Schwermetall

Schwermetall im Klärschlamm? Wir können vielleicht helfen!

Schwermetall im Klärschlamm? Wir können vielleicht helfen!

Wie man sieht, haben wir mit Schwermetall keine Schwierigkeiten und die Hantel hält nicht nur ein Ingenieur unseres Hauses mühelos waagerecht und auch noch ohne dabei zu zittern.

Auch unser Chemiker kann hier mithalten und er kann zudem die Hantel chemisch bewerten.

Haben Sie eine Schwermetallaufgabe mit Ihrem Klärschlamm?

Dann haben wir aus vielen Gründen mit der 5266 die beste Telefonnummer der Welt:

+49 3761 5266 oder für Deutschland: o3761 5266

Ein Grund für die beste Telefonnummer ist die wasserwirtschaftliche Erfahrung über 3 Generationen in der Familie!

Konsequenzen einer Grenzwertüberschreitung von Schwermetallkonzentrationen

  1. Hohe Kosten, denn bei Grenzwertüberschreitung von Schwermetallkonzentrationen wird dieser meist Sondermüll, dessen Entsorgung sehr teuer ist.
  2. Bei „Nichtstun“ und Anzeige, ggf. Anklage wegen Straftatbestand der Gewässerverschmutzung.

Nur wenn die relevanten Schwermetallemittenten (-verursacher) bekannt sind, kann die tatsächliche Ursache der Verschmutzung des Grundwassers beurteilt werden.

Eine eventuelle Verschmutzung des Grundwassers mit Schwermetallen – eine entsprechende Dosis vorausgesetzt – ist eine bedeutend folgenreichere Umweltvergiftung gegenüber zu viel Schwermetall im Klärschlamm, der, wenn dies bekannt ist, gefährdungslos – aber teuer – zu entsorgen ist.

Allerdings gibt es auch eine Selbstreinigung von Schwermetallen in der Natur;

Der Wasserkreislauf!

Man muss nur warten können und dürfen.

Wie schwer ist eigentlich Schwermetall?

Wie schwer ist denn nun Schwermetall?

Einer Definition zufolge ist alles Metall mit einer Dichte ≥ 5 g/cm³ Schwermetall.

Eisen hat die Dichte von ≈ 7,9 g/cm³, ist damit ein Schwermetall und so ist das Hantelgleichnis gar nicht so abwegig.

Da Eisen fast überall ist, gilt:

In jedem Klärschlamm dürfte eine gehörige Menge Schwermetall sein.

Wichtige Eigenschaften von Metall

Wegen der Vollständigkeit seien für den, der es noch nicht weiß, die wichtigsten Eigenschaften von Metall aufgezählt:

  1. elektrisch gut leitfähig
  2. undurchsichtig
  3. gut verformbar
  4. relativ hoher Schmelzpunkt
  5. glänzend

Und nun kommt das Besondere dieses Beitrages. Es geht um Schwermetalle,

  1. die nicht nur schwer,
  2. sondern die auch giftig sind,
  3. die vom Belebtschlamm aufgenommen werden und die dann
  4. im Klärschlamm landen.

Schwermetalle sind meist giftig!

Aber manche sind sogar lebensnotwendig!

Doch das ist hier kein Thema.

Warum sind nun Schwermetalle im Klärschlamm zu minimieren?

Um in Ausnahmefällen zu verhindern, dass bei hohen Stoffkonzentrationen giftige Schwermetalle über den Stoffkreislauf den Menschen und andere Organismen vergiften können.

In der Regel, weil es Vorschrift ist.

Eine Mittel zur Schwermetallminimierung: Erfahrung

Schwermetalle im Klärschlamm gelangen über die Kanalisation – meist über Indirekteinleiter auf die Kläranlage.

Langjährige Erfahrungen und kompetente, erfolgreiche Mitarbeiter, z. B. unseren Chemiker Herrn Uwe Eichhorn sind ein wichtiges Mittel zur Schwermetallminimierung.




Vorsorge

Vorsorge

Der Grund zur Vorsorge oder zur Sorge – eine imaginäre Wolke?

Kommentar zu den Leitlinien für die Anwendung des Vorsorgeprinzips der Kommission der Europäischen Gemeinschaften

Nach einer Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften zur Bewertung des Grundes zur Sorge (Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips) vom 02.02.2000 sind verstärkt wissenschaftliche Methoden zur Untersuchung und Bewertung der Risiken zu nutzen.

Das ist eine Voraussetzung zum Beweis der Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips.

Durch die Nutzung wissenschaftlicher Methoden wird das Investitions- und Betriebsrisiko wasserwirtschaftlicher Maßnahmen für Abwasserbeseitigungspflichtige und von Wasserbehörden minimiert.

Schwerpunkt sind Verschärfungen von Überwachungswerten. Üblich war es in der Regel, wenn in einer Behörde ein Grund zur Sorge geäußert wurde, um zusätzliche Maßnahmen oder Kosten zu begründen. In der Regel handelt es sich um abstrakte Emotionen. Es ist aber unmöglich mit abstrakten Emotionen den Beweis zur Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips zu führen.

Damit genügt es in der Regel bei der Begründung einer Verschärfung der Überwachungswerte oder bei der Versagung einer Einleiterlaubnis, wenn eine Behörde oder Fachbehörde Grund zur Besorgnis z. B. einer möglichen Gewässerverunreinigung hat.

Der Grund ist aber ähnlich transparent zu beweisen, wie Kommune und Verbände z. B. ihre Wirtschaftlichkeit bzw. Zweckmäßigkeit nachweisen müssen.

Alle Effizienz der Abwasserbeseitigungspflichtigen verpufft, wenn wasserrechtlichen Zielen die wissenschaftliche Grundlage fehlt. Dieses Defizit ist nicht typisch, aber auch nicht gerade selten.

Der im Wasserrecht üblichen Umkehr der Beweislast ist nach der Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften eher in Ausnahmefällen zu folgen.

So wie es Vorschrift ist, bei Kostenbewertungen im Rahmen kommunaler Abwasserbeseitigungen die Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen der LAWA zu nutzen, wäre bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips schon seit 2000 nach den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips zu verfahren gewesen.

Nach den Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips ist der „Grund zur Besorgnis“ z. B. einer Gewässerverunreinigung dann nachvollziehbar und transparent, wenn folgende Prinzipien beachtet wurden:

  1. Verhältnismäßigkeit
  2. Diskriminierungsverbot
  3. Kohärenzgebot sowie das
  4. Prinzip der Abwägung der Vor- und Nachteile, die mit einem Tätigwerden oder Nichttätigwerden verbunden sind.

Bei den Leitlinien handelt es sich um logische Empfehlungen einer Risikobewertung, die eigentlich auf der Hand liegen sollten.

Neben diesen 4 Nachweisen ist ein 5., bislang kaum beachteter Beweis zu führen: Der Beweis der Refinanzierbarkeit mit einer Gebührenbedarfsprognose, denn das Argument, dass sich die Vorzugsvariante als kostengünstigste Lösung herausgestellt hat, ist nicht hinreichend dafür, dass es verhältnismäßig ist, oder dass es mit Gebühren und Beiträgen refinanzierbar ist und kommunalpolitische Akzeptanz findet.

Die Beobachtung zeigt seit Jahrzehnten, dass wasserbehördliche Maßnahmen, die über die Mindestanforderungen hinausgehen, nicht unbedingt mit konkreten Zielen zu begründen sind.

Bei der täglichen Arbeit ist auch das Prinzip der Transparenz zu beachten.

Die kommunalen Entscheidungsträger und die Bürger sind in den behördlichen Abwägungsprozess einzubeziehen. Das ist ohnehin eine verbindliche Forderung der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Die Chance in der Nutzung dieser Leitlinien liegt auch in der damit verbundenen Ge­währleistung der Verhältnismäßigkeit wasserwirtschaftlicher Forderungen, deren Umsetzung bekanntlich meist sehr kostenintensiv ist und bekanntlich in der Vergangenheit nicht immer den gewünschten Erfolg hatte.

Die Nutzung wissenschaftlicher Methoden zur leidenschaftslosen und unabhängigen Risikoanalyse und -bewertung ist nicht nur eine Voraussetzung zur Gewährleistung des verwaltungsrechtlichen Sparsamkeitsprinzips, sondern dessen Grundlage!

Vorsorge

Vorsorge zum Schutz dieses Biotops: Hier wohl – bei verhältnismäßigen Mitteln – berechtigt.

Sollte sich eine Besorgnis am Ende als unbegründet, unrealistisch, wenig folgenreich oder unwahrscheinlich herausstellen, dann waren alle meist erheblichen Kosten zu deren Abwendung vermeidbare Fehlinvestitionen.

Das Vorsorgeprinzip kann zur Veranschaulichung des Prinzips mit einem gewöhnlichen Versicherungsgeschäft verglichen werden. Es ist abzuwägen, ob z. B. die Kosten und Gefahren für Leben und Gesundheit, die z. B. im Ergebnis eines Brandes entstehen könnten, die Vorsorgeaufwendungen für z. B. eine vollautomatische Brandbekämpfungsanlage rechtfertigen. Mathematisch ist die Aufgabe in Abhängigkeit der Szenarien von Brand- und Schadenswahrscheinlichkeit zu lösen.

Die Abwägung von Gefahren für Leben und Gesundheit sowie zwischen Kostenalternativen mag zwar auf den ersten Blick problematisch erscheinen, ist aber bei genauer Betrachtung die Regel menschlicher Entscheidungen. So hat jeder Verkehrsteilnehmer z. B. diese Frage schon für sich selbst und „nicht humanistisch“ beantwortet. Er nutzt in diesem Falle nach komplexer Abwägung Verkehrsmittel unter Akzeptanz möglicher eigener und fremder Gefahren für Leben und Gesundheit.

Nach den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips ist es (meist) wohl nicht mehr so, dass ein Grund (Meinung) zur Besorgnis hinreichend ist, um Kosten für deren Abwendung zu rechtfertigen. Es hat auch den Anschein, dass Rechtsprechungen abstrakten Gefährdungsszenarien nicht mehr in jedem Fall folgen.

Die Besorgnis – zumindest, wenn es die meisten Abwasserarten betrifft – wäre schon wis­senschaftlich zu analysieren.

Und das dürfte oft – wie es auch den Leitlinien zu entnehmen ist – kein Problem sein.

 

Uwe Halbach

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Die Leitlinien für die Anwendung des Vorsorgeprinzips der Kommission der Europäischen Gemeinschaften

 

 

 




Gewässerschutz

Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 widerspricht konkretem Gewässerschutz

Übermäßiger Gewässerschutz kann gegen das Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 verstoßen!

In diesem Beitrag geht es um die Darstellung der Tatsache, dass der praktizierte Gewässerschutz – also in der Weise wie er offiziell verfolgt wird – keineswegs selten seine Ziele gerade dann verfehlt, wenn er wasserrechtliche Regelungen rigoros umsetzt.

Das ist komisch, ist aber so!

(„Keineswegs selten“ bedeutet, dass es natürlich auch Fälle gibt, in denen der Gewässerschutz seine Ziele erreicht.)

Die Ursache des erwähnten Paradoxon liegt in der Unmöglichkeit,

  1. die konkrete Natur mit abstrakten Rechtsvorschriften abzubilden. Und
  2. in der Unmöglichkeit, mit Rechtsvorschriften in der Natur etwas zu steuern.

Wenn etwas in der Natur mehr oder weniger genau gesteuert werden kann, dann nur in Kenntnis und Anwendung der wissenschaftlichen Ökologie.

So, und nun zu den Tatsachen. Tatsachen haben die Eigenschaft, darauf sei noch hingewiesen, dass sie für ihre Wahrheit keine Akzeptanz benötigen. Beispiel: Die Erde ist rund und dies unabhängig davon, ob der Gesetzgeber oder eine Verwaltung nun daran glaubt oder nicht! Tatsachen bedürfen für ihre Akzeptanz der Dokumentation. Und fehlt die Dokumentation oder ihre Akzeptanz, so bleiben es trotzdem Tatsachen.

Ein schönes Beispiel ist der von Reichholf dokumentierte, gutgemeinte und tatsächliche Eingriff des „Gewässerschutzes“ in die Natur der völlig nach hinten losging. In der Konsequenz kam es zu einem vorhersehbaren Massensterben von Muscheln. Hier sollte man wissen, dass Muscheln gut 100 Jahre alt werden können und als Filtrierer einen beträchtlichen Anteil an der Klarheit eines Gewässers haben können. Zahlreiche Naturfreunde lesen seit Jahren Muscheln aus Gewässern, die aus verschiedensten Gründen zeitweise trocken liegen, um sie umzusiedeln oder anschließend wieder einzusetzen. 3 Beispiele mögen ihre Bemühungen veranschaulichen:

Das ist die eine Seite der Medaille!

Die andere Seite füllt das Wasserhaushaltsgesetz mit seiner Forderung, Abwässer nach dem Stand der Technik zu behandeln. REICHHOLF kritisiert diese Forderung schon 2005:

Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt? Wir können nicht all diesen Tieren die Nahrung wegnehmen und dann darüber klagen, dass sie seltener werden.Reichholf: Die Zukunft der Arten.

Der sogenannte Stand der Technik verursachte in einem dokumentierten Fall ein Massensterben schützenswerter Tiere im Gewässer. Auf der einen Seite begeistert sich der Naturfreund über die Rettung von 20 Muscheln, opfert seine freie Zeit und auf der anderen Seite werden beim guten Tun wasserrechtskonform 4.000 Muscheln/100 m²(!)  getötet.

Aus dem Kapitel 3, ab Seite 47 des Buches von REICHHOLF

Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten.
Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch, erschienen März 2005
München C.H. Beck Verlag

folgt, dass übermäßiger Gewässerschutz zur dramatischen Verschlechterung der Bedingungen in den Ökosystemen für Mauersegler und Großmuscheln führte. Aber lesen Sie selbst:

Gewässerschutz

Abbildung 10: Der Rückgang der Mauersegler verlief parallel zur Abnahme der Großmuscheln und der Mückenlarven.

Zum Verständnis des Diagramms 10 von REICHHOLF:

1968-1973 wurden je 100 m² noch 4.000 Großmuscheln gezählt. 1994 war infolge der „Verbesserung“ der Gewässergüte keine mehr da!

Zum Diagramm, Zitat:

„Dennoch lässt sich wohl der größere Teil — wenn nicht sogar der gesamte Rückgang — als «hausgemacht» erklären. Den Schlüssel dazu liefern ganz ähnliche, ja sogar im Ausmaß noch weit kräftiger ausgebildete Rückgänge bei den Großmuscheln. Und die wandern nicht irgendwohin, sondern sie leben dauerhaft für Jahre und Jahrzehnte in jenen Gewässern, aus denen auch die «Emergenz» von Zuckmücken, kleinen Eintagsfliegen und anderen Wasserinsekten hervorkommt. Abb. 8 zeigt diesen Rückgang der Großmuscheln im selben Gebiet der Stauseen am unteren Inn, in dem auch die starke Abnahme der Mauerseglerhäufigkeit festzustellen war. Die Kleinmuscheln gingen ebenfalls sehr stark zurück.
Fügt man nun auch noch die Abnahme der Häufigkeit der Zuckmückenlarven (Abb. 9) hinzu, die im Bodenschlamm dieser Stauseen leb(t)en, ergibt sich ein einheitliches Gesamtbild (Abb. 10).
Die Gleichsinnigkeit der Verläufe bei den drei so ganz unterschiedlichen Tiergruppen geht hieraus so deutlich hervor, dass sich ein gemeinsamer Grund geradezu aufdrängt. Er lässt sich aus der Lebensweise der Zuckmückenlarven und der Großmuscheln direkt ableiten und mit der Abnahme der Mauersegler verbinden. Beide, die Larven der Zuckmücken wie die Großmuscheln, leben von jenem schon benannten organischen Detritus, den Bakterien und Pilze zersetzen. Sie filtern oder strudeln ihn aus dem Wasser und den obersten Schichten des Bodenschlammes heraus. Vor allem das Bakterieneiweiß, das darin enthalten ist, stellt eine ergiebige Nahrungsgrundlage dar. Sie bildet gleichsam die Basis einer eigenen, sehr umfangreichen Nahrungskette. Erstnutzer dieses Detritus sind Zuckmückenlarven und Schlammröhrenwürmer, die in ähnlichen Mengen und Mengenverhältnissen wie die Zuckmückenlarven in solchen Gewässern vorkommen sowie die Muscheln. Wo es viel von dieser Detritus-Nahrung gibt, entwickeln sich große Bestände dieser «Schlammfauna» (Reichholf 1993). Mit bis zu 2,6 Kilogramm Frischgewicht pro Quadratmeter erreichten Ende der 1960er und Anfang der 1970erJahre die Zuckmückenlarven sogar ziemliche Rekordwerte. Noch erheblich größere Mengen hatte es am Ismaninger Speichersee gegeben.“ (Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten)

Zu dem Verhungern der Mauersegler und Großmuscheln kam es also durch Verschlechterung des Nahrungsangebotes infolge einer übermäßigen Abwasserreinigung.

Ein scheinbares Paradox: Ist doch gerade die Verschlechterung des Gewässerzustandes vom „Gewässerschutz“ ausdrücklich verboten!

Mitunter wird geglaubt, Muscheln brauchen klares Wasser. Das trifft aber nur auf wenige Muschelarten zu. Vielmehr ist korrekt, dass Muscheln – insbesondere Teichmuscheln – trübes Wasser reinigen. Sie filtrieren das Wasser. Für die Teichmuscheln im Dorfteich kann es eng werden, wenn Kleinkläranlagen, die bislang in den Teich entwässerten und nun wegen einer Emotion (abstrakter Grund einer Besorgnis), dass der Gewässerzustand schlechter werden könnte, dort nicht mehr einleiten dürfen. An solche Feinheiten darf eine Gewässerverwaltung nicht einmal denken. Derartige Abweichungen vom Gesetzestext hat der Gesetzgeber ihr bei Strafe verboten und insofern ist an dem negativen Effekt des Guten eine Wasserbehörde meist schuldlos. Es hat den Anschein, der Gesetzgeber traut seinen Unteren Wasserbehörden nicht über den Weg. Sicher sehr zu Unrecht, denn der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Ursachen der Schieflagen sind abstrakte und weltfremde Vorstellungen von der Natur, die zu allem Unglück in Gesetze und Verordnungen zementiert wurden und die unter allen Umständen einzuhalten sowie zu beachten sind, auch wenn Populationsdichte und Biodiversität den Bach hinunter gehen. Helfen könnten zwar

  • ein größerer Entscheidungs- und Verantwortungsspielraum der Unteren Wasserbehörden,
  • mehr Naturwissenschaftlichkeit in den Verwaltungen, so dass man auch Verschlechterungen als Konsequenz des Guten rechtzeitig erahnen kann,
  • Gestattung von Ausnahmen in begründeten Fällen sowie
  • eine Reform des § 27 WHG,

dass aber auch nur ein Teil davon umgesetzt wird, halte ich für ausgeschlossen, weil es tatsächlich um etwas anderes geht. 

Eine Ursache für die Verschlechterung des Gewässerzustandes (Rückgang der Populationsdichte und Biodiversität) ist der § 27 WHG.

Gewässerschutz und Paragraph 27: Bewirtschaftungsziele für oberirdische Gewässer (WHG – Wasserhaushaltsgesetz)

„(1) Oberirdische Gewässer sind, soweit sie nicht nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein guter ökologischer und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.

(2) Oberirdische Gewässer, die nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, sind so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen Potenzials und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein gutes ökologisches Potenzial und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.“

Schon der § 27 ist für den Gewässerschutz ein logisches Dilemma. Er ist in sich in hohem Maße widersprüchlich, wie folgende Aspekte beweisen mögen:

  1. Es gibt keine abstrakte Natur und kein abstraktes Gewässer.
  2. Es ist unmöglich etwas Abstraktes zu verbessern, zu verschlechtern oder zu schützen.
  3. Wasserwirtschaftliche Prinzipien (effiziente Nutzung des Wassers, Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips,…) sind immer konkret!
  4. Ein Effizienzbeweis ist immer nur konkret zu führen. 
  5. Wer abstrakt begründet, hat entweder keine Ahnung oder er verbirgt in raffinierter Weise seine tatsächlichen Ziele und Interessen.
  6. Ein ökologischer Zustand ist immer konkret orientiert, an einen konkreten Organismus oder an eine konkrete Lebensgemeinschaft gebunden. Der  ökologische Zustand bzw. das ökologische Potential im § 27 aber ist abstrakt.
  7. Zwischen dem ökologischen und dem chemischen Zustand gibt es eine Naturgesetzlichkeit. So kann z. B. die Verbesserung der Nahrungsgrundlage und damit des ökologischen Zustandes – konkret der Teichmuschel – eine Verschlechterung des wasserchemischen Zustandes erfordern.

Mit Gewissheit steht damit fest: Der § 27 WHG kann beliebig interpretiert werden. Es handelt sich beim § 27 um einen unter wissenschaftlichen Ökologen seit langen bekannten Nonsens. Er wird von ihnen nur etwas charmanter, in einer Weise formuliert, so dass sich ein Unwissender nicht beleidigt fühlt:

„Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten. Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.“ Lampert

Neben Lampert könnten noch weitere Ökologen genannt werden, z. B. Steinberg.

Am Ende kommt es im Streitfall auf den Richter an, ob dieser eher abstrakten oder konkreten Argumenten zugeneigt ist.

Rumm, u. a. notieren zurecht im Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie, 2. Auflage, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2006:

Maßnahmen müssen zielführend und eben kosteneffizient sein…

allerdings zeigt sich der § 27 für den Gewässerschutz davon völlig unbeeindruckt.

Und schließlich zusammenfassend:

Die Verbesserung der chemischen Gewässergüte zur abstrakten Umsetzung des Verschlechterungsverbotes, ist oft auch Ursache der  Verschlechterung der Lebensbedingungen für bestimmte Lebewesen in konkreten Ökosystemen.

Dem abstrakten Verschlechterungsverbot entspringt das Gebot abstraktes Gutes zu tun und das abstrakte Gute führt in Ökosystemen in der Konsequenz häufig zu konkreten Verschlechterungen. Im Streit über die Bewertung der Realität wird am Ende nicht dem gefolgt, der wissenschaftlich gesehen die Sachlage korrekt bewertet, sondern entscheidend ist – sofern der Streit nicht vor Gericht ausgetragen wird – häufig die Meinung meist einer einzigen Deutungshoheit in einer Verwaltung zur Auslegung abstrakter Regelungen und Dogmen.

Die Akzeptanz des Ergebnisses einer sachlichen, wissenschaftlichen Bewertung, wenn sie im Widerspruch zu den wirtschaftlichen und damit politischen Vorstellungen über die Natur steht, ist eher ein Ausnahmefall.

(Beitrag vom März 2013, überarbeitet im Januar 2017)




Ein guter wasserchemischer Zustand auf Biegen und Brechen?

Ein guter wasserchemischer Zustand ist für sich allein gesehen ein recht einfältiges Ziel. Trotzdem ist er aber bei vielen wasserbehördlichen Entscheidungen immer noch das Maß aller Dinge bzw. das k.o.-Kriterium für vernünftige und verhältnismäßige Alternativen.

Im Falle einer geplanten oder aktuellen Überwachungswertverschärfung wäre aus wasserwirtschaftlicher Sicht vor einer kompromisslosen wasserchemischen Zieldefinition ein Nachweis der Verhältnismäßigkeit lt. WRRL, Artikel 4, 3b notwendig:

Nachweis, dass sinnvollerweise durch andere Mittel keine wesentlich bessere Umweltoption zu erreichen ist, als durch die Verschärfung wasserchemischer Mindestanforderungen.

Diese notwendige Anforderung folgt aus dem Prinzip der Sparsamkeit, zu dessen Einhaltung normalerweise auch (nicht nur) die Unteren Wasserbehörden verpflichtet sind oder sein sollten:

wasserchemischer Zustand

Wie will man in dieser Landschaft eine Verschärfung der Überwachungswerte nachvollziehbar begründen? Gülle bis an das Ufer des Meliorationsgrabens („Gewässer“)! Keine Beschattung, aber die Kommune soll einen wasserchemisch guten Zustand garantieren. Die Frachten der Landwirtschaft werden nicht berücksichtigt, denn es geht juristisch feinsinnig nur um „unerlaubte“ Gewässerverschmutzung. Die Gewässerverschmutzung durch Gülle ist ausdrücklich gesetzlich erlaubt! Bei der Verschärfung der Überwachungswerte CSB, BSB, N, P fällt es oft sehr schwer, Indizien für ökologische Kompetenz in den wasserrechtlichen Begründungen zu entdecken.

Verschärfung von Überwachungswerten und wasserchemischer Zustand

Ein „guter wasserchemischer Zustand“ erfordert nach manchen behördlichen Vorstellungen oft die Verschärfung von Überwachungswerten und  hat immer ganz erhebliche zusätzliche einmalige und/oder laufende Aufwendungen für Unternehmen und Kommunen zur Folge.

Notwendig ist also ein Nachweis, dass diese zusätzlichen Aufwendungen auch tatsächlich erforderlich sind und dass zudem das Erreichen vorher bestimmter konkreter Gewässerschutzziele garantiert wird.

Diese Ansprüche sind in der wasser- bzw. fachbehördlichen Praxis eher eine Ausnahme. Die Folge sind erhebliche Effektivitätsverluste bei der Abwasserbeseitigung und beim Gewässerschutz, verursacht durch ein Übermaß bei der Gewässerverwaltung.

Grundlegende einfachste Zusammenhänge zwischen dem Aufwand und dem Wirkungsgrad (z. B. Geschwindigkeit eines Autos und dessen Benzinverbrauch) einer technischen Anlage sind der Gewässerverwaltung offensichtlich unbekannt. Dabei zählen diese Zusammenhänge zur Allgemeinbildung. Unter Mathematikern und Betriebswirtschaftlern sind diese Zusammenhänge durch das Pareto-Prinzip definiert:

Es ist möglich, dass mit 20 % Kosteneinsatz 80 % aller Gewässerprobleme gelöst werden können. Für die Lösung der restlichen 20 % der Gewässerprobleme ist mit weiteren 80 % Kosten zu rechnen.

Das heißt, die verbreiteten Anstrengungen zur ständigen „Verbesserung“ des Gewässerschutzes („guter wasserchemischer Zustand“) durch Verschärfung der Überwachungswerte – auch infolge der teils kontraproduktiven Forderung der Abwasserreinigung nach dem Stand der Technik – hat eine Kostenexplosion in Form einer Potenzfunktion zur Folge (Pareto-Verteilung).

Mangelhafte oder fehlende Effektivität

Auf den Verstoß gegen wasserwirtschaftliche Prinzipien (z. B. Missachtung notwendiger Effektivität) hat beispielsweise der Wiener Prof. Herr Kroiss schon mehrfach in seinen interessanten Vorträgen hingewiesen.

Die weit verbreitete abstrakte Formulierung von Gewässerschutzzielen („guter wasserchemischer Zustand“) im Rahmen zur Begründung von Verschärfungen der Überwachungswerte ist also unwissenschaftlich, ideologisch determiniert, beliebig und aus all diesen Gründen mit wasserwirtschaftlichen Ansprüchen nicht bewertbar. Zudem steht eine derartige Praxis im Widerspruch zu Regelungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie und zu zahlreichen anderen gesetzlichen Regelungen (z. B. Gemeindeordnung).

Mit abstrakten Gewässerschutzzielen wird das Sparsamkeitsprinzip willkürlich ausgehebelt.

Willkürlich deshalb, weil die sachliche Begründung fehlt. Voraussetzung für eine sachliche Begründung ist, dass sie auf konkreten Prämissen beruht. Gewässerschutzziele werden aber oft abstrakt formuliert (gutes Tun). Damit sind sie beliebig interpretierbar und entziehen sich einer konkreten Effizienzprüfung, die aber gesetzliche Vorschrift ist. Eine wissenschaftliche Kontrolle nach ökologischen Prinzipien wird damit vereitelt und die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz. Ein raffiniertes System.

Wissenschaftliche und sachliche oder politische und willkürliche Ökologie; das ist die Frage!

Bei der Ökologie ist mittlerweile zwischen der wissenschaftlichen und der politischen Ökologie zu unterscheiden. Die politische Ökologie ist als Weltanschauung abstrakt und hat beliebig „Gutes“ zum Ziel, wohingegen die wissenschaftliche Ökologie wertfrei und naturwissenschaftlich nachvollziehbar ist.

In der wissenschaftlichen Ökologie gibt es dagegen keine abstrakten guten Zustände, sondern die Zustände sind für konkrete Organismen in einem konkreten Ökosystem definiert. Daraus folgt das scheinbare Paradoxon, dass z. B. Fische im sauberen Wasser verhungern (sehr guter wasserchemischer Zustand!) und dass in Gewässern mit einer weniger guten wasserchemischen Qualität Artenvielfalt und Fischreichtum herrscht.

Da beide Ökologieformen (politische weltanschauliche Ökologie als Mutation zwischen Ideologie sowie Kommerz und wissenschaftliche Ökologie) nebeneinander existieren, ist es für den Laien fast unmöglich einen klaren Kopf zu behalten. Allerdings gibt es für ihn ein Indiz zur Unterscheidung: Immer wenn abstrakt geschwafelt wird, handelt es sich wahrscheinlich um Ökologismus oder um Ideologie, denn die Wahrheit braucht keine umständlichen Erklärungen. Weitere Indizien sind je nach Charakter und Bildung Ausreden, Verlegenheit oder Aggressivität der Disputanten, wenn sie nach konkreten Argumenten befragt werden.

Die Beliebigkeit des Abstrakten

Diese Beliebigkeit des Abstrakten wird höchstbequem für nicht wasserwirtschaftliche Geschäfte in vielfältiger Weise ausgenutzt.

Wurden Überwachungswerte erst einmal verschärft, dann wird in der Regel nicht mehr geprüft, ob diese Verschärfung noch oder überhaupt notwendig ist oder war. Damit entstehen dem Abwasserbeseitigungspflichtigen Schäden in Millionenhöhe.

Solange aber die Abwasserbeseitigungspflichtigen die Folgen unnötiger Verschärfungen erdulden, müssen sie auch mit den unnötigen einmaligen und/oder laufenden zusätzlichen Aufwendungen leben und haben damit entsprechend zusätzliche Abwasserbeseitigungskosten im Produktpreis zu kalkulieren oder über die Bürger zu refinanzieren.

Der EU-WRRL kann diese bundesweite Fehlentwicklung nicht in die Schuhe geschoben werden, sondern nur denjenigen, die sie nicht lesen, nicht verstehen, die kommerzielle oder ideologische Interessen verfolgen oder denen wasserwirtschaftliches Verständnis überhaupt fremd ist. Erstaunlich sind die Fehlentwicklungen nicht. Denn vielleicht 99,9 % aller Ingenieure beschäftigen sich mit der Umsetzung der Mindestanforderungen oder deren Verschärfung und vielleicht ein oder zwei Ökologen dürfen nachsehen, ob die Zielvorstellungen erreicht werden oder erreicht wurden.

Wer aber als Ökologe nach dem Sinn des Abstrakten sucht, sollte – da wir nicht bei den Indianern sind (die wohl Erfahrungen ihrer  Alten noch achteten) – kurz vor seiner Pensionierung stehen.

Tja, und fast schließlich:

Wasserrahmenrichtlinie Artikel 4, 3b und wasserchemischer Zustand

„(3) Die Mitgliedstaaten können einen Oberflächenwasserkörper als künstlich oder erheblich verändert einstufen, wenn a) die zum Erreichen eines guten ökologischen Zustandes erforderlichen Änderungen der hydromorphologischen Merkmale dieses Körpers signifikante negative Auswirkungen hätten auf:

i) die Umwelt im weiteren Sinne,

ii) die Schifffahrt, einschließlich Hafenanlagen, oder die Freizeitnutzung,

iii) die Tätigkeiten, zu deren Zweck das Wasser gespeichert wird, wie Trinkwasserversorgung, Stromerzeugung oder Bewässerung,

iv) die Wasserregulierung, den Schutz vor Überflutungen, die Landentwässerung, oder

v) andere ebenso wichtige nachhaltige Entwicklungstätigkeiten des Menschen,

b) die nutzbringenden Ziele, denen die künstlichen oder veränderten Merkmale des Wasserkörpers dienen, aus Gründen der technischen Durchführbarkeit oder aufgrund unverhältnismäßiger Kosten nicht in sinnvoller Weise durch andere Mittel erreicht werden können, die eine wesentlich bessere Umweltoption darstellen.“

Das Einfache kann das Geniale sein

Das heißt, ein zu hoher Ammonium- oder Phosphorgehalt kann z. B. durch Beschattung kompensiert werden.

Das Pflanzen von Schwarzerlen kann (und ist in vielen Fällen) wertvoller und kostengünstiger sein, als Denitrifikationsstufen oder Flockungsfiltrationen zu betreiben.

Zu hoffen bleibt, dass die Beachtung der Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie irgendwann doch noch zur Handlungsgrundlage jener wird, die meinen, sie arbeiten für die Wasserwirtschaft.

Und um mit Herrn Prof. Kroiss zu schließen:

„Das kostbarste Gut der Länder mit hohem Standard der Wassergütewirtschaft ist daher nicht das Wasser, weil wir das aus wirtschaftlichen Gründen höchstens 100 bis 200 km transportieren können, sondern das angesammelte Wissen und vor allem die Fähigkeit zur Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure. Der Wettbewerb um eine dauernde Verbesserung der Lösungen muss und darf darunter nicht leiden.“

(Beitrag wasserchemischer Zustand von 2012, überarbeitet am 11.01.2017)




Stand der Technik, DIN-Vorschriften sowie rechtliche Auslegung

Der Stand der Technik.

Über diesen Begriff gibt es eine Kategorie auf dieser Homepage: Überlegungen zur Bewertung technischer Regeln

These zur rechtlichen Auslegung des Standes der Technik und von DIN-Vorschriften:

Nach einer etwas länger zurückliegenden Rechtsprechung lassen sich als anerkannte Regeln der Technik diejenigen Prinzipien und Lösungen bezeichnen, die in der Praxis erprobt und bewährt sind und sich bei der Mehrheit der Praktiker durchgesetzt haben.
(Quelle: NVwZ–RR 1997, 214 – Das Urteil ist am Ende des Beitrages zu finden.)

Kommentar eines Ingenieurs

Dass Prinzipien und Lösungen

  • in der Praxis erprobt sind,
  • sich bewährt haben und
  • sich bei der Mehrheit der Praktiker durchgesetzt haben,

den Stand der Technik kennzeichnen, überzeugt nicht.

So ist die Bedingung, dass sich ein Prinzip bei der Mehrheit der Praktiker durchgesetzt hat, für den Stand der Technik nicht einmal eine Notwendige. Deshalb nicht, weil Techniker häufig auch nach kommerziellen Gesichtspunkten entscheiden müssen und so werden (sicher ganz selten) auch technische Prinzipien fälschlich nur deshalb als Stand der Technik anerkannt, weil sich mit deren Nutzung am leichtesten Geld verdienen lässt. Aber wie gesagt, das sind natürlich nur ganz wenige Ausnahmen.

Diese falsche Prämisse, dass Stand der Technik dann Stand der Technik sei, wenn die Mehrheit der Praktiker ihn umsetzt, ist recht verbreitet. Neben erwähnten kommerziellen Gesichtspunkten hat der Techniker aber auch gesetzliche Vorgaben umzusetzen und die müssen allein schon deshalb keineswegs Stand der Technik sein und ihre Umsetzung kann mitunter Stillstand oder sogar Rückschritt bedeuten. Das (niedergeschriebene) technische Regelwerk ist schon träge in der Wiederspiegelung seines Standes, aber gesetzliche Vorgaben sind weitaus träger. Sie können auch leicht Jahrzehnte hinter dem wissenschaftlichen Stand völlig unbeeindruckt verharren. (Wer daran zweifelt, dem sende ich einen Beweis.)

Im Übrigen weist das Gericht indirekt ja selbst auf diese Gefahr eines Irrtums bei der Bewertung hin:

Ihnen gehören auch Vertreter bestimmter Branchen und Unternehmen an, die ihre Eigeninteressen einbringen.

Also:

Wenn Vertreter bestimmter Branchen und Unternehmen ihre Eigeninteressen bei der Definition des Standes einbringen können, dann besteht natürlich die Gefahr, dass es sich bei dem Stand der Technik nicht um den Stand der Technik, sondern eher um einen hohen Stand aus Sicht des Kommerziellen handelt.

Damit gilt:

Die Bedingung, dass ein Prinzip oder eine Lösung sich bei der Mehrheit der Praktiker durchgesetzt habe, ist weder notwendig noch allein hinreichend für den Beweis des Standes der Technik.

Das Gegenteil wäre ja auch erstaunlich.

Aufschlussreich ist für den Abschluss dieses Kapitels jene Bewertung, die Schiller (1759-1895) den Fürst Leo Saphia im Demetrius so Nachdenkliches über Mehr- und Minderheiten sagen lässt:

Johann Christoph Friedrich von Schiller

„Die Mehrheit?

Was ist die Mehrheit?

Mehrheit ist der Unsinn; Verstand ist stets bei Wen’gen nur gewesen.

Bekümmert sich um’s Ganze, wer nichts hat?

Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl? Er muss dem Mächtigen, der ihn bezahlt, Um Brot und Stiefel seine Stimm‘ verkaufen.

Man soll die Stimmen wägen, und nicht zählen; Der Staat muss untergehen, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.“

Stand der Technik nach Anhang 2 Wasserhaushaltsgesetz

Nun, die Bewertung des Standes der Technik ist aber durchaus in einer vernünftigen Weise ohne Mehrheiten und Konsens möglich. Dann nämlich, wenn sachlich begründet bei der Bewertung des Standes der Technik dem Anhang 2 Wasserhaushaltsgesetz gefolgt wird. Dem Anhang 2 WHG sind für die Bewertung des Standes der Technik folgende drei notwendige Voraussetzungen zu entnehmen:

„Bei der Bestimmung des Standes der Technik sind unter Berücksichtigung

  1. der Verhältnismäßigkeit zwischen Aufwand und Nutzen möglicher Maßnahmen
  2. des Grundsatzes der Vorsorge und der Vorbeugung,
  3. jeweils bezogen auf Anlagen einer bestimmten Art, insbesondere folgende Kriterien zu berücksichtigen:…“

Durch die „und-Verknüpfung“ ist die Bestimmung des Standes der Technik dann hinreichend nachgewiesen, wenn alle 3 Voraussetzungen erfüllt sind. Der Nachweis ist nicht erbracht, wenn wenigstens eine von den 3 Prämissen fehlt.

Leider ist es Fakt, dass das Hinreichende der Bedingung (Konjunktion dreier Aussagen – analog dem folgenden Schaltplan für 2 Aussagen) zur Bestimmung des Standes der Technik weder von den Technikern verraten wird (das wäre ja umsatzschädlich), noch in der Gewässerverwaltung bekannt zu sein scheint, obwohl es Gesetzestext ist. (Wahrscheinlich fehlt hier eine entsprechende Verwaltungsvorschrift zur nachvollziehbaren Nutzens- und Risikobewertung unter Beachtung der Mitteilung der EU-Kommission von 2000).

Beispiel einer logischen Konjunktion zweier Aussagen: Die Lampe leuchtet, wenn die Ereignisse x und y eintreten.

Beispiel einer logischen Konjunktion zweier Aussagen: Die Lampe leuchtet, wenn die Ereignisse x und y eintreten.

Die erste notwendige Voraussetzung „Verhältnismäßigkeit zwischen Aufwand und Nutzen möglicher Maßnahmen“ wird bei dem Nachweis des Standes der Technik regelmäßig ignoriert.

Ein solcher Nachweis muss begründet, prüffähig und nachvollziehbar vorliegen.

Es gibt aber erfreuliche Ausnahmen!

Die Konsequenzen eines fehlenden korrekten Nachweises des Standes der Technik können extrem sein:

  1. wasserwirtschaftliche Fehlinvestitionen
  2. Entwertung von privatem und öffentlichem Vermögen

Das Gefühl des Bauches

In der wasserwirtschaftlichen Praxis wird der Stand der Technik zumeist (Wie gesagt, nicht immer, es gibt auch weiße Schafe!) so definiert:

  1. Verhältnismäßigkeitsnachweis zwischen Aufwand und Nutzen möglicher Maßnahmen:
    • wird ignoriert,
    • Nutzensbewertungen und Risikobewertung für die Zielerreichung fehlen meist völlig
  2. Der Grundsatz der Vorsorge und der Vorbeugung wird im Bauch erfühlt.
  3. Der letzte Schrei der Technik begeistert dagegen, erfordert er doch oft die Zerstörung des Bewährten.

Nichts gegen Bäuche! Vergleiche dazu Gigerenzer: Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition, 2008. Entscheidungen nach Bauchgefühl können durchaus wissenschaftlich begründet und sinnvoll sein. Wenn sie aber das kommunale Vermögen betreffen, liegt man meist mit einer prüffähigen Nutzensbewertung auf der sicheren Seite. So die einschlägige Meinung des Rechnungsprüfungsamtes und so sieht es auch die EU-Kommission von 2000.

Und übrigens: Im Kontext zur Nutzensbewertung ist auch das Risiko zu bewerten. Wasserwirtschaftliche Investitionen beruhen, wie jede Investition, auf der falschen Annahme, dass der Investor über völlig sichere Erwartungen verfügt. D. h. es ist zu beweisen, wie wahrscheinlich es ist, dass der gewünschte Zustand für eine konkrete Tierart im Gewässer überhaupt eintritt.

Ein Abschweifen zur guten Bewertung des guten Zustandes

Es erstaunt schon, dass einerseits die Kosten wasserwirtschaftlicher Investitionen verbissen kalkuliert und verglichen werden. Andererseits aber das Wichtigstes, der Nutzen nämlich, nebulös, wolkig, und mit dem Bauchton der Überzeugung höchst abstrakt gedeutet wird. Und ganz wolkig bleibt der Beweis, wie wahrscheinlich es überhaupt ist, dass die Lösung der oft nur vermeintlich wasserwirtschaftlichen Aufgaben die Zielerreichung, z. B. den „guten Zustand“ gewährleistet? Und der Nachweis, welcher „schlechte Zustand“ nebenbei erreicht werden könnte.

Und ganz schlimm wird es deshalb, wenn plötzlich ein Biotop oder ein Ökosystem einen guten Zustand haben soll. Dann wird es richtig komisch, denn Gewässer haben keine guten und schlechten Zustände.

Die Kunde von der Unmöglichkeit der Zustandsbewertung eines Gewässers hat sich nur noch nicht getraut, die Hörsäle der Hochschulen und Universitäten zu verlassen. Sie wartet dort schon wenigstens 20 Jahre.

Die Unmöglichkeit einer abstrakten Gewässerzustandsbewertung ist wissenschaftlicher Stand der Hydrobiologie!

Abgesehen davon, benötigt man keine Hochschulausbildung, um über den Unsinn der heutigen Gewässerzustandsbewertung schmunzeln zu können. Es genügt den eigenen Kopf zu gebrauchen. Und wer Experimente mag oder es für die Erkenntnis reizvoll findet, der sperre mal 3 fette Frösche sowie eine hungrige Ringelnatter in ein Terrarium und versuche sich an einer Zustandsbewertung dieses Biotops am besten nach der EU-WRRL.

Stand der Technik – eine korrekte Bewertung

Korrekt wäre es dagegen so:

  1. Verhältnismäßigkeitsnachweis zwischen Aufwand und Nutzen möglicher Maßnahmen durch Variantenuntersuchung
    • Kostenvergleich nach den Leitlinien für Kostenvergleichsrechnung
    • Nutzensanalyse & -bewertung
    • Bewertung des Risikos der Zielerreichung bzw. der Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung ggf. im Rahmen der Nutzensanalyse & -bewertung
    • Kalkulation der Effizienz der Varianten (z. B. Nutzwert-Kostenanalyse)
  2. Grundsatz der Vorsorge und der Vorbeugung nicht aus dem Bauch, sondern nach den Leitlinien für die Anwendung des Vorsorgeprinzips
  3. Umsetzung der technischen Vorzugslösung entsprechend der Untersuchungen nach 1. und 2.

Der Stand der Technik nach Anhang 2 Wasserhaushaltsgesetz kann durchaus der Stand von vorgestern sein. Dies mag jene Glosse beweisen: Lumpenschieber.

Madeirischer Lumpenschieber nach dem Stand der Technik

Madeirischer Lumpenschieber nach dem Stand der Technik

Lumpen und Steine sind für die Funktion dieser Technik entscheidend.

Ursache für den Stand der Technik des Lumpenschiebers ist seine hohe Effizienz in diesem konkreten Einzelfall auf Madeira, die jeden modernen Absperrschieber (der natürlich auch seine Berechtigung hat!) gnadenlos schlägt – wie die Praxis beweist.

Hier zeigt sich auch sehr schön die Weisheit, dass eine Tatsache keine Begründungen, sondern eher eine Dokumentation benötigt. Aber selbst ohne Dokumentation bleibt es eine Tatsache. Und je mehr versucht wird eine Wahrheit zu begründen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine Lüge handelt. Doch das nur am Rande.

Zur Plausibilitätsprüfung, ob der Stand der Technik tatsächlich ein akzeptabler Stand ist, bietet sich ein Indizienbeweis an: Das Indiz des Nichtkomischen.

Der Stand der Technik wird, wenn er unverhältnismäßig ist, komisch.

Ist ein Stand der Technik aber komisch, dass ist dies als Hilfstatsache (Indiz) eine Prämisse für die Konklusion, dass es der Technik an Verhältnismäßigkeit mangelt und dass sie deshalb eben nicht Stand der Technik ist.

Wer die Kraft hat, seine schwer erarbeitete Überzeugung täglich in Frage zu stellen, der wird beim Nachdenken – im Sinne des Wortes – über die Anregungen von Philosophen seine Freude haben und aus diesem Blickwinkel, über das Komische in manchen Regeln vielleicht lachen können, auch wenn es weh tut. Für den Leser, der sich an Aphorismen erfreuen kann, seien folgende Verweise empfohlen:

Komiker meinen, man lache bei einem Witz nur um sich zu belohnen, weil man hinter die Pointe kam.

Im Falle eines Aphorismus wird man sich mit Schmunzeln belohnen, wenn die Gründe der Weisheit des Aphorismus bekannt waren, oder weil man sie rechtzeitig erahnte.

U. Halbach

***

Zitat:

Stand der Technik im Wasserrecht

Quelle: NVwZ–RR 1997, 214 (WHG § 18b, NdsWassG § 153)

1. Die Auslegung von DIN–Vorschriften (hier: DIN 4261 Teil 1, Teil 2, Kleinkläranlagen) ist als solche keine Rechtsanwendung, sondern Tatsachenfeststellung.

2. DIN–Vorschriften können anerkannte „Regeln der Technik“ i.S. des § 18b WHG sein, sind dies aber noch nicht ohne weiteres Kraft ihrer Existenz; sie schließen den Rückgriff auf weitere Erkenntnismittel nicht aus.

3. § 18b WHG setzt mit der Bezugnahme auf die „Regeln der Technik“ einen Mindeststandard; er schließt nicht aus, dass Landesrecht (hier: § 153 NdsWassG) strengere Anforderungen stellt.

BVerwG, Beschluss v. 30.09.1996 – 4 B 175/96 Lüneburg

Zum Sachverhalt:

Der Kl. hatte in einem Verfahren die Abwasserbehandlung und -einleitung betreffend Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt, die erfolglos blieb.

Aus den Gründen:

Die Rechtssache hat nicht die grundsätzliche Bedeutung, die ihr der Kl. beimisst. Die Frage, ob Sickerschächte bei Kleinkläranlagen nicht mehr den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen, ließe sich in dem erstrebten Revisionsverfahren nicht klären. Sie betrifft nicht die Anwendung und Auslegung von Bundesrecht i.S. des § 137 I Nr. 1 VwGO. Der Bundesgesetzgeber nimmt zwar in § 18b I WHG ebenso wie der niedersächsische Landesgesetzgeber in § 153 I 1 des Niedersächsischen Wassergesetzes – NdsWassG – auf die „Regeln der Technik“ Bezug. Diese Regeln stellen aber nicht selbst Rechtsnormen dar. Die Beschwerde leitet aus der DIN 4261 Teil 1 ab, dass es ausreicht, Kleinkläranlagen mit Sickerschächten auszustatten.

Das Deutsche Institut für Normung hat indes keine Rechtsetzungsbefugnisse. Es ist ein eingetragener Verein, der es sich zur satzungsgemäßen Aufgabe gemacht hat, auf ausschließlich gemeinnütziger Basis durch Gemeinschaftsarbeit der interessierten Kreise zum Nutzen der Allgemeinheit Normen zur Rationalisierung, Qualitätssicherung, Sicherheit und Verständigung aufzustellen und zu veröffentlichen.

Wie weit er diesem Anspruch im Einzelfall gerecht wird, ist keine Rechtsfrage, sondern eine Frage der praktischen Tauglichkeit der Arbeitsergebnisse für den ihnen zugedachten Zweck. Rechtliche Relevanz erlangen die von ihm erarbeiteten Normen im Bereich des technischen Sicherheitsrechts nicht, weil sie eigenständige Geltungskraft besitzen, sondern nur, soweit sie die Tatbestandsmerkmale von Regeln der Technik erfüllen, die der Gesetzgeber als solche in seinen Regelungswillen aufnimmt.

Werden sie, wie dies beim Bau und beim Betrieb von Abwasseranlagen geschehen ist, vom Gesetzgeber rezipiert, so nehmen sie an der normativen Wirkung in der Weise teil, dass die materielle Rechtsvorschrift durch sie näher konkretisiert wird.

Die Problematik dieses Vorgangs spricht die Beschwerde mit ihrer ersten Frage indes nicht an. Die Frage, ob Regeln der Technik durch Verwaltungserlass begründet werden können, rechtfertigt ebenfalls nicht die Zulassung der Revision. Sie würde sich in einem Revisionsverfahren nicht stellen, da sie weder entscheidungserheblich ist noch über den Kreis des irreversiblen Landesrechts hinausgreift. Das BerGer. hat darauf abgestellt, dass vorhandene Abwasseranlagen so anzupassen sind, dass sie die in Betracht kommenden Regeln der Technik einhalten. Die Beschwerde geht davon aus, dass im Bereich der Abwasserbehandlung und -einleitung die Regeln der Technik mit der DIN 4261 Teil 1 (Kleinkläranlagen oder Abwasserbelüftung) identisch sind. Dies entspricht nicht der Sichtweise des BerGer., das sich insoweit – wenn auch unausgesprochen – an dem in der höchstrichterlichen Rechtsprechung geklärten Begriff der anerkannten Regeln der Technik orientiert hat.

Danach lassen sich als anerkannte Regeln der Technik diejenigen Prinzipien und Lösungen bezeichnen, die in der Praxis erprobt und bewährt sind und sich bei der Mehrheit der Praktiker durchgesetzt haben.

(vgl. BVerfGE 49, 89 (135) = NJW 1979, 359; BVerwG, Buchholz 401.64 § 7 AbwAG Nr. 2 = NVwZ 1993, 998; Buchholz 406.25 § 3 BImSchG Nr. 9; vgl. auch § 2 X UGBl; 215 E).

DIN-Vorschriften und sonstige technische Regelwerke kommen hierfür als geeignete Quellen in Betracht. Sie haben aber nicht schon kraft ihrer Existenz die Qualität von anerkannten Regeln der Technik und begründen auch keinen Ausschließlichkeitsanspruch. Als Ausdruck der fachlichen Mehrheitsmeinung sind sie nur dann zu werten, wenn sie sich mit der Praxis überwiegend angewandter Vollzugsweise decken. Das wird häufig, muss aber nicht immer der Fall sein. Die Normausschüsse des Deutschen Instituts für Normung sind pluralistisch zusammengesetzt. Ihnen gehören auch Vertreter bestimmter Branchen und Unternehmen an, die ihre Eigeninteressen einbringen. 

Die verabschiedeten Normen sind nicht selten das Ergebnis eines Kompromisses der unterschiedlichen Zielvorstellungen, Meinungen und Standpunkte.

(vgl. BVerwGE 77, 285 = NJW 1987, 2886 = NVwZ 1987, 1080). Sie begründen eine tatsächliche Vermutung dafür, dass sie als Regeln, die unter Beachtung bestimmter verfahrensrechtlicher Vorkehrungen zustande gekommen sind, sicherheitstechnische Festlegungen enthalten, die einer objektiven Kontrolle standhalten, sie schließen den Rückgriff auf weitere Erkenntnismittel aber keineswegs aus.

Die Behörden, die im Rahmen des einschlägigen Rechts den Regeln der Technik Rechnung zu tragen haben, dürfen dabei auch aus Quellen schöpfen, die nicht in der gleichen Weise wie etwa die DIN-Normen kodifiziert sind.

Unter welchen Voraussetzungen sie sich auf dem Gebiet des Abwasseranlagenbaus von der Erkenntnis leiten lassen können, dass Sickerschächte nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen, ist eine Frage der Einzelfallwürdigung. Im Übrigen verkennt die Beschwerde, dass sich das BerGer. nicht auf § 18b WHG, der dem revisiblen Bundesrecht angehört, sondern auf die landesrechtliche Bestimmung des § 153 NdsWassG gestützt hat. Bei dieser Entscheidungssituation lässt sich der Bezug zum Bundesrecht nicht mit dem bloßen Hinweis herstellen, dass beide Vorschriften, soweit hier von Belang, nahezu wortgleich sind. § 18b WHG hat auf der verfassungsrechtlichen Grundlage des Art. 75 I 1 Nr. 4 GG rahmenrechtlichen Charakter.

Er gilt nicht aufgrund eines Gesetzgebungsbefehls des Bundesgesetzgebers unmittelbar, sondern bedarf der Umsetzung in Landesrecht, um Rechte und Pflichten zu begründen. Er steckt lediglich den Rahmen ab, den die Länder auszufüllen haben.

Mit der Bezugnahme auf die Regeln der Technik bezeichnet § 18b WHG den bundeseinheitlichen Mindeststandard, dem Abwasseranlagen genügen müssen. Strengere Anforderungen werden damit nicht ausgeschlossen. Dies folgt schon daraus, dass § 18b WHG die Errichtung und den Betrieb mit den Benutzungsbedingungen und Auflagen für das Einleiten von Abwasser verknüpft, aus denen sich unter Umständen weitergehende Erfordernisse als aus den Regeln der Technik ergeben können.

Welcher baulichen Vorkehrungen es bei Abwasseranlagen bedarf, um i.S. des § 1a II WHG eine Verunreinigung des Wassers oder eine sonstige nachteilige Veränderung seiner Eigenschaften zu verhüten, ist der einschlägigen Norm des Landesrechts zu entnehmen, die einer revisionsgerichtlichen Prüfung entzogen ist. Daran ändert auch der Hinweis der Beschwerde auf Art. 14 GG nichts. § 153 NdsWassG erfüllt die Merkmale einer gesetzlichen Inhalts- und Schrankenbestimmung i.S. des Art. 14 I 2 GG. Dies bedarf nicht eigens einer Bestätigung in einem Revisionsverfahren.

Inwiefern eine Revisionszulassung darüber hinaus zur Klärung von Fragen beitragen könnte, die durch Art. 14 GG aufgeworfen werden, legt die Beschwerde nicht dar. Die Verfahrensrüge greift ebenfalls nicht durch. Der geltend gemachte Fehler liegt nicht vor. Der Tatrichter hat nur dann Anlass, den Sachverhalt nach § 86 I 1 VwGO weiter zu erforschen, wenn er von seinem materiellrechtlichen Standpunkt aus des zusätzlichen Tatsachenmaterials bedarf. Das BerGer. brauchte nicht aufzuklären, ob das Grundwasser aufgrund der Schadstoffbelastung des Abwassers und der Untergrundverhältnisse konkret gefährdet ist, falls der Kl. weiterhin den Sickerschacht benutzt. Von seinem materiellrechtlichen Ansatz her erübrigten sich Feststellungen in dieser Richtung, da § 153 NdsWassG nach seinem Verständnis schon dann dazu ermächtigt, Nachrüstungsmaßnahmen anzuordnen, wenn eine vorhandene Abwasseranlage nicht nach den Regeln der Technik betrieben wird. Das BerGer. brauchte auch nicht Nachforschungen über die technischen Anforderungen an Mehrkammer-Ausfaulgruben anzustellen. Es hat dem Erlass des niedersächsischen Umweltministers vom 3. 5. 1988 entnommen, dass Sickerschächte nicht mehr den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Sollte diese Annahme auf einer Fehleinschätzung beruhen, so handelt es sich nicht um einen Aufklärungsmangel i.S. des § 132 II Nr. 3 VwGO, sondern um einen Fehler bei der Anwendung des materiellen Rechts, der nur unter den in § 132 II Nrn. 1, 2 VwGO genannten, von der Beschwerde nicht erfüllten Voraussetzungen zur Zulassung der Revision führen kann.“

(Layout und Hervorhebungen: U. Halbach)

 




Tatsachenfeststellungen in Gerichtsgutachten

Gelehrter oder Weltmann. Wer beurteilt Tatsachen trefflicher?

Häufig wird versucht konkrete Tatsachen mit Regeln, Gesetzen, Vorschriften, Vorstellungen o. ä. zu begründen. Tatsachenfeststellungen sind aber nicht induktiv zu beweisen, sondern ggf. prüffähig zu dokumentieren.

Zum Verständnis dient als Beweis ein Zitat von Schopenhauer ([1], S. 606) aus dem Kapitel 6 seiner Lehre von der abstrakten oder Vernunft-Erkenntnis:

„Beim eigenen Nachdenken ist die Abstraktion ein Abwerfen unnützen Gepäckes, zum Behuf leichterer Handhabung der zu vergleichenden und darum hin und her zu werfenden Erkenntnisse. Man läßt nämlich dabei das viele Unwesentliche, daher nur Verwirrende, der realen Dinge weg, und operirt mit wenigen, aber wesentlichen, in abstracto gedachten Bestimmungen. Aber eben weil die Allgemeinbegriffe nur durch Wegdenken und Auslassen vorhandener Bestimmungen entstehen und daher je allgemeiner, desto leerer sind, beschränkt der Nutzen jenes Verfahrens sich auf die Verarbeitung unserer bereits erworbenen Erkenntnisse, zu der auch das Schließen aus den in ihnen einzuhaltenen Prämissen gehört.

Neue Grundeinsichten hingegen sind nur aus der anschaulichen, als der allein vollen und reichen Erkenntniß zu schöpfen, mit Hülfe der Urtheilskraft…denn da alle Abstraktion im bloßen Wegdenken besteht; so behält man, je weiter man sie fortsetzt, desto weniger übrig.“

Dem Kapitel 7 „Vom Verhältniß der anschauenden zur abstrakten Erkenntnis“ ist u. a. zu entnehmen:

„Denn alle abstrakte Erkenntniß giebt zuvörderst bloß allgemeine Grundsätze und Regeln; aber der einzelne Fall ist fast nie genau nach der Regel zugeschnitten: sodann soll diese nun erst das Gedächtniß zu rechter Zeit vergegenwärtigen; was selten pünktlich geschieht: dann soll aus dem vorliegenden Fall die propositio minor gebildet und endlich die Konklusion gezogen werden. Ehe das Alles geschehen, wird die Gelegenheit uns meistens schon das kahle Hinterhaupt zugekehrt haben, und dann dienen jene trefflichen Grundsätze und Regeln höchstens, uns hinterher die Größe des begangenen Fehlers ermessen zu lassen. Freilich wird hieraus, mittelst Zeit, Erfahrung und Uebung, die Weltklugheit langsam erwachsen; weshalb, in Verbindung mit diesen, die Regeln in abstracto allerdings fruchtbar werden können.

Hingegen die intuitive Erkenntniß, welche stets nur das Einzelne auffaßt, steht in unmittelbarer Beziehung zum gegenwärtigen Fall: Regel, Fall und Anwendung ist für sie Eins, und diesem folgt das Handeln auf den Fuß.

Hieraus erklärt sich, warum, im wirklichen Leben, der Gelehrte, dessen Vorzug im Reichthum abstrakter Erkenntnisse liegt, so sehr zurücksteht gegen den Weltmann, dessen Vorzug in der vollkommenen intuitiven Erkenntniß besteht, die ihm ursprüngliche Anlage verliehen und reiche Erfahrung ausgebildet hat. Immer zeigt sich zwischen beiden Erkenntnißweisen das Verhältniß des Papiergeldes zum baaren: wie jedoch für manche Fälle und Angelegenheiten jenes diesem vorzuziehen ist; so giebt es auch Dinge und Lagen, für welche die abstrakte Erkenntniß brauchbarer ist, als die intuitive. Wenn es nämlich ein Begriff ist, der, bei einer Angelegenheit, unser Thun leitet; so hat er den Vorzug, ein Mal gefaßt, unveränderlich zu seyn; daher wir, unter seiner Leitung, mit vollkommener Sicherheit und Festigkeit zu Werke gehen. Allein diese Sicherheit, die der Begriff auf der subjektiven Seite verleiht, wird aufgewogen durch die auf der objektiven Seite ihn begleitende Unsicherheit: nämlich der ganze Begriff kann falsch und grundlos seyn, oder auch das zu behandelnde Objekt nicht unter ihn gehören, indem es gar nicht, oder doch nicht ganz, seiner Art wäre.“ Schopenhauer ([1], Seite 617)

Es ist also nach Schopenhauer festzustellen:

  • Die wahre Erkenntnis ist nur durch Tatsachenbewertung möglich.
  • Aus abstrakter Erkenntnis sind bloß allgemeine Grundsätze und Regeln abzuleiten.
  • Der einzelne Fall ist fast nie genau nach der Regel zugeschnitten.

Die wahre Erkenntnis ist intuitiv, konkret und wird durch Anschauung des Konkreten und nicht durch bewertende Vergleiche mit Abstraktem (Theorien, Regeln) gewonnen.

Die Intuition ist ein Synonym. Der philosophische Begriff einer Intuition nach Schopenhauer ist nicht mit der Intuition als Begriff für Erleuchtung, Eingebung oder Spürsinn zu verwechseln.

Hier geht es um Erkenntnis durch Anschauung mit Hilfe der Urteilskraft sowie um Tatsachenfeststellung und -bewertung. Siehe dazu die Ausführungen von Schopenhauer.

Siehe auch:

Quellen:

[1] Schopenhauer, A.
Die Welt als Wille und Vorstellung
Dritte, verbesserte, und beträchtlich vermehrte Auflage von 1859
Voltmedia GmbH Paderborn

[2] Bayerlein
Praxishandbuch Sachverständigenrecht
2. Auflage
C.H. Beck`sche Verlagsbuchhandlung
München 1996

 




Zustandsbewertung der Gewässer – Ökologischer Einklang

Ooom

Zum „ökologischen Einklang“ folgendes Zitat:

„Unberücksichtigt bleiben der Zusammenhang zwischen Stabilität und Mangel, der größere Änderungen einfach verhindert, und die tatsächlichen Ungleichgewichte in der Natur, ohne die sie gar nicht funktionieren könnte. Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, daß es ausgerechnet die »balancierten« mittleren Zustände sind, die zwar als solche wünschenswert wären, sich aber nicht so recht einstellen lassen. Das erste Beispiel liefert die Belastung und Reinhaltung von Seen Eingeleitete Abwässer düngten seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten, bis die Folgen sichtbar wurden. Die anfänglich sauberen Gewässer drohten zu »kippen«, was bedeuten sollte, daß sie vom nährstoffarmen, sauberen Zustand in einen nährstoffreichen, schmutzigen hinüberwechselten oder daß dieser Wechsel bevorstand. Durch Ringkanalisationen und starke Verminderung der Abwässerzufuhr ließ sich dieses Kippen in zahlreichen Fällen verhindern. Die Seen wurden wieder sauberer, aber nun nahmen auch die Fischerträge (stark) ab. Denn nährstoffarme Seen sind unproduktiv, weil in ihnen Mangel an Nährstoffen herrscht. Das ist gut für die Gewinnung von Trinkwasser aus dem See sowie für den Bade- und Erholungsbetrieb, nicht aber für die Fischerei und für die (zu schützenden) Wasservögel, für die bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier. All diesen geht es im nährstoffreichen See weitaus besser. Fische gibt es in Hülle und Fülle; Wasservögel auch und diese ohne nennenswerte Konflikte mit der Fischerei zu verursachen. Beide Zustände kann der See nicht gleichzeitig einnehmen. Er ist entweder nährstoffarm (oligotroph) und unproduktiv oder nährstoffreich (eutroph) und produktiv. Entweder — oder? Dazwischen liegt doch der mittlere Zustand, mesotroph genannt Er verbindet gute Produktivität mit sauberem Wasser, weil im Idealfall all das wieder um- und abgebaut wird, was im Sommer produziert worden ist. Doch dieser Mittelzustand erweist sich als instabil. Er geht rasch in den einen oder in den anderen über. Nur mit außerordentlich (und unrealistisch) hohem Aufwand ließe er sich aufrechterhalten. Stabile Zustände sind Nährstoffreichtum und -armut. Ist so ein See ein Sonderfall? Durchaus nicht. Nährstoffreiche und nährstoffarme Zustände sortieren sich allüberall in der Natur.“ Reichholf [1]

Also:

Den Zustandsbewertungen lt. EU WRRL scheint es in erheblichem Umfang an ökologischen Grundlagen zu fehlen.

Gemeint sind die Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie.

Die Weise, wie die EU WRRL mitunter umgesetzt und verstanden wird, führt ins wunderbare Chaos. Man wundert sich, warum es nicht gelingt mit guten wasserchemischen Zuständen gute biologische Zustände für „bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier“ zu gewährleisten. Es scheint unmöglich der Gewässerverwaltung zu vermitteln, dass ein guter Zustand häufig die Verschlechterung eines anderen Zustandes verursachen kann.

Der Ökologe Herr Prof. Reichholf steht mit seinen o.g. Tatsachenbewertungen nicht allein. Siehe auch den Beitrag zur Mistbiene.

Quelle:
[1] Stabile Ungleichgewichte.
Die Ökologie der Zukunft.
Josef H. Reichholf
edition unseld
SV
1. Auflage 2008
(S.111-112)




Stand der Technik auf Madeira

Eine Glosse

Lumpenschieber: Stand der Technik auf Madeira?

Na klar!

Dieses tolle 2-Wege-Absperrorgan – einen Lumpenschieber nämlich – fand ich bei einer Wanderung durch eine Ortschaft der Insel Madeira.

Bestimmte Dinge sind nur aus der Entfernung korrekt zu bewerten.

Überraschen kann dabei das Umschlagen der Meinungen in dem Maße, wie man sich vom betrachtetem Gegenstand oder Zusammenhang räumlich oder zeitlich entfernt.

So ist es auch mit der Bewertung des Lumpenschiebers.

Aus deutscher Sicht der Techniker ist es Schrott, aber bei Betrachtung in der Ferne einfach genial!

Der Techniker hasst das Geniale, weil es oft zu einfach ist.

Interessant ist neben dem unvergänglichem Stand der Technik auch die kulturhistorische Bedeutung, die sich jedem Betrachter auf Anhieb erschließen sollte.

Madeirischer Lumpenschieber nach dem Stand der Technik

Madeirischer Lumpenschieber ist Stand der Technik (Verteilung des Wassers aus einer Levada auf verschiedene Felder)

Merkmale und Nutzen des madeirischen 2-Wege-Absperrorgans

Die Merkmale des madeirischen 2-Wege-Absperrorgans springen ins Auge:

Er ist einfach, kinderleicht zu bedienen, man benötigt keine Sach- und Fachkunde.

Es genügt, wenn Papa dem Kleinen sagt: „Mach hin! Un tu die Steine wech!

Mehr Sachkunde braucht der Vierjährige nicht.

Fachkunde ist unnötig.

Da muss kein Schalter umgelegt werden und kein Nullleiter ans Gehäuse. FI-Schalter braucht das Ding nicht.

Hier macht Arbeiten noch Spaß und der Junge lernt etwas von klein auf.

Mancher deutsche Techniker wird wegen der niedrigen Anforderungen lästern. Stand der Technik?

Wer lacht?

Weise ist vorschnelles Verurteilen mit Gewissheit nicht.

Es sind die leisen Töne, die die Musik machen!

Diese Technik des Lumpenschiebers ist jedenfalls mehr Stand der Technik als der Stand der Technik mancherlei vollbiologischer Kleinkläranlage, die zudem in der Praxis manchmal anders funktioniert als auf dem Prüffeld.

Stand der Technik bei der Klärschlammverwertung – eine Bemerkung am Rande!

Auch die Begründung eines Standes der Technik bei der „Klärschlammverzauberung“ ist aufschlussreich.

Wird hier mit Macht und Kompetenz ein Problem geschaffen und veredelt, das vorher nicht da war?

Wo bitte sind die Klärschlammtoten und die vom Klärschlammgenuss Dahinsiechenden?

Negativatest der Tatsachen:

Wenn einer dem Klärschlamm und der Gülle lebendig ausgesetzt wurde, dann war es doch zweifellos der Ostdeutsche.

Aber dieser Holzmichel ist „putz und munter“ und vor allem: Er lebt immer noch!

Könnte es sein, dass dem Klärschlammnovellenaktionismus der Nutzen fehlt?  Jede Aktion ohne Nutzen ist unverhältnismäßig.

Wir lesen seit Jahren darüber Begründungen, wie toll es ist Klärschlamm zu verbrennen.

Nur, die Wahrheit braucht keine Begründungen und das macht nicht nur mich nachdenklich.

Vor- oder/und  nachschüssige Geschäfte mit der Technik

Wie das bei den Technikern so ist, fast alle denken ans vor- oder nachschüssige Geschäft mit der Technik.

Ich meine aber, das ist nicht verwerflich, weil für die Dummheit der Käufer schlecht die Verkäufer verantwortlich zu machen sind.

Allein fürs „techniken“ bekommt der Techniker kein Brötchen. Erst wenn er sein Zeug verkaufen kann, dann rollt der Rubel.

Und dem Markt sowie auch vielen Technikkäufern ist es schnurzpiepe, ob die Technik unnütz und nicht zweckmäßig ist, aber nur wenn es gelingt, ein gutes Gefühl mit zu verkaufen.

Manche geben sogar Geld aus nur für’s gute Gefühl.

Da kann man doch den Verkäufer nicht tadeln!  Der Mann ist echt gut! Solche Leute wollen wir doch!

In der Politik, an den Wahltagen, wird es vorgemacht. Was soll dann daran schlecht sein? Wir zahlen nachschüssig wenigstens (!) Steuern für ein gutes Gefühl, dass wir bei unserer Wahlentscheidung hatten.

Der letzte Schrei der Technik eher selten Stand der Technik

Doch zurück zur Technik. Und so fällt den Wenigsten auf, dass der letzte Schrei der Technik eher selten Stand der Technik ist. Es ist der Schrei eines Verzweifelten, dem nichts Vernünftiges einfiel. Aber fast alle haben so ein herrliches Gefühl im Herzen und oft vorher oder nach dem guten Gefühl einige hundert Euro weniger im Portemonnaie.

Und bei behördlichen und kommerziellen Bewertungen genügt meist als Argument, wenn der Stand der Technik z. B. folgende lustige Merkmale hat:

  • Große Bautafel aus nachwachsenden Rohstoffen mit der Beschriftung: „Garantiert gut Öko!“
  • maximale Wirkungsgrade
  • Elektronik
  • blinkende grüne oder rote Lämpchen
  • Technik optimiert mit Industriecomputer
  • maximale Wartung
  • Edelstahl
  • 100 % dicht
  • automatische Selbstanzeige bei Überwachungswertüberschreitung
  • in der Bemessung am Besten ein Integral, das keiner versteht
  • Bei der Konstruktion werden aber auch alle DIN’s, Regeln der Technik und… beachtet
  • Der gesunde Menschenverstand wurde versteckt eingebaut
  • Einzementierung der Lügen und Halbwahrheiten durch häufiges Wiederholen und Nachbeten. (Meist gilt: Je länger die Begründung, desto größer die Lüge.)

Warum gibt es diesen merkwürdigen Stand in der Wasserwirtschaft?

Gesetz nicht bis zu Ende gelesen

Es wurde wieder mal nicht bis zu Ende gelesen und diesmal bei der Definition des Standes der Technik.

Na? Was fehlt?

Die Verhältnismäßigkeit natürlich!

Zugegeben, es ist eine Sünde des Gesetzgebers, dass er bei der Formulierung des Standes der Technik

  1. die Begriffsdefinition für den Normalbürger unverständlich definierte und
  2. die Verhältnissmäßigkeit nicht an die erste Stelle als notwendige Prämisse

genannt hat.

Es ist überhaupt blöd, Begriffe zu formulieren, deren wahrscheinliche Deutung Nachdenken erfordert.

Verhältnismäßigkeitsbeweis des Lumpenschiebers

Nachdem wir nun den Nutzen des Lumpenschiebers erörtert haben, ist es Zeit sich den Kosten zuzuwenden.

Was haben wir da?

Es sind zwei Wackersteine von der Güte, die dem bösen Wolf in den Bauch genäht wurden. Sie erinnern sich? „Jetzt geht und sucht Wackersteine, damit wollen wir dem gottlosen Tier den Bauch füllen, solange es noch im Schlafe liegt.

Und dann haben wir noch einige Lumpen.

Also, wenn wir für das Zusammentragen für Beides 5 € einschließlich Märchensteuer veranschlagen, dann wissen wir, das die deutsche Industrie wohl kaum einen 2-Wegeschieber für 5 € bei dem angegebenen Nutzen herzustellen vermag.

Damit ist der Lumpenschieber aus Madeira für den konkreten Einsatzfall Stand der Technik! Da beisst die Maus keinen Faden ab.

Gewissenhafte und Verständige

Tja und nun wird es Ernst. Hand auf’s Herz:

Wer (allein oder als Arbeitsgruppe) hat einen Abwasserteich (kommunales Eigentum) auf dem Gewissen, der deshalb außer Betrieb genommen wurde, weil er angeblich nicht Stand der Technik sei? Und das ohne den Verhältnismäßigkeitsbeweis erbracht zu haben. Hier hat ein Gericht über etwas ganz ähnlich Schlimmes geurteilt:

Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten.

(Auch wenn das kommunale Eigentum schon abgeschrieben sein sollte, ist es deshalb nicht wertlos! Es fängt gerade an, besonders interessant für die Bürger zu werden.)

Nun sind wir ans Ende der Einlassung gekommen. Von den anfänglichen vieleicht 10 Lesern, wird sicher nur noch einer bis hierhin gefolgt sein, wenn überhaupt.

Wer das weiß, der schreibt nur für diesen Einen, Gleichgesinnten.

Und für ihn kommt das Beste zum Schluss:

Da denke ich an zwei Sachverständige:

Nicolás Gómez Dávila:Den Hohlkopf beeindruckt nur das Allerneueste. Für den klugen Menschen hängt nichts vom Datum ab.“

Friedrich Nietzsche:  „Seinem Gewissen zu folgen ist bequemer als seinem Verstand: denn es hat bei jedem Misserfolg eine Entschuldigung und Aufheiterung in sich, – darum gibt es < > so viele Gewissenhafte gegen so wenig Verständige.“

____________________

P.S.:
Der Lumpenschieber wurde hier gefunden: Madeira

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Unverhältnismäßige Technik

Stand der wasserwirtschaftlichen Technik mitunter unbegründet

Bei der Begründung des technischen Standes einer Technik wird – so der Eindruck – oft der notwendige Verhältnismäßigkeitsbeweis nicht geführt.

Das hat die Konsequenz, dass willkürlich der technische Stand einer Technik definiert wird, der bei genauerer und unabhängiger Bewertung tatsächlich keiner ist.

Weiterere Konsequenzen sind dann Verstöße gegen

  • EU-WRRL
  • Wasserhaushaltsgesetz
  • wasserwirtschaftliche Prinzipien
  • kommunalwirtschaftliche Prinzipien (Sparsamkeitsprinzip, Verhältnismäßigkeitsprinzip)

Vergleiche zur Verhältnismäßigkeit: Kriterien zur Bestimmung des Standes der Technik nach Anhang 2 Wasserhaushaltsgesetz

Zum Verhältnismäßigkeitsbeweis gehören mindestens folgende Nachweise:

  • zusätzliche Kosten gegenüber der bisherigen Lösung
  • zusätzliche Nutzen und Risiken gegenüber der bisherigen Lösung
    • ggf. monetär
    • ggf. nicht monetär
  • Schaden und Nutzen innerhalb und außerhalb des unmittelbaren Wirkungsbereiches (Bekanntlich gibt es kein Ding, das nur nützlich oder nur schädlich ist.)

Und schließlich darf bei der (kommerziellen?) Begeisterung über mancherlei Technik auch die Feststellung von Nicolás Gómez Dávila bewertet werden:

Die Dummheit des Einzelnen entspricht in etwa proportional dem Enthusiasmus, den eine Maschine in ihm erwecken kann.

Siehe auch philosophische Überlegungen zum Stand der Technik – unangenehme-Wahrheiten.




Keine Angst vor Abstraktionen!

„Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einer aktuellen Entscheidung zu der Frage Stellung genommen, ob neue DIN-Normen sofort zu einer Nachrüstpflicht bei Unternehmen führen. Im konkreten Fall ging es um eine Klägerin, die sich an einer halbautomatischen Glastür verletzt hatte.“

„Nicht jeder abstrakten Gefahr könne vorgebeugt werden.“

Quelle: HDI-Gerling Industrie Versicherung AG

 

 




Effizienz wasserwirtschaftlicher Maßnahmen in Ökosystemen

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen müssen effizient sein.

Das ist naheliegend und auch der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu entnehmen. Im Anhang III (Wirtschaftliche Analyse) der Richtlinie wurde formuliert: „Die wirtschaftliche Analyse muss (unter Berücksichtigung der Kosten für die Erhebung der betreffenden Daten) genügend Informationen in ausreichender Detailliertheit enthalten, damit

a)
die einschlägigen Berechnungen durchgeführt werden können, die erforderlich sind, um dem Grundsatz der Deckung der Kosten der Wasserdienstleistungen gemäß Artikel 9 unter Berücksichtigung der langfristigen Voraussagen für das Angebot und die Nachfrage von Wasser in der Flussgebietseinheit Rechnung zu tragen; erforderlichenfalls wird auch Folgendem Rechnung getragen:

– den Schätzungen der Menge, der Preise und der Kosten im Zusammenhang mit den Wasserdienstleistungen,
– den Schätzungen der einschlägigen Investitionen einschließlich der entsprechenden Vorausplanungen;
b)
die in Bezug auf die Wassernutzung kosteneffizientesten Kombinationen der in das Maßnahmenprogramm nach Artikel 11 aufzunehmenden Maßnahmen auf der Grundlage von Schätzungen ihrer potentiellen Kosten beurteilt werden können.“

Erfahrungen und Referenzen

Für diese nachvollziehbaren Effizienznachweise besitzen wir langjährige Erfahrungen und nutzen auch interdisziplinäre Zu- bzw. Mitarbeit.

Die Methode

Methodisch wird dabei u. a. der zusätzliche Nutzen, seine Wahrscheinlichkeit definiert und dies in das Verhältnis zu den voraussichtlichen zusätzlichen Kosten gesetzt.

Ausgangspunkt ist eine ökologisch korrekte Prüfung oder Bewertung für einen konkreten Organismus und/oder für dessen Habitat.

Dabei konzentrieren wir uns auf Tiere im und am Wasser.

Der Schwerpunkt

Letztlich geht es darum zu untersuchen:

Sind die geplanten meist zusätzlichen Schutzmaßnahmen hinreichend nützlich für den konkreten Zielorganismus sowie verhältnismäßig und verstoßen sie nicht gegen das Sparsamkeitsprinzip?

Tiere im und am Wasser

 

 




Abstrakte Gewässerbewertungen

Prof. Dr. Winfried Lampert Direktor am Max-Planck-Institut für Limnologie, Abteilung Ökophysiologie (24306 Plön) und Prof. Dr. Ulrich Sommer (Institut für Meereskunde an der Universität Kiel) verfassten ca. 1992 ein Fachbuch „Limnoökologie“, das in der zweiten Auflage 1999 erschien. Dem Kapitel „Stellung der Ökologie in der Gesellschaft“ sind folgende immer noch sehr aktuelle Hinweise zu entnehmen:

Stellung der Ökologie in der Gesellschaft

„Die Betonung des naturwissenschaftlichen Charakters der Ökologie widerspricht einer Erwartungshaltung, die in weiten Teilen unserer Gesellschaft verbreitet ist. Es herrscht vielfach die Meinung, die Ökologie könne der Grundlegung einer neuen Ethik oder einer neuen politischen Doktrin dienen. Derartige Erwartungen stecken in Formulierungen wie „Ökologie und Ökonomie versöhnen“, „ökosoziale Marktwirtschaft“, „Ökosozialismus“ etc.

Solche Forderungen an eine Naturwissenschaft widersprechen sowohl deren Wesen als auch dem Wesen einer demokratischen Gesellschaft.

Naturwissenschaften können Theorien darüber anbieten, wie die Natur funktioniert. Sie können jedoch nicht angeben, welcher Zustand der Natur ein erhaltenswürdiger Wert oder ein erstrebenswertes Ziel menschlichen Handelns ist.

Die Festsetzung solcher Werte und Ziele ist keine Aufgabe der Wissenschaft, sondern eine Aufgabe des demokratischen Entscheidungsprozesses.

Weder Ökologen noch irgendwelche anderen Experten haben in diesem Entscheidungsprozess größere Rechte als andere Menschen.

Die Aufgabe des Experten besteht allenfalls darin, Wege zum Erreichen von Zielen aufzuzeigen und Konflikte zwischen verschiedenen, für sich genommen durchaus berechtigten Zielen frühzeitig zu erkennen.

Selbst dann, wenn ein gesellschaftlicher Konsens bestünde, daß die „Gesundheit von Ökosystemen“ als schutzwürdiger Wert höchste Priorität genießt, könnte die Ökologie nichts zur näheren Definition dieses Wertes beitragen.

Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten. Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.

Auch die anerkanntesten und konsensfähigsten Ziele der Umweltpolitik folgen nicht zwingend aus den Erkenntnissen der Ökologie. Neben der Reduktion gesundheitsschädlicher Emissionen dienen die meisten Bestrebungen des Umwelt- und Naturschutzes zwei übergeordneten Zielen: der Erhaltung der Diversität und der Wiederherstellung bzw. Erhaltung einer möglichst großen Geschlossenheit der biogeochemischen Kreisläufe. Beides sind Ziele, die mittlerweile vielen Menschen einleuchten; sie sind jedoch in menschlichen Werturteilen begründet und nicht in wissenschaftlichen Lehrsätzen. Die Ökologie kann zwar aufzeigen, daß eine anthropogene Öffnung von Stoffkreisläufen unerwünschte Auswirkungen hat (mehr Nährstoffaustrag aus dem Boden —> mehr Bedarf an Düngung —> mehr Eutrophierung der Gewässer); es entzieht sich jedoch ihrer Kompetenz, zu bewerten, wie unerwünscht diese Auswirkungen sind.“

Quelle:
Limnoökologie
Winfried Lampert und Ulrich Sommer
2., überarbeitete Auflage
Georg Thieme Verlag Stuttgart • New York 1999
(Seite 446 – 447)

Mit diesen Bewertungen stehen die Autoren nicht allein. Die Aufzählung von Ökologen, die diese Darstellung teilen, kann auf Anhieb ergänzt werden.

Die übliche Gewässerbewertung in „gut“, „schlecht“ oder „fast gut“ führt zu beliebigen und willkürlichen Investitionen und Kosten.

Eine wasserwirtschaftliche Effizienz ist mit abstrakten Prämissen nur scheinbar zu begründen. Vergleiche auch den Aufsatz „Wassergütewirtschaft – Gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft“ von Herrn Prof. Kroiss der TU Wien.

Für die Plausibilitätsprüfung genügt es oft, wenn man selber das konkrete Gewässer an verschiedenen Stellen besichtigt und sich eine eigene Meinung bildet.

Auch wäre ggf. zu zeigen und erklären:

  • Was denn am Gewässer konkret schlecht ist?
  • Und wie wahrscheinlich ist es dass sich der Zustand mit der gewünschten Investition tatsächlich ändert?
  • Und ob denn der zusätzliche eventuell eintretende Nutzen die meist erheblichen Mehrkosten auch tatsächlich rechtfertig?
  • Und ob ein prüffähiger Effizienzbeweis vorliegt?
  • Und welche Garantien gegeben werden, dass es tatsächlich zu der Zustandsänderung kommt?

Ergänzende Hinweise: Ökologismus

 




Tödlicher Gewässerschutz

“Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt? Wir können nicht all diesen Tieren die Nahrung wegnehmen und dann darüber klagen, dass sie seltener werden.“ Reichholf

Gebänderte Prachtlibelle

Quelle:
Reichholf, Joseph, H.
Die Zukunft der Arten
C.H. Beck
2. Auflage 2006, S. 63

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gebänderte Prachtlibelle

Nährstoffarme Wiesengräben und –flüssen sind kein guter Zustand für die Gebänderte Prachtlibelle und
ein guter wasserchemischer Zustand kann durchaus sehr schlecht für viele Tiere sein.

Im Sinne des s.g. Verschlechterungsgebotes darf durchaus gedeutet werden, dass bei Vorkommen von Gebänderten Prachtlibellen der „schlechte“ wasserchemischer Zustand nicht verbessert werden darf, weil dies schlecht für die Prachtlibellen wäre.




Notwendige, aber nicht hinreichende Lebensbedingung

Für gute Lebensbedingungen für ein konkretes Tier – nehmen wir eine Forelle (KForelle ) – seien wenigstens folgende Prämissen gegeben:

P 1      notwendige (aber allein nicht hinreichend) wasserchemische Qualität

P 2      notwendige (aber allein nicht hinreichend) hydromorphologische Qualität

P 3      notwendiges (aber allein nicht hinreichend) Angebot von Fischnährtieren

Also gilt:

KForelle =  P 1 ∩ P 2∩  P 3

Das heißt, gute Lebensbedingungen für die Forelle (KForelle ) gibt es mit Gewissheit frühestens erst dann, wenn alle notwendigen Prämissen erfüllt sind.

Jede dieser einzelnen Prämissen ist zwar notwendig, aber nicht hinreichend.

Zudem gilt, der schlechteste Erfüllungsrad einer dieser Prämissen bestimmt den Gesamterfüllungsgrad, genau wie das schwächste Glied einer Kette wirkt.

Aus dem Grund sind alle Bemühungen um irgendwelche chemischen oder biologischen Merkmale des Gewässers solange vergebens, wie eine Bedingung  – im allgemeinen ist es die Hydromorphologie – hinterher hinkt.

Die Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips erfordert es, das die Prämissen P1-P3 nahezu gleichzeitig erfüllt werden und nicht in der Weise, dass heute die biologischen Voraussetzungen erfüllt werden und z.B. erst Jahre später vielleicht die Hydromorphologie verbessert wird.

In dem Rahmen darf an die Ungeschicklichkeit nach der Wende erinnert werden, wo es vereinzelt vorkam, dass erst die Kanäle errichtet wurden und Jahre später die zugehörigen Kläranlagen. Damit entstanden nicht refinanzierbare Investitionen. Eine korrekte Wasserwirtschaft muss genau so etwas durch sorgfältige Planung verhindern.




Abstraktionen – Embryonen von Macht und Willkür

Abstraktionen – eine übliche, sehr unsichere Quelle der Erkenntnis

Üblich, aber problematisch ist die Bewertung von Einzelfällen mittels Regeln oder Normen. Der Vorteil liegt neben anderen – auch sehr negativen – Effekten insbesondere in der Einsparung von Denkarbeit, verbunden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von Fehlschlüssen im Vergleich zu Tatsachenfeststellungen in der konkreten Natur.

Regeln sind bekanntlich Ergebnisse von Abstraktionen. Sofern es sich um wissenschaftlich nachvollziehbare Abstraktionen handelt, können diese nach den Gesetzen der Induktion nur wahrscheinlich oder unwahrscheinlich, aber nie wahr oder falsch sein. Beweis z.B.: ZOGLAUER [1], SALMON [3].

In dem Moment, wenn die Informationen über die Wahrscheinlichkeit einer Regel – aus welchen Gründen auch immer verloren gehen – steigt zusätzlich die Wahrscheinlichkeit von Fehlschlüssen, weil der Nutzer der Regel von der falschen Annahme ausgeht, die Regel führe zu wahren Erkenntnissen und Urteilen.

Die Deutungsvielfalt des Abstraktionsprozesses ausgehend vom Konkreten (eine kleine Stadt) zum Abstrakten (Kuben) und von diesem „konkreten“ Abstrakten erneut zum Konkreten (chinesische Puppe) hat der Künstler und Mathematiker ESCHER [2] in geradezu perfekter und eindrucksvoller Weise veranschaulicht. Siehe hierzu Abbildung http://www.mcescher.com/gallery/woodcut/metamorphosis-i/

Bezogen auf die üblichen Abstraktionen der EU WRRL stellen die Kuben die „guten ökologischen Zustände“ dar und die „Deuter“ können in diesem Falle rätseln oder ohne stichhaltige Begründung schlicht behaupten (aber nie beweisen), dass der konkrete Ursprung der Abstraktion die kleine Stadt oder die chinesische Puppe war. Abstraktion verursacht somit Beliebigkeit.

Und Nicolás Gómez Dávila bringt es so auf den Punkt: „Verallgemeinerung erweitern unsere Macht und verarmen unseren Geist.

 

Quellen:

[1]       Zoglauer, T.
Einführung in die formale Logik für Philosophen
4. Auflage Vandenhoeck & Ruprecht
Göttingen 2008

[2]       Ernst, B.
Der Zauberspiegel des Maurits Cornelis Escher
Taschen GmbH
Köln 2007
http://www.mcescher.com/gallery/woodcut/metamorphosis-i/

[3]       Salmon
Logik
Reclam
Stuttgart 1983

 




Mauerseglersterben – ein Eigentor!

Es ist schon paradox!

Gewässerschutz kann  auch tödlich sein. Zumindest für jene Tiere, deren Nährstoff  „Phosphor“ minimiert wird.

Und dann wundert sich der Laie, dass in dem nun klaren Wasser lauter Leichen schwimmen.

Verhungert eben.

Stimmt nicht?

Doch!

Siehe: Übermäßiger Gewässerschutz

Und nun haben die Schweizer Streß, ihre selten gewordenen Mauersegler zu retten.

Schlagzeile: Hausabbruch löst Drama um seltene Jungvögel aus!

„St.Galler Tierschützer sind aufgebracht. Nachdem ein Haus mit Mauersegler-Nestern abgebrochen wurde, müssen sie drei Jungvögel aufpäppeln. Verantwortlich sei die Stadt.“

Das wäre nicht nötig, würde es die 600.000 (verhungerten?) Brutpaare noch geben.

Die Moral von der Geschichte?

Das Gute hat immer schlechte Konsequenzen!

Warum?

Logisch, weil man nur gut sein kann, wenn man anderen schadet.

Und das  Schlechte sollte man beim Gewässerschutz in der gleichen Weise analysieren und bewerten, ähnlich wie ein Arzt, der die Vorteile und die unerwünschten Nebenwirkungen eines Medikamentes kennt und abwägt.

Bei Nichtberücksichtigung des Schlechten besteht  Grund zur Besorgnis wegen Willkür.

Eigentlich alles simpel.

Der Fachmann staunt: Warum handeln wir dann so dumm?

Frosch

Frosch in der Elbaue

 

 




Kein Einklang

Natur: Macht sie euch untertan!

Von Jan-Philipp Hein

Quelle: Novo Argumente

Zitat:

„Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, was minus vier Dioptrien für Sie als Steinzeitmensch im Auge des Mammut bedeutet hätten? Fielmann gab es noch nicht. Damals galten Darwins Gesetze großflächig, soweit sie nicht hier und da schon mit dem Faustkeil oder einem Rad überlistet werden konnten. Wie man es dreht und wendet: Es ist ein Segen, die Natur besiegt zu haben. Gleichzeitig schreit uns die Sehnsucht nach der Natur oder dem, was für Natur gehalten wird, von jeder Plakatwand an. Kosmetika, Nahrungsmittel oder Wellnessprodukte sollen uns immer „das Beste aus der Natur“ liefern, weil wir es uns wert seien. So oder ähnlich ruft es uns die Werbung zu.

Mutter Natur“, so wird uns suggeriert, sei immer gut für uns. Das ist reichlich infantil. Natur ist ein ziemlich grausames Prinzip. Natur bedeutet hohe Säuglingssterblichkeit, Natur ist das Recht des Stärkeren, des Schnelleren, des Skrupelloseren, die Natur würde Menschen mit Behinderungen einfach aussortieren und angeborene Herzfehler wären ein natürliches Todesurteil. Mit ihren grausamen Prinzipien schafft die Natur dieses berühmte „natürliche Gleichgewicht“, nach dem seltsamerweise so viele streben. Wir sollten dagegen froh sein, darauf nicht mehr angewiesen zu sein und uns darüber erhoben zu haben. Inklusion ist zum Beispiel kein natürliches Prinzip, sondern eine zutiefst menschliche Idee. Die Natur hätte auch keine Rollstühle oder Herzschrittmacher erfunden. Das alles wird natürlich (!) keinen Öko-Romantiker daran hindern, einen „Einklang mit der Natur“ anzumahnen.“

wasser-in-natur-140-halbach

Teich bei Eisenach (Thür.)

 

 





Verhältnismäßiger (?) Aufwand für ein konkretes Ziel

Zitat 1:

„Schön ist auch die Geschichte über die Kammolche. Entlang der geplanten A 44 zwischen Kassel und Eisenach wurden seinerzeit große Kammolchkolonien (1700 Tiere) entdeckt. Genau genommen in einer ehemaligen Klärgrube bei Helsa in Nordhessen. Aufgrund seiner natürlichen Geschwindigkeit kann der Kammolch nur sehr schwierig Verkehrswege überqueren und kommt daher sehr schnell unter die Räder. Parallel zur geplanten Autobahn soll eine Straßenbahnlinie für den Nahverkehr gebaut werden. Jetzt hatten die Molche ein zusätzliches Problem. Doch die Lösung war schnell in Sicht: Die Bahntrasse wird auf Ständer gestellt. Und um die Tiere vor den Autos zu schützen, werden jeweils zwei Tunnel von 1200 bis 2000 Metern Länge geplant. Zwar konnte eine Fauna-Flora-Habitat-Verträglichkeitsprüfung für diese Planung keine Beeinträchtigung der Kammolchlebensräume feststellen, das Bundesverkehrsministerium empfiehlt aber trotzdem einen durchgehenden Tunnel mit der Begründung einer „Vermeidungsstrategie des Lebensraumes bedrohter Tiere“. Die Folge: Mehrkosten von über 50 Millionen Euro und eine Bauverzögerung von sechs Monaten. Inzwischen soll sich dort die Population der Kammolche auf 5000 erhöht haben.“

„Dem Steuerzahler ist ein Kammolch derzeit also rund 10.000 Euro wert.““

Quelle http://ef-magazin.de/:

Verkehrspolitik: Durch meinen Garten wird niemals eine Autobahn gebaut!
von Frank Schäffler
„Deutschland im Stau“
27. Juni 2014

Zitat 2:

Am Ende fanden die Forscher in sechs Gutachten für insgesamt fast zwei Millionen Euro heraus, dass im Schwanheimer Wald genau eine männliche Bechsteinfledermaus beheimatet war. Eine wichtige Nachricht konnten die Biologen der erstaunten Öffentlichkeit dennoch mitteilen: Der Fledermausmann war nachweislich sexuell inaktiv.“

Keine Einzelfälle:

  • Falsche Schneckenbewertung wird aufwändig korrigiert: „Man solle, sagt Pfenninger, mit dem Begriff „invasiv“ künftig vorsichtiger sein. Hoffen wir, dass seine Kritik an einem starren Naturverständnis Gehör findet. Bis sie sich durchsetzt, wird es noch lange dauern. Denn, das wissen wir von Günter Grass, „der Fortschritt ist eine Schnecke.““
    Quelle: Maxeiner & Miersch

 

 

 

 





Stand der Technik – unangenehme-Wahrheiten

Zunächst die offizielle Definition und einige Aufsätze:

Und nun von den Kritikern der Technik die unangenehmen Wahrheiten:

 

Nicolás Gómez Dávila

  • Um zu erreichen, daß der Techniker sich ausschließlich in seinem Amt befleißige, komprimiert die Industriegesellschaft sein Hirn, ohne seinen Schädel zu deformieren.
  • Der Techniker erlangt nur selten das Bewußtsein seines Elends. Der Wissenschaftler ist sich des seinen zwar gewöhnlich bewußt, doch er kuriert es mit der Philosophie aus, die er im Ramschladen an der Ecke billig erstanden hat.
  • Die Kosten für den Fortschritt lassen sich in Dummköpfen berechnen.
  • Über nichts ärgert sich der Fortschrittler so sehr, wie über die Starrsinnigkeit desjenigen, der sich weigert, das Sichere dem Neuen zu opfern.
  • Um die Patienten heilen zu können, den sie im 19. Jahrhundert verwundete, mußte ihn die Industriegesellschaft im 20. Jahrhundert verblöden. Der Preis für industriellen Wohlstand ist die geistige Misere.
  • Die Dummheit des Einzelnen entspricht in etwa proportional dem Enthusiasmus, den eine Maschine in ihm erwecken kann.
  • Den Hohlkopf beeindruckt nur das Allerneueste. Für den klugen Menschen hängt nichts vom Datum ab.
  • Das technisch Perfekte ist stets unzulänglich.
  • Die Macht der Technik ist nur unbegrenzt um zu zerstören und zu erniedrigen.

Kommentar: Ich nehme an, dass Dávila bei seinen Überlegungen eher die Übertreibungen im Blick hatte. In Bezug auf die  Bestimmung des Standes der Technik nach Anhang 2 Wasserhaushaltsgesetz dürften seine Weisheiten aber sicherlich zutreffen.  Es wird zwar mitunter darauf hingewiesn, bei der Bewertung des Konkreten durch eine abstrakte Regel den Verstand zu benutzen. Dies gelingt wohl allerdings deshalb nur ausnahmsweise, weil der Verstand eben eher ausnahmsweise vorkommt. U. Halbach

Regel der Technik

Allgemeine Begriffe und großer Dünkel sind immer auf dem Wege, entsetzliches Unglück anzurichten.

Johann W. von Goethe, Maximen und Reflexionen

***

Die Regel als Fiktion

Der Allgemeinbegriff ist nichts anderes als eine gewisse Fiktion.

Wilhelm von Ockham
* um 1285 in Ockham in der Grafschaft Surrey, England;
† 9. April 1347 in München

***

Michael Klonovsky

14. Juli 2014

Also von mir aus kann der Fortschritt sofort aufhören.

http://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna




Vielfalt vs. Vereinheitlichung

Öko-Logisches vom Experten

Zahlreiche Broschüren und Bücher des Herrn Prof. Josef H. Reichholf sind für den Laien und Naturfreund als Einstieg in das hochinteressante Fachgebiet der wissenschaftlichen Ökologie sehr gut geeignet. Die lebendige Darstellung der Zusammenhänge sowie deren kurzweilige Präsentation macht der Erlernen der Grundlagen der Ökologie zur Freude. Enttäuschend ist allerdings, dass die ökologischen Fakten und Grundlagen zu selten in wasserrechtlichen Entscheidungen oder gar bei der Gewässerverwaltung berücksichtigt werden.

Nun ein Auszug aus dem Buch“Naturschutz. Krise und Zukunft“ (S.52-59) mit freundlicher Empfehlung von Herrn Prof. Josef H. Reichholf:

Vielfalt vs. Vereinheitlichung
Recht unterschiedlich entwickelte sich dagegen in den letz­ten Jahrzehnten der Artenreichtum in den Gewässern. Im 19. Jahrhundert gab es in Flüssen und Seen nicht nur eine Fülle von Arten, sondern auch hohe, sehr ertragreiche Fischbestände. Früher als in der Landwirtschaft setzte hier jedoch im Zuge des Ausbaus der Flüsse die strukturelle Vereinheitlichung ein. Die größeren und großen Flüsse wurden zum Teil schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts begradigt. Der sogenannte Längsverbau be­deutete eine Kanalisierung, durch die der Abfluß beschleunigt und die Auen mit ihren Auwäldern vom Fluß getrennt wurden. Durch die rasche Eintiefung der begradigten Flüsse nahmen die früher häufigen Überschwemmungen ab. Sie beschränkten sich nun auf die selteneren starken Hochwässer. Daher konnten die ursprünglich hauptsächlich als Weideland genutzten Flußauen »in Kultur genommen« werden. Die Auwälder wurden gerodet und, wo das möglich war, in Felder umgewandelt. Trotzdem blieben die meisten Flüsse hinsichtlich der Fischereierträge recht produktiv. Das lag allerdings daran, daß von so gut wie allen Siedlungen, gleich, ob es sich um kleine Fischerdörfer oder gro­ße Städte handelte, menschliche Abwässer ungeklärt eingeleitet wurden. Die große Menge organischer Reststoffe, die darin ent­halten war, düngte die Flüsse, nährte die Kleintiere darin und kam damit den Fischen zugute. Der Verlust der Auen und der daraus stammenden pflanzlichen Abfallstoffe wurde durch die Abwässer der Menschen nicht nur ausgeglichen, sondern sogar übertroffen.

Jahrhundertelang war es also so, daß die strukturelle Verar­mung aufgrund der Begradigung durch die steigenden Abwas­sermengen der Menschen weitgehend ausgeglichen wurde. Doch dann nahm in den sechziger Jahren eine neue Entwick­lung ihren Lauf. Die Waschmittel bekamen Zusätze, die einen hohen Gehalt an Phosphaten aufwiesen. Diese düngten nun die Flüsse, insbesondere aber die Seen, in die Abwässer eingeleitet wurden, in einem nie dagewesenen Ausmaß. Wasserpflanzen fingen an zu wuchern, Gewässer verkrauteten, häufig waren sie nun mit stinkenden Massen absterbender Algen bedeckt. Ande­re Zusätze, die dazu dienten, die Oberflächenspannung des Wassers zu reduzieren, führten dazu, daß sich Schaumberge auf den Gewässern bildeten. Bald nahm das Fischsterben immer größere Ausmaße an. Die Gegenmaßnahmen (Kläranlagen zur Reinigung der Abwässer) wurden teuer. Die Waschmittel muß­ten (weitgehend) wieder phosphatfrei werden, und schon nach wenigen Jahrzehnten änderte sich die Lage erneut dramatisch: Aus Kloaken wurden wieder saubere Gewässer, in denen man sogar baden und Fische für den Verzehr angeln konnte.

Die frühere Menge an Fischen stellte sich allerdings nicht wie­der ein; natürlich nicht, denn es fehlte nun den „Nährtieren“ der Fische an Nahrung. Die Auen gab es längst nicht mehr. Kaum fünf Prozent der ursprünglichen Auwälder hatten die Regulierun­gen überlebt. Die begradigten Flüsse schwemmen all das, was an natürlicher Nahrung in ihr Wasser gelangt, viel zu schnell davon und transportieren es letztlich ins Meer. Der Abbau der Blätter oder anderer Pflanzenstoffe, insbesondere von Schwemmholz, braucht jedoch viel Zeit. Diese steht bei den »abflußertüchtig­ten«, begradigten Gewässern nicht mehr zu Verfügung. Auch der Rückbau zu natürlicheren Zuständen kann die frühere Pro­duktivität aus dem gleichen Grund nicht oder nur unvollständig wiederherstellen, wenn es am Fluß keine Auwälder mehr gibt. Es ist – allerdings nur in bezug auf die organischen Reststoffe – ­in unseren Gewässern genau das Gegenteil dessen geschehen, was sich an Land in Feld und Flur (und auch in den Wäldern, wenngleich in erheblich geringerem Maße) vollzogen hat. Die frühere Überdüngung wurde zurückgenommen und hat inzwi­schen dem Mangel Platz gemacht. Der Artenvielfalt kommt das zugute, nicht aber der Produktivität der Gewässer. Die Vielfalt erreicht dennoch bei weitem nicht die früheren Verhältnisse, weil gleichzeitig eine andere Form der Düngung zugenommen hat, die alle Gewässer massiv belastet. Es sind dies die Dünge­mittel mineralischer Art aus der Landwirtschaft, insbesondere Nitrate. Sie begünstigen weiterhin und sogar zunehmend das Wachstum bestimmter Algen, die jedoch keinen Ersatz für die organischen Reststoffe darstellen. Vielmehr verkleben sie das so­genannte Sandlückensystem unter dem überströmten Sand und dem feinen Kies in den Flüssen und an den Seeufern. Zuwenig Frischwasser mit Sauerstoff gelangt in die feinen Kanäle dieses Sandlückensystems, in denen sich die Eier mancher Fischarten entwickeln (würden, wenn sie noch könnten). Die Veralgung des Gewässerbodens beeinträchtigt die Kleintiere, die sich als Filtrierer betätigen. Sichtbar wird diese Veränderung, die auch ganz klare Fließgewässer erfaßt hat, an den Algenbärten an den Steinen am Flußgrund und dem Fehlen von Muscheln. Inzwi­schen werden zwar die menschlichen Abwässer außerordentlich gut gereinigt, nicht aber die ungleich größeren Mengen (je nach Region übertreffen sie die Abwässer der Menschen um das Drei­- bis Fünffache) aus der landwirtschaftlichen Viehhaltung. Die Reste des Mineraldüngers und die ins Grundwasser sickernden, gelösten Inhaltsstoffe der Gülle beschicken unsere Gewässer mit einem so hohen Übermaß an belastenden Stoffen, daß sich die großen Erfolge der menschlichen Abwasserreinigung in moder­nen, hochgradig wirkungsvollen Kläranlagen in den Gewässern nicht dem Aufwand entsprechend umsetzen. Die Kosten für die hoch effizienten und daher enorm teuren (man kann das an den horrenden Abwassergebühren ablesen) Kläranlagen stehen also in kaum einem sinnvollen Verhältnis zu den Ergebnissen in der Natur. Die Zielsetzungen von Natur-und Umweltschutz, die doch gerade im Hinblick auf das Abwasser miteinander kon­form gehen sollten, klaffen hier weit auseinander. Dementspre­chend finden sich viele im Wasser lebende Arten auf den Roten Listen, obwohl Jahrzehnte der Gewässerreinhaltung mit einem finanziellen Aufwand, der in die Milliarden ging, doch eigent­lich längst zu „Entwarnung“ und reichen Ernten bei den Fischen hätten führen sollen.“

Quellenangabe:
Josef H. Reichholf
Naturschutz. Krise und Zukunft.
edition unseld – SV
Erste Auflage
Surkamp-Verlag Berlin 2010
ISBN 978-3-518-26031-9

Siehe auch den aktuellen Beitrag NovoArgumente Online: Naturschutz: Betreten verboten!

Oder weitere Bücher:

Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

Reichholf, J.H.
Der schöpferische Impuls
Eine neue Sicht der Evolution
Erstveröffentlichung 1992
Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart
ISBN: 3-421-02763-3

Reichholf, J.H.
Stabile Ungleichgewichte
Die Ökologie der Zukunft
edition unseld
SV 2008
ISBN: 978-518-26005-0

Reichholf, J.H.
Ende der Artenvielfalt
Fischer Taschenbuchverlag
2008, 2010

Reichholf, J.H.
Die Zukunft der Arten. Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch
erschienen März 2005
237 Seiten, 25 Abb., Paperback
C.H. Beck Verlag, ISBN: 3406527868

Reichholf, J.H.
Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends
erschienen April 2007
S. Fischer Verlag , Frankfurt am Main
ISBN: 978-3-10-06294-5

Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch
2. Auflage 2003
Wagenbach Verlag Berlin , ISBN: 3 8031 24425




Seltenheitswert! Hurra! Ein Abwasserpilz!

Der Abwasserpilz ist selten geworden!

Verdient er unseren Schutz?

Wird so etwas im Bach gefunden…

Abwasserpilz

Foto 1: Sphaerotilus natans – Abwasserpilz – Gewässergüteklasse III oder auch III-IV

…dann darf ohne universitäre Spezialbildung auf den Gewässergütezustand III getippt werden.

Sieht es dagegen so aus:

Foto 2: Sphaerotilus natans & Weißfärbung der Gewässersohle – Gewässergüteklasse IV

dann dürfte die Gewässergüteklasse IV in diesem Abschnitt (!) vorliegen.

Der Unterschied liegt in der Weißfärbung der Gewässersohle durch Schwefelbakterien.

Ob der Zustand nun gut oder schlecht ist, dies kommt darauf an.

Der Verwaltungsmensch sagt so und ein richtiger Ökologe kann abstrakte Zustände nicht bewerten, denn er ist ja ein richtiger Ökologe!

Entscheidend ist dann die Meinung von jenem, der sich auf seine Deutungshoheit berufen kann und diese durchzusetzen vermag.

Ökologen könnten also (von Politik und Umweltindustrie natürlich unbeeinflusst und nur der Wissenschaft verpflichtet) bei dieser konkreten Bewertung aber auch den Ball flach halten, denn in diesem Fall ist es nämlich einige hundert Meter bachabwärts trotz und nach dem Abwasserpilz so richtig schön:

Foto 3: Ergebnis der Selbstreinigung – Wassergüteklasse 1!

Und auch das hyporheische Interstitial ist ganz allerliebst! Besser können wir es uns nicht erträumen:

Foto 4: Perfekt durchströmtes Hyporheal – ohne Veralgung und ohne anaerobe Zonen – alles gut!

Ein Gewässerabschnitt vor dem auf Foto 3 und 4 dargestellten Bereich weist die Gewässergüteklasse  III (Foto 1) auf. Man erkennt im Vergleich die Selbstreinigungskraft der Natur.

Das soll nun kein Argument dafür sein, die Abwasserbehandlung zu unterlassen, sondern es ist eine Anregung, die Situation vor Ort – also in der Natur – ideologiefrei und frei von kommerziellen Interessen zu bewerten.

Ein kleines einsames Abwasserpilzchen (zugegeben: es war eine Versammlung)  ist zwar einerseits durchaus ein Indiz für einen  Zustand, den sich Forellen eher nicht zum Brüten aussuchen würden. Ihre Eier würden verpilzen.

Durchschwimmen dagegen wäre, sofern Sauerstoff da ist und der pH-Wert stimmt, kein Problem. Schließlich ist ja ein Lieblingsplatz der Forellen im Bergland der Auslauf von Kläranlagen. Da kann man sie angeln und da sollen sie auch am Besten schmecken. Aus diesen Löchern (Kläranlagenablauf) fließt häufig Wasser mit einer Fracht von Inhaltsstoffen, die um Größenordnungen kleiner ist, als jene die die industrielle Landwirtschaft heimlich über Drain- und Grundwasser in die Fließgewässer schickt.

Dies darf bei der Gewässerverwaltung aber nicht berücksichtigt werden. Gewissermaßen hat diese diesbezüglich ein Weiterdenk- und Ermittlungsverbot, weil der Gesetzgeber in seiner unendlichen Weisheit und Voraussicht landwirtschaftliche Abwässer von der Beantragung einer Einleiterlaubnis und der Zahlung einer Abwasserabgabe befreite.

Diesen Fakt der Diskriminierung übersieht die EU-Kommission geflissentlich. Und so bleiben am Ende die Kommunen die Dummen, wobei die wasserchemische Gewässergüteklasse II oft nur erreicht werden kann, wenn die kommunalen Kläranlagen ihre Abwässer verdampfen und die industrielle Landwirtschaft ihre Produktion um schätzungsweise wenigstens 50 % zurückfährt. Nichts Neues, denn darauf hat ja REICHHOLF schon 2006 hingewiesen: Ein Großteil des Phosphors in unseren Gewässern stammt aus importierter Gülle von Übersee. (Genaueres bei REICHHOLF, Der Tanz um das goldene Kalb, Der Ökokolonialismus Europas, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 1. Auflage 2006 – sehr lehrreich!)

Zurück zum Spaerotilus, denn dieser wächst andererseits an der Stelle wenigstens schon über 50 Jahre und das eine oder andere Fischfuttertierchen gut 100 Meter bachabwärts freut sich regelmäßig darüber. Was sollen die Fischfuttertiere denn sonst fressen?

Dieser Beitrag soll nicht als Reklame für Abwasserpilze verstanden werden, aber in diesem ganz konkreten Fall ist kein sachlicher Nachteil aus dem Wachsen des Pilzes zu erkennen, der deshalb nun unbedingt zu beseitigen wäre.

Man muss eben die Dinge in der Natur und im Zusammenhang untersuchen.

Mehr sollte eigentlich nicht gesagt werden.




EU-WRRL – Ein Orakel?!

Guter oder sehr guter morphologischer Zustand - eher die absolute Ausnahme!

Warum Orakel?

Nun, weil die EU-WRRL genau wie ein Orakel aufgrund ihrer Abstraktheit gedeutet werden kann und muss. Das ist Fakt. Manche Regelungen der EU-WRRL werden unwissenschaftlich umgesetzt. Deshalb „orakeln“ seit längerem einige Ökologen – jene die ihre  Wissenschaft verteidigen  – bei der EU-WRRL nicht mehr mit. Sie sehen die Natur wie sie ist, nämlich wertfrei und da ist kein Verständnis für primitive Zustandsbewertung, wie für ein „gutes“ oder „böses“ Potential.

Die vom Orakel Betroffenen – also meist die Abwasserbeseitigungspflichtigen – müssen sich nun und nur überlegen, ob sie willkürliche Zustandsbewertungen umsetzen wollen. Meist wollen sie das, merken aber zu spät, dass sie dann zwangsläufig für die Orakelergebnisse Fremder bezahlen. So ist das im Leben auch bei anderen Dingen. Ein Orakel will und muss eben auch von irgendetwas leben.

Eine Lösung: Wenn die von der Gewässerverwaltung geplanten wasserwirtschaftlichen Maßnahmen für die Herstellung des guten ökologischen Zustandes oder des guten Potentials nicht effizient sind – sofern sich überhaupt jemand die Mühe macht, dies rechtzeitig nachvollziehbar zu untersuchen und darzulegen – dann besteht die schlichte Alternative darin, den guten ökologischen Zustand oder das gute Potential legitim so umzudeuten, dass dieses neue Ziel dann die Chance bekommt effizient zu werden. Wo ein Wille, ist immer ein Gebüsch!

Zugegeben: Mit dem Prüfen der Effizienz der Konsequenzen einer Zustandsbewertung ist wohl jede Gewässerverwaltung und jedes Umweltfachamt hoffnungslos überfordert, denn mittlerweile gibt es Bücher bzw. Dissertationen zu dem Thema, das keineswegs in der Verwaltungspraxis nebenbei bearbeitet werden kann.

Peinlich wird es nur, wenn der falsche Eindruck vermittelt wird, die Anforderungen für den guten Zustand oder für das gute Potential seien auf Effizienz geprüft und wenn behauptet wird, die EU-WRRL würde genau dies erfordern und es gäbe keine kostensparenden Alternativen.

Mittlerweile ist die EU-WRRL zu einem Monster gewachsen, das kein einzelner Mensch in seinem Leben je zu werten oder gar zu überblicken vermag. Der geneigte Leser mag ja im Zweifelsfall versuchen das Werk zu verstehen. Ohne Orakel kommt er nicht weit.  Es bleibt nur zu ergänzen, dass die alten Griechen unter dem Orakel drei Dinge verstanden: Den Ort, an dem orakelt wurde, das Orakel als Person und schließlich das Orakel als Weissagung.

Die Wertung der Effizienz einer wasserwirtschaftlichen Investition ist eine anspruchsvolle, komplizierte, aufwändige und zugleich interdisziplinäre Aufgabe, die neben verschiedenster Fachkunde, wie meist in der vernünftigen Reihenfolge

  1. Ökologie,
  2. Biologie,
  3. Hydromorphologie kontra Gewässerunterhaltung,
  4. Investitionsrechnung,
  5. Nutzensbewertung und Risikobewertung,
  6. Chemie (wie fälschlich nicht als Ziel, sondern als Mittel für ökologische Zustände und deshalb erst zum Schluss aufgezählt),
  7. Reduzierung der industriellen Landwirtschaft (wer sich traut 😉 ),
  8. kommunale Abwasserbeseitigung

auch praktische Erfahrung in der Natur – also nicht am Schreibtisch – erfordert. Was sagte ich? Ein Orakel? Eine Heerschar von Orakeln!

Nüchtern bringt es VORREYER [1] auf den Punkt:

„So bestehen in erheblichem Maße Auslegungsprobleme; infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten, den gemeinsamen Rahmen zu umgehen, sodass zurzeit kaum etwas darüber ausgesagt werden kann, ob der Rahmen für eine wirklich harmonisierte, wettbewerbsvereinheitlichende Gewässerschutzpolitik ausreicht.“

Man kann es auch so deuten: …infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten bei fragwürdigem Nutzen eine vernünftigen, effizienten Weg zu wählen und die Bürger eines Landes nicht unnötig finanziell zu belasten.

In der Praxis wird das Pferd oft immer noch von hinten aufgezäumt. Man beginnt mit dem Mut des Verzweifelten – mit dem, was man glaubt auf Kosten der Kommune leichtens ändern zu können – mit dem wasserchemischen Zustandsorakel und täuscht manchmal nur mit einer Mischungsgleichung (Gymnasium) vor, dass dieser wasserchemische Zustand schlecht und unbedingt zu bessern sei. Die Konsequenzen der „Verbesserung“ werden nicht untersucht, denn dafür ist man nicht zuständig, wie auch für den Erfolg seiner wasserchemischen Überlegungen.

Wir sollten von der Jugend lernen! Sie kennt die Natur besser als man meinen könnte. Machen wir eine Probe auf’s Exempel:

Jeder kleine Junge überlegt sich zuerst, welche Fische er im Aquarium haben will, bevor er über Pflanzen oder gar Phosphor überhaupt nachdenkt!

Die Änderung der Anforderungen an den guten ökologischen Zustand oder für das gute Potential erlaubt die EU-WRRL ausdrücklich.

Eine Voraussetzung dafür ist zunächst die Erlangung der Deutungshoheit. Dabei sind die jeweiligen Passagen in der EU-WRRL zu finden, die eine Deutungsvielfalt erlauben. Ein Stichwort: Effizienz!

Ein guter Anfang zur Effizienz wäre es, sich von Naturromantik zu trennen, denn wir wollen ja etwas bewirken.

Das erste Foto ist natürlich eine schöne Darstellung von einer schönen Natur, so wie Städter sie lieben, wenn sie auf dem Balkon Sonnenblumen anbeten.  Eine Sonnenblume – nicht jede – ist nämlich auch ein neuzeitliches Orakel; im ersten Sinne.

Seitengraben des Strengbaches - (Sachsen-Anhalt)

Ein allein durch landwirtschaftliche Abwässer eutrophierter Graben

Das zweite Foto ist auch Natur, wenn auch – auf den ersten Blick gewertet – nicht ganz so schön. Ein wertbesessener „Ökologe“ aber würde von einem schlechten ökologischen Potential faseln. (Ein normaler Mensch wird ohne umständliche Erklärungen nicht verstehen, wovon er redet. Auch markant: Wir sind inzwischen soweit, dass wir uns bürokratisch sagen lassen müssen, wie wir die Natur gefälligst zu werten, zu verstehen und zu lieben haben.)

Aus meiner Sicht oder aus der Sicht Frosches, die ich mir zu eigen mache, ist der Zustand im 2. Bild geradezu paradiesisch schön. Denn: „böser“ Phosphor = viele Algen = dicke Kaulquappen = dicke Frösche = neugierige Störche!  An der Kröte kann ein Naturromantiker – der Naturwissenschaften abgewählt hat – ersticken:  Gewässerdüngung macht Störche satt!

Die „unschöne“ Natur verspricht eine reiche Froschernte, die nur dann genutzt werden kann, sofern der Gewässerunterhaltungsverband nicht schneller ist und alles Lebendige aus dem Graben ausschabt und tötet, ähnlich wie es einer Warze beim Hautarzt geschehen würde, der mit einem scharfen Löffel ihr zu Leibe rückt.

Aber ohne Gewässerunterhaltungsverband wäre alles eine feuchte lebendige Wiese ohne industrielle Landwirtschaft. Wie es dann aussehen könnte, ist hier zu erahnen: Fauler See.

Die Realität sieht oft so aus: Zuckerrüben bis zum Horizont, industrielle Landwirtschaft und industrielle Tierproduktion, hier und da verträumte industrielle Biogasanlagen deren Gärreste neben Gülle in den Einzugsgebieten ausgebracht werden. Als Antwort und Lösung für das „gute Potential“ als Orakel eine flächendeckende Verschärfung der Überwachungswerte für kommunale Kläranlagen.

Über 20 Jahre wegen der Besorgnis verschärfte Überwachungswerte (BSB, CSB, N und P) und niemand schaut nach, ob dies tatsächlich einen hinreichenden Effekt brachte oder gar effizient war.

Kein Wunder, dass sich manche Ökologen mit Grausen von einem solchen „Gewässerschutz“ abwenden.

Heute unverständlich, wie wir ohne EU-WRRL überhaupt die Gewässer zu schützen vermochten! Wie doof und ungebildet waren doch die alten Wasserwirtschaftler! Was muss das früher für eine naturfeindliche Welt gewesen sein. Keine Biomaisfelder, keine Windkraftwerke, wenige Wasserkraftwerke, industrielle Landwirtschaft in Maßen….

Ob des Pudelskern darin besteht, dass sich hinter jeder kleinen Regelung ein Arbeitsplatz versteckt und dass es schon lange nicht mehr um die Natur geht?

________

[1] Vorreyer, Christian
Erläuterungen zur Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG)
durchgesehen und ergänzt von Friedrich Schröder
Stand: Juni 2007
Wasserrecht für die betriebliche Praxis
2008 WEKA MEDIA GmbH & Co. KG

 

 




Vorsorge – ein Indiz für wasserwirtschaftliche Ausbildungsschwäche?

Bei dieser Vorsorge geht es nicht um natürliche menschliche Verhaltensweisen, wie z. B. derart, dass man sich warm anzieht, wenn es draußen kalt ist. Im Blickpunkt steht die Veränderung der Gesellschaft durch Vorsorgediktatur mit all ihren destruktiven Folgen, betrachtet am Beispiel des vorsorglichen Gewässerschutzes. Zu den zahlreichen Nachteilen des Vorsorgeprinzips haben sich schon viele Autoren nachvollziehbar ausgelassen, ohne dass es etwas genützt hat. Einige interessante Quellen [3]-[10] seien zum Nachlesen empfohlen.

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Missachtung des Vorsorgeprinzips schafft Freude und Genuss!

Bei fehlenden Effizienznachweisen für gewünschte zusätzliche Verbesserungen des Gewässerschutzes ist es üblich (manchmal vielleicht auch weil bequem) die behördlich verschärften Anforderungen an das Betreiben von technischen Anlagen mit dem fragwürdigen Vorsorgeprinzip zu begründen. Das ist sehr einfach, anspruchslos und zugleich im doppelten Sinne verantwortungslos. Man erklärt nur seine Ängste und Sorgen. Jemand der Angst hat und dies auch noch schriftlich darlegt, ist seine Verantwortung los. Das Vorsorgeprinzip in seiner ideologischen Nutzung negiert den technischen Fortschritt und die Lebensgefährlichkeit. Das Denken und Handeln übertragen die Bürger dem Staat. In der „wasserwirtschaftlichen“ Praxis verursacht die Anwendung des Vorsorgeprinzips im wesentlichen erhebliche Mehrkosten beim Gewässerschutz wobei wohl ganz selten ein Effizienznachweis vorliegt. Auch werden preiswerte Lösungen bei der Gewässernutzung oder bei der Abwasserbehandlung vorsorglich verhindert. Dahinter stecken neben Ängsten teilweise auch Industrieinteressen. Im vergangenen Jahr ist mir ein krasses Beispiel der Anwendung eines Vorsorgeprinzips aufgefallen, bei dem die Hygiene das Einleiten des Regenwassers von Dachflächen mit der Begründung untersagte, dass ja in den Dachrinnen (immer) tote Vögel liegen, die die Badewasserqualität verschlechtern könnten. Konsequenz dieses hygienischen Schildbürgerstreiches: Mehrkosten für einen Unternehmer, der den Streit am Ende genervt aufgab. Der Hygiene möchte man zurufen: „Und was ist mit den toten Vögeln, die beim Überfliegen des Badesees plötzlich sterben und ins Wasser fallen oder mit dem Fuchs, der am Ufer der Badestelle stirbt oder trinkt oder mit den Badegästen, die fleißig ins Wasser pullern, von denen einer ein Dauerausscheider von Cholera ist und mit der Schwimmerin, die nicht vorsorglich den Mund geschlossen hält oder mit den Elbe-Badetagen? Ist die Elbe oder die Natur an sich etwa steril?“ (Da frage ich mich wieder, ob ich so etwas schreiben darf und soll? Wenn’s aber stimmt! Vielleicht sollte man aber gerade dann den Mund halten, wenn man Recht hat?)

Tatsache ist, dass wir unseren hohen Lebensstandard (nicht nur in Deutschland) und viele Freuden ausschließlich der vorsätzlichen Missachtung des Vorsorgeprinzips verdanken. Darüber lohnt es sich bei Uneinsichtigkeit schon lange nachzudenken, wem das nicht auf Anhieb auffallen sollte. Man mag darüber nachdenken, ob es den verehrten Leser überhaupt geben würde, wenn das administrative Vorsorgeprinzip in der heutigen Form schon seit 500 Jahren die Menschen in Ketten legen würde. Die Völkerschlacht bei Leipzig z. B. wäre garantiert ausgefallen. Vorsorglich hätten damals alle erst mal aus ihren Häusern geschaut, was da draußen so passiert. Und es lebten vielleicht nur 10 % der Menschen in Deutschland – die anderen 90 % wären verhungert oder hätten gar nicht erst geboren werden können –  wenn es Deutschland überhaupt noch geben würde. Einfach deshalb, weil die Wissenschaftler Haber und Bosch ihre Synthese vorsorglich nicht hätten erfinden dürfen und so weiter und sofort. Fragwürdig ist das Vorsorgeprinzip bei exzessiver Anwendung, wie es in den letzten 20 Jahren zunehmend zu beobachten ist. Vielleicht ist diese negative Entwicklung auch Ausdruck der Überalterung, Trägheit und mangelhaften Schulbildung der Gesellschaft.

Ist die exzessive Nutzung des Vorsorgeprinzips etwa ein starkes Indiz für mangelhafte Ausbildung sowie für fehlende Sach- und Fachkunde?

Kaum jemand stört sich daran, dass bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips regelmäßig gegen die Leitlinien der EU-Kommission zur Anwendung des Vorsorgeprinzips [1] und sogar gegen die EU-WRRL verstoßen wird.  Beweis: Beide Leit- bzw- Richtlinien fordern Effizienznachweise bevor das Vorsorgeprinzip angewendet werden darf. Dieser Fakt wurde bislang noch nicht gedeutet.

Eine Ursache solcher Fehlentwicklungen ist die Formulierung abstrakter Ziele, deren Erfüllungsweise gedeutet und meist vor Gericht erkämpft werden muss, weil die Deutungshoheit eher selten beim Abwasserbeseitigungspflichtigen liegt.

Das eigentliche Problem liegt aber tiefer. Die Verschärfung von Überwachungswerten ohne prüffähigen Effizienznachweis können in grobfahrlässiger Weise wasserwirtschaftliche Fehlinvestitionen verursachen. Damit wird gegen das Sparsamkeitsprinzip verstoßen. Möglicherweise will ein Anwalt auch staatliche Willkür beweisen.

Kostenvergleichsrechnungen und Kosten-Wirksamkeits-Analysen bzw. Nutzwert-Kosten-Analysen werden zwar verlangt und erarbeitet, aber in der Praxis viel zu spät. Kaum jemand prüft nämlich, ob schon die Verschärfung mancher wasserchemischer Anforderungen überhaupt effizient oder verhältnismäßig ist. Diese Prüfung ist ratsam, bevor Angst und Schrecken mit scharfen Forderungen in den Abwasserzweckverbänden verbreitet wird. Effizienz und Verhältnismäßigkeit sind nämlich wichtige Forderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die – so hat man den Eindruck – nicht immer beachtet werden!

Also gilt unbedingt, wenn es zusätzliches Geld oder zusätzlichen Aufwand verursacht:

Verschärfungen der Überwachungswerte oder zusätzliche Auflagen sind grundsätzlich nicht plausibel!

Es mag Ausnahmen (Trinkwasserschutz) geben, bei denen z. B. 10 % Mehrnutzen unverhältnismäßig hohe Mehrkosten durchaus rechtfertigen können. Dies wäre aber umfänglich, prüffähig zu beweisen und in einem solchen Falle vorstellbar, wenn beispielsweise giftige Wirkungen im Gewässer nur bei normalerweise unverhältnismäßig hohen Mehrkosten mit hoher Sicherheit verhindert werden können, wobei über die „Sicherheit“ gestritten werden sollte, um Denkfehler zu minimieren.

Auch wenn die EU-Kommission mitunter kritisiert wird: Auf den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips sollte bestanden werden, denn danach ist die Vorsorge nur auf ganz wenige Ausnahmen beschränkt, keinesfalls aber auf Gewässerschutzmaßnahmen, deren Effekt kalkulierbar ist.

Die Menschheit ist Tausende Jahre lang ohne dieses destruktive und willkürliche Prinzip ausgekommen. Der heutige intensive missbräuchliche Einsatz des Vorsorgeprinzips raubt den Menschen einen Großteil ihrer Freude und Freiheit. Und dies auf raffinierte, destruktive, langsame und deshalb auch unauffällige Weise. Dieses Vorsorgeprinzip kann mit Sicherheit ersatzlos gestrichen werden, denn unseren hohen Lebensstandard verdanken wir paradoxerweise genau den unzähligen Verstößen gegen das Vorsorgeprinzip von Jonas [2]. Jonas, der  Erfinder, der sich selbst nicht ganz sicher war und wohl aus Gewissensgründen sein Buch vorsorglich mit dem Untertitel „Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation“ versah. Und dieses Wörtchen „Versuch“ wurde bei der exzessiven Einführung des Vorsorgeprinzips in die Gesetzgebung vorsorglich unterschlagen. Heute weiß niemand mehr, dass es sich bei dem Vorsorgeprinzip nur um einen Versuch handelt, der allerdings trefflich scheiterte, was aber auch keinen stört. Auch hat sich eine Ideologie gefunden, die nachhaltig auf dem Vorsorgeprinzip von Jonas [2] beruht und es fleißig missbraucht. Bildung und Klugheit ist deshalb m. E. vorzüglicher als der Versuch mit dem Vorsorgeprinzip.

Aber es gibt auch ein sehr gutes Beispiel in der nichtvorsorglichen Genehmigungspraxis, welches uns hoffen lässt:

Einen nachvollziehbaren und zudem gut begründeten Prozess der Verschärfung der Überwachungswerte unter Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung bis hin zur Versagung der Abwassereinleitung hat das Wasserwirtschaftsamt Hof beim Schutz der Flussperlmuschel demonstriert. Aufgrund der Kompetenz, der guten Vorbereitung und der rechtzeitig erarbeiteten wissenschaftlichen, ökologisch-ökonomischen Basis, kam man erfreulicherweise ohne „Anrufung“ des Vorsorgeprinzips aus. Wie man sieht, ist es möglich, Anforderungen im Gewässerschutz auch ohne Angst und Sorge zu begründen. Wir sollten es häufiger versuchen!

Tja, ich würde die regelmäßige Anwendung des Vorsorgeprinzips grundsätzlich verbieten, in den Gesetzestexten, in denen das Wort „Vorsorge“ oder „Besorgnis“ auftaucht, den jeweiligen Text durch „Bildung und Vernunft“ ersetzen und Vorsorge nur dann erlauben, wenn die Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips schön fleißig abgearbeitet wurden.  Da könnten wir gewaltig Geld sparen und unsere Zukunft etwas retten. Und weil wir gerade mal dabei sind: Das Gleiche gilt für die ideologische Kategorie „Nachhaltigkeit“. Man darf staunen, was ideologische Programme in Gesetzen zu suchen haben, die auch Nichtideologen einhalten sollen. Insofern kann man „Vorsorge“ und „Nachhaltigkeit“ auch als ideologische Trojaner und Wieselwörter bezeichnen.

Siehe auch: Verhältnismäßigkeit bei Gewässerschutz

____________

[1] Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips
in „Die Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips“
Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
Brüssel, den 02.02.2000, KOM (2000) 1 endgültig

[2] Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung:
Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation.
Frankfurt/M., 1979.

[3] Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch
2. Auflage 2003
Wagenbach Verlag Berlin

[4] Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

[5] Eilingsfeld, Heinrich
Der sanfte Wahn
Ökologismus total
Südwestdeutsche Verlagsanstalt Mannheim
(Bemerkenswert, dass das Buch schon 1989 erschien.)

[6] Gärtner, Edgar L.
Öko-Nihilismus
Eine Kritik der Politischen Ökologie
TvR Medienverlag Jena, 2007

[7] Driessen, P.K.
Öko-Imperialismus
Grüne Politik mit tödlichen Folgen
TvR Medienverlag 2006

[8] Maxeiner; D., u.a.
Die Zukunft und ihre Feinde
Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
Eichenborn AG 2002

[9] Maxeiner; D., u.a.
Das Mephistoprinzip
Warum es besser ist, nicht gut zu sein
Eichenborn AG 2001

[10] Steinberg, Ch.
Von Mistbienen, Haussperlingen und der EU-Wasserrahmenrichtlinie – eine
beabsichtigte Polemik
Wasser & Boden




Der chemische Sauerstoffverbrauch

Der chemische Sauerstoffverbrauch – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung? von U. Halbach

Kaffeetasse mit mächtig viel chemischem Sauerstoffverbrauch - nach wasserrechtlicher Deutung extrem schadstoffbelastet!

Fachartikel  veröffentlicht in der wwt 6, 7-8 und 9/2013

Auszug einer Leserzuschrift von Herrn Jürgen Wachtendorf am 13.11.2013:

Sie schreiben auf S. 16 im 1. Teil (etwas unter dem CSV/BSB-Bild): „Zusätzlich muss die ganze Mischung bei 148 +/- 3°C 110 Minuten schwach sieden. Da bekanntlich Wasser schon bei 100°C kocht, ist die Reaktion unter Druck zu halten.“  Diese Aussage ist nicht korrekt, bei der CSB-Bestimmung nach DIN wird das Reaktionsgemisch am Rückfluss bei normalem Luftdruck am Sieden gehalten. Reines Wasser kocht tatsächlich schon bei 100°C, das Reaktionsgemisch hat aber einen derart hohen Säure- und Salzanteil, dass der Siedepunkt viel höher als 100°C liegt, eben bei besagten 148°C. Ein erhöhter Druck ist hier nicht erforderlich. Bei der CSB-Bestimmung mit einem Küvettentest, mit dem auf vielen Kläranlagen die CSB-Analyse zuverlässig durchgeführt wird (und die – nebenbei bemerkt – wesentlich appetitlicher, umweltfreundlicher und unter Arbeitsschutzaspekten sicherer als das DIN-Verfahren ist), stehen die geschlossenen Küvetten leicht unter Druck, da sich die Luft in der verschlossenen Küvette durch die Hitze ausdehnt, erforderlich ist dieser Druck aber nicht.

Kommentar:
Ich folge den Argumenten! Vielen Dank für die Hinweise!
U. Halbach




Sauberes Wasser ist tödlich!

Immer weniger Schweizer Fische gehen ins Netz

«Eine zu tiefe Phosphorkonzentration führt zu einer Hungersnot, Bestände und Fangerträge gingen mancherorts katastrophal zurück», sagte Silvano Solcà, Präsident des Schweizerischen Berufsfischerverbandes, gegenüber dem Landboten».

  • Die Bodenseefischer fingen 2011/2012 über ein Drittel weniger Fische
  • „Viele der 310 Berufsfischer, die es heute noch schweizweit gibt, sind deswegen auf einen Nebenerwerb angewiesen.“

Siehe auch:

 




Klärschlamm Hygienisierung

Novelle „Neufassung der Klärschlammverordnung (AbfKlärV)“

Stand Arbeitsentwurf: August 2010

Ausgewählte Schwerpunkte

  • zum Teil deutliche Absenkung der bisher geltenden Grenzwerte für Schwermetallgehalte und organische Schadstoffe
  • Einführung zusätzlicher Grenzwerte für Benz(a)pyren (B(a)P) und Perfluorierte Tenside (PFOA / PFOS)
  • Anforderungen an eine Qualitätssicherung bei der Klärschlammverwertung
  • Abgabe und Aufbringung nur nach hygienisierender Behandlung
  • Vermischungsverbot für Klärschlämme unterschiedlicher Betreiber aus Kläranlagen der GK2 bis GK50

Die pauschale Forderung nach hygienisierender Behandlung des Klärschlammes ist sachlich nicht plausibel.

Ein Thema der FAZ lautet vor fast einem Jahr: „Biogasanlagen – Brutstätten für Ehec-Keime?“

Siehe hierzu Beitrag: EHEC aus Biogasanlagen?

Fazit für Klärschlamm:

Markant scheint zu sein, dass die Bedenken Klärschlammbiogasanlagen eher nicht betreffen.

Wenn das so ist, wäre dann nicht eine hygienisierende Behandlung – wenn überhaupt – dann  nur für landwirtschaftliche Biogasanlagen zweckmäßig?

Der Klärschlamm kommunaler und anderer industrieller Kläranlagen braucht dann nicht hygienisiert zu werden?

Sofern aus rein vorsorglichen Gründen eine hygienisierende Behandlung des Klärschlammes gefordert wird, dann wäre durch wissenschaftlich nachvollziehbare Methoden zu beweisen, dass die Wissenschaft das Risiko nicht bewerten kann und dass deshalb abstrakte Bedenken gelten können.

Im Übrigen sehe ich starke Indizien dafür, dass der Grenzwertverschärfung beim Klärschlamm die sachliche Grundlage (konkrete Gefahr) fehlen könnte.

Sollten nicht nach über 100 Jahren landwirtschaftliche Klärschlammentsorgung doch tragfähigere und vor allem konkrete Argumente vorliegen, als abstrakte Ängste und Sorgen?

Ein konkretes Konterargument für die Verschärfung der Grenzwerte fällt mir hilfsweise ein: Dummerweise wird der Deutsche immer älter.

Nun wäre noch die Wahrscheinlichkeit der Korrelation zu klären:

  • Gibt es einen Zusammenhang und wird deshalb der Deutsche am Ende sogar älter wegen der Klärschlammausbringung?
  • Die bisherige Klärschlammverordnung ist hinreichend und die bisherige Klärschlammentsorgung – in welcher Weise auch immer – beeinträchtigt nicht die Volksgesundheit.



Schäden an Kanalisationen durch Druckprüfungen

„Fraglich ist jedoch, wie die Dichtheit der privaten Leitungen am besten zu überprüfen ist. Geräte und Verfahren, die im öffentlichen Bereich verwendet werden, können wegen der sehr viel ungünstigeren Randbedingungen !m privaten Sektor nur bedingt eingesetzt werden. Gemäß der technischen Regelwerken sind für die Prüfung grundsätzlich TV-Inspektionen und Druckprüfungen mit Luft oder Wasser anzuwenden (siehe Kapitel 3).

Diese Verfahren weisen jedoch Mängel auf. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass mit TV-Inspektionen Undichtigkeiten nicht immer sicher erkannt werden können.

Bei der Druckprüfung mit Luft oder Wasser wird hingegen ein so hoher Druck in den Leitungen aufgebaut, wie er üblicherweise beim Gebrauch privater Leitungen nicht auftritt, was Schäden erst verursachen könnte.

Unter normalen Betriebsbedingungen fließt das Wasser drucklos, mit einem nur geringen Füllstand durch die Leitungen.“ (Togler, Seite 4)

Quelle:

Togler, R.P.
Exfiltrationen bestehender Grundstücksentwässerungsanlagen
Auswirkungen, Einflussgrößen, Mengenermittlungen, neuartige Prüfmethoden, praxisgerechte Empfehlungen
Schriftenreihe des Lehrstuhls für Baubetrieb und Projektmanagement
ibb – Institut für Baumaschinen und Baubetrieb
Aachen 2006
Dissertation an der RWTH Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen




Angst und Sorge

„Angst, der Dauerzustand der unmündigen Gesellschaft

  • Angst ist eine Grundbefindlichkeit des Menschen.
  • In Ermangelung von lebensbedrohender Angst sucht der Mensch der Industriegesellschaft sich neue Zielobjekte seiner Angst.
  • Paradoxerweise macht der Mensch gerade das zum Gegenstand seiner Ängste, das ihn von lebensbedrohenden Gefahren befreit: die moderne Technik.
  • Die Angst gilt als eine besondere Qualität des Menschseins und wird zur Grundlage der Politik gemacht, die Rationalität bleibt auf der Strecke.

Angst widersteht der Vernunft!

Quelle:

Eilingsfeld, H.
Der sanfte Wahn
Ökologismus total
Süddeutsche Verlagsanstalt Mannheim
1989
(Seite 37)

***

 

 

 




Wasserwirtschaft!?

Mein Verständnis:

Effizienz bzw. Verhältnismäßigkeit des gewünschten Nutzens im Gewässer einerseits in Bezug auf die dafür notwendigen einmaligen und laufenden Aufwendungen andererseits unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeiten vom gewünschten oder erzielten Nutzen und Aufwand.

Kritik:

Heute spielt allerdings in der Praxis der Nutzen im Gewässer eher eine Nebenrolle oder hat eine Alibifunktion inne.

Relevant ist heute vielmehr, dass die Abwasserreinigung nach dem Stand der Technik vorgenommen wird, wobei die Effizienz zwar vorgeschrieben ist, aber in der Praxis eher keine oder eine unwesentliche Rolle spielt.

Das erkennt man auch an der erdrückenden Übermacht der Ingenieure gegenüber einer „handvoll“ Ökologen, die in der „Wasserwirtschaft“ zu finden sind.

Zudem verdient es nicht jede technische Entwicklung zur Norm zu werden. Nicolás Gómez Dávila brachte es krass auf den Punkt und der Leser mag über die Allgemeingültigkeit Dávilas Überlegungen entscheiden:

Um zu erreichen, daß der Techniker sich ausschließlich in seinem Amt befleißige, komprimiert die Industriegesellschaft sein Hirn, ohne seinen Schädel zu deformieren.

Der Schwerpunkt der Wasserwirtschaft liegt also heute zu oft beim Geschäft der Umweltwirtschaft als bei einer Effizienz im Umgang mit dem Wasser.

Wobei zu ergänzen ist: Und bei der Gewässerverwaltung als beim Gewässerschutz.

Mittlerweile sind wir an einem Punkt angekommen, an dem der ingenieurtechnische Gewässerschutz an vielen Orten zum Rückgang der Biodiversität und Populationsdichte am und im Gewässer führte.

Genau das Gegenteil dessen, was politisch ehemals als Ziel verkauft wurde.

Für all dies gibt es zahlreiche Indizien.




Ein Aufruf zur Bedachtsamkeit

Ist eine weitere Entfernung von Mikroverunreinigungen aus kommunalem Abwasser angezeigt?

Prof. Dr.-Ing. Harro Bode
Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands, Kronprinzenstraße 37
45128 Essen

Exzerpt

  • „Ich halte es in Fällen, in denen es nicht mehr um die Beseitigung offensichtlicher und schlimmer Missstände geht, grundsätzlich für legitim und notwendig, danach zu fragen, welche Beeinträchtigungen unter Kostenaspekten hingenommen werden können und sollen und welche nicht.“
  • „Wenn erst einmal neue Grenzwerte etabliert sind, die es in Oberflächengewässern einzuhalten gilt, ist das Beeinflussen anderer Bereiche wie Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Industrie- und Chemikalienpolitik oft der sehr viel steinigere und schwierigere Weg als der vergleichsweise einfache Ruf nach einem weiteren Kläranlagenausbau. Diese „politische“ Eigendynamik ist nicht zu unterschätzen. Wer sie nicht vor Augen hat, wenn er neue Grenzwerte für Oberflächengewässer fordert, handelt zumindest leichtfertig.“



Mangelhafte Beweisführung

Konklusion einer Induktion ohne Angabe des Wahrheitswertes ist problematisch

Hin und wieder kommt es vor, dass in Gutachten Beweise nicht oder falsch geführt werden. Die Konsequenzen sind erheblich.

Häufig wird in derartig mangelhaften Gutachten bei induktiver Beweisführung der Wahrheitswert der Prämissen entweder nicht ausgewiesen und/oder in den Konklusionen nicht ausgewiesen.

Das ist ein erheblicher Mangel, der das Gutachten diesbezüglich oder vollständig entwerten kann. Vollständig dann, wenn die Leser diesen Mangel als Indiz für ein grundsätzliches Unvermögen bei der Beweisführung zu Lasten des Gutachters werten. Abgesehen davon lässt sich aus Schwächen bei der Beweisführung aber nicht unbedingt auf fachliche Inkompetenz schließen.

Relevant ist jedoch, dass bei unvollständiger Beweisführung bei der Mehrheit der Leser der falsche Eindruck entstehen kann, die Beweisführung des Gutachters sei sicher.

Korrektes Beispiel einer enumerischen Induktion von Wilholt [1] (Skript von 2005):

„90 % aller Regenvorhersagen für Bielefeld von Radio Wetterfrosch treffen zu.
Für morgen hat Radio Wetterfrosch für Bielefeld Regen vorhergesagt.
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Morgen wird es in Bielefeld regnen.“

Bei dieser Darstellung sollte klar sein, dass die Konklusion „Morgen wird es in Bielefeld regnen.“ die Eigenschaft „mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 %“ hat.

Für die weniger mit den Feinheiten der Induktion vertrauten Leser verringert folgende Ergänzung das Risiko eines Missverständnisses bzw. einer Fehlinterpretation:

90 % aller Regenvorhersagen für Bielefeld von Radio Wetterfrosch treffen zu.
Für morgen hat Radio Wetterfrosch für Bielefeld Regen vorhergesagt.
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 % wird es in Bielefeld morgen regnen.

Aussagen, die auf statistischen Untersuchungen beruhen, sind wegen Unvollständigkeit falsch, wenn ihr Wahrheitswert nicht angegeben wird.

In Expertise-Kontexten muss man unbedingt auf solche induktiven Schritte und das notwendigerweise damit verbundene Irrtumsrisiko ausdrücklich aufmerksam machen.
Wilholt [2]

In manchen Fällen geben sogar schon Richter ihren Gutachtern auf,  sie mögen bei ihren Feststellungen den Wahrheitswert ihrer Konklusionen (wenigstens subjektiv) einschätzen.

Ein Indiz für bisherige Schwächen in der Logik bei einigen Beweisführungen in Gerichtsgutachten.

Fazit für anspruchsvolle Beweisführung in Gutachten:

In Gutachten sind die Argumentationen gültig bzw. korrekt und prüffähig darzustellen. Die Wahrheitswerte der Konklusionen sind anzugeben oder wenigstens zu schätzen. Auf das mit der Argumentation verbundene Irrtumsrisiko ist ausdrücklich hinzuweisen.


[1] Prof. Dr. Torsten Wilholt, Auszug aus einem Vorlesungsskript von 2005 „17. Formen logischer Argumente“
(nicht mehr online verfügbar)

[2] Prof. Dr. Torsten Wilholt, persönliche Mitteilung an U. Halbach im Rahmen einer Konsultation am 13.08.2012

[3] Prof. Dr. Torsten Wilholt, Logik und Argumentation, Materialien zu einführenden Vorlesungen über formale Logik und Argumentationstheorie,
Institut für Philosophie, Leibniz Universität Hannover, 2005, 2013 überarbeitet




Der Stand der Technik

…und die technische Regel von der Ausnahme.

Die technische Regel sollte dem Ingenieur auch nicht als Denkersatz dienen, sondern Anregung dafür bieten, in welche Richtung er seinen technischen Sachverstand lenken kann.

Driewer, G., u.a.
Technische Regeln im Abwasserwesen
KA 8 / 1986 , 36. Jahrgang
Seite 674-678

 

 




Gebrauchswert – Nutzen

Gebrauchstauglichkeit

im Sinne der VOB.

„Maßstab ist Zweck, für den es ausgeschrieben wurde.“

Persönliche Mitteilung eines Vergabekammervorsitzenden




Nachdenkliches über die Kanalsanierung

Kanalsanierung

  • Nichts reparieren, was ohnehin zu klein ist. Dann ggf. Neubau in größerer Dimension.
  • Gibt es mehrere Reparaturen in einer Haltung, dann eher Modernisierung oder Neubau prüfen.
  • Auch der Neubau eines maroden Hauptsammlers kann nützlicher sein, als pausenlos modernisieren und reparieren. (Nutzwert-Kosten-Bewertung)
  • Kanalneubau ist ein Verfahren der Kanalsanierung, wenn vorher ein alter Kanal vorhanden war.
  • Kanalsanierung auf Schwerpunkte konzentrieren.
  • Ein Kanal muss grundsätzlich nicht dicht sein.
  • Ein Kanalnetz ist grundsätzlich nie dicht.
  • Eine regelgerechte Kanalsanierungsplanung mit anschließender Kanalsanierung kann ein Vermögen kosten.

Uwe Halbach
Zertifizierter Kanalsanierungsberater




Investitionsrisiken

Investitionsentscheidungen

Kruschwitz, L.:

Grundlage jeder Investitionsrechnung ist die falsche Annahme, dass der Investor über vollkommen sichere Erwartungen verfügt.

Kruschwitz, L., Investitionsrechnung, 5. Auflage, de Gruyter Lehrbuch, Walter de Gruyter Verlag, Berlin – New York 1993

Bei allen Entscheidungen ist zu bedenken, dass jede Kostenvergleichsrechnung und jede Nutzensbewertung im Grunde eine Prognose mit zumeist unbekannter Wahrscheinlichkeit ist.

Es gibt keine sichere Planung und keine sichere Investitionsentscheidung.

Erfahrungsgemäß – und so zeigt es auch die jüngste Geschichte mancher Fehlinvestitionen der Wasserwirtschaft – ist es ratsam, sich auch auf unerwünschte und ungünstige Ereignisse einzustellen, diese zu untersuchen, zu bewerten sowie auf günstige Ereignisse und Bedingungen zu hoffen.

 

 




Edel urteilen

Ein sauberes und verantwortungsvolles Urteil

„Schon Aristoteles schlug vor rund 2000 Jahren vor, wie man zu einem sauberen und verantwortungsvollen Urteil kommt.

Er schlug vor,

  • niemandem etwas zu glauben, was zu seinem Interesse passt.
  • nur das zu glauben was eine interessierte Quelle, gegen ihr Eigeninteresse sagt oder tut, oder
  • nur das zu glauben, was zwei unterschiedlich interessierte Quellen gleichermaßen behaupten.“

Quelle: Überlegungen zur ethisch-kritischen Beurteilung der Eurokrise und Rettungspakete von  Ulf D. Posé

 




Die Maulwissenschaft

Wahrhaftig

Wohl jeder der am gesellschaftlichen Leben teilnimmt, möchte als wahrhaftig gelten.

Mit dem Ruf ein Schwindler zu sein, wird sich Niemand selber schmücken.

Auch Techniker oder Gutachter sollten bestrebt sein, ihre Feststellungen mit der Realität in Deckung zu bringen.

Sofern man zur Wahrheit vereidigt wurde, sollte Wahrhaftigkeit Prinzip ohne Ausnahme sein.

Andererseits  ist es legitim und üblich – sagen wir mal – die Wahrheit so zu modellieren, dass die Geschäfte und Interessen scheinhaft begründet und beflügelt werden.

Nur um kurz darauf einzugehen: So verwerflich ist die Modellierung der Wahrheit – für den Normalbürger – auch wieder nicht.

Der ungeschminkten Wahrheit ins Antlitz zu schauen, dazu gehört viel Mut. Zudem wollen die meisten Menschen die Wahrheit auch gar nicht wirklich wissen. Das hat schon Platon anschaulich mit seinem Höhlengleichnis vor ca. 2.400 Jahren bewiesen. Die Wahrheit ist nicht immer schön. Die Wahrheit wissen zu wollen, birgt das Risiko ungeschminkt gesagt zu bekommen, wie doof man ist und wie blöd man handelt. Auch ich, der so kühn über die Wahrheit schreibt, will sie nicht in jedem Fall wissen.

Aber zurück zur Gestaltung der Wahrheit:

Für die kunstvolle Gestaltung der Wahrheit – wie wir sie tagtäglich von den Massenmedien vorgeführt bekommen – ist es notwendig, sich von der Wahrheit etwas zu entfernen, von ihr etwas zu verdecken, sie nur teilweise zu spiegeln, zu ergründen, zurück zu rennen, wenn es gefährlich wird.

Gut gestalten lässt sich die Wahrheit auch indem wir sie in eine Halbwahrheit oder in eine Lüge umwandeln. Es ist auch möglich,  sie so lange zu kneten und zu formen bis sie genau den Vorstellungen entspricht, die der Wahrheitsformer hat oder Wahrheitsbetrachter haben soll.

Letztlich kommt es überhaupt nicht darauf an, dass die Argumentation oder die Botschaft wahr ist. Es ist ausreichend, dass hinreichend viele Menschen glauben, sie sei wahr.

Dieses Glaubensziel ist leicht zu erreichen, indem die Lüge oft genug wiederholt wird. Schon allein die Wiederholung einer Botschaft, Hypothese oder Prophezeiung  – sei es wahrscheinlich oder unwahrscheinlich eine Wahrheit oder eine Lüge – ist wichtigstes Voraussetzung für den Glauben an das (oft nur vermeintlich) Wahre in der Botschaft.

Wahrheit ist wie die Energie nicht erneuerbar.

Wie Wahrheit raffiniert verteidigt oder umgewandelt wird, lehrt die Maulwissenschaft – modern: die Rethorik.

Zahlreiche Philosophen haben sich dem interessanten Thema der Erkenntnis und deren Verschleierung gewidmet.

Ihr ist sogar ein ganzer Teilbereich der Philosophie gewidmet: die Erkenntnistheorie.

Arthur Schopenhauer verfasste ein dickes Buch, bei dem es ihm gelang, das Dilemma der menschlichen Erkenntnis kompakt schon in den Titel zu pressen: „Die Welt als Wille und Vorstellung“!

Das nimmt eigentlich schon alles vorweg. Wer Arthur Schopenhauer glaubt, braucht das Buch nicht zu lesen oder zu verstehen.

Friedrich Nietzsche beschrieb den trostlosen und einsamen Weg dessen, der die Wahrheit sucht.

Und Arthur Schopenhauer wiederum haben wir einen Aufsatz darüber zu verdanken, wie man seinen Redegegner über’s Ohr haut, auch wenn dieser absolut im Recht ist: Die Kunst, Recht zu behalten.

Eine Kunst, die zuweilen vor Gericht zu beobachten ist und zum Instrumentarium jedes besseren Anwaltes gehören sollte.

Über den Stand der Maulwissenschaft vor gut 400 Jahren ist im Werk wohl eines der edelsten Menschen, die es auf der Welt je gab – nämlich von Michel de Montaigne – zu lesen.

Interessant bei seinen Überlegungen ist seine Treffsicherheit bei der Beurteilung des Menschen, die – so mein Eindruck – zu 100 % auf die heutige menschliche Spezies passen.

Und wenn das so ist, dann ist der Mensch, ethisch gesehen, noch genauso primitiv und resistent wie es Michel de Montaigne vor 400 Jahren beobachtete.

Und da sich Michel de Montaigne seinerseits auch auf Plato bzw. Sokrates beruft, wissen wir, was wir von der Entwicklung des Charakters des „entwickelten“ Menschen in diesem Jahrhundert zu halten haben.

Nicht mehr als dies vor 2.000 oder 1.000 Jahren der Fall war.

Die Bezeichnungen für Redner ändern sich im Laufe der Zeit.

Aus Maulhelden wurden Verbalerotiker.

Und nun lesen wir mal – zur Anregung – auszugsweise, was  Michel de Montaigne sich zu diesem Thema „Die Wertlosigkeit des Redens“ so überlegte:

Die Wertlosigkeit des Redens




Die Moral als fragwürdiges Kriterium einer Bewertung

Nach welchen grundsätzlichen Kriterien soll, kann oder darf man heute leidenschaftslos fachlich urteilen?

Varianten:

  1. Allgemein anerkannte Moralen
  2. Moralen einflussreicher Ideologien?
  3. Moral, die für das Geschäft ist?
  4. Moral, die gut für das beste Gewissen ist?
    (Wer und was bestimmt ein bestes Gewissen?)
  5. Nach bestem Wissen?
    (Sofern das beste Wissen nicht im Widerspruch zu den verbindlichen Moralen steht
    bzw. zu der Moral jener, die die Definitionsgewalt über jede Form menschlichen Zusammenlebens haben?)

Im Folgenden einige Zitate, mit deren Anregung der geneigte Leser sich seine eigenen Gedanken machen kann:

1. Moral als Symptom des Niedergangs

„Die heutige Moral beschränkt sich aber keineswegs auf die Befindlichkeiten einzelner oder die Machenschaften der Politik und Bürokratie. Sie erschafft sich ganz neue Ideologien.

Die Idee des Ökologismus beispielsweise ist in sich eine einzige Umdeutung ehemals moralischer Prinzipien.

Über Jahrtausende war es die höchste Kulturleistung des Menschen, sich nicht wie jedes Tier an seine Umgebung anzupassen, sondern diese nach seinen Ansprüchen zu formen und zu verändern.

Die unzähligen Eingriffe in eine durch und durch unbarmherzige und unserer Existenz gegenüber völlig gleichgültige Natur sind und waren Grundlage jeder Form von Zivilisation.

Knapp zwei Generationen in sorglosem Wohlstand haben genügt, um aus dem Bezwinger einen Schänder zu machen. Heute singt ein Popstar Zeilen wie „die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht?“. Man ist geneigt zu fragen, warum diese freundliche Erde ohne unser Zutun weder gewillt wäre uns zu ernähren, noch uns vor ihren atmosphärischen Launen zu schützen. Warum sie uns in ihrer ganzen Freundlichkeit Viren und Bakterien, Tsunamis, Wirbelstürmen, Trockenheit, Überschwemmungen und Vulkanausbrüchen aussetzt? Warum sie Fressen und Gefressenwerden zum Grundprinzip und zur Lebensgrundlage aller Existenz auf ihrer Oberfläche gemacht hat?

Dass derartige intellektuelle Ergüsse nicht nur unkritisiert bleiben, sondern als Ausdruck eines tiefen Problembewusstseins und moralischer Integrität Bewunderung finden, betrachte ich als eine Form der Dekadenz in ihrem ursprünglichsten Wortsinn. Wenn eine Gesellschaft die Negation der eigenen Leistungen und Möglichkeiten zum moralischen Prinzip erklärt, ist dies im wahrsten Sinne ein Akt des Herabfallens, der Dekadenz, des Untergangs. Vorläufiger Gipfel dieser Entwicklung ist die Negation der eigenen biologischen Existenz in Form des Gender Mainstreaming.“

„Wo der unzertrennbare Dualismus zwischen Chancen und Risiken ausschließlich ängstlich und visionslos zu Lasten der Chancen aufgelöst wird, herrscht nicht nur Stillstand, sondern Rückschritt.“

Quelle: Jürgen Fuchsberger Gesellschaft: Moral als Symptom des Niedergangs

Was ist Gender Mainstreaming?

2. Gedanken eines Benediktinermönches

“Der moralisch aufgeladene Staat ist mithin das unverzichtbare Gegenstück zur individualistischen, antiautoritären Freiheitsidee der Achtundsechziger und obendrein der Garant für unsere nationale Unschuld, die Verkörperung unserer Sehnsucht nach moralischer Unanfechtbarkeit.”

Moralische Sieger sind gegen Erfahrung resistent, sie werden niemals klüger, sie sind damit zufrieden, immer neue Gründe für ihre Empörung zu finden.”

“Die kritische Wachsamkeit gegenüber Staat und Gesellschaft zum Beispiel ist ein großartiges Erbe der Achtundsechziger. Diese Wachsamkeit müßte uns mißtrauisch machen gegen einen Staat, der sich die moralische Vormundschaft über uns anmaßt und es für seine Pflicht hält, die Kräfte des Einzelnen zu bändigen und jeden in die Schranken zu weisen.”

“Es rächt sich immer, wenn Moral vor Wahrheitsliebe geht.”

Notker Wolf
Worauf warten wir?:
Ketzerische Gedanken zu Deutschland
Rowohlt Verlag GmbH
01.04.2006

3. Lebenslüge siegt gegen Wissenschaft

Die chronische Lebenslüge des modernen Menschen, die abgrundtiefe Unmoral unserer Zeit, findet ihren Ausdruck in der Beliebigkeit und Willkür, mit der im persönlichen Leben ebenso wie im politischen und pseudowissenschaftlichem Disput Erkenntnis akzeptiert oder abgewiesen wird.”

Hans Mohr
Wissenschaftliches Verhalten und ethisches Bezugssystem;
in Studium generale, Universität Heidelberg
1981, Seite 64

aus:
Eilingsfeld, H.
Der sanfte Wahn
Ökologismus Total
Mannheim, Süddeutsche Verlagsanstalt
1989

4. Der Deutsche zu 100 % ein Schwein

Der Wissenschaftler Michael Braungart hat zur Naturromantik folgende Überlegungen:

“Ich mache mir Sorgen.

Im Gegensatz zu den Niederländern, die seit jeher mit der Bedrohung des Meeres konfrontiert sind, romantisieren die Deutschen die Natur.

Dabei wird übersehen, dass die krebserregendsten und giftigsten Stoffe immer noch in der Natur zu finden sind.

Es gibt keine Mutter Natur, wir sind von ihr übelst behandelt worden. Dagegen haben wir uns gewehrt und die Umwelt zerstört. Deswegen haben wir nun ein schlechtes Gewissen.

Aber wir müssen uns nicht dafür entschuldigen, hier zu sein.

Das Problem ist, dass in Deutschland das Umweltthema moralisch aufgeladen und Schuldmanagement betrieben wird, vor allem von den Grünen und Umweltorganisationen, deren Mitglieder sich als Gutmenschen stilisieren.

Die Deutschen wachen auf und denken sich: Ich bin zu hundert Prozent Schwein, und mein Ziel ist es, nur zu neunzig Prozent Schwein zu sein. Besser wäre, mich gäbe es nicht.”

5. Nietzsche über die Gutmenschen

Die Menschen sind leidende Geschöpfe geworden, infolge ihrer Moralen:
Was sie damit eingekauft haben, das ist alles in Allem, ein Gefühl, als ob sie im Grunde zu gut und zu bedeutend für die Erde wären und nur vorübergehend sich auf ihr aufhielten.
“Der leidende Hochmütige” ist einstweilen immer noch der höchste Typus des Menschen.

Friedrich Nietzsche
Morgenröte 1881 , 2. Aufl.

6. Moral? Aber wessen Moral?

Die Moral ist immer an bestimmte Interessensgruppen gebunden.

Ziel ist die Nötigung zu einer bestimmten Verhaltensweise, die wieder vorteilhaft für diese Gruppe sein muss.

Die Anzahl der Moralen ist wohl genauso groß, wie die Anzahl der Interessen.

Mitunter werden Moralen vertreten, die sich gegenseitig widersprechen.

Vergleiche Nietzsches Ausführungen zur Herren- und Sklavenmoral.

7. Machiavelli über die Herrenmoral:

(Zusammengetragen von einem Leser des Newsletters)

„Treue ist eine Tugend für eine Welt voll guter Menschen. Da sie aber schlecht sind, brauchst du sie ihnen auch nicht zu halten.“

„Viele haben sich Republiken und Fürstentümer ausgedacht, die niemals gesehen worden, noch als wirklich bekannt gewesen sind. Denn die Art, wie man lebt, ist so verschieden von der Art, wie man leben sollte, daß, wer sich nach dieser richtet statt nach jener, sich eher ins Verderben stürzt, als für seine Erhaltung sorgt; denn ein Mensch, der in allen Dingen nur das Gute tun will, muß unter so vielen, die das Schlechte tun, notwendig zugrunde gehen. Daher muß ein Fürst, der sich behaupten will, imstande sein, schlecht zu handeln, wenn die Notwendigkeit es erfordert.“

„Ein kluger Fürst kann und darf sein Wort nicht halten, wenn er dadurch sich selbst schaden würde.“

„Tugenden sind schädlich, wenn man sie besitzt und stets ausübt, und nützlich, wenn man sie zur Schau trägt.“

„Jeder sieht, was du zu sein scheinst, wenige wissen, was du wirklich bist; und jene Wenigen wagen es nicht, gegen den Strom der allgemeinen Meinung anzuschwimmen.“

„Der größte Feind der neuen Ordnung ist, wer aus der Alten Vorteile zog.“

„Ein Fürst braucht nur zu siegen und seine Herrschaft zu behaupten, so werden die Mittel dazu stets für ehrenvoll gelten und von jedem gepriesen werden.“

„Nicht wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt.“

„Die Menschen scheuen sich weniger, einen anzugreifen, der sich beliebt gemacht hat, als einen, den sie fürchten.“

„Man sieht oft, dass Bescheidenheit gar nichts nützt. Ja, dass sie nur schadet.“

„Klug ist es, sich zu drehen und zu wenden nach dem Winde.“

http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/geschichte/machiavelli/audio/




Kosteneffizienz beim Gewässerschutz

Die Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik – Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vom 23.10.2000 (2000/60/EG, ABl. L 327/1), geändert durch die Entscheidung Nr. 2455/2001/EG vom 20.11.2001 (ABl. L 331/1) ist am 22.12.2000 in Kraft getreten.

Vorrangige Ziele sind die Herstellung eines guten ökologischen und chemischen Zustands der oberirdischen Gewässer und die Schaffung eines guten chemischen und quantitativen Zustands des Grundwassers.

Gefordert wird eine „Trendumkehr“ bei zunehmender Verschmutzung.

  1. Für künstliche oder erheblich veränderte Gewässer ist das gute ökologische Potenzial und der gute chemische Zustand herzustellen.
  2. Die Gewässerschutzmaßnahmen sind nach Kosteneffizienzkriterien durchzuführen.
  3. Alle signifikanten Belastungen im Einzugsgebiet der Gewässer sind zu erfassen und ihre Auswirkungen auf die Gewässer zu bewerten.
  4. Für die Zielerreichung sind unter Beteiligung der Öffentlichkeit Maßnahmenprogramme auszuarbeiten.

Kommentar:

Nach meiner langjährigen Beobachtung wird gegen die Positionen 2-4 dann am häufigsten verstoßen, wenn es um die Verschärfung oder um zusätzliche Gewässerschutzmaßnahmen geht.

Auf diese Weise werden dann mitunter sehr „teure Vögel“, aber in formal korrekter Manier geschaffen.

Man hält sich dabei vorzugsweise an Kommune und Abwasserzweckverbände, obwohl die Gewässerbelastung (N und P) z. T. mit über 90 % von der industriellen Landwirtschaft verursacht und z. T. sogar importiert wird.

U.H.

***

Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung

 

 

 

 

 

 




Kostennormativ

Kommunale Abwasserbeseitigung – Normative Kosten und Risikoabbau

Uwe Halbach, u. a.
Handbuch des Institutes für Wasserwirtschaft Halbach

4. unveränderte Auflage

Preisbasis 2003

Die Kosten wurden im März 2011 mit einigen ergänzenden Hinweisen noch für gültig befunden.

250 A4-Seiten als Ringbindung. Dieses Buch enthält 56 Diagramme, 38 Abbildungen und 36 Tabellen.

Inhaltsverzeichnis

Auszug aus dem Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung

Herausgeber: Institut für Wasserwirtschaft Halbach

Buchbesprechung von Herrn Prof. Hegemann

Bestellung per E-Mail oder Fax (03761) 5268.

Stückpreis: 39,80 € brutto (zzgl. Versand)
(Bestellung nur noch als Ringbindung möglich. Der Versand erfolgt als Büchersendung auf Rechnung. Die Postlaufzeit beträgt ca. 2-3 Tage.)

Einleitung:

Das Werk lässt sich in zwei große Abschnitte gliedern. Im ersten Teil sind die Normativkosten und weitere Kostenangaben enthalten. Im zweiten Teil werden ausgewählte Methoden als weitere Voraussetzung für eine risikominimierte kommunale Abwasserbeseitigung beschrieben.

Nach einer Information über Normativkosten, deren Anwendung im Kapitel 1.1 beschrieben wird und nach der Darstellung von Primärdaten im Kapitel 2, werden die Investitions-, Betriebs- und Jahreskosten in weitere Kapitel gegliedert. Ferner wird eine Untergliederung der betreffenden Kosten in Aufwendungen für die Abwasserableitung sowie für die Abwasser- und Schlammbehandlung vorgenommen.

Im Vergleich zu vorherigen Auflagen wurde das Werk um zahlreiche weitere Kosten für ausgewählte Anlagen ergänzt. Insbesondere handelt es sich hierbei um die Kosten für Kanalsanierung, die Klärschlammvererdung, für Kleinkläranlagen und ferner auch um Kosten für die Kontrolle einer Geschäftsbesorgung bzw. für die Kontrolle einer Privatisierung.

Etwa zwei Drittel des Buches befassen sich mit den Instrumenten zur Kontrolle, Steuerung und zum Risikoabbau bei der kommunalen Abwasserbeseitigung. Dieser Hauptabschnitt beginnt mit Hinweisen zur Abwassergebühren- und -beitragskalkulation. Danach werden Hinweise zu den Anforderungen für  Kostenvergleichsrechnungen vorgetragen.

Markant für die bisherige kommunale Abwasserbeseitigung war bisher, dass die Kommunen und Abwasserzweckverbände in ihren Zweckmäßigkeitsbetrachtungen beinahe ausschließlich gleichen Nutzen, Zweck und gleiche Risiken unterstellten und sich nur auf die Kosten konzentrierten. Derartige Methoden sind dann falsch, wenn eben die genannten Faktoren in ihren Nutzen unterschiedlich und damit nicht vergleichbar sind. Aus diesem Grund wurde ein umfangreiches Kapitel aufgenommen, das sich vordergründig mit der Bewertung der Zweckmäßigkeit befasst und ausgewählte einfache Methoden dazu vermittelt.

Die weiteren Abschnitte befassen sich mit der besonderen Bedeutung von Abwasserzielkonzeptionen bzw. Generalentwässerungsplanungen, mit der Voraussetzung zur Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflicht und leiten dann über zu einem Kapitel, in dem festgestellt wird, dass sich die Zweckmäßigkeitsgrenze für Kleinkläranlagen verschlechtert hat (sofern diese nicht gefördert werden).

Weitere Kapitel vermitteln den Kommunen und Verbänden wichtige Hinweise zur Kontrolle des Anlagenbetriebs, der Beratung im Allgemeinen und zur Kontrolle der Planung.

Im darauffolgenden Abschnitt werden dann Erfahrungen vorgestellt, die im Rahmen einer gutachterlichen Begleitung zahlreicher Gerichtsprozesse zwischen Kommunen bzw. Verbänden und planenden Büros gewonnen wurden.

Andere Kapitel befassen sich mit Methoden zur Leistungssteigerung der kommunalen Abwasserbeseitigung und damit zur Verbesserung der Zweckmäßigkeit bei der Nutzung von kommunalem Eigentum durch die Kommunen selbst.

Auf notleidende Abwasserzweckverbände, wie auch auf die Folgen zu großer Kläranlagen und auf die besondere Situation von Bürgerbewegungen wird eingegangen.

Die Arbeit analysiert ferner die Gefahren bei der Bildung privater Regionalmonopole und befasst sich mit Methoden aus der Unternehmensberatung, wie z. B. Public Private Partnership, Cross-Border-Leasing und Outsourcing.

In einem weiteren Abschnitt wird bewiesen, dass das Leasing – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen – für Kommunen und Verbände unzweckmäßig und viel zu teuer im Vergleich zur klassischen kommunalen Finanzierung ist.

Die letzten zwei Schwerpunkte der Arbeit betreffen ausgewählte Widersprüche beim Gewässerschutz sowie eine Kritik zum Abwasserabgabengesetz. In dem Kapitel „Widersprüche beim Gewässerschutz“ wird herausgearbeitet und bewiesen, dass die gesetzliche Normative zur grundsätzlichen Stickstoffeliminierung ab einer bestimmten Größenklasse der Kläranlagen einen Gewässerschaden verursachen kann. Außerdem wird das allgemein verbreitete Belebtschlammverfahren hinsichtlich der Verursachung von unnötigen Klimabelastungen analysiert.

Die Untersuchungen zur Abwasserabgabe knüpfen an die zahlreichen Feststellungen anderer Autoren an, dass das Abwasserabgabengesetz sich zunehmend als unzweckmäßiges und unnötiges Kontroll- und Steuerungsinstrument herausstellt. Ergänzend dazu wird bewiesen, dass die Abwasserabgabenerhebung für den Gesamtstickstoff und für den Chemischen Sauerstoffbedarf im Widerspruch zum Grundgesetz steht, da beide Parameter grundsätzlich keine Schadstoffe sind.

Das Buch ist ein parteilich verfasstes Werk. Im Blickpunkt stand die Wahrung der Interessen unserer Kommunen oder Abwasserzweckverbände. Aus dieser Position heraus ergibt sich zwangsläufig ein anderes Verständnis von Wirtschaftlichkeit als es im allgemeinen Sprachgebrauch üblich ist. Deshalb wird der Leser an vielen Stellen, an denen er das Wort „Wirtschaftlichkeit“ erwartet, die treffendere Bezeichnung „Zweckmäßigkeit“ finden. Die genaue Verwendung dieser Begriffe spielt für die Wiedererlangung des Selbstverständnisses der Kommunen und für den Schutz unseres kommunalen Eigentums eine ungeheuer wichtige Rolle (vergleiche Kapitel „Widerspruch zwischen kommunalem Zweck und privatem Gewinn“ ab Seite 110).

Es ist auf Grund des geteilten Leserkreises nicht Ziel gewesen, alle tangierenden Fragen interdisziplinär bis ins letzte Detail zu erschließen, da dies mit Sicherheit den Rahmen des Werkes sprengen würde. Es wäre auch ein unmöglich zu erfüllender Anspruch.

Dieses Buch wurde so strukturiert, dass ein Überblick zu einzelnen Sachgebieten erlaubt wird, ohne dass das gesamte Buch von vorn bis hinten zusammenhängend gelesen werden muss.

Den Ergebnissen liegt ein jahrelanger Recherche- und Erkenntnisprozess zu Grunde, der nicht abgeschlossen sein kann. Die Beteiligten sind auch künftig um Aktualisierungen bemüht und nehmen Hinweise zur Erhöhung der Aussagefähigkeit oder zu Ergänzungsvorschlägen des Werkes dankend entgegen.

Verzeichnisse über verwendete Formelzeichen und Abkürzungen, Seite 226, eine Definition ausgewählter Fachtermini, Seite 227, ein Stichwort-, Diagramm-, Tabellen-, Abbildungs- und Literaturverzeichnis ab Seite 214 runden die Arbeit ab.

Vorliegende Normative soll den Kommunen, Abwasserzweckverbänden und Behörden als ergänzendes Instrument für eine erste Prüfung der Investitionen der Abwasserbeseitigung dienen. Der Wertebereich wurde auf 100.000 EW begrenzt.

Die Kostenangaben in diesem Werk gliedern sich in Normativkosten, Ergebnisse von Kostenkalkulationen und in Literaturangaben.

Alle Kosten wurden auf der Preisbasis 2003 berechnet. Die Investitionskosten sind ohne und die Betriebs- sowie Jahreskosten wurden mit Umsatzsteuer ausgewiesen.

Nachtrag vom Oktober 2009 zur Einleitung und im März 2011 überprüft, ohne Änderungen der Kosten bzw. Normativen für notwendig zu halten

Da die Redaktion nun schon einige Jahre zurückliegt, informieren wir Sie auf diesen Wege, welche Abweichungen wir festgestellt haben und wie wir diese berücksichtigen.

Es ist natürlich Ihnen überlassen aufgrund Ihrer möglicherweise anderen Erfahrungen und anderen Beobachtungen zu abweichenden Überlegungen zu kommen.

1. Investkosten für Kläranlagen

Auf dem „Kläranlagenmarkt“ hat wohl eine Bereinigung stattgefunden.

In den letzten Jahren wurden offensichtlich weniger Anlagen errichtet.

Ein Indiz dafür dürfte auch sein, dass das Statistische Bundesamt keine Preisindizes für Kläranlagen mehr herausgibt.

Wir beobachteten in einigen Fällen, dass die gewählten Normativwerte unseres Handbuches deutlich überschritten wurden. Die Überschreitung lag bei über 20 %.

In solchen Situationen ist eine Einzelfallprüfung ratsam.

2. Investkosten für den Kanalbau

Bei den Kanalisationspreisen haben wir keine Änderungen bemerken können.

Da dennoch immer wieder Fragen zu den Kosten der Kanalisation und zu den zugehörigen Planungskosten gestellt werden, bitten wir folgende Hinweise in Bezug auf die Diagramme „Kanalisationskosten“ zu berücksichtigen:

  • Die Diagramme – wenn sie als Zielfunktion (ZF) bezeichnet wurden – weisen das u. E. prinzipiell erreichbare (niedrige) Kostenniveau inklusive aller Planungs- und Nebenkosten aus.
  • Es handelt sich dabei um Nettokosten (Kosten ohne Umsatzsteuer).
  • Es sind keine Schachtbauwerke enthalten.

Berücksichtigen Sie aber bitte auch die Ausführungen zur Tabelle 1 auf Seite 8 und natürlich die Tabelle 1 selbst. Danach wäre bei konzeptionellen Betrachtungen bzw. Refinanzierungsberechnungen aus Sicherheitsgründen mit einem eher mittleren Preisniveau und nicht mit einer Zielfunktion (ZF) zu kalkulieren.

Das Einhalten der Zielfunktion sollte ein Anspruch des zumeist kommunalen Auftraggebers sein. Ob der Anspruch aber realistisch ist, hängt von oft unbekannten Faktoren ab, die ein Auftraggeber oder auch ein planendes Büro nicht immer beeinflussen kann. Deshalb ist es sehr riskant, im Rahmen einer Investitionsrechnung oder eines Wirtschaftlichkeitsnachweises grundsätzlich von niedrigsten Kosten auszugehen. Man sollte sie kennen aber nicht als Dogma einsetzen.

Kostennormative sind als Bewertungsgrundlage überholt, wenn im Verlauf einer Entwurfsplanung und im Ergebnis eines nachvollziehbaren Variantenvergleiches bewiesen wird, dass die Zielfunktion im konkreten Einzelfall nicht zutrifft.

Konkrete Kostenberechnungen sind höherwertig und viel genauer als abstrakte Kennziffern.

Der Ansatz eines mittleren Preisniveaus soll vermeiden, dass gegenüber der reinen Zielfunktion ggf. erforderliche Zusatzaufwendungen im Zuge der Realisierung einzelner Maßnahmen zu einem Finanzierungsdefizit führen, weil z. B. zu wenig Kosten eingeplant wurden bzw. zu geringe Kostenansätze Eingang in die Refinanzierungsberechnungen fanden.

Deshalb wird empfohlen – wenn es um Refinanzierungssicherheit geht – (siehe Handbuch; Tabelle 1 ) auf die Zielfunktion (ZF) nach Tabelle 1 ca. 20 % aufzuschlagen, um ein mittleres Preisniveau abzubilden.

Alternativ kann natürlich auch anstelle des Pauschalzuschlages eine Kostenerhöhung durch einen separaten Aufschlag von beispielsweise ca. 10 % für Planung und weitere 5 bis 10 % für „sonstige Nebenkosten und Unvorhergesehenes“ vorgenommen werden, was letztlich zum gleichen Ergebnis – Gesamtnettokosten in einem mittleren bzw. durchschnittlichen Preisniveau – führt.

Über Änderungen informieren wir kostenlos in unserem Newsletter .

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1       Einleitung

1.1    Normative Kosten

1.1.1     Definition einer Normative und deren Ermittlung

1.1.2     Zweck von Normativen für die kommunale Abwasserbeseitigung

1.1.3     Voraussetzungen und Hinweise für die Nutzung der Normative

1.1.4     Aktualisierung der Normativkosten

1.1.5     Geltungsbereich

1.2    Ergebnisse von Kostenkalkulationen

1.3    Kostenangaben aus der Literatur

2       Primärdaten und Auswertung

2.1    Primärdatenherkunft

2.2    Vergleichbarkeit der Daten (Degressionsanalyse)

2.3    Auswertung der Baupreissteigerungen und Prognose

2.4    Preisbasis 2003

2.5    Weiterführende Literatur

3       Investitionskosten der Entwässerungssysteme

3.1    Kanäle für die Schmutz- und Regenwasserableitung

3.1.1     Freispiegelkanäle im Straßenbereich

3.1.2     Freispiegelkanäle im Gelände bzw. im Straßennebenbereich

3.1.3     Einfluss des Baugrundes auf die Kosten beim Kanalisationsbau

3.1.4     Schächte und Schachtabstände

3.1.5     Hausanschlüsse

3.2    Nettokosten für Kanalsanierung im nicht begehbaren Bereich nach [19]

3.3    Regenbecken.

3.3.1     Regenrückhaltebecken (RRB)

3.3.1.1    Offene Bauweise

3.3.1.2    Geschlossene Bauweise in Stahlbeton

3.3.2     Regenüberlaufbecken (RÜB)

3.3.3     Regenklärbecken im Trennsystem

3.4    Abwasserpumpwerke – Fertigteilpumpwerke in Nassaufstellung

3.4.1     Normative

3.4.2     Begründung zur Wahl der Normative

3.4.3     Trocken aufgestellte Abwasserpumpwerke – Prüfungsempfehlung

3.4.4     Investitionskosten für Biofilter an Zwischenpumpwerken

3.5    Druckleitungen

3.5.1     Herkömmliche Verlegetechnik im Rohrgraben

3.5.2     Alternative Verlegetechniken

3.5.2.1    Grabenlose Verlegetechnik

3.5.2.2    Einpflügen oder Fräsen

3.6    Sonderentwässerungssysteme

3.6.1     Druckentwässerungssystem

3.6.2     Vakuumentwässerung

3.6.3     Vergleich zwischen der Druck- und Vakuumentwässerung

3.7    Niederschlagswasser im dünn besiedelten Raum

4       Investitionskosten ausgewählter Abwasserbehandlungsverfahren

4.1    Grundsätzliche Hinweise

4.2    Kleinkläranlagen nach DIN 4261 Teil 2

4.3    Teich- und teichähnliche Kläranlagen

4.3.1     Pflanzenkläranlagen – vertikal durchströmt – bis 50 EW

4.3.2     Pflanzenkläranlagen – vertikal durchströmt – bis 1.400 EW

4.4    Containerkläranlagen – transportabel

4.5    Verfahren mit aerober Schlammstabilisierung

4.5.1     Kompaktkläranlagen mit Schlammstabilisierung bis 6.000 EW

4.5.2     Kläranlagen mit simultaner Schlammstabilisierung 5.000-20.000 EW

4.6    Kläranlagen mit 20.000 bis 100.000 EW Behandlungskapazität

4.7    Kläranlagen mit Trocknung, jedoch ohne Faulung

4.8    Natürliche Verfahren der Schlammentwässerung

4.9    Kosteneinsparung durch Industriebauweise

4.10  Aufwendungen für Automatisierungs- und Labortechnik

4.10.1   MSR-Technik für Kläranlagen

4.10.2   Investitionskosten für die Laboruntersuchungen

5       Betriebskosten im Kanalnetz

5.1    Kanalreinigung und Inspektion

5.2    Betriebskosten Pumpwerke

5.3    Betriebskosten für Biofilter an Pumpwerken

6       Betriebs-, Refinanzierungs- und Jahreskosten der Abwasserbehandlung

6.1    Laufende Kosten von Kleinkläranlagen nach DIN 4261 Teil 2. 61

6.1.1     Betriebskosten für ausgewählte Kleinkläranlagen

6.1.2     Spezifische Refinanzierungskosten

6.1.3     Jahreskosten ausgewählter Kleinkläranlagen

6.2    Betriebskosten für Kläranlagen zwischen 1.000 EW und 10.000 EW

6.2.1     Betriebskosten klassischer Verfahren

6.2.2     Betriebskosten von Pflanzenkläranlagen

6.3    Betriebskostenstruktur von Kläranlagen

6.4    Ausgewählte Betriebskostenarten der Abwasserbehandlung

6.4.1     Energiekosten

6.4.2     Personalkosten der Anlagenbedienung

6.4.3     Personalkosten der Verwaltung bzw. Geschäftsführung

6.4.4     Schlammentsorgungskosten

6.4.5     Instandhaltungs- und Sachkosten

6.4.6     Aufwendungen für die Eigenkontrolle

6.4.7     Aufwand für eine Gebührenbedarfsrechnung

6.4.8     Aufwand für eine Globalberechnung

6.4.9     Fäkalschlammabfuhr, Behandlung und Entsorgung

6.4.10   Kontrollkosten für Geschäftsbesorgung bzw. materielle Privatisierung

7       Grundsätzliche Hinweise zur Abwassergebührenkalkulation

7.1   Kosten

7.2    Abschreibungen

7.3    Zinsen

7.4    Aufwendungen der Kanalsanierung

7.5    Gebührenbemessung

7.6    Voraussetzungen der Gebührenkalkulation

7.7    Ziele der Gebührenkalkulation

7.8    Gebührenkalkulation bei Cross-Border-Leasing

8       Überblick zur Abwasserbeitragskalkulation – Globalberechnung

8.1    Allgemeine Hinweise

8.2    Begriffsbestimmungen

9       Kostenvergleiche sind nur bei gleichem Nutzen der Varianten zulässig

9.1    Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen der LAWA

9.2    Abwassergebührenvergleiche sind problematisch

10     Wissenschaftliche Bewertung der Zweckmäßigkeit einer Lösung

10.1  Einleitung

10.2  Beschreibung der Nutzwert-Analyse

10.3  Nutzwert-Kostenanalyse

10.4  Einfachste Risikokalkulation

10.4.1   Betrachtungen zum Grundrisiko jeder Entscheidung

10.4.2   Fallunterscheidung

10.4.3   Ausgewähltes Kalkulationsbeispiel – Refinanzierung

10.4.4   Einschätzung des CBL-Risikos

10.4.5   Lösungsansatz einer Risikomatrix – Beispiel

10.5  Entscheidungsspinne – Eigenlösung oder Abwasserzweckverband?

10.6  Zweckmäßigkeitsnachweise und Nutzenbewertung bei der Privatisierung

10.6.1   Widerspruch zwischen kommunalem Zweck und privatem Gewinn

10.6.2   Kommunales Eigentum heute ein trockener Brunnen?

10.6.3   Falsche Wirtschaftlichkeitsnachweise bei der Privatisierung

10.6.4   Konsequenzen mangelhafter Wertschätzung kommunalen Eigentums

11     Bedeutung und Umfang von Abwasserzielkonzeptionen

11.1  Strategische Überlegungen

11.2  Ausgewählte Bestandteile des Abwasserzielkonzeptes

11.3  Grundsätzlicher Informationsumfang

11.4  Konzept zur Regenwasserbewirtschaftung

11.5  Abwasserbeseitigung im ländlichen Raum

11.6  Nachweis der Zweckmäßigkeit eines Abwasserzielkonzeptes

11.7  Kostenschätzungen

11.8  Notwendiger Inhalt

12     Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflicht

12.1  Definition der Abwasserbeseitigungspflicht

12.2  Alternativlösung – Kleinkläranlage

12.3  Anschluss- und Benutzungszwang

13     Kleinkläranlagen werden leistungsfähiger, aber auch aufwendiger

13.1  Einsatzbereiche und Grundsätze

13.2  Klassifikation – Technische Verfahren

13.3  Technologie – Funktionsweise

13.4  Vergleich DIN 4261 Teil 1 und TGL 7762

13.5  Fäkalschlammmenge und -last

13.5.1   Fäkalschlammmenge

13.5.2   Last ausgewählter Fäkalschlamminhaltsstoffe

13.5.3   Huminsäuren

13.6  Förderung von Kleinkläranlagen

13.7  Zweckmäßigkeitsgrenze für Kleinkläranlagen gesunken

14     Kanäle sollen nicht konzeptionslos saniert werden

15     Kontrolle ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg

15.1  Kontrolle des Anlagenbetriebes

15.1.1   Der Verband auf der „grünen Wiese“ – Zero-Base-Planning

15.1.2   Kontrolle der privaten Geschäftsbesorgung

15.2  Kontrolle der Beratung und deren Ergebnisse

15.3  Behördliche Kontrolle befreit nicht von der Eigenverantwortung

15.4  Kontrolle der Planung

15.4.1   Rechtzeitige Einbeziehung von unabhängigen Sachverständigen

15.4.2   Kontrolle durch eine Projektsteuerung

16     Kommunen und Verbände in Gerichtsprozessen

16.1  Ausgewählte Mängel im Ergebnis der Begutachtungen von Planungen

16.1.1   Unklare vertragliche Vereinbarung der zu lösenden Aufgaben

16.1.2   Unvollständige Grundlagenermittlungen und Vorplanungen

16.1.3   Ungenügende Planungsprüfung durch Kommunen und Verbände

16.1.4   Planungen, die nicht prüffähig sind, sind deshalb mangelhaft

16.1.5   Kein Nachweis der Zweckmäßigkeit einer Planung als Mangel

16.2  Grundsätzliche Methodik zur Planungsprüfung

16.2.1   Prüfung einer Leistung auf Mangelfreiheit

16.3  Funktion von Parteigutachtern

16.4  Gerichtsgutachter sind in der Regel ö. b. u. v. Sachverständige

17     Leistungssteigerung der kommunalen Abwasserbeseitigung

17.1  Kommunales Outsourcing als Regel

17.2  Funktionalausschreibungen

17.3  Optimale Größe eines Abwasserzweckverbandes

17.4  Fehlerkorrektur bei der kommunalen Abwasserbeseitigung

17.4.1   Notleidender Abwasserzweckverband

17.4.2   Kläranlage zu groß – Fehlerbeseitigung

17.4.3   Bürgerbewegungen zu oft noch auf verlorenem Posten

18     Bildung privater Regionalmonopole

18.1  Gliederung der Privatisierung leitungsgebundener Anlagen

18.2  Wettbewerb nur vor der Monopolbildung

18.3  Kritische Stimmen zur Privatisierung

18.4  Kommunale Wasserwirtschaft ohne Monopol seit langem „teilprivatisiert“

18.5  Liberalisierung und Globalisierung des Wassermarktes

19     Public Private Partnership

20     Leasing von Abwasserreinigungsanlagen

20.1  Was ist Leasing?

20.2  Kostenvergleichsrechnung zwischen Leasing und Bankfinanzierung

20.3  Vor- und Nachteile der Leasingfinanzierung

21     Cross-Border-Leasing: Chance oder Risiko?

22     Widersprüche beim Gewässerschutz

22.1  Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung

22.2  Nitrat stört den Phosphorkreislauf

22.3  Schwarze Flecken im Watt

22.4  Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung

22.5  Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung

22.6  Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff

22.7  Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?

22.7.1   Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?

22.7.2   Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

23     Abwasserabgabe führt teilweise und mittelbar zu Umweltschäden

23.1  Abwasserabgabe ist unzweckmäßig

23.2  Wasserrecht teilweise im Widerspruch zum Grundgesetz

23.3  Abwasserabgabeerhebung für den CSB auf der Basis von Indizien

23.3.1   Was ist ein CSB?

23.3.2   Ist der CSB tatsächlich ein Schadstoff?

23.3.3   Ursachen für die Entstehung eines unschädlichen CSB

23.3.4   Rechtliches Problem aus Sicht des Abwasserbeseitigungspflichtigen

23.3.5   Abwasserabgabe auch für CSB im Widerspruch zum Grundgesetz

Stichwortverzeichnis

Diagrammverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Formelzeichen und Abkürzungen

Definition ausgewählter Fachtermini

Literaturverzeichnis

 




Reaktion auf ein Gutachten

Zur Renaturierung eines Sees in Domersleben wurde von mir eine Stellungnahme angefertigt.

Eine Reaktion darauf ist der Volksstimme zu entnehmen.

Im Februar 2011 fand ich noch folgenden Beitrag des Institutes für Biowissenschaften der Universität Rostock:

Alexandra HOESCH
Renaturierung von Flachseen durch gezielte Makrophytenbesiedlung
(Hoesch-Makrophytenbesiedlung)

U. a. wird ausgeführt:

„Die Eutrophierung ist einer der Hauptgründe für hohe organischen Sedimentationen, geringe Sichttiefen, Blau- und Grünalgenblüten und Gewässer-verödungen. Eutrophierungen sind bei vielen Gewässern anthropogen bedingt. Einleitungen von häuslichen Abwassern sind in Deutschland nicht mehr das Hauptproblem, sondern die diffusen Einleitungen aus der Landwirtschaft. Leider ist bei den Landwirten bzgl. ihrer Düngepraxis, außer durch direkte Ent-schädigungszahlungen, wenig zu machen. Deswegen ist es erfahrungsgemäß selten, dass bei einer Flachseenrenaturierung damit zu rechnen ist, die anfallenden diffusen landwirtschaftlichen Einträge im Einzugsgebiet langfristig reduzieren zu können. Sinnvoll ist es dem Beispiel der Münchner Wasserwerke zu folgen und die Biobauern im Einzugsgebiet zu subventionieren.

Wenn Zahlungen nicht möglich sind, bieten Röhrichtbeckenanlagen – auch Schilfpolder genannt – kostengünstige lokale Lösungen (Feibicke 2006). Das sind eingewallte Röhrichtgebiete, die landwirtschaftliche Ausschwemmungen auffangen und – ähnlich Retentionsbecken für Hochwasser – belastetes Wasser aufnehmen und speichern. Hier können sich Schwebstoffe absetzen und gelöste Nährstoffe werden von den Pflanzen aufgenommen.

Das vorgeklärte Wasser kann durch einen Überlauf in den See abfließen. Natürlich muss eine solche Anlage durch Mähen und Abtragen der abgelagerten Frachten unterhalten werden.“

Es gibt also wenigstens eine Lösung, trotz Eutrophierung.

Siehe auch: Diskussion schlägt im Bauausschuss Wellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Domersleben



Kostensenkung

.

Ein jeder ist so viel wert, wie die Dinge wert sind, um die es ihm ernst ist.

Das schrieb Mark Aurel vor über 1.800 Jahren.

Es ist reflexiv und letztlich gut für eine Kommune und für einen Verband, wenn die Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung in ihrer Komplexität exakt bewertet wird.

Kommunen und Abwasserzweckverbände stehen mitunter in der Kritik, auch weil sie sich scheinbar nicht intensiv genug um Kostensenkung kümmern.

Kostensenkung – aber wie?

Kostensenkung beginnt – wie die meisten Dinge – im Kopf. Also die Struktur muss einfach stimmen.

Und genau damit beginnen wir meistens. Benchmark fällt da zuerst ein.

Sicher, Benchmark ist momentan in Mode und jeder der was auf sich hält, lässt sich benchmarken.

Aber sind Sie Jeder? Ist nicht Ihr Verband oder Ihre Kommune etwas ganz Besonderes, vielleicht sogar eine Ausnahme?

Benchmark ist wohl gut für den ersten Vergleich, so auf die Schnelle, für die Allgemeinheit und zur Orientierung. Aber Sie wollen doch am Ziel ankommen!

Wer reisen will, benchmarkt kaum sein Schiff, um dann im Hafen zu liegen!

Glauben Sie nicht, dass wir Benchmarking nicht verstehen, weil wir etwas distanziert sind. Im Gegenteil, wir haben schon derartige Maßstäbe gesetzt und Normativen erarbeitet, als Unternehmensberater in den neuen Bundesländern in der Abwasserbeseitigung noch kein Geld verdienten. So kam unser erster Benchmarkingauftrag schon 1995 vom Umweltministerium des Landes Brandenburg. Thüringen folgte kurz darauf.

Lassen Sie uns also aus Ihrem Problem eine gemeinsame Aufgabe machen, bei deren Lösung wir Sie gerne unterstützen möchten.

Wir freuen uns auf Ihren Anruf: 03761-5266 oder 5267

Meist wird Frau Felkel, unsere Sekretärin Ihr Telefonat oder Ihre E-Mail an box@institut-halbach.de entgegen nehmen bzw. weiterleiten.

Wir setzen bei der Optimierung der Strukturen an. Danach erarbeiten wir Lösungen für die Optimierung der Betriebswirtschaft und Technik.

Ein Vorteil unseres Hauses liegt in der ausgezeichneten Zusammenarbeit der Arbeitsgruppen „Technik“ und „Betriebs- sowie Kommunalwirtschaft“, zwischen denen (um am Rande etwas intimes und menschliches in dieser eher sachlichen Darstellung durchschimmern zu lassen) seit Jahren ein humorvoller Wettstreit tobt, welche Abteilung wohl die Wichtigere und Bedeutendere sei. Neben den Teilaufgaben, wie Budgetierung, Kalkulation von Gebühren und Beiträgen, Kostengruppierung, Kostenstellenrechnung, Ermittlung von Aufwandsersatz und Kostenbeteiligung Dritter kennen wir uns natürlich auch bei der wasserwirtschaftlichen Anlagenbewertung bestens aus. Die wasserwirtschaftliche Anlagenbewertung und Kalkulation ist ein Schwerpunkt unserer Kompetenzen.

Und das nicht erst seit heute, sondern schon seit Jahrzehnten, wie Referenzen und die Zahl unserer kommunalwirtschaftlichen Auftraggeber es beweisen.

Wir blicken auf  zahlreiche Veröffentlichungen, Gutachten, Kalkulationen, Nutzensbewertungen und erarbeitete Konzeptionen zurück. Zahlreiche Planungs- und Beratungsbüros kalkulieren mit unseren Normativkosten und  Kostenrichtwerten.  Warum es also auch nicht einmal mit dem Urheber versuchen?

Neben unserer Unabhängigkeit ist der wichtigste Vorteil:

Wir wissen, was wir tun! Und das beruht auf der Synthese betriebswirtschaftlicher und abwassertechnischer Erfahrungen:

Wir sind interdisziplinär!

Unsere Kommunalwirtschaftler arbeiten z. B. mit Kosten, die unsere Ingenieure im Nachbarzimmer kalkulierten und unsere Ingenieure kontrollieren betriebswirtschaftliche Grundlagen nach technischen Gesichtspunkten.

Und schließlich seien noch als Vertrauensgrundlage einige unserer besonderen Vorteile genannt:

  1. Wir vergleichen nicht Äpfel mit Birnen. In der Nutzenbewertung (z. B. unsere Nutzwert-Kosten-Matrix 2009) sind wir genauso kompetent und erfahren, wie bei der Kostenkalkulation und -bewertung.
  2. Wir sind eine unabhängige und zugleich interdisziplinäre Einrichtung und können deshalb viele Spezialaufgaben mit dem eigenen Team lösen.
  3. Wir nehmen keine Vermittlungsprovisionen an und wir verkaufen Ihnen auch keine Anlagen.
  4. Unsere Leistungsfähigkeit nutzen auch Kommunen und Abwasserzweckverbände aus vielen Bundesländern.
  5. Wir sind ein bekanntes Institut und seit unserer Gründung schon 23 Jahre ununterbrochen erfolgreich.

Wir freuen uns besonders über Ihr Interesse an unseren Leistungen.

Uwe Halbach

***

P.S.:

Siehe auch: Kostenvergleiche, Nutzensbewertungen und Entscheidungshilfen – für uns fast Routine!




Kostenvergleiche, Nutzensbewertungen und Entscheidungshilfen – für uns fast Routine!

.

Jede Investition beruht auf dem Glauben an zukünftige Erwartungen

Und in dem Maße, in dem eine Investition zunehmend auf Glauben beruht und von Gefühlen getragen wird, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlinvestition, sei es weil die Kosten aus dem Ruder laufen oder weil der erwartete und notwendige Nutzen nur teilweise oder gar nicht eintritt.

Aus dem Grund empfiehlt es sich, die Kosten- und Nutzenbewertung der verschiedensten Varianten einer Investition möglichst zeitig einem erfahrenen Team zu übertragen.

So sind Fehler bei der Investitionsvorbereitung zu vermeiden und Risiken können auf unvermeidbare Risiken – auf das Investitionsgrundrisiko – minimiert werden.

Lassen Sie uns aus Ihrem Problem eine gemeinsame Aufgabe machen, bei deren Lösung wir Sie gerne unterstützen möchten.

Wir freuen uns auf Ihren Anruf: 03761-5266 oder 5267

Meist wird Frau Felkel, unsere Sekretärin Ihr Telefonat oder Ihre E-Mail an box@institut-halbach.de entgegen nehmen bzw. weiterleiten.

Die Fehlinvestitionen der Vergangenheit zeigten auch, dass es zweckmäßig ist, Kostenvergleiche von der Planungsphase zu trennen, zumal in der allgemeinen Vorstellung „riskante Planungen“ kein Thema im Rahmen der Planung sind. Zu unrecht, denn jede Planung ist riskant und es gilt ihre Risiken aufzuzeigen und zu bewerten.

Und weil dies so ist, sollte das Risiko vor der Investition sicherheitshalber von einer unabhängigen Seite analysiert und bewertet werden.

Und damit könnten Sie zu uns kommen, denn wir sind unabhängig und kein Planungsbüro.

Die wasserwirtschaftliche Anlagenbewertung und Kalkulation ist ein Schwerpunkt unserer Kompetenzen.

Und das nicht erst seit heute, sondern schon seit Jahrzehnten, wie Referenzen und die Zahl unserer kommunalwirtschaftlichen Auftraggeber es beweisen.

Wir blicken auf zahlreiche Veröffentlichungen, Gutachten, Kalkulationen, Nutzensbewertungen und erarbeitete Konzeptionen zurück und zahlreiche Planungs- und Beratungsbüros kalkulieren mit unseren Normativkosten und Kostenrichtwerten. Warum es also auch nicht einmal mit dem Urheber versuchen?

Neben unserer Unabhängigkeit ist der wichtigste Vorteil:

Wir wissen, was wir tun!

Und das beruht auf der Synthese betriebswirtschaftlicher und abwassertechnischer Erfahrungen:

Wir sind interdisziplinär!

Unsere Kommunalwirtschaftler arbeiten z. B. mit Kosten, die unsere Ingenieure im Nachbarzimmer kalkulierten und unsere Ingenieure kontrollieren betriebswirtschaftliche Grundlagen nach technischen Gesichtspunkten.

Und schließlich seien noch als Vertrauensgrundlage einige unserer besonderen Vorteile genannt:

  1. Wir vergleichen nicht Birnen mit Äpfeln. In der Nutzenbewertung (z. B. unsere Nutzwert-Kosten-Matrix 2009) sind wir genauso kompetent und erfahren, wie bei der Kostenkalkulation und -bewertung.
  2. Wir sind eine unabhängige und zugleich interdisziplinäre Einrichtung und können deshalb viele Spezialaufgaben mit dem eigenen Team lösen.
  3. Wir nehmen keine Vermittlungsprovisionen an und wir verkaufen Ihnen auch keine Anlagen.
  4. Und wir hatten aufgrund unserer Erfahrungen in der Vergangenheit schon mehrfach Wege und Lösungen aufgezeigt, lange bevor vielerorts die entsprechenden Probleme überhaupt erkannt wurden.

Wir sind ein bekanntes Institut und seit 22 Jahren ununterbrochen erfolgreich.

Unsere Leistungsfähigkeit nutzen auch Kommunen und Abwasserzweckverbände aus vielen Bundesländern und wir freuen uns besonders über Ihr Interesse an unseren Leistungen.

…und um einer Sache auf den Grund zu gehen, ist sich der Chef auch nicht zu schade, selbst in einen Kanal zu krabbeln:

***

P.S.:

Siehe auch: Kostensenkung




Wassergütewirtschaft – Gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft

Perspektiven der Wassergütewirtschaft 2050 – gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft

Helmut Kroiss, Wien

1.    Einleitung

Bei der Beschäftigung eines Wissenschaftlers mit Prognosen tritt immer das Problem auf, dass er sich auf ein Terrain wagen muss, das nicht durch experimentelle oder andere empirische Daten abgesichert werden kann. Die Zukunft bleibt daher in vieler Hinsicht prinzipiell ungewiss. Nicht umsonst gibt es daher das Bonmot:

Prognosen sind besonders dann problematisch, wenn sie die Zukunft betreffen.

Das Ziel dieses Beitrages ist es darzustellen, welche Gesetzmäßigkeiten auch für die zukünftige Entwicklung der Wassergütewirtschat als gesichert wirksam angenommen werden können und welche Entwicklungen mit ebenso großer Sicherheit nicht gesichert vorhergesagt werden können.

Der Prognosezeitraum von 40 Jahren ist so lang, dass man aus der historischen Erfahrung weiß, dass zumindest im politischen Bereich Brüche auftreten können, die nicht prognostizierbar sind. Man denke nur an die „Wende“ im Osten Europas vor ca. 20 Jahren. Auf der anderen Seite sind 40 Jahre für die Siedlungswasserwirtschaft kein besonders langer Zeitraum, wenn man bedenkt, dass wir Kanalnetzen eine Lebensdauer von 40 bis 100 Jahren zuordnen und auch Kläranlagen durchaus 40 Jahre ohne wesentliche Veränderungen betrieben werden können, wenn sie laufend instand gehalten werden.

Die Wassergütewirtschaft geht deutlich über die Siedlungswasserwirtschaft hinaus. Sie muss immer an die spezifischen lokalen und regionalen Bedingungen angepasst werden, wird aber auch von globalen Aspekten beeinflusst. Für Deutschland einem Umwelttechnik Exportland erscheint es wichtig, dieses Spannungsfeld zwischen den regionalen und den globalen Entwicklungen näher zu betrachten

2    Naturwissenschaftliche Grundlagen der Wassergütewirtschaft

Es geht im Folgenden um die Darstellung von Gesetzmäßigkeiten, deren Wirkung wir auch für die Zukunft als gesichert annehmen können. Insbesondere geht es um die Gesetzmäßigkeiten lebendiger Systeme, in die die Wassergütewirtschaft integriert ist bzw. die in ihren technischen Einrichtungen und Maßnahmen auch genutzt werden. Die Auswahl der Gesetzmäßigkeiten in der folgenden Ausführung ist natürlich sehr beschränkt und spiegelt auch den Bewusstseinsstand des Autors hinsichtlich ihrer Relevanz wieder. Daraus folgt auch die Begrenztheit der daraus gezogenen Schlüsse.

2.1    Thermodynamik offener Systeme

Thermodynamisch offene Systeme sind solche, die auf einen ununterbrochenen „Durchfluss“ von Materie und Energie angewiesen sind. Das gesamte Klimageschehen, die Zusammensetzung der Atmosphäre und damit auch alle Wassersysteme sind von der Entwicklung des Lebens auf der Erde abhängig. Letzteres ist zumindest auf die dauernde Zufuhr von Sonnenenergie und den Vorrat an chemischen Elementen in der Erdkruste angewiesen. Die Erde stellt daher physikalisch gesehen ein „thermodynamisch offenes“ System dar. Sie besitzt ganz besondere Eigenschaften, die üblicherweise in der allgemeinen Schulausbildung in Physik kaum vermittelt werden. Dort dominieren immer noch die klassische Physik und neuerdings auch die Atomphysik. Aus der Quantenphysik kann abgeleitet werden, dass die zukünftige Entwicklung „Freiheitsgrade“ besitzt, die Zukunft also prinzipiell nicht eindeutig vorhersehbar ist, die Vergangenheit jedoch prinzipiell nachvollziehbar ist.

Für lebendige Systeme ist diese Asymmetrie zwischen Vergangenheit und Zukunft besonders charakteristisch und bedeutsam.

Lebensvorgänge sind prinzipiell nie vollständig reversibel, das ist uns Menschen sehr bewusst. Die vollständige Wiederherstellung vergangener Zustände ist daher unmöglich, was uns Menschen sehr bewusst ist. Auch die Erhaltung eines stationären Zustandes ist auf Dauer unmöglich, weil schon die externen Einflüsse (z. B. die Sonneneinstrahlung) dauernd schwanken. Die Verknüpfung von „Nachhaltigkeit“ mit der Erhaltung eines spezifischen stationären, krisenfreien Fließgleichgewichtes über Generationen, muss für lebendige Strukturen sowohl auf lokaler wie auch globaler Ebene zur Festlegung von falschen Zielen und falschen Wegen, diese zu erreichen, führen.

Aus der Theorie thermodynamisch offener Systeme kann man ableiten, dass sogenannte Bifurkationen (PRIGOGINE) auftreten können. Unter bestimmten Randbedingungen kann sich daher so ein System in zwei gänzlich unterschiedliche Richtungen entwickeln, wobei prinzipiell nicht vorhersagbar ist, in welche.

Lebendige Systeme haben die Eigenschaft, dass auch sehr kleine und sehr langsame Veränderungen zu Kipp-Prozessen führen können, wo ein System kurzfristig in ein gänzlich anderes „kippt“. So ist häufig der Übergang von „gesund“ zu „krank“. Aus der Wassergütewirtschaft kennen wir solche Kippvorgänge etwa von unseren Alpenseen. Sie halten sich entweder von selbst sauber oder sie werden „eutroph“ (überernährt). Der Zustand eines eutrophen Sees „verschlechtert“ sich (hinsichtlich unserer Ansprüche) ohne Eingriff von selbst. Auch bei den Anaerobprozessen kennen wir solche Kippvorgänge sehr gut. In sehr vielen Fällen bewirkt der menschliche Eingriff in die Natur, aber auch in die politisch-sozialen Mechanismen der Gesellschaft solche sprunghaften Veränderungen.

2.2     1. Hauptsatz der Thermodynamik

Allgemein bekannt ist meist der Erste Hauptsatz der Thermodynamik, der besagt, dass Materie und Energie in einem geschlossenen System nicht verschwinden können. Dieser Hauptsatz ist für die gesamte Wassergütewirtschaft und andere Umweltwissenschaften von fundamentaler Bedeutung, auch wenn das vielleicht nicht sofort einsichtig ist. Bei einem thermodynamisch offenen System (z. B. unserem Körper oder einem Siedlungsraum) gibt es einen ständigen Energie- und Materiestrom, der durch das System hindurchgeht. Daher müssen wir zuerst ein System sehr genau abgrenzen, damit wir diesen Hauptsatz für eine Stoffbilanz sinnvoll anwenden können. Alles was z. B. an Stoffen in ein Siedlungsgebiet hineingelangt, muss entweder im Siedlungsgebiet (Lager) oder als „Export“ aus dem Bilanzraum wiedergefunden werden können. Stoffbilanzen stellen eine hervorragende Methode dar; mit der man die Richtigkeit und Vollständigkeit von Daten prüfen kann.

Der 1. Hauptsatz besagt, dass Elemente und Energie nicht verschwinden können,

wobei für die Wassergütewirtschaft das Energieäquivalent von Materie (E=m.c2) vernachlässigt werden kann.
Für biologische Systeme folgt aus dem 1. Hauptsatz der Thermodynamik, dass aus einer bestimmten Fracht an Nahrung (M/T1) nur eine bestimmte Menge an Organismen am Leben erhalten werden kann.

2.3     2. Hauptsatz der Thermodynamik

Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik (Entropiesatz) ist zwar ebenso fundamental wie der 1., allerdings in seinen Konsequenzen viel komplexer. Er wird dort relevant wo es um Qualität bzw. den Wert von Energie oder um die Reinheit von Stoffen geht. Er ist auch relevant für die möglichen Entwicklungen eines Systems.

Wenn wir z. B. saubere Gewässer haben wollen, geht es um die Frage, wie viel hochwertige elektrische Energie wir in geringwertige Niedertemperaturwärme umwandeln wollen, um Abwasser zu reinigen.

Wo ist die Grenze, ab der wir insgesamt höhere Belastungen der Umwelt bewirken, als wir an Wert für saubere Gewässer gewinnen?

Wenn der Mensch Ressourcen (Stoffe) verwendet, bleiben sie zwar erhalten (1. HS. der Thermodynamik), aber ihr Wert für gewisse Anwendungen verringert sich. Wenn wir z. B. Phosphorerzlager zur Erzeugung von Dünger ausbeuten und dann fein in der Landwirtschaft verteilen und schließlich über die Flüsse ins Meer gelangen lassen, ist der Phosphor von der Erde zwar nicht verschwunden, aber für uns und unsere Nachkommen nunmehr mit sehr hohen Kosten (Energieeinsatz) zurückzugewinnen.

Jeder Stoff, der überhaupt erzeugt und verwendet wurde oder wird, wird über kurz oder lang mit Luft und Wasser auf der ganzen Erde fein verteilt. So kann man die Bleiverhüttung während der Römerzeit im Eis der Antarktis nachweisen, ebenso wie z. B. polyfluorierte Tenside (PFT), die erst im 20. Jahrhundert entwickelt wurden. Man kann berechnen, dass mit ca. einem Kilogramm eines Stoffes, den wir in die Umwelt entlassen, jeder Liter Wasser auf der Erde inklusive der Meere mit ca. 10 bis 1.000 Molekülen „verunreinigt“ werden kann.

Alle lebendigen Strukturen brauchen eine ununterbrochene Energie-Zufuhr, und sie bewirken eine ununterbrochene Zunahme an Unordnung (Entropie); das ist eine Eigenschaft aller lebendigen Systeme. Aus hochwertiger Nahrung entsteht minderwertiges Abwasser, aus hochwertigen Metalllegierungen entstehen Schwermetallverunreinigungen in der Umwelt.

Die Sonne sichert eine zwar begrenzte aber dauernd gesicherte Zufuhr an hochwertiger Energie. Die Wärmeabstrahlung der Erde bewirkt eine dauernde gesicherte Entfernung von relativ minderwertiger Energie. Für das Leben auf der Erde steht also eine gesicherte Entropie-Differenz („Unordnungsentsorgung“) dauernd zur Verfügung.
Die Atmosphäre und das Klima sind mit der Biosphäre ganz eng verknüpft, das Klima hat also physikalische und biologische Ursachen, und das Leben hat sich rund um das Wasser entwickelt. Dieses Wasser war nie reines H20, sondern es war Wasser, das mit allen Stoffen verunreinigt war, die zumindest in der Erdkruste und in der Atmosphäre vorhanden waren. Leben ist nicht aus reinem H20 entstanden.

Daraus ergibt sich ein Problem, für die Bewertung unseres Handelns mit Hilfe des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik. Wir wissen von vielen Stoffen, dass sie erst in geringen Konzentrationen (hoher Verdünnung) Wertstoffe für lebendige Strukturen darstellen, während sie in höheren Konzentrationen (niedriges Entropieniveau) schädlich wirken können, in noch höherer Reinheit können sie wiederum sehr wertvoll sein. Am Beispiel von Kupfer wird jeder Wassergütewirtschafter dies verstehen. Es gibt daher eigentlich keine „Schadstoffe“ oder alle Stoffe sind solche, solange es keine eindeutige Messvorschrift gibt, die dem Begriff zugeordnet wird. Wir sollten daher den Begriff „Schadstoff“, wie er derzeit verwendet wird, eliminieren.

Es gibt inzwischen etwa 50 Millionen registrierte Stoffe, ob sie nützlich, schädlich oder wirkungslos sind, hängt an ihrer Konzentration, ihrer Dosis und dem Ort wo sie auftreten. Das ist bei Medikamenten durchaus bekannt, gilt aber prinzipiell für alle Stoffe. Für viele Stoffe, die wir heute verwenden, ist ihre Wirkkonzentration oder -dosis für Mensch und Umwelt noch nicht bekannt, insbesondere bezüglich der Langzeit- oder der Synergiewirkung. Auf diesen Gebieten wird weltweit intensiv geforscht.

Das Entropieniveau von Stoffverteilungen kann jedenfalls nicht für jeden Stoff zu ihrer Bewertung verwendet werden. Der „Verlust“ einer hochwertigen (reinen) Substanz oder Energieform durch feine Verteilung in der Umwelt kann nicht nur negativ beurteilt werden. Auch die Natur erzeugt hochwirksame Gifte, die durch Verdünnung in der Umwelt unschädlich werden. Die meisten Schwermetalle, auch jene in der Erdkruste sind erst durch hohe Verdünnung im Wasser zu wertvollen und häufig essenziellen Spurenstoffen für die Entfaltung der Biosphäre geworden.
Es erscheint zulässig aus dem Entropiesatz abzuleiten, dass es keine vollständigen (100%-igen) physikalischen, chemischen oder biochemischen Umsetzungen oder Abbauvorgänge von Stoffen gibt.

2.4     Steuerung des Wachstums lebender Zellen

Alle Lebewesen besitzen Steuerungs- und Regelungssysteme zur Aufrechterhaltung ihrer Lebensvorgänge, wobei deren Komplexität sehr unterschiedlich und noch keineswegs vollständig aufgeklärt ist. Jedenfalls muss man davon ausgehen, dass diese Steuerungssysteme sehr relevante Selektionsmechanismen für die Entwicklung der Biosphäre darstellen.

Wie neueste Forschungen (VERSTRAETE) nahelegen, sind mehrere fundamentale Steuerungsmechanismen universell im genetischen Code lebendiger Zellen verankert. Einer davon ist in der Wassergütewirtschaft sehr gut bekannt und in Bild 1 dargestellt. Es handelt sich um die Steuerung des Wachstums bzw. des Substratumsatzes von Zellen über das Nahrungsangebot. Die Wachstumsrate lebendiger Zellen wird über die Konzentration jenes essenziellen Nährstoffes in der Umgebung der Zelle gesteuert, der das Wachstum begrenzt. Dieser Zusammenhang durch das Forscherpaar Michaelis-Menten (1913) für die Enzymkinetik (Stoffumsatz) und in der dargestellten Form von Monod (1942) experimentell für die Wachstumsrate abgesichert. Dieser Zusammenhang ist stark temperaturabhängig. Nur für ganz wenige Stoffe und Zellarten ist dieser Zusammenhang quantitativ bekannt. Jede konkrete Monod-Kurve stellt den Ort aller möglichen Gleichgewichte zwischen dem Angebot an einem essenziellen Nährstoff und der Wachstumsrate dar.

Bild 1: Steuerung des Wachstums lebendiger Zellen durch Mangel an einem Nährstoff

Bild 1:    Steuerung des Wachstums lebendiger Zellen durch Mangel an einem Nährstoff

Aus Bild 1 kann man ableiten, wie sich lebendige Zellen und Organismen bei Ressourcenmangel und -überfluss verhalten. Wenn alles Lebenswichtige im Überfluss zugänglich ist, dann steuert die genetisch fixierte, maximale Wachstumsrate oder Stoffumsatzrate das System. In der Biotechnologie versucht man meist alle durch Mangel verursachten Wachstumshemmungen zu beseitigen, um zu maximalen Raumausbeuten zu gelangen. Auch an der Maximierung der Stoffumsatzraten durch verbesserte genetischer Eigenschaften der eingesetzten Organismen wird gearbeitet (Züchtung, Gentechnik). Die dafür relevanten Zusammenhänge sind mit dem rechten oberen Teil der Kurve verbunden (a).

Wenn sich die Konzentration nur eines einzigen essenziellen Nährstoffes in der Umgebung des Organismus (der Zelle) gegen Null bewegt, kommt es relativ schlagartig zu einer massiven Reduktion der Wachstumsgeschwindigkeit. Die meisten von uns sehr geschätzten natürlichen, artenreichen Öko-Systeme sind durch Nahrungsmangel gekennzeichnet. Sie haben enorme Reserve-Kapazität, um auf kurzfristige Veränderungen des Nahrungsangebotes durch Veränderungen der Wachstumsgeschwindigkeit zu reagieren und die Stabilität des Ökosystems zu sichern.
Bei der biologischen Abwasserreinigung nützen wir diesen Zusammenhang indem wir Bedingungen schaffen, bei denen das Wachstum von (natürlichen) Biozönosen durch Mangel möglichst vieler Abwasserinhaltsstoffe begrenzt wird. Damit erreichen wir sehr geringe Restkonzentrationen im gereinigten Abwasser.

In den letzten 2 Jahrhunderten ist es auf Basis der Fortschritte in Wissenschaft und Technik gelungen zumindest in den reichen Ländern Ressourcenmangel weitgehend zu beseitigen. Unter Ressourcenüberfluss, werden dann die genetisch fixierten Eigenschaften der Menschen und die Entwicklung und Entfaltung der geistigen Fähigkeiten (Ausbildung, Organisation und Erziehung) zu den begrenzenden Faktoren. In der Landwirtschaft hat dieser Zusammenhang in der Düngelehre und der Züchtung ertragreicherer Nutzpflanzen seinen Niederschlag gefunden. Um höhere Erträge pro Flächeneinheit zu erzielen muss nicht nur der erhöhte Düngestoffgehalt der Ernte abgedeckt werden, sondern es muss auch die Düngerkonzentration im Boden angehoben werden. Die durch Düngung erhöhten Nährstoffkonzentrationen im Boden führen allerdings auch zu erhöhten Verlusten von Nährstoffen aus den Böden in das Grundwasser und die Oberflächengewässer. Dort verursachen sie allerdings verschiedene Qualitätsverluste, wie das Nitratproblem für die Trinkwassergewinnung aus dem Grundwasser und ein übermäßiges Algenwachstum in den Oberflächengewässern (Eutrophierung).

Wir haben also ein klassisches Optimierungsproblem vor uns. Ohne ausreichende Düngung kann die Ernährung der noch immer steigenden Weltbevölkerung nicht gesichert werden. Sie verursacht aber eine erhöhe Belastung der Gewässer mit Nährstoffen, was dort Qualitätsprobleme verursacht (Eutrophierung, Nitrat im Grundwasser). Gleichzeitig „verliert“ man diese Stoffströme durch Verdünnung im Meer.

3    Grenzen der Ressourcenverfügbarkeit

Spätestens seit dem Buch „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome vor 40 Jahren besteht das Bewusstsein, dass unsere Ressourcen begrenzt sind. Nur sind sie ganz unterschiedlich begrenzt und das muss man beim Versuch der Lösung dieses fundamentalen Problems immer beachten.

Es gibt Ressourcen, ohne die wir nicht leben können und die nicht substituierbar sind, so wie z. B. Wasser, Stickstoff, Phosphor, Kalium, Kalzium, Schwefel und die meisten Schwermetalle. Alle diese lebenswichtigen Stoffe müssen dauernd in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, sonst kann die Erdbevölkerung nicht am Leben erhalten und ernährt werden. Bei wahrscheinlich 10 Milliarden Menschen im Jahre 2050 können diesbezüglich gravierende Probleme entstehen.

Die vielleicht wichtigste nicht substituierbare Ressource für uns und unsere Umwelt ist Süßwasser. Es ist eine begrenzte, aber erneuerbare Ressource. Die Sonne bewirkt den Wasserkreislauf, in dem auch eine weitgehende Erhaltung der Qualität des Wassers integriert ist. Die Verfügbarkeit dieser begrenzten Ressource ist lokal und regional äußerst unterschiedlich und primär klimatisch bestimmt.
Stickstoff ist der wichtigste Bestandteil der Atmosphäre und stellt eine praktisch unbegrenzte Ressource, dar. Die Natur hat zusätzlich vorgesorgt, dass Stickstoff aus lebendigen Strukturen auch immer wieder recycelt wird.

Phosphor ist zwar ubiquitär in geringen Konzentrationen vorhanden, aber für die Ernährung der noch immer steigenden Weltbevölkerung ist der Einsatz von Phosphordünger aus fossilen Lagern unumgänglich. Die Phosphorerz-Lager sind absehbar begrenzt, Phosphor kann zwar global gesehen durch Nutzung nicht verloren gehen, aber derzeit verlieren wir große Mengen an Phosphor in den Meeren, von wo wir ihn aus ökonomischen und ökologischen Gründen nicht als Dünger wiedergewinnen können. Wir müssen also darauf achten, dass wir Phosphor möglichst in regionalen Kreisläufen erhalten. Das hat man bisher kaum beachtet und ist heute Gegenstand intensiver Überlegungen zumindest in der Forschung.

Die fossilen Energieträger sind nicht nur begrenzt, sie gehen auch durch die Nutzung für uns für immer verloren. Die bei der Nutzung freiwerdende Energie bleibt erhalten, aber sie ist so fein verteilt, dass wir sie kaum mehr nutzen können und sie ist nach derzeitigem Wissen mitverantwortlich für den globalen Klimawandel. Wasserdampf stellt das am stärkste wirksame Klima-Gas der Atmosphäre dar und ist vermutlich der große Regulator für die langfristigen Klimaveränderungen. Wie schnell und in welchem Maße der Mensch das Klima in Zukunft beeinflussen wird, ist nach wie vor nicht gesichert vorhersagbar, aber nach dem Stand des Wissens von der Entwicklung der Menschheit abhängig.

Es gibt auch substituierbare Ressourcen. Etwa in der Bauwirtschaft werden viele „alte“ Baustoffe durch Stahl, Kunststoffe und Glas substituiert. Stahl kann wiederum für gewisse Anwendungen durch Karbonfasern substituiert werden. Dennoch werden wir wegen der begrenzten Substituierbarkeit aller Stoffe ein rigides Ressourcenmanagement brauchen um Mangelerscheinungen aller Ressourcen zu vermeiden oder zumindest erträglich zu erhalten.

4    Absehbare Entwicklung der Erdbevölkerung und ihre Folgen

Bild 2 zeigt, dass die Weltbevölkerung über sehr lange Zeiträume, Jahrtausende lang, nur wenig gewachsen ist und bis etwa 1700 n. Chr. unter 500 Mio. Menschen lag. In den letzten ca. 200 Jahren ist die Wachstumsrate dramatisch angestiegen, was im unteren Bild zu sehen ist. Man rechnet mit einer deutlichen Abflachung dieser Kurve in den nächsten 50 Jahren.
Die Entwicklung während der letzten 200 Jahre ist in mehrfacher Hinsicht absolut singulär in der Weltgeschichte. Dies gilt nicht nur für die Bevölkerungszunahme, sondern in noch stärkerem Maße für den Ressourcenumsatz und den davon verursachten Einfluss des Menschen auf die Umwelt. So eine Entwicklung birgt zumindest den Keim für Krisen, zu deren Bewältigung die historische Erfahrung alleine wenig beitragen kann. Erkenntnis der entscheidenden Zusammenhänge, Innovation, Bereitschaft zu Veränderungen des Verhaltens und eine sensitive Beobachtung der Veränderungen in Gesellschaft und Umwelt sind notwendig.

Bild 2:    Entwicklung der Weltbevölkerung während der letzten 3000 Jahre

Auf Grund dieser Entwicklung erscheint es nicht mehr sinnvoll den Menschen aus der Natur gedanklich zu extrahieren. Er muss als Teil einer Einheit gedacht werden, in der Mensch und Natur miteinander auskommen. Es gibt keinen anderen Weg, weil beider Wohlergehen untrennbar verquickt ist.

Bild 3:  Entwicklung der Weltbevölkerung von 1950 bis 2050 nach Regionen. (http://timeforchange.orgigrowing-world-population)

Wie aus Bild 3 zu entnehmen ist, ist das Bevölkerungswachstum regional sehr ungleichmäßig über die Erde verteilt. Die Prognosen bis 2050 lassen nur einen geringen Spielraum für politische Einflussnahme. Nur nicht prognostizierbare globale Krisen und Kriege können relevante Abweichungen verursachen. Der größte einwohnerspezifische Ressourcenverbrauch ist derzeit in den Industriestaaten konzentriert, die Schwellenländer in Süd- und Ostasien oder Südamerika sind auf dem Wege ihren Ressourcenverbrauch stark zu steigern. Für die Ressource Wasser verursacht die Entwicklung der Bevölkerung je nach regionaler Besonderheit ganz unterschiedliche Problemstellungen.

5      Folgen der Bevölkerungszunahme für die Wasserwirtschaft

Zweifellos stellt eine ausreichende Versorgung der Gesellschaft mit Ressourcen eine ganz wichtige Voraussetzung für deren Entfaltung dar. Aber was heißt ausreichend? Den immer noch steigenden Ressourcen-„Verbrauch“ werden sich auch die entwickelten Länder bis 2050 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht leisten können, insbesondere wenn alle Staaten die gleichen Ansprüche stellen.

Bei einer globalen Bevölkerung von etwa 10 Milliarden Menschen, stellt sich daher die Frage nach dem Anspruch auf Entfaltung des Einzelnen bzw. der Gesellschaften. Die Entfaltung braucht zumindest zwei Substrate: Ressourcen und Sinnerfüllung während der Lebenszeit. Es geht daher in den nächsten 40 Jahren nicht nur darum für 9-10 Milliarden Menschen ausreichende Ressourcen, sondern auch Arbeitsplätze mit Sinnerfüllung bereitzustellen. Die Landwirtschaft bzw. Nahrungserzeugung haben diesbezüglich über Jahrtausende eine zentrale Rolle gespielt, die laufend an Bedeutung verliert.

Für die Wasserwirtschaft und insbesondere die Wassergütewirtschaft wird die Zunahme der Bevölkerung bis 2050 deutliche Auswirkungen haben, zu deren Abschätzung der jährliche Wasserbedarf eines Menschen (z. B. in der EU) folgendermaßen aufgegliedert werden kann:

•    1 m3/Jahr als Wasser zum Trinken, muss jederzeit zur Verfügung stehen,
•    20 bis 60 m3/Jahr für Reinigung und Hygiene, sollte auch immer gesichert vorhanden sein.
•    200 m3/Jahr für Industrie (Kühlwasser, Abwasser), stark variabel und technisch beeinflussbar
•    >1000 m3/Jahr Wasser für Nahrungsproduktion in der Landwirtschaft

Der Wasserbedarf, der aus Trinkwassernetzen gedeckt wird oder werden kann, ist aus wasserwirtschaftlicher Sicht mengenmäßig gering, allerdings mit einem hohen Qualitätsanspruch. Dieser Wasserbedarf kann auch in Zukunft mit schon heute bekannten technischen Verfahren überall und global gesehen vermutlich auch wirtschaftlich verträglich abgedeckt werden.

In Deutschland beträgt der Trinkwasserbedarf je Einwohner etwa 40 m3 pro Jahr. Nur ca. 1 m3/a dient als Lebensmittel der Rest als Transportmittel für die menschlichen Ausscheidungen und jene Verunreinigungen, die unsere Gesundheit gefährden können (Hygiene). Über innovative Wasser- und Abwassersysteme könnte man diesen Wasserbedarf schon heute ohne Komfortverlust auf ca. die Hälfte reduzieren. Mit moderner Technologie kann man auch Abwasser großtechnisch als Trinkwasser wiederverwenden (Singapur) und damit den Frischwasserbedarf noch weiter senken. Aber selbst ein Bedarf an Trinkwasser von ca. 50 m3/Einwohner und Jahr fällt in einer regionalen Wassermengenwirtschaft nur unter ganz besonderen Randbedingungen ins Gewicht.

Der Nutzwasserbedarf der Industrie liegt in der Größe von 200 m3 pro Jahr. Dieser Bedarf ist in den Industriestaaten eher rückläufig. Ein großer Teil dieses Bedarfes ist Kühlwasser, wo mit dem Wasser meist nur Wärme abtransportiert wird.

Bei der Nutzung des Wassers in Haushalt und Industrie wird Wasser nicht verbraucht, nur seine Qualität wird verändert. Übertriebenes Wassersparen im Haushalt durch kostenintensive Technik der Kreislaufführung oder teilweise Substitution durch Regenwasser kann ökologisch schwer begründet werden. Es werden damit neue kostenintensive Probleme in unseren Leitungsnetzen für Trink- und Abwasser verursacht. Dort, wo die Kreislaufführung von Abwasser zu Kostenminderungen führt, sollte man dies nutzen.

Der bei weitem größte regionale Wasserbedarf wird von der Landwirtschaft verursacht. Das Wasser geht dabei durch Evapotranspiration regional für die Nutzung verloren, auch wenn es im natürlichen Kreislauf des Wassers erhalten bleibt. Jedenfalls muss immer zwischen Gebrauch und „Verbrauch“ von Wasser unterschieden werden, wenn es um regionale Betrachtungen geht.

Für die Erzeugung ausreichender Nahrung sind für jeden Menschen mindestens 700 bis 1000 m3 Wasser pro Jahr erforderlich. Die Verwendung des Abwassers in der Landwirtschaft kann bestenfalls regionale Engpässe entschärfen aber das globale Problem nicht lösen. Den minimalen Wasserbedarf für die Ernährung muss man zumindest global abdecken, wenn man Hunger und in der Folge Krieg oder Wanderbewegungen vermeiden will. In einer steigenden Anzahl von Staaten reichen die lokalen Wasserressourcen nicht aus, um die Bevölkerung aus dem eigenen Lande zu ernähren. Dort muss Nahrung aus anderen Ländern als „virtuelles Wasser“ importiert werden.
Man weiß heute, dass Gesundheit und körperliches Wohlbefinden aber auch die intellektuelle Entwicklung der heranwachsenden Menschen von einer ausreichenden und vielseitigen Ernährung abhängen. Es ist auch bekannt, dass die Produktion von tierischem Eiweiß etwa um den Faktor 4 bis 5 mehr an Wasser, Fläche und Düngereinsatz braucht als die jene der gleichen Menge an pflanzlichem Eiweiß. Der hohe Fleischkonsum in den Industriestaaten führt dort zu einem Wasserverbrauch in der Landwirtschaft von über 2000 m3 pro Einwohner und Jahr. In China hat der rapide Anstieg des Fleischkonsums und damit des Wasserbedarfes der Landwirtschaft zu dramatischen negativen Folgen für die Wasserführung viele Flüsse (Bewässerung) und als Folge auch ihrer Wassergüte geführt.
In ganzjährig „nassen“ Regionen können regionale Wasserverbraucher, wie Landwirtschaft oder auch Wald wichtige Funktionen für Hochwasserschutz und Erosionsminderung haben. In Trockenregionen oder bei langen Trockenzeiten (z. B. Monsungebiete) kann es zu starker Konkurrenz um die lokalen Wasserressourcen zwischen Landwirtschaft und Wasserversorgung kommen.

6    Energiehaushalt und globale Wirtschaft

Über Jahrtausende war die Entwicklung der Menschheit durch eine begrenzte Verfügbarkeit an mechanischer Leistungskraft geprägt. Sie war durch die Arbeitskraft der Menschen und später der Haustiere begrenzt. Beide waren von der landwirtschaftlichen Produktion abhängig. Der Mensch selbst hat eine Gesamtleistung von etwas über 0,1 kW. In den letzten 200 Jahren hat sich das grundlegend geändert. Heute beträgt die einwohnerspezifische Leistung aus Primärenergie (fossile Brennstoffe, Wasserkraft etc.) in Europa ca. 6 kW. Das heißt, dass, grob gesprochen, ununterbrochen ca. 60 Sklaven für jeden von uns Arbeit leisten ohne Nahrung zu beanspruchen. Die mechanische Leistungsfähigkeit des Menschen hat daher stark an Bedeutung verloren, weil sie durch Maschinen ersetzbar geworden ist. Dafür sind gänzlich neue Entfaltungsmöglichkeiten durch technische Entwicklungen möglich geworden, die allerdings entsprechende Bildung und Ausbildung sowie ausreichende Versorgung mit sehr vielen Ressourcen erfordern.

7    Veränderungspotenziale in der Wassergütewirtschaft

Bestehende wasserwirtschaftliche Strukturen sind zumindest in den entwickelten Gebieten der Erde fast immer für sehr lange Zeiträume geplant und gebaut worden. Sie werden daher vermutlich bis 2050 auch bei Auftreten großer technischer Revolutionen nur begrenzte Veränderungen erleben. Innovationen werden also überwiegend dort eingesetzt und ausprobiert, wo noch keine oder wenig Infrastruktur vorhanden ist oder die bestehende Infrastruktur die Funktionen nicht mehr erfüllen kann bzw. mit geringeren Kosten erfüllt werden kann.

Welche neuen Impulse und Fragestellungen kann man heute erkennen?

In den Industriestaaten werden bereits die meisten Gewässer so vor Verunreinigungen geschützt, dass sich dort eine standortspezifische Artenvielfalt entwickeln kann und jene Funktionen erfüllt werden können, die für die Menschen in den Flussgebieten als wichtig und notwendig erscheinen. Kommunales und industrielles Abwasser werden dazu auf Kläranlagen gereinigt, viele Stoffe werden bereits an der Quelle zurückgehalten oder nicht mehr verwendet.
Neue Impulse gehen besonders von 2 Entwicklungen aus:

  • Trotz des hohen Standards der Abwasserreinigung sind noch viele sogenannte „Mikroverunreinigungen“ in den Kläranlagenabläufen, Gewässern und im Trinkwasser nachweisbar (geworden), weil sie nur teilweise und in sehr unterschiedlichem Maße in Kläranlagen und Wasseraufbereitungsanlagen entfernt werden. Viele dieser Stoffe gelangen mit alltäglich oder gezielt eingesetzten Produkten in den Haushalten, oder aus Industrie und Gewerbe über das (gereinigte) Abwasser (Punktquellen) oder aus diffusen Quellen über den Niederschlagsabfluss in die Gewässer.
  • Abwasser und seine Inhaltsstoffe werden nicht nur als Entsorgungsproblem und Verunreinigung, sondern als Wertstoffe (Wasser, Nährstoffe, Energie, Spurenstoffe) erkannt und ihre Nutzung durch neue technische Einrichtungen (Sanitäranlagen, Klärschlammbehandlung, etc.) vorangetrieben (Larssen, Londong, Otterpohl, Dinkloh). Für diesen 2. Punkt wird hier nur auf die umfangreiche Literatur verwiesen, obwohl er natürlich mit dem ersten eng verknüpft ist.

Aus dem Problemkreis der Mikroverunreinigungen können folgende Fragen abgeleitet werden:

  • Ab welcher Konzentration oder Dosis sind solche Stoffe für die Menschen oder die Umwelt gefährlich? Gibt es für jeden Stoff eine Konzentration, bei deren Unterschreitung keine negative Wirkung mehr zu besorgen ist?
  • Müssen wir bestimmte Stoffe weitgehend aus dem Wasser entfernen oder können wir sie in gewissen Konzentrationen im Trinkwasser und in den Gewässern dulden, weil sie dort keine negative Wirkung haben?
  • Stellen gewisse Konzentrationen von allen Stoffen, die wir erzeugen oder verwenden, erzeugt oder verwendet haben, ein unzulässiges Gefahrenpotenzial für Mensch und Gewässerbiozönose dar?
  • Welchen Nutzen stiften welche Stoffe, und welcher Aufwand ist notwendig um ein zumutbares Risiko (Schaden) zu vermeiden, oder dürfen gewisse Stoffe nicht produziert werden, müssen also an der Quelle vermieden werden?

All das sind ganz aktuelle Fragen in den entwickelten Ländern. Zur ihrer Lösung ist eine intensive Zusammenarbeit der Wassergütewirtschaft mit anderen Fachbereichen, wie der Hydrologie, Landwirtschaft, Industrie und Städtebau, Gesundheits- und Bildungswesen und natürlich den technischen Wissenschaften erforderlich.

Wir können immer mehr Stoffströme im Wasser und in den Gewässern messtechnisch erfassen und ihr Gefährdungspotenzial bestimmen. Die Entscheidung über ein zulässiges Risiko, das von dem menschlichen Eingriff in die Wasser- und Gewässergüte verknüpft ist, muss dann politisch entschieden werden, was einer intensiven auch öffentlich geführten Diskussion bedarf.

In den Schwellenländern sind noch große Investitionen in die Errichtung der grundlegenden Infrastruktur für die Wassergütewirtschaft zu tätigen um einen Mindeststandard an Hygiene und Gewässerschutz zu erreichen. Dazu sind weltweit entsprechende Investitionen im Gange, aber es ist schon jetzt abzusehen, dass die Zielerreichung nicht am Mangel finanzieller Ressourcen, sondern am Mangel an Bildung, Ausbildung und effizienten Organisationsstrukturen in den betroffenen Ländern scheitern wird.
Schon heute wird die Forderung erhoben, dass dieser Mindeststandard durch eine gesicherte Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser in jedem Haus und eine hygienisch einwandfreie Abwasserentsorgung für alle Menschen charakterisiert sein muss. Das ist mehr als die WHO derzeit als Ziel formuliert und den Millenniumsgoals zugrunde gelegt hat. (IWA Development Congress Mexico, 2009).

Die Lösungen der großen Wasserprobleme der Entwicklungsländer werden in erster Linie davon abhängen, ob es gelingt die Bildung und Ausbildung, insbesondere auch der Frauen, erheblich zu verbessern und angepasste Organisationsstrukturen aufzubauen. Dies sind nach dem Stand des Wissens auch die wirksamsten Maßnahmen zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums.

Wenn wir eine evolutionäre Entwicklung annehmen, dann wird die Weltbevölkerung in den nächsten 40 Jahren auf etwa 9 Milliarden Menschen ansteigen. Dies verursacht einen enormen zusätzlichen Bedarf an Nahrung. Der kann nur über zusätzliche Flächen für die Landwirtschaft und/oder Erhöhung der Intensität der flächenspezifischen Produktion erreicht werden. Beide stehen in Konkurrenz zu Zielen der Wassergütewirtschaft. Die Ausweitung der Land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen stehen in Konkurrenz zu Naturlandschaften (Artenvielfalt) und naturnahen Fließgewässern. Die Erhöhung der Intensität durch Düngung und Pestizideinsatz steht in Konkurrenz zum Grundwasserschutz und der Eindämmung der Eutrophierung von Oberflächengewässern. Die Erhöhung der Intensität durch Bewässerung (mit oder ohne Wasserspeicherung) steht in Konkurrenz zur Erhaltung des natürlichen Abflusses in den Fließgewässern (z. B.: Ebro, Hoang Ho) bzw. einer ausgeglichenen Wasserbilanz stehender Gewässer (z. B. Aralsee, Kaspisches Meer) und damit zumindest regional auch in Konkurrenz zur Wasserversorgung der Siedlungsgebiete (Manila, Jakarta, Madrid).

Die Siedlungswasserwirtschaft kümmert sich traditionell nicht um den Wasserbedarf der „Natur“. Die Ökologen kämpfen darum die Artenvielfalt zu schützen, wofür sowohl Fläche als auch Wasser ausreichend verfügbar sein müssen. Bild 4 stammt aus einer weltweit sehr beachteten amerikanischen Studie (VÖRÖSMARTY et al. 2000) über die zu erwartende Entwicklung des Wasserstresses für Mensch und Umwelt. Sie berücksichtigt die Bevölkerungsentwicklung und den Wasserbedarf der Naturlandschaften, die für die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichtes und der Artenvielfalt relevant sind. Die roten Flecken stellen Regionen dar, die bis 2050 unter Wasserstress geraten werden, einmal ohne (mittleres Bild) und einmal mit Berücksichtigung des Klimawandels. Dazu braucht es keinen Kommentar.

Bild 4: Zunahme des regionalen Wasserstresses

Bild 4:  Zunahme des regionalen Wasserstresses bis 2050 mit und ohne Klimawandeleinfluss (rot = Wassermangel)

Bis 2050 werden bei evolutionärer Entwicklung vermutlich 75% der Weltbevölkerung in Ballungsgebieten (>3 Mio. Einwohner) leben. Diese als wertvollen Lebensraum zu gestalten und mit einer nachhaltigen und leistbaren technischen Infrastruktur auszustatten, stellt eine große politische Aufgabe dar, die nur in enger Zusammenarbeit mit den Fachleuten aus Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie den technischen Wissenschaften (Architektur, Raum- und Städteplanung, Bauingenieurwesen, Verkehrsplanung etc.) gelingen kann. Wenn man den Nahrungsbedarf der Ballungsgebiete in „virtuelles Wasser“ umrechnet, wird auch klar, welch enormer „Wasserbedarf“ in ihnen konzentriert wird. Der größte Teil dieses „Wasserbedarfs“ wird nicht durch den „Gesamtwasserbedarf gedeckt!
Dem enormen Zuwachs an Bevölkerung in den Ballungsgebieten steht eine stagnierende bis abnehmende Bevölkerung im ländlichen Bereich entgegen. Der Lebensstandard ist dort häufig gering, was die Errichtung einer geordneten Siedlungswasserwirtschaft erschwert und innovative, robuste Lösungskonzepte mit geringen einwohnerspezifischen Kosten erfordert.

Unter der Annahme einer evolutionären Veränderung der aktuellen Ansprüche und des Zuwachses von ca. 3 Milliarden Menschen bis 2050 (75 Mio. neue Bewohner/Jahr) ergibt sich die Notwendigkeit einer hohen Geschwindigkeit von Anpassung und Innovation nicht nur in der Wasserwirtschaft. Entwicklungen, die bis 2050 relevant wirksam sein sollen, müssen heute schon begonnen haben, das kann man aus der Entwicklung des Gewässerschutzes ableiten.
Lösungskonzepte müssen nicht nur entwickelt, sondern auch implementiert werden. Dafür sind Leistbarkeit und Akzeptanz erforderlich. Beides ist regional stark unterschiedlich. Regional angepasste Lösungen müssen daher vorrangig in den betroffenen Ländern selbst entwickelt und umgesetzt werden.

8    Visionen und Ziele bis 2050

Alle bisher beschriebenen Entwicklungstrends gehen von einer überwiegend evolutionären Entwicklung aus. Bei revolutionären Entwicklungen sind kaum rational begründbare Prognosen möglich. Aus der Geschichte kennen wir politische Revolutionen, die relativ rasch sowohl das Bewusstsein als auch das Verhalten der Menschen verändert haben, in der Regel treten sie dann auf, wenn die Anpassung an geänderte Macht und Umweltverhältnisse zu langsam vor sich gehen und massive Hemmungen der Entfaltung durch Mangel auftreten (Freiheit, Nahrung, Rohstoffe, Macht). Für solche Entwicklungen gibt es keine Prognose. Technische Neuerungen sind ebenfalls nicht prognostizierbar, sie führen meist zu keinen Revolutionen können aber die Evolution stark beschleunigen und in gänzlich neue Richtungen führen.

Die Regionen mit Wasserstress werden weltweit deutlich zunehmen. Dies gilt auch für die Bedeutung der optimalen Nutzung der lokalen natürlichen Ressourcen. Die Anpassung der Wassergütewirtschaft bzw. der gesamten Wasserinfrastruktur an die jeweils spezifische lokale Situation wird an Bedeutung gewinnen.

Wir werden weltweit ein neues Verhältnis zum Risiko brauchen. Risiko wird heute fast nur als Bedrohung und nicht auch als Entfaltungspotenzial gesehen. Bild 5 stellt den Versuch dar, „Nachhaltigkeit“ in einen zumindest qualitativen Zusammenhang mit dem Risiko zu bringen. Das läuft auf eine Optimierung des Kosten Nutzen Verhältnisses von Maßnahmen der Wassergütewirtschaft zum Schutz der Gewässer und unserer Gesundheit hinaus.

Bild 5: Nachhaltigkeit, Risiko, Kosten

Bild 5:  Wechselwirkung zwischen Nachhaltigkeit, Risiko und Kosten von Maßnahmen zum Risikomanagement in der Wassergütewirtschaft

Auf der rechten Seite des Bildes 5 haben wir bereits viele, durch Erfahrung und Wissen abgesicherte, Grundlagen. In vielen Bereichen können wir die Kosten durch Schäden den Kosten zu ihrer Vermeidung gegenüberstellen und sogar ein Optimum bestimmen. In der sehr komplexen Wassergütewirtschaft ist dies schwierig. In vielen Ländern vor allem Zentraleuropas hat man vorerst nicht exakt festgelegt, wie „sauber die Flüsse sein müssen um Schadensfälle zu vermeiden, sondern hat sich, auch aus wirtschaftlichen Überlegungen, für die Anwendung eines moderaten und gut begründetes Vorsorgeprinzips (Best Available Technique) entschieden.

An Hand der bisherigen Erfahrung kann angenommen werden, dass wir uns heute überwiegend in dem mittleren Bereich des Bildes 5 befinden. Hohe Kosten durch akute von Verunreinigungen verursachte Schäden sind überwiegend nur bei Übertretung der selbst gewählten Regeln aufgetreten.
Bezüglich der langfristigen Wirkung von Mikroverunreinigungen, die trotz Vorsorgeprinzip in den Gewässern und im Trinkwasser auftreten, herrscht Unsicherheit bezüglich des Risikos. Auf der linken Seite des Bildes 5 ist dargestellt, dass ein spezifisches Risiko meist nur dann gegen Null gebracht werden kann, wenn hohe Kosten in Kauf genommen werden und/oder die Nachhaltigkeit des Gesamtsystems geopfert wird, weil Freiheit und Kreativität weitgehend eingeschränkt werden müssen. Ab wann der Aufwand zur Vermeidung eines Einzelrisikos kontraproduktiv für das Gesamtsystem wird, wissen wir nicht bzw. fehlen uns die Maßstäbe und Methoden. IMBERGER (2006) meint, dass das globale Risiko nur dadurch in Grenzen gehalten werden kann, indem insbesondere die reichen Länder ein erhöhtes lokales Risiko zulassen. Die Festlegung eines „akzeptablen“ Risikos muss dabei prinzipiell auf politischer Ebene entschieden werden, die Wissenschaft kann nur Grundlagen dafür liefern. Diese Probleme werden uns bis 2050 begleiten.

Bild 6 stellt den Versuch dar, einerseits das Spannungsfeld zwischen Politik, Forschung und Technik und andererseits jenes zwischen Rechtssystem, persönlicher Wertvorstellung und naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeit aufzuzeigen.

Eine ganz wesentliche Funktion der Politik ist es, den Wertewandel der Gesellschaft über Rechtsnormen für die Gesellschaft verbindlich und umsetzbar zu machen. Technik bewegt sich im Spannungsfeld zwischen den Naturgesetzen, die wir nicht ändern und auf die wir uns auch verlassen können und den Rechtsnormen.

Bild 6: Politik, Technik, Forschung

Bild 6:  Wechselwirkung zwischen Politik, Technik und Forschung

Vielfach erfüllt die Technik die Aufgabe rechtlich formulierte Ziele erreichbar zu machen, umgekehrt sollte ein Gesetz nie ein Ziel vorgeben, das technisch nicht erreichbar ist. Forschung steht im Spannungsfeld zwischen Wertewandel (der den Forscher auch erfasst) und den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Naturwissenschaft, Rechtssystem und Wertewandel arbeiten mit unterschiedlichen Begründungsmethoden, die nicht kompatibel sind. Es kann daher keine auf Dauer richtige Handlungsweise geben, sondern nur einen historisch begrenzten Konsens aller Betroffenen. Um dies zu erreichen wird es notwendig sein, die Sprach- und Kommunikationsfähigkeit über die vielen betroffenen Disziplinen und Verantwortlichkeiten hinweg zu pflegen und weiter zu entwickeln, eine ganz große Aufgabe der Fachverbände auch in den nächsten 40 Jahren!

Das Internet ermöglicht zumindest im Prinzip einen fast unbegrenzten Zugang jedes Menschen zum Stand des Wissens. Diese Innovation wird allerdings nur für jene Menschen wirksam, die die Information auch verstehen. Es wird, global gesehen, keine Patentlösungen geben. Wir besitzen eine zunehmende Fülle von vielfältigen „Werkzeugen“ um die Probleme der Wassergütewirtschaft zu lösen. Es werden daher Menschen gebraucht, die diese Werkzeuge kennen und richtig bedienen können, damit eine Anpassung von Technik, Organisation und Verhalten an die jeweilige lokale Situation optimal durchgeführt werden kann. In Nordeuropa werden ganz andere Lösungen sinnvoll sein als in Zentralafrika oder Indien. Dennoch erscheint es sinnvoll eine globale Krisenvorsorge für die ganz großen regionalen Notfälle auf internationaler Ebene zu organisieren.

Für die Wassergütewirtschaft kann man ableiten, dass Bildung und Ausbildung die zentralen politischen Aufgaben der nächsten Zeit bleiben werden. Weltweit muss der steigende Bedarf an einer breiten Bildung und einer differenzierten Ausbildung allen Menschen bewusst gemacht und durch entsprechende Angebote befriedigt werden. Das kostbarste Gut der Länder mit hohem Standard der Wassergütewirtschaft ist daher nicht das Wasser, weil wir das aus wirtschaftlichen Gründen höchstens 100 bis 200 km transportieren können, sondern das angesammelte Wissen und vor allem die Fähigkeit zur Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure. Der Wettbewerb um eine dauernde Verbesserung der Lösungen muss und darf darunter nicht leiden.

Wir brauchen Visionen und Innovationen, für die die Verschränkung der verschiedenen Fachgebiete, wie Wassergütewirtschaft, Ressourcenmanagement, Gesundheit, Landwirtschaft, Ernährung, Verkehr, Recht, Politik und Verwaltung eine fruchtbare Grundlage darstellen kann sowie eine laufende Weiterentwicklung der technischen Infrastruktur zusammen mit Städteplanung, Architektur etc., die auch für revolutionäre Lösungen offen ist.

Vision und Innovationen werden aber erst dann wirksam, wenn sie in die Praxis umgesetzt werden, 40 Jahre sind dazu ein kurzer Zeitraum. An erster Stelle wird eine regional angepasste aber global wirksame Bildungs- und Ausbildungsoffensive für erforderlich gehalten, die alle Menschen umfasst und einen Bewusstseinssprung hinsichtlich des Umganges mit Wasser und seiner Güte verursacht.

Auch Wissenschaft, Forschung und technische Entwicklung werden vor große Herausforderungen gestellt sein. Eine davon wird in der Bescheidenheit liegen, bei allen neuen erfolgreichen Ideen und Lösungen die spezifischen Bedingungen für den Erfolg und die Relevanz des Erfolges mitzudenken und zu kommunizieren, damit die begrenzten Mittel nicht an falscher Stelle eingesetzt werden und Politik und Markt nicht in die Irre geführt werden.

Literatur

  • Kroiss, H. (2009): Neue Herausforderungen an die Wassergütewirtschaft. Wiener Mitteilungen Bd. S 1 bis ÖWAV Seminar März 2009, TU-Wien
  • Larssen, T.A.; Lienert, J: (2007): NoMix-Technologie. GWA Gas, Wasser, Abwasser, 2007, 4, 255-262
  • Londong, J. (2008): Zukunftsperspektiven Neuartiger Sanitärsysteme. Gewässerschutz, Wasser, Abwasser, Band 215, Aachen 2008, Seite 8/1-8/9, ISBN 978-3-938996-21-8
  • Weltbevölkerung: http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbevölkerung
  • Otterpohl, R.; Wendland, C.(2007): Innovative Sanitärkonzepte – mitteleuropäische Pilotprojekte und ihre Rolle im internationalen Kontext. http://www.wrrl-info.de/docs/vortrag_sem26_wendland.pdf
  • Vörösmarty, C.J.; Green, P.; Salisbury, J.; Lammers, R.B. (2000): Global Water Resources: Vulnerability from Climate Change and Population Growth. Science, Vol. 289. no. 5477, pp. 284-288
  • Prigogine, I.; Stengers, I. (1993): Dialog mit der Natur. Serie Piper, München 1993,ISBN 3-492-11181-5
  • Imberger, J.: Vortag „Life In A Changing Climate – Consequences of Perfecting Personal, Local, Risk Management“ (internet: 29.01.2010, 11:30), http://www.cwr.uwa.edu.au/~jimberger/Life%20in%20a%20Changing%20Climate%28New%29/2008_10_21_Wouk/1.01_Title.html
  • Verstraete,W. (2009) Vortrag Gestion des Ressources Microbiennes

Anschrift des Verfassers:
Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Kroiss
Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft der TU Wien,
Karlsplatz 13, A-1040 Wien
E-Mail: hkroiss AT iwag.tuwien.ac.at

nen. Dieser Hauptsatz ist für die gesamte Wassergütewirtschaft und andere Umweltwissenschaften von fundamentaler Bedeutung, auch wenn das vielleicht nicht sofort einsichtig ist. Bei einem thermodynamisch offenen System (z.B. unserem Körper oder einem Siedlungsraum) gibt es einen ständigen Energie- und Materiestrom,, der durch das System hindurchgeht. Daher müssen wir zuerst ein System sehr genau abgrenzen, damit wir diesen Hauptsatz für eine Stoffbilanz sinnvoll anwenden können. Alles was z.B. an Stoffen in ein Siedlungsgebiet hineingelangt, muss entweder im Siedlungsgebiet (Lager) oder als „Export“ aus dem Bilanzraum wiedergefunden werden können. Stoffbilanzen stellen eine hervorragende Methode dar; mit der man die Richtigkeit und Vollständigkeit von Daten prüfen kann. Der 1. Hauptsatz besagt, dass Elemente und Energie nicht verschwinden können, wobei für die Wassergütewirtschaft das Energieäquivalent von Materie (E=m.c2) vernachlässigt werden kann.
Für biologische Systeme folgt aus dem 1. Hauptsatz der Thermodynamik, dass aus einer bestimmten Fracht an Nahrung (M/T1) nur eine bestimmte Menge an Organismen am Leben erhalten werden kann.
2.3 2. Hauptsatz der Thermodynamik
Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik (Entropiesatz) ist zwar ebenso fundamental wie der 1., allerdings in seinen Konsequenzen viel komplexer. Er wird dort relevant wo es um Qualität bzw. den Wert von Energie oder um die Reinheit von Stoffen geht. Er ist auch relevant für die möglichen Entwicklungen eines Systems.
Wenn wir z.B. saubere Gewässer haben wollen, geht es um die Frage, wie viel hochwertige elektrische Energie wir in geringwertige Niedertemperaturwärme umwandeln wollen, um Abwasser zu reinigen. Wo ist die Grenze, ab der wir insgesamt höhere Belastungen der Umwelt bewirken, als wir an Wert für saubere Gewässer gewinnen? Wenn der Mensch Ressourcen (Stoffe) verwendet, bleiben sie zwar erhalten (1. HS. der Thermodynamik), aber ihr Wert für gewisse Anwendungen verringert sich. Wenn wir z.B. Phosphorerzlager zur Erzeugung von Dünger ausbeuten und dann fein in der Landwirtschaft verteilen und schließlich über die Flüsse ins Meer gelangen lassen, ist der Phosphor von der Erde zwar nicht verschwunden, aber für uns und unsere Nachkommen nur mehr mit sehr hohen Kosten (Energieeinsatz) zurückzugewinnen.
Jeder Stoff, der überhaupt erzeugt und verwendet wurde oder wird, wird über kurz oder lang mit Luft und Wasser auf der ganzen Erde fein verteilt, So kann man kann die Bleiverhüttung während der Römerzeit im Eis der Antarktis nachweisen, ebenso wie z.B. polyfluorierte Tenside (PFT) die erst im 20. Jahrhundert entwickelt wurden Man kann berechnen, dass mit ca. einem Kilogramm eines Stoffes, den wir in die Umwelt entlassen, jeder Liter Wasser auf der Erde inklusive der Meere mit ca. 10 bis 1000 Molekülen „verunreinigt‘ werden kann.
Alle lebendigen Strukturen brauchen eine ununterbrochene Energie-Zufuhr, und sie
bewirken eine ununterbrochene Zunahme an Unordnung (Entropie)–, das ist eine
Eigenschaft aller lebendigen Systeme. Aus hochwertiger Nahrung entsteht minder-



Glauben wiegt schwerer als Wissen

Uwe Halbach über unsinnige und teure Missstände bei der Gewährleistung eines guten Gewässerzustandes

Veröffentlicht 2008 in
novo-argumente
Heft Nr. 96, 9-10 (2008)
S. 35-37

Eines der Grundprinzipien des demokratischen Rechtsstaates lautet: Im Zweifel für den Angeklagten.Das Vorsorgeprinzip in seiner heutigen Auslegung kehrt diesen Grundsatz um. Der gut gemeinte und vernünftige Gedanke der Vorsorge ist in ein freiheitsfeindliches Konzept verwandelt worden.“ Maxeiner[1]

Im Falle einer Einleitung von gereinigtem Abwasser in Gewässer muss der Abwasserbeseitigungspflichtige in der Regel Mindestanforderungen einhalten. In Ausnahmefällen werden diese Mindestanforderungen oft aus Besorgnisgründen verschärft, womit die Abwasserbeseitigungskosten überdurchschnittlich steigen.

In zahlreichen Gutachten meines Institutes für Wasserwirtschaft in Werdau (Sachsen), z. T. auch gemeinsam mit dem Institut für Hydrobiologie der TU Dresden durchgeführt, haben wir zeigen können, dass „behördliche Besorgnisse“, die zur Verschärfung der Überwachungswerte führten, nicht plausibel waren.

Es gelang nicht, sie mit den wasserrechtlichen Regulativen, z. B. in Anwendung der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu begründen.

Und dies, obwohl vor einer Verschärfung der Überwachungswerte die Verhältnismäßigkeit der Konsequenzen einer „Besorgnis“ sorgfältig und prüffähig mit wissenschaftlich anerkannten Methoden hergeleitet werden sollte. Anderenfalls wird gegen das gesetzlich vorgeschriebene Sparsamkeitsprinzip verstoßen und das Risiko, dass die betreffende wasserwirtschaftliche Investition den Nutzen nicht erreicht, wird nicht selten in grob fahrlässiger Weise erhöht.

Eine prüffähige Begründung bzw. „Entsorgung“ (Entschärfung) einer Besorgnis ist in vielen Fällen möglich, unterbleibt heute jedoch in aller Regel.

Der Stand der Wissenschaft wird – im Gegensatz zum Stand der Technik – eher kümmerlich erschlossen. Die Verschärfungen der Überwachungswerte beruhen deshalb häufig auf Ansichten, Meinungen und Glauben, anstelle auf der Anwendung und Nutzung fundamentaler ökologischer Zusammenhänge. Und genau dies führt zur Vernichtung volkswirtschaftlicher Ressourcen und darüber hinaus zur Entwertung des Aufwandes für Bildung sowie Lehre.

Vorsorgeprinzip im Wasserrecht

Bei dem Schutz der Gewässer spielt das im Wasserrecht verankerte Vorsorgeprinzip eine herausragende Rolle. Es hat jedoch in seiner ungeprüften, man könnte auch sagen willkürlichen Anwendung schon zu immensen Schaden oder Effektivitätsverlusten geführt. Die Wasserwirtschaft verliert damit wohl täglich an Effektivität.

Das Vorsorgeprinzip greift zumeist vom Bürger völlig unbemerkt, bei zusätzlichen Auflagen für die Reinigung der Abwässer, die mitunter recht fragwürdig sind. Nicht ganz abwegig erscheint die Vermutung, dass es hier Zusammenhänge mit den Interessen und Wünschen der boomenden „Umweltindustrie“ gibt. Die behördliche Vorsorge – bzw. ihr „Grund zur Besorgnis“ findet ihren wesentlichen Ausdruck in der Verschärfung von Überwachungswerten[2].

Die Höhe der Überwachungswerte bestimmt dabei unmittelbar den Aufwand der Abwasserreinigung und damit auch die Höhe der Abwassergebühren und -beiträge.

Verschärfte Überwachungswerte haben deshalb zumeist einen drastischer Anstieg einmaliger und laufender Kosten zu Folge.

Die Behörde hat das Recht Überwachungswerte zu verschärfen, wenn sie Grund zur Sorge hat, dass am oder im Gewässer ein Schaden entstehen könnte. Dabei ist aber auch die Verhältnismäßigkeit der Verschärfung zu beachten, wenn beim Umweltschutz Effekt und Kosten eine Rolle spielen sollen. Soweit die Theorie.

Leider nimmt jedoch die Besorgnis – ohne wissenschaftlichen Nachweis des Grundes im Wasserrecht mittlerweile eine zentrale Stelle ein. Wer erst einmal die Begriffe „Besorgnis“, „Vorsorge“ und „Nachhaltigkeit“ als ideologische Kategorien verstanden hat, kommt bald zu der Ansicht, dass sich im Wasserrecht, unbemerkt von der Öffentlichkeit, Weltanschauungen einer kleinen Gruppe von Menschen zunehmend vergegenständlicht haben.[3] Alle Bürger, auch die „Ungläubigen“, müssen dafür in die Tasche greifen. Das ist der monetäre Unterschied zwischen einer nicht vom Staat getrennten „Ideologie“ und einer vom Staat getrennten Religion. Die erstere kommt allen teuer zu stehen.

Neue Prioritäten bei der Entscheidung

Die Zunahme von irrationalen Kategorien im Wasserrecht ist bedenklich und erstaunlich zugleich. Eine Begriffsrecherche (s. Abb. 1) veranschaulicht dies. [4] Man erkennt, dass die Besorgnis der Bürokraten seit 2001 um 120 Prozent gestiegen ist, während ihre Vorsorge einen Anstieg um stolze 440Prozent zu verzeichnen hat. Das Rennen macht mit einem Anstieg von 550 Prozent die Kategorie der „Nachhaltigkeit“, was allerdings kein Wunder ist, denn die Ausgangsbasisi waren 2001 gerademal 4 Sucherfolge.

Abb. 1: Zunahme ideologischer Kategorien im Wasserrecht [5]

Angesichts des Ausmaßes an „nachhaltiger Besorgnis“ und „Vorsorge“ wird die Vergegenständlichung der Bildung und Lehre bei der Umsetzung des Wasserrechtes in Richtung Nullniveau reduziert. Gestandene „Besorger“ saugen ihr Fachwissen lieber aus trockenen Gesetzestexten, statt die Wirklichkeit – also die Reaktionen und Veränderungen in der Umwelt und die Beschaffenheit der Natur – zu studieren und daraus vernünftige Schlussfolgerungen zu ziehen.

Derlei wissenschaftliche Bildung und ingenieurtechnische Erfahrung sind entwertet worden. Schon ein einziger, auch spekulativer Grund „zur Besorgnis“ wiegt heute schwerer.

In einem Fall nachhaltigen Effektivitätsverlustes wurde bspw. die Notwendigkeit einer sehr aufwendigen zusätzlichen Klärstufe einer Kläranlage auf Plausibilität geprüft. Es wurde gezeigt, dass die Maßnahme tzr Abwehr einer „Besorgnis“ zu immensen Kosten führte. Gleichzeitg wurde offenbar, dass der angestrebte Qualitätszuwachs im Gewässer mit weniger als einem Prozent verwindend gering war.

Die Praxis beweist immer wieder, dass unkontrollierte Besorgnis zwangsläufig zu einer großen Beliebigkeit beim Geldausgeben führt.

Bei Befürchtungen, Wasserqualitäten könnten in Mitleidenschaft gezogen werden, kann man recht leicht zwischen wissenschaftlich realistischen und damit begründbaren Szenarien und wissenschaftlich unrealistische und damit nicht begründbaren Szenarien unterscheiden.

Eine solche rechtzeitige Differenzierung der Besorgnis in realistische und unrealistische Szenarien – unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit (!) des Eintretens unerwünschter Ereignisse – würde erstens die immensen Aufwendungen für die Bildung vergegenständlichen. Zweitens könnten Kommunen und der Staat in mehrfacher Hinsicht sehr viel Geld sparen. Drittens würde niemand aus seiner Verantwortung zur sparsamen Verwendung privater und staatlicher Mittel entlassen.

Momentan ist es so (von Ausnahmen abgesehen), dass der Grund einer Besorgnis völlig ungeprüft in den wasserrechtlichen Einleitungserlaubnissen fixiert wird. In Ämtern, Behörden und Ministerien sind leider immer weniger Realisten anzutreffen, die auf Grund ihrer Ausbildung, ihres Wissens und ihrer Erfahrung davon absehen, spekulative Besorgnisse (oder weltanschauliche Präferenzen) in wasserrechtliche Genehmigungsfragen einzubeziehen. Sie geraten zunehmend unter politischen Druck, obwohl man ihnen gerade den Rücken stärken sollte, weil sie darum bemüht sind, einvernehmliche und unmittelbar an der Gewässerqualität ausgerichtete Entscheidungen zu fällen.

Laienverstöße gegen geltendes Recht

Die „Besorgnis“ als zentrale Entscheidungskategorie greift in dem Maße um sich, wie Gewässer von ökologischen Laien verwaltet werden und ausgebildete Ökologen und Biologen nur noch eine Nebenrolle spielen.

Mitunter haben behördliche Mitarbeiter vor lauter Verwaltungsarbeit keinen Bezug mehr zum Gewässer und zu seinen komplexen Funktionen und Wirkungen. In der Folge werden wasserrechtliche und verwaltungsrechtliche Entscheidungen getroffen, deren ökologischeri Folgen eher spekulativer Natur bzw. reines Wunschdenken sind.

Fast immer auf der Strecke bleibt – wenn Besorgnis eine Rolle spielt – der Effektivitätsgedanke. Wenn die tatsächliche Leistung einer Maßnahme vorher oder nachher nachgeprüft wird, dann zeigt sich in den meisten Fällen eine erschreckend niedrige Effektivität.

Abgesehen von der Verantwortung, die sich hierdurch auf „besorgte“ Mitarbeiter konzentriert, verstößt die mittlerweile gängige Ausgrenzung der betroffenen Bevölkerung bei wasserrechtlichen Entscheidungsprozessen gegen die Festlegungen der EU-WRRL, die von einem anderen Geist geprägt sind.[6]

Ganz so, als können man ein Pferd von hinten satteln, beginnt häufig erst nach einer Verschärfung der Anforderungen bei der Einleitung von gereinigtem Abwasser in Gewässer die aktionistische Suche nach der wirtschaftlichsten Lösung.

Ursachenforschung und Besorgnisdifferenzierung sind an dieser Stelle längst ausgeblendet.

Eine Besorgnis mag unter Umständen dem Grunde nach dann plausibel sein, wenn etwa Giftstoffe oder radioaktive Abwässer von einem Gewässer ferngehalten werden sollen. Aber auch hier gilt das Gesetz der „Dosis“, denn es macht natürlich einen Unterschied, ob man einen Tropfen oder etliche Kubikmeter Eintrag erwartet.

Geradezu abenteuerlich erscheint es überdies, dass im aktuellen Umweltrecht dieser Gesichtspunkt fast vollständig negiert wird – nicht die Frage nach „wie viel“, sondern „ob“ ein Eintrag denkbar ist, steht im Zentrum. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum heute bei den zunehmenden Verschärfungen hinsichtlich der Abwasserinhaltsstoffe (bzw. sogenannter Summenparameter) in Abläufen kommunaler Kläranlagen und bei der Lebensmittelindustrie zumeist der wissenschaftliche Nachweis im konkreten Einzugsgebiet für die Notwendigkeit dieser Verschärfungen fehlt.[7]

Beim praktizierten Gewässerschutz hingegen liegt das Primat bei wasserchemischen Anforderungen. Dies wiederum steht im krassen Widerspruch zu ökologischen Gesichtspunkten und Gesetzen und zu der EU-WRRL, die ein komplexes vielfältiges Betrachten des betroffenen Einzugsgebiets verlangt.

Ökologen, die gegen solche Missbräuche und derartige Unvernunft kämpfen, neigen angesichts dieser immer stärker
ausufernden Missstände immer häufiger zu Polemik, weil sie meinen, damit noch am wirkungsvollsten auf Bildungsmissstände hinweisen können.

Verschärfungsbegründung als Behördenpflicht

Ausgehend von einer ungenügenden Kenntnis der funktionellen und quantitativen Zusammenhänge im Ökosystem eines Einzugsgebiets müssen Aktionen beim Gewässerschutz fast automatisch ihr Ziel verfehlen, weil man nicht weiß, was man tut und was bei der Implementierung einer Maßnahme am Ende tatsächlich herauskommt.

Bevor eine Verschärfung der Überwachungswerte erwogen wird, sollten deshalb die Schutzziele klar und realistisch erarbeitet und ausformuliert werden. Die dazugehörenden Defizite sind ebenfalls zu benennen. Der Nutzen darf dabei nicht nebulös definiert werden. Wenn es etwa um Fragen der möglichen Beeinträchtigung von Gewässertieren geht (wie der Flussperlmuschel), so ist er artenspezifisch zu definieren.

Weiter ist nachzuweisen, dass erstens die Verschärfung der Überwachungswerte hinreichend ist, um zu gewährleisten, dass der gewünschte zusätzliche Nutzen überhaupt eintreten kann. Dieser zusätzliche Nutzen ist zu garantieren. Diese Garantie erfordert wiederum die Einhaltung des kommunalen (und staatlichen) Sparsamkeitsprinzips. Um diesem Prinzip Rechnung zu tragen, sind im Vorfeld alle zusätzlichen Nutzen aus der Verschärfung der Überwachungswerte und der Abwasserreinigung zu ermitteln. Und es gilt nachzuweisen, dass der angestrebte Nutzen in einem akzeptablen Verhältnis zu den Zusatzkosten steht (Nutzwert-Kosten-Analyse). So kann vermieden werden, dass eine Verschärfung der Überwachungswerte eine unverhältnismäßige Kostenexplosion bei einmaligen oder laufenden Aufwendungen verursachen kann (s. Diagramm 1).

Diagramm 1: Veranschaulichung des Zusammenhangs zwischen
einer Steigerung der Reinigungsleistung und der Kostenexplosion

Die heute verbreitete „beliebige Besorgnis“ bei der Verschärfung von Überwachungswerten sollte also durch eine nachvollziehbare, prüffähige und ganzheitliche Bewertung des konkreten Einzugsgebiets unter Einbeziehung der betroffenen Bürger gemäß den Regulativen der EU-Wasserrahmenrichtlinie ersetzt werden.

Konkret heißt dies, dass im Falle einer geplanten Verschärfung des Überwachungswerts Phosphor nachgewiesen werden sollte, welche Phosphorfracht aus welchen Quellen im Einzugsgebiet stammt, wie groß die Gesamtfracht ist und welchen Einfluss eine Verschärfung des sogenannten Pges.-Überwachungswerts auf diese Gesamtfracht hat – und ob dieser Einfluss überhaupt hinreichend ist, um eine bestimmte gewünschte hydrobiologische Gewässergüte zu gewährleisten. Und schließlich sollte wenigstens die „hydromorphologische Güteklasse“ höher als drei sein, denn die Fische wollen es „wohnlich“ haben.

Auch die Wassermenge ist nicht zu vergessen, denn Fische brauchen nicht nur einen guten wasserchemischen Zustand, sondern auch genug Wasser zum Schwimmen. Der Aufwand für solche interdisziplinäre Untersuchungen bei ganzheitlicher Betrachtung von Einzugsgebieten ist unter dem Strich vernachlässigbar, wenn man andernfalls unnötig entstehende Kosten gegenübergestellt.

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Der Autor

Uwe Halbach ist Inhaber des Instituts für Wasserwirtschaft Halbach in Werdau (Sachsen) sowie öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Abwasserbeseitigung.

(Kontaktangaben:

Uwe Halbach
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Werdau, Tel. 03761/5266
box AT institut-halbach.de
www.institut-halbach.de)


Anmerkungen

[1] Maxeiner; D., Miersch, M., Die Zukunft und ihre Feinde, Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen,
Eichenborn AG 2002

[2] Überwachungswerte sind Grenzwerte von Abwasserinhaltstoffe, die im gereinigten Abwasser bei Gewässereinleitung nicht überschritten dürfen.

[3] Hierzu haben Maxeimer & Miersch zahlreiche Beiträge verfasst. Nicht zuletzt sei auch Gärtner genannt,
(Gärtner, Edgar L., Öko-Nihilismus, Eine Kritik der Politischen Ökologie, TvR Medienverlag Jena, 2007)

[4] In wie weit die Einflüsse der Ideologie nur ein Mittel zum Zweck sind (vergleiche Hanna Thiel) , wäre zu prüfen. Bristow notiert hier in einem ähnlichem Zusammenhang: „Wir brauchen eine neue Umweltbewegung mit neuen Zielen und neuen Organisationen“, fordert Crichton. Tatsächlich benötigen wir neue Politik mit mehr Menschen, die bereit sind, unbequeme Fragen zu stellen und Debatten zu entfachen, wo ein Konsens fest etabliert zu sein scheint.“ (Bristow, J., Welt in Angst, Michael Crichtons neuer Reißer stellt einige richtige Fragen, schießt aber aufs falsche Ziel, NOVO 76, S. 43)

[5] Suchbegriffe gefunden im WEKA-Wasserrecht: „Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis“,
Januar 2001 und April 2008, WEKA MEDIA GmbH & Co. KG Römerstr. 4, 86438 Kissing

[6] Ganz zu schweigen davon, dass es zwischen der behördlichen Besorgnis, der Arbeitsplatzsicherheit in der Bürokratie und in der
Umweltindustrie unmittelbare und z. T. ebenso Gründe zur Besorgnis gibt, wie auch Thiele recherchierte (Thiele, H. Die
deformierte Gesellschaft, Hanna Thiele über den Aufstieg der Umweltbürokraten, NOVO 85 – November Dezember 2006, S. 20 – 24, auch im Internet unter: http://www.novo-magazin.de/85/novo8520.htm).

[7] Hierzu zählen der chemische Sauerstoffbedarf (CSB), der allein keinen Beweis einer Gewässerschädigung erlaubt, der biologische Sauerstoffbedarf (BSB5), Ammonium, Gesamtstickstoff und Phosphor.

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Verhältnismäßigkeit bei Gewässerschutz

In den Verordnungen und Regeln zum Gewässerschutz wird der Verhältnismäßigkeit schon eine gewisse Bedeutung eingeräumt:

und u. a. Urteil des VG Schleswig, 15.12.1998

„Der verfassungsrechtliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit (Übermaßverbot) kann in atypischen Ausnahmefällen die Verwertung extrem hoher Werte ausschließen (Berendes, a.a.O., S. 98 unten)….

Das Gebot der Verhältnismäßigkeit hat seine Grundlage in dem in Art. 20 GG normierten Rechtsstaatsprinzip. Es ist ein übergreifender rechtsstaatlicher Leitsatz allen staatlichen Handelns mit Verfassungsrang.

Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten.

Insbesondere das Übermaßverbot erfordert ein vernünftiges Verhältnis zwischen Anlaß, Zweck und Ausmaß der Regelung.

Bei der Gesamtabwägung zwischen der Schwere des Eingriffs und dem Gewicht und der Dringlichkeit der ihn rechtfertigenden Gründe muß die Grenze der Zumutbarkeit noch gewahrt sein (ständige Rechtsprechung, z.B. BVerfGE 30, 292, 316).

Das erforderliche Mittel darf nicht außer Verhältnis zum erstrebten Ziele stehen. In solchen Fällen muß die sonst gebotene Zweckerfüllung angesichts der übermäßig belastenden Wirkung des Mittels unterbleiben (BVerwGE 30, 316).

Das Übermaßverbot ist ein verwaltungsgerichtlich voll nachprüfbarer Rechtsbegriff. „

Quelle: VG Schleswig, Aktenzeichen 6 B 93/98, 15.12.1998 aus  WEKA – Wasserrecht, Dr. Heinz Staudigl

Das Problem

Das Problem besteht nun darin, dass in der täglichen Praxis das Verhältnismäßigkeitsprinzip eher selten beachtet wird, wie die  in letzter Zeit besonders gehäufte Verschärfung der Überwachungswerte – ohne Nachweis der Verhältnismäßigkeit – in manchen Bundesländern beweist.

Während die Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen fleißig mitunter sogar mit den falschen Voraussetzungen:

  • der Kalkulator verfügt über sichere Erwartungen und kann die Zukunft vorhersagen und
  • die betrachteten Varianten weisen den gleichen Nutzen und gleiche Risiken auf

angewendet werden und natürlich – wegen falscher Methode – zu falschen und riskanten Ergebnissen führen, sind die Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips der Exekutive zumeist völlig unbekannt.

In der Praxis wird die Besorgnis mit dem Bauch gemessen, was noch angehen mag, wenn der Bauch eine besondere Sachkunde nachweisen kann. Das ist aber eher weniger der Fall.

In den Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips wird zwingend die Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsprinzips gefordert.

Die wasserwirtschaftliche Umsetzung des Verhältnismäßigkeitsprinzips erfordert z. B. den Nachweis des tierartkonkreten Nutzens.

Die in der Exekutive übliche abstrakte Nutzensbewertung (wie z. B. gute und schlechte Zustände) ist unwissenschaftlich und für die Nutzensbewertung wegen der Beliebigkeit nicht geeignet.

Im Falle einer Verschärfung der Überwachungswerte hat die Behörde nachzuweisen, wenn sie Wert auf anspruchsvolle, nachvollziehbare und prüffähige wasserrechtliche Erlaubnisse legen sollte, dass

  • erstens der zusätzliche Nutzen durch die Verschärfung eintritt und dass
  • zweitens die zusätzlichen Kosten aus der Überwachungswertverschärfung sich verhältnismäßig zum zusätzlichen Nutzen verhalten.

Während Wirtschaftlichkeitsnachweise einer Investition im Rahmen von Studien und Vorplanungen zu einem großen Effekt führen, sind aber die aller größten Effektivitätsreserven im Prozess der wasserrechtlichen Erlaubnis zu erschließen. Derartige Effektivitätsnachweise im Rahmen der wasserrechtlichen Erlaubnis sind Ausnahmen. Beispielhafte Ausnahmen  sind die nachvollziehbaren Untersuchungen des Wasserwirtschaftsamtes Hof zum Schutze der Flussperlmuschel. Derartige Ziele sind konkret, nachvollziehbar, prüffähig, es liegt ein konkreter Nutzen vor und mit den Zielen und Auflagen kann sich der Bürger und der Experte identifizieren.

Sehr viele Behörden beschränken sich dagegen in ihren Begründungen der wasserrechtlichen Erlaubnisse auf simple Dreisatzrechnungen der wasserchemischen Güte, ohne hydromorphologische Gütebewertung und ohne Berücksichtigung und Bewertung von nicht beeinflussbaren Nährstofffrachten aus Niederschlag und Landwirtschaft. Der Schwerpunkt derartiger Begründungen liegt auf abstrakten Ausführungen, dass etwas gut zu machen, also dass der gute Gewässerzustand nach der EU-WRRL einzuhalten sei, usw..

Auf der Grundlage mancher fragwürdiger Gewässerzustandsbewertung und Zustandsprognose der Exekutive, die sich mitunter vom Stand der Wissenschaft und von den Tatsachen weit entfernt, ist schlecht einzusehen, warum Abwasserbeseitigungspflichtige unter allen Umständen den Stand der Technik bei der Abwasserreinigung einzuhalten haben, ohne das die Verhältnismäßigkeit – die ja gesetzliches Merkmal des Standes der Technik ist – nachgewiesen wurde.

Neben der Einbindung ökologischer und hydrobiologischer Kompetenzen sind anspruchsvolle Investitionsrechnungen und Nutzensbewertungen im Rahmen des Prozesses der wasserrechtlichen Erlaubnis erforderlich, wenn die Effektivität wasserwirtschaftlicher Maßnahmen künftig verbessert werden soll.

Momentan fehlt aber den Behörden für derartige Untersuchungen in der Regel das Geld. Es gibt mehrere Fälle, in denen die Abwasserbeseitigungspflichtigen derartige Untersuchungen bezahlten.

Am Ende passten die Ergebnisse aber nicht in die Vorstellung von der Natur und wurden ignoriert.

r verfassungsrechtliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit (Übermaßverbot) kann in atypischen Ausnahmefällen die Verwertung extrem hoher Werte ausschließen (Berendes, a.a.O., S. 98 unten).
Das Gebot der Verhältnismäßigkeit hat seine Grundlage in dem in Art. 20 GG normierten Rechtsstaatsprinzip. Es ist ein übergreifender rechtsstaatlicher Leitsatz allen staatlichen Handelns mit Verfassungsrang. Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten. Insbesondere das Übermaßverbot erfordert ein vernünftiges Verhältnis zwischen Anlaß, Zweck und Ausmaß der Regelung. Bei der Gesamtabwägung zwischen der Schwere des Eingriffs und dem Gewicht und der Dringlichkeit der ihn rechtfertigenden Gründe muß die Grenze der Zumutbarkeit noch gewahrt sein (ständige Rechtsprechung, z.B. BVerfGE 30, 292, 316). Das erforderliche Mittel darf nicht außer Verhältnis zum erstrebten Ziele stehen. In solchen Fällen muß die sonst gebotene Zweckerfüllung angesichts der übermäßig belastenden Wirkung des Mittels unterbleiben (BVerwGE 30, 316).
Das Übermaßverbot ist ein verwaltungsgerichtlich voll nachprüfbarer Rechtsbegriff. Die Anwendung des Verfassungsgrundsatzes der Verhältnismäßigkeit verbietet hier eine Einbeziehung des P-Wertes von 510 mg/l in die Berechnung der bezeichneten Abwasserabgabe für das Veranlagungsjahr 1997.
Quelle: WEKA – Wasserrecht




Die "aufblasbare" Kläranlage

Dipl.-Ing. (FH); Dipl. Ök. Uwe Halbach, Institut für Wasserwirtschaft Halbach – Werdau (Sachsen)

Zusammenfassung

Beschrieben wird eine weniger bekannte, aber finanziell recht interessante Möglichkeit des dynamischen Kläranlagenausbaus, d. h. einer quasi stufenlosen Anpassung des Leistungsvermögens an das aktuelle Leistungserfordernis. Wirtschaftlich wird die Aufgabe derart gelöst, dass absehbares – aber später hinreichend sicher benötigtes – Erweiterungsvolumen für Belebungs- und Nachklärbecken bereits mit der ersten Ausbaustufe sehr preiswert realisiert wird.

Im günstigen Fall erfolgt bei diesem Ausbaumodus dann die künftige Kapazitätserweiterung zunächst nur durch einfache Anhebung der Belebtschlammkonzentration und – je nach Umfang des Kapazitätsbedarfs – auch ggf. sukzessive durch Nachrüstung der Maschinentechnik, z. B. Gebläse bzw. Belüfter.

Im ausgewählten Beispiel verursacht eine Kapazitätsreserve von 50 % bei der Belebung und Nachklärung zusätzliche einmalige Aufwendungen in einer Kostenhöhe von nur 15 %.

Bei der oft beobachteten kompromisslosen Auswahl nach der billigsten Lösung erleidet jedoch die Kommune oder der Verband meist beträchtliche finanzielle Nachteile, die sich aber eher in der Zukunft zeigen.

Das Ergebnis ist bei ausschließlicher Konzentration auf die Kostenminimierung oft stark von Qualitätsmängeln geprägt.
Je niedriger der Preis ist, desto größer ist erfahrungsgemäß das Risiko, später unverhältnismäßig mehr zuzahlen zu müssen, um die notwendigen Gebrauchswertaspekte wenigstens nachträglich gewährleisten zu können.

Werden die Kostenstrukturen von Kläranlagen untersucht, so stößt man auf ein Paradoxon: Die Anlagenteile, welche die biologische Reinigung des Abwassers bewirken – die Belebungsbecken und die Nachklärbecken nämlich – kosten im Verhältnis zu den Aufwendungen für die Gesamtanlage erstaunlich wenig. Diese einmaligen Aufwendungen betragen je nach Verfahren nur 20…30 % der Gesamtinvestkosten.

Da erhebt sich nun die Frage, ob eine allgemein weit verbreitete umfangreiche Minimierung dieses reinigungswirksamen Beckenvolumens – z. B. im Ergebnis von Fallunterscheidungen unterschiedlicher Denitrifikationsverfahren – tatsächlich zweckmäßig ist.

Gleichermaßen erscheint auch der Bemessungsansatz einer optimalen Belebtschlammtrockensubstanz in Bezug auf die Minimierung des Gesamtvolumens von Belebungs- und Nachklärbecken nur wenig sinnvoll.

Wenn also Belebungs- und Nachklärbecken zu den effektivsten Anlagenteilen zu zählen sind, dann sollte deren Volumen doch nicht unbedingt minimiert werden!

Zugegeben, diese Überlegungen sind nicht ohne weiteres mit den üblichen kommunalen und behördlichen Entscheidungsgepflogenheiten und Erwartungen (von Ausnahmen abgesehen) in Einklang zu bringen, zumal – sicherlich in vielen Fällen nicht ganz unberechtigt – der kommunalen Abwasserentsorgung der schlechte Ruf der Geldverschwendung zunehmend anhaftet.

Zu berücksichtigen wäre aber auch, dass – bedingt durch den meist kompromisslosen und kurzsichtigen Auswahlmodus nach dem niedrigsten Kläranlagenpreis – den Kommunen in der Regel mittel- oder langfristig bedeutende Nachteile entstehen, die den finanziellen Mehraufwand für eine bessere Variante bei weitem übersteigen.

Die niedrigen Angebote beinhalten also meist ein selten hohes Risiko, später zuzahlen zu müssen. Und wenn dieses später erforderliche Geld zu dem billigen Angebot hinzugerechnet wird, dann hat die Kommune auch genug Geld, um sich etwas ordentliches zu leisten. Es besteht mitunter sogar die Gefahr, alles zu verlieren, wenn die Billigkläranlage ihre Aufgabe nicht oder nur teilweise erfüllen kann, weil sie unvollständig ist oder andere Mängel aufweist, die erst später bemerkt werden; um die Empfehlungen des englischen Sozialreformers John Ruskin (1819-1900) im angewandten Sinne wiederzugeben. Besser als er kann man diese Problematik nicht auf den Punkt bringen. Aus der Sicht des Gutachters – auf seinem Tisch landet meist das auf den ersten Blick Bedenkliche, und seine Einschätzung der durchschnittlichen Realität ist daher vielleicht etwas verzerrt – scheint es jedoch nur Extreme in den meisten Kommunen zu geben. Entweder es wird zu viel ausgegeben, oder es wird an der falschen Stelle gespart. Die Tugend liegt aber in der Mitte, wie Aristoteles erst vor „wenigen“ Jahren feststellte.

Für diesen – bei der Submission oft ignorierten – Mehraufwand gibt es u. a. 2 Gründe:

Zum einen werden Anbieter im Rahmen von Funktionalausschreibungen ihr eigenes Fachwissen und Leistungsvermögen für die Kommune nur bedingt erschließen können, weil eine bessere Qualität, die sie bestimmt anbieten können, eben ihren Preis hat.

Besondere Qualität fällt auch deshalb aus, weil die Anbieter wissen, dass in der Regel nur „Billiglösungen“ eine Chance haben. Außerdem gibt es bei Anwendung der VOB kaum Spielraum für derartige intelligente Entscheidungen auf kurzem Wege.

Trotzdem gibt es auch bei der Anwendung der VOB eine ziemlich sichere Alternative: Qualitätsaspekte müssen vor der Investition bekannt sein und rechtzeitig in die Aufgabenstellung einfließen, wenn deren Berücksichtigung Erfolg haben soll. In einem Wettbewerb, bei dem jedoch nur der niedrigste Preis zählt, ist Qualität eben out. Um nicht falsch verstanden zu werden:

Dem Autor geht es nicht darum, dass für ohnehin schon aufwendige Kläranlagen mit dem gleichen Gebrauchswert und gleicher Leistung – wie in der Vergangenheit zu beobachten – z. B. ein doppelter Preis gezahlt wird. Es soll vielmehr der Kauf einer Anlage mit einem höheren Gebrauchswert für einen verhältnismäßigen und berechtigten Preis erwogen werden!

Wie ist nun der etwas schwierigere und „aristotelische“ Weg des Kläranlagenausbaus zu beschreiten?

Die Taktik ist relativ einfach aufgezeigt: Es ist nur eine ausgezeichnete, wohldurchdachte und variantenreiche Vorplanung mit überdurchschnittlicher Aussage und risikominimierter Grundlagenprognose erforderlich bzw. eine analog anspruchsvolle Aufgabenstellung für eine Funktionalausschreibung, sollte man zu dieser Alternative neigen.

Hier ist sicherlich auch ein etwas überdurchschnittlicher Vorbereitungsaufwand notwendig. Inzwischen ist wohl vielen klar, dass gerade die Vorplanungen, Studien und Gutachten dazu beitragen können, den späteren Investitionsaufwand in einer Größe von ca. 70 % zu senken. Wenn der Auftraggeber jedoch bei der Investitionsvorbereitung spart, wird er selten in den Genuss einer Investition mit hohem Gebrauchswert kommen.

Auch ist es nur bei bewährter vertrauensvoller Zusammenarbeit ggf. ratsam, diese sensible Phase dem zu überlassen, dessen Gewinn mit der Investitionshöhe progressiv gekoppelt ist.

Also ist nicht nur die Qualität der Investitionsvorbereitung bedeutend anzuheben, sondern es sind auch wirksame Kontrollmechanismen vorzusehen.

Hier gilt es u. a. sich Zeit zu lassen, umfangreich abzuwägen, sich eine eigene Meinung über besonders wichtige fachliche Zusammenhänge zu bilden und nichts „übers Knie zu brechen“.

Nun bietet die Konzeption von Kläranlagen die hervorragende Möglichkeit, einen Leistungsbereich zu gestalten und zu nutzen. Analoges kennt man vom Automobilbau.

Niemand wird es dem Autofahrer zumuten wollen, dass er bei einer bestimmten Stellung des Gaspedals anhalten muss, um mal schnell einen stärkeren Motor einzubauen.

Also jede Anlage sollte einen gewissen dynamischen Leistungsbereich aufweisen, der es erlaubt, auch einen wirtschaftlichen Arbeitsbereich zu erschließen. Wie der wirtschaftliche Leistungsbereich der einzelnen Anlage zu wählen ist, hängt von niveauvollen und tatsächlich wertvollen Prognosen einschließlich Fallunterscheidungen und Abschätzungen der Wahrscheinlichkeit der gewünschten Primärdaten ab.

Beim Ausbau von Kläranlagen gibt u. a. 3 grundsätzliche Möglichkeiten:

  • Ausbau hinsichtlich der steigenden Anforderungen des Gewässerschutzes und der Wirtschaftlichkeit, z. B. erst Kohlenstoff-, dann Phosphor- und dann Stickstoffelimination
  • Ausbau in Straßen, die Bausteine der Kläranlage werden in parallelen Straßen angeordnet, sofort errichtet und/oder bei Erweiterung analog neu errichtet
  • dynamische Anpassung durch frühzeitige Schaffung eines Leistungspotentials

Die erste Variante des Kläranlagenausbaus ist die Variante mit dem geringsten Risiko.

Der Beweis liegt auf der Hand. Es gäbe im Osten keine einzige Kläranlage, die den Namen „überbemessen“ verdient, hätte man sich zunächst erst einmal auf die biologische Grundreinigung und vor allem auf die eigentliche abwasserwirtschaftliche Aufgabe konzentriert, das Abwasser überhaupt erst mal zur Kläranlage zu bringen.

Hier unterlag wohl die große und kleine Umweltpolitik zu schnell den Wünschen und dem Drängen der Umweltindustrie bzw. -dienstleistung. Die Bemessung einer Kläranlage für Stickstoffeliminierung in üblicher Weise ist spekulativ, weil z. B. viele Bemessungsdaten buchstäblich zu raten sind.

Die zweite Variante ist zwar meist genauso riskant wie die erste Möglichkeit, jedoch ist der Schaden geringer, wenn es schief geht, weil noch nicht „alles“, was man sich vorstellen konnte und wünschte, gebaut wurde.

Die dritte Variante scheint – dosiert genutzt – eine interessante Möglichkeit des Anlagenausbaus zu sein, bei der verfahrenstechnische Freiheitsgrade mit der Schaffung eines kostengünstigen Beckenvolumens gleich am Anfang optimiert werden.

Der spätere Ausbau liegt bei der Erschließung der maximalen Leistungsgrenze der Kläranlage; schwerpunktmäßig im Bereich der Modernisierung und Leistungssteigerung bei der Ausrüstung. Also zuerst genügend und mehr Beckenvolumen (Beton) vorsehen sowie weniger Maschinentechnik planen und im günstigen Fall wird nach Abschreibung der Ausrüstung diese modernisiert und/oder gleichzeitig die Leistung der Ausrüstung gesteigert.

Verfahrenstechnisch bietet sich an, die Belebungs- und Nachklärbecken so zu bemessen, dass die Leistung – von kleineren späteren Nachrüstungen von Maschinen mal abgesehen – durch „einfaches Drehen an einem Rädchen“ hochgeschraubt werden kann.

Im Rahmen dieses Beitrages ist es nicht möglich, alle Eventualitäten und Faktoren aufzuzeigen, die bei dieser Variante zu berücksichtigen wären, aber folgende 5 Punkte sollen das Prinzip veranschaulichen:

  • Bemessung des Belebungsbeckens für einen TS-Gehalt von z. B. 2 g/l
  • Bemessung des Sauerstoffeintrages für die aktuellen Anforderungen, jedoch nachrüstbar konstruieren und konzipieren
  • Bemessung der Nachklärbeckentiefe für einen TS-Gehalt von z. B. 5 g/l, einen ungünstigen Schlammindex sowie Auswahl und Installation eines leistungsfähigen Schlammräumsystems
  • Bemessung der Nachklärbeckenoberfläche für eine z. B. 20…30 % größere Abwassermenge
  • Bemessung der Rücklaufschlammpumpen für die aktuellen Anforderungen, jedoch nachrüstbar gemäß Punkt 4 konstruieren und konzipieren

Natürlich sind Vorkehrungen zu treffen und Nachweise vorzulegen, dass nachteiligen Konsequenzen einer gewissen Unterlastung planmäßig begegnet wird.

Im Falle planmäßiger oder unvorhersehbarer Zunahmen von Abwasserlast und -menge kann die Kapazität des Belebungsbeckens ohne Probleme bei diesem Beispiel verdoppelt werden, indem einfach der Belebtschlammgehalt von 2 g/l auf 4…5 g/l hochgefahren wird. Reicht die Sauerstoffeintragskapazität nicht aus, so wäre lediglich die Belüftungskapazität zu erhöhen, indem entweder Gebläse oder z. B. Tauchbelüfter nachgerüstet werden. Im Fall günstiger Belebtschlammeigenschaften ist die Leistung der Anlage noch weiter zu steigern, ohne dass wesentliche bauliche Änderung an der Anlage vorgenommen werden müssen. Bei der Wahl einer derartigen Ausbauvariante ist auch die Kläranlagengröße von Bedeutung.

Natürlich sind diese Anregungen kein Rezept für alle Fälle. Wenn einerseits die momentane Abwassermenge und Abwasserlast sowie -zusammensetzung genau bekannt ist und andererseits eine perspektivische Erweiterung der Kläranlage mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann, macht es keinen Sinn, Reserven für unsichere Kapazitäten vorzuhalten und einzuplanen, seien sie auch finanziell noch so preiswert.

Nachteilig sind der höhere finanzielle und zeitliche Aufwand im Rahmen der Investitionsvorbereitung sowie die höheren Investkosten. Es gibt aber keine Investition ohne Nachteile und Risiken. So sind bei solchen Entscheidungen sorgfältige Abwägungen – auch von der Kommune oder dem Verband – zu treffen. Fallunterscheidungen können diese Aufgabe erleichtern und die kommunalwirtschaftlichen Konsequenzen verdeutlichen.

Die Gegner eines solchen Vorschlages werden einwerfen, dass die Kläranlage dann zu 50% überbemessen wurde, eine Fehlplanung darstellt, nicht förderfähig ist und außerdem die Bürgerbewegungen zurzeit gerade besonders aufmerksam sind. Ob alle Recht behalten, kommt darauf an, wie viel die Anlage dann tatsächlich mehr kostet und welche „Leichen“ sonst noch im Keller liegen. Schließlich hat die Kommune 2 Möglichkeiten: Die erste – nicht so gute – ist die, dass der Bürgermeister sagt, ich, d. h. wir möchten eine Kläranlage, die das Abwasser von 75 000 E+EGW behandeln kann. Eine Kläranlage für 75 000 E+EGW würde unter gleichen Bedingungen 11,6 Mio EUR kosten. Das sind 33 % Mehrkosten anstelle von nur 15 % Mehrkosten bei der dynamischen Ausbauvariante. Dann bezahlen die Bürger meist neben dem Preis einer solchen Anlage auch noch einen – um es vorsichtig auszudrücken – „Unwissenheitsaufschlag“.

Die 2. Möglichkeit besteht darin, dass gesagt wird, also wir möchten eine Kläranlage für 50 000 EGW, aber das Belebungsbecken wird bitte nur mit 2 g TS/l bemessen und das Nachklärbecken soll auch noch bei 5 g TS/l funktionieren, ohne dass der Schlamm zu lange in ihm verweilt und vor sich hin gammelt. Und überhaupt ist Sorge zu tragen, dass die Anlage im gesamten Leistungsbereich das bestellte Leistungsvermögen aufweist, auch wenn das eine Gebläse für einen späteren Ausbau für 75 000 EGW noch nicht gekauft ist und z. B. eine Rücklaufschlammpumpe noch fehlt. In diesem Falle ist ein gewisser Mehrpreis zu zahlen, und es steht nur noch die Frage, inwieweit er verhältnismäßig ist.

AUSBAUVARIANTE –
ENDAUSBAU OHNE WIRTSCHAFTLICHE KAPAZITÄTSRESERVE
Gesamtanlage 50 000 E+EGW
Volumen des Belebungs- und des Nachklärbeckens 50 000 E+EGW
ursprünglich geplante Kapazität der Kläranlage 50 000 E+EGW
Gesamtkosten, geschätzt 8,7 Mio EUR
Anteil davon für Belebungs- und Nachklärbecken, einschließlich Ausrüstung 20…30 %, gewählt 30%
Anteil für Belebungs- und Nachklärbecken, einschließlich Ausrüstung 2,6 Mio EUR
Kosten der Kläranlage ohne komplettes Belebungs- und Nachklärbecken 6,08 Mio EUR
Kostendegressionskoeffizient für diese Anlagenteile, angenommen 0,70
AUSBAUVARIANTE –
ENDAUSBAU MIT WIRTSCHAFTLICHER KAPAZITÄTSRESERVE
Kapazitätsreserve für Belebung und Nachklärung, gewählt 50%
Kapazitätsreserve für Belebung und Nachklärung, gewählt 25 000 E+EGW
Realisierung des Bauanteils der Belebung und Nachklärung für 75 000 E+EGW
Realisierung Ausrüstung für Belebung und Nachklärung, jedoch nur für 50 000 E+EGW
Kosten der Belebungs- und Nachklärbecken bei 25 000 E+EGW Kapazitäts-reserve dieser Anlagenteile 3,5 Mio EUR
Zuschlag für zweckmäßige ausgewählte größere Bemessung, z. B. einige Kanäle und Rohrleitungen 0,4 Mio EUR
Kalkulierte Gesamtkosten dieser Bemessungsvariante 10 Mio EUR
Potentialzuwachs – Volumen der biologischen Stufe (BB + NK) 50,0%
Mehraufwand für diesen Volumenzuwachs 1,3 Mio EUR
Mehraufwand für den Volumenzuwachs der biologischen Stufe 15%

Die finanziellen Konsequenzen auf der Grundlage einer einfachen Schätzung sind aus der Tabelle ersichtlich.

Zur Erläuterung: Angenommen, eine Kläranlage für 50 000 EGW soll 8,7 Mio EUR kosten. 30% = 2,6 Mio EUR dieser Summe werden für die kompletten Belebungs- und Nachklärbecken veranschlagt. Man beabsichtigt, ein zusätzliches Leistungspotential von 50% für das Volumen von Belebungs- und Nachklärbecken vorzuhalten. Mit Hilfe einer Kostendegression von 0,70 lassen sich für die größere Dimensionierung für o. g. Positionen Kosten in einer Höhe von 3,5 Mio EUR kalkulieren. Eine weitere Vorhaltung von Mehrleistungen, z. B. für ausgewählte Kanäle, wird in einer Höhe von 0,4 Mio EUR veranschlagt, so dass die Vergrößerung der Leistung der Belebungs- und Nachklärstufe insgesamt eine Kostensteigerung um 15% verursacht. Das sind nur 1,3 Mio EUR einmalige Mehrkosten für ein zusätzliches Leistungspotential von 50 %! Ein sehr günstiges Angebot, das man auch privat nutzen würde. Am besten vergleichbar damit, dass für nur 15 % Urlaubspreiserhöhung der Bauch nicht 2 Wochen, sondern 21 Tage im Urlaub in der Sonne liegt.

Größere Reinigungsvolumen führen zu dem betrieblichen Vorteil der stabileren Fahrweise und einer hohen Anpassungsfähigkeit im Vergleich zu minimierten Beckenvolumina.

Die Schaffung größerer Volumenreserven erlaubt es, gegebenenfalls die Anlage anfangs als simultane Schlammbehandlung zu betreiben. Mit Zunahme der Abwasserbelastung – ab einem bestimmten Zeitpunkt – muss dann an eine externe Nachstabilisierung – aerob oder anaerob – gedacht werden. Das bedeutet aber, dass zusätzliche Belebungs- und Nachklärbecken nicht gebaut werden müssen und dafür keine umfangreichen Investitionen anfallen. Damit werden schließlich Bemessungsrisiken der Schlammbehandlung reduziert, weil mit späterer Bemessung sicherlich auch hinreichende Informationen über die Schlammeigenschaften vorliegen.

Hinsichtlich momentan anstehender Investitionsentscheidungen erlauben die zurzeit niedrigen Baupreise eine besonders günstige Schaffung von Reinigungsvolumen.

Folgende wesentliche Vorteile dieser Konzeptionsvariante zeichnen sich ab:

  • Sollte eine bedeutende Leistungssteigerung der Kläranlage, z. B. im Ergebnis der Ansiedlung eines Starkverschmutzers, notwendig werden, so können innerhalb von 2-3 Monaten meist sehr kurzfristig die Voraussetzungen geschaffen werden.
  • Eine gewisse Leistungssteigerung ist schon durch einfaches Anheben der Belebtschlammkonzentration unkompliziert und in einem gewissen Grade immer möglich.
  • Bei der Belüftungsleistung ist zu beobachten, dass die Kläranlagen in aller Regel über Reserven beim Sauerstoffeintrag verfügen und so eine Belastungszunahme leichter kompensieren können, was eine deutliche Leistungssteigerung u. U. ohne zusätzliche Investitionen begünstigt.
  • Eine Leistungssteigerung der Belüftung ist in aller Regel weniger aufwendig und weniger kompliziert als außerdem die Schaffung von Beckenvolumen.
  • Die nachträgliche Schaffung von bedeutenden Beckenkapazitäten auf einer vorhandenen Kläranlage bei laufendem Betrieb ist oft eine komplizierte und meist um vieles aufwendigere Angelegenheit, als wenn diese Volumina gleich während des ersten Baus der Kläranlage mit berücksichtigt werden.

Für den Fall, dass die Anforderungen nach § 7 (a) Wasserhaushaltsgesetz schrittweise zu erfüllen sind, z. B. speziell in Sachsen, bieten sich u. a. 2 Varianten an:

  • Konzipierung der Belebungsbecken für die biologische Grundreinigung derart, dass diese Becken später zur vorgeschalteten Denitrifikation genutzt werden können.
  • Konzipierung der dynamischen Ausbaualternative erst bei Nachrüstung einer Denitrifikation.

Grundsätzlich ist besonders zu beachten, dass es bei der Kläranlagenmodernisierung kein allgemeingültiges Rezept bzw. eine a.a.R.d.T. gibt. Der Autor ist geneigt anzunehmen, dass wohl jedes Konzept eine Einzelfallbetrachtung verdient. Der Grund liegt einfach darin, weil die Wahl der günstigen Endlösung einer hohen Zahl von Einflussfaktoren unterliegt und es höchst unwahrscheinlich ist, dass z. B. die Ausgangsbedingungen und die Zielkomponenten von 2 zu vergleichenden Kläranlagen völlig identisch sind. Im Übrigen würde dies auch der Investitionslehre und den Erfahrungen völlig widersprechen. Insofern ist es also klug, wenn das Regelwerk in diesem Punkt so verstanden wird, wie es auf jedem Arbeitsblatt zu lesen ist: „…Das Regelwerk ist nicht die einzige, sondern eine wichtige Erkenntnisquelle für fachgerechte Lösungen von Aufgabenstellungen der Abwasser- und Abfalltechnik im Normalfall…“ Wo aber finden wir bei einem Kläranlagenbau schon den Normalfall?

Übrigens ist die genannte Kapazitätsreserve von 50 % nur aus Gründen der Veranschaulichung gewählt, denn Übertreibung veranschaulicht. Möglicherweise ist man mit weniger Reserven meist auch schon ganz glücklich und zufrieden. Schließlich kann genauso eine Kombination der o. g. 3 grundsätzlichen Ausbaumöglichkeiten untereinander eine zweckmäßige und interessante Lösung sein.

Und um mit John Ruskin abzuschließen

„Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.“

Erschienen in der Korrespondenz Abwasser 1997, Heft 5

Ergänzung und Nachtrag am 29.10.1999 zu ausgewählten Problemkreisen

Bei einer Minderung der Abwassermenge vergrößert sich in aller Regel das Belebungsbeckenvolumen, weil damit weniger Stickstoff aus der Anlage „herausgespült“ werden darf und damit die Kläranlage mehr Stickstofffracht eliminieren muss.

Andererseits reduziert sich das Vorklär- und Nachklärbeckenvolumen.

Ohne weitere Berechnung kann man vermuten, dass eine gravierende Kostenänderung bei einer Reduzierung der Abwassermenge in gewissen Grenzen natürlich keine erhebliche Kostensenkung verursachen wird. Das liegt auch darin begründet, weil das Beckenvolumen das preiswerteste Element einer Kläranlage ist.

Die Betriebskosten könnten etwas ansteigen, da bei geringeren Abwassermengen mehr Energie für die Stickstoffentfernung benötigt wird. Die Energiekosten für die Abwasserhebung dürften sich jedoch reduzieren.

Insgesamt gesehen werden auch hier keine kostenmäßigen Überraschungen erwartet, weil im Verhältnis zu den recht erheblichen Energiekosten für die Belüftung die Energiekosten für die Abwasserhebung eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Eine Vergrößerung der Abwassermenge führt analog zu einer Verkleinerung der Belebungsbecken.




Die „aufblasbare“ Kläranlage

Dipl.-Ing. (FH); Dipl. Ök. Uwe Halbach, Institut für Wasserwirtschaft Halbach – Werdau (Sachsen)

Zusammenfassung

Beschrieben wird eine weniger bekannte, aber finanziell recht interessante Möglichkeit des dynamischen Kläranlagenausbaus, d. h. einer quasi stufenlosen Anpassung des Leistungsvermögens an das aktuelle Leistungserfordernis. Wirtschaftlich wird die Aufgabe derart gelöst, dass absehbares – aber später hinreichend sicher benötigtes – Erweiterungsvolumen für Belebungs- und Nachklärbecken bereits mit der ersten Ausbaustufe sehr preiswert realisiert wird.

Im günstigen Fall erfolgt bei diesem Ausbaumodus dann die künftige Kapazitätserweiterung zunächst nur durch einfache Anhebung der Belebtschlammkonzentration und – je nach Umfang des Kapazitätsbedarfs – auch ggf. sukzessive durch Nachrüstung der Maschinentechnik, z. B. Gebläse bzw. Belüfter.

Im ausgewählten Beispiel verursacht eine Kapazitätsreserve von 50 % bei der Belebung und Nachklärung zusätzliche einmalige Aufwendungen in einer Kostenhöhe von nur 15 %.

Bei der oft beobachteten kompromisslosen Auswahl nach der billigsten Lösung erleidet jedoch die Kommune oder der Verband meist beträchtliche finanzielle Nachteile, die sich aber eher in der Zukunft zeigen.

Das Ergebnis ist bei ausschließlicher Konzentration auf die Kostenminimierung oft stark von Qualitätsmängeln geprägt.
Je niedriger der Preis ist, desto größer ist erfahrungsgemäß das Risiko, später unverhältnismäßig mehr zuzahlen zu müssen, um die notwendigen Gebrauchswertaspekte wenigstens nachträglich gewährleisten zu können.

Werden die Kostenstrukturen von Kläranlagen untersucht, so stößt man auf ein Paradoxon: Die Anlagenteile, welche die biologische Reinigung des Abwassers bewirken – die Belebungsbecken und die Nachklärbecken nämlich – kosten im Verhältnis zu den Aufwendungen für die Gesamtanlage erstaunlich wenig. Diese einmaligen Aufwendungen betragen je nach Verfahren nur 20…30 % der Gesamtinvestkosten.

Da erhebt sich nun die Frage, ob eine allgemein weit verbreitete umfangreiche Minimierung dieses reinigungswirksamen Beckenvolumens – z. B. im Ergebnis von Fallunterscheidungen unterschiedlicher Denitrifikationsverfahren – tatsächlich zweckmäßig ist.

Gleichermaßen erscheint auch der Bemessungsansatz einer optimalen Belebtschlammtrockensubstanz in Bezug auf die Minimierung des Gesamtvolumens von Belebungs- und Nachklärbecken nur wenig sinnvoll.

Wenn also Belebungs- und Nachklärbecken zu den effektivsten Anlagenteilen zu zählen sind, dann sollte deren Volumen doch nicht unbedingt minimiert werden!

Zugegeben, diese Überlegungen sind nicht ohne weiteres mit den üblichen kommunalen und behördlichen Entscheidungsgepflogenheiten und Erwartungen (von Ausnahmen abgesehen) in Einklang zu bringen, zumal – sicherlich in vielen Fällen nicht ganz unberechtigt – der kommunalen Abwasserentsorgung der schlechte Ruf der Geldverschwendung zunehmend anhaftet.

Zu berücksichtigen wäre aber auch, dass – bedingt durch den meist kompromisslosen und kurzsichtigen Auswahlmodus nach dem niedrigsten Kläranlagenpreis – den Kommunen in der Regel mittel- oder langfristig bedeutende Nachteile entstehen, die den finanziellen Mehraufwand für eine bessere Variante bei weitem übersteigen.

Die niedrigen Angebote beinhalten also meist ein selten hohes Risiko, später zuzahlen zu müssen. Und wenn dieses später erforderliche Geld zu dem billigen Angebot hinzugerechnet wird, dann hat die Kommune auch genug Geld, um sich etwas ordentliches zu leisten. Es besteht mitunter sogar die Gefahr, alles zu verlieren, wenn die Billigkläranlage ihre Aufgabe nicht oder nur teilweise erfüllen kann, weil sie unvollständig ist oder andere Mängel aufweist, die erst später bemerkt werden; um die Empfehlungen des englischen Sozialreformers John Ruskin (1819-1900) im angewandten Sinne wiederzugeben. Besser als er kann man diese Problematik nicht auf den Punkt bringen. Aus der Sicht des Gutachters – auf seinem Tisch landet meist das auf den ersten Blick Bedenkliche, und seine Einschätzung der durchschnittlichen Realität ist daher vielleicht etwas verzerrt – scheint es jedoch nur Extreme in den meisten Kommunen zu geben. Entweder es wird zu viel ausgegeben, oder es wird an der falschen Stelle gespart. Die Tugend liegt aber in der Mitte, wie Aristoteles erst vor „wenigen“ Jahren feststellte.

Für diesen – bei der Submission oft ignorierten – Mehraufwand gibt es u. a. 2 Gründe:

Zum einen werden Anbieter im Rahmen von Funktionalausschreibungen ihr eigenes Fachwissen und Leistungsvermögen für die Kommune nur bedingt erschließen können, weil eine bessere Qualität, die sie bestimmt anbieten können, eben ihren Preis hat.

Besondere Qualität fällt auch deshalb aus, weil die Anbieter wissen, dass in der Regel nur „Billiglösungen“ eine Chance haben. Außerdem gibt es bei Anwendung der VOB kaum Spielraum für derartige intelligente Entscheidungen auf kurzem Wege.

Trotzdem gibt es auch bei der Anwendung der VOB eine ziemlich sichere Alternative: Qualitätsaspekte müssen vor der Investition bekannt sein und rechtzeitig in die Aufgabenstellung einfließen, wenn deren Berücksichtigung Erfolg haben soll. In einem Wettbewerb, bei dem jedoch nur der niedrigste Preis zählt, ist Qualität eben out. Um nicht falsch verstanden zu werden:

Dem Autor geht es nicht darum, dass für ohnehin schon aufwendige Kläranlagen mit dem gleichen Gebrauchswert und gleicher Leistung – wie in der Vergangenheit zu beobachten – z. B. ein doppelter Preis gezahlt wird. Es soll vielmehr der Kauf einer Anlage mit einem höheren Gebrauchswert für einen verhältnismäßigen und berechtigten Preis erwogen werden!

Wie ist nun der etwas schwierigere und „aristotelische“ Weg des Kläranlagenausbaus zu beschreiten?

Die Taktik ist relativ einfach aufgezeigt: Es ist nur eine ausgezeichnete, wohldurchdachte und variantenreiche Vorplanung mit überdurchschnittlicher Aussage und risikominimierter Grundlagenprognose erforderlich bzw. eine analog anspruchsvolle Aufgabenstellung für eine Funktionalausschreibung, sollte man zu dieser Alternative neigen.

Hier ist sicherlich auch ein etwas überdurchschnittlicher Vorbereitungsaufwand notwendig. Inzwischen ist wohl vielen klar, dass gerade die Vorplanungen, Studien und Gutachten dazu beitragen können, den späteren Investitionsaufwand in einer Größe von ca. 70 % zu senken. Wenn der Auftraggeber jedoch bei der Investitionsvorbereitung spart, wird er selten in den Genuss einer Investition mit hohem Gebrauchswert kommen.

Auch ist es nur bei bewährter vertrauensvoller Zusammenarbeit ggf. ratsam, diese sensible Phase dem zu überlassen, dessen Gewinn mit der Investitionshöhe progressiv gekoppelt ist.

Also ist nicht nur die Qualität der Investitionsvorbereitung bedeutend anzuheben, sondern es sind auch wirksame Kontrollmechanismen vorzusehen.

Hier gilt es u. a. sich Zeit zu lassen, umfangreich abzuwägen, sich eine eigene Meinung über besonders wichtige fachliche Zusammenhänge zu bilden und nichts „übers Knie zu brechen“.

Nun bietet die Konzeption von Kläranlagen die hervorragende Möglichkeit, einen Leistungsbereich zu gestalten und zu nutzen. Analoges kennt man vom Automobilbau.

Niemand wird es dem Autofahrer zumuten wollen, dass er bei einer bestimmten Stellung des Gaspedals anhalten muss, um mal schnell einen stärkeren Motor einzubauen.

Also jede Anlage sollte einen gewissen dynamischen Leistungsbereich aufweisen, der es erlaubt, auch einen wirtschaftlichen Arbeitsbereich zu erschließen. Wie der wirtschaftliche Leistungsbereich der einzelnen Anlage zu wählen ist, hängt von niveauvollen und tatsächlich wertvollen Prognosen einschließlich Fallunterscheidungen und Abschätzungen der Wahrscheinlichkeit der gewünschten Primärdaten ab.

Beim Ausbau von Kläranlagen gibt u. a. 3 grundsätzliche Möglichkeiten:

  • Ausbau hinsichtlich der steigenden Anforderungen des Gewässerschutzes und der Wirtschaftlichkeit, z. B. erst Kohlenstoff-, dann Phosphor- und dann Stickstoffelimination
  • Ausbau in Straßen, die Bausteine der Kläranlage werden in parallelen Straßen angeordnet, sofort errichtet und/oder bei Erweiterung analog neu errichtet
  • dynamische Anpassung durch frühzeitige Schaffung eines Leistungspotentials

Die erste Variante des Kläranlagenausbaus ist die Variante mit dem geringsten Risiko.

Der Beweis liegt auf der Hand. Es gäbe im Osten keine einzige Kläranlage, die den Namen „überbemessen“ verdient, hätte man sich zunächst erst einmal auf die biologische Grundreinigung und vor allem auf die eigentliche abwasserwirtschaftliche Aufgabe konzentriert, das Abwasser überhaupt erst mal zur Kläranlage zu bringen.

Hier unterlag wohl die große und kleine Umweltpolitik zu schnell den Wünschen und dem Drängen der Umweltindustrie bzw. -dienstleistung. Die Bemessung einer Kläranlage für Stickstoffeliminierung in üblicher Weise ist spekulativ, weil z. B. viele Bemessungsdaten buchstäblich zu raten sind.

Die zweite Variante ist zwar meist genauso riskant wie die erste Möglichkeit, jedoch ist der Schaden geringer, wenn es schief geht, weil noch nicht „alles“, was man sich vorstellen konnte und wünschte, gebaut wurde.

Die dritte Variante scheint – dosiert genutzt – eine interessante Möglichkeit des Anlagenausbaus zu sein, bei der verfahrenstechnische Freiheitsgrade mit der Schaffung eines kostengünstigen Beckenvolumens gleich am Anfang optimiert werden.

Der spätere Ausbau liegt bei der Erschließung der maximalen Leistungsgrenze der Kläranlage; schwerpunktmäßig im Bereich der Modernisierung und Leistungssteigerung bei der Ausrüstung. Also zuerst genügend und mehr Beckenvolumen (Beton) vorsehen sowie weniger Maschinentechnik planen und im günstigen Fall wird nach Abschreibung der Ausrüstung diese modernisiert und/oder gleichzeitig die Leistung der Ausrüstung gesteigert.

Verfahrenstechnisch bietet sich an, die Belebungs- und Nachklärbecken so zu bemessen, dass die Leistung – von kleineren späteren Nachrüstungen von Maschinen mal abgesehen – durch „einfaches Drehen an einem Rädchen“ hochgeschraubt werden kann.

Im Rahmen dieses Beitrages ist es nicht möglich, alle Eventualitäten und Faktoren aufzuzeigen, die bei dieser Variante zu berücksichtigen wären, aber folgende 5 Punkte sollen das Prinzip veranschaulichen:

  • Bemessung des Belebungsbeckens für einen TS-Gehalt von z. B. 2 g/l
  • Bemessung des Sauerstoffeintrages für die aktuellen Anforderungen, jedoch nachrüstbar konstruieren und konzipieren
  • Bemessung der Nachklärbeckentiefe für einen TS-Gehalt von z. B. 5 g/l, einen ungünstigen Schlammindex sowie Auswahl und Installation eines leistungsfähigen Schlammräumsystems
  • Bemessung der Nachklärbeckenoberfläche für eine z. B. 20…30 % größere Abwassermenge
  • Bemessung der Rücklaufschlammpumpen für die aktuellen Anforderungen, jedoch nachrüstbar gemäß Punkt 4 konstruieren und konzipieren

Natürlich sind Vorkehrungen zu treffen und Nachweise vorzulegen, dass nachteiligen Konsequenzen einer gewissen Unterlastung planmäßig begegnet wird.

Im Falle planmäßiger oder unvorhersehbarer Zunahmen von Abwasserlast und -menge kann die Kapazität des Belebungsbeckens ohne Probleme bei diesem Beispiel verdoppelt werden, indem einfach der Belebtschlammgehalt von 2 g/l auf 4…5 g/l hochgefahren wird. Reicht die Sauerstoffeintragskapazität nicht aus, so wäre lediglich die Belüftungskapazität zu erhöhen, indem entweder Gebläse oder z. B. Tauchbelüfter nachgerüstet werden. Im Fall günstiger Belebtschlammeigenschaften ist die Leistung der Anlage noch weiter zu steigern, ohne dass wesentliche bauliche Änderung an der Anlage vorgenommen werden müssen. Bei der Wahl einer derartigen Ausbauvariante ist auch die Kläranlagengröße von Bedeutung.

Natürlich sind diese Anregungen kein Rezept für alle Fälle. Wenn einerseits die momentane Abwassermenge und Abwasserlast sowie -zusammensetzung genau bekannt ist und andererseits eine perspektivische Erweiterung der Kläranlage mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann, macht es keinen Sinn, Reserven für unsichere Kapazitäten vorzuhalten und einzuplanen, seien sie auch finanziell noch so preiswert.

Nachteilig sind der höhere finanzielle und zeitliche Aufwand im Rahmen der Investitionsvorbereitung sowie die höheren Investkosten. Es gibt aber keine Investition ohne Nachteile und Risiken. So sind bei solchen Entscheidungen sorgfältige Abwägungen – auch von der Kommune oder dem Verband – zu treffen. Fallunterscheidungen können diese Aufgabe erleichtern und die kommunalwirtschaftlichen Konsequenzen verdeutlichen.

Die Gegner eines solchen Vorschlages werden einwerfen, dass die Kläranlage dann zu 50% überbemessen wurde, eine Fehlplanung darstellt, nicht förderfähig ist und außerdem die Bürgerbewegungen zurzeit gerade besonders aufmerksam sind. Ob alle Recht behalten, kommt darauf an, wie viel die Anlage dann tatsächlich mehr kostet und welche „Leichen“ sonst noch im Keller liegen. Schließlich hat die Kommune 2 Möglichkeiten: Die erste – nicht so gute – ist die, dass der Bürgermeister sagt, ich, d. h. wir möchten eine Kläranlage, die das Abwasser von 75 000 E+EGW behandeln kann. Eine Kläranlage für 75 000 E+EGW würde unter gleichen Bedingungen 11,6 Mio EUR kosten. Das sind 33 % Mehrkosten anstelle von nur 15 % Mehrkosten bei der dynamischen Ausbauvariante. Dann bezahlen die Bürger meist neben dem Preis einer solchen Anlage auch noch einen – um es vorsichtig auszudrücken – „Unwissenheitsaufschlag“.

Die 2. Möglichkeit besteht darin, dass gesagt wird, also wir möchten eine Kläranlage für 50 000 EGW, aber das Belebungsbecken wird bitte nur mit 2 g TS/l bemessen und das Nachklärbecken soll auch noch bei 5 g TS/l funktionieren, ohne dass der Schlamm zu lange in ihm verweilt und vor sich hin gammelt. Und überhaupt ist Sorge zu tragen, dass die Anlage im gesamten Leistungsbereich das bestellte Leistungsvermögen aufweist, auch wenn das eine Gebläse für einen späteren Ausbau für 75 000 EGW noch nicht gekauft ist und z. B. eine Rücklaufschlammpumpe noch fehlt. In diesem Falle ist ein gewisser Mehrpreis zu zahlen, und es steht nur noch die Frage, inwieweit er verhältnismäßig ist.

AUSBAUVARIANTE –
ENDAUSBAU OHNE WIRTSCHAFTLICHE KAPAZITÄTSRESERVE
Gesamtanlage 50 000 E+EGW
Volumen des Belebungs- und des Nachklärbeckens 50 000 E+EGW
ursprünglich geplante Kapazität der Kläranlage 50 000 E+EGW
Gesamtkosten, geschätzt 8,7 Mio EUR
Anteil davon für Belebungs- und Nachklärbecken, einschließlich Ausrüstung 20…30 %, gewählt 30%
Anteil für Belebungs- und Nachklärbecken, einschließlich Ausrüstung 2,6 Mio EUR
Kosten der Kläranlage ohne komplettes Belebungs- und Nachklärbecken 6,08 Mio EUR
Kostendegressionskoeffizient für diese Anlagenteile, angenommen 0,70
AUSBAUVARIANTE –
ENDAUSBAU MIT WIRTSCHAFTLICHER KAPAZITÄTSRESERVE
Kapazitätsreserve für Belebung und Nachklärung, gewählt 50%
Kapazitätsreserve für Belebung und Nachklärung, gewählt 25 000 E+EGW
Realisierung des Bauanteils der Belebung und Nachklärung für 75 000 E+EGW
Realisierung Ausrüstung für Belebung und Nachklärung, jedoch nur für 50 000 E+EGW
Kosten der Belebungs- und Nachklärbecken bei 25 000 E+EGW Kapazitäts-reserve dieser Anlagenteile 3,5 Mio EUR
Zuschlag für zweckmäßige ausgewählte größere Bemessung, z. B. einige Kanäle und Rohrleitungen 0,4 Mio EUR
Kalkulierte Gesamtkosten dieser Bemessungsvariante 10 Mio EUR
Potentialzuwachs – Volumen der biologischen Stufe (BB + NK) 50,0%
Mehraufwand für diesen Volumenzuwachs 1,3 Mio EUR
Mehraufwand für den Volumenzuwachs der biologischen Stufe 15%

Die finanziellen Konsequenzen auf der Grundlage einer einfachen Schätzung sind aus der Tabelle ersichtlich.

Zur Erläuterung: Angenommen, eine Kläranlage für 50 000 EGW soll 8,7 Mio EUR kosten. 30% = 2,6 Mio EUR dieser Summe werden für die kompletten Belebungs- und Nachklärbecken veranschlagt. Man beabsichtigt, ein zusätzliches Leistungspotential von 50% für das Volumen von Belebungs- und Nachklärbecken vorzuhalten. Mit Hilfe einer Kostendegression von 0,70 lassen sich für die größere Dimensionierung für o. g. Positionen Kosten in einer Höhe von 3,5 Mio EUR kalkulieren. Eine weitere Vorhaltung von Mehrleistungen, z. B. für ausgewählte Kanäle, wird in einer Höhe von 0,4 Mio EUR veranschlagt, so dass die Vergrößerung der Leistung der Belebungs- und Nachklärstufe insgesamt eine Kostensteigerung um 15% verursacht. Das sind nur 1,3 Mio EUR einmalige Mehrkosten für ein zusätzliches Leistungspotential von 50 %! Ein sehr günstiges Angebot, das man auch privat nutzen würde. Am besten vergleichbar damit, dass für nur 15 % Urlaubspreiserhöhung der Bauch nicht 2 Wochen, sondern 21 Tage im Urlaub in der Sonne liegt.

Größere Reinigungsvolumen führen zu dem betrieblichen Vorteil der stabileren Fahrweise und einer hohen Anpassungsfähigkeit im Vergleich zu minimierten Beckenvolumina.

Die Schaffung größerer Volumenreserven erlaubt es, gegebenenfalls die Anlage anfangs als simultane Schlammbehandlung zu betreiben. Mit Zunahme der Abwasserbelastung – ab einem bestimmten Zeitpunkt – muss dann an eine externe Nachstabilisierung – aerob oder anaerob – gedacht werden. Das bedeutet aber, dass zusätzliche Belebungs- und Nachklärbecken nicht gebaut werden müssen und dafür keine umfangreichen Investitionen anfallen. Damit werden schließlich Bemessungsrisiken der Schlammbehandlung reduziert, weil mit späterer Bemessung sicherlich auch hinreichende Informationen über die Schlammeigenschaften vorliegen.

Hinsichtlich momentan anstehender Investitionsentscheidungen erlauben die zurzeit niedrigen Baupreise eine besonders günstige Schaffung von Reinigungsvolumen.

Folgende wesentliche Vorteile dieser Konzeptionsvariante zeichnen sich ab:

  • Sollte eine bedeutende Leistungssteigerung der Kläranlage, z. B. im Ergebnis der Ansiedlung eines Starkverschmutzers, notwendig werden, so können innerhalb von 2-3 Monaten meist sehr kurzfristig die Voraussetzungen geschaffen werden.
  • Eine gewisse Leistungssteigerung ist schon durch einfaches Anheben der Belebtschlammkonzentration unkompliziert und in einem gewissen Grade immer möglich.
  • Bei der Belüftungsleistung ist zu beobachten, dass die Kläranlagen in aller Regel über Reserven beim Sauerstoffeintrag verfügen und so eine Belastungszunahme leichter kompensieren können, was eine deutliche Leistungssteigerung u. U. ohne zusätzliche Investitionen begünstigt.
  • Eine Leistungssteigerung der Belüftung ist in aller Regel weniger aufwendig und weniger kompliziert als außerdem die Schaffung von Beckenvolumen.
  • Die nachträgliche Schaffung von bedeutenden Beckenkapazitäten auf einer vorhandenen Kläranlage bei laufendem Betrieb ist oft eine komplizierte und meist um vieles aufwendigere Angelegenheit, als wenn diese Volumina gleich während des ersten Baus der Kläranlage mit berücksichtigt werden.

Für den Fall, dass die Anforderungen nach § 7 (a) Wasserhaushaltsgesetz schrittweise zu erfüllen sind, z. B. speziell in Sachsen, bieten sich u. a. 2 Varianten an:

  • Konzipierung der Belebungsbecken für die biologische Grundreinigung derart, dass diese Becken später zur vorgeschalteten Denitrifikation genutzt werden können.
  • Konzipierung der dynamischen Ausbaualternative erst bei Nachrüstung einer Denitrifikation.

Grundsätzlich ist besonders zu beachten, dass es bei der Kläranlagenmodernisierung kein allgemeingültiges Rezept bzw. eine a.a.R.d.T. gibt. Der Autor ist geneigt anzunehmen, dass wohl jedes Konzept eine Einzelfallbetrachtung verdient. Der Grund liegt einfach darin, weil die Wahl der günstigen Endlösung einer hohen Zahl von Einflussfaktoren unterliegt und es höchst unwahrscheinlich ist, dass z. B. die Ausgangsbedingungen und die Zielkomponenten von 2 zu vergleichenden Kläranlagen völlig identisch sind. Im Übrigen würde dies auch der Investitionslehre und den Erfahrungen völlig widersprechen. Insofern ist es also klug, wenn das Regelwerk in diesem Punkt so verstanden wird, wie es auf jedem Arbeitsblatt zu lesen ist: „…Das Regelwerk ist nicht die einzige, sondern eine wichtige Erkenntnisquelle für fachgerechte Lösungen von Aufgabenstellungen der Abwasser- und Abfalltechnik im Normalfall…“ Wo aber finden wir bei einem Kläranlagenbau schon den Normalfall?

Übrigens ist die genannte Kapazitätsreserve von 50 % nur aus Gründen der Veranschaulichung gewählt, denn Übertreibung veranschaulicht. Möglicherweise ist man mit weniger Reserven meist auch schon ganz glücklich und zufrieden. Schließlich kann genauso eine Kombination der o. g. 3 grundsätzlichen Ausbaumöglichkeiten untereinander eine zweckmäßige und interessante Lösung sein.

Und um mit John Ruskin abzuschließen

„Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.“

Erschienen in der Korrespondenz Abwasser 1997, Heft 5

Ergänzung und Nachtrag am 29.10.1999 zu ausgewählten Problemkreisen

Bei einer Minderung der Abwassermenge vergrößert sich in aller Regel das Belebungsbeckenvolumen, weil damit weniger Stickstoff aus der Anlage „herausgespült“ werden darf und damit die Kläranlage mehr Stickstofffracht eliminieren muss.

Andererseits reduziert sich das Vorklär- und Nachklärbeckenvolumen.

Ohne weitere Berechnung kann man vermuten, dass eine gravierende Kostenänderung bei einer Reduzierung der Abwassermenge in gewissen Grenzen natürlich keine erhebliche Kostensenkung verursachen wird. Das liegt auch darin begründet, weil das Beckenvolumen das preiswerteste Element einer Kläranlage ist.

Die Betriebskosten könnten etwas ansteigen, da bei geringeren Abwassermengen mehr Energie für die Stickstoffentfernung benötigt wird. Die Energiekosten für die Abwasserhebung dürften sich jedoch reduzieren.

Insgesamt gesehen werden auch hier keine kostenmäßigen Überraschungen erwartet, weil im Verhältnis zu den recht erheblichen Energiekosten für die Belüftung die Energiekosten für die Abwasserhebung eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Eine Vergrößerung der Abwassermenge führt analog zu einer Verkleinerung der Belebungsbecken.




Risikominimierung

Typisch für die neuen Bundesländer ist, dass zunächst weniger eine aufwendige Betriebsführung zu einer Kostenexplosion bei der Abwasserentsorgung führt, sondern diese ist in erster Linie auf riskante Investitionsentscheidungen zurückzuführen.

Investitionsentscheidungen der Verbände und Kommunen stellen sich meist deshalb als falsch heraus, weil die Wirtschaftlichkeit abwassertechnischer Lösungen mit ungenügenden Rechenmethoden ermittelt wurde. In der Regel wurde und wird auch heute noch gegen das grundlegendste und einfachste Gesetz der Investitionslehre verstoßen:

Jede Investition beinhaltet grundsätzlich Risiken!

Dieser Beitrag gilt für Investitionen oder Entscheidungen, die Auswirkungen auf die Betriebskosten haben – für Unternehmen, Kommunen und Verbände gleichermaßen.

Investitionsentscheidungen sind immer unsichere Entscheidungen. Ein Unternehmen, Kommunen oder Verbände geben heute Geld aus und hoffen, die Investition morgen refinanzieren zu können.

Im Unterschied zu den Kommunen und Verbänden ist den Unternehmen die Problematik des Entscheidungsrisikos geläufiger.

Kollektiven Investitionsentscheidungen haftet oftmals der Makel von riskanten Entscheidungen an, weil u. a. Investitionen im Abwasserbereich meist langfristige Investitionen sind und es durchaus normal ist, dass Entscheidungsträger wechseln, Sachentscheidungen politisch-wirtschaftlichen Einflüssen unterliegen und die Strategie sowie Kontrolle unkontrolliert Dritten überlassen wird. Entscheidungsträgerkollektive haben seltener persönliche Konsequenzen ihrer Fehlentscheidungen zu befürchten und neigen sicher auch deshalb häufiger zu riskanten und unüberlegten Entscheidungen – so zeigt es jedenfalls die Geschichte vieler Abwasserinvestitionen in den neuen Bundesländern.

Hier ist ein Ansatzpunkt für ortsansässige Unternehmen. Sie sollten möglichst rechtzeitig auf derartige riskante kommunale und verbandliche Entscheidungen hinweisen, indem sie u. a. die negativen Konsequenzen auf die Unternehmen darstellen und ihre Erfahrungen bei der Investitionsvorbereitung mit einbringen.

Im Grunde ist es so, dass der Investitions- und Dienstleistungsdrang einer Unternehmensgruppe in der Regel die Kosten einer anderen Unternehmensgruppe mit beeinflusst.

Ungünstig für das Anliegen der neuen Bundesländer ist die eingeschränkte Möglichkeit der Fehlerkorrektur durch die Entscheidungsträger selbst, weil damit auch die Schuldfrage als Nebenprodukt geklärt werden könnte. Nachteilig ist dies insofern, weil nur aus einer Ursachenanalyse ein Heilungskonzept für Fehlinvestitionen erarbeitet werden kann. Somit ist es häufig, dass Fehler und Mängel nur halbherzig oder gar nicht korrigiert werden.

Nachteilig nicht nur für die Unternehmen ist außerdem, dass ein Verband oder eine Kommune gar nicht gezwungen ist, wirtschaftlich zu arbeiten. Er oder sie muss nur kostendeckend arbeiten und das ist eben im Vergleich zur „freien Wirtschaft“ ein entscheidender Unterschied.

Aus Prüfungen in anderen Bundesländern ist bekannt, dass selbst große Verbände mit vermeintlich günstigen Abwasserkosten um 100 % überhöhte Betriebskosten aufweisen. Das sind Tatsachen, die kostenrelevante Entscheidungen zusätzlich unsicher machen und eine Ursache dafür sind, dass kleine Kommunen größere Abwasserzweckverbände verlassen, weil sie Bedenken vor einer nicht mehr steuerbaren Kostenentwicklung haben.

Das beträchtliche Risiko am Beispiel einer Kläranlageninvestitionsentscheidung lässt sich relativ unkompliziert an einem Fall verdeutlichen, in dem der Einfachheit halber angenommen wird, für die Refinanzierung der Kläranlage seien nur 3 Ereignisse erforderlich, die gleichzeitig eintreten müssen, um keine Gebührenunterdeckung zu riskieren:

  • Die für die Kläranlageninvestition maßgebend berücksichtigten industriellen Abwassereinleiter bleiben während der gesamten Abschreibungsdauer der Kläranlage dem Abwasserentsorgungsverpflichteten als Refinanzierungspotenzial erhalten. (D. h., die Unternehmen gehen nicht konkurs oder wechseln einfach den Wirtschaftsstandort.)
  • Die in Aussicht genommenen Verbandsgemeinden „bleiben bei der Stange“.
  • Es gelingt auch tatsächlich, alle für die Finanzierung in Aussicht genommenen Grundstückseigentümer hinreichend schnell (!) an die Kläranlage anzuschließen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass jedes der 3 Ereignisse auch tatsächlich für sich eintritt, wird optimistisch mit 80 % bewertet.

Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung resultiert die Gesamtwahrscheinlichkeit aus dem Produkt der Einzelwahrscheinlichkeiten demnach zu nur 51 %. Wenn dann z.B. noch als 4. Kriterium, von dem man sich wünscht, dass es eintritt, der damals mit 150 l/Ed angenommene Wasserverbrauch sich nicht auf den heute aktuellen Wert von 70…90 l/Ed reduzieren darf, dann beträgt die Gesamtwahrscheinlichkeit, dass eine Refinanzierung gelingt, 40 % und spiegelt damit die Situation anschaulich wider, in der sich viele Verbände der neuen Bundesländer gerade befinden!

Das Gesamtinvestitionsrisiko ist dadurch zu senken, indem weniger investiert wird und die Investitionen in nutzungsfähige Einzelabschnitte unterteilt werden, deren Refinanzierung durch die Bürger abgesichert sein muss.

Es wird deshalb geraten, sich durch rechtzeitige Fallunterscheidungen und Analysen nicht monetärer Entscheidungsaspekte leidenschaftslos einen Überblick von den tatsächlichen Risiken zu verschaffen.

Nicht die Ereignisse – für den Fall, dass alle Annahmen und Wünsche eintreten – sind in erster Linie relevant, sondern bedeutungsvoll ist primär, was passiert, wenn die ungünstigen Ereignisse Realität werden!

Solche Betrachtungen haben natürlich nur Sinn, wenn sie vor den Investitionsentscheidungen angestellt werden.
Insofern sollte sich auch ein Abwasserzweckverband von einer einfachen zu einer komplizierteren Lösung über einen längeren Zeitraum entwickeln, wobei sich der Kompliziertheitsgrad in Grenzen halten muss!

In den neuen Bundesländern zeichnet sich deutlich ab, dass die

  • Arbeitslosigkeit,
  • fehlende gewerbliche und industrielle Entwicklung,
  • sehr geringe Finanzkraft der Gemeinden,
  • ungenügende Höhe von Eigenkapital,
  • keine Zeit für Eigenkapitalbildung,
  • Risiko des Rückganges der Bezuschussung,
  • Bedenken hinsichtlich der Komplexität der angefangenen Investitionen,
  • noch nicht hinreichende Erfahrungen in den Kommunen, Abwasserzweckverbänden und auch der Unternehmen bei der Investitionssteuerung, insbesondere von Abwasseranlagen

    zu den allgemeinen nicht monetären Aspekten und allgemeinen Risikofaktoren gezählt werden können.

    Uwe Halbach




    Kostenbeeinflussung

    Kostenbeeinflussung

    Grundsätzlich sind zu nennen:

    • Vermeidung der Errichtung von Kläranlagen, „die gleich alles können!“ (Investitionsrisiko wird dadurch minimiert!)
    • Verhinderung von planungsseitigen bzw. lieferorientierten „Schubkastenlösungen“
    • Führen eines rechtzeitigen und konstruktiven Dialoges mit der Behörde bzw. Kommune oder Verband über eine Reduzierung des Investitionsrisikos
    • Der Technologietransfer ohne Berücksichtigung der besonderen Bedingungen in den neuen Bundesländern führte und führt zu uneffizienten Abwasserentsorgungslösungen.
    • Senkung der Betriebskosten, insbesondere der Bedienungskosten, durch entsprechende Untersuchungen (Arbeitsplatzstudien) und praxiswirksame Umsetzung der Untersuchungsergebnisse.
    • Der Wunsch, die Finanzierung einer nicht ausgelasteten Kläranlage, die im Ergebnis eines riskanten Abwasserzielkonzeptes entstand, dadurch auszulasten, dass weitere Gemeinden an die Kläranlage angeschlossen werden, birgt die Gefahr, dass die Verschuldung der Unternehmen und Bürger damit weiter zunimmt, weil insbesondere im ländlichen Raum die Kläranlage im Verhältnis zu den Kosten der meist noch zu bauenden Ortsnetze und Verbindungssammler beinahe vernachlässigbar sind.

    Umfangreiche Hinweise zur Kostenbeeinflussung können unserem Handbuch „Kommunale Abwasserbeseitigung – Normative Kosten und Risikoabbau“ entnommen werden.

    Uwe Halbach




    Das Risiko des Sparens ohne Augenmaß

    Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

    Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen.

    Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld.

    Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

    Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten.

    Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.“

    JOHN RUSKIN
    engl. Sozialreformer (1819-1900)




    Buchbesprechung – Kommunale Abwasserbeseitigung – Normative Kosten und Risikoabbau

    Buchbesprechung

    Kommunale Abwasserbeseitigung – Normative Kosten und Risikoabbau

    3. überarbeitete Auflage
    Herausgeber: Institut für Wasserwirtschaft Halbach
    Eigenverlag 2003

    235 Seiten 56 Diagramme 38 Abbildungen 36 Tabellen
    Preis: 39,80 + Versandkosten
    Bezug: Institut für Wasserwirtschaft Halbach, Schloßstraße 2, 08412 Werdau, boxATinstitut-halbach.de

    Das von U. Halbach herausgegebene und von ihm sowie Mitarbeitern des Instituts Halbach und zwei externen Rechtsanwälten verfasste Buch bietet eine Fülle von Informationen nicht nur zu den Kosten der Abwasserbehandlung, sondern auch zu Spezialthemen wie Cross-Border-Leasing oder Risikoabschätzung verschiedener technischer Varianten über eine reine Kostenvergleichsrechnung hinaus. Weitere behandelte Themen sind dezentrale Lösungen versus Anschluss an eine zentrale Anlage, verschiedene Beispiele der Kontrolle bei Bau und Betrieb, Outsourcing, Privatisierung, Public-Private-Partnership, Nährstoffeliminierung und Gewässerschutz oder Abwasserabgabe. Das Buch ist ein nützliches und wertvolles Instrument insbesondere für Gemeinden und Zweckverbände, aber auch für beratende Ingenieure oder betroffene Bürger. Eine wichtige Informationsquelle, die bezüglich der Kosten sicher von Zeit zu Zeit angepasst werden muss, aber in den anderen Teilen, soweit es keine gesetzlichen Veränderungen gibt, langdauernde Gültigkeit besitzt und daher den interessierten Personen und Institutionen zu empfehlen ist.

    W. Hegemann

    Quelle: Fachzeitschrift gwf aus 2003, Heft 10, S. 675




    Kommunale Risiken der Abwasserentsorgung im ländlichen Raum

    Manuskript für die Fachzeitschrift „Wasser-Abwasser-Praxis“ (erschienen im Oktober 1997)

    Kommunale Risiken der Abwasserentsorgung im ländlichen Raum

    Dipl.-Ing. (FH); Dipl. Ök. Uwe Halbach, Institut für Wasserwirtschaft Halbach – Werdau (Sachsen)

    Download des Beitrages mit Diagrammen und Tabellen

    Inhalt:

    • Abwasserableitung
    • Abwasserzweckverband – ein Risikofaktor?
    • Beratung und Planung
    • Das Risiko an sich
    • Ein Abwasserteich oder 250 Hauskläranlagen?
    • Fördermittelproblematik
    • Geringe Besiedlungsdichte
    • Minimierung der Nachteile
    • Preiswerte Lösungen im ländlichen Raum
    • Privatisierung mit Tücken
    • Regenwasserableitung
    • Riskante Kostenvergleiche
    • Riskante Refinanzierung
    • unbelüfteter Abwasserteich
    • Literatur

    Zusammenfassung

    Risikominimierung bedeutet, die ländliche Abwasserentsorgung als komplexen, dynamischen aber auch riskanten Refinanzierungsprozess zu verstehen. Dieser mehrjährige Prozess ist von inneren und äußeren Faktoren in unterschiedlichem Maße beeinflussbar. Der Refinanzierungsumfang wird in der Regel auch von Dritten beeinflusst und ist technisch oder „wirtschaftlich“ nicht immer nachzuvollziehen oder gar vernünftig. Unbedingt zu beachten ist, dass erst dann kostenerhebliche Entscheidungen gefällt werden dürfen, wenn nicht nur die ungünstigen Ereignisse hinreichend bekannt sind, sondern wenn den unerwünschten Konsequenzen entsprechend begegnet werden kann.

    Auf Grund der geringen Siedlungsdichte wirken sich unzweckmäßige Entscheidungen viel gravierender aus als in der Stadt. Reine abwassertechnische Probleme sind im ländlichen Raum eher sekundär.

    Bei der Suche nach Lösungen für die Abwasserentsorgung im ländlichen Raum kann auf einen beachtenswerten Literaturfundus zurückgegriffen werden. Am technischen Know-how liegt es in der Regel nicht, wenn die ländliche Abwasserentsorgung gegenüber der städtischen viel häufiger in die Schlagzeilen gerät, z.B.: „Niedersachsen – Landvolk geplündert“ [FOCUS 38/1993] oder „Dorfchefs ziehen die Notbremse: Sieben wollen raus aus dem Verband“ [Volksstimme Sachsen-Anhalt, 15.08.1995] oder „Wasserverband von allen Seiten unter Beschuss – Von kommunaler Solidarität ist im AZV Lugau-Glauchau nichts mehr zu spüren“ [Freie Presse Sachsen, 08.07.1997]….

    Auffallend ist, dass überwiegend der ländliche Bereich betroffen ist und hier besonders Siedlungen, die ihre Kanalisation sowie die Kläranlage neu und komplex errichteten. Dabei drängt sich die Frage auf, warum es uns bei einem derartig hohen Stand der Abwassertechnik und sonstigen Potentialen nicht gelingt, die Abwasserentsorgung eines „simplen Dorfes“ in den Griff zu bekommen? Im Laufe des Artikels wird analysiert, dass die Ursachen weniger im technischen Bereich liegen, sondern in riskanten oder gar falschen Investitions-Refinanzierungskonzepten und eben solchen Investitionsentscheidungen zu suchen sind. Ein weiterer Grund wird wohl auch darin bestehen, dass Bestrebungen zur Umsatzsteigerung der Umweltindustrie und -dienstleistung mehr Kondition beweisen, als Bemühungen der Kommunen zur Konzentration des Aufwandes auf das unbedingt Notwendige. Dieser Beitrag will sich aber mehr den unmittelbar beeinflussbaren Aspekten zuwenden, ausgewählte Risikofaktoren analysieren und Wege zu deren Minimierung aufzeigen. Dabei wird dargelegt, dass der ländliche Raum durchaus noch beträchtliche Potentiale für die Gestaltung einer günstigen Lösung erschließen kann.

    Das Problem – von Ausnahmen abgesehen – besteht darin, dass die Refinanzierung der Investitionen sich viel umfangreicher und komplizierter herausstellte, als gemeinhin angenommen wurde, wobei man auf mögliche unerwünschte Ereignisse in keiner Weise vorbereitet war oder deren Eintreten ins Kalkül zog. Das gilt grundsätzlich für kommunale oder verbindliche Investitionen und in gleichem Maße für die Vergabe von Dienstleistungen oder die Verursachung von Betriebskosten. Der Unterschied zwischen großen Entsorgungsstrukturen zum ländlichen Raum besteht einzig und allein darin, dass eine ungeschickte Investition hier eher auffällt und ans Tageslicht gelangt, als beispielsweise in einer größeren Stadt, in der eine Fehlinvestition von z. B. 10 Mio. DM nur eine Gebührenerhöhung im Pfennigbereich nach sich ziehen wird. Tatsache ist, dass die Städter in der Summe gesehen viel mehr an unnötigen Kosten für die Abwasserentsorgung bezahlen als der ländliche Raum. Das vermeintlich bessere Management in einem großen Verband erscheint eher als Zweckbehauptung und Ausnahme, wenn die Kosteneffizienz einmal genau unter die Lupe genommen wird.

    Das Risiko an sich

    Wie ist nun das Investitionsrisiko zu fassen? Einmal kann sich das Risiko darin zeigen, dass der Gebrauchswert nur teilweise oder gar nicht gewährleistet wird. Zweitens können bei gegebenem Gebrauchswert die geplanten Kosten überschritten werden. Drittens können die geplanten Refinanzierungsmöglichkeiten nicht in vollem Umfang eintreten. Und viertens sind Kombinationen und gegenseitige Beeinflussungen aus den 3 genannten Fällen vorstellbar und zu beobachten.

    Die Kommune gibt also einmalig Geld aus, verursacht laufende Kosten und hofft, diese Aufwendungen über den Bürger refinanzieren zu können. Vergleiche zum Roulettspiel sind nicht ganz abwegig. Der eigentliche Akt ist ein Investitionsprozess, wobei es hinsichtlich der Auswirkungen und des Risikos fast unbedeutend ist, ob eine Kommune eine Straße ausbaut, eine Brücke oder einen Kanal errichtet. In dem Moment, in dem sie investiert, läuft sie Gefahr, dass Refinanzierungsschwierigkeiten auftreten können oder andere Risiken (falsche Grundlagen, technische Mängel, ungenügende Auslastung…) Gestalt annehmen. Ein Wesensmerkmal jeder Investition besteht in dem selten beachteten Grundrisiko. Denn – gäbe es Investitionen mit Null-Risiko, könnte jeder Millionär werden.

    Das Risiko hat eine bemerkenswerte Eigenschaft. Die Einzelrisiken von Ereignissen multiplizieren sich zum Gesamtrisiko, man spricht deshalb auch von Risikofaktoren. Das ist sicher ein Grund, warum eine Refinanzierung so selten planmäßig und komplikationslos verläuft. Im Zusammenhang damit mag stehen, dass Investitionsentscheidungen menschliche Entscheidungen sind. Und menschliche Entscheidungen sind nicht immer berechenbar. Es ist also ratsam für die Kommunen, auch der Untersuchung des Risikos künftig mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das ist unbequem und aufwendig, aber notwendig, wenn das Risiko eines Millionenverlustes minimiert werden kann. Für den kommunalen Auftraggeber – insbesondere im ländlichen Raum – ist nicht die planerische vorgerechnete Wirtschaftlichkeitsuntersuchung wichtig. Wichtig ist zu allererst – wenn man die Erfahrungen an der Abwasserentsorgung gescheiterter Verbände und Kommunen analysiert -, dass die kommunalen Entscheidungsträger rechtzeitig wissen, was passiert, wenn durchaus mögliche, aber unerwünschte Ereignisse Realität werden. Die Risiken lassen sich u.a. durch Risikoanalysen mit Fallunterscheidungen graphischer, nicht monetärer Bewertungsverfahren veranschaulichen und ggf. auch kalkulieren. Im folgenden werden ausgewählte Risikofaktoren erörtert.

    Geringe Besiedlungsdichte

    Hier sind 2 Aspekte besonders bedeutungsvoll. Erstens steigen spezifischen Abwasserkosten progressiv mit der Reduzierung der Siedlungsdichte. Eine Abwassergebühr, gerechnet ohne Fördermittel und Beiträge zwischen 17 und 23 DM/m³ ist bei einer Siedlungsgröße von 1000 Einwohnern daher ganz seriös und durchaus reell.

    Eine erste Abschätzung der Kosten, die zu refinanzieren sind, ist mit der Tabelle möglich. Zum Verständnis: Eine Gemeinde soll über 1000 Einwohner verfügen. Recht preiswert geplant ist eine Schmutzwasserkanalisation (Trennsystem) mit einem Abwasserteich für insgesamt 6 Mio. DM. Die Abwasserkosten, gerechnet ohne Förderung und Beiträge werden nach Diagramm [4] in einer Höhe von 12 DM/m³ abgelesen. Kleinere Siedlungen können aber schnell 20 … 30 DM/m³ Abwasserkosten (nicht Gebühren!) verursachen, wenn auch noch die Betriebskosten berücksichtigt werden, ohne dass die Planung unseriös sein muss.

    Zweitens wirken sich unzweckmäßige und uneffiziente Investitions- und natürlich auch Betriebskostenentscheidungen viel gravierender aus als in der Stadt. Damit sind ländliche Gemeinden gezwungen, ihre Abwasserentsorgung ganz besonders preiswert zu gestalten.

    Ein weiterer risikoverschärfender Aspekt bei der kommunalen Abwasserinvestition im ländlichen Bereich besteht darin, dass aufgrund der komplizierten Refinanzierungsmodalitäten (gemäß Kommunalabgabengesetz) ein schrittweiser Ausbau der Abwasserinfrastruktur hier oft nicht möglich ist, weil bei einem schrittweisen Ausbau meist zunächst verhältnismäßig viele nicht nutzbare Investitionen entstehen. Die bereits nutzbaren Investitionen können daher nur von einem Bruchteil der Bürger refinanziert werden, die auch einen Vorteil davon haben. Aus diesen Gründen müssen ländliche Gemeinden im Sparen und Rechnen besonders gut sein und sind gezwungen, ihre Abwasserentsorgungslösungen in einem Zuge zu realisieren, um schnell einen hohen Anschlussgrad zu gewährleisten. Dabei darf aber der Gebrauchswert nicht leiden, denn der Ärger über die schlechte Qualität hält länger als die Freude über den niedrigen Preis.

    Neben der Analyse und Beachtung der Risikofaktoren gibt es einen weiteren Weg, das Risiko zu minimieren; indem der Refinanzierungsbedarf und damit ein möglicherweise eintretender Verlust reduziert wird. Zu beachten ist weiterhin, dass bei extremer Sparsamkeit das Risiko steigt, alles zu verlieren, wenn das gewünschte Werk die Gebrauchswerteigenschaften nicht erzielt.

    Riskante Refinanzierung

    Eine weitere, aber mittelbare Ursache gescheiterter kommunaler Abwasserentsorgung ist die Anwendung des Solidarprinzips bei der Gebührenkalkulation. Nach diesem Refinanzierungsmodus gibt es im Abwasserzweckverband nur eine einheitliche Abwassergebühr. Das Spezifische im Verband ist aber, dass die Aufwendungen für die Abwasserentsorgung der einzelnen Gemeinden um den Faktor 10 unterschiedlich sein können. Der Vorteil für den ländlichen Bereich liegt dann darin, dass z.B. von 20 DM/m³ Abwasserkosten die Städter 15 DM/m³ im ländlichen Bereich mit bezahlen. Der Nachteil besteht darin, dass der Städter irgendwann damit nicht mehr einverstanden ist, wenn er ohne den ländlichen Bereich deutlich niedrigere Abwasserkosten hätte. Da der Gebührenbogen inzwischen auch von anderen Ver- und Entsorgungsträgern immer mehr überspannt wird, ist der Städter zunehmend nicht mehr damit einverstanden, die hohen Abwasserkosten im ländlichen Raum mit zutragen. Man erkennt es daran, dass sich in steigendem Maße die Städte aus den Solidarverbänden verabschieden. Festzustellen ist, dass eine Solidargebühr dann ein geringes Refinanzierungsrisiko beinhaltet, wenn die Mehrzahlungen durch die Städter sich im Rahmen halten. Zum Scheitern verurteilt ist meist ein Verband, der ausschließlich aus ländlichen Gemeinden besteht, es sei denn, man drückt ihm so viele Fördermittel auf die Augen, dass alle Entscheidungsträger für genügend lange Zeit blind sind.

    Ein rein ländlicher Verband kann seine hohen spezifischen Kosten nicht auf Städter abwälzen, denn 20 arme Gemeinden machen noch lange keinen reichen Verband. Für einen rein ländlichen Verband besteht – genau wie für eine einzelne ländliche Gemeinde – immer die Schwierigkeit, dass sofort refinanzierungsfähige (nutzungsfähige) Investitionsabschnitte geschaffen werden müssen. Stellen wir uns ein Beispiel vor: Ein ländlicher Abwasserzweckverband mit 20 Gemeinden benötigt Ortsnetze und Kläranlagen.

    Fall 1: Man baut eine zentrale Kläranlage: Bis alle Ortskanäle, Verbindungssammler gewährleisten, dass alles Abwasser des Verbandes an der zentralen Kläranlage ankommt, dürften 20 Jahre vergehen. In den ersten 3 Jahren hat man vielleicht schon 15 Millionen investiert.

    Wer soll diese Summe nun refinanzieren? Natürlich die Bürger des Verbandes, die den Vorteil des Anschlusses an die Abwasserentsorgung schon genießen! Oder in Form einer Mitfinanzierung über Umlagen der Gemeinden, die erst im 19. Jahr ihre Abwässer zur zentralen Kläranlage leiten können? Man erkennt die Unzweckmäßigkeit dieses Konzeptes. Es wird aus Refinanzierungsgründen scheitern.

    Fall 2: Jede Gemeinde erhält eine eigene Ortskläranlage. Diese Konzept hat den Vorteil, dass im Fall eines Verbandskollapses vollendete nutzungsfähige refinanzierbare Investitionen wenigstens in einigen Gemeinde bestehen.

    Das große Refinanzierungsrisiko beim Solidarprinzip besteht darin, wenn sich alle Beteiligten tatsächlich solidarisch und „sozialistisch“ verhalten. Jeder denkt dann: Meine Kosten werden die anderen schon mit tragen. Der erforderliche persönliche Einsatz und die Verantwortlichkeit zur Kostenreduktion und -beeinflussung ist in einem großen Solidarverband deshalb deutlich geringer und weniger erfolgreich als in einer kleinen Gemeinde.

    Auf das Risiko und die Problematik der Refinanzierung haben u.a. folgende Aspekte Einfluss:

    • Bereits vorhandene und geplante Verschuldung der Bürger
    • Alter von bestehenden Anlagen (Restbuchwerte)
    • Erforderlicher neuer Investitionsbedarf
    • Ansteigen der Betriebskosten infolge der Investitionen
    • Bereitschaft der Bürger für das Finanzieren weiterer Kostenbelastungen
    • Wahrscheinlichkeit des planmäßigen Fördermittelflusses
    • Finanzkraft des Gewerbes
    • Belegung der Gewerbegebiete
    • Koordinierung der Investitionen im Kanalbau und zur Abwasserbehandlung

    Grundsätzlich geht es darum, die Abwasserentsorgung nicht als technisches Problem zu verstehen – denn es gibt im ländlichen Raum keine nennenswerten technischen Unklarheiten, sondern die Abwasserentsorgung ist als komplexe Investition zu begreifen, die mit den zulässigen Mitteln des jeweiligen Kommunalabgabengesetzes sicher und dynamisch über viele Jahre refinanziert werden muss.

    Eigentlich bedarf es keiner besonderen Erwähnung darauf hinzuweisen, dass Investitions- und Betriebskostenentscheidungen erst dann zu fällen sind, wenn der Refinanzierungsplan für die nächsten 10 Jahre klar ist!

    Ungünstige Erfahrungen mit der Solidargebühr haben eine Reihe Verbände mit großem Investitionsbedarf machen müssen, weil es nicht gelingen kann, alle Investitionsvorstellungen der Verbandsmitglieder gleichzeitig zu befriedigen. Damit ist Streit praktisch vorprogrammiert.

    In den neuen Bundesländern war das überwiegende Solidarprinzip ein wesentlicher Faktor für viele unbedachte Entscheidungen mit weitreichenden finanziellen Konsequenzen.

    Er war eben der bequemste Anfang, denn eine Stufengebühr verlangsamt den Investitionsprozess schon dahingehend, dass beispielsweise bei Wirtschaftlichkeitsdiskussionen im Rahmen der ländlichen Abwasserentsorgung immer wieder das Argument zu hören ist: „Wenn wir unsere Abwasserentsorgung selbst bezahlen sollen, dann können wir es auch sein lassen!“ Heute wünscht man sich, jemand hätte den Mut vor jedem Investvorhaben gefunden, die tatsächlichen vom Land verursachten Kosten – bis hin zur Gebührenwirksamkeit – durchzurechnen und dem Bürger mitzuteilen. Insofern ist gerade im Vorfeld – also in der Vorbereitungsphase einer Investition – eine Kalkulation nach dem Stufenprinzip dem Kostenverständnis der Entscheidungsträger eher dienlich, als das bequeme – die Kostenursachen verschleiernde – Solidarprinzip. Werden alle Investitionen derart vorbereitet, dann gibt es auch bei der späteren richtigen Gebührenkalkulation nach dem Solidarprinzip kein böses Erwachen. Es gilt nun zu entscheiden, ob das Investvorhaben mit der ermittelten „fiktiven Gebührenbelastung“ als Stufengebühr tatsächlich realisiert werden kann. Welche Fördermittel müssten fließen, wie hoch wären die Beitragssätze, welche Auswirkungen hätte das alles auf die Entwicklung der Solidargebühr im Verbandsgebiet und vor allem ist die zusätzliche vom Städter nicht verursachte Kostenbelastung diesem noch zuzumuten? Sind politische Spannungen innerhalb das Verbandes wahrscheinlich, die zu einem Umdenken der städtischen Abgeordneten und zur Besinnung auf die eigene Wählerschaft führen könnten?

    Fördermittelproblematik

    Mit Fördermitteln wird dem Verband nicht immer geholfen. Sie können auch schaden, wenn sie als „Rauschmittel“ wirken und das klare Denken beeinträchtigen. Mit ihnen ist die Effektivität oder Zweckmäßigkeit einer Zweckverbandes oder Zweckmäßigkeit einer abwassertechnischen Lösung manipulierbar geworden. Gäbe es keine Fördermittel, wären die Zweckmäßigkeit und Effektivität kommunaler Entscheidungen schneller zu ermitteln. Jeder wäre automatisch gezwungen, nur so große Brötchen zu backen, die er tatsächlich bezahlen und verzehren kann. Damit reduziert sich das Investitionsrisiko von selbst um ein Vielfaches. Fördermittel verleiten zu riskanten übereilten Entscheidungen, wobei oft übersehen wird, dass trotz Förderung die Kosten nach der Investition meist deutlich höher sind als vorher. In den letzten beiden Jahren hat sich der positive Trend der fördermittelbereitstellenden Behörden deutlich verstärkt, dieser Tendenz über entsprechende Regulative entgegenzuwirken (Kostenkataloge, neue Förderrichtlinien, Kontrollmechanismen).

    Privatisierung mit Tücken

    Die Privatisierung der Abwasserbehandlung ist grundsätzlich eine interessante Sache. Sie kommt interessanterweise besonders dann ins Gespräch, wenn durch Investitionen Tatsachen geschaffen wurden, die nun vom Haushalt nicht mehr finanzierbar scheinen oder wenn noch wenig verschuldete Gemeinden Angst vor den künftigen Investitionen haben und glauben, durch Privatisierung das Problem lösen zu können. Und der Staat glaubt, durch Privatisierung den Haushalt entlasten zu können. Das ist prinzipiell auch zu erwarten. Jedoch ist das Risiko, dass der Bürger letzten Endes langfristig dennoch mehr Kosten zu tragen hat, kaum kalkulierbar. Eigentlich wird nur das Problem und die Verantwortlichkeit transferiert. Dabei steigt allgemein die Gefahr mit der Komplexität und Unübersichtlichkeit der geplanten Privatisierungsaufgaben. Komplexe Privatisierungen im ländlichen Raum sind wenig lukrativ für den künftigen Betreiber. Deshalb wird auch hier versucht, möglichst viele Gebührenpflichtige zu konzentrieren. Für Entscheidungen darüber gilt sinngemäß die Risikoanalyse in diesem Beitrag. Wenn die unerwünschten – aber möglichen -Nachteile der Privatisierung ins Kalkül gezogen werden und man immer noch der Auffassung ist, den richtigen Weg zu gehen, sollte man privatisieren. Der Autor neigt aber eher zu einer partiellen Privatisierung, bei der eine Monopolisierung und zu große Abhängigkeit vermieden wird. Gebühren- und beitragserhebliche Kostenentscheidungen sollten von der Kommune steuer- und beeinflussbar bleiben, wenn eine Kostensenkung insgesamt für Staat und Bürger gewährleistet werden soll. Schließlich haben fast alle Kommunen und Verbände noch erhebliche Effektivitätsreserven bei der Organisation ihrer Aufgaben und bei der Konzentration auf das Wesentliche, die es erst einmal zu erschließen gilt, bevor man sich vom Regen in die Traufe stellt.

    Abwasserzweckverband ein Risikofaktor?

    Es mag in Erstaunen versetzen, aber der Abwasserzweckverband ist noch viel zu oft ein Risikofaktor für eine unsichere Kostenentwicklung. Hinsichtlich der Mechanismen, ähnelt er manchmal mehr einem sozialistischen Kombinat als einem marktwirtschaftlichen Unternehmen. Man beobachtet oft eine demokratische kollektive Entscheidungsweise, gepaart mit einer unscharfen, wenig ausgeprägten scheinbaren Verantwortlichkeit der Entscheidungsträger. Der Trend zur Solidargebühr verwischt die Kostenverantwortlichkeit und -transparenz. Und eine meist umfangreiche Förderung trägt mitunter dazu bei, die Zweckmäßigkeit auszuhebeln und politisch zu manipulieren. Bekannt ist, dass ein Abwasserzweckverband nicht wirtschaftlich sein kann, muss und darf. Er muss nur kostendeckend arbeiten und sollte zweckmäßig sein. Insofern ist es ein Glücksfall oder besser der Verdienst einiger Enthusiasten im Verband und den Behörden, wenn die Bürger nur zweckmäßige Kosten tragen und nicht noch unnötige Aufwendungen refinanzieren müssen. In den neuen Bundesländern sind die betreffenden Ministerien gerade dabei, über Kostenplausibilitätsprüfungen viele Verbände abzuchecken.

    Manche riskante Kommunalentscheidungen werden aber auch durch die behördliche Prüfungsgepflogenheit geradezu gefördert. Wieso? Ein häufiges Argument bei der Abwasserentsorgung gescheiterter Kommunalvertreter ist, dass die Investition schließlich umweltbehördlich geprüft wurde. Insofern glaubt der betroffene Abwasserzweckverband oder die Kommune, sich zurücklehnen zu dürfen. Schließlich habe doch die Behörde die Fehler auch nicht gefunden. Die Prüfung eines Investitionskonzeptes auf Mängelfreiheit und Risikominimierung ist jedoch so umfangreich, so komplex und so interdisziplinär, dass eine einzige Behörde fachlich und zeitlich oft überfordert scheint. Hier besteht eher Handlungsbedarf für den Verband oder die Kommune sich ein Gutachterteam zu suchen. Insgesamt stellt sich die Frage, ob es politisch und behördlich zweckmäßig ist, allzu intensiv die Kommunen und Verbände zu kontrollieren und manchmal auch zu gängeln. Hin und wieder besteht der Trend zur Heilung der Verbände „von oben“, indem schnell neue Verbandsstrukturen geschaffen werden. Der Nachteil: In dem Maße, in dem die Behörden oder Regierungspräsidien als „Gottheit“ die Verbandswelt neu erschaffen, tragen sie später wieder Verantwortung, Mitschuld oder sogar Hauptschuld, wenn das Vorhaben schief geht. Muss es nicht auf diese Weise wieder schief gehen? Der Autor ist der Ansicht, dass keine Behörde der Welt in der Lage ist, das Risiko der kommunalen Abwasserentsorgung hinreichend zu minimieren, denn dazu ist die Aufgabe viel zu unübersichtlich. Es ist wie zu Hause: Eine Mutter, die täglich das Kinderzimmer aufräumt, wird ihre Kinder nicht zur Ordnung erziehen können. Es kommt also für die Gemeinden darauf an, nicht nur die angenehmen Seiten der kommunalen Selbstverwaltung zu genießen, sondern notfalls auch das bittere Ende durchzustehen und nicht, wenn riskante Entscheidungen schief gegangen sind, dem Ministerium, einer Behörde oder noch anderen die Schuld zu geben.

    In den neuen Bundesländern sind insbesondere Angst vor nicht mehr beeinflussbaren Kostenentwicklungen die Ursache des Austrittsbegehren vieler Gemeinden aus Zweckverbänden, da anscheinend nur sehr wenige den vermeintlichen Anforderungen einer zweckmäßigen Abwasserentsorgung tatsächlich gerecht werden. Tatsache ist, gerade die Abwasserzweckverbände vermochten es nicht, in den kritischen Situationen Sanierungsfälle zu vermeiden. Allein die Mitgliedschaft im Abwasserzweckverband ist noch keine Lösung – es sei denn, sein Management und seine Philosophie überzeugen! In den meisten Fällen fließt das Abwasser – zumindest in den ländlichen Gemeinden – von allein in den Abwasserteich, in dem mit Hilfe von Sonnenenergie das Abwasser (ohne ständige Anwesenheit des Klärwärters und einer Behörde) hinreichend und sehr zuverlässig gereinigt wird.

    Wenn „das Kind aber in den Brunnen gefallen ist“ und der Verband ihn als Sanierungsfall wieder verlässt, dann scheitern Berater, Gutachter und Behörden häufig an der Aufgabe der Schadensbegrenzung, weil die risikominimierte Abwasserentsorgung eine interdisziplinäre – abwassertechnische und kommunalwirtschaftliche – Optimierungsaufgabe ist und nur im Team konstruktiv gelöst werden kann.

    Ist eine Kommune oder ein Verband bereits ein Sanierungsfall, dann wird zu beobachten sein, dass sie aus 2 Gründen nicht in der Lage ist, sich selbst zu sanieren. Erstens ist man rein menschlich selten zur Fehlerkorrektur bereit, weil dies ja ein Eingestehen der Fehler – mit allen bekannten Konsequenzen – voraussetzt. Zweitens fehlt das erforderliche Geld, um sich selbst aus dem Schlammassel zu ziehen.

    Beratung und Planung

    Einerseits gibt es Planer, die mit viel Akribie, Sachkunde und Kostenbewusstsein ihre Kanalplanungen so gestalten, als wollten sie in dem Ort wohnen, für den sie gerade einen Kanal planen. Wenigstens genauso häufig sind aber auch einfältige Planungen zu beobachten. Dem Bürgermeister wird dabei eine Variante nach dem Prinzip „Friss oder Stirb“ vorgelegt. Bei der Begutachtung und Ortsbegehung fällt dann meist auf, dass es für den ländlichen Raum und diesen konkreten Fall geeignetere Lösungen gibt, die außerdem deutlich weniger kosten. Ein Planer, der ein wertvolles Werk abgeben will, wird seinem Bauherrn zunächst mehrere Varianten vorlegen, Risiken, Vor- und Nachteile aufzeigen sowie ggf. die Gebührensensibilität und Gebührenprognosen der einzelnen Varianten ermitteln lassen (erforderliche zusätzliche Leistungen für eine risikominimierte Investitionsentscheidung).

    Bei einer einfältigen (1 Variante) Abwasserzielplanung, die in einem Zuge ohne Zwischenberichte und Zwischenverteidigung vor Bauherrn und Behörde bereits als Entwurfsplanung abgegeben wird, fällt es schwer, an ein seriöses Vorgehen zu glauben. Bei solcher Vorgehensweise ist dem Planer nicht ungerechtfertigt vorhaltbar, er habe die aufwendigste Variante aufgezeigt, weil er damit auch das größte Honorar erhält. Eigentlich kein Thema, denn gute Planungsbüros verhalten sich automatisch nicht Bauherrenschädlich.

    Andererseits sind dem Autor manche Fälle bekannt, in denen kommunale Entscheidungsträger und Behörden aus politischen Gründen guten planerischen Empfehlungen nicht folgten und unnötig aufwendigere Lösungen realisierten.

    Eine wesentliche Aufgabe des Planers sollte es sein, das Planungsrisiko zu minimieren, u.a. durch:

    • Untersuchungen kostenerheblicher Varianten
    • Untersuchung der Varianten nach gleichen Anforderungen
    • Ermöglichung eines fairen Entscheidungsprozesses
    • hinreichender Umfang der Planungsvorbereitung
    • ggf. Vorschlagen von Maßnahmen zur Grundlagenabsicherung (Gutachten über Abwasserlast- und mengenprognosen – ein bedeutender Schwerpunkt!)
    • Aufzeigen unerwünschter Szenarien
    • Delegieren von speziellen Aufgaben an Sachverständige, sofern selbst entsprechende Kenntnisse fehlen.

    Viele beachtenswerte Hinweise zur Risikominimierung durch Beschränkung auf das Wesentliche sind in der einschlägigen Fachliteratur finden. (Siehe hier insbesondere das ATV-Merkblatt M 200 [13].)

    Riskante Kostenvergleiche

    Eine meist umweltbehördlich geforderte planerische Aufgabe ist die Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen. Das Risiko wird größer, wenn sich nur auf diese Ergebnisse verlassen wird.

    Aussagen von Kostenvergleichsrechnungen zum Nachweis von Kostenvorteilen sind für die Praxis viel zu theoretisch, um als kommunale oder behördliche Entscheidungsbasis zu dienen. Den Bürgermeister interessiert kaum, wie sich der Kostenbarwert von Variante A oder B entwickelt. Er will ziemlich konkret wissen, welche Kosten mittelfristig (Gebühren und Beiträge) auf die Bürger zu kommen. Eine Kostenvergleichsrechnung sichert die Kommune auch nicht dagegen ab, dass die in der Kostenvergleichsrechnung ermittelte optimale Variante tatsächlich refinanziert werden kann, ohne dass als Nebenprodukt die Absetzung des Bürgermeisters oder Geschäftsführers auf der Tagesordnung steht. Grundsätzlich wäre zu prüfen, ob Kostenvergleichsrechnungen überhaupt konkrete Antworten geben können. Der Autor ist der Auffassung, dass Kostenvergleichsrechnungen – z.B. zur Ermittlung der Vorteilhaftigkeit einer zentralen oder dezentralen Abwasserentsorgungslösung – nicht aussagefähig sind, weil beide Varianten über einen unterschiedlichen Nutzen und unterschiedliche Finanzierungsrisiken verfügen (vergleiche hierzu [3, Seite 11]). Es kommt also darauf an, vor dem entscheidenden Schritt einer Bestellung – sei es eine laufende Dienstleistung oder eine einmalige Investition – das Gesamtrisiko hinreichend genau zu kennen.

    Preiswerte Lösungen im ländlichen Raum

    Der Aufwand der Abwasserentsorgung im ländlichen Raum ist von unterschiedlichen Situationen und Bedingungen mehr oder weniger abhängig:

    1. Siedlungsdichte
    2. Vorhandensein eines Kanalnetzes (weil damit der Investaufwand deutlich geringer ausfällt)
    3. vorhandenen Hauskläranlagen
    4. Versickerungsflächen
    5. Leitungsfähigkeit der Fluss- oder Bachläufe
    6. Verschärfung von Überwachungswerten (z. B. für den Trinkwasser- oder Seenschutz)

    Abwasserableitung

    Die Realisierung des Mischsystems im ländlichen Raum, sofern es nicht historisch gewachsen ist, wird sehr teuer.
    Die günstigste Entwässerungslösung im ländlichen Raum besteht in der geschickten Ausnutzung der Topographie, der vorhandenen Vorfluter und der Prüfung mehrere technischer Entwässerungslösungen. Das Diagramm erlaubt einen Überblick der Wirtschaftlichkeitsgrenze der Druck- und der Vakuumentwässerung. Die ausschließliche Nutzung nur eines Entwässerungssystems, z.B. der Druck oder der Vakuumentwässerung ist meist weniger wirtschaftlich. Ein paar Meter Freispiegelkanal sind oft möglich, um den technischen Aufwand etwas zu begrenzen. Interessant sind also Lösungen, die je nach den Örtlichkeiten das geeignete Verfahren vielfältig berücksichtigen.

    Regenwasserableitung

    Der recht häufige „Kanalmercedes“ im ländlichen Raum ist ein Kanalnetz für Regen- oder Mischwasser parallel neben dem Dorfbach, wobei dann in der 2000 Einwohner zählenden Siedlung z.B. 4 Regenüberlaufbecken geplant werden können. Es lohnt nicht, darüber zu schreiben.

    Da die Schmutzwasserableitung im ländlichen Raum auch ohne kräftige Fördermittelunterstützung kaum zu bezahlen ist, sollte die Sammlung und Ableitung von Regenwasser nur punktiert auf die Ausnahmen beschränkt bleiben, in denen erhebliche Schäden bei Regenereignissen zu erwarten sind. Das ist eine „uralte“ Erkenntnis.

    Für den Planer empfiehlt sich die Örtlichkeiten genau zu studieren und die Anwohner zu befragen, welchen Weg das Regenwasser meistens nimmt. Oft haben unsere Väter auch schon gute Lösungen realisiert, die es verdienen, repariert bzw. erneuert und weiter genutzt zu werden.

    Übrigens – man kann Regenwasser auch oberirdisch ableiten.

    Der unbelüftete Abwasserteich

    Wenn es darum geht ein bezahlbares Behandlungsverfahren auszuwählen, dass außerdem niedrigsten Betriebskosten aufweist und in seiner Pufferwirkung alle anderen Verfahren übertrifft, dann gibt es nur eine befriedigende Lösung – das älteste Abwasserbehandlungsverfahren – den unbelüfteten Abwasserteich. In der DDR wurden bedeutende Forschungskapazitäten in die Teichforschung gesteckt und so ist die TGL [12-14] eine immer noch interessante Hilfe für die Planung derartiger Anlagen. Auf diese speziellen Forschungsergebnisse wurde auch SCHÜRIG [15] aufmerksam, als er in der Zeitschrift Wasser und Boden bereits im Jahr 1972 über langjährige Erfahrungen mit unbelüfteten Teichen im norddeutschen Raum berichtet. Er schrieb: „Teiche einfachster Form ,möglichst in Erdbauweise sind nicht nur kostensparend in der Anlage, sondern darüber hinaus geeignet, alle in Betrieb und Wartung nachteiligen Eigenschaften herkömmlicher Kläranlagen auszuschalten.“ Das ist auch heute noch richtig. „Im günstigsten Fall beschränken sich die Wartungsarbeiten auf ein jährlich einmaliges Mähen und eine gelegentliche Kontrolle der Ablaufsituation.“ [13]. Die Investitionskosten dafür können überschläglich nach [4] kalkuliert werden. Neubauten von Teichkläranlagen sind selten. Die Ursachen dafür liegen wohl überwiegend in der zu geringen Gewinnmasse, die sich Planern, Bau- oder Ausrüstungs- oder Betreiberunternehmen bieten.

    Allerdings ist der Flächenbedarf für unbelüftete Abwasserteiche ist mit ca. 10..15 m²/E recht erheblich. Steht diese Fläche nicht zur Verfügung, dann wäre als nächste interessante Variante im ländlichen Raum die Eignung eines belüfteten Abwasserteiches ( ca. 2…3 m²/E) oder der Einsatz eines ebenso günstigen linienbelüfteten Simultanteiches mit beinahe ähnlichen Vorteilen prüfenswert. Grundsätzlich verhalten sich die Investitionskosten indirekt proportional zu dem Flächenbedarf von Anlagen.

    Kleine technische Anlagen sollten einen besonders geringen Bedienungsaufwand haben. Dabei ist die Beachtung nachstehender Anforderungen wichtig:

    • niedrigster Kompliziertheitsgrad
    • geringster Zeitaufwand für die Bedienung und Überwachung
    • niedrige Ausbildungsanforderungen für die Bedienung
    • geringster Wartungsaufwand
    • Vermeidung des regelmäßigen Einsatzes von Spezialisten (z.B. für die Änderung des technologischen Regimes)

    Ein Abwasserteich oder 250 Hauskläranlagen?

    Grundsätzlich kann die Antwort nur im Ergebnis einer Einzelfallanalyse gegeben werden. In der Tabelle – gerechnet ohne Beitragsfinanzierung und Fördermittel – werden zumindest die monetären Konsequenzen skizziert, wobei diese Kalkulation – wie alle Abschätzungen – auf zahlreichen Annahmen beruht. Die Variante 1 beschreibt eine aufwendige aber doch recht verbreitete Mischwasser-Entwässerungslösung mit einer Kompaktkläranlage. Bei der Variante 2 wurde nur ein Schmutzwassersammler mit einer belüfteten Abwasserteichanlage recht preiswert konzipiert. Die Variante 3 schließlich sieht bei gleichen Netzkosten eine unbelüftete Teichanlage vor. Die folgenden Varianten 4 bis 6 berücksichtigen, dass jedes Grundstück eine neue (aber unterschiedlich aufwendige) Hauskläranlage nach DIN 4261 erhält.

    Bei den aeroben biologischen Kläranlagen sind deutliche Betriebskostenunterschiede zu erkennen. Monetär am günstigsten für den Bürger ist die Variante 6 nach DIN 4261 Teil 1.

    Aus der Kostengegenüberstellung ist abzulesen, dass sich bei einer Beschränkung auf das unbedingt Erforderliche im Kanalbau und bei der Errichtung einer belüfteten Teichanlage die Variante 2 monetär nur unerheblich von der Variante 5 unterscheidet, bei der jedes Haus eine in Anschaffung und Betrieb kostengünstige Kleinkläranlage nach DIN 4261 Teil 2 bekommt. Über die Vorteilhaftigkeit einer zentralen Abwasserbehandlung im ländlichen Raum für das Gewässer kann man je nach Situation unterschiedlicher Auffassung sein. Aber gesetzt den Fall, es wird die zentrale Lösung favorisiert, so ist der Kostenvergleich nach Tabelle 1 nur dann korrekt, wenn alle Annahmen tatsächlich wie gewünscht eintreffen. Das Risiko von Abwasserinvestitionen ist auf Grund der geringen Anzahl der Gebühren- und Beitragszahler und der spezifisch um ein Vielfaches spezifisch höheren Investkosten gegenüber einer zentralen Abwasserentsorgung um ein Vielfaches größer. Die Varianten 4 und 5 sind eindeutig die Lösungen mit dem geringsten Refinanzierungsrisiko. Dazu bedarf es keiner näheren Untersuchungen – der Beweis ist augenscheinlich. Die für den Bürger vorteilhafteste Lösung mit dem geringsten Risiko und den geringsten Kosten ist die in einigen Bundesländern zulässige Variante 6.

    Die Minimierung der Nachteile

    Nicht jeder, der eine Fehlentscheidung traf, tat dies zu seinem Eigennutz oder aus grober Fahrlässigkeit heraus. Oftmals war einfach das Bestreben da, etwas Positives für seine Gemeinde oder für sein Land zu unternehmen. Künftigen Investitionsentscheidern ist zu raten, noch vorsichtiger zu sein und sich viel mehr auf die unliebsamen Ereignisse einzustellen. „Man muss das Beste hoffen und mit dem Ungünstigsten rechen!“ (Chinesisches Sprichwort). Eine ländliche Gemeinde oder die Verbandsräte, die sich diese Weisheit zu eigen machen, kann nichts erschüttern und sie sind auf alles vorbereitet. Die Betrachtung in diesem Artikel hat wohl gezeigt, dass neben Fachwissen auch eine Portion Glück erforderlich ist, um seine Bürger zufriedenzustellen. Eine reibungslose Investition, über die sich wirklich alle freuen, gibt es nicht, denn es gilt, die Lösung mit den geringsten Übeln zu finden. Damit ist klar, dass jede Entscheidung auch Nachteile hat.

    Werdau, den 20. August 1997

    Literatur

    [1]
    N.N.
    Lehr- und Handbuch der Abwassertechnik
    Band I: Wassergütewirtschaftliche Grundlagen, Bemessung und Planung von Abwasserableitungen Wilhelm Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften Berlin, 3. überarbeitete Auflage, 1982

    [2]
    Imhoff, K.
    Taschenbuch der Stadtentwässerung
    27. Auflage, R. Oldenburg Verlag München – Wien 1990

    [3]
    Länderarbeitsgemeinschaft Wasser
    Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen
    München 1990

    [4]
    Abwasserkosten 1996 für ostdeutsche Kommunen und Verbände
    Herausgeber: Institut für Abwasserwirtschaft Halbach
    Werdau 26.2.1996

    [5]
    TGL 7762
    Kleinkläranlagen
    Anwendung, Bemessung, Anlage und Betrieb
    Juli 1979

    [6]
    TGL 28 722/01
    Abwasserbehandlung
    Natürlich belüftete Abwasserteichanlagen
    Anwendung und Bemessung
    April 1976

    [7]
    TGL 28 722/02
    Abwasserbehandlung
    Natürlich belüftete Abwasserteichanlagen
    Bauliche Gestaltung
    April 1976

    [8]
    Oxydationsteiche
    Werkstandard 2.05.
    VEB Projektierung Wasserwirtschaft
    Oktober 1969

    [9]
    Schürig, G.
    Abwasserteiche in ländlichen Gemeinden
    Wasser und Boden
    Heft 10/1972 S. 318-321

    [10]
    Halbach, U.
    Nicht ausgelastete Kläranlage als Alibi für weitere Verschuldung?
    WWT 1/1997, S. 5

    [11]
    Halbach, U.
    Die „aufblasbare“ Kläranlage
    Korrespondenz Abwasser 1997 (44) Nr. 5 S. 877-882

    [12]
    Abwasserteiche für kommunales Abwasser
    Bericht der ATV-Arbeitsgruppe 2.6.3. „Abwasserteiche“
    Korrespondenz Abwasser 8/79 S. 403-415

    [13]
    Grundsätze für die Abwasserentsorgung in ländlich strukturierten Gebieten
    Merkblatt ATV – M 200
    Mai 1995, ATV-Regelwerk

    [14]
    Hauskläranlagen ’95
    Heft 24, Hannover 1995
    Schriftenreihe der Kommunalen Umweltaktion U.A.N.

    [15]
    Abwassersammlung und -transport im ländlich strukturierten Gebiet der Eifel
    Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
    Oktober 1995




    Fehlende Variantenuntersuchungen als Risiko für den Planer und Bauherrn

    Zur Beachtung!

    Stichworte

    • Finanzierungsrisiko
    • Notwendigkeit von Variantenuntersuchungen im Rahmen von Vorplanungen
    • Vorentwurf „überspringen“
    • fehlende Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsnachweise als Mangel

    Der Sachverständige vermisst Nachweise über die Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit in der Planung.

    Derartige Nachweise gehören nach Auffassung des Sachverständigen zu den wichtigsten Anforderungen an eine komplexe Tiefbauplanung überhaupt, vergleichbar mit der Notwendigkeit der Einholung eines Baugrundgutachtens oder eines statischen Nachweises über die Sicherheit eines Bauwerkes.

    Komplexe und aufwendige Tiefbauplanungen sind in ihren technischen und wirtschaftlichen Konsequenzen nicht mit einem Blick überschaubar.

    Die vorliegende Planung [4] ist bei einer für erforderlich gehaltenen Investitionssumme in Höhe von mehreren Mio € durchaus als komplex und aufwendig zu bewerten.

    Wenn bei derartigen Größenordnungen keine Nachweise der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit vorliegen, d. h. dokumentiert und nach Möglichkeit auch verteidigt werden, dann verursacht dieser Mangel ein beträchtliches Risiko, welches darin besteht, dass nicht rechtzeitig erkannt werden kann, ob die Planung und damit die entsprechende Investition über Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsmängel verfügt.

    Es ist dem Sachverständigen nicht möglich, ohne eigene umfangreiche Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsvergleiche einen Beweis zu führen.

    Derartige Nachweise werden mit vergleichenden Untersuchungen erbracht.

    Auch der vergleichende Charakter ist ein Grund, warum die Konsequenzen und auch die Risiken komplexer und aufwendiger Tiefbauplanungen schwer überschaubar sind. Die vergleichenden Methoden setzen voraus, dass wenigstens 2 Lösungsmöglichkeiten nach gleichen Anforderungen erarbeitet wurden.

    Die Notwendigkeit derartiger Variantenuntersuchungen ergibt sich neben Vernunftsgründen außerdem aus den Leistungsbildern des § 55 der HOAI:

    „Erarbeiten eines Planungskonzepts

    • einschließlich Untersuchung der alternativen Lösungsmöglichkeiten
    • nach gleichen Anforderungen
    • mit zeichnerischer Darstellung und
    • Bewertung

    unter Einarbeitung der Beiträge anderer an der Planung fachlich Beteiligter“ und aus dem Regelwerk der ATV und der Fachliteratur.

    Nach den a.a.R.d.T. (einschlägige Fachliteratur, [z. B. 13]) sind Variantenuntersuchungen auf jeden Fall erforderlich.

    Das Erfordernis von Variantenuntersuchungen zur Ermittlung der zweckmäßigsten Lösung ist in der Fachliteratur ein unstrittiges Thema. Für eine Kläranlagenplanung wird beispielsweise u. a. in [26, Seite 237] argumentiert:

    „Die zahlenmäßig großen und komplexen Einflussfaktoren machen häufig systematische Studien erforderlich. In diesen Fällen wird eine technisch und wirtschaftlich gründliche Planungskonzeption auch die Aufstellung von Lösungsvarianten für die Bemessung und Gestaltung der Kläranlage einbeziehen. Bei einer solchen Untersuchung sind verfahrensbau- und/oder maschinentechnische Planungsgrundsätze zu variieren. Nur die abschließenden Ergebnisse sollten Bestandteil des Vorentwurfes werden. Für Zwischenermittlungen genügt eine konzeptmäßige Ausarbeitung.“

    Nun ist eine Kläranlagenplanung keine Kanalplanung. Andererseits wird hier erkannt, dass zahlenmäßig große und komplexe Einflussfaktoren häufig systematische Studien erforderlich machen. Eine Kanalplanung für eine Siedlung unterliegt zahlenmäßig großen und komplexen Einflussfaktoren.

    Es ist ein Erfahrungssatz der Tiefbauplanung, dass Vorplanung, Studien und Variantenuntersuchungen vor der Entwurfsplanung nicht nur die künftige Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit der Investition entscheidend prägen, sondern auch das Investitionsrisiko für den Bauherrn und das Planungsrisiko für den Planer gravierend senken.

    Das Erfordernis einer separaten Vorlage der Vorplanung bei dem Entwurf von Kanalisationen wird in [13, Seite 424] zwingend vorgeschrieben:

    „Der Vorentwurf ist immer anzufertigen und ist die Grundlage für die weiteren Überlegungen.“

    Bei dieser Quelle von 1982 handelt es sich um ein Standardwerk (Lehr- und Handbuch der Abwassertechnik).

    Dieses Fachbuch erfuhr 1994 als ATV-Handbuch „Planung der Kanalisation“ eine 4. Auflage [19, Seite 524], wobei der Verfasser des Abschnittes noch die gleiche Auffassung vertritt und o. g. Zitat im Wortlaut immer noch enthalten ist.

    Der Sachverständige vertritt ebenfalls diese Auffassung, weil die Planung von Entwässerungsnetzen zu anspruchsvoll, zu komplex und die finanziellen Konsequenzen für den Bauherrn schwer überschaubar sind, als dass man die Vorplanung einfach überspringen könnte.

    Die Vorplanung hat auch die Funktion für den Auftraggeber, sich von den Planungskonsequenzen ein erstes Bild zu machen. Unstrittig ist, dass im Abwasserbereich gerade die Qualität der Vorplanung die spätere Effektivität der Investition in entscheidendem Maße beeinflusst.

    Bei anderen, einfacheren Planungen, mag ein Überspringen der Vorplanung unproblematischer sein und möglicherweise trotzdem die Wirtschaftlichkeit und den Gebrauchswert der Planung gewährleisten. Der Sachverständige ist aufgrund der komplexen Auswirkungen einer kompletten Kanalisationsplanung für eine Siedlung der Auffassung, dass die Vorplanung eine unabdingbare Voraussetzung für einen ordentlichen und abgestimmten Planungsablauf unter Einbeziehung des Bauherrn ist. Anderenfalls ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass aus dem Überspringen einer Vorplanung erhebliche Nachteile für den Bauherrn entstehen, weil die Wirtschaftlichkeit der Planung bestritten werden könnte oder weil der Bauherr die Konsequenzen der Planung zu spät überblickt.

    Mit dem Überspringen der Vorplanung wurde der Erkenntnisprozess der Beklagten eingeschränkt.

    Beim Vorlegen und bei der Abnahme einer Vorplanung ist der Bauherr einmal mehr gezwungen, die planerische Leistung zu werten. Unterbleibt dieser wichtige Dialog, dann hat der Bauherr unwiderruflich eine Möglichkeit zur Entscheidungspräzisierung weniger. Durch das Überspringen der Vorplanung wird außerdem der Entscheidungsprozess beim Bauherrn erheblich verzögert.

    Andererseits wird das Planungsrisiko für den Planer erheblich reduziert, wenn er sich seine Zwischenergebnisse hinreichend häufig vom Bauherrn schriftlich bestätigen lässt. Das wird von den Ingenieurbüros teilweise praktiziert. Damit besteht lediglich die Gefahr, dass der Bauherr mit nur einer – und zwar mit der zuletzt vorgelegten – planerischen Leistung nicht einverstanden ist. Das Risiko wird dann zum großen Teil auf den Bauherrn verlagert, sofern er die Planungsabschnitte nicht sorgfältig und ggf. auch interdisziplinär prüfen lässt.

    Die schließlich vorgelegte Entwurfsplanung lässt dem Beklagten und dem Sachverständigen nur 2 Alternativen: Die Lösung zu akzeptieren oder zu verwerfen.

    Die Pflicht, grundsätzlich mehr als eine Lösung zu untersuchen, ergibt sich ebenfalls aus den Leistungsbildern des § 55 der HOAI:

    „Untersuchen von Lösungsmöglichkeiten mit ihren Einflüssen auf bauliche und konstruktive Gestaltung, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit unter Beachtung der Umweltverträglichkeit.“

    Eine anspruchsvolle Planung hat derartige Untersuchungen zu dokumentieren.

    Übliche Zweckmäßigkeits-, Wirtschaftlichkeitsnachweise sind in den Planungen [1-4] nicht dokumentiert.

    „Eingeschränkte Prüffähigkeit“ – Ergebnisse – Zusammenfassung

    Insgesamt ist es nicht möglich, die Planung [1-4] hinsichtlich ihrer Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit zu prüfen, weil die dazu erforderlichen Nachweise von der Klägerin nicht geführt wurden.

    Bei einer Planung, deren Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsnachweise fehlen, wird das Investitions- und Finanzierungsrisiko über das Investitionsgrundrisiko hinaus unnötig erhöht. Dies verursacht den Mangel einer vermeidbaren Risikoerhöhung.
    Eine Planung, die teilweise nicht prüffähig ist, ist in allen nicht prüffähigen Punkten mangelhaft. Zum Beispiel kann die Genehmigung aus diesem Grund versagt werden.

    Unvollständig ist die Planung in diesen Punkten außerdem, weil die notwendigen Nachweise fehlen.

    Man erkennt, dass fehlende Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsnachweise eine ganze Reihe weiterer Mängel nach sich ziehen.




    Anforderungen an Variantenuntersuchungen im Rahmen der Vorbereitung wasserwirtschaftlicher Investitionen

    Grundsätzliche Hinweise vom Institut für Wasserwirtschaft Halbach

    Zusammenfassung:

    Es kommt bei dynamischen Kostenvergleichsrechnungen darauf an, dass zu allererst geprüft wird, ob es überhaupt zulässig ist, die Kosten ohne weiteres zu vergleichen.

    Die Planungen sollten (müssen) auch dahingehend geprüft werden, ob im Rahmen der Kostenvergleichsrechnungen Nachweise über den gleichen Nutzen der Varianten enthalten sind. Diese Nachweise sollten im Rahmen einer Nutzwertanalyse geführt werden.

    Die Kostenermittlung für Kostenvergleichsrechnungen muss die Anforderungen der KVR-Leitlinien erfüllen.

    Inhalt:

    • Problemstellung
    • Fehlender Nachweis der Nutzengleichheit
    • Fragwürdige Kostenermittlung
    • Nutzwertanalyse

    Problemstellung

    Im Rahmen der gutachterlichen Tätigkeit des Institutes wird häufig festgestellt, dass die Variantenuntersuchungen der planenden Büros selten den Anforderungen entsprechen, die an Kostenvergleiche zu stellen sind.

    Damit weisen diese Planungen Mängel auf.

    Die wesentlichen Mängel lassen sich in folgende 2 Kategorien gliedern:

    1. fehlende Nachweise der Nutzensgleichheit
    2. fragwürdige Kostenermittlung

    Fehlender Nachweis der Nutzensgleichheit

    Oftmals werden die Kosten von Varianten verglichen, die bei näherer Betrachtung einen unterschiedlichen Nutzen haben.

    Eine Nutzensanalyse und eine Nutzensbewertung – die wissenschaftliche Anforderung entspricht den Regeln der Investitionsbewertung – erfolgt in der Regel nicht.

    In gleicher Weise wird nur selten eine Risikobewertung, z. B. der getroffenen Annahmen vorgenommen.

    Insgesamt wird zu oft der Eindruck vermittelt, als gäbe es keine Risiken bei der Investition.

    Die Bewertung des Investitionsrisikos ist aber ein wesentliches Qualitätsmerkmal für die Nutzensbewertung.

    Die folgenden Beispiele veranschaulichen die Problematik:

    Was nützt z. B. die vorteilhafteste nach ingenieurtechnischen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten optimierte Verbandsstruktur, wenn am Ende die Vorzugsvariante von den Verbandsräten aus politischen Befindlichkeiten nicht akzeptiert und umgesetzt wird?

    Oder was nützt z. B. die eine wertvolle Kläranlagenplanung, wenn sie auf riskanten Grundlagen beruht?
    Voraussetzung für den einfachen Kostenvergleich ist, dass die Varianten tatsächlich über den gleichen Nutzen verfügen.

    Anderenfalls ist ein Kostenvergleich in der üblichen Weise nicht zulässig.

    Der Nachweis des gleichen Nutzens ist auch deshalb so wichtig, weil es schon recht selten ist, dass 2 Varianten tatsächlich über den gleichen Nutzen verfügen. Zu dieser Erkenntnis wird man sicher bei sorgfältiger Nutzensanalyse gelangen.

    Die überwiegende Zahl der bisherigen Kostenvergleichsrechnungen ist wahrscheinlich einerseits zwar rechnerisch meist richtig, aber andererseits methodisch oft falsch.

    Warum?

    Es wurde bei der Prüfung zahlreicher Planungen durch das Institut oft festgestellt, dass

    • in den vielen Planungen der Abwasserbeseitigung eine regelrechte Nutzensbewertung fehlt und dass
    • in vielen Planungen mehr oder weniger stillschweigend davon ausgegangen wird, dass die untersuchten Varianten einen gleichen Nutzen haben.

    Damit drängt sich zwangsläufig o. g. Hypothese auf.

    Sollte das stimmen, dann werden in der Konsequenz bei unterlassenen Nachweisen des gleichen Nutzens, nicht nur falsche und riskante Investitionsentscheidungen begünstigt, sondern die Beratung des Bauherren wird insgesamt fragwürdig sein.

    Fragwürdige Kostenermittlung

    Zu den Anforderungen an die Kostenermittlung gibt es klare Hinweise in den Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen.

    Hier ist ein Auszug aus den Seiten 3-4 und 3-5 der Leitlinien:

    Um Fehlentscheidungen zu vermeiden, müssen die Vorplanungen soweit ausgedehnt werden, dass eine situationsgerechte Beurteilung erfolgen kann.

    Da in früheren Planungsstadien die größten Kostenbeeinflussungen gegeben sind, genügt es für Alternativvergleiche auf der Basis von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen allgemein nicht, diese Betrachtungen unter Verwendung grober Kostenkennwerte durchzuführen. Vielmehr ist es zur Erzielung der notwendigen Genauigkeit angezeigt, von Anbeginn eine Elementeinteilung vorzunehmen, die sich im Laufe des Planungsprozesses hierarchisch verfeinert.

    Treten Kostenunsicherheiten auf, die eine Ausgrenzung von Alternativen zweifelhaft erscheinen lassen, so ist die Informationsbasis zu verbessern, bis eine rationale Entscheidung für oder gegen eine Konzeption gefällt werden kann. aus zu frühen Systemfixierungen können die größten Kostenrisiken resultieren.

    Bei der Ermittlung der laufenden Kosten wird im Rahmen vor Vor- und Entwurfsplanungen sehr häufig von Prozentsätzen der Investitionskosten ausgegangen. Diese in der Literatur genannten Durchschnittswerte können jedoch im zu betrachtenden Einzelfall lediglich recht grobe Näherung sein. Zudem ist mitunter auch nicht feststellbar, ob diese Anhaltswerte sämtliche zu den laufenden Kosten gehörigen Kostengruppen (Personal-, Sach-, Energiekosten) beinhalten. Aus diesen Vorbehalten ergibt sich insbesondere für Maßnahmen mit hohen laufenden Kosten ein erhebliches Unsicherheitsmoment. In solchen Fällen ist eine genauerer Kalkulation – getrennt für die maßgeblichen Kostenarten – geboten und ein Vergleich mit in Betrieb befindlichen gleichartigen Analysen anzustreben.

    Nutzwertanalyse

    Die Planungen sollten künftig auch dahingehend geprüft werden, ob im Rahmen der Kostenvergleichsrechnung Nachweise über den gleichen Nutzen der Varianten geführt wurden.

    Dieser Nachweis sollte nach den Regeln der Nutzwertanalyse erfolgen.

    Dabei sind im Erläuterungsbericht nicht nur einzelne Nutzen beschrieben, sondern es ist auch zu erörtern, warum man welche Bewertung vergab.

    Der Aufwand für einen derartigen Nutzensnachweis muss dem planenden Büro sowieso bekannt sein, so dass keine zusätzlichen Recherchen notwendig sind.

    Für die reine methodische Darlegung mit Diagrammen und Erläuterungsberichten für die Bewertung von z. B. 4 Varianten dürfte maximal ein Stundenaufwand von 6 h entstehen.

    Eine derartige Nutzwertanalyse hat erhebliche unmittelbare Vorteile für das planende Büro und den Bauherrn.

    Zweckmäßig ist, wenn das planende Büro einen Entwurf der Nutzwertanalyse dem Bauherrn unterbreitet und beide Parteien gemeinsam dann endgültig über die Vergabe der jeweiligen Nutzen der verschiedenen Varianten beraten und entscheiden.

    Literatur:

    Länderarbeitsgemeinschaft Wasser
    „Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen“ (KVR-Leitlinien)
    überarbeitete Ausgabe von 1998
    Kulturbuchverlag Berlin GmbH
    Sprossenweg 3
    12351 Berlin

    Tel.: 030/661-8484
    Fax: 030/661-7828
    ISBN: 3-88-961-228-8




    Ablaufplan für umfangreiche und konstruktive Gutachten

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    Wirtschaftlichkeitsnachweise

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    Negieren von Risiken

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    Falsche Kostenvergleichsrechnungen!

    Uns ist aufgefallen, dass sehr viele Kostenvergleichsrechnungen methodisch falsch sind.

    Damit sind auch die Ergebnisse falsch, die mit derartig falschen Methoden erzielt wurden.

    Für die Anwendung jeder Methode sind besondere Voraussetzungen (Bedingungen) einzuhalten. Nur dann ist das Ergebnis korrekt.

    So ist z. B. jedem klar, dass man beim Marathonlauf kein Pferd an den Start lässt. Das Pferd würde die Ergebnisse verfälschen. Die Ergebnisse sind wohl interessant, aber nicht vergleichbar.

    Kostenvergleichsrechnungen sind nur dann als alleinige Bewertungsmethode zulässig, wenn die Untersuchungsvarianten tatsächlich über einen gleichen Nutzen verfügen und gleiche Risiken aufweisen.

    Meist sind die Nutzen und Risiken der Varianten aber nicht gleich.

    Über einen zweifelsfrei unterschiedlichen Nutzen verfügen z. B. folgende Beispiele:

    • technische Kläranlage oder Abwasserteichkläranlage
    • Freispiegelkanal oder Druckentwässerung oder Vakuumentwässerung
    • landwirtschaftliche Klärschlammverwertung oder Klärschlammverbrennung
    • Klärschlammverbrennung oder Klärschlammtrocknung
    • Eigenleistung oder Outsourcing
    • Neubau oder Modernisierung
    • Kommunaler Eigenbetrieb oder AZV oder Privatisierung
    • Fremdwasserminimierung oder moderater Fremdwasseranteil

    Auch bei Organisationsuntersuchungen sind die Nutzen in aller Regel nicht gleich! (In diesem Fall spielen beispielsweise oft Interessen und Risiken eine große Rolle.)

    Insofern sind auch bei Organisationsuntersuchungen Kostenvergleiche oder Gebührenvergleiche meist ohne Weiteres allein nicht zulässig und sie sind dann methodisch falsch und die damit erarbeiteten Ergebnisse ebenso.

    Die Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen enthalten nun einige einführende Hinweise, die jedoch selten Beachtung finden.

    Im Falle einer Überprüfung von Kostenvergleichen durch einen Gutachter wird dieser sich zuallererst mit den Eingangsdaten befassen und dann prüfen, ob die richtige Untersuchungsmethode verwandt wurde.

    Mühevoll erarbeitete Kostenvergleichsrechnungen sind gutachterlich mit verhältnismäßig geringem Aufwand zu entwerten, wenn die Bearbeiter die falsche bzw. eine unvollständige Untersuchungsmethode gewählt haben.

    Wenn die Kosten nicht vergleichbar sind, dann wäre beispielsweise zu prüfen, ob eine Kosten-Nutzwert-Analyse die bessere Methode ist.

    Grundsätzlich kann wohl davon ausgegangen werden, dass alle Privatisierungsuntersuchungen, die ausschließlich nur auf Kostenvergleichen beruhen und bei denen man die Vor- und Nachteile mehr oder weniger lax bewertete, falsch sind. Einfach deshalb, weil die Nutzen (Risiken) der untersuchten Varianten unterschiedlich sind und man Äpfel mit Birnen verglichen hat.

    Der Nachteil einer reinen Kostenvergleichsrechnung liegt in ihrer besonders leichten Manipulierbarkeit.

    Kosten-Nutzwert-Analysen sind zwar auch manipulierbar, aber wieder einfacher (z. T. ohne besonderes Fachwissen) zu prüfen. Der Bearbeiter muss nämlich umfänglich begründen, warum er welchem Verfahren einen größeren Nutzen zugeordnet hat. Und diese Überlegungen können dann wieder leichter von allen Beteiligten nachvollzogen werden.

    Eine Kosten-Nutzwert-Analyse unter aktiver Beteiligung kommunaler Entscheidungsträger ist auch ein Mittel zur Zurückdrängung von Korruption, weil sie zur Transparenz der Entscheidungen beiträgt und insgesamt das kommunale Entscheidungsniveau erheblich anhebt. Eine Voraussetzung ist natürlich eine unabhängige Beratung der Kommune.

    Kosten-Nutzwert-Analysen sind interdisziplinäre Untersuchungen und in der Regel keine Domäne von Ingenieurbüros.

    Auf eine Tatsache ist nicht oft genug hinzuweisen:

    Grundlage jeder Investitionsrechnung ist die falsche Annahme, dass der Investor über vollkommen sichere Erwartungen verfügt.

    (Kruschwitz, Lutz, Investitionsrechnung, Oldenbourg, R, 12., aktualisierte Auflage 03.11.2008)

    Im Folgenden trotzdem einige Auszüge aus den Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen, was uns in diesem Zusammenhang besonders wichtig erschien.

    Uwe Halbach

    (Artikel am 01.09.2011 überarbeitet)

    ***

    Auszug aus den Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen (KVR-Leitlinien)

    „1.2 Methodische und instrumentelle Abgrenzung

    Die Kostenvergleichsrechnung stellt danach die einfachste Methode dieser Bewertungsverfahren dar….

    Die Rechnung stellt ein einseitig an der Kostenseite orientiertes Bewertungsverfahren dar. Es erfolgt lediglich eine Gegenüberstellung der monetär bewerteten kostenmäßigen Wirkungen der Alternativen, ohne daß die Nutzenseite in den Vergleich eingeht….

    …Die Anwendung der Kostenvergleichsrechnung unterliegt somit im wesentlichen folgenden einschränkenden Bedingungen:

    • Nutzensgleichheit der Alternativen,…
    • Äquivalenz monetär nicht bewertbarer Kostenwirkungen, d.h. dürfen keine Bedeutung haben…

    …Über die absolute Vorteilhaftigkeit, also die Frage, ob die Nutzen größer als die Kosten sind, wird nichts gesagt, da die Nutzenseite in diesem ausschließlich kostenorientierten Alternativvergleich gänzlich unberücksichtigt bleibt.

    2.1 Vorfeld der Kostenvergleichsrechnung

    Weiterhin ist in jedem Fall zu Beginn der Untersuchung abzuklären, ob die Kostenvergleichsrechnung eine ausreichende Entscheidungshilfe liefert.

    Die methodische Eignung hängt davon ab, ob ein

    • relativer Wirtschaftlichkeitsnachweis ausreicht und gleichzeitig
    • die zu vergleichenden Alternativen hinsichtlich ihrer Nutzen und Sozialkosten äquivalent sind.

    3.2.2 Anforderungen für Kostenvergleiche

    …Um Fehlentscheidungen zu vermeiden, müssen die Vorplanungen soweit ausgedehnt werden, dass eine situationsgerechte Beurteilung erfolgen kann….

    Da in den frühen Planungsstadien die größten Kostenbeeinflussungen gegeben sind, genügt es für den Alternativvergleich auf der Basis von Wirtschaftlichkeitsüberlegungen allgemein nicht, die Betrachtungen unter Verwendung grober Kostenkennwerte durchzuführen….

    Treten Kostenunsicherheiten auf, die eine Ausgrenzung von Alternativen zweifelhaft erscheinen lassen, so ist die Informationsbasis zu verbessern, bis eine rationale Entscheidung für oder gegen eine Konzeption gefällt werden kann.“

    Quelle:
    Länderarbeitsgemeinschaft Wasser
    „Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen“ (KVR-Leitlinien)
    überarbeitete Ausgabe von 1998
    Kulturbuchverlag Berlin GmbH
    Sprossenweg 3
    12351 Berlin
    Tel.: 030/661-8484
    Fax: 030/661-7828

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