Blaualgen – Umfängliche Erklärungen durch einen Experten

Blaualgen: Mehr als nur ein Überblick von Prof. Dr. rer. nat. habil. S. Jost Casper

Der folgende Beitrag aus dem Fachbuch

Urania Pflanzenreich
Niedere Pflanzen
Urania Verlag Leipzig-Jena-Berlin
2. Auflage1977

wurde mit Genehmigung des Autors Herrn Prof. Dr. rer. nat. habil. S. Jost Casper veröffentlicht.

Werdau, den 28.07.2008  Uwe Halbach

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Siegfried Jost Casper (*1929) ist ein deutscher Biologe. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lauter „Casper“.

Siegfried Caspers Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten Limnologie und Fettkräuter (Pinguicila). Gemeinsam mit Heinz-Dieter Krausch veröffentlichte er ein grundlegendes Nachschlagewerk zur Süßwasserflora Mitteleuropas. Casper arbeitete lang über den Stechlinsee sowie die Saale und veröffentlichte 1966 die bis heute als Standardwerk geltende „Monographie der Gattung Pinguicula L“. Bis in das Jahr 2004 hat er kontinuierlich weitere Beschreibungen über neuentdeckte Arten veröffentlicht. Er ist seit 1990 ordentliches Mitglied der Akademie Gemeinnütziger Wissenschaften in Erfurt und war Leiter des Botanischen Gartens der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

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Die Blaualgen

Inhaltsverzeichnis

1. Grundsätzliches
1.1 Zellbau und Zellformen
1.2 Färbung
1.3 Bewegung
1.4 Zellvermehrung und Fortpflanzung
1.5 Zell- und Trichomverbände
1.6 Vorkommen
1.7 Das System
2. Abteilung Blaualgen, Cyanophyta
2.1 Ordnung Kugelblaualgenartige, Chroococcales
2.2 Ordnung Rippenkapselartige, Pleurocapsales
2.3 Ordnung Dermocarpales (Chamaesiphonales)
2.4 Ordnung Schwingfadenartige, Oscillatoriales (Hormogonales)

1. Grundsätzliches zu den Blaualgen

Die Blaualgen wurden als systematische Gruppe zuerst von Wallroth 1833 in seiner »Flora cryptogamica Germaniae« unter dem wissenschaftlichen Namen Myxophyceae (»Schleimtange«) zusammengefaßt, dabei allerdings in anderem Sinne verstanden als heute. Spätere Benennungen wie Kützings Gloeosipheae (»Gallertschläuche«), Rabenhorsts Phycochromophyceae (»Phycochromalgen«), Sachsens Cyanophyceae (»Blaualgen«) und Cohns Schizophyceae (»Spaltalgen«) weisen auf verschiedene Charaktere hin, die der Organismengruppe mehr oder weniger eigentümlich sind. In der Algenkunde hat sich die Bezeichnung Cyanophyceae bzw. Cyanophyta eingebürgert, weil sie als parallele Wortbildung zu Chloro-, Rhodo- und Phaeophyceae oder -phyta praktische Vorteile bietet.

Die Blaualgen sind ein »uralter« Organismenstamm. Wahrscheinlich sind sie die ältesten grünen Organismen, die auf der Erde leben, phylogenetisch die ursprünglichste, undifferenzierteste »Algen«gruppe, die wir kennen, Relikte (»Archaiophyten«) einer präkambrischen photoautotrophen Vegetation. Für diese Ansicht spricht, daß sie eine in sich geschlossene von anderen Algen scharf abgegrenzte, systematische Einheit darstellen. Trotz ihres relativen Reichtums an Formen und ihrer weltweiten Verbreitung besiedeln sie bevorzugt Grenzbiotope, d. h. Standorte extremer ökologischer Konstitution. Bestimmte rezente Schizothrix-Formen sind schon vor 500 Millionen Jahren wesensgleich aufgetreten; kalkabscheidende Blaualgen haben vor mehr als einer Milliarde Jahren gelebt. Kürzlich sind in den präkambrischen Stromatolithenschichten Südafrikas »Kugelalgen« entdeckt worden, deren chemische Analyse zum Nachweis von Abbauprodukten des Chlorophylls geführt hat. Somit kommen die Blaualgen oder wenigstens Lebewesen eines vergleichbaren Organisationstyps auf das respektable Alter von 3 bis 4 Milliarden Jahren.

Die Blaualgen zeichnen sich durch ihr protokaryotisches Gestaltungsniveau, das völlige Fehlen begeißelter Entwicklungszustände, die dadurch bedingte eigentümliche Art der Bewegung sowie das spezifische Muster der Farb­ und Reservestoffausstattung vor allen anderen Algen aus. Auch die relative Kleinheit ihrer Zellen ist ein charakteristischer Zug. Manche ihrer Formen, die sogenannten »Ultraplankter« oder »µ-Algen«, lassen sich lichtmikroskopisch nur schwer oder gar nicht von Bakterien unterscheiden, mit denen sie im Grundbauplan, in der Gestalt und Teilungsweise der Zellen übereinstimmen. Bakterien und Blaualgen werden deshalb häufig als Schizophyta (»Spaltpflanzen«) in einer systematischen Kategorie zusammengefaßt. Angesichts der Schwierigkeiten, vor denen die taxonomische Analyse der »merkmalsarmen« Protokaryobionten steht, entspricht es unseren heutigen Kenntnissen am besten, wenn Bakterien und Blaualgen als selbständige Abteilungen auf der Stufe des protokaryotischen Gestaltungsniveaus betrachtet werden.

1.1. Zellbau und Zellformen der Blaualgen

 

Der Protoplast der Blaualgen ist nicht in Zytoplasma und Zellkern differenziert. Die hohlkugelige bis -zylindrische, stark gefärbte Rindenschicht, das Chromatoplasma, umschließt das blasse oder farblose Zentroplasma. Das Elektronenmikroskop zeigt, daß meist parallel zur Zellwand ausgerichtete Lamellensysteme (Thylakoide), auf denen die Assimilationspigmente liegen, zusammen mit Cyanophycinkörnchen und interlamellären Granula das Chromatoplasma aufbauen, während das Zentroplasma sich in der Hauptsache aus linearen, hochgeordneten DNS-Elementen (»Chromatinapparat«), Ribosomen und Volutinkörnchen zusammensetzt.

Thylakoide und DNS-Elemente nehmen Stellen und Funktionen der Plastiden bzw. des Kernes ein; sie sind nicht durch eine besondere Membran vom Grundplasma abgegrenzt. Das Grundplasma ist gelartig, hat keine Zellsafträume (Vakuolen) und zeigt weder Plasmaströmung noch Brownsche Molekularbewegung. Unter gewissen Bedingungen zerklüftet es sich und bildet unregelmäßig geformte, stickstoffhaltige Räume (Gasvakuolen, Pseudovakuolen), die den Zellen das Aufsteigen an die Wasseroberfläche ermöglichen (Wasserblütenbildung). Eine Zytoplasmamembran (Plasmalemma), die an der Zellteilung Zellwand- und Thylakoidbildung beteiligt ist, schließt es gegen die Zellwand ab. Die Zellwand selbst ist vierschichtig: Die beiden Innenlagen sind am Aufbau der Längs- und Querwand, die beiden Außenlagen, nur an dem der Längswand beteiligt. Bei der Querwandbildung wachsen die beiden Innenlagen irisblendenartig ein. Die dem Plasmalemma unmittelbar anliegende Zellwandschicht besteht, chemisch aus wechselnden Mengenverhältnissen von Aminosäuren und -zuckern. Sie prägt die Gestalt der Zelle. Oft sind die Zellwände sehr dick: Schleim aus umgewandelter Zellwandsubstanz und aus dem Zytoplasma, durch Schleimporen ausgeschieden, hüllt die Zellen ein. Bei den fadenförmigen Hormogonalen ist die gesamte Zellreihe von einem hohlzylindrischen, festen, gelartigen Zylinder, der Scheide (Vagina), umschlossen. Als gemeinsame Wandbildung aller Zellen ist sie meist geschichtet und fibrillär strukturiert. Trotzdem besitzt die Zellreihe innerhalb der Scheide weitgehende Selbständigkeit: Sie kann die Scheide sprengen und verlassen.

Schematisierter Schnitt durch eine Blaualgenzelle

Quelle: nach Metzner

Schematisierter Schnitt durch eine Blaualgenzelle vom Phormidium-Typ. CM Zytoplasmamembran, CY Cyanophycinkörner (?), G Granula unbekannter Art, K Kristall, MI Mittellamelle, Mp Mucopolymerschicht der Zellwand, N Chromatin, OS Oberflächenschicht der Zellwand, P1 strukturarme Plasmagrundsubstanz, P2 Ribosomen und Polysomen, PO Polyphosphatkörper, Pr eine Pore der Porenreihe der Zellwand, SCH Schleimhülle (Scheide), Th1 Thylakoidstapel, Th2 konzentrisch angeordnete Thylakoide, Th3 einzelnliegende Thylakoide, V Vakuole, W Zellwand (nach Metzner)

Bei den meisten Blaualgen ist die Zellform einfach und unmittelbar von der Kugel (überwiegend bei Chroococcalen) oder vom Zylinder (häufiger bei Hormogonalen) ableitbar. Sind die Zellpole zugespitzt (Dactylococcopsis), so ähnelt die Zelle einer Spindel. Wie offene Ringe sehen die Zellen der systematisch isolierten Gattung Gomontiella aus. Die Grundgestalt wird stärker deformiert, wenn der wachsende Protoplast in feste Scheiden eingezwängt ist (z. B. Hapalosiphon, Fischerella). Die Zellen der festsitzenden Arten sind polarisiert: Der basale Zellpol wird zur Haftscheibe, der distale Zellpol zum Organ der Zellvermehrung (Dermocarpa, Chamaesiphon).

1.2 Färbung der Blaualgen

 

Der lebende Protoplast ist praktisch niemals rein grün: Blaugrüne, spangrüne, violette bis rötliche, purpur- bis braunrote, braune und olivgrüne Farbtöne herrschen vor. Bei Mangel an Stickstoff, Phosphor und anderen Nährstoffen, auch unter extremen Lichtbedingungen, treten gelbliche, unter dem Einfluß von Schwefelwasserstoff gelbgrüne oder blaßbläuliche Färbungen auf. Die wichtigsten Pigmente sind: Chlorophyll a, die Phycobiline (Chromoproteide) C-Phycocyan, Allophycocyan und C-Phycoerythrin, das Karotin ß-Carotin sowie die Xanthophylle Echinenon, Myxoxanthophyll, Canthaxanthin, Oscillaxanthin, Zeaxanthin, Cryptoxanthin und Aphanizophyll. Ihr Mengenverhältnis ändert sich unter dem Einfluss ökologischer Faktoren und im Verlaufe der Entwicklung, so daß Farbabstufungen und -abänderungen bei ein und derselben Sippe beobachtet werden können. Es gibt Sippen, die stets rein blaugrün sind und höchstens unterschiedliche Grade der Farbstoffverarmung zeigen können (z.B. Oscillatoria nigra, Oscillatoria splendida, merhrere Anabaena-Arten). Andere sehen nie rein blaugrün aus, sondern erscheinen stets durch nichtgrüne Pigmente getönt (z. B. Phormidium autumnale, Oscillatoria princeps). Die Protoplasmafärbung wird häufig durch gefärbte Gallerthüllen und Scheiden modifiziert. Kräftigbraune Scheiden können die blaugrüne Protoplastenfärbung überdecken. Auch die Hüllenfärbungen, die zwischen gelben, braunen, rötlichen, violetten und blauen Tönen variieren, werden gewöhnlich durch ökologische Faktoren wie Licht, Austrocknung, Wasserstoffionenkonzentration und Chemismus des Milieus stark beeinflußt.

Beim Vergleich mit anderen Algengruppen erweist sich das Spektrum der Protoplasten- und Bestandsfärbungen bei Blaualgen als auffällig breit. Es ist auch breiter als das der mit dieser Gruppe verwandt geltenden Bakterien, bei denen die Bestandsfärbungen zur Artbestimmung herangezogen werden.

1.3 Bewegung

Die meisten Blaualgen sind unbeweglich; amöboide oder durch äußere Organellen (Geißeln, Zilien) verursachte Bewegungsweisen sind unbekannt. Trotzdem sind charakteristische Eigenbewegungen von Einzelzellen bzw. von Trichomen, Trichomstücken oder Hormogonien nachgewiesen. Unstet ruckend und richtungslos verändern viele Chroococcalen und überhaupt Einzelzellen, aber auch Trichomfragmente und Hormogonien ihren Ort. Nostocaceen und Pseudanabaena, auch die Hormogonien anderer Familien gleiten (»kriechen«) in Richtung ihrer Längsachse, wobei Geschwindigkeiten um 2 µm/s erreicht werden. Bei Oscillatoriaceen ist die Gleitbewegung mit einer Rotation um die Längsachse des Trichoms verknüpft, wodurch Geschwindigkeiten um 5 µm/s erzielt werden. Die Trichome können vorwärts und rückwärts gleiten; dabei kehren sie ihre Richtung nach einer deutlichen Brems- und Ruhezeit von gewöhnlich 5 bis 10 s um. Nackte Oscillatoriaceen-Trichome pendeln quer zur Längsachse, so daß Schlängelbewegungen entstehen. Die Ursachen der verschiedenen Bewegungsweisen sind noch nicht völlig bekannt.

Die Bewegungsweisen können die Aggregationsformen und Bestandsstrukturen prägen. So stellt eine Flocke von Aphanizomenon flos-aquae, der in unseren Seen und Teichen wasserblütenbildenden Sichelalge, ein in sich bewegtes System von Trichomen dar, die sich in Richtung ihrer Längsachse bewegen. Dabei nehmen die Geschwindigkeiten nach dem Bestandsinneren ab, und die an den Außenmänteln des Bestandes gegenläufigen Bewegungen verhalten sich in ihren Geschwindigkeiten etwa wie 2:1. Bewegungsspiel und Lagergestalt sind folglich ursächlich verbunden.

Blaualgen

Bildquelle: nach Schwabe

1 Bewegungsschema in der Flocke von Aphanizornenon flosaquae, 2 häufige Flockenformen (nach Schwabe)

1.4 Zellvermehrung und Fortpflanzung

Läßt man einige wohl nur ungenügend untersuchte Flagellatengruppen beiseite, so sind die Blaualgen die einzige Abteilung im Pflanzenreich, in der neben der Zellvermehrung durch Zellteilung nur ungeschlechtliche Fortpflanzungsvorgänge nachgewiesen werden konnten.

Die Zellvermehrung

Die Zellteilung der Blaualgen ist eine Plasmotomie, d. h. eine äquale Zweiteilung durch Furchung. Das Plasmalemma faltet sich zusammen mit der Zellwand ein und durchschnürt zentripetal, sich irisblendenartig zwischen die entstehenden Tochterprotoplasten schiebend, zunächst das Chromatoplasma, dann das Zentroplasma. Zur Spindel­ und Chromosomenbildung kommt es nicht: Die Plasmotomie ist keine Mitose. Die DNS-Elemente werden auf die Tochterzellen verteilt. Teilen sich nur das Plasmalemma und die inneren Zellwandschichten, die äußeren dagegen nicht, dann bleiben die Tochterzellen untereinander verbunden. Durch Ineinanderschachteln und Verschleimen der äußeren Zellwandschichten entstehen Zellverbände (Zoenobien).

Gewöhnlich folgt jeder Zweiteilung ein Wachstumsprozeß, der die Tochterzellen zur Ausgangsgröße zurückführt. Ist dieses Wachstum jedoch jeweils dem zweiten, dritten oder höheren Teilungszyklus zugeordnet, so wird die Mutterzelle in eine größere Zahl von kleineren Zellen zerlegt. Bei Merismopedia und Gomphosphaeria z. B. wachsen die Tochterzellen erst nach Erreichen des Vierzellstadiums, bei Chroococcus turgidus erst nach dem Achtzellstadium. Die Folge einer extremen Steigerung der Teilungsfrequenz ohne Wachstum ist die Nanozytenbildung, die für viele Chlorococcalen charakteristisch ist (z. B. Aphanothece caldariorum). Auch bei der thermophilen Hormogonale Mastigocladus lamellosus sind nanozytenartige Zerfallsteilungen beobachtet worden.

Die ungeschlechtliche Fortpflanzung

Erfolgen die Zellteilungen innerhalb eines besonderen, durch Größe und Stellung im Zellverband auffallenden Sporangiums (Aplanogonidangiums) und in hoher Zahl, dann sprechen wir von Endosporen-(Endogonidien-)bildung. Sie ist die für die Chamaesiphonales charakteristische Form der ungeschlechtlichen Fortpflanzung. Die Endosporen sind anfangs oft nackt, z. Z. der Reife aber stets behäutet. Sie entweichen durch einen Porus in der Sporangienwand.

Die Endosporenbildung zeigt recht verschiedenartige Aspekte. Bei Chroococcidiopsis kashaii teilt sich die Mutterzelle in 2, 4 oder 8 sekundäre Sporangien, die sich behäuten und heranwachsen, worauf ihr Inhalt in Sporen zerfällt. Bei Pleurocapsa fuliginosa entstehen die Sporangien aus den Endzellen mehrreihiger, bei Endonema aus jenen einreihiger polarisierter Fäden. Der polarisierte Zellkörper von Chamaesiphon sitzt mit seinem vegetativen Fußteil fest. Der apikale Pol wächst lang aus und wandelt sich in ein Sporangium um. Der Scheitel der Zelle reißt auf. Die verbleibende Wand des geöffneten Sporangiums, die Pseudovagina, hüllt den offenen, reproduktiven Abschnitt des Sporangiums ein, in dem durch Querteilung in basipetaler Folge kleine Sporen abgeschnürt werden. Man nennt sie, da sie scheinbar exogen entstehen, Exosporen.

Die Hormogonienbildung

Hormogonien sind sehr kurze oder längere, wenig differenzierte, einreihige, sich aktiv bewegende Trichomstücke. Wenn sie in Richtung ihrer Längsachse »kriechen«, teilen sich ihre Zellen nicht. Erst im Prozeß der »Keimung« erlangen sie ihre Teilungsfähigkeit wieder. Sie dienen der Verbreitung der Art. Sie können sich direkt durch einfache Trennung benachbarter Fadenglieder aus dem Verband lösen (Nostoc, Gomontiella) oder an interkalaren Heterozysten (»Trennzellen«) abbrechen (Nostoc, Anabaena). Bei Oscillatoria rubescens sterben einzelne oder mehrere dazwischenliegende Zellen, die sogenannten Nekriden oder Spaltkörper, ab und ermöglichen das Freiwerden der Hormogonien. Schließlich können auch Keimlinge von Dauerzellen die Eigenschaften von Hormogonien (Nostoc punctiforme) annehmen.

Die Zellfäden der scheidenlosen Oscillatoria-Arten werden als Dauerhormogonien aufgefaßt: Die bewegliche Fortpflanzungsphase ist zur vegetativen Dauerphase geworden. Ihre Zellen sind allerdings teilungsfähig.

Die Gonidienbildung

Gonidien sind Fortpflanzungszellen, die ohne besondere vorhergehende Teilungen, einfach durch Fragmentation kolonialer oder fädiger Zellverbände. entstehen. Bei Plectonema können einzellige Hormogonien gebildet werden, die dann als Gonidien zu bezeichnen wären.

Fortpflanzungskörper mit Dauerorgancharakter der Blaualgen

Einige Stigonemataceen, Scytonemataceen und Rivulariaceen bilden Hormozysten (»Sammeldauerzellen «) aus, d. h. Hormogonien, die sich durch ihren Reichtum an Reservestoffen und den Besitz einer dicken, verfestigten Scheide als Dauerorgane erweisen. Bei der Keimung streckt sich der Faden und beginnt sich zu teilen.

Aus vegetativen Zellen können unter besonderen äußeren Bedingungen Dauerzellen (Akineten) entstehen. Dabei schwellen die Zellen, reichern im Protoplasten Reservestoffe an, die Assimilationspigmente schwinden, und dicke, widerstandsfähige Zellwände bilden sich aus. Im Plasma treten vermehrt Cyanophycinkörnchen auf. Dauerzellen sind vor allem bei Nostocaceen und Rivulariaceen verbreitet. Bei Nostoc können die meisten Zellen des Fadens zu Dauerzellen werden, bei Anabaena liegen sie den interkalaren Heterozysten beiderseitig an. Ist die Heterozyste endständig, wie bei gewissen Cylindrospermum-Arten, dann tritt nur eine proximale Dauerzelle hinzu. Vielfach zieht die Bildung einer Dauerzelle die Umwandlung benachbarter vegetativer Zellen in weitere Dauerzellen nach sich (Anabaena oscillarioides). Sie können durch Verquellen der Zellwand (Nostoc ellipsosporum), durch Aufreißen der Zellwand (Nostoc punctiforme) und durch Öffnen mittels Deckels (Anabaenaflos-aquae) auskeimen.

Dauerzellartige Bildungen werden auch von Gloeocapsa alpina, Gloeocapsa sanguinea, Gloeocapsa kützingiana, Siphononema und Cyanophanon angegeben.

Wie tote Zellen wirken im Lichtmikroskop viele Heterozysten (»Grenzzellen«), da ihr plasmatischer Inhalt homogen ist und ihre Farbstoffe bis auf geringe Reste abgebaut zu sein scheinen. Auch bei ihnen wird die Zellwand verstärkt; sie ist außen meist glatt. Die inneren Ausmündungen der Tüpfelkanäle, durch die die Verbindung mit den Nachbarzellen hergestellt wird, springen in das Zellinnere vor und sind innen oft durch ein Cyanophycinkörnchen verschlossen. Das Elektronenmikroskop zeigt, daß sie reich an Plasma sind, ihre Verbindungsfäden (Plasmodesmen) zu den Nachbarzellen entwickelt haben und zahlreiche, blasig aufgetriebene Thylakoide besitzen. Die Heterozysten können einzeln, in Paaren oder in Ketten entstehen und auskeimen. Sie finden sich in natürlichen Algenherkünften in artspezifisch weitgehend bestimmter Form und Anordnung und stellen ein wichtiges taxonomisches Merkmal dar. Sie sind nur bei hormogonalen Blaualgen vorhanden. Ihre Funktion (Stickstoffbindung?) ist immer noch umstritten.

1.5 Zell- und Trichomverbände der Blaualgen

Die kleinste lebensfähige Einheit eines Blaualgenbestandes ist die einzelne Zelle. Ist ihre Grundform kugelig, so können Teilungsprozesse, bei denen sich die Teilungsprodukte nicht voneinander trennen, zur Bildung von Kleinkolonien oder Zoenobien führen. Bei Microcystis entstehen durch sich regellos in allen Richtungen des Raumes teilende Zellen, die in der Gallerte beieinander bleiben, Zellhaufen; bei Entophysalis teilen sich die Zellen meist in einer Richtung und formen unregelmäßig gekrümmte Zellreihen; bei Merismopedia und Tetrapedia teilen sie sich in 2, bei Eucapsis in 3 senkrecht aufeinanderstehende Richtungen und formen einschichtige Tafel- bzw. Paketkolonien. Hohlkugelige Kolonien zeichnen Gomphosphaeria aus.

Bei den Blaualgen mit zylindrischer Grundform führen die Teilungsprozesse zur Bildung von Zellreihen. Die Gesamtheit der Zellreihe samt Scheide nennt man Faden, die Zellreihe allein Trichom. Dabei stehen die Zellen des Trichoms der Hormogonalen durch Plasmodesmen miteinander in Verbindung. Die Trichome bzw. Fäden können sich verzweigen.

Aphanothece grevillei

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Aphanothece grevillei; die Zellen liegen in formlosen, schleimigen Lagern.

Scheinverzweigungen kommen bei Scytonemataceen und Rivulariaceen vor. Das in einer festen Scheide eingeschlossene Trichom wird an einer bestimmten Stelle, meist neben einer interkalaren Heterozyste, unterbrochen, die beiden Enden brechen seitlich aus der Scheide hervor und liefern 2 Seitenzweige (Scytonema-Typ). Oft entstehen die 2 Äste durch Bildung einer Trichomschlinge, die seitlich durchbricht und erst nachträglich reißt. Wächst nur ein Ende aus, so entsteht ein einziger Scheinast (Tolypothrix-Typ). Reißen die Schlingen nicht auf, so kommt es zu schlingförmigen Fadenbildungen (Kyrtuthrix dalmatica). Wiederholt sich der Vorgang der Scheinastbildung an den Unterbrechungsstellen immer wieder und nur nach einer Seite, dann entstehen regelmäßig aufgebaute Lager (Rivulariaceen). Eine eigentümliche Art der Scheinverzweigung (V-Verzweigung) kennzeichnet die Gattung Brachytrichia. Das Trichom bildet eine V-förmige Schlinge, deren Spitzenzelle zu einem kurzen oder längeren seitlichen Trichomstück auswächst.

Echt verzweigt sind die Stigonematales. Querteilungen der Zellen lassen zwei-, mehr- und vielreihige Fadenverbände entstehen. Bei Stigonema mammillosum wird der höchste Grad der Differenzierung erreicht. Die aufrechten, vielreihigen Trichome sind verzweigt und wachsen mit Scheitelzellen.

Zoenobien, Kleinkolonien, Trichome und Fäden können als einfache Zellverbandsstrukturen angesehen werden. Sie treten in der Natur zu höheren Aggregationsformen, den Lagern, zusammen. Dabei spielen endogene, d. h. genetisch gesteuerte Faktoren wie Eigenbeweglichkeit der Trichome, ihre Orientierung zueinander, zur Unterlage und zum Lichte und ihre Einbettung in Schleim- und Gallertmassen eine strukturbestimmende Rolle. Sie lassen sich meist bereits mit dem bloßen Auge oder doch unter der Lupe erkennen. Eine Übersicht über die Lagerformen vermittelt die Abbildung (siehe unten).

Die Grundtypen der Lagerformen bei Blaualgen

Bildquelle: nach Schwabe

Die Grundtypen der Lagerformen bei Blaualgen (schematisch). 1 Beschlag (Chroococcus), 2 Netz (Plectonema), 3 Rasen aus unverzweigten Fäden (Cyanophanon), 4 Rasen aus verzweigten Fäden (Scytonema), 5 Strang (Microcoleus), 6 Haut (Phormidium), 7 Bündel (Aphanizomenon), 8 Schwamm (Seytonema), 9 Verhau (Oscillatoria), 10 festsitzendes Polster (Rivularia), 11 planktisches Kugelpolster (Gloiotrichia), 12, 13 nostocoide Einbettungen (Nostoc, Mischbestände), 14 Kruste (Mischbestände) (nach Schwabe)

1.6 Vorkommen

Die Blaualgen sind auf der Erdoberfläche weit und allgemein verbreitet. Überall, wo photoautotrophe Organismen leben, sind auch sie gegenwärtig. Ihre ökologische Potenz befähigt sie, gerade unter Grenzbedingungen des photoautotrophen Lebens sich besonders aktiv zu entfalten. An derartigen Lebensstätten, wo die Konkurrenz anderer Pflanzen nahezu völlig fehlt, erweisen sich die Blaualgen als beherrschende Glieder der Vegetation.

Die meisten Blaualgen sind in ihren Lebensansprüchen vom Licht abhängig. In den Gewässern wird die Lichtstrahlung schnell absorbiert: In Seen sind in Tiefen um 10 m nur noch etwa 10 %, im Meere ist in Tiefen um 100 m nur noch etwa 1 % der Lichtintensität vorhanden. Trotzdem sind Vertreter der Gattung Nostoc noch in 4000 m tiefen Ozeanbecken gefunden worden. Auch die Qualität des Lichtes ändert sich mit zunehmender Tiefe: In den Dämmerzonen der Gewässer herrscht blaugrünes Licht vor. Hier verstärken Blaualgen die zum einfallenden Licht komplementären Farbstoffe, z. B. das Phycoerythrin, d. h., sie passen sich an die veränderten Lichtqualitäten an (chromatische Adaptation). Die meisten Blaualgenlager in den Tiefen der Gewässer sind daher rot oder violett gefärbt. Die roten Trichome von Trichodesmium erythraeum vermehren sich in den Tiefen des Roten Meeres, steigen auf und färben das Meerwasser rot. Vielleicht besitzt auch Oscillatoria rosea, die im Tiefenplankton unserer Seen vorkommt, die Fähigkeit der chromatischen Adaptation.

Die Assimilation erreicht bei Temperaturen um 65 °C ihre obere Grenze. In heißen Mineralquellen sind die Blaualgen die einzigen Besiedler, die Assimilationspigmente führen und bei Temperaturen bis etwa 75 °C aktiv lebensfähig sind. Sie können hier lebhaftgefärbte Algenteppiche entwickeln, die mehrere Zentimeter dick werden, da es keine Tiere gibt, die die Algenfäden abweiden, und da auch bakterielle Abbauvorgänge ganz gering sind. Typische Thermalalgen wie Mastigocladus laminosus und Phormidium laminosum sind praktisch weltweit verbreitet; sie finden sich sowohl im Abfluß des Karlsbader Sprudels als auch in den Thermen des Yellowstone-Nationalparkes. Interessant ist, daß die thermophilen Blaualgen bei »niedrigen« Temperaturen unter 30°C nicht wachsen.

Es gibt viele Blaualgen, die sehr tiefe Temperaturen ertragen können. So treten sie in der Antarktis unter den Bedingungen des extremen Wärmemangels (Temperaturen bis -88°C) auf. Gelegentlich finden sich hier am Boden ausgebreitete NostocMassen, die sich im Laufe längerer Zeiträume angehäuft haben und unter den gegebenen klimatischen Bedingungen nicht abgebaut werden können. Das Klima der Antarktis ist nicht nur durch extremen Wärmemangel gekennzeichnet. Geringe atmosphärische Feuchtigkeit sowie der Wechsel hoher sommerlicher Lichtintensität mit winterlicher Dunkelheit bewirken, daß die Zellen sogar während der Wachstumsperiode rhythmisch auftauen und einfrieren, ohne ihre Lebensfähigkeit einzubüßen.

Ähnlich ungünstig sind die Bedingungen in Lebensstätten wie den Tintenstrichvegetationen der Hochgebirge gemäßigter und tropischer Breiten sowie den endopedischen Beständen in Wüstenböden.

Massenentfaltungen von Blaualgen in Grenzbiotopen (nach Schwabe 1964, leicht verändert)

Extreme Bedingungen Blaualgenvegatation
Hohe Temperatur Thermalpiotope
(Akratothermen, Thiothermen usw.)
Niedrige Temperaturen Kryoseston (Firnfelder)
Dauerfrostböden
Temporärer Wassermangel Rieselstreifen („Tintenstriche“, „Zitzensinter“)
Endopedische Bestände in Trockensteppen und Wüsten
Lomavegetation
Krusten des Epilitorals
(Spritzzonen)
Schwankungen der Elektrolytkonzentration Farbstreifensandwatt
Sinterzonen von Thermal- und Mineralgewässern
Tirsbesiedlung
Krusten des Epilitorals
(Spritzzonen)
Ungewöhnliche chemische Faktoren Mineralgewässer
Abwasser
Fumarolen
Salzseen
Intensive Einstrahlung Rieselstreifen („Tintenstriche“, „Zitzensinter“)
Lomavegetation (Garua- und Camanchaca-Vegetation) S-Amerika
Krusten des Epilitorals
(Spritzzonen)
Sauerstoffmangel Faulschlamm
Thermalbiotope mit H2S
Lichtmangel Endopedische und endolithische Entfaltungen
Höhlen?
Dämmerzonen in Seen
(dysphotische Zone)

Temperaturen und Wasserversorgung pflegen tagesperiodisch oder unregelmäßig derart zu schwanken, daß alle Lebensvorgänge zeitweilig unterbrochen werden. Die Blaualge Scytonema nivochrous z. B. trocknet im Sommer völlig aus, lebt bei Befeuchtung wieder auf und beginnt zu wachsen, wobei sie auf dem felsigen Substrat mit bloßem Auge sichtbare, samtartig-dunkelbraune Flächen im »Tintenstrich« hervorruft. Typisch für feuchte Kalkfelsen sind die leicht schleimigen Krusten, die von Gloeocapsa sanguinea, Gloeocapsa alpina, Gloeocapsa rupestris, Tolypothrix elenkinii, Aphanocapsa montana, Nostoc microscopium und Scytonema crustaceum gebildet werden und dem Auge ein farbenprächtiges Bild roter, violetter, gelber, brauner und grüner Töne bieten.

Die Tatsache, daß Blaualgen in der Lage sind, unter ökologischen Extrembedingungen zu existieren, hat dazu geführt, ihnen gewisse physiologische Sonderleistungen zuzuschreiben. So glaubt man, daß ihre Fähigkeit, höchste oder tiefste Standortstemperaturen stoffwechselaktiv zu ertragen oder besonders widerstandsfähig gegen extreme und wiederholte Austrocknung – Herbarmaterial erwies sich noch nach 87 Jahren als lebensfähig! – zu sein, in der spezifischen Struktur bzw. Konfiguration der ihre Zellen aufbauenden Proteinmoleküle beruht. Daß die Blaualgen als Erstbesiedler kürzlich entstandener Landflächen, von Wüsten, Sanddünen, Steppen oder überhaupt Böden, denen anorganische Nährstoffe mangeln, erscheinen, beruht auf ihrer Fähigkeit, atmosphärischen Stickstoff zu binden. Dabei ist bemerkenswert, daß vor allem viele fädige Formen molekularen Stickstoff reduzieren können. Wahrscheinlich sind am Prozeß der N2-Fixierung obligonitrophile, in den Gallertscheiden der Blaualgen lebende Bakterien beteiligt. Zu den N2-Bindern gehören unter anderem Arten der Gattungen Gloeocapsa, Nostoc, Tolypothrix, Anabaena, Anabaenopsis, Cylindrospermum, Calothrix, Phormidium, Mastigocladus und Schizothrix. In Japan wird der Stickstoffbinder Tolypothrix tenuis kultiviert und die Rohkultur dem Wasser der Reisfelder zugegeben. Ertragssteigerungen bis 120 % konnten erzielt werden. In ähnlicher Weise werden in Indien unfruchtbare Salzböden (»Uzars«) rekultiviert. 3 Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans Krakatau im Jahre 1883 fanden sich auf der Aschen- und Tuffoberfläche gallertig-schleimige Lager von Anabaena, Lyngbya, Symploca und Tolypothrix. Auch unter den Erstbesiedlern der Vulkaninsel Surtsey, die 1963 vor der Südküste Islands entstand, befinden sich N2-bindende Blaualgen.

Es ist möglich, daß die N2-Bindung auch die Ursache für das Vorherrschen von Blaualgen im Plankton unserer Seen und Teiche in Zeiten ist, da der allgemeine Mangel an verwertbaren Stickstoffverbindungen die Entwicklung anderer Planktonalgen hemmt. Überhaupt haben Blaualgen an der phototrophen Produktion, der »Urproduktion« unserer Binnengewässer, einen erheblichen Anteil. Unter günstigen Bedingungen entfalten sich viele von ihnen so massenhaft, daß sie sichtbare Überzüge an der Wasseroberfläche, sogenannte »Wasserblüten«, bilden. Bei einigen Blaualgen wurde von dieser Eigenschaft der wissenschaftliche Artname abgeleitet, z.B. Microcystis flos-aquae, Anabaena flos-aquae und Aphanizomenon flos-aquae (lat. flos = Blüte; aqua = Wasser). Mehr als 40 verschiedene Blaualgen sind dazu besonders befähigt, da sich in ihren Zellen mit Stickstoff gefüllte Gasvakuolen entwickeln, die sie spezifisch leichter als Wasser machen. Die Wasserblütenbildung ist wirtschaftlich bedeutsam, bildet doch die in ihnen entwickelte Biomasse (pro ha 300 kg Trockensubstanz) die Nahrungsquelle für viele Wassertiere (Wasserflöhe!) und Bakterien. Fischteiche mit einer Wasserblüte von Aphanizomenon flos-aquae sind in der Regel sehr ertragreich. Durch Kalken und Düngung mit Superphosphat sucht sie der Fischwirt künstlich hervorzurufen. Sind solche Blaualgenmassen im Wasserkörper gleichmäßig verteilt, so spricht man von »Vegetationsfärbungen«: Die Flocken von Aphanizomenon flos-aquae können das Gewässer deutlich grün färben. Freilich können Wasserblüten auch negative Effekte hervorrufen. Vergiftungsfälle im Fischbestand und übler Geruch von Trinkwasser rühren oft von derartigen Massenentfaltungen her.

Vielfältig sind die Beziehungen zwischen Blaualgen und anderen Organismen. In der Kieselalge Rhizosolenia lebt Richelia intracellularis, Nostoc sphaericum kommt in den sackartigen Ausstülpungen des Pilzes Geosiphon pyriformis vor; die farblose Grünalge Gloeochaete wittrockiana beherbergt einen Synechococcus, Chalarodora azurea eine Rhabdoderma; Glaucocystis nostochinearum und Cyanoptyche gloeocystis werden von einem Nostoc »bewohnt«. Auch in den Cryptomonaden (?) Peliaina cyanea, Cyanophora paradoxa und Chroomonas gemma sowie im Wurzelfüßler Paufinella chromatophora kommen blaualgenartige »Organellen« vor. Das Zusammenleben der verschiedenartigen Organismen miteinander heißt Syncyanose, das Konsortium selbst Cyanom und die endobiontischen Blaualgen nennt man Cyanellen. Die Erscheinung hat zu der Vorstellung angeregt, daß die Chromatophoren der höheren Pflanzen ursprünglich unabhängige Organismen waren, die in Zellen eingedrungen sind, sich als intrazelluläre Symbionten etabliert und schließlich in Organellen der Wirtszelle umgewandelt haben.

Besonders bekannt ist die Symbiose von Blaualgen mit Flechtenpilzen. Arten der Gattungen Chroococ cus, Gloeocapsa, Nostoc, Calothrix, Scytonema, Stigonema, Rivularia und Dichothrix sind hier zu nennen. In der Gallertflechte Collema und der Fadenflechte Ephebe dominieren die Blaualgen und formen das Lager, in anderen Fällen dominieren die Pilze (z. B. Placynthium), so daß die Identifizierung der Blaualge (in diesem Falle Dichothrix) sehr erschwert wird. Die Alge, die an der Symbiose beteiligt ist, heißt Phykobiont (Gonidie), der Pilz Mykobiont.

Auch in höheren Pflanzen kommen Blaualgen vor. Nostoc­ und Anabaena-Arten leben in den Atemhöhlen verschiedener Moose (Blasia, Clavicularia, Anthoceros); in den Höhlungen der Blattlappen des Wasserfarns Azolla americana findet sich Anabaena azollae, intrazellulär in den Wurzeln der Palmfarne Cycas und Zamia Nostoc punctiforme. Auch Gunnera (Gallertkanäle des Rhizoms) und Trifolium (Wurzelknöllchen) beherbergen bestimmte NostocArten.

Über die Natur der verschiedenen Symbiosearten herrscht noch keine Klarheit. In einigen Fällen können Wirt und Blaualge getrennt und dann sogar besser leben, in anderen Fällen scheint der Wirt unter der Abwesenheit der Blaualge zu »leiden«. Vielleicht spielen die Assoziationen für die Stickstoffversorgung des Wirtes eine Rolle, da sich unter den endosymbiontischen Blaualgen viele Stickstoffbinder befinden. Die wirtschaftliche Bedeutung der Blaualgen ist gering. In China wird Nostoc commune var. flagelliforme (»Fa-Tsai«) als Proteinquelle für Mensch und Tier genutzt (einst von den Azteken als »teacitlatl«). Heute spielen Spirulina-Massenkulturen eine Rolle bei dem Versuch, Algen als Proteinquelle industriell zu verwerten.

 

1.7 Das System

Das System der Blaualgen ist ein Provisorium. Die relative »Merkmalsarmut«, die Variabilität der taxonomisch bewerteten Merkmale, die Schwierigkeiten der Artabgrenzung und die Unsicherheiten in der Beurteilung der Evolutionsrichtungen angesichts des hohen Alters der Gruppe machen ein hierarchisches, natürliches System und damit eine befriedigende Ordnung der Formenmannigfaltigkeit vorläufig noch unmöglich. Unsere Darstellung folgt im wesentlichen den Vorstellungen Geitlers.

 

2. Abteilung Blaualgen, Cyanophyta

2.1 Ordnung Kugelblaualgenartige, Chroococcales

Die hier zusammengefaßten etwa 30 Gattungen bilden Lager in Form von Beschlägen, Krusten oder Einbettungskolonien, deren Einzelzellen untereinander gleichartig sind und nicht wirklich fadenförmig wachsen. Die meist kugeligen oder stäbchenförmigen Zellen sind nicht in Basis und Spitze differenziert und oft von einer schleimigen und geschichteten Membran umhüllt. Sie vermehren sich durch einfache Zweiteilung, die sich vielfach innerhalb der äußeren Membranschichten vollzieht, so daß die Hüllen ineinandergeschachtelt erscheinen. Endosporen, Exosporen oder Heterozysten sind unbekannt.

Familie Chroococcaceae

Die vor allem im Süßwasser verbreitete Familie enthält zahlreiche Vertreter des Seen- und Teichplanktons.

Die rund 20 Arten umfassende Gattung Microcystis ist kosmopolitisch verbreitet. Ihre Zellen sind in eine gemeinsame, strukturlose Gallerte eingelagert und formen netzartig durchbrochene Einbettungskolonien. Viele Arten sind typische Plankter in nährstoffreichen Gewässern. Hier treiben sie, besonders in der warmen Jahreszeit und zusammen mit Arten anderer Gattungen, frei an der Wasseroberfläche und rufen Wasserblüten hervor. Die bis über 1 mm großen Kolonien von Microcystis aeruginosa, Microcystis flos-aquae und die kleineren von Microcystis viridis werden dabei gelegentlich durch Wind und Wellenschlag an Seen- und Teichufern zusammengeschwemmt, so daß sich dort breite, gelblichgrüne Säume bilden. Andere Arten, so Microcystis ichthyoblabe und Microcystis toxica, sind giftig für Fische und Rindvieh (Tränke!).

Auch unter den rund 25 Arten der Gattung Chroococcus, der Kugelblaualge, finden sich echte Plankter, so Chroococcus limneticus, der sogar im Brackwasser vorkommt. Die meisten Arten leben jedoch in der Uferregion der Seen, in Hochmooren (z. B. Chroococcus turgidus), Torfsümpfen und Thermen; andere überziehen feuchte Mauern oder Felsen (Chroococcus rufescens) mit ihren gefärbten Gallertlagern, in denen die Einzelzellen zu zweien, vieren oder mehreren in Kolonien mit dicht anliegenden, oft deutlich ineinandergeschachtelten Hüllen zusammenliegen.

Synechococcus maximus

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Synechococcus maximus aus lsland, typische chroococcale Blaualge, deren Zellen von einer dünnen, farblosen Hülle umgeben sind.

Kokkale Blaualgen

Bildquelle: nach Fott

Kokkale Blaualgen. 1 Synechococcus aeruginosus,2 Microystis aeruginosa, a Koloniehabitus, b junge Kolonie, Zellen mit Gasvakuolen, 3 Chroococcus turgidus, 4 Gloecapsa ralfsiana (nach Fott)

Ausgedehnte epi- oder endopetrische Lager bilden viele der 40 Arten der Gattung Gloeocapsa, der »Gallertkapsel«. Wie bei Chroococcus umhüllt geschichtete, ineinandergeschachtelte, gefärbte Gallerte, die jedoch typisch blasig aufgetrieben ist, die kugeligen Einzelzellen. Gloeocapsa alpina bildet an kalkberieselten Felswänden warzige, violette bis schwärzliche Krusten (»Zitzensinter«, »Tintenstriche«), Gloeocapsa sanguinea hingegen lebhaft rote, mit bloßem Auge sichtbare Gallertlager auf Silikat- und Kalkuntergrund.

Die regelmäßigen, flach tafelförmigen, gallertigen Kolonien von Merismopedia, dem »Teiltäfelchen«, finden sich am Grunde stehender oder fließender Gewässer und können bis über 1 mm groß werden; z. B. Merismopedia convoluta. Merismopedia elegans und Merismopedia tenuissima treten sekundär planktisch im Süß- und Brackwasser auf.

 Teiltäfelchen Merismopedia punctata

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Das Teiltäfelchen (Merismopedia punctata) von Surtsey, dessen Einzelzellen durch gemeinsame Gallerte verbunden und in einschichtigen »Täfelchen« regelmäßig angeordnet sind.

Familie Entophysalidaceae

Die meist kugeligen oder ellipsoidischen Zellen wachsen fadenartig und fügen sich zu krustenförmigen Lagern zusammen. Sie bilden dabei aufrechte, radial angeordnete Reihen oder produzieren Schleimstiele. Planktische Formen sind nicht bekannt.

Die Einzelzellen der Krusten der Gattung Entophysalis erinnern mit ihren aufgeblühten Schleimhüllen stark an die von Gloeocapsa. Entophysalis granulosa läßt die Wände der Uferfelsen der Binnenseen 20 cm über und unter der Wasserlinie braungestreift erscheinen. Entophysalis deusta färbt die im Flutbereich gelegenen Zonen heller Küstenfelsen schwarz. Sie kann in Formen auftreten, die Arten der Gattungen Hyella und Scopulonema ähneln.

 

2.2 Ordnung Rippenkapselartige, Pleurocapsales

In dieser etwa 20 Gattungen umfassenden Gruppe finden sich festsitzende, meist epiphytisch oder epipetrisch in stehenden und besonders fließenden, meist nährstoffarmen Gewässern lebende Formen, die sich von den Chroococcalen durch die Bildung von Endosporen unterscheiden. Die krusten- bis sohlenförmigen, pseudoparenchymatischen Lager sind aus gloeocapsaartigen Einzelzellen zusammengesetzt.

Familie Pleurocapsame

Die manchmal in Basis und Spitze differenzierten Zellen sind mit festen oder gallertigen Membranen umhüllt. Sie formen flache, krustenförmige Lager.

Die Gattung Pleurocapsa, die »Rippenkapsel«, umfaßt etwa 10 Arten. Pleurocapsa cuprea ist durch ihre kupferrotgefärbten Überzüge an Steinen in Gebirgsbächen leicht erkennbar; Pleurocapsa fluviatilis bildet dicke, im Alter oft hohle Krusten aus kurzen Fäden. Pleurocapsa fugliginosa wächst an Küstenfelsen in der Ebberegion.

Familie Hyellaceae

Die typisch polarisierten Einzelzellen bringen Fäden mit Spitzenwachstum hervor, die sich verzweigen und pseudoparenchymatische, oft erhabene, halbkugelförmige Lager entwickeln.

Die Gattung Hydrococcus, die „Wasserkugel“, ist in schnellfließenden Gebirgsbächen zu Hause. Ihr anfänglich scheibenförmiges Lager setzt sich schließlich aus langen, aufrechten Fäden zusammen. Hydrococcus rivularis fällt durch kissenartige, höckrige, submerse Lager auf Steinen, an Wassermoosen und Fadenalgen auf.

Bei der nahe verwandten Gattung Xenococcus bestehen die aufrechten Fäden nur aus 2 bis 4 Zellen, deren Endzelle deutlich vergrößert ist. Die dünnen, blau- bis olivgrünen Krusten Xenococcus rivularis sind für kalkarme Mittelmeergebirgsbäche charakteristisch.

Die Arten der Gattung Hyella kriechen in Fäden auf steinigem Substrat oder auf Schneckenschalen; einige Fäden dringen in das Substrat ein. Die Einzelzellen sind in eine dicke, geschichtete, gallertige Membran eingehüllt. Hyella fontana lebt in kalkhaltigen Gebirgsbächen.

 

2.3 Ordnung Dermocarpales (Chamaesiphonales)

Die Dermocarpales sind eine relativ natürliche, 6 Gattungen umfassende Ordnung, die von den Chroococcalen abgeleitet werden kann. Im Gegensatz zu diesen ist bei ihnen die einzelne Zelle stets deutlich in Basis und Spitze differenziert. Die Basis, mit der die Zelle untergetaucht auf Steinen oder größeren Algen festsitzt, ist meist als kurzer Gallertstiel ausgebildet. Die Einzelzelle wandelt sich mehr oder weniger vollständig in ein Sporangium um, dass Endo- oder Exosporen hervorbringt. Die Sporen werden in der Regel durch Aufreißen oder Abschnüren des Spitzenteils des Sporangiums frei.

Familie Dermocarpaceae

Die polarisierten, meist einzeln lebenden Zellen sind vorwiegend auf anderen Algen im Meerwasser zu finden.

Bei den Dermocarpa-Arten entstehen die Endosporen durch sukzedane Zerteilung des in ein Sporangium umgewandelten Zellinneren. Die basale Zelle kann steril sein, im geöffneten Sporangium zurückbleiben und zu einem neuen Endosporangium werden. Die tütenförmige Wand des geöffneten Sporangiums wird Pseudovagina genannt. Dermocarpa violacea bildet ausgebreitete, rosenrote; Dermocarpa prasina polster- bis halbkugelförmige, blau- bis olivgrüne Lager auf anderen Meeresalgen.

Bei Siphononema, dem Scheidenfädchen, führt der gleiche Teilungsmodus nur zu vegetativen Teilungsprodukten, die in der Pseudovagina verbleiben, ein mehrzelliges Lager bilden und schließlich aus der geöffneten Pseudovagina herauswachsen. Einzelne Zellen können sich aus dem Verband lösen und die Aufgabe von Sporen übernehmen. Siphononema polonicum kommt in Bergbächen vor, wo sie dicke, orange- bis rotbraune Krusten auf Steinen bildet.

Familie Chamaesiphonaceae

Die polarisierten Zellen leben einzeln oder bilden Kolonien durch Exosporen, die mit der Mutterzelle verbunden bleiben. Sie leben vorwiegend epiphytisch oder epipetrisch im Süßwasser.

Die etwa 25 Arten der Gattung Chamaesiphon, der Zwergscheide, kommen vor allem in schnellfließenden Bächen untergetaucht auf Steinen, Moosen und Fadenalgen vor. Dabei können sie in solchen Massen gedeihen, daß die Bachbetten gefärbt erscheinen. Besonders bemerkenswert ist die Art der Fortpflanzung. Dabei wandeln sich die Zellen in Sporangien um und schnüren am apikalen Ende Ketten von Exosporen ab. Die entstehende Exospore kann sich am Rand der Pseudovagina niederlassen und festsetzen, selbst wieder eine Pseudovagina und Exosporen bilden und so stockwerkartige Zellschichten hervorbringen. Die Pseudovaginen sind bei Chamaesiphon ferrugineus durch Speicherung von ausgeschiedenem Eisenhydroxid rostrot gefärbt. Die gebildeten Krusten sind mit bloßem Auge sichtbar. Das gilt auch für die braunen, dünnen, einschichtigen Krusten von Chamaesiphon fuscus, einer Charakterart der katharoben Zone der Bäche.

2.4 Ordnung Schwingfadenartige, Oscillatoriales (Hormogonales)

Zu dieser großen, je nach Auffassung 13 bis 31 Familien umfassenden Gruppe werden diejenigen Blaualgen gerechnet, deren Lager aus ein- oder mehrreihigen Fäden gebildet werden. Dabei bestehen die Zellfäden (Filamente) aus der eigentlichen Zellreihe, dem Trichom, und der sie umhüllenden Scheide, der Vagina. Die Trichomzellen haben dünne, getüpfelte Zellwände und sind untereinander durch Plasmodesmen verbunden. Sie bilden morphologisch und physiologisch eine Einheit. Den Trichomen kann eine Scheide fehlen; sie sind dann »nackt«. Sie pflanzen sich durch Hormogonien oder Dauerzellen, selten durch Planokokken fort. Heterozysten werden hier und da, Sporen nur bei der marinen Herpyzonema entwickelt.

Blaualgen

Bildquelle: nach Fott

1 Stigonema informe, mehrreihige, unregelmäßig verzweigte Fäden mit seitlichen Heterozysten (H), 2 Tolypothrix byssoidea, Fadenstück mit unechter Verzweigung, 3 Mastigocladus laminosus, 4 Scytonema myochrous. unechte Verzweigung (nach Fott)

Tolypothrix spec.

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Tolypothrix spec. von Gran Canaria mit heller erscheinenden Grenzzellen, unterhalb deren sich die Fäden meist verzweigen.

Familie Stigonemataceae

Ihre Vertreter bilden rasenartige oder filzigschwammartige Lager, die aus gekrümmten, feinen, echt verzweigten Fäden bestehen. Die meist niederliegenden Hauptäste entwickeln oft Dauerzellen, die senkrecht aufsteigenden Seitenäste tragen Hormogonien. Die Grenzzellen liegen meist interkalar oder lateral. Die Familie ist weltweit verbreitet und bevorzugt saure Moorgewässer, feuchte Silikat- und Kalkgesteine sowie Thermen.

Die meist an Felsen und Mauern lebende Gattung Stigonema umfaßt rund 25 Arten. Stigonema mammitlosum entwickelt dunkelbraune, schwammige, bis 12 mm hohe amphibische Lager, während die von Stigonema ocellatum, einer typischen Hochmoorform, nur bis 3 mm hoch werden. Einige Arten bestimmen als Gonidien von Flechten (Ephebe) deren Erscheinungsbild.

Eine typische Thermalalge ist Fischerella thermalis, deren teppichartige, oliv- bis schwärzlichgrüne Lager bis 1 mm hoch werden.

Familie Mastigoeladaceae

Die vor allem in Thermen verbreiteten Formen bilden häutige Gallertlager, die aus V-förmig scheinverzweigten Fäden bestehen. Die Äste treten als Hormogonien zwischen 2 benachbarten Zellen aus.

Mastigocladus laminosus ist in heißen Quellen weltweit verbreitet und entwickelt lederig-häutige, flach ausgebreitete, blaue bis blaugrüne Lager.

Familie Scytonemataceae

Auch hier sind die Fäden scheinverzweigt; die Äste treten meist in der Nachbarschaft von Grenzzellen aus. Die Fäden sind aus einzellreihigen Trichomen und Scheiden zusammengesetzt; sie laufen nicht in Schleimhaare aus.

Die Gattung Tolypothrix, der »Knäuelfaden«, umfaßt etwa 20 Arten. Tolypothrix tenuis kommt untergetaucht an Wasserpflanzen, sowohl limnisch als marin, vor, Tolypothrix byssoidea lebt amphibisch an feuchten Felsen. Tolypothrix lanata fällt in stehenden Gewässern durch schwarze, büschelige, bis 2 cm lange Lager auf, Tolypothrix cucullata überzieht mit etwa 1 cm2 großen, dunkel- bis braungrünen Polstern die faust- bis kopfgroßen Kalksteine in periodisch trockenfallenden Bergbächen.

Die Gattung Scytonema, der Lederfaden, bildet große, meist stark gebräunte, oft fellartige Lager auf nassem, periodisch oder dauernd überschwemmtem Gestein. Die Scheiden ihrer paarig-scheinverzweigten Fäden sind parallel geschichtet und kaum dicker als die Fäden selbst. Besonders bekannt ist Scytonema myochrous, das Mäusefell, das auf feuchten Felsen an den schwärzlichen, in Richtung des herabfließenden Wassers ausgedehnten streifigen Überzügen (»Tintenstrichen«) erkennbar ist.

Nur durch die auffälligen, trichterförmig-aufgequollen geschichteten Scheiden, die viel dicker als die Fäden selbst sind, unterscheiden sich die Petalonema-Arten von denen der Gattung Scytonema. Petalonema alatum entwickelt an nassen Felsen der Kalkgebirge etwa 1 cm große Lager mit vorn geröteten Fäden und innen gelbroten, außen farblosen Scheiden. Petalonema crustaceum besiedelt mit 1 cm dicken, dunklen Krusten stark verkalkte Tuffquellen.

Familie Rivulariaceae

Die immer einzellreihigen Trichome verjüngen sich meist zu verschleimenden Haaren. Frühzeitig polarisieren sich die Fäden in Spitze und Basis; die Spitze bildet das Haar, die Basis wird teilungsunfähig und entwickelt oft Heterozysten. Aus der teilungsfähigen Mitte des Trichoms können Seitenäste entstehen. Die Trichome ordnen sich mehr oder weniger radiär an und formen festsitzende Halbkugelpolster oder pelagische Kugelpolster.

In stehenden und langsamfließenden, meist nährstoffreichen Gewässern fallen die Kugelpolster der Gattung Gloeotrichia, des Schleimigels, auf. Gloeoetrichia natans sitzt anfangs als schmutzig-olivgrün, meist 1 cm bis 1 dm große Gallertkugel an untergetauchten Wasserpflanzen fest, löst sich später ab und schwimmt an der Wasseroberfläche. Im Sommer entwickelt die kleinere Gloeotrichia echinulata grießliche Wasserblüten. Gloeotrichia pisum sitzt als harte, erbsengroße, schwärzlichgrüne Gallertkugel an Pflanzenteilen fest und löst sich nur selten ab.

Ähnliche Standorte bevorzugt die 20 Arten umfassende, nahverwandte Gattung Rivularia, die Bachflocke, die sich von Gloeotrichia nur durch das Fehlen von Dauerzellen unterscheidet. Die radial-strahligen, anfangs halbkugelig-polsterförmigen, später ausgebreitet-rasigen Gallertlager von Rivularia haematites verkalken stark, imprägnieren sich mit Eisenhydroxid, können 1 bis 3 cm dick werden, weisen Jahresschichten auf und kommen besonders in kalkreichen Bächen und Flüssen vor. Ungeschichtet und weniger stark verkalkt bleiben die höchstens 1 cm dicken Lager der rotbraunen Rivularia rufescens und der schwarzgrünen Rivularia dura. Rivularia atra ist auf Steinen, Holz und an Algen an der Wasserlinie der Meeresküsten weltweit verbreitet.

Die Trichome der 30 Arten umfassenden Gattung Calothrix, der Schönfaser, sind kaum verzweigt. Viele ihrer Arten sind thermophil, z. B. die besonders in Schwefelthermen blaugrüne Lager bildende Calothrix thermalis. Temperaturen über 60 °C erträgt Calothrix calida. Dünne, teilweise endopetrische, braunschwarze Krusten zeichnen Calothrix parietina aus, die in der Wellenschlagzone von Bächen und Seen, aber auch im Meerwasser lebt.

Rivularia atra

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Rivularia atra, Bewuchs auf Steinen. Die auffällige Blaualge ist an der Wasserlinie der Meeresküsten weit verbreitet.

Familie Nostocaceae

In dieser Familie ist die Tendenz zur Gallertbildung sehr ausgeprägt, so daß oft große, mit bloßem Auge sichtbare Lager entstehen. Die Fäden sind einzellreihig und fast stets unverzweigt, haben kugelige Grenzzellen und lagern, oft rosenkranzartig gewunden, in dicken, verquellenden Gallertscheiden. Haarbildung kommt nur bei Aphanizomenon vor.

Die Typusgattung Nostoc, der »Schleimling« oder »Zittertang«, umfaßt rund 40 Arten, die ganz verschiedene Lebensstätten bewohnen. So kommt Nostoc commune, die »Sternschnuppe«, unter anderem an extrem trockenen Standorten, z. B. zwischen Ruderalpflanzen auf sonnenexponierten Schotterflächen, vor. Sein Lager ist dann blattartig-dünn und leicht bröckelig. Die Entwicklung zu gekröseförmigen, schwarzolivgrünen Lagern erfolgt meist nach gewittrigem Regen (»Tremella meteorica nigra«). Andere Arten, so Nostoc zetterstedtii oder Nostoc kihlmannii, können planktisch leben. Am Grunde der Seen (»epipythmenisch«) siedeln die meist pflaumengroßen, glattberindeten Lager von Nostoc pruniforme, das regelrechte Entwicklungszyklen von planktischen Hormogonien über junge, epiphytische Lager bis zur benthischen, kugeligknolligen, olivgrünen, reifen »Seepflaume« durchmacht. Grobhöckerig „berindet“ sind die bis 10 cm großen Lager von Nostoc verrucosum, Nostoc sphaericum lebt in den Höhlungen von Lebermoosen (Jungermanniales), Nostoc punctiforme in Wurzelknöllchen von Cycas und Trifolium. Nostac-Lager können in sogenannte Gallertflechten umgewandelt werden.

Blaualgen

Bildquelle: nach Fott

1 Gloeotrichia natans, a Teil einer Kolonie, b Basalteil eines Fadens mit einer Heterocyste (H) und Dauerzelle (D), 2 Calothrix parietina, 3 Nostoc commune, Teil einer Kolonie, 4 Lyngbya martensiana, Faden mit fester Hülle (nach Fott)

Wasserpflaume

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Die Wasserpflaume, Nostoc pruniforme, wächst am Grunde unserer Seen.

Die Lager der rund 100 Arten umfassenden Gattung Anabaena, dem Schnurfaden, bestehen aus scheidenlosen, meist vereinzelten Fäden, deren Grenz- und Dauerzellen im Gegensatz zu denen von Nostoc nicht endständig sind. Oft entwickeln sie Wasserblüten, so Anabaena flos-aquae, deren mit bloßem Auge sichtbare Lager aus knäuelig verflochtenen und oft mit Glockentierchen besetzten Fäden bestehen. Bei Anabaena spiroides sind die Fäden regelmäßig schraubig gewunden, bei Anabaena elliptica dagegen »schnurgerade«. Freien Stickstoff können viele Anabaena-Arten binden, z. B. Anabaena cylindrica, Anabaena oryzae aus indischen Reisfeldern beschrieben – und Anabaena variabilis.

Anabaena spec.

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Anabaena spec. von Gran Canaria in typischer »schnurfadenförmiger« Ausbildung mit Grenzzellen (Heterocysten)

An Fichtennadeln erinnern die mit bloßem Auge sichtbaren und in nährstoffreichen Seen und Teichen massenhaft auftretenden Fäden von Aphanizomenon flosaquae, der „Sichelalge“. Ihre Produktivität wird in der Teichwirtschaft durch Kalk- und Phosphatdüngung erhöht.

Die Knotenschnur, Nodularia spumigena, bildet in Teichen, aber auch im Salzwasser große, schaumige Massen. Eine Wasserblüte am Kleinen Jasmunder Bodden auf Rügen führte vor wenigen Jahren zu einem Entenmassensterben durch giftige Zersetzungsprodukte.

Familie Oscillatoriaceae

Die »Schwingfäden« bilden strang-, verhau- oder bündelförmige Lager aus unverzweigten, geraden Fäden, deren Zellen untereinander gleich oder bei denen nur die Endzellen von einer Art »Kalyptra« haubenförmig bedeckt sind und dadurch »kopfig« erscheinen. Die charakteristischen Kriech- oder Schwingbewegungen der scheidenlosen Formen haben der Familie den Namen gegeben.

Die Gattung Oscillatoria (mit mehr als 100 Arten) ist vielleicht ein sekundär vereinfachter Typ einer hormogonalen Blaualge. Sie pflanzt sich durch Hormogonien fort. Die Trichome bewegen sich durch charakteristische pendelartige Schwingungen und Drehungen um ihre Längsachse, wodurch typisch strangförmige Lager entstehen. Im Stillwasser auf schlammigem oder festem Grunde, meist an der Oberfläche von H2S-haltigem Schlamm, finden sich verhauartige Lager, in denen die Trichome locker und scheinbar regellos durcheinanderkriechen und durch dünnflüssigen Schleim im Verband gehalten werden. Typische Plankter sind Oscillatoria agardhii, Oscillatoria sancta, Oscillatoria lacustris und Oscillatoria redekii, die durch ihre blaugrüne Farbe hervorstechen. In der kühlen Jahreszeit entwickelt Oscillatoria rubescens rote Wasserblüten, das sogenannte Burgunderblut. An den Ufern von Alpenseen treten rotbraune bis braunviolette Überzüge von Oscillatoria borneti auf. Die schwärzlichen Flocken von Oscillatoria nigra leben in schwach verunreinigten Quellen und Brunnen. Dunkelstahlblaue Lager von Oscillatoria boryana finden sich in Thermen.

Phormidium äutumnale

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Phormidium äutumnale von Surfsey mit typischer Aufrollung der Trichome

Schizothrix lardacea in Microcoleus-Wuchsform

Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Schizothrix lardacea in Microcoleus-Wuchsform. Erstbesiedler der 1963 entstandenen Vulkaninsel Surtsey vor Island. Beachte die gedrallten, zu einem Strang vereinigten Trichomgruppen!

Nur durch ihre spiralig gewundenen Trichome unterscheidet sich die Gattung Spirulina, die Schraubenfaser, von Oscillatoria. In Natronseen, z. B. im Tschad (Afrika), lebt Spirulina platensis. Sie wird zu Algenkuchen verarbeitet und gegessen. Der hohe Eiweißgehalt der Zellen macht sie für Massenkulturen geeignet, die vor allem in Frankreich betrieben werden.

Die flachen, dem Substrat mehr oder weniger angehefteten, hautartigen Lager der Gattung Phormidium, der Wattenfaser, bestehen aus gallertig-verklebten Trichomen. Das dunkelblaugrüne Phormidium favosum lebt an Krustensteinen in Seen und Flüssen.

Trichodesmium kommt in den tropischen Meeren in großen Mengen vor. Trichodesmium erythraeum hat lebhaftrot gefärbte Trichombündel und erzeugt Vegetationsfärbungen. Das Rote Meer soll ihm seinen Namen verdanken.

Mit über 100 Arten gehört Lyngbya zu den artenreichsten Gattungen. Sie entwickelt feste, ausdauernde Scheiden, kommt untergetaucht im Süßwasser, im Meer und in Thermen vor; einige Arten leben aerophytisch.

An nassen oder feuchten Flächen wachsen die strangförmigen Lager von Microcoleus, dem Scheidenfaden, die durch ihre stark verschleimenden, viele Fäden enthaltenden Scheiden ausgezeichnet sind. Der dunkelblaugrüne Microcoleus vaginatus lebt auf periodisch nassen Böden, Microcoleus steenstrupii in Thermen. Microcoleus lacustris kommt untergetaucht im Wasser von vielen Seen vor.

Sehr verbreitet am Ufer kalkreicher Gewässer, Seen oder Quellen sind die gelbroten bis violetten, kaum verkalkten Lager von Schizothrix lateritia. Die blaugrüne Schizothrix fasciculata besiedelt die Krusten- und Furchensteine im Litoral und Sublitoral kalkreicher Seen. Auffällig sind die schwärzlichen Lager von Schizothrix friesii, die mit ihren über 1 cm hohen, farblosen Scheiden über Sphagnum und anderen Moosen in feuchtschattigen Bergwäldern vorkommen.

Die farblosen Scheiden von Symploca, dem »Schopfbündel«, enthalten nur einen Faden. Symploca borealis bevorzugt feuchte Felsen, Symploca thermalis Thermen und Symploca muscorum wächst in stehenden Gewässern und auf feuchter Erde.

***

Mit freundlicher Genehmigung des Autors:
Prof. Dr. rer. nat. habil. S. Jost Casper

Literatur-Quelle:
URANIA Pflanzenreich
Niedere Pflanzen
2. Auflage 1997
Urania-Verlag Leipzig Jena Berlin




Bodenabtrag von Intensivflächen bei Starkregen

„Wenn die Landwirtschaft sprichwörtlich den Bach runtergeht“

  • „Gerade aus Maisfeldern in Talauen und an erosionsgefährdeten Hängen fließt das Wasser besonders schnell ab. Dabei wird in erheblichem Umfang Oberboden ausgeschwemmt.“
  • „Laut Erosionsatlas beträgt der Bodenabtrag auf Intensivflächen bis zu 15 Tonnen pro Hektar und Jahr –bei einzelnen Starkregenereignissen sind Abträge von mehr als 100 Tonnen nachgewiesen.

Quelle: Wenn die Landwirtschaft sprichwörtlich den Bach runtergeht

Das sind einige der nicht reparablen Schäden der „erneuerbaren“ Energiepolitik.

2015_07_Starkregen_Schneidenbach_UH

Die Göltzsch an einem Julitag 2015 nach einem Starkregen.

 

16_2013_06_01

Die Göltzsch vor dem Zusammenfluss mit der Weißen Elster in Greiz am 16. Juli 2013 nach einem Starkregen.

Übrigens:

Energien waren noch nie und werden auch künftig nicht erneuerbar sein!

Anderenfalls gäbe es Perpetuum mobile.

Erstaunlich, dass die aktuelle Energiepolitik pseudowissenschaftlich Begriffe nutzen muss,  um sich selbst zu bestätigen.

In Sachsen zumindest werden andere physikalische Grundlagen über Energien z. B. in Sachsen schon in Klasse 7 vermittelt (siehe Lehrplan.)

Ich habe mir 1965 den Abschluss der polytechnischen Oberschule in Halle an der Saale erarbeitet. Hätte damals Jemand von der Erneuerbarkeit einer Energieform gefaselt, man hätte ihn für doof erklärt.

Die Zeiten und ihre Werte ändern sich.

Nach ständiger Wiederholung des MantrasEnergie ist erneuerbar!“ durch Unwissende geschehen täglich Wunder.

Irgendwann gibt es einen Anstieg der Energielinie und dann fließt auch das Wasser plötzlich bergauf. In der Vorstellung zumindest.

 

Lehrplan Physik Klasse 7. u.a. Energie, Energieformen, Energieumwandlung, Energieerhaltung Leistung und Wirkungsgrad

Lehrplan Physik Klasse 7. u. a. Energie, Energieformen, Energieumwandlung, Energieerhaltung, Leistung und Wirkungsgrad

 

Quelle: Serlo

Siehe z. B. auch: Potentielle und kinetische Energie in der Rohrhydraulik




Rückstau und Überflutung

Literaturrecherche:

1. Bau und Betrieb der Kanalisation – Exzerpt aus [3]

  • Ein besonderes Interesse fanden in den letzten Jahren – aus diesen Untersuchungen heraus die Netz-Füllungszustände bei Stau (Energiespiegel im Abwasserkanal steigt über den Rohrscheitel = Rückstau) oder Kanalüberschwemmung (Energiespiegel bis über Gelände, Abwasseraustritt aus dem Kanal auf Überschwemmungswege [430, 431]). Während im ersteren Zustand der Wasserzugang durch Stau in nicht nach DIN 1986, Abschn. 7, von 1988, (149], ausreichend gesicherte Keller beginnt oder beginnen kann – mit steigender Staulinie (= Energielinie) zunehmend – können im letzteren Fall der Überschwemmung Gefährdungen für tiefer liegende Grundstücke und Anlagen entstehen, evtl. eine Haftung des Kanalnetzbetreibers nach unserer bisherigen Rechtsprechung auslösend
  • Hatte man früher solche Fälle als solche „höherer Gewalt“ gesehen, so ist diese Sicht jetzt aus der neuen Haftpflicht – zum Schutze des Bürgers – differenziert zu sehen, je nach der Häufigkeit solcher Vorkommnisse. Damit muß sich der planende Ingenieur – was bisher weitgehend nicht üblich war – auch mit der Frage der „Überschwemmungswege“ zukünftig befassen.
  • Im Normalfall erfolgt der Abfluß – bei extremen Abflüssen aus Niederschlag – aus den Straßeneinläufen ausströmend statt zulaufend, dem natürlichen Geländegefälle folgend über die Straßenfahrbahn, zwischen den Randsteinen. Diese zusätzliche, erhebliche Abflußkapazität (neben dem Kanalsystem) ist jedoch eingeschränkt, wenn niedrige Randsteinhöhen zu tiefer liegenden Garagen oder Parkplätzen evtl. auch aus Einläufen dort (!) – aus diesem „Straßenabfluß“ seitlich zu Überschwemmungswegen über die Grundstücke führen, eventuell Schäden verursachend.
  • Auch Kanaldeckel-Aushebungen kommen vor. Bei Deckeln „mit Lüftung“ ist die Wahrscheinlichkeit des Vorkommens geringer (Entlastung durch Luftaustritt).
  • Ebenso können diese „Überschwemmungswege“ an Straßenkreuzungen, Tiefpunkten, aber auch Unterführungen zu seeartigen größeren Stauen führen, woraus sich auf dem weiteren Überschwemmungsweg Schäden ergeben können. Hier kann, wenn dies mit – nach Beurteilung des Gerichts – unzumutbarer Häufigkeit vorkommt, die Gemeinde haftpflichtig sein. Ähnlich wohl auch, wenn Schäden daraus (z. B. gekippte Zäune/Mauern, überschwemmte Keller) „vorhersehbar“ waren.
  • Es wird daher nötig sein, solche Fälle vorher als „Überschwemmungswege“ zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen für eine schadlose Ableitung zu sorgen, Risiken dabei zu mindern. [3] (S. 57)
  • „Um eine ordnungsgemäße Entwässerung zu den Straßen hin zu gewährleisten, wird man die Höhenlage der Gebäude und des sie umgebenden Geländes sorgfältig darauf abstimmen. Zu dieser Binsenweisheit, die, wie Erfahrungen lehren, offenbar immer wieder ausgesprochen werden muß, bringt Bild 10.3-32 eine Darstellung aus amerikanischen Empfehlungen. Diese Dinge sind offenbar so ernst zu nehmen, daß die Federal Housing Administration der Frage der Oberflächenentwässerung in den Einfamilienhaussiedlungen der suburbs besondere Aufmerksamkeit widmet [187]. In Bild 10.3-33 sind drei Fälle von Geländeneigungen im Schnitt wiedergegeben, und es ist hierzu angedeutet, wie man die Grundstücke im Hinblick auf die Oberflächenentwässerung zu regulieren hat, „um Feuchtigkeitsschäden am Haus, Dunstbildungen, Erosionen, Verschlammung der Höfe und Überflutung von Kleinkläranlagen zu vermeiden“ und nachträglichen teuren Behebungsmaßnahmen, wie Wiederherstellung der Geländeprofilierung und Einlegen von Dränagen, vorzubeugen. Diese Mahnung aus den USA sollte Anlaß sein, generell bei Entwässerungsprojekten in Verbindung mit dem Bebauungsplan Vorsorge für „Überschwemmungswege“ zu treffen, um bei außergewöhnlichen Stark- und Katastrophenregen Schäden zu begrenzen. Pfeiff hat dieses Problem in [430, 431] behandelt. Es spielt auch bei Rechtstreitigkeiten um Schadenersatz eine Rolle, nämlich bei der Frage nach der Abgrenzung zwischen „hoherer Gewalt“ und „Versäumnis“.

2 Hydraulische Bemessung und Nachweis von Entwässerungssystemen [2]

  • „Die europäische Norm DIN EN 752-2 geht von der Überflutungshäufigkeit als Nachweiskriterium für Überlastungszustände aus (vgl. Kap. 5.1). Der Überflutungsvorgang auf der Oberfläche und der Überflutungsschutz sind in hohem Maße von lokalen Verhältnissen abhängig und bedürfen deshalb einer Würdigung der Gegebenheiten in der Örtlichkeit. Die Möglichkeit und Gefahr einer Überflutung im Falle einer Überstauung der Kanalisation ist auch im Fall einer einfachen Bemessung nach Kap. 6.1.1 bzw. im Anschluß an die hydraulische Nachrechnung vor Ort zu prüfen. Wegen der Schwierigkeiten, den oberflächigen Überflutungsvorgang modelltechnisch nachzubilden, ist für Bereiche mit rechnerischem Überstau unbedingt eine Bewertung der Gegebenheiten vor Ort vorzunehmen. Ggf. sind vorliegende Aufzeichnungen zum bisherigen Systemverhalten auszuwerten (Feuerwehreinsätze o.ä.).
  • Nachweisrechnungen sollten für Netzpunkte mit Überstau über Gelände das Volumen des ausgetretenen bzw. nicht abgeleiteten Misch- oder Regenwassers sowie die Dauer des rechnerischen Überstaus ausweisen, um die Gefahr einer Überflutung angrenzender Grundstücke oder einer wesentlichen Funktionsbeeinträchtigung wichtiger Verkehrsanlagen (Unterführungen) besser bewerten zu können. Ist eine Überflutung angrenzender Grundstücke aufgrund der topographischen und sonstigen örtlichen Gegebenheiten zu befürchten, sind geeignete (konstruktive) Maßnahmen am Straßenverlauf umzusetzen oder die Ableitung des überschüssigen (Ab-)Wassers in ungefährdete Flächen zu prüfen. Sofern dieses an der Straßenoberfläche abgeleitet oder gespeichert wird, ist der Höhenverlauf der Straße in die Prüfung mit einzubeziehen und das schadlose Ableiten ggf. durch bauliche Maßnahmen sicherzustellen.“

 

Siehe auch: Überflutung, Rückstau

Literatur

[1] Abwassertechnische Vereinigung e. V.
Richtlinien für die hydraulische Berechnung von Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanälen
1984, 5. Auflage (unveränderter Text von 1977), ATV-A 118

[2] ATV-A 118
Hydraulische Bemessung und Nachweis von Entwässerungssystemen
(Punkt 6.3)
Abwassertechnische Vereinigung e. V., 1999 und 2006

[3] ATV-Handbuch
Bau und Betrieb der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1995

[4] ATV-Handbuch
Planung der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1994

[5] Federal Housing Administration: Land Planning.
Bulletin Nr. 3. Abschnitt Block and Lot Grading,
Washington D.C. (1954/8)
aus [4]

Siehe auch:

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)




Überschwemmungsweg – Haftung

Literaturrecherche

Quelle

ATV-Handbuch
Planung der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage 1994

Kapitel  2.9.1.2.3 von Herrn Dr.- Ing. Siegfried H. Pfeiff
Seniorsachverständiger

„Hatte man früher solche Fälle als solche „höherer Gewalt“ gesehen, so ist diese Sicht jetzt aus der neuen Haftpflicht – zum Schutze des Bürgers – differenziert zu sehen, je nach der Häufigkeit solcher Vorkommnisse. Damit muß sich der planende Ingenieur – was bisher weitgehend nicht üblich war – auch mit der Frage der „Überschwemmungswege“ zukünftig befassen.

Im Normalfall erfolgt der Abfluß – bei extremen Abflüssen aus Niederschlag – aus den Straßeneinläufen ausströmend statt zulaufend, dem natürlichen Geländegefälle folgend über die Straßenfahrbahn, zwischen den Randsteinen. Diese zusätzliche, erhebliche Abflußkapazität (neben dem Kanalsystem) ist jedoch eingeschränkt, wenn niedrige Randsteinhöhen zu tiefer liegenden Garagen oder Parkplätzen -evtl. auch aus Einläufen dort (!) – aus diesem „Straßenabfluß“ seitlich zu Überschwemmungswegen über die Grundstücke führen, eventuell Schäden verursachend.

Auch Kanaldeckel-Aushebungen kommen vor. Bei Deckeln „mit Lüftung“ ist die Wahrscheinlichkeit des Vorkommens geringer (Entlastung durch Luftaustritt).

Ebenso können diese „Überschwemmungswege“ an Straßenkreuzungen, Tiefpunkten, aber auch Unterführungen zu seeartigen größeren Stauen führen, woraus sich auf dem weiteren Überschwemmungsweg Schäden ergeben können. Hier kann, wenn dies mit – nach Beurteilung des Gerichts – unzumutbarer Häufigkeit vorkommt, die Gemeinde haftpflichtig sein. Ähnlich wohl auch, wenn Schäden daraus (z.B. gekippte Zäune/Mauern, überschwemmte Keller) „vorhersehbar“ waren.

Es wird daher nötig sein, solche Fälle vorher als „Überschwemmungswege“ zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen für eine schadlose Ableitung zu sorgen, Risiken dabei zu mindern.

Siehe auch:




Bewertung der Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen

Wohl unstrittige Anknüpfungsfakten nach Thoma, R. und Goetz, D. :

  • Dichtheitsprüfungen (DP) an in Betrieb befindlichen GEA werden gemäß [5] durchgeführt.
  • Anlagen zur Ableitung von häuslichem Abwasser oder Mischwasser dürfen als dicht bewertet werden, wenn bei einer OI keine sichtbaren Schäden und Fremdwassereintritte festgestellt werden.
  • Ist eine OI nicht durchführbar oder wird sie als nicht ausreichend angesehen, ist eine DP durchzuführen. Hierbei ist nicht festgelegt, wer mit welchen Kriterien diesen normativ gewollten Ermessensspielraum interpretieren darf.
  • Grundleitungen die nur häusliches Abwasser ableiten und außerhalb von Schutzzone II von Wassergewinnungsgebieten liegen, können mit einer Wasserdruckprüfung durch Auffüllung bis 0,50 m über Rohrscheitel auf Dichtheit geprüft werden.
  • Ist dies bei alten Leitungssystemen nicht möglich, kann die Leitung alternativ bis zur Oberkante des tiefsten EWG oder Unterkante der Reinigungsöffnung in der Fallleitung mit Wasser aufgefüllt werden.
  • Die Prüfzeit beträgt 15 min bei einem zulässigen Wasserzugabewert von 0,2 l/m² [5].
  • DP mit Wasserfüllung führen gemäß [7] bei 90% der Grundstücke und gemäß [6] bei 94 % der Einzelprüfungen zu dem Ergebnis einer Undichtheit.

(GEA = Grundstücksentwässerungsanlage, OI = Optische Inspektion, EWG = Entwässerungsgegenstand)

Interessant ist auch die Zusammenfassung des Fachbeitrages von Thoma:

  • Bis zum Jahr 2015 sind in Deutschland ca. 1,3 Mio km Abwasserleitungen auf und zu Grundstücken zu untersuchen.
  • Die Länge, der Zustand und der tatsächliche Untersuchungsgrad sind nicht in ausreichendem Umfang bekannt.
  • Offensichtlich wurde bis dato nur ein Anteil von weniger als 5% untersucht.
  • Es ist in privaten Abwasserleitungen mit 100 bis 600 Mängeln/km zu rechnen. 24% der optisch erkannten Schäden sind nach Klassifikation entsprechend den Regeln der Technik kurz- bis mittelfristig zu sanieren.
  • Risse und Brüche treten alle 20 m einmal auf. Erste Untersuchungen zeigen übereinstimmend, dass ca. 90% der Grundstücksentwässerungsanlagen unter Prüfbedingungen undicht sind.
  • Erkennbar ist aber auch, dass bei Prüfung der Dichtheit nach den Regeln der Technik keine Korrelation zu dem optisch erfassten und klassifizierten Zustand besteht.

Messungen der Exfiltration unter Betriebsbedingungen zeigen, dass die tatsächliche Exfiltration deutlich geringer ist als die Wasserverluste bei den Wasserstandsprüfungen nach den Regeln der Technik.

  • Für die objektive Bewertung der Auswirkungen undichter, häuslicher Abwasserleitungen sind noch Grundsatzarbeiten zu leisten. Für eine zielgerichtete, effektive Sanierung der Abwasserleitungen zum nachhaltigen Schutz von Boden- und Grundwasser müssen die neuesten Erkenntnisse noch in handhabbare Regelwerke Eingang finden.
  • Die Sanierung der Grundstücksentwässerungsleitungen mit dem Ziel der vollständigen Abdichtung gemäß den vorhandenen Regeln der Technik würde 100 bis 200 MRD Euro kosten. [14]
  • Möglicherweise ist es für eine nachhaltige und vollständige Instandhaltung nicht entscheidend, ob die Dichtheitskriterien geändert werden, sondern dass die Prioritäten und Zeiträume für die Sanierung mit Blick auf das Gefährdungspotential für die Umwelt und die Instandhaltungszyklen der Gebäudesubstanz abgewogen werden.

Literatur des Beitrages von Thoma:

[1] ATV-Merkblatt M143-2 (1999) Optische Inspektion – Inspektion, Instandsetzung, Sanierung und Erneuerung von Abwasserkanälen und -leitungen

[2] ATV-Merkblatt M 149, (1999): Zustandserfassung, -klassifizierung und -bewertung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden

[3] BayLfW Merkblatt Nr. 4.3/6; (2002): Prüfung alter und neuer Abwasserkanäle, Teil 3: Dichtheitsprüfung von Grundstücksentwässerungsleitungen im Freispiegelabfluss, Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft, München

[4] Berger C., Lohaus J: (2005): Zustand der Kanalisation, Ergebnisse der DWA-Umfrage 2004, Korrespondenz Abwasser 5/2005, (52), S.528-539

[5] DIN 1986-30 (2003): Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, Teil 30: Instandhaltung

[6] Dornbusch J., (2001): Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben, Pilotprojekt: Dichtheitsprüfung und Sanierung von Grundstücksentwässerungsleitungen auf Chemischreinigungsgrundstücken, 1. Teil, Aachen

[7] Eisener W., (2005): Die dichte Kanalisation – Auswirkungen auf die Sanierung privater Kanäle, Tagungsband, 5te Göttinger Abwassertage

[8] Engel N., (2003): Strategien und Kosten der Sanierung von öffentlichen Kanalnetzen, TAH Seminar Kanalsanierung unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit, Hannover

[9] Fiedler M., (1999): Optimierung und Umsetzung der Sanierungsplanung von Haupt- und Hausanschlußkanälen, TAH Seminar Kanalsanierungsplanung, Tagungsband, Würzburg

[10] Dohmann M. (1999): Wassergefährdung durch undichte Kanäle, Erfassung und Bewertung, Springer Verlag Berlin-Heidelberg

[11] Möllers K, (IFK Bochum), Umweltbehörde der freien und Hansestadt Hamburg (1993): Abschlußbericht zur Untersuchung der Grundstücksentwässerungsleitungen im Wasserschutzgebiet XX in Hamburg, 31 S, unveröffentlicht

[12] Rußig V., (1999): Ausgewählte Ergebnisse der Studie „EUROPARC – Der Bestand an Gebäuden in Europa“, Institut für Wirtschaftsforschung e.V. München, www.ifo.de

[13] Statistisches Jahrbuch 2003 für die Bundesrepublik Deutschland und für das Ausland, Statistisches Bundesamt, Verlag Metzler Poeschel, Stuttgart

[14] Thoma R., (2005): Instandhaltung von Grundstücksentwässerungsanlagen, Korrespondenz Abwasser 6/2005 (52), S.725-730

[15] Thoma R.; (2006): Die Vision der dichten Grundstücksentwässerung, Vortrag, Kanalisationsforum Bern

[16] Togler R., (2006): Exfiltrationen bestehender Grundstücksentwässerungsanlagen, Auswirkungen, Einflussgrößen, Mengenermittlungen, neuartige Prüfmethoden, praxisgerechte Empfehlungen, RWTH Aachen

Quelle:
Thoma, R. u.a.
Grundstücksentwässerungsanlagen mit häuslichem Abwasser- Zustand, Schäden, Exfiltration, Bodenkontamination – Gefährdungspotential ?
Tagungsunterlagen der Gemeinschaftstagung 11./12. Oktober 2006
Undichte Kanäle – (k)ein Risiko?
Frankfurt
Herausgeber: DWA
(ISBN -13: 978-3-939057-60-4)

  • In dem durchaus spannenden und nachvollziehbaren Beitrag wurde als Medianwert festgestellt, dass bei der gewählten großtechnischen Versuchsanstellung nur 0,8 l Abwasser täglich versickerten.
  • Der Medianwert im Exfiltrat ergab verschwindend geringe 4,1 mg TOC/l !
  • Um sich einen umfassenden Überblick von allen Vorträgen zum Tagungsthema zu machen, müssen natürlich alle Skripte gelesen werden.

Meine prinzipielle Folgerung:

Eine Einzelprüfung mit Wasserdruck wird ja zumeist nur dann ausgeführt, wenn die optische Inspektion keine sichtbare Undichtigkeit vermuten lässt.

Wenn schon, denn schon!

Wenn also bei einer Druckprüfung mit Wasserfüllung die Wahrscheinlichkeit bei gut 90 % liegt, dass die Grundleitungen sowieso undicht sind, dann ist die optische Inspektion als technisches Verfahren zum Dichtheitsnachweis wegen Unsicherheit ungeeignet.

Meine persönliche Meinung:

Die Inspektions-, Dichtheitsprüfungs- und Sanierungskampagne von Grundstücksleitungen entspricht wegen Unverhältnismäßigkeit in der Regel nicht dem Stand der Technik.

Nicht alles was technisch möglich ist, verdient es flächendeckend umgesetzt zu werden.

Diese Meinung teilen auch andere Kollegen und wer zudem noch analysiert, welche Bundesländer in welcher administrativen Weise mit der nur scheinbaren Gefahr umgehen, bekommt schnell mit, dass die Wahrheit in der Mitte liegt.

Eine Panik ist völlig unbegründet, denn wäre die Gefahr real, dann wäre auch zu klären, warum wir alle noch so „putz und munter“ sind, oder gibt es jemanden, dem wegen eines Loches im Hausanschlusskanal übel geworden ist?

Schließlich sind die Kanäle nicht erst seit gestern undicht.

Übrigens, zu der gleichen Tagung vor 4 Jahren ließ ein „hochkarätiger“ Redner die Katze aus dem Sack:

„Man muss heute ein Lied singen, damit die Leute anfangen zu pfeifen!“

Für mich sind solche Methoden irritierend.

Entweder es besteht eine reale Gefahr, dann muss sofort und effektiv gehandelt werden und wenn diese Gefahr nur in der Einbildung existiert, dann muss man sich fragen, was mit dieser Äußerung (wohl hinterlistig?) bezweckt werden soll.

Nichts dagegen, wenn die „Sänger“ die von ihnen verursachten Schäden und Kosten zur Lösung eines überbewerteten am Ende bezahlen können und bezahlen.

Davon ist aber wohl kaum auszugehen (vergleiche Reichholf in: Die Politik der Angst).

U. Halbach

Siehe auch




Zeitbedarf für die Verlegung relativ unabhängig vom Rohrmaterial

Der nachfolgende Artikel wurde mit freundlicher Empfehlung vom EUWID Wasser und Abwasser bereitgestellt

Zeitbedarf für die Verlegung relativ unabhängig vom Rohrmaterial

Wesentliches Einsparpotenzial ist die Verringerung der Stehzeiten

Das verwendete Material hat nur geringe Auswirkungen auf die Verlegezeit. Weitaus bedeutender ist die Länge der Rohre. Mit zunehmender Länge der Rohre nimmt die Verlegezeit deutlich ab. Zu diesem Ergebnis kam das Institut für Wasserwesen der Universität der Bundeswehr bei einer empirischen Untersuchung der „Einbauzeiten von Abwasserleitungen mit unterschiedlichen Rohrmaterialien“. Gemeinsam mit Rohrherstellern, Ingenieurbüros und Gemeinden haben die Wissenschaftler 16 Kanalisationsprojekte ausgewertet. Die Ergebnisse stellte Nikolaus Narr Anfang Februar auf de „IRO-Rohrforum“ in Oldenburg vor.

Bei Randbedingungen von einer Einbautiefe von zwei bis vier Metern und einer Rohrlänge von mindestens zwei Metern schwanken die Einbauzeiten je nach Material zwischen 2,5 Minuten pro Rohrmeter (GGG) und 3,9 min/m (Steinzeug). Lediglich glattes PVC beansprucht mit 8,9 min pro laufenden Meter deutlich mehr Zeit. Als Ursache hierfür geben die Wissenschaftler aber eine sehr sorgfältige Arbeitsweise aufgrund der Lage der Baustellen an einer Straße und an einem Bahndamm an.

Die angegebenen Zeiten beinhalten die Bettungsschicht, das eigentliche Rohrsystem (Rohrverbindung und Rohr), die Seiten- und Zwickelverfüllung sowie die Abdeckung. Die ermittelten Werte liegen deutlich unter den Arbeitszeitrichtwerten der Arbeitszeitrichtwertetabelle (ART) der DIN. So gibt die ART für Steinzeug DN 250 für das eigentliche Verlegen des Rohres einen Richtwert von 30,6 min/lfd. Meter vor. Die Bundeswehruniversität ermittelte hier lediglich 5,0 min/lfd. Meter. Für PVC gibt die ART Werte von 15,6 min/lfd. Meter (glatt) und 14,4 min/lfd. Meter (gerippt) an. Die Vergleichswerte der Forscher lauten hier 8,9 min/lfd. m und 3,8 min/lfd. Meter. Für GGG liegen die Werte bei 20,4 min/lfd. m (ART) und 2,7 min/lfd. m (Bundeswehruniversität).

Insgesamt beansprucht das eigentliche Verlegen der Rohre nur einen relativ geringen Anteil der Arbeitszeit auf der Baustelle. Die Wissenschaftler ermittelten für das Heben des Rohres in den Graben und für die Herstellung der Verbindung einen Arbeitszeitanteil von sechs Prozent an der täglichen Arbeitszeit. Die Bettung, Seitenraumverdichtung und Abdeckung schlägt mit 13 Prozent zu Buche. Der Hauptteil der Zeit entfällt auf Erdarbeiten wie den Rohrgrabenaushub mit 38 Prozent und auf die Hauptverfüllung und Verdichtung (22 Prozent). Die restlichen Arbeitszeiten gehen an Pausen (14 Prozent) und Standzeiten (sieben Prozent) verloren. Die Wissenschaftler sehen daher auch in der Optimierung des Arbeitsablaufes zur Verringerung der Stehzeiten ein wesentliches Einsparpotenzial bei den Bauunternehmen. Die Schwankungen der Rohrverlegezeit wirken sich hingegen nur geringfügig auf die Arbeitsleistung eines Tages aus.

Kontakt:

Universität der Bundeswehr,
Institut für Wasserwesen,
Werner-Heisenberg-Weg 39,
85577 Neubiberg.

Erschienen in der Zeitschrift euwid – Wasser-Abwasser 04 vom 19.02.2002

Europäischer Wirtschaftsdienst GmbH
Bleichstr. 20-22
D-76593 Gernsbach
Tel.: 0 72 24/93 97-0
Fax: 0 72 24/93 97-904
www.euwid-wasser.de
wasser@euwid.de




Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung zwischen Vorsorgeprinzip und Verhältnismäßigkeit

Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung zwischen Vorsorgeprinzip und Verhältnismäßigkeit

Exzerpt von Uwe Halbach (04.10.2005)

„...Doch ist nicht nur die Existenz dieser Stoffe für die Beurteilung des Klärschlamms maßgebend, sondern ihre Wirkungsweise in Abhängigkeit von der Konzentration, ihrer Abbaubarkeit und der Tendenz ihres Vorkommens. …

… Aus dem Vorhandensein von Schadstoffen heraus zu verlangen, ein gegebenes Nährstoffangebot nicht zu nutzen, würde in seiner Grundsätzlichkeit zum Verzicht auf jedes Düngemittel führen. Dies kann nicht sein! …

… Die Verwendung von Klärschlamm als Düngemittel wird in Brüssel nach wie vor als umweltfreundlichste Variante der Klärschlammentsorgung betrachtet. Es wird langfristig das Ziel verfolgt, in den nächsten zwanzig Jahren rund 75 Prozent der Klärschlämme für die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung nutzbar zu machen. …

… Der Schweinegülle ist es zu verdanken, dass das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) dem Konzept des benachbarten Ministeriums bis heute nicht zugestimmt hat. …

… Kann es sein, dass man sich von der Erkenntnis befruchten ließ, dass sich aus einer gewissen Monopolstellung heraus leichter kalkulieren und besser verdienen lässt? …

… Einige wollen den Klärschlamm in der Landwirtschaft grundsätzlich nicht haben. Andere sehen auch die Vorteile der landwirtschaftlichen Klärschlammnutzung und akzeptieren Einschränkungen nur unter Einhaltung ihrer Verhältnismäßigkeit. …

… Auf Basis des Vorsorgeprinzips, wonach Belastungen – ohne Berücksichtigung, ob tatsächliche Schädigungen auftreten könnten – grundsätzlich zu vermeiden oder auf ein erreichbares Mindestmaß zu beschränken sind (Meyers Neues Lexikon), können alle Aktivitäten, jedes Handeln unterbunden werden. Die Folge wäre eine Lebensqualität, die diesen Begriff nicht mehr verdient. – Im Grundgesetz ist deshalb im Rahmen des Rechtsstaatsprinzips auch das Verhältnismäßigkeitsprinzip/das Übermaßverbot festgelegt. Belastende staatliche Maßnahmen müssen für ihren Anwendungsbereich geeignet, erforderlich und angemessen sein. Einseitige Maßnahmen gegen den Klärschlamm verstellen den Blick für ganzheitliche Betrachtungen und sind nicht geeignet, die Ansprüche unserer Gesellschaft in geeigneter, nachhaltiger Weise zu definieren.“

Autor:
Prof. Dr.-Ing. E. h. Armin K. Melsa
Vorsitzender des DWA-Hauptausschusses Abfall/Klärschlamm

Quelle:
KA Abwasser/Abfall, Heft 10, 2005, Seite 1067

Weitere Literatur:

Durth, A.; u. a.
Ergebnisse der DWA-Klärschlammerhebung 2003
KA Abwasser/Abfall, Heft 10, 2005, Seite 1099

Mönicke, R.
Klärschlamm – ein dringend benötigter preisgünstiger Ergänzungsdünger
KA Abwasser/Abfall, Heft 10, 2005, Seite 1108

Gethke, K.; u. a.
Potenziale des Phosphorrecyclings aus Klärschlamm und phosphathaltigen Abfallströmen in Deutschland
KA Abwasser/Abfall, Heft 10, 2005, Seite 1114

Hanßen, H.; u.a.
Perspektiven der thermischen Klärschlammverwertung
KA Abwasser/Abfall, Heft 10, 2005, Seite 1126




Literatur – Abwassergebühren

Literatur

Quellenverweise:

[1]
Orientierungswerte für den Kostenaufwand bei der Abwasserableitung und -behandlung im Land Brandenburg
Ministerium für Umwelt Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg
Dezember 1995

[2]
Pöppinghaus; u. a.
Starkverschmutzerzuschläge
Korrespondenz Abwasser 1990, Heft 9, S. 1075/1079

[3]
Doedens, H.
Starkverschmutzerzuschläge in den Entwässerungssatzungen – Möglichkeiten und Anforderungen
Berichte der ATV Nr. 41, S. 561/578
ATV-Landesgruppentagungen-1991

[4]
Rötterink, A.
Erfahrungen aus der Praxis mit Starkverschmutzerzuschlägen
Berichte der ATV Nr. 41, S. 561/578
ATV-Landesgruppentagung-1991

[5]
Doose, U.
Ansätze zur Gestaltung der Abwassergebühr
Berichte der ATV Nr. 42, S. 312/330
ATV-Bundestagung-1992

[6]
Rott, U.; u. a.
Starkverschmutzerzuschläge – Ansatzpunkte einer neuen Bewertung
Berichte der ATV Nr. 44, S. 1003/1020
ATV-Bundestagung-1994

[7]
Brunner, G.; u.a.
Handbuch für die Umweltpraxis im Betrieb – Rechtsfragen
Verlag „Die Wirtschaft GmbH“ 1994 Berlin · München

[8]
Jahresbericht der Abfallwirtschaft 1994
Wasser & Boden; 6/1995

[9]
Rudolph, K.-U.; Gellert, M.;
„Zum Ermessensspielraum bei der Berechnung
kommunaler Abwassergebühren“
Korrespondenz Abwasser 36 ,1989, Heft 2, S. 157

[10]
Klärschlammverordnung – AbfKlärV
15. April 1992 ;BGBl I S. 912

[11]
Imhoff, K.
„Taschenbuch der Stadtentwässerung“
R. Oldenburg Verlag München
Wien 1990, 27. Auflage

[12]
Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen
Länderarbeitsgemeinschaft Wasser
München 1994

[13]
N.N.: „Lehr- und Handbuch der Abwassertechnik, Band IV: Biologisch-chemische und weitergehende Abwasserreinigung“
Wilhelm Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften, Berlin
1985, 3. überarbeitete Auflage

[14]
Stickstoff und Phosphor in den Fließgewässern -Arbeitsbericht des ATV-Fachausschusses 2.1.
Korrespondenz Abwasser
1987, Heft 11, S. 1215/1223

[15]
Riedl, G.
Muß Privatisierung wirklich sein?
Berichte der ATV – Hennef
1995, Heft 45

[16]
Wolf, P.
Prioritäten der kommunalen Abwasserbehandlung in den neuen Bundesländern unter dem Gesichtspunkt der Gewässerbeschaffenheit
Korrespondenz Abwasser
1992, Heft 9, S. 1336/1340

[17]
Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis
WEKA Fachverlag für technische Führungskräfte · Augsburg

[18]
Bierbaum, R., Halbach, U.
Wie bürgerfreundlich sind unsere „neuen“ Kommunalabgabengesetze?
Korrespondenz Abwasser
1995, Heft 10, S 1692/1698

[19]
Hollmann, H., Halbach, M.
Beitragserhebung – Ein Rettungsanker?
1996, Korrespondenz Abwasser

[20]
Verordnung über die Honorare für Leistungen der Architekten und der Ingenieure in der Fassung der Fünften Änderungs-VO
Werner-Verlag
Düsseldorf, 1995

[21]
Rügemer
Wirtschaften ohne Korruption?
Fischer Verlag
Oktober 1996

[22]
Beiträge und Gebühren in der Abwasserbeseitigung in Bayern – Stand 1983/84
Informationsberichte Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft
Mai 1984

[23]
Erläuterungen zu einem BVerwG-Urteil
Kommunale Steuer-Zeitschrift
23 (1974) 9, S. 171 – 172

[24]
Erläuterungen zu einem OVG-Urteil
Kommunale Steuer-Zeitschrift
35 (1986) 7, S. 138 -140

[25]
Hinweise zu den Bemessungsgrundlagen für Entwässerungsgebühren
ATV-Arbeitsbericht
Korrespondenz Abwasser
23 (1980) 8, S. 553 – 561

[26]
Starkverschmutzerzuschläge – Eine Frage der Politik!
Halbach, U.; Eichhorn, U.
Mitteilung des Institutes für Abwasserwirtschaft Halbach
Werdau (Sachsen) April 1996

[27]
Kruschwitz
Investitionsrechnung
Walter de Gruyter Verlag · Berlin · New York 1993

[28]
Halbach, U.
Gutachten über die Toxizität des Ablaufes der betrieblichen Kläranlage eines Lackharzbetriebes
1991

[29]
Ermittlung der von Indirekteinleitern nicht in die öffentliche Abwasseranlage eingeleiteten Wassermengen
Arbeitsbericht des ATV Fachausschusses 7.4 „Technisch-wissenschaftliche Grundlagen der Gebührenermittlung für industrielle Benutzer öffentlicher Abwasseranlagen“
Korrespondenz Abwasser 9/90 S. 1075-1079

[30]
Starkverschmutzerzuschläge
Arbeitsbericht des ATV Fachausschusses 7.4 „Technisch-wissenschaftliche Grundlagen der Gebührenermittlung für industrielle Benutzer öffentlicher Abwasseranlagen“
Korrespondenz Abwasser 9/90 S. 1075-1079

[31]
Auswertung der Umfrage über die Situation der Wasserver- und Abwasserentsorgung der Molkereien im Bundesgebiet
Verband der deutschen Milchwirtschaft e.V.

Uwe Halbach




Literaturauswertung zum HTI-Forum über Kostenmanagement bei der Abwasserentsorgung

Literaturauswertung
zum HTI-Forum über Kostenmanagement bei der Abwasserentsorgung

„…Die öffentliche Abwasserbeseitigung sei eine der wichtigsten kommunalen Aufgaben, sowohl generell für den Umweltschutz als auch insbesondere als Voraussetzung für eine geordnete Stadtentwicklung, betonte Dipl.-Ing. Kurt Wittmann, ATV-Vorsitzender in Bayern und ehemaliger Stadtdirektor von Nürnberg. Er warnte davor, Aufgaben, die der Erhaltung von kommunalen Infrastrukturen dienen, den freien Kräften des Marktes zu überlassen. Dabei würde nämlich ein privatwirtschaftliches Monopol und die Gefahr entstehen, dass die privaten Betreiber ihre Verantwortung für das Gemeinwohl nicht in dem erforderlichen Maße beachteten, wie die Städte und Gemeinden….

…Was die Finanzierung dieser Aufgaben anbelangt, plädierte Wittmann für das Prinzip des Eigenbetriebs. Er könne sich über die Abwassergebühren selbst finanzieren….“

Quelle:
Zeitschrift bi UmweltBau
Norddeutscher Wirtschaftsverlag GmbH
Heft 3/2001, Seite 41
Faluner Weg 33
24109 Kiel
Tel.: 0431/53592-0
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Der Beitrag wurde auszugsweise übernommen.

Institut für Wasserwirtschaft Halbach

Werdau, 26.06.2001




Das Risiko des Sparens ohne Augenmaß

Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen.

Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld.

Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten.

Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.“

JOHN RUSKIN
engl. Sozialreformer (1819-1900)




Wahrhaftiges – Eine Auswahl

Nachhaltige Literatur  

Eilingsfeld, Heinrich
Der sanfte Wahn
Ökologismus total
Südwestdeutsche Verlagsanstalt Mannheim
ISBN: 3-87804-195-0
(Bemerkenswert, dass das Buch schon 1989 erschien.)

Gärtner, Edgar L.
Öko-Nihilismus
Eine Kritik der Politischen Ökologie
TvR Medienverlag Jena, 2007

ISBN: 978-3-00-020598-9
(Auch sehr interessant!)

Driessen, P.K.
Öko-Imperialismus
Grüne Politik mit tödlichen Folgen
TvR Medienverlag 2006

Maxeiner; D., u.a.
Die Zukunft und ihre Feinde
Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
Eichenborn AG 2002

Maxeiner; D., u.a.
Das Mephistoprinzip
Warum es besser ist, nicht gut zu sein
Eichenborn AG 2001

Maxeiner; D., u.a.
Lexikon der Ökoirrtümer
Fakten statt Umweltmythen
Verlag: Piper; Auflage: 2 (2000)
ISBN-10: 3492228739

Maxeiner; D., u.a.
Öko-Optimismus
Rowohlt Taschenbuch Verlag
Reinbach bei Hamburg 1999

***

„Bevor Sie dieses Buch lesen, beachten Sie bitte folgenden Warnhinweis, den ich bei Goethe entdeckt habe: “ Eigentlich weiß man nur, wenn man wenig weiß. Mit dem Wissen wächst der Zweifel.“ Die Folgen der anschließenden Lektüre sind deshalb irreversibel. Wenn Sie die Gleichförmigkeit der Gedanken schätzen und gerne glauben, was alle glauben, dann sollten Sie die Deckel dieses Buches spätestens jetzt zuschlagen.“
Dirk Maxeiner

Und so heißt das Buch:

Hurra, wir retten die Welt!
Wie Politik und Medien mit der Klimaforschung umspringen
Von Dirk Maxeiner
wjs-Verlag,
Berlin 2007

Rezension: http://www.buchausgabe.de/shoproot/764item.html

Ökologische Zusammenhänge, verständlich von Prof. Reichholf  erklärt

Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch
2. Auflage 2003
Wagenbach Verlag Berlin , ISBN: 3 8031 24425

Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

Reichholf, J.H.
Der schöpferische Impuls
Eine neue Sicht der Evolution
Erstveröffentlichung 1992
Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart
ISBN: 3-421-02763-3

Reichholf, J.H.
Stabile Ungleichgewichte
Die Ökologie der Zukunft
edition unseld
SV
2008
ISBN: 978-518-26005-0

Reichholf, J.H.
Krise und Zukunft
edition unseld SV
2010

Reichholf, J.H.
Ende der Artenvielfalt
Fischer Taschenbuchverlag
2008
2010

Reichholf, J.H.
Die Zukunft der Arten. Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch
erschienen März 2005
237 Seiten, 25 Abb., Paperback
C.H. Beck Verlag, ISBN: 3406527868

(Hier beweist Prof. Reichholf u.a., wie maßlose Abwasserreinigung zur Minimierung der Artenvielfalt und Populationsdichte im und am Gewässer führt.)

Reichholf, J.H.
Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends
erschienen April 2007
S. Fischer Verlag , Frankfurt am Main
ISBN: 978-3-10-06294-5

Weitere ökologische Literatur

Streit, Bruno
Was ist Biodiversität?
Erforschung, Schutz und Wert der biologischen Vielfalt
C.H. Beck Verlag, 2007
ISBN: 978 3 406 53617 5

Steinberg, Ch.
Von Mistbienen, Haussperlingen und der EU-Wasserrahmenrichtlinie – eine
beabsichtigte Polemik
Wasser & Boden
(Sehr interessant! Habe nur eine Kopie. Das Erscheinungsjahr, Heft und Seite sind mir nicht bekannt.!)

Zur Vertiefung der Ökologie

Odum, Reichholf
Ökologie
Grundbegriffe, Verknüpfungen, Perspektive
BLV Verlagsgesellschaft München Wien Zürich
1980

c, D.; Horn, W.
Einfluß des Menschen auf die Gewässer-Ökosysteme
Sonderdruck aus „Umwelt und Mensch – Langzeitwirkungen und
Schlussfolgerungen für die Zukunft“
Band 59, Heft 5
Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, 2000

Steinberg, Ch.; u. a.
Nachhaltige Wasserwirtschaft
Entwicklung eines Bewertungs- und Prüfsystems
Initiativen zum Umweltschutz Band 36
Erich Schmidt Verlag 2002

Lampert, W. , Sommer, U.
Limnoökologie
2. überarbeitet Auflage
Georg Thieme Verlag Stuttgart New York 1999
ISBN: 3-13-786402-X

Uhlmann, D.; u. a.
Hydrobiologie der Binnengewässer
Ein Grundriß für Ingenieure und Naturwissenschaftler
Verlag Eugen Ulmer Stuttgart 2001, S. 325

Nicht nur bei Zweifel an wasserbehördliche Forderungen oder bei Widersprüchen zur Wasserrahmenrichtlinie:

Rumm, u.a.
Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie
2. Auflage
Erich Schmidt Verlag
Berlin 2006
ISBN-13: 978 3 503 090027 3


Geburt einer Ideologie:

Pseudowissenschaftliche Grundlage der politischen Ökologie bzw. des Ökologismus und seit gut 20 Jahren Basis der nationalen und internationalen Umweltgesetzgebung:

Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung:
Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation.
Frankfurt/M., 1979.

Versuch einer Relativierung

Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften setzte dem Vorsorgeunwesen zwar eine Leitlinie entgegen, die aber in der Praxis des Gewässerschutzes kaum bekannt sein dürfte und wenn schon, dann wird sie in der Regel ignoriert:

Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips
in „Die Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips“
Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
Brüssel, den 2.2.2000, KOM (2000) 1 endgültig

Hydrobiologie

Uhlmann, D.; u. a.
Hydrobiologie der Binnengewässer
Ein Grundriß für Ingenieure und Naturwissenschaftler
Verlag Eugen Ulmer Stuttgart 2001, S. 325

Besch, W. K.; u. a.
Limnologie für die Praxis
Grundlagen des Gewässerschutzes
3. Auflage
1984 ecomed Fachverlag

Schworebel, J.
Einführung in die Limnologie
5. Auflage 1984
Gustav Fischer
ISBN 3-437-20320-7

Glawion, R.; u. a.
Seenrestaurierung – Eine Übersicht über interne Maßnahmen in stehenden
Gewässern zur Reduzierung des Nährstoffgehaltes und zur Erhöhung des
Sauerstoffgehaltes
Institut für Physische Geographie Albert-Ludwig-Universität

Röske, I.; u. a.
Die Nährstoffelimination bei der Behandlung häuslicher Abwässer aus der
Sicht der Wasserbeschaffenheit
Wasser-Kalender 2000
34. Jahrgang
Erich-Schmidt-Verlag

Röske/Uhlmann
Biologie der Wasser- und Abwasserbehandlung
2005, 235 S., 114 Grafiken, 24 Tab.,
Paperback, Bestell-Nr.: 570 830 3

Uhlmann, D.; Horn, W.
Einfluß des Menschen auf die Gewässer-Ökosysteme
Sonderdruck aus „Umwelt und Mensch – Langzeitwirkungen und Schlussfolgerungen für die Zukunft“
Band 59, Heft 5
Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, 2000

Ulrich
Hydrologie und Wasserwirtschaft
Eine Einführung für Ingenieure
5. überarb. u. erw. Aufl. 2005,
666 S., 237 Abb., Hardcover
Bestell-Nr. 522 009 1




Literaturquellen zum Thema "Privatisierung"

„Wenn der Privatisierer kommt…“
von Dr. Werner Rügemayer
Druckhaus Dresden, Bärensteiner Str. 30, 01277 Dresden
2002

„Privatiserungsdogma widerspricht Sozialer Marktwirtschaft“
von Prof. Dr. Peter Eichhorn, u. a.
aus „Beiträge zur öffentlichen Wirtschaft“
Gesellschaft für öffentliche Wirtschaft e. V.
1994
ISBN 3-928615-02-5


„Abwasserentsorgung aus kommunaler Sicht“

von Turgut Pencereci, Geschäftsführer des Landesverbandtages Brandenburg
Beiträge von der SPD Landtagsfraktion Brandenburg
Mail: post@lt-spd-fraktion.brandenburg.de

„Wasser und Abwasser in privater Hand – Irrweg oder reale Alternative?“
von Birgit Korth, u. a.
Druckerei Hans Gieselmann, Bergholz-Rehbrücke
2001

„Es ist UNSER Wasser – Die Privatisierung / Liberalisierung der Wasserwirtschaft.“
von Michael Bender, Koordinator des DNR-Gesprächskreises Wasser und des Netzwerkes UNSER Wasser
Beiträge von der SPD Landtagsfraktion Brandenburg
Mail: post@lt-spd-fraktion.brandenburg.de

„Wasserversorgung nicht zerreden – Privatisierung zwischen Interessenpolitik und Ideologie / Privater Markt oder öffentliche Verantwortung in der Wasserwirtschaft.“
von Dr. Hanno Hames (aus seiner Referat), Geschäftsführer der Hamburger Wasserwerke GmbH
Beiträge von der SPD Landtagsfraktion Brandenburg
Mail: post@lt-spd-fraktion.brandenburg.de

„Trinkwasser und Abwasser in privater Hand – Positionen der kommunalen Entsorgungswirtschaft“
von Dipl.-Ing. Eberhard Walter, Geschäftsführer der Stadtwerke Cottbus GmbH
Beiträge von der SPD Landtagsfraktion Brandenburg
Mail: post@lt-spd-fraktion.brandenburg.de

„Abwasserentsorgung aus kommunaler Sicht.“
von Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg
Beiträge von der SPD Landtagsfraktion Brandenburg
Mail: post@lt-spd-fraktion.brandenburg.de

„Privatisierung der kommunalen Abwasserentsorgung – Ja oder Nein?“
von Dipl.-Volkswirt Wilfried Steinheuer
eine Information des Bundesumweltministers

„Öffentlich oder Privat? – Wasser und Abwasser in der Kontroverse“

von Dipl. oec. Uwe Witt
DRUCK-TEAM, Hannover
1993

„Zur wasserrechtlichen Zulässigkeit der Beseitigung gewerblicher Abwässer durch Dritte“
von P. Nisipeanu, Essen
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser
Ausgabe 6 / 1992

„Private Betreiberfirmen“
von Assessor jur. Arnold von Bosse, Stralsund
aus der Zeitschrift WWT, Ausgabe 2 / 1993

„Das Kooperationsmodell – Vorteile und Gefahren“
von Assessor jur. Arnold von Bosse, Stralsund, u. a.
aus der Zeitschrift WWT , Ausgabe 2 / 1995

„Privatisierung der Abwasserbeseitigung im Zwielicht“
von Dipl.-Ing. (FH); Dipl.-Ök. Uwe Halbach
aus der Zeitschrift Beratende Ingenieure, Ausgabe Mai / 2002

„Finanzierung ist nicht erstes Kriterium bei der Privatisierung“
von Jochen Walter, Geschäftsbereichsleiter Öffentliche Kunden, Westdeutsche Landesbank Girozentrale Münster
aus der Zeitschrift WAP, Ausgabe 1 / 2000

„Schritte zur Verwirklichung eines Eigenbetriebes für Abwasseranlagen“
von Lutz Altenwerth, Ludwigshafen
aus der Zeitschrift awt, Ausgabe 1 / 1997

„Private Finanzierung Öffentlicher Investitionen“

von einer Arbeitsgruppe
aus der Zeitschrift BBauBI, Ausgabe 4 / 1997

„Vom Abwasserbetrieb zum Eigenbetrieb – Beispiel Erftstadt“
von CHRIST, Erftstadt
aus der Zeitschrift WWT, Ausgabe 1 / 2000

„Privatisierung in der Wasserwirtschaft“
von Petra Darkow, Regierungsdirektorin
aus der Zeitschrift WWT, Ausgabe 6 / 1999

„Die Kommunen müssen eine am Gemeinwohl orientierte Abwasserentsorgung umsetzen“

von A. Schoch, Stuttgart
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996

„Wasser und Abwasser: Der Privatisierungsdruck nimmt zu“
von Thomas Ellwein
aus der Zeitschrift GWF, Ausgabe 4 / 1996

„Privatisierung der gewerblichen Abfallentsorgung“
von Wolfgang Goldbach, Hannover
aus der Zeitschrift up, Ausgabe 3 / 2000

„Teilprivatisierung der Berliner Wasser Betriebe“
anonym
aus der Zeitschrift KA, Ausgabe 4 / 2000

„Privatisierung öffentlicher Aufgaben und Kommunalabgabenrecht – das Beispiel Abwasserentsorgung“
von RA Turgut Pencereci
aus der Zeitschrift Nord OR, Ausgabe 7-8 / 1998

„Privatisierung der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung?“
von S. Schönauer, Rothenbuch
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996

„Private Finanzierung öffentlicher Infrastrukturinvestitionen“
von B. Schwarz, Hennef
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996

„Rechtsprobleme der Privatisierung in der Wasser- und Entsorgungswirtschaft“
anonym
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 10 / 1995

„Kommunalabgabenrechtliche Probleme“
von Assessor jur. Arnold von Bosse, u. a.
aus der Zeitschrift WWT, Ausgabe 1 / 1996

„Privatisierung in der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung“

von Jörg Kuhbier
aus der Zeitschrift gwf, Ausgabe 4 / 1996

„Ist die Privatisierung der kommunalen Entsorgung sinnvoll?“
Symposium des Handelsblatt in Freising/Oberbayern
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 5 / 1995

„Betreibermodelle und Bauinvestitionscontrolling bei kommunaler Abwasserreinigungsanlagen“

von G. Drees, u. a.
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 9 / 1995

„Rechtsprobleme der Privatisierung in der Wasser- und Entsorgungswirtschaft“

von B. Moll
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 10 /1995, S. 1720/1727

„Rostocker Modell – Privatisierungsbeispiel in Mecklenburg-Vorpommern“
von R. Baumgarten
aus der Zeitschrift awt, Ausgabe 5 / 1995, S. 74/75

„Abfall- und Abwasserentsorgung – Hoheitliche oder gewerbliche Bestätigung der Kommunen? Trends – Meinungen“
von A. Rygol-Dorn
aus der Zeitschrift awt, Ausgabe 4 / 1994

„Wasser als Wirtschaftsgut: Ursachen und Folgen der Privatisierung der britischen Wasserindustrie.“

von R.A. Kramer
aus der Zeitschrift gwf – Ausgabe Wasser / Abwasser 1995, S. XI

„Maßnahmen gegen die Kostenexplosion in der Abwasserbeseitigung unter Berücksichtigung der Privatisierung.“

von G. Landsberg
aus der Zeitschrift gwf – Ausgabe Wasser / Abwasser 1995, S. IX

„Privatisierung kommunaler Dienstleistungen bei der Abwasserbeseitigung.“
von W. Kaufhold
aus der Zeitschrift gwf – Ausgabe Wasser / Abwasser 1994, S. X

„Privatisierung der kommunalen Abwasserentsorgung – Ja oder Nein?“

von W. Steinheuer
Bundesumweltministerium, 1995, S. 1/36

„Organisationsformen der Privatisierung der kommunalen Abwasserbehandlung.“
von R. Scholl
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996, S. 211/217

„Privatisierung der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung?“
von S. Schönauer
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996, S. 227/230

„Privatisierung in der Abwasserwirtschaft“

von R.Steenbock
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996, S. 231/235

„Vorteile und Kostensenkungspotentiale durch privatwirtschaftliche Organisationsformen“
von J. Kern, u. a.
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996, S. 236/243

Kooperationsmodell Stadtentwässerung Schwerte GmbH – Teilhoheitsmodell“
von R. Rehling
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996, S. 259/261

„Abwasser- und Abfallwirtschaft – Umweltschutz im Wandel“

anonym
Gesellschaft zur Förderung der Abwassertechnik e. V., Ausgabe 44 / 1994

„Privatisierung in der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung zur Organisationsfreiheit der Gemeinden und zur Vertragsgestaltung mit privaten Partnern.“

von J. Kuhbier
aus der Zeitschrift gwf, Ausgabe 4 / 1996, S. 180/186

„Wasser und Abwasser: Der Privatisierungsdruck nimmt zu.“
von Th. Ellwein
aus der Zeitschrift gwf, Ausgabe 4 / 1996, S. 187/191

„Privatisierung der Stadtentwässerung Goslar: Vom Regiebetrieb zur GmbH im Kooperationsmodell“

von H.-J. Hütker
aus der Zeitschrift wlb, Ausgabe 5 / 1996, S. 36/38

„Umweltpolitik – Kosten – und Abgabenminimierung in der kommunalen Abwasserentsorgung“

von R. Schröder, u. a.
aus der Zeitschrift wlb, Ausgabe 1 / 1996

„Grundsätze für die Privatisierung der Abwasserbeseitigung (insbesondere für die neuen Bundesländer)“

vom ATV-Fachausschuss
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser (ATV-Arbeitsbericht), Ausgabe 5 / 1991, S. 643/644

„Privatwirtschaftliche Strukturen bei der Abwasserbeseitigung“
vom ATV-Fachausschuss
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser (ATV-Arbeitsbericht), Ausgabe 8 / 1995, S. 1382/1385

„Neue Wege: Die Wasserwirtschaft der neuen Bundesländer“

von P. Scherer
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 3 / 1997, S. 22/23

„Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH“
von P. Röhr
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 6 / 1995, S. 21/23

„Wegweiser für Kommunen: Neue Formen der Abwasserentsorgung – was muss vor dem Vertrag geklärt sein?“

von S. Wellmann
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 4 / 1997, S. 12/13

„Ostenüberlegung zur Privatisierung von Kanalnetzen“

von K. Bellefontaine
aus der Zeitschrift awt, Ausgabe 1 / 1998, S. 37/40

„6. WHG-Novelle (I): Privatisierung der Abwasserbeseitigung“
von P. Darkow
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 2 / 1998, S. 19/20

„Privatisierung in Potsdam“
von P. Röhr
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 1 / 1998, S. 22/23

„Privatisierungsprogramm 1992 für den Freistaat Sachsen“
von H. Eggert
Sächs. Staatsministerium des Innern, Ausgabe 1992, S. 1/9

„Gibt es Konzepte gegen die steigenden Kosten?“

von M. Beckereit
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 6 / 1998, S. 4/5

„Kleinstadtsorgen – Abwasserentsorgung im ländlichen Baden-Württemberg“

von H. Schmautz
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1999, S. 158/161

„Die Entwicklung zum modernen Dienstleistungsunternehmen – Privatisierung der kommunalen Abwasserentsorgung in Bremen.“
von A. Behr, u. a.
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 6 / 1999, S. 973/977

„Privatisierung in der Wasserwirtschaft“
von P. Darkow
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 6 / 1999, S. 41/43

„Mehr Kosteneffizienz im Kanal“
von K.-U. Rudolph
aus der Zeitschrift Entsorga-Magazin, Ausgabe 11 / 1999, S. 34/41

„Finanzierung ist nicht erstes Kriterium bei der Privatisierung“
von J. Walter
aus der Zeitschrift Wasser-Abwasser Praxis, Ausgabe 1 / 2000, S. 2

„Abwasserbetrieb in Essen privatisiert“
von H.-W. Froitzheim
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 1 / 2000, S. 32/34

„Privatisierung – Ausschreibung und Vergabe, Erlöse und Erträge.“
vom ATV-Ausschuss
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser (ATV-Arbeitsbericht), Ausgabe 4 / 2000, S. 576/579

„Eine „Optimierungskampagne“ für die kommunale Wasserwirtschaft als Alternative zur Privatisierung und „Liberalisierung“ des „Wassermarktes“
von N. Geiler, u. a.
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 11 / 2000, Ausgabe 11 / 2000, S. 1678/1682

„Umweltaspekte der Privatisierung“
von N. Andritschke
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 1 / 2001, S. 42

„Kostenmanagement bei der Abwasserentsorgung“
von Hermann
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 3 / 2001, S. 8

„Privatisierung der Abwasserbeseitigung“

von P. Nisipeanu, u. a.
Parey Buchverlag im Blackwell Wirtschafts-Verlag GmbH, 1997, 1. Auflage

„Wasserwirtschaft – nachhaltige Daseinsvorsorge und Verbraucherschutz“

von M. Dzienian-Barta
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 1 / 2002, S. 16/19

„Privatisierung gleich Einsparung. So die einfache Rechnung!“
23.02.2003
von Ines Klein
aus der Zeitschrift Thüringer Allgemeine

„Deutlich weniger Einmischung von staatlicher Seite. Dafür mehr privates Engagement.“

 

„Im Visier der Unternehmer sind Dienstleistungsanbieter, die unter dem Deckmantel ihrer kommunalen Betreiber wirtschaften. Stark subventioniert und oft genug unrentabel, so die landläufige Meinung.“




Literaturquellen zum Thema „Privatisierung“

„Wenn der Privatisierer kommt…“
von Dr. Werner Rügemayer
Druckhaus Dresden, Bärensteiner Str. 30, 01277 Dresden
2002

„Privatiserungsdogma widerspricht Sozialer Marktwirtschaft“
von Prof. Dr. Peter Eichhorn, u. a.
aus „Beiträge zur öffentlichen Wirtschaft“
Gesellschaft für öffentliche Wirtschaft e. V.
1994
ISBN 3-928615-02-5


„Abwasserentsorgung aus kommunaler Sicht“

von Turgut Pencereci, Geschäftsführer des Landesverbandtages Brandenburg
Beiträge von der SPD Landtagsfraktion Brandenburg
Mail: post@lt-spd-fraktion.brandenburg.de

„Wasser und Abwasser in privater Hand – Irrweg oder reale Alternative?“
von Birgit Korth, u. a.
Druckerei Hans Gieselmann, Bergholz-Rehbrücke
2001

„Es ist UNSER Wasser – Die Privatisierung / Liberalisierung der Wasserwirtschaft.“
von Michael Bender, Koordinator des DNR-Gesprächskreises Wasser und des Netzwerkes UNSER Wasser
Beiträge von der SPD Landtagsfraktion Brandenburg
Mail: post@lt-spd-fraktion.brandenburg.de

„Wasserversorgung nicht zerreden – Privatisierung zwischen Interessenpolitik und Ideologie / Privater Markt oder öffentliche Verantwortung in der Wasserwirtschaft.“
von Dr. Hanno Hames (aus seiner Referat), Geschäftsführer der Hamburger Wasserwerke GmbH
Beiträge von der SPD Landtagsfraktion Brandenburg
Mail: post@lt-spd-fraktion.brandenburg.de

„Trinkwasser und Abwasser in privater Hand – Positionen der kommunalen Entsorgungswirtschaft“
von Dipl.-Ing. Eberhard Walter, Geschäftsführer der Stadtwerke Cottbus GmbH
Beiträge von der SPD Landtagsfraktion Brandenburg
Mail: post@lt-spd-fraktion.brandenburg.de

„Abwasserentsorgung aus kommunaler Sicht.“
von Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg
Beiträge von der SPD Landtagsfraktion Brandenburg
Mail: post@lt-spd-fraktion.brandenburg.de

„Privatisierung der kommunalen Abwasserentsorgung – Ja oder Nein?“
von Dipl.-Volkswirt Wilfried Steinheuer
eine Information des Bundesumweltministers

„Öffentlich oder Privat? – Wasser und Abwasser in der Kontroverse“

von Dipl. oec. Uwe Witt
DRUCK-TEAM, Hannover
1993

„Zur wasserrechtlichen Zulässigkeit der Beseitigung gewerblicher Abwässer durch Dritte“
von P. Nisipeanu, Essen
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser
Ausgabe 6 / 1992

„Private Betreiberfirmen“
von Assessor jur. Arnold von Bosse, Stralsund
aus der Zeitschrift WWT, Ausgabe 2 / 1993

„Das Kooperationsmodell – Vorteile und Gefahren“
von Assessor jur. Arnold von Bosse, Stralsund, u. a.
aus der Zeitschrift WWT , Ausgabe 2 / 1995

„Privatisierung der Abwasserbeseitigung im Zwielicht“
von Dipl.-Ing. (FH); Dipl.-Ök. Uwe Halbach
aus der Zeitschrift Beratende Ingenieure, Ausgabe Mai / 2002

„Finanzierung ist nicht erstes Kriterium bei der Privatisierung“
von Jochen Walter, Geschäftsbereichsleiter Öffentliche Kunden, Westdeutsche Landesbank Girozentrale Münster
aus der Zeitschrift WAP, Ausgabe 1 / 2000

„Schritte zur Verwirklichung eines Eigenbetriebes für Abwasseranlagen“
von Lutz Altenwerth, Ludwigshafen
aus der Zeitschrift awt, Ausgabe 1 / 1997

„Private Finanzierung Öffentlicher Investitionen“

von einer Arbeitsgruppe
aus der Zeitschrift BBauBI, Ausgabe 4 / 1997

„Vom Abwasserbetrieb zum Eigenbetrieb – Beispiel Erftstadt“
von CHRIST, Erftstadt
aus der Zeitschrift WWT, Ausgabe 1 / 2000

„Privatisierung in der Wasserwirtschaft“
von Petra Darkow, Regierungsdirektorin
aus der Zeitschrift WWT, Ausgabe 6 / 1999

„Die Kommunen müssen eine am Gemeinwohl orientierte Abwasserentsorgung umsetzen“

von A. Schoch, Stuttgart
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996

„Wasser und Abwasser: Der Privatisierungsdruck nimmt zu“
von Thomas Ellwein
aus der Zeitschrift GWF, Ausgabe 4 / 1996

„Privatisierung der gewerblichen Abfallentsorgung“
von Wolfgang Goldbach, Hannover
aus der Zeitschrift up, Ausgabe 3 / 2000

„Teilprivatisierung der Berliner Wasser Betriebe“
anonym
aus der Zeitschrift KA, Ausgabe 4 / 2000

„Privatisierung öffentlicher Aufgaben und Kommunalabgabenrecht – das Beispiel Abwasserentsorgung“
von RA Turgut Pencereci
aus der Zeitschrift Nord OR, Ausgabe 7-8 / 1998

„Privatisierung der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung?“
von S. Schönauer, Rothenbuch
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996

„Private Finanzierung öffentlicher Infrastrukturinvestitionen“
von B. Schwarz, Hennef
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996

„Rechtsprobleme der Privatisierung in der Wasser- und Entsorgungswirtschaft“
anonym
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 10 / 1995

„Kommunalabgabenrechtliche Probleme“
von Assessor jur. Arnold von Bosse, u. a.
aus der Zeitschrift WWT, Ausgabe 1 / 1996

„Privatisierung in der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung“

von Jörg Kuhbier
aus der Zeitschrift gwf, Ausgabe 4 / 1996

„Ist die Privatisierung der kommunalen Entsorgung sinnvoll?“
Symposium des Handelsblatt in Freising/Oberbayern
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 5 / 1995

„Betreibermodelle und Bauinvestitionscontrolling bei kommunaler Abwasserreinigungsanlagen“

von G. Drees, u. a.
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 9 / 1995

„Rechtsprobleme der Privatisierung in der Wasser- und Entsorgungswirtschaft“

von B. Moll
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 10 /1995, S. 1720/1727

„Rostocker Modell – Privatisierungsbeispiel in Mecklenburg-Vorpommern“
von R. Baumgarten
aus der Zeitschrift awt, Ausgabe 5 / 1995, S. 74/75

„Abfall- und Abwasserentsorgung – Hoheitliche oder gewerbliche Bestätigung der Kommunen? Trends – Meinungen“
von A. Rygol-Dorn
aus der Zeitschrift awt, Ausgabe 4 / 1994

„Wasser als Wirtschaftsgut: Ursachen und Folgen der Privatisierung der britischen Wasserindustrie.“

von R.A. Kramer
aus der Zeitschrift gwf – Ausgabe Wasser / Abwasser 1995, S. XI

„Maßnahmen gegen die Kostenexplosion in der Abwasserbeseitigung unter Berücksichtigung der Privatisierung.“

von G. Landsberg
aus der Zeitschrift gwf – Ausgabe Wasser / Abwasser 1995, S. IX

„Privatisierung kommunaler Dienstleistungen bei der Abwasserbeseitigung.“
von W. Kaufhold
aus der Zeitschrift gwf – Ausgabe Wasser / Abwasser 1994, S. X

„Privatisierung der kommunalen Abwasserentsorgung – Ja oder Nein?“

von W. Steinheuer
Bundesumweltministerium, 1995, S. 1/36

„Organisationsformen der Privatisierung der kommunalen Abwasserbehandlung.“
von R. Scholl
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996, S. 211/217

„Privatisierung der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung?“
von S. Schönauer
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996, S. 227/230

„Privatisierung in der Abwasserwirtschaft“

von R.Steenbock
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996, S. 231/235

„Vorteile und Kostensenkungspotentiale durch privatwirtschaftliche Organisationsformen“
von J. Kern, u. a.
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996, S. 236/243

Kooperationsmodell Stadtentwässerung Schwerte GmbH – Teilhoheitsmodell“
von R. Rehling
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1996, S. 259/261

„Abwasser- und Abfallwirtschaft – Umweltschutz im Wandel“

anonym
Gesellschaft zur Förderung der Abwassertechnik e. V., Ausgabe 44 / 1994

„Privatisierung in der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung zur Organisationsfreiheit der Gemeinden und zur Vertragsgestaltung mit privaten Partnern.“

von J. Kuhbier
aus der Zeitschrift gwf, Ausgabe 4 / 1996, S. 180/186

„Wasser und Abwasser: Der Privatisierungsdruck nimmt zu.“
von Th. Ellwein
aus der Zeitschrift gwf, Ausgabe 4 / 1996, S. 187/191

„Privatisierung der Stadtentwässerung Goslar: Vom Regiebetrieb zur GmbH im Kooperationsmodell“

von H.-J. Hütker
aus der Zeitschrift wlb, Ausgabe 5 / 1996, S. 36/38

„Umweltpolitik – Kosten – und Abgabenminimierung in der kommunalen Abwasserentsorgung“

von R. Schröder, u. a.
aus der Zeitschrift wlb, Ausgabe 1 / 1996

„Grundsätze für die Privatisierung der Abwasserbeseitigung (insbesondere für die neuen Bundesländer)“

vom ATV-Fachausschuss
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser (ATV-Arbeitsbericht), Ausgabe 5 / 1991, S. 643/644

„Privatwirtschaftliche Strukturen bei der Abwasserbeseitigung“
vom ATV-Fachausschuss
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser (ATV-Arbeitsbericht), Ausgabe 8 / 1995, S. 1382/1385

„Neue Wege: Die Wasserwirtschaft der neuen Bundesländer“

von P. Scherer
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 3 / 1997, S. 22/23

„Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH“
von P. Röhr
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 6 / 1995, S. 21/23

„Wegweiser für Kommunen: Neue Formen der Abwasserentsorgung – was muss vor dem Vertrag geklärt sein?“

von S. Wellmann
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 4 / 1997, S. 12/13

„Ostenüberlegung zur Privatisierung von Kanalnetzen“

von K. Bellefontaine
aus der Zeitschrift awt, Ausgabe 1 / 1998, S. 37/40

„6. WHG-Novelle (I): Privatisierung der Abwasserbeseitigung“
von P. Darkow
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 2 / 1998, S. 19/20

„Privatisierung in Potsdam“
von P. Röhr
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 1 / 1998, S. 22/23

„Privatisierungsprogramm 1992 für den Freistaat Sachsen“
von H. Eggert
Sächs. Staatsministerium des Innern, Ausgabe 1992, S. 1/9

„Gibt es Konzepte gegen die steigenden Kosten?“

von M. Beckereit
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 6 / 1998, S. 4/5

„Kleinstadtsorgen – Abwasserentsorgung im ländlichen Baden-Württemberg“

von H. Schmautz
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 2 / 1999, S. 158/161

„Die Entwicklung zum modernen Dienstleistungsunternehmen – Privatisierung der kommunalen Abwasserentsorgung in Bremen.“
von A. Behr, u. a.
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 6 / 1999, S. 973/977

„Privatisierung in der Wasserwirtschaft“
von P. Darkow
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 6 / 1999, S. 41/43

„Mehr Kosteneffizienz im Kanal“
von K.-U. Rudolph
aus der Zeitschrift Entsorga-Magazin, Ausgabe 11 / 1999, S. 34/41

„Finanzierung ist nicht erstes Kriterium bei der Privatisierung“
von J. Walter
aus der Zeitschrift Wasser-Abwasser Praxis, Ausgabe 1 / 2000, S. 2

„Abwasserbetrieb in Essen privatisiert“
von H.-W. Froitzheim
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 1 / 2000, S. 32/34

„Privatisierung – Ausschreibung und Vergabe, Erlöse und Erträge.“
vom ATV-Ausschuss
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser (ATV-Arbeitsbericht), Ausgabe 4 / 2000, S. 576/579

„Eine „Optimierungskampagne“ für die kommunale Wasserwirtschaft als Alternative zur Privatisierung und „Liberalisierung“ des „Wassermarktes“
von N. Geiler, u. a.
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 11 / 2000, Ausgabe 11 / 2000, S. 1678/1682

„Umweltaspekte der Privatisierung“
von N. Andritschke
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 1 / 2001, S. 42

„Kostenmanagement bei der Abwasserentsorgung“
von Hermann
aus der Zeitschrift wwt, Ausgabe 3 / 2001, S. 8

„Privatisierung der Abwasserbeseitigung“

von P. Nisipeanu, u. a.
Parey Buchverlag im Blackwell Wirtschafts-Verlag GmbH, 1997, 1. Auflage

„Wasserwirtschaft – nachhaltige Daseinsvorsorge und Verbraucherschutz“

von M. Dzienian-Barta
aus der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Ausgabe 1 / 2002, S. 16/19

„Privatisierung gleich Einsparung. So die einfache Rechnung!“
23.02.2003
von Ines Klein
aus der Zeitschrift Thüringer Allgemeine

„Deutlich weniger Einmischung von staatlicher Seite. Dafür mehr privates Engagement.“

„Im Visier der Unternehmer sind Dienstleistungsanbieter, die unter dem Deckmantel ihrer kommunalen Betreiber wirtschaften. Stark subventioniert und oft genug unrentabel, so die landläufige Meinung.“




Sind Public-Private-Partnership-Projekte (PPP) auch Wölfe im Schafspelz?

Internetrecherche „Public-Private-Partnership-Projekte (PPP)“
(03.03.2003)
Auszüge und Zitate

Sind Public-Private-Partnership-Projekte (PPP) auch Wölfe im Schafspelz?

Die Kommunen werden in Deutschland wirklich arg gestresst. Alle Reserven der Marktgestaltung werden erschlossen und die entsprechenden Unternehmen versuchen mit allen Mitteln auf den Markt und an das kommunale Eigentum zu gelangen. Erst war Cross-Border-Leasing ein neues Fremdwort und nun sind es Public-Private-Partnership-Projekte, die unsere „unwissenden“ Kommunen den Weg zur Erleuchtung zeigen sollen.
Auch hier gilt: Dinge, die der Bürger nicht versteht, sollte man auch nicht fördern und Lessing würde zu der Lerche sagen: „Schwingst Du Dich nur deshalb so hoch, weil Du Angst hast verstanden zu werden?“

Erstens: Public-Private-Partnership-Projekte (PPP) haben wir in Deutschland schon lange. Public-Private-Partnership-Projekte sind eine uralte Sache neu aufpoliert.
Zweitens: Jede Privatisierung oder jede Beratung ist letztlich auch ein Public-Private-Partnership-Projekt. Ein Planungsbüro, das Dienstleistungen für eine Kommune erbringt,  stellt seine privaten Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Dienst einer Kommune und praktiziert Public-Private-Partnership.

Eurawasser als bedeutendes Privatisierungsunternehmen versteht z.B. unter Public-Private-Partnership:

„Public-Private-Partnership liegt im Trend. Immer mehr Kommunen übertragen privaten Dienstleistern die Verantwortung für die Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung.“

Quelle: Eurawasser

Das Cross-Border-Leasing (CBL) ist auch ein Public-Private-Partnership-Projekt, denn es geht beim CBL hier um die Überwindung der Finanzknappheit der öffentlichen Hand durch Einbindung privater Investoren. Public-Private-Partnership-Projekte sind auch ganz simple Trojanische Pferde (http://www.methode.de/st/st/stst2.htm) prall gefüllt mit Beratern, die es mittelbar oder unmittelbar auf das kommunale – angeblich so erbärmlich wertlose – Eigentum abgesehen haben. Sie wiehern im Chor mit Machern „überredeter“ Obrigkeit laut vor der Stadtmauern und lauern nur darauf, dass die Bürger die gar so schönen Holzrösser in die Stadt hineinziehen. Unklar wie der Sachverständigenrat etwas in seinem Gutachten empfehlen kann. Folgen die noch nicht privatisierungsgeschädigten Kommunen nämlich diesem Ratschlag, dann werden sie vom Regen unter die Traufe gestellt. Für die anderen ist es sowieso zu spät. Bei allem Verständnis für die schwierige und besondere Situation in Deutschland – ein Land mit dem man sich identifizieren möchte – weil man hier lebt – kommt bei mir zunehmend der Verdacht auf, dass einflussreiche Teile des Staates sich geradezu extrem destruktiv gegen eigene Bürger, gegen die Kommunen und sogar gegen die Unternehmen verhält. Hier sind die Unternehmen gefährdet, die Wasser für die Produktion benötigen und/oder die Abwasser produzieren. An den Schutz dieser Wirtschaft vor den modernen Experimenten mancher Politiker scheint komischerweise kein Mensch zu denken. Ein wenig mehr Schutz der Bürger und des kommunalen Eigentums wäre auch von staatlicher Seite erfrischend und aufmunternd. Wer nicht weiß, wie es geht: Bayern scheint es – was die Privatisierung der Wasserversorgung betrifft – uns vorzumachen. Anderes kann und will ich nicht beurteilen. Das aber der Staat die Stadtmauern der Kommune gegen den Feind freiwillig öffnen muss, das will mir nicht einleuchten. Teile des Staates scheinen sich hier wieder einmal vom Volk zu verselbständigen. Das soll keine pauschale Verurteilung sein, denn es ist eine Tatsache, dass viele Staatsangestellten, Beamte und behördliche Mitarbeiter mit dieser Entwicklung nicht einverstanden sind. Sie halten, soweit sie ihren Arbeitsplatz nicht gefährden – auch dagegen.

Im Folgenden Auszüge aus der Presse und dem Internet.

Uwe Halbach
28.2.2003

Allgemein

Public Private Partnership (PPP) im Zusammenhang mit der zivilen Konversion militärischer Liegenschaften von Dr. Borries, ARGE KomKon.

Trotz z. T. erheblicher finanzieller Hilfen („Konvermittel“) des Bundes bzw. der Länder in Millionenhöhe waren viele Konversionsmaßnahmen jedoch zum Scheitern verurteilt, weil es oft gar nicht zum erwünschten „PPP-Effekt“ kam.

Begriffsdefinition Public-Private-Partnership (PPP)

Der englische Begriff trifft im Deutschen nicht ganz den Kernpunkt, der mit der Bezeichnung „Public-Private-Partnership“ (Abkürzung: PPP) vor allem gemeint ist, nämlich die Zusammenarbeit zwischen staatlicher Verwaltung und Privatunternehmen zur einvernehmlichen Problemlösung, z. B. bei der zivilen Konversion ehemaliger militärischer Liegenschaften. Während das englische Wort „public“ tatsächlich auch die staatliche Verwaltung meint, wozu aber noch mehr „administration“ passen würde, wird man im Deutschen eher an Öffentlichkeitsarbeit und nicht an staatliche Dienststellen erinnert, wenn von „Publizistik“ oder „publikmachen“ die Rede ist. Andererseits wird man den Begriff „Administration-Private-Partnership“ kaum mehr populär machen können, weil „PPP“ mittlerweile ein gängiges Kürzel ist. Nebenbei werden aber viele unterschiedliche Vorstellungen, Konzepte und Ziele mit „PPP“ verbunden:

  1. Deregulierung: also ein Beitrag zur Entstaatlichung
  2. Verlagerung von öffentlichen Aufgaben in den privaten *Bereich hinein, nach dem Prinzip „mehr Markt, weniger Staat“
  3. Stärkung der Verantwortlichkeit des privaten Sektors für das Gemeinwohl
  4. Überwindung der Finanzknappheit der öffentlichen Hand durch Einbindung privater Investoren
  5. Vertragliche Zusammenarbeit staatlicher Stellen mit Privatunternehmen
  6. Kooperation von Wirtschaft und Staat ohne bürokratische Hemmschwellen

Quelle: www.kas.de

Der Sachverständigenrat rät:

Statt einer Liberalisierung beziehungsweise Privatisierung empfiehlt der Sachverständigenrat die Prüfung anderer Möglichkeiten der Effizienzsteigerung. Als Beispiele nennen die Gutachter die Einführung verpflichtender Benchmarkingprozesse, eine verstärkte Kooperation zwischen den öffentlichen Wasserversorgern sowie einen verstärkten Übergang zu privatrechtlichen Organisationsformen. Explizit nennen sie in diesem Zusammenhang Public-Private-Partnership-Modelle.

Quelle: Institut für Wasserwirtschaft Halbach

Public-Private-Partnership – eine fragwürdige Alternative zur Privatisierung!

Flops in Kanada – Wollen wir sie wirklich importieren?

„…Ein Preis des Jahres 1999 ging an das Projekt Highway 407. Diese Autobahn wurde 1999 für 3,1 Milliarden Dollar an einen privaten Träger verkauft, die Mautgebühren sollten um nicht mehr als zwei Prozent jährlich steigen. Doch inzwischen sind sie um etwa 50 Prozent gestiegen. Billig-Tarife außerhalb des Berufsverkehrs wurden gestrichen. Autofahrer wurden für Fahrten zur Kasse gebeten, die sie nie gemacht hatten; ihre Führerscheine wurden daraufhin nicht erneuert. Die Provinzbehörde wird weiter zum Geldeintreiben eingespannt; aber von den dafür eingezogenen Gebühren von 30 Dollar erhält sie nur einen Dollar. Beschwerden wurden nicht beantwortet; das Parlament von Ontario darf die Verträge nicht einsehen. Es hält sich das Gerücht, dass ein inhaltlich besseres und auch finanziell günstigeres Angebot aus parteipolitischen Gründen abgelehnt worden ist….“

Quelle: http://www.regio-dossier.de/Inhalt/PPP/ppp.html

Startschuss für das PPP-Kompetenzzentrum des Bundes

Eine Bietergemeinschaft unter Führung von PriceWaterhouseCoopers hat den Auftrag erhalten, ein Kompetenzzentrum des Bundes für Public-Private-Partnership-Projekte (PPP) zu konzipieren. Die Consultants sollen Vorschläge erarbeiten, wie Hemmnisse um Vergabe-, Steuer- und Haushaltsrecht beseitigt werden können, ein Verfahren für einen Wirtschaftlichkeitsvergleich alternativer Realisierungsformen erarbeiten und Leitfäden für die kommunale Praxis auf den Weg bringen. Davon verspricht sich der Vorsitzende des Arbeitskreises „Private Finanzierung“ im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, Herbert Bodner, „Rückenwind für privatwirtschaftliche Lösungen im Bereich des öffentlichen Hochbaus“. Zu der siegreichen Bietergemeinschaft gehören neben PWC die Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer und die VBD Beratungsgesellschaft für Behörden mbH. Mitgewirkt haben zudem die Bauhaus-Universität Weimar und der FM-Spezialist Creative Concept GbR.

Quelle: Immobilien Zeitung

Public-Private-Partnership

Die Privatisierungsdebatte hat für Kommunen vor allem wegen der Finanzknappheit besonderes Gewicht bekommen. Die Diskussion ist dadurch deutlich angeregt worden; sie darf jedoch bei einer solchen Themenbegrenzung nicht stehenbleiben. Wichtig ist vielmehr eine vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit der umfassenden Thematik der Privatisierung, insbesondere mit einer Effizienzsteigerung bei kommunalen Dienstleistungen, Ver- und Entsorgung, Stadtplanung, Stadtverkehr, Immobilien- und Liegenschaftsmanagement, Sozialwesen, Kultur etc. In vielen Fällen kann Effizientsteigerung durch „Public-Private-Partnership“ erreicht werden. Erfahrungen mit Projekten dieser Art machen deutlich, dass dabei aus Sicht der Kommunen besonders zu klären ist, welche Aufgaben unter allen Umständen von Städten, Gemeinden oder Landkreisen wahrgenommen werden müssen. Dies bedeutet, dass vor einer Aufgabenprivatisierung die Aufgabenkritik stehen muss.

Quelle: www.kas.de

Kommentar U. Halbach:

Es kommt darauf an, dass Public-Private-Partnership kontrollierbar ist und dass kein Monopol gegen die Bürger und Unternehmen einer Kommune aufgebaut werden kann.




Steuer-Bumerang fliegt

Literaturauszug:

Steuer-Bumerang fliegt

Leasing-Geschäfte

  • Komplizierte Finanztransaktionen bescherten Städten wie Hamburg hohe Erträge. Nun drohen Forderungen des Fiskus.
  • Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung hat nun der renommierte Hamburger Anwalt Jürgen Schacht vergangenen Freitag Anzeige gegen die Stadt gestellt.
  • „Auf Sondererträge muss sie aber Umsatz- und Körperschaftssteuer berappen“, so Schacht.
  • Hamburg hätte nach seiner Auffassung auch Grunderwerbssteuer abführen müssen:…
  • Zudem mache die Stadt die in den USA steuermindernden Abschreibungen hierzulande weiterhin als Kosten in ihrer Gebührenkalkulation geltend, was die Abwasserrechnungen der Bürger „verbotswidrig erhöht“.
  • Solcher Ärger bleibt dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) erspart. Auch er wollte 2002 sein Rathaus verleasen. Bedanken kann er sich bei Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU). Der hatte gedroht, den Deal sowieso zu verbieten, und Ude so zum Rückzug bewegt.

Andreas Körner

Focus 45/2005




Das schlaue Huhn

Das schlaue Huhn

Das Huhn parliert mit dem Schwein:

„Wir sollten eigentlich privatisieren. Du lieferst den Schinken, ich das Ei. Schinken mit Ei ist der Renner in jedem Restaurant.“

„Da gehe ich doch drauf!“ gibt das Schwein zu bedenken.

Das Huhn zeigt sich unbeeindruckt: „Bei einer Privatisierung geht immer einer drauf!“

Autor unbekannt

(Es liegt eben in der menschlichen Natur, vernünftig zu denken und unlogisch zu handeln. Anatole France)

Link zu : www.schlamm.de




Buchbesprechung – Kommunale Abwasserbeseitigung – Normative Kosten und Risikoabbau

Buchbesprechung

Kommunale Abwasserbeseitigung – Normative Kosten und Risikoabbau

3. überarbeitete Auflage
Herausgeber: Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Eigenverlag 2003

235 Seiten 56 Diagramme 38 Abbildungen 36 Tabellen
Preis: 39,80 + Versandkosten
Bezug: Institut für Wasserwirtschaft Halbach, Schloßstraße 2, 08412 Werdau, boxATinstitut-halbach.de

Das von U. Halbach herausgegebene und von ihm sowie Mitarbeitern des Instituts Halbach und zwei externen Rechtsanwälten verfasste Buch bietet eine Fülle von Informationen nicht nur zu den Kosten der Abwasserbehandlung, sondern auch zu Spezialthemen wie Cross-Border-Leasing oder Risikoabschätzung verschiedener technischer Varianten über eine reine Kostenvergleichsrechnung hinaus. Weitere behandelte Themen sind dezentrale Lösungen versus Anschluss an eine zentrale Anlage, verschiedene Beispiele der Kontrolle bei Bau und Betrieb, Outsourcing, Privatisierung, Public-Private-Partnership, Nährstoffeliminierung und Gewässerschutz oder Abwasserabgabe. Das Buch ist ein nützliches und wertvolles Instrument insbesondere für Gemeinden und Zweckverbände, aber auch für beratende Ingenieure oder betroffene Bürger. Eine wichtige Informationsquelle, die bezüglich der Kosten sicher von Zeit zu Zeit angepasst werden muss, aber in den anderen Teilen, soweit es keine gesetzlichen Veränderungen gibt, langdauernde Gültigkeit besitzt und daher den interessierten Personen und Institutionen zu empfehlen ist.

W. Hegemann

Quelle: Fachzeitschrift gwf aus 2003, Heft 10, S. 675




Wie viel deutsche Gelassenheit verträgt die Europäische Wasserrahmenrichtlinie?

Literaturauswertung

Editorial

Wie viel deutsche Gelassenheit verträgt die Europäische Wasserrahmenrichtlinie?

…In Fachkreisen wachsen unterdessen die Zweifel, ob es in Deutschland gelingen wird, die Anforderungen der Richtlinie fristgerecht umzusetzen. Dies hängt von folgenden Fragen ab:

  • Können, wollen und müssen wir bis 2015 flächendeckend den guten Zustand erreichen?

…Bisher scheint im Übrigen auch die deutsche Öffentlichkeit mit den ökonomischen Folgen eines ehrgeizigen Vorgehens zur Zielverwirklichung noch nicht ausreichend konfroniert worden zu sein. So ist offen, ob sie in Kenntnis dieser Folgen die rasche Verwirklichung weiterer wasserwirtschaftlicher Maßnahmen mehrheitlich begrüßen würde.

…Wir werden uns wohl in etlichen Fällen auf eine Fristverlängerung bis 2007 einstellen müssen….

…Bei unserer deutschen Veranlagung (u. a. zu Eifer) wird sich die gebotene Gelassenheit erst dann einstellen, wenn zu entscheiden ist, wer die zur Zielerreichung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie erforderlichen Maßnahmen in welchem Umfang zu bezahlen hat. Deshalb sollten wir die Findung rechtlich belastbarer Finanzierungsregeln als nächsten Schritt angehen.

Autor:
Prof. Dr.-Ing. Harro Bode
Mitglied des Vorstandes der DWA;
Obmann des Fachausschusses WI-1
„Investitionen und Betriebskosten“

Veröffentlicht:

Korrespondenz Abwasser 2006, Heft 2, Seite 97

Der Beitrag wurde auszugsweise übernommen.




Haftungseinschränkung für die Verwertung von Gutachten nach den IfS-Informationen 4/1999

Nach den IfS-Informationen 4/1999 des Institutes für Sachverständigenwesen ist folgendes bei der gutachterlichen Vertragsgestaltung und beim Gutachtenaufbau zu beachten:

  • Zu Beginn eines Gutachtens ist der Inhalt und der Umfang des gutachterlichen Auftrages präzise zu beschreiben und einzugrenzen.
  • Informationen des Auftraggebers sowie die verwendeten Unterlagen, auf denen das Gutachten beruht, sind anzugeben.
  • Einbau einer Passage, z. B. „Weitergabe des Gutachtens nur mit schriftlicher Einwilligung des Sachverständigen“

Für die gutachterliche Vertragsgestaltung sind zweckmäßigerweise folgende Punkte zu vereinbaren:

  • Zweck des Gutachtens
  • Personenkreis, an die das Gutachten weitergegeben werden darf
  • Vereinbarung eines zulässigen Haftungsausschlusses (für die Fälle einfacher Fahrlässigkeit) mit z. B. folgender Klausel

„Dieser Gutachtervertrag begründet keine Schutzwirkung zugunsten Dritter. Soweit eine solche Schutzwirkung unabhängig vom Parteiwillen angenommen wird, vereinbaren die Parteien, daß die analoge Anwendung des § 334 BGB nicht abbedungen ist und etwa in den Schutzbereich dieses Vertrages einbezogene Dritte sich diejenigen Einwendungen entgegenhalten lassen müssen, welche im Verhältnis der Parteien dieses Vertrages zueinander begründet sind.“

Weitere Hinweise:
Siehe IfS-Informationen 4/1999 vom
Institut für Sachverständigenwesen (IfS)
Gereonstr. 50
50670 Köln
Tel. 0221/91 27 71-12
Fax 0221/91 27 71-99




Beachtung der allgemein anerkannten Regeln der Technik ist wichtiger als die Einhaltung von mitunter veralteten DIN-Vorschriften

Auswertung des Fachbeitrages der Zeitschrift „Beratende Ingenieure“

DIN-Normen und anerkannte Regeln der Technik

RA Sabine von Berchem
Beratende Ingenieure, Nr. 4, Seite 47, April 2001

Auszug:

DIN-Normen

  • sind keine gesetzlichen Regelungen
  • sind private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter
  • können anerkannte Regeln der Technik wiedergeben, aber auch hinter ihnen zurückbleiben

Daraus folgt:

Da diese Regelungen nicht gesetzlich verbindlich sind, kann ein Bauwerk auch dann mangelhaft errichtet sein, wenn sämtliche DIN-Normen eingehalten wurden.

Ein Werk ist nur dann mangelfrei, wenn es den allgemein anerkannten Regeln der Technik entspricht.

Sie gelten in der VOB/B und im BGB.

Definition a.a.R.d.T.:

Technische Vorschrift, die

  • nach wissenschaftlichen Erkenntnissen unanfechtbar sein muss
  • sich in der Praxis bewährt hat

Fazit:

Jeder Planer sollte die von ihm verwendeten DIN-Normen einer eingehenden Prüfung unterziehen, ob diese noch den anerkannten Regeln der Technik entsprechen.

Ggf. Bauherrn informieren und Entscheidung vorbereiten!

Kommentar von Uwe Halbach:

Gemäß VOB/B und BGB gelten die a.a.R.d.T.

Nach der neuen Rechtslage (6. WHG-Novelle – http://dezentrales-abwasser.de/Recht/novelle.htm ) gibt es jedoch (?) keine a.a.R.d.T. mehr.

Bedeutet das nun, dass es im allgemeinen Baurecht die a.a.R.d.T. noch gibt.

Im Wasserrecht jedoch wurden sie zum Stand der Technik befördert.

Werdau (Sachsen), den 23.04.01




Verstöße gegen das technische Regelwerk begründen allein selten einen Mangel!

Grundsätzlich hat ein Werk den allgemein anerkannten Regeln der Technik oder dem Stand der Technik zu entsprechen.

Aus Abweichungen davon muss aber nicht unbedingt ein Mangel entstehen, wenn z. B. die Gebrauchseigenschaften des Werkes über o. g. Normen hinausgehen.

Außerdem ist zu beachten, dass die allgemein anerkannten Regeln der Technik oder der Stand der Technik in seiner schriftlichen Fixierung bereits am Erscheinungstag – streng genommen – schon wieder veraltet sind.

Die tatsächliche Entwicklung ist dynamisch – das geschriebene Regelwerk dagegen starr.

Es kommt insbesondere darauf an, bei den Entscheidungen neben der Beachtung des Regelwerkes auch den gesunden Menschenverstand einzusetzen.

Häufig ist es so, dass für konkrete Fälle die Regel nicht immer zutrifft – auch das ist zu prüfen und zu berücksichtigen.

Es gibt weiter Fälle, bei denen es ein Mangel ist, wenn das niedergeschriebene Regelwerk angewandt wird, nämlich, wenn z. B. die Regel veraltet ist.

Für den Fall, dass eine Regel

  • aktuell,
  • zutreffend und
  • grundsätzlich anzuwenden war,

aber nicht umgesetzt wurde, muss dies nicht unbedingt eine „Katastrophe“ sein, sofern die zugesicherten Gebrauchswerteigenschaften bestehen.

Nach

Bayerlein
Praxishandbuch Sachverständigenrecht

2. Auflage
C.H. Beck`sche Verlagsbuchhandlung
München 1996

sind folgende Aspekte interessant:

  • „Die allgemein anerkannten Regeln der Technik sind bei der Beurteilung der Mangelhaftigkeit technischer Leistungen von zentraler Bedeutung.
  • Zum einen sieht z. B. § 13 Nr. 1 Verdingungsordnung für Bauleistungen Teil B (VOB/B) vor, daß die Leistung zusätzlich zu den allgemeinen Anforderungen nach § 633 Abs. 1 BGB auch den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen muß, zum anderen führt die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik zu einer Erleichterung des Beweises, daß die Leistung mangelfrei ist.
  • Gleichwohl kann ein technisches Werk mangelfrei sein, wenn die allgemein anerkannten Regeln der Technik nicht beachtet worden sind und es kann – nach allerdings bestrittener Rechtsprechung – mangelhaft sein trotz Beachtung der allgemein anerkannten Regeln der Technik (OLG Stuttgart BauR 1977, 129).
  • In der Praxis werden diese Fallvarianten allerdings relativ selten sein, aber die Nichtbeachtung der allgemein anerkannten Regeln der Technik allein führt nicht schon zur Mangelhaftigkeit des Werkes, sondern das entscheidende Kriterium ist die Gebrauchstauglichkeit und das Vorhandensein der zugesicherten Eigenschaften.“

(Bayerlein, Seite 194 f.f.)

Insofern ist festzustellen, dass ein Regelverstoß allein, einen Mangel nicht begründen dürfte.

Wichtig ist, dass der zugesicherte Gebrauchswert gewährleistet werden kann.

(Übrigens, das o. g. Fachbuch ist für den Sachverständigen ein sehr wertvolles und empfehlenswertes Praxishandbuch.)




Sind die aaRdT ein Auslaufmodell?

Nachfolgender lesenswerter Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung vom Autor, Herrn Dipl.-Ing. Horst G. Steuff VDI, VBI, Essen und der Redaktion der Fachzeitschrift „Beratende Ingenieure“ zur Verfügung gestellt!

Anerkannte Regeln der Technik

Sind die aaRdT ein Auslaufmodell?

Dipl.-Ing. Horst G. Steuff VDI, VBI, Essen

Zusammenfassung

Jede Werkleistung muss die zugesicherten Eigenschaften haben und fehlerfrei sein. Handelt es sich jedoch um eine Bauleistung, so muss sie in Deutschland darüber hinaus auch noch den allgemein „anerkannten Regeln der Technik (aaRdT)“ entsprechen. Diese Forderung nach der Beachtung von aaRdT wird in den übrigen Ländern der EU nicht gestellt.

Diese aaRdT sind jedoch so unbestimmt gefasst, dass es im konkreten Fall äußerst schwierig ist, zweifelsfrei festzustellen, ob es hierfür überhaupt anwendbare allgemein „anerkannte Regeln der Technik“ gibt. Widersprüche zwischen Fachleuten werden sich in zahlreichen Fällen kaum vermeiden lassen.

Darüber hinaus ist die bei den „anerkannten Regeln der Technik“ erforderliche Praxisbewährung ein Hemmschuh für jeden technischen Fortschritt. Hier stellt sich die juristische Aufgabe, in Verbindung mit dem deutschen Verdingungsausschuss die Bedingungen, die von einer Bauleistung zu erfüllen sind, eindeutiger, praxisnäher und in Übereinstimmung mit den übrigen Ländern der EU neu zu definieren. Man sollte dem technischen Fortschritt in Deutschland keine schwerer zu überwindenden Schwierigkeiten bereiten, als in unseren Nachbarländern.

Jede Werkleistung muss die zugesicherten Eigenschaften haben und fehlerfrei sein. Handelt es sich jedoch um eine Bauleistung, muss sie in Deutschland darüber hinaus auch noch den allgemein „anerkannten Regeln der Technik (aaRdT)“ entsprechen. Diese sind aber nicht nur unbestimmt gefasst, sondern durch die erforderliche Praxisbewährung zugleich ein Hemmschuh für jeden technischen Fortschritt.

Der Unternehmer, der eine bauhandwerkliche Leistung erbringt, hat gemäß §§ 631 ff. BGB seine Leistung so zu erbringen, dass das hergestellte „Werk … die zugesicherten Eigenschaften hat und nicht mit Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder dem nach dem Vertrag vorausgesetzten Gebrauch aufheben oder mindern“.

Kurz gesagt: Der Auftragnehmer schuldet den Erfolg. Ist das Werk nicht von der vorstehend beschriebenen Beschaffenheit, so ist es mit einem Mangel behaftet. Dann kann der Besteller die Beseitigung des Mangels verlangen, und zwar so lange, bis sein diesbezüglicher Anspruch verjährt ist. Dieses Recht des Bestellers, die Beseitigung des Mangels zu verlangen, endet mit der Verjährung, d. h. mit dem Ende der gesetzlichen oder der vereinbarten Gewährleistungspflicht. Diese Frist beginnt mit der Abnahme.
„Mangel“ ist jedoch ein juristischer Begriff. In einem Rechtsstreit hat ein Sachverständiger nur festzustellen, ob das Werk die „zugesicherten Eigenschaften“ hat oder nicht, oder ob ein Fehler vorliegt. Ob dieser Fehler auch ein Mangel ist, hat nach Auffassung vieler Juristen nicht der Sachverständige zu entscheiden. Diese Entscheidung sollte der richterlichen Würdigung überlassen bleiben.

Wesentlich komplizierter ist die Gewährleistungsregelung nach § 13 der VOB. Dort heißt es nämlich unter Ziffer 1: „Der Auftragnehmer übernimmt die Gewähr, daß seine Leistung zur Zeit der Abnahme die vertraglich zugesicherten Eigenschaften hat, den anerkannten Regeln der Technik entspricht und nicht mit Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder dem nach dem Vertrag vorausgesetzten Gebrauch aufheben oder mindern.“

Es genügt also nicht, dass das Werk fehlerfrei ist und dass die Leistung des Auftragnehmers den „anerkannten Regeln der Technik“ zum Zeitpunkt der Auftragserteilung oder auch der Auftragsausführung entspricht. Maßgeblich ist die „Zeit der Abnahme“. Das heißt, dass der Auftragnehmer auch die Regeln der Technik zu beachten hat, die erst nach der Auftragserteilung allgemein „anerkannt“ worden sind. Er trägt also allein das wirtschaftliche Risiko bei einer Weiterentwicklung der anerkannten Regeln der Technik.

Erst kürzlich hat der Bundesgerichtshof ein weiteres Mal klargestellt, dass die „anerkannten Regeln der Technik“ im Bauvertragsrecht eine erhebliche Rolle spielen (BGH vom 14.08.1998, WM 1998, 1981 f.).

Die Forderung, dass das „Werk“ fehlerfrei sein und den allgemein anerkannten Regeln der Technik (aaRdT) entsprechen muss, ist in gewisser Weise ein Pleonasmus. Denn beide Forderungen haben den Sinn, den Besteller davor zu schützen, ein mangelhaftes Werk zu bekommen. Und der Auftragnehmer ist darüber hinaus in beiden Fällen zu einer Nachbesserung verpflichtet.

Wird gegen die aaRdT verstoßen, so handelt es sich um einen Baufehler, der juristisch gesehen per Definition einen Mangel gemäß VOB/B darstellt. Technisch gesehen könnte man behaupten, dass ein solcher Verstoß allenfalls einen Bauschaden prognostizieren kann. Vielleicht entsteht aber im konkreten Fall gar kein Bauschaden. Wo ist dann der Schaden im juristischen Sinn? Dieses „vielleicht“ darf man deshalb schreiben, weil beispielsweise ein weniger belastungsfähiges Bauteil „vielleicht“ auch tatsächlich weniger belastet wird und deshalb der prognostizierte Bauschaden gar nicht entsteht.

So ist beispielsweise die DIN 1055, „Lastannahmen für Bauten“ und insbesondere auch deren Teil 4 „Verkehrslasten, Windlasten bei nicht schwingungsanfälligen Bauwerken“ als bauaufsichtlich eingeführte „Technische Baubestimmung“ sicher als aaRdT anzusehen. Sie ist anzuwenden „für die Ermittlung von Windlasten als Berechnungsgrundlage für Standsicherheitsuntersuchungen (Lagesicherheit, Bemessung) baulicher Anlagen und deren Teile.“

Zweifellos ist z. B. ein Tiefgaragenrolltor Teil einer baulichen Anlage. Demzufolge muss es nach den aaRdT einem schweren Sturm mit Windstärke 10 standhalten können, auch wenn es völlig windgeschützt in den Keller eines Hauses im dicht bebauten Zentrum einer Großstadt im Staudruckzonengebiet I nach DIN 1056 eingebaut wurde, so dass dieses Tor niemals größeren Windlasten ausgesetzt sein wird. Kann der Auftragnehmer bei der Abnahme nicht nachweisen, dass das Tor auch bei Windstärke 10 noch ausreichend standsicher ist, so hat der Auftraggeber gute Chancen, mit Hilfe eines Gerichts den vereinbarten Vertragspreis deutlich mindern zu können.

Statt einer situationsgerechten Einschätzung, die beide Seiten gegenüber stellt, nämlich Belastung und Belastbarkeit, bleibt die ohnehin unbestimmt definierte Messlatte bei einer bestimmten Belastbarkeit liegen, ohne die Belastung ins Kalkül zu ziehen. Der Verstoß bleibt ein Verstoß und ist damit per juristischer – nicht aber technischer Definition – schadensträchtig, auch wenn die Realität anders aussieht. Der Bundesgerichtshof vertritt nämlich nach wie vor die Auffassung, dass eine Bauleistung mangelhaft ist, wenn die allgemein „anerkannten Regeln der Technik“ nicht beachtet wurden. Das gilt auch dann, wenn die „fehlerhafte“ Leistung noch gar nicht zu einem Schaden geführt hat. Denn der Auftraggeber muss nicht warten, bis sich ein Schaden zeigt (BGH 09.07.1981, BauR 1981, 577, 579).

Richter denken nun einmal formal disjunktiv, Ingenieure denken wirkungsorientiert. Das wirkt sich auch in der Sprache und damit auch im wechselseitigen Verständnis aus. Für den Ingenieur sind „Randbedingungen“ nun einmal die unumgängliche Anpassung eines Naturgesetzes oder einer Rechenvorschrift an eine gegebene Anordnung. Der technische Laie stellt sich unter Randbedingungen – vergleichbar zur Randbemerkung – etwas durchaus Nebensächliches vor. Und das Beiwort „grundsätzlich“ bedeutet in der Umgangssprache soviel wie „ausnahmslos“, im Rechtswesen dagegen fast das Gegenteil, nämlich „in der Regel, mit bestimmten Ausnahmen“.

Derartige Missverständnisse führen dann auch zu sinnentstellender Auslegung sinnvoll gedachter Bestimmungen. Die VOB, die eigentlich als ausgewogene Geschäftsgrundlage zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer konzipiert war, wird damit in ihrem Teil B, § 13 diesem Anspruch heute in vielen Fällen nicht mehr gerecht.

Wenn ein deutscher Auftragnehmer ein mit einem gültigen „CE“-Zeichen versehenes Bauprodukt liefert und einbaut, zwischenzeitlich sich aber die Regeln der Technik geändert haben, ohne dass diese Änderungen bereits Eingang in die dafür zuständige harmonisierte Euro-Norm gefunden haben, so hat der Auftragnehmer bei der Abnahme ebenfalls ein Problem. Weicht er nämlich von den Festlegungen in der harmonisierten Euro-Norm ab, so entfällt auch die Berechtigung zur Führung des „CE“-Zeichens.

Hier stellt sich die Frage, ob eine für alle Länder der EU gültige Euro-Norm oder die in einem EU-Land allgemein „anerkannten Regeln der Technik“ das höhere Rechtsgut darstellen. Man darf deshalb erhebliche Zweifel hegen, ob man in der Europäischen Union das hausgemachte deutsche Problem der Baurechtsprechung übernehmen kann und will. Dann aber stellt das Festhalten an den aaRdT zusätzlich zu den harmonisierten Normen allein in Deutschland nach europäischem Recht einen Wettbewerbsverstoß dar.

Denn Normen können, aber sie müssen nicht die allgemein anerkannten Regeln der Technik darstellen. Denn sie können veralten. Und was den DIN-Normen recht ist, sollte den Euro-Normen billig sein.

Die aaRdT haben im Grunde genommen gar keinen Eigenwert. Denn selbst wenn die aaRdT eingehalten wurden und es entsteht dennoch – wider Erwarten – ein Mangel im Gebrauch, so ist diese Mangelart durchschlagend. Es nützt also überhaupt nichts, daß die aaRdT eingehalten wurden [1]. Spätestens an dieser Stelle ist der Wert dieses liebgewordenen juristischen Instituts der aaRdT in Frage zu stellen. Dem kann man zwar entgegenhalten, dass man die aaRdT braucht, um daran den Grad des Verschuldens des Auftragnehmers ablesen zu können, und damit eine Entscheidungshilfe für die Ermittlung der Höhe des Schadensersatzes zu haben. Demgegenüber gibt es aber auch zahlreiche Fälle, in denen keine aaRdT existieren. Auch in diesen Fällen konnten juristische Entscheidungen getroffen werden, ohne dass man für diese spezielle Rechtsfrage zuvor „aaRdT“ erfinden musste.

Hätten sich unsere Vorfahren bei ihren Bauausführungen jedoch stets an die aaRdT ihrer Zeit gehalten, so lebten wir heute noch in tierfellverhangenen Felshöhlen.

Aber was sind denn nun die allgemein „anerkannten Regeln der Technik“ (aaRdT), die bei Rechtsstreitigkeiten so gern von den Rechtsanwälten der Parteien in den Verfahren bemüht werden?

Juristisch „erfunden“ wurden die aaRdT schon 1891, und präzisiert wurden sie 1911, also 5 Jahre, bevor man in Deutschland im Jahre 1916 die DIN-Normen „erfunden“ hat. Mit den aaRdT wurde damals erstmalig eine Qualitätsanforderung definiert, durch die künftige Bauschäden weitgehend vermieden werden sollten. Der Auftragnehmer sollte damit zu einer qualitätsgerechten Bauausführung gezwungen werden, damit ungeeignete oder unerprobte Bauweisen und Bauverfahren nicht auf dem Rücken des Auftraggebers ausgetragen werden sollten. Dass man damals aber die Absicht verfolgte, mit der „Erfindung“ der aaRdT jedweden technischen Fortschritt zu blockieren, ist kaum anzunehmen.

Allgemein „anerkannte Regeln der Technik“ liegen nur dann vor, wenn sie folgende Kriterien erfüllen [2]:

  1. Es muss sich um „Technische Regeln“ handeln.
  2. Diese Regeln gelten für den Entwurf und die Ausführung baulicher Anlagen.
  3. Ihre theoretische Richtigkeit muss wissenschaftlich erwiesen sein.
  4. Sie müssen allgemein als richtig anerkannt sein, d. h.
  5. sie müssen Technikern, die nach dem neuesten Erkenntnisstand vorgebildet sind und die
  6. für die Anwendung der betreffenden Regeln maßgeblich sind, bekannt sein.
  7. Diese Regeln müssen sich in der Baupraxis bewährt und als notwendig durchgesetzt haben.

So weit, so gut. Aber bei der Umsetzung der so formulierten Kriterien treten – zumindest bei den Punkten 3 bis 7 – ganz erhebliche Schwierigkeiten auf.

Zu Punkt 3:

Für zahlreiche planerische, insbesondere aber auch handwerkliche Bauleistungen liegen gar keine wissenschaftlichen Untersuchungen vor. Sofern der Öffentlichkeit tatsächlich wissenschaftliche Untersuchungen vorliegen, müsste geprüft werden, ob die Ergebnisse dieser Untersuchungen überhaupt auf die konkrete Leistung übertragbar sind. Wer aber entscheidet hier als maßgebende Instanz über die Übertragbarkeit der Forschungsergebnisse?

DIN-Normen sind Regelungen, die zwischen interessierten Kreisen vereinbart wurden. Sie können, aber sie müssen nicht die allgemein „anerkannten Regeln der Technik“ sein. Allerdings rechtfertigen DIN-Normen die – allerdings widerlegbare – Vermutung, dass sie „anerkannte Regeln der Technik“ sind. Aber selbst DIN-Normen, die durch Ländererlass in den Rang einer „Technischen Baubestimmung“ erhoben worden sind, stellen nicht immer eine allgemein „anerkannte Regel der Technik“ dar (OLG Düsseldorf 05.02.1993, NJW-RR 1994, 88).

Zu Punkt 4:

„Die Anerkennung einer Regel der Technik durch die Fachwelt kann nicht durch die Ansicht eines Sachverständigen, es handle sich um eine anerkannte Regel der Technik, nachgewiesen werden, sondern nur durch die Durchführung einer statistischen Untersuchung des Vorliegens der Anerkennung, was regelmäßig mit einem großen Aufwand verbunden ist.“ [3]

Um festzustellen, ob diese „anerkannten Regeln der Technik“ in den einschlägigen Kreisen „allgemein“ bekannt und anerkannt sind, müsste also eine Massenbefragung der unter den Punkten 5 und 6 bezeichneten Personen stattfinden. Wie groß müsse das zu befragende Kollektiv sein, und wie hoch müsste der Prozentsatz der so Befragten sein, dem diese speziellen Regeln bekannt sind?

Hier gehen die Meinungen der juristischen Kommentatoren weit auseinander. Die Spannweite reicht von der „Gesamtheit“ der für die Anwendung einer Regel maßgeblichen Techniker (Heiermann/Riedl/Rusam: „VOB“, 8. Aufl. 1997, B § 4 Rdn37; Locher: „Das private Baurecht“, 5. Aufl. 1993, Rdn. 96), über die „große Menge/Masse der maßgeblichen Bauschaffenden“ (Ingenstau/Korbion: „VOB“, 13. Aufl. 1996, B § 4 Rdn. 152; Vygen: „Bauvertragsrecht nach VOB und BGB“, 3. Aufl. 1997, Rdn. 319) bzw. „der großen Mehrheit der maßgebenden Fachkreise“ (Kleine-Möller/Merl/Oelmaier: „Handbuch des privaten Baurechts“, 2. Auflage 1997, § 12 Rdn. 205), der „weit überwiegenden Mehrheit der qualifizierten Fachleute“ (Klopfer in DAB 4/1998, 541, 542) bis zu „wenn eine Technikregel – trotz Gegenmeinungen von Außenseitern oder einer verschwindenden Minderheit – durchweg anerkannt“ ist (Soergel: „Münchner Kommentar zum BGB“, 3. Aufl. 1997, 633, Rdn. 37 m.w.N.).

Wie soll bei derart unbestimmten Definitionen ein Bauschaffender beurteilen können, ob seine Auffassung über die „Allgemeinheit“ des Bekanntheitsgrades einer technischen Regel auch von der „Allgemeinheit“ – insbesondere der Juristen – geteilt wird? Aber in zahlreichen Bauprozessen fordern die Gerichte von einem einzelnen, von ihnen beauftragten Sachverständigen, daß er entscheiden soll, ob es auf diesem Fachgebiet allgemein „anerkannte Regeln der Technik“ gibt, und ob sie ggfs. bei der zu begutachtenden Werkleistung eingehalten worden sind. Hier kann doch von dem Sachverständigen bestenfalls eine ganz persönliche Meinung geäußert werden. Das Gericht wird dann in zahlreichen Fällen diese ganz persönliche Meinung eines Einzelnen ohne weitere Prüfung als die Meinung der „Fachwelt“ akzeptieren und zur Grundlage einer richterlichen Entscheidung machen.

Damit dürfte eigentlich jeder Sachverständige überfordert sein.

Zu Punkt 5:

Nach der viele Jahrzehnte alten Festlegung müssen die aaRdT „Technikern“ bekannt sein. Wie ist diese Berufsbezeichnung heute auszulegen? Sind damit nur Personen gemeint, die ein Technikerzeugnis besitzen? Dann wären z. B. Architekten, die ein Studium an einer Hochschule für Bildende Kunst absolviert haben ebenso von der Meinungsbildung ausgeschlossen, wie Handwerksmeister.

Diese Personen, denen die in Frage stehenden aaRdT bekannt sein müssen, sollen nach dem neuesten Erkenntnisstand vorgebildet sein. Wie muss sich demgemäß eine dem Entscheiderkreis zuzurechnende Person legitimieren, und wer entscheidet, ob diese Person nach dem neuesten Erkenntnisstand ausreichend „vorgebildet“ ist?

Zu Punkt 6:

Wer ist für die „Anwendung“ der betreffenden Regeln maßgeblich? Sind es die Planer, die dem Ausführenden mehr oder weniger konkrete Angaben über die Ausführung machen, und die sich ihre „Meinung“ aus der Literatur oder in Gesprächen mit den Ausführenden gebildet haben?

Sind es die Handwerksmeister, die ihren Beruf seit vielen Jahren erfolgreich ausüben, die das seit 30 Jahren „immer so gemacht“ haben, und denen „noch nie“(!) eine Bauleistung misslungen ist?

Oder sind es die Sachverständigen, die stets erst nach der Bauausführung tätig werden und in konkreten Einzelfällen laufend neue Bauleistungsfehler zur Begutachtung vorgelegt bekommen und deshalb kaum einen realistischen Überblick über die tatsächliche Höhe der Ausfallquoten an der gesamten einschlägigen Bauleistung haben?

Hier müsste das Kollektiv der Entscheider über den Bekanntheitsgrad einer technischen Regel schon wesentlich präziser definiert werden.

Genügt es, wenn die betreffenden Regeln nur den deutschen „Technikern“ bekannt sind? Oder sind nicht innerhalb der EU auch die entsprechenden „Techniker“ aus den anderen EU-Ländern für die Anwendung dieser Regeln „maßgeblich“? In diesem Falle dürfte es zum Beispiel fraglich sein, ob die Verwendung der in Deutschland weit verbreiteten Dreh-/Kipp-Beschläge für Fenster in „Euroland“ auch als „allgemein anerkannte Regel der Technik“ angesehen wird.

Sollten aber die allgemein anerkannten Regeln der Technik in den einzelnen Staaten des „Eurolands“ unterschiedlich sein, so muss auch die Frage erlaubt sein, ob die aaRdT in Oberbayern die gleichen sein müssen, wie in Friesland, wenn die für Friesland geltenden aaRdT schon in den Niederlanden keine Geltung mehr haben.

Zu Punkt 7:

Hier wird die Bewährung der „anerkannten Regeln der Technik“ in der Baupraxis als Erfolg gefordert, nicht als Prognose.

Unterschieden werden muss hier aber noch ggfs. zwischen Systemfehlern und Ausführungsfehlern. Eine Technische Regel kann sich als System durchaus bewährt haben, auch wenn mangelhaft ausgebildeten Handwerkern häufig Ausführungsfehler unterlaufen.
Andererseits können aber auch vom System her gute und wissenschaftlich überprüfte, in der Theorie richtige technische Regeln in der Ausführung Probleme aufwerfen, wenn die praktische Durchführung dieser Regeln auch von mit dieser Technologie vertraut gemachten Handwerkern nicht vollkommen beherrscht wird, weil dazu bestimmte Fertigkeiten und Geschicklichkeiten erforderlich sind, die über das als normal anzusehende Maß eines durchschnittlich befähigten Fachhandwerkers hinausgehen. Nur Regeln, die sich auch in der Handhabung als praktikabel erwiesen haben, können sich auf Dauer in der Praxis bewähren. Damit ist auch die Handhabbarkeit eine wesentliche Voraussetzung für die allgemeine Anerkennung einer technischen Regel.

Der Bundesgerichtshof stellt die noch vom Reichsgericht stammenden Definitionen vollends auf den Kopf. Denn nach den BGH-Entscheidungen sind Bauleistungen, die nicht den anerkannten Regeln der Technik entsprechen, in jedem Fall fehlerhaft. Andererseits können nach der reichsgerichtlichen Definition technische Regeln nur dann als „allgemein anerkannte Regeln der Technik“ anerkannt werden, wenn sie sich in „fortdauernder praktischer Erfahrung als technisch geeignet, angemessen und notwendig“ erwiesen haben. Danach können letztendlich nach heutiger BGH-Rechtsprechung neben international längst überholten Bautechniken nur fehlerhafte Bauleistungen nach „fortdauernder Anwendung“ noch allgemein „anerkannte Regeln der Technik“ werden.

Literatur:

[1] Wapenhans: Zur Regelung der Regeln. In: Der Sachverständige 3/99, 8 ff.
[2] Steuff: Anerkannte Regeln der Technik. In: Metallhandwerk & Technik 10/94, 95 ff.
[3] Stammbach, BauR. 1988, 482,496

Zitate zu diesem Beitrag:

„Es erben sich Gesetz‘ und Rechte
wie eine ew’ge Krankheit fort.
Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage.
Weh Dir, daß Du ein Enkel bist.“
(Mephisto in Goethes „Faust“, 1808)

„Es stellt sich die Frage, ob eine für alle Länder der EU gültige Euro-Norm oder die in einem EU-Land allgemein anerkannten Regeln der Technik das höhere Rechtsgut darstellen. Man darf deshalb erhebliche Zweifel hegen, ob man in der EU das hausgemachte deutsche Problem der Baurechtsprechung übernehmen kann und will.“

„Normen können, aber sie müssen nicht die allgemein anerkannten Regeln der Technik darstellen.“

„Hätten sich unsere Vorfahren bei ihren Bauausführungen jedoch stets an die aaRdT ihrer Zeit gehalten, so lebten wir heute noch in tierfellverhangenen Felshöhlen.“




Regeln der Technik und Versicherungsansprüche

Regeln/Stand der Technik

Beratende Ingenieure und Architekten schulden dem Auftraggeber die Entstehung eines fehlerfreien, wirtschaftlich geplanten und voll funktionsfähigen Werkes. Bei Planungen und Ausführungen ist nach den Regeln der Technik oder nach dem Stand der Technik zu verfahren. Regeln der Technik liegen vor, wenn diese in der Wissenschaft theoretisch sowie in der Baupraxis als richtig anerkannt sind. Regeln der Technik sind in DIN-Normen, Normen überhaupt, VDE-Richtlinien, VDE-Bestimmungen und in den Einheitlichen Technischen Baubestimmungen (ETB) festgelegt. Stand der Technik ist, wenn die oben beschriebenen Normen überholt sind. Hier ist primär auf Forschungsarbeiten und deren Veröffentlichungen in Fachzeitschriften zurückzugreifen. Sofern Beratende Ingenieure und Architekten oder deren Mitarbeiter gegen die Regeln oder den Stand der Technik bewusst verstoßen und dadurch Planungsfehler entstehen, kann der Versicherer den Versicherungsschutz versagen. In den einschlägigen Bedingungen ist der Ausschluss wie folgt geregelt:

„Der Beratende Ingenieur oder Architekt hat in diesem Falle keinen Anspruch darauf,
dass der Versicherer unberechtigte Ansprüche abweist und berechtigte Ansprüche bezahlt.“

Insbesondere treffen solche bewussten Verstöße oftmals bei Ingenieurleistungen an historischen Bauwerken zu. Unter gewissen Auflagen ist es möglich, bei solchen Objekten Versicherungsschutz bereitzustellen, auch wenn bewusst gegen Regeln der Technik verstoßen wird.

Quelle:
UNITA – BRIEF
Gemeinsamer Informationsbrief der UNITA
Unternehmensberatung GmbH und er UNIT
Versicherungsvermittlung für
Verbände + Industrie GmbH
Kantstraße 2
04275 Leipzig




Pauschalhonorar und Mindestsatz Kammergericht (Berlin), Urteil vom 31.12.1997, BauR 1999, 432

Pauschalhonorar und Mindestsatz Kammergericht (Berlin), Urteil vom 31.12.1997, BauR 1999, 432

Rechtsanwalt Wolf Osenbrück

Der Beklagte hatte den Kläger, einen Architekten, mit einer Bauvoranfrage beauftragt, die dieser auch durchgeführt hat. Unter den Parteien ist streitig, ob – wie der Beklagte vorträgt – ein Pauschalhonorar in Höhe von 10.000,- DM vereinbart worden ist oder ob – so der Kläger – eine Honorarvereinbarung nicht getroffen worden ist.

Der Kläger hat auf eine Teilrechnung 10.000,- DM erhalten. Mit der Klage macht er unter Berufung auf die Mindestsätze 200.000,- DM Honorar geltend.

Die Beauftragung mit der Bauvoranfrage beinhaltet regelmäßig eine Beauftragung mit den Leistungen der Leistungsphasen 1-3 des entsprechenden Leistungsbildes der HOAI, da diese Leistungen zur Durchführung einer Bauvoranfrage jedenfalls in ihren wesentlichen Teilen erforderlich sind. Welches Honorar dafür geschuldet wird, ergibt sich aus dem Vertrag.

Will der Planer nach den Mindestsätzen der HOAI abrechnen, wendet aber der Auftraggeber ein, die Parteien hätten eine davon abweichende Vereinbarung, in diesem Falle eine Pauschalabrede, getroffen, obliegt es dem Planer, zu beweisen, dass eine bestimmte Vergütung nicht vereinbart worden sei. Dies setzt allerdings voraus, dass der Auftraggeber Ort, Zeit und Höhe der Vereinbarung substantiiert, d. h. nachvollziehbar, darlegt. Der Planer hat dann die Unrichtigkeit dieser Darlegung zu beweisen.
Der Beklagte hatte die von ihm verlangten Angaben gemacht, die der Planer nicht widerlegt hatte.

Der Planer konnte sich nach Ansicht des Kammergerichts auch nicht auf die Unterschreitung der Mindestsätze durch das vereinbarte Pauschalhonorar berufen. Das Gericht beruft sich hierfür auf die Leitentscheidung des BGH vom 22. 5. 1997 (vgl. Rechtskolumne in BI 9/97); es dürfte sich um die erste untergerichtliche Entscheidung zu dieser Frage handeln.

Das Gericht sieht mit dem BGH ein widersprüchliches Verhalten darin, dass der Planer zunächst ein unterhalb der Mindestsätze der HOAI liegendes Honorar vereinbart, sich aber später bei der Abrechnung unter Hinweis auf den zwingenden Charakter der HOAI auf die Mindestsätze beruft.

In Übereinstimmung mit dem BGH sieht das Gericht als weitere Voraussetzung dafür, dass der Planer gehindert ist, mehr abzurechnen als vereinbart, vor, dass der Auftraggeber auf die Honorarvereinbarung vertraut hat und vertrauen durfte. Allein in diesem Gesichtspunkt – dem gerechtfertigten und tatsächlich zum Ausdruck gekommenen Vertrauen des Auftraggebers – liegt der entscheidende Gesichtspunkt dafür, warum ein widersprüchliches Verhalten zu einer „Bindungswirkung“ hinsichtlich einer an sich unwirksamen Honorarvereinbarung führt.

Bei der Ausfüllung dieser wesentlichen Tatbestandselemente bleibt das Urteil (ähnlich wie auch das des BGH) merkwürdig blass. Ob der Auftraggeber auf die an sich unwirksame Honorarvereinbarung vertrauen durfte, wird überhaupt nicht angesprochen. Immerhin kann fraglich sein, ob ein Auftraggeber, der regelmäßig mit Planern zu tun hat und mit den Honorargrundsätzen der HOAI (jedenfalls in den Grundzügen) vertraut ist, darauf vertrauen darf, dass der Planer an ein unwirksames Honorar gebunden ist. Wegen des zwingenden Charakters der HOAI stellt sich die Vereinbarung eines unterhalb der Mindestsätze liegenden Honorars als Verstoß gegen ein gesetzliches Verbot dar, für das § 134 BGB als Folge die Nichtigkeit der Vereinbarung anordnet – hier hilft dann nur § 4 Abs. 4 HOAI, der für den Fall, dass bei Auftragserteilung keine (wirksame) anderweitige schriftliche Vereinbarung getroffen worden ist, eine Vereinbarung der Mindestsätze gilt.

Vor diesem Hintergrund wird man einem erfahrenen Bauherrn kaum ein berechtigtes Vertrauen auf ein unzulässig vereinbartes Honorar zubilligen können.

Weiter ist wesentlich, dass der Auftraggeber auf die Gültigkeit der Vereinbarung auch tatsächlich vertraut hat, indem er wirtschaftliche Dispositionen getroffen und sich somit auf die Wirksamkeit eingestellt hat. Eine solche Vertrauensdisposition kann darin gesehen werden, dass der Auftraggeber unter Einbeziehung der Planungskosten etwa die Verkaufspreise für Wohnungen kalkuliert und entsprechende Kaufverträge abgeschlossen hat.

Das Kammergericht verweist lediglich darauf, dass der Beklagte das Bauvorhaben zunächst weiterbetrieben und dazu auch einen anderen Planer eingeschaltet habe. Das erscheint als Vertrauensdisposition nicht ausreichend. Die Fortsetzung der Planungsarbeiten mag auf einem günstigen Bauvorbescheid beruhen, auch auf einer vom Planer aufgestellten günstigen Kostenberechnung – erweist sich diese als falsch, sind darauf beruhende Dispositionen, die der Auftraggeber bei Kenntnis der wahren Kosten nicht getätigt hätte, als Schaden liquidierbar. Die Fortsetzung des Bauvorhabens hängt aber gewöhnlich nicht von der Höhe bereits entstandener Planungskosten ab, die ohnehin in Relation zu den Baukosten nur einen verhältnismäßig geringen Prozentsatz ausmachen.

Das Urteil des Kammergerichts mag im Ergebnis richtig sein, aufgrund der mitgeteilten Tatsachen und der darauf gestützten Erwägungen lässt es sich jedenfalls nicht nachvollziehen. Es bleibt abzuwarten, in welcher Weise sich die Instanzrechtsprechung gerade zu diesem Fragenkomplex entwickeln wird.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion Beratende Ingenieure , Nummer 6/99 sowie des Autors, Herrn Osenbrück.




Vergabekammer Halle nennt Kriterien für die Ausschreibungspflicht

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Für In-House-Geschäft muss Anteil Privater unter zehn Prozent liegen

Vergabekammer Halle nennt Kriterien für die Ausschreibungspflicht

In der Auseinandersetzung um die Frage, ob die Stadt Halle die Vergabe der Abfallentsorgung ab 2005 hätte ausschreiben müssen, hat die Vergabekammer beim Regierungspräsidium die schriftliche Begründung für ihre Entscheidung nachgereicht. Mitte Mai war bereits bekannt geworden, dass die Vergabekammer einen Verstoß gegen das Vergaberecht beanstandet hat, weil die Stadt die Abfallentsorgung ohne vorherige Ausschreibung an das gemischtwirtschaftliche Unternehmen RPL Recyclingpark Lochau GmbH vergeben hat.

Die TREA Leuna – ein Gemeinschaftsunternehmen der MVV Energie, Altvater und Jakob Becker, das den Bau einer Müllverbrennungsanlage in Leuna baut – hatte gegen das Vorgehen Halles ein Nachprüfungsverfahren bei der Vergabekammer angestrengt. Nach Auskunft von Rechtsanwalt Klaus Heuvels, der die TREA Leuna rechtlich vertreten hat, hat die Stadt Halle jedoch sofortige Beschwerde gegen den Beschluss eingelegt, so dass der Beschluss noch nicht rechtskräftig geworden ist.

Die Vergabekammer beruft sich in ihrem Beschluss auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) aus dem Jahr 1999, das die Voraussetzungen für ein vergabefreies, so genanntes In-House-Geschäft präzisiert. Danach muss die Gebietskörperschaft, die ein Unternehmen mit einer Dienstleistung beauftragt, über das Unternehmen wie eine Dienststelle verfügen können. Des Weiteren muss das beauftragte Unternehmen im Wesentlichen für die Gebietskörperschaft, die seine Anteile hält, tätig sein. Beide Kriterien sieht die Vergabekammer im Fall Halle als nicht erfüllt an. Zwar besitzen die Stadtwerke Halle 75,1 Prozent der Anteile an der RPL, während die restlichen 24,9 Prozent bei RWE Umwelt liegen, doch das ist nach Auffassung der Vergabekammer nur „augenscheinlich eine ausreichende Dominanz“. Die Kammer verweist auf einen Beschluss des Bayerischen Obersten Landesgerichtes vom Januar dieses Jahres, in dem die im GmbH-Gesetz normierten Minderheitenrechte als wesentliche Gesellschaftsrechte qualifiziert worden sind. Dabei sei offen gelassen worden, ob bei einer privaten Beteiligung von mindestens zehn Prozent an einem gemischtwirtschaftlichen Unternehmen die Ausschreibungspflicht entfällt. Nach Auffassung der Kammer hingegen reicht bereits die Qualifizierung dieser Rechte als wesentliche Gesellschafterrechte aus, um die Dienststelleneigenschaft nicht zu erfüllen. Denn ein Anteil von mindestens zehn Prozent sei ausreichend, um aus wichtigen Gründen Liquidatoren durch das Gericht zu bestellen.

Auf Basis des EuGH-Urteils und des Beschlusses des Bayerischen Obersten Gerichtshofes kommt die Vergabekammer zu dem Ergebnis, „dass ein Eigengeschäft im Rahmen einer grundsätzlich auszuschreibenden Leistung bei einer Minderheitenbeteiligung ab zehn Prozent der freien Wirtschaft an einem gemischtwirtschaftlichen Unternehmen generell ausscheidet“. Da der RWE-Anteil sich auf 24,9 Prozent beläuft, sieht die Kammer die Dienststelleneigenschaft jedoch nicht als gegeben an.Dass die RPL im Wesentlichen für die Stadt Halle tätig sein wird, verneint die Vergabekammer ebenfalls. Für die Müllverbrennungsanlage mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen, die RPL ab 2005 betreiben soll, reiche die Auslastung nicht aus, um diese Bedingung zu erfüllen. Voraussetzung für die Freistellung von der Ausschreibungspflicht sei, dass das beauftragte Unternehmen während der letzten drei Geschäftsjahre mindestens 80 Prozent seines Umsatzes für die Stadt tätige. Im Stadtgebiet Halle fielen aber nur 51.245 Tonnen überlassungspflichtige Abfälle, darüber hinaus seien nur weitere 10.000 Tonnen hinzuzurechnen, so dass die Auslastung der Müllverbrennungsanlage lediglich bei 61,25 Prozent liege. Zwar sollen in der geplanten MVA auch die Abfallmengen aus dem Saalkreis und dem Landkreis Merseburg-Querfurt entsorgt werden, doch dazu gebe es lediglich unverbindliche Absichtserklärungen. Diese hätten keine rechtliche Relevanz und könnten deshalb auch nicht in die Mengenkalkulation einfließen.

Erschienen in der Zeitschrift EUWID – Wasser-Abwasser 13
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LUA: Belastete Klärschlämme nicht landwirtschaftlich verwerten

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LUA: Belastete Klärschlämme nicht landwirtschaftlich verwerten

“Vermeidung von Schadstoffeintrag nur durch Verzicht zu erreichen”

Das Prinzip der Vermeidung bzw. Minimierung des Schadstoffeintrags in Böden ist in letzter Konsequenz nur durch einen generellen Verzicht auf die bodenbezogene Klärschlammverwertung zu erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt das Projekt “Umweltrelevante Schadstoffe in Klärschlämmen, Dünger und Kompost in Nordrhein-Westfalen” des Landesumweltamtes NRW (LUA), Essen. Der Forderung der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) nach einer Vermeidung bzw. Minimierung des Eintrags von anthropogen erzeugten Schadstoffen in Böden könne die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung nicht gerecht werden.

Das Vermeidungs-/Minimierungsprinzip ist laut LUA für diese zahlreichen Stoffe schon deshalb dringend geboten, da wirkungsbezogene Erkenntnisse über das Verhalten in Böden allenfalls nur begrenzt vorliegen und bei der Mehrzahl der Stoffe gänzlich fehlen. Im Hinblick auf eine zukünftige bodenbezogene Klärschlammverwertung hält es die Behörde für unverzichtbar, dass mäßig bis stärker belastete Klärschlämme von einer Verwertung ausgeschlossen werden. Für ausgewählte Leitparameter sollten zulässige Höchstwerte festgelegt werden, die sich auch an der Ist-Belastung schadstoffarmer Klärschlämme orientieren sollten. Gegenüber den derzeitigen bzw. derzeit diskutierten Grenzwerten der deutschen Klärschlammverordnung und dem Entwurf der EU-Klärschlamm-Richtlinie sieht die Behörde zum Teil „ein erhebliches Absenkungspotenzial“.

Zu prüfen sei, ob die bodenbezogene Klärschlammverwertung auf die Abwasserbehandlungsanlagen zu beschränken sei, die in Abhängigkeit von der Einleiterstruktur eher schadstoffarmes Abwasser behandeln. Eine derartige Prüfung erfolge derzeit durch ein seitens des Umweltministeriums NRW in Auftrag gegebenes Gutachten.

Im Hinblick auf die in Böden überall vorkommenden Schadstoffe – etwa PAK, PCB, PCDD/F – muss nach Auffassung des Landesamtes für Umweltschutz zusätzlich sichergestellt werden, dass es durch die Klärschlammaufbringung nicht zu einer signifikanten Erhöhung der vorhandenen Hintergrundbelastung in Böden kommt. Dies ließe sich durch eine Begrenzung der Schadstoffkonzentrationen im Klärschlamm nach dem Grundsatz „Gleiches zu Gleichem“ oder durch eine Begrenzung der zugeführten Schadstofffracht auf ein „Eintrags-/Austrags-Gleichgewicht“ erreichen, heißt es weiter. Ergänzend könne ein biologischer Toxitätstest verbleibende Unsicherheiten, insbesondere hinsichtlich nicht chemisch-analytisch überwachter Schadstoffe, minimieren.Untersucht wurden im Rahmen des Projekts laut LUA alle 66 kommunalen Kläranlagen Nordrhein-Westfalens der Größenklasse 5 (über 100.000 Einwohner) sowie eine repräsentative Auswahl der übrigen Größenklassen.

Kontakt: Landesumweltamt NRW (LUA), Postfach 102363, 45023 Essen, Tel. 0201/79 95-0, Fax 0201/7995-1448.

Erschienen in der Zeitschrift EUWID – Wasser-Abwasser 07
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Hohe Schadstoffeinträge durch Regenwasser

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Hohe Schadstoffeinträge durch Regenwasser

In Nordrhein-Westfalen stammen fast genau so viele Einträge an sauerstoffzehrenden Substanzen aus Regenwasser wie aus den Abläufen der Kläranlagen. Im Jahr 2000 betrug die aus Mischkanälen direkt in die Gewässer eingetragene Fracht in NRW rund 60.000 Tonnen. Mit dem geklärten Abwasser gelangten im gleichen Jahr 65.000 Tonnen sauerstoffzehrende Substanzen in die Gewässer, berichtete Viktor Mertsch vom Umweltministerium des Landes Ende März auf der Essener Tagung für Wasser- und Abfallwirtschaft.

Auch hinsichtlich der chemischen Gewässergüte spielen für Mertsch die Mischwassereinträge eine herausragende Rolle. Bereits 1996 habe die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) ermittelt, dass für Quecksilber die Mischwassereinleitungen den Hauptpfad darstellten. Auch Cadmium, Kupfer, Zink, Blei und Nickel gelangten heute vorwiegend aus unbehandelten Niederschlagseinleitungen in den Rhein, so Mertsch.

Aus diesen Gründet fordert Mertsch erhebliche Anstrengungen zur Verbesserung der Mischwasserbehandlung. Als geeignete Behandlung schlägt er den Bau von Bodenfiltern, die Steuerung des Mischwasserabflusses vor, dezentrale Versickerungsmaßnahmen sowie die Umstellung auf dezentrale Trennsysteme vor.

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Membranfiltrationsanlagen an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit

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Membranfiltrationsanlagen an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit

Erftverband kalkuliert mit Betriebskosten von 0,29 €/m³ Schmutzwasser

Nach Einschätzung des Erftverbandes stehen großtechnische Membranbelebungsanlagen mittlerweile an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit. Heute sei die Wirtschaftlichkeit noch nicht ganz gegeben. Wenn die Preisentwicklung so fortschreite, wie es sich in den letzten drei Jahren abgezeichnet hat, werde die Wirtschaftlichkeit jedoch spätestens Mitte dieses Jahrzehnts erreicht, berichtete Norbert Engelhardt, Erftverband, Ende März auf der Essener Tagung für Wasser- und Abfallwirtschaft.

Engelhardt betonte dabei, dass sich der Vergleich zwischen Membrananlagen und konventionellen Kläranlagen nur bei hohen Anforderungen an die Ablaufqualität des gereinigten Abwassers rechne. Bei dieser Ausgangsbasis sprächen die Investitionskosten schon heute für Membrananlagen. Noch würden diese Vorteile aber durch die Membranersatzkosten und die im Vergleich höheren Betriebskosten überkompensiert, so Engelhardt.

Er verwies dabei auf das sich im Bau befindliche Gruppenklärwerk Nordkanal des Erftverbandes. Das auf 80.000 Einwohnerwerte ausgelegte Klärwerk muss aufgrund der geringen Eigenwasserführung und anderer Randbedingungen strenge Ablaufwerte einhalten. Bei der durchgeführten Ausschreibung wurden dem Erftverband Angebote für verschiedene Verfahren eingereicht. Die angebotenen Herstellungskosten für die Kläranlage als Membranbelebungsanlage beliefen sich auf 21,2 Mio €. Für eine konventionelle Kläranlage mit anaerober Schlammbehandlung hätte der Verband 23,6 Mio € investieren müssen, für eine konventionelle Anlage mit simultaner aerober Schlammstabilisation 21,8 Mio €.

Die spezifischen Betriebskosten der Membrananlage belaufen sich ohne den Membranersatz laut Erftverband auf knapp 1,7 Mio € jährlich; 0,29 €/m€ Schmutzwasser beziehungsweise 0,24 €/m³ Abwasser. Deutlich niedriger sind hier die spezifischen Betriebskosten der konventionellen Kläranlagen. Für eine Anlage mit Flockungsfiltration und anaerober Schlammbehandlung lauten die Vergleichswerte 0,24 €/m³ (Schmutzwasser) und 0,20 €/m³ Abwasser; für eine Anlage mit simultaner aerober Schlammstabilisation 0,27 €/m³ und 0,23 €/m³.

Im Rahmen des Vergabeverfahrens erhielt der Erftverband schließlich drei wertbare Angebote für eine Membranbelebungsanlage, die Investitionskosten bewegten sich zwischen 20,3 Mio € und 22,1 Mio €. Die spezifischen Investitionskosten je Einwohner betrugen damit zwischen 255 und 277 €. Bei der konventionellen Lösung fallen 278 bis 297 € je Einwohner an. Die Betriebskosten wurden bei den drei Membrananlagen mit 20,5 bis 21,5 € je Einwohnerwert kalkuliert, bei der konventionellen Anlage mit anaerober Schlammbehandlung auf 17,4 € je Einwohnerwert, bei der konventionellen Belebungsanlage mit aerober Schlammstabilisierung auf 19,9 €/m³.

Aus diesen Werten errechnete der Erftverband für die konventionellen Lösungen Abwasserkosten von 0,46 €/m³. Diesen Wert würde die Membrananlage bei einer angenommenen Nutzungsdauer der Membrane von fünf Jahren nur erreichen, wenn die Membranersatzkosten maximal 5,1 €/m² betragen. Bei einer Nutzungsdauer von acht Jahren wäre Membranersatzkosten von 9,7 €/m² tragbar. Beide Werte sind derzeit unrealistisch.Aufgrund der vom Land Nordrhein-Westfalen gewährten Investitionsförderung von 6,4 Mio € war für den Erftverband die Wirtschaftlichkeit jedoch auch unter Berücksichtigung realistischer Membranersatzkosten die Wirtschaftlichkeit machbar. Bei der fünfjährigen Nutzungsdauer dürften die Membranersatzkosten bei maximal 33,2 €/m² liegen, bei der achtjährigen Nutzungsdauer bei maximal 61,9 €/m². Die Erstinvestitionskosten für das Klärwerk Nordkanal beliefen sich auf 63,9 €/m².

Kontakt: Erftverband, Norbert Engelhardt, Paffendorfer Weg 42, 50126 Bergheim.

Erschienen in der Zeitschrift EUWID – Wasser-Abwasser 07
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Bleichstr. 20-22
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Wasserverbandstag für Klärschlammverwertung

Der nachfolgende Artikel wurde mit freundlicher Empfehlung vom EUWID Wasser und Abwasser bereitgestellt

Wasserverbandstag für Klärschlammverwertung

Der Wasserverbandstag Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Hannover, spricht sich für einen Fortbestand der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung aus.

Der Verbandstag habe ein dementsprechendes mit dem Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund abgestimmtes Schreiben an das Bundesumweltministerium sowie an das Bundesverbraucherschutzministerium gesandt, heißt es in einer Mitteilung des Wasserverbandstags.

Für sinnvoll hält der Wasserverbandstag eine Überprüfung der geltenden Grenzwerte der Klärschlammverordnung sowie eine Anpassung der Düngemittelverordnung an die neuesten wissenschaftliche Erkenntnisse.

Der Wasserverbandstag betont aber, dass mit der Überprüfung und Anpassung die landwirtschaftliche Verwertung von kommunalem Klärschlamm auf keinen Fall verhindert werden dürfe.

Ein völliger Ausstieg sei fatal, insbesondere, da das in den vergangenen Jahren aufgebaute Umweltbewusstsein der Verbraucher hinsichtlich einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft hierdurch in Frage gestellt würde, schreibt der Verbandstag.

Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse rechtfertigten einen Ausstieg nicht.

Dem Wasserverbandstag gehören rund 1.000 Unternehmen aus Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt an.
Der Verband unterstützt seine Mitglieder bei Aufgaben der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, bei der Gewässerunterhaltung, bei der Regelung des Bodenwasserhaushaltes sowie beim Hochwasserschutz.

Erschienen in der Zeitschrift EUWID – Wasser-Abwasser 02 vom 22.01.2002

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Anforderungen an Variantenuntersuchungen im Rahmen der Vorbereitung wasserwirtschaftlicher Investitionen

Grundsätzliche Hinweise vom Institut für Wasserwirtschaft Halbach

Zusammenfassung:

Es kommt bei dynamischen Kostenvergleichsrechnungen darauf an, dass zu allererst geprüft wird, ob es überhaupt zulässig ist, die Kosten ohne weiteres zu vergleichen.

Die Planungen sollten (müssen) auch dahingehend geprüft werden, ob im Rahmen der Kostenvergleichsrechnungen Nachweise über den gleichen Nutzen der Varianten enthalten sind. Diese Nachweise sollten im Rahmen einer Nutzwertanalyse geführt werden.

Die Kostenermittlung für Kostenvergleichsrechnungen muss die Anforderungen der KVR-Leitlinien erfüllen.

Inhalt:

  • Problemstellung
  • Fehlender Nachweis der Nutzengleichheit
  • Fragwürdige Kostenermittlung
  • Nutzwertanalyse

Problemstellung

Im Rahmen der gutachterlichen Tätigkeit des Institutes wird häufig festgestellt, dass die Variantenuntersuchungen der planenden Büros selten den Anforderungen entsprechen, die an Kostenvergleiche zu stellen sind.

Damit weisen diese Planungen Mängel auf.

Die wesentlichen Mängel lassen sich in folgende 2 Kategorien gliedern:

1. fehlende Nachweise der Nutzensgleichheit
2. fragwürdige Kostenermittlung

Fehlender Nachweis der Nutzensgleichheit

Oftmals werden die Kosten von Varianten verglichen, die bei näherer Betrachtung einen unterschiedlichen Nutzen haben.

Eine Nutzensanalyse und eine Nutzensbewertung – die wissenschaftliche Anforderung entspricht den Regeln der Investitionsbewertung – erfolgt in der Regel nicht.

In gleicher Weise wird nur selten eine Risikobewertung, z. B. der getroffenen Annahmen vorgenommen.

Insgesamt wird zu oft der Eindruck vermittelt, als gäbe es keine Risiken bei der Investition.

Die Bewertung des Investitionsrisikos ist aber ein wesentliches Qualitätsmerkmal für die Nutzensbewertung.

Die folgenden Beispiele veranschaulichen die Problematik:

Was nützt z. B. die vorteilhafteste nach ingenieurtechnischen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten optimierte Verbandsstruktur, wenn am Ende die Vorzugsvariante von den Verbandsräten aus politischen Befindlichkeiten nicht akzeptiert und umgesetzt wird?

Oder was nützt z. B. die eine wertvolle Kläranlagenplanung, wenn sie auf riskanten Grundlagen beruht?
Voraussetzung für den einfachen Kostenvergleich ist, dass die Varianten tatsächlich über den gleichen Nutzen verfügen.

Anderenfalls ist ein Kostenvergleich in der üblichen Weise nicht zulässig.

Der Nachweis des gleichen Nutzens ist auch deshalb so wichtig, weil es schon recht selten ist, dass 2 Varianten tatsächlich über den gleichen Nutzen verfügen. Zu dieser Erkenntnis wird man sicher bei sorgfältiger Nutzensanalyse gelangen.

Die überwiegende Zahl der bisherigen Kostenvergleichsrechnungen ist wahrscheinlich einerseits zwar rechnerisch meist richtig, aber andererseits methodisch oft falsch.

Warum?

Es wurde bei der Prüfung zahlreicher Planungen durch das Institut oft festgestellt, dass

  • in den vielen Planungen der Abwasserbeseitigung eine regelrechte Nutzensbewertung fehlt und dass
  • in vielen Planungen mehr oder weniger stillschweigend davon ausgegangen wird, dass die untersuchten Varianten einen gleichen Nutzen haben.

Damit drängt sich zwangsläufig o. g. Hypothese auf.

Sollte das stimmen, dann werden in der Konsequenz bei unterlassenen Nachweisen des gleichen Nutzens, nicht nur falsche und riskante Investitionsentscheidungen begünstigt, sondern die Beratung des Bauherren wird insgesamt fragwürdig sein.

Fragwürdige Kostenermittlung

Zu den Anforderungen an die Kostenermittlung gibt es klare Hinweise in den Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen.

Hier ist ein Auszug aus den Seiten 3-4 und 3-5 der Leitlinien:

Um Fehlentscheidungen zu vermeiden, müssen die Vorplanungen soweit ausgedehnt werden, dass eine situationsgerechte Beurteilung erfolgen kann.

Da in früheren Planungsstadien die größten Kostenbeeinflussungen gegeben sind, genügt es für Alternativvergleiche auf der Basis von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen allgemein nicht, diese Betrachtungen unter Verwendung grober Kostenkennwerte durchzuführen. Vielmehr ist es zur Erzielung der notwendigen Genauigkeit angezeigt, von Anbeginn eine Elementeinteilung vorzunehmen, die sich im Laufe des Planungsprozesses hierarchisch verfeinert.

Treten Kostenunsicherheiten auf, die eine Ausgrenzung von Alternativen zweifelhaft erscheinen lassen, so ist die Informationsbasis zu verbessern, bis eine rationale Entscheidung für oder gegen eine Konzeption gefällt werden kann. aus zu frühen Systemfixierungen können die größten Kostenrisiken resultieren.

Bei der Ermittlung der laufenden Kosten wird im Rahmen vor Vor- und Entwurfsplanungen sehr häufig von Prozentsätzen der Investitionskosten ausgegangen. Diese in der Literatur genannten Durchschnittswerte können jedoch im zu betrachtenden Einzelfall lediglich recht grobe Näherung sein. Zudem ist mitunter auch nicht feststellbar, ob diese Anhaltswerte sämtliche zu den laufenden Kosten gehörigen Kostengruppen (Personal-, Sach-, Energiekosten) beinhalten. Aus diesen Vorbehalten ergibt sich insbesondere für Maßnahmen mit hohen laufenden Kosten ein erhebliches Unsicherheitsmoment. In solchen Fällen ist eine genauerer Kalkulation – getrennt für die maßgeblichen Kostenarten – geboten und ein Vergleich mit in Betrieb befindlichen gleichartigen Analysen anzustreben.

Nutzwertanalyse

Die Planungen sollten künftig auch dahingehend geprüft werden, ob im Rahmen der Kostenvergleichsrechnung Nachweise über den gleichen Nutzen der Varianten geführt wurden.

Dieser Nachweis sollte nach den Regeln der Nutzwertanalyse erfolgen.

Dabei sind im Erläuterungsbericht nicht nur einzelne Nutzen beschrieben, sondern es ist auch zu erörtern, warum man welche Bewertung vergab.

Der Aufwand für einen derartigen Nutzensnachweis muss dem planenden Büro sowieso bekannt sein, so dass keine zusätzlichen Recherchen notwendig sind.

Für die reine methodische Darlegung mit Diagrammen und Erläuterungsberichten für die Bewertung von z. B. 4 Varianten dürfte maximal ein Stundenaufwand von 6 h entstehen.

Eine derartige Nutzwertanalyse hat erhebliche unmittelbare Vorteile für das planende Büro und den Bauherrn.

Zweckmäßig ist, wenn das planende Büro einen Entwurf der Nutzwertanalyse dem Bauherrn unterbreitet und beide Parteien gemeinsam dann endgültig über die Vergabe der jeweiligen Nutzen der verschiedenen Varianten beraten und entscheiden.

Literatur:

Länderarbeitsgemeinschaft Wasser
„Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen“ (KVR-Leitlinien)
überarbeitete Ausgabe von 1998
Kulturbuchverlag Berlin GmbH
Sprossenweg 3
12351 Berlin

Tel.: 030/661-8484
Fax: 030/661-7828
ISBN: 3-88-961-228-8




Blaualgen haben große genetische Vielfalt

Literaturauszug

Blaualgen haben große genetische Vielfalt

von Wolfgang W. Merkel

Die Forscher aus sieben Ländern hatten die Menge und die genetische Vielfalt anhand eines exemplarischen Organismus untersucht: Prochlorococcus ist ein sogenanntes Cyanobakterium – oft ungenau als Blaualge bezeichnet. Diese Art ist der Organismus, der auf der Erde den größten Beitrag zur Photosynthese erbringt und damit den größten Beitrag zur Produktion von Biomasse leistet. Er produziert durch seinen Stoffwechsel zudem große Mengen an Sauerstoff. Wie die Forscher unter der Leitung von Heather A. Bouman von der chilenischen Universität Concepción heute in „Science“ berichten, variiert die genetische Ausstattung der Bakterien stark mit dem jeweiligen regionalen Angebot an Nährstoffen und Licht.

Artikel erschienen am Freitag, 12. Mai 2006

http://www.welt.de




Wasserwerk Bukau in Magdeburg

Festschrift von 1959 – 100 Jahre

Magdeburg braucht Wasser

Leben ist ohne Wasser unmöglich, und für das gesellschaftliche Leben, für die fort-schreitende Entwicklung ist eine ausreichende, allen Ansprüchen genügende Versorgung mit Wasser eine der elementarsten Voraussetzungen. Aus diesem Grunde wird allerorts in der Deutschen Demokratischen Republik der Wasserwirtschaft stets besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Sie ist ein fester Bestandteil unserer Fünfjahrpläne und damit Gegenstand umfangreicher Maßnahmen, in deren Ergebnis großzügige Veränderungen und Verbesserungen auf diesem Gebiet zum Wohle unserer Bevölkerung und zur Gewährleistung der ständigen Steigerung der Produktion ermöglicht werden. Die Durchführung dieser Maßnahmen wird auch in unserer Stadt ihre fördernden Auswirkungen haben.

Magdeburg als eine der wichtigsten Städte der Deutschen Demokratischen Republik hat unbestritten an der Entwicklung des gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Lebens in unserem Arbeiter-und-Bauern-Staat einen entscheidenden Anteil, und wie in der gesamten Republik der sozialistische Aufbau zum allseitig bestimmenden Faktor wurde, steht auch in Magdeburg die Entwicklung zur sozialistischen Großstadt im Mittelpunkt der gesamten Arbeit.
Die ständige Erweiterung der Industriekapazität, die planmäßige Steigerung der materiellen Produktion, die Erfüllung der wachsenden Exportaufträge sowie der immer schneller voranschreitende sozialistische Neuaufbau der durch Kriegseinwirkungen stark zerstörten Stadt legen ein beredtes Zeugnis davon ab. Die bisher erreichten stattlichen Erfolge waren jedoch nur möglich, weil zugleich in jeder Beziehung die notwendigen Voraussetzungen durch unsere Werktätigen dafür geschaffen wurden. Dazu gehörte auch eine ausreichende Versorgung mit Wasser.
Die neuen sozialistischen Produktionsverhältnisse in unserer Republik bieten die Gewähr, dass die Errichtung der von der Ausbeutung befreiten Gesellschaft in der Deutschen Demokratischen Republik in absehbarer Zeit vollendet wird. Sozialistisch leben heißt, daß die Bedürfnisse der Werktätigen ständig wachsen und in immer größerem Umfang befriedigt werden müssen. Diesem Erfordernis muß auf jedem Gebiet zu jeder Zeit Rechnung getragen werden.“

Weiterlesen in der Pdf-Datei der Festschrift von 1959: Festschrift Bukau




Blaualgenreport

1. Lektion – Einführung

Ziel des Reportes:
Nachweis, dass der Gewässerschutz teilweise uneffektiv, paradox, teils sogar gewässerschädlich ist.

Beweisaufgabe:
1. Nachweis der Verschwendung finanzieller Mittel für die unnötige Stickstoffeliminierung in EU-Kläranlagen.
2. Nachweis gewässerschädlicher Regelungen in der Abwasserverordnung und im Abwasserabgabengesetz

Methode:
Vergleich

Gegenstand:
Grundlagenwissen der Hydrobiologie und ausgewählte aktuelle Gewässerschutzvorschriften

Vorwegnahme:
Behörden und Ministerien sind diese noch aufzuzeigenden Widersprüche zumeist bekannt. Die Gesetzgebung und die Bürokratie verbietet bzw. verhindert aber folgenreich die Nutzung einiger wissenschaftlicher Erkenntnisse für den Gewässerschutz.

Folge:
Entwertung der Bildung und Schäden in Höhe von ungezählten Milliarden Euro.

  • Blaualgen gibt es schon seit etwa 3,5 Milliarden Jahren (Präkambrium).
  • Eigentlich sind es keine Algen, sondern Bakterien der Abteilung Cyanophyta.
  • Der Name Cyanophyta kommt von der blau-grünen Farbe.
  • Blaualgen sind 5-10 mal größer als Bakterien.
  • Sie pflanzen sich ungeschlechtlich fort.
  • Es gibt weltweit etwa 2.000 Arten, wobei die Experten über die genaue Spezifikation und Klassifizierung der Arten noch debattieren.
  • Blaualgen leben im Wasser.
  • Blaualgen ernähren sich autotroph. (Fähigkeit bestimmter Organismen, mit Hilfe von Licht oder aber anorganischer Substrate als Energiequelle körpereigene, organische Substanz aufzubauen.)

2. Lektion – Färbung, Bewegung, Fortpflanzung und Verbände

  • Das Protoplasma (innere Substanz aller lebenden Zellen, inkl. Zellkern; ein komplexes Kolloidgemisch, das vorwiegend aus Eiweißstoffen besteht) ist niemals rein grün.
  • Vorherrschende Farben sind blaugrün, spangrün, violett bis rötlich, purpur bis braunrot, braun und olivgrün.
  • Bei Nährstoffmangel (N, P, u. a.) treten gelbliche Farbtöne auf.
  • Bei Anwesenheit von Schwefelwasserstoff sind die Farben gelbgrün oder blassbläulich.
  • Es gibt zahlreiche Farbmischungen aus der Farbe des Protoplasmas, der Scheiden und der Hüllen.
  • Die meisten Blaualgen sind unbeweglich, ungeschlechtliche Fortpflanzung und Zweiteilung.
  • Blaualgen kommen als einzelne Zelle und in Zellverbänden vor:
    1. Kugelförmig als Beschlag
    2. netzförmig
    3. rasenförmig ohne Verzweigung
    4. rasenförmig mit Verzweigung
    5. als Strang
    6. als Haut
    7. Bündel
    8. Schwamm
    9. Verhau
    10. festsitzendes Polster
    11. planktisches (schwebend) Kugelpolster
    12. Einbettung
    13. Einbettung (Mischbestände)
    14. Kruste

Siehe zu den Verbänden Abbildung 1 aus

Urania Pflanzenreich
Niedere Pflanzen
Urania-Verlag
Leipzig-Jena-Berlin
2. Auflagen 1977

3 . Lektion – Vorkommen

  • Blaualgen sind auf der Erde weit verbreitet (fast überall)
  • Dort wo es photoautotrophe Algen gibt, sind auch Blaualgen zu finden. (photoautotroph: Fähigkeit zu ihrer Ernährung anorganische Substanzen in körpereigene Substanzen mit Hilfe von Licht umzuwandeln)
  • Ihre Stärke liegt im Massenwachstum bei Grenzbedingungen (z. B. Mangel von Nitratstickstoff).
  • Die meisten Blaualgen benötigen Licht zum Leben.
  • Das rote Meer erhielt z. B. seinen Namen durch die Wasserfärbung durch rote Trichome (haarähnliche Gebilde) von Blaualgen, die aus den Tiefen des Meeres emporsteigen. In den Dämmerzonen der Meere herrscht blaugrünes Licht vor. Durch den roten Algenfarbstoff wird blaugrünes Licht gefiltert und somit für die Blaualge erschlossen. (Dieser Filtereffekt wird z. B. bei der Mikrofotografie genutzt, wenn es darum geht blaugefärbte Bakterien kontrastreich schwarz-weiß abzubilden.)
  • Die meisten Blaualgenlager sind daher in den Tiefen der Meere rot oder violett gefärbt.
  • Die Assimilation der Blaualgen endet bei etwa 65 °C. In heißen Mineralquellen gibt es noch Arten, die bis 75 °C lebensfähig sind.
  • In einer meiner Lieblingsstädte – Karlovy Vary – sind sie ebenfalls am Auslauf des Vrídlo-Sprudel zu beobachten. Es handelt sich also nicht um buntes Abwasser, um dem Aufschrei der Ökologisten vorzubeugen. Thermophile (> 35 °C) Algen wachsen bei Temperaturen unter 30 ° C nicht, kryphiel Blaualgen leben dagegen bei Temperaturen bis -88 °C.
  • Blaualgenarten, die in Hochgebirgen gemäßigter und tropischer Breiten sowie in abgegrenzten Beständen in Wüstenböden leben, können alle Lebensvorgänge unterbrechen ohne zu sterben, wenn Temperaturen und Wasserversorgung entsprechend schwanken. Blaualgen, die in einem Herbarium getrocknet waren, erwiesen sich nach 87 Jahren noch als lebensfähig.
  • Blaualgen sind die Erstbesiedler kürzlich entstandener Landflächen, Wüsten, Steppen, insbesondere von nährstoffarmen Böden.
    Warum? Weil einige Arten von ihnen fähig sind, atmosphärischen Stickstoff zu binden. Das heißt, sie „bauen“ sich gewässerschädliches Eiweiß aus der Luft selbst. Damit wird die Stickstoffentfernung in deutschen Kläranlagen nonsens.
  • Vor allem fädige Blaualgen – mit Herterocysten – (siehe 4. Lektion) sind in der Lage molekularen Stickstoff zu binden. Man vermutet, dass in den Schleimen der Blaualgen obligonitrophile (stickstoffliebende) Bakterien leben, die an dem Prozess beteiligt sind. Ähnlich wohl wie die Symbiose zwischen Knöllchenbakterien und Leguminosen funktioniert. Übrigens: Wussten Sie, dass die Knöllchenbakterien zu den Blaualgen zählen?
  • In Japan wird die Blaualge Tolypothrix tenius kultiviert und zur Düngung der Reisfelder verwendet. Es gibt Ertragssteigerungen bis zu 120%.
    In Indien werden mit Blaulagen unfruchtbare Salzböden rekultiviert.
  • Die Blaualge Anabaena ist symbiontisch mit dem Wasserfarn Azolla, welcher auf indischen Reisfeldern mitkultiviert wird. Auf diese Art und Weise können ohne zusätzliche Düngung mehrere Ernten pro Jahr eingeholt werden.
  • 3 Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans Krakatoa fanden sich auf den Asche- und Tuffoberflächen gallert-schleimige Lager von Blaualgen.
    Die Stickstoffbindung der Blaualgen ist die Ursache für deren Massenwachstum in unseren Seen zu Zeiten, in denen ein Mangel an verwertbaren Stickstoffverbindungen (Nitrat und Ammoniumstickstoff) herrscht.

Bayreuther Link zur Blaualge Anabaena
Siehe auch: Chemievorlesung der Uni-Kiel und Uni-Protokolle  der Uni Bayreuth

4 . Lektion – Heterocysten

  • Heterocysten sind spezialisierte Zellen in manchen Zellketten (=Filament) von Cyanobakterien.
  • In Heterocysten wird Luftstickstoff durch das Enzym Nitrogenase (Stickstofffixierung) in Ammonium umgewandelt.
  • Voraussetzung für die Bildung von Heterocysten ist Nitrat oder Ammoniummangel im Wasser.
  • Gelöster Sauerstoff ist für die Nitrogenase toxisch. Dieser wird aber bei Heterocysten in der Zellwandung teilweise gebunden.
  • Parallel zur Nitrogenase wird durch die Photosynthese das Kohlendioxid in Biomasse umgewandelt.
  • Cyanobakterien, die Heterocysten verwandeln die „unerschöpflichen“ Grundstoffe Wasser, Kohlendioxid und Luftstickstoff in Biomasse unter maximaler Ausnutzung von Lichtenergie.
  • Es handelt sich um die effektivste bekannte Art der Produktion von Biomasse.
  • Quelle und Weiteres unter Heterozyste oder unter Stickstoff-Fixierung
  • Stickstofffixierer sind u. a. die Blaualgen Anabaena (Anabaena ), Aphanizomenon.
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