Eine Oma, eine Ente, viel Gülle und das Verschlechterungsverbot

Eine Million entenfütternde Omas gegen Biogasanlagen und die industrielle Landwirtschaft!

Glosse aus dem März 2012

Wer gewinnt?

Dumme Frage!

Die Oma jedenfalls nicht!

Soll dieser Erpel – auch wenn es ein Männchen ist – wirklich verhungern?

Wenn das Gutgemeinte in der Verwaltung zum Terror mutiert…

„Ein ehrsamer Bürger, tierlieb und Freund der bedrohten Natur, nimmt sich der Fütterung von Enten an, die an dem kleinen Flüsschen, das sich traut durch unser Tal windet, ihre Freizeit verbringen und gerne mal ein Bröcklein trocken Brot von der Laufkundschaft entgegennehmen.

Gemach, lieber Tierfreund! Du hast Entscheidendes nicht bedacht.

Zur Labung tierischen Federviehs bist du nicht berechtigt.

Das „Wasserhaushaltsgesetz“ verbietet nämlich grundsätzlich das „Einbringen fester Stoffe“ in das Flüsslein, um „gesundheitlichen Gefahren“ vorzubeugen.

Dies schien dich, lieber Tierfreund, nicht von deinen Liebesbezeugungen an das einfältige Federvieh abhalten zu können. Der Mann war, so der besorgte Leserbrief, „mit großen Mengen Futter“ zu Gange, in der irrigen Meinung, hier Gutes für Gottes quakende Geschöpfe zu tun. Völlig vergessen schien er zu haben, dass die Tiere dadurch „von ihrem natürlichen Lebensraum entwöhnt“ würden, indem sie, Kreuzfahrt-Touristen gleich, zu oft an Land gingen, um es sich dort gut gehen zu lassen.

Ach ja, dass der Tierfreund vielleicht ein einsamer Mensch ist, der den Umgang mit diesen Tieren braucht, um nicht in die Verzweiflungsfalle alternder Menschen zu geraten, braucht unsere Gesetzeslust und Prinzipientreue nicht zu stören. Gesetz ist Gesetz.“

Quelle: Deutschland – Land der Verbote, von Josef Hueber

Also rein menschlich gedacht:

Wir sollten zuallererst die Natur kennen, die wir verwalten möchten!

Das Drama wäre nicht passiert, wenn ein gewisses klitzekleines ökologisches Grundwissen bei der deutschen Verwaltung der Gewässer nicht die Ausnahme wäre.

Andererseits: Passiert wäre es schon, aber man hätte einfach weggeschaut und man muss nicht alles beweisbar wissen müssen.

Gleiche Latte angelegt, dann wäre es auch in mancher Verwaltung verständlich, dass selbst die lässlichen Sünden Millionen entenfütternder Omas im Verhältnis zu der Nährstoffschwemme der industriellen landwirtschaftlichen Produktion und aus den wohllöblichen Biogasanlagen völlig unbedeutend, aber menschlich und kulturell gesehen höchst wertvoll sind.

Als die Oma noch ein kleines Mädchen war, hat sie auch Enten gefüttert und keiner hat sich aufgeregt. (Insofern stimmt es schon, dass Deutschland immer schneller zu einer Verbotsrepublik mutiert.)

Dicke Enten schmecken nun mal besser.

Ich gestehe: Ich habe diesen Vogel gefüttert!

Und selbst wenn mal ein Fisch nach Luft schnappt.

Na und?

Dann bitte beweist erst einmal, dass ausschließlich die Enten fütternde Oma daran schuld war.

Zu dem:

  1. Wo bleibt die Ehrfucht vor dem Alter?
  2. Wer zählt die geschredderten Vögel in der Luft?
  3. Wer zählt die Millionen toten Fische, die wegen des Gewässerschutzes durch übermäßige Gewässerreinhaltung verhungern?

Auch sind viele Wassertiere auf partikulären BSB angewiesen, dessen Einleitung den Betreiber von Kläranlagen wiederum bei Strafe verboten  ist.

Und so könnten die Omas, wenn sie nun nicht gerade in Trinkwassertalsperren die Fische füttern, den vom Gewässer“schutz“ verursachten Artenrückgang wenigsten etwas entgegen setzen.

Der Argumentation in dem Beitrag „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ beruht auf einem Trugschluss.

Wäre nämlich die Argumentation korrekt, dann würde es allein genügen die Enten nicht zu füttern, um die Tiere (Fische) nicht zu töten. Denn mit der Folge

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

ist auch zu rechnen, wenn Enten nicht gefüttert werden.

Ganz so simpel, wie in dem Beitrag dargestellt, reagiert die Natur nicht.  Mitunter „kippen“ die Gewässer gerade dann besonders häufig um, wenn die Grünalgen durch zu sauberes Wasser keinen Nitratstickstoff erhalten. Dann bilden sich Blaualgen und die brauchen kein Entenfutter. Es genügt für sie, wenn Phosphor nur in Spuren vorkommt. Die Folge ist die Gleiche – mit oder ohne Oma:

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

Insofern ist auch die Denitrifikation in den meisten Fällen keine Methode des Gewässerschutzes.

Aber das hat sich bei den „Gewässerschützern“, bei den Politikern und in den Verwaltungen noch nicht herumgesprochen.

Und zum Schluss:

Putzig ist auch diese Seite:  „Wasservögel“. (Ich lasse sie mal anonym.)

Im Text kann man lesen:

„Botulinus-Vergiftungen (Gift des Botulinus-Bakteriums, das im anaeroben Schlamm lebt) und das starke verschobene Geschlechterverhältnis erschweren die Existenz (der Enten) zusätzlich.“

und einer Bild-Unterschrift, dargestellt Oma mit Kind, kann man entnehmen:

„Das Füttern von Enten sollte kleinen Kindern vorbehalten sein.“

Warum, so fragt man sich?

Hat man zu viele Omas oder sind Kinder wiederstandsfähiger gegen Botulinus-Vergiftungen?

Ist es nicht auch Diskriminierung der Oma gegenüber dem Kind?

Soll das Kind gleich lernen, dass die Oma nicht das darf, was ein Kind darf?

Befürchtet man, dass Oma und/oder Kind den Botulinus-Schlamm essen oder könnte das Kind eine tote Botulinus-Ente streicheln oder gar in sie hineinbeißen?

Kinder machen so etwas!

Bei den Blaualgen – sie kommen im Sommer wieder in Mode – glauben die Medien ja auch, dass Kinder und sogar Erwachsene den Blaulagenschlamm in sich hinein löffeln und sich in ihm wälzen, wie Schweine in der Suhle.

Gäbe es keine Botulinus-Vergiftungen, wenn Oma bzw. das omageleitete Kind die Enten nicht füttern würde?

Natürlich nicht.

Es motzt jeden schwach recherchierten Artikel etwas auf, wenn man an eine Stelle – egal ob sie nun  passt oder nicht – das Wörtchen „Gift“ hineinstreuselt.

Und die Verwendung eines Fremdwortes, wie z. B. „Botulinus“, lässt erst recht auf Kompetenz schließen.

Um einem Mann Angst einzujagen hätte es einer nicht so umfangreichen Erklärung in „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ bedurft. Es hätte genügt:

  • Ente nicht füttern
  • Botulinus
  • Fisch tot
  • Oma und Kind vergiftet

Also immer schön unverständlich bleiben und Angst verbreiten, damit niemand auf den Gedanken kommt sich etwa seines Lebens zu freuen.

Angst und Dummheit beim Kunden sind die halbe Miete beim Geschäft, bei dem die Medien zumeist kräftig mit verdienen.

Und es kommt nicht darauf an, ob eine Botschaft wahr ist.  Dafür interessieren sich sowieso nur wenige Menschen am Rande der Gesellschaft.

Es genügt für den Zweck die Botschaft zu verbreiten und diese oft genug zu wiederholen.

***

(Sachlicher Link zu Botulinus: „Verursacher des Botulismus ist das Bakterium Clostridium botulinum, das in Böden und Schlamm weltweit verbreitet ist.“ )





Die Rettung eines Sees

Nitrat macht’s woanders möglich!

Die Lösung ist bekannt, aber in Deutschland verboten, weil man hier glaubt, Nitrat sei ein Schadstoff.

„Bei einigen Seen, wie z. B. beim Trummensee in Schweden, stellte sich die erwartete Oligotrophierung auch nach mehreren Jahren, nachdem das Einzugsgebiet saniert worden war, nicht ein. Die Ursache hierfür lag in der internen Düngung des Sees, die von dem abgelagerten Faulschlamm ausging.
Es wurden Laborversuche durchgeführt, um durch Sedimentbehandlung die interne Düngung zu unterdrücken. Hierbei erwies sich die Zugabe von Nitrat als erfolgversprechend [88,89]. Es zeigte sich:
—    Die organische Substanz im Sediment wird oxidiert, während das Nitrat reduziert wird. 3 CH2O + 2 NO3 N2↑ + 3 CO2↑ + 3 H2O
—    In Sedimenten mit einem hohen Gehalt an abbaubarer organischer Substanz fördert die Zugabe von Nitrat die Bildung von Denitrifikantenpopulationen.
—    Die Produkte der Denitrifikation sind mehr oder minder biologisch inert.
—    Der Denitrifikationsprozeß läuft bei einem relativ hohen Redoxpotential ab, so daß sogar Eisensulfid oxidiert wird.  Damit steht das Eisen wieder zur Festlegung von Phosphor zur Verfügung.

Quelle:
Scharf, B., u.a.
Seenrestaurierung
(Seite 321)
in
Besch, u.a.
Limnoökologie für die Praxis
Gerundlagen des Gewässerschutzes
3. Auflage
ecomed
1992

Das Einleiten von Nitrat in Gewässer zur Minimierung oder Vermeidung einer Blaualgenblüte ist eine von mehreren Maßnahmen.

Allgemein gilt:

Wo Nitrat ist, haben Blaualgen keine Chance!

Ebenso können auch Angler zur Gewässerverschmutzung beitragen, wenn Fried- und Jungfische nicht hinreichend minimiert werden.

Diese nämlich fressen Algenfresser.

So einfach ist das. Alles brachliegendes, unnützes Hochschulwissen.

Mit anderen Worten: Wer Seen von Nitrat und Raubfischen befreit, darf sich dann darüber wundern, dass er mit Blaulagen und trübem Wasser belohnt wird!

Siehe auch:

 

 




Effizienz wasserwirtschaftlicher Maßnahmen in Ökosystemen

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen müssen effizient sein.

Das ist naheliegend und auch der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu entnehmen. Im Anhang III (Wirtschaftliche Analyse) der Richtlinie wurde formuliert: „Die wirtschaftliche Analyse muss (unter Berücksichtigung der Kosten für die Erhebung der betreffenden Daten) genügend Informationen in ausreichender Detailliertheit enthalten, damit

a)
die einschlägigen Berechnungen durchgeführt werden können, die erforderlich sind, um dem Grundsatz der Deckung der Kosten der Wasserdienstleistungen gemäß Artikel 9 unter Berücksichtigung der langfristigen Voraussagen für das Angebot und die Nachfrage von Wasser in der Flussgebietseinheit Rechnung zu tragen; erforderlichenfalls wird auch Folgendem Rechnung getragen:

– den Schätzungen der Menge, der Preise und der Kosten im Zusammenhang mit den Wasserdienstleistungen,
– den Schätzungen der einschlägigen Investitionen einschließlich der entsprechenden Vorausplanungen;
b)
die in Bezug auf die Wassernutzung kosteneffizientesten Kombinationen der in das Maßnahmenprogramm nach Artikel 11 aufzunehmenden Maßnahmen auf der Grundlage von Schätzungen ihrer potentiellen Kosten beurteilt werden können.“

Erfahrungen und Referenzen

Für diese nachvollziehbaren Effizienznachweise besitzen wir langjährige Erfahrungen und nutzen auch interdisziplinäre Zu- bzw. Mitarbeit.

Die Methode

Methodisch wird dabei u. a. der zusätzliche Nutzen, seine Wahrscheinlichkeit definiert und dies in das Verhältnis zu den voraussichtlichen zusätzlichen Kosten gesetzt.

Ausgangspunkt ist eine ökologisch korrekte Prüfung oder Bewertung für einen konkreten Organismus und/oder für dessen Habitat.

Dabei konzentrieren wir uns auf Tiere im und am Wasser.

Der Schwerpunkt

Letztlich geht es darum zu untersuchen:

Sind die geplanten meist zusätzlichen Schutzmaßnahmen hinreichend nützlich für den konkreten Zielorganismus sowie verhältnismäßig und verstoßen sie nicht gegen das Sparsamkeitsprinzip?

Tiere im und am Wasser

 

 




Blaualgen und Badegewässer

Jährlichen Blaualgenkampagnen in der Presse fehlt Verhältnismäßigkeit und Sachlichkeit

Empfehlungen des Umweltbundesamtes zum Schutz der Badenden vor Cyanobakterientoxinen

Die Empfehlungen des Umweltbundesamtes zum Schutz der Badenden vor Cyanobakterientoxinen sind dem Internet zu entnehmen [1].

Schaut man sich diese Veröffentlichung mal genauer an, so ist diese durchaus nachvollziehbar.

Nur eine so große Gefahr für Badende – welche die jährlich auftretenden Pressekampagnen rechtfertigen – ist aus ihr nicht abzuleiten. Der Leser mag selbst urteilen. Hier nur einige kommentierte Auszüge aus der Empfehlung:

  • „Die Mehrzahl dieser Beobachtungen wurde im Zusammenhang mit dem Genuss von kontaminiertem Trinkwasser dokumentiert.“ (Also keine gesicherte Kenntnis über Badegefahren.)
  • „Zur Exposition beim Baden liegt, neben einzelnen Kasuistiken, bisher nur eine systematische epidemiologische Untersuchung aus Australien [16] vor.“ (Kasuistiken = Einzelfälle)
  • „Welche Bedeutung derartige Reaktionen für Badende haben, kann zurzeit jedoch noch nicht abgeschätzt werden.“ (Blaualgen begleiten den Menschen seit es ihn gibt. Nur als er begann Muscheln zu essen, die ihrerseits Blaualgen filtrierten, wurde es problematisch.)
  • „Aus der Sicht des Gesundheitsschutzes kommt den systemischen Wirkungen der Cyanotoxine nach oraler Aufnahme die größte Bedeutung zu.“ (Oral, d. h. Blaualgen trinken!)
  • „In diesem Zusammenhang stellen im Uferbereich der Badestelle spielende Kleinkinder im Krabbelalter aufgrund ihres Spielverhaltens und durch ihren häufigen Hand-Mund-Kontakt, bei dem sie unbeabsichtigt größere Mengen Sand und Wasser aufnehmen können, eine besondere Risikogruppe dar. Auch Kinder im Grundschulalter können beim Toben im Flachwasserbereich größere Wassermengen aufnehmen.“

„Eine Risikoabschätzung für Badende ist vor dem Hintergrund der eingeschränkten toxikologischen und epidemiologischen Datenlage nur mit großen Unsicherheiten möglich.“

Nicht plausibel ist allerdings die folgende Konklusion wegen fehlerhafter Begründung:

„Aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Baden in eutrophen, stark mit Cyanobakterien belasteten Gewässern ein Gesundheitsrisiko darstellt, insbesondere bei wiederholter Exposition innerhalb weniger Tage bis Wochen bei hoher Zelldichte bzw. Toxinkonzentration.“

Korrekt wäre dagegen:

Aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Baden in eutrophen, stark mit Cyanobakterien belasteten Gewässern ein Gesundheitsrisiko darstellt, insbesondere bei wiederholter Exposition innerhalb weniger Tage bis Wochen bei hoher Zelldichte bzw. Toxinkonzentration.

Wenn einerseits festgestellt wird

„Eine Risikoabschätzung für Badende ist vor dem Hintergrund der eingeschränkten toxikologischen und epidemiologischen Datenlage nur mit großen Unsicherheiten möglich.“

dann kann andererseits nicht behauptet werden

„Aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes muss jedoch davon ausgegangen werden,…“

Das Wörtchen „muss“ vermittelt Gewissheit, die ja in diesem Fall – wie in der Empfehlung korrekt selbst bewiesen – nicht vorliegt.

Insofern ist festzustellen:

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Badende im Wasser mit Cyanobakterientoxinen vergiften, ist wahrscheinlich sehr gering.

Dieses Feststellung vermag folgendes Indiz zu begründen: Es gibt zu wenige (wenn nicht sogar keine) erkrankten Badegäste in Deutschland, um die Besorgnis einer Vergiftung der Badegäste durch Blaualgen zu rechtfertigen. In warmen Gegenden mag die Gefahr aufgrund der höheren Stoffwechselgeschwindigkeit der Bakterien und damit einer deutlich schnelleren Teilung durchaus größer sein.

Die Besorgnis einer Vergiftung der Badegäste durch Blaualgen in Deutschland ist sachlich nicht nachvollziehbar, wohl eher vorsorglich überbewertet. Das Baden an sich ist lebensgefährlich (a). Die Blaualge ist damit verglichen harmlos.

Die Gefährlichkeit mancher Blaualgenarten ist einerseits unbestritten, andererseits hindert aber sicherlich häufig der gesunde Menschenverstand vor einem Bad in einer solchen grünen, undurchsichtigen Brühe. Genau das scheint der Hauptgrund für fehlende Vergiftungen oder Hautreizungen der Badenden durch Blaualgen zu sein. Theoretisch ist ja alles konstruierbar, aber wer geht in der Praxis in einem solchen Wasser, das unappetitlich aussieht und dessen  Algen zum Himmel stinken tatsächlich baden und wer lässt seine Kinder an solchen Teichen spielen?

Die Praxis scheint zu beweisen, dass die Gefahr, beim Baden durch Blaualgen vergiftet zu werden, oder dass man eine Hautreizung erleidet, gering ist.

Bewertung der für Cyanobacter kritischen Pges.-Konzentrationen

Nach den Empfehlungen des Umweltbundesamtes [1] können in thermisch geschichteten und insbesondere in großen Gewässern Cyanobakterien bereits ab 20 µg/l Gesamt-Phosphor dominieren (manchmal auch darunter) und in kleinen und durchmischten Gewässern eher ab 30-40 µg/l.

Wenn man nun mit Sicherheit Cyanobakterien ausschließen möchte, dann ist das wohl bei Konzentrationen < 20 µg/l Gesamt-Phosphor.

Orientiert man sich eher an kleinen und durchmischten Gewässern, dann gelten 30-40 µg/l Gesamt-Phosphor als kritisch.

Wenn das Ziel formuliert wird, Konzentrationen < 20 µg/l Gesamt-Phosphor zu erreichen, dann  ist es interessant sich eine Vorstellung von der „Kleinigkeit“ des Zieles zu machen: 20 µg/l Gesamt-Phosphor – das wären z. B. 20 g in 1.000 m³ Wasser. Um in einem See eine Konzentration von 20 Mikrogramm Phosphor/l  (= 20 g/1.000 m³) zu erzeugen, die eine Blaualgenblüte verspricht, braucht man die Landwirtschaft als Frachtmitverursacher nicht. Im FREMSA-Modell (S. 6) kalkulierte man für Sachsen-Anhalt  die  Phosphorfracht aus der Luft (u. a. Niederschlag) in Höhe von 0,58 kg Pges./haa. Ein See ohne Zu- und Abfluss (z. B. 100 m x 100 m x 2 m Tiefe = 20.000 m³)  bräuchte also 400 g Pges., um eine Konzentration von 20 Mikrogramm Phosphor/l  zu erreichen. Danach wäre nach 8 Monaten das Maß voll, d. h. es wäre die Pges.-Konzentration für eine Blaualgenblüte erreicht, wobei es nicht darauf ankommt, ob der Grenzwert nun 20, 30 oder 40 µg/l Gesamt-Phosphor beträgt. Dann dauert es eben ein Jahr oder zwei Jahre länger. Demnach müssten also fast alle Seen mit Blaualgenblüten zu kämpfen haben. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Also gibt es noch mehr Faktoren als nur eine Phosphorgrenzkonzentration, die eintreten muss bzw. müssen damit es zu einer Blaualgenblüte kommt oder nicht kommt. Immerhin könnte nach Uhlmann (1975)  sich in dem Modellsee eine Blaualgentrockenmasse von kalkulatorisch ca. 29 kg bilden, die bei einem angenommenen Wassergehalt von 90 % in 290 kg Algenfrischmasse umzurechnen wäre. Würden sich nun alle Blaualgen an der Wasseroberfläche versammeln – was nie der Fall ist –  dann wäre dies eine Schicht von 0,03 mm Mächtigkeit. Wie man erkennt, braucht man für eine  „richtige“ Blaualgenblüte eine größere Phosphorkonzentration als nur  20 oder 40 µg/l Gesamt-Phosphor. Daran sieht man wieder einmal, dass es nicht nur auf die Konzentration ankommt, sondern wohl in erster Linie auf die Dosis. Na ja, so etwas lernte man schon in der Grundschule oder noch früher, als Mutti Tabletten an das Kind austeilte und dabei immer auf die Dosis achtete.

Und:

  • Nicht alles was grün ist und auf dem Wasser schwimmt ist eine Blaualge.
  • Nicht jede Blaualge ist giftig.
  • Manche kann man sogar essen und werden auch gegessen.

Ein starkes Indiz:

Übermäßige Abwasserreinigung begünstigt Blaualgenblüten.

Blaualgen scheinen dann günstige Lebensbedingungen zu haben, wenn die Nitratkonzentration im Gewässer niedrig ist.

Nitrat wird aber in vielen Kläranlagen oft sachlich unbegründet beseitigt, denn Nitrat ist nur unter besonderen Bedingungen unerwünscht (Grundwasser, Trinkwassertalsperren…).

In vielen anderen Fällen ist es ein wertvoller Nutzstoff, der sogar so nützlich ist, dass er für die Sanierung von Seen Verwendung findet. Ob ein Stoff nun schädlich oder nützlich ist, kann sachlich nur durch eine Einzelfalluntersuchung geklärt werden, aber keinesfalls z. B. durch den Anhang 1 der Abwasserverordnung. So handelt es sich bei dem Anhang 1 der Abwasserverordnung um einen Konsens, dem die wissenschaftliche Grundlage (z. B. das Wirken der Naturgesetze) teilweise verloren ging.

Und:

Jungfische begünstigen ebenso Blaualgenblüten!

Jungfische fressen Wasserflöhe und Wasserflöhe fressen Algen.

Also, vereinfacht formuliert:

Keine Jungfische = viele Wasserflöhe = weniger Algen.

Das Fangen von Raubfischen begünstigt also Blaualgenblüten!

D. h. Blaualgenblüten können viele Verursacher haben.

 


(a) 2013: Erschreckende Bilanz der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft: In diesem Jahr hat sich die Zahl der Badetoten fast verdoppelt. 250 Menschen sind in Deutschland während der Sommermonate im Wasser ertrunken. Radio Hamburg meldet zu den häufigsten Ursachen für Badeunfälle: „Aber auch Stellen an denen Müll in den See geschmissen worden ist oder dort wo viele Wasserpflanzen wachsen ist die Gefahr sich unter Wasser zu verfangen groß. Die häufigsten Ursachen für Badeunfälle sind Überhitzung, Selbstüberschätzung und gerade bei Nicht-Schwimmern, aufblasbare Tiere oder Luftmatratzen . Dieses Wasserspielzeug bietet ein hohes Gefahrenpotential, da sie von diesen Tieren auch abrutschen können und dann Ertrinkungsgefahr droht. Damit Sie in Zukunft vorbereitet sind und erkennen, wenn jemand ertrinkt, gibt es hier ein paar Tipps, die Leben retten können. Um den tödlichen Ausgang von solchen Unfällen zu vermeiden, sollten Sie sich regelmäßig über Erste-Hilfe- und Wiederbelebungsmaßnahmen informieren.“ … Und kein Wort von Unfällen durch Blaualgen!

Literatur

[1] Empfehlung des Umweltbundesamtes zum Schutz von Badenden vor Cyanobakterien-Toxinen
Bundesgesundheitsbl. – Gesundheitsforsch. – Gesundheitsschutz
2003, 46, S: 530-538




Fische tot gepinkelt?

So lautet eine lustige Schlagzeile der Bildzeitung. Auch wenn die Fische mit ziemlicher Sicherheit nicht totgepullert wurden, man kann darüber schmunzeln.

In den folgenden Erörterungen bzw. Ferndiagnosen und vereinfachten Darstellungen sollen 2 Aspekte im Mittelpunkt stehen:

  1. Die Blaualgenplage
  2. Das Fischsterben

Die Blaualgenplage

Manche Fische lieben es geradezu, wenn sie „gedüngt“ werden, denn die Nährstoffe im Urin fördern das Wachstum von Algen.  Kleinkrebse, wie Wasserflöhe beispielsweise fressen Algen und machen so das Wasser sauber – wenn sie die Möglichkeit erhalten. Und Jung- und Friedfische fressen Wasserflöhe. Also: Maßvolle Düngung = viele fette Fische.

So gesehen kann man mit Abwasser Friedfische mästen und alle sind glücklich. Das ist nicht neu, sondern als Reinigungsmethode in Form von Abwasserfischteichen schon jahrzehntelang erprobt. Abwasserfischteiche sind alte, aus der Mode gekommene, aber bewährte Abwasserreinigungsverfahren, die es früher im ländlichen Raum häufig gab.

Vor dem Hintergrund aber, dass der Eichbaumsee 1 km lang, 250 m breite und 16 m tief ist, kann ich mir ein Totpinkeln aus quantitativen Gründen nicht vorstellen. Wikipedia notiert über den Eichbaumsee:

„Der Eichbaumsee wird vom Anglerverband Hamburg mit Karpfen, Hechten, Zandern und Schleien besetzt[1] [2] und war vor dem Fischsterben 2009 besonders wegen des Fanges großer Karpfen bekannt. Der See war ein bei der Hamburger Bevölkerung beliebter Badesee, der jedoch in heißen Sommern immer wieder stark von Algen befallen ist. Trotz Sanierungsmaßnahmen durch Tiefenwasserbelüftung mit einer als „Polyp I“ bezeichneten Anlage im März 2005 und im März 2007 mit „Polyp II“ musste das Baden wegen der Blaualgen untersagt werden. Seit Ende August 2007 ist ein generelles Badeverbot ausgesprochen.“

Und nach dem Artikel soll also in den letzten Jahren etwas passiert sein, das die Blaualgen so schön wachsen lässt.

Blaualgen mit Heterocysten - Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Was kommt dafür als Indiz in Frage?

Nun, es sind m. E. die besonderen Anstrengungen zur  Reinhaltung der Gewässer.

Das mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, aber es gibt ganz plausible Zusammenhänge:

Erstens:

Wo Nitrat in ausreichender Menge vorkommt, treten Grünalgen auf und wo Grünalgen sind, gibt es keine Blaualgenplage.

In dem Maße, wie Nitrat – weil gesetzlich vorgeschrieben – aus den Gewässern verbannt wird, werden ideale Lebensbedingungen für Blaualgen geschaffen.

Beweis nach Prof. Dietwart Nehring: „Dass die westlichen und zentralen Teilgebiete der Ostsee besonders stark von Blaualgen heimgesucht werden, hängt mit dem relativen Stickstoffmangel zusammen…“

Also:

Kein Nitrat = Blaualgenplage!

Mit anderen Worten: Die Natur beweist uns eindrücklich, dass wir beim Duschen in üblicher Weise nass werden.

Die maßvolle Einleitung von nitrathaltigem gereinigten Wasser könnte die Blaualgenplage minimieren!

Zudem ist das Einleiten von Nitrat in Teiche eine anerkannte Sanierungsmethode.

Zweitens:

Angler können (müssen nicht) die natürliche Gewässerklärung verhindern.

Beweis:

  1. Kleinkrebse fressen Algen
  2. viele Kleinkrebse = wenig Algen
  3. Fried- und Jungfische fressen Kleinkrebse
  4. viele Fried- und Jungfische = wenig Kleinkrebse = viele Algen = trübes Wasser
  5. In dem Maße wie Raubfische geangelt werden und dadurch die Fried- und Jungfische nicht minimiert werden, steigt die Wahrscheinlichkeit von trübem Wasser.

Quintessenz:

Es ist Zeit, sich den Unsinn einer Gewässerreinhaltung ohne Augenmaß festzustellen.

Nicht nur wegen des Sinnes, sondern auch wegen der Geldverschwendung.

Denn nicht umsonst steckt in dem Wort Wasserwirtschaft ein Sinn, der zunehmend – weil wir es uns leisten können – verloren geht.

Überlegungen eines anerkannten Ökologen, die uns eher weniger Naturgebildeten – zu denken geben sollten:

„Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wennn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt?“

Quelle: Reichholf, Joseph, H., Die Zukunft der Arten, C.H. Beck, 2. Auflage 2006, S. 63

Oder mit anderen Worten:

Reine Gewässer sind biologisch tote Gewässer!

2. Das Fischsterben

Fische können aus den verschiedensten Gründen sterben und dies muss nicht immer mit einer Vergiftung zusammenhängen. Spektakulär wird es, wenn die Fische alle gleich alt sind und dann an Altersschwäche ziemlich gleichzeitig sterben. So geschehen im Jahr 2006 in der Talsperre Saidenbach im Erzgebirge, damals starben ca. 8 Tonnen Karpfen!

Zu häufigen Fischsterben kommt es in stehenden oder langsam fließenden Gewässern, wenn Algen und Sonneneinstrahlung zusammentreffen. Die Algen verbrauchen das im Wasser gelöste Kohlendioxid, dadurch steigt der pH-Wert an und es wird mehr Ammoniak gebildet. Ammoniak ist ein starkes Fischgift.

Soll dieser Prozess minimiert werden, dann sind die Algenfresser (Wasserflöhe, Kleinkrebse, Zuckmückenlarven,…) zu schützen und die Gewässer soweit wie möglich zu beschatten. Besonders geeignet dafür ist die Schwarzerle.

Insofern unterstützen Jung- und Friedfische durch das Fressen der Wasserflöhe die Fischvergiftung.

Durch das Einsetzen und Schützen von Teichmuscheln werden wiederum klare Gewässer gefördert.

Das Ersticken von Fischen durch das Einleiten von ungereinigtem Abwasser kommt eher seltener vor.

Literatur:

Blaualgen –  Ein Überblick




Blaualgen – Panik

Blaualgen – die Wahrheit:

Ausgewählte Quellen, teilweise eine Blaualgenpanik – Juni 2011:

Blaualgen: Erneut Badeverbot im Kruppsee RP ONLINE – ‎Vor 14 Stunden‎
Friemersheim (skai) Das Institut für gesundheitlichen Verbraucherschutz der Stadt Duisburg hat im Kruppsee erneut Blaualgen nachgewiesen und bis auf Weiteres ein Badeverbot erlassen. Auch am Strandbad des Wolfssees an der Sechs-Seen-Platte im

Böhringer See: Badeverbot bleibt weiter bestehen suedkurier.de -Radolfzell
Schlechte Nachrichten für Badefreunde: Auch weiterhin darf im Böhringer See nicht gebadet werden, die Blaualgen sind immer noch gesundheitsgefährdend. Trotz der in den letzten Tagen festgestellten Rückläufigkeit der Algenblüte im Böhringer

Hitze fördert Blaualgen-Wachstum Märkische Allgemeine – ‎07.06.2011‎
Im Ergebnis der Untersuchung auf Blaualgen wird am Rahmer See ein Blaualgenwarnschild aufgestellt, teilt der Landkreis mit. Ohne Algenwachstum und damit von ausgezeichneter Badequalität sind im Oberhavel-Norden der Baalensee und der Röblinsee in

Blaualgen-Alarm am Rahmer See Die-Mark-Online – ‎08.06.2011‎
Oberhavel – Das Gesundheitsamt Oberhavel hat das erste Blaualgen-Warnschild der Saison aufgestellt. Von Burkhard Keeve Getrübt: Bislang steht nur am Rahmer See ein Warnschild, aber auch im Moderfitzsee in Himmelpfort tummeln sich die Algen bereits

Frischwasser für die Ostsee Deutschlandfunk – ‎06.06.2011‎
Sterben die Blaualgen ab, sinken sie auf den Meeresboden und werden dort von Mikroorganismen abgebaut. Das Problem: Letztere verbrauchen dafür fast allen verfügbaren Sauerstoff. Für Urlauber sind Blaualgen vor allem lästig: Die viele

Stadt Offenbach rät zur Vorsicht beim Baden im Schultheis-Weiher Familien-Blickpunkt.de – ‎03.06.2011‎
Blaualgen
können giftig sein und zu Krankheitserscheinungen führen. Kinder sind besonders gefährdet. Bei Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Atemnot oder Hautreizungen nach dem Kontakt mit dem Seewasser sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Der kompetente Ratgeber Nie mit vollem Magen und alkoholisiert ins Wasser BZ – ‎31.05.2011‎
Vorsicht, Blaualgen! Hohe Temperaturen können in Gewässern zu übermäßigem Algenwachstum führen. Bei fehlender Sauerstoffzufuhr beginnt die Biomasse zu faulen: Der See kippt um.> Nie in Gewässern baden, für die Badeverbot besteht.

Peru: Bedrohliches Blaualgenwachstum durch Abwässer im Fluss Camisea Womblog (Blog) – ‎02.06.2011‎
Der überdurchschnittliche Anstieg der Wassertemperatur im Fluss Camisea hat Blaualgen hervorgebracht, die Hautallergien sowie Magen- und Leberprobleme unter der indigenen Bevölkerung zur Folge haben können. Zudem schmecken Fische aus dem Fluss durch





Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung

Kapitelverzeichnis

22. Widersprüche beim Gewässerschutz
22.1 Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung
22.2 Nitrat stört den Phosphorkreislauf
22.3 Schwarze Flecken im Watt
22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung
22.5 Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung
22.6 Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff
22.7 Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen – Was wäre wenn?
22.7.1 Jährliche Energieeinsparung im Gigawattstundenbereich?
22.7.2 Belebtschlammanlagen sind als „Energiefresser“ klimabelastend

22.4 Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung

Die Abwasserreinigung soll u. a. hygienische Bedingungen schaffen und sie soll unsere Gewässer vor Verschmutzung schützen. Dabei umfasst die Abwasserreinigung nicht nur die Entfernung der sichtbaren[1] Abwasserbestandteile, sondern auch die Minimierung[2] der gelösten, meist nicht sichtbaren Abwasserinhaltsstoffe. Ein Reinigungsziel besteht in der Vermeidung von Sauerstoffarmut im Gewässer. Unbehandelte kommunale Abwässer, die in Gewässer eingeleitet werden, enthalten u. a. Kohlenhydrate und Eiweißstoffe, die für ein Massenwachstum der Fäulnisbakterien sorgen. Diese Bakterien verbrauchen dabei den gelösten Sauerstoff im Gewässer und können damit u. a. Fischsterben und die Auslöschung vieler weiterer Arten von Wassertieren auf Grund des Sauerstoffmangels verursachen. Tote Bakterien sowie abgelagerte Schwebe- und Sinkstoffe des Rohabwassers bilden Schlammbänke, die nach kurzer Zeit faulen und dabei Fischgifte, wie Ammoniak oder Schwefelwasserstoff freisetzen.

Etwa bis 1989 beschränkte sich der Gewässerschutz bei Fließgewässern[3] auf die Eliminierung der biologisch abbaubaren Stoffe – gemessen durch den BSB5. Dies ist auch heute noch der wichtigste Schritt bei der biologischen Abwasserreinigung.

Trotz sehr guter BSB5-Abbauleistungen mussten die Gewässerschützer aber feststellen, dass es weiterhin zu Gewässerschäden kam[4]. Als Ursachen wurden Algen in Verbindung mit den Abwasserinhaltsstoffen und Pflanzennährstoffen (Phosphat, Ammonium, Nitrat) ermittelt.

In fast allen Gewässern gibt es Algen. Diese Algen benötigen zur Lebenstätigkeit keinen organischen Kohlenstoff (z. B. keinen Zucker). Sie sind Pflanzen und daher in der Lage, Biomasse mit Sonnenenergie, Stickstoff und Phosphor zu produzieren.

Um diese Eutrophierungsprozesse zu vermeiden, konzentriert sich der Gesetzgeber auf die Entfernung der Stickstoff- und Phosphorverbindungen. Nur viele betroffene Gewässer wurden dennoch nicht sauberer. Die Ursache lag nun meistens darin, dass mehrere längst bekannte Naturgesetze, Zusammenhänge und Gegebenheiten nicht beachtet wurden:

  1. die fortgeschrittene Überdüngung der Gewässer mit Nitrat aus landwirtschaftlichen Nutzflächen bzw. aus Drainabläufen und die übermäßige Einlagerung des Phosphors sowie des Stickstoffes im Sediment
  2. das Gesetz vom Liebigschen Minimum
  3. der natürliche  Phosphorkreislauf
  4. Stickstofffixierung[5] durch die Natur selbst (Leguminosen[6] und bestimmte Blaualgen)

Tatsächlich genügt es bei der Nährstoffeliminierung für Gewässer – die Oxidation des Ammoniums[7] vorausgesetzt – nur einen Nährstoff zu eliminieren.

Der deutsche Professor Justus Liebig (1803-1873) stellte fest, dass für die Förderung des Pflanzenwachstums (im Sinne einer Düngung) der Nährstoff entscheidend ist, dessen Angebot am weitesten unter dem Bedarf liegt. Das ist der sog. Minimumfaktor. Für die Abwasserreinigung genügt es in vielen Fällen, wenn von den zwei Nährstoffen Phosphor und Stickstoff nur ein Nährstoff minimiert wird. Wachstumsbegrenzung ist gleichzeitig Ziel der Eutrophierungsvermeidung.

Wasserwirtschaftlich nachhaltig handeln, bedeutet sich auf den Nährstoff zu konzentrieren, bei dem überhaupt eine Chance zur Wachstumsbegrenzung besteht.

Haben wir eine Chance zur Wachstumsbegrenzung, wenn der Stickstoff eliminiert wird? Auf diese Frage wird im nächsten Kapitel eingegangen.


[1] Trübstoffe

[2] Eine vollständige Beseitigung ist aus Kostengründen unmöglich und unrealistisch.

[3] In den Einzugsgebieten von Seen und Trinkwassertalsperren wurde, ausgehend von der Schweiz und Österreich, schon seit 50 Jahren Phosphor vor allem durch Fällung aus dem Abwasser eliminiert, in der ehemaligen DDR und in der BRD auch durch Vorsperren.

[4] Diese Erkenntnisse liegen aber nunmehr schon länger als 40 Jahre zurück.

[5] Bindung von Luftstickstoff

[6] Leguminosen leben zwar nicht im Gewässer, aber der Anbau von Leguminosen führt auch zu einer Nitratbelastung der Gewässer.

[7] Ammonium ist ein bevorzugter Pflanzennährstoff, der sich bei bestimmten pH-Wert-Verhältnissen in fischgiftiges Ammoniak umwandeln kann.


Auszug:
Handbuch Kommunale Abwasserbeseitigung
Normative Kosten und Risikoabbau
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Ausgabe 2003, Werdau
ISBN-Nr. 3-00-011255-3




Blaualgenreport

1. Lektion – Einführung

Ziel des Reportes:
Nachweis, dass der Gewässerschutz teilweise uneffektiv, paradox, teils sogar gewässerschädlich ist.

Beweisaufgabe:
1. Nachweis der Verschwendung finanzieller Mittel für die unnötige Stickstoffeliminierung in EU-Kläranlagen.
2. Nachweis gewässerschädlicher Regelungen in der Abwasserverordnung und im Abwasserabgabengesetz

Methode:
Vergleich

Gegenstand:
Grundlagenwissen der Hydrobiologie und ausgewählte aktuelle Gewässerschutzvorschriften

Vorwegnahme:
Behörden und Ministerien sind diese noch aufzuzeigenden Widersprüche zumeist bekannt. Die Gesetzgebung und die Bürokratie verbietet bzw. verhindert aber folgenreich die Nutzung einiger wissenschaftlicher Erkenntnisse für den Gewässerschutz.

Folge:
Entwertung der Bildung und Schäden in Höhe von ungezählten Milliarden Euro.

  • Blaualgen gibt es schon seit etwa 3,5 Milliarden Jahren (Präkambrium).
  • Eigentlich sind es keine Algen, sondern Bakterien der Abteilung Cyanophyta.
  • Der Name Cyanophyta kommt von der blau-grünen Farbe.
  • Blaualgen sind 5-10 mal größer als Bakterien.
  • Sie pflanzen sich ungeschlechtlich fort.
  • Es gibt weltweit etwa 2.000 Arten, wobei die Experten über die genaue Spezifikation und Klassifizierung der Arten noch debattieren.
  • Blaualgen leben im Wasser.
  • Blaualgen ernähren sich autotroph. (Fähigkeit bestimmter Organismen, mit Hilfe von Licht oder aber anorganischer Substrate als Energiequelle körpereigene, organische Substanz aufzubauen.)

2. Lektion – Färbung, Bewegung, Fortpflanzung und Verbände

  • Das Protoplasma (innere Substanz aller lebenden Zellen, inkl. Zellkern; ein komplexes Kolloidgemisch, das vorwiegend aus Eiweißstoffen besteht) ist niemals rein grün.
  • Vorherrschende Farben sind blaugrün, spangrün, violett bis rötlich, purpur bis braunrot, braun und olivgrün.
  • Bei Nährstoffmangel (N, P, u. a.) treten gelbliche Farbtöne auf.
  • Bei Anwesenheit von Schwefelwasserstoff sind die Farben gelbgrün oder blassbläulich.
  • Es gibt zahlreiche Farbmischungen aus der Farbe des Protoplasmas, der Scheiden und der Hüllen.
  • Die meisten Blaualgen sind unbeweglich, ungeschlechtliche Fortpflanzung und Zweiteilung.
  • Blaualgen kommen als einzelne Zelle und in Zellverbänden vor:
    1. Kugelförmig als Beschlag
    2. netzförmig
    3. rasenförmig ohne Verzweigung
    4. rasenförmig mit Verzweigung
    5. als Strang
    6. als Haut
    7. Bündel
    8. Schwamm
    9. Verhau
    10. festsitzendes Polster
    11. planktisches (schwebend) Kugelpolster
    12. Einbettung
    13. Einbettung (Mischbestände)
    14. Kruste

Siehe zu den Verbänden Abbildung 1 aus

Urania Pflanzenreich
Niedere Pflanzen
Urania-Verlag
Leipzig-Jena-Berlin
2. Auflagen 1977

3 . Lektion – Vorkommen

  • Blaualgen sind auf der Erde weit verbreitet (fast überall)
  • Dort wo es photoautotrophe Algen gibt, sind auch Blaualgen zu finden. (photoautotroph: Fähigkeit zu ihrer Ernährung anorganische Substanzen in körpereigene Substanzen mit Hilfe von Licht umzuwandeln)
  • Ihre Stärke liegt im Massenwachstum bei Grenzbedingungen (z. B. Mangel von Nitratstickstoff).
  • Die meisten Blaualgen benötigen Licht zum Leben.
  • Das rote Meer erhielt z. B. seinen Namen durch die Wasserfärbung durch rote Trichome (haarähnliche Gebilde) von Blaualgen, die aus den Tiefen des Meeres emporsteigen. In den Dämmerzonen der Meere herrscht blaugrünes Licht vor. Durch den roten Algenfarbstoff wird blaugrünes Licht gefiltert und somit für die Blaualge erschlossen. (Dieser Filtereffekt wird z. B. bei der Mikrofotografie genutzt, wenn es darum geht blaugefärbte Bakterien kontrastreich schwarz-weiß abzubilden.)
  • Die meisten Blaualgenlager sind daher in den Tiefen der Meere rot oder violett gefärbt.
  • Die Assimilation der Blaualgen endet bei etwa 65 °C. In heißen Mineralquellen gibt es noch Arten, die bis 75 °C lebensfähig sind.
  • In einer meiner Lieblingsstädte – Karlovy Vary – sind sie ebenfalls am Auslauf des Vrídlo-Sprudel zu beobachten. Es handelt sich also nicht um buntes Abwasser, um dem Aufschrei der Ökologisten vorzubeugen. Thermophile (> 35 °C) Algen wachsen bei Temperaturen unter 30 ° C nicht, kryphiel Blaualgen leben dagegen bei Temperaturen bis -88 °C.
  • Blaualgenarten, die in Hochgebirgen gemäßigter und tropischer Breiten sowie in abgegrenzten Beständen in Wüstenböden leben, können alle Lebensvorgänge unterbrechen ohne zu sterben, wenn Temperaturen und Wasserversorgung entsprechend schwanken. Blaualgen, die in einem Herbarium getrocknet waren, erwiesen sich nach 87 Jahren noch als lebensfähig.
  • Blaualgen sind die Erstbesiedler kürzlich entstandener Landflächen, Wüsten, Steppen, insbesondere von nährstoffarmen Böden.
    Warum? Weil einige Arten von ihnen fähig sind, atmosphärischen Stickstoff zu binden. Das heißt, sie „bauen“ sich gewässerschädliches Eiweiß aus der Luft selbst. Damit wird die Stickstoffentfernung in deutschen Kläranlagen nonsens.
  • Vor allem fädige Blaualgen – mit Herterocysten – (siehe 4. Lektion) sind in der Lage molekularen Stickstoff zu binden. Man vermutet, dass in den Schleimen der Blaualgen obligonitrophile (stickstoffliebende) Bakterien leben, die an dem Prozess beteiligt sind. Ähnlich wohl wie die Symbiose zwischen Knöllchenbakterien und Leguminosen funktioniert. Übrigens: Wussten Sie, dass die Knöllchenbakterien zu den Blaualgen zählen?
  • In Japan wird die Blaualge Tolypothrix tenius kultiviert und zur Düngung der Reisfelder verwendet. Es gibt Ertragssteigerungen bis zu 120%.
    In Indien werden mit Blaulagen unfruchtbare Salzböden rekultiviert.
  • Die Blaualge Anabaena ist symbiontisch mit dem Wasserfarn Azolla, welcher auf indischen Reisfeldern mitkultiviert wird. Auf diese Art und Weise können ohne zusätzliche Düngung mehrere Ernten pro Jahr eingeholt werden.
  • 3 Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans Krakatoa fanden sich auf den Asche- und Tuffoberflächen gallert-schleimige Lager von Blaualgen.
    Die Stickstoffbindung der Blaualgen ist die Ursache für deren Massenwachstum in unseren Seen zu Zeiten, in denen ein Mangel an verwertbaren Stickstoffverbindungen (Nitrat und Ammoniumstickstoff) herrscht.

Bayreuther Link zur Blaualge Anabaena
Siehe auch: Chemievorlesung der Uni-Kiel und Uni-Protokolle  der Uni Bayreuth

4 . Lektion – Heterocysten

  • Heterocysten sind spezialisierte Zellen in manchen Zellketten (=Filament) von Cyanobakterien.
  • In Heterocysten wird Luftstickstoff durch das Enzym Nitrogenase (Stickstofffixierung) in Ammonium umgewandelt.
  • Voraussetzung für die Bildung von Heterocysten ist Nitrat oder Ammoniummangel im Wasser.
  • Gelöster Sauerstoff ist für die Nitrogenase toxisch. Dieser wird aber bei Heterocysten in der Zellwandung teilweise gebunden.
  • Parallel zur Nitrogenase wird durch die Photosynthese das Kohlendioxid in Biomasse umgewandelt.
  • Cyanobakterien, die Heterocysten verwandeln die „unerschöpflichen“ Grundstoffe Wasser, Kohlendioxid und Luftstickstoff in Biomasse unter maximaler Ausnutzung von Lichtenergie.
  • Es handelt sich um die effektivste bekannte Art der Produktion von Biomasse.
  • Quelle und Weiteres unter Heterozyste oder unter Stickstoff-Fixierung
  • Stickstofffixierer sind u. a. die Blaualgen Anabaena (Anabaena ), Aphanizomenon.
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