründen.

Und dies, obwohl vor einer Verschärfung der Überwachungswerte die Verhältnismäßigkeit der Konsequenzen einer „Besorgnis“ sorgfältig und prüffähig mit wissenschaftlich anerkannten Methoden hergeleitet werden sollte. Anderenfalls wird gegen das gesetzlich vorgeschriebene Sparsamkeitsprinzip verstoßen und das Risiko, dass die betreffende wasserwirtschaftliche Investition den Nutzen nicht erreicht, wird nicht selten in grob fahrlässiger Weise erhöht.

Eine prüffähige Begründung bzw. „Entsorgung“ (Entschärfung) einer Besorgnis ist in vielen Fällen möglich, unterbleibt heute jedoch in aller Regel.

Der Stand der Wissenschaft wird – im Gegensatz zum Stand der Technik – eher kümmerlich erschlossen. Die Verschärfungen der Überwachungswerte beruhen deshalb häufig auf Ansichten, Meinungen und Glauben, anstelle auf der Anwendung und Nutzung fundamentaler ökologischer Zusammenhänge. Und genau dies führt zur Vernichtung volkswirtschaftlicher Ressourcen und darüber hinaus zur Entwertung des Aufwandes für Bildung sowie Lehre.

Vorsorgeprinzip im Wasserrecht

Bei dem Schutz der Gewässer spielt das im Wasserrecht verankerte Vorsorgeprinzip eine herausragende Rolle. Es hat jedoch in seiner ungeprüften, man könnte auch sagen willkürlichen Anwendung schon zu immensen Schaden oder Effektivitätsverlusten geführt. Die Wasserwirtschaft verliert damit wohl täglich an Effektivität.

Das Vorsorgeprinzip greift zumeist vom Bürger völlig unbemerkt, bei zusätzlichen Auflagen für die Reinigung der Abwässer, die mitunter recht fragwürdig sind. Nicht ganz abwegig erscheint die Vermutung, dass es hier Zusammenhänge mit den Interessen und Wünschen der boomenden „Umweltindustrie“ gibt. Die behördliche Vorsorge – bzw. ihr „Grund zur Besorgnis“ findet ihren wesentlichen Ausdruck in der Verschärfung von Überwachungswerten[2].

Die Höhe der Überwachungswerte bestimmt dabei unmittelbar den Aufwand der Abwasserreinigung und damit auch die Höhe der Abwassergebühren und -beiträge.

Verschärfte Überwachungswerte haben deshalb zumeist einen drastischer Anstieg einmaliger und laufender Kosten zu Folge.

Die Behörde hat das Recht Überwachungswerte zu verschärfen, wenn sie Grund zur Sorge hat, dass am oder im Gewässer ein Schaden entstehen könnte. Dabei ist aber auch die Verhältnismäßigkeit der Verschärfung zu beachten, wenn beim Umweltschutz Effekt und Kosten eine Rolle spielen sollen. Soweit die Theorie.

Leider nimmt jedoch die Besorgnis – ohne wissenschaftlichen Nachweis des Grundes im Wasserrecht mittlerweile eine zentrale Stelle ein. Wer erst einmal die Begriffe „Besorgnis“, „Vorsorge“ und „Nachhaltigkeit“ als ideologische Kategorien verstanden hat, kommt bald zu der Ansicht, dass sich im Wasserrecht, unbemerkt von der Öffentlichkeit, Weltanschauungen einer kleinen Gruppe von Menschen zunehmend vergegenständlicht haben.[3] Alle Bürger, auch die „Ungläubigen“, müssen dafür in die Tasche greifen. Das ist der monetäre Unterschied zwischen einer nicht vom Staat getrennten „Ideologie“ und einer vom Staat getrennten Religion. Die erstere kommt allen teuer zu stehen.

Neue Prioritäten bei der Entscheidung

Die Zunahme von irrationalen Kategorien im Wasserrecht ist bedenklich und erstaunlich zugleich. Eine Begriffsrecherche (s. Abb. 1) veranschaulicht dies. [4] Man erkennt, dass die Besorgnis der Bürokraten seit 2001 um 120 Prozent gestiegen ist, während ihre Vorsorge einen Anstieg um stolze 440Prozent zu verzeichnen hat. Das Rennen macht mit einem Anstieg von 550 Prozent die Kategorie der „Nachhaltigkeit“, was allerdings kein Wunder ist, denn die Ausgangsbasisi waren 2001 gerademal 4 Sucherfolge.

Abb. 1: Zunahme ideologischer Kategorien im Wasserrecht [5]

Angesichts des Ausmaßes an „nachhaltiger Besorgnis“ und „Vorsorge“ wird die Vergegenständlichung der Bildung und Lehre bei der Umsetzung des Wasserrechtes in Richtung Nullniveau reduziert. Gestandene „Besorger“ saugen ihr Fachwissen lieber aus trockenen Gesetzestexten, statt die Wirklichkeit – also die Reaktionen und Veränderungen in der Umwelt und die Beschaffenheit der Natur – zu studieren und daraus vernünftige Schlussfolgerungen zu ziehen.

Derlei wissenschaftliche Bildung und ingenieurtechnische Erfahrung sind entwertet worden. Schon ein einziger, auch spekulativer Grund „zur Besorgnis“ wiegt heute schwerer.

In einem Fall nachhaltigen Effektivitätsverlustes wurde bspw. die Notwendigkeit einer sehr aufwendigen zusätzlichen Klärstufe einer Kläranlage auf Plausibilität geprüft. Es wurde gezeigt, dass die Maßnahme tzr Abwehr einer „Besorgnis“ zu immensen Kosten führte. Gleichzeitg wurde offenbar, dass der angestrebte Qualitätszuwachs im Gewässer mit weniger als einem Prozent verwindend gering war.

Die Praxis beweist immer wieder, dass unkontrollierte Besorgnis zwangsläufig zu einer großen Beliebigkeit beim Geldausgeben führt.

Bei Befürchtungen, Wasserqualitäten könnten in Mitleidenschaft gezogen werden, kann man recht leicht zwischen wissenschaftlich realistischen und damit begründbaren Szenarien und wissenschaftlich unrealistische und damit nicht begründbaren Szenarien unterscheiden.

Eine solche rechtzeitige Differenzierung der Besorgnis in realistische und unrealistische Szenarien – unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit (!) des Eintretens unerwünschter Ereignisse – würde erstens die immensen Aufwendungen für die Bildung vergegenständlichen. Zweitens könnten Kommunen und der Staat in mehrfacher Hinsicht sehr viel Geld sparen. Drittens würde niemand aus seiner Verantwortung zur sparsamen Verwendung privater und staatlicher Mittel entlassen.

Momentan ist es so (von Ausnahmen abgesehen), dass der Grund einer Besorgnis völlig ungeprüft in den wasserrechtlichen Einleitungserlaubnissen fixiert wird. In Ämtern, Behörden und Ministerien sind leider immer weniger Realisten anzutreffen, die auf Grund ihrer Ausbildung, ihres Wissens und ihrer Erfahrung davon absehen, spekulative Besorgnisse (oder weltanschauliche Präferenzen) in wasserrechtliche Genehmigungsfragen einzubeziehen. Sie geraten zunehmend unter politischen Druck, obwohl man ihnen gerade den Rücken stärken sollte, weil sie darum bemüht sind, einvernehmliche und unmittelbar an der Gewässerqualität ausgerichtete Entscheidungen zu fällen.

Laienverstöße gegen geltendes Recht

Die „Besorgnis“ als zentrale Entscheidungskategorie greift in dem Maße um sich, wie Gewässer von ökologischen Laien verwaltet werden und ausgebildete Ökologen und Biologen nur noch eine Nebenrolle spielen.

Mitunter haben behördliche Mitarbeiter vor lauter Verwaltungsarbeit keinen Bezug mehr zum Gewässer und zu seinen komplexen Funktionen und Wirkungen. In der Folge werden wasserrechtliche und verwaltungsrechtliche Entscheidungen getroffen, deren ökologischeri Folgen eher spekulativer Natur bzw. reines Wunschdenken sind.

Fast immer auf der Strecke bleibt – wenn Besorgnis eine Rolle spielt – der Effektivitätsgedanke. Wenn die tatsächliche Leistung einer Maßnahme vorher oder nachher nachgeprüft wird, dann zeigt sich in den meisten Fällen eine erschreckend niedrige Effektivität.

Abgesehen von der Verantwortung, die sich hierdurch auf „besorgte“ Mitarbeiter konzentriert, verstößt die mittlerweile gängige Ausgrenzung der betroffenen Bevölkerung bei wasserrechtlichen Entscheidungsprozessen gegen die Festlegungen der EU-WRRL, die von einem anderen Geist geprägt sind.[6]

Ganz so, als können man ein Pferd von hinten satteln, beginnt häufig erst nach einer Verschärfung der Anforderungen bei der Einleitung von gereinigtem Abwasser in Gewässer die aktionistische Suche nach der wirtschaftlichsten Lösung.

Ursachenforschung und Besorgnisdifferenzierung sind an dieser Stelle längst ausgeblendet.

Eine Besorgnis mag unter Umständen dem Grunde nach dann plausibel sein, wenn etwa Giftstoffe oder radioaktive Abwässer von einem Gewässer ferngehalten werden sollen. Aber auch hier gilt das Gesetz der „Dosis“, denn es macht natürlich einen Unterschied, ob man einen Tropfen oder etliche Kubikmeter Eintrag erwartet.

Geradezu abenteuerlich erscheint es überdies, dass im aktuellen Umweltrecht dieser Gesichtspunkt fast vollständig negiert wird – nicht die Frage nach „wie viel“, sondern „ob“ ein Eintrag denkbar ist, steht im Zentrum. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum heute bei den zunehmenden Verschärfungen hinsichtlich der Abwasserinhaltsstoffe (bzw. sogenannter Summenparameter) in Abläufen kommunaler Kläranlagen und bei der Lebensmittelindustrie zumeist der wissenschaftliche Nachweis im konkreten Einzugsgebiet für die Notwendigkeit dieser Verschärfungen fehlt.[7]

Beim praktizierten Gewässerschutz hingegen liegt das Primat bei wasserchemischen Anforderungen. Dies wiederum steht im krassen Widerspruch zu ökologischen Gesichtspunkten und Gesetzen und zu der EU-WRRL, die ein komplexes vielfältiges Betrachten des betroffenen Einzugsgebiets verlangt.

Ökologen, die gegen solche Missbräuche und derartige Unvernunft kämpfen, neigen angesichts dieser immer stärker
ausufernden Missstände immer häufiger zu Polemik, weil sie meinen, damit noch am wirkungsvollsten auf Bildungsmissstände hinweisen können.

Verschärfungsbegründung als Behördenpflicht

Ausgehend von einer ungenügenden Kenntnis der funktionellen und quantitativen Zusammenhänge im Ökosystem eines Einzugsgebiets müssen Aktionen beim Gewässerschutz fast automatisch ihr Ziel verfehlen, weil man nicht weiß, was man tut und was bei der Implementierung einer Maßnahme am Ende tatsächlich herauskommt.

Bevor eine Verschärfung der Überwachungswerte erwogen wird, sollten deshalb die Schutzziele klar und realistisch erarbeitet und ausformuliert werden. Die dazugehörenden Defizite sind ebenfalls zu benennen. Der Nutzen darf dabei nicht nebulös definiert werden. Wenn es etwa um Fragen der möglichen Beeinträchtigung von Gewässertieren geht (wie der Flussperlmuschel), so ist er artenspezifisch zu definieren.

Weiter ist nachzuweisen, dass erstens die Verschärfung der Überwachungswerte hinreichend ist, um zu gewährleisten, dass der gewünschte zusätzliche Nutzen überhaupt eintreten kann. Dieser zusätzliche Nutzen ist zu garantieren. Diese Garantie erfordert wiederum die Einhaltung des kommunalen (und staatlichen) Sparsamkeitsprinzips. Um diesem Prinzip Rechnung zu tragen, sind im Vorfeld alle zusätzlichen Nutzen aus der Verschärfung der Überwachungswerte und der Abwasserreinigung zu ermitteln. Und es gilt nachzuweisen, dass der angestrebte Nutzen in einem akzeptablen Verhältnis zu den Zusatzkosten steht (Nutzwert-Kosten-Analyse). So kann vermieden werden, dass eine Verschärfung der Überwachungswerte eine unverhältnismäßige Kostenexplosion bei einmaligen oder laufenden Aufwendungen verursachen kann (s. Diagramm 1).

Diagramm 1: Veranschaulichung des Zusammenhangs zwischen
einer Steigerung der Reinigungsleistung und der Kostenexplosion

Die heute verbreitete „beliebige Besorgnis“ bei der Verschärfung von Überwachungswerten sollte also durch eine nachvollziehbare, prüffähige und ganzheitliche Bewertung des konkreten Einzugsgebiets unter Einbeziehung der betroffenen Bürger gemäß den Regulativen der EU-Wasserrahmenrichtlinie ersetzt werden.

Konkret heißt dies, dass im Falle einer geplanten Verschärfung des Überwachungswerts Phosphor nachgewiesen werden sollte, welche Phosphorfracht aus welchen Quellen im Einzugsgebiet stammt, wie groß die Gesamtfracht ist und welchen Einfluss eine Verschärfung des sogenannten Pges.-Überwachungswerts auf diese Gesamtfracht hat – und ob dieser Einfluss überhaupt hinreichend ist, um eine bestimmte gewünschte hydrobiologische Gewässergüte zu gewährleisten. Und schließlich sollte wenigstens die „hydromorphologische Güteklasse“ höher als drei sein, denn die Fische wollen es „wohnlich“ haben.

Auch die Wassermenge ist nicht zu vergessen, denn Fische brauchen nicht nur einen guten wasserchemischen Zustand, sondern auch genug Wasser zum Schwimmen. Der Aufwand für solche interdisziplinäre Untersuchungen bei ganzheitlicher Betrachtung von Einzugsgebieten ist unter dem Strich vernachlässigbar, wenn man andernfalls unnötig entstehende Kosten gegenübergestellt.

________________

Der Autor

Uwe Halbach ist Inhaber des Instituts für Wasserwirtschaft Halbach in Werdau (Sachsen) sowie öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Abwasserbeseitigung.

(Kontaktangaben:

Uwe Halbach
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Werdau, Tel. 03761/5266
box AT institut-halbach.de
www.institut-halbach.de)


Anmerkungen

[1] Maxeiner; D., Miersch, M., Die Zukunft und ihre Feinde, Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen,
Eichenborn AG 2002

[2] Überwachungswerte sind Grenzwerte von Abwasserinhaltstoffe, die im gereinigten Abwasser bei Gewässereinleitung nicht überschritten dürfen.

[3] Hierzu haben Maxeimer & Miersch zahlreiche Beiträge verfasst. Nicht zuletzt sei auch Gärtner genannt,
(Gärtner, Edgar L., Öko-Nihilismus, Eine Kritik der Politischen Ökologie, TvR Medienverlag Jena, 2007)

[4] In wie weit die Einflüsse der Ideologie nur ein Mittel zum Zweck sind (vergleiche Hanna Thiel) , wäre zu prüfen. Bristow notiert hier in einem ähnlichem Zusammenhang: „Wir brauchen eine neue Umweltbewegung mit neuen Zielen und neuen Organisationen“, fordert Crichton. Tatsächlich benötigen wir neue Politik mit mehr Menschen, die bereit sind, unbequeme Fragen zu stellen und Debatten zu entfachen, wo ein Konsens fest etabliert zu sein scheint.“ (Bristow, J., Welt in Angst, Michael Crichtons neuer Reißer stellt einige richtige Fragen, schießt aber aufs falsche Ziel, NOVO 76, S. 43)

[5] Suchbegriffe gefunden im WEKA-Wasserrecht: „Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis“,
Januar 2001 und April 2008, WEKA MEDIA GmbH & Co. KG Römerstr. 4, 86438 Kissing

[6] Ganz zu schweigen davon, dass es zwischen der behördlichen Besorgnis, der Arbeitsplatzsicherheit in der Bürokratie und in der
Umweltindustrie unmittelbare und z. T. ebenso Gründe zur Besorgnis gibt, wie auch Thiele recherchierte (Thiele, H. Die
deformierte Gesellschaft, Hanna Thiele über den Aufstieg der Umweltbürokraten, NOVO 85 – November Dezember 2006, S. 20 – 24, auch im Internet unter: http://www.novo-magazin.de/85/novo8520.htm).

[7] Hierzu zählen der chemische Sauerstoffbedarf (CSB), der allein keinen Beweis einer Gewässerschädigung erlaubt, der biologische Sauerstoffbedarf (BSB5), Ammonium, Gesamtstickstoff und Phosphor.

__________________________________________________________________________




Gewässerschutz…

… was beim „guten“ Gewässerzustand meist ausgeblendet wird:

Des einen Leid ist des anderen Freud.

Die Anforderungen für den guten Gewässerzustand beruhen allein auf menschlichen Einfällen.

Ein Gewässer kommt mit allen Zuständen zurecht.

Schon mal nachgedacht?

Kläranlagen verursachen massenhaftes Fischsterben!

Beweis:  Gewässerschutz verursachte Fischsterben und arbeitslose Fischer




Kein Nitrat im Gewässer! Aber alle wollen Milch trinken!

Landwirte im Kreis Cloppenburg fühlen sich „pauschal verunglimpft“
General Anzeiger (Rhauderfehn)
Der Berufszweig werde vom VSR-Gewässerschutz in ein falsches Licht gerückt, moniert Landvolk-Chef Hubertus Berges. Der Verein behaupte, „Landwirte würden .




Verhältnismäßigkeit bei Gewässerschutz

In den Verordnungen und Regeln zum Gewässerschutz wird der Verhältnismäßigkeit schon eine gewisse Bedeutung eingeräumt:

und u. a. Urteil des VG Schleswig, 15.12.1998

„Der verfassungsrechtliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit (Übermaßverbot) kann in atypischen Ausnahmefällen die Verwertung extrem hoher Werte ausschließen (Berendes, a.a.O., S. 98 unten)….

Das Gebot der Verhältnismäßigkeit hat seine Grundlage in dem in Art. 20 GG normierten Rechtsstaatsprinzip. Es ist ein übergreifender rechtsstaatlicher Leitsatz allen staatlichen Handelns mit Verfassungsrang.

Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten.

Insbesondere das Übermaßverbot erfordert ein vernünftiges Verhältnis zwischen Anlaß, Zweck und Ausmaß der Regelung.

Bei der Gesamtabwägung zwischen der Schwere des Eingriffs und dem Gewicht und der Dringlichkeit der ihn rechtfertigenden Gründe muß die Grenze der Zumutbarkeit noch gewahrt sein (ständige Rechtsprechung, z.B. BVerfGE 30, 292, 316).

Das erforderliche Mittel darf nicht außer Verhältnis zum erstrebten Ziele stehen. In solchen Fällen muß die sonst gebotene Zweckerfüllung angesichts der übermäßig belastenden Wirkung des Mittels unterbleiben (BVerwGE 30, 316).

Das Übermaßverbot ist ein verwaltungsgerichtlich voll nachprüfbarer Rechtsbegriff. „

Quelle: VG Schleswig, Aktenzeichen 6 B 93/98, 15.12.1998 aus  WEKA – Wasserrecht, Dr. Heinz Staudigl

Das Problem

Das Problem besteht nun darin, dass in der täglichen Praxis das Verhältnismäßigkeitsprinzip eher selten beachtet wird, wie die  in letzter Zeit besonders gehäufte Verschärfung der Überwachungswerte – ohne Nachweis der Verhältnismäßigkeit – in manchen Bundesländern beweist.

Während die Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen fleißig mitunter sogar mit den falschen Voraussetzungen:

  • der Kalkulator verfügt über sichere Erwartungen und kann die Zukunft vorhersagen und
  • die betrachteten Varianten weisen den gleichen Nutzen und gleiche Risiken auf

angewendet werden und natürlich – wegen falscher Methode – zu falschen und riskanten Ergebnissen führen, sind die Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips der Exekutive zumeist völlig unbekannt.

In der Praxis wird die Besorgnis mit dem Bauch gemessen, was noch angehen mag, wenn der Bauch eine besondere Sachkunde nachweisen kann. Das ist aber eher weniger der Fall.

In den Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips wird zwingend die Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsprinzips gefordert.

Die wasserwirtschaftliche Umsetzung des Verhältnismäßigkeitsprinzips erfordert z. B. den Nachweis des tierartkonkreten Nutzens.

Die in der Exekutive übliche abstrakte Nutzensbewertung (wie z. B. gute und schlechte Zustände) ist unwissenschaftlich und für die Nutzensbewertung wegen der Beliebigkeit nicht geeignet.

Im Falle einer Verschärfung der Überwachungswerte hat die Behörde nachzuweisen, wenn sie Wert auf anspruchsvolle, nachvollziehbare und prüffähige wasserrechtliche Erlaubnisse legen sollte, dass

  • erstens der zusätzliche Nutzen durch die Verschärfung eintritt und dass
  • zweitens die zusätzlichen Kosten aus der Überwachungswertverschärfung sich verhältnismäßig zum zusätzlichen Nutzen verhalten.

Während Wirtschaftlichkeitsnachweise einer Investition im Rahmen von Studien und Vorplanungen zu einem großen Effekt führen, sind aber die aller größten Effektivitätsreserven im Prozess der wasserrechtlichen Erlaubnis zu erschließen. Derartige Effektivitätsnachweise im Rahmen der wasserrechtlichen Erlaubnis sind Ausnahmen. Beispielhafte Ausnahmen  sind die nachvollziehbaren Untersuchungen des Wasserwirtschaftsamtes Hof zum Schutze der Flussperlmuschel. Derartige Ziele sind konkret, nachvollziehbar, prüffähig, es liegt ein konkreter Nutzen vor und mit den Zielen und Auflagen kann sich der Bürger und der Experte identifizieren.

Sehr viele Behörden beschränken sich dagegen in ihren Begründungen der wasserrechtlichen Erlaubnisse auf simple Dreisatzrechnungen der wasserchemischen Güte, ohne hydromorphologische Gütebewertung und ohne Berücksichtigung und Bewertung von nicht beeinflussbaren Nährstofffrachten aus Niederschlag und Landwirtschaft. Der Schwerpunkt derartiger Begründungen liegt auf abstrakten Ausführungen, dass etwas gut zu machen, also dass der gute Gewässerzustand nach der EU-WRRL einzuhalten sei, usw..

Auf der Grundlage mancher fragwürdiger Gewässerzustandsbewertung und Zustandsprognose der Exekutive, die sich mitunter vom Stand der Wissenschaft und von den Tatsachen weit entfernt, ist schlecht einzusehen, warum Abwasserbeseitigungspflichtige unter allen Umständen den Stand der Technik bei der Abwasserreinigung einzuhalten haben, ohne das die Verhältnismäßigkeit – die ja gesetzliches Merkmal des Standes der Technik ist – nachgewiesen wurde.

Neben der Einbindung ökologischer und hydrobiologischer Kompetenzen sind anspruchsvolle Investitionsrechnungen und Nutzensbewertungen im Rahmen des Prozesses der wasserrechtlichen Erlaubnis erforderlich, wenn die Effektivität wasserwirtschaftlicher Maßnahmen künftig verbessert werden soll.

Momentan fehlt aber den Behörden für derartige Untersuchungen in der Regel das Geld. Es gibt mehrere Fälle, in denen die Abwasserbeseitigungspflichtigen derartige Untersuchungen bezahlten.

Am Ende passten die Ergebnisse aber nicht in die Vorstellung von der Natur und wurden ignoriert.

r verfassungsrechtliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit (Übermaßverbot) kann in atypischen Ausnahmefällen die Verwertung extrem hoher Werte ausschließen (Berendes, a.a.O., S. 98 unten).
Das Gebot der Verhältnismäßigkeit hat seine Grundlage in dem in Art. 20 GG normierten Rechtsstaatsprinzip. Es ist ein übergreifender rechtsstaatlicher Leitsatz allen staatlichen Handelns mit Verfassungsrang. Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten. Insbesondere das Übermaßverbot erfordert ein vernünftiges Verhältnis zwischen Anlaß, Zweck und Ausmaß der Regelung. Bei der Gesamtabwägung zwischen der Schwere des Eingriffs und dem Gewicht und der Dringlichkeit der ihn rechtfertigenden Gründe muß die Grenze der Zumutbarkeit noch gewahrt sein (ständige Rechtsprechung, z.B. BVerfGE 30, 292, 316). Das erforderliche Mittel darf nicht außer Verhältnis zum erstrebten Ziele stehen. In solchen Fällen muß die sonst gebotene Zweckerfüllung angesichts der übermäßig belastenden Wirkung des Mittels unterbleiben (BVerwGE 30, 316).
Das Übermaßverbot ist ein verwaltungsgerichtlich voll nachprüfbarer Rechtsbegriff. Die Anwendung des Verfassungsgrundsatzes der Verhältnismäßigkeit verbietet hier eine Einbeziehung des P-Wertes von 510 mg/l in die Berechnung der bezeichneten Abwasserabgabe für das Veranlagungsjahr 1997.
Quelle: WEKA – Wasserrecht




Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen?!

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?

„Was wäre, wenn die Abwasserabgabe für Stickstoff und der Überwachungswert für Gesamtstickstoff aufgehoben werden würde und wenn es dafür nur einen Überwachungswert für Ammonium gäbe?

Dann ist zunächst festzustellen, dass wir eine ganze Menge falsch gemacht haben. Wissenschaft und Technik wurden falsch orientiert. Ein Mangel ist, dass bestimmte Verfahren nicht in dem Maße weiterentwickelt wurden, wie es notwendig gewesen wäre. Die Verbesserung der Zweckmäßigkeit z. B. des Tropfkörperverfahrens bei gleichzeitiger Senkung der Jahreskosten stagniert über 10 Jahre. Es wurden falsche Schwerpunkte gesetzt. Mancher wasserwirtschaftliche Rahmenplan und manches Abwasserzielkonzept ist teilweise unzweckmäßig oder sogar in Teilen falsch. Mancher Kläranlagenablauf wurde z. B. um Seen herumgeleitet, obwohl er im See zu einem großen Gewässernutzen führen würde. Die Kosten für die Umleitung sind gesetzlich sanktionierte Fehlinvestitionen. Privates und staatliches Eigentum wurde teilweise unzweckmäßig und für einige Gewässer schädlich verwandt.

Wenn Belebtschlammkläranlagen nicht mehr denitrifizieren brauchen, dann ergeben sich auch bei diesen Verfahren völlig neue Aspekte, die zu untersuchen sind.

Außerdem würde es sehr zweckmäßig sein, energiesparende Tropfkörperverfahren besonders zu fördern, weil diese neben dem Gewässerschutz außerdem noch durch ihren sehr geringen Energieverbrauch eine besonders günstige Wirkung auf das Klima haben (Treibhausgas CO2, siehe Abschnitt „Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend“ ab Seite 205).

Viele Kläranlagen sind Belebtschlammkläranlagen und viele davon haben eine Denitrifikationsstufe. Können wir diese Anlagenstufe einfach abschalten? Das ist ohne weiteres nicht möglich, weil für die sichere Funktion des Belebungsverfahrens die Denitrifikation notwendig ist. Beim Belebtschlammverfahren kommt es sonst zu Störungen und Kläranlagenausfällen durch eine sog. „wilde Denitrifikation“ in der Nachklärung.

Das ist aber kein Grund für die Berechtigung der Denitrifikation in der Perspektive oder bei künftigen Neubauten. Im Ergebnis der garantiert weiter steigenden Energiepreise und der Notwendigkeit zu drastischen Energiesparmaßnahmen, im Hinblick auf den Klimaschutz, wird die Perspektive des Belebungsverfahrens fragwürdiger (vergleiche Abschnitt 22.7.2). Hier kommt es darauf an, Leistungen der Wissenschaft für die Entwicklung oder Weiterentwicklung besonders energiesparender Abwasserbehandlungsverfahren zu fordern und zu fördern.

In den folgenden 2 Kapiteln werden anhand von Annahmen die Vorteile schätzungsweise bewertet. Zunächst wird im folgenden Abschnitt analysiert, welche Vorteile eine teilweise Neuorientierung, z. B. zu Tropfkörperkläranlagen möglicherweise hätte. Tropfkörperkläranlagen sind nämlich Kläranlagen, die besonders niedrige Energiekosten aufweisen.

Ein niedriger Energieverbrauch belastet unser Klima in geringerem Maße, weil mittelbar weniger CO2 bei der Energieerzeugung entsteht. Mit diesem Problemkreis befasst sich der Abschnitt „Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend“, Seite 205.

Insgesamt wird in den zwei Kapiteln deutlich, dass Tropfkörperverfahren doch zu erheblich niedrigeren Energiekosten führen. Dies sollte hinsichtlich der zu erwartenden Energiepreissteigerungen und in Vorsorge des Klimaschutzes neu bewertet werden. Insbesondere ist zu berücksichtigen, dass bei dem Tropfkörperverfahren oder einem energetisch vergleichbaren Verfahren für die Umwelt ein dreifach nützlicher Effekt entsteht:

  1. Reinigung des Abwassers
  2. Produktion von Nitrat, sofern sich dies im betreffenden Fall als gewässernützlich herausstellt
  3. selten umweltfreundliches Abwasserreinigungsverfahren (Klimaschutz)

Diese Feststellungen mögen wenig erfreulich sein. Mit jedem Tag aber, den wir ab jetzt länger brauchen, um diese Widersprüche zu lösen, schaden wir der Umwelt und uns selbst.

22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?

Im Folgenden wird ein Teil des Schadens kalkuliert, der durch unzweckmäßige Abwasserbehandlungsverfahren entstanden ist oder solange entstehen wird, wie eine Stickstoffeliminierung gesetzliche Vorschrift ist.

In der Regel muss die Abwasserbehandlung nach dem Belebtschlammverfahren vorgenommen werden, weil dieses Verfahren vorzugsweise für die gesetzlich vorgeschriebene Denitrifikation geeignet ist. Verfahren, die nur nitrifizieren, also Nitrat produzieren, dass dem Gewässer als zusätzliche Sauerstoffquelle dienen könnte, sind, bis auf Ausnahmen,
(£ 10.000 EW) verboten. Dazu zählt z. B. das Tropfkörperverfahren. Tropfkörperverfahren durften etwa bis 1989 in großen Kläranlagen uneingeschränkt betrieben werden.

Mit der Einführung eines Überwachungswertes für den Gesamtstickstoff, würden alle Kläranlageneigentümer, welche Kläranlagen ab der Größenklasse 4 (> 10.000 EW) betreiben, gezwungen, den Stickstoff zu Nitrat zu oxidieren und in der Denitrifikation biologisch zu entfernen. Mit dieser Gesetzesänderung wird also die Nutzung besonders umweltfreundlicher Verfahren, die nur nitrifizieren, auf kleine Kläranlagen beschränkt. Hierbei handelt es sich insbesondere um Verfahren, die mit festsitzenden Mikroorganismen arbeiten (Tropfkörperverfahren, Scheibentauchkörperverfahren…). Diese Verfahrensgruppe hat neben dem Vorteil einer Nitratproduktion für die Abwasserreinigung auch den Vorteil, dass sie mit einem Minimum an Elektroenergie auskommt, die vergleichsweise für das weitverbreitete Belebtschlammverfahren erforderlich wäre.

Wenn Deutschland jährlich 1 Terawattstunde[1] Energie sparen will, dann müssen etwa 70 % der Bevölkerung an moderne energiesparende Kläranlagen angeschlossen werden bzw. die Anlagen müssten umgebaut werden (Tabelle 33[2]).

Das Belebungsverfahren wäre auf Ausnahmen zu beschränken!

Tabelle 33: Mögliche Energieeinsparung

Der Tabelle 34 ist eine Gegenüberstellung der Energiekosten für den biologischen Reinigungsprozess (einschließlich der erforderlichen Rückführungen) beim Belebtschlammverfahren und der Energiekosten beim Tropfkörperverfahren zu entnehmen.

Das Abschalten der Denitrifikation ohne Abschaffung des Belebtschlammverfahrens führt zwar zur Bereitstellung von Sauerstoff aus dem Nitrat für das Gewässer, gleichzeitig steigt aber der Energieverbrauch der betreffenden Belebtschlammkläranlagen um etwa
2…2,5 %. Zu berücksichtigen ist, dass die Denitrifikation nicht ohne weiteres außer Betrieb genommen werden kann. Es kann dann zum Zusammenbruch der Nachklärung und zum Ausfall der Gesamtanlage kommen.

Nach Tabelle 34 würden im Falle einer Gesetzesänderung und bei Eintreten der getroffenen Annahmen jährlich Energiekosten in Höhe von 2,4 €/Einwohner gespart werden.

Tabelle 34: Technologieabhängige Energiekosten bei der Abwasserbehandlung

Die Tabelle 35 veranschaulicht die mögliche Energiekosteneinsparung in Abhängigkeit des Umfanges des Kläranlagenumbaus. Es wurden verschiedene Fälle analysiert. Für sehr große Kläranlagen wird die energiekostensparende Alternative möglicherweise weniger infrage kommen. Kläranlagen bis 100.000 EW wären aber auf jeden Fall umrüstbar.

Letztlich wäre die Umstellung auch davon abhängig, wie schnell die Energiekosten steigen und welche neuen Prämissen dann in der Umweltpolitik gesetzt werden[3].

Tabelle 35: Fallunterscheidung zur Energieeinsparung bei Gesetzesänderung

Der Effekt bei Abschaffung der Denitrifikationspflicht wäre so gewaltig, dass schätzungsweise jährlich 600…1.000 GWh[4] an Elektroenergie eingespart werden können – je nachdem wie umfänglich die Kläranlagen umgebaut werden könnten.

Der Effekt bei Abschaffung der Denitrifikationspflicht wäre so gewaltig, dass schätzungsweise jährlich 600…1.000 GWh[4] an Elektroenergie eingespart werden können – je nachdem wie umfänglich die Kläranlagen umgebaut werden könnten.

Es ist natürlich klar, dass die Umstellung Geld kostet. Wenn aber unsere in Deutschland brachliegenden Reserven durch die Politik, Wissenschaft und Technik erschlossen werden, dann werden wir auch Geld für die Errichtung energiesparender Kläranlagen haben, egal welches Verfahren es sein wird.

Wer Magnetschwebebahnen bauen kann und sich als Staat manches teure unnütze Ding oder Vergnügen leistet, der sollte auch Geld für eine bessere Klärtechnik haben, denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Allerdings braucht man für solche Umsetzungen etwas „Abwasserfrieden“ im Land und vielleicht hilft dieses Buch dabei manches in einem anderen Licht zu sehen.

Grundsätzlich ist die Motivation des Deutschen beim Gewässerschutz Weltspitze. Er will nur nicht von denen – die ihm beim Gewässer schützen „helfen“ – am Ende „verkauft“ und verraten werden. Und genau hier liegt unser eigentliches Problem.“

22.7.2  Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

Energiekostensenkung oder die Unterbrechung des Phosphorkreislaufes durch Verzicht der Denitrifikation ist nur ein Teilerfolg. Nachhaltiger Gewässerschutz erfordert die Einbeziehung der Anforderungen des Klimaschutzes, denn jede bei der Abwasserreinigung nicht verbrauchte Kilowattstunde an elektrischer Arbeit reduziert die Emission des Treibhausgases um gut 300 l CO2.

Allein bei einem 50 %-igen entsprechenden Umbau aller Belebtschlammkläranlagen würde der jährliche CO2-Ausstoß um 231.000.000 m³ sinken.

Dies würde – um es zu veranschaulichen – dem gleichzeitigen Betrieb von 378 Windkrafträdern (WKR) entsprechen, wenn eine Erzeugung von 2 GWh/aWKR zu Grunde gelegt wird (Tabelle 36). D. h. 378 Windkrafträder müssen gebaut, gefördert und betrieben werden, um den eigentlich unnötigen Energiemehrverbrauch des Belebungsverfahrens – verglichen mit dem weitaus niedrigeren Energiebedarf einer Abwasserbehandlung, z. B. mit dem Tropfkörperverfahren – abzusichern.

Tabelle 36: Zusammenhang zwischen Energieeinsparung und Leistung der WKR


[1] 1 Terawattstunde sind 1.000.000.000 kWh. In kWh oder Ws wird die elektrische Arbeit gemessen. 1 kWh bringt eine 100 W-Glühbirne 10 Stunden lang zum Leuchten.

[2] Die Kalkulation ist im Einzelnen dem Internet zu entnehmen: https://www.institut-halbach.de.

[3] Die Bauindustrie würde diesen „fortschrittlichen Rückschritt“ möglicherweise begrüßen.

[4] 1 Gigawattstunde = 1.000.000 kWh


Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3




Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff

In den Abschnitten „Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung“ und „Nitrat stört den Phosphorkreislauf“ wurde bewiesen, dass es für die Sanierung eines Sees in der Regel vorteilhaft ist, wenn gereinigtes, nitratreiches und weitestgehend phosphorfreies Abwasser in bestimmte Seen eingeleitet werden darf und nicht, wie es jetzt praktiziert wird, dass mit viel Aufwand versucht wird, dieses gereinigte Abwasser aus solchen Seen fernzuhalten.

Dem Abschnitt „Schwarze Flecken im Watt“ ist zu entnehmen, dass Nitrat sogar bei Wattschäden heilend und lindernd wirkt.

Ferner wurde aufgezeigt, dass die Stickstoffeliminierung in Kläranlagen eine äußerst fragwürdige Effizienz hat (Abschnitt „Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung“).

Nun stellt sich die Frage, warum lassen wir die Stickstoffeliminierung nicht einfach sein, wenn sie teilweise schädlich und außerdem von ziemlich schlechter Effektivität ist?

Das geht deshalb nicht, weil der Stickstoff fälschlicherweise gesetzlich zum Schadstoff erklärte wurde. Die vorhergehenden Kapitel haben sicher bewiesen, dass der Stickstoff undifferenziert nur Indiz dafür sein kann, dass er möglicherweise einen Gewässerschaden verursachen könnte. Er kann genauso gut sehr nützlich für die Umwelt sein.

Bei Stickstoff ist dem Grunde nach wie folgt zu differenzieren:

  • Liegt der Stickstoff als Eiweiß, Harnsäure, Ammonium oder Ammoniak vor, dann ist er grundsätzlich gewässerschädlich zu bewerten und sollte zu Nitrat oxidiert werden.
  • Liegt der Stickstoff als Nitrat vor und wird dieses Nitrat in ein Trinkwassereinzugsgebiet eingeleitet, dann ist der Stickstoff ein Schadstoff.
  • Liegt der Stickstoff als Nitrat vor und hat er eine nützliche Wirkung auf das oder die Gewässer, dann ist er kein Schadstoff.

So einfach, wie es sich der Gesetzgeber mit der Erklärung des Stickstoffes zum Schadstoff gemacht hat, ist nicht zu bewerten, was für ein Gewässer gut oder schlecht ist.

Ob der Stickstoff im Einzelfall ein Schadstoff ist oder nicht, sollten Experten gewässerbezogen prüfen und die geeigneten, auf das jeweilige Gewässer abgestimmten Maßnahmen festlegen.

Da der Stickstoff dem Grunde nach kein Gewässerschadstoff ist, sondern nur ein Indiz, dass ein Gewässerschaden entstehen könnte, und gleichermaßen ein Indiz dafür sein kann, dass ein Gewässernutzen entstehen könnte, ist die Abwasserabgabe für Stickstoff ungesetzlich. Sie verstößt gegen das Grundgesetz Artikel 14 (vergleiche Abschnitt „Wasserrecht teilweise im Widerspruch zum Grundgesetz“ ab Seite 208).

Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3




Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22.5  Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung

Stickstoffminimierung – von Trinkwassereinzugsgebieten abgesehen – ist dann sinnvoll, wenn damit die Eutrophierung verhindert werden kann. Zur Verhinderung der Eutrophierung müssen die Stickstoffeinträge in die Gewässer soweit minimiert werden, dass ein kritisches Nährstoffverhältnis N : P unterschritten wird. Sowie ein Nährstoff limitiert ist, sind keine Algen-Massenentwicklungen mehr möglich.

Da aber bereits Spuren von Phosphat eine Algenblüte verursachen können, ist – von Ausnahmen abgesehen – in deutschen Gewässern immer das Phosphat der limitierende Faktor.

Nach UHLMANN [33] sind bereits bei einer Phosphorkonzentration im Gewässer von 0,05 mg P/l ausdauernde Massenentwicklungen von Planktonalgen zu erwarten. Teilweise liegt die kritische Konzentration bei 0,005 mg P/l[1] sogar noch darunter.

Etwa eine 16-fach [Q1] höhere Konzentration von Stickstoff[2] – 0,8 mg N/l bei 0,05 mg P/l – ist dagegen ausreichend, um das Leben einer „durchschnittlichen“ Alge zu gewährleisten.

Bei den Stickstoffeinträgen handelt es sich also um sehr erhebliche Größenordnungen, teils auch aus sog. diffusen[3] Quellen. Das führt insgesamt dazu, dass in sehr vielen Gewässern die notwendige Konzentration von Stickstoff für eine Eutrophierung erreicht wird, unabhängig davon, ob deutsche Kläranlagen nun denitrifizieren oder nicht. Es ist demzufolge allein aus diesem Grund viel zweckmäßiger, weil wirkungsvoller, sich auf die Phosphorreduzierung zu konzentrieren, anstelle Stickstoff zu eliminieren, weil diese Praxis einem „Fass ohne Boden“ gleicht.

1987 wurde der Stickstoffeintrag in deutsche Gewässer in einer Größenordnung von 688,2 ktN/a geschätzt. 35 % (241 ktN/a) davon waren diffuse (schwer beeinflussbare) Einträge (Diagramm 56). Dabei ist Diagramm 56 zu entnehmen, dass 42 % der Einträge kaum beeinflussbar sind.

Diagramm 56: Diffuse Stickstoffeinträge in Gewässer nach [31]

 

Eine Auswertung der späteren Bezugsjahre 1995/1998 führte zu dem Ergebnis, dass der Eintrag in die Oberflächengewässer in einer Größenordnung von 584 ktN/a [32] anzusetzen ist, wobei es offensichtlich gelang, den Stickstoffeintrag aus der Abwasserbeseitigung von 352,6 ktN/a auf 155 ktN/a um 56 % zu reduzieren. Im Verhältnis zu den Gesamteinträgen von 584 ktN/a werden aber immer noch 73 % von anderen Quellen verursacht.

Röske schreibt:

Auf Grund der sehr guten Wasserlöslichkeit des Nitrats sind die NO3-Verluste aus landwirtschaftlichen Nutzflächen weitaus größer, als die von gelöstem Phosphat, obwohl in Gebieten mit hohem Viehbestand auch diese nicht vernachlässigbar sind.

Röske: „Immerhin ergeben sich im Wasserkörper von Talsperren des Erzgebirges N/P-Relationen von teilweise mehr als 1000 : 1 (Uhlmann und Paul 1994). Dies ist eine Erhöhung des N-Angebotes gegenüber dem durch den P-Gehalt der Biomasse gesetzten N-Bedarf um den Faktor 63. Selbst wenn die Phytoplankter[4] Phosphor speichern, was häufig der Fall ist, entspricht das „Überangebot“ an Stickstoff dann noch immer einer Zehnerpotenz. In einigen Talsperren Thüringens und Sachsens wurde zeitweise sogar der Nitrat-Grenzwert für Trinkwasser überschritten.“

Diese Ausführungen lassen bei weiterer Überlegung Fragen an der Effektivität der betreffenden Gewässerschutzmaßnahmen entstehen. In solchen und in vergleichbaren Fällen ist eine Zielvorgabe von Stickstoff als Minimumfaktor unrealistisch.

Es ist seit Jahrzehnten bekannt, dass eine Unterschreitung der kritischen Minimalkonzentration nach dem Liebigschen Minimumgesetz beim Stickstoff nur in ganz seltenen Fällen erreicht werden kann. Stickstoff gibt es in fast jedem Gewässer in Mitteleuropa im Überfluss und dort wo er fehlen könnte, wird er durch mikrobielle Prozesse (N2-Bindung) oder aus der Atmosphäre in die Gewässer eingetragen.

Die meisten Gewässer in Deutschland weisen einen Stickstoffüberschuss auf. Dieser Überschuss ist aufgrund der vielfältigen und sehr umfangreichen Eintragsquellen wasserwirtschaftlich nicht mehr hinreichend zu minimieren.

Abschließend wird zu diesem Kapitel festgestellt, dass in vielen Fällen eine Stickstoffelimination für die Gewässer dem „Fass ohne Boden“ entspricht.

Entwässert aber die betreffende Kläranlage in ein Trinkwassereinzugsgebiet, dann ist auf jeden Fall eine Denitrifikation für die Kläranlage vorzusehen.


[1] Mit einer üblichen Phosphorelimination sind Kläranlagen in der Lage im Anlagenablauf im Mittel 1 mg P/l zu gewährleisten.

[2] (P : N = 1 : 16)

[3] d. h. nicht punktförmig oder nur schwer beeinflussbar

[4] nach Uhlmann  [58] Plankton = Gesamtheit der pflanzlichen und tierischen Kleinlebewesen in der Freiwasserzone; Zu den
Phytoplanktern gehören vor allem Kieselalgen, Cyanobakterien (Blaualgen), Grünalgen und Geißelalgen.

[Q1]In Glucose sind enthalten 16 N und 1 P Atomgewicht 31 und 14 bzw. 31 und 224 bzw. 1: 7,2 = P : N


Literatur:

[31] Stickstoff und Phosphor in den Fließgewässern
Arbeitsbericht des ATV-Fachausschusses 2.1 „Grundsätze der Abwasserreinigung hinsichtlich der Einleitung in Gewässer und deren Nutzung“
Korrespondenz Abwasser 1987, Heft 11

[32] Stickstoffbilanz in Deutschland
Bezugsjahre 1995 – 1998
Arbeitsbericht des ATV-DVWK Fachausschusses AK-9 „Stoffflüsse“ 2.1 „Grundsätze der Abwasserreinigung hinsichtlich der Einleitung in Gewässer und deren Nutzung“
Korrespondenz Abwasser 2001 (48), Nr. 11

[33] Uhlmann, D.
Hydrobiologie – Ein Grundriß für Ingenieure und Naturwissenschaftler
1. Auflage
VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1975

[34] Besch, W.-K.; u. a.
Limnologie für die Praxis – Grundlagen des Gewässerschutzes
3. Auflage
ecomed Fachverlag, Landberg, 1984

[35] Röske, I; Uhlmann, D.
Die Nährstoffelimination bei der Behandlung häuslicher Abwässer aus der Sicht der Wasserbeschaffenheit
Wasserkalender 2000, 34. Jahrgang
Erich-Schmidt-Verlag, 2000

Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3




Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung

Die Abwasserreinigung soll u. a. hygienische Bedingungen schaffen und sie soll unsere Gewässer vor Verschmutzung schützen. Dabei umfasst die Abwasserreinigung nicht nur die Entfernung der sichtbaren[1] Abwasserbestandteile, sondern auch die Minimierung[2] der gelösten, meist nicht sichtbaren Abwasserinhaltsstoffe. Ein Reinigungsziel besteht in der Vermeidung von Sauerstoffarmut im Gewässer. Unbehandelte kommunale Abwässer, die in Gewässer eingeleitet werden, enthalten u. a. Kohlenhydrate und Eiweißstoffe, die für ein Massenwachstum der Fäulnisbakterien sorgen. Diese Bakterien verbrauchen dabei den gelösten Sauerstoff im Gewässer und können damit u. a. Fischsterben und die Auslöschung vieler weiterer Arten von Wassertieren auf Grund des Sauerstoffmangels verursachen. Tote Bakterien sowie abgelagerte Schwebe- und Sinkstoffe des Rohabwassers bilden Schlammbänke, die nach kurzer Zeit faulen und dabei Fischgifte, wie Ammoniak oder Schwefelwasserstoff freisetzen.

Etwa bis 1989 beschränkte sich der Gewässerschutz bei Fließgewässern[3] auf die Eliminierung der biologisch abbaubaren Stoffe – gemessen durch den BSB5. Dies ist auch heute noch der wichtigste Schritt bei der biologischen Abwasserreinigung.

Trotz sehr guter BSB5-Abbauleistungen mussten die Gewässerschützer aber feststellen, dass es weiterhin zu Gewässerschäden kam[4]. Als Ursachen wurden Algen in Verbindung mit den Abwasserinhaltsstoffen und Pflanzennährstoffen (Phosphat, Ammonium, Nitrat) ermittelt.

In fast allen Gewässern gibt es Algen. Diese Algen benötigen zur Lebenstätigkeit keinen organischen Kohlenstoff (z. B. keinen Zucker). Sie sind Pflanzen und daher in der Lage, Biomasse mit Sonnenenergie, Stickstoff und Phosphor zu produzieren.

Um diese Eutrophierungsprozesse zu vermeiden, konzentriert sich der Gesetzgeber auf die Entfernung der Stickstoff- und Phosphorverbindungen. Nur viele betroffene Gewässer wurden dennoch nicht sauberer. Die Ursache lag nun meistens darin, dass mehrere längst bekannte Naturgesetze, Zusammenhänge und Gegebenheiten nicht beachtet wurden:

  1. die fortgeschrittene Überdüngung der Gewässer mit Nitrat aus landwirtschaftlichen Nutzflächen bzw. aus Drainabläufen und die übermäßige Einlagerung des Phosphors sowie des Stickstoffes im Sediment
  2. das Gesetz vom Liebigschen Minimum
  3. der natürliche  Phosphorkreislauf
  4. Stickstofffixierung[5] durch die Natur selbst (Leguminosen[6] und bestimmte Blaualgen)

Tatsächlich genügt es bei der Nährstoffeliminierung für Gewässer – die Oxidation des Ammoniums[7] vorausgesetzt – nur einen Nährstoff zu eliminieren.

Der deutsche Professor Justus Liebig (1803-1873) stellte fest, dass für die Förderung des Pflanzenwachstums (im Sinne einer Düngung) der Nährstoff entscheidend ist, dessen Angebot am weitesten unter dem Bedarf liegt. Das ist der sog. Minimumfaktor. Für die Abwasserreinigung genügt es in vielen Fällen, wenn von den zwei Nährstoffen Phosphor und Stickstoff nur ein Nährstoff minimiert wird. Wachstumsbegrenzung ist gleichzeitig Ziel der Eutrophierungsvermeidung.

Wasserwirtschaftlich nachhaltig handeln, bedeutet sich auf den Nährstoff zu konzentrieren, bei dem überhaupt eine Chance zur Wachstumsbegrenzung besteht.

Haben wir eine Chance zur Wachstumsbegrenzung, wenn der Stickstoff eliminiert wird? Auf diese Frage wird im nächsten Kapitel eingegangen.


[1] Trübstoffe

[2] Eine vollständige Beseitigung ist aus Kostengründen unmöglich und unrealistisch.

[3] In den Einzugsgebieten von Seen und Trinkwassertalsperren wurde, ausgehend von der Schweiz und Österreich, schon seit 50 Jahren Phosphor vor allem durch Fällung aus dem Abwasser eliminiert, in der ehemaligen DDR und in der BRD auch durch Vorsperren.

[4] Diese Erkenntnisse liegen aber nunmehr schon länger als 40 Jahre zurück.

[5] Bindung von Luftstickstoff

[6] Leguminosen leben zwar nicht im Gewässer, aber der Anbau von Leguminosen führt auch zu einer Nitratbelastung der Gewässer.

[7] Ammonium ist ein bevorzugter Pflanzennährstoff, der sich bei bestimmten pH-Wert-Verhältnissen in fischgiftiges Ammoniak umwandeln kann.


Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3




Schwarze Flecken im Watt

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastendd

22.3  Schwarze Flecken im Watt

In diesem Abschnitt wird aufgezeigt, dass sich Nitrat nicht nur zur Sanierung von Seen als nützlich erweist, sondern dass es in der Nordsee die Bildung der schwarzen Flecken im Watt erschwert und zum Schutz der Wattwürmer beiträgt.

Wer schon einmal eine Wattwanderung erleben durfte, wundert sich über die kleinen Sandhäufchen auf dem Watt, einige Zentimeter im Durchmesser und von geringer Höhe. Es sieht so aus, als hätte jemand nassen bindigen Sand durch einen Fleischwolf gedreht, bei dem die Lochscheibe nur eine Öffnung hat.

Wer macht denn so etwas? Nun, es sind Wattwürmer[1], die in Röhren unter dem Sand leben.

Wattwürmer haben eine ähnlich belebende Funktion für das Watt, wie der Regenwurm, der auch den Boden durchlüftet und pflanzliche Reste dabei vertilgt. Die Abbildung 37 veranschaulicht wie der Wurm „wohnt“.

 

Abbildung 37: Wohnröhre des Wattwurms (Arenicola)

 

Die Wattwürmer sorgen durch ihr Graben von Röhren für die Belüftung des Watts, denn durch die Wohnröhren gelangt sauerstoffreiches Meerwasser und bei Ebbe auch Luftsauerstoff verstärkt in das Watt.

Der Sauerstoff, egal ob er im Wasser gelöst ist oder ob es sich um Luftsauerstoff handelt, verhindert Fäulnis im Watt. Er ist zur aeroben[2] oder auf der Wattoberfläche notwendig. Die gleiche Funktion erfüllt der als Nitrat gebundene Sauerstoff. Zersetzung organischer Stoffe im Watt

Im Sommer bei steigender Temperatur, wird durch Phosphate öfter ein verstärktes Algenwachstum ausgelöst. Diese Phytoplankton-Zellen sinken nach einiger Zeit auf den Meeresgrund und beginnen zu faulen. Dabei wird Schwefelwasserstoff H2S gebildet. Schwefelwasserstoff ist ein starkes Gift, das schon in sehr geringen Konzentrationen die Atmungsfermente lähmt und natürlich auch die Wattwürmer und Muscheln tötet.

Das Absterben der Wattwürmer kann verhindert werden, wenn der Schwefelwasserstoff entgiftet wird, bevor er den Wattwürmern und Muscheln schaden kann.

Die Denitrifikationsreaktion im Gewässer ist die gleiche, wie in der Kläranlage. 2 Moleküle Nitrat werden zu 3 Molekülen Sauerstoff und einem Molekül Stickstoff umgewandelt:

2NO3 → N2 + 3O2

Der Stickstoff entweicht in die Atmosphäre und der Sauerstoff kompensiert H2S bzw. er oxidiert den im H2S gebundenen Schwefel auf mikrobiellem Wege.

Bessere Lebensbedingungen entstehen im Watt nicht nur für Wattwürmer, wenn es gelingt den Denitrifikationsprozess aus den Kläranlagen in das Watt zu verlagern.

Nitrat wirkt als wichtiges Entgiftungsmittel und damit werden Verluste an Wattwürmern reduziert, wenn nicht vielleicht sogar verhindert.

Neben dem Schutz der Wattwürmer bringt Nitrat durch seine entgiftende und sauerstoffspendende Wirkung grundsätzlich zahlreiche Vorteile für viele Gewässer und auch für das Watt, wie im Folgenden bewiesen wird.

Vor einigen Jahren geriet des Wattenmeer in das Blickfeld des öffentlichen Interesses. Das Watt – ein naturgeschütztes Objekt – wies plötzlich schwarze Flächen auf.

Könnte es nun etwa sein, dass Stickstoffeliminierung in deutschen Kläranlagen die schwarzen Flecken im Watt wesentlich mit verursacht?

Die schwarzen Flecken sind Merkmale von Fäulnisvorgängen im Watt. Es wird schwarzes Eisensulfid gebildet. Die Reaktion lautet vereinfacht:

Fe3+ + H2S →  FeS + H2

Das H2S beispielsweise in Abwasserteichen durch Nitrat entgiftet werden kann, ist schon seit über 50 Jahren bekannt ([59] bis [61]). Auch im RANDOLF [36][11] (Veröffentlichung von O’ Connor und Eckenfelder aus dem Jahre 1960) war zu lesen:

„Gegen Fäulniserscheinungen am Einlauf nützt auch… die Zugabe von Nitraten.“

Ebenso ist schon seit knapp 50 Jahren bekannt (OHLE [37]), dass Sauerstoffmangel den Phosphor im Sediment mobilisiert. Das Wissen über die genannten Zusammenhänge liegt vor und wird auch gelehrt.

Abbildung 38

Abbildung 38: Ursachenkomplex der schwarzen Flächen im Wattenmeer nach [35]

Wie der Abbildung 38 zu entnehmen ist, verhindert die Anwesenheit von Nitrat die Bildung von schwarzen Flächen. Die schwarze Färbung entsteht durch die Bildung von Eisensulfiden (FeS und FeS2)[3]. Schwefeleisen ist schwarz. Ursache für die schwarzen Flächen ist nach [35] das erhöhte Angebot von Phosphat aus Abwassereinleitungen in die Flüsse.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass Nitrat im Nordseewasser sehr positiv auf das Watt wirkt und insbesondere den „Schwefelwasserstoff“ zu unschädlichen Verbindungen umwandelt.“ [1]


[1] Der Friese nennt sie Schlick- oder Wattwürmer. Sie werden auch als Köderwurm oder Pier bezeichnet.

[2] Abbau mit Luftsauerstoff

[3] Sulfid kann durch atmosphärischen Sauerstoff rein chemisch als auch mikrobiell oxidiert werden.

[11] S. 296


Literatur:

[36] Randolf, R.
Kanalisation und Abwasserbehandlung
VEB Verlag für Bauwesen Berlin; 1974

[37] Ohle in Uhlmann [33]

[57] Randolf, C.; u. a.
Marktdaten Abwasser 2002
Korrespondenz Abwasser 2003 (50), Nr. 4

[58] Uhlmann, D.; Horn, W.
Einfluß des Menschen auf die Gewässer-Ökosysteme
Sonderdruck aus „Umwelt und Mensch – Langzeitwirkungen und Schlussfolgerungen für die Zukunft“
Band 59, Heft 5
Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, 2000

[59] Schulze, E.
Über die Ursachen der Verschmutzung von Wasserbecken in Zoologischen Gärten und Wege der Reinhaltung
1956

[60]  Schulze, E.
Biologisch-chemische Vorgänge bei der Nitratbehandlung von Abwässern.
Verh. Internat. Ver. Limnol. 13, 624-627
1958

[61] Buswell, A. M.
Reaction of sodium nitrate in stabilizing organic wastes.
Sewage Works J. 19, 628
1947

Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3

 




Nitrat stört den Phosphorkreislauf

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf

Der Prozess kann nur unterbrochen werden, indem der gesamte Phosphor aus dem See entfernt wird, wobei – und auch darin sind sich die Limnologen einig – der See gründlichst entschlammt werden müsste. Das ist aber eine nicht bezahlbare Maßnahme, die nur auf Ausnahmefälle beschränkt ist.

Es hat sich gezeigt, dass oxidierter Stickstoff als Nitrat ebenso wie molekularer Sauerstoff in der Lage ist, den Phosphorkreislauf zu bremsen oder sogar zu unterbrechen.

Nitrat im Gewässer verhindert nämlich die Rücklösung von Phosphor aus dem Sediment.

Nitrat ist chemisch gebundener Sauerstoff, der eine sehr wertvolle Sauerstoffquelle für das Gewässer darstellt und seinen besonderen Wert in der Grenzschicht zwischen Sediment und Wasserkörper als „Phosphorbremse“ entfaltet.

Ein nicht unbeträchtlicher Teil des Phosphors ist im Sediment eingelagert. Nitrat ist selbst bei Sauerstoffmangel am Seeboden in der Lage, diese Rücklösung zu verhindern. In diesem Rahmen ist noch bedeutungsvoll, dass die sog. Nitratatmung[1] erst dann einsetzt, wenn im Gewässer der Sauerstoff fehlt. Es gibt viele Bakterien, die „Nitrat einatmen“ können und Stickstoff ausatmen. Infolge werden die wirklich umweltschädlichen Fäulnisprozesse gestört oder auch verhindert. Damit wird ebenso die Bildung des giftigen Schwefelwasserstoffes unterbunden.

Abschließend ist festzustellen, dass Nitrateinleitungen in eutrophe Seen eine Maßnahme des Gewässerschutzes bzw. der Gewässersanierung sind.“


[1] Nutzung des chemisch gebundenen Nitratsauerstoffs zur Atmung von Bakterien, auch Denitrifikation genannt.


Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3




Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung

In diesem Abschnitt wird bewiesen, dass ein See (stehendes Gewässer), der einmal mit Phosphor verunreinigt wurde, jedes Jahr durch den gleichen Phosphor „erkrankt“, weil Phosphor im Gegensatz zu Stickstoff nicht aus dem See entfernt werden kann.

Für das Verständnis sei vorausgeschickt, dass es in stehenden[1] Gewässern und in P-armen Fließgewässern einen Phosphorkreislauf gibt[2]. Gelöstes Phosphat wird gemeinsam mit dem nicht zu begrenzenden Stickstoff von Algen im Frühjahr und Sommer zum Wachstum genutzt. Unter bestimmten Bedingungen kommt es auch zu einer schädlichen, weil explosionsartigen und massenhaften Entwicklung von freischwebenden Algen, sog. Phytoplankton. Dann wird von Algenblüten gesprochen. Diese Algenblüten sind ein sichtbares Merkmal der Eutrophierung[3]. Die Folge dieser besonders intensiven Produktion ist die Veränderung der Eigenschaften des Wassers. Es wird trüb, mitunter riecht es unangenehm und es bekommt eine grüne Färbung.

Im Ergebnis des Phytoplanktonwachstums sinkt die Phosphatkonzentration im Wasser, weil der Phosphor sich nun in den Algen befindet. Bei Nährstoffmangel[4] und bei Rückgang der Sonneneinstrahlung im Herbst sterben die Algen im zunehmenden Maße und sinken – sofern sie nicht gefressen werden – zu Boden. Sie bilden vom Frühjahr bis zum Herbst Algenschlamm. Diese Biomasse wird ständig durch Fäulnisbakterien zersetzt, wobei der biologisch gebundene Phosphor wieder im Wasser gelöst wird und für die kommenden Algenblüten erneut zur Verfügung steht[5].

Für die Oxidation des Algenschlammes wird viel Sauerstoff und Nitrat benötigt. Der Sauerstoff wird dabei dem Gewässer entzogen.

Steht nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung, dann wird durch Fäulnis der Phosphor aus dem Sediment erneut freigesetzt. Der zurückgelöste Phosphor verursacht seinerseits einen sekundären Sauerstoffmangel.

Nach UHLMANN [33] führt die Rücklösung von nur einem Zehntel Milligramm Phosphor in einem thermisch geschichteten See durch die Neuproduktion von O2-zehrender Phytoplankton-Biomasse zu einem künftigen Sauerstoffverbrauch von 12,3 mg/l!

Die Sättigung von Sauerstoff in Wasser ist temperaturabhängig und beträgt beispielsweise bei 7°C 12,3 mg/l. D. h. schon 0,1 mg P/l ist in der Lage, den gesamten gelösten Sauerstoff, der bei 7°C in einem Liter Wasser gelöst sein kann, zu verbrauchen.

Da der Phosphor aus dem See nicht mehr zu entfernen ist, kommt es darauf an, den Phosphorkreislauf zu unterbrechen.

Dies macht der Limnologe[6], sofern es ihm gesetzlich erlaubt wird, mit gereinigtem, nitratreichem und weitestgehend phosphorfreiem Abwasser.


[1] oder quasi stehenden Gewässern

[2] Die Limnologen sind sich darüber einig, dass einmal in einen See eingetragener Phosphor nicht mehr zu entfernen ist und dieser im Jahreswechsel solange zwischen Sediment und Wasserkörper kreist, bis aus dem See ein Moor geworden ist – das natürliche Ende jedes Sees.

[3] Gewässerdüngung

[4] Dabei kann es sich bei den im Frühjahr zu Massenentwicklungen neigenden Kieselalgen auch um Silicat handeln.

[5] Ist die thermische Schichtung nicht allzu stabil, dann kann das gleiche Phosphat im gleichen Jahr nochmals zu Algenblüten führen.

[6] Ökologie der Binnengewässer


Literatur:
[33] Uhlmann, D.
Hydrobiologie – Ein Grundriß für Ingenieure und Naturwissenschaftler
1. Auflage
VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1975

 

Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3




Widersprüche beim Gewässerschutz

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22. Widersprüche beim Gewässerschutz

Seit vielen Jahren gibt es beachtliche Widersprüche beim Gewässerschutz. Diese Widersprüche betreffen jedoch nur einen Teil unserer Maßnahmen zur Reinhaltung des Gewässers und sind nicht allen Experten bekannt. Diese Problematik ist der Allgemeinheit weniger zugänglich, weil zum Verständnis ein wenig Grundlagenwissen der Hydrobiologie[1] notwendig ist. Trotz der mitunter etwas komplizierten Materie wird es aber sicherlich dem interessierten Leser gelingen, die betreffenden Widersprüche nachzuvollziehen.

In diesem Kapitel wird zunächst ansatzweise der Phosphorkreislauf vorgestellt und dabei aufgezeigt, dass einmal in einen See gelangter Phosphor im Jahreszyklus in dem Gewässer kreist und teilweise auch zweimal im Jahr gewässerschädlich wirkt. In weiteren Schritten wird festgestellt, dass Nitrat diesen schädlichen Kreislauf ganz oder teilweise zu unterbrechen vermag. Das ist für den interessierten Leser schon eine fundamentale neue Erkenntnis, da bislang die Allgemeinheit, viele Ingenieure, insbesondere die Umweltpolitiker und der Gesetzgeber davon ausgehen, dass Nitrat grundsätzlich schädlich ist. Vielmehr ist es so, dass es nicht nur nicht schädlich ist, sondern in vielen Fällen ist sogar die Anwesenheit von Nitrat für das Gewässer sehr nützlich!

Nitrat – so wird im Folgenden bewiesen – ist grundsätzlich kein Schadstoff.

(Beabsichtigt der Gesetzgeber diesen Widerspruch zu lösen, so muss er die Abwasserverordnung und das Abwasserabgabengesetz ändern.)

Interessant dürfte in diesem Zusammenhang sein, dass selbst die Wattwürmer bei Anwesenheit von Nitrat in der Nordsee einige Vorteile von diesem vermeintlichen Gewässerschadstoff haben. Außerdem beeinträchtigt die Anwesenheit von Nitrat die Bildung der berüchtigten schwarzen Flecken im Watt. Weiteres zu den Ausnahmen und Regeln sind den Unterabschnitten zu entnehmen.

In diesem Kapitel wird außerdem auf die oft für das Gewässer nachteilige Denitrifikation in deutschen Kläranlagen und auf die Alternativen zum Belebtschlammverfahren eingegangen. Gelänge es energiesparende Kläranlagen, wie beispielsweise das Tropfkörperverfahren verstärkt wieder einzuführen, so würde es zu einem beachtlichen Synergieeffekt zwischen dem Gewässer- und dem Klimaschutz kommen.

Den ganzen umweltökonomischen und -technischen Komplex – der sich mit der Akzeptanz des eigentlich alten, aber nicht beachteten Grundlagenwissens der Wasserwirtschaft erschließt – kann das vorliegende Werk nur ansatzweise aufzeigen und keineswegs komplett darstellen. Auf jeden Fall werden sich in der Aufarbeitung beträchtliche Reserven für einen wirklich nachhaltigen Gewässerschutz aufzeigen.

Insofern sollten auch die wasserwirtschaftlichen Vorhaben, insbesondere jene, die auf eine Stickstoffeliminierung zielen, schnell (um Kosten zu sparen und um Gewässerschaden zu vermeiden) auf den Prüfstand gestellt werden und von Hydrobiologen unter Berücksichtigung der positiven Wirkungen des Nitrates auf die betreffenden Gewässer untersucht werden.

Die in der Vergangenheit oft praktizierte kostenaufwendige Fernhaltung von gereinigtem nitratreichem Abwasser aus manchen unserer Seen ist dann falsch, wenn mit dem Nitrat aus dem Abwasser der Phosphorkreislauf im Gewässer unterbrochen werden kann. Das betrifft natürlich auch die Flutung ehemaliger Seen über phosphatreichem Sediment.

Dieser spezielle Gewässerschutz sollte künftig verstärkt in die Hände erfahrener Hydrobiologen gelegt werden. Gesetzlich lassen sich die von Gewässer zu Gewässer unterschiedlichen Anforderungen nämlich nicht regulieren, weil Gewässer Organismen sind, die sich unseren dogmatischen Regulativen und teils naiven Vorstellungen nie unterwerfen werden. Die dogmatische Bewertung des Gewässers nach der Abwasserverordnung und dem Abwasserabgabengesetz ist in aller Regel für das Gewässer schädlich, wenn es um die Entfernung von Nitrat[2] geht. Das Denkmuster gemäß der gesetzlichen Entscheidung zur Stickstoffeliminierung in Kläranlagen:

„Keine Nährstoffe im Kläranlagenablauf, also auch keine Eutrophierung von Gewässern!?“

war schon immer falsch. Hier scheint es ein Defizit von Grundlagenwissen in der Wasserwirtschaft zu geben oder es handelt sich schlicht und einfach nur um Ignoranz. Das mag aber der Leser bewerten.


[1] kritische Durchsicht von Herrn Prof. Dr. D. Uhlmann, Dresden

[2] Ausnahme – Trinkwassereinzugsgebiete


Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3




Sichere Denitrifikation in Teichkläranlagen

Teichkläranlage mit verschärften Überwachungswerten

Seit 1994 wird in Nordheim an der Rhön eine zielgerichtete Denitrifikation in einer Mischwasserteichkläranlage für 9.000 EW von dem Abwasserzweckverband Obere Streu betrieben.

Der aktuelle Ablaufwert beträgt 15 mg Gesamtstickstoff.

Die Anlage besteht u. a.:

  • 2 künstlich belüftete Teiche parallel geschaltet, zur Entschlammung wird ein Becken stillgelegt.
  • 2 Nachklärteiche leicht belüftet
  • Scheibentauchkörper zur Nitrifikation
  • 2 Rezirkulationpumpen  zu je 25 l/s; im Hochsommer laufen 2 Pumpen
  • Rezirkulation in den Zulauf
  • 1 Schönungsteich

Siehe auch pdf-Datei der Veröffentlichung in „der gemeinderat“.




Kommentar zur DIN EN 752 – Wasserdichtheit

Grundsätzliche Anforderungen aus der DIN EN 752-2

Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden, Teil 2 : Anforderungen

„Die grundsätzlichen Anforderungen an den Betrieb von Entwässerungssystemen sind folgende:

a) Verstopfungsfreier Betrieb;

b) Begrenzung der Überflutungshäufigkeiten auf die, vorgeschriebenen Werte;

c) Schutz von Gesundheit und Leben der Öffentlichkeit;

d) Die Überlastungshäufigkeiten sollten auf die vorgeschriebenen Werte begrenzt werden;

e) Schutz von Gesundheit und Leben des Betriebspersonals;

f) Schutz der Vorfluter vor Verschmutzung im Rahmen festgelegter Grenzen;

g) Ausschluß der Gefährdung von bestehenden, angrenzenden Bauten und Ver- und Entsorgungseinrichtungen durch Abwasserkanäle und -leitungen;

h) Erreichung der geforderten Nutzungsdauer und Erhaltung des baulichen Bestandes;

i) Wasserdichtheit der Abwasserkanäle und -leitungen entsprechend den Prüfungsanforderungen;

j) Vermeidung von Geruchsbelästigung und Giftigkeit;

k) Sicherstellung der geeigneten Zugänglichkeit für Unterhaltszwecke.“

Nicht Notwendiges aus der DIN EN 752-5

7.4.3 Wasserdichtheit

„Untersuchungen können erforderlich werden, um Undichtheiten von Abwasserleitungen und -kanälen festzustellen. Dabei sind vorrangig Leitungen und Kanäle zu untersuchen, die in Grundwasserschutzgebieten liegen oder besonders gefährliche Stoffe ableiten (siehe Abschnitt 7 von EN 752-2:1996).“

Kommentar:

Nach dem Wortlaut der DIN EN 752 – 2 gilt:

Grundsätzlich haben Abwasserkanäle und -leitungen entsprechend den Prüfungsanforderungen dicht zu sein.

Dies wird im allgemeinen jedoch völlig anders verstanden. Nämlich so:

„Abwasserkanäle und -leitungen müssen entsprechend den Prüfungsanforderunge stets dicht sein.“

Doch was bedeutet „grundsätzlich“?

Nun, das kommt darauf an,  wer gefragt wird oder wer etwas zu sagen hat.

Ein Rechtsanwalt oder ein Richter versteht unter „grundsätzlich“ eine Regel oder eine Leitlinie, wobei Ausnahmen oder Abweichungen  durchaus zulässig sind.

Das DWA-Regelwerk, die DIN oder die Rechtsprechung zur Mängelbewertung lässt sogar ausdrücklich Abweichungen zu.

Der „Rest der Welt“ glaubt dagegen zumeist bei „grundsätzlich“ grundsätzlich an eine unbedingt einzuhaltende Anforderung, was natürlich von dem einen oder anderen unseriösen Unternehmen gewinnbringend ausgenutzt wird.

Wäre nämlich tatsächlich Gefahr im Verzug – wie mitunter vorgegaukelt wird – dann hätte das skurrile Konsequenzen. Alle Kanalisationen müssten schlagartig außer Betrieb genommen werden, weil diese ja nicht nur grundsätzlich, sondern tatsächlich undicht sind.

Nicht nur in den Großstädten müsste das Abwasser sofort mit Güllefässern ausgefahren werden.  Das Abwasser wäre in Endlagern zu speichern, denn auf die Felder und auf die Deponien darf kein Abwasser.

Man sieht was „grundsätzlich“ für Nonsens anrichtet, wird es wörtlich und nicht mit juristischem Sachverstand gewertet.

Ein exzellenter Beweis übrigens für die Nützlichkeit von Juristen gegenüber den Technikern, denn die Letzteren würde der scharfsinnige Davila in einer zivilisierten Gesellschaft gerne in der Gesindestube speisen lassen. Und mit den Jahren verstehe ich auch sein hartes Urteil, obwohl es auch mich trifft.

Also für deutsche Nichtjuristen:

Abwasserkanäle und -leitungen sollten im Allgemeinen entsprechend den Prüfungsanforderungen dicht sein. Ausnahmen sind zugelassen.

Ich habe keine DIN oder keine Regel im technischen Regelwerk gefunden, nach der eine flächendeckende Inspektion und Dichtheitsprüfung aller deutschen alten Kanäle zwingend abzuleiten wäre.

Wer einen Blick für die Realitäten hat, bei dem könnte der Eindruck entstehen, dass in der Regel Kanäle eher undicht als dicht sind und dass aus dieser Tatsache in ganzheitlicher Wertung nach der EU-WRRL wohl kein Problem zu erkennen ist. D. h. bei ganzheitlicher Wertung werden die Frachten im Grundwasser eher in Ausnahmen von undichten Kanälen verursacht.

Andererseits stellen die Kanäle ein enormes kommunales Vermögen dar, das zu schützen und zu erhalten ist.

Voraussetzung dafür ist aber, dass man den Zustand der Kanäle kennt und die Reparatur, Modernisierung und Erneuerung der Kanalisationen in gleicher Weise betreibt, wie es bei den oberirdischen Abwasseranlagen üblich ist.

Sinnvoll, planmäßig, kompetent, insbesondere verhältnismäßig und mit Augenmaß.

Siehe auch: Überflutung, Rückstau

Uwe Halbach
zertifizierter Kanalsanierungsberater




Bewertung der Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen

Wohl unstrittige Anknüpfungsfakten nach Thoma, R. und Goetz, D. :

  • Dichtheitsprüfungen (DP) an in Betrieb befindlichen GEA werden gemäß [5] durchgeführt.
  • Anlagen zur Ableitung von häuslichem Abwasser oder Mischwasser dürfen als dicht bewertet werden, wenn bei einer OI keine sichtbaren Schäden und Fremdwassereintritte festgestellt werden.
  • Ist eine OI nicht durchführbar oder wird sie als nicht ausreichend angesehen, ist eine DP durchzuführen. Hierbei ist nicht festgelegt, wer mit welchen Kriterien diesen normativ gewollten Ermessensspielraum interpretieren darf.
  • Grundleitungen die nur häusliches Abwasser ableiten und außerhalb von Schutzzone II von Wassergewinnungsgebieten liegen, können mit einer Wasserdruckprüfung durch Auffüllung bis 0,50 m über Rohrscheitel auf Dichtheit geprüft werden.
  • Ist dies bei alten Leitungssystemen nicht möglich, kann die Leitung alternativ bis zur Oberkante des tiefsten EWG oder Unterkante der Reinigungsöffnung in der Fallleitung mit Wasser aufgefüllt werden.
  • Die Prüfzeit beträgt 15 min bei einem zulässigen Wasserzugabewert von 0,2 l/m² [5].
  • DP mit Wasserfüllung führen gemäß [7] bei 90% der Grundstücke und gemäß [6] bei 94 % der Einzelprüfungen zu dem Ergebnis einer Undichtheit.

(GEA = Grundstücksentwässerungsanlage, OI = Optische Inspektion, EWG = Entwässerungsgegenstand)

Interessant ist auch die Zusammenfassung des Fachbeitrages von Thoma:

  • Bis zum Jahr 2015 sind in Deutschland ca. 1,3 Mio km Abwasserleitungen auf und zu Grundstücken zu untersuchen.
  • Die Länge, der Zustand und der tatsächliche Untersuchungsgrad sind nicht in ausreichendem Umfang bekannt.
  • Offensichtlich wurde bis dato nur ein Anteil von weniger als 5% untersucht.
  • Es ist in privaten Abwasserleitungen mit 100 bis 600 Mängeln/km zu rechnen. 24% der optisch erkannten Schäden sind nach Klassifikation entsprechend den Regeln der Technik kurz- bis mittelfristig zu sanieren.
  • Risse und Brüche treten alle 20 m einmal auf. Erste Untersuchungen zeigen übereinstimmend, dass ca. 90% der Grundstücksentwässerungsanlagen unter Prüfbedingungen undicht sind.
  • Erkennbar ist aber auch, dass bei Prüfung der Dichtheit nach den Regeln der Technik keine Korrelation zu dem optisch erfassten und klassifizierten Zustand besteht.

Messungen der Exfiltration unter Betriebsbedingungen zeigen, dass die tatsächliche Exfiltration deutlich geringer ist als die Wasserverluste bei den Wasserstandsprüfungen nach den Regeln der Technik.

  • Für die objektive Bewertung der Auswirkungen undichter, häuslicher Abwasserleitungen sind noch Grundsatzarbeiten zu leisten. Für eine zielgerichtete, effektive Sanierung der Abwasserleitungen zum nachhaltigen Schutz von Boden- und Grundwasser müssen die neuesten Erkenntnisse noch in handhabbare Regelwerke Eingang finden.
  • Die Sanierung der Grundstücksentwässerungsleitungen mit dem Ziel der vollständigen Abdichtung gemäß den vorhandenen Regeln der Technik würde 100 bis 200 MRD Euro kosten. [14]
  • Möglicherweise ist es für eine nachhaltige und vollständige Instandhaltung nicht entscheidend, ob die Dichtheitskriterien geändert werden, sondern dass die Prioritäten und Zeiträume für die Sanierung mit Blick auf das Gefährdungspotential für die Umwelt und die Instandhaltungszyklen der Gebäudesubstanz abgewogen werden.

Literatur des Beitrages von Thoma:

[1] ATV-Merkblatt M143-2 (1999) Optische Inspektion – Inspektion, Instandsetzung, Sanierung und Erneuerung von Abwasserkanälen und -leitungen

[2] ATV-Merkblatt M 149, (1999): Zustandserfassung, -klassifizierung und -bewertung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden

[3] BayLfW Merkblatt Nr. 4.3/6; (2002): Prüfung alter und neuer Abwasserkanäle, Teil 3: Dichtheitsprüfung von Grundstücksentwässerungsleitungen im Freispiegelabfluss, Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft, München

[4] Berger C., Lohaus J: (2005): Zustand der Kanalisation, Ergebnisse der DWA-Umfrage 2004, Korrespondenz Abwasser 5/2005, (52), S.528-539

[5] DIN 1986-30 (2003): Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, Teil 30: Instandhaltung

[6] Dornbusch J., (2001): Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben, Pilotprojekt: Dichtheitsprüfung und Sanierung von Grundstücksentwässerungsleitungen auf Chemischreinigungsgrundstücken, 1. Teil, Aachen

[7] Eisener W., (2005): Die dichte Kanalisation – Auswirkungen auf die Sanierung privater Kanäle, Tagungsband, 5te Göttinger Abwassertage

[8] Engel N., (2003): Strategien und Kosten der Sanierung von öffentlichen Kanalnetzen, TAH Seminar Kanalsanierung unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit, Hannover

[9] Fiedler M., (1999): Optimierung und Umsetzung der Sanierungsplanung von Haupt- und Hausanschlußkanälen, TAH Seminar Kanalsanierungsplanung, Tagungsband, Würzburg

[10] Dohmann M. (1999): Wassergefährdung durch undichte Kanäle, Erfassung und Bewertung, Springer Verlag Berlin-Heidelberg

[11] Möllers K, (IFK Bochum), Umweltbehörde der freien und Hansestadt Hamburg (1993): Abschlußbericht zur Untersuchung der Grundstücksentwässerungsleitungen im Wasserschutzgebiet XX in Hamburg, 31 S, unveröffentlicht

[12] Rußig V., (1999): Ausgewählte Ergebnisse der Studie „EUROPARC – Der Bestand an Gebäuden in Europa“, Institut für Wirtschaftsforschung e.V. München, www.ifo.de

[13] Statistisches Jahrbuch 2003 für die Bundesrepublik Deutschland und für das Ausland, Statistisches Bundesamt, Verlag Metzler Poeschel, Stuttgart

[14] Thoma R., (2005): Instandhaltung von Grundstücksentwässerungsanlagen, Korrespondenz Abwasser 6/2005 (52), S.725-730

[15] Thoma R.; (2006): Die Vision der dichten Grundstücksentwässerung, Vortrag, Kanalisationsforum Bern

[16] Togler R., (2006): Exfiltrationen bestehender Grundstücksentwässerungsanlagen, Auswirkungen, Einflussgrößen, Mengenermittlungen, neuartige Prüfmethoden, praxisgerechte Empfehlungen, RWTH Aachen

Quelle:
Thoma, R. u.a.
Grundstücksentwässerungsanlagen mit häuslichem Abwasser- Zustand, Schäden, Exfiltration, Bodenkontamination – Gefährdungspotential ?
Tagungsunterlagen der Gemeinschaftstagung 11./12. Oktober 2006
Undichte Kanäle – (k)ein Risiko?
Frankfurt
Herausgeber: DWA
(ISBN -13: 978-3-939057-60-4)

  • In dem durchaus spannenden und nachvollziehbaren Beitrag wurde als Medianwert festgestellt, dass bei der gewählten großtechnischen Versuchsanstellung nur 0,8 l Abwasser täglich versickerten.
  • Der Medianwert im Exfiltrat ergab verschwindend geringe 4,1 mg TOC/l !
  • Um sich einen umfassenden Überblick von allen Vorträgen zum Tagungsthema zu machen, müssen natürlich alle Skripte gelesen werden.

Meine prinzipielle Folgerung:

Eine Einzelprüfung mit Wasserdruck wird ja zumeist nur dann ausgeführt, wenn die optische Inspektion keine sichtbare Undichtigkeit vermuten lässt.

Wenn schon, denn schon!

Wenn also bei einer Druckprüfung mit Wasserfüllung die Wahrscheinlichkeit bei gut 90 % liegt, dass die Grundleitungen sowieso undicht sind, dann ist die optische Inspektion als technisches Verfahren zum Dichtheitsnachweis wegen Unsicherheit ungeeignet.

Meine persönliche Meinung:

Die Inspektions-, Dichtheitsprüfungs- und Sanierungskampagne von Grundstücksleitungen entspricht wegen Unverhältnismäßigkeit in der Regel nicht dem Stand der Technik.

Nicht alles was technisch möglich ist, verdient es flächendeckend umgesetzt zu werden.

Diese Meinung teilen auch andere Kollegen und wer zudem noch analysiert, welche Bundesländer in welcher administrativen Weise mit der nur scheinbaren Gefahr umgehen, bekommt schnell mit, dass die Wahrheit in der Mitte liegt.

Eine Panik ist völlig unbegründet, denn wäre die Gefahr real, dann wäre auch zu klären, warum wir alle noch so „putz und munter“ sind, oder gibt es jemanden, dem wegen eines Loches im Hausanschlusskanal übel geworden ist?

Schließlich sind die Kanäle nicht erst seit gestern undicht.

Übrigens, zu der gleichen Tagung vor 4 Jahren ließ ein „hochkarätiger“ Redner die Katze aus dem Sack:

„Man muss heute ein Lied singen, damit die Leute anfangen zu pfeifen!“

Für mich sind solche Methoden irritierend.

Entweder es besteht eine reale Gefahr, dann muss sofort und effektiv gehandelt werden und wenn diese Gefahr nur in der Einbildung existiert, dann muss man sich fragen, was mit dieser Äußerung (wohl hinterlistig?) bezweckt werden soll.

Nichts dagegen, wenn die „Sänger“ die von ihnen verursachten Schäden und Kosten zur Lösung eines überbewerteten am Ende bezahlen können und bezahlen.

Davon ist aber wohl kaum auszugehen (vergleiche Reichholf in: Die Politik der Angst).

U. Halbach

Siehe auch




Leuchtkraft wissenschaftlicher Erkenntnis fremdgedimmt!

Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: 2014 gab der Bund für Bildung und Forschung (BMBF) wohl rund 15,3 Milliarden Euro aus. Das sind drei Prozent des gesamten Bundeshaushalts. Wenn dann aber die Forschung – hier die TU Dresden – mit viel Aufwand absicherte Ergebnisse der wissenschaftlichen Ökologie vorlegt, die nicht in das Weltbild der politischen Ökologie passen und die zudem Voraussetzung für eine Effizienzsteigerung der Wasserwirtschaft sind,  dann werden diese Erkenntnisse durch Ignoranz entwertet bzw. es werden keine gesetzlichen Voraussetzungen (u. a. Änderung des Wasserrechtes, des Abwasserabgabengesetzes und der EU-WRRL) geschaffen, die eine Nutzung dieser fortschrittlichen Erkenntnisse straffrei erlauben. Die Starrheit der Gesetzgebung und die teils einfältige Gewässerbewertung verhindert die Umsetzung wichtiger Forderungen der EU-WRRL, z. B. nämlich, dass die Abwässer nach dem Stand der Technik – hier effizient zu behandeln sind. Der Weg ist nicht eine Denitrifikation in Form eines blinden Aktionismusses.

Nitrat ist ein Gewässernutzstoff und ein sekundärer Sauerstofflieferant von besonderer Bedeutung. Seine kompromisslose Eliminierung in Kläranlagen beruht auf Wissensdefiziten, ideologischen Anschauungen und auf Zwang.

Die Lähmung sowie der Schaden durch Effizienzverhinderung dauert in diesem Fall nun schon 26 Jahre!

Die Nitrat-Doktrin und ebenso die CSB-Doktrin kostet also täglich eine sachlich nicht begründbare Abwasserabgabe, die über die Abwassergebühr von Kommunen oder Verbänden eingezogen werden muss.

Für die abwasserverursachende Industrie ist dies ein Kostenfaktor.

Wenn das Merkmal einer Willkür fehlende Sachlichkeit ist, dann sind Straftatbestände einer unerlaubten Gewässerverschmutzung durch Nitrat willkürlich, es sei denn, es handelt sich um ein besonderes Schutzgut, wie z. B. eine Trinkwassertalsperre.

Straftatbestände einer unerlaubten Grundwasserverschmutzung durch Nitrat sind dann sachlich nicht nachvollziehbar, wenn eine Diskriminierung des Angeklagten gegenüber der landwirtschaftlichen Nitrat-Belastung vorliegt. Die Diskriminierung des Bürgers, seiner Kommune oder seines  Abwasserzweckverbandes ist hier aber die Regel.

Doch bilden Sie sich Ihre eigene Meinung:

Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte – Sinn der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung

Kurzbericht einer vergessenen Veranstaltung der Fachrichtung Wasserwesen der TU Dresden am 3. Juni 1997

Sinnfälligkeit der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung – so lautete der Titel einer Veranstaltung am 3. Juni 1997, der Eingeweihten Spannung versprach; wurde doch dieses Thema Gegenstand einer interdisziplinären Vortragsveranstaltung zweier Professoren der TU Dresden, Fachrichtung Wasserwesen – Prof. Dr. Lützner und Prof. Dr. Uhlmann -, die im fachlichen Disput ihre Standpunkte vor Studenten und Gästen erläuterten und verteidigten.

Pro

Herr Prof. Lützner verwies auf die Notwendigkeit der Denitrifikation für einen stabilen Kläranlagenbetrieb und führte u. a. folgende Argumente an:

  • Blähschlammbekämpfung durch anoxische Selektoren und die Notwendigkeit des Milieuwechsels;
  • verstärkte pH-Wert-Probleme, insbesondere bei weichen Wässern, wenn nur nitrifiziert wird;
  • Nutzung des Nitratsauerstoffs für den BSB5-Abbau und damit Senkung des Energiebedarfs für die Abwasserreinigung;
  • Vermeidung von Grenzwertüberschreitungen infolge einer wilden Denitrifikation in der Nachklärung.

Des Weiteren wies er darauf hin, dass bei einstufigen Belebungsanlagen die biologische Phosphorelimination ohne zusätzliche Maßnahmen nicht möglich ist. Auch wirkt Nitrat störend im Faulbehälter. Schließlich sei aus praktischer Sicht festzustellen, dass die in jüngster Zeit gebauten Kläranlagen bei über 20.000 EW im Regelfall über eine simultane aerobe Schlammstabilisierung verfügen und durch alternierende Belüftung die geschilderten negativen Betriebsauswirkungen vermindert werden.

Wenn Biologen der Meinung sind, dass für die Gewässer Nitrat keine Belastung darstellt, dann sollte auch auf die Festsetzung von Überwachungswerten verzichtet werden und die Denitrifikation nur soweit erfolgen, wie sie für den Betrieb der Kläranlage notwendig ist. Fragwürdig wird es, wenn nur zur Einhaltung der Überwachungswerte externe Kohlenstoffquellen (vorzugsweise auch Ethanol und Methanol) zugegeben werden müssen, wie es bereits jetzt in vielen Kläranlagen praktiziert wird.

…und Kontra

Während das Fachgebiet von Herrn Prof. Lützner die Abwasserbehandlung ist, hat sich Herr Prof. Uhlmann (als Verfasser des Standardwerkes „Hydrobiologie“ bekannt) darauf spezialisiert, die Probleme zu analysieren, die nach der Abwasserbehandlung im Gewässer zu beobachten sind.

In seinen Ausführungen stellte Herr Prof. Uhlmann die von Herrn Prof. Lützner angeführte Notwendigkeit einer Denitrifikation für die Stabilität des Reinigungsprozesses in Kläranlagen nicht in Frage. Er wies jedoch nachdrücklich auf sehr gut gesicherte Forschungsergebnisse hin, die belegen, dass Nitrat auch als Sauerstoffspender für das Gewässer eine wichtige Rolle spielt. Herr Prof. Uhlmann erläuterte in anschaulicher Weise, in welchen Fällen Nitrat als Pflanzennährstoff wirkt, aber auch dass Nitrat besonders wertvoll für die Sauerstoffversorgung von Sedimenten – die Schlammablagerungen in Seen und Meeren – ist.

Der gelöste Sauerstoff wird aufgrund der natürlichen Zehrungsprozesse an der Wasser- und Schlammgrenzschicht häufig schnell verbraucht.

Allein das Nitrat diffundiert in die tieferen Schlammschichten, so dass dort eine anoxische Nitratatmung ermöglicht wird.

Analog, wie dies in der Denitrifikationsstufe der Kläranlage erfolgt.

Wozu ist nun Sauerstoff – einschließlich Nitratsauerstoff – im Schlamm erforderlich?

Eine Sauerstoffversorgung der oberen Schlammschichten verhindert zum Beispiel, dass sedimentierte Phosphorverbindungen rückgelöst werden, ähnlich wie dies technisch mit der biologischen P-Eliminierung praktiziert wird.

So gesehen, ist Stickstoff in der Nitratform wohl kaum als eutrophierender Faktor zu werten.

An dem Disput beteiligten sich – neben zahlreichen Gästen und Studenten – auch Frau Professor Röske, Herr Professor Hackenberger sowie Herr Professor Benndorf, der die Veranstaltung moderierte.

Im Resümee verständigten sich die Teilnehmer dazu, dass einerseits eine Denitrifikation für den störungsfreien Kläranlagenbetrieb notwendig ist, andererseits aber Nitrat für die Sauerstoffversorgung der Sedimente in den Gewässern eine sehr wichtige Rolle spielt und man deshalb nur soweit denitrifizieren sollte, wie es betrieblich erforderlich ist.

Die Notwendigkeit einer gesetzlich vorgeschriebenen und behördlich kontrollierten Denitrifikation in Kläranlagen wurde von keinem Gesprächsteilnehmer gesehen.

Im Verlaufe wurde weiter diskutiert, dass in Anwendung der Ergebnisse das Tropfkörperverfahren eine Renaissance erleben könnte, weil mit Einführung der neuen Abwasserverordnung seit 01.04.1997 für Kläranlagen <= 10.000 EW die Denitrifikation nicht mehr erforderlich ist.

Fazit

Die Signale der Wissenschaftler der TU Dresden und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sind hochinteressant und werden hoffentlich bald in den Wassergesetzen vergegenständlicht.

Sollten sich in der Gesetzgebung einschließlich dem EU-Wasserrecht, bei den Ingenieuren und Behörden diese Erkenntnisse durchsetzen, könnte sich in der Abwasserbehandlung und der Gewässerpolitik das Reglement vereinfachen.

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Dinge und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müssen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

Auf jeden Fall ist aber die TU Dresden eine gute Adresse, wenn es gilt, neue Wege zu beschreiten.

(Uwe Halbach ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung)

Erschienen in der wwt 5 / 1997

___________________________

Kommentar nach 13 Jahren:

Inzwischen sind 13 Jahre vergangen und aus dem kleinen Wermutstropfen

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Dinge; und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müssen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

ist ein Fass Wermut geworden.

Ist dies nun ein Beweis oder ein Indiz dafür, dass bei der Nitrat-Doktrin die Gewissenhaften über die Verständigen siegten?

Ich glaube, hier wirkt die Bildung störend und wird deshalb einfach ignoriert. Der Ökologe und Buchautor, Herr Gärtner hat über diese fragwürdigen Methoden ein Buch geschrieben: Öko-Nihilismus. Zudem erlebe ich es als Gutachter recht häufig, dass Zusammenhänge, Verhältnisse und die Logik immer dann ausgeklammert werden, wenn es um gewissenhafte Vorsorge geht oder wenn Vorstellung und Glauben, die bzw. den man von der Natur hat, nicht den Tatsachen in der Natur entsprechen. Dann wird nicht etwa die Vorstellung von der Natur angepasst , sondern die das Weltbild störenden Tatsachen werden einfach ignoriert. Philosophisch gesehen ist die Leugnung unbequemer Tatsachen eine Tatsache und dem Menschen immanent. Platon mit seinem Höhlengleichnis bis hin zu Schopenhauer mit seinen Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ können als Beweis dafür dienen. Man muss diese menschlichen Bedürfnisse nur kennen. Für die Jugend dagegen ist es ein Frust, wenn sie ihre mühsam erarbeitete Bildung gegen Geschäftsinteressen und Ideologien entwertet sehen. Allerdings ist der Desillusionierungsprozess ein schleichender. Mancher erarbeitet ihn sich früher, mancher später, aber die meisten werden es nie begreifen. Und das ist aus bestimmten Gründen auch gut so…

Uwe Halbach am 23.03.2010




Integrierte Betrachtung – Bewertung in Einzugsgebieten – Wasserscheide

Bereits 1969 wurde im Osten Deutschlands – als es die EU noch nicht gab – ein Prinzip der EU-Wasserrahmenrichtlinie regional umgesetzt. Es handelte sich um das

Prinzip der integrierten Betrachtung von Einzugsgebieten, die nach hydrologischen Gesichtspunkten mit Hilfe von Wasserscheiden abgegrenzt werden.

Ort des Geschehens war die Ingenieurschule für Wasserwirtschaft in Magdeburg. Die Ingenieurschule hatte im Harz als eigenes hydrologisches Experimentierfeld ein kleines Einzugsgebiet eines Baches.

Ich war ebenfalls ein Studierender und Augenzeuge und so weiß ich von einigen Wochen, in denen hockten die Studenten abends über Messtischblättern und malten stundenlang „zu Fuß“ – also ohne Computer – Wasserscheiden in Messtischblätter ein. Der Dozent für Hydrologie wählte listigerweise Messtischblätter der Topographie des Harzes aus, wo die Bestimmung von Einzugsgebieten aufgrund des Gewirrs der Höhenlinien schon eine lästige Aufgabe war. Seit diesen Tagen besitze ich eine Lupe.

Einzugsgebiet der Wippervorsperre

Was sind nun Wasserscheiden? Um es einfach darzustellen:

Wasserscheiden sind Linien im Gelände, bei denen ein Wassertropfen, wenn er auf sie fällt, nicht weiß, in welche Richtung er rinnen darf oder muss.

Dem Tropfen geht es wie dem Esel von Buridan. (Noch umfänglicher informiert man sich über Wasserscheiden z. B. bei Wikipedia.)

Diese Ausführungen sollen nur einen kleinen Eindruck von der ausgezeichneten Qualifizierung der Wasserwirtschaftler der DDR vermitteln. Und so freut man sich natürlich, wenn auch die DDR-Wasserwirtschaft einen winzigen Beitrag zur Bewertung der Flussgebietseinheiten im Rahmen der EU-WRRL leisten durfte.

Dem sachlich und sehr informativ gehaltenen Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie von RUMM ist folgendes Zitat entnommen:

„Einen der Kernpunkte der WRRL und zugleich eine der wesentlichen Herausforderungen für die deutsche Wasserwirtschaft stellt die integrierte Betrachtung von nach hydrologischen Gesichtspunkten abgegrenzten Flussgebietseinheiten dar.

Diese Betrachtungsweise sprengt die in Deutschland traditionell stark an administrativen Zuständigkeiten und politischen Grenzen ausgerichtete Bewirtschaftung der Gewässer und erzwingt eine wesentlich intensivere Zusammenarbeit und Koordination zwischen den verschiedenen zuständigen Stellen innerhalb einer Flussgebietseinheit.

Nicht von ungefähr waren noch die ersten Entwürfe der Europäischen Kommission für die Richtlinie von der Schaffung von Flussgebietsorganisationen ausgegangen, die für die Erarbeitung und Umsetzung der Bewirtschaftungspläne für gesamte Flussgebietseinheiten zuständig sein sollten.

(Europäische Kommission 1997)

Quelle: Stratenwerth, Th.
Bewirtschaftung nationaler und internationaler Flussgebiete
aus Rumm, von Keitz und Schmalholz
Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie
2., neu bearbeitete und wesentlich erweiterte Auflage
Berlin, 2006 (Seite 59)

Ich beobachte allerdings immer wieder, dass Frachten aus Einzugsgebieten – trotz EU-WRRL – bei der wasserchemischen Bewertung in den Landkreisen nur sehr selten berücksichtigt werden.  Bei den Begründungen zur Verschärfung der Überwachungswerte werden wegen der Nichtbeachtung diesbezüglicher Hinweise in einschlägiger Fachliteratur Fehler in Größenordnungen von schätzungsweise 70…99 % gemacht, da die wesentlichen Frachten aus der Landwirtschaft, der Luft, dem Niederschlag und der Erosion nicht berücksichtigt werden.  Man konzentriert sich bei den Wünschen zur Minimierung der Stoffeinträge in Gewässer fast ausschließlich auf vernachlässigbare, meist kommunale Punktquellen. Damit wird gegen die Regelungen der EU-WRRL und gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen. Regelmäßig werden Entwässerungsgräben, Meliorationsgräben, Straßenentwässerungsgräben oder Bahnseitengräben mit schlechtesten hydromorphologischen Zuständen so behandelt, als würde es sich um einen besonders schützenswerten kristallklaren Gebirgsbach handeln, in dem auch noch Forellen laichen. Schließlich werden finanzielle Mittel der Abwasserbeseitigungspflichtigen in Größenordnungen verschwendet.




Probenahmemethoden

Rohwasserprobe

  • Als Rohwasserprobe bezeichnet man die Probe eines Wassers ohne weitere Aufbereitungsschritte
  • Sie enthält folglich auch die ungelösten Anteile.
  • Ihre Untersuchung ist in der Regel nur nach dem Homogenisieren möglich.

Sedimentierte Probe

  • Mit Hilfe der sedimentierten Probe können in Wasser gelöste bzw. Schwebstoffe getrennt von den absetzbaren Inhaltsstoffen ermittelt werden.
  • Im Allgemeinen wird die Absetzdauer auf zwei Stunden festgelegt.
  • Bei Belebtschlamm-Wasser-G



Ausgewählte Straftatbestände bei unbefugter Gewässerverunreinigung

Freiheitsstrafe wegen undichter Kanäle?

Zusammengestellt am 05.11.2002 von Uwe Halbach, ö.b.u.v.
Sachverständiger für Abwasserbeseitigung,
zertifizierter Kanalsanierungsberater

Inhalt:

  • Einleitung – Nicht alles wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird!
  • § 150 Wassergesetz Sachsen-Anhalt
  • Sammeln, Fortleiten, Behandeln, Einleiten, Versickern, Verregnen, Verrieseln, Entwässern von Klärschlamm
  • Niederschlagswasser
  • § 13 Strafgesetzbuch (StGB)
  • Unterlassen
  • § 25 StGB
  • Täterschaft
  • § 26 StGB
  • Anstiftung
  • § 27 StGB
  • Gehilfe
  • § 324 StGB
  • Gewässerverunreinigung
  • § 153 a Strafprozessordnung (StPO)
  • Einstellung des Hauptverfahrens
  • Wiedergutmachung
  • Geldbetrag
  • gemeinnützige Leistungen

Einleitung:

Diese Seite dient lediglich der Veranschaulichung eines Szenarios, das denkbar ist, wenn eine unerlaubte Gewässereinleitung offiziell festgestellt und mit allen Mitteln verfolgt wird.  Zu unterscheiden ist zwischen unerlaubten und erlaubten Gewässerverunreinigungen.

Kanäle sollen dicht sein!

Seit vielen Jahren gibt es gesetzliche Regelungen, die das Grundwasser vor Verunreinigungen schützen sollen.

Insofern ist es erforderlich, dass Kanäle grundsätzlich wasserdicht sein müssen.

Das ist das Ziel und der Anspruch zugleich und zugleich ist es auch eine Tatsache, dass Kanäle nie dicht sein können.

Die Kanalsanierung soll nach einem vorgeschriebenen Ablauf geplant werden.

Für die Betreiber von Abwasserkanälen kommt es darauf an, dass sie vor allem planmäßig und schrittweise ihre undichten Kanäle unter Beachtung der wirtschaftlichen Möglichkeiten sanieren.

(Siehe z. B.: Kanalsanierungsplanung, erste Klassifizierung nach EN 752-5 und Arbeitsabschnitte der Kanalsanierungsplanung nach EN 752-5.)

Eine Voraussetzung zur Straffreiheit bei der unerlaubten Gewässerverschmutzung durch undichte Kanäle ist:

  • Vorliegen einer Kanalsanierungsplanung und regelmäßige Aktualisierung
  • jährliche Inspektion eines angemessenen Teiles der Kanalisation
  • das schrittweise und planmäßige  Sanieren defekter Kanäle nach Schwerpunkten

Die Kanalsanierung ist ein Prozess, der in der Regel nie abgeschlossen sein wird.

Verbände und Kommunen sollten ggf. nachweisen können, dass die Problematik der undichten Kanäle nicht auf die leichte Schulter genommen wird und das planmäßig nach ihren Möglichkeiten saniert wird.

Es gibt Gründe, die zu keiner Erhebung einer öffentlichen Klage führen können, wenn zugleich dem Beschuldigten Auflagen und Weisungen erteilt werden und wenn diese geeignet sind, dass öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen und die Schwere der Schuld nicht dem entgegensteht.

Derartige Auflagen und Weisungen können z. B. darin bestehen, die Kanalsanierung nach einer Kanalsanierungsplanung vorzunehmen.

Im  November 2002 veröffentlichte die ATV Ergebnisse einer Umfrage. Nach dieser Umfrage sind 17 % der öffentlichen Kanalisation von ca. 45.000.000.000 km undicht. Das wären 7.650 000.000 km.

Welche Meinung kann man über undichte Kanäle haben, wenn man nicht darauf angewiesen ist, dass es sie gibt?

Ob nun jedes Loch im Kanal eine Umweltkatastrophe darstellt, das mit strafrechtlichen Mitteln immer und überall verfolgt werden muss, ist eine Frage der Fachkompetenz und Lebenserfahrung.

Zum Beispiel ist eine fehlende Scherbe in einer Kanalsohle eines Hauptsammlers mit ständiger Wasserführung der oberhalb des Grundwasserspiegels im Trinkwassereinzugsgebiet liegt, strenger zu bewerten als ein Hausanschlusskanal in dem täglich nur ein paar Sekunden lang mal eine kleine Menge häusliches Abwasser fließt.

Undichte Hausanschlusskanäle

In der letzten Zeit interessiert man sich verstärkt auch für undichte Hausanschlusskanäle , denn wenn der Deutsche etwas macht, dann macht er es gründlich und ohne Ausnahmen.

Ein undichter Hausanschlusskanal ist eine unerlaubte Gewässerverunreinigung nach § 324 StGB, ob wir aber damit die Welt retten, wenn alle Grundstücksbesitzer dazu „verdonnert“ werden ihre Hausanschlusskanäle abzudichten, wage ich zu bezweifeln.

Einen wasserwirtschaftlichen Schwerpunkt bei der Gewässerverunreinigung bilden undichte Hausanschlusskanäle in der Regel jedenfalls nicht.

Undichte Hausanschlusskanäle gibt es seit wenigstens 100 Jahren und wo ist das Problem im Grundwasser?

Nun es gibt keines, weil der Wasserkreislauf ständig zu einer Verdünnung des Grundwassers und zur Ausspülung von Inhaltsstoffen führt.  Zudem sind Selbstreinigungen und Selbstdichtungen bekannt.

Das alles sind Tatsachen, bei denen eine verwaltungsrechtliche  Würdigung unzulässig ist, denn der Gesetzgeber räumte wohl aus Gründen der Marktgestaltung seinen Behörden keinen Ermessensspielraum bei der eigenen Meinungsbildung zur Entschärfung ihrer Sorgen und Ängste ein.

Es wäre auch eine Katastrophe für manche Wirtschaftszweige, wäre bei einer wasserwirtschaftlichen Investition die tatsächliche Effektivität in der Natur maßgeblich. Es käme einer Revolution der momentanen „Wasserwirtschaft“ gleich, wäre man nur gezwungen, schlichte Tatsachen zu akzeptieren, unabhängig davon, ob sie das Weltbild der Umweltgesetzgebung stören oder nicht.

Dazu ein Beispiel aus der Praxis zur „Entschärfung der Besorgnis“ einer Grundwasserverschmutzung:

Im Rahmen eines Rechtsstreites war in Dresden nachzuweisen, ob eine oberflächliche unzulässige Abwasserversickerung einer Grundstückskläranlage nach DIN 4261 Teil 1 (also eine Faulgrube) dem Boden Schaden zufügte. In dem Fall wurde das Abwasser jahrelang in eine Gemüsebeetfurche geleitet.

Der Rechtsstreit begann, weil die Nachbarn sich nicht mochten. Ich hatte als Gerichtsgutachter nun die Aufgabe den Nachweis einer Bodenverschmutzung zu führen.

Über die verdächtige und die unverdächtige Grundstücksfläche wurde also für die Probennahme ein Raster in 3 verschiedene Tiefen gelegt.

Ein zertifiziertes Labor entnahm Bodenproben, die auf Stickstoff, Phosphor, Schwermetalle und ausgewählte Gifte untersucht wurden.

Die Auswertung war eine Überraschung. Sie ergab nicht den geringsten Hinweis, dass die unerlaubte Bodenverunreinigung auch nur in Ansätzen dem Boden geschadet hatte.

Seit dieser Zeit bin ich noch vorsichtiger in meiner Meinungsbildung über vermeintlich katastrophale Naturschäden durch undichte Hausanschlusskanäle oder vermeintlich schlecht arbeitende Hauskläranlagen geworden.

Das Ergebnis ist doch logisch! Wir vertilgen ja nicht massenhaft Schwermetalle und Gifte, so dass wir davon ausgehen müssen, dass das Abwasser eines Einfamilienhauses giftig sei.

Und abschließend zu den naturwissenschaftlichen Überlegungen einige ausgewählte gesetzliche Regelungen:

§ 150 Wassergesetz Sachsen-Anhalt
(1)     Abwasser im Sinne dieses Gesetzes ist Wasser, das durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch verunreinigt oder sonst in seinen Eigenschaften verändert ist oder das von Niederschlägen aus dem Bereich von bebauten oder befestigten Flächen abfließt und das sonst in die Kanalisation gelangende Wasser. Als Abwasser gelten auch die aus Anlagen zum Behandeln, Lagern und Ablagern von Abfällen austretenden und gesammelten Flüssigkeiten.

(2) Abwasser ist so zu beseitigen, dass das Wohl der Allgemeinheit nicht beeinträchtigt wird.

(3)     Abwasserbeseitigung im Sinne dieses Gesetzes umfasst das Sammeln, Fortleiten, Behandeln, Einleiten, Versickern, Verregnen und Verrieseln von Abwasser sowie das Entwässern von Klärschlamm im Zusammenhang mit der Abwasserbeseitigung.

(4)     Niederschlagswasser ist in geeigneten Fällen zu versickern.

(5)     Die §§ 151 bis 156 gelten nicht für Jauche, Gülle und Silagesickersaft sowie für das durch landwirtschaftlichen Gebrauch entstandene Abwasser, das dazu bestimmt ist, auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Böden aufgebracht zu werden. Die Vorschriften des Abfallrechts blieben unberührt.

§ 13 Strafgesetzbuch (StGB)

Allgemeiner Teil (§§ 1 – 79b)
2. Abschnitt – Die Tat (§§ 13 – 37)
1. Titel – Grundlagen der Strafbarkeit (§§ 13 – 21)

§ 13 – Begehen durch Unterlassen
(1)     Wer es unterlässt, einen Erfolg abzuwenden, der zum Tatbestand eines Strafgesetzes gehört, ist nach diesem Gesetz nur dann strafbar, wenn er rechtlich dafür einzustehen hat, dass der Erfolg nicht eintritt, und wenn das Unterlassen der Verwirklichung des gesetzlichen Tatbestandes durch ein Tun entspricht.

(2)     Die Strafe kann nach § 49 Abs. 1 gemildert werden.

§ 25 StGB

Allgemeiner Teil (§§ 1 – 79b)
2. Abschnitt – Die Tat (§§ 13 – 37)
3. Titel – Täterschaft und Teilnahme (§§ 25 – 31)

§ 25 – Täterschaft
(1)     Als Täter wird bestraft, wer die Straftat selbst oder durch einen anderen begeht.

(2)     Begehen mehrere die Straftat gemeinschaftlich, so wird jeder als Täter bestraft (Mittäter).

§ 26 StGB

Allgemeiner Teil (§§ 1 – 79b)
2. Abschnitt – Die Tat (§§ 13 – 37)
3. Titel – Täterschaft und Teilnahme (§§ 25 – 31)

§ 26 – Anstiftung

Als Anstifter wird gleich einem Täter bestraft, wer vorsätzlich einen anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat bestimmt hat.

§ 27 StGB

Allgemeiner Teil (§§ 1 – 79b)
2. Abschnitt – Die Tat (§§ 13 – 37)
3. Titel – Täterschaft und Teilnahme (§§ 25 – 31)

§ 27 – Beihilfe
(1)     Als Gehilfe wird bestraft, wer vorsätzlich einem anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe geleistet hat.

(2)     Die Strafe für den Gehilfen richtet sich nach der Strafdrohung für den Täter. Sie ist nach § 49 Abs. 1 zu mildern.

§ 324 StGB

Besonderer Teil (§§ 80 – 358)
29. Abschnitt – Straftaten gegen die Umwelt (§§ 324 – 330d)

§ 324 – Gewässerverunreinigung
(1)     Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2)     Der Versuch ist strafbar.

(3)     Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

§ 153 a Strafprozessordnung (StPO)

2. Buch – Verfahren im ersten Rechtszug (§§ 151 – 295)
1. Abschnitt – Öffentliche Klage (§§ 151 – 157)

§ 153a (Einstellung des Hauptverfahrens)

(1)     Mit Zustimmung des für die Eröffnung des Hauptverfahrens zuständigen Gerichts und des Beschuldigten kann die Staatsanwaltschaft bei einem Vergehen vorläufig von der Erhebung der öffentlichen Klage absehen und zugleich dem Beschuldigten Auflagen und Weisungen erteilen, wenn diese geeignet sind, das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen, und die Schwere der Schuld nicht entgegensteht. Als Auflagen oder Weisungen kommen insbesondere in Betracht,

  1. zur Wiedergutmachung des durch die Tat verursachten Schadens eine bestimmte Leistung zu erbringen,
  2. einen Geldbetrag zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung oder der Staatskasse zu zahlen,
  3. sonst gemeinnützige Leistungen zu erbringen,
  4. Unterhaltspflichten in einer bestimmten Höhe nachzukommen,
  5. sich ernsthaft zu bemühen, einen Ausgleich mit dem Verletzten zu erreichen (Täter-Opfer-Ausgleich) und dabei seine Tat ganz oder zum überwiegenden Teil wieder gut zu machen oder deren Wiedergutmachung zu erstreben, oder
  6. an einem Aufbauseminar nach § 2b Abs. 2 Satz 2 oder § 4 Abs. 8 Satz 4 des Straßenverkehrsgesetzes teilzunehmen.
    Zur Erfüllung der Auflagen und Weisungen setzt die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten eine Frist, die in den Fällen des Satzes 2 Nr. 1 bis 3, 5 und 6 höchstens sechs Monate, in den Fällen des Satzes 2 Nr. 4 höchstens ein Jahr beträgt. Die Staatsanwaltschaft kann Auflagen und Weisungen nachträglich aufheben und die Frist einmal für die Dauer von drei Monaten verlängern; mit Zustimmung des Beschuldigten kann sie auch Auflagen und Weisungen nachträglich auferlegen und ändern. Erfüllt der Beschuldigte die Auflagen und Weisungen, so kann die Tat nicht mehr als Vergehen verfolgt werden. Erfüllt der Beschuldigte die Auflagen und Weisungen nicht, so werden Leistungen, die er zu ihrer Erfüllung erbracht hat, nicht erstattet. § 153 Abs. 1 Satz 2 gilt in den Fällen des Satzes 2 Nr. 1 bis 5 entsprechend.

(2)     Ist die Klage bereits erhoben, so kann das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Angeschuldigten das Verfahren bis zum Ende der Hauptverhandlung, in der die tatsächlichen Feststellungen letztmals geprüft werden können, vorläufig einstellen und zugleich dem Angeschuldigten die in Absatz 1 Satz 1 und 2 bezeichneten Auflagen und Weisungen erteilen. Absatz 1 Satz 3 bis 6 gilt entsprechend. Die Entscheidung nach Satz 1 ergeht durch Beschluß. Der Beschluß ist nicht anfechtbar. Satz 4 gilt auch für eine Feststellung, daß gemäß Satz 1 erteilte Auflagen und Weisungen erfüllt worden sind.
(3)     Während des Laufes der für die Erfüllung der Auflagen und Weisungen gesetzten Frist ruht die Verjährung.

2002, überarbeitet Februar 2010




Wir simulieren für Sie auch die Schmutzfracht mit der Software SMUSI

Unser Angebot:

Wir simulieren für Sie auch die Schmutzfracht mit der Software SMUSI

Hier ein Auszug aus dem Gutachten unseres Mitarbeiters Herrn Eichhorn für die Stadt Schlüchtern als Beweis dafür, dass wir so etwas auch beherrschen:

1 Dimensionierung mittels Simulationsmodell „SMUSI“

Die Aufgabe der Regenüberlaufbauwerke besteht entsprechend der Ausführungen in Gliederungspunkt 2 darin, im Niederschlagsfall Teile des anfallenden Regenwassers in die Vorflut zu entlasten.

Um das Gewässer hinreichend zu schützen, erfolgt die Vorhaltung von Speichervolumina mit dem Ziel, den Großteil der Schmutzfrachten im Kanalsystem zu belassen und zur Kläranlage zu führen, so dass nur noch gering verschmutztes Niederschlagswasser entlastet wird.

Für die Bemessung derartiger Überlaufbauwerke existieren seit langem empirische Ansätze, die für einzelne Bauwerke bzw. Direkteinzugsgebiete dieser Becken i.d.R. hinreichend gute Ergebnisse liefern.

Schwieriger und komplizierter wird eine solche Bemessung vor allem aber dann, wenn, wie im Fall Schlüchtern, eine große Anzahl derartiger Bauwerke in „Reihe geschaltet“ sind und die zurückgehaltenen Frachten eines oben liegenden Bauwerks an den Trennbauwerken der unterhalb liegenden Becken bzw. Überläufe erneut zur Entlastung gelangen können.

Das für die RÜB-Berechnung maßgebende ATV-Arbeitsblatt A 128 legt diesbezüglich eine Reihe von Grenzen fest, bei deren Überschreitung der Planer dann gefordert ist, die Beckengrößen mittels eines Nachweis- bzw. Simulationsverfahrens zu ermitteln bzw. zu überprüfen.

Das Simulationsmodell „SMUSI“ [1] als solches ist dabei zunächst kein Bemessungsprogramm für Überlaufbauwerke, sondern wurde als Nachweisverfahren konzipiert, d. h. es erlaubt die Simulation des Schmutzfrachteintrages[2] bei vorgegebenen Kenndaten (Volumen; Drosselabflüsse…) der Überlaufbauwerke. Eine Anwendung als Planungsinstrument ist aber dennoch möglich, indem anhand gesetzter Zielgrößen (zulässige Schmutzfrachtentlastung) für das Gesamtgebiet oder von Teileinzugsgebieten eine iterative Ermittlung der benötigten Beckenvolumina vorgenommen wird.

Die zu erreichenden Zielgrößen (bei der Entlastung) werden durch die Fachbehörde entsprechend der zulässigen Gewässerbelastung vorgegeben bzw. orientieren sich an den Regeln der Technik bei der Mischwasserbehandlung.

Im Bundesland Hessen gilt für die Mischwasserbehandlung, dass die a.a.R.d.T. – neu Stand der Technik – dann eingehalten sind bzw. erreicht werden, wenn neben der A 128 auch die Schmutzfracht mit dem Modell „SMUSI“ simuliert wird und die Ergebnisse der Simulation entsprechend berücksichtigt werden.

Für das Bundesland Hessen gilt, dass der Schmutzfrachteintrag von 250 kg CSB/ha Ared über die Summe (im Mittel) aller Entlastungen vor der biologischen Reinigungsstufe unterschritten werden sollte.

Das ist ein wichtiger Zielparameter.

Für die Stadt Schlüchtern wurde nach Auskunft der Stadtverwaltung und des Wasserwirtschaftsamtes keine Verschärfung der Entlastungsvorgaben festgesetzt. Somit gelten o. g. Standardvorgaben (250 kg CSB/ha Ared).

2  Bearbeitungsverlauf/Prüfmodus

Im Folgenden werden Hinweise zum Prüfverlauf bzw. zur Herangehensweise vermittelt.

Durch die Stadt Schlüchtern wurden umfangreiche und qualitativ gute Unterlagen zur Durchführung der Plausibilitätsprüfung zur Verfügung gestellt.

Dies betrifft sowohl die zu prüfenden Berechnungsunterlagen als auch die erforderlichen Vergleichsunterlagen über Kanalbestand, Kanalisationskonzept und aktuellen Primärdaten [3].

Zunächst wurden die Unterlagen über Kanalbestand und Kanalisationskonzept gesichtet, um die zur Verfügung gestellten Planungsunterlagen auf die logische Übereinstimmung mit den technischen Gegebenheiten des Einzugsgebietes/des Netzes prüfen zu können.

Nach der Einarbeitung in die grundlegende Netzstruktur des Entsorgungsgebietes erfolgte die Plausibilitätsanalyse der den SMUSI-Läufen zu Grunde liegenden Systemlogik, d. h. der Bauwerksanordnung und -zahl bzw. der Verknüpfung der einzelnen technischen Elemente sowie der Einzugsgebiete.

In den weiteren Arbeitsschritten wurde eine detaillierte Plausibilitätsprüfung der für die Berechnungen relevanten Grundlagen/Eingabedaten vorgenommen.

Aus den zu prüfenden Unterlagen wurde ersichtlich, dass – einhergehend mit dem Bau- und Sanierungsfortschritt im Entsorgungsbereich – durch das ausführende Büro eine kontinuierliche Fortschreibung der Berechnungen sowie eine immer detailliertere Erfassung von Eingabedaten (z. B. im Hinblick auf den spezifischen Abwasseranfall) vorgenommen wurde.

Zur Plausibilitätsprüfung der Eingabedaten dienten einerseits durch die Stadt übergebene Unterlagen als auch ein Vergleich mit Erfahrungs- und Literaturwerten.

Die Einwohnerzahlen wurden im Rahmen der Plausibilitätsprüfung beispielsweise mit den aktuellen Einwohnermeldezahlen verglichen und die Ansätze für spezifische Schmutz- und Fremdwasserspenden mit Literaturwerten auf ihre Plausibilität geprüft.
Die maßgebenden Flächenansätze wurden auf Basis von Lageplänen und Ortsbegehungen (Stichproben) kontrolliert.

Die in den Berechnungen eingeflossenen Prognosen mussten dabei weitgehend mit dem Flächennutzungsplan des zu prüfenden Bereiches Übereinstimmung zeigen.

Weiterhin wurden die Simulationsbedingungen und -einstellungen auf eine logische Übereinstimmung mit den Gegebenheiten des Untersuchungsgebietes überprüft.

Die übergebenen (aktuellsten) Eingabedaten wurden ebenfalls einer Plausibilitätsprüfung unterzogen und schrittweise in die Vergleichssimulation mit der aktuellen Programmversion SMUSI 4.00r integriert.

Dabei konnte die innere Systemlogik und die rechnerische Plausibilität überprüft werden.

Im Ergebnis wurde festgestellt, dass die Simulation zunächst nicht nachvollziehbar war.

Das wurde dem Auftraggeber bereits mitgeteilt.

Nach eingehender Analyse des Problems und nach einer Konsultation mit dem Programmentwickler wurde ein noch bis dahin unbekannter Fehler der genutzten Programmversion festgestellt, der bei einer zu hohen Anzahl der Datensätze (> 200) auftrat.

Nach Übergabe eines neuen Updates zur genutzten Programmversion durch die Universität Darmstadt, konnten die Simulationen schließlich nachvollzogen werden.

[1]
„Das Schmutzfrachtsimulationsmodell „SMUSI“ ist ein flächen- und komponentendetailliertes hydrologisch-deterministisches Niederschlagsabfluss- und Stofftransportmodell. Es ist als Langzeitsimulationsmodell konzipiert und berechnet die maßgebenden Kenngrößen zur gewässerorientierten Beurteilung der Wirkung von Entlastungsanlagen in bestehenden oder geplanten Entwässerungsnetzen“.
[2]
Die natürlichen (ereignisspezifischen) Vorgänge werden nicht exakt nachgebildet, sondern die Simulationsergebnisse beschreiben die den jeweiligen Planungsvarianten zuzuordnende Entlastungssituation durch eine Darstellung der im Jahresmittel an Regenentlastungen in den Vorfluter abgeschlagenen bzw. zur Kläranlage weitergeleiteten Stofffrachten und -konzentrationen.
[3]
wie z. B. der Einwohnermeldezahlen des Jahres 2000

Werdau, den 05.02.2003




Positiver BSB5-Analysenfehler in Größenordnungen bei der Überwachung von Teich- und Kleinkläranlagen recht wahrscheinlich!

Auszug aus Privatgutachten!

BSB5-Analyse meist kein Beweismittel!

Inhaltsverzeichnis

  • DIN 38 409, Teil 51 vom Mai 1987 (Analysenvorschrift zur Bestimmung des BSB5)
  • BSB5-Überwachungsergebnisse als Beweismittel?
  • Fragliche BSB5-Überwachung von Kleinkläranlagen
  • Überwachungs- und Interpretationsfehler bei belüfteten Abwasserteichanlagen
  • Zwingender Inhalt eines Analysenberichtes
  • Wann wird der BSB5 Beweismittel?
  • Was ist BSB5?

Kurzfassung:

Bei der Überwachung von Teichkläranlagen, Hauskläranlagen und unterlasteten Kläranlagen ist grundsätzlich mit methodischen Fehlern in Größenordnungen bei der BSB5-Analytik zu rechnen. (Das ist nicht neu, aber möglicherweise etwas in Vergessenheit geraten.) Die Konsequenzen aus dieser Fehlbestimmung können sowohl strafrechtliche (Verstoß gegen die wasserrechtliche Erlaubnis) als auch wirtschaftliche Folgen (unnötige Intensivierungs- oder Neubauinvestitionen bei der Abwasserbehandlung) haben.

Im Rahmen der Bewertung einer belüfteten Teichkläranlage wurde festgestellt, dass ein methodischer Analysenfehler bei der Anlagenüberwachung zu einer beachtlichen Anlagenfehleinschätzung führte.

Der Fehler bestand in einer unzulässigen Mitbestimmung des Sauerstoffverbrauches für die Nitrifikation.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Nitrifikanten (Bakterien, die Ammonium zu Nitrit und Nitrat oxidieren) und damit die BSB5 -Analytik verfälschen, ist grundsätzlich bei Teichkläranlagen und Kleinkläranlagen sehr hoch, weil es sich hier um schwach belastete Anlagen handelt.

Richtet sich die BSB5 -Analytik nicht genau nach der DIN-Vorschrift, so ist grundsätzlich mit positiven Analysenfehlern in erheblichen Größenordnungen zu rechnen.
In einem Fall betrug der Fehler + 60 %.

Zur Ermittlung des Fehlers wurde in einem Fall aus dem Ablauf eines belüfteten Abwasserteiches eine Probe entnommen und der BSB5 zweimal ermittelt. Einmal wurde der BSB5 mit Hemmung dieser Nitrifikanten (Zugabe des Hemmstoffes N-Allylthioharnstoff ) bestimmt und ein weiteres Mal ohne Hemmung ermittelt.

Dabei wurde bei dieser Probe ein positiver Fehler von 60 % (!) ermittelt, wenn kein Hemmstoff bei der BSB5-Analytik zugegeben wird.

Wird bei einer BSB5 -Analyse kein Hemmstoff zugegeben und es kommt aus irgendwelchen Gründen zur Nitrifikation während der Analyse, dann ist das Analysenergebnis falsch und die Analyse entspricht nicht der DIN-Vorschrift.

Im Einzelnen:

Der BSB5 ist definiert als Sauerstoffverbrauch des Kohlenstoffabbaus.

Bei der BSB5 -Abwasseranalytik gibt es aber Störfaktoren, die auszuschließen sind.

Ein Störfaktor ist die Sauerstoffzehrung bei der Analyse infolge der mikrobiellen Stickstoffoxidation (Nitratbildung). Diese störenden Mikroben heißen Nitrifikanten und verursachen mitunter positive Fehler in erheblichen Größenordnungen.

Voraussetzung für diesen Fehler sind Ammonium- oder Nitritverbindungen sowie Nitrifikanten (Nitrosomonas und Nitrobacter) in der Sauerstoffflasche (Analysenflasche, die zur BSB5 -Analytik benutzt wird).

Begünstigend für den Fehler sind erfahrungsgemäß niedrige Konzentrationen von organisch abbaubarem Kohlenstoff, d. h. je niedriger der tatsächliche BSB5 ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Analysenfehler durch Nitrifikation. Außerdem wird für den Fehler Ammoniumstickstoff in der Probe benötigt.

Die Kläranlage muss nicht unbedingt nitrifizieren, um Nitrifikationsfehler bei der BSB5 -Analytik zu provozieren. Es genügt u. U. auch eine hinreichende Verdünnung der Probe im Rahmen der Analytik.

Vom Mechanismus kann man sich das so vorstellen, dass die Nitrifikanten erst verstärkt aktiv werden, nachdem der organisch abbaubare Kohlenstoff weitgehend reduziert wurde.

Ist in der Sauerstoffflasche die Konzentration des organisch abbaubaren Kohlenstoffes gering, dann haben die Nitrifikanten Tage Zeit um zu nitrifizieren und den Fehler verursachen zu können.

Überwachungs- und Interpretationsfehler bei belüfteten Abwasserteichanlagen

In letzter Zeit häufen sich Anzeichen, dass viele belüftete Abwasserteichkläranlagen in den neuen Bundesländern nicht die behördlichen Überwachungswerte einhalten.

Es werden Überlegungen angestellt, diese Anlagen nicht mehr zuzulassen.

Die Überschreitung der behördlichen Überwachungswerte scheint mit ziemlicher Sicherheit 2 Ursachen zu haben:

  1. Fehler bei Anlagenüberwachung, insbesondere bei der BSB5 -Analytik.
  2. Unschädlicher Anstieg des CSB infolge der ausgezeichneten Reinigungsleistung der belüfteten Teichkläranlagen.

Das Problem tritt besonders in den neuen Bundesländern auf, weil hier mitunter die Anlagen im ländlichen Raum unterlastet werden.

Zur Unterlastung kommt es aus folgenden Gründen:

  • Der Einwohnerwert ist erheblich kleiner als 60 g BSB5 /Ed.
  • Während des Abwassertransports wird die BSB5 -Fracht weiter reduziert (Sedimentation, Abbau).

Aus den Ergebnissen des Anlagenzulaufes einer Teichkläranlage wurde in Sachsen-Anhalt ein Einwohnerwert von 35 und 26 g BSB5/Ed gemessen (14 Messwerte über 2 Jahre) .

BSB5-Überwachung von Kleinkläranlagen

Nitrifikation ist bei der Abwasserbehandlung von Kleinkläranlagen nach DIN 4261 Teil 2 verfahrensbedingt wahrscheinlich.

Außerdem sind in den Abläufen meist geringe Konzentrationen an abbaubarem organischen Kohlenstoff vorhanden.
Mitunter wird die Leistung dieser Anlagen auch mit der BSB5 -Analytik überprüft.

Fehlen in dem einer Analyse zugehörigen Analysenbericht Angaben zur Verwendung von Nitrifikationshemmern, so ist auch hier dem Grunde nach davon auszugehen, dass die BSB5-Analysenergebnisse falsch sind, weil die Analysenmethode falsch ist.

DIN 38 409, Teil 51 vom Mai 1987 (Analysenvorschrift zur Bestimmung des BSB5)

Nach DIN 38 409, Teil 51, vom Mai 1987 (Analysenvorschrift zur Bestimmung des BSB5) sind die Nitrifikanten zu hemmen.

Das erfolgt mit N-Allylthioharnstoff. Unterbleibt die Abtötung, dann verbrauchen die Nitrifikanten während der 5 Tage dauernden Analytik Sauerstoff und verursachen damit einen positiven Fehler, d. h. die Ergebnisse der BSB5-Bestimmung erhöhen sich unzulässig.

Das ist bekannt und unstrittig.

BSB5-Überwachungsergebnisse als Beweismittel?

In Auswertung der DIN 38 409, Teil 51, vom Mai 1987 (Analysenvorschrift zur Bestimmung des BSB5) hinsichtlich der BSB5-Überwachungsergebnisse als Beweismittel, ist folgendes festzustellen:

  1. Die DIN lässt zunächst offen, ob N-Allylthioharnstoff bei der BSB5-Analytik grundsätzlich zu verwenden ist. Das ergibt sich daraus, weil einerseits auf Seite 2 der DIN 38 409, Teil 51, vom Mai 1987 unter Punkt 3 geschrieben steht, dass ein Nitrifikationshemmstoff zugesetzt wird. Andererseits ergibt sich nach Punkt 9.3.1. auf Seite 7 dieser DIN, dass es auch Fälle gibt, bei denen kein N-Allylthioharnstoff zum Einsatz kommt („Wird ein N-Allylthioharnstoff verwendet“…, d. h. es gibt auch den Fall, dass keiner verwendet wird).
  2. Wenn aber N-Allylthioharnstoff verwendet wird, so ist dies nach Punkt 12 auf Seite 15 zwingend im Analysenbericht zu vermerken. (Bislang fällt auf, dass in den behördlichen Analysenberichten und in denen von zertifizierten Laboratorien nur äußerst selten Angaben über die Verwendung von N-Allylthioharnstoff gemacht wurden. Die Regel scheint eher zu sein, dass kein Analysenbericht angefertigt wird, oder dass Analysenberichte angefertigt werden, die infolge unvollständiger Angaben als Beweismittel untauglich sind.)
  3. Wenn also zwingend zu vermerken ist, dass N-Allylthioharnstoff verwendet wurde, dann ist in all den Fällen, in denen im Analysenbericht ein Vermerk über den Einsatz von N-Allylthioharnstoff fehlt, davon auszugehen, dass auch keine Probebehandlung mit N-Allylthioharnstoff erfolgte. Beweismittel müssen eindeutig und reproduzierbar sein. Analysenberichte sind Beweismittel.
  4. In den Fällen [1], in denen erstens begründet zu vermuten ist, dass Stickstoff und Nitrifikanten in der Probe enthalten sind und in denen zweitens dem Analysebericht zu entnehmen ist, dass keine Probebehandlung mit N-Allylthioharnstoff erfolgte, sind die BSB5-Ergebnisse fragwürdig.
  5. BSB5-Ergebnisse, die fragwürdig sind, sind kein Beweismittel.
  6. Aufzeichnungen aus dem Betriebstagebuch können in aller Regel nicht gegen den Anlagenbetreiber verwendet werden [2]. Derlei Aufzeichnungen sind Parteivorträge im Falle eines Rechtsstreites.

Wenn ein Gericht diesen Argumenten folgt (sollte es zum Rechtsstreit kommen), so gibt es nach diesem hier dargelegten Kenntnisstand keine sicheren behördlichen Daten über Grenzwertüberschreitungen beim BSB5, sofern aus der Analytik nicht sicher zu entnehmen ist, dass Nitrifikationshemmer verwendet wurden und wenn nicht, dann muss sicher ausgeschlossen werden, dass eine Nitrifikation in der BSB5-Flasche auszuschließen ist.

Voraussetzungen einer BSB5 Analyse als Beweismittel

Die Beweislast für eine korrekte Analyse dürfte das Labor haben.

Dieser Beweis dürfte bei den oft unvollständigen Analysenberichten meist unglaublich schwer fallen.

Insofern ist zu empfehlen, bei den BSB5-Analysen, die als Beweismittel dienen sollen oder die als Grundlagen für Investitionen bestimmt sind, laborativ von vornherein zweifelsfrei auszuschließen, dass keine Nitrifikation die Analytik gestört hatte. Um dies zu beweisen, müssten von einer Probe vorzugsweise 10 BSB5-Analysen bestimmt werden.

Dabei werden 5 Ansätze mit N-Allylthioharnstoff und die restlichen5 Ansätze ohne N-Allylthioharnstoff vorgenommen. Anschließend erhält der Auftraggeber einen umfänglichen Analysenbericht mit allen 10 Zwischenergebnissen und eine nachvollziehbare Begründung, warum der BSB5 in einer bestimmten Größenordnung gewählt wurde.

(Während die DIN zwar nur vorschreibt, dass das Labor die Anzahl der Ansätze nennen soll, sind aber für die Beweisführung auch die Zwischenergebnisse im Analysenbericht mitzuteilen und nachvollziehbar zu begründen, warum und wie ein bestimmtes Analysenergebnis zustande gekommen ist ( z. B. streichen folgender Ausreißer …, Mittelwertbildung der verbleibenden Parameter, Wirkungen der Nitrifikanten, usw.)

Diese Verfahrensweise wird zwar in einem gewissen Rahmen die Analysenkosten etwas erhöhen. Die finanziellen Konsequenzen sind aber vor dem Hintergrund der Schäden, die aus einer fahrlässigen nicht eindeutigen Analyse entstehen können, absolut unbedeutend.

Zwingender Inhalt eines Analysenberichtes

Abschrift DIN 38 409 Teil 51, Punkt 11 + 12

-> Punkt 11 „Angabe des Ergebnisses“

Der Zahlenwert im Ergebnis wird als ganze Zahl, jedoch mit nicht mehr als 3 signifikanten Ziffern angegeben.

Beispiele:

BSB5: 24 mg/l (mit N-Allylthioharnstoff)
BSB5: 184 mg/l (geringer Endsauerstoffgehalt in 2 von 5 Verdünnungen)
BSB5: 3,72 g/l (Probe 10 Tage gefrierkonserviert)

-> Punkt 12 „Analysenbericht“

Der Bericht soll sich auf dieses Verfahren beziehen und folgende Einzelheiten enthalten:

  1. genaue Identität der Wasserprobe
  2. Angabe des Ergebnisses nach Abschnitt 11
  3. Art der Probenvorbehandlung und der Probenkonservierung, falls solche durchgeführt wurden
  4. Art des Nitrifikationshemmstoffes, falls ein solcher zugegeben wurde
  5. Zahl der ausgewerteten Verdünnungen
  6. Angaben über eine eventuell gefundene Nichtlinearität (siehe Bild 1 und [4])
  7. jede Abweichung von dieser Vorschrift und Angabe aller Umstände, die gegebenenfalls das Ergebnis beeinflusst haben.

Was ist BSB5?

Biochemischer Sauerstoffbedarf innerhalb von 5 Tagen

Vor vielen Jahren hatten die Wasserchemiker und Wasserbiologen ein Problem als es darum ging, die Schädlichkeit des Abwassers für ein Gewässer zu definieren.

Schnell stellte sich heraus, dass diese Aufgaben nur annähernd zu erfüllen waren, weil zur korrekten Bewertung neben chemischen und mikro- auch makrobiologische Komplexe, also interdisziplinäre Beobachtungen angestellt werden müssen.

Derartige Untersuchungen im großen Stil vorzunehmen, ist unwirtschaftlich.

Deshalb wurden u. a. hilfsweise Summenbestimmungen eingeführt, deren Aufgabe es ist, den Sauerstoffbedarf zu bestimmen, den ein bestimmtes Abwasser im Gewässer bei seiner Einleitung verursacht.

Eine Sauerstoffreduzierung im Gewässer hat schädliche Wirkungen auf die Gewässerbiologie. Die Fische sind dabei meist das letzte betroffene Glied.

Der BSB5 ist ein Maß für die Abwasserverschmutzung und wird mit Hilfe eines indirekten Verfahrens ermittelt.

Gemessen wird die Atmungsleistung von Mikroorganismen, die biologisch verwertbare Abwasserinhaltsstoffe während der Untersuchungszeit von z. B. 5 Tagen „veratmen“ und dabei Sauerstoff verbrauchen.

Es wird unter Laborbedingungen simuliert, welcher Schaden in einem Gewässer durch einen Sauerstoffverbrauch innerhalb von 5 Tagen im Dunkeln und bei 20°C entstehen würde.

Die Angabe erfolgt in mg O2/l. Ein niedriger BSB5 ist gleichbedeutend mit einer geringen Verschmutzung.

Sauberes Bachwasser hat einen BSB5 von 2…5 mg O2/l; häusliches Abwasser weist etwa 300…500 mg BSB5/l auf, Gülle erreicht 20.000…30.000 mg BSB5/l und der BSB5 von Hühnerblut liegt schätzungsweise bei 200.000 mg/l.

Eindeutig ist der BSB5 als Sauerstoffverbrauch definiert, der bei der biologischen Oxidation von Kohlenstoffverbindungen entsteht.

Uwe Halbach

Werdau, 14.11.2002

[1]
Bei Fällen, in denen begründet zu vermuten ist, dass Stickstoff und Nitrifikanten bei der Analytik stören, handelt es sich auch um unterlastete kommunale Kläranlagen, weil die Stickstoffoxidation erst dann einsetzt, nachdem der Kohlenstoffabbau weit fortgeschritten ist. Diese Zusammenhänge sind allgemein bekannt.
[2]
Verfassungsgrundsatz: „Niemand muss sich selbst in die Pfanne hauen!“




Abwasserabgabe – Teilweise Gewässerschädlich

Abwasserabgabe – Teilweise Gewässerschädlich

Dipl.-Ing. (FH); Dipl. Ök. Uwe Halbach, Institut für Abwasserwirtschaft Halbach – Werdau (Sachsen)

Vor 10 Jahren veröffentlichte eine Arbeitsgruppe der Abwassertechnischen Vereinigung e.V. einen Bericht, nach dem der Gewässerschadstoff Stickstoff keineswegs so gewässerschädlich ist, wie allgemein vermutet wird. Ganz im Gegenteil – Stickstoff, im Verlauf der Abwasserbehandlung zu Nitrat oxidiert, ist als Sauerstoffquelle sogar äußerst nützlich für das Gewässer.

Ziel der modernen Abwasserbehandlung ist es aber meistens, gerade dieses Nitrat zu minimieren. Die Planer und Betreiber von Kläranlagen werden dazu nicht nur durch überholte Regelungen im Wasserhaushaltsgesetz gezwungen. Auch in Anwendung des Abwasserabgabengesetzes wird die Stickstoffentfernung (Denitrifikation) in Kläranlagen maximiert und führt damit ebenso zu bedeutenden Nachteilen in den Gewässern, u. a. wird die Rücklösung des für das Gewässer viel gefährlicheren Phosphors ermöglicht.

Werden die Themen in Fachzeitschriften verfolgt, so entsteht der Eindruck, dass die Interessen und umweltpolitischen Bemühungen sich zu stark auf die Steigerung der Reinigungsleistung der Abwasserbehandlung konzentrieren und dabei die nutzbaren Effekte im Gewässer weniger im Brennpunkt des Interesses und der Forschungsmittelvergabe stehen.

Dogmatische und starre Regulative verhindern jedoch auch in diesem Fall zweckmäßige Lösungen.

In Dresden dagegen stellt man sich der Herausforderung eines besseren Gewässerschutzes und verfügt über abgesicherte Forschungsergebnisse . Im Juni wurde durch Herrn Professor Uhlmann (Sächsische Akademie der Wissenschaften) und Herrn Professor Lützner (TU Dresden) auf die Unzweckmäßigkeit der Denitrifikation in üblichem Umfang und damit einer unnötigen Abwasserabgabe für Stickstoff hingewiesen.

Die Abwasserabgabe ist finanziell nicht unerheblich. So werden für 25 kg Stickstoff 70 DM Abgabe angesetzt. Insgesamt zahlt z. B. ein 4-Personen-Haushalt jährlich etwa 80 DM Abgabe für alle abgabepflichtigen Schadstoffe, falls die Abwasserabgabe teilweise nicht verrechnet werden kann.

Das Abwasserabgabengesetz ist so widersprüchlich und fragwürdig, dass es den Rahmen des Beitrages sprengen würde, alle „Wenn und Aber“ hier zu erörtern.

Teilweise wird Personal beschäftigt, das sich nur mit der Abwasserabgabe befasst, da der Vollzug so kompliziert und aufwendig ist. So konnte sich mancherorts fast ein eigenständiger Dienstleistungszweig herausbilden. Ein Kritiker des Abwasserabgabengesetzes, Herr Dedy, Referent des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Bonn, bemängelt in einem Fachbeitrag den hohen Verwaltungsaufwand – in einem Fall wurde eine Zahl von 65 % Verwaltungsaufwand – für die Erhebung der Abwasserabgabe genannt. Dabei sind aber noch nicht die Kosten für die Kontrolle der Abwasserabgabe durch die Kommunen, Verbände und Unternehmen enthalten.

Fachlich nicht nachvollziehbar ist, warum der Stand der Technik bzw. der Wissenschaft nicht schon längst im Wasserhaushalts- und im Abwasserabgabengesetz berücksichtigt wurde und wird. Aufgrund dieses Mangels werden seit Jahren Bürger und Unternehmen mit einer teils sinnlosen und kontraproduktiven Abwasserabgabe veranlagt.

Im Rahmen der Streichung der Abwasserabgabe für Stickstoff sollte man sich auch überlegen, ob es nicht noch besser wäre, wenn das ganze Abwasserabgabengesetz ersatzlos außer Kraft gesetzt wird. Die Streichung der Abwasserabgabe für Stickstoff wäre ein Beispiel, wie die Anwendung des Standes der Technik keine Kosten verursacht, sondern Kosten senkt.

Das Institut für Wasserwirtschaft Halbach schätzt den Schaden für Kommunen und Abwasserzweckverbände in einer Größenordnung von wenigstens 100 Millionen DM, sollte der Gesetzgeber noch ein Jahr mit der Streichung der Abwasserabgabe für Stickstoff zögern. Zu viele Jahre sind schon unnütz vergangen, wobei man heute rückblickend fragen darf, ob denn die letzte gesetzlich erzwungene Kläranlagenerweiterung und die sehr kostenintensive Verlagerung manches alten Kläranlagenstandortes aus vermeintlichen Gewässerschutzgründen tatsächlich eine fachliche Grundlage hatte und hat? Genau das dürfte aber zu selten der Fall sein!

Uwe Halbach

QUELLE: Aktuelle Pressemitteilung, veröffentlicht in der Presseschau im Sachsenlandkurier 4/98.

Kommentar vom 20.09.98:

Die Zusammenhänge sind einigen Fachleuten seit langem bekannt, werden wohl auch nicht bestritten.

Unternommen wird aber nichts, um diesen umweltpolitisch sehr brisanten Widerspruch zu beseitigen. Warum wohl? Nach Ansicht des Autors wird sich an der Lösung dieses Problems zeigen, wie ehrlich wir es tatsächlich mit dem Stand der Technik meinen und ob es wirklich um effektiven Umweltschutz geht, oder ob möglicherweise die Interessen des „Technokomerz“ der zentrale dunkle Punkt unserer tatsächlichen Motivation sind.




Wahrhaftiges – Eine Auswahl

Nachhaltige Literatur  

Eilingsfeld, Heinrich
Der sanfte Wahn
Ökologismus total
Südwestdeutsche Verlagsanstalt Mannheim
ISBN: 3-87804-195-0
(Bemerkenswert, dass das Buch schon 1989 erschien.)

Gärtner, Edgar L.
Öko-Nihilismus
Eine Kritik der Politischen Ökologie
TvR Medienverlag Jena, 2007

ISBN: 978-3-00-020598-9
(Auch sehr interessant!)

Driessen, P.K.
Öko-Imperialismus
Grüne Politik mit tödlichen Folgen
TvR Medienverlag 2006

Maxeiner; D., u.a.
Die Zukunft und ihre Feinde
Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
Eichenborn AG 2002

Maxeiner; D., u.a.
Das Mephistoprinzip
Warum es besser ist, nicht gut zu sein
Eichenborn AG 2001

Maxeiner; D., u.a.
Lexikon der Ökoirrtümer
Fakten statt Umweltmythen
Verlag: Piper; Auflage: 2 (2000)
ISBN-10: 3492228739

Maxeiner; D., u.a.
Öko-Optimismus
Rowohlt Taschenbuch Verlag
Reinbach bei Hamburg 1999

***

„Bevor Sie dieses Buch lesen, beachten Sie bitte folgenden Warnhinweis, den ich bei Goethe entdeckt habe: “ Eigentlich weiß man nur, wenn man wenig weiß. Mit dem Wissen wächst der Zweifel.“ Die Folgen der anschließenden Lektüre sind deshalb irreversibel. Wenn Sie die Gleichförmigkeit der Gedanken schätzen und gerne glauben, was alle glauben, dann sollten Sie die Deckel dieses Buches spätestens jetzt zuschlagen.“
Dirk Maxeiner

Und so heißt das Buch:

Hurra, wir retten die Welt!
Wie Politik und Medien mit der Klimaforschung umspringen
Von Dirk Maxeiner
wjs-Verlag,
Berlin 2007

Rezension: http://www.buchausgabe.de/shoproot/764item.html

Ökologische Zusammenhänge, verständlich von Prof. Reichholf  erklärt

Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch
2. Auflage 2003
Wagenbach Verlag Berlin , ISBN: 3 8031 24425

Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

Reichholf, J.H.
Der schöpferische Impuls
Eine neue Sicht der Evolution
Erstveröffentlichung 1992
Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart
ISBN: 3-421-02763-3

Reichholf, J.H.
Stabile Ungleichgewichte
Die Ökologie der Zukunft
edition unseld
SV
2008
ISBN: 978-518-26005-0

Reichholf, J.H.
Krise und Zukunft
edition unseld SV
2010

Reichholf, J.H.
Ende der Artenvielfalt
Fischer Taschenbuchverlag
2008
2010

Reichholf, J.H.
Die Zukunft der Arten. Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch
erschienen März 2005
237 Seiten, 25 Abb., Paperback
C.H. Beck Verlag, ISBN: 3406527868

(Hier beweist Prof. Reichholf u.a., wie maßlose Abwasserreinigung zur Minimierung der Artenvielfalt und Populationsdichte im und am Gewässer führt.)

Reichholf, J.H.
Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends
erschienen April 2007
S. Fischer Verlag , Frankfurt am Main
ISBN: 978-3-10-06294-5

Weitere ökologische Literatur

Streit, Bruno
Was ist Biodiversität?
Erforschung, Schutz und Wert der biologischen Vielfalt
C.H. Beck Verlag, 2007
ISBN: 978 3 406 53617 5

Steinberg, Ch.
Von Mistbienen, Haussperlingen und der EU-Wasserrahmenrichtlinie – eine
beabsichtigte Polemik
Wasser & Boden
(Sehr interessant! Habe nur eine Kopie. Das Erscheinungsjahr, Heft und Seite sind mir nicht bekannt.!)

Zur Vertiefung der Ökologie

Odum, Reichholf
Ökologie
Grundbegriffe, Verknüpfungen, Perspektive
BLV Verlagsgesellschaft München Wien Zürich
1980

c, D.; Horn, W.
Einfluß des Menschen auf die Gewässer-Ökosysteme
Sonderdruck aus „Umwelt und Mensch – Langzeitwirkungen und
Schlussfolgerungen für die Zukunft“
Band 59, Heft 5
Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, 2000

Steinberg, Ch.; u. a.
Nachhaltige Wasserwirtschaft
Entwicklung eines Bewertungs- und Prüfsystems
Initiativen zum Umweltschutz Band 36
Erich Schmidt Verlag 2002

Lampert, W. , Sommer, U.
Limnoökologie
2. überarbeitet Auflage
Georg Thieme Verlag Stuttgart New York 1999
ISBN: 3-13-786402-X

Uhlmann, D.; u. a.
Hydrobiologie der Binnengewässer
Ein Grundriß für Ingenieure und Naturwissenschaftler
Verlag Eugen Ulmer Stuttgart 2001, S. 325

Nicht nur bei Zweifel an wasserbehördliche Forderungen oder bei Widersprüchen zur Wasserrahmenrichtlinie:

Rumm, u.a.
Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie
2. Auflage
Erich Schmidt Verlag
Berlin 2006
ISBN-13: 978 3 503 090027 3


Geburt einer Ideologie:

Pseudowissenschaftliche Grundlage der politischen Ökologie bzw. des Ökologismus und seit gut 20 Jahren Basis der nationalen und internationalen Umweltgesetzgebung:

Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung:
Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation.
Frankfurt/M., 1979.

Versuch einer Relativierung

Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften setzte dem Vorsorgeunwesen zwar eine Leitlinie entgegen, die aber in der Praxis des Gewässerschutzes kaum bekannt sein dürfte und wenn schon, dann wird sie in der Regel ignoriert:

Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips
in „Die Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips“
Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
Brüssel, den 2.2.2000, KOM (2000) 1 endgültig

Hydrobiologie

Uhlmann, D.; u. a.
Hydrobiologie der Binnengewässer
Ein Grundriß für Ingenieure und Naturwissenschaftler
Verlag Eugen Ulmer Stuttgart 2001, S. 325

Besch, W. K.; u. a.
Limnologie für die Praxis
Grundlagen des Gewässerschutzes
3. Auflage
1984 ecomed Fachverlag

Schworebel, J.
Einführung in die Limnologie
5. Auflage 1984
Gustav Fischer
ISBN 3-437-20320-7

Glawion, R.; u. a.
Seenrestaurierung – Eine Übersicht über interne Maßnahmen in stehenden
Gewässern zur Reduzierung des Nährstoffgehaltes und zur Erhöhung des
Sauerstoffgehaltes
Institut für Physische Geographie Albert-Ludwig-Universität

Röske, I.; u. a.
Die Nährstoffelimination bei der Behandlung häuslicher Abwässer aus der
Sicht der Wasserbeschaffenheit
Wasser-Kalender 2000
34. Jahrgang
Erich-Schmidt-Verlag

Röske/Uhlmann
Biologie der Wasser- und Abwasserbehandlung
2005, 235 S., 114 Grafiken, 24 Tab.,
Paperback, Bestell-Nr.: 570 830 3

Uhlmann, D.; Horn, W.
Einfluß des Menschen auf die Gewässer-Ökosysteme
Sonderdruck aus „Umwelt und Mensch – Langzeitwirkungen und Schlussfolgerungen für die Zukunft“
Band 59, Heft 5
Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, 2000

Ulrich
Hydrologie und Wasserwirtschaft
Eine Einführung für Ingenieure
5. überarb. u. erw. Aufl. 2005,
666 S., 237 Abb., Hardcover
Bestell-Nr. 522 009 1




Abwasserentsorgung in den neuen Bundesländern wird extrem teuer (Teil 3)

Rückblick: 1991

Die unbekannte Interessenlage der Berater

Abwasserentsorgung in den neuen Bundesländern wird extrem teuer (Teil 3)

Uwe Halbach, Unabhängiger Sachverständiger aus Werdau

Eine Reihe von Entwicklungen in den neuen Bundesländern geben zu der Befürchtung Anlass, dass auf unsere Bürger eine Kostenlawine bei den Ver- und Entsorgungsleistungen zurollt. Die Beitragsfolge, die in den Heften 2 und 3/92 begann, befasste sich ausschließlich mit Kostenaspekten des Gewässerschutzes, die nicht nur für unsere Verwaltung und Bauausschüsse interessant sind.

Neben einer wirtschaftlichen Konzeption für die Abwasserableitung und Abwasserbehandlung spielt auch die Wahl des Entwässerungsverfahrens und die zum Einsatz kommenden Materialien und Bauweisen eine große Rolle für die Kosten. Allgemein verbreitet ist, dass beispielsweise bei der Wahl der Materialien von Kanalrohren vorwiegend teure Materialien zum Einsatz kommen. Zumindest wird der Auftraggeber selten gefragt, ob er andere Rohre haben möchte. So gibt es bei den Kanalrohrmaterialien bei gleicher Lebensdauer Kostenunterschiede von ca. 50%, die zu einer Gesamtkostenreduzierung von ca. 10% in einem Entwässerungsnetz hinreichend groß genug ist.

Insofern trifft unter Umständen der Planer Entscheidungen bzw. stellt Weichen, über deren finanzielle Konsequenzen die Auftraggeber nur selten von vornherein Kenntnis erhielten oder in den Entscheidungsprozess einbezogen werden. Eine Reihe von Beispielen beweist dies.

Besondere Sorgfalt ist bei der Dimensionierung und Optimierung der Entwässerungsnetze erforderlich, wenn Kosten gespart werden sollen. Oft wird diese Aufgabe vernachlässigt.

Eine Reihe von Kanalisationen, die zzt. gebaut werden, erwecken daher den Eindruck, dass unsere Bürger im Regenwald wohnen, denn die gewählten Rohrdimensionen stehen in keinem Verhältnis zu unseren Regenereignissen.

Ein weiterer kostenerhöhender Aspekt ist der noch fehlende Konkurrenzdruck zwischen den Planungsbüros, der die Marktmechanismen nur ungenügend wirken lässt.

Die Gestaltung der Honorarhöhe der Planungsbüros an die anrechenbaren Kosten – je teurer die Lösung, desto höher das Honorar – kann schon bei der Erarbeitung der Aufgabenstellung (Vorplanung) für die Kommunen äußerst kostspielig werden, wenn das nötige Fachwissen in der Verwaltung fehlt. Zu bedenken ist hier besonders, dass in der hin und wieder „verniedlichten“ Vorplanung die Kosten des Endergebnisses bereits zu etwa 70% festgeschrieben werden.

Viele unserer Gemeinden vertrauen den Erfahrungen der alten Bundesländer. Gut gemeinte Ratschläge verfehlen aber ab und an die Wirkung, wenn die Ratgeber unsere Verhältnisse nur ungenügend kennen.

Nebenbei bemerkt sind auch Ratgeber bekannt, die mehr schaden als nutzen und besser zu Hause geblieben wären. Die Ursache einer mangelhaften Beratungseffektivität in diesen Fällen liegt jedoch in einer zu großen Vertrauensseligkeit; nicht nur gegenüber Beratern aus den alten Bundesländern. Bei der Übertragung dieser Erfahrungen muss berücksichtigt werden, dass unsere Gemeinden vor einer völlig anderen Lage als die alten Bundesländer stehen, dass die Maßnahmen in Millionenhöhe in einer selten kurzen Vorbereitungszeit bewältigen müssen, dass die Verwaltungen aufgebaut werden, dass die fachliche Erfahrung fehlt und dass gleichzeitig die Infrastruktur modernisiert werden muss. Allein aus diesen Gründen sind großzügige Konzeptionen meist nur über einen längeren Zeitraum preiswert und realistisch.

Das Problem bei der Beratung ist die unbekannte Interessenlage der jeweiligen Berater. Für die Eingeweihten keineswegs erstaunlich, sind Berater staatlicher Einrichtungen unterwegs, die mitunter auch handfeste persönliche oder Firmeninteressen verfolgen. Sie versuchen mit unterschiedlichem Erfolg den Beratungsleistungen einen offiziellen Anstrich zu geben. Insofern haben unsere Verwaltungen kaum eine Chance ihre Interessen unbeschadet zu wahren, es sei denn, sie sind sehr bedacht bei Entscheidungen, wenn es um Geld geht und äußerst vorsichtig und skeptisch gegenüber Beratern, Planern, Betreibern und Lieferanten von Kläranlagen. Sollte man jedoch erkennen, dass die Planung zu uneffektiven Ergebnissen führt, so ist ein Planungsabbruch meistens weitaus kostengünstiger, als eine Lösung mit aufgeblähten Kosten, die dann unsere Bürger jahrzehntelang unzumutbar finanziell belastet.

Einige Verwaltungen haben erkannt, dass sie ohne fachliche Mitarbeiter die Abwasserproblematik nicht lösen können und überlassen die Steuerung und Klärung dieser Aufgaben mehr oder weniger den ehemaligen VEB WAB. Damit haben sie jedoch des Problem nicht beseitigt, sondern nur aufgeschoben. Inzwischen vergrößert es sich, weil unkontrollierte und vorher nicht wirtschaftlich geprüfte Betreiberinteressen mittels „Trojanischer Pferde“ in den Kommunen Eingang finden können. Dabei kann jetzt nicht ausgeschlossen werden, ob diese Verfahrensweise später der Kommune recht ist.

Man sieht sich von offizieller Seite offensichtlich hilflos der Verteuerung in den neuen Bundesländern ausgeliefert, wenn die staatliche Unterstützung der Betreiber forciert wird. Schon jetzt ist schwer zu durchschauen, wo private Interessen beginnen und kommunale und staatliche Interessen aufhören. So wie einem mittellosen Bürger nicht zu empfehlen ist sich sein Auto zu leasen, so sollte man den neuen Bundesländern nicht als Allheillösung das Betreibermodell zumuten!

Die Alternative muss sein, Sorge zu tragen, dass die Fördermittel keine Verwendung erfahren und dass nicht mehr Mittel für den Gewässerschutz ausgegeben werden, als unbedingt notwendig. Das Überstülpen der neuen Wasserrechtlichkeit auf die neuen Länder ist ebenfalls ein wesentlicher Faktor zur unverhältnismäßigen Abwasserpreisentwicklung in den neuen Bundesländern, weil sie uns zwingen, Mittel für den Gewässerschutz auszugeben, die wir noch nicht erarbeitet haben. Ist der Ausweg wirklich nur die überdurchschnittliche Verschuldung der neuen Bundesländer?

Es ist wichtig zu wissen, dass es mächtige Interessensphären gibt, die von dieser Politik gewaltig profitieren. Wünschenswert für die neuen Bundesländer wäre, wenn sich noch mehr Fachleute darauf besinnen, dass nicht nur sie selbst in den neuen Bundesländern unnötig hohe Preisaufschläge zahlen werden und vielleicht manche Anregung in dem Artikel zum Nutzen ihrer Kommune und der neuen Länder verwirklichen können. Die Artikelserie befasste sich hauptsächlich mit Ursachen der momentanen negativen Kostenentwicklung bei der Abwasserentsorgung und damit zwangsläufig mit schlechten Beispielen.

Es sind aber nicht nur „schwarze Schafe“ in den neuen Bundesländern unterwegs. Es gibt auch eine große Anzahl sehr seriöser Unternehmer und Planungsbüros, die eine langfristige Zusammenarbeit mit unseren Kommunen im Auge haben. Aber in jedem Fall dürfte unser Sprichwort „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!“ nach wie vor und besonders auch in der heutigen Zeit sehr aktuell sein.

Uwe Halbach

Quelle: wwt 1992, Heft 6, S. 249




Harte Chemie im Kaffee – Chemischer Sauerstoffbedarf

Der CSB-Schadstoff macht – wie der folgende Fall beweist – selbst vor unseren Genussmitteln nicht Halt.

Einerseits ist die Überschreitung des CSB-Überwachungswertes um nur 1 mg CSB/l ein Straftatbestand der Gewässerverschmutzung. Andererseits trinkt der Bundesbürger jährlich durchschnittlich ca. 150 Liter Kaffee mit einem CSB von 13.500 mg /l.

Dem Internet ist eine Kaffeeanalyse eines renommierten Laboratoriums zu entnehmen. Auftraggeber war übrigens der Autor und Hintergrund der Versuch, ein Verwaltungsgericht im Rahmen eines Parteigutachtens von der Unschädlichkeit des CSB zu überzeugen.

Das Gericht stand kurz davor dem Landesverwaltungsamt nachzugeben und einen Abwasserzweckverband zur Zahlung einer zusätzlichen Abwasserabgabe zu verurteilen, weil die Elbe in Missachtung der beschränkten Möglichkeiten des Abwasserbeseitigungspflichtigen während des Hochwassers 2002 ungereinigt durch seine Kläranlage geflossen war und somit die CSB-Jahresschmutzfracht in eine astronomische Höhe trieb.

Der AZV hat übrigens aus anderen Gründen gewonnen. Das Parteigutachten kann erworben werden.

Wenn der CSB tatsächlich so schädlich ist – wie den zahlreichen Anhängen der Abwasserverordnung entnommen werden kann – wieso existieren wir dann noch?

Deutschland hatte 2009 etwa 82 Millionen Einwohner, die jährlich 166 Gg von dem „Gewässerschadstoff“ CSB in Form von Kaffee „in sich hineinkippen“, wobei 55 Gg biologisch leicht abbaubar sind. (1 Gg = 10^9 Gramm = Tausend Tonnen)

Anbeter der sanften Chemie würden im Kaffee extrem harte Verbindungen finden, denn gut die Hälfte des Kaffee-CSB ist biologisch stabil – wie ein Kieselstein – also nicht abbaubar und wir wissen davon nur Dank der Leistungen „harter Chemie“.

Selbst bei der falschen Annahme, der CSB wäre tatsächlich ein Maß für irgendeine Schadwirkung, dann wäre noch der Summeninterpretationsfehler zu vermeiden.

Der weitverbreitete Glaube, dass der CSB ein Schadstoff sei und sein Eingang in gesetzliche Regelungen ist schlüssiger Beweis für die Verbreitung von Ideologie und Pseudowissenschaft beim Gewässerschutz. Es kommt bei der Abwasserreinigung nicht nur darauf an, diese nach dem Stand der Technik zu betreiben, sondern viel wichtiger ist es dabei, auf dem Boden des Rationalen und der Wissenschaft zu bleiben. Der beste Stand der Technik ist im Eimer, wenn die Natur nicht das macht, was die Abwasserverordnung und die WRRL erwartet.

  • Wo liegt das Primat?
  • Verwaltungs- und Wasserrecht kontra Naturgesetze?

Welchen Effekt hat die teure Umweltbildung an unseren Hochschulen und Universitäten, wenn in der Praxis, in den Büros und Gerichtsräumen durch Glauben, Ideologie, Halbwissen, Vorsorge, Besorgnis und Nachhaltigkeit der Fleiß und die Bildung unserer Jugend entwertet wird? Milliarden wären zu sparen, allein dadurch, wenn vorhandenes Wissen unter Beachtung von Verhältnismäßigkeit und Effektivität in der Praxis umgesetzt werden dürfte.

Die Entideoligisierung des Umweltschutzes ist eine Forderung vieler Ingenieure und Naturwissenschaftler, die seit Jahren immer wieder leise vorgetragen wird. Aus gesellschaftlicher Sicht ist des Pudels Kern nicht anders zu beschreiben, als durch die Weiterführung eines uralten Kampfes zwischen Glauben und Wissen, wobei zum Einen der Glauben zumeist die stärkeren kommerziellen Vorteile auf seiner Seite weiß und zum anderen die Wissenden in der Minderheit sind und als Klügere eben eher nachgeben.

Kurzfristig gedacht, ist es volkswirtschaftlich gewertet auch völlig egal, ob die Mittel für den Gewässerschutz einen Effekt erzielen oder keinen haben. Hauptsache, das Geld fließt.

Und schließlich: Geschmunzelt werden kann darüber, dass ein beachtlicher Teil des Kaffee-CSB im Ablauf der Kläranlagen wieder zu finden ist und als Abwasserabgabe – in Form einer zweiten „Steuer“ – erneut berechnet wird.

(Siehe auch den Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

 

 




Fragwürdige Abwasserabgabe für CSB

Widerspruch zum Grundgesetz?

Inhalt:

  • Widerspruch zwischen § 7 a (1) Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und Abwasserverordnung Anhang 1
  • Widerspruch hinsichtlich des CSB im Abwasserabgabengesetz
  • Widerspruch der Abwasserverordnung und des Abwasserabgabengesetzes zum Grundgesetz
    Kommentar

Einleitung

In diesem Aufsatz geht es um die Abwasserabgabe, welche für die Einleitung von CSB in Gewässer erhoben wird.
Zunächst – was ist CSB? Sollten Sie es nicht wissen – die Antwort finden Sie hier!

(Ein bescheidenes Grundwissen über den CSB hinsichtlich Bestimmung, Wertung und Bedeutung für das Gewässer ist Voraussetzung für das Verständnis dieses Beitrages.)

Die Abwasserabgabe ist eine zweckgebundene Abgabe, welche auf die Einleitung von Schadstoffen in Gewässer erhoben wird.

Mit der Abgabe sollen einerseits die Abwasserbeseitigungspflichtigen zur Schadstoffreduzierung stimuliert (gelenkt) werden und andererseits soll auch die erhobene Abgabe unmittelbar dem Gewässerschutz zugute kommen.

Davon gehen Bürger und Unternehmen aus, die Abwasserabgabe direkt oder indirekt entrichten müssen.

Die Abwasserabgabe war schon immer umstritten und wurde gegen die Intervention von zahlreichen Experten von der Politik durchgesetzt. Weitere Aspekte zur Fragwürdigkeit der Abwasserabgabe können Sie hier nachlesen: Die Abwasserabgabe

Ein schon seit Bestehen des Abwasserabgabegesetzes bekannter Widerspruch, mit dem sich dieser Beitrag befasst, liegt darin, dass die Abwasserabgabe auch auf Stoffe erhoben wird, die keine Schadstoffe sind.

Infolge ist die Erhebung einer Abwasserabgabe für CSB unzulässig, weil diese Verfahrensweise im Widerspruch zum Grundgesetz steht.

Nur um es vorweg zu nehmen! Die Wahrheit kann erst dann wirken, wenn sie vom Bundesverfassungsgericht als solche auch anerkannt wird. Also nicht zu früh freuen!

Soviel zur Einleitung!

Vier Gesetze spielen hier eine Rolle!

Die Tabelle 1 erlaubt für den Einstieg in die Thematik einen ersten Überblick.

Wirkung – Ziel
Vorschrift
Die Schadstofffracht des Abwassers ist zu minimieren!

§ 7 a (1) Wasserhaushaltsgesetz (WHG) pdf-Datei:

Gewerbeaufsicht Baden-Württemberg

Die Überschreitung einer gewissen CSB-Konzentration (Überwachungswert) ist verboten und wird strafrechtlich verfolgt.

Abwasserverordnung pdf-Datei:

Gewerbeaufsicht Baden-Württemberg

Für die Einleitung von CSB in ein Gewässer wird eine Abwasserabgabe mit dem Ziel erhoben, den Abwasserbeseitigungspflichtigen finanziell zu zwingen, diese Belastung zu minimieren oder zu beseitigen.

Abwasserabgabengesetz pdf-Datei:

Gewerbeaufsicht Baden-Württemberg

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Grundgesetz

Tabelle 1: Ausgewählte Regelungen, die den CSB betreffen

In den folgenden Gliederungspunkten werden nun die einzelnen Widersprüche erörtert.

1. Widerspruch zwischen § 7 a (1) Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und Abwasserverordnung Anhang 1

Beim WHG handelt sich um das „Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushaltes“ vom 19.08.2002, BGBI. I, S. 3245.

Dem WHG § 7 a (1) ist zu entnehmen:

㤠7a
Anforderungen an das Einleiten von Abwasser

(1) Eine Erlaubnis für das Einleiten von Abwasser darf nur erteilt werden, wenn die Schadstofffracht des Abwassers so gering gehalten wird, wie dies bei Einhaltung der jeweils in Betracht kommenden Verfahren nach dem Stand der Technik möglich ist. § 6 bleibt unberührt. Die Bundesregierung legt durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates Anforderungen fest, die dem Stand der Technik entsprechen. Diese Anforderungen können auch für den Ort des Anfalls des Abwassers oder vor seiner Vermischung festgelegt werden.“

Bis hierher gibt es zunächst keine Abstriche. Man merke auf: Der Text lautet auszugsweise: „…wenn die Schadstofffracht des Abwassers so gering gehalten wird…“. Es geht also um Schadstoffe! (Die Fracht ist das Produkt aus der Konzentration eines Schadstoffes multipliziert mit der zugehörigen Abwassermenge.)

Im Anhang 1 der Abwasserverordnung taucht aber nun plötzlich der CSB als Anforderung auf, die beim Einleiten in ein Gewässer einzuhalten ist. (Die Abwasserverordnung legt die Grenzwerte für Schadstoffe bei Einleitung in Gewässer fest. Der Anhang 1 regelt die Grenzwerte für kommunale Abwässer.) Dem Grunde nach wird hier der CSB als Schadstoff ausgewiesen, der zu minimieren ist.

Und genau das ist falsch!

(1) An das Abwasser für die Einleitungsstelle in das Gewässer werden folgende Anforderungen gestellt (Auszug):

Proben nach Größenklassen der Abwasserbehandlungsanlagen
Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)
mg/l
Qualifizierte Stichprobe oder 2-Stunden-Mischprobe
Größenklasse 1
kleiner als 60 kg/d BSB5, (roh)
50
Größenklasse 2
60, bis 300 kg/d BSB5 (roh)
110
Größenklasse 3
größer als 300 bis 600 kg/d BSB5 (roh)
90
Größenklasse 4
größer als 300 bis 600 kg/d BSB5 (roh)
90
Größenklasse5
größer als 6000 kg/d BSB5 kg/d (roh)
75

Der Widerspruch besteht nun darin, dass der CSB grundsätzlich (im Sinne des Wortes) kein Schadstoff ist. (Ausnahmen gibt es wohl.)

Wenn der CSB also grundsätzlich kein Schadstoff ist, dann darf auch eine Überschreitung grundsätzlich nicht bestraft werden.

Die Anforderungen für den CSB wären demnach aus dem Anhang 1 ersatzlos zu streichen, zumal ein hoher CSB in Ausnahmefällen auch Merkmal einer besonders weitgehenden Abwasserreinigung sein kann.

Das ist mitunter bei natürlich und künstlich belüfteten Abwasserteichen, bei Grundstückskläranlagen und bei unterlasteten Kläranlagen zu beobachten.

Aufgrund eines nicht vorhandenen Ermessensspielraumes der Behörden werden die Abwasserbeseitigungspflichtigen in diesen eben genannten Ausnahmefällen gezwungen, nicht nur unnötig und unsinnig zu investieren, sondern mitunter auch gezwungen, ihre Anlagen so zu betreiben, dass tatsächlich Nachteile für die betreffenden Gewässer entstehen. (Hier handelt es sich dann um einen besonders schweren Verstoß wasserrechtlicher Regelungen gegen das Grundgesetz § 14 (2). In diesen Ausnahmen schadet die Abwasserverordnung dann sogar dem Gewässer.

2. Widerspruch hinsichtlich des CSB im Abwasserabgabengesetz

Wenn der CSB kein Schadstoff ist, dann ist es falsch die Einleitung von CSB in ein Gewässer mit einer Lenkungsabgabe zu belegen.

Die Abwasserabgabe für CSB ist ersatzlos zu streichen!

3. Widerspruch der Abwasserverordnung und des Abwasserabgabengesetzes zum Grundgesetz

Bei der Berechnung einer Lenkungsabgabe für die CSB-Einleitung in Gewässer und bei der strafrechtlichen Verfolgung im Falle einer Überschreitung der Anforderungen an den CSB, wird staatliches und privates Eigentum entwertet und verschwendet.

Die Entwertung dieses Eigentums dient nicht dem Wohle der Allgemeinheit, sondern beeinträchtigt das Wohl der Allgemeinheit negativ durch sinnlose Verschwendung in Größenordnungen.

Was steht nun im Artikel 14 (2) des Grundgesetzes?

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

4. Kommentar

Das jemand, der tatsächlich Gifte, wie z. B. Quecksilber, in Gewässer unerlaubt einleitet, bestraft werden muss, steht außer Frage. Dafür hat der Staat aber weitaus wirtschaftlichere und wirkungsvollere Mittel zur Hand als ausgerechnet die Abwasserabgabe.

Oxidierbare Stoffe, wie im Anhang 1 der Abwasserverordnung als CSB beschrieben, sind kein Maß und kein Beweis für die Schädlichkeit eines Abwassers.

Das ist seit Jahrzehnten Grundwissen jedes Wasserwirtschaftlers und Wasserlaborleiters.

Die Anforderungen für die Einleitung des CSB in Gewässer sollten ersatzlos gestrichen werden.

Sie mögen für die Überwachung ein Indiz sein – mehr aber auch nicht.

Um es zu veranschaulichen: Ein Gericht wird einen Verdächtigen nicht nur deshalb verurteilen, weil er rote Farbe an den Händen hat. Ob es sich bei der Farbe um Blut handelt und ob er tatsächlich der gesuchte Täter ist, das müssen die Kriminalisten schon noch beweisen. Ähnlich ist beim CSB zu verfahren. Auch eine Behörde darf nicht grundsätzlich unterstellen, dass Schadstoffe einen bestimmten CSB verursachen. Ob das der Fall ist, muss ganz konkret bewiesen werden.

Da der CSB definitiv kein Schadstoff ist und weil die Abwasserabgabe eine Lenkungsabgabe ist, darf auch keine Abwasserabgabe auf eine CSB-Einleitung in Gewässer erhoben werden.

Es ist nicht nur der Staat, der hier uneffizient arbeitet, weil er mit der Verwaltung einer fragwürdigen Abwasserabgabe beschäftigt ist. Die Verwaltung der Abwasserabgabe strahlt auch auf die Abwasserbeseitigungspflichtigen aus, die ihrerseits enorme Kosten aufbringen müssen, um die Abgabe zu verwalten. Sie sind beschäftigt mit der Erklärung der Abwasserabgabe, mit Widersprüchen, mit Statistik, mit Rechtsstreitigkeiten und und und. Der Vollzug der Abwasserabgabe ist so kompliziert, dass es nicht nur in den Ministerien und Behörden, sondern auch fast in jedem Abwasserzweckverband und in jeder betroffenen Kommune Spezialisten für diese Aufgabe gibt. Inzwischen leben ebenso zahlreiche Büros teilweise von der Abgabenverwaltung. Insofern sind ungeahnte Heerscharen mit der Verwaltung der Abwasserabgabe beschäftigt.

All dies dient einem Ziel – einer extrem teuren Steuerung und teilweise sogar gewässerschädlichen Verwaltung von Unwissen.




Was ist unter dem Chemischen Sauerstoffbedarf (CSB) einer Wasserprobe zu verstehen?

Der CSB ist grundsätzlich kein Gewässerschadstoff!
Er ist nur Indiz für harmlose oder auch schädliche Wasserinhaltsstoffe!

Inhaltsverzeichnis

  • Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB) – meist harmlos und mitunter unbedenklich essbar
  • Chemischer Sauerstoffbedarf – Definition und Methode

Siehe auch:
Fragwürdige Abwasserabgabe für CSB – Widerspruch zum Grundgesetz?

Zusammenfassung

Der CSB ist grundsätzlich kein Schadstoff und er ist nicht eindeutig interpretierbar.

Zum Verständnis: Ein CSB-Messergebnis ist wie ein verschlossener Brief. Ob die Nachricht gut oder schlecht ist, erfährt der Leser erst nachdem der Brief geöffnet und gelesen wurde. Dabei ist es beim CSB immer so, dass für die sichere (weitestgehend rechtssichere) Interpretation der CSB-Messung andere Parameter und Informationen notwendig sind.

Allein aus dieser Tatsache heraus ist schon abzuleiten, dass der CSB als Grundlage für Sanktionen und Abwasserabgabezahlungen nicht rechtssicher und kein alleiniges Beweismittel für eine Gewässerverunreinigung ist und sein kann.

Außerdem: Der CSB – wie er gemessen wird – kann in der Natur nicht auftreten. Es handelt sich um eine rein akademische Bewertung, die mit den tatsächlichen Bedingungen im Gewässer auch nicht das Geringste zu tun hat.

Der CSB kann Indiz sein für harmlose Abwasserinhaltsstoffe, die in der Natur überall vorkommen. Er kann aber auch ein Anzeichen für chemisch oxidierbare Schadstoffe sein.

Ohne weitere Untersuchung ist und bleibt der CSB nur ein Indiz, das nicht einmal grundsätzlich und von vornherein auf die Anwesenheit von Gewässerschadstoffen schließen lässt.

Insofern wird die Abwasserabgabe für den CSB auf der Grundlage von Indizien und nicht auf der Grundlage einer tatsächlich nachgewiesenen Gewässerschädigung erhoben. Gleiches trifft auch auf die Sanktionierung von CSB-Überwachungswertüberschreitungen zu. Sie hat zwar eine rechtliche Grundlage aber keine wissenschaftliche Basis, genauso wenig wie die Erde eine Scheibe ist.

Ein hoher CSB kann ein Indiz für eine besonders effektive und weitgehende Abwasserbehandlung sein.

Es handelt sich bei dem Indiziencharakter des CSB um keine neue Erkenntnis, sondern um eine seit Jahrzehnten (solange es den CSB gibt) bekannte, simple, wasserchemische Grundlage, die in den betreffenden Gesetzeswerken jedoch eine falsche, unlogische, unwissenschaftliche und schädliche Berücksichtigung fand.

Einführung

Wie der Name sagt, hat Wasser mitunter einen chemischen Sauerstoffbedarf.

Dieser Sauerstoffbedarf entsteht nur unter Laborbedingungen.

Es ist der Sauerstoff, der zur Oxidation aller im Wasser enthaltenen Stoffe erforderlich ist.

Die Menge des verbrauchten Sauerstoffes ist abhängig von den Bedingungen, unter denen die Oxidation abläuft.

Da mit der CSB-Bestimmung alles „Vorstellbare und Nichtvorstellbare“ oxidiert werden soll, wurden von den Wissenschaftlern die extremsten Bedingungen erdacht und geschaffen, die noch einigermaßen in den Laboratorien rentabel beherrschbar sind.

Es wird mit einem radikalen Oxidationsmittel gearbeitet; und damit auch wirklich alles oxidiert wird, erfolgt die Oxidation zusätzlich unter Hitze und Druck.

Der Verbrauch des Oxidationsmittels wird gemessen, auf den Sauerstoffverbrauch umgerechnet und auf Milligramm oder Gramm Sauerstoffverbrauch je Liter Wasser oder Abwasser angegeben.

Ziel der Analyse war es ursprünglich, die Gefährlichkeit eines beliebigen Abwassers zu beschreiben. Insbesondere kann ein hoher CSB Indiz für Desinfektionsmittel sein, die keinen BSB5 verursachen.

Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB) kann harmlos sein und wird täglich gegessen.

Man kann CSB sogar essen und er schmeckt mitunter auch ausgezeichnet.

In jedem Brötchen finden sich ein paar tausend Milligramm.

Jeder Fisch, der im Wasser schwimmt, besteht aus CSB und jedes Blatt, das von einem Baum ins Wasser fällt, besteht aus CSB.

Angenommen ein Kleinkind gelangt in den Besitz einer 4 Gramm schweren Stahlkugel mit einem Durchmesser von 10 mm und steckt sich die Murmel ausnahmsweise mal nicht in Nase oder Ohren, sondern verschluckt diese – zur Panik seiner Eltern.

Mit diesem Vorgang hat es dann folgenlos und schlagartig 1.700 mg CSB verzehrt.

Trotz allem ist die Veranschaulichung nicht zur Nachahmung zu empfehlen, denn die Stahlmurmel könnte ja dem Kind anderweitig schaden. Das ordentliche Verspeisen von CSB-verursachenden Stahlkugeln in Maßen ist normalerweise unbedenklich.

Wenn der CSB grundsätzlich kein Gewässerschadstoff ist, so gibt es aber auch Ausnahmen.

Lebensmittel können gut oder schädlich sein, wenn sie z. B. verdorben sind.

Der Leser merkt es – es kommt immer darauf an zu analysieren und zu ergründen, ob sich unter den Stoffen, die den CSB verursachen, Gifte und tatsächliche Gewässerschadstoffe befinden. Genau an dieser Stelle unterbricht aber der Gesetzgeber beim CSB die Vernunft, schaltet das Denken ab und die Verantwortung der Überwachungsbehörden aus. Als Dogma gilt: „CSB ist immer schlecht!“

Es ist wie mit einer Mengenmessung. Auf der Waagschale können Genussmittel oder Gifte liegen.

Wichtig für die Bewertung des CSB als Schadstoff ist die Beantwortung von 2 Fragen:

  • Erstens, wie viel wurde gewogen und zweitens, was lag auf der Waage?
  • Die zweite Frage interessierte den Gesetzgeber aber nicht bei der Erhebung der Abwasserabgabe für CSB.

Wir stellen fest: Der CSB ist nicht eindeutig und deshalb kein eindeutiges Beweismittel für die Schädlichkeit eines Abwassers!

Der CSB findet in der Natur keine Bedingung, um den unter Laborbedingungen gemessenen Sauerstoffverbrauch tatsächlich zu realisieren. Es handelt sich beim CSB um einen theoretischen (akademischen) Wert.

Die „Gefährlichkeit“ des CSB ist nur dann zu begreifen, wenn nachvollzogen wird, wie der CSB im Labor bestimmt wird und wenn überlegt wird, ob das Analysenergebnis auf die Natur übertragen werden kann. Der Laie und gemeinhin auch der Politiker geht bei einem CSB, z. B. von 2.000 mg Sauerstoff davon aus, das einem Fisch bei entsprechend hohem CSB der Sauerstoff entzogen wird. Völlig falsch!

Das Absurde der Überlegung wird klar, wenn analysiert wird, was alles passieren muss, damit z. B. durch Abwassereinleitung in einen Bach im Bach selbst ein CSB von 200 mg O2/l als tatsächliches Sauerstoffdefizit entsteht.

Damit dieser CSB im Bach als Gewässerschadstoff wirken kann, muss der Bach eine analoge Prozedur durchmachen, wie sie bei einer CSB-Bestimmung im Labor Methode ist:

  1. Je m³ Bachwasser werden 1,5 m³ silbersulfathaltige Schwefelsäure und 0,5 m³ quecksilbersulfathaltige Kaliumdichromatlösung zugegeben.
  2. Der gesamte Bach wird in 10 Minuten zum Sieden gebracht und darf dann in weiteren 110 Minuten schwach vor sich hin köcheln.
  3. Die Temperatur des gequälten Baches muss dabei 148 °C betragen.

Erst dann kann ein CSB von 200 mg/l seine ganze Schädlichkeit im Bach entfalten und ihm 200 mg Sauerstoff entziehen.

Dem Leser ist wohl klar, dass der Fisch schon lange an der Zugabe von 1,5 m³ silbersulfathaltiger Schwefelsäure/m³ Bachwasser gestorben ist, bevor er spürt, dass er eigentlich an Atemnot zu Grunde gehen müsste, weil der CSB nicht der Abwasserverordnung entspricht.

Diese eher witzigen Beispiele sollen der Veranschaulichung dienen, dass der CSB ein rein akademischer Wert ist, der ohne begleitende andere Untersuchungen (BSB5, Toxikologie, messen echter Schadstoffe…) kein Beweismittel ist und höchstens nur ein Indiz sein kann.

Der Begriff „Chemischer Sauerstoffbedarf“ ist für den Laien irreführend, denn im Gewässer oder im Abwasser entsteht kein chemischer Sauerstoffbedarf nach DIN , weil die oben beschriebenen extremen Laborbedingungen im Gewässer oder im Abwasser fehlen. Im Gewässer entsteht nur ein biologischer Sauerstoffbedarf und das ist ein anderes Thema.

Chemischer Sauerstoffbedarf – Definition und Methode

Hier ein Zitat:

„CSB ist die Abkürzung für Chemischer Sauerstoffbedarf.

Der CSB-Wert spielt bei der Beurteilung von häuslichen und gewerblichen Abwässern eine große Rolle.

Er ist als Summenparameter für die organische Belastung eines Abwassers mit der wichtigste Parameter im Bereich der Abwasseranalytik.

Durch die praktische Handhabung ist er ein wesentlicher Parameter für die Steuerung von Kläranlagen geworden.

Bei allen Methoden, die beim CSB zur Anwendung kommen, wird grundsätzlich die Oxidierbarkeit der Wasserinhaltsstoffe mit schwefelsaurer Kaliumdichromatlösung, unter Verwendung von Silbersulfat als Katalysator, gemessen.

Störungen durch Chlorid werden mit Quecksilbersulfat verhindert.

Die CSB-Bestimmung wird nach DIN 38409 Teil 41 durch Titration mit Ammoniumeisensulfat zur Ermittlung der nichtverbrauchten Kaliumdichromatmenge vorgenommen.

Die Umschlagspunktbestimmung erfolgt mittels Redox-Indikator (Ferroin).

Durch Rückrechnung wird die der oxidierten Substanz äquivalente Menge des verbrauchten Kaliumdichromates erfasst.

Dies ist die amtliche Methode, die bei einer Überprüfung durch die Wasserbehörde zum Einsatz kommt.

Eine andere Methode, die ihre Verbreitung in der betrieblichen Abwasseranalytik zwecks Eigenkontrolle gefunden hat, ist die photometrische Messung mittels Küvettentest.

Hierbei macht man sich zunutze, dass bei der Oxidation der Inhaltsstoffe die gelbe Chrom (VI)-Verbindung des Kaliumdichromats zum grünen Chrom (III) reduziert wird. Je nach Messsystem wird dann die unverbrauchte Kaliumdichromatmenge über die Photometermessung der Gelbfärbung oder die entstandene Chrom (III)-Menge über die Messung der Grünfärbung bestimmt.

Die Hersteller der Küvettensysteme liefern eine werksseitige Kalibrierung mit, die eine direkte Bestimmung des CSB-Wertes ermöglicht.“

Quelle: www.pc-chemie.de

***

(Siehe auch den Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

 




Blaualgenreport

1. Lektion – Einführung

Ziel des Reportes:
Nachweis, dass der Gewässerschutz teilweise uneffektiv, paradox, teils sogar gewässerschädlich ist.

Beweisaufgabe:
1. Nachweis der Verschwendung finanzieller Mittel für die unnötige Stickstoffeliminierung in EU-Kläranlagen.
2. Nachweis gewässerschädlicher Regelungen in der Abwasserverordnung und im Abwasserabgabengesetz

Methode:
Vergleich

Gegenstand:
Grundlagenwissen der Hydrobiologie und ausgewählte aktuelle Gewässerschutzvorschriften

Vorwegnahme:
Behörden und Ministerien sind diese noch aufzuzeigenden Widersprüche zumeist bekannt. Die Gesetzgebung und die Bürokratie verbietet bzw. verhindert aber folgenreich die Nutzung einiger wissenschaftlicher Erkenntnisse für den Gewässerschutz.

Folge:
Entwertung der Bildung und Schäden in Höhe von ungezählten Milliarden Euro.

  • Blaualgen gibt es schon seit etwa 3,5 Milliarden Jahren (Präkambrium).
  • Eigentlich sind es keine Algen, sondern Bakterien der Abteilung Cyanophyta.
  • Der Name Cyanophyta kommt von der blau-grünen Farbe.
  • Blaualgen sind 5-10 mal größer als Bakterien.
  • Sie pflanzen sich ungeschlechtlich fort.
  • Es gibt weltweit etwa 2.000 Arten, wobei die Experten über die genaue Spezifikation und Klassifizierung der Arten noch debattieren.
  • Blaualgen leben im Wasser.
  • Blaualgen ernähren sich autotroph. (Fähigkeit bestimmter Organismen, mit Hilfe von Licht oder aber anorganischer Substrate als Energiequelle körpereigene, organische Substanz aufzubauen.)

2. Lektion – Färbung, Bewegung, Fortpflanzung und Verbände

  • Das Protoplasma (innere Substanz aller lebenden Zellen, inkl. Zellkern; ein komplexes Kolloidgemisch, das vorwiegend aus Eiweißstoffen besteht) ist niemals rein grün.
  • Vorherrschende Farben sind blaugrün, spangrün, violett bis rötlich, purpur bis braunrot, braun und olivgrün.
  • Bei Nährstoffmangel (N, P, u. a.) treten gelbliche Farbtöne auf.
  • Bei Anwesenheit von Schwefelwasserstoff sind die Farben gelbgrün oder blassbläulich.
  • Es gibt zahlreiche Farbmischungen aus der Farbe des Protoplasmas, der Scheiden und der Hüllen.
  • Die meisten Blaualgen sind unbeweglich, ungeschlechtliche Fortpflanzung und Zweiteilung.
  • Blaualgen kommen als einzelne Zelle und in Zellverbänden vor:
    1. Kugelförmig als Beschlag
    2. netzförmig
    3. rasenförmig ohne Verzweigung
    4. rasenförmig mit Verzweigung
    5. als Strang
    6. als Haut
    7. Bündel
    8. Schwamm
    9. Verhau
    10. festsitzendes Polster
    11. planktisches (schwebend) Kugelpolster
    12. Einbettung
    13. Einbettung (Mischbestände)
    14. Kruste

Siehe zu den Verbänden Abbildung 1 aus

Urania Pflanzenreich
Niedere Pflanzen
Urania-Verlag
Leipzig-Jena-Berlin
2. Auflagen 1977

3 . Lektion – Vorkommen

  • Blaualgen sind auf der Erde weit verbreitet (fast überall)
  • Dort wo es photoautotrophe Algen gibt, sind auch Blaualgen zu finden. (photoautotroph: Fähigkeit zu ihrer Ernährung anorganische Substanzen in körpereigene Substanzen mit Hilfe von Licht umzuwandeln)
  • Ihre Stärke liegt im Massenwachstum bei Grenzbedingungen (z. B. Mangel von Nitratstickstoff).
  • Die meisten Blaualgen benötigen Licht zum Leben.
  • Das rote Meer erhielt z. B. seinen Namen durch die Wasserfärbung durch rote Trichome (haarähnliche Gebilde) von Blaualgen, die aus den Tiefen des Meeres emporsteigen. In den Dämmerzonen der Meere herrscht blaugrünes Licht vor. Durch den roten Algenfarbstoff wird blaugrünes Licht gefiltert und somit für die Blaualge erschlossen. (Dieser Filtereffekt wird z. B. bei der Mikrofotografie genutzt, wenn es darum geht blaugefärbte Bakterien kontrastreich schwarz-weiß abzubilden.)
  • Die meisten Blaualgenlager sind daher in den Tiefen der Meere rot oder violett gefärbt.
  • Die Assimilation der Blaualgen endet bei etwa 65 °C. In heißen Mineralquellen gibt es noch Arten, die bis 75 °C lebensfähig sind.
  • In einer meiner Lieblingsstädte – Karlovy Vary – sind sie ebenfalls am Auslauf des Vrídlo-Sprudel zu beobachten. Es handelt sich also nicht um buntes Abwasser, um dem Aufschrei der Ökologisten vorzubeugen. Thermophile (> 35 °C) Algen wachsen bei Temperaturen unter 30 ° C nicht, kryphiel Blaualgen leben dagegen bei Temperaturen bis -88 °C.
  • Blaualgenarten, die in Hochgebirgen gemäßigter und tropischer Breiten sowie in abgegrenzten Beständen in Wüstenböden leben, können alle Lebensvorgänge unterbrechen ohne zu sterben, wenn Temperaturen und Wasserversorgung entsprechend schwanken. Blaualgen, die in einem Herbarium getrocknet waren, erwiesen sich nach 87 Jahren noch als lebensfähig.
  • Blaualgen sind die Erstbesiedler kürzlich entstandener Landflächen, Wüsten, Steppen, insbesondere von nährstoffarmen Böden.
    Warum? Weil einige Arten von ihnen fähig sind, atmosphärischen Stickstoff zu binden. Das heißt, sie „bauen“ sich gewässerschädliches Eiweiß aus der Luft selbst. Damit wird die Stickstoffentfernung in deutschen Kläranlagen nonsens.
  • Vor allem fädige Blaualgen – mit Herterocysten – (siehe 4. Lektion) sind in der Lage molekularen Stickstoff zu binden. Man vermutet, dass in den Schleimen der Blaualgen obligonitrophile (stickstoffliebende) Bakterien leben, die an dem Prozess beteiligt sind. Ähnlich wohl wie die Symbiose zwischen Knöllchenbakterien und Leguminosen funktioniert. Übrigens: Wussten Sie, dass die Knöllchenbakterien zu den Blaualgen zählen?
  • In Japan wird die Blaualge Tolypothrix tenius kultiviert und zur Düngung der Reisfelder verwendet. Es gibt Ertragssteigerungen bis zu 120%.
    In Indien werden mit Blaulagen unfruchtbare Salzböden rekultiviert.
  • Die Blaualge Anabaena ist symbiontisch mit dem Wasserfarn Azolla, welcher auf indischen Reisfeldern mitkultiviert wird. Auf diese Art und Weise können ohne zusätzliche Düngung mehrere Ernten pro Jahr eingeholt werden.
  • 3 Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans Krakatoa fanden sich auf den Asche- und Tuffoberflächen gallert-schleimige Lager von Blaualgen.
    Die Stickstoffbindung der Blaualgen ist die Ursache für deren Massenwachstum in unseren Seen zu Zeiten, in denen ein Mangel an verwertbaren Stickstoffverbindungen (Nitrat und Ammoniumstickstoff) herrscht.

Bayreuther Link zur Blaualge Anabaena
Siehe auch: Chemievorlesung der Uni-Kiel und Uni-Protokolle  der Uni Bayreuth

4 . Lektion – Heterocysten

  • Heterocysten sind spezialisierte Zellen in manchen Zellketten (=Filament) von Cyanobakterien.
  • In Heterocysten wird Luftstickstoff durch das Enzym Nitrogenase (Stickstofffixierung) in Ammonium umgewandelt.
  • Voraussetzung für die Bildung von Heterocysten ist Nitrat oder Ammoniummangel im Wasser.
  • Gelöster Sauerstoff ist für die Nitrogenase toxisch. Dieser wird aber bei Heterocysten in der Zellwandung teilweise gebunden.
  • Parallel zur Nitrogenase wird durch die Photosynthese das Kohlendioxid in Biomasse umgewandelt.
  • Cyanobakterien, die Heterocysten verwandeln die „unerschöpflichen“ Grundstoffe Wasser, Kohlendioxid und Luftstickstoff in Biomasse unter maximaler Ausnutzung von Lichtenergie.
  • Es handelt sich um die effektivste bekannte Art der Produktion von Biomasse.
  • Quelle und Weiteres unter Heterozyste oder unter Stickstoff-Fixierung
  • Stickstofffixierer sind u. a. die Blaualgen Anabaena (Anabaena ), Aphanizomenon.
error: Content is protected !!