Schwermetall

Schwermetall im Klärschlamm? Wir können vielleicht helfen!

Schwermetall im Klärschlamm? Wir können vielleicht helfen!

Wie man sieht, haben wir mit Schwermetall keine Schwierigkeiten und die Hantel hält nicht nur ein Ingenieur unseres Hauses mühelos waagerecht und auch noch ohne dabei zu zittern.

Auch unser Chemiker kann hier mithalten und er kann zudem die Hantel chemisch bewerten.

Haben Sie eine Schwermetallaufgabe mit Ihrem Klärschlamm?

Dann haben wir aus vielen Gründen mit der 5266 die beste Telefonnummer der Welt:

+49 3761 5266 oder für Deutschland: o3761 5266

Ein Grund für die beste Telefonnummer ist die wasserwirtschaftliche Erfahrung über 3 Generationen in der Familie!

Konsequenzen einer Grenzwertüberschreitung von Schwermetallkonzentrationen

  1. Hohe Kosten, denn bei Grenzwertüberschreitung von Schwermetallkonzentrationen wird dieser meist Sondermüll, dessen Entsorgung sehr teuer ist.
  2. Bei „Nichtstun“ und Anzeige, ggf. Anklage wegen Straftatbestand der Gewässerverschmutzung.

Nur wenn die relevanten Schwermetallemittenten (-verursacher) bekannt sind, kann die tatsächliche Ursache der Verschmutzung des Grundwassers beurteilt werden.

Eine eventuelle Verschmutzung des Grundwassers mit Schwermetallen – eine entsprechende Dosis vorausgesetzt – ist eine bedeutend folgenreichere Umweltvergiftung gegenüber zu viel Schwermetall im Klärschlamm, der, wenn dies bekannt ist, gefährdungslos – aber teuer – zu entsorgen ist.

Allerdings gibt es auch eine Selbstreinigung von Schwermetallen in der Natur;

Der Wasserkreislauf!

Man muss nur warten können und dürfen.

Wie schwer ist eigentlich Schwermetall?

Wie schwer ist denn nun Schwermetall?

Einer Definition zufolge ist alles Metall mit einer Dichte ≥ 5 g/cm³ Schwermetall.

Eisen hat die Dichte von ≈ 7,9 g/cm³, ist damit ein Schwermetall und so ist das Hantelgleichnis gar nicht so abwegig.

Da Eisen fast überall ist, gilt:

In jedem Klärschlamm dürfte eine gehörige Menge Schwermetall sein.

Wichtige Eigenschaften von Metall

Wegen der Vollständigkeit seien für den, der es noch nicht weiß, die wichtigsten Eigenschaften von Metall aufgezählt:

  1. elektrisch gut leitfähig
  2. undurchsichtig
  3. gut verformbar
  4. relativ hoher Schmelzpunkt
  5. glänzend

Und nun kommt das Besondere dieses Beitrages. Es geht um Schwermetalle,

  1. die nicht nur schwer,
  2. sondern die auch giftig sind,
  3. die vom Belebtschlamm aufgenommen werden und die dann
  4. im Klärschlamm landen.

Schwermetalle sind meist giftig!

Aber manche sind sogar lebensnotwendig!

Doch das ist hier kein Thema.

Warum sind nun Schwermetalle im Klärschlamm zu minimieren?

Um in Ausnahmefällen zu verhindern, dass bei hohen Stoffkonzentrationen giftige Schwermetalle über den Stoffkreislauf den Menschen und andere Organismen vergiften können.

In der Regel, weil es Vorschrift ist.

Eine Mittel zur Schwermetallminimierung: Erfahrung

Schwermetalle im Klärschlamm gelangen über die Kanalisation – meist über Indirekteinleiter auf die Kläranlage.

Langjährige Erfahrungen und kompetente, erfolgreiche Mitarbeiter, z. B. unseren Chemiker Herrn Uwe Eichhorn sind ein wichtiges Mittel zur Schwermetallminimierung.




Dichtheitsprüfung der Hausanschlüsse – fast witzig?!

Dichtheitsprüfung

Wat stinkt, dat düngt!

Diesmal nicht von mir – es kommen auch andere darauf:

„Fast Witzig ist nun die Verordnung des Landeswasserschutzgesetzes NRW § 61, das die Dichtigkeitsprüfung der Hausanschlüsse der Kanalisation vorschreibt. Für viel Geld muss der Hausbesitzer sein Kanalsystem überprüfen lassen, ob an irgendeiner Stelle eine Undichtigkeit besteht, während möglicherweise auf der gegenüberliegenden Straßenseite hunderte von Kubikmetern Gülle auf die Felder verteilt werden.“

Quelle: Wat stinkt, dat düngt! (Doch trifft das auch zu EHEC-Zeiten noch zu…?)

Kommentar – Gründe gegen prinzipielle Dichtheitsprüfungen aller Grundleitungen

  1. Unverhältnismäßigkeit, d. h. der Aufwand rechtfertigt nicht den Effekt. (Das erkennen schon Laien.)
  2. Der Effekt der Folgen einer undichten Grundleitung bzw. Hausanschlussleitung wird nicht bewiesen. Die Argumentation beruht meist auf abstrakten Behauptungen.
  3. Undichtigkeiten in der Hausanschlussleitung sind – wenn in extrem seltenen Fällen tatsächlich relevant – dann nur an den Stellen des Abwasserrohres von Bedeutung, an denen Abwasser die Rohrwandung berührt. Das ist bei fast allen Hausanschlüssen (DN 150 angenommen) bei einer maximalen Teilfüllung von 3 cm über der Kanalsohle ein benetzter Umfang von nur 14 cm, der zudem nur wenige Minuten am Tag benetzt wird. Siehe hierzu die Darstellung der Ausdehnung der Sielhaut. (Die Sielhaut ist eine schleimige Schicht aus Bakterien, die u. a. das Ausmaß der regelmäßigen Benetzung beweist.)
  4. Selbst eine Undichtigkeit in der Sohle ist in der Regel keine Katastrophe, weil ein Selbstdichtungsprozess den Austritt von Abwasser minimiert.
    Beweis: z. B. Verstopfung des Filters von Pflanzenkläranlagen oder auch wissenschaftliche Vorträge über die Selbstdichtung von Hausanschlussleitungen.
  5. Zudem wird in Fachgremien diskutiert, dass manche Dichtheitsprüfungen durch den Druck bei einer Druckprüfung die vorhandene biologische Selbstdichtung zerstören und so eine Undichtigkeit vorgaukeln, die es tatsächlich in dem durch die Druckprüfungen festgestellten Ausmaß nicht gibt.
  6. Verlässt man sich auf die optische Sichtprüfung, dann werden die meisten Undichtigkeiten gar nicht bemerkt. Und, soll man einen Riss oberhalb der Sielhaut wirklich reparieren lassen?
  7. Zu prüfen wäre, ob bei einer prinzipiellen Dichtheitsprüfung aller Grundleitungen wegen fragwürdiger und vor allem wegen abstrakter Gefährdung gegen den Stand der Technik und gegen das Übermaßverbot verstoßen wird. Das eine prinzipielle Dichtheitsprüfung aller Grundleitungen gegen den Stand der Technik verstößt, mag verwundern. Erstaunlich ist aber, dass die Verfasser der Definition des Standes der Technik die Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsprinzips als notwendige Voraussetzung für den Stand der Technik im Anhang 1 des Wasserhaushaltsgesetzes bestimmt haben. Beweis: Stand der Technik.
  8. Das Fazit? Traue ich mir nicht zu schreiben. Darauf soll der Leser selber kommen. Es bleibt zu hoffen, dass solche Luxusprobleme nicht auf die neuen Bundesländer überschwappen. Siehe auch Hintergrund von Hassemer: Flächendeckende Vorfeldkriminalisierung im Umweltstrafrecht!

Dichtheitsprüfung

Veranschaulichung des geringen Ausmaßes des benetzten Umfanges bei Hausanschlussleitungen durch die Ausdehnung der Sielhaut

Weiteres unter: Dichtheitsprüfung

Siehe auch: Abwasserentsorgung bei Privaten: „Dichtheitsprüfung – Nein Danke“

(Beitrag vom Juli 2011. Geringfügig überarbeitet im März 2017)




Gewässerschutz

Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 widerspricht konkretem Gewässerschutz

Übermäßiger Gewässerschutz kann gegen das Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 verstoßen!

In diesem Beitrag geht es um die Darstellung der Tatsache, dass der praktizierte Gewässerschutz – also in der Weise wie er offiziell verfolgt wird – keineswegs selten seine Ziele gerade dann verfehlt, wenn er wasserrechtliche Regelungen rigoros umsetzt.

Das ist komisch, ist aber so!

(„Keineswegs selten“ bedeutet, dass es natürlich auch Fälle gibt, in denen der Gewässerschutz seine Ziele erreicht.)

Die Ursache des erwähnten Paradoxon liegt in der Unmöglichkeit,

  1. die konkrete Natur mit abstrakten Rechtsvorschriften abzubilden. Und
  2. in der Unmöglichkeit, mit Rechtsvorschriften in der Natur etwas zu steuern.

Wenn etwas in der Natur mehr oder weniger genau gesteuert werden kann, dann nur in Kenntnis und Anwendung der wissenschaftlichen Ökologie.

So, und nun zu den Tatsachen. Tatsachen haben die Eigenschaft, darauf sei noch hingewiesen, dass sie für ihre Wahrheit keine Akzeptanz benötigen. Beispiel: Die Erde ist rund und dies unabhängig davon, ob der Gesetzgeber oder eine Verwaltung nun daran glaubt oder nicht! Tatsachen bedürfen für ihre Akzeptanz der Dokumentation. Und fehlt die Dokumentation oder ihre Akzeptanz, so bleiben es trotzdem Tatsachen.

Ein schönes Beispiel ist der von Reichholf dokumentierte, gutgemeinte und tatsächliche Eingriff des „Gewässerschutzes“ in die Natur der völlig nach hinten losging. In der Konsequenz kam es zu einem vorhersehbaren Massensterben von Muscheln. Hier sollte man wissen, dass Muscheln gut 100 Jahre alt werden können und als Filtrierer einen beträchtlichen Anteil an der Klarheit eines Gewässers haben können. Zahlreiche Naturfreunde lesen seit Jahren Muscheln aus Gewässern, die aus verschiedensten Gründen zeitweise trocken liegen, um sie umzusiedeln oder anschließend wieder einzusetzen. 3 Beispiele mögen ihre Bemühungen veranschaulichen:

Das ist die eine Seite der Medaille!

Die andere Seite füllt das Wasserhaushaltsgesetz mit seiner Forderung, Abwässer nach dem Stand der Technik zu behandeln. REICHHOLF kritisiert diese Forderung schon 2005:

Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt? Wir können nicht all diesen Tieren die Nahrung wegnehmen und dann darüber klagen, dass sie seltener werden.Reichholf: Die Zukunft der Arten.

Der sogenannte Stand der Technik verursachte in einem dokumentierten Fall ein Massensterben schützenswerter Tiere im Gewässer. Auf der einen Seite begeistert sich der Naturfreund über die Rettung von 20 Muscheln, opfert seine freie Zeit und auf der anderen Seite werden beim guten Tun wasserrechtskonform 4.000 Muscheln/100 m²(!)  getötet.

Aus dem Kapitel 3, ab Seite 47 des Buches von REICHHOLF

Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten.
Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch, erschienen März 2005
München C.H. Beck Verlag

folgt, dass übermäßiger Gewässerschutz zur dramatischen Verschlechterung der Bedingungen in den Ökosystemen für Mauersegler und Großmuscheln führte. Aber lesen Sie selbst:

Gewässerschutz

Abbildung 10: Der Rückgang der Mauersegler verlief parallel zur Abnahme der Großmuscheln und der Mückenlarven.

Zum Verständnis des Diagramms 10 von REICHHOLF:

1968-1973 wurden je 100 m² noch 4.000 Großmuscheln gezählt. 1994 war infolge der „Verbesserung“ der Gewässergüte keine mehr da!

Zum Diagramm, Zitat:

„Dennoch lässt sich wohl der größere Teil — wenn nicht sogar der gesamte Rückgang — als «hausgemacht» erklären. Den Schlüssel dazu liefern ganz ähnliche, ja sogar im Ausmaß noch weit kräftiger ausgebildete Rückgänge bei den Großmuscheln. Und die wandern nicht irgendwohin, sondern sie leben dauerhaft für Jahre und Jahrzehnte in jenen Gewässern, aus denen auch die «Emergenz» von Zuckmücken, kleinen Eintagsfliegen und anderen Wasserinsekten hervorkommt. Abb. 8 zeigt diesen Rückgang der Großmuscheln im selben Gebiet der Stauseen am unteren Inn, in dem auch die starke Abnahme der Mauerseglerhäufigkeit festzustellen war. Die Kleinmuscheln gingen ebenfalls sehr stark zurück.
Fügt man nun auch noch die Abnahme der Häufigkeit der Zuckmückenlarven (Abb. 9) hinzu, die im Bodenschlamm dieser Stauseen leb(t)en, ergibt sich ein einheitliches Gesamtbild (Abb. 10).
Die Gleichsinnigkeit der Verläufe bei den drei so ganz unterschiedlichen Tiergruppen geht hieraus so deutlich hervor, dass sich ein gemeinsamer Grund geradezu aufdrängt. Er lässt sich aus der Lebensweise der Zuckmückenlarven und der Großmuscheln direkt ableiten und mit der Abnahme der Mauersegler verbinden. Beide, die Larven der Zuckmücken wie die Großmuscheln, leben von jenem schon benannten organischen Detritus, den Bakterien und Pilze zersetzen. Sie filtern oder strudeln ihn aus dem Wasser und den obersten Schichten des Bodenschlammes heraus. Vor allem das Bakterieneiweiß, das darin enthalten ist, stellt eine ergiebige Nahrungsgrundlage dar. Sie bildet gleichsam die Basis einer eigenen, sehr umfangreichen Nahrungskette. Erstnutzer dieses Detritus sind Zuckmückenlarven und Schlammröhrenwürmer, die in ähnlichen Mengen und Mengenverhältnissen wie die Zuckmückenlarven in solchen Gewässern vorkommen sowie die Muscheln. Wo es viel von dieser Detritus-Nahrung gibt, entwickeln sich große Bestände dieser «Schlammfauna» (Reichholf 1993). Mit bis zu 2,6 Kilogramm Frischgewicht pro Quadratmeter erreichten Ende der 1960er und Anfang der 1970erJahre die Zuckmückenlarven sogar ziemliche Rekordwerte. Noch erheblich größere Mengen hatte es am Ismaninger Speichersee gegeben.“ (Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten)

Zu dem Verhungern der Mauersegler und Großmuscheln kam es also durch Verschlechterung des Nahrungsangebotes infolge einer übermäßigen Abwasserreinigung.

Ein scheinbares Paradox: Ist doch gerade die Verschlechterung des Gewässerzustandes vom „Gewässerschutz“ ausdrücklich verboten!

Mitunter wird geglaubt, Muscheln brauchen klares Wasser. Das trifft aber nur auf wenige Muschelarten zu. Vielmehr ist korrekt, dass Muscheln – insbesondere Teichmuscheln – trübes Wasser reinigen. Sie filtrieren das Wasser. Für die Teichmuscheln im Dorfteich kann es eng werden, wenn Kleinkläranlagen, die bislang in den Teich entwässerten und nun wegen einer Emotion (abstrakter Grund einer Besorgnis), dass der Gewässerzustand schlechter werden könnte, dort nicht mehr einleiten dürfen. An solche Feinheiten darf eine Gewässerverwaltung nicht einmal denken. Derartige Abweichungen vom Gesetzestext hat der Gesetzgeber ihr bei Strafe verboten und insofern ist an dem negativen Effekt des Guten eine Wasserbehörde meist schuldlos. Es hat den Anschein, der Gesetzgeber traut seinen Unteren Wasserbehörden nicht über den Weg. Sicher sehr zu Unrecht, denn der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Ursachen der Schieflagen sind abstrakte und weltfremde Vorstellungen von der Natur, die zu allem Unglück in Gesetze und Verordnungen zementiert wurden und die unter allen Umständen einzuhalten sowie zu beachten sind, auch wenn Populationsdichte und Biodiversität den Bach hinunter gehen. Helfen könnten zwar

  • ein größerer Entscheidungs- und Verantwortungsspielraum der Unteren Wasserbehörden,
  • mehr Naturwissenschaftlichkeit in den Verwaltungen, so dass man auch Verschlechterungen als Konsequenz des Guten rechtzeitig erahnen kann,
  • Gestattung von Ausnahmen in begründeten Fällen sowie
  • eine Reform des § 27 WHG,

dass aber auch nur ein Teil davon umgesetzt wird, halte ich für ausgeschlossen, weil es tatsächlich um etwas anderes geht. 

Eine Ursache für die Verschlechterung des Gewässerzustandes (Rückgang der Populationsdichte und Biodiversität) ist der § 27 WHG.

Gewässerschutz und Paragraph 27: Bewirtschaftungsziele für oberirdische Gewässer (WHG – Wasserhaushaltsgesetz)

„(1) Oberirdische Gewässer sind, soweit sie nicht nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein guter ökologischer und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.

(2) Oberirdische Gewässer, die nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, sind so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen Potenzials und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein gutes ökologisches Potenzial und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.“

Schon der § 27 ist für den Gewässerschutz ein logisches Dilemma. Er ist in sich in hohem Maße widersprüchlich, wie folgende Aspekte beweisen mögen:

  1. Es gibt keine abstrakte Natur und kein abstraktes Gewässer.
  2. Es ist unmöglich etwas Abstraktes zu verbessern, zu verschlechtern oder zu schützen.
  3. Wasserwirtschaftliche Prinzipien (effiziente Nutzung des Wassers, Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips,…) sind immer konkret!
  4. Ein Effizienzbeweis ist immer nur konkret zu führen. 
  5. Wer abstrakt begründet, hat entweder keine Ahnung oder er verbirgt in raffinierter Weise seine tatsächlichen Ziele und Interessen.
  6. Ein ökologischer Zustand ist immer konkret orientiert, an einen konkreten Organismus oder an eine konkrete Lebensgemeinschaft gebunden. Der  ökologische Zustand bzw. das ökologische Potential im § 27 aber ist abstrakt.
  7. Zwischen dem ökologischen und dem chemischen Zustand gibt es eine Naturgesetzlichkeit. So kann z. B. die Verbesserung der Nahrungsgrundlage und damit des ökologischen Zustandes – konkret der Teichmuschel – eine Verschlechterung des wasserchemischen Zustandes erfordern.

Mit Gewissheit steht damit fest: Der § 27 WHG kann beliebig interpretiert werden. Es handelt sich beim § 27 um einen unter wissenschaftlichen Ökologen seit langen bekannten Nonsens. Er wird von ihnen nur etwas charmanter, in einer Weise formuliert, so dass sich ein Unwissender nicht beleidigt fühlt:

„Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten. Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.“ Lampert

Neben Lampert könnten noch weitere Ökologen genannt werden, z. B. Steinberg.

Am Ende kommt es im Streitfall auf den Richter an, ob dieser eher abstrakten oder konkreten Argumenten zugeneigt ist.

Rumm, u. a. notieren zurecht im Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie, 2. Auflage, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2006:

Maßnahmen müssen zielführend und eben kosteneffizient sein…

allerdings zeigt sich der § 27 für den Gewässerschutz davon völlig unbeeindruckt.

Und schließlich zusammenfassend:

Die Verbesserung der chemischen Gewässergüte zur abstrakten Umsetzung des Verschlechterungsverbotes, ist oft auch Ursache der  Verschlechterung der Lebensbedingungen für bestimmte Lebewesen in konkreten Ökosystemen.

Dem abstrakten Verschlechterungsverbot entspringt das Gebot abstraktes Gutes zu tun und das abstrakte Gute führt in Ökosystemen in der Konsequenz häufig zu konkreten Verschlechterungen. Im Streit über die Bewertung der Realität wird am Ende nicht dem gefolgt, der wissenschaftlich gesehen die Sachlage korrekt bewertet, sondern entscheidend ist – sofern der Streit nicht vor Gericht ausgetragen wird – häufig die Meinung meist einer einzigen Deutungshoheit in einer Verwaltung zur Auslegung abstrakter Regelungen und Dogmen.

Die Akzeptanz des Ergebnisses einer sachlichen, wissenschaftlichen Bewertung, wenn sie im Widerspruch zu den wirtschaftlichen und damit politischen Vorstellungen über die Natur steht, ist eher ein Ausnahmefall.

(Beitrag vom März 2013, überarbeitet im Januar 2017)




CSB – Kein Beweismittel einer Gewässerverschmutzung

Der CSB (Chemischer Sauerstoffbedarf) wird in einem Labor ermittelt. Die Reaktionsbedingungen zur Messung des CSB sind so lebensfeindlich und kommen im Wasser oder im Gewässer nicht vor, so dass das CSB-Laborergebnis unmöglich und mit Gewissheit auf Wasser, Gewässer oder auf die Natur übertragbar ist.

In den Anhängen zum Wasserhaushaltsgesetz wird von der falschen Annahme ausgegangen, dass der CSB ein Schadstoff sei. Diese Doktrin, dass der CSB ein Schadstoff ist, wird allein schon in Wertung der Tatsache ad absurdum geführt, dass im simplen Kaffee erhebliche Mengen des angeblich schädlichen CSB nachweisbar sind und dieser wird ja in Mengen konsumiert.

CSB

Kaffeetasse mit mächtig viel chemischem Sauerstoffverbrauch – nach wasserrechtlicher Deutung extrem schadstoffbelastet! Ein Liter Kaffee enthielt einer Messung des Labors AGROLAB zufolge biologisch nicht abbaubare Stoffe, die aber im Labor unter konkreten Bedingungen geneigt waren, vom K2Cr2O7 ca. 7.070 mg O2 anzunehmen! (BSB20 schon subtrahiert)

Es gibt in einem Gewässer keine, auch nur annähernd vergleichbare Reaktionsbedingungen, wie sie zur Bestimmung des CSB im Labor erforderlich sind.

Extreme Reaktionsbedingungen

Zum Verständnis seien einige Bedingungen genannt, um im Gewässer den gleichen CSB zu erzeugen, wie er im Labor gemessen wird:

  • Genutzt wird Kaliumdichromat. Es ist eines der stärksten chemischen Oxidationsmittel. Kaliumdichromat liefert den Sauerstoff zur Erzeugung des sog. „O2-Bedarfes“.
  • Um seine Reaktionswirkung noch zu steigern, wird nicht nur Schwefelsäure, sondern Silbersulfat zugegeben. Alles giftig!
  • Zusätzlich muss die ganze Mischung bei 148 °C ± 3 °C 110 Minuten schwach sieden. Da bekanntlich Wasser schon bei 100 °C kocht, ist die Reaktion unter Druck zu halten.
  • Auch die Dosis der weiteren Reaktionsmittel ist giftig. So werden auf 20 ml Probe (z. B. Kläranlagenablauf) 10 m l quecksilbersulfathaltige Kaliumdichromat-Lösung und 30 ml silbersulfathaltige hochkonzentrierte Schwefelsäure zugegeben.

Quecksilbersulfat, Silbersulfat oder gar Schwefelsäure ist zu Recht so das Letzte, was eine Wasserbehörde im Gewässer haben will. Als fiktives Weltbild scheinen den Gesetzgeber diese Gifte im Gewässer aber nicht zu stören. Warum?

Es gibt im Wasser oder im Gewässer keinen Bedarf an CSB.

Also, um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt keinen Bedarf an chemischem Sauerstoff! Durch die extremen Reaktionsbedingungen wird Kaliumdichromat im Labor (!) reduziert, d. h. sein chemisch gebundener Sauerstoff wird verbraucht. Wenn also etwas ein Sauerstoffdefizit erleidet, dann ist es das Kaliumdichromat, das aber im Gewässer oder im Wasser nicht vorkommt und deshalb auch dort keinen Bedarf verursachen kann.

Ein im Labor nach DIN 38409, Teil 41 bestimmter Verbrauch von chemisch gebundenem Sauerstoff lässt sich aufgrund der extremen Reaktionsbedingungen mit Gewissheit im Gewässer nicht reproduzieren oder gar übertragen. Denkbar wäre das in einer Fiktion, auf einem fernen Planeten bei 148 °C in einem Fluss, in dem Schwefelsäure mit einigen Verunreinigungen an quecksilbersulfathaltigem Kaliumdichromat und Silbersulfat fließt. Kippt man nun in diese heiße Suppe einen Liter Kaffee, dann könnte der Fluss einen Bedarf an 7.070 mg O2 verspüren, um zu verhindern, dass sich sein Kaliumdichromat zersetzt. Wie man erkennt, sollte man bei der Bewertung des CSB wenigstens die wichtigsten Aspekte seiner Bestimmung kennen. Das ist leider eher selten der Fall, wie die häufig falsche Interpretation des CSB beweist. Zu Gute halten muss man bestimmten Interpreten, dass der Gesetzgeber sie zwingt von falschen Voraussetzungen auszugehen.

Ein CSV oder wenn man unbedingt will auch der CSB – außerhalb des Laboratoriums – ist eine unwissenschaftliche Fiktion. Sachlich und fachlich ist deshalb der CSV offenkundig (im juristischen Sinne) und nach sachverständiger Prüfung mit Gewissheit kein Schadstoff; gesetzlich aber unbedingt und ausnahmslos.

Darüber, warum der Gesetzgeber die falschen Interpretationen des CSV-Begriffes erzwingt, darf diskutiert werden.

Fakt ist:

Jeder Straftatbestand einer Gewässerverunreinigung ist die Konklusion eines normativen Trugschlusses, wenn seine Prämissen ausschließlich auf einer oder mehreren CSB-Analyse bzw.  CSB-Analysen beruht bzw. beruhen.

Bei diesen Ausführungen handelt es sich nicht etwa um eine Neuheit, sondern um schlichtes, wenigstens seit 83 Jahren (Brix 1934) bekanntes wasserchemisches Grundlagenwissen, zu dem für jedermann nachlesbar beispielsweise in der DIN 38409, Teil 41.

Selbst als Hilfstatsache (Indiz) in einem Rechtsstreit ist der Chemische Sauerstoffbedarf (CSB) nur bedingt und keineswegs zuverlässig tauglich, weil für seine Bewertung eine Referenz sowie die Kenntnis der Wahrscheinlichkeit zwischen der Referenzanalyse (z. B. biologischer Sauerstoffbedarf)  und der Höhe des CSB benötigt wird.

Im Gewässer oder im Abwasser gibt es also keinen Bedarf an Sauerstoff (CSB) für eine chemische Reaktion nach DIN 38 409 Teil 41 und ein Gewässer hat auch keinen Bedarf an Sauerstoff des Kaliumdichromates. Schlicht deshalb nicht, weil im Gewässer kein Kaliumdichromat vorkommt, ausgenommen bei einem Chemieunfall!

Und wenn wirklich bei einem Chemieunfall Kaliumdichromat in ein Gewässer gelangen sollte, dann sterben die Fische blitzschnell am Kaliumdichromat und nicht an Sauerstoffarmut.

Früher wurde der CSB noch korrekt als CSV – Chemischer Sauerstoffverbrauch – bezeichnet

Wie schon erwähnt war man 1934 schon einmal klüger als heute. Damals wurde der chemische Sauerstoffbedarf noch korrekt chemischer Sauerstoffverbrauch (CSV) genannt, aber irgendeine Expertengruppe hat später dann wohl versucht dem Gewässer einen Bedarf an chemischen Sauerstoff andichten zu können. Und es ist ihr exzellent gelungen! Der CSB dient zur Begründung eines fiktiven Schadstoffes und man kann eine Abgabe für eine Fiktion erheben, vergleichbar mit dem Ablasshandel im Mittelalter. Für diese Fiktion muss der Abwasserbeseitigungspflichtige eine Lenkungsabgabe zahlen. Bei der CSB-Lenkungsabgabe kann allerdings zudem die Lenkung extrem in die falsche Richtung lenken, denn es gibt Situationen, in denen ein hoher CSB Indiz für eine besonders gute Abwasserreinigung ist. Und dann?

Dem ersten Leser eine Flasche Sekt, der mir mit den Regeln der Logik beweist, dass es im Gewässer einen Bedarf an chemischem Sauerstoff nach DIN 38 409, Teil 41 gibt. Es darf sich auch eine arme Studentin bewerben.

Ein falscher Begriff als Trojaner

Der „Chemische Sauerstoffbedarf“ als falscher Begriff ist ein Trojaner,…

…der die Verbreitung von Halbwissen fördert und Schäden verursacht, wie z. B.:

  • CSB-Abwasserabgabe
  • CSB-Überwachung von Abwassereinleitungen zum Beweis eines Straftatbestandes der unerlaubten Gewässerverschmutzung
  • unnötige Investitionen zur CSB-Reduktion
  • zusätzliche Aufwendungen beim Anlagenbetrieb
  • Begründung verschärfter CSB-Überwachungswerte mit einer Fiktion
  • Entwertung von kommunalem Eigentum (z. B. zahlreiche Außerbetriebnahme von ökologisch bedeutungsvollen Abwasserteichen, weil Mindestanforderungen an den CSB-Überwachungswert nicht eingehalten wurden)
  • durch die CSB-Doktrin verursachte Fehlsteuerung und Fehlentscheidungen im Gewässerschutz

Diese Fehlsteuerung und Fehlbewertung ist nicht aufzuhalten, weil die CSB-Schadstoffdoktrin in zahlreichen Gesetzeswerken unerschütterlich zementiert wurde.

Den CSB als Untersuchungsmethode abzuschaffen ist keine Lösung, denn sie hat durchaus zahlreiche Vorteile.

Der CSB ist aber kein Beweismittel für eine Gewässerverwaltung, um eine CSB-Abwasserabgabe oder eine CSB-Gewässerverschmutzung zu begründen!

Der CSB ist auch kein Schadstoff. Dafür fehlt die sachliche Begründung.

Wie soll etwas geschützt werden, wenn schon das Ziel unsachlich definiert wurde und die CSB-Begrifflichkeit falsch ist?

Weitere Argumente und Erklärungen über den CSB sind dem Fachbeitrag von 2013 in der wwt zu entnehmen. Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?

***

(Artikel vom Juli 2012, überarbeitet am 11.01.2017)




Ein guter wasserchemischer Zustand auf Biegen und Brechen?

Ein guter wasserchemischer Zustand ist für sich allein gesehen ein recht einfältiges Ziel. Trotzdem ist er aber bei vielen wasserbehördlichen Entscheidungen immer noch das Maß aller Dinge bzw. das k.o.-Kriterium für vernünftige und verhältnismäßige Alternativen.

Im Falle einer geplanten oder aktuellen Überwachungswertverschärfung wäre aus wasserwirtschaftlicher Sicht vor einer kompromisslosen wasserchemischen Zieldefinition ein Nachweis der Verhältnismäßigkeit lt. WRRL, Artikel 4, 3b notwendig:

Nachweis, dass sinnvollerweise durch andere Mittel keine wesentlich bessere Umweltoption zu erreichen ist, als durch die Verschärfung wasserchemischer Mindestanforderungen.

Diese notwendige Anforderung folgt aus dem Prinzip der Sparsamkeit, zu dessen Einhaltung normalerweise auch (nicht nur) die Unteren Wasserbehörden verpflichtet sind oder sein sollten:

wasserchemischer Zustand

Wie will man in dieser Landschaft eine Verschärfung der Überwachungswerte nachvollziehbar begründen? Gülle bis an das Ufer des Meliorationsgrabens („Gewässer“)! Keine Beschattung, aber die Kommune soll einen wasserchemisch guten Zustand garantieren. Die Frachten der Landwirtschaft werden nicht berücksichtigt, denn es geht juristisch feinsinnig nur um „unerlaubte“ Gewässerverschmutzung. Die Gewässerverschmutzung durch Gülle ist ausdrücklich gesetzlich erlaubt! Bei der Verschärfung der Überwachungswerte CSB, BSB, N, P fällt es oft sehr schwer, Indizien für ökologische Kompetenz in den wasserrechtlichen Begründungen zu entdecken.

Verschärfung von Überwachungswerten und wasserchemischer Zustand

Ein „guter wasserchemischer Zustand“ erfordert nach manchen behördlichen Vorstellungen oft die Verschärfung von Überwachungswerten und  hat immer ganz erhebliche zusätzliche einmalige und/oder laufende Aufwendungen für Unternehmen und Kommunen zur Folge.

Notwendig ist also ein Nachweis, dass diese zusätzlichen Aufwendungen auch tatsächlich erforderlich sind und dass zudem das Erreichen vorher bestimmter konkreter Gewässerschutzziele garantiert wird.

Diese Ansprüche sind in der wasser- bzw. fachbehördlichen Praxis eher eine Ausnahme. Die Folge sind erhebliche Effektivitätsverluste bei der Abwasserbeseitigung und beim Gewässerschutz, verursacht durch ein Übermaß bei der Gewässerverwaltung.

Grundlegende einfachste Zusammenhänge zwischen dem Aufwand und dem Wirkungsgrad (z. B. Geschwindigkeit eines Autos und dessen Benzinverbrauch) einer technischen Anlage sind der Gewässerverwaltung offensichtlich unbekannt. Dabei zählen diese Zusammenhänge zur Allgemeinbildung. Unter Mathematikern und Betriebswirtschaftlern sind diese Zusammenhänge durch das Pareto-Prinzip definiert:

Es ist möglich, dass mit 20 % Kosteneinsatz 80 % aller Gewässerprobleme gelöst werden können. Für die Lösung der restlichen 20 % der Gewässerprobleme ist mit weiteren 80 % Kosten zu rechnen.

Das heißt, die verbreiteten Anstrengungen zur ständigen „Verbesserung“ des Gewässerschutzes („guter wasserchemischer Zustand“) durch Verschärfung der Überwachungswerte – auch infolge der teils kontraproduktiven Forderung der Abwasserreinigung nach dem Stand der Technik – hat eine Kostenexplosion in Form einer Potenzfunktion zur Folge (Pareto-Verteilung).

Mangelhafte oder fehlende Effektivität

Auf den Verstoß gegen wasserwirtschaftliche Prinzipien (z. B. Missachtung notwendiger Effektivität) hat beispielsweise der Wiener Prof. Herr Kroiss schon mehrfach in seinen interessanten Vorträgen hingewiesen.

Die weit verbreitete abstrakte Formulierung von Gewässerschutzzielen („guter wasserchemischer Zustand“) im Rahmen zur Begründung von Verschärfungen der Überwachungswerte ist also unwissenschaftlich, ideologisch determiniert, beliebig und aus all diesen Gründen mit wasserwirtschaftlichen Ansprüchen nicht bewertbar. Zudem steht eine derartige Praxis im Widerspruch zu Regelungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie und zu zahlreichen anderen gesetzlichen Regelungen (z. B. Gemeindeordnung).

Mit abstrakten Gewässerschutzzielen wird das Sparsamkeitsprinzip willkürlich ausgehebelt.

Willkürlich deshalb, weil die sachliche Begründung fehlt. Voraussetzung für eine sachliche Begründung ist, dass sie auf konkreten Prämissen beruht. Gewässerschutzziele werden aber oft abstrakt formuliert (gutes Tun). Damit sind sie beliebig interpretierbar und entziehen sich einer konkreten Effizienzprüfung, die aber gesetzliche Vorschrift ist. Eine wissenschaftliche Kontrolle nach ökologischen Prinzipien wird damit vereitelt und die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz. Ein raffiniertes System.

Wissenschaftliche und sachliche oder politische und willkürliche Ökologie; das ist die Frage!

Bei der Ökologie ist mittlerweile zwischen der wissenschaftlichen und der politischen Ökologie zu unterscheiden. Die politische Ökologie ist als Weltanschauung abstrakt und hat beliebig „Gutes“ zum Ziel, wohingegen die wissenschaftliche Ökologie wertfrei und naturwissenschaftlich nachvollziehbar ist.

In der wissenschaftlichen Ökologie gibt es dagegen keine abstrakten guten Zustände, sondern die Zustände sind für konkrete Organismen in einem konkreten Ökosystem definiert. Daraus folgt das scheinbare Paradoxon, dass z. B. Fische im sauberen Wasser verhungern (sehr guter wasserchemischer Zustand!) und dass in Gewässern mit einer weniger guten wasserchemischen Qualität Artenvielfalt und Fischreichtum herrscht.

Da beide Ökologieformen (politische weltanschauliche Ökologie als Mutation zwischen Ideologie sowie Kommerz und wissenschaftliche Ökologie) nebeneinander existieren, ist es für den Laien fast unmöglich einen klaren Kopf zu behalten. Allerdings gibt es für ihn ein Indiz zur Unterscheidung: Immer wenn abstrakt geschwafelt wird, handelt es sich wahrscheinlich um Ökologismus oder um Ideologie, denn die Wahrheit braucht keine umständlichen Erklärungen. Weitere Indizien sind je nach Charakter und Bildung Ausreden, Verlegenheit oder Aggressivität der Disputanten, wenn sie nach konkreten Argumenten befragt werden.

Die Beliebigkeit des Abstrakten

Diese Beliebigkeit des Abstrakten wird höchstbequem für nicht wasserwirtschaftliche Geschäfte in vielfältiger Weise ausgenutzt.

Wurden Überwachungswerte erst einmal verschärft, dann wird in der Regel nicht mehr geprüft, ob diese Verschärfung noch oder überhaupt notwendig ist oder war. Damit entstehen dem Abwasserbeseitigungspflichtigen Schäden in Millionenhöhe.

Solange aber die Abwasserbeseitigungspflichtigen die Folgen unnötiger Verschärfungen erdulden, müssen sie auch mit den unnötigen einmaligen und/oder laufenden zusätzlichen Aufwendungen leben und haben damit entsprechend zusätzliche Abwasserbeseitigungskosten im Produktpreis zu kalkulieren oder über die Bürger zu refinanzieren.

Der EU-WRRL kann diese bundesweite Fehlentwicklung nicht in die Schuhe geschoben werden, sondern nur denjenigen, die sie nicht lesen, nicht verstehen, die kommerzielle oder ideologische Interessen verfolgen oder denen wasserwirtschaftliches Verständnis überhaupt fremd ist. Erstaunlich sind die Fehlentwicklungen nicht. Denn vielleicht 99,9 % aller Ingenieure beschäftigen sich mit der Umsetzung der Mindestanforderungen oder deren Verschärfung und vielleicht ein oder zwei Ökologen dürfen nachsehen, ob die Zielvorstellungen erreicht werden oder erreicht wurden.

Wer aber als Ökologe nach dem Sinn des Abstrakten sucht, sollte – da wir nicht bei den Indianern sind (die wohl Erfahrungen ihrer  Alten noch achteten) – kurz vor seiner Pensionierung stehen.

Tja, und fast schließlich:

Wasserrahmenrichtlinie Artikel 4, 3b und wasserchemischer Zustand

„(3) Die Mitgliedstaaten können einen Oberflächenwasserkörper als künstlich oder erheblich verändert einstufen, wenn a) die zum Erreichen eines guten ökologischen Zustandes erforderlichen Änderungen der hydromorphologischen Merkmale dieses Körpers signifikante negative Auswirkungen hätten auf:

i) die Umwelt im weiteren Sinne,

ii) die Schifffahrt, einschließlich Hafenanlagen, oder die Freizeitnutzung,

iii) die Tätigkeiten, zu deren Zweck das Wasser gespeichert wird, wie Trinkwasserversorgung, Stromerzeugung oder Bewässerung,

iv) die Wasserregulierung, den Schutz vor Überflutungen, die Landentwässerung, oder

v) andere ebenso wichtige nachhaltige Entwicklungstätigkeiten des Menschen,

b) die nutzbringenden Ziele, denen die künstlichen oder veränderten Merkmale des Wasserkörpers dienen, aus Gründen der technischen Durchführbarkeit oder aufgrund unverhältnismäßiger Kosten nicht in sinnvoller Weise durch andere Mittel erreicht werden können, die eine wesentlich bessere Umweltoption darstellen.“

Das Einfache kann das Geniale sein

Das heißt, ein zu hoher Ammonium- oder Phosphorgehalt kann z. B. durch Beschattung kompensiert werden.

Das Pflanzen von Schwarzerlen kann (und ist in vielen Fällen) wertvoller und kostengünstiger sein, als Denitrifikationsstufen oder Flockungsfiltrationen zu betreiben.

Zu hoffen bleibt, dass die Beachtung der Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie irgendwann doch noch zur Handlungsgrundlage jener wird, die meinen, sie arbeiten für die Wasserwirtschaft.

Und um mit Herrn Prof. Kroiss zu schließen:

„Das kostbarste Gut der Länder mit hohem Standard der Wassergütewirtschaft ist daher nicht das Wasser, weil wir das aus wirtschaftlichen Gründen höchstens 100 bis 200 km transportieren können, sondern das angesammelte Wissen und vor allem die Fähigkeit zur Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure. Der Wettbewerb um eine dauernde Verbesserung der Lösungen muss und darf darunter nicht leiden.“

(Beitrag wasserchemischer Zustand von 2012, überarbeitet am 11.01.2017)




Eine Oma, eine Ente, viel Gülle und das Verschlechterungsverbot

Eine Million entenfütternde Omas gegen Biogasanlagen und die industrielle Landwirtschaft!

Glosse aus dem März 2012

Wer gewinnt?

Dumme Frage!

Die Oma jedenfalls nicht!

Soll dieser Erpel – auch wenn es ein Männchen ist – wirklich verhungern?

Wenn das Gutgemeinte in der Verwaltung zum Terror mutiert…

„Ein ehrsamer Bürger, tierlieb und Freund der bedrohten Natur, nimmt sich der Fütterung von Enten an, die an dem kleinen Flüsschen, das sich traut durch unser Tal windet, ihre Freizeit verbringen und gerne mal ein Bröcklein trocken Brot von der Laufkundschaft entgegennehmen.

Gemach, lieber Tierfreund! Du hast Entscheidendes nicht bedacht.

Zur Labung tierischen Federviehs bist du nicht berechtigt.

Das „Wasserhaushaltsgesetz“ verbietet nämlich grundsätzlich das „Einbringen fester Stoffe“ in das Flüsslein, um „gesundheitlichen Gefahren“ vorzubeugen.

Dies schien dich, lieber Tierfreund, nicht von deinen Liebesbezeugungen an das einfältige Federvieh abhalten zu können. Der Mann war, so der besorgte Leserbrief, „mit großen Mengen Futter“ zu Gange, in der irrigen Meinung, hier Gutes für Gottes quakende Geschöpfe zu tun. Völlig vergessen schien er zu haben, dass die Tiere dadurch „von ihrem natürlichen Lebensraum entwöhnt“ würden, indem sie, Kreuzfahrt-Touristen gleich, zu oft an Land gingen, um es sich dort gut gehen zu lassen.

Ach ja, dass der Tierfreund vielleicht ein einsamer Mensch ist, der den Umgang mit diesen Tieren braucht, um nicht in die Verzweiflungsfalle alternder Menschen zu geraten, braucht unsere Gesetzeslust und Prinzipientreue nicht zu stören. Gesetz ist Gesetz.“

Quelle: Deutschland – Land der Verbote, von Josef Hueber

Also rein menschlich gedacht:

Wir sollten zuallererst die Natur kennen, die wir verwalten möchten!

Das Drama wäre nicht passiert, wenn ein gewisses klitzekleines ökologisches Grundwissen bei der deutschen Verwaltung der Gewässer nicht die Ausnahme wäre.

Andererseits: Passiert wäre es schon, aber man hätte einfach weggeschaut und man muss nicht alles beweisbar wissen müssen.

Gleiche Latte angelegt, dann wäre es auch in mancher Verwaltung verständlich, dass selbst die lässlichen Sünden Millionen entenfütternder Omas im Verhältnis zu der Nährstoffschwemme der industriellen landwirtschaftlichen Produktion und aus den wohllöblichen Biogasanlagen völlig unbedeutend, aber menschlich und kulturell gesehen höchst wertvoll sind.

Als die Oma noch ein kleines Mädchen war, hat sie auch Enten gefüttert und keiner hat sich aufgeregt. (Insofern stimmt es schon, dass Deutschland immer schneller zu einer Verbotsrepublik mutiert.)

Dicke Enten schmecken nun mal besser.

Ich gestehe: Ich habe diesen Vogel gefüttert!

Und selbst wenn mal ein Fisch nach Luft schnappt.

Na und?

Dann bitte beweist erst einmal, dass ausschließlich die Enten fütternde Oma daran schuld war.

Zu dem:

  1. Wo bleibt die Ehrfucht vor dem Alter?
  2. Wer zählt die geschredderten Vögel in der Luft?
  3. Wer zählt die Millionen toten Fische, die wegen des Gewässerschutzes durch übermäßige Gewässerreinhaltung verhungern?

Auch sind viele Wassertiere auf partikulären BSB angewiesen, dessen Einleitung den Betreiber von Kläranlagen wiederum bei Strafe verboten  ist.

Und so könnten die Omas, wenn sie nun nicht gerade in Trinkwassertalsperren die Fische füttern, den vom Gewässer“schutz“ verursachten Artenrückgang wenigsten etwas entgegen setzen.

Der Argumentation in dem Beitrag „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ beruht auf einem Trugschluss.

Wäre nämlich die Argumentation korrekt, dann würde es allein genügen die Enten nicht zu füttern, um die Tiere (Fische) nicht zu töten. Denn mit der Folge

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

ist auch zu rechnen, wenn Enten nicht gefüttert werden.

Ganz so simpel, wie in dem Beitrag dargestellt, reagiert die Natur nicht.  Mitunter „kippen“ die Gewässer gerade dann besonders häufig um, wenn die Grünalgen durch zu sauberes Wasser keinen Nitratstickstoff erhalten. Dann bilden sich Blaualgen und die brauchen kein Entenfutter. Es genügt für sie, wenn Phosphor nur in Spuren vorkommt. Die Folge ist die Gleiche – mit oder ohne Oma:

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

Insofern ist auch die Denitrifikation in den meisten Fällen keine Methode des Gewässerschutzes.

Aber das hat sich bei den „Gewässerschützern“, bei den Politikern und in den Verwaltungen noch nicht herumgesprochen.

Und zum Schluss:

Putzig ist auch diese Seite:  „Wasservögel“. (Ich lasse sie mal anonym.)

Im Text kann man lesen:

„Botulinus-Vergiftungen (Gift des Botulinus-Bakteriums, das im anaeroben Schlamm lebt) und das starke verschobene Geschlechterverhältnis erschweren die Existenz (der Enten) zusätzlich.“

und einer Bild-Unterschrift, dargestellt Oma mit Kind, kann man entnehmen:

„Das Füttern von Enten sollte kleinen Kindern vorbehalten sein.“

Warum, so fragt man sich?

Hat man zu viele Omas oder sind Kinder wiederstandsfähiger gegen Botulinus-Vergiftungen?

Ist es nicht auch Diskriminierung der Oma gegenüber dem Kind?

Soll das Kind gleich lernen, dass die Oma nicht das darf, was ein Kind darf?

Befürchtet man, dass Oma und/oder Kind den Botulinus-Schlamm essen oder könnte das Kind eine tote Botulinus-Ente streicheln oder gar in sie hineinbeißen?

Kinder machen so etwas!

Bei den Blaualgen – sie kommen im Sommer wieder in Mode – glauben die Medien ja auch, dass Kinder und sogar Erwachsene den Blaulagenschlamm in sich hinein löffeln und sich in ihm wälzen, wie Schweine in der Suhle.

Gäbe es keine Botulinus-Vergiftungen, wenn Oma bzw. das omageleitete Kind die Enten nicht füttern würde?

Natürlich nicht.

Es motzt jeden schwach recherchierten Artikel etwas auf, wenn man an eine Stelle – egal ob sie nun  passt oder nicht – das Wörtchen „Gift“ hineinstreuselt.

Und die Verwendung eines Fremdwortes, wie z. B. „Botulinus“, lässt erst recht auf Kompetenz schließen.

Um einem Mann Angst einzujagen hätte es einer nicht so umfangreichen Erklärung in „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ bedurft. Es hätte genügt:

  • Ente nicht füttern
  • Botulinus
  • Fisch tot
  • Oma und Kind vergiftet

Also immer schön unverständlich bleiben und Angst verbreiten, damit niemand auf den Gedanken kommt sich etwa seines Lebens zu freuen.

Angst und Dummheit beim Kunden sind die halbe Miete beim Geschäft, bei dem die Medien zumeist kräftig mit verdienen.

Und es kommt nicht darauf an, ob eine Botschaft wahr ist.  Dafür interessieren sich sowieso nur wenige Menschen am Rande der Gesellschaft.

Es genügt für den Zweck die Botschaft zu verbreiten und diese oft genug zu wiederholen.

***

(Sachlicher Link zu Botulinus: „Verursacher des Botulismus ist das Bakterium Clostridium botulinum, das in Böden und Schlamm weltweit verbreitet ist.“ )





Zustandsbewertung der Gewässer – Ökologischer Einklang

Ooom

Zum „ökologischen Einklang“ folgendes Zitat:

„Unberücksichtigt bleiben der Zusammenhang zwischen Stabilität und Mangel, der größere Änderungen einfach verhindert, und die tatsächlichen Ungleichgewichte in der Natur, ohne die sie gar nicht funktionieren könnte. Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, daß es ausgerechnet die »balancierten« mittleren Zustände sind, die zwar als solche wünschenswert wären, sich aber nicht so recht einstellen lassen. Das erste Beispiel liefert die Belastung und Reinhaltung von Seen Eingeleitete Abwässer düngten seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten, bis die Folgen sichtbar wurden. Die anfänglich sauberen Gewässer drohten zu »kippen«, was bedeuten sollte, daß sie vom nährstoffarmen, sauberen Zustand in einen nährstoffreichen, schmutzigen hinüberwechselten oder daß dieser Wechsel bevorstand. Durch Ringkanalisationen und starke Verminderung der Abwässerzufuhr ließ sich dieses Kippen in zahlreichen Fällen verhindern. Die Seen wurden wieder sauberer, aber nun nahmen auch die Fischerträge (stark) ab. Denn nährstoffarme Seen sind unproduktiv, weil in ihnen Mangel an Nährstoffen herrscht. Das ist gut für die Gewinnung von Trinkwasser aus dem See sowie für den Bade- und Erholungsbetrieb, nicht aber für die Fischerei und für die (zu schützenden) Wasservögel, für die bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier. All diesen geht es im nährstoffreichen See weitaus besser. Fische gibt es in Hülle und Fülle; Wasservögel auch und diese ohne nennenswerte Konflikte mit der Fischerei zu verursachen. Beide Zustände kann der See nicht gleichzeitig einnehmen. Er ist entweder nährstoffarm (oligotroph) und unproduktiv oder nährstoffreich (eutroph) und produktiv. Entweder — oder? Dazwischen liegt doch der mittlere Zustand, mesotroph genannt Er verbindet gute Produktivität mit sauberem Wasser, weil im Idealfall all das wieder um- und abgebaut wird, was im Sommer produziert worden ist. Doch dieser Mittelzustand erweist sich als instabil. Er geht rasch in den einen oder in den anderen über. Nur mit außerordentlich (und unrealistisch) hohem Aufwand ließe er sich aufrechterhalten. Stabile Zustände sind Nährstoffreichtum und -armut. Ist so ein See ein Sonderfall? Durchaus nicht. Nährstoffreiche und nährstoffarme Zustände sortieren sich allüberall in der Natur.“ Reichholf [1]

Also:

Den Zustandsbewertungen lt. EU WRRL scheint es in erheblichem Umfang an ökologischen Grundlagen zu fehlen.

Gemeint sind die Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie.

Die Weise, wie die EU WRRL mitunter umgesetzt und verstanden wird, führt ins wunderbare Chaos. Man wundert sich, warum es nicht gelingt mit guten wasserchemischen Zuständen gute biologische Zustände für „bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier“ zu gewährleisten. Es scheint unmöglich der Gewässerverwaltung zu vermitteln, dass ein guter Zustand häufig die Verschlechterung eines anderen Zustandes verursachen kann.

Der Ökologe Herr Prof. Reichholf steht mit seinen o.g. Tatsachenbewertungen nicht allein. Siehe auch den Beitrag zur Mistbiene.

Quelle:
[1] Stabile Ungleichgewichte.
Die Ökologie der Zukunft.
Josef H. Reichholf
edition unseld
SV
1. Auflage 2008
(S.111-112)




Stand der Technik auf Madeira

Eine Glosse

Lumpenschieber: Stand der Technik auf Madeira?

Na klar!

Dieses tolle 2-Wege-Absperrorgan – einen Lumpenschieber nämlich – fand ich bei einer Wanderung durch eine Ortschaft der Insel Madeira.

Bestimmte Dinge sind nur aus der Entfernung korrekt zu bewerten.

Überraschen kann dabei das Umschlagen der Meinungen in dem Maße, wie man sich vom betrachtetem Gegenstand oder Zusammenhang räumlich oder zeitlich entfernt.

So ist es auch mit der Bewertung des Lumpenschiebers.

Aus deutscher Sicht der Techniker ist es Schrott, aber bei Betrachtung in der Ferne einfach genial!

Der Techniker hasst das Geniale, weil es oft zu einfach ist.

Interessant ist neben dem unvergänglichem Stand der Technik auch die kulturhistorische Bedeutung, die sich jedem Betrachter auf Anhieb erschließen sollte.

Madeirischer Lumpenschieber nach dem Stand der Technik

Madeirischer Lumpenschieber ist Stand der Technik (Verteilung des Wassers aus einer Levada auf verschiedene Felder)

Merkmale und Nutzen des madeirischen 2-Wege-Absperrorgans

Die Merkmale des madeirischen 2-Wege-Absperrorgans springen ins Auge:

Er ist einfach, kinderleicht zu bedienen, man benötigt keine Sach- und Fachkunde.

Es genügt, wenn Papa dem Kleinen sagt: „Mach hin! Un tu die Steine wech!

Mehr Sachkunde braucht der Vierjährige nicht.

Fachkunde ist unnötig.

Da muss kein Schalter umgelegt werden und kein Nullleiter ans Gehäuse. FI-Schalter braucht das Ding nicht.

Hier macht Arbeiten noch Spaß und der Junge lernt etwas von klein auf.

Mancher deutsche Techniker wird wegen der niedrigen Anforderungen lästern. Stand der Technik?

Wer lacht?

Weise ist vorschnelles Verurteilen mit Gewissheit nicht.

Es sind die leisen Töne, die die Musik machen!

Diese Technik des Lumpenschiebers ist jedenfalls mehr Stand der Technik als der Stand der Technik mancherlei vollbiologischer Kleinkläranlage, die zudem in der Praxis manchmal anders funktioniert als auf dem Prüffeld.

Stand der Technik bei der Klärschlammverwertung – eine Bemerkung am Rande!

Auch die Begründung eines Standes der Technik bei der „Klärschlammverzauberung“ ist aufschlussreich.

Wird hier mit Macht und Kompetenz ein Problem geschaffen und veredelt, das vorher nicht da war?

Wo bitte sind die Klärschlammtoten und die vom Klärschlammgenuss Dahinsiechenden?

Negativatest der Tatsachen:

Wenn einer dem Klärschlamm und der Gülle lebendig ausgesetzt wurde, dann war es doch zweifellos der Ostdeutsche.

Aber dieser Holzmichel ist „putz und munter“ und vor allem: Er lebt immer noch!

Könnte es sein, dass dem Klärschlammnovellenaktionismus der Nutzen fehlt?  Jede Aktion ohne Nutzen ist unverhältnismäßig.

Wir lesen seit Jahren darüber Begründungen, wie toll es ist Klärschlamm zu verbrennen.

Nur, die Wahrheit braucht keine Begründungen und das macht nicht nur mich nachdenklich.

Vor- oder/und  nachschüssige Geschäfte mit der Technik

Wie das bei den Technikern so ist, fast alle denken ans vor- oder nachschüssige Geschäft mit der Technik.

Ich meine aber, das ist nicht verwerflich, weil für die Dummheit der Käufer schlecht die Verkäufer verantwortlich zu machen sind.

Allein fürs „techniken“ bekommt der Techniker kein Brötchen. Erst wenn er sein Zeug verkaufen kann, dann rollt der Rubel.

Und dem Markt sowie auch vielen Technikkäufern ist es schnurzpiepe, ob die Technik unnütz und nicht zweckmäßig ist, aber nur wenn es gelingt, ein gutes Gefühl mit zu verkaufen.

Manche geben sogar Geld aus nur für’s gute Gefühl.

Da kann man doch den Verkäufer nicht tadeln!  Der Mann ist echt gut! Solche Leute wollen wir doch!

In der Politik, an den Wahltagen, wird es vorgemacht. Was soll dann daran schlecht sein? Wir zahlen nachschüssig wenigstens (!) Steuern für ein gutes Gefühl, dass wir bei unserer Wahlentscheidung hatten.

Der letzte Schrei der Technik eher selten Stand der Technik

Doch zurück zur Technik. Und so fällt den Wenigsten auf, dass der letzte Schrei der Technik eher selten Stand der Technik ist. Es ist der Schrei eines Verzweifelten, dem nichts Vernünftiges einfiel. Aber fast alle haben so ein herrliches Gefühl im Herzen und oft vorher oder nach dem guten Gefühl einige hundert Euro weniger im Portemonnaie.

Und bei behördlichen und kommerziellen Bewertungen genügt meist als Argument, wenn der Stand der Technik z. B. folgende lustige Merkmale hat:

  • Große Bautafel aus nachwachsenden Rohstoffen mit der Beschriftung: „Garantiert gut Öko!“
  • maximale Wirkungsgrade
  • Elektronik
  • blinkende grüne oder rote Lämpchen
  • Technik optimiert mit Industriecomputer
  • maximale Wartung
  • Edelstahl
  • 100 % dicht
  • automatische Selbstanzeige bei Überwachungswertüberschreitung
  • in der Bemessung am Besten ein Integral, das keiner versteht
  • Bei der Konstruktion werden aber auch alle DIN’s, Regeln der Technik und… beachtet
  • Der gesunde Menschenverstand wurde versteckt eingebaut
  • Einzementierung der Lügen und Halbwahrheiten durch häufiges Wiederholen und Nachbeten. (Meist gilt: Je länger die Begründung, desto größer die Lüge.)

Warum gibt es diesen merkwürdigen Stand in der Wasserwirtschaft?

Gesetz nicht bis zu Ende gelesen

Es wurde wieder mal nicht bis zu Ende gelesen und diesmal bei der Definition des Standes der Technik.

Na? Was fehlt?

Die Verhältnismäßigkeit natürlich!

Zugegeben, es ist eine Sünde des Gesetzgebers, dass er bei der Formulierung des Standes der Technik

  1. die Begriffsdefinition für den Normalbürger unverständlich definierte und
  2. die Verhältnissmäßigkeit nicht an die erste Stelle als notwendige Prämisse

genannt hat.

Es ist überhaupt blöd, Begriffe zu formulieren, deren wahrscheinliche Deutung Nachdenken erfordert.

Verhältnismäßigkeitsbeweis des Lumpenschiebers

Nachdem wir nun den Nutzen des Lumpenschiebers erörtert haben, ist es Zeit sich den Kosten zuzuwenden.

Was haben wir da?

Es sind zwei Wackersteine von der Güte, die dem bösen Wolf in den Bauch genäht wurden. Sie erinnern sich? „Jetzt geht und sucht Wackersteine, damit wollen wir dem gottlosen Tier den Bauch füllen, solange es noch im Schlafe liegt.

Und dann haben wir noch einige Lumpen.

Also, wenn wir für das Zusammentragen für Beides 5 € einschließlich Märchensteuer veranschlagen, dann wissen wir, das die deutsche Industrie wohl kaum einen 2-Wegeschieber für 5 € bei dem angegebenen Nutzen herzustellen vermag.

Damit ist der Lumpenschieber aus Madeira für den konkreten Einsatzfall Stand der Technik! Da beisst die Maus keinen Faden ab.

Gewissenhafte und Verständige

Tja und nun wird es Ernst. Hand auf’s Herz:

Wer (allein oder als Arbeitsgruppe) hat einen Abwasserteich (kommunales Eigentum) auf dem Gewissen, der deshalb außer Betrieb genommen wurde, weil er angeblich nicht Stand der Technik sei? Und das ohne den Verhältnismäßigkeitsbeweis erbracht zu haben. Hier hat ein Gericht über etwas ganz ähnlich Schlimmes geurteilt:

Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten.

(Auch wenn das kommunale Eigentum schon abgeschrieben sein sollte, ist es deshalb nicht wertlos! Es fängt gerade an, besonders interessant für die Bürger zu werden.)

Nun sind wir ans Ende der Einlassung gekommen. Von den anfänglichen vieleicht 10 Lesern, wird sicher nur noch einer bis hierhin gefolgt sein, wenn überhaupt.

Wer das weiß, der schreibt nur für diesen Einen, Gleichgesinnten.

Und für ihn kommt das Beste zum Schluss:

Da denke ich an zwei Sachverständige:

Nicolás Gómez Dávila:Den Hohlkopf beeindruckt nur das Allerneueste. Für den klugen Menschen hängt nichts vom Datum ab.“

Friedrich Nietzsche:  „Seinem Gewissen zu folgen ist bequemer als seinem Verstand: denn es hat bei jedem Misserfolg eine Entschuldigung und Aufheiterung in sich, – darum gibt es < > so viele Gewissenhafte gegen so wenig Verständige.“

____________________

P.S.:
Der Lumpenschieber wurde hier gefunden: Madeira

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Nitrat im Gewässer

Prolog, denn es ist Theater!

Hm? Was passt zur Einleitung? Beginnen wir mit Nicolás Gómez Dávila. Bei ihm kann zwischen verschiedenen Intensitäten der Erkenntnis gewählt werden, für deren Einstufung mir aber das Werkzeug fehlt. Beginnen wir mit einer kleinen Auswahl:

  •  „Die Kosten für den Fortschritt lassen sich in Dummköpfen berechnen.
  • „Die Menschheit sieht mit Schrecken, dass der Fortschritt dabei ist, unheilbar zu werden.“
  • Um jedes Mysterium abzuschaffen, genügt es die Welt mit den Augen eines Schweins zu betrachten.“ Das mit dem Mysterium ist gut! Verdammt, warum muss ich da an den gemenschelten Klimawandel denken. Mir ist nämlich nicht klar, mit welchen Maschinen es die Grönländer vor einigen hunderttausend Jahren schafften, ihr Land so zu erwärmen, dass es ergrünte? Aber lassen wir das. Kein gutes Thema.

Zurück zu Dávila! Ein selten kluger Mann. Wer aber Michel de Montaigne mag, für den findet sich am Schluss des Artikels ein Leckerbissen für selberdenkende Nachdenker. Ein Edelmann im wahrsten Sinne des Wortes, dieser Montaigne. Schade, dass es solche klugen Köpfe heute nicht gibt. Oder kennt man sie nur nicht? OK, zwei kenne ich von neueren Werken: Erstens vom Philosophen Peter Sloterdijk. Der wird ja aus dem putzigen Grunde gehasst, weil er die Akkumulation des Zorns (es sind auch andere Emotionen in das Modell substituierbar) durch Parteien und Verbände offenlegte. Starkes Werk von ihm: „Zorn und Zeit“. Der Zorn auf ihn ist unnötig. Jene, die sein Buch zur Revolution nutzen könnten, haben das Buch nicht gelesen und die anderen, die es gelesen haben, können als winzige Minderheit auch nicht viel ausrichten. Und genauso wird es mit der Nutzung diese Beitrages sein, weil der nicht den Konsens stützt mit dem so schön Geld verdient wird. Nicht auszudenken, wie viele Arbeitsplätze frei würden, wäre man gezwungen, ab sofort nur noch vernünftige und nützliche Dinge zu tun. Man ärgert sich anfangs über eine Wahrheit, besonders dann, wenn sie im Widerspruch zu den scheinbar edlen Gesellschaftsnormen steht, aber schwupp, morgen ärgert man sich über etwas anderes und schon sind diese Zeilen vergessen.

Ach ja, ich muss noch den zweiten Vordenker erwähnen: Ein geborener Sachse, der Herr Michael Klonovsky! Seine Aphorismen verführen zum Aha und diese stehen bei mir im Bücherregal gleich neben jenen von Nicolás Gómez Dávila. Eine Kostprobe von Klonovsky: „Auf ein Gewissen bei unseren Staatsbürgern verzichten wir gern, solange sie sich als moralisch erpressbar erweisen.“ Und was schreibt z. B. Dávila? „Dem modernen Menschen ist es gleichgültig, in seinem Leben keine Freiheit zu finden, wenn er sie in den Reden jener verherrlicht findet, die ihn unterdrücken.“ Die Herren passen doch zusammen in ihrer kritischen Denkweise! Aber wie das so ist, Leute die die Wahrheit sagen, bleiben einsam. Wahrheit? Nietzsche hat eine Antwort: „Wahrscheinlichkeit, aber keine Wahrheit: Freischeinlichkeit, aber keine Freiheit, – diese beiden Früchte sind es, derentwegen der Baum der Erkenntnis mit dem Baum des Lebens verwechselt werden kann.“ Und wenn Sie Geduld aufbringen, den Beitrag bis zum Ende zu verfolgen, werden Sie vielleicht feststellen, dass diese Unterscheidung von Nietzsche die Abweichung zwischen Wissenschaft und Praxis nicht nur bei der Nitratbewertung erklärt. Ob zu Beginn des Artikels erzeugte philosophische Abdampfrückstand auch und wenn ja in welchem Maße auf den Umwelt- und Gewässerschutz zutrifft, mag der Leser im Verlaufe des Beitrages selbst entscheiden. Dazu nun folgende Anregungen:

Ich habe als Wasserwirtschaftler zwei Wasserwirtschaften erlebt. Und wenn ich diese beiden heute auf den Punkt bringe, so bin ich der Meinung, dass die ostdeutsche Wasserwirtschaft über eine wissenschaftliche Grundlage verfügte, wobei man bemüht war, diese in der Praxis umzusetzen. Allein es fehlten die Mittel, oder wie man damals sagte, die Bilanzen. Markant, üblich und zwingend wegen der fehlenden Bilanzen war die Beachtung und Nutzung von heute in Vergessenheit geratenen Naturgesetzen z. B.

  1. Beachtung und Anwendung des Liebigschen Gesetzes vom Minimum
  2. Beachtung und Anwendung des Gesetzes von Paracelsus
  3. Nutzung der Selbstreinigungskraft der Gewässer
  4. Akzeptanz des Wasserkreislauf bei der Bewertung vermeintlicher Schäden

All diese Naturgesetze – die Grundlage eines kostenlosen Nutzens – spielen im Wasserhaushaltsgesetz oder in der Abwasserverordnung keine Rolle.  Unser diesbezügliches Handeln und Denken ist krank. Es vergleichbar mit einem willkürlichen Verbot, den Wind beim Segeln zu nutzen (z.B. weil das Sparen von Dieselkraftstoff, oder das Bauen von Segelschiffen bestimmen Industriezweigen schadet und die Buße des Menschen wegen seiner konstruierten Schuld als Schmutzfink schadet. Dieser Unfug keimt aus der Vorstellung, dass der Mensch nicht natürlich ist. Wer aber dem Argument folgt, dass der Mensch genauso ein Teil der Natur wie die Baualge ist, dann ist die Gewässerverschmutzung des Menschen eine Naturselbstverschmutzung, genauso wie eine Blaualgenblüte oder der Laubfall im Herbst in einen See.  Das wäre eine vernünftige Basis für eine wirkliche Wasserwirtschaft. Die Akzeptanz

  • der Naturselbstverschmutzung und
  • dass der Mensch Teil der Natur ist,

muss und soll natürlich nicht die Folge haben, dass z.B. Zyankali in Gewässer gekippt wird, weil dies so natürlich wäre, wie ein Vulkanausbruch.  Hier hilft Karl Georg Büchner (1813-1837, Dantons Tod) weiter:

Geht einmal euren Phrasen nach bis zu dem Punkt, wo sie verkörpert werden.

So etwas wie Technokommerz, also die absichtliche, den Kunden täuschende Verwechslung vom Mittel und Zweck war zu der Zeit, als ich noch jung war, schon finanziell unmöglich. Deshalb war damals die Technik noch logisch.

Heute haben wir auch ein höheres wissenschaftliches Niveau, nur es darf – wie noch bewiesen wird – dann nicht angewendet werden, wenn es unsere Vorstellung von der Natur, wie sie zu sein hat, stört, oder wenn wasserrechtliche Regelungen dies nicht zulassen.

Wasserrecht bricht (scheinbar) Naturgesetz.

Da sich die Natur nun nicht (immer) an wasserrechtliche Vorschriften hält, ist die Effizienz mancher wasserwirtschaftlicher Investitionen vom Zufall abhängig.

Ein Beispiel ist die Denitrifikation in Kläranlagen. Die Natur ist völlig unbeeindruckt davon, wie verbissen, edel, sorgfältig, gut meinend und gründlich oder gar vermeintlich nachhaltig wir das böse Nitrat eliminieren. Wenn die Natur ein Nitratdefizit verspürt, dann beseitigt sie dieses umgehend und ohne Rücksicht auf unsere Befindlichkeiten. Beispiel: Blaualgenblüten in der Ostsee bei Nitratmangel.

Die Natur ruft bei Mangel den blauen Algengeist (der in Wirklichkeit ein Bakterium ist), dem auch wir unser Leben verdanken.

So komisch sind die Sachen, die wir manchmal so machen. Wer kann als Wasserwirtschaftler mit Berufung bei der heutigen „Wasserwirtschaft“ noch ernst bleiben? Nach zwei oder drei Fragen über den Grund des wasserwirtschaftlichen Handelns ist man von der Natur beim Geschäft. Auch 2015 ist das Märchen „Des Kaisers neue Kleider “ des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen hochaktuell. Als ich noch geschätzte 100 Haare mehr auf dem Kopf hatte und nicht nur diese auch noch etwas jugendlicher aussahen, gab es in der TU Dresden, Sektion Wasserwesen, einen kleinen – sagen wir mal – Studentenprotest wegen eines Widerspruchs zwischen Wissenschaft und Praxis. Die Studenten hörten nämlich über die Stickstoffbewertung bei der Abwasserbehandlung in zwei Fächern gegensätzliche Standpunkte über die gleiche Sache. Ich denke, daran hat sich auch heute nichts geändert. Die betroffenen Fachbereiche verabredeten sich zu einer öffentlichen Tagung in der TU Dresden und erörterten ihre Standpunkte. Das war vor über 20 Jahren, genau am 3. Juni 1997.

03_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

 Denitrifikation im Belebtschlammverfahren dient der Begrenzung technischer Probleme

Herr Prof. Lützner wies damals auf die Notwendigkeit der Denitrifikation für einen stabilen Kläranlagenbetrieb hin und führte u. a. fol­gende Argumente an:

  • Blähschlammbekämpfung durch anoxische Selektoren und die Notwendigkeit des Mi­lieuwechsels
  • verstärkte pH-Wert-Proble­me, insbesondere bei wei­chen Wässern, wenn nur nitri­fiziert wird
  • Nutzung des Nitratsauerstoffs für den BSB5-Abbau und da­mit wesentliche Senkung des Energiebedarfs für die Ab­wasserreinigung
  • Vermeidung von Grenzwert­überschreitungen infolge ei­ner wilden Denitrifikation in der Nachklärung.

Des Weiteren wies er darauf hin, dass bei einstufigen Bele­bungsanlagen die biologische Phosphorelimination ohne zu­sätzliche Maßnahmen nicht möglich ist. Auch wirkt Nitrat störend im Faulbehälter. Schließlich sei aus praktischer Sicht festzustellen, dass die in jüngster Zeit gebauten Kläranla­gen bis 20.000 EW im Regelfall über eine simultane aerobe Schlammstabilisierung ver­fügen und durch alternierende Belüftung die geschilderten ne­gativen Betriebsauswirkungen vermindert werden. Und es wurde festgehalten:

Wenn Biologen der Meinung sind, dass für die Gewässer Nitrat keine Belastung darstellt, dann sollte auch auf die Festsetzung von Überwachungswerten ver­zichtet werden und die Denitrifi­kation nur soweit erfolgen, wie sie für den Betrieb der Kläranlage notwendig ist.

Fragwürdig wird es, wenn nur zur Einhaltung der Überwachungswerte externe Kohlenstoffquellen (vorzugsweise auch Ethanol und Methanol) zugegeben werden müssen, wie es bereits jetzt in vielen Kläranla­gen praktiziert wird.

Nitrat als Nutzstoff

In seinen Ausführungen stellte Herr Prof. Uhlmann die von Herrn Prof. Lützner angeführte Notwendigkeit einer Denitrifika­tion für die Stabilität des Reini­gungsprozesses in Kläranlagen nicht infrage. Er wies jedoch nachdrücklich auf sehr gut gesi­cherte Forschungsergebnisse hin, die belegen, dass Nitrat auch als Sauerstoffspender für das Gewässer eine wichtige Rolle spielt. Herr Prof. Uhlmann erläuterte in anschaulicher Wei­se, in welchen Fällen Nitrat als Pflanzennährstoff wirkt, aber auch, dass Nitrat besonders wertvoll für die Sauerstoffver­sorgung von Sedimenten, die Schlammablagerungen in Seen und Meeren, ist.

Der gelöste Sauerstoff wird auf­grund der natürlichen Zeh­rungsprozesse an der Wasser- und Schlammgrenzschicht häufig schnell verbraucht. Allein das Nitrat diffundiert in die tiefe­ren Schlammschichten, so dass dort eine anoxische Nitratat­mung ermöglicht wird. Analog, wie dies in der Denitrifikations­stufe der Kläranlage erfolgt. Eine Sauerstoffversorgung der oberen Schlammschichten ver­hindert z. B., dass sedimentierte Phosphorverbindungen rück­gelöst werden, ähnlich wie dies technisch mit der biologischen P-Eliminierung praktiziert wird.

Fazit:

Stickstoff in der Nitratform ist wohl kaum als eutrophierender Faktor zu werten.

 Verzicht auf Denitrifikation?

Im Resümee verständigten sich die Teilnehmer dazu, dass einer­seits eine Denitrifikation für den störungsfreien Kläranlagenbe­trieb notwendig ist, andererseits aber Nitrat für die Sauerstoffver­sorgung der Sedimente in den Gewässern eine sehr wichtige Rolle spielt, und man deshalb nur soweit denitrifizieren sollte, wie es betrieblich erforderlich ist.

Die Notwendigkeit einer ge­setzlich vorgeschriebenen und behördlich kontrollierten Denitri­fikation in Kläranlagen wurde von den Gesprächsteilnehmern nicht gesehen.

Im Verlauf der Tagung wurde damals weiter disku­tiert, dass in Anwendung der Er­gebnisse das Tropfkörperver­fahren eine Renaissance erle­ben könnte, weil mit Einführung der neuen Abwasserverord­nung seit 01.04.1997 für Kläranla­gen 10.000 EW die Denitrifika­tion nicht mehr erforderlich ist.

Als Fazit hatte ich 1997 formuliert:

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Din­ge; und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müs­sen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

Heute stelle ich fest, dass die Wertung „einige Zeit“ nicht zutrifft. „Bis in alle Ewigkeit“ wäre sicher genauso falsch. Und diese Studenten von 1997 – heute wohl Ingenieure – warten immer noch auf die wasserrechtliche Akzeptanz, dass Nitrat kein Schadstoff sei und es deshalb keinen sachlichen Grund gibt für Nitrat Überwachungswerte festzusetzen oder gar eine Abwasserabgabe zu erheben. Nur am Rande sei erwähnt: Das Gleiche gilt auch für den CSB, mit dem ohne weiteres kein Schadstoffbeweis zu führen ist. Ob Handeln ohne sachlichen Grund in wasserrechtlichen Fällen Willkür ist, mögen Juristen entscheiden.

Irgendwann kann der Eindruck entstehen, dass es uns noch viel zu gut geht, als dass ein goldenes Kalb um sein Leben fürchten muss.

Und täglich wiederbelebt die Hoffnung der Defibrillator:

Die Signale der Wissenschaft­ler der TU Dresden und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sind hochinter­essant und werden hoffentlich bald in den Wassergesetzen vergegenständlicht. Sollten sich in der Gesetzge­bung einschließlich dem EU-Wasserrecht, bei den Ingenieu­ren und Behörden diese Er­kenntnisse durchsetzen, könn­te sich in der Abwasserbehand­lung und Gewässerpolitik das Reglement vereinfachen.

Gebänderte Prachtlibelle

Schädliches Weltbild

Wenn Investitionen wider besseren Wissens mit falschen Vorstellungen und falschen Begriffen begründet werden, dann entstehen Schäden. Genannt seien nur fünf Auswüchse:

  1. Fehlinvestitionen wegen mangelhaften oder fehlenden Nutzen
  2. Schäden durch Verbot effizienterer Investitionen
  3. Fehlurteile in der Rechtsprechung
  4. Minimierung von sonst vermeidbaren nachteiligen Prozessen im Gewässer (Blaualgen, Phosphorrücklösung, Mobilisierung von Schwermetallen)
  5. Wenn Nitrat ein Nutzstoff ist, dann darf bei Nitrateinleitung in ein Gewässer (von Trinkwassertalsperren abgesehen) keine Abwasserabgabe erhoben werden.

Im ersten Fall handelt es sich um Aufwendungen zur Denitrifikation, die in dem Umfang nicht notwendig wären, gäbe es keine Nitrat-Doktrin.

Im zweiten Fall werden Verfahren mit deutlich niedrigerem Energiebedarf verhindert. Alle sollen doch Energie sparen? Wann darf damit richtig begonnen werden?

Im dritten Fall kann eine Überschreitung von Stickstoffüberwachungswerten im Ergebnis zu hoher Nitratkonzentrationen zu einer  Verurteilung der Abwasserbeseitigungspflichtigen führen, obwohl ihnen dafür in der Regel die Verdienstmedallie verliehen werden müsste.

Und der vierte Fall ist ein Paradoxon von bedeutender Tragweite:

Der Gesetzgeber verursacht mit seiner Nitrat-Doktrin tatsächliche und beachtliche Gewässerschäden bzw. wasserwirtschaftliche Effizienzeinbußen.

Was dann geschah…

Einige Jahre nach der Veröffentlichung des Tagungsberichtes „Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte bei der Abwasserbehandlung“ verfasste ich zu dem Thema ein Kapitel in einem Fachbuch, in dem u. a. die Effizienzverluste infolge der Negierung der erwähnten wissenschaftlichen Ergebnisse dargestellt wurden. Herrn Prof. Uhlmann verdanke ich die kritische Durchsicht. Siehe dazu Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung und Nitrat stört den Phosphorkreislauf.

Hin und wieder gibt es ein paar Querdenker.

Mit Amüsement ist zu lesen, dass in Deutschland das Unmögliche natürlich in einem Einzelfall gelang – eine Erlaubnis dafür zu erhalten, um den „Gewässerschadstoff“ Nitrat in einen See zu kippen. Nicht nur ein klein wenig. Sondern richtig ordentlich! Ziel war die Bekämpfung der Blaualgen in einem See durch Nitrat.

Nichts neues, nur in Deutschland strengstens verboten!

Wie man das wasserrechtlich gedeichselt hat, ist mir ein Rätsel.

Damit stellt sich nun die Frage, ob manche bisherigen Sanierungsmaßnahmen für Seen falsch waren?

Also konsequente Herausnahme des gereinigten Abwassers.

Ich hatte beispielsweise zur Sanierung eines  größeren eutrophen Sees mit ausgeprägtem Phosphorkreislauf vor gut 10 Jahren in einem Gutachten vorgeschlagen, die Kläranlagen, die dort damals einleiteten, mit einer Nitrifikationsstufe auszurüsten. Auf diese Weise sollte Nitrat in den See eingeleitet werden, um Blaualgenblüten sowie den Phosphorkreislauf zu minimieren. Das ist immer noch Stand der Wissenschaft!

Der Fakt und das Gutachten wurde von der Gewässerverwaltung ignoriert und man gab anstelle einer wirklich effizienten Lösung lieber einige Millionen mehr vom Geld der Bürger aus, ohne schließlich das Problem des Sees zu lösen.

Ein unbequemer Nichtwasserwirtschaftler brachte es in einer ähnlichen Situation auf den Punkt:

„Also, mit Millionenaufwand wird heute in den Klärwerken in speziellen Denitrifikationsanlagen der Nitratgehalt des Abwassers stark gesenkt und als Folge schmeißt man den energieintensiv erzeugten Nitrat-Kunstdünger hinter den Kläranlagen wieder in die Gewässer.“

Der diesbezügliche Beitrag Fischqualen als Kollateralschaden eines dogmatischen Gewässerschutzes ist im Internet zu finden. Auf jeden Fall amüsant geschrieben und der Autor trifft den Nagel auf den Kopf.

Nitrat-Doktrin wackelt:

Die Nitrat-Doktrin wackelt, wenn die Bauindustrie erkennt, dass sich z.B. mit dem Bau von Tropfkörpern auch schönes Geld verdienen lässt.

Als Resümee und zur Heilung geistiger Wunden lesen oder tanzen 😉 wir Michel de Montaigne:

Drittes Buch, dreizehntes Kapitel „Über die Erfahrung“!

„Überhaupt halten sich ja Gesetze nicht deshalb, weil sie gerecht sind, sondern weil es Gesetze sind. Dies ist die geheimnisvolle Begründung ihrer Gültigkeit; sie haben keine andere; rund das ist gut für sie. Gesetze werden oft, von Dummköpfen geschaffen; öfter noch von Menschen, denen gleichmäßiges Abwägen zuwider ist und die deshalb in dem, was recht und billig ist, versagen; aber jedenfalls immer von Menschen, deren Schöpfungen, wie die aller Menschen, eitel und unklar sind. Nichts anderes ist so schwer und so weitgreifend mit Fehlern belastet wie Gesetze; nirgends treten sie so regelmäßig auf. Wer sie befolgt, weil sie gerecht sind, befolgt sie nicht recht; nicht deshalb ist er ihnen Gehorsam schuldig. …
Man soll der Natur folgen; je einfacher ich mich ihr anvertraue, um so weiser handle ich. Unwissenheit und Sorglosigkeit, ach, was bilden sie doch für ein weiches, angenehmes und zugleich gesundes Kissen zum Ausruhen für einen Menschen mit guten Anlagen.“




Keine Angst vor Abstraktionen!

„Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einer aktuellen Entscheidung zu der Frage Stellung genommen, ob neue DIN-Normen sofort zu einer Nachrüstpflicht bei Unternehmen führen. Im konkreten Fall ging es um eine Klägerin, die sich an einer halbautomatischen Glastür verletzt hatte.“

„Nicht jeder abstrakten Gefahr könne vorgebeugt werden.“

Quelle: HDI-Gerling Industrie Versicherung AG

 

 




Effizienz wasserwirtschaftlicher Maßnahmen in Ökosystemen

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen müssen effizient sein.

Das ist naheliegend und auch der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu entnehmen. Im Anhang III (Wirtschaftliche Analyse) der Richtlinie wurde formuliert: „Die wirtschaftliche Analyse muss (unter Berücksichtigung der Kosten für die Erhebung der betreffenden Daten) genügend Informationen in ausreichender Detailliertheit enthalten, damit

a)
die einschlägigen Berechnungen durchgeführt werden können, die erforderlich sind, um dem Grundsatz der Deckung der Kosten der Wasserdienstleistungen gemäß Artikel 9 unter Berücksichtigung der langfristigen Voraussagen für das Angebot und die Nachfrage von Wasser in der Flussgebietseinheit Rechnung zu tragen; erforderlichenfalls wird auch Folgendem Rechnung getragen:

– den Schätzungen der Menge, der Preise und der Kosten im Zusammenhang mit den Wasserdienstleistungen,
– den Schätzungen der einschlägigen Investitionen einschließlich der entsprechenden Vorausplanungen;
b)
die in Bezug auf die Wassernutzung kosteneffizientesten Kombinationen der in das Maßnahmenprogramm nach Artikel 11 aufzunehmenden Maßnahmen auf der Grundlage von Schätzungen ihrer potentiellen Kosten beurteilt werden können.“

Erfahrungen und Referenzen

Für diese nachvollziehbaren Effizienznachweise besitzen wir langjährige Erfahrungen und nutzen auch interdisziplinäre Zu- bzw. Mitarbeit.

Die Methode

Methodisch wird dabei u. a. der zusätzliche Nutzen, seine Wahrscheinlichkeit definiert und dies in das Verhältnis zu den voraussichtlichen zusätzlichen Kosten gesetzt.

Ausgangspunkt ist eine ökologisch korrekte Prüfung oder Bewertung für einen konkreten Organismus und/oder für dessen Habitat.

Dabei konzentrieren wir uns auf Tiere im und am Wasser.

Der Schwerpunkt

Letztlich geht es darum zu untersuchen:

Sind die geplanten meist zusätzlichen Schutzmaßnahmen hinreichend nützlich für den konkreten Zielorganismus sowie verhältnismäßig und verstoßen sie nicht gegen das Sparsamkeitsprinzip?

Tiere im und am Wasser

 

 




Starkregen überstieg den üblichen Bemessungsregen

38,1 mm Niederschlag in Schneidenbach (Vogtland) am 22.07.2015 bis 21:00 Uhr

2015_07_Starkregen_Schneidenbach_UH

Sehr viel CSB in der Göltzsch bei Schneidenbach, abends am 22.07.2015 nach einem Starkregen

Bewertung der Regenspende

In 15 Minuten fielen 21,4 mm Niederschlag. Auf einen Hektar fielen demnach 214.000 l Wasser. Das entspricht einer Regenspende von ca. 238 l/sha.

Der Bemessungsregen (KOSTRA) für dieses Gebiet beträgt bei einer einjährigen Wiederkehr und einer Regendauer von 15 Minuten 123 l/sha.

Die Überschreitung des Bemessungsregens betrug 115 l/sha bzw. 94 %.

Mit einem solchen 15 Minutenregen (Regenspende von 238 l/sha) ist im langjährigen Mittel aller 6 Jahre zu rechnen.

Die Gewässer werden häufig nur bei schönem Wetter bewertet.

So kann der Eindruck entstehen, wenn es darum geht , den Abtrieb jedes Milligrämmchens abfiltrierbaren Feststoffes oder des fiktiven Bedarfes von chemischen Sauerstoff aus Kläranlagen in die Gewässer zu verhindern. (Fiktiv deshalb, weil ein Gewässer oder ein Wasser unmöglich einen Bedarf an chemischen Sauerstoff hat oder haben kann, wenn er nach der DIN 38409, Teil 41, H 41-1 im Labor bestimmt wird. Es wäre sehr hilfreich und ein Quantensprung im Wasserrecht, wenn der CSB-Begriff wieder einen sachlichen Inhalt bekäme. )

Die Natur verunreinigt sich aber oft in erheblicher Weise selbst und verschmutzt sich – wie das Foto anschaulich beweisen mag – in einem solchen Maße mit CSB, dass in analoger Weise Geschäftsführer, Bürgermeister oder einfache Bürger als Betreiber von Kläranlagen in arge Erklärungsnot vor dem Staatsanwalt kommen würden, sähe der Ablauf ihrer Kläranlagen so natürlich aus, wie z. B. die Göltzsch nach einem Starkregen am 22.07.2015 oder wie der Ablauf eines Karpfenteiches bei seiner „Ernte“.

Die Überlegung soll darüber zum Nachdenken anregen, ob denn nicht nur beim Gewässer- und beim Naturschutz viele Vorstellungen und Regelungen auf Fiktionen und Doktrinen beruhen, so dass denen allesamt meist zwei Dinge fehlen dürften:

  • die Logik beim „Öko“
  • und die Wissenschaftlichkeit.

Die Wasserrechtler unterscheiden zudem feinsinnig zwischen erlaubter und unerlaubter Gewässerverschmutzung.

Liegt gar ein „Tatbestand der Diskriminierung“ vor, wenn und weil gleiche Sachverhalte, z. B.

  • Nährstoffeintrag durch die industrielle Landwirtschaft in die Gewässer,
  • Einleitung von Abwasser in einen Straßengraben oder in einen trockenfallenden Graben,
    • anaerob teilgereinigt nach DIN 4261-1 oder
    • aerob biologisch gereinigt

völlig unterschiedlich

  • strafrechtlich,
  • wasserrechtlich und
  • abwasserabgabenrechtlich

bewertet werden?

Könnte es sein, dass durch derartige gesetzliche Dogmen der Gesellschaft erhebliche Schäden entstehen, weil die wasserwirtschaftliche Effizienz der betreffenden Investitionen vom Gesetzgeber selbst verhindert wird?

Begünstigen manche gesetzlich definierten Schadstoffe, z. B.

die tatsächlich keine sind oder die nur unter ganz bestimmten Bedingungen zu unerwünschten Entwicklungen führen, Verstöße gegen das Sparsamkeits- und das Effizienzprinzip?




Abstrakte Gewässerbewertungen

Prof. Dr. Winfried Lampert Direktor am Max-Planck-Institut für Limnologie, Abteilung Ökophysiologie (24306 Plön) und Prof. Dr. Ulrich Sommer (Institut für Meereskunde an der Universität Kiel) verfassten ca. 1992 ein Fachbuch „Limnoökologie“, das in der zweiten Auflage 1999 erschien. Dem Kapitel „Stellung der Ökologie in der Gesellschaft“ sind folgende immer noch sehr aktuelle Hinweise zu entnehmen:

Stellung der Ökologie in der Gesellschaft

„Die Betonung des naturwissenschaftlichen Charakters der Ökologie widerspricht einer Erwartungshaltung, die in weiten Teilen unserer Gesellschaft verbreitet ist. Es herrscht vielfach die Meinung, die Ökologie könne der Grundlegung einer neuen Ethik oder einer neuen politischen Doktrin dienen. Derartige Erwartungen stecken in Formulierungen wie „Ökologie und Ökonomie versöhnen“, „ökosoziale Marktwirtschaft“, „Ökosozialismus“ etc.

Solche Forderungen an eine Naturwissenschaft widersprechen sowohl deren Wesen als auch dem Wesen einer demokratischen Gesellschaft.

Naturwissenschaften können Theorien darüber anbieten, wie die Natur funktioniert. Sie können jedoch nicht angeben, welcher Zustand der Natur ein erhaltenswürdiger Wert oder ein erstrebenswertes Ziel menschlichen Handelns ist.

Die Festsetzung solcher Werte und Ziele ist keine Aufgabe der Wissenschaft, sondern eine Aufgabe des demokratischen Entscheidungsprozesses.

Weder Ökologen noch irgendwelche anderen Experten haben in diesem Entscheidungsprozess größere Rechte als andere Menschen.

Die Aufgabe des Experten besteht allenfalls darin, Wege zum Erreichen von Zielen aufzuzeigen und Konflikte zwischen verschiedenen, für sich genommen durchaus berechtigten Zielen frühzeitig zu erkennen.

Selbst dann, wenn ein gesellschaftlicher Konsens bestünde, daß die „Gesundheit von Ökosystemen“ als schutzwürdiger Wert höchste Priorität genießt, könnte die Ökologie nichts zur näheren Definition dieses Wertes beitragen.

Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten. Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.

Auch die anerkanntesten und konsensfähigsten Ziele der Umweltpolitik folgen nicht zwingend aus den Erkenntnissen der Ökologie. Neben der Reduktion gesundheitsschädlicher Emissionen dienen die meisten Bestrebungen des Umwelt- und Naturschutzes zwei übergeordneten Zielen: der Erhaltung der Diversität und der Wiederherstellung bzw. Erhaltung einer möglichst großen Geschlossenheit der biogeochemischen Kreisläufe. Beides sind Ziele, die mittlerweile vielen Menschen einleuchten; sie sind jedoch in menschlichen Werturteilen begründet und nicht in wissenschaftlichen Lehrsätzen. Die Ökologie kann zwar aufzeigen, daß eine anthropogene Öffnung von Stoffkreisläufen unerwünschte Auswirkungen hat (mehr Nährstoffaustrag aus dem Boden —> mehr Bedarf an Düngung —> mehr Eutrophierung der Gewässer); es entzieht sich jedoch ihrer Kompetenz, zu bewerten, wie unerwünscht diese Auswirkungen sind.“

Quelle:
Limnoökologie
Winfried Lampert und Ulrich Sommer
2., überarbeitete Auflage
Georg Thieme Verlag Stuttgart • New York 1999
(Seite 446 – 447)

Mit diesen Bewertungen stehen die Autoren nicht allein. Die Aufzählung von Ökologen, die diese Darstellung teilen, kann auf Anhieb ergänzt werden.

Die übliche Gewässerbewertung in „gut“, „schlecht“ oder „fast gut“ führt zu beliebigen und willkürlichen Investitionen und Kosten.

Eine wasserwirtschaftliche Effizienz ist mit abstrakten Prämissen nur scheinbar zu begründen. Vergleiche auch den Aufsatz „Wassergütewirtschaft – Gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft“ von Herrn Prof. Kroiss der TU Wien.

Für die Plausibilitätsprüfung genügt es oft, wenn man selber das konkrete Gewässer an verschiedenen Stellen besichtigt und sich eine eigene Meinung bildet.

Auch wäre ggf. zu zeigen und erklären:

  • Was denn am Gewässer konkret schlecht ist?
  • Und wie wahrscheinlich ist es dass sich der Zustand mit der gewünschten Investition tatsächlich ändert?
  • Und ob denn der zusätzliche eventuell eintretende Nutzen die meist erheblichen Mehrkosten auch tatsächlich rechtfertig?
  • Und ob ein prüffähiger Effizienzbeweis vorliegt?
  • Und welche Garantien gegeben werden, dass es tatsächlich zu der Zustandsänderung kommt?

Ergänzende Hinweise: Ökologismus

 




Gewässerbelastung

Ohne Subjekt keine Belastung!

Der im Zusammenhang mit der Gewässerbeurteilung häufig verwendete Begriff „Belastung“ ist wissenschaftlich unpräzise und beliebig deutbar.

Außerdem suggeriert der Begriff eine unbewiesene, negativ wertende Deutung, die Denken und Handeln sachlich unbegründet in bestimmte Richtungen lenkt.

Unsachliche, meist abstrakte Begriffe sind wichtigste Voraussetzungen für Manipulationen und Fehlentscheidungen.

Ökosysteme sind wertfrei und kennen deshalb keine Belastung.

Voraussetzung für die korrekte Definition einer Belastung ist der Beweis, ob und wenn ja für welche Tierart tatsächlich eine Belastung vorliegt.

Anderenfalls wäre es eine zustandsneutrale Fracht.

Im Übrigen ist der „schlechte“ wasserchemische Gewässerzustand III mit seiner wasserchemischen „Belastung“ für sehr viele Tiere gar nicht so „belastend“, wie allgemein geglaubt wird.

Ein „Belastung“ kann durch aus produktiv und höchst lebendig wirken.




Tödlicher Gewässerschutz

“Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt? Wir können nicht all diesen Tieren die Nahrung wegnehmen und dann darüber klagen, dass sie seltener werden.“ Reichholf

Gebänderte Prachtlibelle

Quelle:
Reichholf, Joseph, H.
Die Zukunft der Arten
C.H. Beck
2. Auflage 2006, S. 63

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gebänderte Prachtlibelle

Nährstoffarme Wiesengräben und –flüssen sind kein guter Zustand für die Gebänderte Prachtlibelle und
ein guter wasserchemischer Zustand kann durchaus sehr schlecht für viele Tiere sein.

Im Sinne des s.g. Verschlechterungsgebotes darf durchaus gedeutet werden, dass bei Vorkommen von Gebänderten Prachtlibellen der „schlechte“ wasserchemischer Zustand nicht verbessert werden darf, weil dies schlecht für die Prachtlibellen wäre.




Kein Paradies ist vollkommen…

Michael Klonovsky

29. Juni 2014

Auf einer Alm im Schwarzwald lasse ich mich unweit einer Schar Kühe nieder, von denen einige nahezu euphorisch auf den unverhofften Besuch reagieren und sich zu mir gesellen. Das Wäldchen in der Talsenke, die sattgrünen, sonnenbeschienenen Wiesen, die vereinzelten Bäume oberhalb der Alm, der weite Himmel, die Abwesenheit menschengemachter Geräusche, die gutmütigen Wiederkäuer: Alles ist Idylle. Aus der Nähe freilich bemerke ich die Fliegengeschwader an den Augen der Tiere, auch vereinzelte Bremsen auf ihren Rücken. Kühe sind denkbar schlecht ausgestattet, solche Plagegeister zu verscheuchen, Ohrenwackeln und Schwanzwedeln helfen wenig, sie müssten Hände haben oder bedienstete Wedelträger, so aber dulden sie stumm und stoisch, mit Ausnahme einer jüngeren Schwarzweißen, die immer wieder versucht, sich mit den Hinterläufen zu kratzen und später den Kopf an der Flanke einer Kameradin reibt, natürlich vergeblich, denn die Fliegen tanzen nur auf und kehren sofort danach zurück. Kein Paradies ist vollkommen, dachte ich seufzend. Und mit wurde klar, warum Satan auch der Herr der Fliegen geheißen ward. Auf die Menschenwelt übertragen: Journalisten …

http://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna

Kommentar:
Dieses anschauliche Szenario von Herrn Klonovsky verführt zu einigen ökologischen Überlegungen. Logisch übertragen auf ein Ökosystem wären Kühe, Bremsen und Fliegen in ihm gleichwertig. Der Beweis der Willkür bei der „ökologischen Bewertung“ liegt in diesem Beispiel in der Präferenz der Kuh. Dafür fehlt aber der ökologisch-sachliche Grund, weil die Ökologie eine wertfreie Wissenschaft  ist. Damit ist die Bewertung willkürlich und hat zur Ökologie keinerlei Bezug. Willkürliche Bewertungen sind aber nur dann anrüchig, wenn die Willkürlichkeit verschleiert oder verschwiegen wird. Und genau dies ist aber die Regel bei sog. „ökologischen Bewertungen“. Wer behauptet, aus ökologischen Gründen müsse dies oder jenes getan werden, ist entweder unwissend oder er schwindelt.

U. Halbach




Abstraktionen – Embryonen von Macht und Willkür

Abstraktionen – eine übliche, sehr unsichere Quelle der Erkenntnis

Üblich, aber problematisch ist die Bewertung von Einzelfällen mittels Regeln oder Normen. Der Vorteil liegt neben anderen – auch sehr negativen – Effekten insbesondere in der Einsparung von Denkarbeit, verbunden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von Fehlschlüssen im Vergleich zu Tatsachenfeststellungen in der konkreten Natur.

Regeln sind bekanntlich Ergebnisse von Abstraktionen. Sofern es sich um wissenschaftlich nachvollziehbare Abstraktionen handelt, können diese nach den Gesetzen der Induktion nur wahrscheinlich oder unwahrscheinlich, aber nie wahr oder falsch sein. Beweis z.B.: ZOGLAUER [1], SALMON [3].

In dem Moment, wenn die Informationen über die Wahrscheinlichkeit einer Regel – aus welchen Gründen auch immer verloren gehen – steigt zusätzlich die Wahrscheinlichkeit von Fehlschlüssen, weil der Nutzer der Regel von der falschen Annahme ausgeht, die Regel führe zu wahren Erkenntnissen und Urteilen.

Die Deutungsvielfalt des Abstraktionsprozesses ausgehend vom Konkreten (eine kleine Stadt) zum Abstrakten (Kuben) und von diesem „konkreten“ Abstrakten erneut zum Konkreten (chinesische Puppe) hat der Künstler und Mathematiker ESCHER [2] in geradezu perfekter und eindrucksvoller Weise veranschaulicht. Siehe hierzu Abbildung http://www.mcescher.com/gallery/woodcut/metamorphosis-i/

Bezogen auf die üblichen Abstraktionen der EU WRRL stellen die Kuben die „guten ökologischen Zustände“ dar und die „Deuter“ können in diesem Falle rätseln oder ohne stichhaltige Begründung schlicht behaupten (aber nie beweisen), dass der konkrete Ursprung der Abstraktion die kleine Stadt oder die chinesische Puppe war. Abstraktion verursacht somit Beliebigkeit.

Und Nicolás Gómez Dávila bringt es so auf den Punkt: „Verallgemeinerung erweitern unsere Macht und verarmen unseren Geist.

 

Quellen:

[1]       Zoglauer, T.
Einführung in die formale Logik für Philosophen
4. Auflage Vandenhoeck & Ruprecht
Göttingen 2008

[2]       Ernst, B.
Der Zauberspiegel des Maurits Cornelis Escher
Taschen GmbH
Köln 2007
http://www.mcescher.com/gallery/woodcut/metamorphosis-i/

[3]       Salmon
Logik
Reclam
Stuttgart 1983

 




Mauerseglersterben – ein Eigentor!

Es ist schon paradox!

Gewässerschutz kann  auch tödlich sein. Zumindest für jene Tiere, deren Nährstoff  „Phosphor“ minimiert wird.

Und dann wundert sich der Laie, dass in dem nun klaren Wasser lauter Leichen schwimmen.

Verhungert eben.

Stimmt nicht?

Doch!

Siehe: Übermäßiger Gewässerschutz

Und nun haben die Schweizer Streß, ihre selten gewordenen Mauersegler zu retten.

Schlagzeile: Hausabbruch löst Drama um seltene Jungvögel aus!

„St.Galler Tierschützer sind aufgebracht. Nachdem ein Haus mit Mauersegler-Nestern abgebrochen wurde, müssen sie drei Jungvögel aufpäppeln. Verantwortlich sei die Stadt.“

Das wäre nicht nötig, würde es die 600.000 (verhungerten?) Brutpaare noch geben.

Die Moral von der Geschichte?

Das Gute hat immer schlechte Konsequenzen!

Warum?

Logisch, weil man nur gut sein kann, wenn man anderen schadet.

Und das  Schlechte sollte man beim Gewässerschutz in der gleichen Weise analysieren und bewerten, ähnlich wie ein Arzt, der die Vorteile und die unerwünschten Nebenwirkungen eines Medikamentes kennt und abwägt.

Bei Nichtberücksichtigung des Schlechten besteht  Grund zur Besorgnis wegen Willkür.

Eigentlich alles simpel.

Der Fachmann staunt: Warum handeln wir dann so dumm?

Frosch

Frosch in der Elbaue

 

 




Kein Einklang

Natur: Macht sie euch untertan!

Von Jan-Philipp Hein

Quelle: Novo Argumente

Zitat:

„Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, was minus vier Dioptrien für Sie als Steinzeitmensch im Auge des Mammut bedeutet hätten? Fielmann gab es noch nicht. Damals galten Darwins Gesetze großflächig, soweit sie nicht hier und da schon mit dem Faustkeil oder einem Rad überlistet werden konnten. Wie man es dreht und wendet: Es ist ein Segen, die Natur besiegt zu haben. Gleichzeitig schreit uns die Sehnsucht nach der Natur oder dem, was für Natur gehalten wird, von jeder Plakatwand an. Kosmetika, Nahrungsmittel oder Wellnessprodukte sollen uns immer „das Beste aus der Natur“ liefern, weil wir es uns wert seien. So oder ähnlich ruft es uns die Werbung zu.

Mutter Natur“, so wird uns suggeriert, sei immer gut für uns. Das ist reichlich infantil. Natur ist ein ziemlich grausames Prinzip. Natur bedeutet hohe Säuglingssterblichkeit, Natur ist das Recht des Stärkeren, des Schnelleren, des Skrupelloseren, die Natur würde Menschen mit Behinderungen einfach aussortieren und angeborene Herzfehler wären ein natürliches Todesurteil. Mit ihren grausamen Prinzipien schafft die Natur dieses berühmte „natürliche Gleichgewicht“, nach dem seltsamerweise so viele streben. Wir sollten dagegen froh sein, darauf nicht mehr angewiesen zu sein und uns darüber erhoben zu haben. Inklusion ist zum Beispiel kein natürliches Prinzip, sondern eine zutiefst menschliche Idee. Die Natur hätte auch keine Rollstühle oder Herzschrittmacher erfunden. Das alles wird natürlich (!) keinen Öko-Romantiker daran hindern, einen „Einklang mit der Natur“ anzumahnen.“

wasser-in-natur-140-halbach

Teich bei Eisenach (Thür.)

 

 





Phosphor als Nährstoff

Atuelle Ergebnisse aus der Schweiz:

Fischer wollen Seewasser düngen

„Nach ihren deutschen Kollegen wollen nun auch die Schweizer Bodenseefischer mehr Phosphat in den See leiten. Umweltschützer lehnen das Ansinnen ab.“

„Die Erträge der Bodenseefischer sind in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. Grund ist das saubere Seewasser. Moderne Kläranlagen filtern fast alles Phosphat aus den Abwässern. Resultat: Die Fische finden weniger Nahrung, ihre Bestände gehen zurück, die Tiere werden weniger gross.“

„Das Vorhaben der Fischer stösst bei Umweltschützern jedoch auf wenig Gegenliebe: WWF und Pro Natura haben bereits klargemacht, dass sie von einer «Aufdüngung des Bodensees» wenig halten.“

Zu der Rolle der Nichtregierungsorganisationen (NGO) siehe z.B.:

  1. NovoArgumente: Dossiers : Grüne NGOs

    www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_dossiers/gruene_ngos/

    Grüne NGOs. Wolfgang Branscheid: Biofleisch: Globuli fürs Klima Der Öko-Landbau gilt als die politisch korrekte Produktionsform. Heiße Luft: Erfolge für Natur …

  2. EU: NGO-Förderung geht am Bürger vorbei – Novo

    www.novo-argumente.com/…/novo…/eu_ngo_foerderung_geht_am_bu…

    22.05.2014 – Die EU-Förderung für NGOs muss reformiert werden; sie ist … So definiert, sind NGO private Körperschaften und prinzipiell förderungsfähig.

  3. Was Sie (auch) über NGOs wissen sollten – Novo

    www.novo-argumente.com/…/novo…/was_sie_auch_ueber_ngos_wissen…

    25.03.2010 – Der Titel „Friends of the EU“, eine Anspielung auf die eingangs genannte

Siehe auch Gewässerschutz verursachte Fischsterben und arbeitslose Fischer




Verhältnismäßiger (?) Aufwand für ein konkretes Ziel

Zitat 1:

„Schön ist auch die Geschichte über die Kammolche. Entlang der geplanten A 44 zwischen Kassel und Eisenach wurden seinerzeit große Kammolchkolonien (1700 Tiere) entdeckt. Genau genommen in einer ehemaligen Klärgrube bei Helsa in Nordhessen. Aufgrund seiner natürlichen Geschwindigkeit kann der Kammolch nur sehr schwierig Verkehrswege überqueren und kommt daher sehr schnell unter die Räder. Parallel zur geplanten Autobahn soll eine Straßenbahnlinie für den Nahverkehr gebaut werden. Jetzt hatten die Molche ein zusätzliches Problem. Doch die Lösung war schnell in Sicht: Die Bahntrasse wird auf Ständer gestellt. Und um die Tiere vor den Autos zu schützen, werden jeweils zwei Tunnel von 1200 bis 2000 Metern Länge geplant. Zwar konnte eine Fauna-Flora-Habitat-Verträglichkeitsprüfung für diese Planung keine Beeinträchtigung der Kammolchlebensräume feststellen, das Bundesverkehrsministerium empfiehlt aber trotzdem einen durchgehenden Tunnel mit der Begründung einer „Vermeidungsstrategie des Lebensraumes bedrohter Tiere“. Die Folge: Mehrkosten von über 50 Millionen Euro und eine Bauverzögerung von sechs Monaten. Inzwischen soll sich dort die Population der Kammolche auf 5000 erhöht haben.“

„Dem Steuerzahler ist ein Kammolch derzeit also rund 10.000 Euro wert.““

Quelle http://ef-magazin.de/:

Verkehrspolitik: Durch meinen Garten wird niemals eine Autobahn gebaut!
von Frank Schäffler
„Deutschland im Stau“
27. Juni 2014

Zitat 2:

Am Ende fanden die Forscher in sechs Gutachten für insgesamt fast zwei Millionen Euro heraus, dass im Schwanheimer Wald genau eine männliche Bechsteinfledermaus beheimatet war. Eine wichtige Nachricht konnten die Biologen der erstaunten Öffentlichkeit dennoch mitteilen: Der Fledermausmann war nachweislich sexuell inaktiv.“

Keine Einzelfälle:

  • Falsche Schneckenbewertung wird aufwändig korrigiert: „Man solle, sagt Pfenninger, mit dem Begriff „invasiv“ künftig vorsichtiger sein. Hoffen wir, dass seine Kritik an einem starren Naturverständnis Gehör findet. Bis sie sich durchsetzt, wird es noch lange dauern. Denn, das wissen wir von Günter Grass, „der Fortschritt ist eine Schnecke.““
    Quelle: Maxeiner & Miersch

 

 

 

 





Abstrakt oder Konkret

Das Erkennen und Bewerten des Abstrakten (Regeln) und des Konkreten (Anschauung) ist für die Enttarnung von Manipulationen, Interessen und Geschäften unbedingte Voraussetzung. U.H.

Michel de Montaigne (1533 – 1592)

  • Was haben unsere Gesetzgeber dadurch gewonnen, daß sie hunderttausend Arten von besonderen Tatsachen ausgewählt und darauf hunderttausend Gesetze gemacht haben? Die Zahl hat nicht das geringste Verhältnis mit der verschiedenen Unendlichkeit menschlicher Handlungen. Die Vervielfältigung unserer (darauf bezüglichen) Erfindungen wird niemals an der Verschiedenheit der Beispiele reichen.
  • Jedes Ding hat hundert Glieder und hundert Gesichter.

und vor gut 400 Jahren (!) über die „guten“ abstrakten Ziele der EU-WRL:

Das menschliche Denken wird sinnlos, wenn es kein bestimmtes Ziel hat.

Nicolás Gómez Dávila:

  • Experten kann es nur für zweitrangige Angelegenheiten geben. Das Wichtige läßt sich niemals auf Normen zurückführen; es bleibt Wagnis des Verstandes.
  • Nichts beunruhigt den Verstand so sehr wie der Versuch, unserer abstrakten Vorstellungen von der Materie mit unserer konkreten geistigen Erfahrung zu verbinden.
  • Da Erklären Definieren bedeutet, wirkt die Erkenntnis dort nicht erläuternd, wo Individualität ihr Gegenstand ist.
  • Nichts Authentisches lässt sich mit Argumenten beglaubigen.
  • Für den, der es beobachtet hat das Ereignis soviele Bedeutungen wie es Zusammenhänge hat.
  • Verallgemeinerung erweitern unsere Macht und verarmen unseren Geist.
    Anmerkung: Das ist der Grund warum die Umweltindustrie und die viele Gewässerverwaltungen so an den Regeln und abstrakten Gefahren „kleben“  Nicht umsonst hat das Buch von Nicolás Gómez Dávila „Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten“ den Untertitel: „Ausgewählte Sprengsätze“.  U.H.
  • Die Theorie irrt, wenn sie die Realität auf Kategorien beschränkt, die ihre Manipulation erlauben. Die Praxis irrt, wenn sie so vorgeht, als ob die Theorie nicht irrte.
  • Der Autor, der das Konkrete klar zu sehen vermag, bewegt sich unverletzt zwischen idiotischen Ideen.
  • Die ungenauen Begriffe, die eine talentierter Autor mit Geschick handhabt, blenden den Nachahmer, der sie am Ende mit vulgarisierter Rhetorik darstellt.
  • Abstrakte Wahrheiten nennen wir die trockenen Flußbetten, durch die das Wasser irgendeines Wolkenbruches fließt.
  • Von einer Regel pflegen mir nur die Ausnahmen gültig zu sein.

Und kontra Regelwerke, Normen, „bio“. „öko“, „gut“, „böse“ und „ökologische Zustände“

Weder in der Natur der Welt noch in der menschlichen Natur gibt es Spuren von Normen. Die Normen entstehen durch Einmischung des Willens. Eines der Wahrnehmung des Wertes unterworfenen Willens.

Arthur Schopenhauer

  • Eben weil Worte bloße Allgemeinbegriffe, welche von den anschaulichen Vorstellungen durchaus verschieden sind, mitteilen, werden z.B. bei der Erzählung einer Begebenheit, zwar alle Zuhörer die selben Begriffe erhalten; allein wenn sie nachher sich den Vorgang veranschaulichen wollen, wird jeder ein anderes  Bild  davon in seiner Phantasie entwerfen, welches von dem richtigen, das allein der Augenzeuge hat, bedeutend abweicht. Hierin liegt der nächste Grund (zu welchem sich aber noch andere gesellen) warum jede Tatsache durch Weitererzählen notwendig entstellt wird: nämlich der zweite Erzähler teilt Begriffe mit, die er aus  seinem  Phantasiebilde abstrahiert hat und aus denen der Dritte sich wieder ein anderes noch abweichenderes Bild entwirft, welches er nun wieder in Begriffe umsetzt, und so geht es immer weiter. Wer trocken genug ist, bei den ihm mitgeteilten Begriffen stehn zu bleiben und diese weiter zu geben, wird der treueste Berichterstatter sein.“
  • „Das Wissen, die abstrakte Erkenntnis, hat ihren größten Wert in der Mittelbarkeit: erst hierdurch wird sie für das Praktische so unschätzbar wichtig.“
  • Daß Bücher nicht die Erfahrung und Gelehrsamkeit nicht das Genie ersetzt, sind zwei verwandte Phänomene: Ihr gemeinsamer Grund ist, daß das Abstrakte nie das Anschauliche ersetzen kann.
  • Intuitiv nämlich oder in concreto ist sich eigentlich jeder Mensch aller philosophischen Wahrheiten bewußt: Sie aber in sein abstraktes Wissen, in die Reflexion zu bringen, ist das Geschäft des Philosophen, der weiter nichts soll noch kann.

Schopenhauer, A.
Die Welt als Wille und Vorstellung
Dritte, verbeserte und beträchtlich erweiterete Auflage
Voltmedia, Paderborn

***

  • „Ein konkreter Begriff ist ein Begriff, den man „zur Definition einzelner Gegenstände (einer Art) oder zu einer Behauptung über einen beliebigen von gleichartigen Gegenständen benutzen“ kann[1] (Beispiele: Pferd, Mensch, Haus). Als konkreter Begriff, im Gegensatz zum abstrakten Begriff, wird ein bestimmter, gegebener Gegenstand oder eine bestimmte Klasse von Gegenständen bezeichnet: z. B. Hotel, Berlin, Umgebung, Apfel.
  • Ein abstrakter Begriff ist ein Begriff, der benötigt wird, „um eine Eigenschaft von Gegenständen oder eine Relation zwischen einzelnen Gegenständen zu definieren oder zu repräsentieren“[1] Beispiele dafür sind: Mut, Röte, Liebe, Hass, Menschenwürde. Er bezeichnet nicht gegenständliche Entitäten, wie Freiheit, Geist, Sein, sowie gegenständliche Entitäten, wie Natur, Materie, Ding, Leben usf.“

[1] Tatievskaya, Aussagenlogik [2003], S. 53

Zitat: Wikipedia

***

Fjodor Michailowitsch Dostojewskij (1821 – 1881)

Der Mensch besitzt eine solche Leidenschaft für Systematik und abstrakte Folgerungen, daß er es fertigbringt, bewußt die Wahrheit zu verdrehen und mit sehenden Augen nicht zu sehen und mit hörenden Ohren nicht zu hören.

***

Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz

  • Klarheit in den Worten, Brauchbarkeit in den Sachen.
  • Auf der Unterscheidung unserer Vorstellungen beruht das Bewußtsein. Wenn Vorstellungen zu schwach oder mit anderen zu eng verbunden sind, um für sich hervorzutreten, so sind sie zwar in uns, aber sie kommen uns nicht zum Bewußtsein.
  • Das Vermögen, welches die Verbindung der Wahrheiten untereinander einsieht, heißt im eigentlichen Sinne die Vernunft.

Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz (1646 – 1716)
bedeutender deutscher Mathematiker, Physiker, Philosoph
Sprachwissenschaftler und Historiker

***

Johann Wolfgang von Goethe

  • Alles Abstrakte wird durch Anwendung dem Menschenverstand genähert, und so gelangt der Menschenverstand durch Handeln und Beobachten zur Abstraktion.
  • Man tut nicht wohl, sich allzulange im Abstrakten aufzuhalten. Das Esoterische schadet nur, indem es exoterisch zu werden trachtet. Leben wird am besten durchs Lebendige belehrt.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), deutscher Dichter der Klassik, Naturwissenschaftler und Staatsmann

Søren Aabye Kierkegaard

Das Ethische ist als solches immer abstrakt.

Søren Aabye Kierkegaard (1813 – 1855), dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller

***

Adolf Diesterweg

Adolf Diesterweg ein deutscher Schulreformer (1790 – 1866) stimmt mit Schopenhauer darin überein, dass Erkenntnis durch die Definition des Konkreten aus dem Abstrakten nicht gewinnbar ist:

Alles klare und sichere Erkennen der Jugend geht nur aus Anschauungen hervor, sowohl das Erkennen äußerer Dinge, als das Erkennen innerer Zustände des Geistes selbst. – Gehe vom Äußerlichen aus und schreite von da aus zum Begrifflichen fort, vom Einzelnen zum Allgemeinen, vom Konkreten zum Abstrakten, nicht umgekehrt.“

***

Konsequenz des Abstrakten, siehe Vorreyer:

So bestehen in erheblichem Maße Auslegungsprobleme; infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten, den gemeinsamen Rahmen zu umgehen, so dass zurzeit kaum etwas darüber ausgesagt werden kann, ob der Rahmen für eine wirklich harmonisierte, wettbewerbsvereinheitlichende Gewässerschutzpolitik ausreicht.

Vorreyer, Christian
Erläuterungen zur Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG)
durchgesehen und ergänzt von Friedrich Schröder
Stand: Juni 2007
Wasserrecht für die betriebliche Praxis
2008 WEKA MEDIA GmbH & Co. KG




EU-WRRL – Ein Orakel?!

Guter oder sehr guter morphologischer Zustand - eher die absolute Ausnahme!

Warum Orakel?

Nun, weil die EU-WRRL genau wie ein Orakel aufgrund ihrer Abstraktheit gedeutet werden kann und muss. Das ist Fakt. Manche Regelungen der EU-WRRL werden unwissenschaftlich umgesetzt. Deshalb „orakeln“ seit längerem einige Ökologen – jene die ihre  Wissenschaft verteidigen  – bei der EU-WRRL nicht mehr mit. Sie sehen die Natur wie sie ist, nämlich wertfrei und da ist kein Verständnis für primitive Zustandsbewertung, wie für ein „gutes“ oder „böses“ Potential.

Die vom Orakel Betroffenen – also meist die Abwasserbeseitigungspflichtigen – müssen sich nun und nur überlegen, ob sie willkürliche Zustandsbewertungen umsetzen wollen. Meist wollen sie das, merken aber zu spät, dass sie dann zwangsläufig für die Orakelergebnisse Fremder bezahlen. So ist das im Leben auch bei anderen Dingen. Ein Orakel will und muss eben auch von irgendetwas leben.

Eine Lösung: Wenn die von der Gewässerverwaltung geplanten wasserwirtschaftlichen Maßnahmen für die Herstellung des guten ökologischen Zustandes oder des guten Potentials nicht effizient sind – sofern sich überhaupt jemand die Mühe macht, dies rechtzeitig nachvollziehbar zu untersuchen und darzulegen – dann besteht die schlichte Alternative darin, den guten ökologischen Zustand oder das gute Potential legitim so umzudeuten, dass dieses neue Ziel dann die Chance bekommt effizient zu werden. Wo ein Wille, ist immer ein Gebüsch!

Zugegeben: Mit dem Prüfen der Effizienz der Konsequenzen einer Zustandsbewertung ist wohl jede Gewässerverwaltung und jedes Umweltfachamt hoffnungslos überfordert, denn mittlerweile gibt es Bücher bzw. Dissertationen zu dem Thema, das keineswegs in der Verwaltungspraxis nebenbei bearbeitet werden kann.

Peinlich wird es nur, wenn der falsche Eindruck vermittelt wird, die Anforderungen für den guten Zustand oder für das gute Potential seien auf Effizienz geprüft und wenn behauptet wird, die EU-WRRL würde genau dies erfordern und es gäbe keine kostensparenden Alternativen.

Mittlerweile ist die EU-WRRL zu einem Monster gewachsen, das kein einzelner Mensch in seinem Leben je zu werten oder gar zu überblicken vermag. Der geneigte Leser mag ja im Zweifelsfall versuchen das Werk zu verstehen. Ohne Orakel kommt er nicht weit.  Es bleibt nur zu ergänzen, dass die alten Griechen unter dem Orakel drei Dinge verstanden: Den Ort, an dem orakelt wurde, das Orakel als Person und schließlich das Orakel als Weissagung.

Die Wertung der Effizienz einer wasserwirtschaftlichen Investition ist eine anspruchsvolle, komplizierte, aufwändige und zugleich interdisziplinäre Aufgabe, die neben verschiedenster Fachkunde, wie meist in der vernünftigen Reihenfolge

  1. Ökologie,
  2. Biologie,
  3. Hydromorphologie kontra Gewässerunterhaltung,
  4. Investitionsrechnung,
  5. Nutzensbewertung und Risikobewertung,
  6. Chemie (wie fälschlich nicht als Ziel, sondern als Mittel für ökologische Zustände und deshalb erst zum Schluss aufgezählt),
  7. Reduzierung der industriellen Landwirtschaft (wer sich traut 😉 ),
  8. kommunale Abwasserbeseitigung

auch praktische Erfahrung in der Natur – also nicht am Schreibtisch – erfordert. Was sagte ich? Ein Orakel? Eine Heerschar von Orakeln!

Nüchtern bringt es VORREYER [1] auf den Punkt:

„So bestehen in erheblichem Maße Auslegungsprobleme; infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten, den gemeinsamen Rahmen zu umgehen, sodass zurzeit kaum etwas darüber ausgesagt werden kann, ob der Rahmen für eine wirklich harmonisierte, wettbewerbsvereinheitlichende Gewässerschutzpolitik ausreicht.“

Man kann es auch so deuten: …infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten bei fragwürdigem Nutzen eine vernünftigen, effizienten Weg zu wählen und die Bürger eines Landes nicht unnötig finanziell zu belasten.

In der Praxis wird das Pferd oft immer noch von hinten aufgezäumt. Man beginnt mit dem Mut des Verzweifelten – mit dem, was man glaubt auf Kosten der Kommune leichtens ändern zu können – mit dem wasserchemischen Zustandsorakel und täuscht manchmal nur mit einer Mischungsgleichung (Gymnasium) vor, dass dieser wasserchemische Zustand schlecht und unbedingt zu bessern sei. Die Konsequenzen der „Verbesserung“ werden nicht untersucht, denn dafür ist man nicht zuständig, wie auch für den Erfolg seiner wasserchemischen Überlegungen.

Wir sollten von der Jugend lernen! Sie kennt die Natur besser als man meinen könnte. Machen wir eine Probe auf’s Exempel:

Jeder kleine Junge überlegt sich zuerst, welche Fische er im Aquarium haben will, bevor er über Pflanzen oder gar Phosphor überhaupt nachdenkt!

Die Änderung der Anforderungen an den guten ökologischen Zustand oder für das gute Potential erlaubt die EU-WRRL ausdrücklich.

Eine Voraussetzung dafür ist zunächst die Erlangung der Deutungshoheit. Dabei sind die jeweiligen Passagen in der EU-WRRL zu finden, die eine Deutungsvielfalt erlauben. Ein Stichwort: Effizienz!

Ein guter Anfang zur Effizienz wäre es, sich von Naturromantik zu trennen, denn wir wollen ja etwas bewirken.

Das erste Foto ist natürlich eine schöne Darstellung von einer schönen Natur, so wie Städter sie lieben, wenn sie auf dem Balkon Sonnenblumen anbeten.  Eine Sonnenblume – nicht jede – ist nämlich auch ein neuzeitliches Orakel; im ersten Sinne.

Seitengraben des Strengbaches - (Sachsen-Anhalt)

Ein allein durch landwirtschaftliche Abwässer eutrophierter Graben

Das zweite Foto ist auch Natur, wenn auch – auf den ersten Blick gewertet – nicht ganz so schön. Ein wertbesessener „Ökologe“ aber würde von einem schlechten ökologischen Potential faseln. (Ein normaler Mensch wird ohne umständliche Erklärungen nicht verstehen, wovon er redet. Auch markant: Wir sind inzwischen soweit, dass wir uns bürokratisch sagen lassen müssen, wie wir die Natur gefälligst zu werten, zu verstehen und zu lieben haben.)

Aus meiner Sicht oder aus der Sicht Frosches, die ich mir zu eigen mache, ist der Zustand im 2. Bild geradezu paradiesisch schön. Denn: „böser“ Phosphor = viele Algen = dicke Kaulquappen = dicke Frösche = neugierige Störche!  An der Kröte kann ein Naturromantiker – der Naturwissenschaften abgewählt hat – ersticken:  Gewässerdüngung macht Störche satt!

Die „unschöne“ Natur verspricht eine reiche Froschernte, die nur dann genutzt werden kann, sofern der Gewässerunterhaltungsverband nicht schneller ist und alles Lebendige aus dem Graben ausschabt und tötet, ähnlich wie es einer Warze beim Hautarzt geschehen würde, der mit einem scharfen Löffel ihr zu Leibe rückt.

Aber ohne Gewässerunterhaltungsverband wäre alles eine feuchte lebendige Wiese ohne industrielle Landwirtschaft. Wie es dann aussehen könnte, ist hier zu erahnen: Fauler See.

Die Realität sieht oft so aus: Zuckerrüben bis zum Horizont, industrielle Landwirtschaft und industrielle Tierproduktion, hier und da verträumte industrielle Biogasanlagen deren Gärreste neben Gülle in den Einzugsgebieten ausgebracht werden. Als Antwort und Lösung für das „gute Potential“ als Orakel eine flächendeckende Verschärfung der Überwachungswerte für kommunale Kläranlagen.

Über 20 Jahre wegen der Besorgnis verschärfte Überwachungswerte (BSB, CSB, N und P) und niemand schaut nach, ob dies tatsächlich einen hinreichenden Effekt brachte oder gar effizient war.

Kein Wunder, dass sich manche Ökologen mit Grausen von einem solchen „Gewässerschutz“ abwenden.

Heute unverständlich, wie wir ohne EU-WRRL überhaupt die Gewässer zu schützen vermochten! Wie doof und ungebildet waren doch die alten Wasserwirtschaftler! Was muss das früher für eine naturfeindliche Welt gewesen sein. Keine Biomaisfelder, keine Windkraftwerke, wenige Wasserkraftwerke, industrielle Landwirtschaft in Maßen….

Ob des Pudelskern darin besteht, dass sich hinter jeder kleinen Regelung ein Arbeitsplatz versteckt und dass es schon lange nicht mehr um die Natur geht?

________

[1] Vorreyer, Christian
Erläuterungen zur Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG)
durchgesehen und ergänzt von Friedrich Schröder
Stand: Juni 2007
Wasserrecht für die betriebliche Praxis
2008 WEKA MEDIA GmbH & Co. KG

 

 




Vorsorge – ein Indiz für wasserwirtschaftliche Ausbildungsschwäche?

Bei dieser Vorsorge geht es nicht um natürliche menschliche Verhaltensweisen, wie z. B. derart, dass man sich warm anzieht, wenn es draußen kalt ist. Im Blickpunkt steht die Veränderung der Gesellschaft durch Vorsorgediktatur mit all ihren destruktiven Folgen, betrachtet am Beispiel des vorsorglichen Gewässerschutzes. Zu den zahlreichen Nachteilen des Vorsorgeprinzips haben sich schon viele Autoren nachvollziehbar ausgelassen, ohne dass es etwas genützt hat. Einige interessante Quellen [3]-[10] seien zum Nachlesen empfohlen.

img_6047

Missachtung des Vorsorgeprinzips schafft Freude und Genuss!

Bei fehlenden Effizienznachweisen für gewünschte zusätzliche Verbesserungen des Gewässerschutzes ist es üblich (manchmal vielleicht auch weil bequem) die behördlich verschärften Anforderungen an das Betreiben von technischen Anlagen mit dem fragwürdigen Vorsorgeprinzip zu begründen. Das ist sehr einfach, anspruchslos und zugleich im doppelten Sinne verantwortungslos. Man erklärt nur seine Ängste und Sorgen. Jemand der Angst hat und dies auch noch schriftlich darlegt, ist seine Verantwortung los. Das Vorsorgeprinzip in seiner ideologischen Nutzung negiert den technischen Fortschritt und die Lebensgefährlichkeit. Das Denken und Handeln übertragen die Bürger dem Staat. In der „wasserwirtschaftlichen“ Praxis verursacht die Anwendung des Vorsorgeprinzips im wesentlichen erhebliche Mehrkosten beim Gewässerschutz wobei wohl ganz selten ein Effizienznachweis vorliegt. Auch werden preiswerte Lösungen bei der Gewässernutzung oder bei der Abwasserbehandlung vorsorglich verhindert. Dahinter stecken neben Ängsten teilweise auch Industrieinteressen. Im vergangenen Jahr ist mir ein krasses Beispiel der Anwendung eines Vorsorgeprinzips aufgefallen, bei dem die Hygiene das Einleiten des Regenwassers von Dachflächen mit der Begründung untersagte, dass ja in den Dachrinnen (immer) tote Vögel liegen, die die Badewasserqualität verschlechtern könnten. Konsequenz dieses hygienischen Schildbürgerstreiches: Mehrkosten für einen Unternehmer, der den Streit am Ende genervt aufgab. Der Hygiene möchte man zurufen: „Und was ist mit den toten Vögeln, die beim Überfliegen des Badesees plötzlich sterben und ins Wasser fallen oder mit dem Fuchs, der am Ufer der Badestelle stirbt oder trinkt oder mit den Badegästen, die fleißig ins Wasser pullern, von denen einer ein Dauerausscheider von Cholera ist und mit der Schwimmerin, die nicht vorsorglich den Mund geschlossen hält oder mit den Elbe-Badetagen? Ist die Elbe oder die Natur an sich etwa steril?“ (Da frage ich mich wieder, ob ich so etwas schreiben darf und soll? Wenn’s aber stimmt! Vielleicht sollte man aber gerade dann den Mund halten, wenn man Recht hat?)

Tatsache ist, dass wir unseren hohen Lebensstandard (nicht nur in Deutschland) und viele Freuden ausschließlich der vorsätzlichen Missachtung des Vorsorgeprinzips verdanken. Darüber lohnt es sich bei Uneinsichtigkeit schon lange nachzudenken, wem das nicht auf Anhieb auffallen sollte. Man mag darüber nachdenken, ob es den verehrten Leser überhaupt geben würde, wenn das administrative Vorsorgeprinzip in der heutigen Form schon seit 500 Jahren die Menschen in Ketten legen würde. Die Völkerschlacht bei Leipzig z. B. wäre garantiert ausgefallen. Vorsorglich hätten damals alle erst mal aus ihren Häusern geschaut, was da draußen so passiert. Und es lebten vielleicht nur 10 % der Menschen in Deutschland – die anderen 90 % wären verhungert oder hätten gar nicht erst geboren werden können –  wenn es Deutschland überhaupt noch geben würde. Einfach deshalb, weil die Wissenschaftler Haber und Bosch ihre Synthese vorsorglich nicht hätten erfinden dürfen und so weiter und sofort. Fragwürdig ist das Vorsorgeprinzip bei exzessiver Anwendung, wie es in den letzten 20 Jahren zunehmend zu beobachten ist. Vielleicht ist diese negative Entwicklung auch Ausdruck der Überalterung, Trägheit und mangelhaften Schulbildung der Gesellschaft.

Ist die exzessive Nutzung des Vorsorgeprinzips etwa ein starkes Indiz für mangelhafte Ausbildung sowie für fehlende Sach- und Fachkunde?

Kaum jemand stört sich daran, dass bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips regelmäßig gegen die Leitlinien der EU-Kommission zur Anwendung des Vorsorgeprinzips [1] und sogar gegen die EU-WRRL verstoßen wird.  Beweis: Beide Leit- bzw- Richtlinien fordern Effizienznachweise bevor das Vorsorgeprinzip angewendet werden darf. Dieser Fakt wurde bislang noch nicht gedeutet.

Eine Ursache solcher Fehlentwicklungen ist die Formulierung abstrakter Ziele, deren Erfüllungsweise gedeutet und meist vor Gericht erkämpft werden muss, weil die Deutungshoheit eher selten beim Abwasserbeseitigungspflichtigen liegt.

Das eigentliche Problem liegt aber tiefer. Die Verschärfung von Überwachungswerten ohne prüffähigen Effizienznachweis können in grobfahrlässiger Weise wasserwirtschaftliche Fehlinvestitionen verursachen. Damit wird gegen das Sparsamkeitsprinzip verstoßen. Möglicherweise will ein Anwalt auch staatliche Willkür beweisen.

Kostenvergleichsrechnungen und Kosten-Wirksamkeits-Analysen bzw. Nutzwert-Kosten-Analysen werden zwar verlangt und erarbeitet, aber in der Praxis viel zu spät. Kaum jemand prüft nämlich, ob schon die Verschärfung mancher wasserchemischer Anforderungen überhaupt effizient oder verhältnismäßig ist. Diese Prüfung ist ratsam, bevor Angst und Schrecken mit scharfen Forderungen in den Abwasserzweckverbänden verbreitet wird. Effizienz und Verhältnismäßigkeit sind nämlich wichtige Forderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die – so hat man den Eindruck – nicht immer beachtet werden!

Also gilt unbedingt, wenn es zusätzliches Geld oder zusätzlichen Aufwand verursacht:

Verschärfungen der Überwachungswerte oder zusätzliche Auflagen sind grundsätzlich nicht plausibel!

Es mag Ausnahmen (Trinkwasserschutz) geben, bei denen z. B. 10 % Mehrnutzen unverhältnismäßig hohe Mehrkosten durchaus rechtfertigen können. Dies wäre aber umfänglich, prüffähig zu beweisen und in einem solchen Falle vorstellbar, wenn beispielsweise giftige Wirkungen im Gewässer nur bei normalerweise unverhältnismäßig hohen Mehrkosten mit hoher Sicherheit verhindert werden können, wobei über die „Sicherheit“ gestritten werden sollte, um Denkfehler zu minimieren.

Auch wenn die EU-Kommission mitunter kritisiert wird: Auf den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips sollte bestanden werden, denn danach ist die Vorsorge nur auf ganz wenige Ausnahmen beschränkt, keinesfalls aber auf Gewässerschutzmaßnahmen, deren Effekt kalkulierbar ist.

Die Menschheit ist Tausende Jahre lang ohne dieses destruktive und willkürliche Prinzip ausgekommen. Der heutige intensive missbräuchliche Einsatz des Vorsorgeprinzips raubt den Menschen einen Großteil ihrer Freude und Freiheit. Und dies auf raffinierte, destruktive, langsame und deshalb auch unauffällige Weise. Dieses Vorsorgeprinzip kann mit Sicherheit ersatzlos gestrichen werden, denn unseren hohen Lebensstandard verdanken wir paradoxerweise genau den unzähligen Verstößen gegen das Vorsorgeprinzip von Jonas [2]. Jonas, der  Erfinder, der sich selbst nicht ganz sicher war und wohl aus Gewissensgründen sein Buch vorsorglich mit dem Untertitel „Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation“ versah. Und dieses Wörtchen „Versuch“ wurde bei der exzessiven Einführung des Vorsorgeprinzips in die Gesetzgebung vorsorglich unterschlagen. Heute weiß niemand mehr, dass es sich bei dem Vorsorgeprinzip nur um einen Versuch handelt, der allerdings trefflich scheiterte, was aber auch keinen stört. Auch hat sich eine Ideologie gefunden, die nachhaltig auf dem Vorsorgeprinzip von Jonas [2] beruht und es fleißig missbraucht. Bildung und Klugheit ist deshalb m. E. vorzüglicher als der Versuch mit dem Vorsorgeprinzip.

Aber es gibt auch ein sehr gutes Beispiel in der nichtvorsorglichen Genehmigungspraxis, welches uns hoffen lässt:

Einen nachvollziehbaren und zudem gut begründeten Prozess der Verschärfung der Überwachungswerte unter Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung bis hin zur Versagung der Abwassereinleitung hat das Wasserwirtschaftsamt Hof beim Schutz der Flussperlmuschel demonstriert. Aufgrund der Kompetenz, der guten Vorbereitung und der rechtzeitig erarbeiteten wissenschaftlichen, ökologisch-ökonomischen Basis, kam man erfreulicherweise ohne „Anrufung“ des Vorsorgeprinzips aus. Wie man sieht, ist es möglich, Anforderungen im Gewässerschutz auch ohne Angst und Sorge zu begründen. Wir sollten es häufiger versuchen!

Tja, ich würde die regelmäßige Anwendung des Vorsorgeprinzips grundsätzlich verbieten, in den Gesetzestexten, in denen das Wort „Vorsorge“ oder „Besorgnis“ auftaucht, den jeweiligen Text durch „Bildung und Vernunft“ ersetzen und Vorsorge nur dann erlauben, wenn die Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips schön fleißig abgearbeitet wurden.  Da könnten wir gewaltig Geld sparen und unsere Zukunft etwas retten. Und weil wir gerade mal dabei sind: Das Gleiche gilt für die ideologische Kategorie „Nachhaltigkeit“. Man darf staunen, was ideologische Programme in Gesetzen zu suchen haben, die auch Nichtideologen einhalten sollen. Insofern kann man „Vorsorge“ und „Nachhaltigkeit“ auch als ideologische Trojaner und Wieselwörter bezeichnen.

Siehe auch: Verhältnismäßigkeit bei Gewässerschutz

____________

[1] Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips
in „Die Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips“
Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
Brüssel, den 02.02.2000, KOM (2000) 1 endgültig

[2] Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung:
Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation.
Frankfurt/M., 1979.

[3] Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch
2. Auflage 2003
Wagenbach Verlag Berlin

[4] Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

[5] Eilingsfeld, Heinrich
Der sanfte Wahn
Ökologismus total
Südwestdeutsche Verlagsanstalt Mannheim
(Bemerkenswert, dass das Buch schon 1989 erschien.)

[6] Gärtner, Edgar L.
Öko-Nihilismus
Eine Kritik der Politischen Ökologie
TvR Medienverlag Jena, 2007

[7] Driessen, P.K.
Öko-Imperialismus
Grüne Politik mit tödlichen Folgen
TvR Medienverlag 2006

[8] Maxeiner; D., u.a.
Die Zukunft und ihre Feinde
Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
Eichenborn AG 2002

[9] Maxeiner; D., u.a.
Das Mephistoprinzip
Warum es besser ist, nicht gut zu sein
Eichenborn AG 2001

[10] Steinberg, Ch.
Von Mistbienen, Haussperlingen und der EU-Wasserrahmenrichtlinie – eine
beabsichtigte Polemik
Wasser & Boden




Wenn die Lieblingstheorie falsch ist…

„Der berühmte britische Biologe Conrad Waddington schrieb im Jahre 1941:

Es ist … wichtig, dass Wissenschaftler darauf vorbereitet sind, dass sich ihre Lieblingstheorien als falsch herausstellen.

Wissenschaft als Ganzes kann niemals zulassen, dass die Beurteilungen der Fakten durch Ideologie verzerrt werden können, die festlegt, was zu stimmen hat und was nicht; oder was man hofft, das zutreffend ist.

Quelle: So sieht der wahre Zustand des Klimas aus

 




Der chemische Sauerstoffverbrauch

Der chemische Sauerstoffverbrauch – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung? von U. Halbach

Kaffeetasse mit mächtig viel chemischem Sauerstoffverbrauch - nach wasserrechtlicher Deutung extrem schadstoffbelastet!

Fachartikel  veröffentlicht in der wwt 6, 7-8 und 9/2013

Auszug einer Leserzuschrift von Herrn Jürgen Wachtendorf am 13.11.2013:

Sie schreiben auf S. 16 im 1. Teil (etwas unter dem CSV/BSB-Bild): „Zusätzlich muss die ganze Mischung bei 148 +/- 3°C 110 Minuten schwach sieden. Da bekanntlich Wasser schon bei 100°C kocht, ist die Reaktion unter Druck zu halten.“  Diese Aussage ist nicht korrekt, bei der CSB-Bestimmung nach DIN wird das Reaktionsgemisch am Rückfluss bei normalem Luftdruck am Sieden gehalten. Reines Wasser kocht tatsächlich schon bei 100°C, das Reaktionsgemisch hat aber einen derart hohen Säure- und Salzanteil, dass der Siedepunkt viel höher als 100°C liegt, eben bei besagten 148°C. Ein erhöhter Druck ist hier nicht erforderlich. Bei der CSB-Bestimmung mit einem Küvettentest, mit dem auf vielen Kläranlagen die CSB-Analyse zuverlässig durchgeführt wird (und die – nebenbei bemerkt – wesentlich appetitlicher, umweltfreundlicher und unter Arbeitsschutzaspekten sicherer als das DIN-Verfahren ist), stehen die geschlossenen Küvetten leicht unter Druck, da sich die Luft in der verschlossenen Küvette durch die Hitze ausdehnt, erforderlich ist dieser Druck aber nicht.

Kommentar:
Ich folge den Argumenten! Vielen Dank für die Hinweise!
U. Halbach




Sauberes Wasser ist tödlich!

Immer weniger Schweizer Fische gehen ins Netz

«Eine zu tiefe Phosphorkonzentration führt zu einer Hungersnot, Bestände und Fangerträge gingen mancherorts katastrophal zurück», sagte Silvano Solcà, Präsident des Schweizerischen Berufsfischerverbandes, gegenüber dem Landboten».

  • Die Bodenseefischer fingen 2011/2012 über ein Drittel weniger Fische
  • „Viele der 310 Berufsfischer, die es heute noch schweizweit gibt, sind deswegen auf einen Nebenerwerb angewiesen.“

Siehe auch:

 




Ökologie ist wertfrei

 

Die Stellung der Ökologie in der Gesellschaft

Lampert, W.; Sommer, U., Limnoökologie, 2. überarbeitet Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart New York 1999 (S.447)

„Naturwissenschaften können Theorien darüber anbieten, wie die Natur funktioniert. Sie können jedoch nicht angeben, welcher Zustand der Natur ein erhaltenswürdiger Wert oder ein erstrebenswertes Ziel menschlichen Handelns ist. Die Festsetzung solcher Werte und Ziele ist keine Aufgabe der Wissenschaft, sondern eine Aufgabe des demokratischen Entscheidungsprozesses. Weder Ökologen noch irgendwelche anderen Experten haben in diesem Entscheidungsprozeß größere Rechte als andere Menschen. Die Aufgabe des Experten besteht allenfalls darin, Wege zum Erreichen von Zielen aufzuzeigen und Konflikte zwischen verschiedenen, für sich genommen durchaus berechtigten Zielen frühzeitig zu erkennen.

Selbst dann, wenn ein gesellschaftlicher Konsens bestünde, daß die „Gesundheit von Ökosystemen“ als schutzwürdiger Wert höchste Priorität genießt, könnte die Ökologie nichts zur näheren Definition dieses Wertes beitragen.

Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten.

Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.

Auch die anerkanntesten und konsensfähigsten Ziele der Umweltpolitik folgen nicht zwingend aus den Erkenntnissen der Ökologie.

Neben der Reduktion gesundheitsschädlicher Emissionen dienen die meisten Bestrebungen des Umwelt- und Naturschutzes zwei übergeordneten Zielen:

  • der Erhaltung der Diversität und
  • der Wiederherstellung bzw. Erhaltung einer möglichst großen Geschlossenheit der biogeochemischen Kreisläufe.

Beides sind Ziele, die mittlerweile vielen Menschen einleuchten; sie sind jedoch in menschlichen Werturteilen begründet und nicht in wissenschaftlichen Lehrsätzen.

Die Ökologie kann zwar aufzeigen, daß eine anthropogene Öffnung von Stoffkreisläufen unerwünschte Auswirkungen hat (mehr Nährstoffaustrag aus dem Boden – mehr Bedarf an Düngung — mehr Eutrophierung der Gewässer); es entzieht sich jedoch ihrer Kompetenz, zu bewerten, wie unerwünscht diese Auswirkungen sind.“

Gewässer im LSG „Fauler See“ bei Wanzleben

Foto aus dem Beitrag: Überlegungen zur Renaturierung des Domerslebener Sees




Ungeteilte Meinung

Zitat:

Schwedische Klimaforscher in Sorge vor zu viel Alarmismus

„Auch was die viel zitierten Extremereignisse angehe, so warnen die Schweden vor allzu großer Schwarzmalerei: “Es gibt keinerlei Hinweise auf einen ansteigenden Trend bei der Intensität oder der Anzahl von tropischer Wirbelstürme”. Damit widersprechen die vier Schweden nicht weniger als so gut wie allem, was im Potsdamer Institut als heilig gilt. Sie fürchten bei allzu viel Alarmismus eine “Bedrohung der Glaubwürdigkeit von Wissenschaftlern”.  Das ganze ist “unterschrieben von den folgenden vier Klimawissenschaftlern und Mitgliedern der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Lennart Bengtsson, Deliang Chen, Marie-José Gaillard, Henning Rodhe.”“

***

Kommentar:

Mein Bauchgefühl – wissenschaftlich unterfüttert – nach Gigerenzer sagt mir:

  • Den Ball flach halten und sich auf das Schlimmste vorbereiten.
  • Das mögliche Schlimmste ist garantiert nicht die Klimaerwärmung. 

Wieso?

Nun, es genügt sich nur nackig in die Sonne zu legen und aufzupassen was mit einem geschieht, wenn sich ’ne Wolke vor’s Zentralgestirn schiebt.

Da muss man nicht mal sein Gehirn einschalten. Der Bauch freut sich nicht, wenn keine Sonne auf ihn scheint.

U. Halbach

***

Gigerenzer, G.
Bauchentscheidungen
Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition
Goldmann Verlag
2008




Angst und Sorge

„Angst, der Dauerzustand der unmündigen Gesellschaft

  • Angst ist eine Grundbefindlichkeit des Menschen.
  • In Ermangelung von lebensbedrohender Angst sucht der Mensch der Industriegesellschaft sich neue Zielobjekte seiner Angst.
  • Paradoxerweise macht der Mensch gerade das zum Gegenstand seiner Ängste, das ihn von lebensbedrohenden Gefahren befreit: die moderne Technik.
  • Die Angst gilt als eine besondere Qualität des Menschseins und wird zur Grundlage der Politik gemacht, die Rationalität bleibt auf der Strecke.

Angst widersteht der Vernunft!

Quelle:

Eilingsfeld, H.
Der sanfte Wahn
Ökologismus total
Süddeutsche Verlagsanstalt Mannheim
1989
(Seite 37)

***

 

 

 




Die Entwertung des Trinkwassers…

…durch Marketing war ja schon öfter ein Thema.

Nun aber ist es heraus, was bislang nur zu vermuten war:

„Leitungswasser gewinnt im Test gegen Mineralwasser“

Zu wenig Mineralien, manchmal sogar Keime: Die Stiftung Warentest hat stille Mineralwässer unter die Lupe genommen und ist wenig begeistert.
Die Verbraucherschützer raten deswegen zu Leitungswasser.

Siehe auch: Flaschenwahn statt Wasserhahn!

Man mag sich fragen, warum Deutschland eine zentrale Trinkwasserversorgung betreibt und bezahlt?

Insofern ist der Verkauf von Trinkwasser in Flaschen in Deutschland nur ausnahmsweise einzusehen. Er gelingt in den vorhandenen Größenordnungen nur durch vorherige Verdummung des Kunden, an der dieser aber oft eine gehörige Portion Mitschuld trägt.

Primäre Schuld für viele Betrugsfälle tragen demnach nicht die Anderen. Vielmehr ist es zumeist die eigene, oft grenzenlose Dummheit gepaart mit mangelhafter Ausbildung in den Grundlagen der Naturwissenschaften.

Und so ist es nicht immer die Raffgier der Anderen, oder charmanter ausgedrückt das Streben nach Gewinn. Hier insbesondere mit den Mitteln des Betruges, welche/s Ursache für sehr viele Fehlentwicklungen, Unglücke und Kriege zu sein scheint.

Schon oft bemühtes Zitat von Reinhard Mey („Sei Wachsam“, auf Leuchtfeuer, 1996).: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: – Halt Du sie dumm, ich halt sie arm.“

Oder um den Punkt zu setzen; Mephisto in Goethes Faust:

Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist werth daß es zu Grunde geht; / Drum besser wär’s daß nichts entstünde.




Frühaufsteher

Sachsen-Anhalt – Das Land der Frühaufsteher

Über diesen Slogan mag so mancher gelächelt haben, weil er diese Anhaltiner nicht kannte. Es ist in der Tat so:  In Sachsen-Anhalt und in den meisten neuen Bundesländern wird früher aufgestanden. Zumal geht hier die Sonne auch früher auf.

Und mit dem Werbespruch möchte man natürlich auch eine gewisse geistige Fitness verbinden.

Das ist nicht weit hergeholt, denn immerhin haben die Ostdeutschen ja eine Diktatur mehr erlebt als ihre westdeutschen Landsleute und merken manches also schneller, auch wenn sie darum kein Getöse machen.

Und so ist es kein Wunder, dass Herr Winfried Kluth, Richter am Landesverfassungsgericht von Sachsen-Anhalt, in einem aktuellen Gutachten korrekt und mutig feststellt:

Die Zulassung von Freiheitsbeschränkungen ohne jede empirische oder fachwissenschaftliche Grundlage ist nichts als ein Deckmantel für schlecht kaschierte Willkür, die vor einer gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung kapituliert.

Und weiter

Das Gericht verkennt und ignoriert mit seiner Vorgehensweise den wissenschaftlichen Meinungsstand und verletzt das rechtsstaatliche Verteilungsprinzip, das für freiheitsbeschränkende Regelungen eine tragfähige sachliche Begründung verlangt

Das erste Zitat habe nicht ich „ausgegraben“. Es stammt aus einer denkwürdigen Kolumne von Maxeiner & Miersch. Diese beiden Autoren steckten  schon häufig ihre Finger ganz tief in die Wunde im deutschen „Ökologie“verständnis.

Und zu recht, denn in keiner Zeit, wie in der heutigen gab es so extrem viele Verbote und Regulatorien.

Weitere Restriktionen gegen den Normalbürger sind wohl geplant und liegen schon in den Schubladen. Komisch ist, dass fast alle lieben Mitmenschen dies toll finden und sich schon auf weitere Verbote freuen.

In vielen Veröffentlichungen wird das Wieselwort „Freiheit“ bemüht und kaum jemand begreift, dass die beschleunigte Zunahme von Verboten und Regulativen eben genau diese schrittweise ausschließt.

Einfachste Dinge, wie z. B. ein Feuerchen anmachen – vor der ökologistischen Ära kein Problem – sind heute in der Regel verboten. Heute schreit sogar jeder Kamin nach einem Feinstaubfilter, um die Sterblichkeit durch Feinstaub in der putzmunteren Nachbarschaft auf die präökologistische Epoche zu reduzieren.

Wir wissen zwar nicht, ob es hilft, aber alle Guten machen mit!

Da ist schon die Frage erlaubt:

Leben wir überhaupt noch in einer Demokratie oder schon in einer Diktatur?

Angesichts der Gesetzesflut ein Neuerervorschlag:

§ 1: Wir verbieten dem Bürger grundsätzlich alles und schaffen alle Gesetze ab.

§2: Das was er noch darf, schreiben wir auf eine DIN A4-Seite

Und schließlich noch ein Analogieschluss:

Wenn

Die Zulassung von Freiheitsbeschränkungen ohne jede empirische oder fachwissenschaftliche Grundlage ist nichts als ein Deckmantel für schlecht kaschierte Willkür, die vor einer gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung kapituliert.

sind dann

Verbote im Umweltrecht ohne jede empirische oder fachwissenschaftliche Grundlage auch ist nichts als ein Deckmantel für schlecht kaschierte Willkür, die vor einer gesellschaftlichen (manipulierten) Mehrheitsmeinung kapituliert?

Lesenswertes, typisches und aufschlussreiches zum Thema „Freiheitsbeschränkungen“:

  • Grüne Männchen sind reine Glaubenssache
    Man könnte grüne Männchen richterlich verbieten lassen – solange nur die Mehrheit daran glaubt. Um wissenschaftliche Fakten geht es schließlich bei den wenigsten Gesetzen.
    Von Dirk Maxeiner und Michael Miersch
  • Schon etwas ältere, aber immer noch aktuelle Denkaufgabe:
    Der Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer sieht im Umweltstrafrecht „Neukriminalisierungen außerhalb eines Täter-Opfer-Bereichs“ sowie eine flächendeckende Vorfeldkriminalisierung, bevorzugt über abstrakte Gefährdungsdelikte.

    Quelle:

    auch von Maxeiner und Mirsch
    Die Zukunft und ihre Feinde – Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
    Eichenbornverlag 2002



Mistbiene

Cristian E.W. Steinberg

Von Mistbienen, Haussperlingen und der EU-Wasserrahmenrichtlinie – eine beabsichtigte Polemik

 

Mistbiene




Konsens ist Nonsens

Klimatisches auf den Punkt gebracht

Ein lesenswerter, krasser Artikel (im positiven Sinne) „Orakel von Delphi“ von Dr. Wolfgang Thüne, Ex-ZDF-Wetterfrosch und Kritiker der Klimakatastrophiker.

  • „Als Meteorologe kenne ich die Tagesgänge und die Jahresgänge des CO2– Gehaltes wie der Temperatur der Luft, weiß ich – das Umweltbundesamt, von dem ich diese Daten habe, weiß es auch sehr wohl -, dass zwischen beiden nicht die geringste kausale Abhängigkeit besteht. Die der Öffentlichkeit vom IPCC präsentierte Korrelation ist in Wirklichkeit eine bewusst in die Irre führen sollende Scheinkorrelation.“
  • „Wer sich der Macht des Gutmenschentums erwehren, die immer offensichtlicher werdende Bevormundung und Reglementierung abwehren, wer nicht in „grünen Fesseln“ (Vaclav Klaus) enden will, der sollte sich in die Materie einlesen, um nicht eines Tages in einer globalen und totalitären „Ökodiktatur“ aufzuwachen. Wer die Klimahoheit hat, hat die Neigungshoheit und damit die Meinungshoheit wie Manipulationsmacht.“
  • „Die Parole vom „CO2-freien Europa“ ist das Dümmste, was die grüne Bewegung bisher propagieren konnte. Doch wo ist der Widerstand?“

„Wird die Wissenschaft zu einer demokratischen Veranstaltung, wo „Naturgesetze“ nach dem Mehrheitsprinzip beschlossen und abgesegnet werden, dann können wir wieder bei René Descartes mit seinem „cogito ergo dubito, ergo sum“ (ich denke, also zweifele ich, also bin ich) und Vater des „analytischen Denkens“ ganz von vorne anfangen.“

 

 




Wiesel-Wörter und Trojaner im Umweltschutz

Was ist ein Wiesel-Wort?

„So wie das kleine Raubtier, das auch wir Wiesel nennen, angeblich aus einem Ei allen Inhalt heraussaugen kann, ohne daß man dies nachher der leeren Schale anmerkt, so sind die Wiesel-Wörter jene, die, wenn man sie einem Wort hinzufügt, dieses Wort jedes Inhalts und jeder Bedeutung berauben.“

Friedrich August von Hayek

Wiesel-Wörter im Umweltschutz sind wertende Präfixe, wie z. B.

  • gut, guter Gewässerzustand (Nur ein Beispiel: Der vermeintlich „gute“ Gewässerzustand führt zu Fischsterben – wegen Verhungern. Was also ist gut an dem extrem teuren Zustand?)
  • öko, Öko-Landbau (Ökologie ist keine wertende Wissenschaft)
  • bio, z. B. Bio-Butter (Biologie ist keine wertende Wissenschaft)

Beispielhafte Begründung:

  • Gewässer sind Biotope.
  • Biotope sind Kategorien der Ökologie.
  • Wenn die Ökologie keine wertende Wissenschaft ist, dann gibt es auch keine guten oder schlechten Gewässerzustände.
  • Die Zustandsbewertungen (öko, bio, klima) sind also subjektiv und willkürlich gewählt. Sie dienen dem Zweck, die Menschen zu bestimmtem Handeln zu zwingen, wobei die Wirkungen häufig am Ziel vorbeischießen und auch höchst kontraproduktiv sein können. Vergleichbar mit einem Rasenmäher, der alles gleich lang absäbelt, wobei der Rasenmähermann seinen  Mäher auch gern über Blumenrabatten lenkt.

Das Erkennen von „Wiesel-Wörtern“ ist neben der Pflege der deutschen Sprachlogik Voraussetzung für das Wahrhaftige und das Konkrete.

Oder nehmen wir Wiesel-Substantive in ihrer Zusammensetzung mit dem Wörtchen „-schutz“

  • -schutz, z. B. Gewässerschutz, Klimaschutz, Umweltschutz

Zugegeben: Es fällt nicht leicht „Wiesel-Wörter“ zu entdecken. Deshalb nicht, weil wir

  1. uns einerseits an sie schon gewöhnt haben,
  2. weil wir uns selten die Zeit nehmen und nachdenken: „Stimmt das eigentlich, was verkündet wird?“,
  3. weil sie wieselflink im Satz neben anderen Wörtern vorbeihuschen – bevor wir sie wahrgenommen haben, sind sie schon wieder weg.

Analysieren wir also das Wort „Gewässerschutz“.

Was soll geschützt werden? Vor wem soll es geschützt werden?

Das Wort ist abstrakt. Unser Handeln dagegen – es soll zielgerichtet sein. Und deshalb muss (sollte) Handeln konkret sein.

Nur mit konkreten Zielen lässt sich eine konkrete Geldverschwendung erkennen bzw. vermeiden.

Haben wir unendliche Ressourcen um uns abstrakte Ziele, wie z. B. den „guten Gewässerzustand“ überhaupt leisten zu können?

Ein Anspruch, der echte Ökologen auf die Palme bringt…

Die Zustandsbeschreibung „guter Gewässerzustand“ ist so kompliziert zu fassen, dass man wenigstens Wasserbiologie studiert haben sollte, um zu ahnen, was der Gesetzgeber meint zu wollen und um zu verstehen, dass solche Anforderungen widersinnig sind.

Kein Wunder, dass es Verwaltungsrechtlern schwer fällt, mit abstrakten Prämissen in einer konkreten Situation auch konkrete Urteile zu fällen (wenn es überhaupt mit logischen Methoden sicher möglich ist).

Wir wissen nicht mehr was wir tun und haben – weil wir im Geld schwimmen – verlernt, uns auf Schwerpunkte zu konzentrieren.

Das soll keineswegs bedeuten, dass alles, was unter der Überschrift „Gewässerschutz“ passiert, widersinnig und unnötig ist.

Aber dogmatisches, abstraktes Schützen führt z. B. zu Fischarmut.

Kritik und Wiederwort lenkt unser Denken auf versteckte oder getarnte Reserven und die liegen überwiegend in unseren Vorschriften zumeist von vorgestern, die wirklich effiziente Innovationen verbieten.

Ein weiteres Beispiel: Es ist verboten, die Selbstreinigung und die biologischen Prozesse im Gewässer für wasserwirtschaftliche Maßnahmen auszunutzen.

Verboten ist, was in der Medizin erlaubt ist:  Reduzieren der Dosis durch Verdünnung oder ganzheitliches Denken.

Ein Schiffer, der auf der Elbe stromabwärts fährt, drosselt seinen Diesel. Fährt er stromaufwärts, gibt er Gas.

Und wenn es im Büro stinkt, dann darf ohne Aktivkohleluftfilter gelüftet werden.

Kläranlagenbetreiber dürfen nicht so vernünftig handeln.

Sie müssen Energie verschwenden, denn sie sind dazu gesetzlich gezwungen.

Ob es nötig ist, fragt der Gesetzgeber nicht.

Müssen z. B. kommunale Kläranlagen im Winter,

  • wo es temperaturbedingt im Gewässer kaum eine Sauerstoffzehrung gibt,
  • wo die Sauerstoffsättigungskonzentration höher als im Sommer ist,
  • wo die Sauerstoffeintragsgeschwindigkeit größer als im Sommer ist und
  • wo die Energie besonders knapp ist,
  • wo zunehmend mehr Menschen frieren, weil sie sich keine Heizung leisten können, auch weil der Strompreis unwirtschaftliche Energiearten stützen muss

im Ablauf einen BSB5 von z. B. 25 mg/l oder gar 3 mg/l (der im warmen Labor bei  20 °C gemessen wurde) gewährleisten?

Die Welt als Wille und Vorstellung. (Foto: Wikipedia)

Nach der folgenden Tabelle hat ein Ablauf-BSB5 von z. B. 20 mg/l , der – wie üblich – im Labor bei angenehmen 20 °C  gemessen wird, bei einer Temperatur im Gewässer von nur 5 °C eine Zehrung, die einem BSB5 von 9 mg/l entspricht.

Denken Sie nach:

Es gibt noch mehr Beispiele im Gewässerschutz, bei denen Gerichte über Beträge urteilen müssen, die im Labor gemessen wurden und die nicht auf die Natur übertragbar sind.

Man urteilt über Vorstellungen, weil der Wille des Gesetzgebers mitunter dazu zwingt.

Preiswerter und effizienter wäre es, die objektive Realität zu erforschen und zu bewerten.

Wenn also Kläranlagen (auch große) bei einer Wassertemperatur im Gewässer von 5 °C im Ablauf einen BSB5 von 40 mg/l fahren, dann geht davon die Welt nicht unter. Im Winter, wenn jede Kilowattstunde gebraucht wird, dann leisten wir uns den Luxus und verschwenden Energie in einem Umfang, als hätten wir unendliche Ressourcen.

Ich bin überzeugt, wir werden Gesetze im Gewässerschutz noch drastisch ändern müssen. Dann nämlich, wenn die Energiekosten weiter steigen.

Momentan ist die Energie einfach noch zu billig, um heilige Kühe zu schlachten.

Das heißt, wir steuern also unsere Kläranlagen – weil es verwaltungsrechtlich bequem ist – nach einem Parameter, der unter weltfremden Bedingungen gemessen wurde und ohne Weiteres nicht auf die tatsächlichen Verhältnisse in der Natur übertragbar ist. Damit sind wir wiedermal bei dem deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788–1860):

Die Welt als Wille und Vorstellung.“

Das ist unter Experten profanes Wissen.

Aber ist es auch wirklich gut so?

Temperaturabhängige BSB-Äquivalenz

Bei den unnötig hohen und starren Kläranlagengrenzwerten liegen unsere eigentlichen Reserven bei der Energieeinsparung.

Es mag weh tun, aber die Wasserwirtschaft der DDR war deutlich wasserwirtschaftlicher.

Nicht weil sie besser war, sondern zwangsläufig, weil Geld für Gewässerschutz knapp war.

Ich will es nicht erörtern, ob der Realitätsverlust im Wasserrecht von Anfang an gewollt war.

Gewässerschutz ist also ein Wiesel-Wort, weil es – so wie es da steht und geübt wird – ohne Inhalt ist. Jeder kann es beliebig füllen, solange die Widersprüche nicht allzu offensichtlich werden. Selbst der naheliegende Schutz der Gewässer vor Schwermetallen ist ein Wiesel-Imperativ, weil dieser nicht hinreichend konkret ist. Konkret wird es dann, wenn z. B. die tatsächlich notwendige Grenzkonzentration im Gewässer bewiesen und genannt wird. Bis dahin ist alles zumeist vorsorglich, gut gemeint, beliebig und willkürlich.

Auch die Klimatologie ist keine wertende Wissenschaft. Analog ist der Klimaschutz ein „Wiesel-Wort“. Aber das nur am Rande.

Trojaner

Eher keine Wiesel-Wörter im Umweltschutz, sondern ein Trojaner in klassischer Analogie sind Adjektive, wie z. B.

  • erneuerbar, insbesondere im Zusammenhang mit Energie.

Wer sich diesen Trojaner in sein Gehirn zieht, wie einst die Trojaner das Pferd, das die feindlichen Griechen damals für sie bastelten, der verseucht sich mit „erneuerbaren“ industriellen und wirtschaftspolitischen Viren, verlernt schnell das präzise Denken und handelt quasi freiwillig, so wie es die Viren erzwingen. Am Rande sei bemerkt, dass die Wirtschaftspolitik, die von der scheinbaren Erneuerbarkeit profitiert, die Mehrzahl ihrer  anderen Wirtschaftsbereiche schwer schädigt, weil sie durch unnötige Kosten deren Wettbewerbsfähigkeit senkt. An sich ist es auch ein interner Wirtschaftskrieg einer Unternehmensgruppe gegen eine andere und das innerhalb eines Landes.

Wie erneuert man etwas Altes?

Hier handelt es sich wohl um die gleiche Ausdrucksschwäche wie bei solchen  Wortschöpfungen, wie „Bedachungsfirma“, „Getränkeabholmarkt“ oder trefflicher „Neueröffnung“.

Aus dieser Ecke kommt offensichtlich das erneuerbare „Optimalste“.

Dabei stellt sich die Frage, ob der Gedanke von der Erneuerbarkeit nicht sowieso einem eher schwächlichen Sinn entspringt?

Kann man überhaupt etwas erneuern?

Geht es neuer als neu?

Ein Mensch, der gerade geboren wird, ist neu.

Wie erneuere ich aber einen Menschen?

Oder eine Maschine, die gerade gebaut wird. Wie erneuert man eine alte Maschine? Man kann sie durch eine neue Maschine ersetzen, aber dadurch wird die alte doch nicht neu oder neuer.

Abgesehen davon ist erneuerbare Energie physikalisch gesehen nicht erneuerbar, denn sonst wäre ein System mit erneuerbarer Energie ein unmögliches Perpetuum mobile. Ob die Erfinder der Wortschöpfung der Erneuerbarkeit in der Schule das Fach Physik abwählten, soll nicht weiter erörtert werden. Im gewissen Sinne steckt aber doch eine Genialität hinter der wirtschaftspolitischen Doktrin von der Energieerneuerbarkeit. Auch wenn das „erneuerte“ Perpetuum mobile keine Energie erneuert, die man gewinnbringend verkaufen kann. So wurde doch auf jeden Fall ein Goldesel erfunden, aus dem mehr Geld kommt, als beim Betrieb eines Perpetuum mobile zu erwarten wäre.

Und das Geld fließt, ohne dass man welches hineinstecken muss (von einer Startinvestition, die andere bezahlen, mal abgesehen).

Auch toll!

Ein Wiesel ist ein Raubtier

Markant:  Alles – wie auch das Entdecken von Wiesel-Wörtern – kann verletzend und unbequem sein.

Je nachdem.

Verletzend, aber eher als heilendes Skalpell in der Hand eines Chirurgen und weniger als Fallbeil.

Präzision im Ausdruck ist der Anspruch

Dirk Friedrich:

Konfuzius soll gesagt haben: „Wenn die Sprache nicht stimmt, dann ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist. Ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen keine guten Werke zustande. Kommen keine guten Werke zustande, so gedeihen Kunst und Moral nicht. Gedeihen Kunst und Moral nicht, so trifft die Justiz nicht. Trifft die Justiz nicht, so weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen. Also dulde man keine Willkürlichkeit in den Worten. Das ist es, worauf es ankommt.“

In diesem Sinne: Achten wir auf einen präzisen Ausdruck!

Bzw. versuchen wir wenigstens den Erkenntnisprozess der Präzision mittels der deutschen Sprache.

Der Weg ist das Ziel, denn wer erreicht schon die Perfektion!

Initiator  für dieses Wieselthema war übrigens der scharfsinnige Aufsatz von Dirk Friedrich:

Von den Lügenwörtern: Die Wahrheit der Sprache als Bedingung von Recht und Freiheit

Die „Wiesel-„Aufzählungen sind unvollständig.

Kein Problem  für den Leser, der diese Aufzählungen ergänzen, präzisieren, bestreiten oder diskutieren möchte.




Die es gut meinen, das sind die schlimmsten…

…meinte Philippus Theophrastus Paracelsus

und das meine auch ich, insbesondere nach dem Lesen mancherlei Literatur, z. B. über die wissenschaftliche Ökologie.

Martin Johannes Grannenfeld hat die aktuelle „Unwort-des-Jahres-Show“ auf’s Korn genommen:

„Und jetzt geht’s los: „Gutmensch“. Ah wie originell. Zwar gibt die Jury zu, dass es den Begriff schon seit 20 Jahren gibt. Allerdings geistere er in jüngster Zeit vermehrt durch das, haltdichfest – Internet: Dort werde nämlich mit diesem Ausdruck regelmäßig „das ethische Ideal des ‚guten Menschen’ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch [widerspreche] Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationaler Diskussion gehören.“  Das ist kaum zu toppen an Schmierigkeit, Falschheit und Selbstgerechtigkeit. Wo anfangen bei all den Fehlern und Verzerrungen?“

Siehe dazu die komplette Bewertung des Gutmenschen: „Unworte des Jahres 2011: Demokratische Sprachoffensive  von Martin Johannes Grannenfeld

Lesenswert und aufschlussreich!

…und ferner Zitate über Gutmenschen.




Methoden einer Kampagne

Die Vorstellung

„Da wird schon wieder eine Sau durch’s  Dorf getrieben…“

drängt sich in dem Maße häufiger auf, wie man die Medien beobachtet.

Nicht was sie berichten, sondern wie sie manche ihrer Nachrichten methodisch vortragen , soll im Blickpunkt des Interesses stehen.

Auch Berichte über die Umwelt – ich vermeide den Begriff  „Umweltschutz“ – werden mitunter strategisch bestens vorbereitet.

Und so mag es auch kein Zufall gewesen sein, dass z. B. Meldungen über Uran im Trinkwasser im August 2008 ihren Höhepunkt erreichten, als die Geschäftsführer der Trinkwasserversorger sich gerade sonnten und auch ihre Kunden im Urlaub waren. Der beste Zeitpunkt, den Bürger aus seinem Dämmerschlaf zu wecken und seine Meinung etwas zu kneten.

Bestens war gesichert, dass die Nachricht die Aktiven und Passiven gleichermaßen erschreckte.  Zuvor hatte man in den USA den Urangrenzwert wegen Unbedenklichkeit von 20 Mikrogramm auf 30 Mikrogramm erhöht. In Kampagnen sind sachliche Argumente aber nur störend, denn es geht nie um die Sache, sondern nur um Macht bzw. um das Geschäft.

Der Leser von Horrornachrichten konzentriert sich in aller Regel auf den Inhalt der Schreckensmeldungen und lässt sich wollüstig gruseln. Für die Methoden der Nachrichtenkampagne hat er weniger einen Blick.

Das sollte er aber. Hätte er diesen nämlich, dann würde die Nachricht ihr Ziel verfehlen, denn:

Wer die Mechanik einer Geisterbahn kennt, hat keine Angst!

Und die Kampagne wäre entwertet.

Wie es bei der Rente eine vor- und nachschüssige Zahlung gibt, ist es auch bei dem Horror so. Richtet man sich nach Horrormeldungen in den Nachrichten, dann zahlt man diese recht wahrscheinlich nachschüssig. Besucht man dagegen einen Gruselfilm im Kino, dann wird es viel billiger.  Dann nämlich zahlt man vorschüssig und man kennt den Preis. Die scheinbar kostenlosen Horrormeldungen in den Nachrichten sind allerdings um ein Vielfaches einträglicher, wenn man sich z. B. nur nach den Klimahorrormeldungen richtet. Das kostet nachschüssig und da zahlen noch unsere Enkel für unseren Horrorgenuss, sofern man welche hat. Aber ich vergesse immer meine volkswirtschaftliche Ausbildung: Es kommt nicht darauf an, ob der Staat etwas Vernünftiges mit seinem Geld anstellt. Geld muss ausgegeben werden.

Interessant ist nun, dass es tatsächlich raffinierte Methoden zur Gestaltung erfolgreicher Pressekampagnen gibt und es ist reizvoll mit diesem Wissen die täglichen Nachrichten daraufhin retrospektiv zu bewerten.

Zudem dienen derartige Methoden bekanntlich der Marktgestaltung und erfreuen sich damit auch unternehmerischen Interesses.

Malte Lehming hat in den Potsdamer Nachrichten einen Beitrag „Wie ein Skandal gemacht wird“ veröffentlicht.

In diesem Artikel spielt die der Murdoch-Gruppe zugeschriebenen Anleitung mit dem Titel „The Making of a Scandal“ eine Rolle.

Hier eine kleine Auswahl von in Redaktionen zumeist bekannten Ratschlägen zur professionellen Gestaltung von Skandalen und Kampagnen, die in dem der Wasserwirtschaft zugeneigten Leser bestimmte Erinnerungen wecken dürften:

  • „Falls Du keine Enthüllungs-Konkurrenz befürchten musst, warte mit der Veröffentlichung auf eine nachrichtenarme Zeit. Gut ist der Beginn der Sommerferien, perfekt die Weihnachtszeit. Mangels anderer Themen gibt es hier die größtmögliche Resonanz.
  • Verschieß’ Dein Pulver nicht gleich beim ersten Mal. Strecke und dosiere die Geschichte so, dass der Leser das Gefühl bekommt, er habe erst die Spitze des Eisbergs gesehen. Das erzeugt Neugier und garantiert eine längere Haltbarkeit.
  • Ideal ist, wenn sich der Angegriffene zum Zeitpunkt der Lancierung auf Urlaub oder Dienstreise befindet. Dann kann er sich nicht unmittelbar zur Wehr setzen, sondern hinkt dem Skandal hinterher, der dadurch eine Eigendynamik bekommt.
  • Suche Komplizen! Ein einzelnes Medium ist für eine Kampagne zu schwach. Füttere also die Konkurrenz recht bald mit Exklusiv-Informationen, damit sie in die Geschichte einsteigt. Ohne andere willige Vollstrecker – insbesondere auch in den elektronischen Medien – laufen Affären schnell leer.“

Quelle: Wie ein Skandal gemacht wird von Malte Lehming

Vielleicht schließlich:

Nachrichten sind kaum noch Meldungen, nach denen man sich richten sollte!




Mit der CO2-Politik vergeuden wir nur Ressourcen!

…und das ist gut so!?

Literaturauszug:

„Unzureichende Faktenkenntnisse

Diejenigen, die der „Klimahysterie“ – wie der Titel eines 2011 erschienenen Buchs des Münchner Naturwissenschaftlers Josef H. Reichholf lautet – verfallen sind, wissen schon allein über elementare Fakten oft nicht Bescheid: In der Atmosphäre befinden sich derzeit 0,038 Prozent CO2; davon produziert die Natur gut 96 Prozent, die restlichen vier Prozent gehen auf das Konto des Menschen.

Der Anteil Deutschlands am globalen CO2-Ausstoß liegt bei 3,1 Prozent. Somit stammen 0,00004712 Prozent des menschenverursachten Luft-CO2 aus Deutschland.

Dieser Wert legt nahe, dass der Anspruch deutscher Politiker, Vorreiter bei der CO2-Einschränkung zu sein, ziemlich anmaßend ist. Diese Führungsrolle kostet aber die Deutschen an Steuern und sonstigen Belastungen jährlich mehr als 50 Milliarden Euro.“

Quelle: Klimafrontbericht: Profiteure der Hysterie
von Franz Kromka

Kommentar:

Was wird wohl in der Natur geschehen, wenn es uns tatsächlich gelänge die 0,00004712 Prozent des menschenverursachten Luft-CO2 aus Deutschland auf Null zu reduzieren?

Diese Zahl muss man sich erst einmal vorstellen, um ihren Einfluss vorstellen zu können:

0,00004712 Prozent sind erst einmal aufgerundet 0,00005 Prozent oder 5 dividiert durch 10 Millionen oder 0,00005 Prozent multipliziert mit 10.000 = 0,5 ppm, d. h. 0,5 Millionstel oder 5 Teile CO2 in 10 Millionen Teilen Luft.

Und um diese 0,5 Millionstel etwas zu senken, gibt Deutschland 50 Milliarden € aus.

Naja, wenigstens stimmt die „5“ ungefähr.

Ein Effekt wird nicht garantiert!

Die folgende Tabelle veranschaulicht die Proportionen.
(5E-07 = 5 dividiert durch 10 Millionen und 5E-1 = 0,5 ppm, 1 % = 10.000 ppm)

Was wird geschehen, wenn ein deutscher Biertrinker beschließt, zum Wohle Deutschlands, zum Wohle der Menschheit, zum eigenen Wohle oder auch zum Wohle des Klimas täglich 0,5 Millionstel Bier weniger zu trinken?

Wird man eine Wirkung messen können?

Tja, und dann gibt es ja noch das Naturgesetz vom Umschlag in eine andere Qualität durch quantitative Änderungen, d. h. ist das Quantum überhaupt hinreichend groß, um eine neue oder andere Qualität zu gewährleisten?

Hat das schon einmal jemand untersucht, bevor dieser globale Großversuch gestartet wurde?

Wie hoch ist die gemessene Wahrscheinlichkeit, dass 4 % von 0,038 %, dass  also 0,00152 % global gemenscheltes CO2 zu einem Effekt führen?

Und wer haftet für die Klimaprognosen, wenn sie nicht zutreffen?

Niemand, denn wer ist schon so blöd für Prognosen zu haften?

Die positiven planwirtschaftlichen Motive der Klimapolitik liegen auf der Hand:  Entwertung des Spar- und Leistungsvermögens der Massen durch die Umwandlung ihrer Dummheit in nutzlose Scheinwerte. Finanziell gleichwertige Alternativen zur Klimapolitik wären dagegen nicht so glücklich: Kriege, wesentlich höhere Arbeitslosigkeit, Senkung der Umsatzsteuer…

Erstaunlich ist auch, dass die tatsächliche Größenordnung der CO2-Senkung (0,5 Millionstel) verschwiegen wird.

Und das ist gut so, denn sonst könnte ja jedes Milchmädchen selber nachrechnen.

U.H.




Panik?!

Saalekreis
Krebsgefahr im Grundwasser

„Im Grundwasser sind erhöhte Konzentrationen von PFT festgestellt worden. Die chemische Verbindung – perfluorierte Tenside – gilt als Krebs erregend.“

Kommentar:

???

Allerdings ist dem Artikel nicht zu entnehmen – man möchte noch das Wort „natürlich“ hinzufügen – ob die Ängste tatsächlich berechtigt sind.

Hier muss man wissen, dass nicht nur die deutschen Grenzwerte schon seit langem kein Maßstab oder ein Beweis für irgendwelche konkreten Gefährdungen oder Besorgnisse sind.

Maßstab ist in der Regel allein das Leistungsvermögen moderner Reinigungsverfahren.

Die Definition des „Standes der Technik“ enthält zwar auch wirtschaftliche Aspekte, aus denen man sogar auch einen hinreichenden Nutzensnachweis ableiten könnte.

Das ist aber eher eine Theorie.

Die Praxis sieht anders aus.




Bestätigung vorgefasster Meinungen ein Schwerpunkt der Klimaforschung

Angus Millar Vortrag bei der Royal Society of the Arts
Edinburgh, 31. Oktober 2011

Zitat aus dem Vortag „Matt Ridley über Wissenschafts-Ketzerei“ (sehr lesenswert):

„Zusammenfassend möchte ich sagen,

dass ich eine Menge Zeit mit dem Thema Klima zugebracht habe.

Ich hätte mich auch damit befassen können, welche Fette gesund sind oder ob die Gene oder die Umwelt den Charakter eines Menschen prägen.

Mein Hauptargument ist, dass ähnlich wie in der Religion, die institutionalisierte Wissenschaft heute und in allen Zeiten von der Verlockung heimgesucht wird, eine bereits vorgefasste Meinung zu bestätigen.

Mit erschreckender Leichtigkeit verwandelt sie sich in Pseudowissenschaft, selbst dann – oder gerade wenn – sie sich in der Hand von einer Expertenelite befindet.

Das passiert im speziellen bei Zukunftsvorhersagen und wenn ein Übermaß an Förderung vorhanden ist.

Wissenschaft braucht Ketzer.

Ich danke Ihnen vielmals für Ihre Aufmerksamkeit.

Matt Ridley“

***

Matt Ridley ist ein britischer Zoologe und Autor populärwissenschaftlicher Bücher.

Ein weiteres Zitat von ihm: Klimapolitik




Ökodiktatur

.

Ein Blick aus Heidelberg über die Schweiz auf Deutschland

Einige Auszüge aus der NZZ Online vom 19. September 2011:

Paternalismus und Ökodiktatur

Autor: Ulrike Ackermann

  • Die Grenzen der Wirksamkeit des Staates sind offensichtlich, und doch herrscht eine Staatsgläubigkeit wie schon lange nicht mehr
  • Obwohl der Staat viele der Probleme mitverursacht hat, die uns heute bedrängen, soll er es sein, der uns aus der Krise herausführt.
  • Wer solches fordert, nimmt mehr zentrale Planung, Egalisierung und Vereinheitlichung in Kauf. Dabei waren es Privatinitiative, Freiheit und Demokratie, die uns den Wohlstand gebracht haben.

Inzwischen erlaubt sich der Staat immer mehr Übergriffe auf ihr privates Leben. Verbote und Vorschriften haben aber die Neigung gleichzumachen. Denn keiner soll aus der Reihe tanzen. Doch Paternalismus und Egalitarismus sind Zwillingsbrüder und beschneiden die Handlungsfreiheit und die Entfaltungsmöglichkeiten der Individuen. Mündigkeit des einzelnen Bürgers kann sich so kaum entfalten.

  • „Paternalismus, Egalitarismus und Etatismus sind Restbestände linker wie rechter Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts, mit denen wir offensichtlich bis heute zu kämpfen haben. Gemeinsam ist ihnen, die Menschen erziehen und sie, wenn nötig, zu ihrem Glück zwingen zu wollen. In modernem Gewande, verbunden mit Kapitalismus- und Wachstumskritik, ist die Ökologie die neue Heilslehre geworden, die erlösen soll von allen Übeln und an der die Menschheit genesen soll. Denn die Natur ist ja gut, und der Mensch ist schlecht. Eine interessante Mischung aus Wertkonservatismus, Ökologie, Askese und Skepsis gegenüber dem Fortschritt und der Moderne zeichnet die Grüne Partei aus. Ihr «Ö» für Ökologie ist gewissermassen das säkularisierte «C» der christlichen Parteien. Inzwischen ist dieser Öko-Egalitarismus, verbunden mit einem Misstrauen in den Markt, in Deutschland Bestandteil des Mainstream geworden.“
  • „Das Gegenteil von Paternalismus sind Selbstverantwortung, Eigensinn und Selbstsorge, aus denen neues Selbstvertrauen, Stolz und Würde und damit neue Lebensqualität für den einzelnen Bürger wie auch für Staaten erwachsen können. All dies sind Voraussetzungen, um die Freiheit zu entfalten, neue Freiräume zu entdecken und sie auszuloten auf dem Weg zu Mündigkeit und Selbstbestimmung. Die Verstaatlichung der Verantwortung entsolidarisiert hingegen die Gesellschaft.

Kommentar:

Wir haben uns schon so an die Verstaatlichung der Verantwortung gewöhnt, dass sie uns kaum auffällt.  Munter wird Jener, der versucht die Verantwortung für sein eigenes Leben wieder in seine eigenen Hände zu nehmen. Er wird feststellen, dass er dazu Deutschland verlassen muss.

Der Beitrag erhält eine besondere Wertung, wenn man die Kompetenzen der Autorin zur Kenntnis nimmt: Frau Prof. Dr. Ulrike Ackermann ist Direktorin des John-Stuart-Mill-Instituts für Freiheitsforschung an der Hochschule Heidelberg.

U.H.

***

(Paternalismus = Bestreben, andere zu bevormunden.

Egalitarismus = Lehre von der sozialen, rechtlichen und politischen Gleichheit der Menschen)

 

 




Biostrom, nein danke!

Die Zerstörung unsere Heimat durch „Bio“ und „Öko“

Biostrom, nein danke!

„Die meisten Biogasanlagen belasten die Umwelt deutlich mehr, als sie ihr nutzen. Sie zerstören die Artenvielfalt, schädigen Gewässer und das Klima.“

„Viele der Biogasanlagen liegen in oder neben Naturschutzgebieten. Das ist erlaubt. Landwirtschaft ist in Biosphärenreservaten, Vogelschutzgebieten und Lebensräumen nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) willkommen, solange sie im Einklang mit der Natur betrieben wird. Doch weil die Milch von Weidekühen kaum mehr Gewinne bringt, satteln Landwirte um und erzeugen lieber Biostrom. Wenn sie ihn einspeisen, bekommen sie dafür eine hohe Vergütung, garantiert auf 20 Jahre. Und jeder Stromkunde finanziert gemäß dem gerade renovierten Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) die fortschreitende Industrialisierung der Landschaft mit.“

  • Zerstörung der Artenvielfalt
  • Monokulturen gefährden zahlreiche Vogelarten
  • Belastung der Umwelt

 

 




Die Umkehr der Beweislast

Nicht nur beim „Umweltschutz“ gilt das „unmenschliche“ Prinzip der Umkehr der Beweislast.

Dem Artikel der „Zeit-Online “ Was der Richter nicht kennt, erlaubt er nicht vom 07.09.2011 ist zu entnehmen:

„Solange eine Firma wie Monsanto nicht nachweist, dass ihre Genpflanzen oder deren Nebenprodukte auch als Lebensmittel harmlos sind, darf kein noch so winziges Molekül davon in einem Lebensmittel enthalten sein. Null-Toleranz heißt die Leitlinie, an die sich auch Europas höchstes Gericht hält. Was der Richter nicht kennt, erlaubt er nicht. Und das ist gut so.

Aber das ist nicht gut so, sondern wohl etwas entartet. Entartet deshalb, weil das Dogma der Umkehr der Beweislast ein fortschrittsfeindliches, verlogenes und unmenschliches Prinzip – um es sehr vorsichtig zu formulieren – zu sein scheint.

Dem Argument, die Umkehr der Beweislast sei üblich, steht entgegen: Allein, weil die Umkehr der Beweislast sich aus dem Mittelalter in mancherlei heutige Gesetze, in  manches menschliche Denken und Handeln herüber gerettet hat, muss die Umkehr der Beweislast deshalb nicht hilfreich, gut und edel sein.

Unmenschlich[1] und verlogen ist die Umkehr der Beweislast auch deshalb, weil die Genetik einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit und Ernährung der Menschen leisten kann, dies aber vom Gesetzgeber in diesem Fall gezielt verhindert wird. Damit entsteht der Menschheit ein Schaden. Die Verlogenheit resultiert auch aus der Ignoranz der Vorteile der Genetik.

Auch sind nicht die Richter zu verurteilen, weil sie der gesetzlichen Vorschrift der Umkehr der Beweislast folgten, sondern ausschließlich die Ökologisten sind die Verursacher, denen es in ihrer listigen Weise  gelang, ihre Sonderinteressen (derlei unmenschliche Prinzipien und die Umsetzung ihrer totalitären Ideologie) in allgemeingültige demokratische Gesetze zu kleiden, nach denen Richter zu entscheiden haben. Insofern zeugt die Schlagzeile „Was der Richter nicht kennt, erlaubt er nicht“ für wenig Kenntnis von diesen Zusammenhängen.

Auch gab es in der Geschichte der Menschheit noch keinen einzigen dokumentierten Fall, bei dem die Menschen eine Entwicklung unterließen, nur weil diese einer kleinen Gruppe als zu gefährlich erschien. Dem Fortschritt gelang es am Ende immer, die Gefahren hinreichend zu beherrschen. Nur deshalb haben wir heute zunehmend Zeit solchen Nonsens, wie z. B. die Umkehr der Beweislast zu kultivieren. Es ist schon außergewöhnlich naiv und weltfremd zu denken, man könne die Wissenschaft und den Fortschritt weichspülen. Fast alle Wissenschaft dient dem Kommerz. Und der Kommerz sucht sich – mit seiner Wissenschaft – reflektorisch die besten Bedingungen. Verschlechtern sich diese in Deutschland, dann gute Nacht liebes Deutschland!

Die Umkehr einer Beweislast hat auch nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Um das zu verstehen mag der Leser sich vorstellen, er soll lebendigen Leibes verbrannt werden, nur deshalb, weil es ihm nicht gelang, zu beweisen, dass er kein Hexer sei.

Und das soll gut so sein?

Die abschließende Bewertung des Zitates aus dem Artikel der Welt zu Anfang dieses Aufsatzes „Und das ist gut so.“ ist Indiz der Parteilichkeit des Redakteurs, da er bewertet und den Rahmen einer Tatsachendokumentation verlässt. Er nimmt dem Leser das selber Denken, selber Urteilen und die eigene Meinung ab.

In der Verhinderung des Fortschrittes kostet der Ökologismus endlich Menschenleben (nicht unbedingt immer in Deutschland) und uns allen Milliarden unseres Vermögens.

Der Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer sieht im Umweltstrafrecht „Neukriminalisierungen außerhalb eines Täter-Opfer-Bereichs“ sowie eine flächendeckende Vorfeldkriminalisierung, bevorzugt über abstrakte Gefährdungsdelikte.[2]

Warum die anderen Parteien überhaupt derlei Unfug, wie die Umkehr der Beweislast zuließen und heute immer noch zulassen, darüber mag man debattieren.

Für ein Land, das nichts weiter zu exportieren hat, als kluge Ideen und technischen Fortschritt, ist die Umkehr der Beweislast – um es mal ganz vorsichtig auszudrücken – außergewöhnlich dumm und entartet. Man könnte meinen, diese Idee von der Umkehr der Beweislast wurde von Personen eingeführt, die Deutschlands wirtschaftliche Erfolge minimieren oder verhindern wollen. Mit einem satten Bauch und einem geheizten Wohnzimmer lässt sich gut moralisieren.

Hanlons Rasiermesser

„Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.“

schneidet deshalb hier eher nicht zu Gunsten der Dummheit. Weshalb man dies annehmen könnte, wäre auch manche Überlegung wert, die ich aber anderen überlasse.

Und fast schließlich noch etwas Nachdenkenswertes von Nicolás Gómez Dávila:

„Die Demokratie hat den Terror als Mittel und den Totalitarismus als Zweck.“

Soll es das also wirklich gewesen sein?

Nach Platon durchaus, denn er sieht in der hochwohllöblichen Demokratie schlicht nur eine entartete[3] Verfassung[4]. So gesehen, ist die auf Sonderinteressen beruhende Umkehr der Beweislast Merkmal der Entartung der Verfassung eines Volkes und zugleich als Entartung an sich ein Wesensmerkmal jeder Demokratie. Das Abschaffen von Sonderinteressen, bedeutet letztlich die Demokratie abzuschaffen.

Damit schließt der Kreis und es stellt sich nun die Frage, warum man für Wissenschaft und Bildung überhaupt Geld ausgibt, wenn Sonderinteressen Leben und Land demokratisch und totalitär zugleich diktieren und den Fortschritt erfolgreich verhindern wollen?

Wer noch mehr Indizien von Entartungen der demokratischen Verfassung für seine Meinungsbildung benötigt, mag im Archiv der Novo-Argumente stöbern.


[1] Wird es recht bedacht, so erscheint das Attribut „unmenschlich“ widersprüchlich, da doch gerade die Unmenschlichkeit eine Tatsache und eine wesentliche Eigenschaft des Menschen ist. Kann also ein Mensch unmenschlich sein? Oder ist er im Grunde immer nur natürlich? Bei der Wertung kommt es wohl zunächst auf die Entscheidung über die zwei Prämissen an, ob der Mensch zur Natur gehört oder nicht. Und da scheiden sich schon die Geister. Nun ich denke, der Mensch ist mit all seinen Mängeln, auch mit seinem z. T. unmenschlichen Wesen immer ein Teil der Natur. Die Natur hat ihn hervorgebracht, er lebt in der Natur und unbedingt von der Natur. Wieso also soll er etwas anderes als natürlich sein?

[2] Vergleiche auch: Maxeiner und Mirsch, Die Zukunft und ihre Feinde – Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen, Eichenbornverlag 2002

[3] an Sonderinteressen orientiert

[4] Röd, W. , Kleine Geschichte der antiken Philosophie, Beck’sche Reihe 4018, Limitierte Sonderauflage 1998, Seite 247




Klima und Wasserwirtschaft

Das Klima ist bekanntlich ein schwer zu modellierendes, chaotisches System.

Langfristige Wahrsagungen von Klimazuständen sind nicht möglich.

Es ist nicht bewiesen, d. h. es ist mehr oder weniger unsicher:

  1. dass der Mensch die Klimaänderung verursacht hat,
  2. dass der Mensch das Klima zu ändern vermag,
  3. ob es eine Erwärmung geben könnte,
  4. oder ob es eine Abkühlung gibt,
  5. oder in welcher Reihenfolge sich das Klima ändern könnte,
  6. wie lange es dauern könnte, bis das Klima sich ändert.

Man muss kein Klimatologe sein, um logische Fehler in der üblichen Klimaargumentation zu entdecken, weil klimatologische Argumentationen in die Zukunft zumeist auf induktiven Beweisführungen beruhen und damit mehr oder weniger wahrscheinliche Prognosen sind.

Es handelt sich dabei zumeist um ein hinterlistiges und nicht rechtzeitig beweisbares Hypothesenkonstrukt.

Im Internet wird u. a. der Nonsens manchen Klimaglaubens zunehmend herausgearbeitet.

Ein Lehrbeispiel für die Entlarfung von Trugschlüssen liefert http://www.science-skeptical.de. Zur Veranschaulichung  kann dabei z. B. folgende Metapher dienen:

„Sie gehen zu sechs Ärzten und fünf davon teilen Ihnen mit, man müsse Ihnen sofort den Arm amputieren, anderenfalls könnten Sie ihn sich in 50 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% brechen.“

Wie würden Sie sich wohl verhalten?

Ausgewähltes zur aktuellen Klimadebatte unter Pro und Kontra, die ja auch Wasserwirtschaftler interessieren könnten.

Ich glaube, dass bei der Klimaänderung das CO2 keine wesentliche Rolle spielt, weil der Einfluss der Wolken für mich plausibler ist, als die ca. 100 Millionstel CO2 zusätzlich in der Luft.

***

Pro CO2:

„Natürlich“ hat die Sonne überhaupt keinen Einfluss auf das Klima: Schwankende Sonnenaktivität ändert Erd-Temperatur kaum Schwankende Sonnenaktivität ändert Erd-Temperatur kaum. Schwankende Sonnenaktivitäten haben nach neuen Erkenntnissen des Wissenschaftlers Georg Feulner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) kaum Auswirkungen auf das irdische Klima.

Kontra CO2:

Warum löst sich die Klimakanzlerin in Luft auf?

Die Klimakanzlerin löst sich in Luft auf!

 




Die Moral als fragwürdiges Kriterium einer Bewertung

Nach welchen grundsätzlichen Kriterien soll, kann oder darf man heute leidenschaftslos fachlich urteilen?

Varianten:

  1. Allgemein anerkannte Moralen
  2. Moralen einflussreicher Ideologien?
  3. Moral, die für das Geschäft ist?
  4. Moral, die gut für das beste Gewissen ist?
    (Wer und was bestimmt ein bestes Gewissen?)
  5. Nach bestem Wissen?
    (Sofern das beste Wissen nicht im Widerspruch zu den verbindlichen Moralen steht
    bzw. zu der Moral jener, die die Definitionsgewalt über jede Form menschlichen Zusammenlebens haben?)

Im Folgenden einige Zitate, mit deren Anregung der geneigte Leser sich seine eigenen Gedanken machen kann:

1. Moral als Symptom des Niedergangs

„Die heutige Moral beschränkt sich aber keineswegs auf die Befindlichkeiten einzelner oder die Machenschaften der Politik und Bürokratie. Sie erschafft sich ganz neue Ideologien.

Die Idee des Ökologismus beispielsweise ist in sich eine einzige Umdeutung ehemals moralischer Prinzipien.

Über Jahrtausende war es die höchste Kulturleistung des Menschen, sich nicht wie jedes Tier an seine Umgebung anzupassen, sondern diese nach seinen Ansprüchen zu formen und zu verändern.

Die unzähligen Eingriffe in eine durch und durch unbarmherzige und unserer Existenz gegenüber völlig gleichgültige Natur sind und waren Grundlage jeder Form von Zivilisation.

Knapp zwei Generationen in sorglosem Wohlstand haben genügt, um aus dem Bezwinger einen Schänder zu machen. Heute singt ein Popstar Zeilen wie „die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht?“. Man ist geneigt zu fragen, warum diese freundliche Erde ohne unser Zutun weder gewillt wäre uns zu ernähren, noch uns vor ihren atmosphärischen Launen zu schützen. Warum sie uns in ihrer ganzen Freundlichkeit Viren und Bakterien, Tsunamis, Wirbelstürmen, Trockenheit, Überschwemmungen und Vulkanausbrüchen aussetzt? Warum sie Fressen und Gefressenwerden zum Grundprinzip und zur Lebensgrundlage aller Existenz auf ihrer Oberfläche gemacht hat?

Dass derartige intellektuelle Ergüsse nicht nur unkritisiert bleiben, sondern als Ausdruck eines tiefen Problembewusstseins und moralischer Integrität Bewunderung finden, betrachte ich als eine Form der Dekadenz in ihrem ursprünglichsten Wortsinn. Wenn eine Gesellschaft die Negation der eigenen Leistungen und Möglichkeiten zum moralischen Prinzip erklärt, ist dies im wahrsten Sinne ein Akt des Herabfallens, der Dekadenz, des Untergangs. Vorläufiger Gipfel dieser Entwicklung ist die Negation der eigenen biologischen Existenz in Form des Gender Mainstreaming.“

„Wo der unzertrennbare Dualismus zwischen Chancen und Risiken ausschließlich ängstlich und visionslos zu Lasten der Chancen aufgelöst wird, herrscht nicht nur Stillstand, sondern Rückschritt.“

Quelle: Jürgen Fuchsberger Gesellschaft: Moral als Symptom des Niedergangs

Was ist Gender Mainstreaming?

2. Gedanken eines Benediktinermönches

“Der moralisch aufgeladene Staat ist mithin das unverzichtbare Gegenstück zur individualistischen, antiautoritären Freiheitsidee der Achtundsechziger und obendrein der Garant für unsere nationale Unschuld, die Verkörperung unserer Sehnsucht nach moralischer Unanfechtbarkeit.”

Moralische Sieger sind gegen Erfahrung resistent, sie werden niemals klüger, sie sind damit zufrieden, immer neue Gründe für ihre Empörung zu finden.”

“Die kritische Wachsamkeit gegenüber Staat und Gesellschaft zum Beispiel ist ein großartiges Erbe der Achtundsechziger. Diese Wachsamkeit müßte uns mißtrauisch machen gegen einen Staat, der sich die moralische Vormundschaft über uns anmaßt und es für seine Pflicht hält, die Kräfte des Einzelnen zu bändigen und jeden in die Schranken zu weisen.”

“Es rächt sich immer, wenn Moral vor Wahrheitsliebe geht.”

Notker Wolf
Worauf warten wir?:
Ketzerische Gedanken zu Deutschland
Rowohlt Verlag GmbH
01.04.2006

3. Lebenslüge siegt gegen Wissenschaft

Die chronische Lebenslüge des modernen Menschen, die abgrundtiefe Unmoral unserer Zeit, findet ihren Ausdruck in der Beliebigkeit und Willkür, mit der im persönlichen Leben ebenso wie im politischen und pseudowissenschaftlichem Disput Erkenntnis akzeptiert oder abgewiesen wird.”

Hans Mohr
Wissenschaftliches Verhalten und ethisches Bezugssystem;
in Studium generale, Universität Heidelberg
1981, Seite 64

aus:
Eilingsfeld, H.
Der sanfte Wahn
Ökologismus Total
Mannheim, Süddeutsche Verlagsanstalt
1989

4. Der Deutsche zu 100 % ein Schwein

Der Wissenschaftler Michael Braungart hat zur Naturromantik folgende Überlegungen:

“Ich mache mir Sorgen.

Im Gegensatz zu den Niederländern, die seit jeher mit der Bedrohung des Meeres konfrontiert sind, romantisieren die Deutschen die Natur.

Dabei wird übersehen, dass die krebserregendsten und giftigsten Stoffe immer noch in der Natur zu finden sind.

Es gibt keine Mutter Natur, wir sind von ihr übelst behandelt worden. Dagegen haben wir uns gewehrt und die Umwelt zerstört. Deswegen haben wir nun ein schlechtes Gewissen.

Aber wir müssen uns nicht dafür entschuldigen, hier zu sein.

Das Problem ist, dass in Deutschland das Umweltthema moralisch aufgeladen und Schuldmanagement betrieben wird, vor allem von den Grünen und Umweltorganisationen, deren Mitglieder sich als Gutmenschen stilisieren.

Die Deutschen wachen auf und denken sich: Ich bin zu hundert Prozent Schwein, und mein Ziel ist es, nur zu neunzig Prozent Schwein zu sein. Besser wäre, mich gäbe es nicht.”

5. Nietzsche über die Gutmenschen

Die Menschen sind leidende Geschöpfe geworden, infolge ihrer Moralen:
Was sie damit eingekauft haben, das ist alles in Allem, ein Gefühl, als ob sie im Grunde zu gut und zu bedeutend für die Erde wären und nur vorübergehend sich auf ihr aufhielten.
“Der leidende Hochmütige” ist einstweilen immer noch der höchste Typus des Menschen.

Friedrich Nietzsche
Morgenröte 1881 , 2. Aufl.

6. Moral? Aber wessen Moral?

Die Moral ist immer an bestimmte Interessensgruppen gebunden.

Ziel ist die Nötigung zu einer bestimmten Verhaltensweise, die wieder vorteilhaft für diese Gruppe sein muss.

Die Anzahl der Moralen ist wohl genauso groß, wie die Anzahl der Interessen.

Mitunter werden Moralen vertreten, die sich gegenseitig widersprechen.

Vergleiche Nietzsches Ausführungen zur Herren- und Sklavenmoral.

7. Machiavelli über die Herrenmoral:

(Zusammengetragen von einem Leser des Newsletters)

„Treue ist eine Tugend für eine Welt voll guter Menschen. Da sie aber schlecht sind, brauchst du sie ihnen auch nicht zu halten.“

„Viele haben sich Republiken und Fürstentümer ausgedacht, die niemals gesehen worden, noch als wirklich bekannt gewesen sind. Denn die Art, wie man lebt, ist so verschieden von der Art, wie man leben sollte, daß, wer sich nach dieser richtet statt nach jener, sich eher ins Verderben stürzt, als für seine Erhaltung sorgt; denn ein Mensch, der in allen Dingen nur das Gute tun will, muß unter so vielen, die das Schlechte tun, notwendig zugrunde gehen. Daher muß ein Fürst, der sich behaupten will, imstande sein, schlecht zu handeln, wenn die Notwendigkeit es erfordert.“

„Ein kluger Fürst kann und darf sein Wort nicht halten, wenn er dadurch sich selbst schaden würde.“

„Tugenden sind schädlich, wenn man sie besitzt und stets ausübt, und nützlich, wenn man sie zur Schau trägt.“

„Jeder sieht, was du zu sein scheinst, wenige wissen, was du wirklich bist; und jene Wenigen wagen es nicht, gegen den Strom der allgemeinen Meinung anzuschwimmen.“

„Der größte Feind der neuen Ordnung ist, wer aus der Alten Vorteile zog.“

„Ein Fürst braucht nur zu siegen und seine Herrschaft zu behaupten, so werden die Mittel dazu stets für ehrenvoll gelten und von jedem gepriesen werden.“

„Nicht wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt.“

„Die Menschen scheuen sich weniger, einen anzugreifen, der sich beliebt gemacht hat, als einen, den sie fürchten.“

„Man sieht oft, dass Bescheidenheit gar nichts nützt. Ja, dass sie nur schadet.“

„Klug ist es, sich zu drehen und zu wenden nach dem Winde.“

http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/geschichte/machiavelli/audio/




Die Wahrscheinlichkeit der Prophezeiungen

Nach dem Lesen der Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg (01.07.1742 bis 24.02.1799), herausgegeben Insel-Taschenbuch 165 (1. Auflage 1976) kann man über das heutige Deutschland sehr nachdenklich werden.

Es entsteht der Eindruck, Lichtenberg wäre ein Zeitgenosse, so aktuell ist er. Ein Zitat, vielleicht über 200 Jahre alt:

Dieses ist eine Theorie, die meines Erachtens in der Psychologie eben das vorstellt, was eine sehr bekannte in der Physik ist, die das Nordlicht durch den Glanz der Heringe erklärt.

Aktuell befasse ich mich gerade im Rahmen zweier Gerichtsgutachten wieder mit der induktiven Beweismethode. Und da drängte sich mir folgende Überlegung auf:

  • Prognosen, wie z. B. die Beschreibung des Klimawandels (oder auch Planungen) beruhen auf induktiven Schlüssen.
  • Regelmäßig aber unterschlagen die meisten Propheten bei Ihren Verkündigungen, dass induktive Schlüsse nur in Verbindung mit der Wahrscheinlichkeit der Voraussetzungen korrekt sind. Und zudem gilt, dass trotz korrekter induktiver Argumentation falsche Schlüsse möglich sind. (Die Geschichte und die Welt der „Erkenntnis“ ist voll von Trugschlüssen.)
  • Je mehr Faktoren für ein Ereignis mit einer Wahrscheinlichkeit behaftet sind und für dessen Eintreten notwendig sind, umso unwahrscheinlicher wird die Prognose bzw. die Genauigkeit der Beschreibung. Wenn z.B. für ein Ereignis nur 4 Voraussetzungen notwendig sind und die selber mit einer z. B. schon sehr hohen Wahrscheinlichkeit von 70 % eintreten könnten, dann beträgt die Gesamtwahrscheinlichkeit nach dem Gesetz der Multiplikation der Wahrscheinlichkeiten für das gewünschte Ereignis nur 24 % (0,7 * 0,7 * 0,7 * 0,7 * 100 = 24 %).

Zur Erhöhung der Wahrscheinlichkeit von Prophezeiungen hatte Prof. Reicholf einen klugen Rat:

Wer behauptet, daß etwas so kommen wird, und es kommt nicht so, der sollte die Kosten zu tragen haben.

Mich erstaunt vor diesem doch recht einfachen Hintergrund (Grundlagenwissen der Logik) und insbesondere der bekannten Unsicherheit induktiver Schlüsse schon der Mut mancher Wissenschaftler zu derartigen Prophezeiungen.

Auch beim Gewässerschutz und bei der Abwassertechnik wimmelt es nur so von Prophezeiungen, wählen wir z. B. die Nitratprophezeiungen, wobei einige Behauptungen falsch sind:

Dreifacher Wert: Viel zu viel Nitrat in der Werse

Ahlener Zeitung -Ahlen – Die Werse ist stark nitratbelastet. Ab Ahlen übersteige der Wert sogar das Dreifache der Vorgaben, meldet der VSR-Gewässerschutz (Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse eV) und beruft sich auf seine jüngste März-Messung. …

VSR meldet hohen Nitratgehalt in der Werse

Borkener Zeitung – ‎Vor 13 Stunden‎
Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) solle das Wersewasser, um einen guten Zustand zu erreichen höchstens elf Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat aufweisen. Dieser Wert werde aber im gesamten Werseverlauf überschritten – ab

Streit um Nitrat im Main

Main Post – ‎13.06.2011‎
Im Main ist viel Nitrat. Zu viel, sagen Umweltschützer vom „Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR-Gewässerschutz eV)“ nach umfangreichen Messungen. Sie sehen „dringenden Handlungsbedarf“. Der Main unterschreitet die Nitratvorgaben

Streit um Nitrat im Main

Frankfurter Rundschau – ‎03.06.2011‎
Trübes Wasser, wuchernde Algen, sterbende Fische: Zeichen dafür, dass ein Fluss zu stark mit Nitraten belastet ist. Wie sieht es im Main aus? Der Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR) unternahm mit einem eigenen Laborschiff

Grundwasser häufig mit Nitrat belastet

Main-Spitze – ‎26.05.2011‎
Während Nitrate für Zierpflanzen und Rasenflächen unbedenklich sind, ja sogar als Dünger wirken können, ist bei Gemüsepflanzungen Vorsicht geboten. Dort können sich die oft durch landwirtschaftliche Nutzung ins Grundwasser eingeschwemmten Nitrate
(Offensichtlich, dass diese Meldungen gesteuert werden.)

Weitere Zitate von Lichtenberg.




Auf direktem Weg in die Klimadiktatur?

Ja, gerne!?

Ein Bericht des wissenschaftlichen Beirats, der die Bundesregierung in Klimafragen berät, sorgt für Aufruhr – manche sehen sogar die Demokratie in Gefahr.“ Siehe Artikel des FOCUS.

Wolfgang Wippermann:

Die sprechen sogar von der „internationalen Allianz von Pionieren des Wandels“. Und das erinnert mich an die faschistische oder kommunistische Internationale. Ob sie da hin wollen, weiß ich nicht. Aber die Sprache ist schon mal schrecklich und das macht mir Angst. Wer so spricht, der handelt auch. Das ist eine negative Utopie, eine Dystopie. Und wenn Utopisten am Werk sind, wird es immer gefährlich.

Nun, vor diesem Trend – der sich schon vergegenständlicht hat – wird schon seit Jahren von den verschiedensten Autoren gewarnt. Driessen, P.K., Öko-Imperialismus – Grüne Politik mit tödlichen Folgen (TvR Medienverlag 2006):

Die Debatten über gesellschaftliche Verantwortung, Beteiligung von Anspruchsgruppen, nachhaltige Entwicklung, Vorsorgeprinzip und sozial verantwortliches Investieren führten in zu vielen Fällen dazu, daß Wissenschaft und Logik durch interessengeleitete Strategien, politische Zweckmäßigkeit und eine neue Form von Tyrannei ersetzt wurden.

Im Kern ist momentan eine Art von anonymem Wirtschaftskrieg gegen das eigene Volk im Gange, der mit ideologischen Waffen – insbesondere mit den Geschützen des Vorsorgeprinzips und der  Nachhaltigkeit – ausgetragen wird. Gezählt werden ausschließlich die neugeborenen Sieger – die vom Ökologismus geschaffenen neuen Arbeitsplätze. Die flächendeckend Dahinsiechenden und die Öko-Leichen werden ausgeblendet. Verbunden ist das Ganze mit einer gewaltigen Entwertung vielerlei bisher geschaffener Anlagen und einer Entwertung von manchem Privat- und Volksvermögen. Auch dieser Aspekt verleiht dem ganzen Gewusel einen kriegsähnlichen Charakter. Uns Deutschen geht es einfach zu gut.  Und bevor sich der Deutsche überlegt, sein Geld zu sparen oder bevor man die Umsatzsteuer senken müsste, braucht man dringend Begründungen Deutschland nach dem II. Weltkrieg ein zweites Mal aufbauen zu müssen. Das sind neben Machterhalt die Hintergründe.

Vorsorgeprinzip und Nachhaltigkeit kommen listig getarnt mit dem Mantel des Guten daher. Tatsächlich wurden und werden diese Instrumente des Terrors und der Ökodiktatur zunehmend in Gesetzen verankert. Wie heißt es so schön: „Jedes Gesetz ist der Embryo des Terrors.“ Da weiß man, was nachhaltig auf die nächste Generation zukommt. Die zunehmende Macht der Vorsorgedoktrin erklärt sich auch aus der Vergreisung der deutschen Gesellschaft. Die Jugend ist nicht vorsorglich. Sie ist dynamisch und riskant. Nur auf diesen Eigenschaften beruht der Fortschritt. Ob am Ende das Vorsorgeprinzip der ängstlichen Alten aus der eigentlich tapferen Jugend nachhaltige kleine Idioten macht?  So der Eindruck, wenn kritischer Literatur gefolgt wird.

Bolz, N. (Quelle: Der Gesinnungsterror der politisch Korrekten ist eine Feind-Erklärung: Er stellt jeden liberal Denkenden in seiner Existenz in Frage, Focusartikel von Bolz, N. Focus 37/210, S. 64-66.) charkterisiert den Zustand der deutschen Gesellschaft so:

Niemand wagt es, einem unabhängigen Gedankenzug zu folgen. Deshalb gibt es auch keine großen Denker mehr.

Wer zurückschaut, schärft seinen Blick für die Wertung der Vorgänge in der Gegenwart: Es ist nur „wenige“ Jahre her, als Menschen in Durchsetzung des Vorsorge- und Nachhaltigkeitsprinzips verbrannt wurden, denn die Hexenverbrennung war – auf den Punkt gebracht – nichts anderes als die Durchsetzung des Vorsorgeprinzips, durch besonders gute Menschen, die es mit den Hexen und den von den Hexen betroffenen Menschen nur besonders gut meinten. Erst vor wenigen Tagen – so scheint es – notierte Georg Christoph Lichtenberg (1.7.1742-24.2.1799):

Wir verbrennen zwar keine Hexen mehr, dafür aber jeden Brief, worin eine derbe Wahrheit gesagt wird.

Dem Buch von Gärtner, Edgar L., Öko-Nihilismus, Eine Kritik der Politischen Ökologie (TvR Medienverlag Jena, 2007) ist auf Seite 168 zu entnehmen:

Die große Triebkraft der Völkerenentwicklung war niemals die Wahrheit, sondern der Irrtum„, schrieb der französische Arzt und Begründer der Massenpsychologie Gustave Le Bon 1895. „Die soziale Täuschung“, fährt Le Bon fort, „herrscht heute auf allen Ruinen, die die Vergangenheit auftürmte, und ihr gehört die Zukunft. Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen mißfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.“ (S. 78) Le Bons Abhandlung über die „Psychologie der Massen“ wirkt noch heute so aktuell, als wäre sie hundert Jahre später geschrieben worden. Sie erklärt, warum es in der politischen Praxis meist einzelne Querköpfe und nicht Massenbewegungen sind, die den gesunden Menschenverstand zur Geltung bringen.
Dabei war Le Bon, bei allem düsteren Sarkasmus, sogar noch verhältnismäßig optimistisch. Er konnte noch die Hoffnung hegen, aus der Entgleisung der Französischen Revolution unter der Terrorherrschaft Robespierres und dem mißglückten Versuch, von einem leitenden Zentrum aus eine Gesellschaft um den Preis von Tausenden und Abertausenden von Toten ausschließlich nach Prinzipien der „reinen Vernunft“ umzumodeln, sei etwas gelernt worden. Heute wissen wir es besser. Der im Gefolge des Sturms auf die Bastille in die Welt gesetzte Revolutionsmythos war überaus verführerisch und stellte die magere, wenn nicht gar desaströse Bilanz der Schreckensherrschaft Robespierres in den Schatten. So kam im 20. Jahrhundert alles noch viel schlimmer.“

Wo ist bei dem selten hohen Stand von Wissenschaft und Technik das Licht am Ende des Tunnels, mag man fragen?

Die leisen Töne machen die Musik!




Vom Kopf auf den Fuß gestellt!

Die Wasserchemie ist Mittel der Ökologie und nicht – wie momentan eher dilettantisch benutzt – ein eigenständiges Ziel.

D. h. die Prämissen und Gesetze der Ökologie bestimmen die Anforderungen an den wasserchemischen Zustand.

Was ist sinnvoll, zweckmäßig und möglich?

Und es wartet ein goldenes Kalb auf seine Demontage:

Phosphor und Stickstoff sind keine Schadstoffe, sondern Nährstoffe!





Der schlechte Zustand!?

Diese allgemein herrschende Vorstellung ist mit 100 %-iger Sicherheit logisch falsch:

Schlechte wasserchemische Gewässergüteklasse III = schlechter ökologischer Zustand = schlechte Biologie!

Die Ökologie, die Biologie oder die Chemie ist niemals schlecht oder gut, höchstens für manche Geschäfte oder Interessen.

Ein Zusammenhang, der naturwissenschaftlich eindeutig falsch ist, kann trotzdem nach der Logik des Wasserrechtes oder der Politik durchaus korrekt sein.

Wohl auch aus diesem Grund ist das Versagen der Experten (vor dem Recht) immer ein reizendes Schauspiel…
würde Dávila meinen.




Kosteneffizienz beim Gewässerschutz

Die Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik – Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vom 23.10.2000 (2000/60/EG, ABl. L 327/1), geändert durch die Entscheidung Nr. 2455/2001/EG vom 20.11.2001 (ABl. L 331/1) ist am 22.12.2000 in Kraft getreten.

Vorrangige Ziele sind die Herstellung eines guten ökologischen und chemischen Zustands der oberirdischen Gewässer und die Schaffung eines guten chemischen und quantitativen Zustands des Grundwassers.

Gefordert wird eine „Trendumkehr“ bei zunehmender Verschmutzung.

  1. Für künstliche oder erheblich veränderte Gewässer ist das gute ökologische Potenzial und der gute chemische Zustand herzustellen.
  2. Die Gewässerschutzmaßnahmen sind nach Kosteneffizienzkriterien durchzuführen.
  3. Alle signifikanten Belastungen im Einzugsgebiet der Gewässer sind zu erfassen und ihre Auswirkungen auf die Gewässer zu bewerten.
  4. Für die Zielerreichung sind unter Beteiligung der Öffentlichkeit Maßnahmenprogramme auszuarbeiten.

Kommentar:

Nach meiner langjährigen Beobachtung wird gegen die Positionen 2-4 dann am häufigsten verstoßen, wenn es um die Verschärfung oder um zusätzliche Gewässerschutzmaßnahmen geht.

Auf diese Weise werden dann mitunter sehr „teure Vögel“, aber in formal korrekter Manier geschaffen.

Man hält sich dabei vorzugsweise an Kommune und Abwasserzweckverbände, obwohl die Gewässerbelastung (N und P) z. T. mit über 90 % von der industriellen Landwirtschaft verursacht und z. T. sogar importiert wird.

U.H.

***

Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung

 

 

 

 

 

 




Überwachungswerte – Verschärfung

Wer Überwachungswerte verschärft, schuldet dem Betroffenen den Effekt und den Nachweis der Verhältnismäßigkeit  – zumindest moralisch.

Im Gegensatz zu den allgemeinen Vorstellungen von der Natur, man könne ein wenig verbessern, dann würde es schon gut werden, ist es unter den Bedingungen der grausamen Realität so, dass hier das Naturgesetz des Umschlages einer Qualität in eine andere durch quantitative Änderungen wirkt.

Dabei kann der Qualität allmählich oder sprungartig umschlagen. Und genau das ist der Punkt.

In der Biologie und Hydrobiologie sind Qualitätssprünge eher die Regel.

Sollte z. B. der geneigte Leser Schmerzen verspüren, die mit Acetylsalicylsäure beseitigt werden könnten, dann nützt es nichts, wenn er nur wenig davon kostet, sondern es ist eine bestimmte Dosis davon zu nehmen, damit man schmerzfrei wird.

Genauso ist es mit vielen Gewässern.

Es nützt nichts, ein bisschen die Überwachungswerte zu verschärfen, um dann den guten Gewässerzustand zu erreichen, wenn über 90 % der „Krankheitskeime“ durch die „offene Wunde“ namens „industrielle Landwirtschaft“ ständig aufs neue den Körper infizieren.

Entweder man beseitigt das Übel für die betroffenen Gewässer grundlegend oder man muss die Tatsachen akzeptieren.

Alles andere hat mit Gewässerschutz oder Wasserwirtschaft nichts mehr zu tun.

Ich neige in Bezug auf

Reichholf, J. H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

zu der Empfehlung, die Landwirtschaft weniger auf Export zu orientieren und bis dahin die nicht ohne Weiteres zu ändernden Tatsachen einfach zu akzeptieren.

Erfrischend ist für manchen Leser auch die Tatsache, dass nicht etwa die kommunalen Kläranlagen die  Gewässerverschmutzer Nr. 1 sind.

Das könnte die korrekte Reihenfolge sein, wobei ich mir bei der Reihenfolge von 2. und 3. nicht sicher bin:

  1. industrielle Landwirtschaft
  2. Biogasproduktion
  3. Bioethanol – Biospritproduktion
  4. ?
  5. ?
  6. kommunale Abwasserbehandlung
  7. Kleinkläranlagen nach DIN 4261-2
  8. Kleinkläranlagen nach DIN 4261-1

Was darf ein Fisch im Bach kosten?

Vergleiche:   Eine halbe Million Euro für einen Vogel?!

Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Kosteneffizienz beim Gwässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung




Eine halbe Million Euro für einen Vogel?!

Wenn Naturschutz fremdes Geld unkontrolliert ausgibt…

„Heimisch im strengen Sinn sind nicht einmal die Großtrappen, die „teuersten Vögel der Welt“, für deren Restvorkommen an einer ICE-Trasse nach Berlin rund eine Million D-Mark ausgegeben worden war – pro Vogel.

Als Steppenvögel leben sie vor allem in Zentralasien sowie Spanien und kamen erst vor wenigen hundert Jahren nach Ostdeutschland. Ihre Bestände erreichten im 18. Jahrhundert den Höhepunkt und gehen seither zurück.“

Quelle: Nur fürs Auge von Josef H. Reichholf, Fachbeitrag im Focus

Im FOCUS erhebt Josef Reichholf drei Forderungen, um das zu ändern – und rechnet mit den Glaubenssätzen vieler Artenschützer ab.

„Der Naturschutz steckt in der Krise, weil er die falschen Schwerpunkte setzt.“

Einschätzung:

Sehr lesenwert!

Es gibt aber nicht nur teure Vögel in unserem reichen Land, sondern verdammt teure Fische, die ihrerseits mitunter auch nur wieder Futtertiere sind.

Man kann auf ähnliche Weise leicht hunderttausend Euro für einen toten Fisch ausgeben.

U. H.

***

Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Kosteneffizienz beim Gwässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung






Gründer-Väter gehen auf Distanz zur grünen Bewegung

„Es ist Irrsinn, Wälder zu roden, um Energiepflanzen anzubauen.“

Zitate aus dem Online -Presseportal:

“Mich stört diese Ideologisierung des Natur- und Umweltschutzes, die sich mit wissenschaftlicher Redlichkeit vielfach nicht vereinbaren lässt”, sagte Reichholf weiter.

Der Biologe bezeichnet das Beharren auf Bio-Treibstoffen als typisches Beispiel erstarrter Positionen: “Es ist Irrsinn, Wälder zu roden, um Energiepflanzen anzubauen.”

“Die Apokalypse ist zum zentralen Motiv des Ökologismus geworden, vieles davon ist eine kollektive Neurose”, erklärte Patrick Moore in “Focus”.

Moore, der die Gründungsurkunde von Greenpeace Deutschland mit unterzeichnet hatte, beklagt, dass sich die Umweltorganisation heute von Wissenschaft und Logik verabschiedet habe.

Quelle: Online Presseportal




Die Wurzel des Ökologismus

Zitate:

  • Dementsprechend sind Gesellschaften, in denen eine breite Masse Möglichkeiten sieht, ihre Lebensumstände zu verbessern, insgesamt risikobereiter, als weiter fortgeschrittene. Mit zunehmendem Reichtum gibt es auch mehr zu verlieren und so steigt die Vorsicht, steigt der Wunsch, Risiken zu vermeiden. In der westlichen Welt, in der Grundbedürfnisse nicht mehr in Nahrung, sauberem Wasser oder Kleidung gemessen werden, sondern in Kommunikationstechnologien, Fahrzeugen, Häusern mit Sauna und Whirlpool oder auch Fernreisen, ist daher die Risikobereitschaft besonders gering.
  • Bei den Grünen und ihren Anhängern, vor allem in der Umweltbewegung und bei Gesundheitsfanatikern ist das Pendel von der Stellung „Vorsicht“ noch ein ganzes Stück weiter ausgeschlagen. In Richtung Angst.
  • Angst erzeugt totalitäres Denken
  • Deutschland ist ein Biotop, in dem die Ängstlichen besonders gute Voraussetzungen finden, zu gedeihen.
  • Die Politik hat sich entschieden. Für die Angst und gegen den Mut.

„Die Wurzel des Ökologismus liegt in der Übertragung der Neigung zur Risikovermeidung auf größere Zusammenhänge.“

Trotz der vorweggenommenen Zitate – es lohnt sich, den ganzen Artikel von Dr. Peter Heller zu lesen!

Quelle:  German Angst

Siehe auch Dr. Peter Heller: Weltuntergangs-Propheten haben Unrecht






Logisches vom Klimaleugner

Grün-blaues Gefecht: „Klimaleugner“ und „Klimahysterie“

„Er halte es für verantwortungslos, „die gesamte Politik einem einzigen Ziel unterzuordnen, dessen Sinnhaftigkeit nicht eindeutig belegt ist: nämlich der Reduktion von CO2“, reagierte Haimbuchner auf die Aussagen Anschobers.

Die Frage des Klimaschutzes entwickle sich immer mehr zu einer „Klimahysterie“. Auch wenn er sich zu Klimaschutz und einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen bekenne, werde er sich auch in Zukunft nicht an „Ideologien von Weltverbesserern und Utopisten orientieren“, sagt Haimbuchner. Energiesparende Maßnahmen werde er weiterhin fördern, „aber nicht zum Selbstzweck, sondern um leistbares Wohnen zu ermöglichen.“

Quelle: Grün-blaues Gefecht: „Klimaleugner“ und „Klimahysterie“

OÖ. Online GmbH & Co.KG.
4010 Linz, Promenade 2323.
Juni 2010

Ist es verantwortungslos, die gesamte Politik einem einzigen Ziel unterzuordnen, dessen Sinnhaftigkeit nicht eindeutig belegt ist: nämlich der Reduktion von CO2?




Vorsicht Vorsorge!

Die Zukunft und ihre Feinde
Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen

Von Dirk Maxeiner und Michael Miersch
Eichenborn AG 2002
ISBN: 3-8218-3912-0

http://www.maxeiner-miersch.de/

Die folgende umfängliche Zitierung aus dem Kapitel II  wurde von den Autoren Dirk Maxeiner und Michael Miersch genehmigt.

Exzerpt von U. Halbach

Zitate aus  Kapitel II „Die neuen Ideologien“ – 1. Vorsicht Vorsorge
S. 49 – 50:

„Seitdem hat das Vorsorgeprinzip eine in dreifacher Hinsicht problematische Karriere hinter sich. Zum einen hat es inzwischen praktisch zu einer Umkehr der Beweislast geführt: Der Hersteller eines Produktes oder Anwender eines Verfahrens soll deren zweifelsfreie Unschädlichkeit beweisen, was faktisch unmöglich ist. Dieser Nachweis kann noch nicht einmal für ein Fahrrad oder ein Küchenmesser geführt werden. Nichts im Leben ist völlig frei von Gefahren. Der Chef des Umweltbundesamtes, Andreas Troge (CDU), empfiehlt aus Gründen der Vorsicht, »Nichtwissen als gegen uns gerichtet zu betrachten«. Man stelle sich einmal vor, die Menschen der Vergangenheit hätten sich an diese Empfehlung gehalten. Oder denken wir an einen schwer krebskranken Menschen. Diesem wird eine Behandlung angeboten, die mit schweren Nebenwirkungen einhergeht und keine Erfolgsgarantie bietet. Sie ist nur eine Hoffnung. Die Alternative wäre keine Behandlung.

Zum anderen ist die Eingriffsschwelle für das Vorsorgeprinzip ins Bodenlose gesunken: von menschheitsbedrohenden Gefahren hinab zu elektromagnetischen Feldern einer Mobilfunkantenne oder der chemischen Zusammensetzung einer Badeente. Schlussendlich wird das Prinzip vollkommen einseitig angewendet: Es werden nur die Risiken betrachtet, die ein neues Verfahren mit sich bringen könnte. Nicht ins Kalkül gezogen werden hingegen jene Risiken, die durch die Anwendung des Verfahrens künftig ausgeschlossen werden. Jedes neue Medikament hat Risiken und Nebenwirkungen. Es kann aber auch Krankheiten heilen und Menschenleben retten. Beides muss gegeneinander abgewogen werden. Der britische Forscher Juliau Morris schreibt:

Wenn das Vorsichtsprinzip allgemeine Gültigkeit fände, dann erreichte man das Gegenteil des eigentlich Wünschenswerten: eine Zunahme der Risiken und Unsicherheiten, mit denen der Durchschnittsbürger in seinem Alltag konfrontiert ist. Indem es uns daran hindert, neue und sicherere Technologien zu nutzen, reduziert das Vorsichtsprinzip unsere Fähigkeit, auf die bestehenden Risiken angemessen zu reagieren.

(Von der Atomenergie über die Biotechnologie bis hin zur Medizin werden in diesem Buch dafür viele Beispiele beleuchtet.)“

S. 51 – 52:

„Jenseits seiner Anziehungskraft für Technophobe aller Art wächst sich das Vorsorgeprinzip jedoch zu einer „juristischen Bombe“ aus, so der französische Nationalökonom Henri Lepage. Er hält die Konsequenzen für fatal, die aus der Einführung des Vorsorgeprinzips in die allgemeine Rechtsprechung hervorgehen. Die Europäische Kommission hat sämtlichen Mitgliedsstaaten empfohlen, das Prinzip systematisch anzuwenden.

S. 52 – 53:

„Eines der Grundprinzipien des demokratischen Rechtsstaates heißt: Im Zweifel für den Angeklagten. Das Vorsorgeprinzip kehrt die Beweislast um: Im Zweifel gegen den Angeklagten. Und genau da liegt die Bombe begraben. Wer sagt denn, dass das Vorsorgeprinzip lediglich gegen Verfahren oder Produkte angewandt werden kann? Es sind viele Fälle denkbar, in denen es sich gegen Personen richtet, die Grenze ist fließend. Schon heute werden von Gerichten große Regressansprüche zugebilligt, wenn sich beispielsweise der Kunde eines Schnell­restaurants beim ungeschickten Hantieren mit einem Pappbecher mit heißem Kaffee verbrüht. Henri Lepage schreibt: »Wenn zum Beispiel ein kleiner Junge am 14. Juli (französi­scher Nationalfeiertag) Knallfrösche zündet und diese un­glücklicherweise das Bürgermeisteramt in Brand setzen, sollte man dann nicht gleich den unglücklichen Chinesen haftbar machen, der vor Tausenden von Jahren das Pulver erfunden hat?

S. 53:

„Auch der Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer sieht die Gefahr wachsender Willkür des Staates und beklagt entsprechende Tendenzen in der Entwicklung des deutschen Strafrechts. Der Jurist sieht beispielsweise im Umweltstraf­recht »Neukriminalisierungen außerhalb eines Täter-Opfer­-Bereichs« sowie eine »flächendeckende Vorfeldkriminalisie­rung, bevorzugt über abstrakte Gefährdungsdelikte«.

__________________________________________________________________

Beurteilung des Buches:

Ein recht interessantes, wertvolles und auch leicht zu lesendes Buch, das zum Nachdenken anregt, auch weil es mit offiziellen Meinungen und Auffassungen weniger oder gar nicht übereinstimmt.

Obwohl das Buch inzwischen 5 Jahre alt ist, sind die darin beschriebenen Überlegungen aktueller denn je.

Bemerkenswert sind neben vielen anderen Informationen auch die Ausführungen von Dirk Maxeiner und Michael Miersch auf Seite 68 im Kapitel 2. Das Leben ist nicht nachhaltig:

Wer an die Freiheit und den daraus resultierenden Fortschritt glaubt, sollte sich vom grassierenden Nachhaltigkeitsfieber nicht anstecken lassen.

Uwe Halbach, am 20. Juli 2007




Glauben wiegt schwerer als Wissen

Uwe Halbach über unsinnige und teure Missstände bei der Gewährleistung eines guten Gewässerzustandes

Veröffentlicht 2008 in
novo-argumente
Heft Nr. 96, 9-10 (2008)
S. 35-37

Eines der Grundprinzipien des demokratischen Rechtsstaates lautet: Im Zweifel für den Angeklagten.Das Vorsorgeprinzip in seiner heutigen Auslegung kehrt diesen Grundsatz um. Der gut gemeinte und vernünftige Gedanke der Vorsorge ist in ein freiheitsfeindliches Konzept verwandelt worden.“ Maxeiner[1]

Im Falle einer Einleitung von gereinigtem Abwasser in Gewässer muss der Abwasserbeseitigungspflichtige in der Regel Mindestanforderungen einhalten. In Ausnahmefällen werden diese Mindestanforderungen oft aus Besorgnisgründen verschärft, womit die Abwasserbeseitigungskosten überdurchschnittlich steigen.

In zahlreichen Gutachten meines Institutes für Wasserwirtschaft in Werdau (Sachsen), z. T. auch gemeinsam mit dem Institut für Hydrobiologie der TU Dresden durchgeführt, haben wir zeigen können, dass „behördliche Besorgnisse“, die zur Verschärfung der Überwachungswerte führten, nicht plausibel waren.

Es gelang nicht, sie mit den wasserrechtlichen Regulativen, z. B. in Anwendung der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu begründen.

Und dies, obwohl vor einer Verschärfung der Überwachungswerte die Verhältnismäßigkeit der Konsequenzen einer „Besorgnis“ sorgfältig und prüffähig mit wissenschaftlich anerkannten Methoden hergeleitet werden sollte. Anderenfalls wird gegen das gesetzlich vorgeschriebene Sparsamkeitsprinzip verstoßen und das Risiko, dass die betreffende wasserwirtschaftliche Investition den Nutzen nicht erreicht, wird nicht selten in grob fahrlässiger Weise erhöht.

Eine prüffähige Begründung bzw. „Entsorgung“ (Entschärfung) einer Besorgnis ist in vielen Fällen möglich, unterbleibt heute jedoch in aller Regel.

Der Stand der Wissenschaft wird – im Gegensatz zum Stand der Technik – eher kümmerlich erschlossen. Die Verschärfungen der Überwachungswerte beruhen deshalb häufig auf Ansichten, Meinungen und Glauben, anstelle auf der Anwendung und Nutzung fundamentaler ökologischer Zusammenhänge. Und genau dies führt zur Vernichtung volkswirtschaftlicher Ressourcen und darüber hinaus zur Entwertung des Aufwandes für Bildung sowie Lehre.

Vorsorgeprinzip im Wasserrecht

Bei dem Schutz der Gewässer spielt das im Wasserrecht verankerte Vorsorgeprinzip eine herausragende Rolle. Es hat jedoch in seiner ungeprüften, man könnte auch sagen willkürlichen Anwendung schon zu immensen Schaden oder Effektivitätsverlusten geführt. Die Wasserwirtschaft verliert damit wohl täglich an Effektivität.

Das Vorsorgeprinzip greift zumeist vom Bürger völlig unbemerkt, bei zusätzlichen Auflagen für die Reinigung der Abwässer, die mitunter recht fragwürdig sind. Nicht ganz abwegig erscheint die Vermutung, dass es hier Zusammenhänge mit den Interessen und Wünschen der boomenden „Umweltindustrie“ gibt. Die behördliche Vorsorge – bzw. ihr „Grund zur Besorgnis“ findet ihren wesentlichen Ausdruck in der Verschärfung von Überwachungswerten[2].

Die Höhe der Überwachungswerte bestimmt dabei unmittelbar den Aufwand der Abwasserreinigung und damit auch die Höhe der Abwassergebühren und -beiträge.

Verschärfte Überwachungswerte haben deshalb zumeist einen drastischer Anstieg einmaliger und laufender Kosten zu Folge.

Die Behörde hat das Recht Überwachungswerte zu verschärfen, wenn sie Grund zur Sorge hat, dass am oder im Gewässer ein Schaden entstehen könnte. Dabei ist aber auch die Verhältnismäßigkeit der Verschärfung zu beachten, wenn beim Umweltschutz Effekt und Kosten eine Rolle spielen sollen. Soweit die Theorie.

Leider nimmt jedoch die Besorgnis – ohne wissenschaftlichen Nachweis des Grundes im Wasserrecht mittlerweile eine zentrale Stelle ein. Wer erst einmal die Begriffe „Besorgnis“, „Vorsorge“ und „Nachhaltigkeit“ als ideologische Kategorien verstanden hat, kommt bald zu der Ansicht, dass sich im Wasserrecht, unbemerkt von der Öffentlichkeit, Weltanschauungen einer kleinen Gruppe von Menschen zunehmend vergegenständlicht haben.[3] Alle Bürger, auch die „Ungläubigen“, müssen dafür in die Tasche greifen. Das ist der monetäre Unterschied zwischen einer nicht vom Staat getrennten „Ideologie“ und einer vom Staat getrennten Religion. Die erstere kommt allen teuer zu stehen.

Neue Prioritäten bei der Entscheidung

Die Zunahme von irrationalen Kategorien im Wasserrecht ist bedenklich und erstaunlich zugleich. Eine Begriffsrecherche (s. Abb. 1) veranschaulicht dies. [4] Man erkennt, dass die Besorgnis der Bürokraten seit 2001 um 120 Prozent gestiegen ist, während ihre Vorsorge einen Anstieg um stolze 440Prozent zu verzeichnen hat. Das Rennen macht mit einem Anstieg von 550 Prozent die Kategorie der „Nachhaltigkeit“, was allerdings kein Wunder ist, denn die Ausgangsbasisi waren 2001 gerademal 4 Sucherfolge.

Abb. 1: Zunahme ideologischer Kategorien im Wasserrecht [5]

Angesichts des Ausmaßes an „nachhaltiger Besorgnis“ und „Vorsorge“ wird die Vergegenständlichung der Bildung und Lehre bei der Umsetzung des Wasserrechtes in Richtung Nullniveau reduziert. Gestandene „Besorger“ saugen ihr Fachwissen lieber aus trockenen Gesetzestexten, statt die Wirklichkeit – also die Reaktionen und Veränderungen in der Umwelt und die Beschaffenheit der Natur – zu studieren und daraus vernünftige Schlussfolgerungen zu ziehen.

Derlei wissenschaftliche Bildung und ingenieurtechnische Erfahrung sind entwertet worden. Schon ein einziger, auch spekulativer Grund „zur Besorgnis“ wiegt heute schwerer.

In einem Fall nachhaltigen Effektivitätsverlustes wurde bspw. die Notwendigkeit einer sehr aufwendigen zusätzlichen Klärstufe einer Kläranlage auf Plausibilität geprüft. Es wurde gezeigt, dass die Maßnahme tzr Abwehr einer „Besorgnis“ zu immensen Kosten führte. Gleichzeitg wurde offenbar, dass der angestrebte Qualitätszuwachs im Gewässer mit weniger als einem Prozent verwindend gering war.

Die Praxis beweist immer wieder, dass unkontrollierte Besorgnis zwangsläufig zu einer großen Beliebigkeit beim Geldausgeben führt.

Bei Befürchtungen, Wasserqualitäten könnten in Mitleidenschaft gezogen werden, kann man recht leicht zwischen wissenschaftlich realistischen und damit begründbaren Szenarien und wissenschaftlich unrealistische und damit nicht begründbaren Szenarien unterscheiden.

Eine solche rechtzeitige Differenzierung der Besorgnis in realistische und unrealistische Szenarien – unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit (!) des Eintretens unerwünschter Ereignisse – würde erstens die immensen Aufwendungen für die Bildung vergegenständlichen. Zweitens könnten Kommunen und der Staat in mehrfacher Hinsicht sehr viel Geld sparen. Drittens würde niemand aus seiner Verantwortung zur sparsamen Verwendung privater und staatlicher Mittel entlassen.

Momentan ist es so (von Ausnahmen abgesehen), dass der Grund einer Besorgnis völlig ungeprüft in den wasserrechtlichen Einleitungserlaubnissen fixiert wird. In Ämtern, Behörden und Ministerien sind leider immer weniger Realisten anzutreffen, die auf Grund ihrer Ausbildung, ihres Wissens und ihrer Erfahrung davon absehen, spekulative Besorgnisse (oder weltanschauliche Präferenzen) in wasserrechtliche Genehmigungsfragen einzubeziehen. Sie geraten zunehmend unter politischen Druck, obwohl man ihnen gerade den Rücken stärken sollte, weil sie darum bemüht sind, einvernehmliche und unmittelbar an der Gewässerqualität ausgerichtete Entscheidungen zu fällen.

Laienverstöße gegen geltendes Recht

Die „Besorgnis“ als zentrale Entscheidungskategorie greift in dem Maße um sich, wie Gewässer von ökologischen Laien verwaltet werden und ausgebildete Ökologen und Biologen nur noch eine Nebenrolle spielen.

Mitunter haben behördliche Mitarbeiter vor lauter Verwaltungsarbeit keinen Bezug mehr zum Gewässer und zu seinen komplexen Funktionen und Wirkungen. In der Folge werden wasserrechtliche und verwaltungsrechtliche Entscheidungen getroffen, deren ökologischeri Folgen eher spekulativer Natur bzw. reines Wunschdenken sind.

Fast immer auf der Strecke bleibt – wenn Besorgnis eine Rolle spielt – der Effektivitätsgedanke. Wenn die tatsächliche Leistung einer Maßnahme vorher oder nachher nachgeprüft wird, dann zeigt sich in den meisten Fällen eine erschreckend niedrige Effektivität.

Abgesehen von der Verantwortung, die sich hierdurch auf „besorgte“ Mitarbeiter konzentriert, verstößt die mittlerweile gängige Ausgrenzung der betroffenen Bevölkerung bei wasserrechtlichen Entscheidungsprozessen gegen die Festlegungen der EU-WRRL, die von einem anderen Geist geprägt sind.[6]

Ganz so, als können man ein Pferd von hinten satteln, beginnt häufig erst nach einer Verschärfung der Anforderungen bei der Einleitung von gereinigtem Abwasser in Gewässer die aktionistische Suche nach der wirtschaftlichsten Lösung.

Ursachenforschung und Besorgnisdifferenzierung sind an dieser Stelle längst ausgeblendet.

Eine Besorgnis mag unter Umständen dem Grunde nach dann plausibel sein, wenn etwa Giftstoffe oder radioaktive Abwässer von einem Gewässer ferngehalten werden sollen. Aber auch hier gilt das Gesetz der „Dosis“, denn es macht natürlich einen Unterschied, ob man einen Tropfen oder etliche Kubikmeter Eintrag erwartet.

Geradezu abenteuerlich erscheint es überdies, dass im aktuellen Umweltrecht dieser Gesichtspunkt fast vollständig negiert wird – nicht die Frage nach „wie viel“, sondern „ob“ ein Eintrag denkbar ist, steht im Zentrum. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum heute bei den zunehmenden Verschärfungen hinsichtlich der Abwasserinhaltsstoffe (bzw. sogenannter Summenparameter) in Abläufen kommunaler Kläranlagen und bei der Lebensmittelindustrie zumeist der wissenschaftliche Nachweis im konkreten Einzugsgebiet für die Notwendigkeit dieser Verschärfungen fehlt.[7]

Beim praktizierten Gewässerschutz hingegen liegt das Primat bei wasserchemischen Anforderungen. Dies wiederum steht im krassen Widerspruch zu ökologischen Gesichtspunkten und Gesetzen und zu der EU-WRRL, die ein komplexes vielfältiges Betrachten des betroffenen Einzugsgebiets verlangt.

Ökologen, die gegen solche Missbräuche und derartige Unvernunft kämpfen, neigen angesichts dieser immer stärker
ausufernden Missstände immer häufiger zu Polemik, weil sie meinen, damit noch am wirkungsvollsten auf Bildungsmissstände hinweisen können.

Verschärfungsbegründung als Behördenpflicht

Ausgehend von einer ungenügenden Kenntnis der funktionellen und quantitativen Zusammenhänge im Ökosystem eines Einzugsgebiets müssen Aktionen beim Gewässerschutz fast automatisch ihr Ziel verfehlen, weil man nicht weiß, was man tut und was bei der Implementierung einer Maßnahme am Ende tatsächlich herauskommt.

Bevor eine Verschärfung der Überwachungswerte erwogen wird, sollten deshalb die Schutzziele klar und realistisch erarbeitet und ausformuliert werden. Die dazugehörenden Defizite sind ebenfalls zu benennen. Der Nutzen darf dabei nicht nebulös definiert werden. Wenn es etwa um Fragen der möglichen Beeinträchtigung von Gewässertieren geht (wie der Flussperlmuschel), so ist er artenspezifisch zu definieren.

Weiter ist nachzuweisen, dass erstens die Verschärfung der Überwachungswerte hinreichend ist, um zu gewährleisten, dass der gewünschte zusätzliche Nutzen überhaupt eintreten kann. Dieser zusätzliche Nutzen ist zu garantieren. Diese Garantie erfordert wiederum die Einhaltung des kommunalen (und staatlichen) Sparsamkeitsprinzips. Um diesem Prinzip Rechnung zu tragen, sind im Vorfeld alle zusätzlichen Nutzen aus der Verschärfung der Überwachungswerte und der Abwasserreinigung zu ermitteln. Und es gilt nachzuweisen, dass der angestrebte Nutzen in einem akzeptablen Verhältnis zu den Zusatzkosten steht (Nutzwert-Kosten-Analyse). So kann vermieden werden, dass eine Verschärfung der Überwachungswerte eine unverhältnismäßige Kostenexplosion bei einmaligen oder laufenden Aufwendungen verursachen kann (s. Diagramm 1).

Diagramm 1: Veranschaulichung des Zusammenhangs zwischen
einer Steigerung der Reinigungsleistung und der Kostenexplosion

Die heute verbreitete „beliebige Besorgnis“ bei der Verschärfung von Überwachungswerten sollte also durch eine nachvollziehbare, prüffähige und ganzheitliche Bewertung des konkreten Einzugsgebiets unter Einbeziehung der betroffenen Bürger gemäß den Regulativen der EU-Wasserrahmenrichtlinie ersetzt werden.

Konkret heißt dies, dass im Falle einer geplanten Verschärfung des Überwachungswerts Phosphor nachgewiesen werden sollte, welche Phosphorfracht aus welchen Quellen im Einzugsgebiet stammt, wie groß die Gesamtfracht ist und welchen Einfluss eine Verschärfung des sogenannten Pges.-Überwachungswerts auf diese Gesamtfracht hat – und ob dieser Einfluss überhaupt hinreichend ist, um eine bestimmte gewünschte hydrobiologische Gewässergüte zu gewährleisten. Und schließlich sollte wenigstens die „hydromorphologische Güteklasse“ höher als drei sein, denn die Fische wollen es „wohnlich“ haben.

Auch die Wassermenge ist nicht zu vergessen, denn Fische brauchen nicht nur einen guten wasserchemischen Zustand, sondern auch genug Wasser zum Schwimmen. Der Aufwand für solche interdisziplinäre Untersuchungen bei ganzheitlicher Betrachtung von Einzugsgebieten ist unter dem Strich vernachlässigbar, wenn man andernfalls unnötig entstehende Kosten gegenübergestellt.

________________

Der Autor

Uwe Halbach ist Inhaber des Instituts für Wasserwirtschaft Halbach in Werdau (Sachsen) sowie öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Abwasserbeseitigung.

(Kontaktangaben:

Uwe Halbach
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Werdau, Tel. 03761/5266
box AT institut-halbach.de
www.institut-halbach.de)


Anmerkungen

[1] Maxeiner; D., Miersch, M., Die Zukunft und ihre Feinde, Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen,
Eichenborn AG 2002

[2] Überwachungswerte sind Grenzwerte von Abwasserinhaltstoffe, die im gereinigten Abwasser bei Gewässereinleitung nicht überschritten dürfen.

[3] Hierzu haben Maxeimer & Miersch zahlreiche Beiträge verfasst. Nicht zuletzt sei auch Gärtner genannt,
(Gärtner, Edgar L., Öko-Nihilismus, Eine Kritik der Politischen Ökologie, TvR Medienverlag Jena, 2007)

[4] In wie weit die Einflüsse der Ideologie nur ein Mittel zum Zweck sind (vergleiche Hanna Thiel) , wäre zu prüfen. Bristow notiert hier in einem ähnlichem Zusammenhang: „Wir brauchen eine neue Umweltbewegung mit neuen Zielen und neuen Organisationen“, fordert Crichton. Tatsächlich benötigen wir neue Politik mit mehr Menschen, die bereit sind, unbequeme Fragen zu stellen und Debatten zu entfachen, wo ein Konsens fest etabliert zu sein scheint.“ (Bristow, J., Welt in Angst, Michael Crichtons neuer Reißer stellt einige richtige Fragen, schießt aber aufs falsche Ziel, NOVO 76, S. 43)

[5] Suchbegriffe gefunden im WEKA-Wasserrecht: „Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis“,
Januar 2001 und April 2008, WEKA MEDIA GmbH & Co. KG Römerstr. 4, 86438 Kissing

[6] Ganz zu schweigen davon, dass es zwischen der behördlichen Besorgnis, der Arbeitsplatzsicherheit in der Bürokratie und in der
Umweltindustrie unmittelbare und z. T. ebenso Gründe zur Besorgnis gibt, wie auch Thiele recherchierte (Thiele, H. Die
deformierte Gesellschaft, Hanna Thiele über den Aufstieg der Umweltbürokraten, NOVO 85 – November Dezember 2006, S. 20 – 24, auch im Internet unter: http://www.novo-magazin.de/85/novo8520.htm).

[7] Hierzu zählen der chemische Sauerstoffbedarf (CSB), der allein keinen Beweis einer Gewässerschädigung erlaubt, der biologische Sauerstoffbedarf (BSB5), Ammonium, Gesamtstickstoff und Phosphor.

__________________________________________________________________________




Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen?!

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?

„Was wäre, wenn die Abwasserabgabe für Stickstoff und der Überwachungswert für Gesamtstickstoff aufgehoben werden würde und wenn es dafür nur einen Überwachungswert für Ammonium gäbe?

Dann ist zunächst festzustellen, dass wir eine ganze Menge falsch gemacht haben. Wissenschaft und Technik wurden falsch orientiert. Ein Mangel ist, dass bestimmte Verfahren nicht in dem Maße weiterentwickelt wurden, wie es notwendig gewesen wäre. Die Verbesserung der Zweckmäßigkeit z. B. des Tropfkörperverfahrens bei gleichzeitiger Senkung der Jahreskosten stagniert über 10 Jahre. Es wurden falsche Schwerpunkte gesetzt. Mancher wasserwirtschaftliche Rahmenplan und manches Abwasserzielkonzept ist teilweise unzweckmäßig oder sogar in Teilen falsch. Mancher Kläranlagenablauf wurde z. B. um Seen herumgeleitet, obwohl er im See zu einem großen Gewässernutzen führen würde. Die Kosten für die Umleitung sind gesetzlich sanktionierte Fehlinvestitionen. Privates und staatliches Eigentum wurde teilweise unzweckmäßig und für einige Gewässer schädlich verwandt.

Wenn Belebtschlammkläranlagen nicht mehr denitrifizieren brauchen, dann ergeben sich auch bei diesen Verfahren völlig neue Aspekte, die zu untersuchen sind.

Außerdem würde es sehr zweckmäßig sein, energiesparende Tropfkörperverfahren besonders zu fördern, weil diese neben dem Gewässerschutz außerdem noch durch ihren sehr geringen Energieverbrauch eine besonders günstige Wirkung auf das Klima haben (Treibhausgas CO2, siehe Abschnitt „Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend“ ab Seite 205).

Viele Kläranlagen sind Belebtschlammkläranlagen und viele davon haben eine Denitrifikationsstufe. Können wir diese Anlagenstufe einfach abschalten? Das ist ohne weiteres nicht möglich, weil für die sichere Funktion des Belebungsverfahrens die Denitrifikation notwendig ist. Beim Belebtschlammverfahren kommt es sonst zu Störungen und Kläranlagenausfällen durch eine sog. „wilde Denitrifikation“ in der Nachklärung.

Das ist aber kein Grund für die Berechtigung der Denitrifikation in der Perspektive oder bei künftigen Neubauten. Im Ergebnis der garantiert weiter steigenden Energiepreise und der Notwendigkeit zu drastischen Energiesparmaßnahmen, im Hinblick auf den Klimaschutz, wird die Perspektive des Belebungsverfahrens fragwürdiger (vergleiche Abschnitt 22.7.2). Hier kommt es darauf an, Leistungen der Wissenschaft für die Entwicklung oder Weiterentwicklung besonders energiesparender Abwasserbehandlungsverfahren zu fordern und zu fördern.

In den folgenden 2 Kapiteln werden anhand von Annahmen die Vorteile schätzungsweise bewertet. Zunächst wird im folgenden Abschnitt analysiert, welche Vorteile eine teilweise Neuorientierung, z. B. zu Tropfkörperkläranlagen möglicherweise hätte. Tropfkörperkläranlagen sind nämlich Kläranlagen, die besonders niedrige Energiekosten aufweisen.

Ein niedriger Energieverbrauch belastet unser Klima in geringerem Maße, weil mittelbar weniger CO2 bei der Energieerzeugung entsteht. Mit diesem Problemkreis befasst sich der Abschnitt „Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend“, Seite 205.

Insgesamt wird in den zwei Kapiteln deutlich, dass Tropfkörperverfahren doch zu erheblich niedrigeren Energiekosten führen. Dies sollte hinsichtlich der zu erwartenden Energiepreissteigerungen und in Vorsorge des Klimaschutzes neu bewertet werden. Insbesondere ist zu berücksichtigen, dass bei dem Tropfkörperverfahren oder einem energetisch vergleichbaren Verfahren für die Umwelt ein dreifach nützlicher Effekt entsteht:

  1. Reinigung des Abwassers
  2. Produktion von Nitrat, sofern sich dies im betreffenden Fall als gewässernützlich herausstellt
  3. selten umweltfreundliches Abwasserreinigungsverfahren (Klimaschutz)

Diese Feststellungen mögen wenig erfreulich sein. Mit jedem Tag aber, den wir ab jetzt länger brauchen, um diese Widersprüche zu lösen, schaden wir der Umwelt und uns selbst.

22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?

Im Folgenden wird ein Teil des Schadens kalkuliert, der durch unzweckmäßige Abwasserbehandlungsverfahren entstanden ist oder solange entstehen wird, wie eine Stickstoffeliminierung gesetzliche Vorschrift ist.

In der Regel muss die Abwasserbehandlung nach dem Belebtschlammverfahren vorgenommen werden, weil dieses Verfahren vorzugsweise für die gesetzlich vorgeschriebene Denitrifikation geeignet ist. Verfahren, die nur nitrifizieren, also Nitrat produzieren, dass dem Gewässer als zusätzliche Sauerstoffquelle dienen könnte, sind, bis auf Ausnahmen,
(£ 10.000 EW) verboten. Dazu zählt z. B. das Tropfkörperverfahren. Tropfkörperverfahren durften etwa bis 1989 in großen Kläranlagen uneingeschränkt betrieben werden.

Mit der Einführung eines Überwachungswertes für den Gesamtstickstoff, würden alle Kläranlageneigentümer, welche Kläranlagen ab der Größenklasse 4 (> 10.000 EW) betreiben, gezwungen, den Stickstoff zu Nitrat zu oxidieren und in der Denitrifikation biologisch zu entfernen. Mit dieser Gesetzesänderung wird also die Nutzung besonders umweltfreundlicher Verfahren, die nur nitrifizieren, auf kleine Kläranlagen beschränkt. Hierbei handelt es sich insbesondere um Verfahren, die mit festsitzenden Mikroorganismen arbeiten (Tropfkörperverfahren, Scheibentauchkörperverfahren…). Diese Verfahrensgruppe hat neben dem Vorteil einer Nitratproduktion für die Abwasserreinigung auch den Vorteil, dass sie mit einem Minimum an Elektroenergie auskommt, die vergleichsweise für das weitverbreitete Belebtschlammverfahren erforderlich wäre.

Wenn Deutschland jährlich 1 Terawattstunde[1] Energie sparen will, dann müssen etwa 70 % der Bevölkerung an moderne energiesparende Kläranlagen angeschlossen werden bzw. die Anlagen müssten umgebaut werden (Tabelle 33[2]).

Das Belebungsverfahren wäre auf Ausnahmen zu beschränken!

Tabelle 33: Mögliche Energieeinsparung

Der Tabelle 34 ist eine Gegenüberstellung der Energiekosten für den biologischen Reinigungsprozess (einschließlich der erforderlichen Rückführungen) beim Belebtschlammverfahren und der Energiekosten beim Tropfkörperverfahren zu entnehmen.

Das Abschalten der Denitrifikation ohne Abschaffung des Belebtschlammverfahrens führt zwar zur Bereitstellung von Sauerstoff aus dem Nitrat für das Gewässer, gleichzeitig steigt aber der Energieverbrauch der betreffenden Belebtschlammkläranlagen um etwa
2…2,5 %. Zu berücksichtigen ist, dass die Denitrifikation nicht ohne weiteres außer Betrieb genommen werden kann. Es kann dann zum Zusammenbruch der Nachklärung und zum Ausfall der Gesamtanlage kommen.

Nach Tabelle 34 würden im Falle einer Gesetzesänderung und bei Eintreten der getroffenen Annahmen jährlich Energiekosten in Höhe von 2,4 €/Einwohner gespart werden.

Tabelle 34: Technologieabhängige Energiekosten bei der Abwasserbehandlung

Die Tabelle 35 veranschaulicht die mögliche Energiekosteneinsparung in Abhängigkeit des Umfanges des Kläranlagenumbaus. Es wurden verschiedene Fälle analysiert. Für sehr große Kläranlagen wird die energiekostensparende Alternative möglicherweise weniger infrage kommen. Kläranlagen bis 100.000 EW wären aber auf jeden Fall umrüstbar.

Letztlich wäre die Umstellung auch davon abhängig, wie schnell die Energiekosten steigen und welche neuen Prämissen dann in der Umweltpolitik gesetzt werden[3].

Tabelle 35: Fallunterscheidung zur Energieeinsparung bei Gesetzesänderung

Der Effekt bei Abschaffung der Denitrifikationspflicht wäre so gewaltig, dass schätzungsweise jährlich 600…1.000 GWh[4] an Elektroenergie eingespart werden können – je nachdem wie umfänglich die Kläranlagen umgebaut werden könnten.

Der Effekt bei Abschaffung der Denitrifikationspflicht wäre so gewaltig, dass schätzungsweise jährlich 600…1.000 GWh[4] an Elektroenergie eingespart werden können – je nachdem wie umfänglich die Kläranlagen umgebaut werden könnten.

Es ist natürlich klar, dass die Umstellung Geld kostet. Wenn aber unsere in Deutschland brachliegenden Reserven durch die Politik, Wissenschaft und Technik erschlossen werden, dann werden wir auch Geld für die Errichtung energiesparender Kläranlagen haben, egal welches Verfahren es sein wird.

Wer Magnetschwebebahnen bauen kann und sich als Staat manches teure unnütze Ding oder Vergnügen leistet, der sollte auch Geld für eine bessere Klärtechnik haben, denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Allerdings braucht man für solche Umsetzungen etwas „Abwasserfrieden“ im Land und vielleicht hilft dieses Buch dabei manches in einem anderen Licht zu sehen.

Grundsätzlich ist die Motivation des Deutschen beim Gewässerschutz Weltspitze. Er will nur nicht von denen – die ihm beim Gewässer schützen „helfen“ – am Ende „verkauft“ und verraten werden. Und genau hier liegt unser eigentliches Problem.“

22.7.2  Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

Energiekostensenkung oder die Unterbrechung des Phosphorkreislaufes durch Verzicht der Denitrifikation ist nur ein Teilerfolg. Nachhaltiger Gewässerschutz erfordert die Einbeziehung der Anforderungen des Klimaschutzes, denn jede bei der Abwasserreinigung nicht verbrauchte Kilowattstunde an elektrischer Arbeit reduziert die Emission des Treibhausgases um gut 300 l CO2.

Allein bei einem 50 %-igen entsprechenden Umbau aller Belebtschlammkläranlagen würde der jährliche CO2-Ausstoß um 231.000.000 m³ sinken.

Dies würde – um es zu veranschaulichen – dem gleichzeitigen Betrieb von 378 Windkrafträdern (WKR) entsprechen, wenn eine Erzeugung von 2 GWh/aWKR zu Grunde gelegt wird (Tabelle 36). D. h. 378 Windkrafträder müssen gebaut, gefördert und betrieben werden, um den eigentlich unnötigen Energiemehrverbrauch des Belebungsverfahrens – verglichen mit dem weitaus niedrigeren Energiebedarf einer Abwasserbehandlung, z. B. mit dem Tropfkörperverfahren – abzusichern.

Tabelle 36: Zusammenhang zwischen Energieeinsparung und Leistung der WKR


[1] 1 Terawattstunde sind 1.000.000.000 kWh. In kWh oder Ws wird die elektrische Arbeit gemessen. 1 kWh bringt eine 100 W-Glühbirne 10 Stunden lang zum Leuchten.

[2] Die Kalkulation ist im Einzelnen dem Internet zu entnehmen: http://www.institut-halbach.de.

[3] Die Bauindustrie würde diesen „fortschrittlichen Rückschritt“ möglicherweise begrüßen.

[4] 1 Gigawattstunde = 1.000.000 kWh


Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3




Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff

In den Abschnitten „Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung“ und „Nitrat stört den Phosphorkreislauf“ wurde bewiesen, dass es für die Sanierung eines Sees in der Regel vorteilhaft ist, wenn gereinigtes, nitratreiches und weitestgehend phosphorfreies Abwasser in bestimmte Seen eingeleitet werden darf und nicht, wie es jetzt praktiziert wird, dass mit viel Aufwand versucht wird, dieses gereinigte Abwasser aus solchen Seen fernzuhalten.

Dem Abschnitt „Schwarze Flecken im Watt“ ist zu entnehmen, dass Nitrat sogar bei Wattschäden heilend und lindernd wirkt.

Ferner wurde aufgezeigt, dass die Stickstoffeliminierung in Kläranlagen eine äußerst fragwürdige Effizienz hat (Abschnitt „Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung“).

Nun stellt sich die Frage, warum lassen wir die Stickstoffeliminierung nicht einfach sein, wenn sie teilweise schädlich und außerdem von ziemlich schlechter Effektivität ist?

Das geht deshalb nicht, weil der Stickstoff fälschlicherweise gesetzlich zum Schadstoff erklärte wurde. Die vorhergehenden Kapitel haben sicher bewiesen, dass der Stickstoff undifferenziert nur Indiz dafür sein kann, dass er möglicherweise einen Gewässerschaden verursachen könnte. Er kann genauso gut sehr nützlich für die Umwelt sein.

Bei Stickstoff ist dem Grunde nach wie folgt zu differenzieren:

  • Liegt der Stickstoff als Eiweiß, Harnsäure, Ammonium oder Ammoniak vor, dann ist er grundsätzlich gewässerschädlich zu bewerten und sollte zu Nitrat oxidiert werden.
  • Liegt der Stickstoff als Nitrat vor und wird dieses Nitrat in ein Trinkwassereinzugsgebiet eingeleitet, dann ist der Stickstoff ein Schadstoff.
  • Liegt der Stickstoff als Nitrat vor und hat er eine nützliche Wirkung auf das oder die Gewässer, dann ist er kein Schadstoff.

So einfach, wie es sich der Gesetzgeber mit der Erklärung des Stickstoffes zum Schadstoff gemacht hat, ist nicht zu bewerten, was für ein Gewässer gut oder schlecht ist.

Ob der Stickstoff im Einzelfall ein Schadstoff ist oder nicht, sollten Experten gewässerbezogen prüfen und die geeigneten, auf das jeweilige Gewässer abgestimmten Maßnahmen festlegen.

Da der Stickstoff dem Grunde nach kein Gewässerschadstoff ist, sondern nur ein Indiz, dass ein Gewässerschaden entstehen könnte, und gleichermaßen ein Indiz dafür sein kann, dass ein Gewässernutzen entstehen könnte, ist die Abwasserabgabe für Stickstoff ungesetzlich. Sie verstößt gegen das Grundgesetz Artikel 14 (vergleiche Abschnitt „Wasserrecht teilweise im Widerspruch zum Grundgesetz“ ab Seite 208).

Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3

error: Content is protected !!