Schwermetall

Schwermetall im Klärschlamm? Wir können vielleicht helfen!

Schwermetall im Klärschlamm? Wir können vielleicht helfen!

Wie man sieht, haben wir mit Schwermetall keine Schwierigkeiten und die Hantel hält nicht nur ein Ingenieur unseres Hauses mühelos waagerecht und auch noch ohne dabei zu zittern.

Auch unser Chemiker kann hier mithalten und er kann zudem die Hantel chemisch bewerten.

Haben Sie eine Schwermetallaufgabe mit Ihrem Klärschlamm?

Dann haben wir aus vielen Gründen mit der 5266 die beste Telefonnummer der Welt:

+49 3761 5266 oder für Deutschland: o3761 5266

Ein Grund für die beste Telefonnummer ist die wasserwirtschaftliche Erfahrung über 3 Generationen in der Familie!

Konsequenzen einer Grenzwertüberschreitung von Schwermetallkonzentrationen

  1. Hohe Kosten, denn bei Grenzwertüberschreitung von Schwermetallkonzentrationen wird dieser meist Sondermüll, dessen Entsorgung sehr teuer ist.
  2. Bei „Nichtstun“ und Anzeige, ggf. Anklage wegen Straftatbestand der Gewässerverschmutzung.

Nur wenn die relevanten Schwermetallemittenten (-verursacher) bekannt sind, kann die tatsächliche Ursache der Verschmutzung des Grundwassers beurteilt werden.

Eine eventuelle Verschmutzung des Grundwassers mit Schwermetallen – eine entsprechende Dosis vorausgesetzt – ist eine bedeutend folgenreichere Umweltvergiftung gegenüber zu viel Schwermetall im Klärschlamm, der, wenn dies bekannt ist, gefährdungslos – aber teuer – zu entsorgen ist.

Allerdings gibt es auch eine Selbstreinigung von Schwermetallen in der Natur;

Der Wasserkreislauf!

Man muss nur warten können und dürfen.

Wie schwer ist eigentlich Schwermetall?

Wie schwer ist denn nun Schwermetall?

Einer Definition zufolge ist alles Metall mit einer Dichte ≥ 5 g/cm³ Schwermetall.

Eisen hat die Dichte von ≈ 7,9 g/cm³, ist damit ein Schwermetall und so ist das Hantelgleichnis gar nicht so abwegig.

Da Eisen fast überall ist, gilt:

In jedem Klärschlamm dürfte eine gehörige Menge Schwermetall sein.

Wichtige Eigenschaften von Metall

Wegen der Vollständigkeit seien für den, der es noch nicht weiß, die wichtigsten Eigenschaften von Metall aufgezählt:

  1. elektrisch gut leitfähig
  2. undurchsichtig
  3. gut verformbar
  4. relativ hoher Schmelzpunkt
  5. glänzend

Und nun kommt das Besondere dieses Beitrages. Es geht um Schwermetalle,

  1. die nicht nur schwer,
  2. sondern die auch giftig sind,
  3. die vom Belebtschlamm aufgenommen werden und die dann
  4. im Klärschlamm landen.

Schwermetalle sind meist giftig!

Aber manche sind sogar lebensnotwendig!

Doch das ist hier kein Thema.

Warum sind nun Schwermetalle im Klärschlamm zu minimieren?

Um in Ausnahmefällen zu verhindern, dass bei hohen Stoffkonzentrationen giftige Schwermetalle über den Stoffkreislauf den Menschen und andere Organismen vergiften können.

In der Regel, weil es Vorschrift ist.

Eine Mittel zur Schwermetallminimierung: Erfahrung

Schwermetalle im Klärschlamm gelangen über die Kanalisation – meist über Indirekteinleiter auf die Kläranlage.

Langjährige Erfahrungen und kompetente, erfolgreiche Mitarbeiter, z. B. unseren Chemiker Herrn Uwe Eichhorn sind ein wichtiges Mittel zur Schwermetallminimierung.




Schlammabfuhr aus Kleinkläranlagen – Hinweise für Klärgrubenbesitzer

Zur Schlammabfuhr aus Kleinkläranlagen

Welche Aufgaben hat eine Abwasserfaulgrube (Kleinkläranlage nach DIN 4261-1)?

(In dem Fall, dass der Kleinkläranlage nach DIN 4261-1 eine biologische Stufe nachgeschaltet ist, wird in der Regel der in der nachgeschalteten Stufe anfallende Schlamm ebenfalls in der 1. Kammer der Abwasserfaulgrube sedimentiert und gelagert. Diese Schlammengen (Überschußschlamm)  können den Abfuhrzyklus erheblich reduzieren. Darauf wird in eine Ergänzung dieses Beitrages in Kürze eingegangen).

Häufig wird vergessen, dass Faulgruben nur drei/vier Funktionen haben:

  • Rückhalten von absetzbaren Stoffen
  • Rückhalten von Rechengut
  • Lagern des abgesetzten Schlammes bis zur Abfuhr
  • Bei Mehrkammer-Ausfaulgruben: auch Reduzierung des abzufahrenden Schlammes und damit der Entleerungskosten im besten Fall um ca. 45%.

Relevant ist: Schlamm oder Rechengut darf aus einer Kleinkläranlage nach DIN 4261-1 nicht in das Gewässer gelangen. Deshalb ist eine Schlammabfuhr bei Bedarf erforderlich.

Wie oft ist der Schlamm aus Kleinkläranlagen zu beräumen?

Nun – so oft es nötig ist.

Wann eine Schlammabfuhr es nötig?

Bevor das zulässige Schlammspeichervolumen überschritten wird.

Warum nur eine Schlammabfuhr so oft wie nötig und nicht so oft wie möglich?

  1. So oft wie möglich kostet den Klärgrubenbesitzer unnötig viel Geld.
  2. Im Szenario „So oft wie möglich“ wird sehr viel Wasser und wenig Schlamm „spazieren gefahren“ und unnötig viel Diesel verbraucht.
  3. Klärschlamm reduziert mit der Lagerzeit ganz erheblich sein Volumen: Also, je länger man wartet, desto weniger Schlamm fällt an und braucht abgefahren zu werden.
  4. Klärschlamm muss auf der Kläranlage weiterbehandelt werden. Je weniger Schlamm anfällt, desto geringer sind die zusätzlichen Kosten des AZV oder der Kommune.

In welchem Maße reduziert Klärschlamm sein Volumen mit der Lagerzeit?

Das Ausmaß ist anhand der folgenden Messergebnisse (veröffentlicht von Schütte, H. , Betriebserfahrungen mit Kleinkläranlagen, KA – Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall 2000 (47), Nr. 10, S. 1499-1505) zu erkennen:

Nach Schütte, H.Betriebserfahrungen mit Kleinkläranlagen KA – Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall 2000 (47) Nr. 10 S. 1499-1505

Man erkennt bei einer einjährigen Lagerzeit des Schlammes (d. h. jährliche Abfuhr), dass die aus der 1. Kammer (!) abzufahrende Schlammmenge 0.65 l/Ed also 237 l/Ea beträgt.
(E= Einwohner, a = Jahr, l = Liter).

Bei einer 5-jährigen Lagerzeit sinkt die spezifische Menge um 100 % auf  ca. 0,3 l. In diesem Fall beträgt die nach 5 Jahren abzufahrende Schlammmenge ca. 550 l/Ea.

In den 4 Jahren zusätzlicher Lagerzeit hat sich die Schlammmenge um 313 l (550-237) , also um 56 % durch Eindicken und durch Gärungsprozesse reduziert.

Voraussetzung für eine 5-jährige Lagerzeit ist natürlich, dass die Grube für eine derartige Lagerzeit bemessen wurde.

Entscheidend für die Bewertung ist nicht die Auslastung zum Errichtungsdatum, sondern immer die aktuelle Auslastung.

Übrigens der in Tabelle 1 des DWA-Arbeitsblattes 280 genannte  mittlere Schlammanfall von 1 m³/Ea  ist nur die halbe Wahrheit.

Wie kann man die  Speicherkapazität der Grube kalkulieren?

  • Nutzvolumen der Kammern ermitteln (siehe z. B. Planungsunterlagen (DDR-Kleinkläranlagen nach_TGL_7762 bzw. WAPRO-Standard sonst ausmessen)
  • angeschlossene Einwohner zählen
  • Ermitteln, ob man eine Mehrkammer-Absetzgrube (gesamtes Nutzvolumen > 2 m³ und 0,5 m³/E) oder eine Mehrkammer-Ausfaulgrube (gesamtes Nutzvolumen > 6 m³ und 1 m³/E) betreibt
  • Mehrkammer-Absetzgrube und Mehrkammer-Ausfaulgruben sind zu beräumen, wenn der Schlammspiegel 50 % der Nutztiefe erreicht.
  • Feststellen des Schlammspiegels: Wer es preiswert, weil selber machen will: Hier eine Anleitung wie Klärwärter früher einfach und simpel (und ich heute noch) das Problem lösten (bzw. löse): Schlammspiegelmessung. Es geht natürlich auch viele aufwändiger, wenn man z.B. einen „Schlammspiegelmesser“ bestellt.

Kalkulationsbeispiele für eine Schlammabfuhr:

Szenario: 4 Einwohner zum Planungszeitraum

  • Grubentyp: Mehrkammerabsetzgrube Typ PROWA 3/5 (3 Kammern, 5,4 m³ Nutzvolumen, 1. Kammer 2,7 m³ und in 1. Kammer max. 1,35 m³ Schlammvolumen)
  • 1.350 l/E und 5,4 m³ also großzügig nach Ermessen: Mehrkammerausfaulgrube
  • Im Vergleich der folgenden 2 Tabellen ist zu erkennen, wie erheblich der Abfuhrzyklus bei qualifizierter Bewertung des Fäkalschlammanfalls ausgedehnt werden kann. Ob es ratsam ist, einen 5 Jahresrhythmus zu überschreiten, muss man selber probieren. Es kann vorteilhaft sein, dafür zu sorgen, dass erhebliche Schlammmassen nicht in die 2. und 3. Kammer gespült werden.
  • Längere Abfuhrzyklen setzen voraus, dass der Anlagenbesitzer den Schlammspiegel anfangs wenigstens 1 x jährlich kontrolliert, bis er die Erfahrung für den notwendigen Zeitraum gewonnen hat.

Schlammabfuhr

Szenario: 2 Einwohner während des Betriebszeitraumes

Schlammabfuhr Zwei Einwohner

Selbst eine kleinere Mehrkammer-Absetzgrube kann bei Unterlastung durchaus mit einem 2-jährgen Zyklus auskommen:

Schlammabfuhr Mehrkammer-Absetzgrube

Es kommt auf eine Beobachtung und anschließende Bewertung des Schlammspiegels an. Dazu wird folgend die eigentlich simple Berechnungsmethode erläutert.

Schlammspiegel

Methode zur Berechnung der Mächtigkeit des abgelagerten Schlammes

Schlammspiegel

Eine Birke als Meßgerät, sofern man nicht z.B. ein optisches Meßgerät zur Hand hat

Schlammspiegelmessung

Schlammspiegelmessung mit einer Birke und einem Brett

Das Meßgerät besteht aus einem langen Stock, in diesem Fall aus einem entsprechend langem Birkenstamm (siehe Foto). Zweckmäßig ist eine Stablänge von Deckel bis Grubengesamttiefe (Deckel bis Grubensohle) plus ≥ 1 m. Am unteren dicken Ende ist ein Holzbrett mit der Länge und Breite eines A4-Blattes angeschraubt oder genagelt. Diese Vorrichtung wird in die 1. Kammer eingetaucht und langsam abgesenkt. Durch das Eintauchen dieser Vorrichtung in die Kammer, lässt sich der Schlammspiegel indirekt erfühlen. Wenn das Brett den Schlammspiegel erreicht, dann steigt der Kraftaufwand beim weiteren Absenken.

Allerdings: Das Gerät funktioniert nur bei Schlämmen, die schon mehr als nur ein Jahr Zeit hatten einzudicken. Bei frischen Schlammablagerungen ist die obere Schlammschicht von wasserähnlicher Konsistenz, so dass der Schlammspiegel mit dieser Vorrichtung nicht sicher zu bestimmen ist.

Wenn schon, denn schon…

Wenn die Industrie Grundstücksbesitzern die teuren Mehrkammer-Ausfaulgruben verkauft (was ja nicht falsch sein muss), dann sollte es aber auch gestattet sein, deren betriebliche Vorteile nutzen zu dürfen. Also Entleerung nach Bedarf.

Muss eine Kleinkläranlage dicht sein?

In der Regel ja.

Andererseits soll der Gewässerschutz auf wissenschaftlichen Füßen stehen. Und in Wertung der Tatsachen

  • Selbstdichtung von Kanälen und Abwasserbecken
  • Verstopfung von Pflanzenkläranlagen im Laufe der Zeit
  • Filtration des Abwassers bei der Leckpassage
  • verhältnismäßig völlig unbedeutende Frachteinträge

ist eine undichte Kleinkläranlage in der Regel eine wasserwirtschaftliche Lappalie.

Strittiges:

  • Kleinkläranlagen nach DIN 4261-1 werden nach der Verweilzeit des Abwassers bemessen. Zum Zeitpunkt der Bemessung (1930 bis heute) kalkuliert man immer noch mit einem Abwasseranfall im ländlichen Raum von 150 l/Ed, der in der Regel heute falsch ist und im ländlichen Raum eher zwischen 60…90 l/Ed liegt.
  • Damit erhöht sich die Verweilzeit des Abwassers und der Wirkunsgrad in den Gruben entsprechend. Das kann soweit gehen, dass unterlastete Mehrkammerausfaulgruben den BSB5-Überwachungswert (<= 40 mg BSB5/l) einhalten.
  • Es ist also durchaus möglich, dass eine Mehrkammer-Absetzgrube, die ursprünglich für 4 E vorgesehen war und heute nur noch von 2 Personen genutzt wird, Schlammlagerzeiten erreicht, die der einer Mehrkammer-Ausfaulgrube entsprechen.

Sehr wichtig!

Bei folgenden Abwasserbehandlungsverfahren ist eine regelmäßige Schlammspiegelmessung und – steuerung (durch rechtzeitige Abfuhr) sehr wichtig:

  • nachgeschaltete bepflanzte (Pflanzenkläranlagen) oder unbepflanzte Bodenfilter
    • Filtergräben
    • Filterbeete
  • Versickerungsschächte
  • Versickerungsgräben

Der Grund: Ein Schlammabtrieb kann die Filter- und Versickerungsanlagen verstopfen. Dann hilft nur noch ein Neubau.

Besonders schnell ist bei einem unerwünschten Schlammabtrieb mit einem Neubau zu rechnen, wenn das vorbehandelte Abwasser ein Vlies (Bestimmte Art eines Geotextils) passieren muss.

Wenn ein Geotextil erforderlich ist, dann wäre nur eines zu verwenden, das nicht zur Verstopfung neigt! Hier ein anschauliches Beispiel der FRITZ LANDOLT AG (http://www.landolt.com) :

„Landogeo™ Filter ist ein PE-Monofilgewebe und besteht aus einem zwei Fadensystem (Kette und Schuss), das in einer Ebene und im rechten Winkel miteinander zu einem zweidimensionalen Flächengebilde verkreuzt wird.“

Den Ball flach halten

Mitunter wird aus Geschäftsinteresse mit Kleinkläranlagen Panik verbreitet und so getan, als sei eine zentrale Abwasserbehandlung das Beste und einzig Gute für die Welt.

Das ist zu relativieren.

Erstens liegt der Schwerpunkt der Gewässerbelastung bekanntlich bei der industriellen Landwirtschaft und zweitens hat die zentrale Abwasserbeseitigung auch so ihre Schwächen, denn die Schmutzfrachten, die vor der Kläranlage in das Gewässer rauschen werden werden bei der Gesamtbilanz (ganzheitliche Gewässerbewertung nach der EU-WRRL) insbesondere bei der Festlegung von Überwachungswerten eher selten beachtet.

Überarbeitet: 08.10.2017




Gewässerschutz

Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 widerspricht konkretem Gewässerschutz

Übermäßiger Gewässerschutz kann gegen das Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 verstoßen!

In diesem Beitrag geht es um die Darstellung der Tatsache, dass der praktizierte Gewässerschutz – also in der Weise wie er offiziell verfolgt wird – keineswegs selten seine Ziele gerade dann verfehlt, wenn er wasserrechtliche Regelungen rigoros umsetzt.

Das ist komisch, ist aber so!

(„Keineswegs selten“ bedeutet, dass es natürlich auch Fälle gibt, in denen der Gewässerschutz seine Ziele erreicht.)

Die Ursache des erwähnten Paradoxon liegt in der Unmöglichkeit,

  1. die konkrete Natur mit abstrakten Rechtsvorschriften abzubilden. Und
  2. in der Unmöglichkeit, mit Rechtsvorschriften in der Natur etwas zu steuern.

Wenn etwas in der Natur mehr oder weniger genau gesteuert werden kann, dann nur in Kenntnis und Anwendung der wissenschaftlichen Ökologie.

So, und nun zu den Tatsachen. Tatsachen haben die Eigenschaft, darauf sei noch hingewiesen, dass sie für ihre Wahrheit keine Akzeptanz benötigen. Beispiel: Die Erde ist rund und dies unabhängig davon, ob der Gesetzgeber oder eine Verwaltung nun daran glaubt oder nicht! Tatsachen bedürfen für ihre Akzeptanz der Dokumentation. Und fehlt die Dokumentation oder ihre Akzeptanz, so bleiben es trotzdem Tatsachen.

Ein schönes Beispiel ist der von Reichholf dokumentierte, gutgemeinte und tatsächliche Eingriff des „Gewässerschutzes“ in die Natur der völlig nach hinten losging. In der Konsequenz kam es zu einem vorhersehbaren Massensterben von Muscheln. Hier sollte man wissen, dass Muscheln gut 100 Jahre alt werden können und als Filtrierer einen beträchtlichen Anteil an der Klarheit eines Gewässers haben können. Zahlreiche Naturfreunde lesen seit Jahren Muscheln aus Gewässern, die aus verschiedensten Gründen zeitweise trocken liegen, um sie umzusiedeln oder anschließend wieder einzusetzen. 3 Beispiele mögen ihre Bemühungen veranschaulichen:

Das ist die eine Seite der Medaille!

Die andere Seite füllt das Wasserhaushaltsgesetz mit seiner Forderung, Abwässer nach dem Stand der Technik zu behandeln. REICHHOLF kritisiert diese Forderung schon 2005:

Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt? Wir können nicht all diesen Tieren die Nahrung wegnehmen und dann darüber klagen, dass sie seltener werden.Reichholf: Die Zukunft der Arten.

Der sogenannte Stand der Technik verursachte in einem dokumentierten Fall ein Massensterben schützenswerter Tiere im Gewässer. Auf der einen Seite begeistert sich der Naturfreund über die Rettung von 20 Muscheln, opfert seine freie Zeit und auf der anderen Seite werden beim guten Tun wasserrechtskonform 4.000 Muscheln/100 m²(!)  getötet.

Aus dem Kapitel 3, ab Seite 47 des Buches von REICHHOLF

Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten.
Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch, erschienen März 2005
München C.H. Beck Verlag

folgt, dass übermäßiger Gewässerschutz zur dramatischen Verschlechterung der Bedingungen in den Ökosystemen für Mauersegler und Großmuscheln führte. Aber lesen Sie selbst:

Gewässerschutz

Abbildung 10: Der Rückgang der Mauersegler verlief parallel zur Abnahme der Großmuscheln und der Mückenlarven.

Zum Verständnis des Diagramms 10 von REICHHOLF:

1968-1973 wurden je 100 m² noch 4.000 Großmuscheln gezählt. 1994 war infolge der „Verbesserung“ der Gewässergüte keine mehr da!

Zum Diagramm, Zitat:

„Dennoch lässt sich wohl der größere Teil — wenn nicht sogar der gesamte Rückgang — als «hausgemacht» erklären. Den Schlüssel dazu liefern ganz ähnliche, ja sogar im Ausmaß noch weit kräftiger ausgebildete Rückgänge bei den Großmuscheln. Und die wandern nicht irgendwohin, sondern sie leben dauerhaft für Jahre und Jahrzehnte in jenen Gewässern, aus denen auch die «Emergenz» von Zuckmücken, kleinen Eintagsfliegen und anderen Wasserinsekten hervorkommt. Abb. 8 zeigt diesen Rückgang der Großmuscheln im selben Gebiet der Stauseen am unteren Inn, in dem auch die starke Abnahme der Mauerseglerhäufigkeit festzustellen war. Die Kleinmuscheln gingen ebenfalls sehr stark zurück.
Fügt man nun auch noch die Abnahme der Häufigkeit der Zuckmückenlarven (Abb. 9) hinzu, die im Bodenschlamm dieser Stauseen leb(t)en, ergibt sich ein einheitliches Gesamtbild (Abb. 10).
Die Gleichsinnigkeit der Verläufe bei den drei so ganz unterschiedlichen Tiergruppen geht hieraus so deutlich hervor, dass sich ein gemeinsamer Grund geradezu aufdrängt. Er lässt sich aus der Lebensweise der Zuckmückenlarven und der Großmuscheln direkt ableiten und mit der Abnahme der Mauersegler verbinden. Beide, die Larven der Zuckmücken wie die Großmuscheln, leben von jenem schon benannten organischen Detritus, den Bakterien und Pilze zersetzen. Sie filtern oder strudeln ihn aus dem Wasser und den obersten Schichten des Bodenschlammes heraus. Vor allem das Bakterieneiweiß, das darin enthalten ist, stellt eine ergiebige Nahrungsgrundlage dar. Sie bildet gleichsam die Basis einer eigenen, sehr umfangreichen Nahrungskette. Erstnutzer dieses Detritus sind Zuckmückenlarven und Schlammröhrenwürmer, die in ähnlichen Mengen und Mengenverhältnissen wie die Zuckmückenlarven in solchen Gewässern vorkommen sowie die Muscheln. Wo es viel von dieser Detritus-Nahrung gibt, entwickeln sich große Bestände dieser «Schlammfauna» (Reichholf 1993). Mit bis zu 2,6 Kilogramm Frischgewicht pro Quadratmeter erreichten Ende der 1960er und Anfang der 1970erJahre die Zuckmückenlarven sogar ziemliche Rekordwerte. Noch erheblich größere Mengen hatte es am Ismaninger Speichersee gegeben.“ (Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten)

Zu dem Verhungern der Mauersegler und Großmuscheln kam es also durch Verschlechterung des Nahrungsangebotes infolge einer übermäßigen Abwasserreinigung.

Ein scheinbares Paradox: Ist doch gerade die Verschlechterung des Gewässerzustandes vom „Gewässerschutz“ ausdrücklich verboten!

Mitunter wird geglaubt, Muscheln brauchen klares Wasser. Das trifft aber nur auf wenige Muschelarten zu. Vielmehr ist korrekt, dass Muscheln – insbesondere Teichmuscheln – trübes Wasser reinigen. Sie filtrieren das Wasser. Für die Teichmuscheln im Dorfteich kann es eng werden, wenn Kleinkläranlagen, die bislang in den Teich entwässerten und nun wegen einer Emotion (abstrakter Grund einer Besorgnis), dass der Gewässerzustand schlechter werden könnte, dort nicht mehr einleiten dürfen. An solche Feinheiten darf eine Gewässerverwaltung nicht einmal denken. Derartige Abweichungen vom Gesetzestext hat der Gesetzgeber ihr bei Strafe verboten und insofern ist an dem negativen Effekt des Guten eine Wasserbehörde meist schuldlos. Es hat den Anschein, der Gesetzgeber traut seinen Unteren Wasserbehörden nicht über den Weg. Sicher sehr zu Unrecht, denn der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Ursachen der Schieflagen sind abstrakte und weltfremde Vorstellungen von der Natur, die zu allem Unglück in Gesetze und Verordnungen zementiert wurden und die unter allen Umständen einzuhalten sowie zu beachten sind, auch wenn Populationsdichte und Biodiversität den Bach hinunter gehen. Helfen könnten zwar

  • ein größerer Entscheidungs- und Verantwortungsspielraum der Unteren Wasserbehörden,
  • mehr Naturwissenschaftlichkeit in den Verwaltungen, so dass man auch Verschlechterungen als Konsequenz des Guten rechtzeitig erahnen kann,
  • Gestattung von Ausnahmen in begründeten Fällen sowie
  • eine Reform des § 27 WHG,

dass aber auch nur ein Teil davon umgesetzt wird, halte ich für ausgeschlossen, weil es tatsächlich um etwas anderes geht. 

Eine Ursache für die Verschlechterung des Gewässerzustandes (Rückgang der Populationsdichte und Biodiversität) ist der § 27 WHG.

Gewässerschutz und Paragraph 27: Bewirtschaftungsziele für oberirdische Gewässer (WHG – Wasserhaushaltsgesetz)

„(1) Oberirdische Gewässer sind, soweit sie nicht nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein guter ökologischer und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.

(2) Oberirdische Gewässer, die nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, sind so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen Potenzials und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein gutes ökologisches Potenzial und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.“

Schon der § 27 ist für den Gewässerschutz ein logisches Dilemma. Er ist in sich in hohem Maße widersprüchlich, wie folgende Aspekte beweisen mögen:

  1. Es gibt keine abstrakte Natur und kein abstraktes Gewässer.
  2. Es ist unmöglich etwas Abstraktes zu verbessern, zu verschlechtern oder zu schützen.
  3. Wasserwirtschaftliche Prinzipien (effiziente Nutzung des Wassers, Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips,…) sind immer konkret!
  4. Ein Effizienzbeweis ist immer nur konkret zu führen. 
  5. Wer abstrakt begründet, hat entweder keine Ahnung oder er verbirgt in raffinierter Weise seine tatsächlichen Ziele und Interessen.
  6. Ein ökologischer Zustand ist immer konkret orientiert, an einen konkreten Organismus oder an eine konkrete Lebensgemeinschaft gebunden. Der  ökologische Zustand bzw. das ökologische Potential im § 27 aber ist abstrakt.
  7. Zwischen dem ökologischen und dem chemischen Zustand gibt es eine Naturgesetzlichkeit. So kann z. B. die Verbesserung der Nahrungsgrundlage und damit des ökologischen Zustandes – konkret der Teichmuschel – eine Verschlechterung des wasserchemischen Zustandes erfordern.

Mit Gewissheit steht damit fest: Der § 27 WHG kann beliebig interpretiert werden. Es handelt sich beim § 27 um einen unter wissenschaftlichen Ökologen seit langen bekannten Nonsens. Er wird von ihnen nur etwas charmanter, in einer Weise formuliert, so dass sich ein Unwissender nicht beleidigt fühlt:

„Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten. Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.“ Lampert

Neben Lampert könnten noch weitere Ökologen genannt werden, z. B. Steinberg.

Am Ende kommt es im Streitfall auf den Richter an, ob dieser eher abstrakten oder konkreten Argumenten zugeneigt ist.

Rumm, u. a. notieren zurecht im Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie, 2. Auflage, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2006:

Maßnahmen müssen zielführend und eben kosteneffizient sein…

allerdings zeigt sich der § 27 für den Gewässerschutz davon völlig unbeeindruckt.

Und schließlich zusammenfassend:

Die Verbesserung der chemischen Gewässergüte zur abstrakten Umsetzung des Verschlechterungsverbotes, ist oft auch Ursache der  Verschlechterung der Lebensbedingungen für bestimmte Lebewesen in konkreten Ökosystemen.

Dem abstrakten Verschlechterungsverbot entspringt das Gebot abstraktes Gutes zu tun und das abstrakte Gute führt in Ökosystemen in der Konsequenz häufig zu konkreten Verschlechterungen. Im Streit über die Bewertung der Realität wird am Ende nicht dem gefolgt, der wissenschaftlich gesehen die Sachlage korrekt bewertet, sondern entscheidend ist – sofern der Streit nicht vor Gericht ausgetragen wird – häufig die Meinung meist einer einzigen Deutungshoheit in einer Verwaltung zur Auslegung abstrakter Regelungen und Dogmen.

Die Akzeptanz des Ergebnisses einer sachlichen, wissenschaftlichen Bewertung, wenn sie im Widerspruch zu den wirtschaftlichen und damit politischen Vorstellungen über die Natur steht, ist eher ein Ausnahmefall.

(Beitrag vom März 2013, überarbeitet im Januar 2017)




CSB – Kein Beweismittel einer Gewässerverschmutzung

Der CSB (Chemischer Sauerstoffbedarf) wird in einem Labor ermittelt. Die Reaktionsbedingungen zur Messung des CSB sind so lebensfeindlich und kommen im Wasser oder im Gewässer nicht vor, so dass das CSB-Laborergebnis unmöglich und mit Gewissheit auf Wasser, Gewässer oder auf die Natur übertragbar ist.

In den Anhängen zum Wasserhaushaltsgesetz wird von der falschen Annahme ausgegangen, dass der CSB ein Schadstoff sei. Diese Doktrin, dass der CSB ein Schadstoff ist, wird allein schon in Wertung der Tatsache ad absurdum geführt, dass im simplen Kaffee erhebliche Mengen des angeblich schädlichen CSB nachweisbar sind und dieser wird ja in Mengen konsumiert.

CSB

Kaffeetasse mit mächtig viel chemischem Sauerstoffverbrauch – nach wasserrechtlicher Deutung extrem schadstoffbelastet! Ein Liter Kaffee enthielt einer Messung des Labors AGROLAB zufolge biologisch nicht abbaubare Stoffe, die aber im Labor unter konkreten Bedingungen geneigt waren, vom K2Cr2O7 ca. 7.070 mg O2 anzunehmen! (BSB20 schon subtrahiert)

Es gibt in einem Gewässer keine, auch nur annähernd vergleichbare Reaktionsbedingungen, wie sie zur Bestimmung des CSB im Labor erforderlich sind.

Extreme Reaktionsbedingungen

Zum Verständnis seien einige Bedingungen genannt, um im Gewässer den gleichen CSB zu erzeugen, wie er im Labor gemessen wird:

  • Genutzt wird Kaliumdichromat. Es ist eines der stärksten chemischen Oxidationsmittel. Kaliumdichromat liefert den Sauerstoff zur Erzeugung des sog. „O2-Bedarfes“.
  • Um seine Reaktionswirkung noch zu steigern, wird nicht nur Schwefelsäure, sondern Silbersulfat zugegeben. Alles giftig!
  • Zusätzlich muss die ganze Mischung bei 148 °C ± 3 °C 110 Minuten schwach sieden. Da bekanntlich Wasser schon bei 100 °C kocht, ist die Reaktion unter Druck zu halten.
  • Auch die Dosis der weiteren Reaktionsmittel ist giftig. So werden auf 20 ml Probe (z. B. Kläranlagenablauf) 10 m l quecksilbersulfathaltige Kaliumdichromat-Lösung und 30 ml silbersulfathaltige hochkonzentrierte Schwefelsäure zugegeben.

Quecksilbersulfat, Silbersulfat oder gar Schwefelsäure ist zu Recht so das Letzte, was eine Wasserbehörde im Gewässer haben will. Als fiktives Weltbild scheinen den Gesetzgeber diese Gifte im Gewässer aber nicht zu stören. Warum?

Es gibt im Wasser oder im Gewässer keinen Bedarf an CSB.

Also, um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt keinen Bedarf an chemischem Sauerstoff! Durch die extremen Reaktionsbedingungen wird Kaliumdichromat im Labor (!) reduziert, d. h. sein chemisch gebundener Sauerstoff wird verbraucht. Wenn also etwas ein Sauerstoffdefizit erleidet, dann ist es das Kaliumdichromat, das aber im Gewässer oder im Wasser nicht vorkommt und deshalb auch dort keinen Bedarf verursachen kann.

Ein im Labor nach DIN 38409, Teil 41 bestimmter Verbrauch von chemisch gebundenem Sauerstoff lässt sich aufgrund der extremen Reaktionsbedingungen mit Gewissheit im Gewässer nicht reproduzieren oder gar übertragen. Denkbar wäre das in einer Fiktion, auf einem fernen Planeten bei 148 °C in einem Fluss, in dem Schwefelsäure mit einigen Verunreinigungen an quecksilbersulfathaltigem Kaliumdichromat und Silbersulfat fließt. Kippt man nun in diese heiße Suppe einen Liter Kaffee, dann könnte der Fluss einen Bedarf an 7.070 mg O2 verspüren, um zu verhindern, dass sich sein Kaliumdichromat zersetzt. Wie man erkennt, sollte man bei der Bewertung des CSB wenigstens die wichtigsten Aspekte seiner Bestimmung kennen. Das ist leider eher selten der Fall, wie die häufig falsche Interpretation des CSB beweist. Zu Gute halten muss man bestimmten Interpreten, dass der Gesetzgeber sie zwingt von falschen Voraussetzungen auszugehen.

Ein CSV oder wenn man unbedingt will auch der CSB – außerhalb des Laboratoriums – ist eine unwissenschaftliche Fiktion. Sachlich und fachlich ist deshalb der CSV offenkundig (im juristischen Sinne) und nach sachverständiger Prüfung mit Gewissheit kein Schadstoff; gesetzlich aber unbedingt und ausnahmslos.

Darüber, warum der Gesetzgeber die falschen Interpretationen des CSV-Begriffes erzwingt, darf diskutiert werden.

Fakt ist:

Jeder Straftatbestand einer Gewässerverunreinigung ist die Konklusion eines normativen Trugschlusses, wenn seine Prämissen ausschließlich auf einer oder mehreren CSB-Analyse bzw.  CSB-Analysen beruht bzw. beruhen.

Bei diesen Ausführungen handelt es sich nicht etwa um eine Neuheit, sondern um schlichtes, wenigstens seit 83 Jahren (Brix 1934) bekanntes wasserchemisches Grundlagenwissen, zu dem für jedermann nachlesbar beispielsweise in der DIN 38409, Teil 41.

Selbst als Hilfstatsache (Indiz) in einem Rechtsstreit ist der Chemische Sauerstoffbedarf (CSB) nur bedingt und keineswegs zuverlässig tauglich, weil für seine Bewertung eine Referenz sowie die Kenntnis der Wahrscheinlichkeit zwischen der Referenzanalyse (z. B. biologischer Sauerstoffbedarf)  und der Höhe des CSB benötigt wird.

Im Gewässer oder im Abwasser gibt es also keinen Bedarf an Sauerstoff (CSB) für eine chemische Reaktion nach DIN 38 409 Teil 41 und ein Gewässer hat auch keinen Bedarf an Sauerstoff des Kaliumdichromates. Schlicht deshalb nicht, weil im Gewässer kein Kaliumdichromat vorkommt, ausgenommen bei einem Chemieunfall!

Und wenn wirklich bei einem Chemieunfall Kaliumdichromat in ein Gewässer gelangen sollte, dann sterben die Fische blitzschnell am Kaliumdichromat und nicht an Sauerstoffarmut.

Früher wurde der CSB noch korrekt als CSV – Chemischer Sauerstoffverbrauch – bezeichnet

Wie schon erwähnt war man 1934 schon einmal klüger als heute. Damals wurde der chemische Sauerstoffbedarf noch korrekt chemischer Sauerstoffverbrauch (CSV) genannt, aber irgendeine Expertengruppe hat später dann wohl versucht dem Gewässer einen Bedarf an chemischen Sauerstoff andichten zu können. Und es ist ihr exzellent gelungen! Der CSB dient zur Begründung eines fiktiven Schadstoffes und man kann eine Abgabe für eine Fiktion erheben, vergleichbar mit dem Ablasshandel im Mittelalter. Für diese Fiktion muss der Abwasserbeseitigungspflichtige eine Lenkungsabgabe zahlen. Bei der CSB-Lenkungsabgabe kann allerdings zudem die Lenkung extrem in die falsche Richtung lenken, denn es gibt Situationen, in denen ein hoher CSB Indiz für eine besonders gute Abwasserreinigung ist. Und dann?

Dem ersten Leser eine Flasche Sekt, der mir mit den Regeln der Logik beweist, dass es im Gewässer einen Bedarf an chemischem Sauerstoff nach DIN 38 409, Teil 41 gibt. Es darf sich auch eine arme Studentin bewerben.

Ein falscher Begriff als Trojaner

Der „Chemische Sauerstoffbedarf“ als falscher Begriff ist ein Trojaner,…

…der die Verbreitung von Halbwissen fördert und Schäden verursacht, wie z. B.:

  • CSB-Abwasserabgabe
  • CSB-Überwachung von Abwassereinleitungen zum Beweis eines Straftatbestandes der unerlaubten Gewässerverschmutzung
  • unnötige Investitionen zur CSB-Reduktion
  • zusätzliche Aufwendungen beim Anlagenbetrieb
  • Begründung verschärfter CSB-Überwachungswerte mit einer Fiktion
  • Entwertung von kommunalem Eigentum (z. B. zahlreiche Außerbetriebnahme von ökologisch bedeutungsvollen Abwasserteichen, weil Mindestanforderungen an den CSB-Überwachungswert nicht eingehalten wurden)
  • durch die CSB-Doktrin verursachte Fehlsteuerung und Fehlentscheidungen im Gewässerschutz

Diese Fehlsteuerung und Fehlbewertung ist nicht aufzuhalten, weil die CSB-Schadstoffdoktrin in zahlreichen Gesetzeswerken unerschütterlich zementiert wurde.

Den CSB als Untersuchungsmethode abzuschaffen ist keine Lösung, denn sie hat durchaus zahlreiche Vorteile.

Der CSB ist aber kein Beweismittel für eine Gewässerverwaltung, um eine CSB-Abwasserabgabe oder eine CSB-Gewässerverschmutzung zu begründen!

Der CSB ist auch kein Schadstoff. Dafür fehlt die sachliche Begründung.

Wie soll etwas geschützt werden, wenn schon das Ziel unsachlich definiert wurde und die CSB-Begrifflichkeit falsch ist?

Weitere Argumente und Erklärungen über den CSB sind dem Fachbeitrag von 2013 in der wwt zu entnehmen. Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?

***

(Artikel vom Juli 2012, überarbeitet am 11.01.2017)




Ein guter wasserchemischer Zustand auf Biegen und Brechen?

Ein guter wasserchemischer Zustand ist für sich allein gesehen ein recht einfältiges Ziel. Trotzdem ist er aber bei vielen wasserbehördlichen Entscheidungen immer noch das Maß aller Dinge bzw. das k.o.-Kriterium für vernünftige und verhältnismäßige Alternativen.

Im Falle einer geplanten oder aktuellen Überwachungswertverschärfung wäre aus wasserwirtschaftlicher Sicht vor einer kompromisslosen wasserchemischen Zieldefinition ein Nachweis der Verhältnismäßigkeit lt. WRRL, Artikel 4, 3b notwendig:

Nachweis, dass sinnvollerweise durch andere Mittel keine wesentlich bessere Umweltoption zu erreichen ist, als durch die Verschärfung wasserchemischer Mindestanforderungen.

Diese notwendige Anforderung folgt aus dem Prinzip der Sparsamkeit, zu dessen Einhaltung normalerweise auch (nicht nur) die Unteren Wasserbehörden verpflichtet sind oder sein sollten:

wasserchemischer Zustand

Wie will man in dieser Landschaft eine Verschärfung der Überwachungswerte nachvollziehbar begründen? Gülle bis an das Ufer des Meliorationsgrabens („Gewässer“)! Keine Beschattung, aber die Kommune soll einen wasserchemisch guten Zustand garantieren. Die Frachten der Landwirtschaft werden nicht berücksichtigt, denn es geht juristisch feinsinnig nur um „unerlaubte“ Gewässerverschmutzung. Die Gewässerverschmutzung durch Gülle ist ausdrücklich gesetzlich erlaubt! Bei der Verschärfung der Überwachungswerte CSB, BSB, N, P fällt es oft sehr schwer, Indizien für ökologische Kompetenz in den wasserrechtlichen Begründungen zu entdecken.

Verschärfung von Überwachungswerten und wasserchemischer Zustand

Ein „guter wasserchemischer Zustand“ erfordert nach manchen behördlichen Vorstellungen oft die Verschärfung von Überwachungswerten und  hat immer ganz erhebliche zusätzliche einmalige und/oder laufende Aufwendungen für Unternehmen und Kommunen zur Folge.

Notwendig ist also ein Nachweis, dass diese zusätzlichen Aufwendungen auch tatsächlich erforderlich sind und dass zudem das Erreichen vorher bestimmter konkreter Gewässerschutzziele garantiert wird.

Diese Ansprüche sind in der wasser- bzw. fachbehördlichen Praxis eher eine Ausnahme. Die Folge sind erhebliche Effektivitätsverluste bei der Abwasserbeseitigung und beim Gewässerschutz, verursacht durch ein Übermaß bei der Gewässerverwaltung.

Grundlegende einfachste Zusammenhänge zwischen dem Aufwand und dem Wirkungsgrad (z. B. Geschwindigkeit eines Autos und dessen Benzinverbrauch) einer technischen Anlage sind der Gewässerverwaltung offensichtlich unbekannt. Dabei zählen diese Zusammenhänge zur Allgemeinbildung. Unter Mathematikern und Betriebswirtschaftlern sind diese Zusammenhänge durch das Pareto-Prinzip definiert:

Es ist möglich, dass mit 20 % Kosteneinsatz 80 % aller Gewässerprobleme gelöst werden können. Für die Lösung der restlichen 20 % der Gewässerprobleme ist mit weiteren 80 % Kosten zu rechnen.

Das heißt, die verbreiteten Anstrengungen zur ständigen „Verbesserung“ des Gewässerschutzes („guter wasserchemischer Zustand“) durch Verschärfung der Überwachungswerte – auch infolge der teils kontraproduktiven Forderung der Abwasserreinigung nach dem Stand der Technik – hat eine Kostenexplosion in Form einer Potenzfunktion zur Folge (Pareto-Verteilung).

Mangelhafte oder fehlende Effektivität

Auf den Verstoß gegen wasserwirtschaftliche Prinzipien (z. B. Missachtung notwendiger Effektivität) hat beispielsweise der Wiener Prof. Herr Kroiss schon mehrfach in seinen interessanten Vorträgen hingewiesen.

Die weit verbreitete abstrakte Formulierung von Gewässerschutzzielen („guter wasserchemischer Zustand“) im Rahmen zur Begründung von Verschärfungen der Überwachungswerte ist also unwissenschaftlich, ideologisch determiniert, beliebig und aus all diesen Gründen mit wasserwirtschaftlichen Ansprüchen nicht bewertbar. Zudem steht eine derartige Praxis im Widerspruch zu Regelungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie und zu zahlreichen anderen gesetzlichen Regelungen (z. B. Gemeindeordnung).

Mit abstrakten Gewässerschutzzielen wird das Sparsamkeitsprinzip willkürlich ausgehebelt.

Willkürlich deshalb, weil die sachliche Begründung fehlt. Voraussetzung für eine sachliche Begründung ist, dass sie auf konkreten Prämissen beruht. Gewässerschutzziele werden aber oft abstrakt formuliert (gutes Tun). Damit sind sie beliebig interpretierbar und entziehen sich einer konkreten Effizienzprüfung, die aber gesetzliche Vorschrift ist. Eine wissenschaftliche Kontrolle nach ökologischen Prinzipien wird damit vereitelt und die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz. Ein raffiniertes System.

Wissenschaftliche und sachliche oder politische und willkürliche Ökologie; das ist die Frage!

Bei der Ökologie ist mittlerweile zwischen der wissenschaftlichen und der politischen Ökologie zu unterscheiden. Die politische Ökologie ist als Weltanschauung abstrakt und hat beliebig „Gutes“ zum Ziel, wohingegen die wissenschaftliche Ökologie wertfrei und naturwissenschaftlich nachvollziehbar ist.

In der wissenschaftlichen Ökologie gibt es dagegen keine abstrakten guten Zustände, sondern die Zustände sind für konkrete Organismen in einem konkreten Ökosystem definiert. Daraus folgt das scheinbare Paradoxon, dass z. B. Fische im sauberen Wasser verhungern (sehr guter wasserchemischer Zustand!) und dass in Gewässern mit einer weniger guten wasserchemischen Qualität Artenvielfalt und Fischreichtum herrscht.

Da beide Ökologieformen (politische weltanschauliche Ökologie als Mutation zwischen Ideologie sowie Kommerz und wissenschaftliche Ökologie) nebeneinander existieren, ist es für den Laien fast unmöglich einen klaren Kopf zu behalten. Allerdings gibt es für ihn ein Indiz zur Unterscheidung: Immer wenn abstrakt geschwafelt wird, handelt es sich wahrscheinlich um Ökologismus oder um Ideologie, denn die Wahrheit braucht keine umständlichen Erklärungen. Weitere Indizien sind je nach Charakter und Bildung Ausreden, Verlegenheit oder Aggressivität der Disputanten, wenn sie nach konkreten Argumenten befragt werden.

Die Beliebigkeit des Abstrakten

Diese Beliebigkeit des Abstrakten wird höchstbequem für nicht wasserwirtschaftliche Geschäfte in vielfältiger Weise ausgenutzt.

Wurden Überwachungswerte erst einmal verschärft, dann wird in der Regel nicht mehr geprüft, ob diese Verschärfung noch oder überhaupt notwendig ist oder war. Damit entstehen dem Abwasserbeseitigungspflichtigen Schäden in Millionenhöhe.

Solange aber die Abwasserbeseitigungspflichtigen die Folgen unnötiger Verschärfungen erdulden, müssen sie auch mit den unnötigen einmaligen und/oder laufenden zusätzlichen Aufwendungen leben und haben damit entsprechend zusätzliche Abwasserbeseitigungskosten im Produktpreis zu kalkulieren oder über die Bürger zu refinanzieren.

Der EU-WRRL kann diese bundesweite Fehlentwicklung nicht in die Schuhe geschoben werden, sondern nur denjenigen, die sie nicht lesen, nicht verstehen, die kommerzielle oder ideologische Interessen verfolgen oder denen wasserwirtschaftliches Verständnis überhaupt fremd ist. Erstaunlich sind die Fehlentwicklungen nicht. Denn vielleicht 99,9 % aller Ingenieure beschäftigen sich mit der Umsetzung der Mindestanforderungen oder deren Verschärfung und vielleicht ein oder zwei Ökologen dürfen nachsehen, ob die Zielvorstellungen erreicht werden oder erreicht wurden.

Wer aber als Ökologe nach dem Sinn des Abstrakten sucht, sollte – da wir nicht bei den Indianern sind (die wohl Erfahrungen ihrer  Alten noch achteten) – kurz vor seiner Pensionierung stehen.

Tja, und fast schließlich:

Wasserrahmenrichtlinie Artikel 4, 3b und wasserchemischer Zustand

„(3) Die Mitgliedstaaten können einen Oberflächenwasserkörper als künstlich oder erheblich verändert einstufen, wenn a) die zum Erreichen eines guten ökologischen Zustandes erforderlichen Änderungen der hydromorphologischen Merkmale dieses Körpers signifikante negative Auswirkungen hätten auf:

i) die Umwelt im weiteren Sinne,

ii) die Schifffahrt, einschließlich Hafenanlagen, oder die Freizeitnutzung,

iii) die Tätigkeiten, zu deren Zweck das Wasser gespeichert wird, wie Trinkwasserversorgung, Stromerzeugung oder Bewässerung,

iv) die Wasserregulierung, den Schutz vor Überflutungen, die Landentwässerung, oder

v) andere ebenso wichtige nachhaltige Entwicklungstätigkeiten des Menschen,

b) die nutzbringenden Ziele, denen die künstlichen oder veränderten Merkmale des Wasserkörpers dienen, aus Gründen der technischen Durchführbarkeit oder aufgrund unverhältnismäßiger Kosten nicht in sinnvoller Weise durch andere Mittel erreicht werden können, die eine wesentlich bessere Umweltoption darstellen.“

Das Einfache kann das Geniale sein

Das heißt, ein zu hoher Ammonium- oder Phosphorgehalt kann z. B. durch Beschattung kompensiert werden.

Das Pflanzen von Schwarzerlen kann (und ist in vielen Fällen) wertvoller und kostengünstiger sein, als Denitrifikationsstufen oder Flockungsfiltrationen zu betreiben.

Zu hoffen bleibt, dass die Beachtung der Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie irgendwann doch noch zur Handlungsgrundlage jener wird, die meinen, sie arbeiten für die Wasserwirtschaft.

Und um mit Herrn Prof. Kroiss zu schließen:

„Das kostbarste Gut der Länder mit hohem Standard der Wassergütewirtschaft ist daher nicht das Wasser, weil wir das aus wirtschaftlichen Gründen höchstens 100 bis 200 km transportieren können, sondern das angesammelte Wissen und vor allem die Fähigkeit zur Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure. Der Wettbewerb um eine dauernde Verbesserung der Lösungen muss und darf darunter nicht leiden.“

(Beitrag wasserchemischer Zustand von 2012, überarbeitet am 11.01.2017)




Eine Oma, eine Ente, viel Gülle und das Verschlechterungsverbot

Eine Million entenfütternde Omas gegen Biogasanlagen und die industrielle Landwirtschaft!

Glosse aus dem März 2012

Wer gewinnt?

Dumme Frage!

Die Oma jedenfalls nicht!

Soll dieser Erpel – auch wenn es ein Männchen ist – wirklich verhungern?

Wenn das Gutgemeinte in der Verwaltung zum Terror mutiert…

„Ein ehrsamer Bürger, tierlieb und Freund der bedrohten Natur, nimmt sich der Fütterung von Enten an, die an dem kleinen Flüsschen, das sich traut durch unser Tal windet, ihre Freizeit verbringen und gerne mal ein Bröcklein trocken Brot von der Laufkundschaft entgegennehmen.

Gemach, lieber Tierfreund! Du hast Entscheidendes nicht bedacht.

Zur Labung tierischen Federviehs bist du nicht berechtigt.

Das „Wasserhaushaltsgesetz“ verbietet nämlich grundsätzlich das „Einbringen fester Stoffe“ in das Flüsslein, um „gesundheitlichen Gefahren“ vorzubeugen.

Dies schien dich, lieber Tierfreund, nicht von deinen Liebesbezeugungen an das einfältige Federvieh abhalten zu können. Der Mann war, so der besorgte Leserbrief, „mit großen Mengen Futter“ zu Gange, in der irrigen Meinung, hier Gutes für Gottes quakende Geschöpfe zu tun. Völlig vergessen schien er zu haben, dass die Tiere dadurch „von ihrem natürlichen Lebensraum entwöhnt“ würden, indem sie, Kreuzfahrt-Touristen gleich, zu oft an Land gingen, um es sich dort gut gehen zu lassen.

Ach ja, dass der Tierfreund vielleicht ein einsamer Mensch ist, der den Umgang mit diesen Tieren braucht, um nicht in die Verzweiflungsfalle alternder Menschen zu geraten, braucht unsere Gesetzeslust und Prinzipientreue nicht zu stören. Gesetz ist Gesetz.“

Quelle: Deutschland – Land der Verbote, von Josef Hueber

Also rein menschlich gedacht:

Wir sollten zuallererst die Natur kennen, die wir verwalten möchten!

Das Drama wäre nicht passiert, wenn ein gewisses klitzekleines ökologisches Grundwissen bei der deutschen Verwaltung der Gewässer nicht die Ausnahme wäre.

Andererseits: Passiert wäre es schon, aber man hätte einfach weggeschaut und man muss nicht alles beweisbar wissen müssen.

Gleiche Latte angelegt, dann wäre es auch in mancher Verwaltung verständlich, dass selbst die lässlichen Sünden Millionen entenfütternder Omas im Verhältnis zu der Nährstoffschwemme der industriellen landwirtschaftlichen Produktion und aus den wohllöblichen Biogasanlagen völlig unbedeutend, aber menschlich und kulturell gesehen höchst wertvoll sind.

Als die Oma noch ein kleines Mädchen war, hat sie auch Enten gefüttert und keiner hat sich aufgeregt. (Insofern stimmt es schon, dass Deutschland immer schneller zu einer Verbotsrepublik mutiert.)

Dicke Enten schmecken nun mal besser.

Ich gestehe: Ich habe diesen Vogel gefüttert!

Und selbst wenn mal ein Fisch nach Luft schnappt.

Na und?

Dann bitte beweist erst einmal, dass ausschließlich die Enten fütternde Oma daran schuld war.

Zu dem:

  1. Wo bleibt die Ehrfucht vor dem Alter?
  2. Wer zählt die geschredderten Vögel in der Luft?
  3. Wer zählt die Millionen toten Fische, die wegen des Gewässerschutzes durch übermäßige Gewässerreinhaltung verhungern?

Auch sind viele Wassertiere auf partikulären BSB angewiesen, dessen Einleitung den Betreiber von Kläranlagen wiederum bei Strafe verboten  ist.

Und so könnten die Omas, wenn sie nun nicht gerade in Trinkwassertalsperren die Fische füttern, den vom Gewässer“schutz“ verursachten Artenrückgang wenigsten etwas entgegen setzen.

Der Argumentation in dem Beitrag „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ beruht auf einem Trugschluss.

Wäre nämlich die Argumentation korrekt, dann würde es allein genügen die Enten nicht zu füttern, um die Tiere (Fische) nicht zu töten. Denn mit der Folge

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

ist auch zu rechnen, wenn Enten nicht gefüttert werden.

Ganz so simpel, wie in dem Beitrag dargestellt, reagiert die Natur nicht.  Mitunter „kippen“ die Gewässer gerade dann besonders häufig um, wenn die Grünalgen durch zu sauberes Wasser keinen Nitratstickstoff erhalten. Dann bilden sich Blaualgen und die brauchen kein Entenfutter. Es genügt für sie, wenn Phosphor nur in Spuren vorkommt. Die Folge ist die Gleiche – mit oder ohne Oma:

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

Insofern ist auch die Denitrifikation in den meisten Fällen keine Methode des Gewässerschutzes.

Aber das hat sich bei den „Gewässerschützern“, bei den Politikern und in den Verwaltungen noch nicht herumgesprochen.

Und zum Schluss:

Putzig ist auch diese Seite:  „Wasservögel“. (Ich lasse sie mal anonym.)

Im Text kann man lesen:

„Botulinus-Vergiftungen (Gift des Botulinus-Bakteriums, das im anaeroben Schlamm lebt) und das starke verschobene Geschlechterverhältnis erschweren die Existenz (der Enten) zusätzlich.“

und einer Bild-Unterschrift, dargestellt Oma mit Kind, kann man entnehmen:

„Das Füttern von Enten sollte kleinen Kindern vorbehalten sein.“

Warum, so fragt man sich?

Hat man zu viele Omas oder sind Kinder wiederstandsfähiger gegen Botulinus-Vergiftungen?

Ist es nicht auch Diskriminierung der Oma gegenüber dem Kind?

Soll das Kind gleich lernen, dass die Oma nicht das darf, was ein Kind darf?

Befürchtet man, dass Oma und/oder Kind den Botulinus-Schlamm essen oder könnte das Kind eine tote Botulinus-Ente streicheln oder gar in sie hineinbeißen?

Kinder machen so etwas!

Bei den Blaualgen – sie kommen im Sommer wieder in Mode – glauben die Medien ja auch, dass Kinder und sogar Erwachsene den Blaulagenschlamm in sich hinein löffeln und sich in ihm wälzen, wie Schweine in der Suhle.

Gäbe es keine Botulinus-Vergiftungen, wenn Oma bzw. das omageleitete Kind die Enten nicht füttern würde?

Natürlich nicht.

Es motzt jeden schwach recherchierten Artikel etwas auf, wenn man an eine Stelle – egal ob sie nun  passt oder nicht – das Wörtchen „Gift“ hineinstreuselt.

Und die Verwendung eines Fremdwortes, wie z. B. „Botulinus“, lässt erst recht auf Kompetenz schließen.

Um einem Mann Angst einzujagen hätte es einer nicht so umfangreichen Erklärung in „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ bedurft. Es hätte genügt:

  • Ente nicht füttern
  • Botulinus
  • Fisch tot
  • Oma und Kind vergiftet

Also immer schön unverständlich bleiben und Angst verbreiten, damit niemand auf den Gedanken kommt sich etwa seines Lebens zu freuen.

Angst und Dummheit beim Kunden sind die halbe Miete beim Geschäft, bei dem die Medien zumeist kräftig mit verdienen.

Und es kommt nicht darauf an, ob eine Botschaft wahr ist.  Dafür interessieren sich sowieso nur wenige Menschen am Rande der Gesellschaft.

Es genügt für den Zweck die Botschaft zu verbreiten und diese oft genug zu wiederholen.

***

(Sachlicher Link zu Botulinus: „Verursacher des Botulismus ist das Bakterium Clostridium botulinum, das in Böden und Schlamm weltweit verbreitet ist.“ )





Zustandsbewertung der Gewässer – Ökologischer Einklang

Ooom

Zum „ökologischen Einklang“ folgendes Zitat:

„Unberücksichtigt bleiben der Zusammenhang zwischen Stabilität und Mangel, der größere Änderungen einfach verhindert, und die tatsächlichen Ungleichgewichte in der Natur, ohne die sie gar nicht funktionieren könnte. Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, daß es ausgerechnet die »balancierten« mittleren Zustände sind, die zwar als solche wünschenswert wären, sich aber nicht so recht einstellen lassen. Das erste Beispiel liefert die Belastung und Reinhaltung von Seen Eingeleitete Abwässer düngten seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten, bis die Folgen sichtbar wurden. Die anfänglich sauberen Gewässer drohten zu »kippen«, was bedeuten sollte, daß sie vom nährstoffarmen, sauberen Zustand in einen nährstoffreichen, schmutzigen hinüberwechselten oder daß dieser Wechsel bevorstand. Durch Ringkanalisationen und starke Verminderung der Abwässerzufuhr ließ sich dieses Kippen in zahlreichen Fällen verhindern. Die Seen wurden wieder sauberer, aber nun nahmen auch die Fischerträge (stark) ab. Denn nährstoffarme Seen sind unproduktiv, weil in ihnen Mangel an Nährstoffen herrscht. Das ist gut für die Gewinnung von Trinkwasser aus dem See sowie für den Bade- und Erholungsbetrieb, nicht aber für die Fischerei und für die (zu schützenden) Wasservögel, für die bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier. All diesen geht es im nährstoffreichen See weitaus besser. Fische gibt es in Hülle und Fülle; Wasservögel auch und diese ohne nennenswerte Konflikte mit der Fischerei zu verursachen. Beide Zustände kann der See nicht gleichzeitig einnehmen. Er ist entweder nährstoffarm (oligotroph) und unproduktiv oder nährstoffreich (eutroph) und produktiv. Entweder — oder? Dazwischen liegt doch der mittlere Zustand, mesotroph genannt Er verbindet gute Produktivität mit sauberem Wasser, weil im Idealfall all das wieder um- und abgebaut wird, was im Sommer produziert worden ist. Doch dieser Mittelzustand erweist sich als instabil. Er geht rasch in den einen oder in den anderen über. Nur mit außerordentlich (und unrealistisch) hohem Aufwand ließe er sich aufrechterhalten. Stabile Zustände sind Nährstoffreichtum und -armut. Ist so ein See ein Sonderfall? Durchaus nicht. Nährstoffreiche und nährstoffarme Zustände sortieren sich allüberall in der Natur.“ Reichholf [1]

Also:

Den Zustandsbewertungen lt. EU WRRL scheint es in erheblichem Umfang an ökologischen Grundlagen zu fehlen.

Gemeint sind die Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie.

Die Weise, wie die EU WRRL mitunter umgesetzt und verstanden wird, führt ins wunderbare Chaos. Man wundert sich, warum es nicht gelingt mit guten wasserchemischen Zuständen gute biologische Zustände für „bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier“ zu gewährleisten. Es scheint unmöglich der Gewässerverwaltung zu vermitteln, dass ein guter Zustand häufig die Verschlechterung eines anderen Zustandes verursachen kann.

Der Ökologe Herr Prof. Reichholf steht mit seinen o.g. Tatsachenbewertungen nicht allein. Siehe auch den Beitrag zur Mistbiene.

Quelle:
[1] Stabile Ungleichgewichte.
Die Ökologie der Zukunft.
Josef H. Reichholf
edition unseld
SV
1. Auflage 2008
(S.111-112)




Nitrat im Gewässer

Prolog, denn es ist Theater!

Hm? Was passt zur Einleitung? Beginnen wir mit Nicolás Gómez Dávila. Bei ihm kann zwischen verschiedenen Intensitäten der Erkenntnis gewählt werden, für deren Einstufung mir aber das Werkzeug fehlt. Beginnen wir mit einer kleinen Auswahl:

  •  „Die Kosten für den Fortschritt lassen sich in Dummköpfen berechnen.
  • „Die Menschheit sieht mit Schrecken, dass der Fortschritt dabei ist, unheilbar zu werden.“
  • Um jedes Mysterium abzuschaffen, genügt es die Welt mit den Augen eines Schweins zu betrachten.“ Das mit dem Mysterium ist gut! Verdammt, warum muss ich da an den gemenschelten Klimawandel denken. Mir ist nämlich nicht klar, mit welchen Maschinen es die Grönländer vor einigen hunderttausend Jahren schafften, ihr Land so zu erwärmen, dass es ergrünte? Aber lassen wir das. Kein gutes Thema.

Zurück zu Dávila! Ein selten kluger Mann. Wer aber Michel de Montaigne mag, für den findet sich am Schluss des Artikels ein Leckerbissen für selberdenkende Nachdenker. Ein Edelmann im wahrsten Sinne des Wortes, dieser Montaigne. Schade, dass es solche klugen Köpfe heute nicht gibt. Oder kennt man sie nur nicht? OK, zwei kenne ich von neueren Werken: Erstens vom Philosophen Peter Sloterdijk. Der wird ja aus dem putzigen Grunde gehasst, weil er die Akkumulation des Zorns (es sind auch andere Emotionen in das Modell substituierbar) durch Parteien und Verbände offenlegte. Starkes Werk von ihm: „Zorn und Zeit“. Der Zorn auf ihn ist unnötig. Jene, die sein Buch zur Revolution nutzen könnten, haben das Buch nicht gelesen und die anderen, die es gelesen haben, können als winzige Minderheit auch nicht viel ausrichten. Und genauso wird es mit der Nutzung diese Beitrages sein, weil der nicht den Konsens stützt mit dem so schön Geld verdient wird. Nicht auszudenken, wie viele Arbeitsplätze frei würden, wäre man gezwungen, ab sofort nur noch vernünftige und nützliche Dinge zu tun. Man ärgert sich anfangs über eine Wahrheit, besonders dann, wenn sie im Widerspruch zu den scheinbar edlen Gesellschaftsnormen steht, aber schwupp, morgen ärgert man sich über etwas anderes und schon sind diese Zeilen vergessen.

Ach ja, ich muss noch den zweiten Vordenker erwähnen: Ein geborener Sachse, der Herr Michael Klonovsky! Seine Aphorismen verführen zum Aha und diese stehen bei mir im Bücherregal gleich neben jenen von Nicolás Gómez Dávila. Eine Kostprobe von Klonovsky: „Auf ein Gewissen bei unseren Staatsbürgern verzichten wir gern, solange sie sich als moralisch erpressbar erweisen.“ Und was schreibt z. B. Dávila? „Dem modernen Menschen ist es gleichgültig, in seinem Leben keine Freiheit zu finden, wenn er sie in den Reden jener verherrlicht findet, die ihn unterdrücken.“ Die Herren passen doch zusammen in ihrer kritischen Denkweise! Aber wie das so ist, Leute die die Wahrheit sagen, bleiben einsam. Wahrheit? Nietzsche hat eine Antwort: „Wahrscheinlichkeit, aber keine Wahrheit: Freischeinlichkeit, aber keine Freiheit, – diese beiden Früchte sind es, derentwegen der Baum der Erkenntnis mit dem Baum des Lebens verwechselt werden kann.“ Und wenn Sie Geduld aufbringen, den Beitrag bis zum Ende zu verfolgen, werden Sie vielleicht feststellen, dass diese Unterscheidung von Nietzsche die Abweichung zwischen Wissenschaft und Praxis nicht nur bei der Nitratbewertung erklärt. Ob zu Beginn des Artikels erzeugte philosophische Abdampfrückstand auch und wenn ja in welchem Maße auf den Umwelt- und Gewässerschutz zutrifft, mag der Leser im Verlaufe des Beitrages selbst entscheiden. Dazu nun folgende Anregungen:

Ich habe als Wasserwirtschaftler zwei Wasserwirtschaften erlebt. Und wenn ich diese beiden heute auf den Punkt bringe, so bin ich der Meinung, dass die ostdeutsche Wasserwirtschaft über eine wissenschaftliche Grundlage verfügte, wobei man bemüht war, diese in der Praxis umzusetzen. Allein es fehlten die Mittel, oder wie man damals sagte, die Bilanzen. Markant, üblich und zwingend wegen der fehlenden Bilanzen war die Beachtung und Nutzung von heute in Vergessenheit geratenen Naturgesetzen z. B.

  1. Beachtung und Anwendung des Liebigschen Gesetzes vom Minimum
  2. Beachtung und Anwendung des Gesetzes von Paracelsus
  3. Nutzung der Selbstreinigungskraft der Gewässer
  4. Akzeptanz des Wasserkreislauf bei der Bewertung vermeintlicher Schäden

All diese Naturgesetze – die Grundlage eines kostenlosen Nutzens – spielen im Wasserhaushaltsgesetz oder in der Abwasserverordnung keine Rolle.  Unser diesbezügliches Handeln und Denken ist krank. Es vergleichbar mit einem willkürlichen Verbot, den Wind beim Segeln zu nutzen (z.B. weil das Sparen von Dieselkraftstoff, oder das Bauen von Segelschiffen bestimmen Industriezweigen schadet und die Buße des Menschen wegen seiner konstruierten Schuld als Schmutzfink schadet. Dieser Unfug keimt aus der Vorstellung, dass der Mensch nicht natürlich ist. Wer aber dem Argument folgt, dass der Mensch genauso ein Teil der Natur wie die Baualge ist, dann ist die Gewässerverschmutzung des Menschen eine Naturselbstverschmutzung, genauso wie eine Blaualgenblüte oder der Laubfall im Herbst in einen See.  Das wäre eine vernünftige Basis für eine wirkliche Wasserwirtschaft. Die Akzeptanz

  • der Naturselbstverschmutzung und
  • dass der Mensch Teil der Natur ist,

muss und soll natürlich nicht die Folge haben, dass z.B. Zyankali in Gewässer gekippt wird, weil dies so natürlich wäre, wie ein Vulkanausbruch.  Hier hilft Karl Georg Büchner (1813-1837, Dantons Tod) weiter:

Geht einmal euren Phrasen nach bis zu dem Punkt, wo sie verkörpert werden.

So etwas wie Technokommerz, also die absichtliche, den Kunden täuschende Verwechslung vom Mittel und Zweck war zu der Zeit, als ich noch jung war, schon finanziell unmöglich. Deshalb war damals die Technik noch logisch.

Heute haben wir auch ein höheres wissenschaftliches Niveau, nur es darf – wie noch bewiesen wird – dann nicht angewendet werden, wenn es unsere Vorstellung von der Natur, wie sie zu sein hat, stört, oder wenn wasserrechtliche Regelungen dies nicht zulassen.

Wasserrecht bricht (scheinbar) Naturgesetz.

Da sich die Natur nun nicht (immer) an wasserrechtliche Vorschriften hält, ist die Effizienz mancher wasserwirtschaftlicher Investitionen vom Zufall abhängig.

Ein Beispiel ist die Denitrifikation in Kläranlagen. Die Natur ist völlig unbeeindruckt davon, wie verbissen, edel, sorgfältig, gut meinend und gründlich oder gar vermeintlich nachhaltig wir das böse Nitrat eliminieren. Wenn die Natur ein Nitratdefizit verspürt, dann beseitigt sie dieses umgehend und ohne Rücksicht auf unsere Befindlichkeiten. Beispiel: Blaualgenblüten in der Ostsee bei Nitratmangel.

Die Natur ruft bei Mangel den blauen Algengeist (der in Wirklichkeit ein Bakterium ist), dem auch wir unser Leben verdanken.

So komisch sind die Sachen, die wir manchmal so machen. Wer kann als Wasserwirtschaftler mit Berufung bei der heutigen „Wasserwirtschaft“ noch ernst bleiben? Nach zwei oder drei Fragen über den Grund des wasserwirtschaftlichen Handelns ist man von der Natur beim Geschäft. Auch 2015 ist das Märchen „Des Kaisers neue Kleider “ des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen hochaktuell. Als ich noch geschätzte 100 Haare mehr auf dem Kopf hatte und nicht nur diese auch noch etwas jugendlicher aussahen, gab es in der TU Dresden, Sektion Wasserwesen, einen kleinen – sagen wir mal – Studentenprotest wegen eines Widerspruchs zwischen Wissenschaft und Praxis. Die Studenten hörten nämlich über die Stickstoffbewertung bei der Abwasserbehandlung in zwei Fächern gegensätzliche Standpunkte über die gleiche Sache. Ich denke, daran hat sich auch heute nichts geändert. Die betroffenen Fachbereiche verabredeten sich zu einer öffentlichen Tagung in der TU Dresden und erörterten ihre Standpunkte. Das war vor über 20 Jahren, genau am 3. Juni 1997.

03_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

 Denitrifikation im Belebtschlammverfahren dient der Begrenzung technischer Probleme

Herr Prof. Lützner wies damals auf die Notwendigkeit der Denitrifikation für einen stabilen Kläranlagenbetrieb hin und führte u. a. fol­gende Argumente an:

  • Blähschlammbekämpfung durch anoxische Selektoren und die Notwendigkeit des Mi­lieuwechsels
  • verstärkte pH-Wert-Proble­me, insbesondere bei wei­chen Wässern, wenn nur nitri­fiziert wird
  • Nutzung des Nitratsauerstoffs für den BSB5-Abbau und da­mit wesentliche Senkung des Energiebedarfs für die Ab­wasserreinigung
  • Vermeidung von Grenzwert­überschreitungen infolge ei­ner wilden Denitrifikation in der Nachklärung.

Des Weiteren wies er darauf hin, dass bei einstufigen Bele­bungsanlagen die biologische Phosphorelimination ohne zu­sätzliche Maßnahmen nicht möglich ist. Auch wirkt Nitrat störend im Faulbehälter. Schließlich sei aus praktischer Sicht festzustellen, dass die in jüngster Zeit gebauten Kläranla­gen bis 20.000 EW im Regelfall über eine simultane aerobe Schlammstabilisierung ver­fügen und durch alternierende Belüftung die geschilderten ne­gativen Betriebsauswirkungen vermindert werden. Und es wurde festgehalten:

Wenn Biologen der Meinung sind, dass für die Gewässer Nitrat keine Belastung darstellt, dann sollte auch auf die Festsetzung von Überwachungswerten ver­zichtet werden und die Denitrifi­kation nur soweit erfolgen, wie sie für den Betrieb der Kläranlage notwendig ist.

Fragwürdig wird es, wenn nur zur Einhaltung der Überwachungswerte externe Kohlenstoffquellen (vorzugsweise auch Ethanol und Methanol) zugegeben werden müssen, wie es bereits jetzt in vielen Kläranla­gen praktiziert wird.

Nitrat als Nutzstoff

In seinen Ausführungen stellte Herr Prof. Uhlmann die von Herrn Prof. Lützner angeführte Notwendigkeit einer Denitrifika­tion für die Stabilität des Reini­gungsprozesses in Kläranlagen nicht infrage. Er wies jedoch nachdrücklich auf sehr gut gesi­cherte Forschungsergebnisse hin, die belegen, dass Nitrat auch als Sauerstoffspender für das Gewässer eine wichtige Rolle spielt. Herr Prof. Uhlmann erläuterte in anschaulicher Wei­se, in welchen Fällen Nitrat als Pflanzennährstoff wirkt, aber auch, dass Nitrat besonders wertvoll für die Sauerstoffver­sorgung von Sedimenten, die Schlammablagerungen in Seen und Meeren, ist.

Der gelöste Sauerstoff wird auf­grund der natürlichen Zeh­rungsprozesse an der Wasser- und Schlammgrenzschicht häufig schnell verbraucht. Allein das Nitrat diffundiert in die tiefe­ren Schlammschichten, so dass dort eine anoxische Nitratat­mung ermöglicht wird. Analog, wie dies in der Denitrifikations­stufe der Kläranlage erfolgt. Eine Sauerstoffversorgung der oberen Schlammschichten ver­hindert z. B., dass sedimentierte Phosphorverbindungen rück­gelöst werden, ähnlich wie dies technisch mit der biologischen P-Eliminierung praktiziert wird.

Fazit:

Stickstoff in der Nitratform ist wohl kaum als eutrophierender Faktor zu werten.

 Verzicht auf Denitrifikation?

Im Resümee verständigten sich die Teilnehmer dazu, dass einer­seits eine Denitrifikation für den störungsfreien Kläranlagenbe­trieb notwendig ist, andererseits aber Nitrat für die Sauerstoffver­sorgung der Sedimente in den Gewässern eine sehr wichtige Rolle spielt, und man deshalb nur soweit denitrifizieren sollte, wie es betrieblich erforderlich ist.

Die Notwendigkeit einer ge­setzlich vorgeschriebenen und behördlich kontrollierten Denitri­fikation in Kläranlagen wurde von den Gesprächsteilnehmern nicht gesehen.

Im Verlauf der Tagung wurde damals weiter disku­tiert, dass in Anwendung der Er­gebnisse das Tropfkörperver­fahren eine Renaissance erle­ben könnte, weil mit Einführung der neuen Abwasserverord­nung seit 01.04.1997 für Kläranla­gen 10.000 EW die Denitrifika­tion nicht mehr erforderlich ist.

Als Fazit hatte ich 1997 formuliert:

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Din­ge; und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müs­sen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

Heute stelle ich fest, dass die Wertung „einige Zeit“ nicht zutrifft. „Bis in alle Ewigkeit“ wäre sicher genauso falsch. Und diese Studenten von 1997 – heute wohl Ingenieure – warten immer noch auf die wasserrechtliche Akzeptanz, dass Nitrat kein Schadstoff sei und es deshalb keinen sachlichen Grund gibt für Nitrat Überwachungswerte festzusetzen oder gar eine Abwasserabgabe zu erheben. Nur am Rande sei erwähnt: Das Gleiche gilt auch für den CSB, mit dem ohne weiteres kein Schadstoffbeweis zu führen ist. Ob Handeln ohne sachlichen Grund in wasserrechtlichen Fällen Willkür ist, mögen Juristen entscheiden.

Irgendwann kann der Eindruck entstehen, dass es uns noch viel zu gut geht, als dass ein goldenes Kalb um sein Leben fürchten muss.

Und täglich wiederbelebt die Hoffnung der Defibrillator:

Die Signale der Wissenschaft­ler der TU Dresden und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sind hochinter­essant und werden hoffentlich bald in den Wassergesetzen vergegenständlicht. Sollten sich in der Gesetzge­bung einschließlich dem EU-Wasserrecht, bei den Ingenieu­ren und Behörden diese Er­kenntnisse durchsetzen, könn­te sich in der Abwasserbehand­lung und Gewässerpolitik das Reglement vereinfachen.

Gebänderte Prachtlibelle

Schädliches Weltbild

Wenn Investitionen wider besseren Wissens mit falschen Vorstellungen und falschen Begriffen begründet werden, dann entstehen Schäden. Genannt seien nur fünf Auswüchse:

  1. Fehlinvestitionen wegen mangelhaften oder fehlenden Nutzen
  2. Schäden durch Verbot effizienterer Investitionen
  3. Fehlurteile in der Rechtsprechung
  4. Minimierung von sonst vermeidbaren nachteiligen Prozessen im Gewässer (Blaualgen, Phosphorrücklösung, Mobilisierung von Schwermetallen)
  5. Wenn Nitrat ein Nutzstoff ist, dann darf bei Nitrateinleitung in ein Gewässer (von Trinkwassertalsperren abgesehen) keine Abwasserabgabe erhoben werden.

Im ersten Fall handelt es sich um Aufwendungen zur Denitrifikation, die in dem Umfang nicht notwendig wären, gäbe es keine Nitrat-Doktrin.

Im zweiten Fall werden Verfahren mit deutlich niedrigerem Energiebedarf verhindert. Alle sollen doch Energie sparen? Wann darf damit richtig begonnen werden?

Im dritten Fall kann eine Überschreitung von Stickstoffüberwachungswerten im Ergebnis zu hoher Nitratkonzentrationen zu einer  Verurteilung der Abwasserbeseitigungspflichtigen führen, obwohl ihnen dafür in der Regel die Verdienstmedallie verliehen werden müsste.

Und der vierte Fall ist ein Paradoxon von bedeutender Tragweite:

Der Gesetzgeber verursacht mit seiner Nitrat-Doktrin tatsächliche und beachtliche Gewässerschäden bzw. wasserwirtschaftliche Effizienzeinbußen.

Was dann geschah…

Einige Jahre nach der Veröffentlichung des Tagungsberichtes „Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte bei der Abwasserbehandlung“ verfasste ich zu dem Thema ein Kapitel in einem Fachbuch, in dem u. a. die Effizienzverluste infolge der Negierung der erwähnten wissenschaftlichen Ergebnisse dargestellt wurden. Herrn Prof. Uhlmann verdanke ich die kritische Durchsicht. Siehe dazu Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung und Nitrat stört den Phosphorkreislauf.

Hin und wieder gibt es ein paar Querdenker.

Mit Amüsement ist zu lesen, dass in Deutschland das Unmögliche natürlich in einem Einzelfall gelang – eine Erlaubnis dafür zu erhalten, um den „Gewässerschadstoff“ Nitrat in einen See zu kippen. Nicht nur ein klein wenig. Sondern richtig ordentlich! Ziel war die Bekämpfung der Blaualgen in einem See durch Nitrat.

Nichts neues, nur in Deutschland strengstens verboten!

Wie man das wasserrechtlich gedeichselt hat, ist mir ein Rätsel.

Damit stellt sich nun die Frage, ob manche bisherigen Sanierungsmaßnahmen für Seen falsch waren?

Also konsequente Herausnahme des gereinigten Abwassers.

Ich hatte beispielsweise zur Sanierung eines  größeren eutrophen Sees mit ausgeprägtem Phosphorkreislauf vor gut 10 Jahren in einem Gutachten vorgeschlagen, die Kläranlagen, die dort damals einleiteten, mit einer Nitrifikationsstufe auszurüsten. Auf diese Weise sollte Nitrat in den See eingeleitet werden, um Blaualgenblüten sowie den Phosphorkreislauf zu minimieren. Das ist immer noch Stand der Wissenschaft!

Der Fakt und das Gutachten wurde von der Gewässerverwaltung ignoriert und man gab anstelle einer wirklich effizienten Lösung lieber einige Millionen mehr vom Geld der Bürger aus, ohne schließlich das Problem des Sees zu lösen.

Ein unbequemer Nichtwasserwirtschaftler brachte es in einer ähnlichen Situation auf den Punkt:

„Also, mit Millionenaufwand wird heute in den Klärwerken in speziellen Denitrifikationsanlagen der Nitratgehalt des Abwassers stark gesenkt und als Folge schmeißt man den energieintensiv erzeugten Nitrat-Kunstdünger hinter den Kläranlagen wieder in die Gewässer.“

Der diesbezügliche Beitrag Fischqualen als Kollateralschaden eines dogmatischen Gewässerschutzes ist im Internet zu finden. Auf jeden Fall amüsant geschrieben und der Autor trifft den Nagel auf den Kopf.

Nitrat-Doktrin wackelt:

Die Nitrat-Doktrin wackelt, wenn die Bauindustrie erkennt, dass sich z.B. mit dem Bau von Tropfkörpern auch schönes Geld verdienen lässt.

Als Resümee und zur Heilung geistiger Wunden lesen oder tanzen 😉 wir Michel de Montaigne:

Drittes Buch, dreizehntes Kapitel „Über die Erfahrung“!

„Überhaupt halten sich ja Gesetze nicht deshalb, weil sie gerecht sind, sondern weil es Gesetze sind. Dies ist die geheimnisvolle Begründung ihrer Gültigkeit; sie haben keine andere; rund das ist gut für sie. Gesetze werden oft, von Dummköpfen geschaffen; öfter noch von Menschen, denen gleichmäßiges Abwägen zuwider ist und die deshalb in dem, was recht und billig ist, versagen; aber jedenfalls immer von Menschen, deren Schöpfungen, wie die aller Menschen, eitel und unklar sind. Nichts anderes ist so schwer und so weitgreifend mit Fehlern belastet wie Gesetze; nirgends treten sie so regelmäßig auf. Wer sie befolgt, weil sie gerecht sind, befolgt sie nicht recht; nicht deshalb ist er ihnen Gehorsam schuldig. …
Man soll der Natur folgen; je einfacher ich mich ihr anvertraue, um so weiser handle ich. Unwissenheit und Sorglosigkeit, ach, was bilden sie doch für ein weiches, angenehmes und zugleich gesundes Kissen zum Ausruhen für einen Menschen mit guten Anlagen.“




Keine Angst vor Abstraktionen!

„Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einer aktuellen Entscheidung zu der Frage Stellung genommen, ob neue DIN-Normen sofort zu einer Nachrüstpflicht bei Unternehmen führen. Im konkreten Fall ging es um eine Klägerin, die sich an einer halbautomatischen Glastür verletzt hatte.“

„Nicht jeder abstrakten Gefahr könne vorgebeugt werden.“

Quelle: HDI-Gerling Industrie Versicherung AG

 

 




Effizienz wasserwirtschaftlicher Maßnahmen in Ökosystemen

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen müssen effizient sein.

Das ist naheliegend und auch der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu entnehmen. Im Anhang III (Wirtschaftliche Analyse) der Richtlinie wurde formuliert: „Die wirtschaftliche Analyse muss (unter Berücksichtigung der Kosten für die Erhebung der betreffenden Daten) genügend Informationen in ausreichender Detailliertheit enthalten, damit

a)
die einschlägigen Berechnungen durchgeführt werden können, die erforderlich sind, um dem Grundsatz der Deckung der Kosten der Wasserdienstleistungen gemäß Artikel 9 unter Berücksichtigung der langfristigen Voraussagen für das Angebot und die Nachfrage von Wasser in der Flussgebietseinheit Rechnung zu tragen; erforderlichenfalls wird auch Folgendem Rechnung getragen:

– den Schätzungen der Menge, der Preise und der Kosten im Zusammenhang mit den Wasserdienstleistungen,
– den Schätzungen der einschlägigen Investitionen einschließlich der entsprechenden Vorausplanungen;
b)
die in Bezug auf die Wassernutzung kosteneffizientesten Kombinationen der in das Maßnahmenprogramm nach Artikel 11 aufzunehmenden Maßnahmen auf der Grundlage von Schätzungen ihrer potentiellen Kosten beurteilt werden können.“

Erfahrungen und Referenzen

Für diese nachvollziehbaren Effizienznachweise besitzen wir langjährige Erfahrungen und nutzen auch interdisziplinäre Zu- bzw. Mitarbeit.

Die Methode

Methodisch wird dabei u. a. der zusätzliche Nutzen, seine Wahrscheinlichkeit definiert und dies in das Verhältnis zu den voraussichtlichen zusätzlichen Kosten gesetzt.

Ausgangspunkt ist eine ökologisch korrekte Prüfung oder Bewertung für einen konkreten Organismus und/oder für dessen Habitat.

Dabei konzentrieren wir uns auf Tiere im und am Wasser.

Der Schwerpunkt

Letztlich geht es darum zu untersuchen:

Sind die geplanten meist zusätzlichen Schutzmaßnahmen hinreichend nützlich für den konkreten Zielorganismus sowie verhältnismäßig und verstoßen sie nicht gegen das Sparsamkeitsprinzip?

Tiere im und am Wasser

 

 




Tödlicher Gewässerschutz

“Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt? Wir können nicht all diesen Tieren die Nahrung wegnehmen und dann darüber klagen, dass sie seltener werden.“ Reichholf

Gebänderte Prachtlibelle

Quelle:
Reichholf, Joseph, H.
Die Zukunft der Arten
C.H. Beck
2. Auflage 2006, S. 63

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gebänderte Prachtlibelle

Nährstoffarme Wiesengräben und –flüssen sind kein guter Zustand für die Gebänderte Prachtlibelle und
ein guter wasserchemischer Zustand kann durchaus sehr schlecht für viele Tiere sein.

Im Sinne des s.g. Verschlechterungsgebotes darf durchaus gedeutet werden, dass bei Vorkommen von Gebänderten Prachtlibellen der „schlechte“ wasserchemischer Zustand nicht verbessert werden darf, weil dies schlecht für die Prachtlibellen wäre.




Stand der Technik – unangenehme-Wahrheiten

Zunächst die offizielle Definition und einige Aufsätze:

Und nun von den Kritikern der Technik die unangenehmen Wahrheiten:

 

Nicolás Gómez Dávila

  • Um zu erreichen, daß der Techniker sich ausschließlich in seinem Amt befleißige, komprimiert die Industriegesellschaft sein Hirn, ohne seinen Schädel zu deformieren.
  • Der Techniker erlangt nur selten das Bewußtsein seines Elends. Der Wissenschaftler ist sich des seinen zwar gewöhnlich bewußt, doch er kuriert es mit der Philosophie aus, die er im Ramschladen an der Ecke billig erstanden hat.
  • Die Kosten für den Fortschritt lassen sich in Dummköpfen berechnen.
  • Über nichts ärgert sich der Fortschrittler so sehr, wie über die Starrsinnigkeit desjenigen, der sich weigert, das Sichere dem Neuen zu opfern.
  • Um die Patienten heilen zu können, den sie im 19. Jahrhundert verwundete, mußte ihn die Industriegesellschaft im 20. Jahrhundert verblöden. Der Preis für industriellen Wohlstand ist die geistige Misere.
  • Die Dummheit des Einzelnen entspricht in etwa proportional dem Enthusiasmus, den eine Maschine in ihm erwecken kann.
  • Den Hohlkopf beeindruckt nur das Allerneueste. Für den klugen Menschen hängt nichts vom Datum ab.
  • Das technisch Perfekte ist stets unzulänglich.
  • Die Macht der Technik ist nur unbegrenzt um zu zerstören und zu erniedrigen.

Kommentar: Ich nehme an, dass Dávila bei seinen Überlegungen eher die Übertreibungen im Blick hatte. In Bezug auf die  Bestimmung des Standes der Technik nach Anhang 2 Wasserhaushaltsgesetz dürften seine Weisheiten aber sicherlich zutreffen.  Es wird zwar mitunter darauf hingewiesn, bei der Bewertung des Konkreten durch eine abstrakte Regel den Verstand zu benutzen. Dies gelingt wohl allerdings deshalb nur ausnahmsweise, weil der Verstand eben eher ausnahmsweise vorkommt. U. Halbach

Regel der Technik

Allgemeine Begriffe und großer Dünkel sind immer auf dem Wege, entsetzliches Unglück anzurichten.

Johann W. von Goethe, Maximen und Reflexionen

***

Die Regel als Fiktion

Der Allgemeinbegriff ist nichts anderes als eine gewisse Fiktion.

Wilhelm von Ockham
* um 1285 in Ockham in der Grafschaft Surrey, England;
† 9. April 1347 in München

***

Michael Klonovsky

14. Juli 2014

Also von mir aus kann der Fortschritt sofort aufhören.

http://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna




Seltenheitswert! Hurra! Ein Abwasserpilz!

Der Abwasserpilz ist selten geworden!

Verdient er unseren Schutz?

Wird so etwas im Bach gefunden…

Abwasserpilz

Foto 1: Sphaerotilus natans – Abwasserpilz – Gewässergüteklasse III oder auch III-IV

…dann darf ohne universitäre Spezialbildung auf den Gewässergütezustand III getippt werden.

Sieht es dagegen so aus:

Foto 2: Sphaerotilus natans & Weißfärbung der Gewässersohle – Gewässergüteklasse IV

dann dürfte die Gewässergüteklasse IV in diesem Abschnitt (!) vorliegen.

Der Unterschied liegt in der Weißfärbung der Gewässersohle durch Schwefelbakterien.

Ob der Zustand nun gut oder schlecht ist, dies kommt darauf an.

Der Verwaltungsmensch sagt so und ein richtiger Ökologe kann abstrakte Zustände nicht bewerten, denn er ist ja ein richtiger Ökologe!

Entscheidend ist dann die Meinung von jenem, der sich auf seine Deutungshoheit berufen kann und diese durchzusetzen vermag.

Ökologen könnten also (von Politik und Umweltindustrie natürlich unbeeinflusst und nur der Wissenschaft verpflichtet) bei dieser konkreten Bewertung aber auch den Ball flach halten, denn in diesem Fall ist es nämlich einige hundert Meter bachabwärts trotz und nach dem Abwasserpilz so richtig schön:

Foto 3: Ergebnis der Selbstreinigung – Wassergüteklasse 1!

Und auch das hyporheische Interstitial ist ganz allerliebst! Besser können wir es uns nicht erträumen:

Foto 4: Perfekt durchströmtes Hyporheal – ohne Veralgung und ohne anaerobe Zonen – alles gut!

Ein Gewässerabschnitt vor dem auf Foto 3 und 4 dargestellten Bereich weist die Gewässergüteklasse  III (Foto 1) auf. Man erkennt im Vergleich die Selbstreinigungskraft der Natur.

Das soll nun kein Argument dafür sein, die Abwasserbehandlung zu unterlassen, sondern es ist eine Anregung, die Situation vor Ort – also in der Natur – ideologiefrei und frei von kommerziellen Interessen zu bewerten.

Ein kleines einsames Abwasserpilzchen (zugegeben: es war eine Versammlung)  ist zwar einerseits durchaus ein Indiz für einen  Zustand, den sich Forellen eher nicht zum Brüten aussuchen würden. Ihre Eier würden verpilzen.

Durchschwimmen dagegen wäre, sofern Sauerstoff da ist und der pH-Wert stimmt, kein Problem. Schließlich ist ja ein Lieblingsplatz der Forellen im Bergland der Auslauf von Kläranlagen. Da kann man sie angeln und da sollen sie auch am Besten schmecken. Aus diesen Löchern (Kläranlagenablauf) fließt häufig Wasser mit einer Fracht von Inhaltsstoffen, die um Größenordnungen kleiner ist, als jene die die industrielle Landwirtschaft heimlich über Drain- und Grundwasser in die Fließgewässer schickt.

Dies darf bei der Gewässerverwaltung aber nicht berücksichtigt werden. Gewissermaßen hat diese diesbezüglich ein Weiterdenk- und Ermittlungsverbot, weil der Gesetzgeber in seiner unendlichen Weisheit und Voraussicht landwirtschaftliche Abwässer von der Beantragung einer Einleiterlaubnis und der Zahlung einer Abwasserabgabe befreite.

Diesen Fakt der Diskriminierung übersieht die EU-Kommission geflissentlich. Und so bleiben am Ende die Kommunen die Dummen, wobei die wasserchemische Gewässergüteklasse II oft nur erreicht werden kann, wenn die kommunalen Kläranlagen ihre Abwässer verdampfen und die industrielle Landwirtschaft ihre Produktion um schätzungsweise wenigstens 50 % zurückfährt. Nichts Neues, denn darauf hat ja REICHHOLF schon 2006 hingewiesen: Ein Großteil des Phosphors in unseren Gewässern stammt aus importierter Gülle von Übersee. (Genaueres bei REICHHOLF, Der Tanz um das goldene Kalb, Der Ökokolonialismus Europas, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 1. Auflage 2006 – sehr lehrreich!)

Zurück zum Spaerotilus, denn dieser wächst andererseits an der Stelle wenigstens schon über 50 Jahre und das eine oder andere Fischfuttertierchen gut 100 Meter bachabwärts freut sich regelmäßig darüber. Was sollen die Fischfuttertiere denn sonst fressen?

Dieser Beitrag soll nicht als Reklame für Abwasserpilze verstanden werden, aber in diesem ganz konkreten Fall ist kein sachlicher Nachteil aus dem Wachsen des Pilzes zu erkennen, der deshalb nun unbedingt zu beseitigen wäre.

Man muss eben die Dinge in der Natur und im Zusammenhang untersuchen.

Mehr sollte eigentlich nicht gesagt werden.




EU-WRRL – Ein Orakel?!

Guter oder sehr guter morphologischer Zustand - eher die absolute Ausnahme!

Warum Orakel?

Nun, weil die EU-WRRL genau wie ein Orakel aufgrund ihrer Abstraktheit gedeutet werden kann und muss. Das ist Fakt. Manche Regelungen der EU-WRRL werden unwissenschaftlich umgesetzt. Deshalb „orakeln“ seit längerem einige Ökologen – jene die ihre  Wissenschaft verteidigen  – bei der EU-WRRL nicht mehr mit. Sie sehen die Natur wie sie ist, nämlich wertfrei und da ist kein Verständnis für primitive Zustandsbewertung, wie für ein „gutes“ oder „böses“ Potential.

Die vom Orakel Betroffenen – also meist die Abwasserbeseitigungspflichtigen – müssen sich nun und nur überlegen, ob sie willkürliche Zustandsbewertungen umsetzen wollen. Meist wollen sie das, merken aber zu spät, dass sie dann zwangsläufig für die Orakelergebnisse Fremder bezahlen. So ist das im Leben auch bei anderen Dingen. Ein Orakel will und muss eben auch von irgendetwas leben.

Eine Lösung: Wenn die von der Gewässerverwaltung geplanten wasserwirtschaftlichen Maßnahmen für die Herstellung des guten ökologischen Zustandes oder des guten Potentials nicht effizient sind – sofern sich überhaupt jemand die Mühe macht, dies rechtzeitig nachvollziehbar zu untersuchen und darzulegen – dann besteht die schlichte Alternative darin, den guten ökologischen Zustand oder das gute Potential legitim so umzudeuten, dass dieses neue Ziel dann die Chance bekommt effizient zu werden. Wo ein Wille, ist immer ein Gebüsch!

Zugegeben: Mit dem Prüfen der Effizienz der Konsequenzen einer Zustandsbewertung ist wohl jede Gewässerverwaltung und jedes Umweltfachamt hoffnungslos überfordert, denn mittlerweile gibt es Bücher bzw. Dissertationen zu dem Thema, das keineswegs in der Verwaltungspraxis nebenbei bearbeitet werden kann.

Peinlich wird es nur, wenn der falsche Eindruck vermittelt wird, die Anforderungen für den guten Zustand oder für das gute Potential seien auf Effizienz geprüft und wenn behauptet wird, die EU-WRRL würde genau dies erfordern und es gäbe keine kostensparenden Alternativen.

Mittlerweile ist die EU-WRRL zu einem Monster gewachsen, das kein einzelner Mensch in seinem Leben je zu werten oder gar zu überblicken vermag. Der geneigte Leser mag ja im Zweifelsfall versuchen das Werk zu verstehen. Ohne Orakel kommt er nicht weit.  Es bleibt nur zu ergänzen, dass die alten Griechen unter dem Orakel drei Dinge verstanden: Den Ort, an dem orakelt wurde, das Orakel als Person und schließlich das Orakel als Weissagung.

Die Wertung der Effizienz einer wasserwirtschaftlichen Investition ist eine anspruchsvolle, komplizierte, aufwändige und zugleich interdisziplinäre Aufgabe, die neben verschiedenster Fachkunde, wie meist in der vernünftigen Reihenfolge

  1. Ökologie,
  2. Biologie,
  3. Hydromorphologie kontra Gewässerunterhaltung,
  4. Investitionsrechnung,
  5. Nutzensbewertung und Risikobewertung,
  6. Chemie (wie fälschlich nicht als Ziel, sondern als Mittel für ökologische Zustände und deshalb erst zum Schluss aufgezählt),
  7. Reduzierung der industriellen Landwirtschaft (wer sich traut 😉 ),
  8. kommunale Abwasserbeseitigung

auch praktische Erfahrung in der Natur – also nicht am Schreibtisch – erfordert. Was sagte ich? Ein Orakel? Eine Heerschar von Orakeln!

Nüchtern bringt es VORREYER [1] auf den Punkt:

„So bestehen in erheblichem Maße Auslegungsprobleme; infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten, den gemeinsamen Rahmen zu umgehen, sodass zurzeit kaum etwas darüber ausgesagt werden kann, ob der Rahmen für eine wirklich harmonisierte, wettbewerbsvereinheitlichende Gewässerschutzpolitik ausreicht.“

Man kann es auch so deuten: …infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten bei fragwürdigem Nutzen eine vernünftigen, effizienten Weg zu wählen und die Bürger eines Landes nicht unnötig finanziell zu belasten.

In der Praxis wird das Pferd oft immer noch von hinten aufgezäumt. Man beginnt mit dem Mut des Verzweifelten – mit dem, was man glaubt auf Kosten der Kommune leichtens ändern zu können – mit dem wasserchemischen Zustandsorakel und täuscht manchmal nur mit einer Mischungsgleichung (Gymnasium) vor, dass dieser wasserchemische Zustand schlecht und unbedingt zu bessern sei. Die Konsequenzen der „Verbesserung“ werden nicht untersucht, denn dafür ist man nicht zuständig, wie auch für den Erfolg seiner wasserchemischen Überlegungen.

Wir sollten von der Jugend lernen! Sie kennt die Natur besser als man meinen könnte. Machen wir eine Probe auf’s Exempel:

Jeder kleine Junge überlegt sich zuerst, welche Fische er im Aquarium haben will, bevor er über Pflanzen oder gar Phosphor überhaupt nachdenkt!

Die Änderung der Anforderungen an den guten ökologischen Zustand oder für das gute Potential erlaubt die EU-WRRL ausdrücklich.

Eine Voraussetzung dafür ist zunächst die Erlangung der Deutungshoheit. Dabei sind die jeweiligen Passagen in der EU-WRRL zu finden, die eine Deutungsvielfalt erlauben. Ein Stichwort: Effizienz!

Ein guter Anfang zur Effizienz wäre es, sich von Naturromantik zu trennen, denn wir wollen ja etwas bewirken.

Das erste Foto ist natürlich eine schöne Darstellung von einer schönen Natur, so wie Städter sie lieben, wenn sie auf dem Balkon Sonnenblumen anbeten.  Eine Sonnenblume – nicht jede – ist nämlich auch ein neuzeitliches Orakel; im ersten Sinne.

Seitengraben des Strengbaches - (Sachsen-Anhalt)

Ein allein durch landwirtschaftliche Abwässer eutrophierter Graben

Das zweite Foto ist auch Natur, wenn auch – auf den ersten Blick gewertet – nicht ganz so schön. Ein wertbesessener „Ökologe“ aber würde von einem schlechten ökologischen Potential faseln. (Ein normaler Mensch wird ohne umständliche Erklärungen nicht verstehen, wovon er redet. Auch markant: Wir sind inzwischen soweit, dass wir uns bürokratisch sagen lassen müssen, wie wir die Natur gefälligst zu werten, zu verstehen und zu lieben haben.)

Aus meiner Sicht oder aus der Sicht Frosches, die ich mir zu eigen mache, ist der Zustand im 2. Bild geradezu paradiesisch schön. Denn: „böser“ Phosphor = viele Algen = dicke Kaulquappen = dicke Frösche = neugierige Störche!  An der Kröte kann ein Naturromantiker – der Naturwissenschaften abgewählt hat – ersticken:  Gewässerdüngung macht Störche satt!

Die „unschöne“ Natur verspricht eine reiche Froschernte, die nur dann genutzt werden kann, sofern der Gewässerunterhaltungsverband nicht schneller ist und alles Lebendige aus dem Graben ausschabt und tötet, ähnlich wie es einer Warze beim Hautarzt geschehen würde, der mit einem scharfen Löffel ihr zu Leibe rückt.

Aber ohne Gewässerunterhaltungsverband wäre alles eine feuchte lebendige Wiese ohne industrielle Landwirtschaft. Wie es dann aussehen könnte, ist hier zu erahnen: Fauler See.

Die Realität sieht oft so aus: Zuckerrüben bis zum Horizont, industrielle Landwirtschaft und industrielle Tierproduktion, hier und da verträumte industrielle Biogasanlagen deren Gärreste neben Gülle in den Einzugsgebieten ausgebracht werden. Als Antwort und Lösung für das „gute Potential“ als Orakel eine flächendeckende Verschärfung der Überwachungswerte für kommunale Kläranlagen.

Über 20 Jahre wegen der Besorgnis verschärfte Überwachungswerte (BSB, CSB, N und P) und niemand schaut nach, ob dies tatsächlich einen hinreichenden Effekt brachte oder gar effizient war.

Kein Wunder, dass sich manche Ökologen mit Grausen von einem solchen „Gewässerschutz“ abwenden.

Heute unverständlich, wie wir ohne EU-WRRL überhaupt die Gewässer zu schützen vermochten! Wie doof und ungebildet waren doch die alten Wasserwirtschaftler! Was muss das früher für eine naturfeindliche Welt gewesen sein. Keine Biomaisfelder, keine Windkraftwerke, wenige Wasserkraftwerke, industrielle Landwirtschaft in Maßen….

Ob des Pudelskern darin besteht, dass sich hinter jeder kleinen Regelung ein Arbeitsplatz versteckt und dass es schon lange nicht mehr um die Natur geht?

________

[1] Vorreyer, Christian
Erläuterungen zur Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG)
durchgesehen und ergänzt von Friedrich Schröder
Stand: Juni 2007
Wasserrecht für die betriebliche Praxis
2008 WEKA MEDIA GmbH & Co. KG

 

 




Der chemische Sauerstoffverbrauch

Der chemische Sauerstoffverbrauch – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung? von U. Halbach

Kaffeetasse mit mächtig viel chemischem Sauerstoffverbrauch - nach wasserrechtlicher Deutung extrem schadstoffbelastet!

Fachartikel  veröffentlicht in der wwt 6, 7-8 und 9/2013

Auszug einer Leserzuschrift von Herrn Jürgen Wachtendorf am 13.11.2013:

Sie schreiben auf S. 16 im 1. Teil (etwas unter dem CSV/BSB-Bild): „Zusätzlich muss die ganze Mischung bei 148 +/- 3°C 110 Minuten schwach sieden. Da bekanntlich Wasser schon bei 100°C kocht, ist die Reaktion unter Druck zu halten.“  Diese Aussage ist nicht korrekt, bei der CSB-Bestimmung nach DIN wird das Reaktionsgemisch am Rückfluss bei normalem Luftdruck am Sieden gehalten. Reines Wasser kocht tatsächlich schon bei 100°C, das Reaktionsgemisch hat aber einen derart hohen Säure- und Salzanteil, dass der Siedepunkt viel höher als 100°C liegt, eben bei besagten 148°C. Ein erhöhter Druck ist hier nicht erforderlich. Bei der CSB-Bestimmung mit einem Küvettentest, mit dem auf vielen Kläranlagen die CSB-Analyse zuverlässig durchgeführt wird (und die – nebenbei bemerkt – wesentlich appetitlicher, umweltfreundlicher und unter Arbeitsschutzaspekten sicherer als das DIN-Verfahren ist), stehen die geschlossenen Küvetten leicht unter Druck, da sich die Luft in der verschlossenen Küvette durch die Hitze ausdehnt, erforderlich ist dieser Druck aber nicht.

Kommentar:
Ich folge den Argumenten! Vielen Dank für die Hinweise!
U. Halbach




Verschlechterungsverbot

Abstrakte Ziele sind zumeist Ursache für willkürliche Entscheidungen und willkürliches Handeln

Einige Überlegungen:

  1. Wenn als Prämisse gilt, dass wasserwirtschaftliche Entscheidungen auf wissenschaftlicher Grundlage zu fällen sind, dann ist das abstrakte Verschlechterungsverbot als Argument wegen seiner Abstraktheit recht fragwürdig.
  2. Ein wasserwirtschaftlich wertvolles Instrument wird das Verschlechterungsverbot dagegen, wenn es nicht abstrakt, sondern konkret begründet wird. Das ist möglich, wenn das Verschlechterungsverbot z. B. auf den Erhalt und den Schutz bestimmter (konkreter) Tier- oder Pflanzenarten und auf die Erhaltung der dafür notwendigen Lebensbedingungen in ihren komplexen Ökosystem gerichtet wird. Erst in ihrer konkreten Modifikation wird das Verschlechterungsverbot mit ökologischen Methoden definierbar. Es wird nun möglich, die Konsequenzen eines Zustandes z. B. für eine konkrete Tierart zu bewerten.
  3. Diese Bewertung liegt allerdings eher im gesellschaftlichen  Interesse, denn innerhalb der Wissenschaft „Ökologie“ gibt es (nicht nur) nach LAMPERT keinen Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.
  4. Dem Abstrakten fehlt die sachliche Grundlage.
  5. Abstrakte Ziele entziehen sich einer Nutzensbewertung und damit einer Bewertung der Wirtschaftlichkeit bzw. Wasserwirtschaftlichkeit.
  6. Willkürlich ist etwas, dem die sachliche Grundlage fehlt.
  7. Willkür ist  sachlich nicht prüfbar und Willkür entzieht sich den Gesetzen der Logik.
  8. Willkürliches Entscheiden und willkürliches Handeln ist dem Staat lt. Grundgesetz verboten.
  9. Abstrakte Ziele sind immer ein Grund nachdenklich, misstrauisch und vorsichtig zu werden.
  10. Präfixe, wie z. B. Bio und Öko begründen meist ein Geschäft oder eine Ideologie.



Ökologie ist wertfrei

 

Die Stellung der Ökologie in der Gesellschaft

Lampert, W.; Sommer, U., Limnoökologie, 2. überarbeitet Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart New York 1999 (S.447)

„Naturwissenschaften können Theorien darüber anbieten, wie die Natur funktioniert. Sie können jedoch nicht angeben, welcher Zustand der Natur ein erhaltenswürdiger Wert oder ein erstrebenswertes Ziel menschlichen Handelns ist. Die Festsetzung solcher Werte und Ziele ist keine Aufgabe der Wissenschaft, sondern eine Aufgabe des demokratischen Entscheidungsprozesses. Weder Ökologen noch irgendwelche anderen Experten haben in diesem Entscheidungsprozeß größere Rechte als andere Menschen. Die Aufgabe des Experten besteht allenfalls darin, Wege zum Erreichen von Zielen aufzuzeigen und Konflikte zwischen verschiedenen, für sich genommen durchaus berechtigten Zielen frühzeitig zu erkennen.

Selbst dann, wenn ein gesellschaftlicher Konsens bestünde, daß die „Gesundheit von Ökosystemen“ als schutzwürdiger Wert höchste Priorität genießt, könnte die Ökologie nichts zur näheren Definition dieses Wertes beitragen.

Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten.

Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.

Auch die anerkanntesten und konsensfähigsten Ziele der Umweltpolitik folgen nicht zwingend aus den Erkenntnissen der Ökologie.

Neben der Reduktion gesundheitsschädlicher Emissionen dienen die meisten Bestrebungen des Umwelt- und Naturschutzes zwei übergeordneten Zielen:

  • der Erhaltung der Diversität und
  • der Wiederherstellung bzw. Erhaltung einer möglichst großen Geschlossenheit der biogeochemischen Kreisläufe.

Beides sind Ziele, die mittlerweile vielen Menschen einleuchten; sie sind jedoch in menschlichen Werturteilen begründet und nicht in wissenschaftlichen Lehrsätzen.

Die Ökologie kann zwar aufzeigen, daß eine anthropogene Öffnung von Stoffkreisläufen unerwünschte Auswirkungen hat (mehr Nährstoffaustrag aus dem Boden – mehr Bedarf an Düngung — mehr Eutrophierung der Gewässer); es entzieht sich jedoch ihrer Kompetenz, zu bewerten, wie unerwünscht diese Auswirkungen sind.“

Gewässer im LSG „Fauler See“ bei Wanzleben

Foto aus dem Beitrag: Überlegungen zur Renaturierung des Domerslebener Sees




Angst und Sorge

„Angst, der Dauerzustand der unmündigen Gesellschaft

  • Angst ist eine Grundbefindlichkeit des Menschen.
  • In Ermangelung von lebensbedrohender Angst sucht der Mensch der Industriegesellschaft sich neue Zielobjekte seiner Angst.
  • Paradoxerweise macht der Mensch gerade das zum Gegenstand seiner Ängste, das ihn von lebensbedrohenden Gefahren befreit: die moderne Technik.
  • Die Angst gilt als eine besondere Qualität des Menschseins und wird zur Grundlage der Politik gemacht, die Rationalität bleibt auf der Strecke.

Angst widersteht der Vernunft!

Quelle:

Eilingsfeld, H.
Der sanfte Wahn
Ökologismus total
Süddeutsche Verlagsanstalt Mannheim
1989
(Seite 37)

***

 

 

 




Rechtliches zur Grundstücksentwässerung

Rechtsprechung zur Dichtheitsprüfung von privaten Grundstücksentwässerungsanlagen

Zitate mit freundlicher Genehmigung des Rechtsanwaltes Herr Reinhart Piens (Essen) 10.1.2013

  • „In der fachlich, rechtlich und politisch umstrittenen Frage der Dichtheitsprüfung privater Abwasseranlagen hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg kürzlich ein interessantes Urteil gesprochen (10. Januar 2012, Aktenzeichen 9 KN 162/10). Es kommt im Rahmen eines Normenkontrollantrages gegen die Satzung eines Abwasserverbandes zu dem Ergebnis, dass eine Regelung in der Abwasserbeseitigungssatzung, wonach private Grundstücksentwässerungsanlagen entsprechend der DIN 1986-30 auf Dichtheit zu überprüfen sind, in Niedersachsen auf einer ausreichenden gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage beruht und mit höherrangigem Recht vereinbar ist. Dichtheitsprüfungen zusätzlich zur DIN 1986-30 können allerdings nur bei Vorliegen besonderer Rechtfertigungsgründe gefordert werden.
  • Der Senat sieht in dieser Bestimmung eine dynamische Verweisung auf die DIN 1986-30 in der jeweils geltenden Fassung, zurzeit also in der Fassung der 2. Auflage von 2003 und voraussichtlich ab dem 1. Februar 2012 in einer geänderten Fassung. Nach der Tabelle 1 in Abschnitt 5.5 der zurzeit geltenden DIN 1986-30 (Prüfverfahren und Zeitspanne für die Dichtheitsprüfung) sind Anlagen zur Ableitung von häuslichem Abwasser oder Mischwasser entweder im Zuge von Baumaßnahmen (Nrn. 1.1 und 1.2) oder aber jedenfalls bis zum 31. Dezember 2015 (Nr. 1.3) einer — erstmaligen — Dichtheitsprüfung zu unterziehen.
  • In der ab dem 1. Februar 2012 voraussichtlich geltenden Neufassung der DIN 1983-30 ist der 31. Dezember 2015 als Prüftermin entfallen und sind abweichende Prüfintervalle von 20 oder 30 Jahren vorgesehen.
  • In diesem Bereich können sie die Benutzung ihrer öffentlichen Einrichtungen durch den Erlass von Satzungen regeln und nach § 8 Nr. 2 NGO (jetzt § 13 Satz Nrn la und 2a NKomVG) für die Grundstücke ihres Gebietes den Anschluss an die Abwasserbeseitigung anordnen sowie deren Benutzung vorschreiben (Anschluss- und Benutzungszwang).
  • Auf der Grundlage der §§ 6 Abs. 1 Satz 1, 8 Nr. 2 NGO (jetzt §§ 10 Abs. 1, 13 Satz 1 Nrn la und 2a NKom VG) kann die Gemeinde eine Dichtheitsprüfung nur anordnen, soweit ein konkreter Bezug zur Erfüllung der eigenen Aufgabe Abwasserbeseitigung besteht. Kommunale Satzungen dürfen daher Anforderungen an Grundstücksentwässerungsanlagen lediglich aufstellen, um zu vermeiden, dass der Betrieb des öffentlichen Abwasserbeseitigungssystems erschwert oder beeinträchtigt wird, und um sicherzustellen, dass der bestehende Benutzungszwang und die Überlassungspflicht nach § 96 Abs. 9 NWG n. F. (§ 149 Abs. 10 NWG a. F.) eingehalten werden.
  • Eine Überprüfung der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen darf deshalb mit dem Ziel vorgesehen werden, das Eindringen von Fremdwasser in das Abwasserbeseitigungssystern zu verhindern.
    Nicht von der Satzungsermächtigung in den §§ 6 Abs. 1 Satz 1, 8 Nr. 2 NGO (jetzt §§ 10 Abs 1, 13 Satz 1 Nrn la und 2a NKom VG) gedeckt sind Regelungen, die allein auf die Einhaltung eines wasserrechtlich ordnungsgemäßen Zustands abzielen. Gegenstand des Wasserrechts ist unter anderem der Grundwasserschutz. Undichte Leitungen bringen die Gefahr mit sich, dass das Grundwasser durch den Eintritt von Schadstoffen beeinträchtigt wird (vgl. hierzu Schneider, ZfW 2005, 69). Wegen des hinsichtlich des Grundwasserschutzes abschließenden Charakters des Wasserrechts sind kommunale Satzungsregelungen, insbesondere auch die Anordnung einer Dichtheitsprüfung, mit dem Ziel, das Grundwasser vor Beeinträchtigungen zu bewahren, nicht zulässig.
  • Der Träger des Abwasserbeseitigungssystems muss im Interesse der erforderlichen effektiven Abwasserbeseitigung in der Lage sein, diesen — aus dem Verantwortungsbereich des Grundstückseigentümers herrührenden — Missstand zu beseitigen, und muss aus diesem Grund auch eine Dichtheitsprüfung anordnen dürfen, die an technische Anforderungen zur Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustands der Grundstücksentwässerungsanlage anknüpft.
  • Wegen der Vielfalt der möglichen Schadenseintritte und der Notwendigkeit eines auch vorbeugenden Schutzes kann eine Eigenkontrolle nicht nur bei denjenigen Grundstücken, bei denen sich eine allgemeine Gefährdungslage bereits konkretisiert hat, sondern für alle an die öffentliche Entwässerungsanlage angeschlossenen Grundstücke satzungsmäßig vorgeschrieben werden (BVerfG — ZfW 1994, 392f.
  • Die sachliche Rechtfertigung folge in erster Linie aus der Einwirkungs- und Verfügungsgewalt des Eigentümers.
  • Die Einhaltung dieser Pflichten setze notwendigerweise voraus, dass der Eigentümer den Zustand und die Benutzung der Sache durch Eigenkontrollen überprüfe.
  • Zu solchen Maßnahmen gehören auch regelmäßige Überprüfungen der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen durch den Eigentümer auf dessen Kosten.
  • Strengere Anforderungen im Vergleich zur DIN 1986 i. d. F. von 1988 … entsprechen nicht ohne Weiteres einer sachgerechten Ermessensausübung. Denn die DIN geben die anerkannten Regeln der Technik in sachverständiger Weise wieder. Sie geben daher zumindest für den Regelfall vor, welche Maßnahmen sachgerecht, erforderlich und ausreichend sind. Bestehen weitergehende Anforderungen nach der DIN nicht, so spricht dies dafür, dass solche Anforderungen nicht notwendig sind und als Ausfluss des Verhältnismäßigkeitsprinzips daher – auch angesichts der mit ihnen verbundenen Kosten und Anstrengungen … vom Grundstückseigentümer auch nicht verlangt werden können. Die Abwassersatzungen der Gemeinden und Landkreise dürfen somit strengere Anforderungen im Vergleich zur DIN 1986 i. d. F von 1988 nur vorsehen, wenn sie aus sachlichen Gründen – wie möglicherweise besonderen örtlichen Gegebenheiten – geboten sind. Derartige Rechtfertigungsgründe sind nur in Bezug auf die Buchstaben c und d des § 10 Abs. 2 Satz 2 ABS gegeben. Nach den dort getroffenen Regelungen können zusätzliche Dichtheitsprüfungen gefordert werden, wenn ein Grundstück in einem Gebiet mit hohem Fremdwasseranteil liegt oder konkrete Erkenntnisse bestehen, dass die Grundstücksentwässerungsanlage undicht ist.
  • Die Verfolgung wasserrechtlicher Ziele kann indessen aus den bereits dargelegten Gründen nur mit den Mitteln des Wasserrechts, nicht aber über kommunale Abwasserbeseitigungssatzungen erfolgen.“

Im Einzelnen wird auf den Gesamttext in der KA Korrespondenz Abwasser, Abfall 2012 (59) Nr. 6 S. 586-589 verwiesen.

Kommentar:

Die Argumentation

Der Träger des Abwasserbeseitigungssystems muss im Interesse der erforderlichen effektiven Abwasserbeseitigung in der Lage sein, diesen — aus dem Verantwortungsbereich des Grundstückseigentümers herrührenden — Missstand zu beseitigen, und muss aus diesem Grund auch eine Dichtheitsprüfung anordnen dürfen, die an technische Anforderungen zur Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustands der Grundstücksentwässerungsanlage anknüpft.“

verstößt wenigstens gegen das Verhältnismäßigkeitsprinzip der EU-WRRL und enthält sogar einen Trugschluss.  Dieser besteht darin , dass ja gerade die Dichtheitsprüfung aller Grundstücksleitungen (wie es gewünscht und  z. T. praktiziert wird) eine „effektiven Abwasserbeseitigung“ verhindert.

U. Halbach




Ein Aufruf zur Bedachtsamkeit

Ist eine weitere Entfernung von Mikroverunreinigungen aus kommunalem Abwasser angezeigt?

Prof. Dr.-Ing. Harro Bode
Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands, Kronprinzenstraße 37
45128 Essen

Exzerpt

  • „Ich halte es in Fällen, in denen es nicht mehr um die Beseitigung offensichtlicher und schlimmer Missstände geht, grundsätzlich für legitim und notwendig, danach zu fragen, welche Beeinträchtigungen unter Kostenaspekten hingenommen werden können und sollen und welche nicht.“
  • „Wenn erst einmal neue Grenzwerte etabliert sind, die es in Oberflächengewässern einzuhalten gilt, ist das Beeinflussen anderer Bereiche wie Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Industrie- und Chemikalienpolitik oft der sehr viel steinigere und schwierigere Weg als der vergleichsweise einfache Ruf nach einem weiteren Kläranlagenausbau. Diese „politische“ Eigendynamik ist nicht zu unterschätzen. Wer sie nicht vor Augen hat, wenn er neue Grenzwerte für Oberflächengewässer fordert, handelt zumindest leichtfertig.“



Frühaufsteher

Sachsen-Anhalt – Das Land der Frühaufsteher

Über diesen Slogan mag so mancher gelächelt haben, weil er diese Anhaltiner nicht kannte. Es ist in der Tat so:  In Sachsen-Anhalt und in den meisten neuen Bundesländern wird früher aufgestanden. Zumal geht hier die Sonne auch früher auf.

Und mit dem Werbespruch möchte man natürlich auch eine gewisse geistige Fitness verbinden.

Das ist nicht weit hergeholt, denn immerhin haben die Ostdeutschen ja eine Diktatur mehr erlebt als ihre westdeutschen Landsleute und merken manches also schneller, auch wenn sie darum kein Getöse machen.

Und so ist es kein Wunder, dass Herr Winfried Kluth, Richter am Landesverfassungsgericht von Sachsen-Anhalt, in einem aktuellen Gutachten korrekt und mutig feststellt:

Die Zulassung von Freiheitsbeschränkungen ohne jede empirische oder fachwissenschaftliche Grundlage ist nichts als ein Deckmantel für schlecht kaschierte Willkür, die vor einer gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung kapituliert.

Und weiter

Das Gericht verkennt und ignoriert mit seiner Vorgehensweise den wissenschaftlichen Meinungsstand und verletzt das rechtsstaatliche Verteilungsprinzip, das für freiheitsbeschränkende Regelungen eine tragfähige sachliche Begründung verlangt

Das erste Zitat habe nicht ich „ausgegraben“. Es stammt aus einer denkwürdigen Kolumne von Maxeiner & Miersch. Diese beiden Autoren steckten  schon häufig ihre Finger ganz tief in die Wunde im deutschen „Ökologie“verständnis.

Und zu recht, denn in keiner Zeit, wie in der heutigen gab es so extrem viele Verbote und Regulatorien.

Weitere Restriktionen gegen den Normalbürger sind wohl geplant und liegen schon in den Schubladen. Komisch ist, dass fast alle lieben Mitmenschen dies toll finden und sich schon auf weitere Verbote freuen.

In vielen Veröffentlichungen wird das Wieselwort „Freiheit“ bemüht und kaum jemand begreift, dass die beschleunigte Zunahme von Verboten und Regulativen eben genau diese schrittweise ausschließt.

Einfachste Dinge, wie z. B. ein Feuerchen anmachen – vor der ökologistischen Ära kein Problem – sind heute in der Regel verboten. Heute schreit sogar jeder Kamin nach einem Feinstaubfilter, um die Sterblichkeit durch Feinstaub in der putzmunteren Nachbarschaft auf die präökologistische Epoche zu reduzieren.

Wir wissen zwar nicht, ob es hilft, aber alle Guten machen mit!

Da ist schon die Frage erlaubt:

Leben wir überhaupt noch in einer Demokratie oder schon in einer Diktatur?

Angesichts der Gesetzesflut ein Neuerervorschlag:

§ 1: Wir verbieten dem Bürger grundsätzlich alles und schaffen alle Gesetze ab.

§2: Das was er noch darf, schreiben wir auf eine DIN A4-Seite

Und schließlich noch ein Analogieschluss:

Wenn

Die Zulassung von Freiheitsbeschränkungen ohne jede empirische oder fachwissenschaftliche Grundlage ist nichts als ein Deckmantel für schlecht kaschierte Willkür, die vor einer gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung kapituliert.

sind dann

Verbote im Umweltrecht ohne jede empirische oder fachwissenschaftliche Grundlage auch ist nichts als ein Deckmantel für schlecht kaschierte Willkür, die vor einer gesellschaftlichen (manipulierten) Mehrheitsmeinung kapituliert?

Lesenswertes, typisches und aufschlussreiches zum Thema „Freiheitsbeschränkungen“:

  • Grüne Männchen sind reine Glaubenssache
    Man könnte grüne Männchen richterlich verbieten lassen – solange nur die Mehrheit daran glaubt. Um wissenschaftliche Fakten geht es schließlich bei den wenigsten Gesetzen.
    Von Dirk Maxeiner und Michael Miersch
  • Schon etwas ältere, aber immer noch aktuelle Denkaufgabe:
    Der Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer sieht im Umweltstrafrecht „Neukriminalisierungen außerhalb eines Täter-Opfer-Bereichs“ sowie eine flächendeckende Vorfeldkriminalisierung, bevorzugt über abstrakte Gefährdungsdelikte.

    Quelle:

    auch von Maxeiner und Mirsch
    Die Zukunft und ihre Feinde – Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
    Eichenbornverlag 2002



Panik?!

Saalekreis
Krebsgefahr im Grundwasser

„Im Grundwasser sind erhöhte Konzentrationen von PFT festgestellt worden. Die chemische Verbindung – perfluorierte Tenside – gilt als Krebs erregend.“

Kommentar:

???

Allerdings ist dem Artikel nicht zu entnehmen – man möchte noch das Wort „natürlich“ hinzufügen – ob die Ängste tatsächlich berechtigt sind.

Hier muss man wissen, dass nicht nur die deutschen Grenzwerte schon seit langem kein Maßstab oder ein Beweis für irgendwelche konkreten Gefährdungen oder Besorgnisse sind.

Maßstab ist in der Regel allein das Leistungsvermögen moderner Reinigungsverfahren.

Die Definition des „Standes der Technik“ enthält zwar auch wirtschaftliche Aspekte, aus denen man sogar auch einen hinreichenden Nutzensnachweis ableiten könnte.

Das ist aber eher eine Theorie.

Die Praxis sieht anders aus.




Sparsamkeitsprinzip contra Bauchentscheidungen!

Übliche Bauchentscheidungen bei der Verschärfung des Gewässerschutzes…

könnten seltener werden, wenn die Besorgnisträger gesetzliche Vorschriften beachten, nach denen der Nutzen und Sinn zusätzlicher Aufwendungen nach wissenschaftlichen Methoden zu prüfen ist.

Das ist aber in der Praxis eine Frage des Standpunktes und erfordert eine gewisse Motivation, denn es gilt das Sparsamkeitsprinzip auch auf den wissenschaftlichen Nachweis des Grundes einer amtlichen Besorgnis auszudehnen.

Das wäre allerdings ein unüblicher früher Zeitpunkt, der lange vor der planerischen Grundlagenermittlung und Vorplanung liegt und so manche Fehlplanung vermeiden würde.

Bislang war dies immer noch sehr einfach. Es genügte allein Angst zu verbreiten und die Stirn in sorgenvolle Falten zu legen.

Seit Jahren ist zwar Geist nötig, aber es besteht keine Nachfrage.

Vorgeschrieben sind zur Prüfung des Grundes einer Besorgnis:

  • ökologische Risikoanalysen
  • Nutzwert-Analysen
  • Kosten-Wirksamkeitsanalysen

In der Praxis kann man diese Nachweise eher suchen und wenn man sie gefunden hat, dann wurden sie den Kommunen auf’s Auge gedrückt, obwohl nach der WRRL der Staat dafür zuständig wäre.

Merke:

Soweit verschiedene Vorhaben- oder Trassenvarianten vergleichend zu bewerten sind, kann es zweckmäßig sein, auch formalisierte Bewertungsverfahren(z. B. ökologische Risikoanalysen, Nutzwert-Analysen, Kosten-Wirksamkeitsanalysen) heranzuziehen, wenn die Ziele im Rahmen dieser Bewertungsverfahren aus den gesetzlichen Umweltanforderungen abgeleitet sind.“
Quelle:  Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Ausführung des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPVwV) vom 18. September 1995 (GMBl. Nr. 32 vom 29.09.1995 S. 671)

Dies wurde konkret in o. g. Vorschrift formuliert und die Forderung nach Nutzensbewertung kann ohne Weiteres auch auf andere „Besorgnisse“ ausgedehnt werden.

Kann – muss aber nicht, wie die wasserbehördliche Praxis – natürlich nur in wenigen Einzelfällen – beweist.

Die für den Bürger kostenintensive Verschärfung von Überwachungswerten für die Einleitung von gereinigtem Abwasser in Gewässer wird üblicherweise immer noch pauschal beurteilt:

„Tun wir mal was Gutes!“

Ob das Ganze auch zu einem konkreten Nutzen geführt hat, dafür interessiert sich hinterher kein Mensch.

Und so wartet der eingerahmte rot markierte Merksatz aus einer eigentlich verbindlichen Verwaltungsvorschrift nun schon seit über 16 Jahren auf seine Geburt.

Eine Ursache liegt wahrscheinlich darin, dass in den heutigen schweren Zeiten niemand Geld für derartige Geburten mit vorschüssigen Nachweiskosten hat.

Und bevor es eine Fehlgeburt wird, ist man lieber mit dem „Guten“ schwanger und reicht den dicken  Bauch zur Entbindung an die Kommunen, Abwasserzweckverbände und Unternehmen weiter, die dann mit der von ihnen nicht verursachten Behinderung leben müssen.

Schließlich, einer Tatsache darf man tapfer ins Auge schauen:

Die übertriebene Gewässerverwaltung hat viele unserer Gewässer von partikulären Nährstoffen befreit, damit aber auch dafür gesorgt, dass zahlreiche Tiere kein Futter mehr finden und abwandern.

Wo sind z. B. die Mauersegler, die Zuckmücken, die Teichmuscheln oder die zahlreichen Fische geblieben, die es vor 20…30 Jahren in einer offensichtlichen Überzahl gab?

Ideologen und die industrielle Landwirtschaft haben sie auf dem „Gewissen“.

Keinesfalls waren es kommunale oder industrielle Kläranlagen!

Also wäre es an der Zeit, „den Ball flach zu halten“!

Ist aber nicht gut für’s Geschäft!




Überwachungswertüberschreitung

Überwachungswertüberschreitung und Umweltverschmutzung

“Eine Überschreitung eines Überwachungswertes ist noch keine Umweltverschmutzung.”

Zitat: RA Fachanwalt für Verwaltungsrecht Herr Möller am 24.11.2009




Die guten Seiten einer Kleinkläranlage

Es ist selten so, wie man denkt…

Mancherlei Argumente werden vorgebracht

  • Kleinkläranlagen sind undicht.
  • Die Betreiber von Kleinkläranlagen sind unfähig diese selber zu warten.
  • Kleinkläranlagen funktionieren nicht richtig.
  • Betreiber von Kleinkläranlagen bohren Löcher in ihre Gruben, damit sie weniger Schlamm entsorgen müssen.
  • Kleinkläranlagen belasten das Gewässer viel stärker als zentrale Kläranlagen.
  • ….

um zu begründen, dass Kleinkläranlagen schlechter sind, als eine zentrale Abwasserableitung durch eine Kanalisation.

Für eine Stadt oder eine größere Siedlung mag dies stimmen.

Aber zumindest im Vergleich mit einer Mischwasserkanalisationen schneiden die Kleinkläranlagen deutlich besser ab, wie das folgende Bild zeigt:

Die zentrale Abwasserableitung- und -behandlung hat auch so ihre Schattenseiten.

Bei dem Foto – das ich 2005 machte – handelt es sich um den Einlauf einer Kanalisation in einen kleinen Bach.

Hinter dem Einlauf befindet sich ein Regenüberlaufbecken einer Misch(ab)wasserkanalisation.

So etwas Schönes , wie auf dem Foto abgebildet, sieht man bei der Abwassereinleitung eines Dorfes, dessen Bewohner ihr Abwasser noch mit Kleinkläranlagen – z. B. primitiv nach DIN 4261-1 behandeln – nicht.

Der Leser mag darüber sinnieren, wo sich denn das andere Klopapier befindet, das nicht von diesem Gitter eher zufällig zurückgehalten wurde?

Nun, es ziert natürlich – bis zum nächsten Hochwasser – den einen oder anderen Strauch, Busch oder Baum am Ufer des Baches.

Seit einigen Jahren versucht man solche Eindrücke durch den Einbau von recht teuren Rechenanlagen in die Regenabwürfe zu vermeiden.

Wie aber die „Umweltpolizei“ völlig zu recht meint:

Es ist selten so, wie man denkt…

In diesem Fall ist es schlimmer, denn es sind die Dinge, die man nicht sieht, die uns zumeist das Leben schwer machen und die kann man nicht einfach aus dem Abwasser sieben.

Es ist ähnlich wie beim Kaffee: Das, was der Filter zurückhält, ist die Nebensache.

Und aus diesen wenig schmackhaften Gründen – im anderen Fall – darf man das Wasser in Flüssen und Bächen trotz gewaltiger Erfolge im staatlich geförderten und mit Abwasserabgabe stimulierten Wettbewerb um den saubersten Kläranlagenablauf nicht trinken.

Baden sollte man in den Bächen und Flüssen erst dann, wenn man sicher ist, dass es stromaufwärts wenigstens einige Tage nicht geregnet hat.

Und immer daran denken:

Das was im Fluss neben dem Wasser fließt, ist oft zu einem Großteil Gülle.

Gülle geringfügig verändert.

Mehr oder weniger biologisch durch mehr oder weniger vorhandene Bodenpassagen behandelt.

Mitunter ist es also ganz anders als es uns vorgedacht wird!

Aber ich kann versichern, ich kenne ein Kind, dass mehrfaches streng verbotenes Schwimmen in der Elbe im Alter von 8 Jahren wenigstens 54 Jahre ohne eine einzige Allergie überlebte.

In der ostdeutschen Elbe schwamm damals vielleicht auch ein wenig Rechengut mit.

Also – immer schön den Ball flach halten!

Es sind nicht die Gefahren, die uns die Propheten versprechen.

Es sind meist völlig andere.




EHEC aus Biogasanlagen?

Ein aktuelles Thema der FAZ lautet:

Biogasanlagen – Brutstätten für Ehec-Keime?

„Angesichts der dramatischen Krankheitsverläufe und immer noch steigenden Fallzahlen entstehen derzeit viele neue Theorien, woher die Ehec-Keime im aktuellen Ausbruch stammen könnten. Weil immer noch kein einzelnes Lebensmittel als Auslöser konkret benannt werden konnte, konzentriert man sich jetzt auf größere Zusammenhänge, etwa die moderne Landwirtschaft mit ihren auf Kraftfutter angewiesenen Hochleistungskühen, die kein Weidegras mehr kennen. Daneben sind ein Terroranschlag und mangelnde Kenntnisse über Küchenhygiene im Zuge eines Generationswandels in der Diskussion.“

In dem Rahmen werden auch Analogien zu anderen Keimen in der Biogasgülle – die Clostridien – diskutiert. (Einige Arten der Clostridien sind pathogen)

„Im Gegenteil hat eine von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und der Technischen Universität München gemeinsam durchgeführte Studie ergeben, dass sich Clostridium perfringens weder in meso- noch in thermophil betriebenen Fermentern bei der Vergärung von Rindergülle vermehrte.“

Quelle: Stellungnahme zu den Artikeln „Biogasgülle am besten unterpflügen“ in Flur und Furche, Bd. 184, S. 19 (2005) sowie Biogas: „Gülle unterpflügen“ in dlz-Agrarmagazin Bd. 10, S. 14 (2005)

Siehe auch: Wikipedia

Markant scheint zu sein, dass die Bedenken Klärschlammbiogasanlagen eher nicht betreffen.

Weitere Quellen:

Mehr Fälle, mehr Thesen

FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung – ‎06.06.2011‎
Auf der Suche nach Erklärungsversuchen für die Ehec-Krise geraten auch Biogasanlagen in die Diskussion. Die Hypothese, die Anlagen seien eine Brutstätte für Krankheitserreger, ist nicht neu. Von Christina Hucklenbroich Angesichts der dramatischen

„Vielleicht sucht man vergeblich“

Salzburger Nachrichten – ‎05.06.2011‎
Zumindest Salzburg darf aufatmen: „Wir haben jenen 30-jährigen Patienten, bei dem Verdacht auf EHEC bestanden hatte, heute entlassen“, bestätigte der Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Primar Richard Greil, den SN am Sonntag.

Ehec-Ausbruch: Epidemie stellt Experten vor doppeltes Rätsel

Spiegel Online – ‎05.06.2011‎
Von Nina Weber Wie verbreiten sich die Ehec-Bakterien, die Hunderte Menschen infiziert haben? Und woher stammt der Erreger? Bisher konnten Forscher diese Fragen nicht klären. Doch nun gibt es womöglich eine neue Spur. Wie es zu dem Ehec-Ausbruch in

Schwieriger Kampf gegen Ehec-Epidemie: Krankenhäuser am Limit

STERN.DE – ‎05.06.2011‎
Gesundheitsminister Bahr räumt ein: Die Kliniken im Norden sind bei der Versorgung der Ehec-Patienten überlastet. Bei Suche der Erreger-Quelle geraten nun auch Biogasanlagen ins Visier. Seit drei Wochen treibt der aggressive Darmkeim Ehec in

Biogasanlagen – Brutstätten für Ehec-Keime?

FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung – ‎05.06.2011‎
Angesichts der dramatischen Krankheitsverläufe und immer noch steigenden Fallzahlen entstehen derzeit viele neue Theorien, woher die Ehec-Keime im aktuellen Ausbruch stammen könnten. Weil immer noch kein einzelnes Lebensmittel als Auslöser konkret

Mediziner verdächtigt Biogasanlagen als Ehec-Ursprung

Reuters Deutschland – ‎05.06.2011‎
Berlin (Reuters) – Einige Veterinär- und Labormediziner halten eine Herkunft des gefährlichen Ehec-Erregers aus Biogasanlagen für möglich. In den Gärbehältern der Biogasanlagen entstünden Bakterien, die es zuvor noch nie gegeben habe,

Ehec-Erreger könnte aus Biogasanlagen stammen

Financial Times Deutschland – ‎05.06.2011‎
Möglicherweise ist der tödliche Erreger ein Produkt der Energiewende: In Biogasanlagen könnte die aggressive Form des Darmkeims entstanden sein. Die Spur nach Lübeck scheint jedenfalls wertlos. Einige Veterinär- und Labormediziner halten eine Herkunft

Neue Spuren im Fall EHEC

NZZ Online – ‎05.06.2011‎
Eine medizinisch-technische Assistentin zeigt in Hamburg im mikrobiologischen Labor des Universitätsklinikums Eppendorf eine EHEC-Bakterienkultur. (Bild: Keystone / Philipp Guelland) Bei der Suche nach der Herkunft des gefährlichen EHEC-Erregers sind

 

 

 

 

 




Vom Kopf auf den Fuß gestellt!

Die Wasserchemie ist Mittel der Ökologie und nicht – wie momentan eher dilettantisch benutzt – ein eigenständiges Ziel.

D. h. die Prämissen und Gesetze der Ökologie bestimmen die Anforderungen an den wasserchemischen Zustand.

Was ist sinnvoll, zweckmäßig und möglich?

Und es wartet ein goldenes Kalb auf seine Demontage:

Phosphor und Stickstoff sind keine Schadstoffe, sondern Nährstoffe!





Mächtig viel CSB im Kaffee und kein Schadstoffbeweis?

Der CSB ist eine Summenbestimmung von (nur unter Laborbedingungen) chemisch oxidierbaren unbekannten Stoffen und unbekannten Einzelkonzentrationen.

Allein mit unbekannten Stoffen bzw. unbekannten Stoffgemischen und zudem unbekannten Einzelkonzentrationen ist kein Schadstoffbeweis möglich.

Entscheidend für eine Sauerstoffzehrung im Gewässer ist der sauerstoffzehrende Anteil des CSB.

Der muss aber als BSB separat gemessen werden.

Nun wäre die Frage zu beantworten:

Wenn allein mit dem CSB oder TOC kein Schadstoffbeweis sachlich möglich ist, warum wird dann für den CSB eine Abwasserabgabe erhoben?

(Siehe auch den Fachbeitrag von 2013 in der wwt. Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Bleibt nur noch hinzu zufügen, dass nicht nur ich als Student im Fach Wasserchemie schon 1968 an der Ingenieurschule für Wasserwirtschaft gelehrt bekam, dass mit allein mit dem CSB ein Schädlichkeitsbeweis nicht zu führen ist.

Und mit der Wende 1989 wurde schlagartig und sachlich unbegründet der CSB zum Schadstoff erklärt.

Die staatliche Gewässeraufsicht – so hieß eine Wasserbehörde vor 1989 – hatte bezüglich der CSB- und der Nährstoffbewertungen noch eine wissenschaftlich-ökologische Grundlage. Heute wurde ihren Nachfolgern in der ehemaligen DDR, den Wasserbehörden ein willkürliches Regulativ verordnet, um die Erhebung von Abgaben scheinbar zu begründen und Staftatbestände von CSB-Gewässerveschmutzungen zu verfolgen, die in Wahrheit keine sind.




Nitrat und Phosphor im Gewässer

Schlechter wasserchemischer Gewässerzustand – auch eine Frage des Imports von Düngemitteln für den Export von Fleisch

Reichholf:

„Geht man auf den 55 % landwirtschhaftlich genutzter Landesfläche von einer Düngermenge aus, die gegenwärtig im Durchschnitt bei gut 200 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr liegt, so stellt sich die Frage, woher diese nun kommt.

Mineraldünger macht nur wenig mehr als die Hälfte davon aus; in großen Gebietsteilen sogar erheblich weniger.

Organischer Dünger liefert also bis zu 100 Kilogramm Stickstoff.

»Dung« war früher Mist und ist heute in ganz überwiegendem Maße Gülle, also das, was die Tiere wieder von sich geben.

Recycling ist das aber nicht, wie sich aus den Angaben und Kalkulationen in den ersten drei Kapiteln ergibt.

Die »Super-Serengeti« Deutschland kann ihren Tierbestand selbst nicht ernähren.

Sie importiert in gewaltigen Mengen Futtermittel.

Sie steckt fast die Hälfte der Getreideproduktion in die Bereitstellung von Tierfutter, also fließt ein Teil des Mineraldüngers über den Umweg der Pflanzenproduktion zu den Tieren in die Ställe und als Gülle über das Land.

Und er kommt als »Dünger aus der Luft« zurück, weil Ammoniak (NH3) der Gülle und den Ställen entweicht, der vom Niederschlag aufgenommen und gelöst wird, um schließlich in Form von Ammonium gleichfalls zu düngen.

Die Gesamtmengen lassen sich besser im Vergleich verstehen:

Die landwirtschaftliche Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Hauptquelle der Überdüngung ist also nicht die Getreideproduktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung.

Diese fällt das ganze Jahr über an, während sich der Mineraldüngereinsatz effizient auf die Zeit kurz vor Beginn und in den Wochen des starken Wachstums konzentriert.

Ginge das bei der Gülle auch, könnte sie den Mineraldünger sogar weitgehend ersetzen, aber Gülle gibt es nicht nur zwischen Mai und Juli.

Damit werden die importierten Futtermittel ganz klar zur Hauptquelle der generellen Überdüngung und Belastung von Böden, Grundwasser, Flüssen und Seen.

Der importierte Überschuß kann längst nicht mehr verkraftet und abgebaut werden.

Abwasser aus Südamerika fließt über Deutschland, könnte man verkürzt und überspitzt die Lage charakterisieren.

Gleichzeitig verschlingt dieser transkontinentale Fluß von Stoffen riesige Mengen an Energie.

In der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird pro Kopf mehr als dreimal soviel Energie verbraucht wie vom großen Rest der Bevölkerrung.

Dabei sind davon nur die direkt eingesetzten Energiemengen zur Erzeugung und nicht die indirekten für die schier unglaublichen Transportwege erfaßt, die Zwischenprodukte zurücklegen — mit gravierenden Folgen für Deutschland, Europa und die Welt.“

Quelle:

Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

***

Kommentar

Lesenswertes Buch!

Wäre zu ergänzen mit der Bedeutung der „Biogasgüllle“.

U. Halbach

zenproduktion zu den Tieren in die Ställe und als Gülle über das Land. Und er kommt als »Dünger aus der Luft« zurück, weil Ammoniak (NH3) der Gülle und den Ställen entweicht, der vom Niederschlag aufgenommen und gelöst wird, um schließlich in Form von Ammonium gleichfalls zu düngen. Die Gesamtmengen
fr
lassen sich besser im Vergleich verstehen: Die landwirtschaftliche ‚ Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.
Die Hauptquelle der Überdüngung ist also eetwereetteetergeSguktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung. Diese fällt das ganze Jahr über an, während sich der Mineraldüngereinsatz effizient auf die Zeit kurz vor Beginn und in den Wochen des starken Wachstums konzentriert. Ginge das bei der Gülle auch, könnte sie den Mineraldünger sogar weitgehend ersetzen, aber Gülle gibt es nicht nur zwischen Mai und Juli.
4)Anit werden die ImportfetietiPuttermittel ganz klar zur Haelliiir quelle der generellen Überdüngung und Belastung von Böden; Grundwasser, Flüssen und Seen. Der importierte Überschuß kann
le
längst nicht mehr verkraftet und abgebaut werden. Abwasser au ’s Südamerika fließt über Deutschland, könnte man verkürzt un ,
überspitzt die Lage charakterisieren. Gleichzeitig verschlingt diesentranskontinentale Fluß von Stoffen riesige Mengen an Energie. ha/
der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird pro Kopf mehr als dreimal soviel Energie verbraucht wie vom großen Rest der Bevölke-lr rung. Dabei sind davon nur die direkt eingesetzten Energiemengen
zur Erzeugung und nicht die indirekten für die schier unglaublichen Transportwege erfaßt, die Zwischenprodukte zurücklegen — mit gravierenden Folgen für Deutschland, Europa und die Welt.

zenproduktion zu den Tieren in die Ställe und als Gülle über das Land. Und er kommt als »Dünger aus der Luft« zurück, weil Ammoniak (NH3) der Gülle und den Ställen entweicht, der vom Niederschlag aufgenommen und gelöst wird, um schließlich in Form von Ammonium gleichfalls zu düngen. Die Gesamtmengen
fr
lassen sich besser im Vergleich verstehen: Die landwirtschaftliche ‚ Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.
Die Hauptquelle der Überdüngung ist also eetwereetteetergeSguktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung. Diese fällt das ganze Jahr über an, während sich der Mineraldüngereinsatz effizient auf die Zeit kurz vor Beginn und in den Wochen des starken Wachstums konzentriert. Ginge das bei der Gülle auch, könnte sie den Mineraldünger sogar weitgehend ersetzen, aber Gülle gibt es nicht nur zwischen Mai und Juli.
4)Anit werden die ImportfetietiPuttermittel ganz klar zur Haelliiir quelle der generellen Überdüngung und Belastung von Böden; Grundwasser, Flüssen und Seen. Der importierte Überschuß kann
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längst nicht mehr verkraftet und abgebaut werden. Abwasser au ’s Südamerika fließt über Deutschland, könnte man verkürzt un ,
überspitzt die Lage charakterisieren. Gleichzeitig verschlingt diesentranskontinentale Fluß von Stoffen riesige Mengen an Energie. ha/
der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird pro Kopf mehr als dreimal soviel Energie verbraucht wie vom großen Rest der Bevölkerrung. Dabei sind davon nur die direkt eingesetzten Energiemengen
zur Erzeugung und nicht die indirekten für die schier unglaublichen Transportwege erfaßt, die Zwischenprodukte zurücklegen — mit gravierenden Folgen für Deutschland, Europa und die Welt.




Das gute ökologische Potenzial

Überlegungen zum ökologischen Potenzial in Verbindung mit einer schlechten wasserchemischen Gewässergüteklasse III

Über das, was das „gute“ ökologische Potenzial sein soll bzw. wie es konkret zu erkennen und umzusetzen ist, streiten sich noch die Experten[1].

Weiter kommt man in seinen Überlegungen, nachdem z. B. folgende simple Vorentscheidungen gefällt werden:

  1. Für welche Tierart sollen die wasserchemischen und hydromorphologischen Bedingungen gut sein?
  2. Wünscht man sich eine Artenvielfalt oder nur eher eine Tierart in der Natur?
  3. Wünscht man sich eine richtig lebendige Natur mit einer hohen Populationsdichte oder vielleicht doch eine gereinigte langweilige halbtote Natur[2], in der sich nichts mehr bewegt, weil alles verhungert ist?
  4. Ist man bereit zu akzeptieren, dass ein „schlechter“ chemischer Gewässerzustand (Güteklasse III) Voraussetzung für „Gutes“ in Position 2. und 3. ist?
  5. Hat man den Mut und die Kraft die industrielle Landwirtschaft aus den Einzugsgebieten der Flüsse und Bäche zu verbannen? Ja oder Nein? Denn das ist die nicht nur für wasserchemische Güte alles entscheidende primäre Frage und nicht jene, ob man nicht leichterweise die Überwachungswerte einer kommunalen Kläranlage verschärfen sollte.

Nun, für zahlreiche Bäche im ländlichen Raum mit intensiver Landwirtschaft wird wohl die  wasserchemische Gewässergüteklasse III die Regel sein und dies  selbst dann noch, wenn aus den Einzugsgebieten alle häuslichen Abwässer verbannt werden sollten.

Für diese Behauptung gibt es viele Beweise. Zwei Beweise sind besonders anschaulich. Sie zeigen zwei hochgedüngte Gewässerabschnitte in Sachsen-Anhalt in die ausschließlich landwirtschaftliche Abwässer (bodenfiltrierte Gülle, Dünger, u. a. m.) eingeleitet werden (siehe die folgenden 2 Fotos).  Die schon im Frühjahr deutlich sichtbare Verkrautung ist Beweis für den Überschuss an Nährstoffen.

(Nun, ich bilde mir keine Meinung darüber, ob man die Landwirtschaft wegen des EU-Zieles „Guter Gewässerzustand“  nur drastisch einschränken sollte oder nicht. Das ist mir egal. Mir geht es bei meiner Arbeit nur darum, die Akzeptanz zu erleichtern, dass mancherorts ohne die Beseitigung der industriellen Landwirtschaft eben eine wasserchemische Gewässergüteklasse II unmöglich ist und dies abgesehen davon, dass die Welt auch bei einer Gewässergüteklasse III nicht untergeht, denn schließlich hatte sie dazu ja schon jahrzehntelang  Zeit und stand dabei unter intensivster Beobachtung. )

Seitengraben des Strengbaches - (Sachsen-Anhalt)

eutrophierter Seitengraben des Strengbaches ohne kommunale Abwässer

 

Reide vor Pranitz – Blick entgegen der Fließrichtung Februar 2009 (Sachsen-Anhalt)

Im Übrigen ist der „schlechte“ wasserchemische Gewässerzustand III für sehr viele Tiere gar nicht so schlecht, wie allgemein geglaubt wird. Zwischen der Nährstoffbelastung eines Gewässers, der Artenvielfalt sowie Populationsdichte gibt es einen interessanten, aber kaum beachteten Zusammenhang:

„Nach einer persönlichen Information des Ökologen Herrn Prof. Reichholf [3] steigt mit zunehmender Gewässergüte zunächst die Artendiversität an, erreicht bei III – II ein Maximum und nimmt dann wieder (stark) ab, falls GKL I erreicht werden sollte.

Der Rückgang in die andere Richtung zu GKL IV ist weniger stark ausgeprägt, aber begleitet von einer massiven Zunahme der Individuenmenge bzw. dem Lebendgewicht der Organismen pro Flächeneinheit (als Maß für die Produktivität). Nur bei starkem Sauerstoffschwund oder in Zusammenhang mit Vergiftungsvorgängen sinkt die Produktivität der eutrophen Gewässer. Sonst ist sie maximal. In früheren Zeiten war dieser Zusammenhang unter den so genannten „Thienemann’schen Gesetzen“ in der Limnologie bekannt, aber von den zugrunde liegenden Ursachen nicht verstanden worden. Allgemeine Angaben hierzu sind zum Beispiel in ODUM, E. P. & J. H. REICHHOLF (1980): Ökologie. BLV München, enthalten. Es gibt eine Menge Detailanalysen hierzu in der limnologischen Literatur. Der Schüler Hans UTSCHICK des Herrn Prof. Reichholf hat das u. a. auch in seiner Diplomarbeit und Dissertation für die Wasservögel ausgearbeitet und publiziert in den Ornithol. Verhandlungen 22 (1976): 395 – 438 &  Bd. 23 (1980): 273 – 345.“

Ähnliche Beobachtungen wurden schon in Sachsen-Anhalt gemacht. Über wasserchemische Gewässergüte im 1. Becken einer belüfteten Teichkläranlage kann man lange nachdenken (Foto 7). Für die Weißflügelseeschwalben – eine Tierart auf die zumindest das Brandenburger Umweltministerium stolz ist[4] – war die Kläranlage in Sachsen-Anhalt als Futterquelle hoch willkommen.

Ökologisch korrekt zu denken, bedeutet auch Phosphor und Stickstoff nicht als Schadstoff zu begreifen, sondern als Nährstoff und als eine Voraussetzung für Artenvielfalt und Populationsdichte, die man sich natürlich in einer Trinkwassertalsperre oder im Forellenlaichgebiet nicht wünscht. Ohne diese „Schadstoffe“ wäre ein biologisches Leben, wie wir es kennen, unmöglich.

Ein Schwarm Weißflügelseeschwalben auf der Kläranlage Nordgermersleben in Sachsen-Anhalt

Ein Schwarm Weißflügelseeschwalben auf der Kläranlage Nordgermersleben in Sachsen-Anhalt.

Ausgehend von der Prämisse, dass die landwirtschaftliche Abwassereinleitung in die Gewässer wohl kaum soweit reduziert werden kann, dass in der Regel die wasserchemische Gewässergüteklasse II zu garantieren ist, sollte man in diesen Fällen die Gewässergüteklasse III als gegeben hinnehmen, denn mit unserem dummen Drang nach reiner Natur und reinen Gewässern haben wir schon genug Schäden in der Natur angerichtet und genug Geld verschwendet.

Anknüpfend an die Prämissen liegt das ökologische Potenzial nun in der Schaffung jener hydromorphologischen Bedingungen, die gut für Tiere sind, die auf die Gewässergüteklasse III angewiesen sind.

Sofern wasserwirtschaftliche Fehlinvestitionen beim Gewässerschutz auf unvermeidbare Grundrisiken beschränkt werden sollen, kann es diese Reihenfolge geben:

  1. Akzeptanz der Tatsache, dass die wasserchemischen Bedingungen, um die  Gewässergüteklasse II zu gewährleisten, nicht hinreichend geändert werden können (in der Regel verhindert dies die Landwirtschaft)
  2. Definition des ökologischen Potenzials durch wertfreie ökologische Arbeit nach wissenschaftlichen Prinzipien, konkret für die gegebenen wasserchemischen Bedingungen, in diesem Fall Gewässergüteklasse III
  3. Schaffung des ökologischen Potenzials, in der Regel über Gestaltung von Habitaten und anderen hydromorphologischen Voraussetzungen

Die Tiere, die in dem Ökosystem mit der wasserchemischen Güte III gut leben könnten, bestimmen auch das gute ökologische Potenzial.

Sollte dagegen das Pferd vom Schwanz aufgezäumt werden – wie es momentan mancherorts den Anschein hat – dann wird es nicht nur sehr teuer, sondern auch sinn- und nutzlos für die Bürger, die Länder und den Bund.

Letztlich gleichen die Überlegungen denen eines kleinen scheinbar kranken Jungen, der nicht fernsehen möchte oder mit dem Computer spielen will, sondern der sich nur ein Aquarium nach dem Vorbild der Natur einrichten möchte und dabei denkt. Insofern sind die Überlegungen doch alle recht einfach und sie fallen einem dann besonders leicht, wenn man den Hintern vom sterilen Schreibtisch weg in die raue, böse  und menschenfeindliche Natur bewegt und das auch dann noch, wenn es draußen stark regnet, stürmt oder schneit.

Und allzu häufig braucht man für grundlegende Feststellungen keine Hochschulbildung oder wasserchemische Untersuchungen. Es genügt mitunter nur die Augen auf zumachen und mit dem Gehirn zu verknüpfen.

Aber leider ist es mitunter viel einfacher etwas Unsinniges, Unnötiges, Kompliziertes und Teures zu tun, als etwas ganz Einfaches, Simples und Natürliches.

Und das ist gut so, denn sonst wären wir keine Menschen und ich hätte nichts zu tun.


[1] Kein Wunder, denn das ökologische Potenzial oder der gute ökologische Zustand hat nichts mit der Wissenschaft Ökologie zu tun. Deshalb nicht, weil die wissenschaftliche Ökologie keine Zustandsbewertungen kennt. Eine Fliege, eine Ratte, eine Mistbiene ist dem Ökologen genauso lieb und interessant, wie ein Frosch, ein Storch oder ein kuschliges Robbenbaby mit Knopfaugen. Insofern ist es nicht möglich, auf vernünftige, fachlich nachvollziehbare Weise etwas ökologisch gut oder schlecht zu bewerten. Allerdings führt die Akzeptanz derartiger Fakten in die Sackgasse, weil sie nicht nur die Gesetzgebung, sondern auch die naive-romantische Vorstellung der Allgemeinheit von der Natur erschüttern würde.

[2] wie sie jetzt schon in weiten Teilen Deutschlands Standard ist und so manchen Binnenfischer in den Ruin getrieben hat.

[3] Der Zoologe, Evolutionsbiologe und Ökologe Professor Reichholf lehrt Naturschutz an der TU und leitet die Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung in München.

[4] Seltene Seeschwalben waren dem Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg eine Pressemitteilung  wert: „Criewen – Wer sie bisher sehen wollte, musste nach Osten fahren – die Rede ist von den Weißbart- und Weißflügelseeschwalben. Die bei uns seltenen Seeschwalben sind typisch für naturnahe Flussauen im östlichen Polen. In diesem Frühjahr ließen sich erstmals die beiden Arten gemeinsam mit Trauerseeschwalben und Lachmöwen in einer Brutkolonie im Nationalpark Unteres Odertal nieder. Kurze Zeit später hat die Nationalparkverwaltung erste Bruterfolge beobachtet.“

 

 




Bewirtschaftungsplan – EU-WRRL

  • ist für jede Flussgebietseinheit aufzustellen § 36b WHG
  • Basis der fristgerechten Erreichung der Gewässerqualitätsziele der WRRL
  • konkretisiert die abstrakten Ziele der WRRL
  • enthält wesentliche Maßnahmen
  • Maßstab ist der gute Gewässerzustand  nach WRRL

Siehe auch:

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Kosteneffizienz beim Gewässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung




Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Bewirtschaftungsplan ist Ausgangspunkt

  • Wenn die Bewirtschaftungsplanung für ein Gewässer ergibt, dass keine Maßnahmen zur Verbesserung des Potenzials mehr möglich sind, dann hat das Gewässer das „gute ökologische Potenzial“ erreicht.
  • Solange aber noch Maßnahmen nach den Kriterien der Bewirtschaftungsplanung als machbar und vertretbar eingestuft werden, wird das Gewässer zunächst nicht in das „gute ökologische Potenzial“ eingestuft.
  • Als Orientierung werden auf jeden Fall auch die künstlichen und erheblich veränderten Gewässer nach den Kriterien für den eigentlichen Gewässertyp beurteilt.

Quelle:

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt,Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
des Landes Nordrhein-Westfalen

***

Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Kosteneffizienz beim Gewässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung




Kosteneffizienz beim Gewässerschutz

Die Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik – Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vom 23.10.2000 (2000/60/EG, ABl. L 327/1), geändert durch die Entscheidung Nr. 2455/2001/EG vom 20.11.2001 (ABl. L 331/1) ist am 22.12.2000 in Kraft getreten.

Vorrangige Ziele sind die Herstellung eines guten ökologischen und chemischen Zustands der oberirdischen Gewässer und die Schaffung eines guten chemischen und quantitativen Zustands des Grundwassers.

Gefordert wird eine „Trendumkehr“ bei zunehmender Verschmutzung.

  1. Für künstliche oder erheblich veränderte Gewässer ist das gute ökologische Potenzial und der gute chemische Zustand herzustellen.
  2. Die Gewässerschutzmaßnahmen sind nach Kosteneffizienzkriterien durchzuführen.
  3. Alle signifikanten Belastungen im Einzugsgebiet der Gewässer sind zu erfassen und ihre Auswirkungen auf die Gewässer zu bewerten.
  4. Für die Zielerreichung sind unter Beteiligung der Öffentlichkeit Maßnahmenprogramme auszuarbeiten.

Kommentar:

Nach meiner langjährigen Beobachtung wird gegen die Positionen 2-4 dann am häufigsten verstoßen, wenn es um die Verschärfung oder um zusätzliche Gewässerschutzmaßnahmen geht.

Auf diese Weise werden dann mitunter sehr „teure Vögel“, aber in formal korrekter Manier geschaffen.

Man hält sich dabei vorzugsweise an Kommune und Abwasserzweckverbände, obwohl die Gewässerbelastung (N und P) z. T. mit über 90 % von der industriellen Landwirtschaft verursacht und z. T. sogar importiert wird.

U.H.

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Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung

 

 

 

 

 

 




Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

§ 4 Ermittlung aufgrund des Bescheides

„(1) Die der Ermittlung der Zahl der Schadeinheiten zugrunde zu legende Schadstofffracht errechnet sich außer bei Niederschlagswasser (§ 7) und bei Kleineinleitungen (§ 8) nach den Festlegungen des die Abwassereinleitung zulassenden Bescheides. Der Bescheid hat hierzu mindestens für die in der Anlage zu § 3 unter den Nummern 1 bis 5 genannten Schadstoffe und Schadstoffgruppen die in einem bestimmten Zeitraum im Abwasser einzuhaltende Konzentration und bei der Giftigkeit gegenüber Fischeiern den in einem bestimmten Zeitraum einzuhaltenden Verdünnungsfaktor zu begrenzen (Überwachungswerte) sowie die Jahresschmutzwassermenge festzulegen. Enthält der Bescheid für einen Schadstoff oder eine Schadstoffgruppe Überwachungswerte für verschiedene Zeiträume, ist der Abgabenberechnung der Überwachungswert für den längsten Zeitraum zugrunde zu legen. Ist im Abwasser einer der in der Anlage zu § 3 genannten Schadstoffe oder Schadstoffgruppen nicht über den dort angegebenen Schwellenwerten zu erwarten, so kann insoweit von der Festlegung von Überwachungswerten abgesehen werden.“

Anlage zu § 3

(1) Die Bewertungen der Schadstoffe und Schadstoffgruppen sowie die Schwellenwerte ergeben sich aus folgender Tabelle:

GEi ist der Verdünnungsfaktor, bei dem Abwasser im Fischeitest nicht mehr giftig ist. Den Festlegungen der Tabelle liegen die Verfahren zur Bestimmung der Schädlichkeit des Abwassers nach den angegebenen Nummern in der Anlage „Analysen- und Messverfahren“ zur Abwasserverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. Juni 2004 (BGBl. I S. 1108, 2625) zugrunde.

(2) Wird Abwasser in Küstengewässer eingeleitet, bleibt die Giftigkeit gegenüber Fischeiern insoweit unberücksichtigt, als sie auf dem Gehalt an solchen Salzen beruht, die den Hauptbestandteilen des Meerwassers gleichen. Das Gleiche gilt für das Einleiten von Abwasser in Mündungsstrecken oberirdischer Gewässer in das Meer, die einen ähnlichen natürlichen Salzgehalt wie die Küstengewässer aufweisen.

Quelle: Gesetz über Abgaben für das Einleiten von Abwasser in Gewässer (Abwasserabgabengesetz – AbwAG)

 

 




Überwachungswerte – Verschärfung

Wer Überwachungswerte verschärft, schuldet dem Betroffenen den Effekt und den Nachweis der Verhältnismäßigkeit  – zumindest moralisch.

Im Gegensatz zu den allgemeinen Vorstellungen von der Natur, man könne ein wenig verbessern, dann würde es schon gut werden, ist es unter den Bedingungen der grausamen Realität so, dass hier das Naturgesetz des Umschlages einer Qualität in eine andere durch quantitative Änderungen wirkt.

Dabei kann der Qualität allmählich oder sprungartig umschlagen. Und genau das ist der Punkt.

In der Biologie und Hydrobiologie sind Qualitätssprünge eher die Regel.

Sollte z. B. der geneigte Leser Schmerzen verspüren, die mit Acetylsalicylsäure beseitigt werden könnten, dann nützt es nichts, wenn er nur wenig davon kostet, sondern es ist eine bestimmte Dosis davon zu nehmen, damit man schmerzfrei wird.

Genauso ist es mit vielen Gewässern.

Es nützt nichts, ein bisschen die Überwachungswerte zu verschärfen, um dann den guten Gewässerzustand zu erreichen, wenn über 90 % der „Krankheitskeime“ durch die „offene Wunde“ namens „industrielle Landwirtschaft“ ständig aufs neue den Körper infizieren.

Entweder man beseitigt das Übel für die betroffenen Gewässer grundlegend oder man muss die Tatsachen akzeptieren.

Alles andere hat mit Gewässerschutz oder Wasserwirtschaft nichts mehr zu tun.

Ich neige in Bezug auf

Reichholf, J. H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

zu der Empfehlung, die Landwirtschaft weniger auf Export zu orientieren und bis dahin die nicht ohne Weiteres zu ändernden Tatsachen einfach zu akzeptieren.

Erfrischend ist für manchen Leser auch die Tatsache, dass nicht etwa die kommunalen Kläranlagen die  Gewässerverschmutzer Nr. 1 sind.

Das könnte die korrekte Reihenfolge sein, wobei ich mir bei der Reihenfolge von 2. und 3. nicht sicher bin:

  1. industrielle Landwirtschaft
  2. Biogasproduktion
  3. Bioethanol – Biospritproduktion
  4. ?
  5. ?
  6. kommunale Abwasserbehandlung
  7. Kleinkläranlagen nach DIN 4261-2
  8. Kleinkläranlagen nach DIN 4261-1

Was darf ein Fisch im Bach kosten?

Vergleiche:   Eine halbe Million Euro für einen Vogel?!

Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Kosteneffizienz beim Gwässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung




Kostennormativ

Kommunale Abwasserbeseitigung – Normative Kosten und Risikoabbau

Uwe Halbach, u. a.
Handbuch des Institutes für Wasserwirtschaft Halbach

4. unveränderte Auflage

Preisbasis 2003

Die Kosten wurden im März 2011 mit einigen ergänzenden Hinweisen noch für gültig befunden.

250 A4-Seiten als Ringbindung. Dieses Buch enthält 56 Diagramme, 38 Abbildungen und 36 Tabellen.

Inhaltsverzeichnis

Auszug aus dem Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung

Herausgeber: Institut für Wasserwirtschaft Halbach

Buchbesprechung von Herrn Prof. Hegemann

Bestellung per E-Mail oder Fax (03761) 5268.

Stückpreis: 39,80 € brutto (zzgl. Versand)
(Bestellung nur noch als Ringbindung möglich. Der Versand erfolgt als Büchersendung auf Rechnung. Die Postlaufzeit beträgt ca. 2-3 Tage.)

Einleitung:

Das Werk lässt sich in zwei große Abschnitte gliedern. Im ersten Teil sind die Normativkosten und weitere Kostenangaben enthalten. Im zweiten Teil werden ausgewählte Methoden als weitere Voraussetzung für eine risikominimierte kommunale Abwasserbeseitigung beschrieben.

Nach einer Information über Normativkosten, deren Anwendung im Kapitel 1.1 beschrieben wird und nach der Darstellung von Primärdaten im Kapitel 2, werden die Investitions-, Betriebs- und Jahreskosten in weitere Kapitel gegliedert. Ferner wird eine Untergliederung der betreffenden Kosten in Aufwendungen für die Abwasserableitung sowie für die Abwasser- und Schlammbehandlung vorgenommen.

Im Vergleich zu vorherigen Auflagen wurde das Werk um zahlreiche weitere Kosten für ausgewählte Anlagen ergänzt. Insbesondere handelt es sich hierbei um die Kosten für Kanalsanierung, die Klärschlammvererdung, für Kleinkläranlagen und ferner auch um Kosten für die Kontrolle einer Geschäftsbesorgung bzw. für die Kontrolle einer Privatisierung.

Etwa zwei Drittel des Buches befassen sich mit den Instrumenten zur Kontrolle, Steuerung und zum Risikoabbau bei der kommunalen Abwasserbeseitigung. Dieser Hauptabschnitt beginnt mit Hinweisen zur Abwassergebühren- und -beitragskalkulation. Danach werden Hinweise zu den Anforderungen für  Kostenvergleichsrechnungen vorgetragen.

Markant für die bisherige kommunale Abwasserbeseitigung war bisher, dass die Kommunen und Abwasserzweckverbände in ihren Zweckmäßigkeitsbetrachtungen beinahe ausschließlich gleichen Nutzen, Zweck und gleiche Risiken unterstellten und sich nur auf die Kosten konzentrierten. Derartige Methoden sind dann falsch, wenn eben die genannten Faktoren in ihren Nutzen unterschiedlich und damit nicht vergleichbar sind. Aus diesem Grund wurde ein umfangreiches Kapitel aufgenommen, das sich vordergründig mit der Bewertung der Zweckmäßigkeit befasst und ausgewählte einfache Methoden dazu vermittelt.

Die weiteren Abschnitte befassen sich mit der besonderen Bedeutung von Abwasserzielkonzeptionen bzw. Generalentwässerungsplanungen, mit der Voraussetzung zur Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflicht und leiten dann über zu einem Kapitel, in dem festgestellt wird, dass sich die Zweckmäßigkeitsgrenze für Kleinkläranlagen verschlechtert hat (sofern diese nicht gefördert werden).

Weitere Kapitel vermitteln den Kommunen und Verbänden wichtige Hinweise zur Kontrolle des Anlagenbetriebs, der Beratung im Allgemeinen und zur Kontrolle der Planung.

Im darauffolgenden Abschnitt werden dann Erfahrungen vorgestellt, die im Rahmen einer gutachterlichen Begleitung zahlreicher Gerichtsprozesse zwischen Kommunen bzw. Verbänden und planenden Büros gewonnen wurden.

Andere Kapitel befassen sich mit Methoden zur Leistungssteigerung der kommunalen Abwasserbeseitigung und damit zur Verbesserung der Zweckmäßigkeit bei der Nutzung von kommunalem Eigentum durch die Kommunen selbst.

Auf notleidende Abwasserzweckverbände, wie auch auf die Folgen zu großer Kläranlagen und auf die besondere Situation von Bürgerbewegungen wird eingegangen.

Die Arbeit analysiert ferner die Gefahren bei der Bildung privater Regionalmonopole und befasst sich mit Methoden aus der Unternehmensberatung, wie z. B. Public Private Partnership, Cross-Border-Leasing und Outsourcing.

In einem weiteren Abschnitt wird bewiesen, dass das Leasing – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen – für Kommunen und Verbände unzweckmäßig und viel zu teuer im Vergleich zur klassischen kommunalen Finanzierung ist.

Die letzten zwei Schwerpunkte der Arbeit betreffen ausgewählte Widersprüche beim Gewässerschutz sowie eine Kritik zum Abwasserabgabengesetz. In dem Kapitel „Widersprüche beim Gewässerschutz“ wird herausgearbeitet und bewiesen, dass die gesetzliche Normative zur grundsätzlichen Stickstoffeliminierung ab einer bestimmten Größenklasse der Kläranlagen einen Gewässerschaden verursachen kann. Außerdem wird das allgemein verbreitete Belebtschlammverfahren hinsichtlich der Verursachung von unnötigen Klimabelastungen analysiert.

Die Untersuchungen zur Abwasserabgabe knüpfen an die zahlreichen Feststellungen anderer Autoren an, dass das Abwasserabgabengesetz sich zunehmend als unzweckmäßiges und unnötiges Kontroll- und Steuerungsinstrument herausstellt. Ergänzend dazu wird bewiesen, dass die Abwasserabgabenerhebung für den Gesamtstickstoff und für den Chemischen Sauerstoffbedarf im Widerspruch zum Grundgesetz steht, da beide Parameter grundsätzlich keine Schadstoffe sind.

Das Buch ist ein parteilich verfasstes Werk. Im Blickpunkt stand die Wahrung der Interessen unserer Kommunen oder Abwasserzweckverbände. Aus dieser Position heraus ergibt sich zwangsläufig ein anderes Verständnis von Wirtschaftlichkeit als es im allgemeinen Sprachgebrauch üblich ist. Deshalb wird der Leser an vielen Stellen, an denen er das Wort „Wirtschaftlichkeit“ erwartet, die treffendere Bezeichnung „Zweckmäßigkeit“ finden. Die genaue Verwendung dieser Begriffe spielt für die Wiedererlangung des Selbstverständnisses der Kommunen und für den Schutz unseres kommunalen Eigentums eine ungeheuer wichtige Rolle (vergleiche Kapitel „Widerspruch zwischen kommunalem Zweck und privatem Gewinn“ ab Seite 110).

Es ist auf Grund des geteilten Leserkreises nicht Ziel gewesen, alle tangierenden Fragen interdisziplinär bis ins letzte Detail zu erschließen, da dies mit Sicherheit den Rahmen des Werkes sprengen würde. Es wäre auch ein unmöglich zu erfüllender Anspruch.

Dieses Buch wurde so strukturiert, dass ein Überblick zu einzelnen Sachgebieten erlaubt wird, ohne dass das gesamte Buch von vorn bis hinten zusammenhängend gelesen werden muss.

Den Ergebnissen liegt ein jahrelanger Recherche- und Erkenntnisprozess zu Grunde, der nicht abgeschlossen sein kann. Die Beteiligten sind auch künftig um Aktualisierungen bemüht und nehmen Hinweise zur Erhöhung der Aussagefähigkeit oder zu Ergänzungsvorschlägen des Werkes dankend entgegen.

Verzeichnisse über verwendete Formelzeichen und Abkürzungen, Seite 226, eine Definition ausgewählter Fachtermini, Seite 227, ein Stichwort-, Diagramm-, Tabellen-, Abbildungs- und Literaturverzeichnis ab Seite 214 runden die Arbeit ab.

Vorliegende Normative soll den Kommunen, Abwasserzweckverbänden und Behörden als ergänzendes Instrument für eine erste Prüfung der Investitionen der Abwasserbeseitigung dienen. Der Wertebereich wurde auf 100.000 EW begrenzt.

Die Kostenangaben in diesem Werk gliedern sich in Normativkosten, Ergebnisse von Kostenkalkulationen und in Literaturangaben.

Alle Kosten wurden auf der Preisbasis 2003 berechnet. Die Investitionskosten sind ohne und die Betriebs- sowie Jahreskosten wurden mit Umsatzsteuer ausgewiesen.

Nachtrag vom Oktober 2009 zur Einleitung und im März 2011 überprüft, ohne Änderungen der Kosten bzw. Normativen für notwendig zu halten

Da die Redaktion nun schon einige Jahre zurückliegt, informieren wir Sie auf diesen Wege, welche Abweichungen wir festgestellt haben und wie wir diese berücksichtigen.

Es ist natürlich Ihnen überlassen aufgrund Ihrer möglicherweise anderen Erfahrungen und anderen Beobachtungen zu abweichenden Überlegungen zu kommen.

1. Investkosten für Kläranlagen

Auf dem „Kläranlagenmarkt“ hat wohl eine Bereinigung stattgefunden.

In den letzten Jahren wurden offensichtlich weniger Anlagen errichtet.

Ein Indiz dafür dürfte auch sein, dass das Statistische Bundesamt keine Preisindizes für Kläranlagen mehr herausgibt.

Wir beobachteten in einigen Fällen, dass die gewählten Normativwerte unseres Handbuches deutlich überschritten wurden. Die Überschreitung lag bei über 20 %.

In solchen Situationen ist eine Einzelfallprüfung ratsam.

2. Investkosten für den Kanalbau

Bei den Kanalisationspreisen haben wir keine Änderungen bemerken können.

Da dennoch immer wieder Fragen zu den Kosten der Kanalisation und zu den zugehörigen Planungskosten gestellt werden, bitten wir folgende Hinweise in Bezug auf die Diagramme „Kanalisationskosten“ zu berücksichtigen:

  • Die Diagramme – wenn sie als Zielfunktion (ZF) bezeichnet wurden – weisen das u. E. prinzipiell erreichbare (niedrige) Kostenniveau inklusive aller Planungs- und Nebenkosten aus.
  • Es handelt sich dabei um Nettokosten (Kosten ohne Umsatzsteuer).
  • Es sind keine Schachtbauwerke enthalten.

Berücksichtigen Sie aber bitte auch die Ausführungen zur Tabelle 1 auf Seite 8 und natürlich die Tabelle 1 selbst. Danach wäre bei konzeptionellen Betrachtungen bzw. Refinanzierungsberechnungen aus Sicherheitsgründen mit einem eher mittleren Preisniveau und nicht mit einer Zielfunktion (ZF) zu kalkulieren.

Das Einhalten der Zielfunktion sollte ein Anspruch des zumeist kommunalen Auftraggebers sein. Ob der Anspruch aber realistisch ist, hängt von oft unbekannten Faktoren ab, die ein Auftraggeber oder auch ein planendes Büro nicht immer beeinflussen kann. Deshalb ist es sehr riskant, im Rahmen einer Investitionsrechnung oder eines Wirtschaftlichkeitsnachweises grundsätzlich von niedrigsten Kosten auszugehen. Man sollte sie kennen aber nicht als Dogma einsetzen.

Kostennormative sind als Bewertungsgrundlage überholt, wenn im Verlauf einer Entwurfsplanung und im Ergebnis eines nachvollziehbaren Variantenvergleiches bewiesen wird, dass die Zielfunktion im konkreten Einzelfall nicht zutrifft.

Konkrete Kostenberechnungen sind höherwertig und viel genauer als abstrakte Kennziffern.

Der Ansatz eines mittleren Preisniveaus soll vermeiden, dass gegenüber der reinen Zielfunktion ggf. erforderliche Zusatzaufwendungen im Zuge der Realisierung einzelner Maßnahmen zu einem Finanzierungsdefizit führen, weil z. B. zu wenig Kosten eingeplant wurden bzw. zu geringe Kostenansätze Eingang in die Refinanzierungsberechnungen fanden.

Deshalb wird empfohlen – wenn es um Refinanzierungssicherheit geht – (siehe Handbuch; Tabelle 1 ) auf die Zielfunktion (ZF) nach Tabelle 1 ca. 20 % aufzuschlagen, um ein mittleres Preisniveau abzubilden.

Alternativ kann natürlich auch anstelle des Pauschalzuschlages eine Kostenerhöhung durch einen separaten Aufschlag von beispielsweise ca. 10 % für Planung und weitere 5 bis 10 % für „sonstige Nebenkosten und Unvorhergesehenes“ vorgenommen werden, was letztlich zum gleichen Ergebnis – Gesamtnettokosten in einem mittleren bzw. durchschnittlichen Preisniveau – führt.

Über Änderungen informieren wir kostenlos in unserem Newsletter .

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1       Einleitung

1.1    Normative Kosten

1.1.1     Definition einer Normative und deren Ermittlung

1.1.2     Zweck von Normativen für die kommunale Abwasserbeseitigung

1.1.3     Voraussetzungen und Hinweise für die Nutzung der Normative

1.1.4     Aktualisierung der Normativkosten

1.1.5     Geltungsbereich

1.2    Ergebnisse von Kostenkalkulationen

1.3    Kostenangaben aus der Literatur

2       Primärdaten und Auswertung

2.1    Primärdatenherkunft

2.2    Vergleichbarkeit der Daten (Degressionsanalyse)

2.3    Auswertung der Baupreissteigerungen und Prognose

2.4    Preisbasis 2003

2.5    Weiterführende Literatur

3       Investitionskosten der Entwässerungssysteme

3.1    Kanäle für die Schmutz- und Regenwasserableitung

3.1.1     Freispiegelkanäle im Straßenbereich

3.1.2     Freispiegelkanäle im Gelände bzw. im Straßennebenbereich

3.1.3     Einfluss des Baugrundes auf die Kosten beim Kanalisationsbau

3.1.4     Schächte und Schachtabstände

3.1.5     Hausanschlüsse

3.2    Nettokosten für Kanalsanierung im nicht begehbaren Bereich nach [19]

3.3    Regenbecken.

3.3.1     Regenrückhaltebecken (RRB)

3.3.1.1    Offene Bauweise

3.3.1.2    Geschlossene Bauweise in Stahlbeton

3.3.2     Regenüberlaufbecken (RÜB)

3.3.3     Regenklärbecken im Trennsystem

3.4    Abwasserpumpwerke – Fertigteilpumpwerke in Nassaufstellung

3.4.1     Normative

3.4.2     Begründung zur Wahl der Normative

3.4.3     Trocken aufgestellte Abwasserpumpwerke – Prüfungsempfehlung

3.4.4     Investitionskosten für Biofilter an Zwischenpumpwerken

3.5    Druckleitungen

3.5.1     Herkömmliche Verlegetechnik im Rohrgraben

3.5.2     Alternative Verlegetechniken

3.5.2.1    Grabenlose Verlegetechnik

3.5.2.2    Einpflügen oder Fräsen

3.6    Sonderentwässerungssysteme

3.6.1     Druckentwässerungssystem

3.6.2     Vakuumentwässerung

3.6.3     Vergleich zwischen der Druck- und Vakuumentwässerung

3.7    Niederschlagswasser im dünn besiedelten Raum

4       Investitionskosten ausgewählter Abwasserbehandlungsverfahren

4.1    Grundsätzliche Hinweise

4.2    Kleinkläranlagen nach DIN 4261 Teil 2

4.3    Teich- und teichähnliche Kläranlagen

4.3.1     Pflanzenkläranlagen – vertikal durchströmt – bis 50 EW

4.3.2     Pflanzenkläranlagen – vertikal durchströmt – bis 1.400 EW

4.4    Containerkläranlagen – transportabel

4.5    Verfahren mit aerober Schlammstabilisierung

4.5.1     Kompaktkläranlagen mit Schlammstabilisierung bis 6.000 EW

4.5.2     Kläranlagen mit simultaner Schlammstabilisierung 5.000-20.000 EW

4.6    Kläranlagen mit 20.000 bis 100.000 EW Behandlungskapazität

4.7    Kläranlagen mit Trocknung, jedoch ohne Faulung

4.8    Natürliche Verfahren der Schlammentwässerung

4.9    Kosteneinsparung durch Industriebauweise

4.10  Aufwendungen für Automatisierungs- und Labortechnik

4.10.1   MSR-Technik für Kläranlagen

4.10.2   Investitionskosten für die Laboruntersuchungen

5       Betriebskosten im Kanalnetz

5.1    Kanalreinigung und Inspektion

5.2    Betriebskosten Pumpwerke

5.3    Betriebskosten für Biofilter an Pumpwerken

6       Betriebs-, Refinanzierungs- und Jahreskosten der Abwasserbehandlung

6.1    Laufende Kosten von Kleinkläranlagen nach DIN 4261 Teil 2. 61

6.1.1     Betriebskosten für ausgewählte Kleinkläranlagen

6.1.2     Spezifische Refinanzierungskosten

6.1.3     Jahreskosten ausgewählter Kleinkläranlagen

6.2    Betriebskosten für Kläranlagen zwischen 1.000 EW und 10.000 EW

6.2.1     Betriebskosten klassischer Verfahren

6.2.2     Betriebskosten von Pflanzenkläranlagen

6.3    Betriebskostenstruktur von Kläranlagen

6.4    Ausgewählte Betriebskostenarten der Abwasserbehandlung

6.4.1     Energiekosten

6.4.2     Personalkosten der Anlagenbedienung

6.4.3     Personalkosten der Verwaltung bzw. Geschäftsführung

6.4.4     Schlammentsorgungskosten

6.4.5     Instandhaltungs- und Sachkosten

6.4.6     Aufwendungen für die Eigenkontrolle

6.4.7     Aufwand für eine Gebührenbedarfsrechnung

6.4.8     Aufwand für eine Globalberechnung

6.4.9     Fäkalschlammabfuhr, Behandlung und Entsorgung

6.4.10   Kontrollkosten für Geschäftsbesorgung bzw. materielle Privatisierung

7       Grundsätzliche Hinweise zur Abwassergebührenkalkulation

7.1   Kosten

7.2    Abschreibungen

7.3    Zinsen

7.4    Aufwendungen der Kanalsanierung

7.5    Gebührenbemessung

7.6    Voraussetzungen der Gebührenkalkulation

7.7    Ziele der Gebührenkalkulation

7.8    Gebührenkalkulation bei Cross-Border-Leasing

8       Überblick zur Abwasserbeitragskalkulation – Globalberechnung

8.1    Allgemeine Hinweise

8.2    Begriffsbestimmungen

9       Kostenvergleiche sind nur bei gleichem Nutzen der Varianten zulässig

9.1    Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen der LAWA

9.2    Abwassergebührenvergleiche sind problematisch

10     Wissenschaftliche Bewertung der Zweckmäßigkeit einer Lösung

10.1  Einleitung

10.2  Beschreibung der Nutzwert-Analyse

10.3  Nutzwert-Kostenanalyse

10.4  Einfachste Risikokalkulation

10.4.1   Betrachtungen zum Grundrisiko jeder Entscheidung

10.4.2   Fallunterscheidung

10.4.3   Ausgewähltes Kalkulationsbeispiel – Refinanzierung

10.4.4   Einschätzung des CBL-Risikos

10.4.5   Lösungsansatz einer Risikomatrix – Beispiel

10.5  Entscheidungsspinne – Eigenlösung oder Abwasserzweckverband?

10.6  Zweckmäßigkeitsnachweise und Nutzenbewertung bei der Privatisierung

10.6.1   Widerspruch zwischen kommunalem Zweck und privatem Gewinn

10.6.2   Kommunales Eigentum heute ein trockener Brunnen?

10.6.3   Falsche Wirtschaftlichkeitsnachweise bei der Privatisierung

10.6.4   Konsequenzen mangelhafter Wertschätzung kommunalen Eigentums

11     Bedeutung und Umfang von Abwasserzielkonzeptionen

11.1  Strategische Überlegungen

11.2  Ausgewählte Bestandteile des Abwasserzielkonzeptes

11.3  Grundsätzlicher Informationsumfang

11.4  Konzept zur Regenwasserbewirtschaftung

11.5  Abwasserbeseitigung im ländlichen Raum

11.6  Nachweis der Zweckmäßigkeit eines Abwasserzielkonzeptes

11.7  Kostenschätzungen

11.8  Notwendiger Inhalt

12     Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflicht

12.1  Definition der Abwasserbeseitigungspflicht

12.2  Alternativlösung – Kleinkläranlage

12.3  Anschluss- und Benutzungszwang

13     Kleinkläranlagen werden leistungsfähiger, aber auch aufwendiger

13.1  Einsatzbereiche und Grundsätze

13.2  Klassifikation – Technische Verfahren

13.3  Technologie – Funktionsweise

13.4  Vergleich DIN 4261 Teil 1 und TGL 7762

13.5  Fäkalschlammmenge und -last

13.5.1   Fäkalschlammmenge

13.5.2   Last ausgewählter Fäkalschlamminhaltsstoffe

13.5.3   Huminsäuren

13.6  Förderung von Kleinkläranlagen

13.7  Zweckmäßigkeitsgrenze für Kleinkläranlagen gesunken

14     Kanäle sollen nicht konzeptionslos saniert werden

15     Kontrolle ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg

15.1  Kontrolle des Anlagenbetriebes

15.1.1   Der Verband auf der „grünen Wiese“ – Zero-Base-Planning

15.1.2   Kontrolle der privaten Geschäftsbesorgung

15.2  Kontrolle der Beratung und deren Ergebnisse

15.3  Behördliche Kontrolle befreit nicht von der Eigenverantwortung

15.4  Kontrolle der Planung

15.4.1   Rechtzeitige Einbeziehung von unabhängigen Sachverständigen

15.4.2   Kontrolle durch eine Projektsteuerung

16     Kommunen und Verbände in Gerichtsprozessen

16.1  Ausgewählte Mängel im Ergebnis der Begutachtungen von Planungen

16.1.1   Unklare vertragliche Vereinbarung der zu lösenden Aufgaben

16.1.2   Unvollständige Grundlagenermittlungen und Vorplanungen

16.1.3   Ungenügende Planungsprüfung durch Kommunen und Verbände

16.1.4   Planungen, die nicht prüffähig sind, sind deshalb mangelhaft

16.1.5   Kein Nachweis der Zweckmäßigkeit einer Planung als Mangel

16.2  Grundsätzliche Methodik zur Planungsprüfung

16.2.1   Prüfung einer Leistung auf Mangelfreiheit

16.3  Funktion von Parteigutachtern

16.4  Gerichtsgutachter sind in der Regel ö. b. u. v. Sachverständige

17     Leistungssteigerung der kommunalen Abwasserbeseitigung

17.1  Kommunales Outsourcing als Regel

17.2  Funktionalausschreibungen

17.3  Optimale Größe eines Abwasserzweckverbandes

17.4  Fehlerkorrektur bei der kommunalen Abwasserbeseitigung

17.4.1   Notleidender Abwasserzweckverband

17.4.2   Kläranlage zu groß – Fehlerbeseitigung

17.4.3   Bürgerbewegungen zu oft noch auf verlorenem Posten

18     Bildung privater Regionalmonopole

18.1  Gliederung der Privatisierung leitungsgebundener Anlagen

18.2  Wettbewerb nur vor der Monopolbildung

18.3  Kritische Stimmen zur Privatisierung

18.4  Kommunale Wasserwirtschaft ohne Monopol seit langem „teilprivatisiert“

18.5  Liberalisierung und Globalisierung des Wassermarktes

19     Public Private Partnership

20     Leasing von Abwasserreinigungsanlagen

20.1  Was ist Leasing?

20.2  Kostenvergleichsrechnung zwischen Leasing und Bankfinanzierung

20.3  Vor- und Nachteile der Leasingfinanzierung

21     Cross-Border-Leasing: Chance oder Risiko?

22     Widersprüche beim Gewässerschutz

22.1  Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung

22.2  Nitrat stört den Phosphorkreislauf

22.3  Schwarze Flecken im Watt

22.4  Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung

22.5  Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung

22.6  Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff

22.7  Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?

22.7.1   Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?

22.7.2   Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

23     Abwasserabgabe führt teilweise und mittelbar zu Umweltschäden

23.1  Abwasserabgabe ist unzweckmäßig

23.2  Wasserrecht teilweise im Widerspruch zum Grundgesetz

23.3  Abwasserabgabeerhebung für den CSB auf der Basis von Indizien

23.3.1   Was ist ein CSB?

23.3.2   Ist der CSB tatsächlich ein Schadstoff?

23.3.3   Ursachen für die Entstehung eines unschädlichen CSB

23.3.4   Rechtliches Problem aus Sicht des Abwasserbeseitigungspflichtigen

23.3.5   Abwasserabgabe auch für CSB im Widerspruch zum Grundgesetz

Stichwortverzeichnis

Diagrammverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Formelzeichen und Abkürzungen

Definition ausgewählter Fachtermini

Literaturverzeichnis

 




Kein CSB in der Natur!

Im übrigen erzeugt der CSB in der Natur keinen Sauerstoffbedarf, wie fälschlich fast ausnahmslos geglaubt wird.

Tatsächlich handelt es sich um den simulierten Verbrauch des Oxidationsmittels Kaliumdichromat unter unnatürlichen extremsten Laborbedingungen.

Stöchiometrisch wird die Masse des chemischen Sauerstoffes berechnet, den das Kaliumdichromat an das Reduktionsmittel „Wasserinhaltsstoffe“ abgibt.

Fachlich korrekt handelt es sich um den Kaliumdichromatverbrauch einer wässrigen Probe, ausgedrückt in mg O2 , z. B in mg O2/l.

Der CSB ist also eine Fiktion und noch nicht einmal eine wissenschaftliche.

Folgt man den Überlegungen von Goethe (Johann W. von Goethe, Maximen und Reflexionen) dann spielt es wohl ein wichtige Rolle, ob ein Begriff falsch oder wahr ist:

Begriffe und großer Dünkel sind immer auf dem Wege, entsetzliches Unglück anzurichten.

Siehe auch:

Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Der CSB-Dosisfehler

Schwer abbaubar – auch ein Glück für die Umwelt!

Das Dilemma der Überwachung




Der CSB-Dosisfehler

Zwischen dem Überschreiten des CSB-Überwachungswertes und dem spezifischen Abwasseranfall kann es einen Zusammenhang geben.

Da der CSB meist einen hohen Anteil von nicht abbaubaren Stoffen enthält, kann beim Rückgang der Abwassermengen und bei sonst gleichen Bedingungen natürlich die CSB-Konzentration im Kläranlagenablauf steigen.

Nicht abbaubare Stoffe werden nun mal – wie der Name es verrät – nicht abgebaut und schon gar nicht in gewöhnlichen Kläranlagen. Bleibt die CSB-Fracht gleich und sinkt die Abwassermenge dann steigt die CSB-Konzentration. Vor 1989 gab es im Osten Deutschlands dieses Dilemma nicht, denn der wissenschaftliche Ansatz beim damaligen Gewässerschutz – der Effekt sei mal dahingestellt – beruhte auf der Einleitfracht, z. B. kg BSB5 /d.

Die Dosis eines Stoffes ist maßgeblich für eine Schadwirkung und nicht die Konzentration eines Überwachungswertes, die sich natürlich leichter verwalten lässt, ohne dass man von der Sache auch etwas verstehen muss.

Die Überlegungen zur Notwendigkeit einer Dosis gehen auf Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim zurück, auf einen Arzt mit legendären Heilerfolgen. Die nach ihm benannte Paracelsus-Medaille ist die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft für verdiente Ärzte. Bei dem Gewässerschutz findet sein Schadstofflehrsatz von 1589 „All Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.“ jedoch keine Beachtung. (Bemerkenswert ist, dass der Frachtansatz für die  ostdeutsche Wasserwirtschaft vor der Wende selbstverständlich war. Auch in der österreichischen Indirekteinleiterverordnung sind ebenso Schmutzfrachten als Schadstoffgrenzen vorgeschrieben, die zudem noch in Abhängigkeit der Kläranlagengröße stehen.)

Im Wasserrecht und in der Praxis wurde die Notwendigkeit einer Dosis als grundlegende Voraussetzung für eine Schadwirkung nicht berücksichtigt und damit eine unwissenschaftliche Basis geschaffen.

Anstelle der Dosis tritt in der Wasserwirtschaft – im extremen Gegensatz zur Medizin – nun eine zufällige, mitunter auch willkürliche Vorsorge. (Man darf nur hoffen, dass die Mediziner nicht dem „wasserwirtschaftlichen“ Niveau nach unten folgen und die Arzneien als Wirkstoffkonzentration nach gutem Glauben des Patienten verordnen.)

Vor dem Hintergrund, dass die Wasserwirtschaft ja effektiv sein soll, so zumindest schreibt es der Gesetzgeber vor, entspricht ein CSB-Überwachungswert als Konzentration nicht dem Stand der Technik.

Ob das ein Rückschritt ist? Der Autor ist sich aber nicht sicher, ob der Stand der Wissenschaft eine höhere Priorität hat als der Stand der Technik, oder ob sich beide Stände – wenn es um den Kommerz geht – sich sogar hin und wieder ausschließen? Denn das was der letzte Schrei der Technik ist, muss deshalb noch lange nicht gut für Deutschlands Gewässer sein.  Eine interessante Frage lautet:

Ist der Stand der Technik auch dann noch Stand der Technik, wenn er wissenschaftlich gewertet oder nüchtern logisch gesehen zugleich Unfug ist?

Doch nun zu einigen Voraussetzungen, die notwendig sind, damit überhaupt der versprochene Umweltschaden eintritt. Damit ein Stoff Schaden anrichten kann, müssen u. a. folgende Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein:

  • Der Stoff muss am Zielort des Schadens sein.
  • Der Stoff muss hinreichend Zeit für seine Wirkung haben.
  • Der Stoff muss eine bestimmte Dosis überschreiten, die für die Schadwirkung notwendig ist.

Beweisführung

Prämissen

  1. Für das Verursachen eines Schadens ist eine Dosis notwendig
  2. Bei der CSB-Überwachung wird nur eine Konzentration gemessen.
  3. Eine Konzentration ist keine Dosis.

Konklusion:

Allein aus der CSB-Konzentration ist in der Regel keine Wirkung oder Schadwirkung zu beweisen.

(Eine Ausnahme: hinreichende Statistik bei induktiver Beweisführung.)

Siehe auch:

Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Schwer abbaubar – auch ein Glück für die Umwelt!

Das Dilemma der Überwachung

Kein CSB in der Natur!




Schwer abbaubar – auch ein Glück für die Umwelt!

Schwer abbaubare Stoffe immer ein Problem für die Umwelt?

Das kommt darauf an, was man unter „schwer abbaubar“ versteht.

Laien wird mit dem Begriff der schweren Abbaubarkeit gerne Angst eingejagt um ihr Denken und Handeln zu steuern.

Hinter einer schwer abbaubaren Verbindung wird gemeinhin „extrem harte, giftige und böse Chemie“ vermutet. Dabei ist die schwere Abbaubarkeit einer organischen Verbindung kein Beweis für das Vorliegen von Schadstoffen.

Alle ungehemmten biologischen Prozesse unterliegen einer Abbaufunktion, die am Anfang mit höherer und zum Abbauende mit langsamerer Geschwindigkeit (also schwer abbaubar) verläuft.  Schon allein der Mangel an Nährstoffen, an Spurenelementen oder auch am abzubauenden Substrat kann den Abbau bremsen.

Wird eine Probe aus einem biologischen Prozess entnommen, der langsam zu Ende geht, so findet der Chemiker natürlich zunehmend mehr schwer abbaubare Stoffe.

Eine schwere Abbaubarkeit ist auch ein Indiz für das Ende eines biologischen Abbaus.

Wein, in der Abbaustufe, wie er getrunken wird, hat z. B. seine Abbaugrenze erreicht. Wäre es anders, so wäre es leicht möglich, dass nicht nur Obstweinbereiter bei entsprechender Zuckerzugabe allein durch die alkoholische Gärung 100 % -igen Alkohol in ihren Bollons finden könnten. Leider hat die Natur als Abbauhemmnis sich den Alkohol einfallen lassen, der so ab 14 % je nach geübter Hefe den Abbau zunehmend erschwert bis er ihn ganz unmöglich macht.

Ob im Einzelfall ein hoher „CSB“ tatsächlich natürlichen Ursprungs ist, oder ob z. B. Gifte im Gewässer die Abbauhemmung verursachten, kann allein mit dem „CSB“ nicht bewiesen werden.

In der Regel genügt es allein (!), CSB zu finden, um damit die Zahlung einer Abwasserabgabe auszulösen oder den Straftatbestand der (unerlaubten) Gewässerverschmutzung festzustellen und zu verfolgen. (Der gehemmte biologische Abbau ist eher bei Havarien in kommunalen Abwässern oder in Abwässern der Lebensmittelindustrie zu finden. Dieser Abbau, z. B. von Giften, wie Formaldehyd verläuft anders und ist nicht Gegenstand dieses Beitrages.)

Beim biologischen Sauerstoffbedarf dagegen, der, wenn er vorkommt und gemessen wird, eine Teilmenge des chemischen Sauerstoffverbrauches bildet,  ist es so, dass mit der Erschwerung des biologischen Abbaus auch der tatsächliche Sauerstoffverbrauch im Gewässer extrem nachlässt.

Ein Vorteil der schweren Abbaubarkeit also!

Schwer abbaubare Stoffe – im Ergebnis einer üblichen biologischen Abbaukurve – sind scheinbar paradox:

Hinsichtlich der Sauerstoffzehrung im Gewässer sind dieses Stoffe (BSB20 minus BSB5) nämlich erheblich weniger wirksam, als ein Abwasser mit einem leicht abbaubaren BSB.

Die Schwerabbaubarkeit ist also nur Indiz für etwas Beliebiges.

Nutz-, Schadstoffe und belanglose Stoffe können nämlich allesamt schwer abbaubar sein und häufig sind sie es auch.

Nebulös bleibt immer ohne weitere Untersuchungen, welche Stoffe denn nun die schwere Abbaubarkeit verursachten.

Zu den schwer abbaubaren Substanzen notiert z. B. das DVWK-Merkblatt 228/1996: „Außerdem ist man in der Lage, einigermaßen begründet den Anteil der schwer abbaubaren Substanzen abzuschätzen, wenn man einen Vergleich zwischen Chemischem und Biochemischem Sauerstoffbedarf anstellt.“ [1]

Dies ist korrekt.

Schließlich noch ein natürliches Beispiel:

Im Rio Negro „wimmelt“ es nur so von schwer abbaubaren CSB, dass dieser davon ganz schwarz geworden ist.
Hier ein Luftbild von der Mündung des Rio Negro in den Amazonas:
Größere Kartenansicht
Würde der Rio Negro seinen nicht abbaubaren CSB verlieren, so wäre dies eine echte Katastrophe für viele Lebewesen in dem Fluss und ein wirklicher Grund zum Klagen.

Im Übrigen erzeugt der CSB in der Natur keinen Sauerstoffbedarf, wie fälschlich fast ausnahmslos geglaubt wird.

Literatur:

[1] DVWK-Merkblatt 228/1996
Aussagekraft von Gewässergüteparametern in Fließgewässern
Teil II: Summenparameter Kohlenstoffverbindungen und sauerstoffverbrauchende Substanzen, Mineralstoffe, Organische Schadstoffe, Hygienische Kennwerte

Siehe auch:

Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Der CSB-Dosisfehler

Das Dilemma der Überwachung

Kein CSB in der Natur!




Kleinkläranlagen und Wassersparen

Wassersparen kann zu einer Überschreitung des CSB führen, weil die Konzentration der schwer- oder nicht abbaubaren Stoffe im Ablauf teilweise nur durch die Verdünnung reduziert wird.

Spart der Hauseigentümer Trinkwasser, dann konzentriert sich der CSB logischerweise auf. Diese Überlegungen treffen auch für kleine Siedlungskläranlagen zu.

Siehe hierzu die Abbildung. Man erkennt, dass Ablaufkonzentrationen von 250 mg CSB/l bei einem Trinkwasserverbrauch von 100 l/Ed normal sein können.

Die Überschreitung des CSB-Überwachunsgwertes ist aber kein Beweis für einen Straftatbestand der Gewässerverschmutzung, weil das CSB-Laborergebnis nicht auf die Natur übertragbar ist. Es gibt in der Natur keinen CSB.

Im Übrigen ist der Chemische Sauerstoffbedarf ein falscher Begriff. Tatsächlich handelt es sich um den Verbrauch von Sauerstoff, der an ein Oxidationsmittel chemisch gebunden ist.

Da im Gewässer dieses Oxidationsmittel nicht vorhanden ist, kann es dort auch keinen Bedarf für die Reduktion dieses Oxidationsmittels (Kaliumdichromat) geben.

 

(Siehe auch den Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)




Das Dilemma der Überwachung

Wer „a“ sagt, sollte auch „b“ sagen.

Nur mal fälschlich angenommen: Der „CSB“ ist ein Schadstoff!

Dann aber darf die Gewässerüberwachung sich nicht darauf beschränken, eine höhere Abwasserabgabe zu berechnen, sondern es ist sofort der Beweis zu führen, was denn die Ursache für den höheren „CSB“ ist.

Möglicherweise leitet jemand Desinfektionsmittel ab, die den BSB5 hemmen und zu einem hohen „CSB“ führen?

Wenn also fest an den „CSB“ als Schadstoff geglaubt wird oder geglaubt werden muss, dann ist auf jeden Fall auch festzustellen, welcher Schadstoff sich ganz konkret hinter dem „CSB“ verbirgt.

Siehe auch:

Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Der CSB-Dosisfehler

Schwer abbaubar – auch ein Glück für die Umwelt!

Kein CSB in der Natur!




Dioxin – Horror oder Witz?

„Ein solcher Grenzwert sagt nichts über die Giftigkeit aus.“

„Bei der Erstellung dieser Lebensmittel-Grenzwerte wurde berücksichtigt, welche Konzentrationen an Dioxinen und PCB normalerweise in den jeweiligen Lebensmitteln vorkommen. (Hintergrundkontamination).

Höchstgehalte für Dioxine und dioxinähnliche PCB in Lebensmitteln sind geeignet, eine unannehmbar hohe Exposition der Bevölkerung und den Vertrieb unannehmbar stark kontaminierter Lebensmittel – beispielsweise durch versehentliche Verunreinigung oder Exposition – zu vermeiden (Erwägungsgrund 10 der Verordnung (EG) Nr. 2375/2001.

Ein solcher Grenzwert sagt nichts über die Giftigkeit aus.“

Quelle – Umweltbundesamt: Chemikalienpolitik und Schadstoffe, REACH, Dioxine

***

Kommentar:

Ein Pikogramm Dioxin im Liter Trinkwasser

Bei der Wertung ist sicher auch die Größenordnung zu berücksichtigen:

Der Mensch nimmt täglich 2 pg Dioxin und dioxinähnlicher Verbindungen auf (Hintergrundartikel). Ein pg ist ein Pikogramm, also ein Billionstel Gramm.

Stellen wir uns mal ein Pikogramm vor und lassen einen fetten Tropfen bestes Dioxin mit einem Kugeldurchmesser von 3 mm in bestes Trinkwasser fallen.

Wie groß wäre wohl das nötige Wasservolumen um eine Konzentration von  einem Pikogramm je Liter Wasser zu gewährleisten?

Dazu nehmen wir weiter an, die Dichte wäre 1.

Eine Kugel mit einem  Durchmesser von 3 mm hat ein Volumen von ca. 14 Kubikmillimeter Dioxin.

14 Kubikmillimeter sind 1,4 * 10^(-8) m³.

Das Billionenfache sind dann 14.137 m³.

Schwer vorzustellen!

Also nehmen wir nun an, es handelt sich um einen Teich mit 5 m Wassertiefe.

Dann hätte dieser eine Kantenlänge von 53 m.

Wenn nun in diesen Teich mit 14.137 m³ Wasser ein Tropfen 100 %-iges Dioxin fiele, dann würden die Chemiker im Liter Wasser 1 Pikogramm Dioxin finden.

Vorausgesetzt sie würden vorher schön umrühren. Das kann vermutlich  – je nach dem – Jahre dauern.

Und mal ehrlich, ob es etwas ausmachen würde, wenn die Konzentration z. B. um das Zehnfache steigen würde?

Nun ist es vielleicht gelungen, eine Vorstellung zu erarbeiten, über welche Konzentrationen und Dosen man eigentlich redet.

Es ist auch korrekt, wenn das Umweltbundesamt schreibt:  Ein solcher Grenzwert sagt nichts über die Giftigkeit aus.“

Einfach deshalb, weil Grenzwerte seit einigen Jahren nach dem Vorsorgeprinzip und den technischen Möglichkeiten zur Entfernung und Überwachung festgelegt werden.

Und diese Parameter  haben sich – auch aus marktwirtschaftlichen und ideologischen Gründen – meilenweit von tatsächlichen Gefährdungen oder wirtschaftlichen Prämissen (Effektivität) entfernt.

Vergleiche auch: Wassergütewirtschaft – gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft

Ein Redakteur also – der gerne Dioxinängste verbreiten möchte  oder muss (weil es der Leser und Fernsehzuschauer gern ein wenig gruselig hätte)  –  kennt normalerweise weder das Dioxin noch ein Piko und so ist die Grundlage für die Dioxinhysterie mit allen Schäden für die Lebensmittelindustrie, den Verbraucher und den Staat bereitet.

Insofern ist auch nichts moralisch Verwerfliches zu finden, wo doch die Angsthasen Millionen ausgeben, um sich für viel Geld Angst machen zu lassen. Man denke nur an die „konsumierten“ ungezählten Leichen in den Krimis, an die vielen Horrorfilme mit und ohne Untote und an die Geisterbahnen.

Überall zahlt der Kunde für die Befriedigung seiner Ängste. So brachte z. B. nur ein Film einen Umsatz von 102 Millionen Dollar.

So gesehen kann er doch den Medien dankbar sein, wenn sie ihm nachschüssig zu zahlende Dioxin- Ängste einjagen.

Für den mit etwas chemischen Grundlagenwissen ausgerüsteten Leser sind die aktuellen Dioxin- Ängste kein Stoff für Horrornachrichten, sondern eher für einen schönen Witzfilm.

Zum Schreiben, Recherchieren  und Rechnen dieses Artikels habe ich weniger als ein Stunde gebraucht. Mit so wenig Aufwand wäre es möglich gewesen, den Millionenschaden von der Lebensmittelindustrie abzuwenden und den Ball flach zuhalten.

Siehe auch ausgewählte Zitate von Boris Kotchoubey:

aus seinem sehr interessanten Fachartikel

Écrasez l’infâme!
Die „vierte Gewalt” im Staate gehört in gesetzliche Schranken verwiesen.
Die Medienapparate dienen nur noch sich selbst und manipulieren das Gemeinwohl.
Eine Entrüstung von Boris Kotchoubey.

NovoArgumente 110,111 01 – 4 2011
S. 102-107

(Boris Kotchoubey ist Professor am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie an der Universität Tübingen.)

U. Halbach




Dichtheitsprüfung für Grundstückskanäle?

„Sollten“ bedeutet nicht „müssen“!

…solange nicht Abwasserbeseitigungsflichtige (Kommunen, Abwasserzweckverbände)  es für ihre Bürger strenger bestimmen:

„Achim – ACHIM (mb) · Flächendeckend sollten in der Bundesrepublik die privaten Abwasser-Hausanschlüsse auf ihre Dichtheit überprüft werden, um maroden Leitungen auf die Spur zu kommen und Umweltschäden auch fürs Grundwasser zu vermeiden. Von diesen zusätzlichen Kosten von rund 400 Euro pro Untersuchung plus Reparaturkosten bleiben die Achimer erst einmal verschont.“

„Die Stadt nimmt von einer solchen Ortssatzung allerdings Abstand, da sie mit einem erheblichen Arbeits- und Kostenaufwand verbunden wäre und eine solche Verpflichtung auch nicht unbedingt rechtssicher wäre.“

„Der Hauseigentümer ist damit, so der Achimer Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung, keineswegs aus seiner Verantwortung entbunden.  Sollte sich durch ein Kanalleck ein Umweltschaden ergeben, hat der Hauseigentümer für diesen Schaden die Konsequenzen zu tragen.“

Quelle: Kreiszeitung.de 23.06.2010

Siehe auch:




Wassergütewirtschaft – Gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft

Perspektiven der Wassergütewirtschaft 2050 – gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft

Helmut Kroiss, Wien

1.    Einleitung

Bei der Beschäftigung eines Wissenschaftlers mit Prognosen tritt immer das Problem auf, dass er sich auf ein Terrain wagen muss, das nicht durch experimentelle oder andere empirische Daten abgesichert werden kann. Die Zukunft bleibt daher in vieler Hinsicht prinzipiell ungewiss. Nicht umsonst gibt es daher das Bonmot:

Prognosen sind besonders dann problematisch, wenn sie die Zukunft betreffen.

Das Ziel dieses Beitrages ist es darzustellen, welche Gesetzmäßigkeiten auch für die zukünftige Entwicklung der Wassergütewirtschat als gesichert wirksam angenommen werden können und welche Entwicklungen mit ebenso großer Sicherheit nicht gesichert vorhergesagt werden können.

Der Prognosezeitraum von 40 Jahren ist so lang, dass man aus der historischen Erfahrung weiß, dass zumindest im politischen Bereich Brüche auftreten können, die nicht prognostizierbar sind. Man denke nur an die „Wende“ im Osten Europas vor ca. 20 Jahren. Auf der anderen Seite sind 40 Jahre für die Siedlungswasserwirtschaft kein besonders langer Zeitraum, wenn man bedenkt, dass wir Kanalnetzen eine Lebensdauer von 40 bis 100 Jahren zuordnen und auch Kläranlagen durchaus 40 Jahre ohne wesentliche Veränderungen betrieben werden können, wenn sie laufend instand gehalten werden.

Die Wassergütewirtschaft geht deutlich über die Siedlungswasserwirtschaft hinaus. Sie muss immer an die spezifischen lokalen und regionalen Bedingungen angepasst werden, wird aber auch von globalen Aspekten beeinflusst. Für Deutschland einem Umwelttechnik Exportland erscheint es wichtig, dieses Spannungsfeld zwischen den regionalen und den globalen Entwicklungen näher zu betrachten

2    Naturwissenschaftliche Grundlagen der Wassergütewirtschaft

Es geht im Folgenden um die Darstellung von Gesetzmäßigkeiten, deren Wirkung wir auch für die Zukunft als gesichert annehmen können. Insbesondere geht es um die Gesetzmäßigkeiten lebendiger Systeme, in die die Wassergütewirtschaft integriert ist bzw. die in ihren technischen Einrichtungen und Maßnahmen auch genutzt werden. Die Auswahl der Gesetzmäßigkeiten in der folgenden Ausführung ist natürlich sehr beschränkt und spiegelt auch den Bewusstseinsstand des Autors hinsichtlich ihrer Relevanz wieder. Daraus folgt auch die Begrenztheit der daraus gezogenen Schlüsse.

2.1    Thermodynamik offener Systeme

Thermodynamisch offene Systeme sind solche, die auf einen ununterbrochenen „Durchfluss“ von Materie und Energie angewiesen sind. Das gesamte Klimageschehen, die Zusammensetzung der Atmosphäre und damit auch alle Wassersysteme sind von der Entwicklung des Lebens auf der Erde abhängig. Letzteres ist zumindest auf die dauernde Zufuhr von Sonnenenergie und den Vorrat an chemischen Elementen in der Erdkruste angewiesen. Die Erde stellt daher physikalisch gesehen ein „thermodynamisch offenes“ System dar. Sie besitzt ganz besondere Eigenschaften, die üblicherweise in der allgemeinen Schulausbildung in Physik kaum vermittelt werden. Dort dominieren immer noch die klassische Physik und neuerdings auch die Atomphysik. Aus der Quantenphysik kann abgeleitet werden, dass die zukünftige Entwicklung „Freiheitsgrade“ besitzt, die Zukunft also prinzipiell nicht eindeutig vorhersehbar ist, die Vergangenheit jedoch prinzipiell nachvollziehbar ist.

Für lebendige Systeme ist diese Asymmetrie zwischen Vergangenheit und Zukunft besonders charakteristisch und bedeutsam.

Lebensvorgänge sind prinzipiell nie vollständig reversibel, das ist uns Menschen sehr bewusst. Die vollständige Wiederherstellung vergangener Zustände ist daher unmöglich, was uns Menschen sehr bewusst ist. Auch die Erhaltung eines stationären Zustandes ist auf Dauer unmöglich, weil schon die externen Einflüsse (z. B. die Sonneneinstrahlung) dauernd schwanken. Die Verknüpfung von „Nachhaltigkeit“ mit der Erhaltung eines spezifischen stationären, krisenfreien Fließgleichgewichtes über Generationen, muss für lebendige Strukturen sowohl auf lokaler wie auch globaler Ebene zur Festlegung von falschen Zielen und falschen Wegen, diese zu erreichen, führen.

Aus der Theorie thermodynamisch offener Systeme kann man ableiten, dass sogenannte Bifurkationen (PRIGOGINE) auftreten können. Unter bestimmten Randbedingungen kann sich daher so ein System in zwei gänzlich unterschiedliche Richtungen entwickeln, wobei prinzipiell nicht vorhersagbar ist, in welche.

Lebendige Systeme haben die Eigenschaft, dass auch sehr kleine und sehr langsame Veränderungen zu Kipp-Prozessen führen können, wo ein System kurzfristig in ein gänzlich anderes „kippt“. So ist häufig der Übergang von „gesund“ zu „krank“. Aus der Wassergütewirtschaft kennen wir solche Kippvorgänge etwa von unseren Alpenseen. Sie halten sich entweder von selbst sauber oder sie werden „eutroph“ (überernährt). Der Zustand eines eutrophen Sees „verschlechtert“ sich (hinsichtlich unserer Ansprüche) ohne Eingriff von selbst. Auch bei den Anaerobprozessen kennen wir solche Kippvorgänge sehr gut. In sehr vielen Fällen bewirkt der menschliche Eingriff in die Natur, aber auch in die politisch-sozialen Mechanismen der Gesellschaft solche sprunghaften Veränderungen.

2.2     1. Hauptsatz der Thermodynamik

Allgemein bekannt ist meist der Erste Hauptsatz der Thermodynamik, der besagt, dass Materie und Energie in einem geschlossenen System nicht verschwinden können. Dieser Hauptsatz ist für die gesamte Wassergütewirtschaft und andere Umweltwissenschaften von fundamentaler Bedeutung, auch wenn das vielleicht nicht sofort einsichtig ist. Bei einem thermodynamisch offenen System (z. B. unserem Körper oder einem Siedlungsraum) gibt es einen ständigen Energie- und Materiestrom, der durch das System hindurchgeht. Daher müssen wir zuerst ein System sehr genau abgrenzen, damit wir diesen Hauptsatz für eine Stoffbilanz sinnvoll anwenden können. Alles was z. B. an Stoffen in ein Siedlungsgebiet hineingelangt, muss entweder im Siedlungsgebiet (Lager) oder als „Export“ aus dem Bilanzraum wiedergefunden werden können. Stoffbilanzen stellen eine hervorragende Methode dar; mit der man die Richtigkeit und Vollständigkeit von Daten prüfen kann.

Der 1. Hauptsatz besagt, dass Elemente und Energie nicht verschwinden können,

wobei für die Wassergütewirtschaft das Energieäquivalent von Materie (E=m.c2) vernachlässigt werden kann.
Für biologische Systeme folgt aus dem 1. Hauptsatz der Thermodynamik, dass aus einer bestimmten Fracht an Nahrung (M/T1) nur eine bestimmte Menge an Organismen am Leben erhalten werden kann.

2.3     2. Hauptsatz der Thermodynamik

Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik (Entropiesatz) ist zwar ebenso fundamental wie der 1., allerdings in seinen Konsequenzen viel komplexer. Er wird dort relevant wo es um Qualität bzw. den Wert von Energie oder um die Reinheit von Stoffen geht. Er ist auch relevant für die möglichen Entwicklungen eines Systems.

Wenn wir z. B. saubere Gewässer haben wollen, geht es um die Frage, wie viel hochwertige elektrische Energie wir in geringwertige Niedertemperaturwärme umwandeln wollen, um Abwasser zu reinigen.

Wo ist die Grenze, ab der wir insgesamt höhere Belastungen der Umwelt bewirken, als wir an Wert für saubere Gewässer gewinnen?

Wenn der Mensch Ressourcen (Stoffe) verwendet, bleiben sie zwar erhalten (1. HS. der Thermodynamik), aber ihr Wert für gewisse Anwendungen verringert sich. Wenn wir z. B. Phosphorerzlager zur Erzeugung von Dünger ausbeuten und dann fein in der Landwirtschaft verteilen und schließlich über die Flüsse ins Meer gelangen lassen, ist der Phosphor von der Erde zwar nicht verschwunden, aber für uns und unsere Nachkommen nunmehr mit sehr hohen Kosten (Energieeinsatz) zurückzugewinnen.

Jeder Stoff, der überhaupt erzeugt und verwendet wurde oder wird, wird über kurz oder lang mit Luft und Wasser auf der ganzen Erde fein verteilt. So kann man die Bleiverhüttung während der Römerzeit im Eis der Antarktis nachweisen, ebenso wie z. B. polyfluorierte Tenside (PFT), die erst im 20. Jahrhundert entwickelt wurden. Man kann berechnen, dass mit ca. einem Kilogramm eines Stoffes, den wir in die Umwelt entlassen, jeder Liter Wasser auf der Erde inklusive der Meere mit ca. 10 bis 1.000 Molekülen „verunreinigt“ werden kann.

Alle lebendigen Strukturen brauchen eine ununterbrochene Energie-Zufuhr, und sie bewirken eine ununterbrochene Zunahme an Unordnung (Entropie); das ist eine Eigenschaft aller lebendigen Systeme. Aus hochwertiger Nahrung entsteht minderwertiges Abwasser, aus hochwertigen Metalllegierungen entstehen Schwermetallverunreinigungen in der Umwelt.

Die Sonne sichert eine zwar begrenzte aber dauernd gesicherte Zufuhr an hochwertiger Energie. Die Wärmeabstrahlung der Erde bewirkt eine dauernde gesicherte Entfernung von relativ minderwertiger Energie. Für das Leben auf der Erde steht also eine gesicherte Entropie-Differenz („Unordnungsentsorgung“) dauernd zur Verfügung.
Die Atmosphäre und das Klima sind mit der Biosphäre ganz eng verknüpft, das Klima hat also physikalische und biologische Ursachen, und das Leben hat sich rund um das Wasser entwickelt. Dieses Wasser war nie reines H20, sondern es war Wasser, das mit allen Stoffen verunreinigt war, die zumindest in der Erdkruste und in der Atmosphäre vorhanden waren. Leben ist nicht aus reinem H20 entstanden.

Daraus ergibt sich ein Problem, für die Bewertung unseres Handelns mit Hilfe des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik. Wir wissen von vielen Stoffen, dass sie erst in geringen Konzentrationen (hoher Verdünnung) Wertstoffe für lebendige Strukturen darstellen, während sie in höheren Konzentrationen (niedriges Entropieniveau) schädlich wirken können, in noch höherer Reinheit können sie wiederum sehr wertvoll sein. Am Beispiel von Kupfer wird jeder Wassergütewirtschafter dies verstehen. Es gibt daher eigentlich keine „Schadstoffe“ oder alle Stoffe sind solche, solange es keine eindeutige Messvorschrift gibt, die dem Begriff zugeordnet wird. Wir sollten daher den Begriff „Schadstoff“, wie er derzeit verwendet wird, eliminieren.

Es gibt inzwischen etwa 50 Millionen registrierte Stoffe, ob sie nützlich, schädlich oder wirkungslos sind, hängt an ihrer Konzentration, ihrer Dosis und dem Ort wo sie auftreten. Das ist bei Medikamenten durchaus bekannt, gilt aber prinzipiell für alle Stoffe. Für viele Stoffe, die wir heute verwenden, ist ihre Wirkkonzentration oder -dosis für Mensch und Umwelt noch nicht bekannt, insbesondere bezüglich der Langzeit- oder der Synergiewirkung. Auf diesen Gebieten wird weltweit intensiv geforscht.

Das Entropieniveau von Stoffverteilungen kann jedenfalls nicht für jeden Stoff zu ihrer Bewertung verwendet werden. Der „Verlust“ einer hochwertigen (reinen) Substanz oder Energieform durch feine Verteilung in der Umwelt kann nicht nur negativ beurteilt werden. Auch die Natur erzeugt hochwirksame Gifte, die durch Verdünnung in der Umwelt unschädlich werden. Die meisten Schwermetalle, auch jene in der Erdkruste sind erst durch hohe Verdünnung im Wasser zu wertvollen und häufig essenziellen Spurenstoffen für die Entfaltung der Biosphäre geworden.
Es erscheint zulässig aus dem Entropiesatz abzuleiten, dass es keine vollständigen (100%-igen) physikalischen, chemischen oder biochemischen Umsetzungen oder Abbauvorgänge von Stoffen gibt.

2.4     Steuerung des Wachstums lebender Zellen

Alle Lebewesen besitzen Steuerungs- und Regelungssysteme zur Aufrechterhaltung ihrer Lebensvorgänge, wobei deren Komplexität sehr unterschiedlich und noch keineswegs vollständig aufgeklärt ist. Jedenfalls muss man davon ausgehen, dass diese Steuerungssysteme sehr relevante Selektionsmechanismen für die Entwicklung der Biosphäre darstellen.

Wie neueste Forschungen (VERSTRAETE) nahelegen, sind mehrere fundamentale Steuerungsmechanismen universell im genetischen Code lebendiger Zellen verankert. Einer davon ist in der Wassergütewirtschaft sehr gut bekannt und in Bild 1 dargestellt. Es handelt sich um die Steuerung des Wachstums bzw. des Substratumsatzes von Zellen über das Nahrungsangebot. Die Wachstumsrate lebendiger Zellen wird über die Konzentration jenes essenziellen Nährstoffes in der Umgebung der Zelle gesteuert, der das Wachstum begrenzt. Dieser Zusammenhang durch das Forscherpaar Michaelis-Menten (1913) für die Enzymkinetik (Stoffumsatz) und in der dargestellten Form von Monod (1942) experimentell für die Wachstumsrate abgesichert. Dieser Zusammenhang ist stark temperaturabhängig. Nur für ganz wenige Stoffe und Zellarten ist dieser Zusammenhang quantitativ bekannt. Jede konkrete Monod-Kurve stellt den Ort aller möglichen Gleichgewichte zwischen dem Angebot an einem essenziellen Nährstoff und der Wachstumsrate dar.

Bild 1: Steuerung des Wachstums lebendiger Zellen durch Mangel an einem Nährstoff

Bild 1:    Steuerung des Wachstums lebendiger Zellen durch Mangel an einem Nährstoff

Aus Bild 1 kann man ableiten, wie sich lebendige Zellen und Organismen bei Ressourcenmangel und -überfluss verhalten. Wenn alles Lebenswichtige im Überfluss zugänglich ist, dann steuert die genetisch fixierte, maximale Wachstumsrate oder Stoffumsatzrate das System. In der Biotechnologie versucht man meist alle durch Mangel verursachten Wachstumshemmungen zu beseitigen, um zu maximalen Raumausbeuten zu gelangen. Auch an der Maximierung der Stoffumsatzraten durch verbesserte genetischer Eigenschaften der eingesetzten Organismen wird gearbeitet (Züchtung, Gentechnik). Die dafür relevanten Zusammenhänge sind mit dem rechten oberen Teil der Kurve verbunden (a).

Wenn sich die Konzentration nur eines einzigen essenziellen Nährstoffes in der Umgebung des Organismus (der Zelle) gegen Null bewegt, kommt es relativ schlagartig zu einer massiven Reduktion der Wachstumsgeschwindigkeit. Die meisten von uns sehr geschätzten natürlichen, artenreichen Öko-Systeme sind durch Nahrungsmangel gekennzeichnet. Sie haben enorme Reserve-Kapazität, um auf kurzfristige Veränderungen des Nahrungsangebotes durch Veränderungen der Wachstumsgeschwindigkeit zu reagieren und die Stabilität des Ökosystems zu sichern.
Bei der biologischen Abwasserreinigung nützen wir diesen Zusammenhang indem wir Bedingungen schaffen, bei denen das Wachstum von (natürlichen) Biozönosen durch Mangel möglichst vieler Abwasserinhaltsstoffe begrenzt wird. Damit erreichen wir sehr geringe Restkonzentrationen im gereinigten Abwasser.

In den letzten 2 Jahrhunderten ist es auf Basis der Fortschritte in Wissenschaft und Technik gelungen zumindest in den reichen Ländern Ressourcenmangel weitgehend zu beseitigen. Unter Ressourcenüberfluss, werden dann die genetisch fixierten Eigenschaften der Menschen und die Entwicklung und Entfaltung der geistigen Fähigkeiten (Ausbildung, Organisation und Erziehung) zu den begrenzenden Faktoren. In der Landwirtschaft hat dieser Zusammenhang in der Düngelehre und der Züchtung ertragreicherer Nutzpflanzen seinen Niederschlag gefunden. Um höhere Erträge pro Flächeneinheit zu erzielen muss nicht nur der erhöhte Düngestoffgehalt der Ernte abgedeckt werden, sondern es muss auch die Düngerkonzentration im Boden angehoben werden. Die durch Düngung erhöhten Nährstoffkonzentrationen im Boden führen allerdings auch zu erhöhten Verlusten von Nährstoffen aus den Böden in das Grundwasser und die Oberflächengewässer. Dort verursachen sie allerdings verschiedene Qualitätsverluste, wie das Nitratproblem für die Trinkwassergewinnung aus dem Grundwasser und ein übermäßiges Algenwachstum in den Oberflächengewässern (Eutrophierung).

Wir haben also ein klassisches Optimierungsproblem vor uns. Ohne ausreichende Düngung kann die Ernährung der noch immer steigenden Weltbevölkerung nicht gesichert werden. Sie verursacht aber eine erhöhe Belastung der Gewässer mit Nährstoffen, was dort Qualitätsprobleme verursacht (Eutrophierung, Nitrat im Grundwasser). Gleichzeitig „verliert“ man diese Stoffströme durch Verdünnung im Meer.

3    Grenzen der Ressourcenverfügbarkeit

Spätestens seit dem Buch „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome vor 40 Jahren besteht das Bewusstsein, dass unsere Ressourcen begrenzt sind. Nur sind sie ganz unterschiedlich begrenzt und das muss man beim Versuch der Lösung dieses fundamentalen Problems immer beachten.

Es gibt Ressourcen, ohne die wir nicht leben können und die nicht substituierbar sind, so wie z. B. Wasser, Stickstoff, Phosphor, Kalium, Kalzium, Schwefel und die meisten Schwermetalle. Alle diese lebenswichtigen Stoffe müssen dauernd in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, sonst kann die Erdbevölkerung nicht am Leben erhalten und ernährt werden. Bei wahrscheinlich 10 Milliarden Menschen im Jahre 2050 können diesbezüglich gravierende Probleme entstehen.

Die vielleicht wichtigste nicht substituierbare Ressource für uns und unsere Umwelt ist Süßwasser. Es ist eine begrenzte, aber erneuerbare Ressource. Die Sonne bewirkt den Wasserkreislauf, in dem auch eine weitgehende Erhaltung der Qualität des Wassers integriert ist. Die Verfügbarkeit dieser begrenzten Ressource ist lokal und regional äußerst unterschiedlich und primär klimatisch bestimmt.
Stickstoff ist der wichtigste Bestandteil der Atmosphäre und stellt eine praktisch unbegrenzte Ressource, dar. Die Natur hat zusätzlich vorgesorgt, dass Stickstoff aus lebendigen Strukturen auch immer wieder recycelt wird.

Phosphor ist zwar ubiquitär in geringen Konzentrationen vorhanden, aber für die Ernährung der noch immer steigenden Weltbevölkerung ist der Einsatz von Phosphordünger aus fossilen Lagern unumgänglich. Die Phosphorerz-Lager sind absehbar begrenzt, Phosphor kann zwar global gesehen durch Nutzung nicht verloren gehen, aber derzeit verlieren wir große Mengen an Phosphor in den Meeren, von wo wir ihn aus ökonomischen und ökologischen Gründen nicht als Dünger wiedergewinnen können. Wir müssen also darauf achten, dass wir Phosphor möglichst in regionalen Kreisläufen erhalten. Das hat man bisher kaum beachtet und ist heute Gegenstand intensiver Überlegungen zumindest in der Forschung.

Die fossilen Energieträger sind nicht nur begrenzt, sie gehen auch durch die Nutzung für uns für immer verloren. Die bei der Nutzung freiwerdende Energie bleibt erhalten, aber sie ist so fein verteilt, dass wir sie kaum mehr nutzen können und sie ist nach derzeitigem Wissen mitverantwortlich für den globalen Klimawandel. Wasserdampf stellt das am stärkste wirksame Klima-Gas der Atmosphäre dar und ist vermutlich der große Regulator für die langfristigen Klimaveränderungen. Wie schnell und in welchem Maße der Mensch das Klima in Zukunft beeinflussen wird, ist nach wie vor nicht gesichert vorhersagbar, aber nach dem Stand des Wissens von der Entwicklung der Menschheit abhängig.

Es gibt auch substituierbare Ressourcen. Etwa in der Bauwirtschaft werden viele „alte“ Baustoffe durch Stahl, Kunststoffe und Glas substituiert. Stahl kann wiederum für gewisse Anwendungen durch Karbonfasern substituiert werden. Dennoch werden wir wegen der begrenzten Substituierbarkeit aller Stoffe ein rigides Ressourcenmanagement brauchen um Mangelerscheinungen aller Ressourcen zu vermeiden oder zumindest erträglich zu erhalten.

4    Absehbare Entwicklung der Erdbevölkerung und ihre Folgen

Bild 2 zeigt, dass die Weltbevölkerung über sehr lange Zeiträume, Jahrtausende lang, nur wenig gewachsen ist und bis etwa 1700 n. Chr. unter 500 Mio. Menschen lag. In den letzten ca. 200 Jahren ist die Wachstumsrate dramatisch angestiegen, was im unteren Bild zu sehen ist. Man rechnet mit einer deutlichen Abflachung dieser Kurve in den nächsten 50 Jahren.
Die Entwicklung während der letzten 200 Jahre ist in mehrfacher Hinsicht absolut singulär in der Weltgeschichte. Dies gilt nicht nur für die Bevölkerungszunahme, sondern in noch stärkerem Maße für den Ressourcenumsatz und den davon verursachten Einfluss des Menschen auf die Umwelt. So eine Entwicklung birgt zumindest den Keim für Krisen, zu deren Bewältigung die historische Erfahrung alleine wenig beitragen kann. Erkenntnis der entscheidenden Zusammenhänge, Innovation, Bereitschaft zu Veränderungen des Verhaltens und eine sensitive Beobachtung der Veränderungen in Gesellschaft und Umwelt sind notwendig.

Bild 2:    Entwicklung der Weltbevölkerung während der letzten 3000 Jahre

Auf Grund dieser Entwicklung erscheint es nicht mehr sinnvoll den Menschen aus der Natur gedanklich zu extrahieren. Er muss als Teil einer Einheit gedacht werden, in der Mensch und Natur miteinander auskommen. Es gibt keinen anderen Weg, weil beider Wohlergehen untrennbar verquickt ist.

Bild 3:  Entwicklung der Weltbevölkerung von 1950 bis 2050 nach Regionen. (http://timeforchange.orgigrowing-world-population)

Wie aus Bild 3 zu entnehmen ist, ist das Bevölkerungswachstum regional sehr ungleichmäßig über die Erde verteilt. Die Prognosen bis 2050 lassen nur einen geringen Spielraum für politische Einflussnahme. Nur nicht prognostizierbare globale Krisen und Kriege können relevante Abweichungen verursachen. Der größte einwohnerspezifische Ressourcenverbrauch ist derzeit in den Industriestaaten konzentriert, die Schwellenländer in Süd- und Ostasien oder Südamerika sind auf dem Wege ihren Ressourcenverbrauch stark zu steigern. Für die Ressource Wasser verursacht die Entwicklung der Bevölkerung je nach regionaler Besonderheit ganz unterschiedliche Problemstellungen.

5      Folgen der Bevölkerungszunahme für die Wasserwirtschaft

Zweifellos stellt eine ausreichende Versorgung der Gesellschaft mit Ressourcen eine ganz wichtige Voraussetzung für deren Entfaltung dar. Aber was heißt ausreichend? Den immer noch steigenden Ressourcen-„Verbrauch“ werden sich auch die entwickelten Länder bis 2050 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht leisten können, insbesondere wenn alle Staaten die gleichen Ansprüche stellen.

Bei einer globalen Bevölkerung von etwa 10 Milliarden Menschen, stellt sich daher die Frage nach dem Anspruch auf Entfaltung des Einzelnen bzw. der Gesellschaften. Die Entfaltung braucht zumindest zwei Substrate: Ressourcen und Sinnerfüllung während der Lebenszeit. Es geht daher in den nächsten 40 Jahren nicht nur darum für 9-10 Milliarden Menschen ausreichende Ressourcen, sondern auch Arbeitsplätze mit Sinnerfüllung bereitzustellen. Die Landwirtschaft bzw. Nahrungserzeugung haben diesbezüglich über Jahrtausende eine zentrale Rolle gespielt, die laufend an Bedeutung verliert.

Für die Wasserwirtschaft und insbesondere die Wassergütewirtschaft wird die Zunahme der Bevölkerung bis 2050 deutliche Auswirkungen haben, zu deren Abschätzung der jährliche Wasserbedarf eines Menschen (z. B. in der EU) folgendermaßen aufgegliedert werden kann:

•    1 m3/Jahr als Wasser zum Trinken, muss jederzeit zur Verfügung stehen,
•    20 bis 60 m3/Jahr für Reinigung und Hygiene, sollte auch immer gesichert vorhanden sein.
•    200 m3/Jahr für Industrie (Kühlwasser, Abwasser), stark variabel und technisch beeinflussbar
•    >1000 m3/Jahr Wasser für Nahrungsproduktion in der Landwirtschaft

Der Wasserbedarf, der aus Trinkwassernetzen gedeckt wird oder werden kann, ist aus wasserwirtschaftlicher Sicht mengenmäßig gering, allerdings mit einem hohen Qualitätsanspruch. Dieser Wasserbedarf kann auch in Zukunft mit schon heute bekannten technischen Verfahren überall und global gesehen vermutlich auch wirtschaftlich verträglich abgedeckt werden.

In Deutschland beträgt der Trinkwasserbedarf je Einwohner etwa 40 m3 pro Jahr. Nur ca. 1 m3/a dient als Lebensmittel der Rest als Transportmittel für die menschlichen Ausscheidungen und jene Verunreinigungen, die unsere Gesundheit gefährden können (Hygiene). Über innovative Wasser- und Abwassersysteme könnte man diesen Wasserbedarf schon heute ohne Komfortverlust auf ca. die Hälfte reduzieren. Mit moderner Technologie kann man auch Abwasser großtechnisch als Trinkwasser wiederverwenden (Singapur) und damit den Frischwasserbedarf noch weiter senken. Aber selbst ein Bedarf an Trinkwasser von ca. 50 m3/Einwohner und Jahr fällt in einer regionalen Wassermengenwirtschaft nur unter ganz besonderen Randbedingungen ins Gewicht.

Der Nutzwasserbedarf der Industrie liegt in der Größe von 200 m3 pro Jahr. Dieser Bedarf ist in den Industriestaaten eher rückläufig. Ein großer Teil dieses Bedarfes ist Kühlwasser, wo mit dem Wasser meist nur Wärme abtransportiert wird.

Bei der Nutzung des Wassers in Haushalt und Industrie wird Wasser nicht verbraucht, nur seine Qualität wird verändert. Übertriebenes Wassersparen im Haushalt durch kostenintensive Technik der Kreislaufführung oder teilweise Substitution durch Regenwasser kann ökologisch schwer begründet werden. Es werden damit neue kostenintensive Probleme in unseren Leitungsnetzen für Trink- und Abwasser verursacht. Dort, wo die Kreislaufführung von Abwasser zu Kostenminderungen führt, sollte man dies nutzen.

Der bei weitem größte regionale Wasserbedarf wird von der Landwirtschaft verursacht. Das Wasser geht dabei durch Evapotranspiration regional für die Nutzung verloren, auch wenn es im natürlichen Kreislauf des Wassers erhalten bleibt. Jedenfalls muss immer zwischen Gebrauch und „Verbrauch“ von Wasser unterschieden werden, wenn es um regionale Betrachtungen geht.

Für die Erzeugung ausreichender Nahrung sind für jeden Menschen mindestens 700 bis 1000 m3 Wasser pro Jahr erforderlich. Die Verwendung des Abwassers in der Landwirtschaft kann bestenfalls regionale Engpässe entschärfen aber das globale Problem nicht lösen. Den minimalen Wasserbedarf für die Ernährung muss man zumindest global abdecken, wenn man Hunger und in der Folge Krieg oder Wanderbewegungen vermeiden will. In einer steigenden Anzahl von Staaten reichen die lokalen Wasserressourcen nicht aus, um die Bevölkerung aus dem eigenen Lande zu ernähren. Dort muss Nahrung aus anderen Ländern als „virtuelles Wasser“ importiert werden.
Man weiß heute, dass Gesundheit und körperliches Wohlbefinden aber auch die intellektuelle Entwicklung der heranwachsenden Menschen von einer ausreichenden und vielseitigen Ernährung abhängen. Es ist auch bekannt, dass die Produktion von tierischem Eiweiß etwa um den Faktor 4 bis 5 mehr an Wasser, Fläche und Düngereinsatz braucht als die jene der gleichen Menge an pflanzlichem Eiweiß. Der hohe Fleischkonsum in den Industriestaaten führt dort zu einem Wasserverbrauch in der Landwirtschaft von über 2000 m3 pro Einwohner und Jahr. In China hat der rapide Anstieg des Fleischkonsums und damit des Wasserbedarfes der Landwirtschaft zu dramatischen negativen Folgen für die Wasserführung viele Flüsse (Bewässerung) und als Folge auch ihrer Wassergüte geführt.
In ganzjährig „nassen“ Regionen können regionale Wasserverbraucher, wie Landwirtschaft oder auch Wald wichtige Funktionen für Hochwasserschutz und Erosionsminderung haben. In Trockenregionen oder bei langen Trockenzeiten (z. B. Monsungebiete) kann es zu starker Konkurrenz um die lokalen Wasserressourcen zwischen Landwirtschaft und Wasserversorgung kommen.

6    Energiehaushalt und globale Wirtschaft

Über Jahrtausende war die Entwicklung der Menschheit durch eine begrenzte Verfügbarkeit an mechanischer Leistungskraft geprägt. Sie war durch die Arbeitskraft der Menschen und später der Haustiere begrenzt. Beide waren von der landwirtschaftlichen Produktion abhängig. Der Mensch selbst hat eine Gesamtleistung von etwas über 0,1 kW. In den letzten 200 Jahren hat sich das grundlegend geändert. Heute beträgt die einwohnerspezifische Leistung aus Primärenergie (fossile Brennstoffe, Wasserkraft etc.) in Europa ca. 6 kW. Das heißt, dass, grob gesprochen, ununterbrochen ca. 60 Sklaven für jeden von uns Arbeit leisten ohne Nahrung zu beanspruchen. Die mechanische Leistungsfähigkeit des Menschen hat daher stark an Bedeutung verloren, weil sie durch Maschinen ersetzbar geworden ist. Dafür sind gänzlich neue Entfaltungsmöglichkeiten durch technische Entwicklungen möglich geworden, die allerdings entsprechende Bildung und Ausbildung sowie ausreichende Versorgung mit sehr vielen Ressourcen erfordern.

7    Veränderungspotenziale in der Wassergütewirtschaft

Bestehende wasserwirtschaftliche Strukturen sind zumindest in den entwickelten Gebieten der Erde fast immer für sehr lange Zeiträume geplant und gebaut worden. Sie werden daher vermutlich bis 2050 auch bei Auftreten großer technischer Revolutionen nur begrenzte Veränderungen erleben. Innovationen werden also überwiegend dort eingesetzt und ausprobiert, wo noch keine oder wenig Infrastruktur vorhanden ist oder die bestehende Infrastruktur die Funktionen nicht mehr erfüllen kann bzw. mit geringeren Kosten erfüllt werden kann.

Welche neuen Impulse und Fragestellungen kann man heute erkennen?

In den Industriestaaten werden bereits die meisten Gewässer so vor Verunreinigungen geschützt, dass sich dort eine standortspezifische Artenvielfalt entwickeln kann und jene Funktionen erfüllt werden können, die für die Menschen in den Flussgebieten als wichtig und notwendig erscheinen. Kommunales und industrielles Abwasser werden dazu auf Kläranlagen gereinigt, viele Stoffe werden bereits an der Quelle zurückgehalten oder nicht mehr verwendet.
Neue Impulse gehen besonders von 2 Entwicklungen aus:

  • Trotz des hohen Standards der Abwasserreinigung sind noch viele sogenannte „Mikroverunreinigungen“ in den Kläranlagenabläufen, Gewässern und im Trinkwasser nachweisbar (geworden), weil sie nur teilweise und in sehr unterschiedlichem Maße in Kläranlagen und Wasseraufbereitungsanlagen entfernt werden. Viele dieser Stoffe gelangen mit alltäglich oder gezielt eingesetzten Produkten in den Haushalten, oder aus Industrie und Gewerbe über das (gereinigte) Abwasser (Punktquellen) oder aus diffusen Quellen über den Niederschlagsabfluss in die Gewässer.
  • Abwasser und seine Inhaltsstoffe werden nicht nur als Entsorgungsproblem und Verunreinigung, sondern als Wertstoffe (Wasser, Nährstoffe, Energie, Spurenstoffe) erkannt und ihre Nutzung durch neue technische Einrichtungen (Sanitäranlagen, Klärschlammbehandlung, etc.) vorangetrieben (Larssen, Londong, Otterpohl, Dinkloh). Für diesen 2. Punkt wird hier nur auf die umfangreiche Literatur verwiesen, obwohl er natürlich mit dem ersten eng verknüpft ist.

Aus dem Problemkreis der Mikroverunreinigungen können folgende Fragen abgeleitet werden:

  • Ab welcher Konzentration oder Dosis sind solche Stoffe für die Menschen oder die Umwelt gefährlich? Gibt es für jeden Stoff eine Konzentration, bei deren Unterschreitung keine negative Wirkung mehr zu besorgen ist?
  • Müssen wir bestimmte Stoffe weitgehend aus dem Wasser entfernen oder können wir sie in gewissen Konzentrationen im Trinkwasser und in den Gewässern dulden, weil sie dort keine negative Wirkung haben?
  • Stellen gewisse Konzentrationen von allen Stoffen, die wir erzeugen oder verwenden, erzeugt oder verwendet haben, ein unzulässiges Gefahrenpotenzial für Mensch und Gewässerbiozönose dar?
  • Welchen Nutzen stiften welche Stoffe, und welcher Aufwand ist notwendig um ein zumutbares Risiko (Schaden) zu vermeiden, oder dürfen gewisse Stoffe nicht produziert werden, müssen also an der Quelle vermieden werden?

All das sind ganz aktuelle Fragen in den entwickelten Ländern. Zur ihrer Lösung ist eine intensive Zusammenarbeit der Wassergütewirtschaft mit anderen Fachbereichen, wie der Hydrologie, Landwirtschaft, Industrie und Städtebau, Gesundheits- und Bildungswesen und natürlich den technischen Wissenschaften erforderlich.

Wir können immer mehr Stoffströme im Wasser und in den Gewässern messtechnisch erfassen und ihr Gefährdungspotenzial bestimmen. Die Entscheidung über ein zulässiges Risiko, das von dem menschlichen Eingriff in die Wasser- und Gewässergüte verknüpft ist, muss dann politisch entschieden werden, was einer intensiven auch öffentlich geführten Diskussion bedarf.

In den Schwellenländern sind noch große Investitionen in die Errichtung der grundlegenden Infrastruktur für die Wassergütewirtschaft zu tätigen um einen Mindeststandard an Hygiene und Gewässerschutz zu erreichen. Dazu sind weltweit entsprechende Investitionen im Gange, aber es ist schon jetzt abzusehen, dass die Zielerreichung nicht am Mangel finanzieller Ressourcen, sondern am Mangel an Bildung, Ausbildung und effizienten Organisationsstrukturen in den betroffenen Ländern scheitern wird.
Schon heute wird die Forderung erhoben, dass dieser Mindeststandard durch eine gesicherte Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser in jedem Haus und eine hygienisch einwandfreie Abwasserentsorgung für alle Menschen charakterisiert sein muss. Das ist mehr als die WHO derzeit als Ziel formuliert und den Millenniumsgoals zugrunde gelegt hat. (IWA Development Congress Mexico, 2009).

Die Lösungen der großen Wasserprobleme der Entwicklungsländer werden in erster Linie davon abhängen, ob es gelingt die Bildung und Ausbildung, insbesondere auch der Frauen, erheblich zu verbessern und angepasste Organisationsstrukturen aufzubauen. Dies sind nach dem Stand des Wissens auch die wirksamsten Maßnahmen zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums.

Wenn wir eine evolutionäre Entwicklung annehmen, dann wird die Weltbevölkerung in den nächsten 40 Jahren auf etwa 9 Milliarden Menschen ansteigen. Dies verursacht einen enormen zusätzlichen Bedarf an Nahrung. Der kann nur über zusätzliche Flächen für die Landwirtschaft und/oder Erhöhung der Intensität der flächenspezifischen Produktion erreicht werden. Beide stehen in Konkurrenz zu Zielen der Wassergütewirtschaft. Die Ausweitung der Land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen stehen in Konkurrenz zu Naturlandschaften (Artenvielfalt) und naturnahen Fließgewässern. Die Erhöhung der Intensität durch Düngung und Pestizideinsatz steht in Konkurrenz zum Grundwasserschutz und der Eindämmung der Eutrophierung von Oberflächengewässern. Die Erhöhung der Intensität durch Bewässerung (mit oder ohne Wasserspeicherung) steht in Konkurrenz zur Erhaltung des natürlichen Abflusses in den Fließgewässern (z. B.: Ebro, Hoang Ho) bzw. einer ausgeglichenen Wasserbilanz stehender Gewässer (z. B. Aralsee, Kaspisches Meer) und damit zumindest regional auch in Konkurrenz zur Wasserversorgung der Siedlungsgebiete (Manila, Jakarta, Madrid).

Die Siedlungswasserwirtschaft kümmert sich traditionell nicht um den Wasserbedarf der „Natur“. Die Ökologen kämpfen darum die Artenvielfalt zu schützen, wofür sowohl Fläche als auch Wasser ausreichend verfügbar sein müssen. Bild 4 stammt aus einer weltweit sehr beachteten amerikanischen Studie (VÖRÖSMARTY et al. 2000) über die zu erwartende Entwicklung des Wasserstresses für Mensch und Umwelt. Sie berücksichtigt die Bevölkerungsentwicklung und den Wasserbedarf der Naturlandschaften, die für die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichtes und der Artenvielfalt relevant sind. Die roten Flecken stellen Regionen dar, die bis 2050 unter Wasserstress geraten werden, einmal ohne (mittleres Bild) und einmal mit Berücksichtigung des Klimawandels. Dazu braucht es keinen Kommentar.

Bild 4: Zunahme des regionalen Wasserstresses

Bild 4:  Zunahme des regionalen Wasserstresses bis 2050 mit und ohne Klimawandeleinfluss (rot = Wassermangel)

Bis 2050 werden bei evolutionärer Entwicklung vermutlich 75% der Weltbevölkerung in Ballungsgebieten (>3 Mio. Einwohner) leben. Diese als wertvollen Lebensraum zu gestalten und mit einer nachhaltigen und leistbaren technischen Infrastruktur auszustatten, stellt eine große politische Aufgabe dar, die nur in enger Zusammenarbeit mit den Fachleuten aus Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie den technischen Wissenschaften (Architektur, Raum- und Städteplanung, Bauingenieurwesen, Verkehrsplanung etc.) gelingen kann. Wenn man den Nahrungsbedarf der Ballungsgebiete in „virtuelles Wasser“ umrechnet, wird auch klar, welch enormer „Wasserbedarf“ in ihnen konzentriert wird. Der größte Teil dieses „Wasserbedarfs“ wird nicht durch den „Gesamtwasserbedarf gedeckt!
Dem enormen Zuwachs an Bevölkerung in den Ballungsgebieten steht eine stagnierende bis abnehmende Bevölkerung im ländlichen Bereich entgegen. Der Lebensstandard ist dort häufig gering, was die Errichtung einer geordneten Siedlungswasserwirtschaft erschwert und innovative, robuste Lösungskonzepte mit geringen einwohnerspezifischen Kosten erfordert.

Unter der Annahme einer evolutionären Veränderung der aktuellen Ansprüche und des Zuwachses von ca. 3 Milliarden Menschen bis 2050 (75 Mio. neue Bewohner/Jahr) ergibt sich die Notwendigkeit einer hohen Geschwindigkeit von Anpassung und Innovation nicht nur in der Wasserwirtschaft. Entwicklungen, die bis 2050 relevant wirksam sein sollen, müssen heute schon begonnen haben, das kann man aus der Entwicklung des Gewässerschutzes ableiten.
Lösungskonzepte müssen nicht nur entwickelt, sondern auch implementiert werden. Dafür sind Leistbarkeit und Akzeptanz erforderlich. Beides ist regional stark unterschiedlich. Regional angepasste Lösungen müssen daher vorrangig in den betroffenen Ländern selbst entwickelt und umgesetzt werden.

8    Visionen und Ziele bis 2050

Alle bisher beschriebenen Entwicklungstrends gehen von einer überwiegend evolutionären Entwicklung aus. Bei revolutionären Entwicklungen sind kaum rational begründbare Prognosen möglich. Aus der Geschichte kennen wir politische Revolutionen, die relativ rasch sowohl das Bewusstsein als auch das Verhalten der Menschen verändert haben, in der Regel treten sie dann auf, wenn die Anpassung an geänderte Macht und Umweltverhältnisse zu langsam vor sich gehen und massive Hemmungen der Entfaltung durch Mangel auftreten (Freiheit, Nahrung, Rohstoffe, Macht). Für solche Entwicklungen gibt es keine Prognose. Technische Neuerungen sind ebenfalls nicht prognostizierbar, sie führen meist zu keinen Revolutionen können aber die Evolution stark beschleunigen und in gänzlich neue Richtungen führen.

Die Regionen mit Wasserstress werden weltweit deutlich zunehmen. Dies gilt auch für die Bedeutung der optimalen Nutzung der lokalen natürlichen Ressourcen. Die Anpassung der Wassergütewirtschaft bzw. der gesamten Wasserinfrastruktur an die jeweils spezifische lokale Situation wird an Bedeutung gewinnen.

Wir werden weltweit ein neues Verhältnis zum Risiko brauchen. Risiko wird heute fast nur als Bedrohung und nicht auch als Entfaltungspotenzial gesehen. Bild 5 stellt den Versuch dar, „Nachhaltigkeit“ in einen zumindest qualitativen Zusammenhang mit dem Risiko zu bringen. Das läuft auf eine Optimierung des Kosten Nutzen Verhältnisses von Maßnahmen der Wassergütewirtschaft zum Schutz der Gewässer und unserer Gesundheit hinaus.

Bild 5: Nachhaltigkeit, Risiko, Kosten

Bild 5:  Wechselwirkung zwischen Nachhaltigkeit, Risiko und Kosten von Maßnahmen zum Risikomanagement in der Wassergütewirtschaft

Auf der rechten Seite des Bildes 5 haben wir bereits viele, durch Erfahrung und Wissen abgesicherte, Grundlagen. In vielen Bereichen können wir die Kosten durch Schäden den Kosten zu ihrer Vermeidung gegenüberstellen und sogar ein Optimum bestimmen. In der sehr komplexen Wassergütewirtschaft ist dies schwierig. In vielen Ländern vor allem Zentraleuropas hat man vorerst nicht exakt festgelegt, wie „sauber die Flüsse sein müssen um Schadensfälle zu vermeiden, sondern hat sich, auch aus wirtschaftlichen Überlegungen, für die Anwendung eines moderaten und gut begründetes Vorsorgeprinzips (Best Available Technique) entschieden.

An Hand der bisherigen Erfahrung kann angenommen werden, dass wir uns heute überwiegend in dem mittleren Bereich des Bildes 5 befinden. Hohe Kosten durch akute von Verunreinigungen verursachte Schäden sind überwiegend nur bei Übertretung der selbst gewählten Regeln aufgetreten.
Bezüglich der langfristigen Wirkung von Mikroverunreinigungen, die trotz Vorsorgeprinzip in den Gewässern und im Trinkwasser auftreten, herrscht Unsicherheit bezüglich des Risikos. Auf der linken Seite des Bildes 5 ist dargestellt, dass ein spezifisches Risiko meist nur dann gegen Null gebracht werden kann, wenn hohe Kosten in Kauf genommen werden und/oder die Nachhaltigkeit des Gesamtsystems geopfert wird, weil Freiheit und Kreativität weitgehend eingeschränkt werden müssen. Ab wann der Aufwand zur Vermeidung eines Einzelrisikos kontraproduktiv für das Gesamtsystem wird, wissen wir nicht bzw. fehlen uns die Maßstäbe und Methoden. IMBERGER (2006) meint, dass das globale Risiko nur dadurch in Grenzen gehalten werden kann, indem insbesondere die reichen Länder ein erhöhtes lokales Risiko zulassen. Die Festlegung eines „akzeptablen“ Risikos muss dabei prinzipiell auf politischer Ebene entschieden werden, die Wissenschaft kann nur Grundlagen dafür liefern. Diese Probleme werden uns bis 2050 begleiten.

Bild 6 stellt den Versuch dar, einerseits das Spannungsfeld zwischen Politik, Forschung und Technik und andererseits jenes zwischen Rechtssystem, persönlicher Wertvorstellung und naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeit aufzuzeigen.

Eine ganz wesentliche Funktion der Politik ist es, den Wertewandel der Gesellschaft über Rechtsnormen für die Gesellschaft verbindlich und umsetzbar zu machen. Technik bewegt sich im Spannungsfeld zwischen den Naturgesetzen, die wir nicht ändern und auf die wir uns auch verlassen können und den Rechtsnormen.

Bild 6: Politik, Technik, Forschung

Bild 6:  Wechselwirkung zwischen Politik, Technik und Forschung

Vielfach erfüllt die Technik die Aufgabe rechtlich formulierte Ziele erreichbar zu machen, umgekehrt sollte ein Gesetz nie ein Ziel vorgeben, das technisch nicht erreichbar ist. Forschung steht im Spannungsfeld zwischen Wertewandel (der den Forscher auch erfasst) und den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Naturwissenschaft, Rechtssystem und Wertewandel arbeiten mit unterschiedlichen Begründungsmethoden, die nicht kompatibel sind. Es kann daher keine auf Dauer richtige Handlungsweise geben, sondern nur einen historisch begrenzten Konsens aller Betroffenen. Um dies zu erreichen wird es notwendig sein, die Sprach- und Kommunikationsfähigkeit über die vielen betroffenen Disziplinen und Verantwortlichkeiten hinweg zu pflegen und weiter zu entwickeln, eine ganz große Aufgabe der Fachverbände auch in den nächsten 40 Jahren!

Das Internet ermöglicht zumindest im Prinzip einen fast unbegrenzten Zugang jedes Menschen zum Stand des Wissens. Diese Innovation wird allerdings nur für jene Menschen wirksam, die die Information auch verstehen. Es wird, global gesehen, keine Patentlösungen geben. Wir besitzen eine zunehmende Fülle von vielfältigen „Werkzeugen“ um die Probleme der Wassergütewirtschaft zu lösen. Es werden daher Menschen gebraucht, die diese Werkzeuge kennen und richtig bedienen können, damit eine Anpassung von Technik, Organisation und Verhalten an die jeweilige lokale Situation optimal durchgeführt werden kann. In Nordeuropa werden ganz andere Lösungen sinnvoll sein als in Zentralafrika oder Indien. Dennoch erscheint es sinnvoll eine globale Krisenvorsorge für die ganz großen regionalen Notfälle auf internationaler Ebene zu organisieren.

Für die Wassergütewirtschaft kann man ableiten, dass Bildung und Ausbildung die zentralen politischen Aufgaben der nächsten Zeit bleiben werden. Weltweit muss der steigende Bedarf an einer breiten Bildung und einer differenzierten Ausbildung allen Menschen bewusst gemacht und durch entsprechende Angebote befriedigt werden. Das kostbarste Gut der Länder mit hohem Standard der Wassergütewirtschaft ist daher nicht das Wasser, weil wir das aus wirtschaftlichen Gründen höchstens 100 bis 200 km transportieren können, sondern das angesammelte Wissen und vor allem die Fähigkeit zur Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure. Der Wettbewerb um eine dauernde Verbesserung der Lösungen muss und darf darunter nicht leiden.

Wir brauchen Visionen und Innovationen, für die die Verschränkung der verschiedenen Fachgebiete, wie Wassergütewirtschaft, Ressourcenmanagement, Gesundheit, Landwirtschaft, Ernährung, Verkehr, Recht, Politik und Verwaltung eine fruchtbare Grundlage darstellen kann sowie eine laufende Weiterentwicklung der technischen Infrastruktur zusammen mit Städteplanung, Architektur etc., die auch für revolutionäre Lösungen offen ist.

Vision und Innovationen werden aber erst dann wirksam, wenn sie in die Praxis umgesetzt werden, 40 Jahre sind dazu ein kurzer Zeitraum. An erster Stelle wird eine regional angepasste aber global wirksame Bildungs- und Ausbildungsoffensive für erforderlich gehalten, die alle Menschen umfasst und einen Bewusstseinssprung hinsichtlich des Umganges mit Wasser und seiner Güte verursacht.

Auch Wissenschaft, Forschung und technische Entwicklung werden vor große Herausforderungen gestellt sein. Eine davon wird in der Bescheidenheit liegen, bei allen neuen erfolgreichen Ideen und Lösungen die spezifischen Bedingungen für den Erfolg und die Relevanz des Erfolges mitzudenken und zu kommunizieren, damit die begrenzten Mittel nicht an falscher Stelle eingesetzt werden und Politik und Markt nicht in die Irre geführt werden.

Literatur

  • Kroiss, H. (2009): Neue Herausforderungen an die Wassergütewirtschaft. Wiener Mitteilungen Bd. S 1 bis ÖWAV Seminar März 2009, TU-Wien
  • Larssen, T.A.; Lienert, J: (2007): NoMix-Technologie. GWA Gas, Wasser, Abwasser, 2007, 4, 255-262
  • Londong, J. (2008): Zukunftsperspektiven Neuartiger Sanitärsysteme. Gewässerschutz, Wasser, Abwasser, Band 215, Aachen 2008, Seite 8/1-8/9, ISBN 978-3-938996-21-8
  • Weltbevölkerung: http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbevölkerung
  • Otterpohl, R.; Wendland, C.(2007): Innovative Sanitärkonzepte – mitteleuropäische Pilotprojekte und ihre Rolle im internationalen Kontext. http://www.wrrl-info.de/docs/vortrag_sem26_wendland.pdf
  • Vörösmarty, C.J.; Green, P.; Salisbury, J.; Lammers, R.B. (2000): Global Water Resources: Vulnerability from Climate Change and Population Growth. Science, Vol. 289. no. 5477, pp. 284-288
  • Prigogine, I.; Stengers, I. (1993): Dialog mit der Natur. Serie Piper, München 1993,ISBN 3-492-11181-5
  • Imberger, J.: Vortag „Life In A Changing Climate – Consequences of Perfecting Personal, Local, Risk Management“ (internet: 29.01.2010, 11:30), http://www.cwr.uwa.edu.au/~jimberger/Life%20in%20a%20Changing%20Climate%28New%29/2008_10_21_Wouk/1.01_Title.html
  • Verstraete,W. (2009) Vortrag Gestion des Ressources Microbiennes

Anschrift des Verfassers:
Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Kroiss
Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft der TU Wien,
Karlsplatz 13, A-1040 Wien
E-Mail: hkroiss AT iwag.tuwien.ac.at

nen. Dieser Hauptsatz ist für die gesamte Wassergütewirtschaft und andere Umweltwissenschaften von fundamentaler Bedeutung, auch wenn das vielleicht nicht sofort einsichtig ist. Bei einem thermodynamisch offenen System (z.B. unserem Körper oder einem Siedlungsraum) gibt es einen ständigen Energie- und Materiestrom,, der durch das System hindurchgeht. Daher müssen wir zuerst ein System sehr genau abgrenzen, damit wir diesen Hauptsatz für eine Stoffbilanz sinnvoll anwenden können. Alles was z.B. an Stoffen in ein Siedlungsgebiet hineingelangt, muss entweder im Siedlungsgebiet (Lager) oder als „Export“ aus dem Bilanzraum wiedergefunden werden können. Stoffbilanzen stellen eine hervorragende Methode dar; mit der man die Richtigkeit und Vollständigkeit von Daten prüfen kann. Der 1. Hauptsatz besagt, dass Elemente und Energie nicht verschwinden können, wobei für die Wassergütewirtschaft das Energieäquivalent von Materie (E=m.c2) vernachlässigt werden kann.
Für biologische Systeme folgt aus dem 1. Hauptsatz der Thermodynamik, dass aus einer bestimmten Fracht an Nahrung (M/T1) nur eine bestimmte Menge an Organismen am Leben erhalten werden kann.
2.3 2. Hauptsatz der Thermodynamik
Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik (Entropiesatz) ist zwar ebenso fundamental wie der 1., allerdings in seinen Konsequenzen viel komplexer. Er wird dort relevant wo es um Qualität bzw. den Wert von Energie oder um die Reinheit von Stoffen geht. Er ist auch relevant für die möglichen Entwicklungen eines Systems.
Wenn wir z.B. saubere Gewässer haben wollen, geht es um die Frage, wie viel hochwertige elektrische Energie wir in geringwertige Niedertemperaturwärme umwandeln wollen, um Abwasser zu reinigen. Wo ist die Grenze, ab der wir insgesamt höhere Belastungen der Umwelt bewirken, als wir an Wert für saubere Gewässer gewinnen? Wenn der Mensch Ressourcen (Stoffe) verwendet, bleiben sie zwar erhalten (1. HS. der Thermodynamik), aber ihr Wert für gewisse Anwendungen verringert sich. Wenn wir z.B. Phosphorerzlager zur Erzeugung von Dünger ausbeuten und dann fein in der Landwirtschaft verteilen und schließlich über die Flüsse ins Meer gelangen lassen, ist der Phosphor von der Erde zwar nicht verschwunden, aber für uns und unsere Nachkommen nur mehr mit sehr hohen Kosten (Energieeinsatz) zurückzugewinnen.
Jeder Stoff, der überhaupt erzeugt und verwendet wurde oder wird, wird über kurz oder lang mit Luft und Wasser auf der ganzen Erde fein verteilt, So kann man kann die Bleiverhüttung während der Römerzeit im Eis der Antarktis nachweisen, ebenso wie z.B. polyfluorierte Tenside (PFT) die erst im 20. Jahrhundert entwickelt wurden Man kann berechnen, dass mit ca. einem Kilogramm eines Stoffes, den wir in die Umwelt entlassen, jeder Liter Wasser auf der Erde inklusive der Meere mit ca. 10 bis 1000 Molekülen „verunreinigt‘ werden kann.
Alle lebendigen Strukturen brauchen eine ununterbrochene Energie-Zufuhr, und sie
bewirken eine ununterbrochene Zunahme an Unordnung (Entropie)–, das ist eine
Eigenschaft aller lebendigen Systeme. Aus hochwertiger Nahrung entsteht minder-



Überwachungswerte – Verdünnung

Artikel 2 Begriffsbestimmungen

„40. “Emissionsgrenzwert“: die im Verhältnis zu bestimmten spezifischen Parame-tern ausgedrückte Masse, die Konzentration und/oder das Niveau einer Emission, die in einem oder mehreren Zeiträumen nicht überschritten werden dürfen.

Die Emissionsgrenzwerte können auch für bestimmte Gruppen, Familien oder Kategorien von Stoffen, insbesondere für die in Artikel 16 genannten, festgelegt werden.

Die Emissionsgrenzwerte für Stoffe gelten normalerweise an dem Punkt, an dem die Emissionen die Anlage verlassen, wobei eine etwaige Verdünnung bei der Festsetzung der Grenzwerte nicht berücksichtigt wird.

Bei der indirekten Einleitung in das Wasser kann die Wirkung einer Kläranlage bei der Festsetzung der Emissionsgrenz-werte der Anlage berücksichtigt werden, sofern ein insgesamt gleichwertiges Umweltschutzniveau sichergestellt wird und es nicht zu einer höheren Belastung der Umwelt kommt;“

Quelle:
Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasser-politik
Zur ersten Änderung vom 23. Oktober 2000 (ABl. EG vom 22.12.2000 Nr. L 327 S. 1)
Aus: Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis,
Friedrich Schröder, Hans-Peter Lühr
WEKA-Verlag

Erläuterungen zu § 9 AbwAG

„Soweit allgemeine Verwaltungsvorschriften keine Regelungen über die Art der Abwasserbehandlung enthalten, sondern nur bestimmte Ablaufwerte (z.B. in mg O2/l), konnten die Abwassereinleiter seit 01.01.1989 nicht mehr in den Genuss der Ermäßigung der Abwasserabgabe gelangen, wenn sie solche Ablaufwerte entgegen den allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.) durch Verdünnung des Abwassers oder Vermischung durch Kühl-, Gruben- oder Grundwasser erzielen.

Durch das Gesetz vom 25.08.1998 (BGBl. I S. 2455) wurde diese Regelung gestrichen mit der Folge, dass seitdem § 7a WHG und die Abwasserverordnung anzuwenden sind.“

Quelle: Erläuterungen zu § 9 AbwAG
Aus: Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis,
Friedrich Schröder, Hans-Peter Lühr
WEKA-Verlag




Vorsicht Vorsorge!

Die Zukunft und ihre Feinde
Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen

Von Dirk Maxeiner und Michael Miersch
Eichenborn AG 2002
ISBN: 3-8218-3912-0

http://www.maxeiner-miersch.de/

Die folgende umfängliche Zitierung aus dem Kapitel II  wurde von den Autoren Dirk Maxeiner und Michael Miersch genehmigt.

Exzerpt von U. Halbach

Zitate aus  Kapitel II „Die neuen Ideologien“ – 1. Vorsicht Vorsorge
S. 49 – 50:

„Seitdem hat das Vorsorgeprinzip eine in dreifacher Hinsicht problematische Karriere hinter sich. Zum einen hat es inzwischen praktisch zu einer Umkehr der Beweislast geführt: Der Hersteller eines Produktes oder Anwender eines Verfahrens soll deren zweifelsfreie Unschädlichkeit beweisen, was faktisch unmöglich ist. Dieser Nachweis kann noch nicht einmal für ein Fahrrad oder ein Küchenmesser geführt werden. Nichts im Leben ist völlig frei von Gefahren. Der Chef des Umweltbundesamtes, Andreas Troge (CDU), empfiehlt aus Gründen der Vorsicht, »Nichtwissen als gegen uns gerichtet zu betrachten«. Man stelle sich einmal vor, die Menschen der Vergangenheit hätten sich an diese Empfehlung gehalten. Oder denken wir an einen schwer krebskranken Menschen. Diesem wird eine Behandlung angeboten, die mit schweren Nebenwirkungen einhergeht und keine Erfolgsgarantie bietet. Sie ist nur eine Hoffnung. Die Alternative wäre keine Behandlung.

Zum anderen ist die Eingriffsschwelle für das Vorsorgeprinzip ins Bodenlose gesunken: von menschheitsbedrohenden Gefahren hinab zu elektromagnetischen Feldern einer Mobilfunkantenne oder der chemischen Zusammensetzung einer Badeente. Schlussendlich wird das Prinzip vollkommen einseitig angewendet: Es werden nur die Risiken betrachtet, die ein neues Verfahren mit sich bringen könnte. Nicht ins Kalkül gezogen werden hingegen jene Risiken, die durch die Anwendung des Verfahrens künftig ausgeschlossen werden. Jedes neue Medikament hat Risiken und Nebenwirkungen. Es kann aber auch Krankheiten heilen und Menschenleben retten. Beides muss gegeneinander abgewogen werden. Der britische Forscher Juliau Morris schreibt:

Wenn das Vorsichtsprinzip allgemeine Gültigkeit fände, dann erreichte man das Gegenteil des eigentlich Wünschenswerten: eine Zunahme der Risiken und Unsicherheiten, mit denen der Durchschnittsbürger in seinem Alltag konfrontiert ist. Indem es uns daran hindert, neue und sicherere Technologien zu nutzen, reduziert das Vorsichtsprinzip unsere Fähigkeit, auf die bestehenden Risiken angemessen zu reagieren.

(Von der Atomenergie über die Biotechnologie bis hin zur Medizin werden in diesem Buch dafür viele Beispiele beleuchtet.)“

S. 51 – 52:

„Jenseits seiner Anziehungskraft für Technophobe aller Art wächst sich das Vorsorgeprinzip jedoch zu einer „juristischen Bombe“ aus, so der französische Nationalökonom Henri Lepage. Er hält die Konsequenzen für fatal, die aus der Einführung des Vorsorgeprinzips in die allgemeine Rechtsprechung hervorgehen. Die Europäische Kommission hat sämtlichen Mitgliedsstaaten empfohlen, das Prinzip systematisch anzuwenden.

S. 52 – 53:

„Eines der Grundprinzipien des demokratischen Rechtsstaates heißt: Im Zweifel für den Angeklagten. Das Vorsorgeprinzip kehrt die Beweislast um: Im Zweifel gegen den Angeklagten. Und genau da liegt die Bombe begraben. Wer sagt denn, dass das Vorsorgeprinzip lediglich gegen Verfahren oder Produkte angewandt werden kann? Es sind viele Fälle denkbar, in denen es sich gegen Personen richtet, die Grenze ist fließend. Schon heute werden von Gerichten große Regressansprüche zugebilligt, wenn sich beispielsweise der Kunde eines Schnell­restaurants beim ungeschickten Hantieren mit einem Pappbecher mit heißem Kaffee verbrüht. Henri Lepage schreibt: »Wenn zum Beispiel ein kleiner Junge am 14. Juli (französi­scher Nationalfeiertag) Knallfrösche zündet und diese un­glücklicherweise das Bürgermeisteramt in Brand setzen, sollte man dann nicht gleich den unglücklichen Chinesen haftbar machen, der vor Tausenden von Jahren das Pulver erfunden hat?

S. 53:

„Auch der Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer sieht die Gefahr wachsender Willkür des Staates und beklagt entsprechende Tendenzen in der Entwicklung des deutschen Strafrechts. Der Jurist sieht beispielsweise im Umweltstraf­recht »Neukriminalisierungen außerhalb eines Täter-Opfer­-Bereichs« sowie eine »flächendeckende Vorfeldkriminalisie­rung, bevorzugt über abstrakte Gefährdungsdelikte«.

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Beurteilung des Buches:

Ein recht interessantes, wertvolles und auch leicht zu lesendes Buch, das zum Nachdenken anregt, auch weil es mit offiziellen Meinungen und Auffassungen weniger oder gar nicht übereinstimmt.

Obwohl das Buch inzwischen 5 Jahre alt ist, sind die darin beschriebenen Überlegungen aktueller denn je.

Bemerkenswert sind neben vielen anderen Informationen auch die Ausführungen von Dirk Maxeiner und Michael Miersch auf Seite 68 im Kapitel 2. Das Leben ist nicht nachhaltig:

Wer an die Freiheit und den daraus resultierenden Fortschritt glaubt, sollte sich vom grassierenden Nachhaltigkeitsfieber nicht anstecken lassen.

Uwe Halbach, am 20. Juli 2007




Glauben wiegt schwerer als Wissen

Uwe Halbach über unsinnige und teure Missstände bei der Gewährleistung eines guten Gewässerzustandes

Veröffentlicht 2008 in
novo-argumente
Heft Nr. 96, 9-10 (2008)
S. 35-37

Eines der Grundprinzipien des demokratischen Rechtsstaates lautet: Im Zweifel für den Angeklagten.Das Vorsorgeprinzip in seiner heutigen Auslegung kehrt diesen Grundsatz um. Der gut gemeinte und vernünftige Gedanke der Vorsorge ist in ein freiheitsfeindliches Konzept verwandelt worden.“ Maxeiner[1]

Im Falle einer Einleitung von gereinigtem Abwasser in Gewässer muss der Abwasserbeseitigungspflichtige in der Regel Mindestanforderungen einhalten. In Ausnahmefällen werden diese Mindestanforderungen oft aus Besorgnisgründen verschärft, womit die Abwasserbeseitigungskosten überdurchschnittlich steigen.

In zahlreichen Gutachten meines Institutes für Wasserwirtschaft in Werdau (Sachsen), z. T. auch gemeinsam mit dem Institut für Hydrobiologie der TU Dresden durchgeführt, haben wir zeigen können, dass „behördliche Besorgnisse“, die zur Verschärfung der Überwachungswerte führten, nicht plausibel waren.

Es gelang nicht, sie mit den wasserrechtlichen Regulativen, z. B. in Anwendung der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu begründen.

Und dies, obwohl vor einer Verschärfung der Überwachungswerte die Verhältnismäßigkeit der Konsequenzen einer „Besorgnis“ sorgfältig und prüffähig mit wissenschaftlich anerkannten Methoden hergeleitet werden sollte. Anderenfalls wird gegen das gesetzlich vorgeschriebene Sparsamkeitsprinzip verstoßen und das Risiko, dass die betreffende wasserwirtschaftliche Investition den Nutzen nicht erreicht, wird nicht selten in grob fahrlässiger Weise erhöht.

Eine prüffähige Begründung bzw. „Entsorgung“ (Entschärfung) einer Besorgnis ist in vielen Fällen möglich, unterbleibt heute jedoch in aller Regel.

Der Stand der Wissenschaft wird – im Gegensatz zum Stand der Technik – eher kümmerlich erschlossen. Die Verschärfungen der Überwachungswerte beruhen deshalb häufig auf Ansichten, Meinungen und Glauben, anstelle auf der Anwendung und Nutzung fundamentaler ökologischer Zusammenhänge. Und genau dies führt zur Vernichtung volkswirtschaftlicher Ressourcen und darüber hinaus zur Entwertung des Aufwandes für Bildung sowie Lehre.

Vorsorgeprinzip im Wasserrecht

Bei dem Schutz der Gewässer spielt das im Wasserrecht verankerte Vorsorgeprinzip eine herausragende Rolle. Es hat jedoch in seiner ungeprüften, man könnte auch sagen willkürlichen Anwendung schon zu immensen Schaden oder Effektivitätsverlusten geführt. Die Wasserwirtschaft verliert damit wohl täglich an Effektivität.

Das Vorsorgeprinzip greift zumeist vom Bürger völlig unbemerkt, bei zusätzlichen Auflagen für die Reinigung der Abwässer, die mitunter recht fragwürdig sind. Nicht ganz abwegig erscheint die Vermutung, dass es hier Zusammenhänge mit den Interessen und Wünschen der boomenden „Umweltindustrie“ gibt. Die behördliche Vorsorge – bzw. ihr „Grund zur Besorgnis“ findet ihren wesentlichen Ausdruck in der Verschärfung von Überwachungswerten[2].

Die Höhe der Überwachungswerte bestimmt dabei unmittelbar den Aufwand der Abwasserreinigung und damit auch die Höhe der Abwassergebühren und -beiträge.

Verschärfte Überwachungswerte haben deshalb zumeist einen drastischer Anstieg einmaliger und laufender Kosten zu Folge.

Die Behörde hat das Recht Überwachungswerte zu verschärfen, wenn sie Grund zur Sorge hat, dass am oder im Gewässer ein Schaden entstehen könnte. Dabei ist aber auch die Verhältnismäßigkeit der Verschärfung zu beachten, wenn beim Umweltschutz Effekt und Kosten eine Rolle spielen sollen. Soweit die Theorie.

Leider nimmt jedoch die Besorgnis – ohne wissenschaftlichen Nachweis des Grundes im Wasserrecht mittlerweile eine zentrale Stelle ein. Wer erst einmal die Begriffe „Besorgnis“, „Vorsorge“ und „Nachhaltigkeit“ als ideologische Kategorien verstanden hat, kommt bald zu der Ansicht, dass sich im Wasserrecht, unbemerkt von der Öffentlichkeit, Weltanschauungen einer kleinen Gruppe von Menschen zunehmend vergegenständlicht haben.[3] Alle Bürger, auch die „Ungläubigen“, müssen dafür in die Tasche greifen. Das ist der monetäre Unterschied zwischen einer nicht vom Staat getrennten „Ideologie“ und einer vom Staat getrennten Religion. Die erstere kommt allen teuer zu stehen.

Neue Prioritäten bei der Entscheidung

Die Zunahme von irrationalen Kategorien im Wasserrecht ist bedenklich und erstaunlich zugleich. Eine Begriffsrecherche (s. Abb. 1) veranschaulicht dies. [4] Man erkennt, dass die Besorgnis der Bürokraten seit 2001 um 120 Prozent gestiegen ist, während ihre Vorsorge einen Anstieg um stolze 440Prozent zu verzeichnen hat. Das Rennen macht mit einem Anstieg von 550 Prozent die Kategorie der „Nachhaltigkeit“, was allerdings kein Wunder ist, denn die Ausgangsbasisi waren 2001 gerademal 4 Sucherfolge.

Abb. 1: Zunahme ideologischer Kategorien im Wasserrecht [5]

Angesichts des Ausmaßes an „nachhaltiger Besorgnis“ und „Vorsorge“ wird die Vergegenständlichung der Bildung und Lehre bei der Umsetzung des Wasserrechtes in Richtung Nullniveau reduziert. Gestandene „Besorger“ saugen ihr Fachwissen lieber aus trockenen Gesetzestexten, statt die Wirklichkeit – also die Reaktionen und Veränderungen in der Umwelt und die Beschaffenheit der Natur – zu studieren und daraus vernünftige Schlussfolgerungen zu ziehen.

Derlei wissenschaftliche Bildung und ingenieurtechnische Erfahrung sind entwertet worden. Schon ein einziger, auch spekulativer Grund „zur Besorgnis“ wiegt heute schwerer.

In einem Fall nachhaltigen Effektivitätsverlustes wurde bspw. die Notwendigkeit einer sehr aufwendigen zusätzlichen Klärstufe einer Kläranlage auf Plausibilität geprüft. Es wurde gezeigt, dass die Maßnahme tzr Abwehr einer „Besorgnis“ zu immensen Kosten führte. Gleichzeitg wurde offenbar, dass der angestrebte Qualitätszuwachs im Gewässer mit weniger als einem Prozent verwindend gering war.

Die Praxis beweist immer wieder, dass unkontrollierte Besorgnis zwangsläufig zu einer großen Beliebigkeit beim Geldausgeben führt.

Bei Befürchtungen, Wasserqualitäten könnten in Mitleidenschaft gezogen werden, kann man recht leicht zwischen wissenschaftlich realistischen und damit begründbaren Szenarien und wissenschaftlich unrealistische und damit nicht begründbaren Szenarien unterscheiden.

Eine solche rechtzeitige Differenzierung der Besorgnis in realistische und unrealistische Szenarien – unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit (!) des Eintretens unerwünschter Ereignisse – würde erstens die immensen Aufwendungen für die Bildung vergegenständlichen. Zweitens könnten Kommunen und der Staat in mehrfacher Hinsicht sehr viel Geld sparen. Drittens würde niemand aus seiner Verantwortung zur sparsamen Verwendung privater und staatlicher Mittel entlassen.

Momentan ist es so (von Ausnahmen abgesehen), dass der Grund einer Besorgnis völlig ungeprüft in den wasserrechtlichen Einleitungserlaubnissen fixiert wird. In Ämtern, Behörden und Ministerien sind leider immer weniger Realisten anzutreffen, die auf Grund ihrer Ausbildung, ihres Wissens und ihrer Erfahrung davon absehen, spekulative Besorgnisse (oder weltanschauliche Präferenzen) in wasserrechtliche Genehmigungsfragen einzubeziehen. Sie geraten zunehmend unter politischen Druck, obwohl man ihnen gerade den Rücken stärken sollte, weil sie darum bemüht sind, einvernehmliche und unmittelbar an der Gewässerqualität ausgerichtete Entscheidungen zu fällen.

Laienverstöße gegen geltendes Recht

Die „Besorgnis“ als zentrale Entscheidungskategorie greift in dem Maße um sich, wie Gewässer von ökologischen Laien verwaltet werden und ausgebildete Ökologen und Biologen nur noch eine Nebenrolle spielen.

Mitunter haben behördliche Mitarbeiter vor lauter Verwaltungsarbeit keinen Bezug mehr zum Gewässer und zu seinen komplexen Funktionen und Wirkungen. In der Folge werden wasserrechtliche und verwaltungsrechtliche Entscheidungen getroffen, deren ökologischeri Folgen eher spekulativer Natur bzw. reines Wunschdenken sind.

Fast immer auf der Strecke bleibt – wenn Besorgnis eine Rolle spielt – der Effektivitätsgedanke. Wenn die tatsächliche Leistung einer Maßnahme vorher oder nachher nachgeprüft wird, dann zeigt sich in den meisten Fällen eine erschreckend niedrige Effektivität.

Abgesehen von der Verantwortung, die sich hierdurch auf „besorgte“ Mitarbeiter konzentriert, verstößt die mittlerweile gängige Ausgrenzung der betroffenen Bevölkerung bei wasserrechtlichen Entscheidungsprozessen gegen die Festlegungen der EU-WRRL, die von einem anderen Geist geprägt sind.[6]

Ganz so, als können man ein Pferd von hinten satteln, beginnt häufig erst nach einer Verschärfung der Anforderungen bei der Einleitung von gereinigtem Abwasser in Gewässer die aktionistische Suche nach der wirtschaftlichsten Lösung.

Ursachenforschung und Besorgnisdifferenzierung sind an dieser Stelle längst ausgeblendet.

Eine Besorgnis mag unter Umständen dem Grunde nach dann plausibel sein, wenn etwa Giftstoffe oder radioaktive Abwässer von einem Gewässer ferngehalten werden sollen. Aber auch hier gilt das Gesetz der „Dosis“, denn es macht natürlich einen Unterschied, ob man einen Tropfen oder etliche Kubikmeter Eintrag erwartet.

Geradezu abenteuerlich erscheint es überdies, dass im aktuellen Umweltrecht dieser Gesichtspunkt fast vollständig negiert wird – nicht die Frage nach „wie viel“, sondern „ob“ ein Eintrag denkbar ist, steht im Zentrum. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum heute bei den zunehmenden Verschärfungen hinsichtlich der Abwasserinhaltsstoffe (bzw. sogenannter Summenparameter) in Abläufen kommunaler Kläranlagen und bei der Lebensmittelindustrie zumeist der wissenschaftliche Nachweis im konkreten Einzugsgebiet für die Notwendigkeit dieser Verschärfungen fehlt.[7]

Beim praktizierten Gewässerschutz hingegen liegt das Primat bei wasserchemischen Anforderungen. Dies wiederum steht im krassen Widerspruch zu ökologischen Gesichtspunkten und Gesetzen und zu der EU-WRRL, die ein komplexes vielfältiges Betrachten des betroffenen Einzugsgebiets verlangt.

Ökologen, die gegen solche Missbräuche und derartige Unvernunft kämpfen, neigen angesichts dieser immer stärker
ausufernden Missstände immer häufiger zu Polemik, weil sie meinen, damit noch am wirkungsvollsten auf Bildungsmissstände hinweisen können.

Verschärfungsbegründung als Behördenpflicht

Ausgehend von einer ungenügenden Kenntnis der funktionellen und quantitativen Zusammenhänge im Ökosystem eines Einzugsgebiets müssen Aktionen beim Gewässerschutz fast automatisch ihr Ziel verfehlen, weil man nicht weiß, was man tut und was bei der Implementierung einer Maßnahme am Ende tatsächlich herauskommt.

Bevor eine Verschärfung der Überwachungswerte erwogen wird, sollten deshalb die Schutzziele klar und realistisch erarbeitet und ausformuliert werden. Die dazugehörenden Defizite sind ebenfalls zu benennen. Der Nutzen darf dabei nicht nebulös definiert werden. Wenn es etwa um Fragen der möglichen Beeinträchtigung von Gewässertieren geht (wie der Flussperlmuschel), so ist er artenspezifisch zu definieren.

Weiter ist nachzuweisen, dass erstens die Verschärfung der Überwachungswerte hinreichend ist, um zu gewährleisten, dass der gewünschte zusätzliche Nutzen überhaupt eintreten kann. Dieser zusätzliche Nutzen ist zu garantieren. Diese Garantie erfordert wiederum die Einhaltung des kommunalen (und staatlichen) Sparsamkeitsprinzips. Um diesem Prinzip Rechnung zu tragen, sind im Vorfeld alle zusätzlichen Nutzen aus der Verschärfung der Überwachungswerte und der Abwasserreinigung zu ermitteln. Und es gilt nachzuweisen, dass der angestrebte Nutzen in einem akzeptablen Verhältnis zu den Zusatzkosten steht (Nutzwert-Kosten-Analyse). So kann vermieden werden, dass eine Verschärfung der Überwachungswerte eine unverhältnismäßige Kostenexplosion bei einmaligen oder laufenden Aufwendungen verursachen kann (s. Diagramm 1).

Diagramm 1: Veranschaulichung des Zusammenhangs zwischen
einer Steigerung der Reinigungsleistung und der Kostenexplosion

Die heute verbreitete „beliebige Besorgnis“ bei der Verschärfung von Überwachungswerten sollte also durch eine nachvollziehbare, prüffähige und ganzheitliche Bewertung des konkreten Einzugsgebiets unter Einbeziehung der betroffenen Bürger gemäß den Regulativen der EU-Wasserrahmenrichtlinie ersetzt werden.

Konkret heißt dies, dass im Falle einer geplanten Verschärfung des Überwachungswerts Phosphor nachgewiesen werden sollte, welche Phosphorfracht aus welchen Quellen im Einzugsgebiet stammt, wie groß die Gesamtfracht ist und welchen Einfluss eine Verschärfung des sogenannten Pges.-Überwachungswerts auf diese Gesamtfracht hat – und ob dieser Einfluss überhaupt hinreichend ist, um eine bestimmte gewünschte hydrobiologische Gewässergüte zu gewährleisten. Und schließlich sollte wenigstens die „hydromorphologische Güteklasse“ höher als drei sein, denn die Fische wollen es „wohnlich“ haben.

Auch die Wassermenge ist nicht zu vergessen, denn Fische brauchen nicht nur einen guten wasserchemischen Zustand, sondern auch genug Wasser zum Schwimmen. Der Aufwand für solche interdisziplinäre Untersuchungen bei ganzheitlicher Betrachtung von Einzugsgebieten ist unter dem Strich vernachlässigbar, wenn man andernfalls unnötig entstehende Kosten gegenübergestellt.

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Der Autor

Uwe Halbach ist Inhaber des Instituts für Wasserwirtschaft Halbach in Werdau (Sachsen) sowie öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Abwasserbeseitigung.

(Kontaktangaben:

Uwe Halbach
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Werdau, Tel. 03761/5266
box AT institut-halbach.de
www.institut-halbach.de)


Anmerkungen

[1] Maxeiner; D., Miersch, M., Die Zukunft und ihre Feinde, Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen,
Eichenborn AG 2002

[2] Überwachungswerte sind Grenzwerte von Abwasserinhaltstoffe, die im gereinigten Abwasser bei Gewässereinleitung nicht überschritten dürfen.

[3] Hierzu haben Maxeimer & Miersch zahlreiche Beiträge verfasst. Nicht zuletzt sei auch Gärtner genannt,
(Gärtner, Edgar L., Öko-Nihilismus, Eine Kritik der Politischen Ökologie, TvR Medienverlag Jena, 2007)

[4] In wie weit die Einflüsse der Ideologie nur ein Mittel zum Zweck sind (vergleiche Hanna Thiel) , wäre zu prüfen. Bristow notiert hier in einem ähnlichem Zusammenhang: „Wir brauchen eine neue Umweltbewegung mit neuen Zielen und neuen Organisationen“, fordert Crichton. Tatsächlich benötigen wir neue Politik mit mehr Menschen, die bereit sind, unbequeme Fragen zu stellen und Debatten zu entfachen, wo ein Konsens fest etabliert zu sein scheint.“ (Bristow, J., Welt in Angst, Michael Crichtons neuer Reißer stellt einige richtige Fragen, schießt aber aufs falsche Ziel, NOVO 76, S. 43)

[5] Suchbegriffe gefunden im WEKA-Wasserrecht: „Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis“,
Januar 2001 und April 2008, WEKA MEDIA GmbH & Co. KG Römerstr. 4, 86438 Kissing

[6] Ganz zu schweigen davon, dass es zwischen der behördlichen Besorgnis, der Arbeitsplatzsicherheit in der Bürokratie und in der
Umweltindustrie unmittelbare und z. T. ebenso Gründe zur Besorgnis gibt, wie auch Thiele recherchierte (Thiele, H. Die
deformierte Gesellschaft, Hanna Thiele über den Aufstieg der Umweltbürokraten, NOVO 85 – November Dezember 2006, S. 20 – 24, auch im Internet unter: http://www.novo-magazin.de/85/novo8520.htm).

[7] Hierzu zählen der chemische Sauerstoffbedarf (CSB), der allein keinen Beweis einer Gewässerschädigung erlaubt, der biologische Sauerstoffbedarf (BSB5), Ammonium, Gesamtstickstoff und Phosphor.

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Verhältnismäßigkeit bei Gewässerschutz

In den Verordnungen und Regeln zum Gewässerschutz wird der Verhältnismäßigkeit schon eine gewisse Bedeutung eingeräumt:

und u. a. Urteil des VG Schleswig, 15.12.1998

„Der verfassungsrechtliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit (Übermaßverbot) kann in atypischen Ausnahmefällen die Verwertung extrem hoher Werte ausschließen (Berendes, a.a.O., S. 98 unten)….

Das Gebot der Verhältnismäßigkeit hat seine Grundlage in dem in Art. 20 GG normierten Rechtsstaatsprinzip. Es ist ein übergreifender rechtsstaatlicher Leitsatz allen staatlichen Handelns mit Verfassungsrang.

Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten.

Insbesondere das Übermaßverbot erfordert ein vernünftiges Verhältnis zwischen Anlaß, Zweck und Ausmaß der Regelung.

Bei der Gesamtabwägung zwischen der Schwere des Eingriffs und dem Gewicht und der Dringlichkeit der ihn rechtfertigenden Gründe muß die Grenze der Zumutbarkeit noch gewahrt sein (ständige Rechtsprechung, z.B. BVerfGE 30, 292, 316).

Das erforderliche Mittel darf nicht außer Verhältnis zum erstrebten Ziele stehen. In solchen Fällen muß die sonst gebotene Zweckerfüllung angesichts der übermäßig belastenden Wirkung des Mittels unterbleiben (BVerwGE 30, 316).

Das Übermaßverbot ist ein verwaltungsgerichtlich voll nachprüfbarer Rechtsbegriff. „

Quelle: VG Schleswig, Aktenzeichen 6 B 93/98, 15.12.1998 aus  WEKA – Wasserrecht, Dr. Heinz Staudigl

Das Problem

Das Problem besteht nun darin, dass in der täglichen Praxis das Verhältnismäßigkeitsprinzip eher selten beachtet wird, wie die  in letzter Zeit besonders gehäufte Verschärfung der Überwachungswerte – ohne Nachweis der Verhältnismäßigkeit – in manchen Bundesländern beweist.

Während die Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen fleißig mitunter sogar mit den falschen Voraussetzungen:

  • der Kalkulator verfügt über sichere Erwartungen und kann die Zukunft vorhersagen und
  • die betrachteten Varianten weisen den gleichen Nutzen und gleiche Risiken auf

angewendet werden und natürlich – wegen falscher Methode – zu falschen und riskanten Ergebnissen führen, sind die Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips der Exekutive zumeist völlig unbekannt.

In der Praxis wird die Besorgnis mit dem Bauch gemessen, was noch angehen mag, wenn der Bauch eine besondere Sachkunde nachweisen kann. Das ist aber eher weniger der Fall.

In den Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips wird zwingend die Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsprinzips gefordert.

Die wasserwirtschaftliche Umsetzung des Verhältnismäßigkeitsprinzips erfordert z. B. den Nachweis des tierartkonkreten Nutzens.

Die in der Exekutive übliche abstrakte Nutzensbewertung (wie z. B. gute und schlechte Zustände) ist unwissenschaftlich und für die Nutzensbewertung wegen der Beliebigkeit nicht geeignet.

Im Falle einer Verschärfung der Überwachungswerte hat die Behörde nachzuweisen, wenn sie Wert auf anspruchsvolle, nachvollziehbare und prüffähige wasserrechtliche Erlaubnisse legen sollte, dass

  • erstens der zusätzliche Nutzen durch die Verschärfung eintritt und dass
  • zweitens die zusätzlichen Kosten aus der Überwachungswertverschärfung sich verhältnismäßig zum zusätzlichen Nutzen verhalten.

Während Wirtschaftlichkeitsnachweise einer Investition im Rahmen von Studien und Vorplanungen zu einem großen Effekt führen, sind aber die aller größten Effektivitätsreserven im Prozess der wasserrechtlichen Erlaubnis zu erschließen. Derartige Effektivitätsnachweise im Rahmen der wasserrechtlichen Erlaubnis sind Ausnahmen. Beispielhafte Ausnahmen  sind die nachvollziehbaren Untersuchungen des Wasserwirtschaftsamtes Hof zum Schutze der Flussperlmuschel. Derartige Ziele sind konkret, nachvollziehbar, prüffähig, es liegt ein konkreter Nutzen vor und mit den Zielen und Auflagen kann sich der Bürger und der Experte identifizieren.

Sehr viele Behörden beschränken sich dagegen in ihren Begründungen der wasserrechtlichen Erlaubnisse auf simple Dreisatzrechnungen der wasserchemischen Güte, ohne hydromorphologische Gütebewertung und ohne Berücksichtigung und Bewertung von nicht beeinflussbaren Nährstofffrachten aus Niederschlag und Landwirtschaft. Der Schwerpunkt derartiger Begründungen liegt auf abstrakten Ausführungen, dass etwas gut zu machen, also dass der gute Gewässerzustand nach der EU-WRRL einzuhalten sei, usw..

Auf der Grundlage mancher fragwürdiger Gewässerzustandsbewertung und Zustandsprognose der Exekutive, die sich mitunter vom Stand der Wissenschaft und von den Tatsachen weit entfernt, ist schlecht einzusehen, warum Abwasserbeseitigungspflichtige unter allen Umständen den Stand der Technik bei der Abwasserreinigung einzuhalten haben, ohne das die Verhältnismäßigkeit – die ja gesetzliches Merkmal des Standes der Technik ist – nachgewiesen wurde.

Neben der Einbindung ökologischer und hydrobiologischer Kompetenzen sind anspruchsvolle Investitionsrechnungen und Nutzensbewertungen im Rahmen des Prozesses der wasserrechtlichen Erlaubnis erforderlich, wenn die Effektivität wasserwirtschaftlicher Maßnahmen künftig verbessert werden soll.

Momentan fehlt aber den Behörden für derartige Untersuchungen in der Regel das Geld. Es gibt mehrere Fälle, in denen die Abwasserbeseitigungspflichtigen derartige Untersuchungen bezahlten.

Am Ende passten die Ergebnisse aber nicht in die Vorstellung von der Natur und wurden ignoriert.

r verfassungsrechtliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit (Übermaßverbot) kann in atypischen Ausnahmefällen die Verwertung extrem hoher Werte ausschließen (Berendes, a.a.O., S. 98 unten).
Das Gebot der Verhältnismäßigkeit hat seine Grundlage in dem in Art. 20 GG normierten Rechtsstaatsprinzip. Es ist ein übergreifender rechtsstaatlicher Leitsatz allen staatlichen Handelns mit Verfassungsrang. Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten. Insbesondere das Übermaßverbot erfordert ein vernünftiges Verhältnis zwischen Anlaß, Zweck und Ausmaß der Regelung. Bei der Gesamtabwägung zwischen der Schwere des Eingriffs und dem Gewicht und der Dringlichkeit der ihn rechtfertigenden Gründe muß die Grenze der Zumutbarkeit noch gewahrt sein (ständige Rechtsprechung, z.B. BVerfGE 30, 292, 316). Das erforderliche Mittel darf nicht außer Verhältnis zum erstrebten Ziele stehen. In solchen Fällen muß die sonst gebotene Zweckerfüllung angesichts der übermäßig belastenden Wirkung des Mittels unterbleiben (BVerwGE 30, 316).
Das Übermaßverbot ist ein verwaltungsgerichtlich voll nachprüfbarer Rechtsbegriff. Die Anwendung des Verfassungsgrundsatzes der Verhältnismäßigkeit verbietet hier eine Einbeziehung des P-Wertes von 510 mg/l in die Berechnung der bezeichneten Abwasserabgabe für das Veranlagungsjahr 1997.
Quelle: WEKA – Wasserrecht




Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen?!

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?

„Was wäre, wenn die Abwasserabgabe für Stickstoff und der Überwachungswert für Gesamtstickstoff aufgehoben werden würde und wenn es dafür nur einen Überwachungswert für Ammonium gäbe?

Dann ist zunächst festzustellen, dass wir eine ganze Menge falsch gemacht haben. Wissenschaft und Technik wurden falsch orientiert. Ein Mangel ist, dass bestimmte Verfahren nicht in dem Maße weiterentwickelt wurden, wie es notwendig gewesen wäre. Die Verbesserung der Zweckmäßigkeit z. B. des Tropfkörperverfahrens bei gleichzeitiger Senkung der Jahreskosten stagniert über 10 Jahre. Es wurden falsche Schwerpunkte gesetzt. Mancher wasserwirtschaftliche Rahmenplan und manches Abwasserzielkonzept ist teilweise unzweckmäßig oder sogar in Teilen falsch. Mancher Kläranlagenablauf wurde z. B. um Seen herumgeleitet, obwohl er im See zu einem großen Gewässernutzen führen würde. Die Kosten für die Umleitung sind gesetzlich sanktionierte Fehlinvestitionen. Privates und staatliches Eigentum wurde teilweise unzweckmäßig und für einige Gewässer schädlich verwandt.

Wenn Belebtschlammkläranlagen nicht mehr denitrifizieren brauchen, dann ergeben sich auch bei diesen Verfahren völlig neue Aspekte, die zu untersuchen sind.

Außerdem würde es sehr zweckmäßig sein, energiesparende Tropfkörperverfahren besonders zu fördern, weil diese neben dem Gewässerschutz außerdem noch durch ihren sehr geringen Energieverbrauch eine besonders günstige Wirkung auf das Klima haben (Treibhausgas CO2, siehe Abschnitt „Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend“ ab Seite 205).

Viele Kläranlagen sind Belebtschlammkläranlagen und viele davon haben eine Denitrifikationsstufe. Können wir diese Anlagenstufe einfach abschalten? Das ist ohne weiteres nicht möglich, weil für die sichere Funktion des Belebungsverfahrens die Denitrifikation notwendig ist. Beim Belebtschlammverfahren kommt es sonst zu Störungen und Kläranlagenausfällen durch eine sog. „wilde Denitrifikation“ in der Nachklärung.

Das ist aber kein Grund für die Berechtigung der Denitrifikation in der Perspektive oder bei künftigen Neubauten. Im Ergebnis der garantiert weiter steigenden Energiepreise und der Notwendigkeit zu drastischen Energiesparmaßnahmen, im Hinblick auf den Klimaschutz, wird die Perspektive des Belebungsverfahrens fragwürdiger (vergleiche Abschnitt 22.7.2). Hier kommt es darauf an, Leistungen der Wissenschaft für die Entwicklung oder Weiterentwicklung besonders energiesparender Abwasserbehandlungsverfahren zu fordern und zu fördern.

In den folgenden 2 Kapiteln werden anhand von Annahmen die Vorteile schätzungsweise bewertet. Zunächst wird im folgenden Abschnitt analysiert, welche Vorteile eine teilweise Neuorientierung, z. B. zu Tropfkörperkläranlagen möglicherweise hätte. Tropfkörperkläranlagen sind nämlich Kläranlagen, die besonders niedrige Energiekosten aufweisen.

Ein niedriger Energieverbrauch belastet unser Klima in geringerem Maße, weil mittelbar weniger CO2 bei der Energieerzeugung entsteht. Mit diesem Problemkreis befasst sich der Abschnitt „Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend“, Seite 205.

Insgesamt wird in den zwei Kapiteln deutlich, dass Tropfkörperverfahren doch zu erheblich niedrigeren Energiekosten führen. Dies sollte hinsichtlich der zu erwartenden Energiepreissteigerungen und in Vorsorge des Klimaschutzes neu bewertet werden. Insbesondere ist zu berücksichtigen, dass bei dem Tropfkörperverfahren oder einem energetisch vergleichbaren Verfahren für die Umwelt ein dreifach nützlicher Effekt entsteht:

  1. Reinigung des Abwassers
  2. Produktion von Nitrat, sofern sich dies im betreffenden Fall als gewässernützlich herausstellt
  3. selten umweltfreundliches Abwasserreinigungsverfahren (Klimaschutz)

Diese Feststellungen mögen wenig erfreulich sein. Mit jedem Tag aber, den wir ab jetzt länger brauchen, um diese Widersprüche zu lösen, schaden wir der Umwelt und uns selbst.

22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?

Im Folgenden wird ein Teil des Schadens kalkuliert, der durch unzweckmäßige Abwasserbehandlungsverfahren entstanden ist oder solange entstehen wird, wie eine Stickstoffeliminierung gesetzliche Vorschrift ist.

In der Regel muss die Abwasserbehandlung nach dem Belebtschlammverfahren vorgenommen werden, weil dieses Verfahren vorzugsweise für die gesetzlich vorgeschriebene Denitrifikation geeignet ist. Verfahren, die nur nitrifizieren, also Nitrat produzieren, dass dem Gewässer als zusätzliche Sauerstoffquelle dienen könnte, sind, bis auf Ausnahmen,
(£ 10.000 EW) verboten. Dazu zählt z. B. das Tropfkörperverfahren. Tropfkörperverfahren durften etwa bis 1989 in großen Kläranlagen uneingeschränkt betrieben werden.

Mit der Einführung eines Überwachungswertes für den Gesamtstickstoff, würden alle Kläranlageneigentümer, welche Kläranlagen ab der Größenklasse 4 (> 10.000 EW) betreiben, gezwungen, den Stickstoff zu Nitrat zu oxidieren und in der Denitrifikation biologisch zu entfernen. Mit dieser Gesetzesänderung wird also die Nutzung besonders umweltfreundlicher Verfahren, die nur nitrifizieren, auf kleine Kläranlagen beschränkt. Hierbei handelt es sich insbesondere um Verfahren, die mit festsitzenden Mikroorganismen arbeiten (Tropfkörperverfahren, Scheibentauchkörperverfahren…). Diese Verfahrensgruppe hat neben dem Vorteil einer Nitratproduktion für die Abwasserreinigung auch den Vorteil, dass sie mit einem Minimum an Elektroenergie auskommt, die vergleichsweise für das weitverbreitete Belebtschlammverfahren erforderlich wäre.

Wenn Deutschland jährlich 1 Terawattstunde[1] Energie sparen will, dann müssen etwa 70 % der Bevölkerung an moderne energiesparende Kläranlagen angeschlossen werden bzw. die Anlagen müssten umgebaut werden (Tabelle 33[2]).

Das Belebungsverfahren wäre auf Ausnahmen zu beschränken!

Tabelle 33: Mögliche Energieeinsparung

Der Tabelle 34 ist eine Gegenüberstellung der Energiekosten für den biologischen Reinigungsprozess (einschließlich der erforderlichen Rückführungen) beim Belebtschlammverfahren und der Energiekosten beim Tropfkörperverfahren zu entnehmen.

Das Abschalten der Denitrifikation ohne Abschaffung des Belebtschlammverfahrens führt zwar zur Bereitstellung von Sauerstoff aus dem Nitrat für das Gewässer, gleichzeitig steigt aber der Energieverbrauch der betreffenden Belebtschlammkläranlagen um etwa
2…2,5 %. Zu berücksichtigen ist, dass die Denitrifikation nicht ohne weiteres außer Betrieb genommen werden kann. Es kann dann zum Zusammenbruch der Nachklärung und zum Ausfall der Gesamtanlage kommen.

Nach Tabelle 34 würden im Falle einer Gesetzesänderung und bei Eintreten der getroffenen Annahmen jährlich Energiekosten in Höhe von 2,4 €/Einwohner gespart werden.

Tabelle 34: Technologieabhängige Energiekosten bei der Abwasserbehandlung

Die Tabelle 35 veranschaulicht die mögliche Energiekosteneinsparung in Abhängigkeit des Umfanges des Kläranlagenumbaus. Es wurden verschiedene Fälle analysiert. Für sehr große Kläranlagen wird die energiekostensparende Alternative möglicherweise weniger infrage kommen. Kläranlagen bis 100.000 EW wären aber auf jeden Fall umrüstbar.

Letztlich wäre die Umstellung auch davon abhängig, wie schnell die Energiekosten steigen und welche neuen Prämissen dann in der Umweltpolitik gesetzt werden[3].

Tabelle 35: Fallunterscheidung zur Energieeinsparung bei Gesetzesänderung

Der Effekt bei Abschaffung der Denitrifikationspflicht wäre so gewaltig, dass schätzungsweise jährlich 600…1.000 GWh[4] an Elektroenergie eingespart werden können – je nachdem wie umfänglich die Kläranlagen umgebaut werden könnten.

Der Effekt bei Abschaffung der Denitrifikationspflicht wäre so gewaltig, dass schätzungsweise jährlich 600…1.000 GWh[4] an Elektroenergie eingespart werden können – je nachdem wie umfänglich die Kläranlagen umgebaut werden könnten.

Es ist natürlich klar, dass die Umstellung Geld kostet. Wenn aber unsere in Deutschland brachliegenden Reserven durch die Politik, Wissenschaft und Technik erschlossen werden, dann werden wir auch Geld für die Errichtung energiesparender Kläranlagen haben, egal welches Verfahren es sein wird.

Wer Magnetschwebebahnen bauen kann und sich als Staat manches teure unnütze Ding oder Vergnügen leistet, der sollte auch Geld für eine bessere Klärtechnik haben, denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Allerdings braucht man für solche Umsetzungen etwas „Abwasserfrieden“ im Land und vielleicht hilft dieses Buch dabei manches in einem anderen Licht zu sehen.

Grundsätzlich ist die Motivation des Deutschen beim Gewässerschutz Weltspitze. Er will nur nicht von denen – die ihm beim Gewässer schützen „helfen“ – am Ende „verkauft“ und verraten werden. Und genau hier liegt unser eigentliches Problem.“

22.7.2  Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

Energiekostensenkung oder die Unterbrechung des Phosphorkreislaufes durch Verzicht der Denitrifikation ist nur ein Teilerfolg. Nachhaltiger Gewässerschutz erfordert die Einbeziehung der Anforderungen des Klimaschutzes, denn jede bei der Abwasserreinigung nicht verbrauchte Kilowattstunde an elektrischer Arbeit reduziert die Emission des Treibhausgases um gut 300 l CO2.

Allein bei einem 50 %-igen entsprechenden Umbau aller Belebtschlammkläranlagen würde der jährliche CO2-Ausstoß um 231.000.000 m³ sinken.

Dies würde – um es zu veranschaulichen – dem gleichzeitigen Betrieb von 378 Windkrafträdern (WKR) entsprechen, wenn eine Erzeugung von 2 GWh/aWKR zu Grunde gelegt wird (Tabelle 36). D. h. 378 Windkrafträder müssen gebaut, gefördert und betrieben werden, um den eigentlich unnötigen Energiemehrverbrauch des Belebungsverfahrens – verglichen mit dem weitaus niedrigeren Energiebedarf einer Abwasserbehandlung, z. B. mit dem Tropfkörperverfahren – abzusichern.

Tabelle 36: Zusammenhang zwischen Energieeinsparung und Leistung der WKR


[1] 1 Terawattstunde sind 1.000.000.000 kWh. In kWh oder Ws wird die elektrische Arbeit gemessen. 1 kWh bringt eine 100 W-Glühbirne 10 Stunden lang zum Leuchten.

[2] Die Kalkulation ist im Einzelnen dem Internet zu entnehmen: http://www.institut-halbach.de.

[3] Die Bauindustrie würde diesen „fortschrittlichen Rückschritt“ möglicherweise begrüßen.

[4] 1 Gigawattstunde = 1.000.000 kWh


Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3




Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22.5  Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung

Stickstoffminimierung – von Trinkwassereinzugsgebieten abgesehen – ist dann sinnvoll, wenn damit die Eutrophierung verhindert werden kann. Zur Verhinderung der Eutrophierung müssen die Stickstoffeinträge in die Gewässer soweit minimiert werden, dass ein kritisches Nährstoffverhältnis N : P unterschritten wird. Sowie ein Nährstoff limitiert ist, sind keine Algen-Massenentwicklungen mehr möglich.

Da aber bereits Spuren von Phosphat eine Algenblüte verursachen können, ist – von Ausnahmen abgesehen – in deutschen Gewässern immer das Phosphat der limitierende Faktor.

Nach UHLMANN [33] sind bereits bei einer Phosphorkonzentration im Gewässer von 0,05 mg P/l ausdauernde Massenentwicklungen von Planktonalgen zu erwarten. Teilweise liegt die kritische Konzentration bei 0,005 mg P/l[1] sogar noch darunter.

Etwa eine 16-fach [Q1] höhere Konzentration von Stickstoff[2] – 0,8 mg N/l bei 0,05 mg P/l – ist dagegen ausreichend, um das Leben einer „durchschnittlichen“ Alge zu gewährleisten.

Bei den Stickstoffeinträgen handelt es sich also um sehr erhebliche Größenordnungen, teils auch aus sog. diffusen[3] Quellen. Das führt insgesamt dazu, dass in sehr vielen Gewässern die notwendige Konzentration von Stickstoff für eine Eutrophierung erreicht wird, unabhängig davon, ob deutsche Kläranlagen nun denitrifizieren oder nicht. Es ist demzufolge allein aus diesem Grund viel zweckmäßiger, weil wirkungsvoller, sich auf die Phosphorreduzierung zu konzentrieren, anstelle Stickstoff zu eliminieren, weil diese Praxis einem „Fass ohne Boden“ gleicht.

1987 wurde der Stickstoffeintrag in deutsche Gewässer in einer Größenordnung von 688,2 ktN/a geschätzt. 35 % (241 ktN/a) davon waren diffuse (schwer beeinflussbare) Einträge (Diagramm 56). Dabei ist Diagramm 56 zu entnehmen, dass 42 % der Einträge kaum beeinflussbar sind.

Diagramm 56: Diffuse Stickstoffeinträge in Gewässer nach [31]

 

Eine Auswertung der späteren Bezugsjahre 1995/1998 führte zu dem Ergebnis, dass der Eintrag in die Oberflächengewässer in einer Größenordnung von 584 ktN/a [32] anzusetzen ist, wobei es offensichtlich gelang, den Stickstoffeintrag aus der Abwasserbeseitigung von 352,6 ktN/a auf 155 ktN/a um 56 % zu reduzieren. Im Verhältnis zu den Gesamteinträgen von 584 ktN/a werden aber immer noch 73 % von anderen Quellen verursacht.

Röske schreibt:

Auf Grund der sehr guten Wasserlöslichkeit des Nitrats sind die NO3-Verluste aus landwirtschaftlichen Nutzflächen weitaus größer, als die von gelöstem Phosphat, obwohl in Gebieten mit hohem Viehbestand auch diese nicht vernachlässigbar sind.

Röske: „Immerhin ergeben sich im Wasserkörper von Talsperren des Erzgebirges N/P-Relationen von teilweise mehr als 1000 : 1 (Uhlmann und Paul 1994). Dies ist eine Erhöhung des N-Angebotes gegenüber dem durch den P-Gehalt der Biomasse gesetzten N-Bedarf um den Faktor 63. Selbst wenn die Phytoplankter[4] Phosphor speichern, was häufig der Fall ist, entspricht das „Überangebot“ an Stickstoff dann noch immer einer Zehnerpotenz. In einigen Talsperren Thüringens und Sachsens wurde zeitweise sogar der Nitrat-Grenzwert für Trinkwasser überschritten.“

Diese Ausführungen lassen bei weiterer Überlegung Fragen an der Effektivität der betreffenden Gewässerschutzmaßnahmen entstehen. In solchen und in vergleichbaren Fällen ist eine Zielvorgabe von Stickstoff als Minimumfaktor unrealistisch.

Es ist seit Jahrzehnten bekannt, dass eine Unterschreitung der kritischen Minimalkonzentration nach dem Liebigschen Minimumgesetz beim Stickstoff nur in ganz seltenen Fällen erreicht werden kann. Stickstoff gibt es in fast jedem Gewässer in Mitteleuropa im Überfluss und dort wo er fehlen könnte, wird er durch mikrobielle Prozesse (N2-Bindung) oder aus der Atmosphäre in die Gewässer eingetragen.

Die meisten Gewässer in Deutschland weisen einen Stickstoffüberschuss auf. Dieser Überschuss ist aufgrund der vielfältigen und sehr umfangreichen Eintragsquellen wasserwirtschaftlich nicht mehr hinreichend zu minimieren.

Abschließend wird zu diesem Kapitel festgestellt, dass in vielen Fällen eine Stickstoffelimination für die Gewässer dem „Fass ohne Boden“ entspricht.

Entwässert aber die betreffende Kläranlage in ein Trinkwassereinzugsgebiet, dann ist auf jeden Fall eine Denitrifikation für die Kläranlage vorzusehen.


[1] Mit einer üblichen Phosphorelimination sind Kläranlagen in der Lage im Anlagenablauf im Mittel 1 mg P/l zu gewährleisten.

[2] (P : N = 1 : 16)

[3] d. h. nicht punktförmig oder nur schwer beeinflussbar

[4] nach Uhlmann  [58] Plankton = Gesamtheit der pflanzlichen und tierischen Kleinlebewesen in der Freiwasserzone; Zu den
Phytoplanktern gehören vor allem Kieselalgen, Cyanobakterien (Blaualgen), Grünalgen und Geißelalgen.

[Q1]In Glucose sind enthalten 16 N und 1 P Atomgewicht 31 und 14 bzw. 31 und 224 bzw. 1: 7,2 = P : N


Literatur:

[31] Stickstoff und Phosphor in den Fließgewässern
Arbeitsbericht des ATV-Fachausschusses 2.1 „Grundsätze der Abwasserreinigung hinsichtlich der Einleitung in Gewässer und deren Nutzung“
Korrespondenz Abwasser 1987, Heft 11

[32] Stickstoffbilanz in Deutschland
Bezugsjahre 1995 – 1998
Arbeitsbericht des ATV-DVWK Fachausschusses AK-9 „Stoffflüsse“ 2.1 „Grundsätze der Abwasserreinigung hinsichtlich der Einleitung in Gewässer und deren Nutzung“
Korrespondenz Abwasser 2001 (48), Nr. 11

[33] Uhlmann, D.
Hydrobiologie – Ein Grundriß für Ingenieure und Naturwissenschaftler
1. Auflage
VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1975

[34] Besch, W.-K.; u. a.
Limnologie für die Praxis – Grundlagen des Gewässerschutzes
3. Auflage
ecomed Fachverlag, Landberg, 1984

[35] Röske, I; Uhlmann, D.
Die Nährstoffelimination bei der Behandlung häuslicher Abwässer aus der Sicht der Wasserbeschaffenheit
Wasserkalender 2000, 34. Jahrgang
Erich-Schmidt-Verlag, 2000

Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3




Widersprüche beim Gewässerschutz

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22. Widersprüche beim Gewässerschutz

Seit vielen Jahren gibt es beachtliche Widersprüche beim Gewässerschutz. Diese Widersprüche betreffen jedoch nur einen Teil unserer Maßnahmen zur Reinhaltung des Gewässers und sind nicht allen Experten bekannt. Diese Problematik ist der Allgemeinheit weniger zugänglich, weil zum Verständnis ein wenig Grundlagenwissen der Hydrobiologie[1] notwendig ist. Trotz der mitunter etwas komplizierten Materie wird es aber sicherlich dem interessierten Leser gelingen, die betreffenden Widersprüche nachzuvollziehen.

In diesem Kapitel wird zunächst ansatzweise der Phosphorkreislauf vorgestellt und dabei aufgezeigt, dass einmal in einen See gelangter Phosphor im Jahreszyklus in dem Gewässer kreist und teilweise auch zweimal im Jahr gewässerschädlich wirkt. In weiteren Schritten wird festgestellt, dass Nitrat diesen schädlichen Kreislauf ganz oder teilweise zu unterbrechen vermag. Das ist für den interessierten Leser schon eine fundamentale neue Erkenntnis, da bislang die Allgemeinheit, viele Ingenieure, insbesondere die Umweltpolitiker und der Gesetzgeber davon ausgehen, dass Nitrat grundsätzlich schädlich ist. Vielmehr ist es so, dass es nicht nur nicht schädlich ist, sondern in vielen Fällen ist sogar die Anwesenheit von Nitrat für das Gewässer sehr nützlich!

Nitrat – so wird im Folgenden bewiesen – ist grundsätzlich kein Schadstoff.

(Beabsichtigt der Gesetzgeber diesen Widerspruch zu lösen, so muss er die Abwasserverordnung und das Abwasserabgabengesetz ändern.)

Interessant dürfte in diesem Zusammenhang sein, dass selbst die Wattwürmer bei Anwesenheit von Nitrat in der Nordsee einige Vorteile von diesem vermeintlichen Gewässerschadstoff haben. Außerdem beeinträchtigt die Anwesenheit von Nitrat die Bildung der berüchtigten schwarzen Flecken im Watt. Weiteres zu den Ausnahmen und Regeln sind den Unterabschnitten zu entnehmen.

In diesem Kapitel wird außerdem auf die oft für das Gewässer nachteilige Denitrifikation in deutschen Kläranlagen und auf die Alternativen zum Belebtschlammverfahren eingegangen. Gelänge es energiesparende Kläranlagen, wie beispielsweise das Tropfkörperverfahren verstärkt wieder einzuführen, so würde es zu einem beachtlichen Synergieeffekt zwischen dem Gewässer- und dem Klimaschutz kommen.

Den ganzen umweltökonomischen und -technischen Komplex – der sich mit der Akzeptanz des eigentlich alten, aber nicht beachteten Grundlagenwissens der Wasserwirtschaft erschließt – kann das vorliegende Werk nur ansatzweise aufzeigen und keineswegs komplett darstellen. Auf jeden Fall werden sich in der Aufarbeitung beträchtliche Reserven für einen wirklich nachhaltigen Gewässerschutz aufzeigen.

Insofern sollten auch die wasserwirtschaftlichen Vorhaben, insbesondere jene, die auf eine Stickstoffeliminierung zielen, schnell (um Kosten zu sparen und um Gewässerschaden zu vermeiden) auf den Prüfstand gestellt werden und von Hydrobiologen unter Berücksichtigung der positiven Wirkungen des Nitrates auf die betreffenden Gewässer untersucht werden.

Die in der Vergangenheit oft praktizierte kostenaufwendige Fernhaltung von gereinigtem nitratreichem Abwasser aus manchen unserer Seen ist dann falsch, wenn mit dem Nitrat aus dem Abwasser der Phosphorkreislauf im Gewässer unterbrochen werden kann. Das betrifft natürlich auch die Flutung ehemaliger Seen über phosphatreichem Sediment.

Dieser spezielle Gewässerschutz sollte künftig verstärkt in die Hände erfahrener Hydrobiologen gelegt werden. Gesetzlich lassen sich die von Gewässer zu Gewässer unterschiedlichen Anforderungen nämlich nicht regulieren, weil Gewässer Organismen sind, die sich unseren dogmatischen Regulativen und teils naiven Vorstellungen nie unterwerfen werden. Die dogmatische Bewertung des Gewässers nach der Abwasserverordnung und dem Abwasserabgabengesetz ist in aller Regel für das Gewässer schädlich, wenn es um die Entfernung von Nitrat[2] geht. Das Denkmuster gemäß der gesetzlichen Entscheidung zur Stickstoffeliminierung in Kläranlagen:

„Keine Nährstoffe im Kläranlagenablauf, also auch keine Eutrophierung von Gewässern!?“

war schon immer falsch. Hier scheint es ein Defizit von Grundlagenwissen in der Wasserwirtschaft zu geben oder es handelt sich schlicht und einfach nur um Ignoranz. Das mag aber der Leser bewerten.


[1] kritische Durchsicht von Herrn Prof. Dr. D. Uhlmann, Dresden

[2] Ausnahme – Trinkwassereinzugsgebiete


Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3




Sichere Denitrifikation in Teichkläranlagen

Teichkläranlage mit verschärften Überwachungswerten

Seit 1994 wird in Nordheim an der Rhön eine zielgerichtete Denitrifikation in einer Mischwasserteichkläranlage für 9.000 EW von dem Abwasserzweckverband Obere Streu betrieben.

Der aktuelle Ablaufwert beträgt 15 mg Gesamtstickstoff.

Die Anlage besteht u. a.:

  • 2 künstlich belüftete Teiche parallel geschaltet, zur Entschlammung wird ein Becken stillgelegt.
  • 2 Nachklärteiche leicht belüftet
  • Scheibentauchkörper zur Nitrifikation
  • 2 Rezirkulationpumpen  zu je 25 l/s; im Hochsommer laufen 2 Pumpen
  • Rezirkulation in den Zulauf
  • 1 Schönungsteich

Siehe auch pdf-Datei der Veröffentlichung in „der gemeinderat“.




Leuchtkraft wissenschaftlicher Erkenntnis fremdgedimmt!

Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: 2014 gab der Bund für Bildung und Forschung (BMBF) wohl rund 15,3 Milliarden Euro aus. Das sind drei Prozent des gesamten Bundeshaushalts. Wenn dann aber die Forschung – hier die TU Dresden – mit viel Aufwand absicherte Ergebnisse der wissenschaftlichen Ökologie vorlegt, die nicht in das Weltbild der politischen Ökologie passen und die zudem Voraussetzung für eine Effizienzsteigerung der Wasserwirtschaft sind,  dann werden diese Erkenntnisse durch Ignoranz entwertet bzw. es werden keine gesetzlichen Voraussetzungen (u. a. Änderung des Wasserrechtes, des Abwasserabgabengesetzes und der EU-WRRL) geschaffen, die eine Nutzung dieser fortschrittlichen Erkenntnisse straffrei erlauben. Die Starrheit der Gesetzgebung und die teils einfältige Gewässerbewertung verhindert die Umsetzung wichtiger Forderungen der EU-WRRL, z. B. nämlich, dass die Abwässer nach dem Stand der Technik – hier effizient zu behandeln sind. Der Weg ist nicht eine Denitrifikation in Form eines blinden Aktionismusses.

Nitrat ist ein Gewässernutzstoff und ein sekundärer Sauerstofflieferant von besonderer Bedeutung. Seine kompromisslose Eliminierung in Kläranlagen beruht auf Wissensdefiziten, ideologischen Anschauungen und auf Zwang.

Die Lähmung sowie der Schaden durch Effizienzverhinderung dauert in diesem Fall nun schon 26 Jahre!

Die Nitrat-Doktrin und ebenso die CSB-Doktrin kostet also täglich eine sachlich nicht begründbare Abwasserabgabe, die über die Abwassergebühr von Kommunen oder Verbänden eingezogen werden muss.

Für die abwasserverursachende Industrie ist dies ein Kostenfaktor.

Wenn das Merkmal einer Willkür fehlende Sachlichkeit ist, dann sind Straftatbestände einer unerlaubten Gewässerverschmutzung durch Nitrat willkürlich, es sei denn, es handelt sich um ein besonderes Schutzgut, wie z. B. eine Trinkwassertalsperre.

Straftatbestände einer unerlaubten Grundwasserverschmutzung durch Nitrat sind dann sachlich nicht nachvollziehbar, wenn eine Diskriminierung des Angeklagten gegenüber der landwirtschaftlichen Nitrat-Belastung vorliegt. Die Diskriminierung des Bürgers, seiner Kommune oder seines  Abwasserzweckverbandes ist hier aber die Regel.

Doch bilden Sie sich Ihre eigene Meinung:

Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte – Sinn der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung

Kurzbericht einer vergessenen Veranstaltung der Fachrichtung Wasserwesen der TU Dresden am 3. Juni 1997

Sinnfälligkeit der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung – so lautete der Titel einer Veranstaltung am 3. Juni 1997, der Eingeweihten Spannung versprach; wurde doch dieses Thema Gegenstand einer interdisziplinären Vortragsveranstaltung zweier Professoren der TU Dresden, Fachrichtung Wasserwesen – Prof. Dr. Lützner und Prof. Dr. Uhlmann -, die im fachlichen Disput ihre Standpunkte vor Studenten und Gästen erläuterten und verteidigten.

Pro

Herr Prof. Lützner verwies auf die Notwendigkeit der Denitrifikation für einen stabilen Kläranlagenbetrieb und führte u. a. folgende Argumente an:

  • Blähschlammbekämpfung durch anoxische Selektoren und die Notwendigkeit des Milieuwechsels;
  • verstärkte pH-Wert-Probleme, insbesondere bei weichen Wässern, wenn nur nitrifiziert wird;
  • Nutzung des Nitratsauerstoffs für den BSB5-Abbau und damit Senkung des Energiebedarfs für die Abwasserreinigung;
  • Vermeidung von Grenzwertüberschreitungen infolge einer wilden Denitrifikation in der Nachklärung.

Des Weiteren wies er darauf hin, dass bei einstufigen Belebungsanlagen die biologische Phosphorelimination ohne zusätzliche Maßnahmen nicht möglich ist. Auch wirkt Nitrat störend im Faulbehälter. Schließlich sei aus praktischer Sicht festzustellen, dass die in jüngster Zeit gebauten Kläranlagen bei über 20.000 EW im Regelfall über eine simultane aerobe Schlammstabilisierung verfügen und durch alternierende Belüftung die geschilderten negativen Betriebsauswirkungen vermindert werden.

Wenn Biologen der Meinung sind, dass für die Gewässer Nitrat keine Belastung darstellt, dann sollte auch auf die Festsetzung von Überwachungswerten verzichtet werden und die Denitrifikation nur soweit erfolgen, wie sie für den Betrieb der Kläranlage notwendig ist. Fragwürdig wird es, wenn nur zur Einhaltung der Überwachungswerte externe Kohlenstoffquellen (vorzugsweise auch Ethanol und Methanol) zugegeben werden müssen, wie es bereits jetzt in vielen Kläranlagen praktiziert wird.

…und Kontra

Während das Fachgebiet von Herrn Prof. Lützner die Abwasserbehandlung ist, hat sich Herr Prof. Uhlmann (als Verfasser des Standardwerkes „Hydrobiologie“ bekannt) darauf spezialisiert, die Probleme zu analysieren, die nach der Abwasserbehandlung im Gewässer zu beobachten sind.

In seinen Ausführungen stellte Herr Prof. Uhlmann die von Herrn Prof. Lützner angeführte Notwendigkeit einer Denitrifikation für die Stabilität des Reinigungsprozesses in Kläranlagen nicht in Frage. Er wies jedoch nachdrücklich auf sehr gut gesicherte Forschungsergebnisse hin, die belegen, dass Nitrat auch als Sauerstoffspender für das Gewässer eine wichtige Rolle spielt. Herr Prof. Uhlmann erläuterte in anschaulicher Weise, in welchen Fällen Nitrat als Pflanzennährstoff wirkt, aber auch dass Nitrat besonders wertvoll für die Sauerstoffversorgung von Sedimenten – die Schlammablagerungen in Seen und Meeren – ist.

Der gelöste Sauerstoff wird aufgrund der natürlichen Zehrungsprozesse an der Wasser- und Schlammgrenzschicht häufig schnell verbraucht.

Allein das Nitrat diffundiert in die tieferen Schlammschichten, so dass dort eine anoxische Nitratatmung ermöglicht wird.

Analog, wie dies in der Denitrifikationsstufe der Kläranlage erfolgt.

Wozu ist nun Sauerstoff – einschließlich Nitratsauerstoff – im Schlamm erforderlich?

Eine Sauerstoffversorgung der oberen Schlammschichten verhindert zum Beispiel, dass sedimentierte Phosphorverbindungen rückgelöst werden, ähnlich wie dies technisch mit der biologischen P-Eliminierung praktiziert wird.

So gesehen, ist Stickstoff in der Nitratform wohl kaum als eutrophierender Faktor zu werten.

An dem Disput beteiligten sich – neben zahlreichen Gästen und Studenten – auch Frau Professor Röske, Herr Professor Hackenberger sowie Herr Professor Benndorf, der die Veranstaltung moderierte.

Im Resümee verständigten sich die Teilnehmer dazu, dass einerseits eine Denitrifikation für den störungsfreien Kläranlagenbetrieb notwendig ist, andererseits aber Nitrat für die Sauerstoffversorgung der Sedimente in den Gewässern eine sehr wichtige Rolle spielt und man deshalb nur soweit denitrifizieren sollte, wie es betrieblich erforderlich ist.

Die Notwendigkeit einer gesetzlich vorgeschriebenen und behördlich kontrollierten Denitrifikation in Kläranlagen wurde von keinem Gesprächsteilnehmer gesehen.

Im Verlaufe wurde weiter diskutiert, dass in Anwendung der Ergebnisse das Tropfkörperverfahren eine Renaissance erleben könnte, weil mit Einführung der neuen Abwasserverordnung seit 01.04.1997 für Kläranlagen <= 10.000 EW die Denitrifikation nicht mehr erforderlich ist.

Fazit

Die Signale der Wissenschaftler der TU Dresden und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sind hochinteressant und werden hoffentlich bald in den Wassergesetzen vergegenständlicht.

Sollten sich in der Gesetzgebung einschließlich dem EU-Wasserrecht, bei den Ingenieuren und Behörden diese Erkenntnisse durchsetzen, könnte sich in der Abwasserbehandlung und der Gewässerpolitik das Reglement vereinfachen.

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Dinge und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müssen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

Auf jeden Fall ist aber die TU Dresden eine gute Adresse, wenn es gilt, neue Wege zu beschreiten.

(Uwe Halbach ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung)

Erschienen in der wwt 5 / 1997

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Kommentar nach 13 Jahren:

Inzwischen sind 13 Jahre vergangen und aus dem kleinen Wermutstropfen

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Dinge; und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müssen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

ist ein Fass Wermut geworden.

Ist dies nun ein Beweis oder ein Indiz dafür, dass bei der Nitrat-Doktrin die Gewissenhaften über die Verständigen siegten?

Ich glaube, hier wirkt die Bildung störend und wird deshalb einfach ignoriert. Der Ökologe und Buchautor, Herr Gärtner hat über diese fragwürdigen Methoden ein Buch geschrieben: Öko-Nihilismus. Zudem erlebe ich es als Gutachter recht häufig, dass Zusammenhänge, Verhältnisse und die Logik immer dann ausgeklammert werden, wenn es um gewissenhafte Vorsorge geht oder wenn Vorstellung und Glauben, die bzw. den man von der Natur hat, nicht den Tatsachen in der Natur entsprechen. Dann wird nicht etwa die Vorstellung von der Natur angepasst , sondern die das Weltbild störenden Tatsachen werden einfach ignoriert. Philosophisch gesehen ist die Leugnung unbequemer Tatsachen eine Tatsache und dem Menschen immanent. Platon mit seinem Höhlengleichnis bis hin zu Schopenhauer mit seinen Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ können als Beweis dafür dienen. Man muss diese menschlichen Bedürfnisse nur kennen. Für die Jugend dagegen ist es ein Frust, wenn sie ihre mühsam erarbeitete Bildung gegen Geschäftsinteressen und Ideologien entwertet sehen. Allerdings ist der Desillusionierungsprozess ein schleichender. Mancher erarbeitet ihn sich früher, mancher später, aber die meisten werden es nie begreifen. Und das ist aus bestimmten Gründen auch gut so…

Uwe Halbach am 23.03.2010




Integrierte Betrachtung – Bewertung in Einzugsgebieten – Wasserscheide

Bereits 1969 wurde im Osten Deutschlands – als es die EU noch nicht gab – ein Prinzip der EU-Wasserrahmenrichtlinie regional umgesetzt. Es handelte sich um das

Prinzip der integrierten Betrachtung von Einzugsgebieten, die nach hydrologischen Gesichtspunkten mit Hilfe von Wasserscheiden abgegrenzt werden.

Ort des Geschehens war die Ingenieurschule für Wasserwirtschaft in Magdeburg. Die Ingenieurschule hatte im Harz als eigenes hydrologisches Experimentierfeld ein kleines Einzugsgebiet eines Baches.

Ich war ebenfalls ein Studierender und Augenzeuge und so weiß ich von einigen Wochen, in denen hockten die Studenten abends über Messtischblättern und malten stundenlang „zu Fuß“ – also ohne Computer – Wasserscheiden in Messtischblätter ein. Der Dozent für Hydrologie wählte listigerweise Messtischblätter der Topographie des Harzes aus, wo die Bestimmung von Einzugsgebieten aufgrund des Gewirrs der Höhenlinien schon eine lästige Aufgabe war. Seit diesen Tagen besitze ich eine Lupe.

Einzugsgebiet der Wippervorsperre

Was sind nun Wasserscheiden? Um es einfach darzustellen:

Wasserscheiden sind Linien im Gelände, bei denen ein Wassertropfen, wenn er auf sie fällt, nicht weiß, in welche Richtung er rinnen darf oder muss.

Dem Tropfen geht es wie dem Esel von Buridan. (Noch umfänglicher informiert man sich über Wasserscheiden z. B. bei Wikipedia.)

Diese Ausführungen sollen nur einen kleinen Eindruck von der ausgezeichneten Qualifizierung der Wasserwirtschaftler der DDR vermitteln. Und so freut man sich natürlich, wenn auch die DDR-Wasserwirtschaft einen winzigen Beitrag zur Bewertung der Flussgebietseinheiten im Rahmen der EU-WRRL leisten durfte.

Dem sachlich und sehr informativ gehaltenen Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie von RUMM ist folgendes Zitat entnommen:

„Einen der Kernpunkte der WRRL und zugleich eine der wesentlichen Herausforderungen für die deutsche Wasserwirtschaft stellt die integrierte Betrachtung von nach hydrologischen Gesichtspunkten abgegrenzten Flussgebietseinheiten dar.

Diese Betrachtungsweise sprengt die in Deutschland traditionell stark an administrativen Zuständigkeiten und politischen Grenzen ausgerichtete Bewirtschaftung der Gewässer und erzwingt eine wesentlich intensivere Zusammenarbeit und Koordination zwischen den verschiedenen zuständigen Stellen innerhalb einer Flussgebietseinheit.

Nicht von ungefähr waren noch die ersten Entwürfe der Europäischen Kommission für die Richtlinie von der Schaffung von Flussgebietsorganisationen ausgegangen, die für die Erarbeitung und Umsetzung der Bewirtschaftungspläne für gesamte Flussgebietseinheiten zuständig sein sollten.

(Europäische Kommission 1997)

Quelle: Stratenwerth, Th.
Bewirtschaftung nationaler und internationaler Flussgebiete
aus Rumm, von Keitz und Schmalholz
Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie
2., neu bearbeitete und wesentlich erweiterte Auflage
Berlin, 2006 (Seite 59)

Ich beobachte allerdings immer wieder, dass Frachten aus Einzugsgebieten – trotz EU-WRRL – bei der wasserchemischen Bewertung in den Landkreisen nur sehr selten berücksichtigt werden.  Bei den Begründungen zur Verschärfung der Überwachungswerte werden wegen der Nichtbeachtung diesbezüglicher Hinweise in einschlägiger Fachliteratur Fehler in Größenordnungen von schätzungsweise 70…99 % gemacht, da die wesentlichen Frachten aus der Landwirtschaft, der Luft, dem Niederschlag und der Erosion nicht berücksichtigt werden.  Man konzentriert sich bei den Wünschen zur Minimierung der Stoffeinträge in Gewässer fast ausschließlich auf vernachlässigbare, meist kommunale Punktquellen. Damit wird gegen die Regelungen der EU-WRRL und gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen. Regelmäßig werden Entwässerungsgräben, Meliorationsgräben, Straßenentwässerungsgräben oder Bahnseitengräben mit schlechtesten hydromorphologischen Zuständen so behandelt, als würde es sich um einen besonders schützenswerten kristallklaren Gebirgsbach handeln, in dem auch noch Forellen laichen. Schließlich werden finanzielle Mittel der Abwasserbeseitigungspflichtigen in Größenordnungen verschwendet.




Kriterien zur Bestimmung des Standes der Technik

Kriterien zur Bestimmung des Standes der Technik nach Anhang 2 Wasserhaushaltsgesetz

Bei der Bestimmung des Standes der Technik sind unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit zwischen Aufwand und Nutzen möglicher Maßnahmen sowie des Grundsatzes der Vorsorge und der Vorbeugung, jeweils bezogen auf Anlagen einer bestimmten Art, insbesondere folgende Kriterien zu berücksichtigen:

1. Einsatz abfallarmer Technologie,

2. Einsatz weniger gefährlicher Stoffe,

3. Förderung der Rückgewinnung und Wiederverwertung der bei den einzelnen Verfahren erzeugten und verwendeten Stoffe und gegebenenfalls der Abfälle,

4. vergleichbare Verfahren, Vorrichtungen und Betriebsmethoden, die mit Erfolg im Betrieb erprobt werden,

5. Fortschritte in der Technologie und in den wissenschaftlichen Erkenntnissen,

6. Art, Auswirkungen und Menge der jeweiligen Emissionen,

7. Zeitpunkte der Inbetriebnahme der neuen oder der bestehenden Anlagen,

8. für die Einführung einer besseren verfügbaren Technik erforderliche Zeit,

9. Verbrauch an Rohstoffen und die Art der bei den einzelnen Verfahren verwendeten Rohstoffe (einschließlich Wasser) sowie Energieeffizienz,

10. Notwendigkeit, die Gesamtwirkung der Emissionen und die Gefahren für den Menschen und die Umwelt so weit wie möglich zu vermeiden oder zu verringern,

11. Notwendigkeit, Unfällen vorzubeugen und deren Folgen für den Menschen und die Umwelt zu verringern,

12. Informationen, die von der Kommission der Europäischen Gemeinschaften gemäß Artikel 16 Abs. 2 der Richtlinie 96/61/EG des Rates vom 24. September 1996 über die integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung (ABl. EG Nr. L 257 S. 26) oder von internationalen Organisationen veröffentlicht werden.

Kommentar: Nach meiner Beoachtung wird der Stand der Technik in der wasserbehördlichen Praxis bei der Verschärfung der Überwachungswerten häufig nur unvollständig umgesetzt. Es fehlt insbesondere der prüffähige Nachweis der Verhältnismäßigkeit des Standes der Technik bzw.  der Verschärfung der Überwachungswerten.




Probenahmemethoden

Rohwasserprobe

  • Als Rohwasserprobe bezeichnet man die Probe eines Wassers ohne weitere Aufbereitungsschritte
  • Sie enthält folglich auch die ungelösten Anteile.
  • Ihre Untersuchung ist in der Regel nur nach dem Homogenisieren möglich.

Sedimentierte Probe

  • Mit Hilfe der sedimentierten Probe können in Wasser gelöste bzw. Schwebstoffe getrennt von den absetzbaren Inhaltsstoffen ermittelt werden.
  • Im Allgemeinen wird die Absetzdauer auf zwei Stunden festgelegt.
  • Bei Belebtschlamm-Wasser-G



Ausgewählte Straftatbestände bei unbefugter Gewässerverunreinigung

Freiheitsstrafe wegen undichter Kanäle?

Zusammengestellt am 05.11.2002 von Uwe Halbach, ö.b.u.v.
Sachverständiger für Abwasserbeseitigung,
zertifizierter Kanalsanierungsberater

Inhalt:

  • Einleitung – Nicht alles wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird!
  • § 150 Wassergesetz Sachsen-Anhalt
  • Sammeln, Fortleiten, Behandeln, Einleiten, Versickern, Verregnen, Verrieseln, Entwässern von Klärschlamm
  • Niederschlagswasser
  • § 13 Strafgesetzbuch (StGB)
  • Unterlassen
  • § 25 StGB
  • Täterschaft
  • § 26 StGB
  • Anstiftung
  • § 27 StGB
  • Gehilfe
  • § 324 StGB
  • Gewässerverunreinigung
  • § 153 a Strafprozessordnung (StPO)
  • Einstellung des Hauptverfahrens
  • Wiedergutmachung
  • Geldbetrag
  • gemeinnützige Leistungen

Einleitung:

Diese Seite dient lediglich der Veranschaulichung eines Szenarios, das denkbar ist, wenn eine unerlaubte Gewässereinleitung offiziell festgestellt und mit allen Mitteln verfolgt wird.  Zu unterscheiden ist zwischen unerlaubten und erlaubten Gewässerverunreinigungen.

Kanäle sollen dicht sein!

Seit vielen Jahren gibt es gesetzliche Regelungen, die das Grundwasser vor Verunreinigungen schützen sollen.

Insofern ist es erforderlich, dass Kanäle grundsätzlich wasserdicht sein müssen.

Das ist das Ziel und der Anspruch zugleich und zugleich ist es auch eine Tatsache, dass Kanäle nie dicht sein können.

Die Kanalsanierung soll nach einem vorgeschriebenen Ablauf geplant werden.

Für die Betreiber von Abwasserkanälen kommt es darauf an, dass sie vor allem planmäßig und schrittweise ihre undichten Kanäle unter Beachtung der wirtschaftlichen Möglichkeiten sanieren.

(Siehe z. B.: Kanalsanierungsplanung, erste Klassifizierung nach EN 752-5 und Arbeitsabschnitte der Kanalsanierungsplanung nach EN 752-5.)

Eine Voraussetzung zur Straffreiheit bei der unerlaubten Gewässerverschmutzung durch undichte Kanäle ist:

  • Vorliegen einer Kanalsanierungsplanung und regelmäßige Aktualisierung
  • jährliche Inspektion eines angemessenen Teiles der Kanalisation
  • das schrittweise und planmäßige  Sanieren defekter Kanäle nach Schwerpunkten

Die Kanalsanierung ist ein Prozess, der in der Regel nie abgeschlossen sein wird.

Verbände und Kommunen sollten ggf. nachweisen können, dass die Problematik der undichten Kanäle nicht auf die leichte Schulter genommen wird und das planmäßig nach ihren Möglichkeiten saniert wird.

Es gibt Gründe, die zu keiner Erhebung einer öffentlichen Klage führen können, wenn zugleich dem Beschuldigten Auflagen und Weisungen erteilt werden und wenn diese geeignet sind, dass öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen und die Schwere der Schuld nicht dem entgegensteht.

Derartige Auflagen und Weisungen können z. B. darin bestehen, die Kanalsanierung nach einer Kanalsanierungsplanung vorzunehmen.

Im  November 2002 veröffentlichte die ATV Ergebnisse einer Umfrage. Nach dieser Umfrage sind 17 % der öffentlichen Kanalisation von ca. 45.000.000.000 km undicht. Das wären 7.650 000.000 km.

Welche Meinung kann man über undichte Kanäle haben, wenn man nicht darauf angewiesen ist, dass es sie gibt?

Ob nun jedes Loch im Kanal eine Umweltkatastrophe darstellt, das mit strafrechtlichen Mitteln immer und überall verfolgt werden muss, ist eine Frage der Fachkompetenz und Lebenserfahrung.

Zum Beispiel ist eine fehlende Scherbe in einer Kanalsohle eines Hauptsammlers mit ständiger Wasserführung der oberhalb des Grundwasserspiegels im Trinkwassereinzugsgebiet liegt, strenger zu bewerten als ein Hausanschlusskanal in dem täglich nur ein paar Sekunden lang mal eine kleine Menge häusliches Abwasser fließt.

Undichte Hausanschlusskanäle

In der letzten Zeit interessiert man sich verstärkt auch für undichte Hausanschlusskanäle , denn wenn der Deutsche etwas macht, dann macht er es gründlich und ohne Ausnahmen.

Ein undichter Hausanschlusskanal ist eine unerlaubte Gewässerverunreinigung nach § 324 StGB, ob wir aber damit die Welt retten, wenn alle Grundstücksbesitzer dazu „verdonnert“ werden ihre Hausanschlusskanäle abzudichten, wage ich zu bezweifeln.

Einen wasserwirtschaftlichen Schwerpunkt bei der Gewässerverunreinigung bilden undichte Hausanschlusskanäle in der Regel jedenfalls nicht.

Undichte Hausanschlusskanäle gibt es seit wenigstens 100 Jahren und wo ist das Problem im Grundwasser?

Nun es gibt keines, weil der Wasserkreislauf ständig zu einer Verdünnung des Grundwassers und zur Ausspülung von Inhaltsstoffen führt.  Zudem sind Selbstreinigungen und Selbstdichtungen bekannt.

Das alles sind Tatsachen, bei denen eine verwaltungsrechtliche  Würdigung unzulässig ist, denn der Gesetzgeber räumte wohl aus Gründen der Marktgestaltung seinen Behörden keinen Ermessensspielraum bei der eigenen Meinungsbildung zur Entschärfung ihrer Sorgen und Ängste ein.

Es wäre auch eine Katastrophe für manche Wirtschaftszweige, wäre bei einer wasserwirtschaftlichen Investition die tatsächliche Effektivität in der Natur maßgeblich. Es käme einer Revolution der momentanen „Wasserwirtschaft“ gleich, wäre man nur gezwungen, schlichte Tatsachen zu akzeptieren, unabhängig davon, ob sie das Weltbild der Umweltgesetzgebung stören oder nicht.

Dazu ein Beispiel aus der Praxis zur „Entschärfung der Besorgnis“ einer Grundwasserverschmutzung:

Im Rahmen eines Rechtsstreites war in Dresden nachzuweisen, ob eine oberflächliche unzulässige Abwasserversickerung einer Grundstückskläranlage nach DIN 4261 Teil 1 (also eine Faulgrube) dem Boden Schaden zufügte. In dem Fall wurde das Abwasser jahrelang in eine Gemüsebeetfurche geleitet.

Der Rechtsstreit begann, weil die Nachbarn sich nicht mochten. Ich hatte als Gerichtsgutachter nun die Aufgabe den Nachweis einer Bodenverschmutzung zu führen.

Über die verdächtige und die unverdächtige Grundstücksfläche wurde also für die Probennahme ein Raster in 3 verschiedene Tiefen gelegt.

Ein zertifiziertes Labor entnahm Bodenproben, die auf Stickstoff, Phosphor, Schwermetalle und ausgewählte Gifte untersucht wurden.

Die Auswertung war eine Überraschung. Sie ergab nicht den geringsten Hinweis, dass die unerlaubte Bodenverunreinigung auch nur in Ansätzen dem Boden geschadet hatte.

Seit dieser Zeit bin ich noch vorsichtiger in meiner Meinungsbildung über vermeintlich katastrophale Naturschäden durch undichte Hausanschlusskanäle oder vermeintlich schlecht arbeitende Hauskläranlagen geworden.

Das Ergebnis ist doch logisch! Wir vertilgen ja nicht massenhaft Schwermetalle und Gifte, so dass wir davon ausgehen müssen, dass das Abwasser eines Einfamilienhauses giftig sei.

Und abschließend zu den naturwissenschaftlichen Überlegungen einige ausgewählte gesetzliche Regelungen:

§ 150 Wassergesetz Sachsen-Anhalt
(1)     Abwasser im Sinne dieses Gesetzes ist Wasser, das durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch verunreinigt oder sonst in seinen Eigenschaften verändert ist oder das von Niederschlägen aus dem Bereich von bebauten oder befestigten Flächen abfließt und das sonst in die Kanalisation gelangende Wasser. Als Abwasser gelten auch die aus Anlagen zum Behandeln, Lagern und Ablagern von Abfällen austretenden und gesammelten Flüssigkeiten.

(2) Abwasser ist so zu beseitigen, dass das Wohl der Allgemeinheit nicht beeinträchtigt wird.

(3)     Abwasserbeseitigung im Sinne dieses Gesetzes umfasst das Sammeln, Fortleiten, Behandeln, Einleiten, Versickern, Verregnen und Verrieseln von Abwasser sowie das Entwässern von Klärschlamm im Zusammenhang mit der Abwasserbeseitigung.

(4)     Niederschlagswasser ist in geeigneten Fällen zu versickern.

(5)     Die §§ 151 bis 156 gelten nicht für Jauche, Gülle und Silagesickersaft sowie für das durch landwirtschaftlichen Gebrauch entstandene Abwasser, das dazu bestimmt ist, auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Böden aufgebracht zu werden. Die Vorschriften des Abfallrechts blieben unberührt.

§ 13 Strafgesetzbuch (StGB)

Allgemeiner Teil (§§ 1 – 79b)
2. Abschnitt – Die Tat (§§ 13 – 37)
1. Titel – Grundlagen der Strafbarkeit (§§ 13 – 21)

§ 13 – Begehen durch Unterlassen
(1)     Wer es unterlässt, einen Erfolg abzuwenden, der zum Tatbestand eines Strafgesetzes gehört, ist nach diesem Gesetz nur dann strafbar, wenn er rechtlich dafür einzustehen hat, dass der Erfolg nicht eintritt, und wenn das Unterlassen der Verwirklichung des gesetzlichen Tatbestandes durch ein Tun entspricht.

(2)     Die Strafe kann nach § 49 Abs. 1 gemildert werden.

§ 25 StGB

Allgemeiner Teil (§§ 1 – 79b)
2. Abschnitt – Die Tat (§§ 13 – 37)
3. Titel – Täterschaft und Teilnahme (§§ 25 – 31)

§ 25 – Täterschaft
(1)     Als Täter wird bestraft, wer die Straftat selbst oder durch einen anderen begeht.

(2)     Begehen mehrere die Straftat gemeinschaftlich, so wird jeder als Täter bestraft (Mittäter).

§ 26 StGB

Allgemeiner Teil (§§ 1 – 79b)
2. Abschnitt – Die Tat (§§ 13 – 37)
3. Titel – Täterschaft und Teilnahme (§§ 25 – 31)

§ 26 – Anstiftung

Als Anstifter wird gleich einem Täter bestraft, wer vorsätzlich einen anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat bestimmt hat.

§ 27 StGB

Allgemeiner Teil (§§ 1 – 79b)
2. Abschnitt – Die Tat (§§ 13 – 37)
3. Titel – Täterschaft und Teilnahme (§§ 25 – 31)

§ 27 – Beihilfe
(1)     Als Gehilfe wird bestraft, wer vorsätzlich einem anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe geleistet hat.

(2)     Die Strafe für den Gehilfen richtet sich nach der Strafdrohung für den Täter. Sie ist nach § 49 Abs. 1 zu mildern.

§ 324 StGB

Besonderer Teil (§§ 80 – 358)
29. Abschnitt – Straftaten gegen die Umwelt (§§ 324 – 330d)

§ 324 – Gewässerverunreinigung
(1)     Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2)     Der Versuch ist strafbar.

(3)     Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

§ 153 a Strafprozessordnung (StPO)

2. Buch – Verfahren im ersten Rechtszug (§§ 151 – 295)
1. Abschnitt – Öffentliche Klage (§§ 151 – 157)

§ 153a (Einstellung des Hauptverfahrens)

(1)     Mit Zustimmung des für die Eröffnung des Hauptverfahrens zuständigen Gerichts und des Beschuldigten kann die Staatsanwaltschaft bei einem Vergehen vorläufig von der Erhebung der öffentlichen Klage absehen und zugleich dem Beschuldigten Auflagen und Weisungen erteilen, wenn diese geeignet sind, das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen, und die Schwere der Schuld nicht entgegensteht. Als Auflagen oder Weisungen kommen insbesondere in Betracht,

  1. zur Wiedergutmachung des durch die Tat verursachten Schadens eine bestimmte Leistung zu erbringen,
  2. einen Geldbetrag zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung oder der Staatskasse zu zahlen,
  3. sonst gemeinnützige Leistungen zu erbringen,
  4. Unterhaltspflichten in einer bestimmten Höhe nachzukommen,
  5. sich ernsthaft zu bemühen, einen Ausgleich mit dem Verletzten zu erreichen (Täter-Opfer-Ausgleich) und dabei seine Tat ganz oder zum überwiegenden Teil wieder gut zu machen oder deren Wiedergutmachung zu erstreben, oder
  6. an einem Aufbauseminar nach § 2b Abs. 2 Satz 2 oder § 4 Abs. 8 Satz 4 des Straßenverkehrsgesetzes teilzunehmen.
    Zur Erfüllung der Auflagen und Weisungen setzt die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten eine Frist, die in den Fällen des Satzes 2 Nr. 1 bis 3, 5 und 6 höchstens sechs Monate, in den Fällen des Satzes 2 Nr. 4 höchstens ein Jahr beträgt. Die Staatsanwaltschaft kann Auflagen und Weisungen nachträglich aufheben und die Frist einmal für die Dauer von drei Monaten verlängern; mit Zustimmung des Beschuldigten kann sie auch Auflagen und Weisungen nachträglich auferlegen und ändern. Erfüllt der Beschuldigte die Auflagen und Weisungen, so kann die Tat nicht mehr als Vergehen verfolgt werden. Erfüllt der Beschuldigte die Auflagen und Weisungen nicht, so werden Leistungen, die er zu ihrer Erfüllung erbracht hat, nicht erstattet. § 153 Abs. 1 Satz 2 gilt in den Fällen des Satzes 2 Nr. 1 bis 5 entsprechend.

(2)     Ist die Klage bereits erhoben, so kann das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Angeschuldigten das Verfahren bis zum Ende der Hauptverhandlung, in der die tatsächlichen Feststellungen letztmals geprüft werden können, vorläufig einstellen und zugleich dem Angeschuldigten die in Absatz 1 Satz 1 und 2 bezeichneten Auflagen und Weisungen erteilen. Absatz 1 Satz 3 bis 6 gilt entsprechend. Die Entscheidung nach Satz 1 ergeht durch Beschluß. Der Beschluß ist nicht anfechtbar. Satz 4 gilt auch für eine Feststellung, daß gemäß Satz 1 erteilte Auflagen und Weisungen erfüllt worden sind.
(3)     Während des Laufes der für die Erfüllung der Auflagen und Weisungen gesetzten Frist ruht die Verjährung.

2002, überarbeitet Februar 2010




Positiver BSB5-Analysenfehler in Größenordnungen bei der Überwachung von Teich- und Kleinkläranlagen recht wahrscheinlich!

Auszug aus Privatgutachten!

BSB5-Analyse meist kein Beweismittel!

Inhaltsverzeichnis

  • DIN 38 409, Teil 51 vom Mai 1987 (Analysenvorschrift zur Bestimmung des BSB5)
  • BSB5-Überwachungsergebnisse als Beweismittel?
  • Fragliche BSB5-Überwachung von Kleinkläranlagen
  • Überwachungs- und Interpretationsfehler bei belüfteten Abwasserteichanlagen
  • Zwingender Inhalt eines Analysenberichtes
  • Wann wird der BSB5 Beweismittel?
  • Was ist BSB5?

Kurzfassung:

Bei der Überwachung von Teichkläranlagen, Hauskläranlagen und unterlasteten Kläranlagen ist grundsätzlich mit methodischen Fehlern in Größenordnungen bei der BSB5-Analytik zu rechnen. (Das ist nicht neu, aber möglicherweise etwas in Vergessenheit geraten.) Die Konsequenzen aus dieser Fehlbestimmung können sowohl strafrechtliche (Verstoß gegen die wasserrechtliche Erlaubnis) als auch wirtschaftliche Folgen (unnötige Intensivierungs- oder Neubauinvestitionen bei der Abwasserbehandlung) haben.

Im Rahmen der Bewertung einer belüfteten Teichkläranlage wurde festgestellt, dass ein methodischer Analysenfehler bei der Anlagenüberwachung zu einer beachtlichen Anlagenfehleinschätzung führte.

Der Fehler bestand in einer unzulässigen Mitbestimmung des Sauerstoffverbrauches für die Nitrifikation.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Nitrifikanten (Bakterien, die Ammonium zu Nitrit und Nitrat oxidieren) und damit die BSB5 -Analytik verfälschen, ist grundsätzlich bei Teichkläranlagen und Kleinkläranlagen sehr hoch, weil es sich hier um schwach belastete Anlagen handelt.

Richtet sich die BSB5 -Analytik nicht genau nach der DIN-Vorschrift, so ist grundsätzlich mit positiven Analysenfehlern in erheblichen Größenordnungen zu rechnen.
In einem Fall betrug der Fehler + 60 %.

Zur Ermittlung des Fehlers wurde in einem Fall aus dem Ablauf eines belüfteten Abwasserteiches eine Probe entnommen und der BSB5 zweimal ermittelt. Einmal wurde der BSB5 mit Hemmung dieser Nitrifikanten (Zugabe des Hemmstoffes N-Allylthioharnstoff ) bestimmt und ein weiteres Mal ohne Hemmung ermittelt.

Dabei wurde bei dieser Probe ein positiver Fehler von 60 % (!) ermittelt, wenn kein Hemmstoff bei der BSB5-Analytik zugegeben wird.

Wird bei einer BSB5 -Analyse kein Hemmstoff zugegeben und es kommt aus irgendwelchen Gründen zur Nitrifikation während der Analyse, dann ist das Analysenergebnis falsch und die Analyse entspricht nicht der DIN-Vorschrift.

Im Einzelnen:

Der BSB5 ist definiert als Sauerstoffverbrauch des Kohlenstoffabbaus.

Bei der BSB5 -Abwasseranalytik gibt es aber Störfaktoren, die auszuschließen sind.

Ein Störfaktor ist die Sauerstoffzehrung bei der Analyse infolge der mikrobiellen Stickstoffoxidation (Nitratbildung). Diese störenden Mikroben heißen Nitrifikanten und verursachen mitunter positive Fehler in erheblichen Größenordnungen.

Voraussetzung für diesen Fehler sind Ammonium- oder Nitritverbindungen sowie Nitrifikanten (Nitrosomonas und Nitrobacter) in der Sauerstoffflasche (Analysenflasche, die zur BSB5 -Analytik benutzt wird).

Begünstigend für den Fehler sind erfahrungsgemäß niedrige Konzentrationen von organisch abbaubarem Kohlenstoff, d. h. je niedriger der tatsächliche BSB5 ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Analysenfehler durch Nitrifikation. Außerdem wird für den Fehler Ammoniumstickstoff in der Probe benötigt.

Die Kläranlage muss nicht unbedingt nitrifizieren, um Nitrifikationsfehler bei der BSB5 -Analytik zu provozieren. Es genügt u. U. auch eine hinreichende Verdünnung der Probe im Rahmen der Analytik.

Vom Mechanismus kann man sich das so vorstellen, dass die Nitrifikanten erst verstärkt aktiv werden, nachdem der organisch abbaubare Kohlenstoff weitgehend reduziert wurde.

Ist in der Sauerstoffflasche die Konzentration des organisch abbaubaren Kohlenstoffes gering, dann haben die Nitrifikanten Tage Zeit um zu nitrifizieren und den Fehler verursachen zu können.

Überwachungs- und Interpretationsfehler bei belüfteten Abwasserteichanlagen

In letzter Zeit häufen sich Anzeichen, dass viele belüftete Abwasserteichkläranlagen in den neuen Bundesländern nicht die behördlichen Überwachungswerte einhalten.

Es werden Überlegungen angestellt, diese Anlagen nicht mehr zuzulassen.

Die Überschreitung der behördlichen Überwachungswerte scheint mit ziemlicher Sicherheit 2 Ursachen zu haben:

  1. Fehler bei Anlagenüberwachung, insbesondere bei der BSB5 -Analytik.
  2. Unschädlicher Anstieg des CSB infolge der ausgezeichneten Reinigungsleistung der belüfteten Teichkläranlagen.

Das Problem tritt besonders in den neuen Bundesländern auf, weil hier mitunter die Anlagen im ländlichen Raum unterlastet werden.

Zur Unterlastung kommt es aus folgenden Gründen:

  • Der Einwohnerwert ist erheblich kleiner als 60 g BSB5 /Ed.
  • Während des Abwassertransports wird die BSB5 -Fracht weiter reduziert (Sedimentation, Abbau).

Aus den Ergebnissen des Anlagenzulaufes einer Teichkläranlage wurde in Sachsen-Anhalt ein Einwohnerwert von 35 und 26 g BSB5/Ed gemessen (14 Messwerte über 2 Jahre) .

BSB5-Überwachung von Kleinkläranlagen

Nitrifikation ist bei der Abwasserbehandlung von Kleinkläranlagen nach DIN 4261 Teil 2 verfahrensbedingt wahrscheinlich.

Außerdem sind in den Abläufen meist geringe Konzentrationen an abbaubarem organischen Kohlenstoff vorhanden.
Mitunter wird die Leistung dieser Anlagen auch mit der BSB5 -Analytik überprüft.

Fehlen in dem einer Analyse zugehörigen Analysenbericht Angaben zur Verwendung von Nitrifikationshemmern, so ist auch hier dem Grunde nach davon auszugehen, dass die BSB5-Analysenergebnisse falsch sind, weil die Analysenmethode falsch ist.

DIN 38 409, Teil 51 vom Mai 1987 (Analysenvorschrift zur Bestimmung des BSB5)

Nach DIN 38 409, Teil 51, vom Mai 1987 (Analysenvorschrift zur Bestimmung des BSB5) sind die Nitrifikanten zu hemmen.

Das erfolgt mit N-Allylthioharnstoff. Unterbleibt die Abtötung, dann verbrauchen die Nitrifikanten während der 5 Tage dauernden Analytik Sauerstoff und verursachen damit einen positiven Fehler, d. h. die Ergebnisse der BSB5-Bestimmung erhöhen sich unzulässig.

Das ist bekannt und unstrittig.

BSB5-Überwachungsergebnisse als Beweismittel?

In Auswertung der DIN 38 409, Teil 51, vom Mai 1987 (Analysenvorschrift zur Bestimmung des BSB5) hinsichtlich der BSB5-Überwachungsergebnisse als Beweismittel, ist folgendes festzustellen:

  1. Die DIN lässt zunächst offen, ob N-Allylthioharnstoff bei der BSB5-Analytik grundsätzlich zu verwenden ist. Das ergibt sich daraus, weil einerseits auf Seite 2 der DIN 38 409, Teil 51, vom Mai 1987 unter Punkt 3 geschrieben steht, dass ein Nitrifikationshemmstoff zugesetzt wird. Andererseits ergibt sich nach Punkt 9.3.1. auf Seite 7 dieser DIN, dass es auch Fälle gibt, bei denen kein N-Allylthioharnstoff zum Einsatz kommt („Wird ein N-Allylthioharnstoff verwendet“…, d. h. es gibt auch den Fall, dass keiner verwendet wird).
  2. Wenn aber N-Allylthioharnstoff verwendet wird, so ist dies nach Punkt 12 auf Seite 15 zwingend im Analysenbericht zu vermerken. (Bislang fällt auf, dass in den behördlichen Analysenberichten und in denen von zertifizierten Laboratorien nur äußerst selten Angaben über die Verwendung von N-Allylthioharnstoff gemacht wurden. Die Regel scheint eher zu sein, dass kein Analysenbericht angefertigt wird, oder dass Analysenberichte angefertigt werden, die infolge unvollständiger Angaben als Beweismittel untauglich sind.)
  3. Wenn also zwingend zu vermerken ist, dass N-Allylthioharnstoff verwendet wurde, dann ist in all den Fällen, in denen im Analysenbericht ein Vermerk über den Einsatz von N-Allylthioharnstoff fehlt, davon auszugehen, dass auch keine Probebehandlung mit N-Allylthioharnstoff erfolgte. Beweismittel müssen eindeutig und reproduzierbar sein. Analysenberichte sind Beweismittel.
  4. In den Fällen [1], in denen erstens begründet zu vermuten ist, dass Stickstoff und Nitrifikanten in der Probe enthalten sind und in denen zweitens dem Analysebericht zu entnehmen ist, dass keine Probebehandlung mit N-Allylthioharnstoff erfolgte, sind die BSB5-Ergebnisse fragwürdig.
  5. BSB5-Ergebnisse, die fragwürdig sind, sind kein Beweismittel.
  6. Aufzeichnungen aus dem Betriebstagebuch können in aller Regel nicht gegen den Anlagenbetreiber verwendet werden [2]. Derlei Aufzeichnungen sind Parteivorträge im Falle eines Rechtsstreites.

Wenn ein Gericht diesen Argumenten folgt (sollte es zum Rechtsstreit kommen), so gibt es nach diesem hier dargelegten Kenntnisstand keine sicheren behördlichen Daten über Grenzwertüberschreitungen beim BSB5, sofern aus der Analytik nicht sicher zu entnehmen ist, dass Nitrifikationshemmer verwendet wurden und wenn nicht, dann muss sicher ausgeschlossen werden, dass eine Nitrifikation in der BSB5-Flasche auszuschließen ist.

Voraussetzungen einer BSB5 Analyse als Beweismittel

Die Beweislast für eine korrekte Analyse dürfte das Labor haben.

Dieser Beweis dürfte bei den oft unvollständigen Analysenberichten meist unglaublich schwer fallen.

Insofern ist zu empfehlen, bei den BSB5-Analysen, die als Beweismittel dienen sollen oder die als Grundlagen für Investitionen bestimmt sind, laborativ von vornherein zweifelsfrei auszuschließen, dass keine Nitrifikation die Analytik gestört hatte. Um dies zu beweisen, müssten von einer Probe vorzugsweise 10 BSB5-Analysen bestimmt werden.

Dabei werden 5 Ansätze mit N-Allylthioharnstoff und die restlichen5 Ansätze ohne N-Allylthioharnstoff vorgenommen. Anschließend erhält der Auftraggeber einen umfänglichen Analysenbericht mit allen 10 Zwischenergebnissen und eine nachvollziehbare Begründung, warum der BSB5 in einer bestimmten Größenordnung gewählt wurde.

(Während die DIN zwar nur vorschreibt, dass das Labor die Anzahl der Ansätze nennen soll, sind aber für die Beweisführung auch die Zwischenergebnisse im Analysenbericht mitzuteilen und nachvollziehbar zu begründen, warum und wie ein bestimmtes Analysenergebnis zustande gekommen ist ( z. B. streichen folgender Ausreißer …, Mittelwertbildung der verbleibenden Parameter, Wirkungen der Nitrifikanten, usw.)

Diese Verfahrensweise wird zwar in einem gewissen Rahmen die Analysenkosten etwas erhöhen. Die finanziellen Konsequenzen sind aber vor dem Hintergrund der Schäden, die aus einer fahrlässigen nicht eindeutigen Analyse entstehen können, absolut unbedeutend.

Zwingender Inhalt eines Analysenberichtes

Abschrift DIN 38 409 Teil 51, Punkt 11 + 12

-> Punkt 11 „Angabe des Ergebnisses“

Der Zahlenwert im Ergebnis wird als ganze Zahl, jedoch mit nicht mehr als 3 signifikanten Ziffern angegeben.

Beispiele:

BSB5: 24 mg/l (mit N-Allylthioharnstoff)
BSB5: 184 mg/l (geringer Endsauerstoffgehalt in 2 von 5 Verdünnungen)
BSB5: 3,72 g/l (Probe 10 Tage gefrierkonserviert)

-> Punkt 12 „Analysenbericht“

Der Bericht soll sich auf dieses Verfahren beziehen und folgende Einzelheiten enthalten:

  1. genaue Identität der Wasserprobe
  2. Angabe des Ergebnisses nach Abschnitt 11
  3. Art der Probenvorbehandlung und der Probenkonservierung, falls solche durchgeführt wurden
  4. Art des Nitrifikationshemmstoffes, falls ein solcher zugegeben wurde
  5. Zahl der ausgewerteten Verdünnungen
  6. Angaben über eine eventuell gefundene Nichtlinearität (siehe Bild 1 und [4])
  7. jede Abweichung von dieser Vorschrift und Angabe aller Umstände, die gegebenenfalls das Ergebnis beeinflusst haben.

Was ist BSB5?

Biochemischer Sauerstoffbedarf innerhalb von 5 Tagen

Vor vielen Jahren hatten die Wasserchemiker und Wasserbiologen ein Problem als es darum ging, die Schädlichkeit des Abwassers für ein Gewässer zu definieren.

Schnell stellte sich heraus, dass diese Aufgaben nur annähernd zu erfüllen waren, weil zur korrekten Bewertung neben chemischen und mikro- auch makrobiologische Komplexe, also interdisziplinäre Beobachtungen angestellt werden müssen.

Derartige Untersuchungen im großen Stil vorzunehmen, ist unwirtschaftlich.

Deshalb wurden u. a. hilfsweise Summenbestimmungen eingeführt, deren Aufgabe es ist, den Sauerstoffbedarf zu bestimmen, den ein bestimmtes Abwasser im Gewässer bei seiner Einleitung verursacht.

Eine Sauerstoffreduzierung im Gewässer hat schädliche Wirkungen auf die Gewässerbiologie. Die Fische sind dabei meist das letzte betroffene Glied.

Der BSB5 ist ein Maß für die Abwasserverschmutzung und wird mit Hilfe eines indirekten Verfahrens ermittelt.

Gemessen wird die Atmungsleistung von Mikroorganismen, die biologisch verwertbare Abwasserinhaltsstoffe während der Untersuchungszeit von z. B. 5 Tagen „veratmen“ und dabei Sauerstoff verbrauchen.

Es wird unter Laborbedingungen simuliert, welcher Schaden in einem Gewässer durch einen Sauerstoffverbrauch innerhalb von 5 Tagen im Dunkeln und bei 20°C entstehen würde.

Die Angabe erfolgt in mg O2/l. Ein niedriger BSB5 ist gleichbedeutend mit einer geringen Verschmutzung.

Sauberes Bachwasser hat einen BSB5 von 2…5 mg O2/l; häusliches Abwasser weist etwa 300…500 mg BSB5/l auf, Gülle erreicht 20.000…30.000 mg BSB5/l und der BSB5 von Hühnerblut liegt schätzungsweise bei 200.000 mg/l.

Eindeutig ist der BSB5 als Sauerstoffverbrauch definiert, der bei der biologischen Oxidation von Kohlenstoffverbindungen entsteht.

Uwe Halbach

Werdau, 14.11.2002

[1]
Bei Fällen, in denen begründet zu vermuten ist, dass Stickstoff und Nitrifikanten bei der Analytik stören, handelt es sich auch um unterlastete kommunale Kläranlagen, weil die Stickstoffoxidation erst dann einsetzt, nachdem der Kohlenstoffabbau weit fortgeschritten ist. Diese Zusammenhänge sind allgemein bekannt.
[2]
Verfassungsgrundsatz: „Niemand muss sich selbst in die Pfanne hauen!“




Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung zwischen Vorsorgeprinzip und Verhältnismäßigkeit

Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung zwischen Vorsorgeprinzip und Verhältnismäßigkeit

Exzerpt von Uwe Halbach (04.10.2005)

„...Doch ist nicht nur die Existenz dieser Stoffe für die Beurteilung des Klärschlamms maßgebend, sondern ihre Wirkungsweise in Abhängigkeit von der Konzentration, ihrer Abbaubarkeit und der Tendenz ihres Vorkommens. …

… Aus dem Vorhandensein von Schadstoffen heraus zu verlangen, ein gegebenes Nährstoffangebot nicht zu nutzen, würde in seiner Grundsätzlichkeit zum Verzicht auf jedes Düngemittel führen. Dies kann nicht sein! …

… Die Verwendung von Klärschlamm als Düngemittel wird in Brüssel nach wie vor als umweltfreundlichste Variante der Klärschlammentsorgung betrachtet. Es wird langfristig das Ziel verfolgt, in den nächsten zwanzig Jahren rund 75 Prozent der Klärschlämme für die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung nutzbar zu machen. …

… Der Schweinegülle ist es zu verdanken, dass das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) dem Konzept des benachbarten Ministeriums bis heute nicht zugestimmt hat. …

… Kann es sein, dass man sich von der Erkenntnis befruchten ließ, dass sich aus einer gewissen Monopolstellung heraus leichter kalkulieren und besser verdienen lässt? …

… Einige wollen den Klärschlamm in der Landwirtschaft grundsätzlich nicht haben. Andere sehen auch die Vorteile der landwirtschaftlichen Klärschlammnutzung und akzeptieren Einschränkungen nur unter Einhaltung ihrer Verhältnismäßigkeit. …

… Auf Basis des Vorsorgeprinzips, wonach Belastungen – ohne Berücksichtigung, ob tatsächliche Schädigungen auftreten könnten – grundsätzlich zu vermeiden oder auf ein erreichbares Mindestmaß zu beschränken sind (Meyers Neues Lexikon), können alle Aktivitäten, jedes Handeln unterbunden werden. Die Folge wäre eine Lebensqualität, die diesen Begriff nicht mehr verdient. – Im Grundgesetz ist deshalb im Rahmen des Rechtsstaatsprinzips auch das Verhältnismäßigkeitsprinzip/das Übermaßverbot festgelegt. Belastende staatliche Maßnahmen müssen für ihren Anwendungsbereich geeignet, erforderlich und angemessen sein. Einseitige Maßnahmen gegen den Klärschlamm verstellen den Blick für ganzheitliche Betrachtungen und sind nicht geeignet, die Ansprüche unserer Gesellschaft in geeigneter, nachhaltiger Weise zu definieren.“

Autor:
Prof. Dr.-Ing. E. h. Armin K. Melsa
Vorsitzender des DWA-Hauptausschusses Abfall/Klärschlamm

Quelle:
KA Abwasser/Abfall, Heft 10, 2005, Seite 1067

Weitere Literatur:

Durth, A.; u. a.
Ergebnisse der DWA-Klärschlammerhebung 2003
KA Abwasser/Abfall, Heft 10, 2005, Seite 1099

Mönicke, R.
Klärschlamm – ein dringend benötigter preisgünstiger Ergänzungsdünger
KA Abwasser/Abfall, Heft 10, 2005, Seite 1108

Gethke, K.; u. a.
Potenziale des Phosphorrecyclings aus Klärschlamm und phosphathaltigen Abfallströmen in Deutschland
KA Abwasser/Abfall, Heft 10, 2005, Seite 1114

Hanßen, H.; u.a.
Perspektiven der thermischen Klärschlammverwertung
KA Abwasser/Abfall, Heft 10, 2005, Seite 1126




Harte Chemie im Kaffee – Chemischer Sauerstoffbedarf

Der CSB-Schadstoff macht – wie der folgende Fall beweist – selbst vor unseren Genussmitteln nicht Halt.

Einerseits ist die Überschreitung des CSB-Überwachungswertes um nur 1 mg CSB/l ein Straftatbestand der Gewässerverschmutzung. Andererseits trinkt der Bundesbürger jährlich durchschnittlich ca. 150 Liter Kaffee mit einem CSB von 13.500 mg /l.

Dem Internet ist eine Kaffeeanalyse eines renommierten Laboratoriums zu entnehmen. Auftraggeber war übrigens der Autor und Hintergrund der Versuch, ein Verwaltungsgericht im Rahmen eines Parteigutachtens von der Unschädlichkeit des CSB zu überzeugen.

Das Gericht stand kurz davor dem Landesverwaltungsamt nachzugeben und einen Abwasserzweckverband zur Zahlung einer zusätzlichen Abwasserabgabe zu verurteilen, weil die Elbe in Missachtung der beschränkten Möglichkeiten des Abwasserbeseitigungspflichtigen während des Hochwassers 2002 ungereinigt durch seine Kläranlage geflossen war und somit die CSB-Jahresschmutzfracht in eine astronomische Höhe trieb.

Der AZV hat übrigens aus anderen Gründen gewonnen. Das Parteigutachten kann erworben werden.

Wenn der CSB tatsächlich so schädlich ist – wie den zahlreichen Anhängen der Abwasserverordnung entnommen werden kann – wieso existieren wir dann noch?

Deutschland hatte 2009 etwa 82 Millionen Einwohner, die jährlich 166 Gg von dem „Gewässerschadstoff“ CSB in Form von Kaffee „in sich hineinkippen“, wobei 55 Gg biologisch leicht abbaubar sind. (1 Gg = 10^9 Gramm = Tausend Tonnen)

Anbeter der sanften Chemie würden im Kaffee extrem harte Verbindungen finden, denn gut die Hälfte des Kaffee-CSB ist biologisch stabil – wie ein Kieselstein – also nicht abbaubar und wir wissen davon nur Dank der Leistungen „harter Chemie“.

Selbst bei der falschen Annahme, der CSB wäre tatsächlich ein Maß für irgendeine Schadwirkung, dann wäre noch der Summeninterpretationsfehler zu vermeiden.

Der weitverbreitete Glaube, dass der CSB ein Schadstoff sei und sein Eingang in gesetzliche Regelungen ist schlüssiger Beweis für die Verbreitung von Ideologie und Pseudowissenschaft beim Gewässerschutz. Es kommt bei der Abwasserreinigung nicht nur darauf an, diese nach dem Stand der Technik zu betreiben, sondern viel wichtiger ist es dabei, auf dem Boden des Rationalen und der Wissenschaft zu bleiben. Der beste Stand der Technik ist im Eimer, wenn die Natur nicht das macht, was die Abwasserverordnung und die WRRL erwartet.

  • Wo liegt das Primat?
  • Verwaltungs- und Wasserrecht kontra Naturgesetze?

Welchen Effekt hat die teure Umweltbildung an unseren Hochschulen und Universitäten, wenn in der Praxis, in den Büros und Gerichtsräumen durch Glauben, Ideologie, Halbwissen, Vorsorge, Besorgnis und Nachhaltigkeit der Fleiß und die Bildung unserer Jugend entwertet wird? Milliarden wären zu sparen, allein dadurch, wenn vorhandenes Wissen unter Beachtung von Verhältnismäßigkeit und Effektivität in der Praxis umgesetzt werden dürfte.

Die Entideoligisierung des Umweltschutzes ist eine Forderung vieler Ingenieure und Naturwissenschaftler, die seit Jahren immer wieder leise vorgetragen wird. Aus gesellschaftlicher Sicht ist des Pudels Kern nicht anders zu beschreiben, als durch die Weiterführung eines uralten Kampfes zwischen Glauben und Wissen, wobei zum Einen der Glauben zumeist die stärkeren kommerziellen Vorteile auf seiner Seite weiß und zum anderen die Wissenden in der Minderheit sind und als Klügere eben eher nachgeben.

Kurzfristig gedacht, ist es volkswirtschaftlich gewertet auch völlig egal, ob die Mittel für den Gewässerschutz einen Effekt erzielen oder keinen haben. Hauptsache, das Geld fließt.

Und schließlich: Geschmunzelt werden kann darüber, dass ein beachtlicher Teil des Kaffee-CSB im Ablauf der Kläranlagen wieder zu finden ist und als Abwasserabgabe – in Form einer zweiten „Steuer“ – erneut berechnet wird.

(Siehe auch den Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

 

 

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