Dichtheitsprüfung der Hausanschlüsse – fast witzig?!

Dichtheitsprüfung

Wat stinkt, dat düngt!

Diesmal nicht von mir – es kommen auch andere darauf:

„Fast Witzig ist nun die Verordnung des Landeswasserschutzgesetzes NRW § 61, das die Dichtigkeitsprüfung der Hausanschlüsse der Kanalisation vorschreibt. Für viel Geld muss der Hausbesitzer sein Kanalsystem überprüfen lassen, ob an irgendeiner Stelle eine Undichtigkeit besteht, während möglicherweise auf der gegenüberliegenden Straßenseite hunderte von Kubikmetern Gülle auf die Felder verteilt werden.“

Quelle: Wat stinkt, dat düngt! (Doch trifft das auch zu EHEC-Zeiten noch zu…?)

Kommentar – Gründe gegen prinzipielle Dichtheitsprüfungen aller Grundleitungen

  1. Unverhältnismäßigkeit, d. h. der Aufwand rechtfertigt nicht den Effekt. (Das erkennen schon Laien.)
  2. Der Effekt der Folgen einer undichten Grundleitung bzw. Hausanschlussleitung wird nicht bewiesen. Die Argumentation beruht meist auf abstrakten Behauptungen.
  3. Undichtigkeiten in der Hausanschlussleitung sind – wenn in extrem seltenen Fällen tatsächlich relevant – dann nur an den Stellen des Abwasserrohres von Bedeutung, an denen Abwasser die Rohrwandung berührt. Das ist bei fast allen Hausanschlüssen (DN 150 angenommen) bei einer maximalen Teilfüllung von 3 cm über der Kanalsohle ein benetzter Umfang von nur 14 cm, der zudem nur wenige Minuten am Tag benetzt wird. Siehe hierzu die Darstellung der Ausdehnung der Sielhaut. (Die Sielhaut ist eine schleimige Schicht aus Bakterien, die u. a. das Ausmaß der regelmäßigen Benetzung beweist.)
  4. Selbst eine Undichtigkeit in der Sohle ist in der Regel keine Katastrophe, weil ein Selbstdichtungsprozess den Austritt von Abwasser minimiert.
    Beweis: z. B. Verstopfung des Filters von Pflanzenkläranlagen oder auch wissenschaftliche Vorträge über die Selbstdichtung von Hausanschlussleitungen.
  5. Zudem wird in Fachgremien diskutiert, dass manche Dichtheitsprüfungen durch den Druck bei einer Druckprüfung die vorhandene biologische Selbstdichtung zerstören und so eine Undichtigkeit vorgaukeln, die es tatsächlich in dem durch die Druckprüfungen festgestellten Ausmaß nicht gibt.
  6. Verlässt man sich auf die optische Sichtprüfung, dann werden die meisten Undichtigkeiten gar nicht bemerkt. Und, soll man einen Riss oberhalb der Sielhaut wirklich reparieren lassen?
  7. Zu prüfen wäre, ob bei einer prinzipiellen Dichtheitsprüfung aller Grundleitungen wegen fragwürdiger und vor allem wegen abstrakter Gefährdung gegen den Stand der Technik und gegen das Übermaßverbot verstoßen wird. Das eine prinzipielle Dichtheitsprüfung aller Grundleitungen gegen den Stand der Technik verstößt, mag verwundern. Erstaunlich ist aber, dass die Verfasser der Definition des Standes der Technik die Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsprinzips als notwendige Voraussetzung für den Stand der Technik im Anhang 1 des Wasserhaushaltsgesetzes bestimmt haben. Beweis: Stand der Technik.
  8. Das Fazit? Traue ich mir nicht zu schreiben. Darauf soll der Leser selber kommen. Es bleibt zu hoffen, dass solche Luxusprobleme nicht auf die neuen Bundesländer überschwappen. Siehe auch Hintergrund von Hassemer: Flächendeckende Vorfeldkriminalisierung im Umweltstrafrecht!

Dichtheitsprüfung

Veranschaulichung des geringen Ausmaßes des benetzten Umfanges bei Hausanschlussleitungen durch die Ausdehnung der Sielhaut

Weiteres unter: Dichtheitsprüfung

Siehe auch: Abwasserentsorgung bei Privaten: „Dichtheitsprüfung – Nein Danke“

(Beitrag vom Juli 2011. Geringfügig überarbeitet im März 2017)




Überflutung

Überflutung – Ermittlung der Ursachen und Lösungswege

Die Ursachen einer Überflutung können vielfältig sein:

  • Starke Niederschläge?
  • Abflüsse, theoretische und tatsächliche!
  • Ungünstige Geländegestaltungen?
  • Waren Rückstausicherungen erforderlich?
  • Zu geringe Kanaldimensionierung?
  • Tatsächliche Leistung der Kanalisation?
  • Überflutung durch Kanalisationen?
  • Wege des Wassers?
  • Flutwege gepflegt und vorhanden?
  • Waren Flutwege erforderlich?
  • Flutung durch
    • Grundwasser?
    • bei Starkregen oberflächlich ablaufendes Wasser?
    • durch Gewässer?

Wer die Ursachen erforschte, der kennt auch Lösungen!

Unsere nachvollziehbaren und gut begründeten Gutachten zur Überflutung wurden schon in vielen Rechtsprechungen berücksichtigt.

Ein Beispiel unserer Mitwirkung: Urteil zur Überflutung eines Grundstückes

Siehe auch den Beitrag zur Bewertung einer Schadensursache als Rückstau, Einstau, Überstau und/oder Überflutung.

Weitere Informationen: Überflutung, Rückstau

Hatten Sie eine Überflutung? Dann denken Sie an die sofortige Beweissicherung bei Schäden infolge von Unwetter, Überflutung oder Rückstau!

Überflutung – Die Göltzsch tritt über ihre Ufer:

Überflutung Göltzsch 01 Juni 2013 _Nr05

Unscheinbar, aber das ist ein wichtiger Flutweg:

Fllutweg

Flutgraben Schackstedt – weiterer Verlauf

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)

 




Dichtheitsprüfung Hausanschlusskanäle

Grundstücksentwässerung: Experten fordern „Lösungen mit Augenmaß“

In NRW gültige Frist für Dichtheitsprüfung bis Ende 2015 nicht zu erreichen

Die Sanierung von privaten Abwasserleitungen gehört derzeit zu den kontroversesten Themen in der deutschen Wasserwirtschaft. Die Diskussion um Sanierungspflichten der Grundstückseigentümer wird von der Politik, Verbänden und Bürgern äußerst emotional geführt. Schätzungen zufolge sind zwischen einer und 1,7 Millionen Kilometer privater Grundstücksleitungen in Deutschland verlegt, von denen je nach Untersuchung bis zu zwei Dritteln als sanierungsbedürftig gelten. Genau weiß es allerdings niemand, verdeutlichte Igor Borovsky, Geschäftsführer des Verbandes zertifizierter Sanierungsberater (VSB) in einer Expertendiskussion auf den Oldenburger Rohrleitungstagen am vergangenen Donnerstag die lückenhafte Faktenbasis, die eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema erschwert. Besonders akut ist das Thema derzeit in Nordrhein-Westfalen, wo nach dem aktuellen Landeswassergesetz private Abwasserleitungen bis spätestens Ende 2015 auf Dichtheit geprüft werden müssen. Eine Novellierung des § 61a mit einer Verlängerung der Frist für die Dichtheitsprüfung außerhalb von Wasserschutzgebieten bis 2020 befindet sich aktuell im parlamentarischen Verfahren (EUWID 03/2013).

Die Hausanschlusssanierung ist aus Sicht des Umweltschutzes und im Sinne einer nachhaltigen Funktionstüchtigkeit der unterirdischen Infrastruktur unbedingt notwendig, sprach sich Karl-Heinz Flick von der Gütegemeinschaft Güteschutz Grundstücksentwässerung klar pro Dichtheitsprüfung aus. Auch Dirk Armoneit vom Kanalsanierungsspezialisten Werner Vollert Tiefbau GmbH & Co. KG, Büdelsdorf, hält eine Zustandserfassung der privaten Abwasserleitungen für nötig, um das Ausmaß möglicher finanzieller Belastungen langfristig einschätzen zu können. Zudem müsse auch der nachfolgenden Generation ein vernünftiges und intaktes Netz hinterlassen werden.

Für Manfred Müller, Teilbetriebsleiter der Technischen Betriebe Solingen, ist eine Sanierung der im Verantwortungsbereich der öffentlichen Hand liegenden Hauptkanäle nur dann sinnvoll, wenn die privaten Leitungen miteinbezogen werden. „Wenn wir uns nicht um die privaten Leitungen kümmern, bekommen wir nicht nur Grundwasserprobleme und Probleme durch massive Fremdwassereinträge in die Kläranlagen, sondern langfristig auch mit der kompletten Infrastruktur.“ Es träte eine Vielzahl von Schäden in Kommunen auf, die durch undichte Hausanschlussleitungen verursacht würden. Eine Sanierung sei daher unbedingt notwendig. Die aktuell in Nordrhein-Westfalen zur Dichtheitsprüfung herrschende politische Ungewissheit sieht Müller, der auch als Sachverständiger bei der letzten Anhörung im Umweltausschuss des Landtages zu diesem Thema im Januar (EUWID 03/2013) geladen war, als sehr problematisch an. Die Politik sei nicht unbedingt an sachgerechten Lösungen interessiert, so sein Fazit. Das Ziel, dass bis 2015 alle privaten Leitungen auf ihre Dichtigkeit hin überprüft werden müssen, sei jedenfalls nicht zu erreichen.

„Völlig unverhältnismäßig“ findet der Sprecher der nordrhein-westfälischen Bürgerinitiative „Dichtheitsprüfung Nein Danke“, Fritz Pucher, den von der Politik auferlegten Sanierungszwang. Das Diktat einer völligen Dichtheit von Hausanschlussleitungen sei falsch und überhaupt nicht umzusetzen. „Wir werden im administrativen Chaos untergehen“, so die Einschätzung des Bürgervertreters mit Blick auf die knappe Frist 2015. Der Bürger werde außerdem mit den auf ihn zukommenden Anforderungen allein gelassen. „Nach welchen Kriterien soll ein Grundstückseigentümer die Qualität eines Sanierungsdienstleisters beurteilen?“ Da sich viele unqualifizierte Anbieter auf diesem Markt tummelten, sei das Sanierungsergebnis in vielen Fällen schlecht. Auch über die Kosten herrsche völlige lntransparenz. Die von Politikern immer wieder suggerierten Sanierungskosten von 3.000 Euro seien schlicht falsch, so Pucher. In Wahrheit lägen diese weitaus höher und könnten schnell einen fünfstelligen Betrag erreichen. „Es wird ohne Notwendigkeit ein Automatismus in Gang gesetzt, der Milliarden Euro an Kosten verursachen werde.

Ein klarer Gegner von gesetzlichen Sanierungspflichten bei der privaten Kanalisation ist auch Uwe Halbach, unter anderem als Sachverständiger für Abwasserbeseitigung der IHK Chemnitz tätig. Er bezeichnete die Gefahr für Böden und Grundwasser, die von undichten Hausanschlussleitungen und -kanälen ausgeht, als„lediglich abstrakt“. Wissenschaftliche Untersuchungen belegten, dass diese vernachlässigbar sei. Eine Hausanschlusssanierung sei daher nur in Einzelfällen gerechtfertigt. Aufgrund der ohnehin schon sehr hohen Abwasserkosten in Ostdeutschland sei eine flächendeckende Pflicht zur Dichtheitsprüfung mit anschließendem Sanierungszwang etwa in Sachsen nicht durchsetzbar.

Um sich vor unseriösen Anbietern beim Kanal-TÜV zu schützen, bietet laut Aussage von Flick das Gütezeichen Grundstücksentwässerung einen guten Anhaltspunkt. Die mittlerweile bundesweit 90 ausgezeichneten Unternehmen garantierten die erforderliche Qualität. Damit in ganz Deutschland zumindest gleiche Rahmenbedingungen für die Dichtheitsprüfung gelten, plädierte Armoneit für ein entsprechendes bundeseinheitliches Gesetz. Nur so könne die Akzeptanz der Bürger gewonnen beziehungsweise erhalten werden. Aus Sicht des Solinger Entwässerungschefs Müller schafft bereits § 60 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) eine ausreichende rechtliche Grundlage für die Instandhaltungspflichten privater Abwasserleitungen. Die Vorgaben müssten lediglich mit Augenmaß umgesetzt werden. Als Beispiel nannte er die Situation in seiner eigenen Kommune, wo das Team der Stadtentwässerung eng mit Privatleuten und ausgewiesenen Fachfirmen zusammenarbeite.

Bürgervertreter Pucher will das ganze Thema in die Hände der Netzbetreiber legen. Diese sollten wie bei Gas und Wasser für die Hausanschlussleitungen bis zur Hauswand zuständig sein. ,,Der Netzbetreiber prüft die Dichtheit und legt die Kosten über die Gebühren um„, so sein Vorschlag.

Auch der Tenor bei den anderen Diskussionsteilnehmer und im Publikum zum Abschluss der Diskussion deutete in eine ähnliche Richtung: Die flächendeckende Dichtheitsprüfung werde letztendlich nur Erfolg haben, wenn auch die Kommunen intensiv in das Thema einsteigen und eng mit den Privatleuten zusammenarbeiten, um die viel zitierten „Lösungen mit Augenmaß“ zu finden.

Quelle:

EUWID Wasser und Abwasser.
7.2013  12.02.2013 / Jahrgang 16
www.euwid-wasser.de

Genehmigung der Veröffentlichung:

Mit freundlicher Empfehlung von EUWID Wasser und Abwasser am 17.02.2013.




Rechtliches zur Grundstücksentwässerung

Rechtsprechung zur Dichtheitsprüfung von privaten Grundstücksentwässerungsanlagen

Zitate mit freundlicher Genehmigung des Rechtsanwaltes Herr Reinhart Piens (Essen) 10.1.2013

  • „In der fachlich, rechtlich und politisch umstrittenen Frage der Dichtheitsprüfung privater Abwasseranlagen hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg kürzlich ein interessantes Urteil gesprochen (10. Januar 2012, Aktenzeichen 9 KN 162/10). Es kommt im Rahmen eines Normenkontrollantrages gegen die Satzung eines Abwasserverbandes zu dem Ergebnis, dass eine Regelung in der Abwasserbeseitigungssatzung, wonach private Grundstücksentwässerungsanlagen entsprechend der DIN 1986-30 auf Dichtheit zu überprüfen sind, in Niedersachsen auf einer ausreichenden gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage beruht und mit höherrangigem Recht vereinbar ist. Dichtheitsprüfungen zusätzlich zur DIN 1986-30 können allerdings nur bei Vorliegen besonderer Rechtfertigungsgründe gefordert werden.
  • Der Senat sieht in dieser Bestimmung eine dynamische Verweisung auf die DIN 1986-30 in der jeweils geltenden Fassung, zurzeit also in der Fassung der 2. Auflage von 2003 und voraussichtlich ab dem 1. Februar 2012 in einer geänderten Fassung. Nach der Tabelle 1 in Abschnitt 5.5 der zurzeit geltenden DIN 1986-30 (Prüfverfahren und Zeitspanne für die Dichtheitsprüfung) sind Anlagen zur Ableitung von häuslichem Abwasser oder Mischwasser entweder im Zuge von Baumaßnahmen (Nrn. 1.1 und 1.2) oder aber jedenfalls bis zum 31. Dezember 2015 (Nr. 1.3) einer — erstmaligen — Dichtheitsprüfung zu unterziehen.
  • In der ab dem 1. Februar 2012 voraussichtlich geltenden Neufassung der DIN 1983-30 ist der 31. Dezember 2015 als Prüftermin entfallen und sind abweichende Prüfintervalle von 20 oder 30 Jahren vorgesehen.
  • In diesem Bereich können sie die Benutzung ihrer öffentlichen Einrichtungen durch den Erlass von Satzungen regeln und nach § 8 Nr. 2 NGO (jetzt § 13 Satz Nrn la und 2a NKomVG) für die Grundstücke ihres Gebietes den Anschluss an die Abwasserbeseitigung anordnen sowie deren Benutzung vorschreiben (Anschluss- und Benutzungszwang).
  • Auf der Grundlage der §§ 6 Abs. 1 Satz 1, 8 Nr. 2 NGO (jetzt §§ 10 Abs. 1, 13 Satz 1 Nrn la und 2a NKom VG) kann die Gemeinde eine Dichtheitsprüfung nur anordnen, soweit ein konkreter Bezug zur Erfüllung der eigenen Aufgabe Abwasserbeseitigung besteht. Kommunale Satzungen dürfen daher Anforderungen an Grundstücksentwässerungsanlagen lediglich aufstellen, um zu vermeiden, dass der Betrieb des öffentlichen Abwasserbeseitigungssystems erschwert oder beeinträchtigt wird, und um sicherzustellen, dass der bestehende Benutzungszwang und die Überlassungspflicht nach § 96 Abs. 9 NWG n. F. (§ 149 Abs. 10 NWG a. F.) eingehalten werden.
  • Eine Überprüfung der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen darf deshalb mit dem Ziel vorgesehen werden, das Eindringen von Fremdwasser in das Abwasserbeseitigungssystern zu verhindern.
    Nicht von der Satzungsermächtigung in den §§ 6 Abs. 1 Satz 1, 8 Nr. 2 NGO (jetzt §§ 10 Abs 1, 13 Satz 1 Nrn la und 2a NKom VG) gedeckt sind Regelungen, die allein auf die Einhaltung eines wasserrechtlich ordnungsgemäßen Zustands abzielen. Gegenstand des Wasserrechts ist unter anderem der Grundwasserschutz. Undichte Leitungen bringen die Gefahr mit sich, dass das Grundwasser durch den Eintritt von Schadstoffen beeinträchtigt wird (vgl. hierzu Schneider, ZfW 2005, 69). Wegen des hinsichtlich des Grundwasserschutzes abschließenden Charakters des Wasserrechts sind kommunale Satzungsregelungen, insbesondere auch die Anordnung einer Dichtheitsprüfung, mit dem Ziel, das Grundwasser vor Beeinträchtigungen zu bewahren, nicht zulässig.
  • Der Träger des Abwasserbeseitigungssystems muss im Interesse der erforderlichen effektiven Abwasserbeseitigung in der Lage sein, diesen — aus dem Verantwortungsbereich des Grundstückseigentümers herrührenden — Missstand zu beseitigen, und muss aus diesem Grund auch eine Dichtheitsprüfung anordnen dürfen, die an technische Anforderungen zur Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustands der Grundstücksentwässerungsanlage anknüpft.
  • Wegen der Vielfalt der möglichen Schadenseintritte und der Notwendigkeit eines auch vorbeugenden Schutzes kann eine Eigenkontrolle nicht nur bei denjenigen Grundstücken, bei denen sich eine allgemeine Gefährdungslage bereits konkretisiert hat, sondern für alle an die öffentliche Entwässerungsanlage angeschlossenen Grundstücke satzungsmäßig vorgeschrieben werden (BVerfG — ZfW 1994, 392f.
  • Die sachliche Rechtfertigung folge in erster Linie aus der Einwirkungs- und Verfügungsgewalt des Eigentümers.
  • Die Einhaltung dieser Pflichten setze notwendigerweise voraus, dass der Eigentümer den Zustand und die Benutzung der Sache durch Eigenkontrollen überprüfe.
  • Zu solchen Maßnahmen gehören auch regelmäßige Überprüfungen der Dichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen durch den Eigentümer auf dessen Kosten.
  • Strengere Anforderungen im Vergleich zur DIN 1986 i. d. F. von 1988 … entsprechen nicht ohne Weiteres einer sachgerechten Ermessensausübung. Denn die DIN geben die anerkannten Regeln der Technik in sachverständiger Weise wieder. Sie geben daher zumindest für den Regelfall vor, welche Maßnahmen sachgerecht, erforderlich und ausreichend sind. Bestehen weitergehende Anforderungen nach der DIN nicht, so spricht dies dafür, dass solche Anforderungen nicht notwendig sind und als Ausfluss des Verhältnismäßigkeitsprinzips daher – auch angesichts der mit ihnen verbundenen Kosten und Anstrengungen … vom Grundstückseigentümer auch nicht verlangt werden können. Die Abwassersatzungen der Gemeinden und Landkreise dürfen somit strengere Anforderungen im Vergleich zur DIN 1986 i. d. F von 1988 nur vorsehen, wenn sie aus sachlichen Gründen – wie möglicherweise besonderen örtlichen Gegebenheiten – geboten sind. Derartige Rechtfertigungsgründe sind nur in Bezug auf die Buchstaben c und d des § 10 Abs. 2 Satz 2 ABS gegeben. Nach den dort getroffenen Regelungen können zusätzliche Dichtheitsprüfungen gefordert werden, wenn ein Grundstück in einem Gebiet mit hohem Fremdwasseranteil liegt oder konkrete Erkenntnisse bestehen, dass die Grundstücksentwässerungsanlage undicht ist.
  • Die Verfolgung wasserrechtlicher Ziele kann indessen aus den bereits dargelegten Gründen nur mit den Mitteln des Wasserrechts, nicht aber über kommunale Abwasserbeseitigungssatzungen erfolgen.“

Im Einzelnen wird auf den Gesamttext in der KA Korrespondenz Abwasser, Abfall 2012 (59) Nr. 6 S. 586-589 verwiesen.

Kommentar:

Die Argumentation

Der Träger des Abwasserbeseitigungssystems muss im Interesse der erforderlichen effektiven Abwasserbeseitigung in der Lage sein, diesen — aus dem Verantwortungsbereich des Grundstückseigentümers herrührenden — Missstand zu beseitigen, und muss aus diesem Grund auch eine Dichtheitsprüfung anordnen dürfen, die an technische Anforderungen zur Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustands der Grundstücksentwässerungsanlage anknüpft.“

verstößt wenigstens gegen das Verhältnismäßigkeitsprinzip der EU-WRRL und enthält sogar einen Trugschluss.  Dieser besteht darin , dass ja gerade die Dichtheitsprüfung aller Grundstücksleitungen (wie es gewünscht und  z. T. praktiziert wird) eine „effektiven Abwasserbeseitigung“ verhindert.

U. Halbach




Dichtheitsprüfung von Kanalhausanschlüssen

Zitate:

133. Abgeordnete Dr. Barbara Hendricks (SPD):

Gedenkt die Bundesregierung, entsprechend § 23 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) dem Bundesrat einen Verordnungsentwurf zur Dichtheitsprüfung von Kanalhausanschlüssen vorzulegen?

Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Katherina Reiche vom 9. Oktober 2012:

Die fachlichen und politischen Meinungen zur Dichtheitsprüfung von Kanalhausanschlüssen sind in den Ländern sehr unterschiedlich,insbesondere gehen die Ansichten über den Umfang der Überprüfung und die Sanierungsfristen deutlich auseinander. Zudem hat eine Abfrage bei den Ländern ergeben, dass diese überwiegend keine Regelungsnotwendigkeit durch den Bund sehen. Seitens des Bundes ist daher derzeit keine bundesweite Regelung beabsichtigt, da eine Zustimmung der Länder im Bundesrat augenblicklich nicht zu erwarten wäre. Bis der Bund auf der Basis des neuen WHG eine Regelung getroffen hat, gelten die landesrechtlichen Regelungen weiter oder können neue landesrechtliche Regelungen erlassen werden, solange sie dem WHG nicht widersprechen. Dies ist durch den neuen § 23 Absatz 3 WHG nunmehr ausdrücklich klargestellt worden.

Quelle:

Deutscher Bundestag, 17. Wahlperiode, Drucksache 17/10968,  12. 10. 2012, Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 8. Oktober 2012 eingegangenen Antworten der Bundesregierung




Abgrenzung der privaten Grundstücksentwässerung

Leserbrief:

„In sämtlichen mir vorliegenden Unterlagen gibt es keine eindeutige Abgrenzung zwischen dem öffentlichen Bereich und dem privaten Bereich in Sachen Kanalanschlußleitung bis Kontroll-/Übergabeschacht.

Überall wird beschrieben, daß die Kanalanschlußleitung bis zum Kontrollschacht bzw. bis zur Grundstücksgrenze Obliegenheit der Kommune ist.  Nirgendwo ist eine klare Abgrenzung, ob die Grundstücksgrenze oder der KS die Trennlinie ist.

Üblicherweise mag das auch einfach sein, denn der Kontrollschacht sollte i.d. Regel ca. 1 m hinter der Grenze sitzen und das Stück auf privatem Grund wird als kommunale Leitung eingestuft. Doch wie verhält es sich, wenn die Kanalanschlußleitung länger ist, weil der KS weiter auf dem Grundstück liegt?

Ist das dann auch eine Leitung der Kommune mit allen Rechten und Pflichten oder endet hier die kommunale Zuständigkeit an der Grenze?

Keiner meiner bisher befragten Kollegen oder Freunde (z.B.: öbuv. für Schäden an Gebäuden) konnte mir eine eindeutige Antwort geben.

In diesem Fall geht es um eine etwas komplizierte Situation zweier hinterliegender Grundstücke:

Eine geplante Entwässerungsleitung verläuft parallel zu einer 2 m entfernten Nachbarleitung in einem Naturweg des Nachbarn, die bereits angeschlossen ist. Statt aber einem Anschluß an diese Leitung (dazu noch gegen Kostenersatz und Bonus) zuzustimmen, lehnt der Nachbar dies pauschal ab.

Die Versorger (Strom, Wasser, Telekom) werden an die in dem Weg des Nachbarn vorhandenen Leitungen anschließen, weil sie Eigentümer und Verfügungsberechtigte der Leitungen sind.

Die Kommune möchte es sich einfach machen und statt an die Nachbarleitung  anzuschließen (zwischen KS und Kanalanschlußleitung einen Abzweig zu setzen und auf den anderen Weg herüberzuziehen), „natürlich“ zu Lasten der Bauherren unter einer breiten Straße herschießen, um dort an den öffentlichen Kanal anzuschließen. Kosten ca. 15.000 Euro.

Da die Kanalanschlußleitung aber ca. 20 m auf dem Weg des Nachbarn verläuft, bevor sie den KS erreicht, wäre es besonders einfach, an diese Leitung heranzugehen, man müßte nicht an das übliche Ministück zwischen Grenze und Straße, wo noch weitere Leitungen liegen, heran.

Leider liegt mir keine DIN EN 752 vor und rund 200 Euro für eine eventuell zu findende Definition sind doch ein wenig viel.“

Anonym
(Name der Redaktion bekannt, Oktober 2012 )

Antwort auf den Leserbrief

Die Abgrenzung zwischen den zentralen öffentlichen Abwasseranlagen und den privaten Grundstücksentwässerungsanlagen wird i. d. R. im Rahmen der Satzung des jeweiligen Abwasserbeseitigungspflichtigen vorgenommen.

Wie Sie richtig schreiben, wird sich ein Revisionsschacht üblicherweise auf dem Grundstück befinden und nach dem Revisionsschacht endet dann die öffentliche Abwasseranlage. Die Errichtung des Anschlusses an den Revisionsschacht liegt dann in der Verantwortung des Grundstückseigentümers unter Rücksprache mit dem Abwasserbeseitigungspflichtigen.

Sofern der Grundstückseigentümer – wie in Ihrem Fall – den Anschluss an seine private Grundstücksanschlussleitung verwehrt, was er grundsätzlich darf, und es eine alternative Anschlussmöglichkeit gibt, so werden die Bauherren diese Lösung akzeptieren müssen, auch wenn dies sehr kostenintensiv wird.

Der Grundstückseigentümer des bereits zentral erschlossenen Grundstücks kann im Normalfall nicht zu einem Anschluss an seine Grundstücksleitung gezwungen werden.

Eine verbindliche Auskunft können Sie von einem Fachanwalt für Verwaltungsrecht erwarten.

Andreas Behlke
Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH)
Institut für Wasserwirtschaft Halbach

 




Die Dichtheitsprüfung in sanfter Weise ein Rauschmittel?

…oder wie koche ich einen Frosch?

„Für „sanfte“ Dichtheitsprüfung
Mindener Tageblatt
Förderleistungen aus der Abwasserabgabe (Investitionsprogramm Abwasser) für private Kanalsanierungen ab dem 1. Januar 2012 sollen nahtlos an die heute …“

„Gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden solle die Mustersatzung überarbeitet werden, um die schonendste Art der Dichtheitsprüfung zu nutzen. Grundsätzlich sollen in freier Wahl alle Prüfmethoden zulässig sein, Druckprüfung, TV-Inspektion und Wasserstandsfüllprüfung. Darüber hinaus wird die Einführung einer drucklosen Durchflussprüfung gefordert. Lediglich für Fremdwasserschwerpunktgebiete und in Wasserschutzgebieten seien Ausnahmen sinnvoll.“

Siehe auch:  Dichtheitsprüfung für Grundstückskanäle?
Wenn die Bürger aber irgendwann aus dem Rausch erwachen:

„Massive Proteste zeigen die erwünschte Wirkung
Deutschland Today
Die Protestdemo vor den Gebäuden des TAVEE habe eindrucksvoll gezeigt, dass für die Bürger das Thema hohe Wasser- und Abwasserkosten nicht vom Tisch ist. …“

Tja, wie kocht man nun einen Frosch?

Mit diesem Gleichnis habe ich mir schon einmal die Finger verbrüht, weil eine Leserin dachte, ich hätte eine besondere Erfahrung im Kochen von lebendigen Fröschen.

Interessant ist aber die Frage, warum die Frösche beim Atomausstieg nicht aus dem Topf  springen.

Naturwissenschaftlich gesehen, wahrscheinlich deshalb nicht, weil die Geschwindigkeit der Zunahme der Wassertemperatur größer war, als die Reaktionsgeschwindigkeit der deutschen Frösche.

Das wäre eine Hypothese.

Pragmatisch geht es mit Sicherheit so:

  1. Man setzt den Frosch in einen Topf.
  2. Legt etwas  auf ihn, vor dem ihm vorher wahnsinnig Angst gemacht wurde – z.B. etwas fernes japanisches – und dann kann man
  3. ihn beliebig in kochendem Wasser aufbrühen.

So geht es besser!

Die Angst vor Schlimmeren zwingt insbesondere deutsche Frösche in die Knie und schaltet ihre Gehirne gaaanz saaaaanft ab.

Das Wunderschöne bei der Angst ist ja, dass es für die Wirkung genügt, Angst einzujagen.

Es ist nicht nötig, dass das beängstigende Ereignis tatsächlich jemals eintritt.

Es genügt, wenn der Schäferhund die Schafe umkreist.

Die Fiktion beeinflusst das Denken und reale Handeln!

Aber das war schon immer so.

P.S.: Das mit dem Frosch ist letztlich nur eine schöne Geschichte, bei der es bekanntlich nicht darauf ankommt, dass sie in allen Punkten stimmt.




Anforderungen an die Zustandserfassung der Grundstücksentwässerungsanlagen

 

Quelle:
Flickenteppich Länderregelungen zu Fristen der GEA-Inspektion EUWID-Wasser Spezial,
Heft 01.2011, 19.04.2011, S. 42-43

Mit freundlicher Empfehlung am 2.5.2011 zur Verfügung gestellt.
Herr Bröker




Sanierung privater Grundstücksentwässerungsanlagen

Milliardenmarkt Sanierung privater Grundstücksentwässerungsanlagen
Rechtslage und mangelndes Problembewusstsein bremst Investitionen

Artikel mit freundlicher Empfehlung am 2.5.2011 zur Verfügung gestellt
EUWID-Wasser Spezial, Heft 01.2011, 19.04.2011, S. 40-41
Herr Bröker

Die Sanierung der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen dürfte auch in den kommenden Jahren eines der spannendsten Themen der Abwasserwirtschaft bleiben. Ein Investitionsbedarf im Milliardenbereich trifft auf eine unzureichende Datenlage, auf das Fehlen von eindeutigen Zuständigkeitsregeln sowie auf ein mangelndes Problembewusstsein bei den Grundstückseigentümern. Nur wenige Bundesländer haben bisher in Verordnungen klare Fristen für die Inspektion und Sanierung der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen erlassen (siehe auch Artikel „Flickenteppich Länderregelungen zu Fristen der GEA-Inspektion“), nur wenige Kommunen haben sich bereits mit einer Organisation der Inspektion und Sanierung der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen befasst.

Die Folge: Ein Investitionsstau, der auch bei klaren und eindeutigen Regelungen der Länder nicht kurzfristig abgebaut werden könnte. Die notwendige Anzahl von Fachkräften und Fachunternehmen wäre kurzfristig nicht verfügbar. Zudem besteht bei den Grundstückseigentümern nach wie vor Unsicherheit gegenüber den Anbietern von Inspektions- und Sanierungsleistungen, da insbesondere in dieser Branche nach wie vor zahlreiche schwarze Schafe ihr Unwesen treiben. Positivlisten sollen hier den Bürgern eine Hilfestellung geben. Die Abgrenzung der Unternehmen dürfte aber fachlich und rechtlich weiter schwierig sein. Abhilfe könnte hier eine gemeinsame Initiative der DWA Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall mit anderen Fachverbänden schaffen, die ein RAL-Gütezeichen für die Sanierung der Grundstücksentwässerung etablieren will (siehe Artikel„RAL-Gütezeichen für den Bereich der Grundstücksentwässerung“), mit dem Kanalsanierungsunternehmen ihre Expertise im Bereich Grundstücksentwässerung nachweisen können.

DWA-Kanalumfrage verdeutlicht Ausmaß der anstehenden Investitionen

Das Ausmaß der anstehenden Inspektions- und Sanierungsarbeiten verdeutlichen die Zahlen der DWA-Kanalumfrage, die 2009 auch erstmals private Grundstücksentwässerungsanlagen zum Thema hatte. 33 Kommunen antworteten dabei auch auf die Frage, welche Anzahl von Grundstücken in Wasserschutzgebieten liegt. Bei diesen Kommunen, die immerhin 12,5 Mio. Einwohner repräsentieren, liegen insgesamt 293.000 Grundstücke in Wasserschutzgebieten, bundesweit muss nach diesen Angaben von rund 1,9 Mio. Grundstücken in Wasserschutzgebieten ausgegangen werden. Dies bedeutet 1,9 Mio. Grundstücke, in denen die privaten Grundstücksentwässerungsanlagen kurzfristig inspiziert und gegebenenfalls saniert werden müssen. Bei sehr konservativ kalkulierten 1.000 € pro Grundstück für die Inspektion und Sanierung ein Markt von rund zwei Mrd. € – zumindest laut Gesetz kurz- bis mittelfristig zu realisieren.

Die DWA-Kanalumfrage verdeutlicht allerdings auch die Probleme, die derzeit aufgrund der schlechten Datenlage sowie der unübersichtlichen Rechtssituation bestehen. So sind die Eigentums- als auch die Zuständigkeitsgrenze nicht einheitlich definiert und bundeslandspezifisch. So wird bei den Umfrageteilnehmern in 56 Prozent der Fälle die Grundstücksgrenze, in 30 Prozent der Abzweig an den öffentlichen Hauptkanal, in neun Prozent der Revisionsschacht und in fünf Prozent der Fälle ein sonstiger Übergabepunkt genannt. Bei den Zuständigkeitsgrenzen kommt die Grundstücksgrenze auf 49 Prozent, der Abzweig an den öffentlichen Hauptkanal auf 29 Prozent, der Revisionsschacht auf 15 Prozent und sonstige Grenzen auf acht Prozent.

Zuständigkeit für Dichtheitsprüfung extrem uneinheitlich

Ähnliche Unterscheide gibt es bei den Zuständigkeiten für die Dichtheitsprüfungen. Bei 57 Prozent der antwortenden Kommunen wird die Dichtheitsprüfung für die privaten Grundstücksentwässerungsanlagen durch Kommunalsatzung, Landeswassergesetz oder landesrechtliche Verordnungen gefordert. Bei 43 Prozent der Kommunen existieren hingegen keine rechtlichen Vorgaben. Aufgrund dieser Ausgangssituation wundert es nicht, dass der Kenntnisstand über den Zustand der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen relativ gering ist. Bei der DWA-Umfrage nennen die Kommunen Untersuchungsgrade von 34 Prozent für gewerbliche Grundstücke und 20 Prozent für private Grundstücke, wobei der Anteil geschätzter Angaben jeweils über 50 Prozent lag.

In der Regel ist aber nicht nur der Zustand der Grundstücksentwässerung bei den Netzbetreibern unbekannt, auch über die Lage der Anlagen gibt es relativ wenig Informationen. So sind bei 64 Prozent der Netzbetreiber Grundstücksentwässerungsanlagen nicht im Kanalinformationssystem erfasst. Bei den verbleibenden 36 Prozent sind wiederum in der Regel auch nur die öffentlichen Bereiche aufgenommen (61 Prozent). Bei weiteren 34 Prozent dieser Teilnehme wird nur der Abzweig aufgenommen, nur vier Prozent haben die gesamte Entwässerungsanlage in das Kanalinformationssystem aufgenommen.

Neben diesen Problemen existiert eine weitere Hürde für die Entwässerungsbetriebe und die Kommunalpolitik. Wie bekomme ich den Grundstückseigentümer dazu, mehrere Tausend Euro in die Hand zu nehmen, um ein Problem zu beheben, dass dieser gar nicht bemerkt? Vereinzelte Kommunen, überwiegend in NRW, haben hierzu verschiedene Maßnahmen über die reine Beratung hinaus getroffen, um die Bürger bei der Sanierung der Grundstücksentwässerungsanlagen mitzunehmen. Köln setzt mit der Kampagne„Jot for Kolle“ beispielsweise auf das Lebensgefühl der Stadt und unterstützt und berät die Bürger gleichzeitig flächendeckend. Die Stadtentwässerungsbetriebe stellen den Bürgern ein umfassendes Informationspaket zur Verfügung, klären mit einem im Internet abspielbaren Videofilm über die Sachlage auf und bieten in den einzelnen Stadtteilen vor Ort Informationsveranstaltungen an. Zudem steht den Bürgern auf der Seite der Stadtentwässerungsbetriebe ein tagesaktueller Auszug aus der Liste der beim Land NRW registrieren Sachkundigen zur Verfügung, der Auszug listet alle Sachkundigen in Köln plus fünf km Umkreis auf. Für das Gesamtprojekt erhielten die Stadtentwässerungsbetriebe Ende 2009 die Auszeichnung „Goldener Kanaldeckel“ des IKT Instituts für unterirdische Infrastruktur.

Lünen setzt auf Entwässerungspass mit Rabatt bei der Versicherung

Die Stadt Lünen setzt auf den Entwässerungspass. Der Lünener Entwässerungspass dient als Gütesiegel, mit dem der private Kanalnetzbetreiber die gesetzlich geforderte Sicherheit der Grundstücksentwässerung dokumentiert. Der Erwerb des Gütesiegels ist für den Bürger freiwillig, ausgestellt wird der Pass von der Stadtentwässerung Lünen, eine Gebühr wird nicht erhoben. Der besondere Clou: Mit dem Gütesiegel entstehen für den Grundstückseigentümer Einsparmöglichkeiten bei der Gebäudeversicherung von bis zu 30 Prozent, je nach Wahl der Versicherungsgesellschaft.

Grundsätzlich sind aber auch in NRW die Kommunen bei der Mitnahme der Bürger noch sehr zurückhaltend. Auch das Ende dieses Jahr auslaufende Förderprogramm Abwasser NRW, wonach die Sanierung privater Grundstücksentwässerungsanlagen mit bis zu 30 Prozent der Kosten vom Land gefördert werden kann, hat hieran wenig geändert, das Programm dürfte den wenigsten Bürgern in NRW bekannt sein.

England und Wales übertragen Zuständigkeit auf Entsorger

Einen gänzlich anderen Weg geht das Vereinigte Königreich. Nach inhaltsgleichen aktuellen Beschlüssen des englischen Umweltministeriums „Department for Environment, Food and Rural Affairs (Defra) und dem Welsh Assembly Government müssen in England und Wales alle privaten Abwasserkanäle — inklusive sämtlicher Grundleitungen auf dem Grundstück und dem Hausanschlusskanal — in den Besitz der gesetzlichen Wasser- und Abwasserunternehmen übergeben werden. Die Grundleitungen innerhalb der Grundstücksgrenze verbleiben nur in der Verantwortung der Grundstücksbesitzer, wenn keine anderen Grundstücke durch dasselbe Leitungsnetz verlaufen.

Die virtuelle Übertragung soll„über Nacht“ zum 1. Oktober dieses Jahres erfolgen. Vorausgesetzt, die Grundstückseigentümer legen keinen Einspruch gegen diese bei der zuständigen Regulierungsbehörde Ofwat ein. Für private Abwasserpumpwerke sehen die Beschlüsse der Umweltministerien eine Frist von bis zu fünf Jahren vor. Diese sollen schrittweise, spätestens aber bis zum Oktober 2016 auf die gesetzlichen Wasser- und Abwasserverbände übertragen werden.

Die konkreten gesetzlichen Bestimmungen für den Transfer der Grundstücksentwässerungsanlagen stehen noch nicht fest. Die Regierung erarbeitet derzeit eine Durchführungsverordnung, die im Mai/Juni dieses Jahres im Parlament debattiert werden soll.

Mit der Übertragung der privaten Abwasserkanäle werden die gesetzlichen Wasser- und Abwasserunternehmen für die Instandhaltung und eventuelle Sanierung der Kanäle zuständig sein. Nach Einschätzung britischer Experten befinden sich die privaten Kanäle in einem noch schlechteren Zustand als die öffentlichen. Das gesamte Abwassernetzwerk von über zehn Mio. Haushalten in England und Wales auf einen guten Standard zu bringen, sei daher eine beträchtliche Aufgabe, betont Water UK, die Interessenvertretung der britischen Wasserwirtschaft.

Die Kosten der notwendigen Sanierungsmaßnahmen sollen analog zu Investitionen im öffentlichen Netz über Gebühren finanziert werden. Der Defra zufolge könnten die zusätzlichen Kosten zwischen 30 und 92 pence (0,36 bis 1,08 €) pro Monat und Kunden liegen.

Bei den Grundstückseigentümern scheint die geplante Neuregelung auf Zustimmung zu stoßen. Der Consumer Council for Water in England begrüßt die Übertragung der privaten Abwasserkanäle, da mit dieser Maßnahme die Probleme der geteilten Verantwortlichkeit zwischen Grundstücksbesitzern und öffentlichen Netzbetreibern, vor allem bezüglich der Kosten, aus dem Weg geräumt werden könnten. Der Verbraucherverband weist jedoch darauf hin, dass die Investitionskosten nur schrittweise an die Kunden übertragen werden dürften. Zudem müsse das gesamte Vorgehen transparent und nachvollziehbar für die Öffentlichkeit sein.

EUWID-Quellen:

  • Entwässerungspass Lünen: „Lünen startet Entwässerungspass als Gütesiegel für private Kanäle“, EUWID 32/2007 vom 7. August 2007
  • Projekt Köln: Jot für Kolle! – StEB AöR startet Projekt zur Dichtheitsprüfung“; EUWID 06/2009 vom 3. Februar 2009
  • Goldener Kanaldeckel: „Goldener Kanaldeckel 2009 geht an „Jot för Kölle“-Projekt“; EUWID 46/2009 vom 10. November 2009
  • England/Wales: „Private Abwasserkanäle werden an gesetzliche Netzbetreiber übergeben“; EUWID 08/2011 vom 22. Februar 2011

Siehe auch:

 

 

 

 




Dichtheitsprüfung für Grundstückskanäle?

„Sollten“ bedeutet nicht „müssen“!

…solange nicht Abwasserbeseitigungsflichtige (Kommunen, Abwasserzweckverbände)  es für ihre Bürger strenger bestimmen:

„Achim – ACHIM (mb) · Flächendeckend sollten in der Bundesrepublik die privaten Abwasser-Hausanschlüsse auf ihre Dichtheit überprüft werden, um maroden Leitungen auf die Spur zu kommen und Umweltschäden auch fürs Grundwasser zu vermeiden. Von diesen zusätzlichen Kosten von rund 400 Euro pro Untersuchung plus Reparaturkosten bleiben die Achimer erst einmal verschont.“

„Die Stadt nimmt von einer solchen Ortssatzung allerdings Abstand, da sie mit einem erheblichen Arbeits- und Kostenaufwand verbunden wäre und eine solche Verpflichtung auch nicht unbedingt rechtssicher wäre.“

„Der Hauseigentümer ist damit, so der Achimer Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung, keineswegs aus seiner Verantwortung entbunden.  Sollte sich durch ein Kanalleck ein Umweltschaden ergeben, hat der Hauseigentümer für diesen Schaden die Konsequenzen zu tragen.“

Quelle: Kreiszeitung.de 23.06.2010

Siehe auch:




Kommentar zur Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen

Kommentar vom 19.04.2010 zum Aufsatz von U. Halbach:

„Bewertung der Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen“

von Herrn Dipl.-Ing. Stepkes (Wasserverband Eifel-Rur):

Letztes Jahr hat die DWA einen Leitfaden zur Grundstücksentwässerung herausgegeben. Dort wurde ein Vorschlag unterbreitet, wie mit der Sanierung von festgestellten Schäden umgegangen werden kann (stammt im Wesentlichen von Robert Thoma).

Dort wird je nach Lage der Leitung in Wasserschutzgebieten sowie zum Grundwasser und in Abhängigkeit zur Schadenseinstufung/-bewertung nach DWA M 149-3 eine sofortige bis zu 20 jährige Frist gegeben.

Auch wenn es über diesen Vorschlag innerhalb der Arbeitsgruppe zum Leitfaden (der ich angehöre) keine einheitliche Meinung gab, wurde mehrheitlich die Aufnahme dieses Vorschlages beschlossen, da es sich letzlich um einen Leitfaden und nicht um ein Merkblatt oder gar Arbeitsblatt handelte.

Sicherlich gibt es Kommunen, die bei der Forderung der Dichtheit von Abwasseranlagen „übers Ziel hinaus“ schießen. Dennoch sollte gelten (wie WHG etc. vorgeben), dass Abwasseranlagen, zu denen auch die GEA gehören, grundsätzlich dicht sein sollen.

Nun ist es aber immer die Frage, wie dicht ist dicht (immerhin wird ja ein Wasserverlust zugelassen) und was war der Stand der Technik bzw. die allgemein anerkannte Regel der Technik beim Bau der Anlage war (auch wenn es für abwassertechnische Anlagen keinen Bestandsschutz gibt).

Als Nordrhein-Westfale, wo ja schon seit Mitte der 90er Jahre versucht wird per Gesetz die Dichtheit der GEA einzufordern, meine Sicht:

Hier gab es schon in der Landesbauordnung genaue Vorgaben und Fristen, die niemanden interessierten.

Nun sind die Wasserbehörden zuständig, die Kommunen haben eine Beratungspflicht und siehe da, so allmählich kommt das Ganze ans rollen.

Damit ist aber die Frage nach dem Sinn noch nicht beantwortet, die Ihnen so unter den Nägeln brennt:

Eine Gefährdung des Grundwassers mit biologisch abbaubaren Inhaltsstoffen ist fast auszuschließen (hierzu gibt es eine Dissertation von Achim Decker (Auswirkungen von Fremdwasser auf Abwasseranlagen und Gewässer, 1998, leider vergriffen, erschienen als GWA Band 168 durch die Gesellschaft zur Förderung der Siedlungswasserwirtschaft an der RWTH Aachen e.V.; eine weitere Dissertation für ggf. Fremdwasserinteressierte von Jörg Hennerkes (12/2006) mit dem Titel „Reduzierung von Fremdwasser bei der Abwasserentsorgung“ ist hier von den Seiten der RWTH herunterladbar.

Bei der von Ihnen besuchten bzw. zitierten Veranstaltung wurde der Fokus auf ein (relativ neu erkanntes) Problem gerichtet, nämlich im Abwasser enthaltene Spurenstoffe, deren Ursprung im Wesentlichen auf die Verwendung von Medikamenten zurückzuführen ist (es gibt eine interessante Untersuchung von Prof. Kroiss aus Wien, wo in einer Stadt mit geeignetem geologischem Untergrund Carbamazepin erfolgreich als Tracer für die Auffindung von undichten Kanälen genutzt wurde, s. z.B.:   Carbamazepin und Koffein – potenzielle Screeningparameter für Verunreinigungen des Grundwassers durch kommunales Abwasser?

Ich glaube, dass die Verunreinigung des Grundwassers oder des Untergrundes mit Stoffen, deren Wirkung wir kaum kennen und abschätzen können, verhindert werden muss (- da ist als weiteres Argument auch die demographische Entwicklung zu berücksichtigen, die in Deutschland zu immer mehr alten Menschen führt, die mehr und „gefährlichere“ Medikamente konsumieren als junge. Dies führte hier in NRW zu gezielten Untersuchungen, in Krankenhäusern das Abwasser schon an der „Quelle“ zu fassen und zu behandeln, damit die Medikamentenrückstände erst gar nicht in die kommunale Kläranlage gelangen, die diese Stoffe (mit der derzeitigen „konventionellen“ Technik ohnehin nicht herausholen kann. Nun geht der Trend aber weg von längeren stationären Aufenthalten in Kliniken, das heißt also, es kann zunehmend weniger an der „Quelle“ Krankenhaus erfasst werden. Hiewr noch der Hinweis, dass die Schweiz anscheinend flächendeckend eine weitestgehende Abwasserreinigung (wg. der Spurenstoffe) fordern/umsetzen wird).

Meiner Meinung nach sind die auf den Grundstücken anzutreffenden Schäden (abgesehen von nicht dauerhaft haltbaren Dichtungen) in der Regel auf Einbaufehler zurückzuführen. Diesem kann (und hätte man) in den meisten Fällen durch eine konsequente Bauabnahme (Dichtheitsprobe mit Wasser, wie schon um 1900 z.B. in Göttingen mit Polizeiverordnung gefordert und auch durchgeführt) sicherstellen können.

Durch die Vereinfachung bei den Baubehörden wurde aber seit den 80ern auf eine Bauvorlage bzw., Genehmigung bzw. Überprüfung der GEA zunehmend verzichtet, das Wissen, wie man so was macht etc. ging mit den aus dem Dienst ausscheidenden Mitarbeitern verloren usw. usw..

[Das führt dazu, dass die Stadt Frankfurt/Main nun eine solche Abteilung wieder aufbaut (so beim Lindauer Seminar im März 2010 Dr. Krier, Abteilungsleiter bei der SEF)]

Fordern sollte man folgendes:

  • Konsequente Überwachung/Prüfung neu errichteter Anlagen
  • Untersuchung bestehender Anlagen im Zuge der Eigenkontrolle der öffentlichen Kanäle (vor allem dort, wo hoch belastete Abwässer fließen bzw. der Eintritt von Grundwasser in den Kanal ein Problem für die Kanalisation (Hydraulik) bzw. Kläranlage (Reinigungsleistung) darstellt (wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wohnen Sie im Osten Deutschlands, wo nach der Wende unsinnig große Kläranlagen gebaut wurden, auch zu große neue Kanäle (?) – da ist Fremdwasser evtl. sogar erwünscht?)
  • Bei festgestellten Mängeln angemessene Fristen zur Schadensbeseitigung

Evtl. können Sie sich ja auch mit der Argumentation von Herrn Externbrink (Abwasserbetriebe Lünen ) anfreunden: er will von seinen Grundstückseigentümern nicht mehr fordern als das, was auch im öffentlichen Bereich umgesetzt wird/werden kann.

Konsequente Überwachung bei Neu- und Umbau, angemessene Fristen, Haupt-Augenmerk soll auf ganzheitliche Betrachtung der Entwässerung eines Gebäudes liegen (was Rückstausicherung (da gab es wohl leidvolle Erfahrungen) und Werterhalt betrifft.

Was spricht gegen eine Wartung der Abwasseranlagen? Das Dach und die Außenwände werden auch gewartet und in Schuss gehalten, nur der Teil unter der Erde nicht …

Dipl.-Ing. Hermann Stepkes
Wasserverband Eifel-Rur
Eisenbahnstraße 5
52353 Düren




Bewertung der Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen

Wohl unstrittige Anknüpfungsfakten nach Thoma, R. und Goetz, D. :

  • Dichtheitsprüfungen (DP) an in Betrieb befindlichen GEA werden gemäß [5] durchgeführt.
  • Anlagen zur Ableitung von häuslichem Abwasser oder Mischwasser dürfen als dicht bewertet werden, wenn bei einer OI keine sichtbaren Schäden und Fremdwassereintritte festgestellt werden.
  • Ist eine OI nicht durchführbar oder wird sie als nicht ausreichend angesehen, ist eine DP durchzuführen. Hierbei ist nicht festgelegt, wer mit welchen Kriterien diesen normativ gewollten Ermessensspielraum interpretieren darf.
  • Grundleitungen die nur häusliches Abwasser ableiten und außerhalb von Schutzzone II von Wassergewinnungsgebieten liegen, können mit einer Wasserdruckprüfung durch Auffüllung bis 0,50 m über Rohrscheitel auf Dichtheit geprüft werden.
  • Ist dies bei alten Leitungssystemen nicht möglich, kann die Leitung alternativ bis zur Oberkante des tiefsten EWG oder Unterkante der Reinigungsöffnung in der Fallleitung mit Wasser aufgefüllt werden.
  • Die Prüfzeit beträgt 15 min bei einem zulässigen Wasserzugabewert von 0,2 l/m² [5].
  • DP mit Wasserfüllung führen gemäß [7] bei 90% der Grundstücke und gemäß [6] bei 94 % der Einzelprüfungen zu dem Ergebnis einer Undichtheit.

(GEA = Grundstücksentwässerungsanlage, OI = Optische Inspektion, EWG = Entwässerungsgegenstand)

Interessant ist auch die Zusammenfassung des Fachbeitrages von Thoma:

  • Bis zum Jahr 2015 sind in Deutschland ca. 1,3 Mio km Abwasserleitungen auf und zu Grundstücken zu untersuchen.
  • Die Länge, der Zustand und der tatsächliche Untersuchungsgrad sind nicht in ausreichendem Umfang bekannt.
  • Offensichtlich wurde bis dato nur ein Anteil von weniger als 5% untersucht.
  • Es ist in privaten Abwasserleitungen mit 100 bis 600 Mängeln/km zu rechnen. 24% der optisch erkannten Schäden sind nach Klassifikation entsprechend den Regeln der Technik kurz- bis mittelfristig zu sanieren.
  • Risse und Brüche treten alle 20 m einmal auf. Erste Untersuchungen zeigen übereinstimmend, dass ca. 90% der Grundstücksentwässerungsanlagen unter Prüfbedingungen undicht sind.
  • Erkennbar ist aber auch, dass bei Prüfung der Dichtheit nach den Regeln der Technik keine Korrelation zu dem optisch erfassten und klassifizierten Zustand besteht.

Messungen der Exfiltration unter Betriebsbedingungen zeigen, dass die tatsächliche Exfiltration deutlich geringer ist als die Wasserverluste bei den Wasserstandsprüfungen nach den Regeln der Technik.

  • Für die objektive Bewertung der Auswirkungen undichter, häuslicher Abwasserleitungen sind noch Grundsatzarbeiten zu leisten. Für eine zielgerichtete, effektive Sanierung der Abwasserleitungen zum nachhaltigen Schutz von Boden- und Grundwasser müssen die neuesten Erkenntnisse noch in handhabbare Regelwerke Eingang finden.
  • Die Sanierung der Grundstücksentwässerungsleitungen mit dem Ziel der vollständigen Abdichtung gemäß den vorhandenen Regeln der Technik würde 100 bis 200 MRD Euro kosten. [14]
  • Möglicherweise ist es für eine nachhaltige und vollständige Instandhaltung nicht entscheidend, ob die Dichtheitskriterien geändert werden, sondern dass die Prioritäten und Zeiträume für die Sanierung mit Blick auf das Gefährdungspotential für die Umwelt und die Instandhaltungszyklen der Gebäudesubstanz abgewogen werden.

Literatur des Beitrages von Thoma:

[1] ATV-Merkblatt M143-2 (1999) Optische Inspektion – Inspektion, Instandsetzung, Sanierung und Erneuerung von Abwasserkanälen und -leitungen

[2] ATV-Merkblatt M 149, (1999): Zustandserfassung, -klassifizierung und -bewertung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden

[3] BayLfW Merkblatt Nr. 4.3/6; (2002): Prüfung alter und neuer Abwasserkanäle, Teil 3: Dichtheitsprüfung von Grundstücksentwässerungsleitungen im Freispiegelabfluss, Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft, München

[4] Berger C., Lohaus J: (2005): Zustand der Kanalisation, Ergebnisse der DWA-Umfrage 2004, Korrespondenz Abwasser 5/2005, (52), S.528-539

[5] DIN 1986-30 (2003): Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, Teil 30: Instandhaltung

[6] Dornbusch J., (2001): Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben, Pilotprojekt: Dichtheitsprüfung und Sanierung von Grundstücksentwässerungsleitungen auf Chemischreinigungsgrundstücken, 1. Teil, Aachen

[7] Eisener W., (2005): Die dichte Kanalisation – Auswirkungen auf die Sanierung privater Kanäle, Tagungsband, 5te Göttinger Abwassertage

[8] Engel N., (2003): Strategien und Kosten der Sanierung von öffentlichen Kanalnetzen, TAH Seminar Kanalsanierung unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit, Hannover

[9] Fiedler M., (1999): Optimierung und Umsetzung der Sanierungsplanung von Haupt- und Hausanschlußkanälen, TAH Seminar Kanalsanierungsplanung, Tagungsband, Würzburg

[10] Dohmann M. (1999): Wassergefährdung durch undichte Kanäle, Erfassung und Bewertung, Springer Verlag Berlin-Heidelberg

[11] Möllers K, (IFK Bochum), Umweltbehörde der freien und Hansestadt Hamburg (1993): Abschlußbericht zur Untersuchung der Grundstücksentwässerungsleitungen im Wasserschutzgebiet XX in Hamburg, 31 S, unveröffentlicht

[12] Rußig V., (1999): Ausgewählte Ergebnisse der Studie „EUROPARC – Der Bestand an Gebäuden in Europa“, Institut für Wirtschaftsforschung e.V. München, www.ifo.de

[13] Statistisches Jahrbuch 2003 für die Bundesrepublik Deutschland und für das Ausland, Statistisches Bundesamt, Verlag Metzler Poeschel, Stuttgart

[14] Thoma R., (2005): Instandhaltung von Grundstücksentwässerungsanlagen, Korrespondenz Abwasser 6/2005 (52), S.725-730

[15] Thoma R.; (2006): Die Vision der dichten Grundstücksentwässerung, Vortrag, Kanalisationsforum Bern

[16] Togler R., (2006): Exfiltrationen bestehender Grundstücksentwässerungsanlagen, Auswirkungen, Einflussgrößen, Mengenermittlungen, neuartige Prüfmethoden, praxisgerechte Empfehlungen, RWTH Aachen

Quelle:
Thoma, R. u.a.
Grundstücksentwässerungsanlagen mit häuslichem Abwasser- Zustand, Schäden, Exfiltration, Bodenkontamination – Gefährdungspotential ?
Tagungsunterlagen der Gemeinschaftstagung 11./12. Oktober 2006
Undichte Kanäle – (k)ein Risiko?
Frankfurt
Herausgeber: DWA
(ISBN -13: 978-3-939057-60-4)

  • In dem durchaus spannenden und nachvollziehbaren Beitrag wurde als Medianwert festgestellt, dass bei der gewählten großtechnischen Versuchsanstellung nur 0,8 l Abwasser täglich versickerten.
  • Der Medianwert im Exfiltrat ergab verschwindend geringe 4,1 mg TOC/l !
  • Um sich einen umfassenden Überblick von allen Vorträgen zum Tagungsthema zu machen, müssen natürlich alle Skripte gelesen werden.

Meine prinzipielle Folgerung:

Eine Einzelprüfung mit Wasserdruck wird ja zumeist nur dann ausgeführt, wenn die optische Inspektion keine sichtbare Undichtigkeit vermuten lässt.

Wenn schon, denn schon!

Wenn also bei einer Druckprüfung mit Wasserfüllung die Wahrscheinlichkeit bei gut 90 % liegt, dass die Grundleitungen sowieso undicht sind, dann ist die optische Inspektion als technisches Verfahren zum Dichtheitsnachweis wegen Unsicherheit ungeeignet.

Meine persönliche Meinung:

Die Inspektions-, Dichtheitsprüfungs- und Sanierungskampagne von Grundstücksleitungen entspricht wegen Unverhältnismäßigkeit in der Regel nicht dem Stand der Technik.

Nicht alles was technisch möglich ist, verdient es flächendeckend umgesetzt zu werden.

Diese Meinung teilen auch andere Kollegen und wer zudem noch analysiert, welche Bundesländer in welcher administrativen Weise mit der nur scheinbaren Gefahr umgehen, bekommt schnell mit, dass die Wahrheit in der Mitte liegt.

Eine Panik ist völlig unbegründet, denn wäre die Gefahr real, dann wäre auch zu klären, warum wir alle noch so „putz und munter“ sind, oder gibt es jemanden, dem wegen eines Loches im Hausanschlusskanal übel geworden ist?

Schließlich sind die Kanäle nicht erst seit gestern undicht.

Übrigens, zu der gleichen Tagung vor 4 Jahren ließ ein „hochkarätiger“ Redner die Katze aus dem Sack:

„Man muss heute ein Lied singen, damit die Leute anfangen zu pfeifen!“

Für mich sind solche Methoden irritierend.

Entweder es besteht eine reale Gefahr, dann muss sofort und effektiv gehandelt werden und wenn diese Gefahr nur in der Einbildung existiert, dann muss man sich fragen, was mit dieser Äußerung (wohl hinterlistig?) bezweckt werden soll.

Nichts dagegen, wenn die „Sänger“ die von ihnen verursachten Schäden und Kosten zur Lösung eines überbewerteten am Ende bezahlen können und bezahlen.

Davon ist aber wohl kaum auszugehen (vergleiche Reichholf in: Die Politik der Angst).

U. Halbach

Siehe auch

error: Content is protected !!