Dichtheitsprüfung der Hausanschlüsse – fast witzig?!

Dichtheitsprüfung

Wat stinkt, dat düngt!

Diesmal nicht von mir – es kommen auch andere darauf:

„Fast Witzig ist nun die Verordnung des Landeswasserschutzgesetzes NRW § 61, das die Dichtigkeitsprüfung der Hausanschlüsse der Kanalisation vorschreibt. Für viel Geld muss der Hausbesitzer sein Kanalsystem überprüfen lassen, ob an irgendeiner Stelle eine Undichtigkeit besteht, während möglicherweise auf der gegenüberliegenden Straßenseite hunderte von Kubikmetern Gülle auf die Felder verteilt werden.“

Quelle: Wat stinkt, dat düngt! (Doch trifft das auch zu EHEC-Zeiten noch zu…?)

Kommentar – Gründe gegen prinzipielle Dichtheitsprüfungen aller Grundleitungen

  1. Unverhältnismäßigkeit, d. h. der Aufwand rechtfertigt nicht den Effekt. (Das erkennen schon Laien.)
  2. Der Effekt der Folgen einer undichten Grundleitung bzw. Hausanschlussleitung wird nicht bewiesen. Die Argumentation beruht meist auf abstrakten Behauptungen.
  3. Undichtigkeiten in der Hausanschlussleitung sind – wenn in extrem seltenen Fällen tatsächlich relevant – dann nur an den Stellen des Abwasserrohres von Bedeutung, an denen Abwasser die Rohrwandung berührt. Das ist bei fast allen Hausanschlüssen (DN 150 angenommen) bei einer maximalen Teilfüllung von 3 cm über der Kanalsohle ein benetzter Umfang von nur 14 cm, der zudem nur wenige Minuten am Tag benetzt wird. Siehe hierzu die Darstellung der Ausdehnung der Sielhaut. (Die Sielhaut ist eine schleimige Schicht aus Bakterien, die u. a. das Ausmaß der regelmäßigen Benetzung beweist.)
  4. Selbst eine Undichtigkeit in der Sohle ist in der Regel keine Katastrophe, weil ein Selbstdichtungsprozess den Austritt von Abwasser minimiert.
    Beweis: z. B. Verstopfung des Filters von Pflanzenkläranlagen oder auch wissenschaftliche Vorträge über die Selbstdichtung von Hausanschlussleitungen.
  5. Zudem wird in Fachgremien diskutiert, dass manche Dichtheitsprüfungen durch den Druck bei einer Druckprüfung die vorhandene biologische Selbstdichtung zerstören und so eine Undichtigkeit vorgaukeln, die es tatsächlich in dem durch die Druckprüfungen festgestellten Ausmaß nicht gibt.
  6. Verlässt man sich auf die optische Sichtprüfung, dann werden die meisten Undichtigkeiten gar nicht bemerkt. Und, soll man einen Riss oberhalb der Sielhaut wirklich reparieren lassen?
  7. Zu prüfen wäre, ob bei einer prinzipiellen Dichtheitsprüfung aller Grundleitungen wegen fragwürdiger und vor allem wegen abstrakter Gefährdung gegen den Stand der Technik und gegen das Übermaßverbot verstoßen wird. Das eine prinzipielle Dichtheitsprüfung aller Grundleitungen gegen den Stand der Technik verstößt, mag verwundern. Erstaunlich ist aber, dass die Verfasser der Definition des Standes der Technik die Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsprinzips als notwendige Voraussetzung für den Stand der Technik im Anhang 1 des Wasserhaushaltsgesetzes bestimmt haben. Beweis: Stand der Technik.
  8. Das Fazit? Traue ich mir nicht zu schreiben. Darauf soll der Leser selber kommen. Es bleibt zu hoffen, dass solche Luxusprobleme nicht auf die neuen Bundesländer überschwappen. Siehe auch Hintergrund von Hassemer: Flächendeckende Vorfeldkriminalisierung im Umweltstrafrecht!

Dichtheitsprüfung

Veranschaulichung des geringen Ausmaßes des benetzten Umfanges bei Hausanschlussleitungen durch die Ausdehnung der Sielhaut

Weiteres unter: Dichtheitsprüfung

Siehe auch: Abwasserentsorgung bei Privaten: „Dichtheitsprüfung – Nein Danke“

(Beitrag vom Juli 2011. Geringfügig überarbeitet im März 2017)




Gewässerschutz

Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 widerspricht konkretem Gewässerschutz

Übermäßiger Gewässerschutz kann gegen das Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 verstoßen!

In diesem Beitrag geht es um die Darstellung der Tatsache, dass der praktizierte Gewässerschutz – also in der Weise wie er offiziell verfolgt wird – keineswegs selten seine Ziele gerade dann verfehlt, wenn er wasserrechtliche Regelungen rigoros umsetzt.

Das ist komisch, ist aber so!

(„Keineswegs selten“ bedeutet, dass es natürlich auch Fälle gibt, in denen der Gewässerschutz seine Ziele erreicht.)

Die Ursache des erwähnten Paradoxon liegt in der Unmöglichkeit,

  1. die konkrete Natur mit abstrakten Rechtsvorschriften abzubilden. Und
  2. in der Unmöglichkeit, mit Rechtsvorschriften in der Natur etwas zu steuern.

Wenn etwas in der Natur mehr oder weniger genau gesteuert werden kann, dann nur in Kenntnis und Anwendung der wissenschaftlichen Ökologie.

So, und nun zu den Tatsachen. Tatsachen haben die Eigenschaft, darauf sei noch hingewiesen, dass sie für ihre Wahrheit keine Akzeptanz benötigen. Beispiel: Die Erde ist rund und dies unabhängig davon, ob der Gesetzgeber oder eine Verwaltung nun daran glaubt oder nicht! Tatsachen bedürfen für ihre Akzeptanz der Dokumentation. Und fehlt die Dokumentation oder ihre Akzeptanz, so bleiben es trotzdem Tatsachen.

Ein schönes Beispiel ist der von Reichholf dokumentierte, gutgemeinte und tatsächliche Eingriff des „Gewässerschutzes“ in die Natur der völlig nach hinten losging. In der Konsequenz kam es zu einem vorhersehbaren Massensterben von Muscheln. Hier sollte man wissen, dass Muscheln gut 100 Jahre alt werden können und als Filtrierer einen beträchtlichen Anteil an der Klarheit eines Gewässers haben können. Zahlreiche Naturfreunde lesen seit Jahren Muscheln aus Gewässern, die aus verschiedensten Gründen zeitweise trocken liegen, um sie umzusiedeln oder anschließend wieder einzusetzen. 3 Beispiele mögen ihre Bemühungen veranschaulichen:

Das ist die eine Seite der Medaille!

Die andere Seite füllt das Wasserhaushaltsgesetz mit seiner Forderung, Abwässer nach dem Stand der Technik zu behandeln. REICHHOLF kritisiert diese Forderung schon 2005:

Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt? Wir können nicht all diesen Tieren die Nahrung wegnehmen und dann darüber klagen, dass sie seltener werden.Reichholf: Die Zukunft der Arten.

Der sogenannte Stand der Technik verursachte in einem dokumentierten Fall ein Massensterben schützenswerter Tiere im Gewässer. Auf der einen Seite begeistert sich der Naturfreund über die Rettung von 20 Muscheln, opfert seine freie Zeit und auf der anderen Seite werden beim guten Tun wasserrechtskonform 4.000 Muscheln/100 m²(!)  getötet.

Aus dem Kapitel 3, ab Seite 47 des Buches von REICHHOLF

Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten.
Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch, erschienen März 2005
München C.H. Beck Verlag

folgt, dass übermäßiger Gewässerschutz zur dramatischen Verschlechterung der Bedingungen in den Ökosystemen für Mauersegler und Großmuscheln führte. Aber lesen Sie selbst:

Gewässerschutz

Abbildung 10: Der Rückgang der Mauersegler verlief parallel zur Abnahme der Großmuscheln und der Mückenlarven.

Zum Verständnis des Diagramms 10 von REICHHOLF:

1968-1973 wurden je 100 m² noch 4.000 Großmuscheln gezählt. 1994 war infolge der „Verbesserung“ der Gewässergüte keine mehr da!

Zum Diagramm, Zitat:

„Dennoch lässt sich wohl der größere Teil — wenn nicht sogar der gesamte Rückgang — als «hausgemacht» erklären. Den Schlüssel dazu liefern ganz ähnliche, ja sogar im Ausmaß noch weit kräftiger ausgebildete Rückgänge bei den Großmuscheln. Und die wandern nicht irgendwohin, sondern sie leben dauerhaft für Jahre und Jahrzehnte in jenen Gewässern, aus denen auch die «Emergenz» von Zuckmücken, kleinen Eintagsfliegen und anderen Wasserinsekten hervorkommt. Abb. 8 zeigt diesen Rückgang der Großmuscheln im selben Gebiet der Stauseen am unteren Inn, in dem auch die starke Abnahme der Mauerseglerhäufigkeit festzustellen war. Die Kleinmuscheln gingen ebenfalls sehr stark zurück.
Fügt man nun auch noch die Abnahme der Häufigkeit der Zuckmückenlarven (Abb. 9) hinzu, die im Bodenschlamm dieser Stauseen leb(t)en, ergibt sich ein einheitliches Gesamtbild (Abb. 10).
Die Gleichsinnigkeit der Verläufe bei den drei so ganz unterschiedlichen Tiergruppen geht hieraus so deutlich hervor, dass sich ein gemeinsamer Grund geradezu aufdrängt. Er lässt sich aus der Lebensweise der Zuckmückenlarven und der Großmuscheln direkt ableiten und mit der Abnahme der Mauersegler verbinden. Beide, die Larven der Zuckmücken wie die Großmuscheln, leben von jenem schon benannten organischen Detritus, den Bakterien und Pilze zersetzen. Sie filtern oder strudeln ihn aus dem Wasser und den obersten Schichten des Bodenschlammes heraus. Vor allem das Bakterieneiweiß, das darin enthalten ist, stellt eine ergiebige Nahrungsgrundlage dar. Sie bildet gleichsam die Basis einer eigenen, sehr umfangreichen Nahrungskette. Erstnutzer dieses Detritus sind Zuckmückenlarven und Schlammröhrenwürmer, die in ähnlichen Mengen und Mengenverhältnissen wie die Zuckmückenlarven in solchen Gewässern vorkommen sowie die Muscheln. Wo es viel von dieser Detritus-Nahrung gibt, entwickeln sich große Bestände dieser «Schlammfauna» (Reichholf 1993). Mit bis zu 2,6 Kilogramm Frischgewicht pro Quadratmeter erreichten Ende der 1960er und Anfang der 1970erJahre die Zuckmückenlarven sogar ziemliche Rekordwerte. Noch erheblich größere Mengen hatte es am Ismaninger Speichersee gegeben.“ (Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten)

Zu dem Verhungern der Mauersegler und Großmuscheln kam es also durch Verschlechterung des Nahrungsangebotes infolge einer übermäßigen Abwasserreinigung.

Ein scheinbares Paradox: Ist doch gerade die Verschlechterung des Gewässerzustandes vom „Gewässerschutz“ ausdrücklich verboten!

Mitunter wird geglaubt, Muscheln brauchen klares Wasser. Das trifft aber nur auf wenige Muschelarten zu. Vielmehr ist korrekt, dass Muscheln – insbesondere Teichmuscheln – trübes Wasser reinigen. Sie filtrieren das Wasser. Für die Teichmuscheln im Dorfteich kann es eng werden, wenn Kleinkläranlagen, die bislang in den Teich entwässerten und nun wegen einer Emotion (abstrakter Grund einer Besorgnis), dass der Gewässerzustand schlechter werden könnte, dort nicht mehr einleiten dürfen. An solche Feinheiten darf eine Gewässerverwaltung nicht einmal denken. Derartige Abweichungen vom Gesetzestext hat der Gesetzgeber ihr bei Strafe verboten und insofern ist an dem negativen Effekt des Guten eine Wasserbehörde meist schuldlos. Es hat den Anschein, der Gesetzgeber traut seinen Unteren Wasserbehörden nicht über den Weg. Sicher sehr zu Unrecht, denn der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Ursachen der Schieflagen sind abstrakte und weltfremde Vorstellungen von der Natur, die zu allem Unglück in Gesetze und Verordnungen zementiert wurden und die unter allen Umständen einzuhalten sowie zu beachten sind, auch wenn Populationsdichte und Biodiversität den Bach hinunter gehen. Helfen könnten zwar

  • ein größerer Entscheidungs- und Verantwortungsspielraum der Unteren Wasserbehörden,
  • mehr Naturwissenschaftlichkeit in den Verwaltungen, so dass man auch Verschlechterungen als Konsequenz des Guten rechtzeitig erahnen kann,
  • Gestattung von Ausnahmen in begründeten Fällen sowie
  • eine Reform des § 27 WHG,

dass aber auch nur ein Teil davon umgesetzt wird, halte ich für ausgeschlossen, weil es tatsächlich um etwas anderes geht. 

Eine Ursache für die Verschlechterung des Gewässerzustandes (Rückgang der Populationsdichte und Biodiversität) ist der § 27 WHG.

Gewässerschutz und Paragraph 27: Bewirtschaftungsziele für oberirdische Gewässer (WHG – Wasserhaushaltsgesetz)

„(1) Oberirdische Gewässer sind, soweit sie nicht nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein guter ökologischer und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.

(2) Oberirdische Gewässer, die nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, sind so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen Potenzials und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein gutes ökologisches Potenzial und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.“

Schon der § 27 ist für den Gewässerschutz ein logisches Dilemma. Er ist in sich in hohem Maße widersprüchlich, wie folgende Aspekte beweisen mögen:

  1. Es gibt keine abstrakte Natur und kein abstraktes Gewässer.
  2. Es ist unmöglich etwas Abstraktes zu verbessern, zu verschlechtern oder zu schützen.
  3. Wasserwirtschaftliche Prinzipien (effiziente Nutzung des Wassers, Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips,…) sind immer konkret!
  4. Ein Effizienzbeweis ist immer nur konkret zu führen. 
  5. Wer abstrakt begründet, hat entweder keine Ahnung oder er verbirgt in raffinierter Weise seine tatsächlichen Ziele und Interessen.
  6. Ein ökologischer Zustand ist immer konkret orientiert, an einen konkreten Organismus oder an eine konkrete Lebensgemeinschaft gebunden. Der  ökologische Zustand bzw. das ökologische Potential im § 27 aber ist abstrakt.
  7. Zwischen dem ökologischen und dem chemischen Zustand gibt es eine Naturgesetzlichkeit. So kann z. B. die Verbesserung der Nahrungsgrundlage und damit des ökologischen Zustandes – konkret der Teichmuschel – eine Verschlechterung des wasserchemischen Zustandes erfordern.

Mit Gewissheit steht damit fest: Der § 27 WHG kann beliebig interpretiert werden. Es handelt sich beim § 27 um einen unter wissenschaftlichen Ökologen seit langen bekannten Nonsens. Er wird von ihnen nur etwas charmanter, in einer Weise formuliert, so dass sich ein Unwissender nicht beleidigt fühlt:

„Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten. Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.“ Lampert

Neben Lampert könnten noch weitere Ökologen genannt werden, z. B. Steinberg.

Am Ende kommt es im Streitfall auf den Richter an, ob dieser eher abstrakten oder konkreten Argumenten zugeneigt ist.

Rumm, u. a. notieren zurecht im Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie, 2. Auflage, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2006:

Maßnahmen müssen zielführend und eben kosteneffizient sein…

allerdings zeigt sich der § 27 für den Gewässerschutz davon völlig unbeeindruckt.

Und schließlich zusammenfassend:

Die Verbesserung der chemischen Gewässergüte zur abstrakten Umsetzung des Verschlechterungsverbotes, ist oft auch Ursache der  Verschlechterung der Lebensbedingungen für bestimmte Lebewesen in konkreten Ökosystemen.

Dem abstrakten Verschlechterungsverbot entspringt das Gebot abstraktes Gutes zu tun und das abstrakte Gute führt in Ökosystemen in der Konsequenz häufig zu konkreten Verschlechterungen. Im Streit über die Bewertung der Realität wird am Ende nicht dem gefolgt, der wissenschaftlich gesehen die Sachlage korrekt bewertet, sondern entscheidend ist – sofern der Streit nicht vor Gericht ausgetragen wird – häufig die Meinung meist einer einzigen Deutungshoheit in einer Verwaltung zur Auslegung abstrakter Regelungen und Dogmen.

Die Akzeptanz des Ergebnisses einer sachlichen, wissenschaftlichen Bewertung, wenn sie im Widerspruch zu den wirtschaftlichen und damit politischen Vorstellungen über die Natur steht, ist eher ein Ausnahmefall.

(Beitrag vom März 2013, überarbeitet im Januar 2017)




Eine Oma, eine Ente, viel Gülle und das Verschlechterungsverbot

Eine Million entenfütternde Omas gegen Biogasanlagen und die industrielle Landwirtschaft!

Glosse aus dem März 2012

Wer gewinnt?

Dumme Frage!

Die Oma jedenfalls nicht!

Soll dieser Erpel – auch wenn es ein Männchen ist – wirklich verhungern?

Wenn das Gutgemeinte in der Verwaltung zum Terror mutiert…

„Ein ehrsamer Bürger, tierlieb und Freund der bedrohten Natur, nimmt sich der Fütterung von Enten an, die an dem kleinen Flüsschen, das sich traut durch unser Tal windet, ihre Freizeit verbringen und gerne mal ein Bröcklein trocken Brot von der Laufkundschaft entgegennehmen.

Gemach, lieber Tierfreund! Du hast Entscheidendes nicht bedacht.

Zur Labung tierischen Federviehs bist du nicht berechtigt.

Das „Wasserhaushaltsgesetz“ verbietet nämlich grundsätzlich das „Einbringen fester Stoffe“ in das Flüsslein, um „gesundheitlichen Gefahren“ vorzubeugen.

Dies schien dich, lieber Tierfreund, nicht von deinen Liebesbezeugungen an das einfältige Federvieh abhalten zu können. Der Mann war, so der besorgte Leserbrief, „mit großen Mengen Futter“ zu Gange, in der irrigen Meinung, hier Gutes für Gottes quakende Geschöpfe zu tun. Völlig vergessen schien er zu haben, dass die Tiere dadurch „von ihrem natürlichen Lebensraum entwöhnt“ würden, indem sie, Kreuzfahrt-Touristen gleich, zu oft an Land gingen, um es sich dort gut gehen zu lassen.

Ach ja, dass der Tierfreund vielleicht ein einsamer Mensch ist, der den Umgang mit diesen Tieren braucht, um nicht in die Verzweiflungsfalle alternder Menschen zu geraten, braucht unsere Gesetzeslust und Prinzipientreue nicht zu stören. Gesetz ist Gesetz.“

Quelle: Deutschland – Land der Verbote, von Josef Hueber

Also rein menschlich gedacht:

Wir sollten zuallererst die Natur kennen, die wir verwalten möchten!

Das Drama wäre nicht passiert, wenn ein gewisses klitzekleines ökologisches Grundwissen bei der deutschen Verwaltung der Gewässer nicht die Ausnahme wäre.

Andererseits: Passiert wäre es schon, aber man hätte einfach weggeschaut und man muss nicht alles beweisbar wissen müssen.

Gleiche Latte angelegt, dann wäre es auch in mancher Verwaltung verständlich, dass selbst die lässlichen Sünden Millionen entenfütternder Omas im Verhältnis zu der Nährstoffschwemme der industriellen landwirtschaftlichen Produktion und aus den wohllöblichen Biogasanlagen völlig unbedeutend, aber menschlich und kulturell gesehen höchst wertvoll sind.

Als die Oma noch ein kleines Mädchen war, hat sie auch Enten gefüttert und keiner hat sich aufgeregt. (Insofern stimmt es schon, dass Deutschland immer schneller zu einer Verbotsrepublik mutiert.)

Dicke Enten schmecken nun mal besser.

Ich gestehe: Ich habe diesen Vogel gefüttert!

Und selbst wenn mal ein Fisch nach Luft schnappt.

Na und?

Dann bitte beweist erst einmal, dass ausschließlich die Enten fütternde Oma daran schuld war.

Zu dem:

  1. Wo bleibt die Ehrfucht vor dem Alter?
  2. Wer zählt die geschredderten Vögel in der Luft?
  3. Wer zählt die Millionen toten Fische, die wegen des Gewässerschutzes durch übermäßige Gewässerreinhaltung verhungern?

Auch sind viele Wassertiere auf partikulären BSB angewiesen, dessen Einleitung den Betreiber von Kläranlagen wiederum bei Strafe verboten  ist.

Und so könnten die Omas, wenn sie nun nicht gerade in Trinkwassertalsperren die Fische füttern, den vom Gewässer“schutz“ verursachten Artenrückgang wenigsten etwas entgegen setzen.

Der Argumentation in dem Beitrag „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ beruht auf einem Trugschluss.

Wäre nämlich die Argumentation korrekt, dann würde es allein genügen die Enten nicht zu füttern, um die Tiere (Fische) nicht zu töten. Denn mit der Folge

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

ist auch zu rechnen, wenn Enten nicht gefüttert werden.

Ganz so simpel, wie in dem Beitrag dargestellt, reagiert die Natur nicht.  Mitunter „kippen“ die Gewässer gerade dann besonders häufig um, wenn die Grünalgen durch zu sauberes Wasser keinen Nitratstickstoff erhalten. Dann bilden sich Blaualgen und die brauchen kein Entenfutter. Es genügt für sie, wenn Phosphor nur in Spuren vorkommt. Die Folge ist die Gleiche – mit oder ohne Oma:

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

Insofern ist auch die Denitrifikation in den meisten Fällen keine Methode des Gewässerschutzes.

Aber das hat sich bei den „Gewässerschützern“, bei den Politikern und in den Verwaltungen noch nicht herumgesprochen.

Und zum Schluss:

Putzig ist auch diese Seite:  „Wasservögel“. (Ich lasse sie mal anonym.)

Im Text kann man lesen:

„Botulinus-Vergiftungen (Gift des Botulinus-Bakteriums, das im anaeroben Schlamm lebt) und das starke verschobene Geschlechterverhältnis erschweren die Existenz (der Enten) zusätzlich.“

und einer Bild-Unterschrift, dargestellt Oma mit Kind, kann man entnehmen:

„Das Füttern von Enten sollte kleinen Kindern vorbehalten sein.“

Warum, so fragt man sich?

Hat man zu viele Omas oder sind Kinder wiederstandsfähiger gegen Botulinus-Vergiftungen?

Ist es nicht auch Diskriminierung der Oma gegenüber dem Kind?

Soll das Kind gleich lernen, dass die Oma nicht das darf, was ein Kind darf?

Befürchtet man, dass Oma und/oder Kind den Botulinus-Schlamm essen oder könnte das Kind eine tote Botulinus-Ente streicheln oder gar in sie hineinbeißen?

Kinder machen so etwas!

Bei den Blaualgen – sie kommen im Sommer wieder in Mode – glauben die Medien ja auch, dass Kinder und sogar Erwachsene den Blaulagenschlamm in sich hinein löffeln und sich in ihm wälzen, wie Schweine in der Suhle.

Gäbe es keine Botulinus-Vergiftungen, wenn Oma bzw. das omageleitete Kind die Enten nicht füttern würde?

Natürlich nicht.

Es motzt jeden schwach recherchierten Artikel etwas auf, wenn man an eine Stelle – egal ob sie nun  passt oder nicht – das Wörtchen „Gift“ hineinstreuselt.

Und die Verwendung eines Fremdwortes, wie z. B. „Botulinus“, lässt erst recht auf Kompetenz schließen.

Um einem Mann Angst einzujagen hätte es einer nicht so umfangreichen Erklärung in „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ bedurft. Es hätte genügt:

  • Ente nicht füttern
  • Botulinus
  • Fisch tot
  • Oma und Kind vergiftet

Also immer schön unverständlich bleiben und Angst verbreiten, damit niemand auf den Gedanken kommt sich etwa seines Lebens zu freuen.

Angst und Dummheit beim Kunden sind die halbe Miete beim Geschäft, bei dem die Medien zumeist kräftig mit verdienen.

Und es kommt nicht darauf an, ob eine Botschaft wahr ist.  Dafür interessieren sich sowieso nur wenige Menschen am Rande der Gesellschaft.

Es genügt für den Zweck die Botschaft zu verbreiten und diese oft genug zu wiederholen.

***

(Sachlicher Link zu Botulinus: „Verursacher des Botulismus ist das Bakterium Clostridium botulinum, das in Böden und Schlamm weltweit verbreitet ist.“ )





Bodenabtrag von Intensivflächen bei Starkregen

„Wenn die Landwirtschaft sprichwörtlich den Bach runtergeht“

  • „Gerade aus Maisfeldern in Talauen und an erosionsgefährdeten Hängen fließt das Wasser besonders schnell ab. Dabei wird in erheblichem Umfang Oberboden ausgeschwemmt.“
  • „Laut Erosionsatlas beträgt der Bodenabtrag auf Intensivflächen bis zu 15 Tonnen pro Hektar und Jahr –bei einzelnen Starkregenereignissen sind Abträge von mehr als 100 Tonnen nachgewiesen.

Quelle: Wenn die Landwirtschaft sprichwörtlich den Bach runtergeht

Das sind einige der nicht reparablen Schäden der „erneuerbaren“ Energiepolitik.

2015_07_Starkregen_Schneidenbach_UH

Die Göltzsch an einem Julitag 2015 nach einem Starkregen.

 

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Die Göltzsch vor dem Zusammenfluss mit der Weißen Elster in Greiz am 16. Juli 2013 nach einem Starkregen.

Übrigens:

Energien waren noch nie und werden auch künftig nicht erneuerbar sein!

Anderenfalls gäbe es Perpetuum mobile.

Erstaunlich, dass die aktuelle Energiepolitik pseudowissenschaftlich Begriffe nutzen muss,  um sich selbst zu bestätigen.

In Sachsen zumindest werden andere physikalische Grundlagen über Energien z. B. in Sachsen schon in Klasse 7 vermittelt (siehe Lehrplan.)

Ich habe mir 1965 den Abschluss der polytechnischen Oberschule in Halle an der Saale erarbeitet. Hätte damals Jemand von der Erneuerbarkeit einer Energieform gefaselt, man hätte ihn für doof erklärt.

Die Zeiten und ihre Werte ändern sich.

Nach ständiger Wiederholung des MantrasEnergie ist erneuerbar!“ durch Unwissende geschehen täglich Wunder.

Irgendwann gibt es einen Anstieg der Energielinie und dann fließt auch das Wasser plötzlich bergauf. In der Vorstellung zumindest.

 

Lehrplan Physik Klasse 7. u.a. Energie, Energieformen, Energieumwandlung, Energieerhaltung Leistung und Wirkungsgrad

Lehrplan Physik Klasse 7. u. a. Energie, Energieformen, Energieumwandlung, Energieerhaltung, Leistung und Wirkungsgrad

 

Quelle: Serlo

Siehe z. B. auch: Potentielle und kinetische Energie in der Rohrhydraulik




Zustandsbewertung der Gewässer – Ökologischer Einklang

Ooom

Zum „ökologischen Einklang“ folgendes Zitat:

„Unberücksichtigt bleiben der Zusammenhang zwischen Stabilität und Mangel, der größere Änderungen einfach verhindert, und die tatsächlichen Ungleichgewichte in der Natur, ohne die sie gar nicht funktionieren könnte. Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, daß es ausgerechnet die »balancierten« mittleren Zustände sind, die zwar als solche wünschenswert wären, sich aber nicht so recht einstellen lassen. Das erste Beispiel liefert die Belastung und Reinhaltung von Seen Eingeleitete Abwässer düngten seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten, bis die Folgen sichtbar wurden. Die anfänglich sauberen Gewässer drohten zu »kippen«, was bedeuten sollte, daß sie vom nährstoffarmen, sauberen Zustand in einen nährstoffreichen, schmutzigen hinüberwechselten oder daß dieser Wechsel bevorstand. Durch Ringkanalisationen und starke Verminderung der Abwässerzufuhr ließ sich dieses Kippen in zahlreichen Fällen verhindern. Die Seen wurden wieder sauberer, aber nun nahmen auch die Fischerträge (stark) ab. Denn nährstoffarme Seen sind unproduktiv, weil in ihnen Mangel an Nährstoffen herrscht. Das ist gut für die Gewinnung von Trinkwasser aus dem See sowie für den Bade- und Erholungsbetrieb, nicht aber für die Fischerei und für die (zu schützenden) Wasservögel, für die bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier. All diesen geht es im nährstoffreichen See weitaus besser. Fische gibt es in Hülle und Fülle; Wasservögel auch und diese ohne nennenswerte Konflikte mit der Fischerei zu verursachen. Beide Zustände kann der See nicht gleichzeitig einnehmen. Er ist entweder nährstoffarm (oligotroph) und unproduktiv oder nährstoffreich (eutroph) und produktiv. Entweder — oder? Dazwischen liegt doch der mittlere Zustand, mesotroph genannt Er verbindet gute Produktivität mit sauberem Wasser, weil im Idealfall all das wieder um- und abgebaut wird, was im Sommer produziert worden ist. Doch dieser Mittelzustand erweist sich als instabil. Er geht rasch in den einen oder in den anderen über. Nur mit außerordentlich (und unrealistisch) hohem Aufwand ließe er sich aufrechterhalten. Stabile Zustände sind Nährstoffreichtum und -armut. Ist so ein See ein Sonderfall? Durchaus nicht. Nährstoffreiche und nährstoffarme Zustände sortieren sich allüberall in der Natur.“ Reichholf [1]

Also:

Den Zustandsbewertungen lt. EU WRRL scheint es in erheblichem Umfang an ökologischen Grundlagen zu fehlen.

Gemeint sind die Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie.

Die Weise, wie die EU WRRL mitunter umgesetzt und verstanden wird, führt ins wunderbare Chaos. Man wundert sich, warum es nicht gelingt mit guten wasserchemischen Zuständen gute biologische Zustände für „bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier“ zu gewährleisten. Es scheint unmöglich der Gewässerverwaltung zu vermitteln, dass ein guter Zustand häufig die Verschlechterung eines anderen Zustandes verursachen kann.

Der Ökologe Herr Prof. Reichholf steht mit seinen o.g. Tatsachenbewertungen nicht allein. Siehe auch den Beitrag zur Mistbiene.

Quelle:
[1] Stabile Ungleichgewichte.
Die Ökologie der Zukunft.
Josef H. Reichholf
edition unseld
SV
1. Auflage 2008
(S.111-112)




Nitrat im Gewässer

Prolog, denn es ist Theater!

Hm? Was passt zur Einleitung? Beginnen wir mit Nicolás Gómez Dávila. Bei ihm kann zwischen verschiedenen Intensitäten der Erkenntnis gewählt werden, für deren Einstufung mir aber das Werkzeug fehlt. Beginnen wir mit einer kleinen Auswahl:

  •  „Die Kosten für den Fortschritt lassen sich in Dummköpfen berechnen.
  • „Die Menschheit sieht mit Schrecken, dass der Fortschritt dabei ist, unheilbar zu werden.“
  • Um jedes Mysterium abzuschaffen, genügt es die Welt mit den Augen eines Schweins zu betrachten.“ Das mit dem Mysterium ist gut! Verdammt, warum muss ich da an den gemenschelten Klimawandel denken. Mir ist nämlich nicht klar, mit welchen Maschinen es die Grönländer vor einigen hunderttausend Jahren schafften, ihr Land so zu erwärmen, dass es ergrünte? Aber lassen wir das. Kein gutes Thema.

Zurück zu Dávila! Ein selten kluger Mann. Wer aber Michel de Montaigne mag, für den findet sich am Schluss des Artikels ein Leckerbissen für selberdenkende Nachdenker. Ein Edelmann im wahrsten Sinne des Wortes, dieser Montaigne. Schade, dass es solche klugen Köpfe heute nicht gibt. Oder kennt man sie nur nicht? OK, zwei kenne ich von neueren Werken: Erstens vom Philosophen Peter Sloterdijk. Der wird ja aus dem putzigen Grunde gehasst, weil er die Akkumulation des Zorns (es sind auch andere Emotionen in das Modell substituierbar) durch Parteien und Verbände offenlegte. Starkes Werk von ihm: „Zorn und Zeit“. Der Zorn auf ihn ist unnötig. Jene, die sein Buch zur Revolution nutzen könnten, haben das Buch nicht gelesen und die anderen, die es gelesen haben, können als winzige Minderheit auch nicht viel ausrichten. Und genauso wird es mit der Nutzung diese Beitrages sein, weil der nicht den Konsens stützt mit dem so schön Geld verdient wird. Nicht auszudenken, wie viele Arbeitsplätze frei würden, wäre man gezwungen, ab sofort nur noch vernünftige und nützliche Dinge zu tun. Man ärgert sich anfangs über eine Wahrheit, besonders dann, wenn sie im Widerspruch zu den scheinbar edlen Gesellschaftsnormen steht, aber schwupp, morgen ärgert man sich über etwas anderes und schon sind diese Zeilen vergessen.

Ach ja, ich muss noch den zweiten Vordenker erwähnen: Ein geborener Sachse, der Herr Michael Klonovsky! Seine Aphorismen verführen zum Aha und diese stehen bei mir im Bücherregal gleich neben jenen von Nicolás Gómez Dávila. Eine Kostprobe von Klonovsky: „Auf ein Gewissen bei unseren Staatsbürgern verzichten wir gern, solange sie sich als moralisch erpressbar erweisen.“ Und was schreibt z. B. Dávila? „Dem modernen Menschen ist es gleichgültig, in seinem Leben keine Freiheit zu finden, wenn er sie in den Reden jener verherrlicht findet, die ihn unterdrücken.“ Die Herren passen doch zusammen in ihrer kritischen Denkweise! Aber wie das so ist, Leute die die Wahrheit sagen, bleiben einsam. Wahrheit? Nietzsche hat eine Antwort: „Wahrscheinlichkeit, aber keine Wahrheit: Freischeinlichkeit, aber keine Freiheit, – diese beiden Früchte sind es, derentwegen der Baum der Erkenntnis mit dem Baum des Lebens verwechselt werden kann.“ Und wenn Sie Geduld aufbringen, den Beitrag bis zum Ende zu verfolgen, werden Sie vielleicht feststellen, dass diese Unterscheidung von Nietzsche die Abweichung zwischen Wissenschaft und Praxis nicht nur bei der Nitratbewertung erklärt. Ob zu Beginn des Artikels erzeugte philosophische Abdampfrückstand auch und wenn ja in welchem Maße auf den Umwelt- und Gewässerschutz zutrifft, mag der Leser im Verlaufe des Beitrages selbst entscheiden. Dazu nun folgende Anregungen:

Ich habe als Wasserwirtschaftler zwei Wasserwirtschaften erlebt. Und wenn ich diese beiden heute auf den Punkt bringe, so bin ich der Meinung, dass die ostdeutsche Wasserwirtschaft über eine wissenschaftliche Grundlage verfügte, wobei man bemüht war, diese in der Praxis umzusetzen. Allein es fehlten die Mittel, oder wie man damals sagte, die Bilanzen. Markant, üblich und zwingend wegen der fehlenden Bilanzen war die Beachtung und Nutzung von heute in Vergessenheit geratenen Naturgesetzen z. B.

  1. Beachtung und Anwendung des Liebigschen Gesetzes vom Minimum
  2. Beachtung und Anwendung des Gesetzes von Paracelsus
  3. Nutzung der Selbstreinigungskraft der Gewässer
  4. Akzeptanz des Wasserkreislauf bei der Bewertung vermeintlicher Schäden

All diese Naturgesetze – die Grundlage eines kostenlosen Nutzens – spielen im Wasserhaushaltsgesetz oder in der Abwasserverordnung keine Rolle.  Unser diesbezügliches Handeln und Denken ist krank. Es vergleichbar mit einem willkürlichen Verbot, den Wind beim Segeln zu nutzen (z.B. weil das Sparen von Dieselkraftstoff, oder das Bauen von Segelschiffen bestimmen Industriezweigen schadet und die Buße des Menschen wegen seiner konstruierten Schuld als Schmutzfink schadet. Dieser Unfug keimt aus der Vorstellung, dass der Mensch nicht natürlich ist. Wer aber dem Argument folgt, dass der Mensch genauso ein Teil der Natur wie die Baualge ist, dann ist die Gewässerverschmutzung des Menschen eine Naturselbstverschmutzung, genauso wie eine Blaualgenblüte oder der Laubfall im Herbst in einen See.  Das wäre eine vernünftige Basis für eine wirkliche Wasserwirtschaft. Die Akzeptanz

  • der Naturselbstverschmutzung und
  • dass der Mensch Teil der Natur ist,

muss und soll natürlich nicht die Folge haben, dass z.B. Zyankali in Gewässer gekippt wird, weil dies so natürlich wäre, wie ein Vulkanausbruch.  Hier hilft Karl Georg Büchner (1813-1837, Dantons Tod) weiter:

Geht einmal euren Phrasen nach bis zu dem Punkt, wo sie verkörpert werden.

So etwas wie Technokommerz, also die absichtliche, den Kunden täuschende Verwechslung vom Mittel und Zweck war zu der Zeit, als ich noch jung war, schon finanziell unmöglich. Deshalb war damals die Technik noch logisch.

Heute haben wir auch ein höheres wissenschaftliches Niveau, nur es darf – wie noch bewiesen wird – dann nicht angewendet werden, wenn es unsere Vorstellung von der Natur, wie sie zu sein hat, stört, oder wenn wasserrechtliche Regelungen dies nicht zulassen.

Wasserrecht bricht (scheinbar) Naturgesetz.

Da sich die Natur nun nicht (immer) an wasserrechtliche Vorschriften hält, ist die Effizienz mancher wasserwirtschaftlicher Investitionen vom Zufall abhängig.

Ein Beispiel ist die Denitrifikation in Kläranlagen. Die Natur ist völlig unbeeindruckt davon, wie verbissen, edel, sorgfältig, gut meinend und gründlich oder gar vermeintlich nachhaltig wir das böse Nitrat eliminieren. Wenn die Natur ein Nitratdefizit verspürt, dann beseitigt sie dieses umgehend und ohne Rücksicht auf unsere Befindlichkeiten. Beispiel: Blaualgenblüten in der Ostsee bei Nitratmangel.

Die Natur ruft bei Mangel den blauen Algengeist (der in Wirklichkeit ein Bakterium ist), dem auch wir unser Leben verdanken.

So komisch sind die Sachen, die wir manchmal so machen. Wer kann als Wasserwirtschaftler mit Berufung bei der heutigen „Wasserwirtschaft“ noch ernst bleiben? Nach zwei oder drei Fragen über den Grund des wasserwirtschaftlichen Handelns ist man von der Natur beim Geschäft. Auch 2015 ist das Märchen „Des Kaisers neue Kleider “ des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen hochaktuell. Als ich noch geschätzte 100 Haare mehr auf dem Kopf hatte und nicht nur diese auch noch etwas jugendlicher aussahen, gab es in der TU Dresden, Sektion Wasserwesen, einen kleinen – sagen wir mal – Studentenprotest wegen eines Widerspruchs zwischen Wissenschaft und Praxis. Die Studenten hörten nämlich über die Stickstoffbewertung bei der Abwasserbehandlung in zwei Fächern gegensätzliche Standpunkte über die gleiche Sache. Ich denke, daran hat sich auch heute nichts geändert. Die betroffenen Fachbereiche verabredeten sich zu einer öffentlichen Tagung in der TU Dresden und erörterten ihre Standpunkte. Das war vor über 20 Jahren, genau am 3. Juni 1997.

03_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

 Denitrifikation im Belebtschlammverfahren dient der Begrenzung technischer Probleme

Herr Prof. Lützner wies damals auf die Notwendigkeit der Denitrifikation für einen stabilen Kläranlagenbetrieb hin und führte u. a. fol­gende Argumente an:

  • Blähschlammbekämpfung durch anoxische Selektoren und die Notwendigkeit des Mi­lieuwechsels
  • verstärkte pH-Wert-Proble­me, insbesondere bei wei­chen Wässern, wenn nur nitri­fiziert wird
  • Nutzung des Nitratsauerstoffs für den BSB5-Abbau und da­mit wesentliche Senkung des Energiebedarfs für die Ab­wasserreinigung
  • Vermeidung von Grenzwert­überschreitungen infolge ei­ner wilden Denitrifikation in der Nachklärung.

Des Weiteren wies er darauf hin, dass bei einstufigen Bele­bungsanlagen die biologische Phosphorelimination ohne zu­sätzliche Maßnahmen nicht möglich ist. Auch wirkt Nitrat störend im Faulbehälter. Schließlich sei aus praktischer Sicht festzustellen, dass die in jüngster Zeit gebauten Kläranla­gen bis 20.000 EW im Regelfall über eine simultane aerobe Schlammstabilisierung ver­fügen und durch alternierende Belüftung die geschilderten ne­gativen Betriebsauswirkungen vermindert werden. Und es wurde festgehalten:

Wenn Biologen der Meinung sind, dass für die Gewässer Nitrat keine Belastung darstellt, dann sollte auch auf die Festsetzung von Überwachungswerten ver­zichtet werden und die Denitrifi­kation nur soweit erfolgen, wie sie für den Betrieb der Kläranlage notwendig ist.

Fragwürdig wird es, wenn nur zur Einhaltung der Überwachungswerte externe Kohlenstoffquellen (vorzugsweise auch Ethanol und Methanol) zugegeben werden müssen, wie es bereits jetzt in vielen Kläranla­gen praktiziert wird.

Nitrat als Nutzstoff

In seinen Ausführungen stellte Herr Prof. Uhlmann die von Herrn Prof. Lützner angeführte Notwendigkeit einer Denitrifika­tion für die Stabilität des Reini­gungsprozesses in Kläranlagen nicht infrage. Er wies jedoch nachdrücklich auf sehr gut gesi­cherte Forschungsergebnisse hin, die belegen, dass Nitrat auch als Sauerstoffspender für das Gewässer eine wichtige Rolle spielt. Herr Prof. Uhlmann erläuterte in anschaulicher Wei­se, in welchen Fällen Nitrat als Pflanzennährstoff wirkt, aber auch, dass Nitrat besonders wertvoll für die Sauerstoffver­sorgung von Sedimenten, die Schlammablagerungen in Seen und Meeren, ist.

Der gelöste Sauerstoff wird auf­grund der natürlichen Zeh­rungsprozesse an der Wasser- und Schlammgrenzschicht häufig schnell verbraucht. Allein das Nitrat diffundiert in die tiefe­ren Schlammschichten, so dass dort eine anoxische Nitratat­mung ermöglicht wird. Analog, wie dies in der Denitrifikations­stufe der Kläranlage erfolgt. Eine Sauerstoffversorgung der oberen Schlammschichten ver­hindert z. B., dass sedimentierte Phosphorverbindungen rück­gelöst werden, ähnlich wie dies technisch mit der biologischen P-Eliminierung praktiziert wird.

Fazit:

Stickstoff in der Nitratform ist wohl kaum als eutrophierender Faktor zu werten.

 Verzicht auf Denitrifikation?

Im Resümee verständigten sich die Teilnehmer dazu, dass einer­seits eine Denitrifikation für den störungsfreien Kläranlagenbe­trieb notwendig ist, andererseits aber Nitrat für die Sauerstoffver­sorgung der Sedimente in den Gewässern eine sehr wichtige Rolle spielt, und man deshalb nur soweit denitrifizieren sollte, wie es betrieblich erforderlich ist.

Die Notwendigkeit einer ge­setzlich vorgeschriebenen und behördlich kontrollierten Denitri­fikation in Kläranlagen wurde von den Gesprächsteilnehmern nicht gesehen.

Im Verlauf der Tagung wurde damals weiter disku­tiert, dass in Anwendung der Er­gebnisse das Tropfkörperver­fahren eine Renaissance erle­ben könnte, weil mit Einführung der neuen Abwasserverord­nung seit 01.04.1997 für Kläranla­gen 10.000 EW die Denitrifika­tion nicht mehr erforderlich ist.

Als Fazit hatte ich 1997 formuliert:

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Din­ge; und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müs­sen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

Heute stelle ich fest, dass die Wertung „einige Zeit“ nicht zutrifft. „Bis in alle Ewigkeit“ wäre sicher genauso falsch. Und diese Studenten von 1997 – heute wohl Ingenieure – warten immer noch auf die wasserrechtliche Akzeptanz, dass Nitrat kein Schadstoff sei und es deshalb keinen sachlichen Grund gibt für Nitrat Überwachungswerte festzusetzen oder gar eine Abwasserabgabe zu erheben. Nur am Rande sei erwähnt: Das Gleiche gilt auch für den CSB, mit dem ohne weiteres kein Schadstoffbeweis zu führen ist. Ob Handeln ohne sachlichen Grund in wasserrechtlichen Fällen Willkür ist, mögen Juristen entscheiden.

Irgendwann kann der Eindruck entstehen, dass es uns noch viel zu gut geht, als dass ein goldenes Kalb um sein Leben fürchten muss.

Und täglich wiederbelebt die Hoffnung der Defibrillator:

Die Signale der Wissenschaft­ler der TU Dresden und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sind hochinter­essant und werden hoffentlich bald in den Wassergesetzen vergegenständlicht. Sollten sich in der Gesetzge­bung einschließlich dem EU-Wasserrecht, bei den Ingenieu­ren und Behörden diese Er­kenntnisse durchsetzen, könn­te sich in der Abwasserbehand­lung und Gewässerpolitik das Reglement vereinfachen.

Gebänderte Prachtlibelle

Schädliches Weltbild

Wenn Investitionen wider besseren Wissens mit falschen Vorstellungen und falschen Begriffen begründet werden, dann entstehen Schäden. Genannt seien nur fünf Auswüchse:

  1. Fehlinvestitionen wegen mangelhaften oder fehlenden Nutzen
  2. Schäden durch Verbot effizienterer Investitionen
  3. Fehlurteile in der Rechtsprechung
  4. Minimierung von sonst vermeidbaren nachteiligen Prozessen im Gewässer (Blaualgen, Phosphorrücklösung, Mobilisierung von Schwermetallen)
  5. Wenn Nitrat ein Nutzstoff ist, dann darf bei Nitrateinleitung in ein Gewässer (von Trinkwassertalsperren abgesehen) keine Abwasserabgabe erhoben werden.

Im ersten Fall handelt es sich um Aufwendungen zur Denitrifikation, die in dem Umfang nicht notwendig wären, gäbe es keine Nitrat-Doktrin.

Im zweiten Fall werden Verfahren mit deutlich niedrigerem Energiebedarf verhindert. Alle sollen doch Energie sparen? Wann darf damit richtig begonnen werden?

Im dritten Fall kann eine Überschreitung von Stickstoffüberwachungswerten im Ergebnis zu hoher Nitratkonzentrationen zu einer  Verurteilung der Abwasserbeseitigungspflichtigen führen, obwohl ihnen dafür in der Regel die Verdienstmedallie verliehen werden müsste.

Und der vierte Fall ist ein Paradoxon von bedeutender Tragweite:

Der Gesetzgeber verursacht mit seiner Nitrat-Doktrin tatsächliche und beachtliche Gewässerschäden bzw. wasserwirtschaftliche Effizienzeinbußen.

Was dann geschah…

Einige Jahre nach der Veröffentlichung des Tagungsberichtes „Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte bei der Abwasserbehandlung“ verfasste ich zu dem Thema ein Kapitel in einem Fachbuch, in dem u. a. die Effizienzverluste infolge der Negierung der erwähnten wissenschaftlichen Ergebnisse dargestellt wurden. Herrn Prof. Uhlmann verdanke ich die kritische Durchsicht. Siehe dazu Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung und Nitrat stört den Phosphorkreislauf.

Hin und wieder gibt es ein paar Querdenker.

Mit Amüsement ist zu lesen, dass in Deutschland das Unmögliche natürlich in einem Einzelfall gelang – eine Erlaubnis dafür zu erhalten, um den „Gewässerschadstoff“ Nitrat in einen See zu kippen. Nicht nur ein klein wenig. Sondern richtig ordentlich! Ziel war die Bekämpfung der Blaualgen in einem See durch Nitrat.

Nichts neues, nur in Deutschland strengstens verboten!

Wie man das wasserrechtlich gedeichselt hat, ist mir ein Rätsel.

Damit stellt sich nun die Frage, ob manche bisherigen Sanierungsmaßnahmen für Seen falsch waren?

Also konsequente Herausnahme des gereinigten Abwassers.

Ich hatte beispielsweise zur Sanierung eines  größeren eutrophen Sees mit ausgeprägtem Phosphorkreislauf vor gut 10 Jahren in einem Gutachten vorgeschlagen, die Kläranlagen, die dort damals einleiteten, mit einer Nitrifikationsstufe auszurüsten. Auf diese Weise sollte Nitrat in den See eingeleitet werden, um Blaualgenblüten sowie den Phosphorkreislauf zu minimieren. Das ist immer noch Stand der Wissenschaft!

Der Fakt und das Gutachten wurde von der Gewässerverwaltung ignoriert und man gab anstelle einer wirklich effizienten Lösung lieber einige Millionen mehr vom Geld der Bürger aus, ohne schließlich das Problem des Sees zu lösen.

Ein unbequemer Nichtwasserwirtschaftler brachte es in einer ähnlichen Situation auf den Punkt:

„Also, mit Millionenaufwand wird heute in den Klärwerken in speziellen Denitrifikationsanlagen der Nitratgehalt des Abwassers stark gesenkt und als Folge schmeißt man den energieintensiv erzeugten Nitrat-Kunstdünger hinter den Kläranlagen wieder in die Gewässer.“

Der diesbezügliche Beitrag Fischqualen als Kollateralschaden eines dogmatischen Gewässerschutzes ist im Internet zu finden. Auf jeden Fall amüsant geschrieben und der Autor trifft den Nagel auf den Kopf.

Nitrat-Doktrin wackelt:

Die Nitrat-Doktrin wackelt, wenn die Bauindustrie erkennt, dass sich z.B. mit dem Bau von Tropfkörpern auch schönes Geld verdienen lässt.

Als Resümee und zur Heilung geistiger Wunden lesen oder tanzen 😉 wir Michel de Montaigne:

Drittes Buch, dreizehntes Kapitel „Über die Erfahrung“!

„Überhaupt halten sich ja Gesetze nicht deshalb, weil sie gerecht sind, sondern weil es Gesetze sind. Dies ist die geheimnisvolle Begründung ihrer Gültigkeit; sie haben keine andere; rund das ist gut für sie. Gesetze werden oft, von Dummköpfen geschaffen; öfter noch von Menschen, denen gleichmäßiges Abwägen zuwider ist und die deshalb in dem, was recht und billig ist, versagen; aber jedenfalls immer von Menschen, deren Schöpfungen, wie die aller Menschen, eitel und unklar sind. Nichts anderes ist so schwer und so weitgreifend mit Fehlern belastet wie Gesetze; nirgends treten sie so regelmäßig auf. Wer sie befolgt, weil sie gerecht sind, befolgt sie nicht recht; nicht deshalb ist er ihnen Gehorsam schuldig. …
Man soll der Natur folgen; je einfacher ich mich ihr anvertraue, um so weiser handle ich. Unwissenheit und Sorglosigkeit, ach, was bilden sie doch für ein weiches, angenehmes und zugleich gesundes Kissen zum Ausruhen für einen Menschen mit guten Anlagen.“




Die Rettung eines Sees

Nitrat macht’s woanders möglich!

Die Lösung ist bekannt, aber in Deutschland verboten, weil man hier glaubt, Nitrat sei ein Schadstoff.

„Bei einigen Seen, wie z. B. beim Trummensee in Schweden, stellte sich die erwartete Oligotrophierung auch nach mehreren Jahren, nachdem das Einzugsgebiet saniert worden war, nicht ein. Die Ursache hierfür lag in der internen Düngung des Sees, die von dem abgelagerten Faulschlamm ausging.
Es wurden Laborversuche durchgeführt, um durch Sedimentbehandlung die interne Düngung zu unterdrücken. Hierbei erwies sich die Zugabe von Nitrat als erfolgversprechend [88,89]. Es zeigte sich:
—    Die organische Substanz im Sediment wird oxidiert, während das Nitrat reduziert wird. 3 CH2O + 2 NO3 N2↑ + 3 CO2↑ + 3 H2O
—    In Sedimenten mit einem hohen Gehalt an abbaubarer organischer Substanz fördert die Zugabe von Nitrat die Bildung von Denitrifikantenpopulationen.
—    Die Produkte der Denitrifikation sind mehr oder minder biologisch inert.
—    Der Denitrifikationsprozeß läuft bei einem relativ hohen Redoxpotential ab, so daß sogar Eisensulfid oxidiert wird.  Damit steht das Eisen wieder zur Festlegung von Phosphor zur Verfügung.

Quelle:
Scharf, B., u.a.
Seenrestaurierung
(Seite 321)
in
Besch, u.a.
Limnoökologie für die Praxis
Gerundlagen des Gewässerschutzes
3. Auflage
ecomed
1992

Das Einleiten von Nitrat in Gewässer zur Minimierung oder Vermeidung einer Blaualgenblüte ist eine von mehreren Maßnahmen.

Allgemein gilt:

Wo Nitrat ist, haben Blaualgen keine Chance!

Ebenso können auch Angler zur Gewässerverschmutzung beitragen, wenn Fried- und Jungfische nicht hinreichend minimiert werden.

Diese nämlich fressen Algenfresser.

So einfach ist das. Alles brachliegendes, unnützes Hochschulwissen.

Mit anderen Worten: Wer Seen von Nitrat und Raubfischen befreit, darf sich dann darüber wundern, dass er mit Blaulagen und trübem Wasser belohnt wird!

Siehe auch:

 

 




Effizienz wasserwirtschaftlicher Maßnahmen in Ökosystemen

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen müssen effizient sein.

Das ist naheliegend und auch der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu entnehmen. Im Anhang III (Wirtschaftliche Analyse) der Richtlinie wurde formuliert: „Die wirtschaftliche Analyse muss (unter Berücksichtigung der Kosten für die Erhebung der betreffenden Daten) genügend Informationen in ausreichender Detailliertheit enthalten, damit

a)
die einschlägigen Berechnungen durchgeführt werden können, die erforderlich sind, um dem Grundsatz der Deckung der Kosten der Wasserdienstleistungen gemäß Artikel 9 unter Berücksichtigung der langfristigen Voraussagen für das Angebot und die Nachfrage von Wasser in der Flussgebietseinheit Rechnung zu tragen; erforderlichenfalls wird auch Folgendem Rechnung getragen:

– den Schätzungen der Menge, der Preise und der Kosten im Zusammenhang mit den Wasserdienstleistungen,
– den Schätzungen der einschlägigen Investitionen einschließlich der entsprechenden Vorausplanungen;
b)
die in Bezug auf die Wassernutzung kosteneffizientesten Kombinationen der in das Maßnahmenprogramm nach Artikel 11 aufzunehmenden Maßnahmen auf der Grundlage von Schätzungen ihrer potentiellen Kosten beurteilt werden können.“

Erfahrungen und Referenzen

Für diese nachvollziehbaren Effizienznachweise besitzen wir langjährige Erfahrungen und nutzen auch interdisziplinäre Zu- bzw. Mitarbeit.

Die Methode

Methodisch wird dabei u. a. der zusätzliche Nutzen, seine Wahrscheinlichkeit definiert und dies in das Verhältnis zu den voraussichtlichen zusätzlichen Kosten gesetzt.

Ausgangspunkt ist eine ökologisch korrekte Prüfung oder Bewertung für einen konkreten Organismus und/oder für dessen Habitat.

Dabei konzentrieren wir uns auf Tiere im und am Wasser.

Der Schwerpunkt

Letztlich geht es darum zu untersuchen:

Sind die geplanten meist zusätzlichen Schutzmaßnahmen hinreichend nützlich für den konkreten Zielorganismus sowie verhältnismäßig und verstoßen sie nicht gegen das Sparsamkeitsprinzip?

Tiere im und am Wasser

 

 




Ein offensichtlich sehr sauberes Gewässer

Der Holzbach im Vogtland bei Weißensand – Gedanken beim Morgenspaziergang

Die Bewertung der Gewässer ist Arbeitsgebiet mannigfaltiger Experten. Dabei wird das Gewässer anhand von Regeln geprüft. Entspricht das Gewässer den Regeln, dann ist alles gut. Mitunter sind zur Gewässerbewertung auch keine Experten notwendig. Dann nämlich, wenn der Wanderer Mut und Freude dabei hat, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.  So kann er damit beginnen nachzudenken, warum es z. B. zahlreiche saubere Gewässer gibt und kein Mensch sich darüber freut.

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Mäander des Holzbaches kommen häufig vor.

Wie erkennen wir ohne Biologiestudium hinreichend genau einen sauberen Bach?

Nun, durch Anschaung. Sehen, riechen, nachdenken und kosten! Um saubere Gewässer zu erkennen, muss der Wanderer kein Wasserwirtschaftler sein. Es genügt in aller Regel, wenn er schaut und riecht.

Eine Regel ist abstrakt! Der Experte kennt das Konkrete im Einzelfall!

Dazu ein kleiner Ausflug zur Bedeutung einer Regel. Regeln beim „Gewässerschutz“ werden oft begründet, indem die Lebendigkeit, Dynamik und Vielfalt der Natur auf eine leicht zu merkende, bequeme und möglichst effizient umzusetzende Einfalt – auf eine Regel nämlich – reduziert wird.  Denn Einfalt aus wasserwirtschaftlichem Nichtwissen und völliger Ahnungslosigkeit verleihen der Regel scheinbare Bedeutsamkeit. Die Naturgesetze sind leider vielfältig und die Natur kennt keinen Konsens. Wer also offenen Auges durch die Landschaft geht, sieht die zahlreichen „Schiffbrüche“. Regeln oder Vorschriften  des Menschen straft die Natur duch Missachtung. Hier grenzt die Weltanschauung an den Glauben und Ideologie, wenn wir Mensch und Natur trennen.  Der Mensch ist Teil der Natur und er verändert sein Ökoystem genauso wie ein Bieber Bäume fällt und Dämme errichtet.

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Sehr klares Wasser des Holzbaches

 Der Holzbach – ein Einzelfall.

Versuchen wir konkret zu werden. Zunächst wäre zu prüfen, ob der Holzbach schön aussieht. Das tut er zweifellos. Das Einzigste was regulär stört, ist die nahe Wiese. Eine Wiese, selbst wenn seltene Blumen auf ihr wachsen, ist natürlich nicht natürlich. Ich finde Wiesen einerseits schön. Andererseits gibt es aber extreme Menschen, die hassen Menschen und damit auch seine Wiesen. Wie man also sieht, kommt es bei der Gewässerbewertung auch auf den Standpunkt an.

Das Wasser des Holzbaches ist klar. Auch der Porenzwischenraum der Bachsohle ist sauber, nicht veralgt und nicht verschlammt. Ein guter Lebensraum für Fischnährtiere, andererseits wollen die Bachflohkrebse auch die eine oder andere Alge fressen. Diese reichen nicht für alle!

Nicht zu vermitteln ist der Geruch des Wassers. Sein Wasser ist aber geruchlos, so wie es sein soll.

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Der Holzbach am 07.02. 2015

 Sauberes Wasser ist tödlich!

Sauberes Wasser hat einen oft verschwiegenen Nachteil: Es ist für Fische zumeist tödlich. Sie verhungern, wenn sie nicht ab und zu in etwas „verunreinigte“ Gewässerabschnitte schwimmen können oder dürfen.

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Ein vereister Abschnitt.

 Der Holzbach mündet in die Göltzsch.

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Das Mündungsdelta des Holzbaches in die Göltzsch.

Man erkennt auch hier keinerlei Schlammablagerungen.

Die Abschnitte des Holzbaches im dunklen Wald.

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Auch hier klares Wasser

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Der Göltzschtalwanderweg von Mylau nach Weißensand an der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Die Weißensander Autobahnbrücke (A72) bebüschelt und im Gegenlicht

Nun, da wir jetzt auch hier sind, möchte ich die Eindrücke von der Göltzsch zum Schluss nicht vorenthalten.

Die Göltzsch:

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Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen)

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Die Göltzsch nach Weißensand (Sachsen)

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Nistgelegenheiten für den Eisvogel am Prallhang

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Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen) – Ablagerungen nach dem letzten Hochwasser

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Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen)

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Der alte Bahndamm an der Göltzsch bei Weißensand (Sachsen) im Gegenlicht.

Bei nächster Gelegenheit wird von anderen Abschnitten des Holzbaches berichtet. Vielleicht wenn es wärmer ist.

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Ein alter Göltzschtalbaum am Ufer der Göltzsch, die deshalb Göltzsch heißt, weil es hier noch Göltzsch (Gold) gibt!

 




Problematische Gewässerbewertungen

Prophezeiung von künftigen Gewässerzuständen

Die Ergebnisse der Gewässerzustandsbewertungen fließen häufig in Computermodelle ein, um zu beweisen, dass mit einer bestimmten Änderung wasserchemischer Parameter ein notwendiger Zielzustand erreicht wird. Dabei wird das Risiko, dass der Nutzen tatsächlich eintritt oder dass das Ziel überhaupt erreicht werden kann, entweder nicht untersucht oder verschwiegen.

Eine seriöse wissenschaftliche Prognose wäre es dann, wenn der Wahrheitswert angegeben wurde.

Oftmals ist es aber auch so, dass der Wahrheitswert der Prognose auf dem Weg von seiner wissenschaftlichen „Befruchtung“ hin zu seiner kommerziellen „Geburt“ einfach verloren ging, vielleicht auch deshalb, weil die Ungewißheit der Botschaft den Kunden in seinem Kaufverhalten stören könnte? Wer braucht schon nachdenkliche Käufer?

Nicolás Gómez Dávila (Auf verlorenem Posten – Karolinger Verlag, gebundene Ausgabe – 1992) brachte es auf den Punkt:

Wer bedenkenlos Prophezeiungen macht, hat eine Schwindelei im Sinn.

 

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Das Risko der Gewässergüte“vorhersagung“ ist mitunter Produkt aus 3 wesentlichen Risikofaktoren:

  1. Kein Mensch kann die Zukunft vorhersehen.
  2. Auch bei Nutzung von Computermodellen ist keine Gewissheit möglich.
  3. In der Regel wird beim Gewässerschutz nicht bewiesen, dass es mit dem Computermodell gelingt, bekannte vergangene  Zustände zu beschreiben. Man weissagt oft mit Modellen die Zukunft, die aber nur  selten in der Lage sind, die Vergangenheit zu beschreiben.  So erfreuen sich auch primitive Mischungsberechungen als Beweis zur Notwendigkeit einer Verschärfung von Überwachungswerten zunehmender Beliebtheit.

Das Verschweigen der Risiken bei der Zielsetzung kollidiert grob fahrlässig mit dem gesetzlich formulierten Sparsamkeitsprinzip.

Ob das wirklich so und ob es gewiss ist, darüber kann man reden und man muss einen vorsorglich nachhaltigen Konsens finden.

Dieses Dilemma ist aber bislang noch niemanden aufgefallen, weil eine solche Art der Zielsetzung von der Verantwortung für das resultierende Investitionsrisiko geschickt getrennt wurde.

Analoge Mängel und Risiken scheint es nebenbei bemerkt auch bei der Prognose des Klimawandels zu geben. Und es wäre ein Wunder, wenn nicht! Lennart Bengtsson:

Die Klimaerwärmung ist bis jetzt kein ernsthaftes Problem, wenn wir uns auf Beobachtungen stützen. Problematisch wird sie nur, wenn wir uns auf Modellsimulationen beziehen.

Quelle:
Lennart Bengtsson
Wissenschaft und Politik des Klimawandels,
Neue Zürcher Zeitung
Montag, 14. April 2014

Lennart Bengtsson war bis 1990 Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg.
Nach seiner Emeritierung hat er unter anderem die Abteilung Erdwissenschaften am International Space Science Institute in Bern geleitet.




EU-WRRL – Ein Orakel?!

Guter oder sehr guter morphologischer Zustand - eher die absolute Ausnahme!

Warum Orakel?

Nun, weil die EU-WRRL genau wie ein Orakel aufgrund ihrer Abstraktheit gedeutet werden kann und muss. Das ist Fakt. Manche Regelungen der EU-WRRL werden unwissenschaftlich umgesetzt. Deshalb „orakeln“ seit längerem einige Ökologen – jene die ihre  Wissenschaft verteidigen  – bei der EU-WRRL nicht mehr mit. Sie sehen die Natur wie sie ist, nämlich wertfrei und da ist kein Verständnis für primitive Zustandsbewertung, wie für ein „gutes“ oder „böses“ Potential.

Die vom Orakel Betroffenen – also meist die Abwasserbeseitigungspflichtigen – müssen sich nun und nur überlegen, ob sie willkürliche Zustandsbewertungen umsetzen wollen. Meist wollen sie das, merken aber zu spät, dass sie dann zwangsläufig für die Orakelergebnisse Fremder bezahlen. So ist das im Leben auch bei anderen Dingen. Ein Orakel will und muss eben auch von irgendetwas leben.

Eine Lösung: Wenn die von der Gewässerverwaltung geplanten wasserwirtschaftlichen Maßnahmen für die Herstellung des guten ökologischen Zustandes oder des guten Potentials nicht effizient sind – sofern sich überhaupt jemand die Mühe macht, dies rechtzeitig nachvollziehbar zu untersuchen und darzulegen – dann besteht die schlichte Alternative darin, den guten ökologischen Zustand oder das gute Potential legitim so umzudeuten, dass dieses neue Ziel dann die Chance bekommt effizient zu werden. Wo ein Wille, ist immer ein Gebüsch!

Zugegeben: Mit dem Prüfen der Effizienz der Konsequenzen einer Zustandsbewertung ist wohl jede Gewässerverwaltung und jedes Umweltfachamt hoffnungslos überfordert, denn mittlerweile gibt es Bücher bzw. Dissertationen zu dem Thema, das keineswegs in der Verwaltungspraxis nebenbei bearbeitet werden kann.

Peinlich wird es nur, wenn der falsche Eindruck vermittelt wird, die Anforderungen für den guten Zustand oder für das gute Potential seien auf Effizienz geprüft und wenn behauptet wird, die EU-WRRL würde genau dies erfordern und es gäbe keine kostensparenden Alternativen.

Mittlerweile ist die EU-WRRL zu einem Monster gewachsen, das kein einzelner Mensch in seinem Leben je zu werten oder gar zu überblicken vermag. Der geneigte Leser mag ja im Zweifelsfall versuchen das Werk zu verstehen. Ohne Orakel kommt er nicht weit.  Es bleibt nur zu ergänzen, dass die alten Griechen unter dem Orakel drei Dinge verstanden: Den Ort, an dem orakelt wurde, das Orakel als Person und schließlich das Orakel als Weissagung.

Die Wertung der Effizienz einer wasserwirtschaftlichen Investition ist eine anspruchsvolle, komplizierte, aufwändige und zugleich interdisziplinäre Aufgabe, die neben verschiedenster Fachkunde, wie meist in der vernünftigen Reihenfolge

  1. Ökologie,
  2. Biologie,
  3. Hydromorphologie kontra Gewässerunterhaltung,
  4. Investitionsrechnung,
  5. Nutzensbewertung und Risikobewertung,
  6. Chemie (wie fälschlich nicht als Ziel, sondern als Mittel für ökologische Zustände und deshalb erst zum Schluss aufgezählt),
  7. Reduzierung der industriellen Landwirtschaft (wer sich traut 😉 ),
  8. kommunale Abwasserbeseitigung

auch praktische Erfahrung in der Natur – also nicht am Schreibtisch – erfordert. Was sagte ich? Ein Orakel? Eine Heerschar von Orakeln!

Nüchtern bringt es VORREYER [1] auf den Punkt:

„So bestehen in erheblichem Maße Auslegungsprobleme; infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten, den gemeinsamen Rahmen zu umgehen, sodass zurzeit kaum etwas darüber ausgesagt werden kann, ob der Rahmen für eine wirklich harmonisierte, wettbewerbsvereinheitlichende Gewässerschutzpolitik ausreicht.“

Man kann es auch so deuten: …infolge der zahlreichen in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten gibt es viele Möglichkeiten bei fragwürdigem Nutzen eine vernünftigen, effizienten Weg zu wählen und die Bürger eines Landes nicht unnötig finanziell zu belasten.

In der Praxis wird das Pferd oft immer noch von hinten aufgezäumt. Man beginnt mit dem Mut des Verzweifelten – mit dem, was man glaubt auf Kosten der Kommune leichtens ändern zu können – mit dem wasserchemischen Zustandsorakel und täuscht manchmal nur mit einer Mischungsgleichung (Gymnasium) vor, dass dieser wasserchemische Zustand schlecht und unbedingt zu bessern sei. Die Konsequenzen der „Verbesserung“ werden nicht untersucht, denn dafür ist man nicht zuständig, wie auch für den Erfolg seiner wasserchemischen Überlegungen.

Wir sollten von der Jugend lernen! Sie kennt die Natur besser als man meinen könnte. Machen wir eine Probe auf’s Exempel:

Jeder kleine Junge überlegt sich zuerst, welche Fische er im Aquarium haben will, bevor er über Pflanzen oder gar Phosphor überhaupt nachdenkt!

Die Änderung der Anforderungen an den guten ökologischen Zustand oder für das gute Potential erlaubt die EU-WRRL ausdrücklich.

Eine Voraussetzung dafür ist zunächst die Erlangung der Deutungshoheit. Dabei sind die jeweiligen Passagen in der EU-WRRL zu finden, die eine Deutungsvielfalt erlauben. Ein Stichwort: Effizienz!

Ein guter Anfang zur Effizienz wäre es, sich von Naturromantik zu trennen, denn wir wollen ja etwas bewirken.

Das erste Foto ist natürlich eine schöne Darstellung von einer schönen Natur, so wie Städter sie lieben, wenn sie auf dem Balkon Sonnenblumen anbeten.  Eine Sonnenblume – nicht jede – ist nämlich auch ein neuzeitliches Orakel; im ersten Sinne.

Seitengraben des Strengbaches - (Sachsen-Anhalt)

Ein allein durch landwirtschaftliche Abwässer eutrophierter Graben

Das zweite Foto ist auch Natur, wenn auch – auf den ersten Blick gewertet – nicht ganz so schön. Ein wertbesessener „Ökologe“ aber würde von einem schlechten ökologischen Potential faseln. (Ein normaler Mensch wird ohne umständliche Erklärungen nicht verstehen, wovon er redet. Auch markant: Wir sind inzwischen soweit, dass wir uns bürokratisch sagen lassen müssen, wie wir die Natur gefälligst zu werten, zu verstehen und zu lieben haben.)

Aus meiner Sicht oder aus der Sicht Frosches, die ich mir zu eigen mache, ist der Zustand im 2. Bild geradezu paradiesisch schön. Denn: „böser“ Phosphor = viele Algen = dicke Kaulquappen = dicke Frösche = neugierige Störche!  An der Kröte kann ein Naturromantiker – der Naturwissenschaften abgewählt hat – ersticken:  Gewässerdüngung macht Störche satt!

Die „unschöne“ Natur verspricht eine reiche Froschernte, die nur dann genutzt werden kann, sofern der Gewässerunterhaltungsverband nicht schneller ist und alles Lebendige aus dem Graben ausschabt und tötet, ähnlich wie es einer Warze beim Hautarzt geschehen würde, der mit einem scharfen Löffel ihr zu Leibe rückt.

Aber ohne Gewässerunterhaltungsverband wäre alles eine feuchte lebendige Wiese ohne industrielle Landwirtschaft. Wie es dann aussehen könnte, ist hier zu erahnen: Fauler See.

Die Realität sieht oft so aus: Zuckerrüben bis zum Horizont, industrielle Landwirtschaft und industrielle Tierproduktion, hier und da verträumte industrielle Biogasanlagen deren Gärreste neben Gülle in den Einzugsgebieten ausgebracht werden. Als Antwort und Lösung für das „gute Potential“ als Orakel eine flächendeckende Verschärfung der Überwachungswerte für kommunale Kläranlagen.

Über 20 Jahre wegen der Besorgnis verschärfte Überwachungswerte (BSB, CSB, N und P) und niemand schaut nach, ob dies tatsächlich einen hinreichenden Effekt brachte oder gar effizient war.

Kein Wunder, dass sich manche Ökologen mit Grausen von einem solchen „Gewässerschutz“ abwenden.

Heute unverständlich, wie wir ohne EU-WRRL überhaupt die Gewässer zu schützen vermochten! Wie doof und ungebildet waren doch die alten Wasserwirtschaftler! Was muss das früher für eine naturfeindliche Welt gewesen sein. Keine Biomaisfelder, keine Windkraftwerke, wenige Wasserkraftwerke, industrielle Landwirtschaft in Maßen….

Ob des Pudelskern darin besteht, dass sich hinter jeder kleinen Regelung ein Arbeitsplatz versteckt und dass es schon lange nicht mehr um die Natur geht?

________

[1] Vorreyer, Christian
Erläuterungen zur Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG)
durchgesehen und ergänzt von Friedrich Schröder
Stand: Juni 2007
Wasserrecht für die betriebliche Praxis
2008 WEKA MEDIA GmbH & Co. KG

 

 




Sauberes Wasser ist tödlich!

Immer weniger Schweizer Fische gehen ins Netz

«Eine zu tiefe Phosphorkonzentration führt zu einer Hungersnot, Bestände und Fangerträge gingen mancherorts katastrophal zurück», sagte Silvano Solcà, Präsident des Schweizerischen Berufsfischerverbandes, gegenüber dem Landboten».

  • Die Bodenseefischer fingen 2011/2012 über ein Drittel weniger Fische
  • „Viele der 310 Berufsfischer, die es heute noch schweizweit gibt, sind deswegen auf einen Nebenerwerb angewiesen.“

Siehe auch:

 




Die Dichtheitsprüfung in sanfter Weise ein Rauschmittel?

…oder wie koche ich einen Frosch?

„Für „sanfte“ Dichtheitsprüfung
Mindener Tageblatt
Förderleistungen aus der Abwasserabgabe (Investitionsprogramm Abwasser) für private Kanalsanierungen ab dem 1. Januar 2012 sollen nahtlos an die heute …“

„Gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden solle die Mustersatzung überarbeitet werden, um die schonendste Art der Dichtheitsprüfung zu nutzen. Grundsätzlich sollen in freier Wahl alle Prüfmethoden zulässig sein, Druckprüfung, TV-Inspektion und Wasserstandsfüllprüfung. Darüber hinaus wird die Einführung einer drucklosen Durchflussprüfung gefordert. Lediglich für Fremdwasserschwerpunktgebiete und in Wasserschutzgebieten seien Ausnahmen sinnvoll.“

Siehe auch:  Dichtheitsprüfung für Grundstückskanäle?
Wenn die Bürger aber irgendwann aus dem Rausch erwachen:

„Massive Proteste zeigen die erwünschte Wirkung
Deutschland Today
Die Protestdemo vor den Gebäuden des TAVEE habe eindrucksvoll gezeigt, dass für die Bürger das Thema hohe Wasser- und Abwasserkosten nicht vom Tisch ist. …“

Tja, wie kocht man nun einen Frosch?

Mit diesem Gleichnis habe ich mir schon einmal die Finger verbrüht, weil eine Leserin dachte, ich hätte eine besondere Erfahrung im Kochen von lebendigen Fröschen.

Interessant ist aber die Frage, warum die Frösche beim Atomausstieg nicht aus dem Topf  springen.

Naturwissenschaftlich gesehen, wahrscheinlich deshalb nicht, weil die Geschwindigkeit der Zunahme der Wassertemperatur größer war, als die Reaktionsgeschwindigkeit der deutschen Frösche.

Das wäre eine Hypothese.

Pragmatisch geht es mit Sicherheit so:

  1. Man setzt den Frosch in einen Topf.
  2. Legt etwas  auf ihn, vor dem ihm vorher wahnsinnig Angst gemacht wurde – z.B. etwas fernes japanisches – und dann kann man
  3. ihn beliebig in kochendem Wasser aufbrühen.

So geht es besser!

Die Angst vor Schlimmeren zwingt insbesondere deutsche Frösche in die Knie und schaltet ihre Gehirne gaaanz saaaaanft ab.

Das Wunderschöne bei der Angst ist ja, dass es für die Wirkung genügt, Angst einzujagen.

Es ist nicht nötig, dass das beängstigende Ereignis tatsächlich jemals eintritt.

Es genügt, wenn der Schäferhund die Schafe umkreist.

Die Fiktion beeinflusst das Denken und reale Handeln!

Aber das war schon immer so.

P.S.: Das mit dem Frosch ist letztlich nur eine schöne Geschichte, bei der es bekanntlich nicht darauf ankommt, dass sie in allen Punkten stimmt.




Sanierung privater Grundstücksentwässerungsanlagen

Milliardenmarkt Sanierung privater Grundstücksentwässerungsanlagen
Rechtslage und mangelndes Problembewusstsein bremst Investitionen

Artikel mit freundlicher Empfehlung am 2.5.2011 zur Verfügung gestellt
EUWID-Wasser Spezial, Heft 01.2011, 19.04.2011, S. 40-41
Herr Bröker

Die Sanierung der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen dürfte auch in den kommenden Jahren eines der spannendsten Themen der Abwasserwirtschaft bleiben. Ein Investitionsbedarf im Milliardenbereich trifft auf eine unzureichende Datenlage, auf das Fehlen von eindeutigen Zuständigkeitsregeln sowie auf ein mangelndes Problembewusstsein bei den Grundstückseigentümern. Nur wenige Bundesländer haben bisher in Verordnungen klare Fristen für die Inspektion und Sanierung der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen erlassen (siehe auch Artikel „Flickenteppich Länderregelungen zu Fristen der GEA-Inspektion“), nur wenige Kommunen haben sich bereits mit einer Organisation der Inspektion und Sanierung der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen befasst.

Die Folge: Ein Investitionsstau, der auch bei klaren und eindeutigen Regelungen der Länder nicht kurzfristig abgebaut werden könnte. Die notwendige Anzahl von Fachkräften und Fachunternehmen wäre kurzfristig nicht verfügbar. Zudem besteht bei den Grundstückseigentümern nach wie vor Unsicherheit gegenüber den Anbietern von Inspektions- und Sanierungsleistungen, da insbesondere in dieser Branche nach wie vor zahlreiche schwarze Schafe ihr Unwesen treiben. Positivlisten sollen hier den Bürgern eine Hilfestellung geben. Die Abgrenzung der Unternehmen dürfte aber fachlich und rechtlich weiter schwierig sein. Abhilfe könnte hier eine gemeinsame Initiative der DWA Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall mit anderen Fachverbänden schaffen, die ein RAL-Gütezeichen für die Sanierung der Grundstücksentwässerung etablieren will (siehe Artikel„RAL-Gütezeichen für den Bereich der Grundstücksentwässerung“), mit dem Kanalsanierungsunternehmen ihre Expertise im Bereich Grundstücksentwässerung nachweisen können.

DWA-Kanalumfrage verdeutlicht Ausmaß der anstehenden Investitionen

Das Ausmaß der anstehenden Inspektions- und Sanierungsarbeiten verdeutlichen die Zahlen der DWA-Kanalumfrage, die 2009 auch erstmals private Grundstücksentwässerungsanlagen zum Thema hatte. 33 Kommunen antworteten dabei auch auf die Frage, welche Anzahl von Grundstücken in Wasserschutzgebieten liegt. Bei diesen Kommunen, die immerhin 12,5 Mio. Einwohner repräsentieren, liegen insgesamt 293.000 Grundstücke in Wasserschutzgebieten, bundesweit muss nach diesen Angaben von rund 1,9 Mio. Grundstücken in Wasserschutzgebieten ausgegangen werden. Dies bedeutet 1,9 Mio. Grundstücke, in denen die privaten Grundstücksentwässerungsanlagen kurzfristig inspiziert und gegebenenfalls saniert werden müssen. Bei sehr konservativ kalkulierten 1.000 € pro Grundstück für die Inspektion und Sanierung ein Markt von rund zwei Mrd. € – zumindest laut Gesetz kurz- bis mittelfristig zu realisieren.

Die DWA-Kanalumfrage verdeutlicht allerdings auch die Probleme, die derzeit aufgrund der schlechten Datenlage sowie der unübersichtlichen Rechtssituation bestehen. So sind die Eigentums- als auch die Zuständigkeitsgrenze nicht einheitlich definiert und bundeslandspezifisch. So wird bei den Umfrageteilnehmern in 56 Prozent der Fälle die Grundstücksgrenze, in 30 Prozent der Abzweig an den öffentlichen Hauptkanal, in neun Prozent der Revisionsschacht und in fünf Prozent der Fälle ein sonstiger Übergabepunkt genannt. Bei den Zuständigkeitsgrenzen kommt die Grundstücksgrenze auf 49 Prozent, der Abzweig an den öffentlichen Hauptkanal auf 29 Prozent, der Revisionsschacht auf 15 Prozent und sonstige Grenzen auf acht Prozent.

Zuständigkeit für Dichtheitsprüfung extrem uneinheitlich

Ähnliche Unterscheide gibt es bei den Zuständigkeiten für die Dichtheitsprüfungen. Bei 57 Prozent der antwortenden Kommunen wird die Dichtheitsprüfung für die privaten Grundstücksentwässerungsanlagen durch Kommunalsatzung, Landeswassergesetz oder landesrechtliche Verordnungen gefordert. Bei 43 Prozent der Kommunen existieren hingegen keine rechtlichen Vorgaben. Aufgrund dieser Ausgangssituation wundert es nicht, dass der Kenntnisstand über den Zustand der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen relativ gering ist. Bei der DWA-Umfrage nennen die Kommunen Untersuchungsgrade von 34 Prozent für gewerbliche Grundstücke und 20 Prozent für private Grundstücke, wobei der Anteil geschätzter Angaben jeweils über 50 Prozent lag.

In der Regel ist aber nicht nur der Zustand der Grundstücksentwässerung bei den Netzbetreibern unbekannt, auch über die Lage der Anlagen gibt es relativ wenig Informationen. So sind bei 64 Prozent der Netzbetreiber Grundstücksentwässerungsanlagen nicht im Kanalinformationssystem erfasst. Bei den verbleibenden 36 Prozent sind wiederum in der Regel auch nur die öffentlichen Bereiche aufgenommen (61 Prozent). Bei weiteren 34 Prozent dieser Teilnehme wird nur der Abzweig aufgenommen, nur vier Prozent haben die gesamte Entwässerungsanlage in das Kanalinformationssystem aufgenommen.

Neben diesen Problemen existiert eine weitere Hürde für die Entwässerungsbetriebe und die Kommunalpolitik. Wie bekomme ich den Grundstückseigentümer dazu, mehrere Tausend Euro in die Hand zu nehmen, um ein Problem zu beheben, dass dieser gar nicht bemerkt? Vereinzelte Kommunen, überwiegend in NRW, haben hierzu verschiedene Maßnahmen über die reine Beratung hinaus getroffen, um die Bürger bei der Sanierung der Grundstücksentwässerungsanlagen mitzunehmen. Köln setzt mit der Kampagne„Jot for Kolle“ beispielsweise auf das Lebensgefühl der Stadt und unterstützt und berät die Bürger gleichzeitig flächendeckend. Die Stadtentwässerungsbetriebe stellen den Bürgern ein umfassendes Informationspaket zur Verfügung, klären mit einem im Internet abspielbaren Videofilm über die Sachlage auf und bieten in den einzelnen Stadtteilen vor Ort Informationsveranstaltungen an. Zudem steht den Bürgern auf der Seite der Stadtentwässerungsbetriebe ein tagesaktueller Auszug aus der Liste der beim Land NRW registrieren Sachkundigen zur Verfügung, der Auszug listet alle Sachkundigen in Köln plus fünf km Umkreis auf. Für das Gesamtprojekt erhielten die Stadtentwässerungsbetriebe Ende 2009 die Auszeichnung „Goldener Kanaldeckel“ des IKT Instituts für unterirdische Infrastruktur.

Lünen setzt auf Entwässerungspass mit Rabatt bei der Versicherung

Die Stadt Lünen setzt auf den Entwässerungspass. Der Lünener Entwässerungspass dient als Gütesiegel, mit dem der private Kanalnetzbetreiber die gesetzlich geforderte Sicherheit der Grundstücksentwässerung dokumentiert. Der Erwerb des Gütesiegels ist für den Bürger freiwillig, ausgestellt wird der Pass von der Stadtentwässerung Lünen, eine Gebühr wird nicht erhoben. Der besondere Clou: Mit dem Gütesiegel entstehen für den Grundstückseigentümer Einsparmöglichkeiten bei der Gebäudeversicherung von bis zu 30 Prozent, je nach Wahl der Versicherungsgesellschaft.

Grundsätzlich sind aber auch in NRW die Kommunen bei der Mitnahme der Bürger noch sehr zurückhaltend. Auch das Ende dieses Jahr auslaufende Förderprogramm Abwasser NRW, wonach die Sanierung privater Grundstücksentwässerungsanlagen mit bis zu 30 Prozent der Kosten vom Land gefördert werden kann, hat hieran wenig geändert, das Programm dürfte den wenigsten Bürgern in NRW bekannt sein.

England und Wales übertragen Zuständigkeit auf Entsorger

Einen gänzlich anderen Weg geht das Vereinigte Königreich. Nach inhaltsgleichen aktuellen Beschlüssen des englischen Umweltministeriums „Department for Environment, Food and Rural Affairs (Defra) und dem Welsh Assembly Government müssen in England und Wales alle privaten Abwasserkanäle — inklusive sämtlicher Grundleitungen auf dem Grundstück und dem Hausanschlusskanal — in den Besitz der gesetzlichen Wasser- und Abwasserunternehmen übergeben werden. Die Grundleitungen innerhalb der Grundstücksgrenze verbleiben nur in der Verantwortung der Grundstücksbesitzer, wenn keine anderen Grundstücke durch dasselbe Leitungsnetz verlaufen.

Die virtuelle Übertragung soll„über Nacht“ zum 1. Oktober dieses Jahres erfolgen. Vorausgesetzt, die Grundstückseigentümer legen keinen Einspruch gegen diese bei der zuständigen Regulierungsbehörde Ofwat ein. Für private Abwasserpumpwerke sehen die Beschlüsse der Umweltministerien eine Frist von bis zu fünf Jahren vor. Diese sollen schrittweise, spätestens aber bis zum Oktober 2016 auf die gesetzlichen Wasser- und Abwasserverbände übertragen werden.

Die konkreten gesetzlichen Bestimmungen für den Transfer der Grundstücksentwässerungsanlagen stehen noch nicht fest. Die Regierung erarbeitet derzeit eine Durchführungsverordnung, die im Mai/Juni dieses Jahres im Parlament debattiert werden soll.

Mit der Übertragung der privaten Abwasserkanäle werden die gesetzlichen Wasser- und Abwasserunternehmen für die Instandhaltung und eventuelle Sanierung der Kanäle zuständig sein. Nach Einschätzung britischer Experten befinden sich die privaten Kanäle in einem noch schlechteren Zustand als die öffentlichen. Das gesamte Abwassernetzwerk von über zehn Mio. Haushalten in England und Wales auf einen guten Standard zu bringen, sei daher eine beträchtliche Aufgabe, betont Water UK, die Interessenvertretung der britischen Wasserwirtschaft.

Die Kosten der notwendigen Sanierungsmaßnahmen sollen analog zu Investitionen im öffentlichen Netz über Gebühren finanziert werden. Der Defra zufolge könnten die zusätzlichen Kosten zwischen 30 und 92 pence (0,36 bis 1,08 €) pro Monat und Kunden liegen.

Bei den Grundstückseigentümern scheint die geplante Neuregelung auf Zustimmung zu stoßen. Der Consumer Council for Water in England begrüßt die Übertragung der privaten Abwasserkanäle, da mit dieser Maßnahme die Probleme der geteilten Verantwortlichkeit zwischen Grundstücksbesitzern und öffentlichen Netzbetreibern, vor allem bezüglich der Kosten, aus dem Weg geräumt werden könnten. Der Verbraucherverband weist jedoch darauf hin, dass die Investitionskosten nur schrittweise an die Kunden übertragen werden dürften. Zudem müsse das gesamte Vorgehen transparent und nachvollziehbar für die Öffentlichkeit sein.

EUWID-Quellen:

  • Entwässerungspass Lünen: „Lünen startet Entwässerungspass als Gütesiegel für private Kanäle“, EUWID 32/2007 vom 7. August 2007
  • Projekt Köln: Jot für Kolle! – StEB AöR startet Projekt zur Dichtheitsprüfung“; EUWID 06/2009 vom 3. Februar 2009
  • Goldener Kanaldeckel: „Goldener Kanaldeckel 2009 geht an „Jot för Kölle“-Projekt“; EUWID 46/2009 vom 10. November 2009
  • England/Wales: „Private Abwasserkanäle werden an gesetzliche Netzbetreiber übergeben“; EUWID 08/2011 vom 22. Februar 2011

Siehe auch:

 

 

 

 




Nitrat und Phosphor im Gewässer

Schlechter wasserchemischer Gewässerzustand – auch eine Frage des Imports von Düngemitteln für den Export von Fleisch

Reichholf:

„Geht man auf den 55 % landwirtschhaftlich genutzter Landesfläche von einer Düngermenge aus, die gegenwärtig im Durchschnitt bei gut 200 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr liegt, so stellt sich die Frage, woher diese nun kommt.

Mineraldünger macht nur wenig mehr als die Hälfte davon aus; in großen Gebietsteilen sogar erheblich weniger.

Organischer Dünger liefert also bis zu 100 Kilogramm Stickstoff.

»Dung« war früher Mist und ist heute in ganz überwiegendem Maße Gülle, also das, was die Tiere wieder von sich geben.

Recycling ist das aber nicht, wie sich aus den Angaben und Kalkulationen in den ersten drei Kapiteln ergibt.

Die »Super-Serengeti« Deutschland kann ihren Tierbestand selbst nicht ernähren.

Sie importiert in gewaltigen Mengen Futtermittel.

Sie steckt fast die Hälfte der Getreideproduktion in die Bereitstellung von Tierfutter, also fließt ein Teil des Mineraldüngers über den Umweg der Pflanzenproduktion zu den Tieren in die Ställe und als Gülle über das Land.

Und er kommt als »Dünger aus der Luft« zurück, weil Ammoniak (NH3) der Gülle und den Ställen entweicht, der vom Niederschlag aufgenommen und gelöst wird, um schließlich in Form von Ammonium gleichfalls zu düngen.

Die Gesamtmengen lassen sich besser im Vergleich verstehen:

Die landwirtschaftliche Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Hauptquelle der Überdüngung ist also nicht die Getreideproduktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung.

Diese fällt das ganze Jahr über an, während sich der Mineraldüngereinsatz effizient auf die Zeit kurz vor Beginn und in den Wochen des starken Wachstums konzentriert.

Ginge das bei der Gülle auch, könnte sie den Mineraldünger sogar weitgehend ersetzen, aber Gülle gibt es nicht nur zwischen Mai und Juli.

Damit werden die importierten Futtermittel ganz klar zur Hauptquelle der generellen Überdüngung und Belastung von Böden, Grundwasser, Flüssen und Seen.

Der importierte Überschuß kann längst nicht mehr verkraftet und abgebaut werden.

Abwasser aus Südamerika fließt über Deutschland, könnte man verkürzt und überspitzt die Lage charakterisieren.

Gleichzeitig verschlingt dieser transkontinentale Fluß von Stoffen riesige Mengen an Energie.

In der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird pro Kopf mehr als dreimal soviel Energie verbraucht wie vom großen Rest der Bevölkerrung.

Dabei sind davon nur die direkt eingesetzten Energiemengen zur Erzeugung und nicht die indirekten für die schier unglaublichen Transportwege erfaßt, die Zwischenprodukte zurücklegen — mit gravierenden Folgen für Deutschland, Europa und die Welt.“

Quelle:

Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

***

Kommentar

Lesenswertes Buch!

Wäre zu ergänzen mit der Bedeutung der „Biogasgüllle“.

U. Halbach

zenproduktion zu den Tieren in die Ställe und als Gülle über das Land. Und er kommt als »Dünger aus der Luft« zurück, weil Ammoniak (NH3) der Gülle und den Ställen entweicht, der vom Niederschlag aufgenommen und gelöst wird, um schließlich in Form von Ammonium gleichfalls zu düngen. Die Gesamtmengen
fr
lassen sich besser im Vergleich verstehen: Die landwirtschaftliche ‚ Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.
Die Hauptquelle der Überdüngung ist also eetwereetteetergeSguktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung. Diese fällt das ganze Jahr über an, während sich der Mineraldüngereinsatz effizient auf die Zeit kurz vor Beginn und in den Wochen des starken Wachstums konzentriert. Ginge das bei der Gülle auch, könnte sie den Mineraldünger sogar weitgehend ersetzen, aber Gülle gibt es nicht nur zwischen Mai und Juli.
4)Anit werden die ImportfetietiPuttermittel ganz klar zur Haelliiir quelle der generellen Überdüngung und Belastung von Böden; Grundwasser, Flüssen und Seen. Der importierte Überschuß kann
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längst nicht mehr verkraftet und abgebaut werden. Abwasser au ’s Südamerika fließt über Deutschland, könnte man verkürzt un ,
überspitzt die Lage charakterisieren. Gleichzeitig verschlingt diesentranskontinentale Fluß von Stoffen riesige Mengen an Energie. ha/
der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird pro Kopf mehr als dreimal soviel Energie verbraucht wie vom großen Rest der Bevölke-lr rung. Dabei sind davon nur die direkt eingesetzten Energiemengen
zur Erzeugung und nicht die indirekten für die schier unglaublichen Transportwege erfaßt, die Zwischenprodukte zurücklegen — mit gravierenden Folgen für Deutschland, Europa und die Welt.

zenproduktion zu den Tieren in die Ställe und als Gülle über das Land. Und er kommt als »Dünger aus der Luft« zurück, weil Ammoniak (NH3) der Gülle und den Ställen entweicht, der vom Niederschlag aufgenommen und gelöst wird, um schließlich in Form von Ammonium gleichfalls zu düngen. Die Gesamtmengen
fr
lassen sich besser im Vergleich verstehen: Die landwirtschaftliche ‚ Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.
Die Hauptquelle der Überdüngung ist also eetwereetteetergeSguktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung. Diese fällt das ganze Jahr über an, während sich der Mineraldüngereinsatz effizient auf die Zeit kurz vor Beginn und in den Wochen des starken Wachstums konzentriert. Ginge das bei der Gülle auch, könnte sie den Mineraldünger sogar weitgehend ersetzen, aber Gülle gibt es nicht nur zwischen Mai und Juli.
4)Anit werden die ImportfetietiPuttermittel ganz klar zur Haelliiir quelle der generellen Überdüngung und Belastung von Böden; Grundwasser, Flüssen und Seen. Der importierte Überschuß kann
le
längst nicht mehr verkraftet und abgebaut werden. Abwasser au ’s Südamerika fließt über Deutschland, könnte man verkürzt un ,
überspitzt die Lage charakterisieren. Gleichzeitig verschlingt diesentranskontinentale Fluß von Stoffen riesige Mengen an Energie. ha/
der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird pro Kopf mehr als dreimal soviel Energie verbraucht wie vom großen Rest der Bevölkerrung. Dabei sind davon nur die direkt eingesetzten Energiemengen
zur Erzeugung und nicht die indirekten für die schier unglaublichen Transportwege erfaßt, die Zwischenprodukte zurücklegen — mit gravierenden Folgen für Deutschland, Europa und die Welt.




Dichtheitsprüfung für Grundstückskanäle?

„Sollten“ bedeutet nicht „müssen“!

…solange nicht Abwasserbeseitigungsflichtige (Kommunen, Abwasserzweckverbände)  es für ihre Bürger strenger bestimmen:

„Achim – ACHIM (mb) · Flächendeckend sollten in der Bundesrepublik die privaten Abwasser-Hausanschlüsse auf ihre Dichtheit überprüft werden, um maroden Leitungen auf die Spur zu kommen und Umweltschäden auch fürs Grundwasser zu vermeiden. Von diesen zusätzlichen Kosten von rund 400 Euro pro Untersuchung plus Reparaturkosten bleiben die Achimer erst einmal verschont.“

„Die Stadt nimmt von einer solchen Ortssatzung allerdings Abstand, da sie mit einem erheblichen Arbeits- und Kostenaufwand verbunden wäre und eine solche Verpflichtung auch nicht unbedingt rechtssicher wäre.“

„Der Hauseigentümer ist damit, so der Achimer Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung, keineswegs aus seiner Verantwortung entbunden.  Sollte sich durch ein Kanalleck ein Umweltschaden ergeben, hat der Hauseigentümer für diesen Schaden die Konsequenzen zu tragen.“

Quelle: Kreiszeitung.de 23.06.2010

Siehe auch:




Kommentar zur Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen

Kommentar vom 19.04.2010 zum Aufsatz von U. Halbach:

„Bewertung der Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen“

von Herrn Dipl.-Ing. Stepkes (Wasserverband Eifel-Rur):

Letztes Jahr hat die DWA einen Leitfaden zur Grundstücksentwässerung herausgegeben. Dort wurde ein Vorschlag unterbreitet, wie mit der Sanierung von festgestellten Schäden umgegangen werden kann (stammt im Wesentlichen von Robert Thoma).

Dort wird je nach Lage der Leitung in Wasserschutzgebieten sowie zum Grundwasser und in Abhängigkeit zur Schadenseinstufung/-bewertung nach DWA M 149-3 eine sofortige bis zu 20 jährige Frist gegeben.

Auch wenn es über diesen Vorschlag innerhalb der Arbeitsgruppe zum Leitfaden (der ich angehöre) keine einheitliche Meinung gab, wurde mehrheitlich die Aufnahme dieses Vorschlages beschlossen, da es sich letzlich um einen Leitfaden und nicht um ein Merkblatt oder gar Arbeitsblatt handelte.

Sicherlich gibt es Kommunen, die bei der Forderung der Dichtheit von Abwasseranlagen „übers Ziel hinaus“ schießen. Dennoch sollte gelten (wie WHG etc. vorgeben), dass Abwasseranlagen, zu denen auch die GEA gehören, grundsätzlich dicht sein sollen.

Nun ist es aber immer die Frage, wie dicht ist dicht (immerhin wird ja ein Wasserverlust zugelassen) und was war der Stand der Technik bzw. die allgemein anerkannte Regel der Technik beim Bau der Anlage war (auch wenn es für abwassertechnische Anlagen keinen Bestandsschutz gibt).

Als Nordrhein-Westfale, wo ja schon seit Mitte der 90er Jahre versucht wird per Gesetz die Dichtheit der GEA einzufordern, meine Sicht:

Hier gab es schon in der Landesbauordnung genaue Vorgaben und Fristen, die niemanden interessierten.

Nun sind die Wasserbehörden zuständig, die Kommunen haben eine Beratungspflicht und siehe da, so allmählich kommt das Ganze ans rollen.

Damit ist aber die Frage nach dem Sinn noch nicht beantwortet, die Ihnen so unter den Nägeln brennt:

Eine Gefährdung des Grundwassers mit biologisch abbaubaren Inhaltsstoffen ist fast auszuschließen (hierzu gibt es eine Dissertation von Achim Decker (Auswirkungen von Fremdwasser auf Abwasseranlagen und Gewässer, 1998, leider vergriffen, erschienen als GWA Band 168 durch die Gesellschaft zur Förderung der Siedlungswasserwirtschaft an der RWTH Aachen e.V.; eine weitere Dissertation für ggf. Fremdwasserinteressierte von Jörg Hennerkes (12/2006) mit dem Titel „Reduzierung von Fremdwasser bei der Abwasserentsorgung“ ist hier von den Seiten der RWTH herunterladbar.

Bei der von Ihnen besuchten bzw. zitierten Veranstaltung wurde der Fokus auf ein (relativ neu erkanntes) Problem gerichtet, nämlich im Abwasser enthaltene Spurenstoffe, deren Ursprung im Wesentlichen auf die Verwendung von Medikamenten zurückzuführen ist (es gibt eine interessante Untersuchung von Prof. Kroiss aus Wien, wo in einer Stadt mit geeignetem geologischem Untergrund Carbamazepin erfolgreich als Tracer für die Auffindung von undichten Kanälen genutzt wurde, s. z.B.:   Carbamazepin und Koffein – potenzielle Screeningparameter für Verunreinigungen des Grundwassers durch kommunales Abwasser?

Ich glaube, dass die Verunreinigung des Grundwassers oder des Untergrundes mit Stoffen, deren Wirkung wir kaum kennen und abschätzen können, verhindert werden muss (- da ist als weiteres Argument auch die demographische Entwicklung zu berücksichtigen, die in Deutschland zu immer mehr alten Menschen führt, die mehr und „gefährlichere“ Medikamente konsumieren als junge. Dies führte hier in NRW zu gezielten Untersuchungen, in Krankenhäusern das Abwasser schon an der „Quelle“ zu fassen und zu behandeln, damit die Medikamentenrückstände erst gar nicht in die kommunale Kläranlage gelangen, die diese Stoffe (mit der derzeitigen „konventionellen“ Technik ohnehin nicht herausholen kann. Nun geht der Trend aber weg von längeren stationären Aufenthalten in Kliniken, das heißt also, es kann zunehmend weniger an der „Quelle“ Krankenhaus erfasst werden. Hiewr noch der Hinweis, dass die Schweiz anscheinend flächendeckend eine weitestgehende Abwasserreinigung (wg. der Spurenstoffe) fordern/umsetzen wird).

Meiner Meinung nach sind die auf den Grundstücken anzutreffenden Schäden (abgesehen von nicht dauerhaft haltbaren Dichtungen) in der Regel auf Einbaufehler zurückzuführen. Diesem kann (und hätte man) in den meisten Fällen durch eine konsequente Bauabnahme (Dichtheitsprobe mit Wasser, wie schon um 1900 z.B. in Göttingen mit Polizeiverordnung gefordert und auch durchgeführt) sicherstellen können.

Durch die Vereinfachung bei den Baubehörden wurde aber seit den 80ern auf eine Bauvorlage bzw., Genehmigung bzw. Überprüfung der GEA zunehmend verzichtet, das Wissen, wie man so was macht etc. ging mit den aus dem Dienst ausscheidenden Mitarbeitern verloren usw. usw..

[Das führt dazu, dass die Stadt Frankfurt/Main nun eine solche Abteilung wieder aufbaut (so beim Lindauer Seminar im März 2010 Dr. Krier, Abteilungsleiter bei der SEF)]

Fordern sollte man folgendes:

  • Konsequente Überwachung/Prüfung neu errichteter Anlagen
  • Untersuchung bestehender Anlagen im Zuge der Eigenkontrolle der öffentlichen Kanäle (vor allem dort, wo hoch belastete Abwässer fließen bzw. der Eintritt von Grundwasser in den Kanal ein Problem für die Kanalisation (Hydraulik) bzw. Kläranlage (Reinigungsleistung) darstellt (wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wohnen Sie im Osten Deutschlands, wo nach der Wende unsinnig große Kläranlagen gebaut wurden, auch zu große neue Kanäle (?) – da ist Fremdwasser evtl. sogar erwünscht?)
  • Bei festgestellten Mängeln angemessene Fristen zur Schadensbeseitigung

Evtl. können Sie sich ja auch mit der Argumentation von Herrn Externbrink (Abwasserbetriebe Lünen ) anfreunden: er will von seinen Grundstückseigentümern nicht mehr fordern als das, was auch im öffentlichen Bereich umgesetzt wird/werden kann.

Konsequente Überwachung bei Neu- und Umbau, angemessene Fristen, Haupt-Augenmerk soll auf ganzheitliche Betrachtung der Entwässerung eines Gebäudes liegen (was Rückstausicherung (da gab es wohl leidvolle Erfahrungen) und Werterhalt betrifft.

Was spricht gegen eine Wartung der Abwasseranlagen? Das Dach und die Außenwände werden auch gewartet und in Schuss gehalten, nur der Teil unter der Erde nicht …

Dipl.-Ing. Hermann Stepkes
Wasserverband Eifel-Rur
Eisenbahnstraße 5
52353 Düren




Leuchtkraft wissenschaftlicher Erkenntnis fremdgedimmt!

Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: 2014 gab der Bund für Bildung und Forschung (BMBF) wohl rund 15,3 Milliarden Euro aus. Das sind drei Prozent des gesamten Bundeshaushalts. Wenn dann aber die Forschung – hier die TU Dresden – mit viel Aufwand absicherte Ergebnisse der wissenschaftlichen Ökologie vorlegt, die nicht in das Weltbild der politischen Ökologie passen und die zudem Voraussetzung für eine Effizienzsteigerung der Wasserwirtschaft sind,  dann werden diese Erkenntnisse durch Ignoranz entwertet bzw. es werden keine gesetzlichen Voraussetzungen (u. a. Änderung des Wasserrechtes, des Abwasserabgabengesetzes und der EU-WRRL) geschaffen, die eine Nutzung dieser fortschrittlichen Erkenntnisse straffrei erlauben. Die Starrheit der Gesetzgebung und die teils einfältige Gewässerbewertung verhindert die Umsetzung wichtiger Forderungen der EU-WRRL, z. B. nämlich, dass die Abwässer nach dem Stand der Technik – hier effizient zu behandeln sind. Der Weg ist nicht eine Denitrifikation in Form eines blinden Aktionismusses.

Nitrat ist ein Gewässernutzstoff und ein sekundärer Sauerstofflieferant von besonderer Bedeutung. Seine kompromisslose Eliminierung in Kläranlagen beruht auf Wissensdefiziten, ideologischen Anschauungen und auf Zwang.

Die Lähmung sowie der Schaden durch Effizienzverhinderung dauert in diesem Fall nun schon 26 Jahre!

Die Nitrat-Doktrin und ebenso die CSB-Doktrin kostet also täglich eine sachlich nicht begründbare Abwasserabgabe, die über die Abwassergebühr von Kommunen oder Verbänden eingezogen werden muss.

Für die abwasserverursachende Industrie ist dies ein Kostenfaktor.

Wenn das Merkmal einer Willkür fehlende Sachlichkeit ist, dann sind Straftatbestände einer unerlaubten Gewässerverschmutzung durch Nitrat willkürlich, es sei denn, es handelt sich um ein besonderes Schutzgut, wie z. B. eine Trinkwassertalsperre.

Straftatbestände einer unerlaubten Grundwasserverschmutzung durch Nitrat sind dann sachlich nicht nachvollziehbar, wenn eine Diskriminierung des Angeklagten gegenüber der landwirtschaftlichen Nitrat-Belastung vorliegt. Die Diskriminierung des Bürgers, seiner Kommune oder seines  Abwasserzweckverbandes ist hier aber die Regel.

Doch bilden Sie sich Ihre eigene Meinung:

Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte – Sinn der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung

Kurzbericht einer vergessenen Veranstaltung der Fachrichtung Wasserwesen der TU Dresden am 3. Juni 1997

Sinnfälligkeit der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung – so lautete der Titel einer Veranstaltung am 3. Juni 1997, der Eingeweihten Spannung versprach; wurde doch dieses Thema Gegenstand einer interdisziplinären Vortragsveranstaltung zweier Professoren der TU Dresden, Fachrichtung Wasserwesen – Prof. Dr. Lützner und Prof. Dr. Uhlmann -, die im fachlichen Disput ihre Standpunkte vor Studenten und Gästen erläuterten und verteidigten.

Pro

Herr Prof. Lützner verwies auf die Notwendigkeit der Denitrifikation für einen stabilen Kläranlagenbetrieb und führte u. a. folgende Argumente an:

  • Blähschlammbekämpfung durch anoxische Selektoren und die Notwendigkeit des Milieuwechsels;
  • verstärkte pH-Wert-Probleme, insbesondere bei weichen Wässern, wenn nur nitrifiziert wird;
  • Nutzung des Nitratsauerstoffs für den BSB5-Abbau und damit Senkung des Energiebedarfs für die Abwasserreinigung;
  • Vermeidung von Grenzwertüberschreitungen infolge einer wilden Denitrifikation in der Nachklärung.

Des Weiteren wies er darauf hin, dass bei einstufigen Belebungsanlagen die biologische Phosphorelimination ohne zusätzliche Maßnahmen nicht möglich ist. Auch wirkt Nitrat störend im Faulbehälter. Schließlich sei aus praktischer Sicht festzustellen, dass die in jüngster Zeit gebauten Kläranlagen bei über 20.000 EW im Regelfall über eine simultane aerobe Schlammstabilisierung verfügen und durch alternierende Belüftung die geschilderten negativen Betriebsauswirkungen vermindert werden.

Wenn Biologen der Meinung sind, dass für die Gewässer Nitrat keine Belastung darstellt, dann sollte auch auf die Festsetzung von Überwachungswerten verzichtet werden und die Denitrifikation nur soweit erfolgen, wie sie für den Betrieb der Kläranlage notwendig ist. Fragwürdig wird es, wenn nur zur Einhaltung der Überwachungswerte externe Kohlenstoffquellen (vorzugsweise auch Ethanol und Methanol) zugegeben werden müssen, wie es bereits jetzt in vielen Kläranlagen praktiziert wird.

…und Kontra

Während das Fachgebiet von Herrn Prof. Lützner die Abwasserbehandlung ist, hat sich Herr Prof. Uhlmann (als Verfasser des Standardwerkes „Hydrobiologie“ bekannt) darauf spezialisiert, die Probleme zu analysieren, die nach der Abwasserbehandlung im Gewässer zu beobachten sind.

In seinen Ausführungen stellte Herr Prof. Uhlmann die von Herrn Prof. Lützner angeführte Notwendigkeit einer Denitrifikation für die Stabilität des Reinigungsprozesses in Kläranlagen nicht in Frage. Er wies jedoch nachdrücklich auf sehr gut gesicherte Forschungsergebnisse hin, die belegen, dass Nitrat auch als Sauerstoffspender für das Gewässer eine wichtige Rolle spielt. Herr Prof. Uhlmann erläuterte in anschaulicher Weise, in welchen Fällen Nitrat als Pflanzennährstoff wirkt, aber auch dass Nitrat besonders wertvoll für die Sauerstoffversorgung von Sedimenten – die Schlammablagerungen in Seen und Meeren – ist.

Der gelöste Sauerstoff wird aufgrund der natürlichen Zehrungsprozesse an der Wasser- und Schlammgrenzschicht häufig schnell verbraucht.

Allein das Nitrat diffundiert in die tieferen Schlammschichten, so dass dort eine anoxische Nitratatmung ermöglicht wird.

Analog, wie dies in der Denitrifikationsstufe der Kläranlage erfolgt.

Wozu ist nun Sauerstoff – einschließlich Nitratsauerstoff – im Schlamm erforderlich?

Eine Sauerstoffversorgung der oberen Schlammschichten verhindert zum Beispiel, dass sedimentierte Phosphorverbindungen rückgelöst werden, ähnlich wie dies technisch mit der biologischen P-Eliminierung praktiziert wird.

So gesehen, ist Stickstoff in der Nitratform wohl kaum als eutrophierender Faktor zu werten.

An dem Disput beteiligten sich – neben zahlreichen Gästen und Studenten – auch Frau Professor Röske, Herr Professor Hackenberger sowie Herr Professor Benndorf, der die Veranstaltung moderierte.

Im Resümee verständigten sich die Teilnehmer dazu, dass einerseits eine Denitrifikation für den störungsfreien Kläranlagenbetrieb notwendig ist, andererseits aber Nitrat für die Sauerstoffversorgung der Sedimente in den Gewässern eine sehr wichtige Rolle spielt und man deshalb nur soweit denitrifizieren sollte, wie es betrieblich erforderlich ist.

Die Notwendigkeit einer gesetzlich vorgeschriebenen und behördlich kontrollierten Denitrifikation in Kläranlagen wurde von keinem Gesprächsteilnehmer gesehen.

Im Verlaufe wurde weiter diskutiert, dass in Anwendung der Ergebnisse das Tropfkörperverfahren eine Renaissance erleben könnte, weil mit Einführung der neuen Abwasserverordnung seit 01.04.1997 für Kläranlagen <= 10.000 EW die Denitrifikation nicht mehr erforderlich ist.

Fazit

Die Signale der Wissenschaftler der TU Dresden und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sind hochinteressant und werden hoffentlich bald in den Wassergesetzen vergegenständlicht.

Sollten sich in der Gesetzgebung einschließlich dem EU-Wasserrecht, bei den Ingenieuren und Behörden diese Erkenntnisse durchsetzen, könnte sich in der Abwasserbehandlung und der Gewässerpolitik das Reglement vereinfachen.

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Dinge und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müssen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

Auf jeden Fall ist aber die TU Dresden eine gute Adresse, wenn es gilt, neue Wege zu beschreiten.

(Uwe Halbach ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung)

Erschienen in der wwt 5 / 1997

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Kommentar nach 13 Jahren:

Inzwischen sind 13 Jahre vergangen und aus dem kleinen Wermutstropfen

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Dinge; und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müssen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

ist ein Fass Wermut geworden.

Ist dies nun ein Beweis oder ein Indiz dafür, dass bei der Nitrat-Doktrin die Gewissenhaften über die Verständigen siegten?

Ich glaube, hier wirkt die Bildung störend und wird deshalb einfach ignoriert. Der Ökologe und Buchautor, Herr Gärtner hat über diese fragwürdigen Methoden ein Buch geschrieben: Öko-Nihilismus. Zudem erlebe ich es als Gutachter recht häufig, dass Zusammenhänge, Verhältnisse und die Logik immer dann ausgeklammert werden, wenn es um gewissenhafte Vorsorge geht oder wenn Vorstellung und Glauben, die bzw. den man von der Natur hat, nicht den Tatsachen in der Natur entsprechen. Dann wird nicht etwa die Vorstellung von der Natur angepasst , sondern die das Weltbild störenden Tatsachen werden einfach ignoriert. Philosophisch gesehen ist die Leugnung unbequemer Tatsachen eine Tatsache und dem Menschen immanent. Platon mit seinem Höhlengleichnis bis hin zu Schopenhauer mit seinen Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ können als Beweis dafür dienen. Man muss diese menschlichen Bedürfnisse nur kennen. Für die Jugend dagegen ist es ein Frust, wenn sie ihre mühsam erarbeitete Bildung gegen Geschäftsinteressen und Ideologien entwertet sehen. Allerdings ist der Desillusionierungsprozess ein schleichender. Mancher erarbeitet ihn sich früher, mancher später, aber die meisten werden es nie begreifen. Und das ist aus bestimmten Gründen auch gut so…

Uwe Halbach am 23.03.2010




Fragwürdige Abwasserabgabe für CSB

Widerspruch zum Grundgesetz?

Inhalt:

  • Widerspruch zwischen § 7 a (1) Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und Abwasserverordnung Anhang 1
  • Widerspruch hinsichtlich des CSB im Abwasserabgabengesetz
  • Widerspruch der Abwasserverordnung und des Abwasserabgabengesetzes zum Grundgesetz
    Kommentar

Einleitung

In diesem Aufsatz geht es um die Abwasserabgabe, welche für die Einleitung von CSB in Gewässer erhoben wird.
Zunächst – was ist CSB? Sollten Sie es nicht wissen – die Antwort finden Sie hier!

(Ein bescheidenes Grundwissen über den CSB hinsichtlich Bestimmung, Wertung und Bedeutung für das Gewässer ist Voraussetzung für das Verständnis dieses Beitrages.)

Die Abwasserabgabe ist eine zweckgebundene Abgabe, welche auf die Einleitung von Schadstoffen in Gewässer erhoben wird.

Mit der Abgabe sollen einerseits die Abwasserbeseitigungspflichtigen zur Schadstoffreduzierung stimuliert (gelenkt) werden und andererseits soll auch die erhobene Abgabe unmittelbar dem Gewässerschutz zugute kommen.

Davon gehen Bürger und Unternehmen aus, die Abwasserabgabe direkt oder indirekt entrichten müssen.

Die Abwasserabgabe war schon immer umstritten und wurde gegen die Intervention von zahlreichen Experten von der Politik durchgesetzt. Weitere Aspekte zur Fragwürdigkeit der Abwasserabgabe können Sie hier nachlesen: Die Abwasserabgabe

Ein schon seit Bestehen des Abwasserabgabegesetzes bekannter Widerspruch, mit dem sich dieser Beitrag befasst, liegt darin, dass die Abwasserabgabe auch auf Stoffe erhoben wird, die keine Schadstoffe sind.

Infolge ist die Erhebung einer Abwasserabgabe für CSB unzulässig, weil diese Verfahrensweise im Widerspruch zum Grundgesetz steht.

Nur um es vorweg zu nehmen! Die Wahrheit kann erst dann wirken, wenn sie vom Bundesverfassungsgericht als solche auch anerkannt wird. Also nicht zu früh freuen!

Soviel zur Einleitung!

Vier Gesetze spielen hier eine Rolle!

Die Tabelle 1 erlaubt für den Einstieg in die Thematik einen ersten Überblick.

Wirkung – Ziel
Vorschrift
Die Schadstofffracht des Abwassers ist zu minimieren!

§ 7 a (1) Wasserhaushaltsgesetz (WHG) pdf-Datei:

Gewerbeaufsicht Baden-Württemberg

Die Überschreitung einer gewissen CSB-Konzentration (Überwachungswert) ist verboten und wird strafrechtlich verfolgt.

Abwasserverordnung pdf-Datei:

Gewerbeaufsicht Baden-Württemberg

Für die Einleitung von CSB in ein Gewässer wird eine Abwasserabgabe mit dem Ziel erhoben, den Abwasserbeseitigungspflichtigen finanziell zu zwingen, diese Belastung zu minimieren oder zu beseitigen.

Abwasserabgabengesetz pdf-Datei:

Gewerbeaufsicht Baden-Württemberg

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Grundgesetz

Tabelle 1: Ausgewählte Regelungen, die den CSB betreffen

In den folgenden Gliederungspunkten werden nun die einzelnen Widersprüche erörtert.

1. Widerspruch zwischen § 7 a (1) Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und Abwasserverordnung Anhang 1

Beim WHG handelt sich um das „Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushaltes“ vom 19.08.2002, BGBI. I, S. 3245.

Dem WHG § 7 a (1) ist zu entnehmen:

㤠7a
Anforderungen an das Einleiten von Abwasser

(1) Eine Erlaubnis für das Einleiten von Abwasser darf nur erteilt werden, wenn die Schadstofffracht des Abwassers so gering gehalten wird, wie dies bei Einhaltung der jeweils in Betracht kommenden Verfahren nach dem Stand der Technik möglich ist. § 6 bleibt unberührt. Die Bundesregierung legt durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates Anforderungen fest, die dem Stand der Technik entsprechen. Diese Anforderungen können auch für den Ort des Anfalls des Abwassers oder vor seiner Vermischung festgelegt werden.“

Bis hierher gibt es zunächst keine Abstriche. Man merke auf: Der Text lautet auszugsweise: „…wenn die Schadstofffracht des Abwassers so gering gehalten wird…“. Es geht also um Schadstoffe! (Die Fracht ist das Produkt aus der Konzentration eines Schadstoffes multipliziert mit der zugehörigen Abwassermenge.)

Im Anhang 1 der Abwasserverordnung taucht aber nun plötzlich der CSB als Anforderung auf, die beim Einleiten in ein Gewässer einzuhalten ist. (Die Abwasserverordnung legt die Grenzwerte für Schadstoffe bei Einleitung in Gewässer fest. Der Anhang 1 regelt die Grenzwerte für kommunale Abwässer.) Dem Grunde nach wird hier der CSB als Schadstoff ausgewiesen, der zu minimieren ist.

Und genau das ist falsch!

(1) An das Abwasser für die Einleitungsstelle in das Gewässer werden folgende Anforderungen gestellt (Auszug):

Proben nach Größenklassen der Abwasserbehandlungsanlagen
Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)
mg/l
Qualifizierte Stichprobe oder 2-Stunden-Mischprobe
Größenklasse 1
kleiner als 60 kg/d BSB5, (roh)
50
Größenklasse 2
60, bis 300 kg/d BSB5 (roh)
110
Größenklasse 3
größer als 300 bis 600 kg/d BSB5 (roh)
90
Größenklasse 4
größer als 300 bis 600 kg/d BSB5 (roh)
90
Größenklasse5
größer als 6000 kg/d BSB5 kg/d (roh)
75

Der Widerspruch besteht nun darin, dass der CSB grundsätzlich (im Sinne des Wortes) kein Schadstoff ist. (Ausnahmen gibt es wohl.)

Wenn der CSB also grundsätzlich kein Schadstoff ist, dann darf auch eine Überschreitung grundsätzlich nicht bestraft werden.

Die Anforderungen für den CSB wären demnach aus dem Anhang 1 ersatzlos zu streichen, zumal ein hoher CSB in Ausnahmefällen auch Merkmal einer besonders weitgehenden Abwasserreinigung sein kann.

Das ist mitunter bei natürlich und künstlich belüfteten Abwasserteichen, bei Grundstückskläranlagen und bei unterlasteten Kläranlagen zu beobachten.

Aufgrund eines nicht vorhandenen Ermessensspielraumes der Behörden werden die Abwasserbeseitigungspflichtigen in diesen eben genannten Ausnahmefällen gezwungen, nicht nur unnötig und unsinnig zu investieren, sondern mitunter auch gezwungen, ihre Anlagen so zu betreiben, dass tatsächlich Nachteile für die betreffenden Gewässer entstehen. (Hier handelt es sich dann um einen besonders schweren Verstoß wasserrechtlicher Regelungen gegen das Grundgesetz § 14 (2). In diesen Ausnahmen schadet die Abwasserverordnung dann sogar dem Gewässer.

2. Widerspruch hinsichtlich des CSB im Abwasserabgabengesetz

Wenn der CSB kein Schadstoff ist, dann ist es falsch die Einleitung von CSB in ein Gewässer mit einer Lenkungsabgabe zu belegen.

Die Abwasserabgabe für CSB ist ersatzlos zu streichen!

3. Widerspruch der Abwasserverordnung und des Abwasserabgabengesetzes zum Grundgesetz

Bei der Berechnung einer Lenkungsabgabe für die CSB-Einleitung in Gewässer und bei der strafrechtlichen Verfolgung im Falle einer Überschreitung der Anforderungen an den CSB, wird staatliches und privates Eigentum entwertet und verschwendet.

Die Entwertung dieses Eigentums dient nicht dem Wohle der Allgemeinheit, sondern beeinträchtigt das Wohl der Allgemeinheit negativ durch sinnlose Verschwendung in Größenordnungen.

Was steht nun im Artikel 14 (2) des Grundgesetzes?

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

4. Kommentar

Das jemand, der tatsächlich Gifte, wie z. B. Quecksilber, in Gewässer unerlaubt einleitet, bestraft werden muss, steht außer Frage. Dafür hat der Staat aber weitaus wirtschaftlichere und wirkungsvollere Mittel zur Hand als ausgerechnet die Abwasserabgabe.

Oxidierbare Stoffe, wie im Anhang 1 der Abwasserverordnung als CSB beschrieben, sind kein Maß und kein Beweis für die Schädlichkeit eines Abwassers.

Das ist seit Jahrzehnten Grundwissen jedes Wasserwirtschaftlers und Wasserlaborleiters.

Die Anforderungen für die Einleitung des CSB in Gewässer sollten ersatzlos gestrichen werden.

Sie mögen für die Überwachung ein Indiz sein – mehr aber auch nicht.

Um es zu veranschaulichen: Ein Gericht wird einen Verdächtigen nicht nur deshalb verurteilen, weil er rote Farbe an den Händen hat. Ob es sich bei der Farbe um Blut handelt und ob er tatsächlich der gesuchte Täter ist, das müssen die Kriminalisten schon noch beweisen. Ähnlich ist beim CSB zu verfahren. Auch eine Behörde darf nicht grundsätzlich unterstellen, dass Schadstoffe einen bestimmten CSB verursachen. Ob das der Fall ist, muss ganz konkret bewiesen werden.

Da der CSB definitiv kein Schadstoff ist und weil die Abwasserabgabe eine Lenkungsabgabe ist, darf auch keine Abwasserabgabe auf eine CSB-Einleitung in Gewässer erhoben werden.

Es ist nicht nur der Staat, der hier uneffizient arbeitet, weil er mit der Verwaltung einer fragwürdigen Abwasserabgabe beschäftigt ist. Die Verwaltung der Abwasserabgabe strahlt auch auf die Abwasserbeseitigungspflichtigen aus, die ihrerseits enorme Kosten aufbringen müssen, um die Abgabe zu verwalten. Sie sind beschäftigt mit der Erklärung der Abwasserabgabe, mit Widersprüchen, mit Statistik, mit Rechtsstreitigkeiten und und und. Der Vollzug der Abwasserabgabe ist so kompliziert, dass es nicht nur in den Ministerien und Behörden, sondern auch fast in jedem Abwasserzweckverband und in jeder betroffenen Kommune Spezialisten für diese Aufgabe gibt. Inzwischen leben ebenso zahlreiche Büros teilweise von der Abgabenverwaltung. Insofern sind ungeahnte Heerscharen mit der Verwaltung der Abwasserabgabe beschäftigt.

All dies dient einem Ziel – einer extrem teuren Steuerung und teilweise sogar gewässerschädlichen Verwaltung von Unwissen.




Was ist unter dem Chemischen Sauerstoffbedarf (CSB) einer Wasserprobe zu verstehen?

Der CSB ist grundsätzlich kein Gewässerschadstoff!
Er ist nur Indiz für harmlose oder auch schädliche Wasserinhaltsstoffe!

Inhaltsverzeichnis

  • Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB) – meist harmlos und mitunter unbedenklich essbar
  • Chemischer Sauerstoffbedarf – Definition und Methode

Siehe auch:
Fragwürdige Abwasserabgabe für CSB – Widerspruch zum Grundgesetz?

Zusammenfassung

Der CSB ist grundsätzlich kein Schadstoff und er ist nicht eindeutig interpretierbar.

Zum Verständnis: Ein CSB-Messergebnis ist wie ein verschlossener Brief. Ob die Nachricht gut oder schlecht ist, erfährt der Leser erst nachdem der Brief geöffnet und gelesen wurde. Dabei ist es beim CSB immer so, dass für die sichere (weitestgehend rechtssichere) Interpretation der CSB-Messung andere Parameter und Informationen notwendig sind.

Allein aus dieser Tatsache heraus ist schon abzuleiten, dass der CSB als Grundlage für Sanktionen und Abwasserabgabezahlungen nicht rechtssicher und kein alleiniges Beweismittel für eine Gewässerverunreinigung ist und sein kann.

Außerdem: Der CSB – wie er gemessen wird – kann in der Natur nicht auftreten. Es handelt sich um eine rein akademische Bewertung, die mit den tatsächlichen Bedingungen im Gewässer auch nicht das Geringste zu tun hat.

Der CSB kann Indiz sein für harmlose Abwasserinhaltsstoffe, die in der Natur überall vorkommen. Er kann aber auch ein Anzeichen für chemisch oxidierbare Schadstoffe sein.

Ohne weitere Untersuchung ist und bleibt der CSB nur ein Indiz, das nicht einmal grundsätzlich und von vornherein auf die Anwesenheit von Gewässerschadstoffen schließen lässt.

Insofern wird die Abwasserabgabe für den CSB auf der Grundlage von Indizien und nicht auf der Grundlage einer tatsächlich nachgewiesenen Gewässerschädigung erhoben. Gleiches trifft auch auf die Sanktionierung von CSB-Überwachungswertüberschreitungen zu. Sie hat zwar eine rechtliche Grundlage aber keine wissenschaftliche Basis, genauso wenig wie die Erde eine Scheibe ist.

Ein hoher CSB kann ein Indiz für eine besonders effektive und weitgehende Abwasserbehandlung sein.

Es handelt sich bei dem Indiziencharakter des CSB um keine neue Erkenntnis, sondern um eine seit Jahrzehnten (solange es den CSB gibt) bekannte, simple, wasserchemische Grundlage, die in den betreffenden Gesetzeswerken jedoch eine falsche, unlogische, unwissenschaftliche und schädliche Berücksichtigung fand.

Einführung

Wie der Name sagt, hat Wasser mitunter einen chemischen Sauerstoffbedarf.

Dieser Sauerstoffbedarf entsteht nur unter Laborbedingungen.

Es ist der Sauerstoff, der zur Oxidation aller im Wasser enthaltenen Stoffe erforderlich ist.

Die Menge des verbrauchten Sauerstoffes ist abhängig von den Bedingungen, unter denen die Oxidation abläuft.

Da mit der CSB-Bestimmung alles „Vorstellbare und Nichtvorstellbare“ oxidiert werden soll, wurden von den Wissenschaftlern die extremsten Bedingungen erdacht und geschaffen, die noch einigermaßen in den Laboratorien rentabel beherrschbar sind.

Es wird mit einem radikalen Oxidationsmittel gearbeitet; und damit auch wirklich alles oxidiert wird, erfolgt die Oxidation zusätzlich unter Hitze und Druck.

Der Verbrauch des Oxidationsmittels wird gemessen, auf den Sauerstoffverbrauch umgerechnet und auf Milligramm oder Gramm Sauerstoffverbrauch je Liter Wasser oder Abwasser angegeben.

Ziel der Analyse war es ursprünglich, die Gefährlichkeit eines beliebigen Abwassers zu beschreiben. Insbesondere kann ein hoher CSB Indiz für Desinfektionsmittel sein, die keinen BSB5 verursachen.

Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB) kann harmlos sein und wird täglich gegessen.

Man kann CSB sogar essen und er schmeckt mitunter auch ausgezeichnet.

In jedem Brötchen finden sich ein paar tausend Milligramm.

Jeder Fisch, der im Wasser schwimmt, besteht aus CSB und jedes Blatt, das von einem Baum ins Wasser fällt, besteht aus CSB.

Angenommen ein Kleinkind gelangt in den Besitz einer 4 Gramm schweren Stahlkugel mit einem Durchmesser von 10 mm und steckt sich die Murmel ausnahmsweise mal nicht in Nase oder Ohren, sondern verschluckt diese – zur Panik seiner Eltern.

Mit diesem Vorgang hat es dann folgenlos und schlagartig 1.700 mg CSB verzehrt.

Trotz allem ist die Veranschaulichung nicht zur Nachahmung zu empfehlen, denn die Stahlmurmel könnte ja dem Kind anderweitig schaden. Das ordentliche Verspeisen von CSB-verursachenden Stahlkugeln in Maßen ist normalerweise unbedenklich.

Wenn der CSB grundsätzlich kein Gewässerschadstoff ist, so gibt es aber auch Ausnahmen.

Lebensmittel können gut oder schädlich sein, wenn sie z. B. verdorben sind.

Der Leser merkt es – es kommt immer darauf an zu analysieren und zu ergründen, ob sich unter den Stoffen, die den CSB verursachen, Gifte und tatsächliche Gewässerschadstoffe befinden. Genau an dieser Stelle unterbricht aber der Gesetzgeber beim CSB die Vernunft, schaltet das Denken ab und die Verantwortung der Überwachungsbehörden aus. Als Dogma gilt: „CSB ist immer schlecht!“

Es ist wie mit einer Mengenmessung. Auf der Waagschale können Genussmittel oder Gifte liegen.

Wichtig für die Bewertung des CSB als Schadstoff ist die Beantwortung von 2 Fragen:

  • Erstens, wie viel wurde gewogen und zweitens, was lag auf der Waage?
  • Die zweite Frage interessierte den Gesetzgeber aber nicht bei der Erhebung der Abwasserabgabe für CSB.

Wir stellen fest: Der CSB ist nicht eindeutig und deshalb kein eindeutiges Beweismittel für die Schädlichkeit eines Abwassers!

Der CSB findet in der Natur keine Bedingung, um den unter Laborbedingungen gemessenen Sauerstoffverbrauch tatsächlich zu realisieren. Es handelt sich beim CSB um einen theoretischen (akademischen) Wert.

Die „Gefährlichkeit“ des CSB ist nur dann zu begreifen, wenn nachvollzogen wird, wie der CSB im Labor bestimmt wird und wenn überlegt wird, ob das Analysenergebnis auf die Natur übertragen werden kann. Der Laie und gemeinhin auch der Politiker geht bei einem CSB, z. B. von 2.000 mg Sauerstoff davon aus, das einem Fisch bei entsprechend hohem CSB der Sauerstoff entzogen wird. Völlig falsch!

Das Absurde der Überlegung wird klar, wenn analysiert wird, was alles passieren muss, damit z. B. durch Abwassereinleitung in einen Bach im Bach selbst ein CSB von 200 mg O2/l als tatsächliches Sauerstoffdefizit entsteht.

Damit dieser CSB im Bach als Gewässerschadstoff wirken kann, muss der Bach eine analoge Prozedur durchmachen, wie sie bei einer CSB-Bestimmung im Labor Methode ist:

  1. Je m³ Bachwasser werden 1,5 m³ silbersulfathaltige Schwefelsäure und 0,5 m³ quecksilbersulfathaltige Kaliumdichromatlösung zugegeben.
  2. Der gesamte Bach wird in 10 Minuten zum Sieden gebracht und darf dann in weiteren 110 Minuten schwach vor sich hin köcheln.
  3. Die Temperatur des gequälten Baches muss dabei 148 °C betragen.

Erst dann kann ein CSB von 200 mg/l seine ganze Schädlichkeit im Bach entfalten und ihm 200 mg Sauerstoff entziehen.

Dem Leser ist wohl klar, dass der Fisch schon lange an der Zugabe von 1,5 m³ silbersulfathaltiger Schwefelsäure/m³ Bachwasser gestorben ist, bevor er spürt, dass er eigentlich an Atemnot zu Grunde gehen müsste, weil der CSB nicht der Abwasserverordnung entspricht.

Diese eher witzigen Beispiele sollen der Veranschaulichung dienen, dass der CSB ein rein akademischer Wert ist, der ohne begleitende andere Untersuchungen (BSB5, Toxikologie, messen echter Schadstoffe…) kein Beweismittel ist und höchstens nur ein Indiz sein kann.

Der Begriff „Chemischer Sauerstoffbedarf“ ist für den Laien irreführend, denn im Gewässer oder im Abwasser entsteht kein chemischer Sauerstoffbedarf nach DIN , weil die oben beschriebenen extremen Laborbedingungen im Gewässer oder im Abwasser fehlen. Im Gewässer entsteht nur ein biologischer Sauerstoffbedarf und das ist ein anderes Thema.

Chemischer Sauerstoffbedarf – Definition und Methode

Hier ein Zitat:

„CSB ist die Abkürzung für Chemischer Sauerstoffbedarf.

Der CSB-Wert spielt bei der Beurteilung von häuslichen und gewerblichen Abwässern eine große Rolle.

Er ist als Summenparameter für die organische Belastung eines Abwassers mit der wichtigste Parameter im Bereich der Abwasseranalytik.

Durch die praktische Handhabung ist er ein wesentlicher Parameter für die Steuerung von Kläranlagen geworden.

Bei allen Methoden, die beim CSB zur Anwendung kommen, wird grundsätzlich die Oxidierbarkeit der Wasserinhaltsstoffe mit schwefelsaurer Kaliumdichromatlösung, unter Verwendung von Silbersulfat als Katalysator, gemessen.

Störungen durch Chlorid werden mit Quecksilbersulfat verhindert.

Die CSB-Bestimmung wird nach DIN 38409 Teil 41 durch Titration mit Ammoniumeisensulfat zur Ermittlung der nichtverbrauchten Kaliumdichromatmenge vorgenommen.

Die Umschlagspunktbestimmung erfolgt mittels Redox-Indikator (Ferroin).

Durch Rückrechnung wird die der oxidierten Substanz äquivalente Menge des verbrauchten Kaliumdichromates erfasst.

Dies ist die amtliche Methode, die bei einer Überprüfung durch die Wasserbehörde zum Einsatz kommt.

Eine andere Methode, die ihre Verbreitung in der betrieblichen Abwasseranalytik zwecks Eigenkontrolle gefunden hat, ist die photometrische Messung mittels Küvettentest.

Hierbei macht man sich zunutze, dass bei der Oxidation der Inhaltsstoffe die gelbe Chrom (VI)-Verbindung des Kaliumdichromats zum grünen Chrom (III) reduziert wird. Je nach Messsystem wird dann die unverbrauchte Kaliumdichromatmenge über die Photometermessung der Gelbfärbung oder die entstandene Chrom (III)-Menge über die Messung der Grünfärbung bestimmt.

Die Hersteller der Küvettensysteme liefern eine werksseitige Kalibrierung mit, die eine direkte Bestimmung des CSB-Wertes ermöglicht.“

Quelle: www.pc-chemie.de

***

(Siehe auch den Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

 




Blaualgenreport

1. Lektion – Einführung

Ziel des Reportes:
Nachweis, dass der Gewässerschutz teilweise uneffektiv, paradox, teils sogar gewässerschädlich ist.

Beweisaufgabe:
1. Nachweis der Verschwendung finanzieller Mittel für die unnötige Stickstoffeliminierung in EU-Kläranlagen.
2. Nachweis gewässerschädlicher Regelungen in der Abwasserverordnung und im Abwasserabgabengesetz

Methode:
Vergleich

Gegenstand:
Grundlagenwissen der Hydrobiologie und ausgewählte aktuelle Gewässerschutzvorschriften

Vorwegnahme:
Behörden und Ministerien sind diese noch aufzuzeigenden Widersprüche zumeist bekannt. Die Gesetzgebung und die Bürokratie verbietet bzw. verhindert aber folgenreich die Nutzung einiger wissenschaftlicher Erkenntnisse für den Gewässerschutz.

Folge:
Entwertung der Bildung und Schäden in Höhe von ungezählten Milliarden Euro.

  • Blaualgen gibt es schon seit etwa 3,5 Milliarden Jahren (Präkambrium).
  • Eigentlich sind es keine Algen, sondern Bakterien der Abteilung Cyanophyta.
  • Der Name Cyanophyta kommt von der blau-grünen Farbe.
  • Blaualgen sind 5-10 mal größer als Bakterien.
  • Sie pflanzen sich ungeschlechtlich fort.
  • Es gibt weltweit etwa 2.000 Arten, wobei die Experten über die genaue Spezifikation und Klassifizierung der Arten noch debattieren.
  • Blaualgen leben im Wasser.
  • Blaualgen ernähren sich autotroph. (Fähigkeit bestimmter Organismen, mit Hilfe von Licht oder aber anorganischer Substrate als Energiequelle körpereigene, organische Substanz aufzubauen.)

2. Lektion – Färbung, Bewegung, Fortpflanzung und Verbände

  • Das Protoplasma (innere Substanz aller lebenden Zellen, inkl. Zellkern; ein komplexes Kolloidgemisch, das vorwiegend aus Eiweißstoffen besteht) ist niemals rein grün.
  • Vorherrschende Farben sind blaugrün, spangrün, violett bis rötlich, purpur bis braunrot, braun und olivgrün.
  • Bei Nährstoffmangel (N, P, u. a.) treten gelbliche Farbtöne auf.
  • Bei Anwesenheit von Schwefelwasserstoff sind die Farben gelbgrün oder blassbläulich.
  • Es gibt zahlreiche Farbmischungen aus der Farbe des Protoplasmas, der Scheiden und der Hüllen.
  • Die meisten Blaualgen sind unbeweglich, ungeschlechtliche Fortpflanzung und Zweiteilung.
  • Blaualgen kommen als einzelne Zelle und in Zellverbänden vor:
    1. Kugelförmig als Beschlag
    2. netzförmig
    3. rasenförmig ohne Verzweigung
    4. rasenförmig mit Verzweigung
    5. als Strang
    6. als Haut
    7. Bündel
    8. Schwamm
    9. Verhau
    10. festsitzendes Polster
    11. planktisches (schwebend) Kugelpolster
    12. Einbettung
    13. Einbettung (Mischbestände)
    14. Kruste

Siehe zu den Verbänden Abbildung 1 aus

Urania Pflanzenreich
Niedere Pflanzen
Urania-Verlag
Leipzig-Jena-Berlin
2. Auflagen 1977

3 . Lektion – Vorkommen

  • Blaualgen sind auf der Erde weit verbreitet (fast überall)
  • Dort wo es photoautotrophe Algen gibt, sind auch Blaualgen zu finden. (photoautotroph: Fähigkeit zu ihrer Ernährung anorganische Substanzen in körpereigene Substanzen mit Hilfe von Licht umzuwandeln)
  • Ihre Stärke liegt im Massenwachstum bei Grenzbedingungen (z. B. Mangel von Nitratstickstoff).
  • Die meisten Blaualgen benötigen Licht zum Leben.
  • Das rote Meer erhielt z. B. seinen Namen durch die Wasserfärbung durch rote Trichome (haarähnliche Gebilde) von Blaualgen, die aus den Tiefen des Meeres emporsteigen. In den Dämmerzonen der Meere herrscht blaugrünes Licht vor. Durch den roten Algenfarbstoff wird blaugrünes Licht gefiltert und somit für die Blaualge erschlossen. (Dieser Filtereffekt wird z. B. bei der Mikrofotografie genutzt, wenn es darum geht blaugefärbte Bakterien kontrastreich schwarz-weiß abzubilden.)
  • Die meisten Blaualgenlager sind daher in den Tiefen der Meere rot oder violett gefärbt.
  • Die Assimilation der Blaualgen endet bei etwa 65 °C. In heißen Mineralquellen gibt es noch Arten, die bis 75 °C lebensfähig sind.
  • In einer meiner Lieblingsstädte – Karlovy Vary – sind sie ebenfalls am Auslauf des Vrídlo-Sprudel zu beobachten. Es handelt sich also nicht um buntes Abwasser, um dem Aufschrei der Ökologisten vorzubeugen. Thermophile (> 35 °C) Algen wachsen bei Temperaturen unter 30 ° C nicht, kryphiel Blaualgen leben dagegen bei Temperaturen bis -88 °C.
  • Blaualgenarten, die in Hochgebirgen gemäßigter und tropischer Breiten sowie in abgegrenzten Beständen in Wüstenböden leben, können alle Lebensvorgänge unterbrechen ohne zu sterben, wenn Temperaturen und Wasserversorgung entsprechend schwanken. Blaualgen, die in einem Herbarium getrocknet waren, erwiesen sich nach 87 Jahren noch als lebensfähig.
  • Blaualgen sind die Erstbesiedler kürzlich entstandener Landflächen, Wüsten, Steppen, insbesondere von nährstoffarmen Böden.
    Warum? Weil einige Arten von ihnen fähig sind, atmosphärischen Stickstoff zu binden. Das heißt, sie „bauen“ sich gewässerschädliches Eiweiß aus der Luft selbst. Damit wird die Stickstoffentfernung in deutschen Kläranlagen nonsens.
  • Vor allem fädige Blaualgen – mit Herterocysten – (siehe 4. Lektion) sind in der Lage molekularen Stickstoff zu binden. Man vermutet, dass in den Schleimen der Blaualgen obligonitrophile (stickstoffliebende) Bakterien leben, die an dem Prozess beteiligt sind. Ähnlich wohl wie die Symbiose zwischen Knöllchenbakterien und Leguminosen funktioniert. Übrigens: Wussten Sie, dass die Knöllchenbakterien zu den Blaualgen zählen?
  • In Japan wird die Blaualge Tolypothrix tenius kultiviert und zur Düngung der Reisfelder verwendet. Es gibt Ertragssteigerungen bis zu 120%.
    In Indien werden mit Blaulagen unfruchtbare Salzböden rekultiviert.
  • Die Blaualge Anabaena ist symbiontisch mit dem Wasserfarn Azolla, welcher auf indischen Reisfeldern mitkultiviert wird. Auf diese Art und Weise können ohne zusätzliche Düngung mehrere Ernten pro Jahr eingeholt werden.
  • 3 Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans Krakatoa fanden sich auf den Asche- und Tuffoberflächen gallert-schleimige Lager von Blaualgen.
    Die Stickstoffbindung der Blaualgen ist die Ursache für deren Massenwachstum in unseren Seen zu Zeiten, in denen ein Mangel an verwertbaren Stickstoffverbindungen (Nitrat und Ammoniumstickstoff) herrscht.

Bayreuther Link zur Blaualge Anabaena
Siehe auch: Chemievorlesung der Uni-Kiel und Uni-Protokolle  der Uni Bayreuth

4 . Lektion – Heterocysten

  • Heterocysten sind spezialisierte Zellen in manchen Zellketten (=Filament) von Cyanobakterien.
  • In Heterocysten wird Luftstickstoff durch das Enzym Nitrogenase (Stickstofffixierung) in Ammonium umgewandelt.
  • Voraussetzung für die Bildung von Heterocysten ist Nitrat oder Ammoniummangel im Wasser.
  • Gelöster Sauerstoff ist für die Nitrogenase toxisch. Dieser wird aber bei Heterocysten in der Zellwandung teilweise gebunden.
  • Parallel zur Nitrogenase wird durch die Photosynthese das Kohlendioxid in Biomasse umgewandelt.
  • Cyanobakterien, die Heterocysten verwandeln die „unerschöpflichen“ Grundstoffe Wasser, Kohlendioxid und Luftstickstoff in Biomasse unter maximaler Ausnutzung von Lichtenergie.
  • Es handelt sich um die effektivste bekannte Art der Produktion von Biomasse.
  • Quelle und Weiteres unter Heterozyste oder unter Stickstoff-Fixierung
  • Stickstofffixierer sind u. a. die Blaualgen Anabaena (Anabaena ), Aphanizomenon.
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