Gewässerschutz

Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 widerspricht konkretem Gewässerschutz

Übermäßiger Gewässerschutz kann gegen das Verschlechterungsverbot nach Paragraph 27 verstoßen!

In diesem Beitrag geht es um die Darstellung der Tatsache, dass der praktizierte Gewässerschutz – also in der Weise wie er offiziell verfolgt wird – keineswegs selten seine Ziele gerade dann verfehlt, wenn er wasserrechtliche Regelungen rigoros umsetzt.

Das ist komisch, ist aber so!

(„Keineswegs selten“ bedeutet, dass es natürlich auch Fälle gibt, in denen der Gewässerschutz seine Ziele erreicht.)

Die Ursache des erwähnten Paradoxon liegt in der Unmöglichkeit,

  1. die konkrete Natur mit abstrakten Rechtsvorschriften abzubilden. Und
  2. in der Unmöglichkeit, mit Rechtsvorschriften in der Natur etwas zu steuern.

Wenn etwas in der Natur mehr oder weniger genau gesteuert werden kann, dann nur in Kenntnis und Anwendung der wissenschaftlichen Ökologie.

So, und nun zu den Tatsachen. Tatsachen haben die Eigenschaft, darauf sei noch hingewiesen, dass sie für ihre Wahrheit keine Akzeptanz benötigen. Beispiel: Die Erde ist rund und dies unabhängig davon, ob der Gesetzgeber oder eine Verwaltung nun daran glaubt oder nicht! Tatsachen bedürfen für ihre Akzeptanz der Dokumentation. Und fehlt die Dokumentation oder ihre Akzeptanz, so bleiben es trotzdem Tatsachen.

Ein schönes Beispiel ist der von Reichholf dokumentierte, gutgemeinte und tatsächliche Eingriff des „Gewässerschutzes“ in die Natur der völlig nach hinten losging. In der Konsequenz kam es zu einem vorhersehbaren Massensterben von Muscheln. Hier sollte man wissen, dass Muscheln gut 100 Jahre alt werden können und als Filtrierer einen beträchtlichen Anteil an der Klarheit eines Gewässers haben können. Zahlreiche Naturfreunde lesen seit Jahren Muscheln aus Gewässern, die aus verschiedensten Gründen zeitweise trocken liegen, um sie umzusiedeln oder anschließend wieder einzusetzen. 3 Beispiele mögen ihre Bemühungen veranschaulichen:

Das ist die eine Seite der Medaille!

Die andere Seite füllt das Wasserhaushaltsgesetz mit seiner Forderung, Abwässer nach dem Stand der Technik zu behandeln. REICHHOLF kritisiert diese Forderung schon 2005:

Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt? Wir können nicht all diesen Tieren die Nahrung wegnehmen und dann darüber klagen, dass sie seltener werden.Reichholf: Die Zukunft der Arten.

Der sogenannte Stand der Technik verursachte in einem dokumentierten Fall ein Massensterben schützenswerter Tiere im Gewässer. Auf der einen Seite begeistert sich der Naturfreund über die Rettung von 20 Muscheln, opfert seine freie Zeit und auf der anderen Seite werden beim guten Tun wasserrechtskonform 4.000 Muscheln/100 m²(!)  getötet.

Aus dem Kapitel 3, ab Seite 47 des Buches von REICHHOLF

Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten.
Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch, erschienen März 2005
München C.H. Beck Verlag

folgt, dass übermäßiger Gewässerschutz zur dramatischen Verschlechterung der Bedingungen in den Ökosystemen für Mauersegler und Großmuscheln führte. Aber lesen Sie selbst:

Gewässerschutz

Abbildung 10: Der Rückgang der Mauersegler verlief parallel zur Abnahme der Großmuscheln und der Mückenlarven.

Zum Verständnis des Diagramms 10 von REICHHOLF:

1968-1973 wurden je 100 m² noch 4.000 Großmuscheln gezählt. 1994 war infolge der „Verbesserung“ der Gewässergüte keine mehr da!

Zum Diagramm, Zitat:

„Dennoch lässt sich wohl der größere Teil — wenn nicht sogar der gesamte Rückgang — als «hausgemacht» erklären. Den Schlüssel dazu liefern ganz ähnliche, ja sogar im Ausmaß noch weit kräftiger ausgebildete Rückgänge bei den Großmuscheln. Und die wandern nicht irgendwohin, sondern sie leben dauerhaft für Jahre und Jahrzehnte in jenen Gewässern, aus denen auch die «Emergenz» von Zuckmücken, kleinen Eintagsfliegen und anderen Wasserinsekten hervorkommt. Abb. 8 zeigt diesen Rückgang der Großmuscheln im selben Gebiet der Stauseen am unteren Inn, in dem auch die starke Abnahme der Mauerseglerhäufigkeit festzustellen war. Die Kleinmuscheln gingen ebenfalls sehr stark zurück.
Fügt man nun auch noch die Abnahme der Häufigkeit der Zuckmückenlarven (Abb. 9) hinzu, die im Bodenschlamm dieser Stauseen leb(t)en, ergibt sich ein einheitliches Gesamtbild (Abb. 10).
Die Gleichsinnigkeit der Verläufe bei den drei so ganz unterschiedlichen Tiergruppen geht hieraus so deutlich hervor, dass sich ein gemeinsamer Grund geradezu aufdrängt. Er lässt sich aus der Lebensweise der Zuckmückenlarven und der Großmuscheln direkt ableiten und mit der Abnahme der Mauersegler verbinden. Beide, die Larven der Zuckmücken wie die Großmuscheln, leben von jenem schon benannten organischen Detritus, den Bakterien und Pilze zersetzen. Sie filtern oder strudeln ihn aus dem Wasser und den obersten Schichten des Bodenschlammes heraus. Vor allem das Bakterieneiweiß, das darin enthalten ist, stellt eine ergiebige Nahrungsgrundlage dar. Sie bildet gleichsam die Basis einer eigenen, sehr umfangreichen Nahrungskette. Erstnutzer dieses Detritus sind Zuckmückenlarven und Schlammröhrenwürmer, die in ähnlichen Mengen und Mengenverhältnissen wie die Zuckmückenlarven in solchen Gewässern vorkommen sowie die Muscheln. Wo es viel von dieser Detritus-Nahrung gibt, entwickeln sich große Bestände dieser «Schlammfauna» (Reichholf 1993). Mit bis zu 2,6 Kilogramm Frischgewicht pro Quadratmeter erreichten Ende der 1960er und Anfang der 1970erJahre die Zuckmückenlarven sogar ziemliche Rekordwerte. Noch erheblich größere Mengen hatte es am Ismaninger Speichersee gegeben.“ (Reichholf, J.H., Die Zukunft der Arten)

Zu dem Verhungern der Mauersegler und Großmuscheln kam es also durch Verschlechterung des Nahrungsangebotes infolge einer übermäßigen Abwasserreinigung.

Ein scheinbares Paradox: Ist doch gerade die Verschlechterung des Gewässerzustandes vom „Gewässerschutz“ ausdrücklich verboten!

Mitunter wird geglaubt, Muscheln brauchen klares Wasser. Das trifft aber nur auf wenige Muschelarten zu. Vielmehr ist korrekt, dass Muscheln – insbesondere Teichmuscheln – trübes Wasser reinigen. Sie filtrieren das Wasser. Für die Teichmuscheln im Dorfteich kann es eng werden, wenn Kleinkläranlagen, die bislang in den Teich entwässerten und nun wegen einer Emotion (abstrakter Grund einer Besorgnis), dass der Gewässerzustand schlechter werden könnte, dort nicht mehr einleiten dürfen. An solche Feinheiten darf eine Gewässerverwaltung nicht einmal denken. Derartige Abweichungen vom Gesetzestext hat der Gesetzgeber ihr bei Strafe verboten und insofern ist an dem negativen Effekt des Guten eine Wasserbehörde meist schuldlos. Es hat den Anschein, der Gesetzgeber traut seinen Unteren Wasserbehörden nicht über den Weg. Sicher sehr zu Unrecht, denn der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Ursachen der Schieflagen sind abstrakte und weltfremde Vorstellungen von der Natur, die zu allem Unglück in Gesetze und Verordnungen zementiert wurden und die unter allen Umständen einzuhalten sowie zu beachten sind, auch wenn Populationsdichte und Biodiversität den Bach hinunter gehen. Helfen könnten zwar

  • ein größerer Entscheidungs- und Verantwortungsspielraum der Unteren Wasserbehörden,
  • mehr Naturwissenschaftlichkeit in den Verwaltungen, so dass man auch Verschlechterungen als Konsequenz des Guten rechtzeitig erahnen kann,
  • Gestattung von Ausnahmen in begründeten Fällen sowie
  • eine Reform des § 27 WHG,

dass aber auch nur ein Teil davon umgesetzt wird, halte ich für ausgeschlossen, weil es tatsächlich um etwas anderes geht. 

Eine Ursache für die Verschlechterung des Gewässerzustandes (Rückgang der Populationsdichte und Biodiversität) ist der § 27 WHG.

Gewässerschutz und Paragraph 27: Bewirtschaftungsziele für oberirdische Gewässer (WHG – Wasserhaushaltsgesetz)

„(1) Oberirdische Gewässer sind, soweit sie nicht nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein guter ökologischer und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.

(2) Oberirdische Gewässer, die nach § 28 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, sind so zu bewirtschaften, dass

  1. eine Verschlechterung ihres ökologischen Potenzials und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
  2. ein gutes ökologisches Potenzial und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.“

Schon der § 27 ist für den Gewässerschutz ein logisches Dilemma. Er ist in sich in hohem Maße widersprüchlich, wie folgende Aspekte beweisen mögen:

  1. Es gibt keine abstrakte Natur und kein abstraktes Gewässer.
  2. Es ist unmöglich etwas Abstraktes zu verbessern, zu verschlechtern oder zu schützen.
  3. Wasserwirtschaftliche Prinzipien (effiziente Nutzung des Wassers, Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips,…) sind immer konkret!
  4. Ein Effizienzbeweis ist immer nur konkret zu führen. 
  5. Wer abstrakt begründet, hat entweder keine Ahnung oder er verbirgt in raffinierter Weise seine tatsächlichen Ziele und Interessen.
  6. Ein ökologischer Zustand ist immer konkret orientiert, an einen konkreten Organismus oder an eine konkrete Lebensgemeinschaft gebunden. Der  ökologische Zustand bzw. das ökologische Potential im § 27 aber ist abstrakt.
  7. Zwischen dem ökologischen und dem chemischen Zustand gibt es eine Naturgesetzlichkeit. So kann z. B. die Verbesserung der Nahrungsgrundlage und damit des ökologischen Zustandes – konkret der Teichmuschel – eine Verschlechterung des wasserchemischen Zustandes erfordern.

Mit Gewissheit steht damit fest: Der § 27 WHG kann beliebig interpretiert werden. Es handelt sich beim § 27 um einen unter wissenschaftlichen Ökologen seit langen bekannten Nonsens. Er wird von ihnen nur etwas charmanter, in einer Weise formuliert, so dass sich ein Unwissender nicht beleidigt fühlt:

„Wenn man den vorwissenschaftlichen Charakter des „Gleichgewichts der Natur“ und des Superorganismus-Konzepts eingesehen hat, gibt es kein wissenschaftliches Kriterium, die Gesundheit von Ökosystemen zu bewerten. Es gibt keinen innerhalb der Wissenschaft liegenden Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.“ Lampert

Neben Lampert könnten noch weitere Ökologen genannt werden, z. B. Steinberg.

Am Ende kommt es im Streitfall auf den Richter an, ob dieser eher abstrakten oder konkreten Argumenten zugeneigt ist.

Rumm, u. a. notieren zurecht im Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie, 2. Auflage, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2006:

Maßnahmen müssen zielführend und eben kosteneffizient sein…

allerdings zeigt sich der § 27 für den Gewässerschutz davon völlig unbeeindruckt.

Und schließlich zusammenfassend:

Die Verbesserung der chemischen Gewässergüte zur abstrakten Umsetzung des Verschlechterungsverbotes, ist oft auch Ursache der  Verschlechterung der Lebensbedingungen für bestimmte Lebewesen in konkreten Ökosystemen.

Dem abstrakten Verschlechterungsverbot entspringt das Gebot abstraktes Gutes zu tun und das abstrakte Gute führt in Ökosystemen in der Konsequenz häufig zu konkreten Verschlechterungen. Im Streit über die Bewertung der Realität wird am Ende nicht dem gefolgt, der wissenschaftlich gesehen die Sachlage korrekt bewertet, sondern entscheidend ist – sofern der Streit nicht vor Gericht ausgetragen wird – häufig die Meinung meist einer einzigen Deutungshoheit in einer Verwaltung zur Auslegung abstrakter Regelungen und Dogmen.

Die Akzeptanz des Ergebnisses einer sachlichen, wissenschaftlichen Bewertung, wenn sie im Widerspruch zu den wirtschaftlichen und damit politischen Vorstellungen über die Natur steht, ist eher ein Ausnahmefall.

(Beitrag vom März 2013, überarbeitet im Januar 2017)




Zustandsbewertung der Gewässer – Ökologischer Einklang

Ooom

Zum „ökologischen Einklang“ folgendes Zitat:

„Unberücksichtigt bleiben der Zusammenhang zwischen Stabilität und Mangel, der größere Änderungen einfach verhindert, und die tatsächlichen Ungleichgewichte in der Natur, ohne die sie gar nicht funktionieren könnte. Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, daß es ausgerechnet die »balancierten« mittleren Zustände sind, die zwar als solche wünschenswert wären, sich aber nicht so recht einstellen lassen. Das erste Beispiel liefert die Belastung und Reinhaltung von Seen Eingeleitete Abwässer düngten seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten, bis die Folgen sichtbar wurden. Die anfänglich sauberen Gewässer drohten zu »kippen«, was bedeuten sollte, daß sie vom nährstoffarmen, sauberen Zustand in einen nährstoffreichen, schmutzigen hinüberwechselten oder daß dieser Wechsel bevorstand. Durch Ringkanalisationen und starke Verminderung der Abwässerzufuhr ließ sich dieses Kippen in zahlreichen Fällen verhindern. Die Seen wurden wieder sauberer, aber nun nahmen auch die Fischerträge (stark) ab. Denn nährstoffarme Seen sind unproduktiv, weil in ihnen Mangel an Nährstoffen herrscht. Das ist gut für die Gewinnung von Trinkwasser aus dem See sowie für den Bade- und Erholungsbetrieb, nicht aber für die Fischerei und für die (zu schützenden) Wasservögel, für die bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier. All diesen geht es im nährstoffreichen See weitaus besser. Fische gibt es in Hülle und Fülle; Wasservögel auch und diese ohne nennenswerte Konflikte mit der Fischerei zu verursachen. Beide Zustände kann der See nicht gleichzeitig einnehmen. Er ist entweder nährstoffarm (oligotroph) und unproduktiv oder nährstoffreich (eutroph) und produktiv. Entweder — oder? Dazwischen liegt doch der mittlere Zustand, mesotroph genannt Er verbindet gute Produktivität mit sauberem Wasser, weil im Idealfall all das wieder um- und abgebaut wird, was im Sommer produziert worden ist. Doch dieser Mittelzustand erweist sich als instabil. Er geht rasch in den einen oder in den anderen über. Nur mit außerordentlich (und unrealistisch) hohem Aufwand ließe er sich aufrechterhalten. Stabile Zustände sind Nährstoffreichtum und -armut. Ist so ein See ein Sonderfall? Durchaus nicht. Nährstoffreiche und nährstoffarme Zustände sortieren sich allüberall in der Natur.“ Reichholf [1]

Also:

Den Zustandsbewertungen lt. EU WRRL scheint es in erheblichem Umfang an ökologischen Grundlagen zu fehlen.

Gemeint sind die Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie.

Die Weise, wie die EU WRRL mitunter umgesetzt und verstanden wird, führt ins wunderbare Chaos. Man wundert sich, warum es nicht gelingt mit guten wasserchemischen Zuständen gute biologische Zustände für „bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier“ zu gewährleisten. Es scheint unmöglich der Gewässerverwaltung zu vermitteln, dass ein guter Zustand häufig die Verschlechterung eines anderen Zustandes verursachen kann.

Der Ökologe Herr Prof. Reichholf steht mit seinen o.g. Tatsachenbewertungen nicht allein. Siehe auch den Beitrag zur Mistbiene.

Quelle:
[1] Stabile Ungleichgewichte.
Die Ökologie der Zukunft.
Josef H. Reichholf
edition unseld
SV
1. Auflage 2008
(S.111-112)




Prognose & Prophezeiung

Nicolás Gómez Dávila

Wer bedenkenlos Prophezeiungen macht, hat eine Schwindelei im Sinn.

Georg Christoph Lichtenberg :

Dieses ist eine Theorie, die meines Erachtens in der Psychologie eben das vorstellt, was eine sehr bekannte in der Physik ist, die das Nordlicht durch den Glanz der Heringe erklärt.

Michel de Montaigne (1533 – 1592),

  • Jeder redet mal Unsinn. Ein Unglück ist nur, es dauernd zu tun.
  • Nichts wird so fest geglaubt, wie das, was am wenigsten bekannt ist.
  • Ein kluger Mensch sieht so viel, wie er sehen will, nicht so viel, wie er sehen kann.
  • Ich ziehe die Gesellschaft von Bauern vor, weil sie nicht genügend Bildung genossen haben, um falsche Schlußfolgerungen zu ziehen.
  • Es ist Torheit, von unserem Geist die Fähigkeit zu erwarten, daß er beurteilen kann, was wahr und was falsch ist.
  • Hat das Forschen, um das sich der Mensch jahrhundertelang bemüht, ihm wirklich eine neue Kraft und eine Wahrheit eingebracht, auf die er sich verlassen kann?
  • Der allgemeine Irrtum zeugt den Irrtum des Einzelnen, und, seinerseits, schafft den allgemeinen Irrtum.
  • Jede Meinung ist stark genug, um sich der Menschen auf Kosten ihres Lebens zu bemeistern […].

Prof. Reichholf :

“Bevorzugt und privilegiert werden einige wenige, die Kosten und die Nachteile hat die Allgemeinheit zu tragen. Deswegen scheint es nur folgerichtig, zu fordern, daß die Propheten für ihre Prognosen, für die Folgen und Kosten, die sich daraus ergeben, auch geradestehen müßten.

Wer behauptet, daß etwas so kommen wird, und es kommt nicht so, der sollte die Kosten zu tragen haben.

Wie der Geschäftsmann in seinem Unternehmen das auch tun muß. Gegen manche Fehlerwartungen kann er sich vielleicht versichern, aber grundsätzlich muß er das Risiko tragen, mit allen Konsequenzen. Guter Rat ist teuer, weiß der Volksmund. Schlechter Rat noch viel teurer. … Es darf nicht zur Regel werden, daß immer wieder die Allgemeinheit für die Fehleinschätzungen anderer bezahlen muß. Mit Solidarität hat das wenig zu tun.”

Quelle:
Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch, 2. Auflage 2003, Wagenbach Verlag Berlin

Michael Klonovsky

Es gibt Menschen, die vermittels ihrer Untergangsprognosen ausgesorgt haben.

Prof. Kruschwitz:

„Grundlage jeder Investitionsrechnung ist die falsche Annahme, dass der Investor über vollkommen sichere Erwartungen verfügt.“

Kruschwitz, L.,
Investitionsrechnung,
5. Auflage, de Gruyter Lehrbuch,
Walter de Gruyter Verlag, Berlin – New York 1993




Prognose & Prophezeiung

Nicolás Gómez Dávila

Wer bedenkenlos Prophezeiungen macht, hat eine Schwindelei im Sinn.

Georg Christoph Lichtenberg :

Dieses ist eine Theorie, die meines Erachtens in der Psychologie eben das vorstellt, was eine sehr bekannte in der Physik ist, die das Nordlicht durch den Glanz der Heringe erklärt.

Michel de Montaigne (1533 – 1592),

  • Jeder redet mal Unsinn. Ein Unglück ist nur, es dauernd zu tun.
  • Nichts wird so fest geglaubt, wie das, was am wenigsten bekannt ist.
  • Ein kluger Mensch sieht so viel, wie er sehen will, nicht so viel, wie er sehen kann.
  • Ich ziehe die Gesellschaft von Bauern vor, weil sie nicht genügend Bildung genossen haben, um falsche Schlußfolgerungen zu ziehen.
  • Es ist Torheit, von unserem Geist die Fähigkeit zu erwarten, daß er beurteilen kann, was wahr und was falsch ist.
  • Hat das Forschen, um das sich der Mensch jahrhundertelang bemüht, ihm wirklich eine neue Kraft und eine Wahrheit eingebracht, auf die er sich verlassen kann?
  • Der allgemeine Irrtum zeugt den Irrtum des Einzelnen, und, seinerseits, schafft den allgemeinen Irrtum.
  • Jede Meinung ist stark genug, um sich der Menschen auf Kosten ihres Lebens zu bemeistern […].

Prof. Reichholf :

“Bevorzugt und privilegiert werden einige wenige, die Kosten und die Nachteile hat die Allgemeinheit zu tragen. Deswegen scheint es nur folgerichtig, zu fordern, daß die Propheten für ihre Prognosen, für die Folgen und Kosten, die sich daraus ergeben, auch geradestehen müßten.

Wer behauptet, daß etwas so kommen wird, und es kommt nicht so, der sollte die Kosten zu tragen haben.

Wie der Geschäftsmann in seinem Unternehmen das auch tun muß. Gegen manche Fehlerwartungen kann er sich vielleicht versichern, aber grundsätzlich muß er das Risiko tragen, mit allen Konsequenzen. Guter Rat ist teuer, weiß der Volksmund. Schlechter Rat noch viel teurer. … Es darf nicht zur Regel werden, daß immer wieder die Allgemeinheit für die Fehleinschätzungen anderer bezahlen muß. Mit Solidarität hat das wenig zu tun.”

Quelle:
Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch, 2. Auflage 2003, Wagenbach Verlag Berlin

Michael Klonovsky

Es gibt Menschen, die vermittels ihrer Untergangsprognosen ausgesorgt haben.

Prof. Kruschwitz:

„Grundlage jeder Investitionsrechnung ist die falsche Annahme, dass der Investor über vollkommen sichere Erwartungen verfügt.“

Kruschwitz, L.,
Investitionsrechnung,
5. Auflage, de Gruyter Lehrbuch,
Walter de Gruyter Verlag, Berlin – New York 1993




Vielfalt vs. Vereinheitlichung

Öko-Logisches vom Experten

Zahlreiche Broschüren und Bücher des Herrn Prof. Josef H. Reichholf sind für den Laien und Naturfreund als Einstieg in das hochinteressante Fachgebiet der wissenschaftlichen Ökologie sehr gut geeignet. Die lebendige Darstellung der Zusammenhänge sowie deren kurzweilige Präsentation macht der Erlernen der Grundlagen der Ökologie zur Freude. Enttäuschend ist allerdings, dass die ökologischen Fakten und Grundlagen zu selten in wasserrechtlichen Entscheidungen oder gar bei der Gewässerverwaltung berücksichtigt werden.

Nun ein Auszug aus dem Buch“Naturschutz. Krise und Zukunft“ (S.52-59) mit freundlicher Empfehlung von Herrn Prof. Josef H. Reichholf:

Vielfalt vs. Vereinheitlichung
Recht unterschiedlich entwickelte sich dagegen in den letz­ten Jahrzehnten der Artenreichtum in den Gewässern. Im 19. Jahrhundert gab es in Flüssen und Seen nicht nur eine Fülle von Arten, sondern auch hohe, sehr ertragreiche Fischbestände. Früher als in der Landwirtschaft setzte hier jedoch im Zuge des Ausbaus der Flüsse die strukturelle Vereinheitlichung ein. Die größeren und großen Flüsse wurden zum Teil schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts begradigt. Der sogenannte Längsverbau be­deutete eine Kanalisierung, durch die der Abfluß beschleunigt und die Auen mit ihren Auwäldern vom Fluß getrennt wurden. Durch die rasche Eintiefung der begradigten Flüsse nahmen die früher häufigen Überschwemmungen ab. Sie beschränkten sich nun auf die selteneren starken Hochwässer. Daher konnten die ursprünglich hauptsächlich als Weideland genutzten Flußauen »in Kultur genommen« werden. Die Auwälder wurden gerodet und, wo das möglich war, in Felder umgewandelt. Trotzdem blieben die meisten Flüsse hinsichtlich der Fischereierträge recht produktiv. Das lag allerdings daran, daß von so gut wie allen Siedlungen, gleich, ob es sich um kleine Fischerdörfer oder gro­ße Städte handelte, menschliche Abwässer ungeklärt eingeleitet wurden. Die große Menge organischer Reststoffe, die darin ent­halten war, düngte die Flüsse, nährte die Kleintiere darin und kam damit den Fischen zugute. Der Verlust der Auen und der daraus stammenden pflanzlichen Abfallstoffe wurde durch die Abwässer der Menschen nicht nur ausgeglichen, sondern sogar übertroffen.

Jahrhundertelang war es also so, daß die strukturelle Verar­mung aufgrund der Begradigung durch die steigenden Abwas­sermengen der Menschen weitgehend ausgeglichen wurde. Doch dann nahm in den sechziger Jahren eine neue Entwick­lung ihren Lauf. Die Waschmittel bekamen Zusätze, die einen hohen Gehalt an Phosphaten aufwiesen. Diese düngten nun die Flüsse, insbesondere aber die Seen, in die Abwässer eingeleitet wurden, in einem nie dagewesenen Ausmaß. Wasserpflanzen fingen an zu wuchern, Gewässer verkrauteten, häufig waren sie nun mit stinkenden Massen absterbender Algen bedeckt. Ande­re Zusätze, die dazu dienten, die Oberflächenspannung des Wassers zu reduzieren, führten dazu, daß sich Schaumberge auf den Gewässern bildeten. Bald nahm das Fischsterben immer größere Ausmaße an. Die Gegenmaßnahmen (Kläranlagen zur Reinigung der Abwässer) wurden teuer. Die Waschmittel muß­ten (weitgehend) wieder phosphatfrei werden, und schon nach wenigen Jahrzehnten änderte sich die Lage erneut dramatisch: Aus Kloaken wurden wieder saubere Gewässer, in denen man sogar baden und Fische für den Verzehr angeln konnte.

Die frühere Menge an Fischen stellte sich allerdings nicht wie­der ein; natürlich nicht, denn es fehlte nun den „Nährtieren“ der Fische an Nahrung. Die Auen gab es längst nicht mehr. Kaum fünf Prozent der ursprünglichen Auwälder hatten die Regulierun­gen überlebt. Die begradigten Flüsse schwemmen all das, was an natürlicher Nahrung in ihr Wasser gelangt, viel zu schnell davon und transportieren es letztlich ins Meer. Der Abbau der Blätter oder anderer Pflanzenstoffe, insbesondere von Schwemmholz, braucht jedoch viel Zeit. Diese steht bei den »abflußertüchtig­ten«, begradigten Gewässern nicht mehr zu Verfügung. Auch der Rückbau zu natürlicheren Zuständen kann die frühere Pro­duktivität aus dem gleichen Grund nicht oder nur unvollständig wiederherstellen, wenn es am Fluß keine Auwälder mehr gibt. Es ist – allerdings nur in bezug auf die organischen Reststoffe – ­in unseren Gewässern genau das Gegenteil dessen geschehen, was sich an Land in Feld und Flur (und auch in den Wäldern, wenngleich in erheblich geringerem Maße) vollzogen hat. Die frühere Überdüngung wurde zurückgenommen und hat inzwi­schen dem Mangel Platz gemacht. Der Artenvielfalt kommt das zugute, nicht aber der Produktivität der Gewässer. Die Vielfalt erreicht dennoch bei weitem nicht die früheren Verhältnisse, weil gleichzeitig eine andere Form der Düngung zugenommen hat, die alle Gewässer massiv belastet. Es sind dies die Dünge­mittel mineralischer Art aus der Landwirtschaft, insbesondere Nitrate. Sie begünstigen weiterhin und sogar zunehmend das Wachstum bestimmter Algen, die jedoch keinen Ersatz für die organischen Reststoffe darstellen. Vielmehr verkleben sie das so­genannte Sandlückensystem unter dem überströmten Sand und dem feinen Kies in den Flüssen und an den Seeufern. Zuwenig Frischwasser mit Sauerstoff gelangt in die feinen Kanäle dieses Sandlückensystems, in denen sich die Eier mancher Fischarten entwickeln (würden, wenn sie noch könnten). Die Veralgung des Gewässerbodens beeinträchtigt die Kleintiere, die sich als Filtrierer betätigen. Sichtbar wird diese Veränderung, die auch ganz klare Fließgewässer erfaßt hat, an den Algenbärten an den Steinen am Flußgrund und dem Fehlen von Muscheln. Inzwi­schen werden zwar die menschlichen Abwässer außerordentlich gut gereinigt, nicht aber die ungleich größeren Mengen (je nach Region übertreffen sie die Abwässer der Menschen um das Drei­- bis Fünffache) aus der landwirtschaftlichen Viehhaltung. Die Reste des Mineraldüngers und die ins Grundwasser sickernden, gelösten Inhaltsstoffe der Gülle beschicken unsere Gewässer mit einem so hohen Übermaß an belastenden Stoffen, daß sich die großen Erfolge der menschlichen Abwasserreinigung in moder­nen, hochgradig wirkungsvollen Kläranlagen in den Gewässern nicht dem Aufwand entsprechend umsetzen. Die Kosten für die hoch effizienten und daher enorm teuren (man kann das an den horrenden Abwassergebühren ablesen) Kläranlagen stehen also in kaum einem sinnvollen Verhältnis zu den Ergebnissen in der Natur. Die Zielsetzungen von Natur-und Umweltschutz, die doch gerade im Hinblick auf das Abwasser miteinander kon­form gehen sollten, klaffen hier weit auseinander. Dementspre­chend finden sich viele im Wasser lebende Arten auf den Roten Listen, obwohl Jahrzehnte der Gewässerreinhaltung mit einem finanziellen Aufwand, der in die Milliarden ging, doch eigent­lich längst zu „Entwarnung“ und reichen Ernten bei den Fischen hätten führen sollen.“

Quellenangabe:
Josef H. Reichholf
Naturschutz. Krise und Zukunft.
edition unseld – SV
Erste Auflage
Surkamp-Verlag Berlin 2010
ISBN 978-3-518-26031-9

Siehe auch den aktuellen Beitrag NovoArgumente Online: Naturschutz: Betreten verboten!

Oder weitere Bücher:

Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

Reichholf, J.H.
Der schöpferische Impuls
Eine neue Sicht der Evolution
Erstveröffentlichung 1992
Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart
ISBN: 3-421-02763-3

Reichholf, J.H.
Stabile Ungleichgewichte
Die Ökologie der Zukunft
edition unseld
SV 2008
ISBN: 978-518-26005-0

Reichholf, J.H.
Ende der Artenvielfalt
Fischer Taschenbuchverlag
2008, 2010

Reichholf, J.H.
Die Zukunft der Arten. Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch
erschienen März 2005
237 Seiten, 25 Abb., Paperback
C.H. Beck Verlag, ISBN: 3406527868

Reichholf, J.H.
Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends
erschienen April 2007
S. Fischer Verlag , Frankfurt am Main
ISBN: 978-3-10-06294-5

Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch
2. Auflage 2003
Wagenbach Verlag Berlin , ISBN: 3 8031 24425




Fische tot gepinkelt?

So lautet eine lustige Schlagzeile der Bildzeitung. Auch wenn die Fische mit ziemlicher Sicherheit nicht totgepullert wurden, man kann darüber schmunzeln.

In den folgenden Erörterungen bzw. Ferndiagnosen und vereinfachten Darstellungen sollen 2 Aspekte im Mittelpunkt stehen:

  1. Die Blaualgenplage
  2. Das Fischsterben

Die Blaualgenplage

Manche Fische lieben es geradezu, wenn sie „gedüngt“ werden, denn die Nährstoffe im Urin fördern das Wachstum von Algen.  Kleinkrebse, wie Wasserflöhe beispielsweise fressen Algen und machen so das Wasser sauber – wenn sie die Möglichkeit erhalten. Und Jung- und Friedfische fressen Wasserflöhe. Also: Maßvolle Düngung = viele fette Fische.

So gesehen kann man mit Abwasser Friedfische mästen und alle sind glücklich. Das ist nicht neu, sondern als Reinigungsmethode in Form von Abwasserfischteichen schon jahrzehntelang erprobt. Abwasserfischteiche sind alte, aus der Mode gekommene, aber bewährte Abwasserreinigungsverfahren, die es früher im ländlichen Raum häufig gab.

Vor dem Hintergrund aber, dass der Eichbaumsee 1 km lang, 250 m breite und 16 m tief ist, kann ich mir ein Totpinkeln aus quantitativen Gründen nicht vorstellen. Wikipedia notiert über den Eichbaumsee:

„Der Eichbaumsee wird vom Anglerverband Hamburg mit Karpfen, Hechten, Zandern und Schleien besetzt[1] [2] und war vor dem Fischsterben 2009 besonders wegen des Fanges großer Karpfen bekannt. Der See war ein bei der Hamburger Bevölkerung beliebter Badesee, der jedoch in heißen Sommern immer wieder stark von Algen befallen ist. Trotz Sanierungsmaßnahmen durch Tiefenwasserbelüftung mit einer als „Polyp I“ bezeichneten Anlage im März 2005 und im März 2007 mit „Polyp II“ musste das Baden wegen der Blaualgen untersagt werden. Seit Ende August 2007 ist ein generelles Badeverbot ausgesprochen.“

Und nach dem Artikel soll also in den letzten Jahren etwas passiert sein, das die Blaualgen so schön wachsen lässt.

Blaualgen mit Heterocysten - Bildquelle: Siegfried Jost Casper

Was kommt dafür als Indiz in Frage?

Nun, es sind m. E. die besonderen Anstrengungen zur  Reinhaltung der Gewässer.

Das mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, aber es gibt ganz plausible Zusammenhänge:

Erstens:

Wo Nitrat in ausreichender Menge vorkommt, treten Grünalgen auf und wo Grünalgen sind, gibt es keine Blaualgenplage.

In dem Maße, wie Nitrat – weil gesetzlich vorgeschrieben – aus den Gewässern verbannt wird, werden ideale Lebensbedingungen für Blaualgen geschaffen.

Beweis nach Prof. Dietwart Nehring: „Dass die westlichen und zentralen Teilgebiete der Ostsee besonders stark von Blaualgen heimgesucht werden, hängt mit dem relativen Stickstoffmangel zusammen…“

Also:

Kein Nitrat = Blaualgenplage!

Mit anderen Worten: Die Natur beweist uns eindrücklich, dass wir beim Duschen in üblicher Weise nass werden.

Die maßvolle Einleitung von nitrathaltigem gereinigten Wasser könnte die Blaualgenplage minimieren!

Zudem ist das Einleiten von Nitrat in Teiche eine anerkannte Sanierungsmethode.

Zweitens:

Angler können (müssen nicht) die natürliche Gewässerklärung verhindern.

Beweis:

  1. Kleinkrebse fressen Algen
  2. viele Kleinkrebse = wenig Algen
  3. Fried- und Jungfische fressen Kleinkrebse
  4. viele Fried- und Jungfische = wenig Kleinkrebse = viele Algen = trübes Wasser
  5. In dem Maße wie Raubfische geangelt werden und dadurch die Fried- und Jungfische nicht minimiert werden, steigt die Wahrscheinlichkeit von trübem Wasser.

Quintessenz:

Es ist Zeit, sich den Unsinn einer Gewässerreinhaltung ohne Augenmaß festzustellen.

Nicht nur wegen des Sinnes, sondern auch wegen der Geldverschwendung.

Denn nicht umsonst steckt in dem Wort Wasserwirtschaft ein Sinn, der zunehmend – weil wir es uns leisten können – verloren geht.

Überlegungen eines anerkannten Ökologen, die uns eher weniger Naturgebildeten – zu denken geben sollten:

„Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in den Roten Listen zu beklagen, wennn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit, die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt?“

Quelle: Reichholf, Joseph, H., Die Zukunft der Arten, C.H. Beck, 2. Auflage 2006, S. 63

Oder mit anderen Worten:

Reine Gewässer sind biologisch tote Gewässer!

2. Das Fischsterben

Fische können aus den verschiedensten Gründen sterben und dies muss nicht immer mit einer Vergiftung zusammenhängen. Spektakulär wird es, wenn die Fische alle gleich alt sind und dann an Altersschwäche ziemlich gleichzeitig sterben. So geschehen im Jahr 2006 in der Talsperre Saidenbach im Erzgebirge, damals starben ca. 8 Tonnen Karpfen!

Zu häufigen Fischsterben kommt es in stehenden oder langsam fließenden Gewässern, wenn Algen und Sonneneinstrahlung zusammentreffen. Die Algen verbrauchen das im Wasser gelöste Kohlendioxid, dadurch steigt der pH-Wert an und es wird mehr Ammoniak gebildet. Ammoniak ist ein starkes Fischgift.

Soll dieser Prozess minimiert werden, dann sind die Algenfresser (Wasserflöhe, Kleinkrebse, Zuckmückenlarven,…) zu schützen und die Gewässer soweit wie möglich zu beschatten. Besonders geeignet dafür ist die Schwarzerle.

Insofern unterstützen Jung- und Friedfische durch das Fressen der Wasserflöhe die Fischvergiftung.

Durch das Einsetzen und Schützen von Teichmuscheln werden wiederum klare Gewässer gefördert.

Das Ersticken von Fischen durch das Einleiten von ungereinigtem Abwasser kommt eher seltener vor.

Literatur:

Blaualgen –  Ein Überblick




Mit der CO2-Politik vergeuden wir nur Ressourcen!

…und das ist gut so!?

Literaturauszug:

„Unzureichende Faktenkenntnisse

Diejenigen, die der „Klimahysterie“ – wie der Titel eines 2011 erschienenen Buchs des Münchner Naturwissenschaftlers Josef H. Reichholf lautet – verfallen sind, wissen schon allein über elementare Fakten oft nicht Bescheid: In der Atmosphäre befinden sich derzeit 0,038 Prozent CO2; davon produziert die Natur gut 96 Prozent, die restlichen vier Prozent gehen auf das Konto des Menschen.

Der Anteil Deutschlands am globalen CO2-Ausstoß liegt bei 3,1 Prozent. Somit stammen 0,00004712 Prozent des menschenverursachten Luft-CO2 aus Deutschland.

Dieser Wert legt nahe, dass der Anspruch deutscher Politiker, Vorreiter bei der CO2-Einschränkung zu sein, ziemlich anmaßend ist. Diese Führungsrolle kostet aber die Deutschen an Steuern und sonstigen Belastungen jährlich mehr als 50 Milliarden Euro.“

Quelle: Klimafrontbericht: Profiteure der Hysterie
von Franz Kromka

Kommentar:

Was wird wohl in der Natur geschehen, wenn es uns tatsächlich gelänge die 0,00004712 Prozent des menschenverursachten Luft-CO2 aus Deutschland auf Null zu reduzieren?

Diese Zahl muss man sich erst einmal vorstellen, um ihren Einfluss vorstellen zu können:

0,00004712 Prozent sind erst einmal aufgerundet 0,00005 Prozent oder 5 dividiert durch 10 Millionen oder 0,00005 Prozent multipliziert mit 10.000 = 0,5 ppm, d. h. 0,5 Millionstel oder 5 Teile CO2 in 10 Millionen Teilen Luft.

Und um diese 0,5 Millionstel etwas zu senken, gibt Deutschland 50 Milliarden € aus.

Naja, wenigstens stimmt die „5“ ungefähr.

Ein Effekt wird nicht garantiert!

Die folgende Tabelle veranschaulicht die Proportionen.
(5E-07 = 5 dividiert durch 10 Millionen und 5E-1 = 0,5 ppm, 1 % = 10.000 ppm)

Was wird geschehen, wenn ein deutscher Biertrinker beschließt, zum Wohle Deutschlands, zum Wohle der Menschheit, zum eigenen Wohle oder auch zum Wohle des Klimas täglich 0,5 Millionstel Bier weniger zu trinken?

Wird man eine Wirkung messen können?

Tja, und dann gibt es ja noch das Naturgesetz vom Umschlag in eine andere Qualität durch quantitative Änderungen, d. h. ist das Quantum überhaupt hinreichend groß, um eine neue oder andere Qualität zu gewährleisten?

Hat das schon einmal jemand untersucht, bevor dieser globale Großversuch gestartet wurde?

Wie hoch ist die gemessene Wahrscheinlichkeit, dass 4 % von 0,038 %, dass  also 0,00152 % global gemenscheltes CO2 zu einem Effekt führen?

Und wer haftet für die Klimaprognosen, wenn sie nicht zutreffen?

Niemand, denn wer ist schon so blöd für Prognosen zu haften?

Die positiven planwirtschaftlichen Motive der Klimapolitik liegen auf der Hand:  Entwertung des Spar- und Leistungsvermögens der Massen durch die Umwandlung ihrer Dummheit in nutzlose Scheinwerte. Finanziell gleichwertige Alternativen zur Klimapolitik wären dagegen nicht so glücklich: Kriege, wesentlich höhere Arbeitslosigkeit, Senkung der Umsatzsteuer…

Erstaunlich ist auch, dass die tatsächliche Größenordnung der CO2-Senkung (0,5 Millionstel) verschwiegen wird.

Und das ist gut so, denn sonst könnte ja jedes Milchmädchen selber nachrechnen.

U.H.




Gülle – Nicht nur ein bundesdeutscher Importschlager!

200 Millionen Tonnen Gülle – jährlich!

werden auf deutschen Feldern ausgeschüttet. Quelle: Der Spiegel Nr. 22 vom 30.05.2011, S. 17

Foto: U. Halbach

Hochalm – Einzugsgebiet des Gardasees

 

Nach Reichholf, J. H. (Der Tanz um das goldene Kalb, Der Ökokolonialismus Europas, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 1. Auflage 2006) werden davon 2/3, also 133 Millionen Gülle importiert, wobei es auf die eine oder andere Million wohl nicht ankommt.

Eine Tonne Gülle entspricht etwa einem Kubikmeter.

Sicher wird die Gülle nicht flüssig importiert, sondern eher in ihrer Modifikation als Futtermittel.

Futtermittel werden importiert, weil auf deutschen Feldern nicht soviel Futtermittel wächst, wie gebraucht wird, um alle Exportschweine und Exportrinder zu füttern.

Gülle wird aus Futter erst dann, nachdem das importierte Futter von den zu exportierenden Tieren gefressen wird.

Vor dem Hintergrund des „Gülleimports“ bedarf es extremer Unwissenheit, an den Sinn der Auflagen zu glauben, biologisch gereinigtes Abwasser nur über die belebte Bodenzone versickern zu dürfen. Doch das nur am Rande.

Unter folgenden Annahmen:

  • alle Gülle besteht nur aus Rindergülle,
  • der TS-Gehalt der Rindergülle beträgt im Mittel 10 % (also bei 200 Mt Gülle = 20 t Gülletrockenmasse),
  • der Phosphorgehalt der Rindergülle beträgt im Mittel 1,9  % der Trockenmasse,
  • im Abwasser eines Einwohners finden sich täglich 1,8 g Phosphor bzw. jährlich  657 g und 657 t/ Million Einwohner,

errechnet sich zunächst eine Phosphorfracht in der Gülle von 380.000 t Phosphor/a. Wird diese Zahl durch 657 t Phosphor/Million Einwohner dividiert, dann ist bei diesen Annahmen festzustellen:

Die Gülle entspricht hinsichtlich der Phosphorfracht dem Abwasser eines Landes mit 578 Millionen Einwohner bzw. die landwirtschaftliche Viehhaltung erzeugt wenigstens siebenmal soviel Phosphor als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.

Nun, die Intention zu diesen Betrachtungen erhielt ich von Prof. Reichholf.  Und wie man sieht, ist seine Feststellung durchaus nachvollziehbar:

Die landwirtschaftliche Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser wie alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Hauptquelle der Überdüngung ist also nicht die Getreideproduktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung.

Weitere Überlegungen unter: Nitrat und Phosphor im Gewässer.

Nun darf der Leser darüber nachdenken, warum er  für die Einleitung von Phosphor und Stickstoff in Gewässer seit über zehn Jahren sein Geld abgeben muss, während dem Rindvieh dies erspart bleibt.

Insofern ist es biologisch, das Fleisch von Bio-Rindern zu essen, die sich ihr Bio-Futter selber suchen.

Die Gegend sieht dann allerdings  danach so aus:

Schweizer Kuhfladen – Garantiert biologischer Anbau

(Aber man muss ja nicht hineintreten.)

Wer sich aber für die Schweinemast interessiert:

Kostenloses E-Book zum Thema Schweinemast & Schweinefütterung mit umfassenden Informationen

(Eine Verlinkung für www.agrarnetz.com)

 

 




Nitrat und Phosphor im Gewässer

Schlechter wasserchemischer Gewässerzustand – auch eine Frage des Imports von Düngemitteln für den Export von Fleisch

Reichholf:

„Geht man auf den 55 % landwirtschhaftlich genutzter Landesfläche von einer Düngermenge aus, die gegenwärtig im Durchschnitt bei gut 200 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr liegt, so stellt sich die Frage, woher diese nun kommt.

Mineraldünger macht nur wenig mehr als die Hälfte davon aus; in großen Gebietsteilen sogar erheblich weniger.

Organischer Dünger liefert also bis zu 100 Kilogramm Stickstoff.

»Dung« war früher Mist und ist heute in ganz überwiegendem Maße Gülle, also das, was die Tiere wieder von sich geben.

Recycling ist das aber nicht, wie sich aus den Angaben und Kalkulationen in den ersten drei Kapiteln ergibt.

Die »Super-Serengeti« Deutschland kann ihren Tierbestand selbst nicht ernähren.

Sie importiert in gewaltigen Mengen Futtermittel.

Sie steckt fast die Hälfte der Getreideproduktion in die Bereitstellung von Tierfutter, also fließt ein Teil des Mineraldüngers über den Umweg der Pflanzenproduktion zu den Tieren in die Ställe und als Gülle über das Land.

Und er kommt als »Dünger aus der Luft« zurück, weil Ammoniak (NH3) der Gülle und den Ställen entweicht, der vom Niederschlag aufgenommen und gelöst wird, um schließlich in Form von Ammonium gleichfalls zu düngen.

Die Gesamtmengen lassen sich besser im Vergleich verstehen:

Die landwirtschaftliche Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Hauptquelle der Überdüngung ist also nicht die Getreideproduktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung.

Diese fällt das ganze Jahr über an, während sich der Mineraldüngereinsatz effizient auf die Zeit kurz vor Beginn und in den Wochen des starken Wachstums konzentriert.

Ginge das bei der Gülle auch, könnte sie den Mineraldünger sogar weitgehend ersetzen, aber Gülle gibt es nicht nur zwischen Mai und Juli.

Damit werden die importierten Futtermittel ganz klar zur Hauptquelle der generellen Überdüngung und Belastung von Böden, Grundwasser, Flüssen und Seen.

Der importierte Überschuß kann längst nicht mehr verkraftet und abgebaut werden.

Abwasser aus Südamerika fließt über Deutschland, könnte man verkürzt und überspitzt die Lage charakterisieren.

Gleichzeitig verschlingt dieser transkontinentale Fluß von Stoffen riesige Mengen an Energie.

In der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird pro Kopf mehr als dreimal soviel Energie verbraucht wie vom großen Rest der Bevölkerrung.

Dabei sind davon nur die direkt eingesetzten Energiemengen zur Erzeugung und nicht die indirekten für die schier unglaublichen Transportwege erfaßt, die Zwischenprodukte zurücklegen — mit gravierenden Folgen für Deutschland, Europa und die Welt.“

Quelle:

Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

***

Kommentar

Lesenswertes Buch!

Wäre zu ergänzen mit der Bedeutung der „Biogasgüllle“.

U. Halbach

zenproduktion zu den Tieren in die Ställe und als Gülle über das Land. Und er kommt als »Dünger aus der Luft« zurück, weil Ammoniak (NH3) der Gülle und den Ställen entweicht, der vom Niederschlag aufgenommen und gelöst wird, um schließlich in Form von Ammonium gleichfalls zu düngen. Die Gesamtmengen
fr
lassen sich besser im Vergleich verstehen: Die landwirtschaftliche ‚ Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.
Die Hauptquelle der Überdüngung ist also eetwereetteetergeSguktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung. Diese fällt das ganze Jahr über an, während sich der Mineraldüngereinsatz effizient auf die Zeit kurz vor Beginn und in den Wochen des starken Wachstums konzentriert. Ginge das bei der Gülle auch, könnte sie den Mineraldünger sogar weitgehend ersetzen, aber Gülle gibt es nicht nur zwischen Mai und Juli.
4)Anit werden die ImportfetietiPuttermittel ganz klar zur Haelliiir quelle der generellen Überdüngung und Belastung von Böden; Grundwasser, Flüssen und Seen. Der importierte Überschuß kann
le
längst nicht mehr verkraftet und abgebaut werden. Abwasser au ’s Südamerika fließt über Deutschland, könnte man verkürzt un ,
überspitzt die Lage charakterisieren. Gleichzeitig verschlingt diesentranskontinentale Fluß von Stoffen riesige Mengen an Energie. ha/
der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird pro Kopf mehr als dreimal soviel Energie verbraucht wie vom großen Rest der Bevölke-lr rung. Dabei sind davon nur die direkt eingesetzten Energiemengen
zur Erzeugung und nicht die indirekten für die schier unglaublichen Transportwege erfaßt, die Zwischenprodukte zurücklegen — mit gravierenden Folgen für Deutschland, Europa und die Welt.

zenproduktion zu den Tieren in die Ställe und als Gülle über das Land. Und er kommt als »Dünger aus der Luft« zurück, weil Ammoniak (NH3) der Gülle und den Ställen entweicht, der vom Niederschlag aufgenommen und gelöst wird, um schließlich in Form von Ammonium gleichfalls zu düngen. Die Gesamtmengen
fr
lassen sich besser im Vergleich verstehen: Die landwirtschaftliche ‚ Viehhaltung erzeugt wenigstens dreimal soviel Abwasser als alle 82 Millionen Menschen in Deutschland.
Die Hauptquelle der Überdüngung ist also eetwereetteetergeSguktion mit Einsatz von Mineraldünger, sondern die Abwasserproduktion der Tierhaltung. Diese fällt das ganze Jahr über an, während sich der Mineraldüngereinsatz effizient auf die Zeit kurz vor Beginn und in den Wochen des starken Wachstums konzentriert. Ginge das bei der Gülle auch, könnte sie den Mineraldünger sogar weitgehend ersetzen, aber Gülle gibt es nicht nur zwischen Mai und Juli.
4)Anit werden die ImportfetietiPuttermittel ganz klar zur Haelliiir quelle der generellen Überdüngung und Belastung von Böden; Grundwasser, Flüssen und Seen. Der importierte Überschuß kann
le
längst nicht mehr verkraftet und abgebaut werden. Abwasser au ’s Südamerika fließt über Deutschland, könnte man verkürzt un ,
überspitzt die Lage charakterisieren. Gleichzeitig verschlingt diesentranskontinentale Fluß von Stoffen riesige Mengen an Energie. ha/
der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird pro Kopf mehr als dreimal soviel Energie verbraucht wie vom großen Rest der Bevölkerrung. Dabei sind davon nur die direkt eingesetzten Energiemengen
zur Erzeugung und nicht die indirekten für die schier unglaublichen Transportwege erfaßt, die Zwischenprodukte zurücklegen — mit gravierenden Folgen für Deutschland, Europa und die Welt.




Eine halbe Million Euro für einen Vogel?!

Wenn Naturschutz fremdes Geld unkontrolliert ausgibt…

„Heimisch im strengen Sinn sind nicht einmal die Großtrappen, die „teuersten Vögel der Welt“, für deren Restvorkommen an einer ICE-Trasse nach Berlin rund eine Million D-Mark ausgegeben worden war – pro Vogel.

Als Steppenvögel leben sie vor allem in Zentralasien sowie Spanien und kamen erst vor wenigen hundert Jahren nach Ostdeutschland. Ihre Bestände erreichten im 18. Jahrhundert den Höhepunkt und gehen seither zurück.“

Quelle: Nur fürs Auge von Josef H. Reichholf, Fachbeitrag im Focus

Im FOCUS erhebt Josef Reichholf drei Forderungen, um das zu ändern – und rechnet mit den Glaubenssätzen vieler Artenschützer ab.

„Der Naturschutz steckt in der Krise, weil er die falschen Schwerpunkte setzt.“

Einschätzung:

Sehr lesenwert!

Es gibt aber nicht nur teure Vögel in unserem reichen Land, sondern verdammt teure Fische, die ihrerseits mitunter auch nur wieder Futtertiere sind.

Man kann auf ähnliche Weise leicht hunderttausend Euro für einen toten Fisch ausgeben.

U. H.

***

Siehe auch:

Bewirtschaftungsplan – EU WRRL

Ökologisches Potenzial für künstliche und erheblich veränderte Gewässer

Kosteneffizienz beim Gwässerschutz

Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

Überwachungswerte – Verschärfung






Gründer-Väter gehen auf Distanz zur grünen Bewegung

„Es ist Irrsinn, Wälder zu roden, um Energiepflanzen anzubauen.“

Zitate aus dem Online -Presseportal:

“Mich stört diese Ideologisierung des Natur- und Umweltschutzes, die sich mit wissenschaftlicher Redlichkeit vielfach nicht vereinbaren lässt”, sagte Reichholf weiter.

Der Biologe bezeichnet das Beharren auf Bio-Treibstoffen als typisches Beispiel erstarrter Positionen: “Es ist Irrsinn, Wälder zu roden, um Energiepflanzen anzubauen.”

“Die Apokalypse ist zum zentralen Motiv des Ökologismus geworden, vieles davon ist eine kollektive Neurose”, erklärte Patrick Moore in “Focus”.

Moore, der die Gründungsurkunde von Greenpeace Deutschland mit unterzeichnet hatte, beklagt, dass sich die Umweltorganisation heute von Wissenschaft und Logik verabschiedet habe.

Quelle: Online Presseportal




Überlegungen zur Renaturierung des Domerslebener Sees

Plausibilitätsprüfung ausgewählter Aspekte, die einer Sanierung des Domerslebener Sees entgegen zustehen scheinen

Teilanonymisierte Stellungnahme

Auftraggeber:
Stadt Wanzleben-Börde – Ortschaft Domersleben
Markt 1-2, 39164 Wanzleben

Auftragnehmer:
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Schloßstraße 2, 08412 Werdau

Bearbeiter:
Uwe Halbach
Diplom-Ingenieur (FH) für Wasserwirtschaft & Diplom-Volkswirt

Ausfertigung: Internet

gez. U. Halbach
Institutsleiter

Werdau, den 24. September 2010


Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeine Hinweise

2 Beschreibung des momentanen Standes der Situation

3 Ausgewählte Meinungen gegen die Sanierung des Domerslebener Sees

4 Ergänzende Bemerkungen

5 Quellen- und Literaturverzeichnis


1. Allgemeine Hinweise

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Bewertung des wohl nur vermeintlichen Widerspruchs zwischen dem geplanten Vorhaben der Sanierung des Domerslebener Sees und den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Ziel der fachlichen Begleitung

des Institutes für Wasserwirtschaft Halbach ist es, das Projekt der Sanierung des Domerslebener Sees zu begründen, zu unterstützen, auch um den erforderlichen Aufwand der Gemeinde zur Bewältigung eventuell nicht zweckmäßiger Auflagen und Nachweise zu minimieren.

Die Bewertungsmethode beschränkt sich dabei nur auf die Plausibilitätsprüfung der Beweisführung, dass die Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Widerspruch zu den geplanten Vorhaben der Wiederentstehung des Domerslebener Sees stehen würden.

2. Beschreibung des momentanen Standes der Situation

Noch im 17. Jahrhundert gab es südlich der Ortslage Domersleben einen großen See. Als Vorfluter fließt die Domersleber Sarre aus der Ortslage Domersleben in Richtung Wanzleben. Der Mittelgraben, auch Dreilebener Sarre genannt, mündet aus westlicher Richtung, vom Remkersleber Wehr aus, in die Sarre (im ehemaligen Seegebiet).

Durch Eingriffe in den Wasserhaushalt und durch Eintrag von Erosionsmaterial der umliegenden Äcker verlandete der See schleichend. Im 19. Jahrhundert war der See dadurch entgültig verschwunden. Die übriggebliebenen Wiesen sind sehr feucht, mit Gräben durchzogen und teils mit Schilf bewachsen. Vom Herbst bis zum Frühjahr bilden sich oft ausgedehnte Wasserflächen, mit einer Tiefe von bis zu einem halben Meter aus. Der Bereich ist außerdem als Retentionsfläche, zum Hochwasserschutz der Stadt Wanzleben, von großer Bedeutung. Dies ist im Zusammenhang mit der Betriebsweise und der damit verbundenen Erlangung der Wasserrechtlichen Erlaubnis des bereits vorhandenen Domersleber Wehres zu betrachten.“ [7]

Nach der Ortschronik Domersleben (von Hermann Merbt, S. 133 Auszug in [7]) hatte der See eine ursprüngliche Fläche von 287,5 Hektar.

Ursprünglich wurde der See hauptsächlich durch die Dreileber Sarre, heute auch als Mittelgraben bezeichnet, gespeist. Der Abfluss erfolgte über eine Kalksteinschwelle am Steinbruch in Richtung Wanzleben.“ [7]

Von Bedeutung ist also:

  • Im 17. Jahrhundert gab es südlich von Domesleben einen großen See.
  • Ursprünglich wurde der See hauptsächlich durch die Dreileber Sarre gespeist.
  • Der See verlandete schleichend, wohl auch (nicht allein) durch absichtliche Trockenlegung.
  • Der See zeigt sich in feuchten Jahreszeiten in Form ausgeprägter Pfützenbildungen.

Ziel ist es nun, den ursprünglichen Zustand durch Sanierung wiederherzustellen und zudem den neuen (alten) See auch für den Hochwasserschutz und für andere Zwecke zu nutzen.

3. Ausgewählte Meinungen gegen die Sanierung des Domerslebener Sees

3.1 Verschlechterung bezüglich der ökologischen Durchgängigkeit

3.1.1 Zitat aus dem Schriftsatz der *** [8]

„Im Festlegungsprotokoll des Landesverwaltungsamtes vom 22. Juni 2009 wird unter Punkt 2: Festlegungen zur Begründung der geplanten Maßnahme gefordert:

2.1 Im Erläuterungsbericht ist die Erforderlichkeit der Maßnahme unter Berücksichtigung der EU-WRRL hinreichend zu begründen.

Kommentar: Wir sehen keine ausreichende Möglichkeit für eine solche Begründung. Im Gegenteil – die Maßnahme führt zu einer Verschlechterung bezüglich der ökologischen Durchgängigkeit, der Wasserqualität (z.B. Nährstoffeintrag aus Lösböden) sowie Wassertemperatur und beeinträchtigt negativ die Abflussverhältnisse.“

3.1.2 Stellungnahme zum Sanierungsgebot nach Artikel 4 WRRL

Nach Artikel 4 WRRL [11] besteht ein Sanierungsgebot zur Sanierung erheblich veränderter Wasserkörper.

Beweis:

„1 a) bei Oberflächengewässern:

ii) die Mitgliedstaaten schützen, verbessern und sanieren alle Oberflächenwasserkörper, vorbehaltlich der Anwendung der Ziffer iii betreffend künstliche und erheblich veränderte Wasserkörper, mit dem Ziel, spätestens 15 Jahre nach In-Kraft-Treten dieser Richtlinie gemäß den Bestimmungen des Anhangs V, vorbehaltlich etwaiger Verlängerungen gemäß Absatz 4 sowie der Anwendung der Absätze 5, 6 und 7 und unbeschadet des Absatzes 8 einen guten Zustand der Oberflächengewässer zu erreichen;…“

Im Falle des Domerslebener Sees handelt es sich um einen erheblich veränderten natürlichen Wasserkörper, der durch Sanierung in einen guten Zustand versetzt werden soll. D. h., man kann den Artikel 4 der WRRL durchaus auch wie folgt auslegen:

Der Domerslebener See ist zu sanieren, weil der bisherige schlechte Zustand nachteilig für die Artenvielfalt in dem landwirtschaftlich geprägten Gebiet um Domersleben ist.

3.1.3 Stellungnahme zur „Verschlechterung“

Die Argumentation ist wertlos, weil es an ihrer Begründung bzw. am Nachweis fehlt, dass die Schlüsse der Argumentation korrekt sind. Es handelt sich um unbegründete Behauptungen. Es mag Begründungen geben; sie wurden aber bislang nicht vorgetragen.

Das nachfolgende Beispiel veranschaulicht, dass es trotz Verschlechterung bezüglich der ökologischen Durchgängigkeit, der Wasserqualität (z. B. Nährstoffeintrag) sowie Wassertemperatur und negativ beeinträchtigte Abflussverhältnisse, aber insgesamt positiv gewertete Gewässer – sogar künstlichen Ursprungs – gibt, auf die kein Mensch verzichten will.

Es kommt also nicht auf pauschale und prüffähige Meinungen, sondern auf konkrete nachvollziehbare Bewertungen der komplexen und dynamischen Natur an, die, nebenbei bemerkt (wie auch die Ökologie), keine Gleichgewichtszustände – außer den Tod – kennt.

Beispiel:

Die Wippervorsperre beeinträchtigt auch negativ (unnatürlich) die Abflussverhältnisse und die Wassertemperatur. Eine ökologische Durchgängigkeit wird durch die Staumauer verhindert und zudem ist die Wippervorsperre derartig von Nährstoffeinträgen durch Niederschlag und Landwirtschaft belastet, dass selbst die Unterlassung jeglicher Abwassereinleitung aus den Kläranlagen des Einzugsgebietes keine Verbesserung der Gewässergüte zur Folge hätte. Beweis hierzu: Halbach [10]

Aber niemand kommt auf den Gedanken, die Wippervorsperre zu entleeren und abzureißen, obwohl der Artikel 4 der WRRL dazu die gesetzliche Grundlage liefern würde. Warum wohl? Einfach deshalb, weil in der Summe die wasserwirtschaftlichen Vorteile – dazu zählt auch der Nutzen für den Menschen – deutlich und zweifellos überwiegen.

Stehende nährstoffreiche Gewässer vergrößern bekanntlich die Artenvielfalt, um genau jene Tierarten, die auf stehende Gewässer angewiesen sind und die in den zu häufig verbreiteten „meliorationsgrabenartigen“ mit sehr schlechtem Gewässerzustand keinen Lebensraum (Habitat) finden.

Der schlechte Gewässerzustand wird in diesen Fällen meist schon auf den ersten Blick durch die unnatürliche Hydromorphologie[1] geprägt.

Es kommt bei der Bewertung der Sanierung des Domerslebener Sees darauf an, die ökologischen Aspekte und wasserwirtschaftlichen Vorteile eines Sees in der „landwirtschaftlichen Wüste von Domersleben“ zu erkennen.

Dabei hat die Bewertung frei von Öko-Ideologie und weltfremden Vorstellungen zu sein, wenn Fehlurteile wegen Weltfremdheit vermieden werden sollen. Bewertungsgrundlage müssen naturwissenschaftliche nachvollziehbare Methoden und Tatsachenbefunde sein. Dabei ist die Natur nicht als romantische Vorstellung zu bewerten, sondern in ihrer Realität.

Die Bewertungsmethode sollte also eine Ökologische sein. Das hat schon einmal die ungewohnte Bewertungskonsequenz, dass keine guten oder schlechten Zustände zu definieren sind, sondern nur Vor- oder Nachteile für bestimmte Tiere oder Tierarten.

Ökologisch korrekt wäre z. B. eine Bewertung:

„Das neu zuschaffende betreffende Ökosystem bietet gute Bedingungen als Brutgewässer für Cypriniden[2], wenn bei der Anlage des Sees folgende Voraussetzungen eingehalten werden…

Durch das Einsetzen von Raubfischen, die nicht geangelt werden dürfen, wird der Fraßdruck auf die Cypriniden aufrecht gehalten, so dass diese ihrerseits nicht die Daphnien minimieren, weil Daphnien neben Muscheln als Filtrierer das Wasser klar halten.“

3.1.4 Keine Verschlechterung, sondern eine Gewässerrenaturierung!

Abgesehen davon, ob die „Verschlechterungsbedenken“ in dieser Weise zutreffen oder nicht, handelt es sich in der Tat um keine Verschlechterung, sondern um eine beabsichtigte Verbesserung des Gewässerzustandes unter Erschließung des ökologischen Potentials, wie nachfolgende Abbildung zweifelsfrei beweist.

Abbildung 1: Domerslebener See in der Vergangenheit

Foto 1: Gewässer im LSG „Fauler See“ bei Wanzleben

Auf der Abbildung 1 ist zu erkennen, dass der Domerslebener See – als noch viel Wasser in ihm war – zur Erholung genutzt wurde, wie aus den dargestellten Spaziergängern am Seeufer abzuleiten ist.

Ebenfalls am Seeufer zum Trocknen aufgestellte Netze sind Indiz für den Fischreichtum des Sees, als es ihn noch in seiner ursprünglichen Form gab.

Ob der Mann auf dem Boot nun ein Fischer ist oder aus welchen Gründen er den See befuhr, ist ungewiss.

Die Abbildung 1 ist die Kopie einer Kopie, die im Kulturhaus der Gemeinde Domersleben sicher schon seit Jahren hängt.

Der Domerslebener See hat in der Gemeinde Domersleben eine besondere Bedeutung, wie neben einem Gemälde vom See auch die Planung zur Sanierung des Sees beweist.

Bei der Bewertung des Sees werden jedoch von denen, die ihn ablehnen, Ursache und Wirkung verwechselt.

Der Gewässerzustand des Sees wurde durch Eingriffe des Menschen in der Vergangenheit (Umleitung der Sarre, Anlage von Meliorationsgräben vorwiegend wohl durch die Landwirtschaft) auf wenige Quadratmeter nasse Wiese und einige Pfützen extrem verschlechtert. So etwas hat immer einen dramatischen Rückgang der Artenvielfalt (Biodiversität) und der Tieranzahl (Populationsdichte) zum Ergebnis.

Foto 2: Das Wehr im Gewässer im LSG „Fauler See“ bei Wanzleben verhindert ein Austrocknen des Feuchtbiotops

Das ist die Ausgangssituation, vor deren Hintergrund ablehnende Positionen und Meinung nicht zu verstehen sind, geht es doch darum, einen vom Menschen misslichen Eingriff in die Natur zu korrigieren.

  • Die EU-Wasserrahmenrichtlinie kennt dafür 2 förderfähige Instrumente: Gewässersanierung (Renaturierung) und
  • Erschließung des ökologischen Potentials, wobei dieses schon zu einem guten – bis vielleicht auch sehr guten Zustand geführt werden könnte.

Welche Vielfalt Wasser in der Natur bewirken kann, das erschließt sich dem Naturfreund in dem nur 4 km von Domersleben entfernten Biotop, das – markanter Weise – nur existiert, weil der Naturschützer den Abfluss des Wassers durch die Melioration mittels eines Wehres unterband. Dem Land Sachsen-Anhalt war und ist dieses Gebiet so wertvoll, dass es völlig zu Recht in die Liste der Landschaftsschutzgebiete aufgenommen wurde.

Siehe hierzu Foto 1 bis Foto 3[3].

Eine ähnliche Methode ist auch für die Sanierung des Domerslebener Sees geplant. Allerdings sind dafür noch die Naturschützer in den Behörden einzubeziehen. Eine Unterstützung des Vorhabens durch das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt in Halle wäre wohl – mit Blick auf das LSG „Fauler See“ – nicht ausgeschlossen.

Foto 3: Der von der Landwirtschaft verursachte schlechte Gewässerzustand – um mehrere Meter abgesenktes Grundwasser, einfältige „Natur“, umweltschädliche „Gewässerunterhaltung“

Nachtrag am 28.11.2013. Siehe hierzu:


3.2. Hochwasserrückhalt

3.2.1 Zitat aus dem Schriftsatz der *** [8]

Auszug:

„2.2 Der tatsächlich realisierbare Hochwasserrückhalt bzw. die Effektivität der prognostizierten Hochwasserschutzwirkung des geplanten Sees ist fachlich begründet darzulegen.

Kommentar: Für einen effektiven Hochwasserschutz muss über die längste Zeit des Jahres ein Retentionsraum freigehalten werden, der bei Hochwasserereignissen relativ schnell gefüllt und zeitverzögert wieder abgelassen wird. Bei der geplanten touristischen Nutzung stehen andere Prämissen in Vordergrund, wie z.B. ein relativ konstanter und hoher Wasserspiegel. Ein angedachter Hochwasserrückhalt ist bei genauerer Betrachtung fachlich nicht zu belegen.“

3.2.2 Stellungnahme

Wenn ein angedachter Hochwasserrückhalt bei genauerer Betrachtung fachlich nicht zu belegen ist, dann wäre ein Weg aufzuweisen, wie es trotzdem geht.

Die Talsperre Pöhl in Sachsen ist ein zugelassenes Badegewässer und weist trotzdem eine erhebliche Wasserspiegelschwankung bei Hochwasser auf.

Durch entsprechende Ufergestaltung, oder ggf. durch schwimmbare Stegpontons ist das Problem des Hochwassers wohl zu beseitigen.

Bekanntlich gehen Millionen von Menschen bei variablen Wasserständen baden.

Zudem ist bei Hochwasser auch nicht unbedingt in jedem Fall mit großem Badebetrieb zu rechnen.

Die Argumentation im Schriftsatz der *** [8] überzeugt mich nicht.

3.3 Nebenschluss

3.3.1 Zitat aus dem Schriftsatz der *** [8]

„2.3 Zwecks Gewährleistung der ökologischen Durchgängigkeit des Mittelgrabens/Sarre gemäß dem Verschlechterungsverbot der WRRL ist im Rahmen einer Variantenuntersuchung die technische Realisierbarkeit der Anordnung des Mittelgrabens und der Sarre im Nebenschluss zum Domersleber See zu prüfen.

Kommentar: Dieser Punkt zielt darauf ab, die Fließgewässer zu belassen (eventuell umzuverlegen) und einen See im Grundwasseranschnitt zu errichten. Es entsteht ein relativ flaches Stillgewässer, indem bereits nach einigen Jahren erste Sanierungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der Wasserqualität erfolgen müssen.“

3.3.2 Stellungnahme

Ein Gewässer im Nebenschluss wäre möglicherweise keine Sanierungsmaßnahme nach Artikel 4 WRRL [11].

Zudem hat sich wohl schon in der Vergangenheit gezeigt, dass die Umleitung der Sarre eine Verschlechterung darstellte, weil damit das Wasserökosystem beseitigt wurde.

3.4 Mindestwasserstand

3.4.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Für die geplante Nutzung als Naherholungsgewässer bedarf es der Gewährleistung eines Mindestwasserstandes. Dies widerspricht jedoch dem Erfordernis, ganzjährig ein Speichervolumen für die Belange des Hochwasserschutzes vorzuhalten.“

3.4.2 Stellungnahme

Siehe hierzu Gliederungspunkt 3.2.2 auf Seite 3.

3.5 Nutzung als Bade- und Fischereigewässer

3.5.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Ausgehend von den bestehenden Verhältnissen und der tatsächlichen intensiven Nutzung der die geplante Seefläche umgebenden Flächen muss davon ausgegangen werden, dass ein langfristig stark eutrophiertes Stillgewässer entsteht. Dieser Sachverhalt schließt eine Nutzung als Bade- und Fischereigewässer grundsätzlich aus.“

3.5.2 Stellungnahme

Es ist korrekt, dass eine intensive landwirtschaftliche Nutzung mit Abstand die größte Fracht an Phosphor und Stickstoff in die Gewässer ableitet.

So besteht das Einzugsgebiet der auch intensiv zum Baden genutzten Talsperre Pöhl überwiegend aus landwirtschaftlicher Nutzfläche (Abbildung 3) und trotzdem schließt dieser Sachverhalt nachweislich seit Inbetriebnahme der Talsperre eine Nutzung dieser als Badegewässer nicht aus.

Warum eine Nutzung als Fischereigewässer bei Eutrophierung grundsätzlich nicht vorstellbar wäre, ist mir unklar, weil doch gerade eutrophe Gewässer neben einem besonders großen Fischreichtum auch einen großen Reichtum an Fröschen (Abbildung 2) und Lurchen versprechen. In sauberen Gewässern verhungern bekanntlich die Fische.

Wie schon darauf hingewiesen – sollten, wenn Fische schon nicht vermieden werden können – Raubfische die Friedfische „kurz halten“.

Ebenso wäre es wohl vorteilhaft geeignete Teichmuscheln[4], die wegen übermäßiger Abwasserreinigung in ihrer Populationsdichte stark im Rückgang begriffen sind[5], zur Filtration des Wassers einzusetzen.

Keine Friedfische und viele Filtrierer sind ein Rezept für klares Wasser trotz einer mäßigen Eutrophierung.

Zusammenfassend:

  • Wenn man klares Wasser bei mäßiger Eutrophierung haben will, dann sind Friedfische kontraproduktiv.
  • Wenn man im grünen Wasser baden kann, dann stört das die Fische nicht.
  • Wenn man Blaualgen verhindern will, dann muss man für Grünalgen gute Bedingungen schaffen.
  • Die Formulierung „grundsätzlicher Ausschluss“ bedeutet nicht, dass es verboten ist, sondern nur, dass es zulässige Ausnahmen gib, die auszuloten wären.


Foto 4: Froschlaich in einem Nachklärteich der Abwasserteichkläranlage Hayn

Größere Kartenansicht
Abbildung 2: Das Einzugsgebiet der Talsperre Pöhl besteht überwiegend aus landwirtschaftlicher Nutzfläche.

3.6 Biozönose

3.6.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Um über die niederschlagsarmen Sommermonate einen für die Nutzung als Badesee und Fischereigewässer notwendigen Wasserstand zu halten und die Verdunstungsverluste zu kompensieren, wird es nahezu unmöglich sein, einen landschaftlich notwendigen Mindestabfluss in der Sarre unterhalb zu gewährleisten, um unterlaufseitig die Biozönose dieses Gewässers nicht zu beeinträchtigen.“

3.6.2 Stellungnahme

Zunächst wäre festzustellen, worin die Biozönose[6] dieses Gewässers konkret besteht.

Wenn beispielsweise der Gewässerunterhaltungsverband jährlich die Sarre mit dem „scharfen Löffel“ ausschabt, dann liegt die ganze Biozönose – abgesehen von dem, was wegschwimmen kann – auf dem Trockenen und wird abgefahren.

Sicher gibt es wertvolle Biozönosen, z. B. Forelle und Flussperlmuschel. Die wären aber ggf. festzustellen und gegen die neu entstehenden Biozönosen zu bewerten.

Zu beachten ist nicht nur die Biozönose, sondern auch die Populationsdichte. Paradox ist dabei, dass gerade der „praktizierende“ Naturschutz eine wesentliche Ursache für den Rückgang der Biodiversität ist:

Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt?“ REICHHOLF [6]

3.7 Naturraumtypische und standortgerechte Artengemeinschaften

3.7.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Die untere Wasserbehörde hatte in bisherigen Stellungnahmen gefordert, durch eine Variantenuntersuchung die technische Realisierbarkeit der Anordnung des Domersleber Sees im Nebenschluss zum Mittelgraben und der Sarre zu prüfen. Die vorgesehene Anordnung im Hauptschluss verstößt gegen das Verschlechterungsverbot in Bezug auf die ökologische Durchgängigkeit des Mittelgrabens/ Sarre gemäß den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (§ 67 WG LSA). Ein Standgewässer im Hauptschluss stellt auf Dauer ein ökologisch unüberwindliches Querbauwerk für naturraumtypische und standortgerechte Artengemeinschaften dar.“

3.7.2 Stellungnahme

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen nach der EU-WRRL sind ganzheitlich komplex und dynamisch zu verstehen.

Die Bezeichnung „guter Gewässerzustand“ nach der EU-WRRL erfordert die gleichzeitige Erfüllung folgender 5 Bedingungen (siehe auch RUMM [12]):

  • Gewässerstruktur, einschließlich Durchgängigkeit (Hydromorphologie)
  • Biologie
  • Nährstoffe
  • physikalisch/chemische Stoffe und spezifische Schadstoffe (Anhang VIII)
  • prioritäre Stoffe (Anhang IX und X)

Man erkennt auf den ersten Blick, dass die als Verschlechterung kritisierte „Durchgäng-igkeit“ zwar zutrifft, die Anforderungen zur Gewässerstruktur aber im Falle der Sarre kein Thema sind, obwohl nach Diagramm 1 auch die Gewässerstruktur mindestens einen guten Zustand aufweisen muss.

Um es zu veranschaulichen: Was nutzt die gute Durchgängigkeit für die Cyprinide, wenn sie ungehindert von der Mündung bis zur Quelle schwimmen kann, dabei aber kein Laichgewässer findet und auf dem Hin- und erfolglosen Rückweg an hungrigen Raubvögeln ohne Deckung vorbei schwimmen muss?

Ist es da für den „armen“ Fisch nicht besser, dass er wenigstens im neuen (alten) Domerslebener See laichen kann?

Womit bewiesen ist, dass eine pauschale Anwendung des Verschlechterungsgebotes hinsichtlich des Endes der Durchgängigkeit am eventuell künftigen Domerslebener See – ökologisch gesehen (aus Sicht der Cyprinide) – nicht plausibel ist.

Diagramm 1: In den Flussgebieten am häufigsten genannte Ursachen für die Zielverfehlung von Oberflächengewässern (Datengrundlage: zehn Flussgebietsberichte) RUMM [12], Seite 150

Auch bei allem guten Willen zur Gewährleistung eines „guten Gewässerzustandes“ sollte man der Tatsache ins Auge schauen, dass dieser Zustand eher in Ausnahmefällen zu erreichen ist, es sei denn die Landwirtschaft drosselt ihre Produktion um vielleicht 70 % und die nächsten 50 Jahre werden dazu genutzt, um fast alle Bäche und Flüsse in den Zustand zu versetzen, den sie vor 1.000 Jahren vielleicht mal hatten.

RUMM [12] weist auf folgende Fakten hin, die wohl auch für das Gebiet um Domersleben gelten dürften:

  • „In den meisten Bundesländern und somit in nahezu allen deutschen Flussgebietseinheiten ist die Gewässermorphologie durch den Menschen auf weiten Strecken verändert und beeinträchtigt.
  • Ein großer Teil der Flüsse und Bäche wird die Umweltziele der Wasserrahmenrichtlinie ohne konsequente Umsetzung entsprechender Maßnahmen zur Verbesserung des Gewässerzustands voraussichtlich verfehlen. In den Stadtstaaten zeichnet sich ab, dass ein guter ökologischer Zustand der Gewässer kaum erreicht werden kann, was insbesondere auf die intensive wirtschaftliche Nutzung und damit auf die dauerhaft veränderte Gewässermorphologie zurückzuführen ist.“

Also, wenn es verboten werden sollte, den Domerslebener Sees wegen Verschlechterung der Durchgängigkeit sanieren zu dürfen, dann wären aber auch gleichzeitig Fördermittel bereitzustellen, damit entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung des Gewässerzustands lt. EU-WRRL konsequent und planmäßig umgesetzt werden können, wie

  • Rückbau der Fließgewässer
  • Reduzierung der Landwirtschaft um schätzungsweise 70 % zur Erreichung des guten wasserchemischen Zustandes hinsichtlich Phosphor und Stickstoff
  • Verbot der Gewässerunterhaltung zum Schutz der Biozönose

Die gleichzeitige Erfüllung aller Anforderungen ist unbedingte Voraussetzung für die Gewährleistung des für alle Parteien verbindlichen und gesetzlichen Sparsamkeitsprinzips. Nur bei gleichzeitiger Erfüllung aller Anforderungen für den guten Gewässerzustand ist überhaupt ein Effekt im Gewässer gewährleistet (von Ausnahmen mal abgesehen.) Und den Effekt schuldet der Gewässerschutz, um die hohen Aufwendungen zu rechtfertigen. Aus diesem Grund sind Maßnahmen für die Gewährleistung des guten Gewässerzustandes komplex und ganzheitlich zu planen.

Mal ein „bisschen“ Durchgängigkeit durchzusetzen ist völlig effektlos, wenn nicht zugleich die Voraussetzungen für ein gewünschtes vielfältiges ständiges Leben im Gewässer geschaffen werden (z. B. Fischunterstände). Rechnet man alle Kosten für die Gewährleistung eines guten Gewässerzustandes zusammen, dann ist es leicht vorstellbar, dass ein einziger im Schlamm wühlender Fisch in der Sarre, schon mal einen Wert von vielleicht 5.000 € verkörpert. Also ein Grund mehr um Nägel mit Köpfen zu machen.

3.8 Stoffaustrag aus dem See

3.8.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Die geplanten Ausmaße des Sees sowie die vorgesehenen verschiedenartigen Nutzungen, z.B. als Bade- und Fischereigewässer, würden negative Auswirkungen auf die Wasserbilanz (hohe Verdunstungsrate ) sowie die gewässerökologische Beschaffenheit des Standgewässers und daraus resultierend auf die Sarre unterhalb zur Folge haben. Hierbei sind u.a. folgende Aspekte zu nennen:

– Stoffaustrag aus dem See über gelöste Nährstoffe und Algen,

– Erhöhung der Wassertemperatur sowie des pH-Wertes im Fließgewässer,

– Minderung des gelösten Sauerstoffgehaltes im unterhalb liegenden Gewässerabschnitt

Diese zu erwartenden negativen Folgen können von Seiten der unteren Wasserbehörde nicht akzeptiert bzw. zugelassen werden.“

3.8.2 Stellungnahme

Die Überlegungen sind z. T. unlogisch.

In dem betreffenden Einzugsgebiet fällt unabhängig davon, ob der See errichtet wird oder nicht, eine bestimmte jährliche Fracht an Phosphor und Stickstoff an. Emittenten sind hauptsächlich die Landwirtschaft und der Niederschlag.

Wird nun ein See errichtet, dann bewirken seine Stoffwechselprozesse eine Reduzierung dieser Fracht, weil ein Teil des Stickstoffes denitrifiziert wird und in die Atmosphäre ausgast, ein Teil des Phosphors fällt als Bodenschlamm und wird endgültig fixiert.

Ein Teil des Stickstoffes und des Phosphors wird von den Anglern aufgegessen, ein anderer Teil fliegt weg und wieder ein anderer Teil wird von Raubvögeln aufgefressen.

Sicher verlassen noch beachtliche Teile der Frachten den See. Es dürften aber bei Grünalgenüberschuss weniger sein, als in ihn hineinfließen.

Festzustellen ist also, es gibt durchaus einen Stoffaustrag aus dem See über gelöste Nährstoffe und Algen, dieser ist aber geringer als der Stoffeintrag.

Die Erhöhung der Wassertemperatur im See hat zur Folge, dass der Stoffumsatz des Sees beschleunigt wird. Ob nun unbedingt der pH-Wert im See steigen muss, ist unsicher, aber vergleichbare Seen gibt es massenhaft, in denen dies in der Regel kein Problem ist.

Zur Minimierung der Photosynthese (als Auslöser einer möglichen pH-Wertsteigerung) in Fließgewässern hat sich das Pflanzen von Schwarzerlen bewährt, die zudem auch einen ausgezeichneten Beitrag zur Renaturierung der Gewässer darstellen.

Und wenn die Minderung des gelösten Sauerstoffgehaltes im unterhalb liegenden Gewässerabschnitt relevant sein sollte, wieso ist sie bei vergleichbaren Seen kaum von Bedeutung?

Die Überlegungen des Umweltamtes sind sicher durch konkrete Berechnungen und Messungen zu untersetzen. Wenn die Bedenken zutreffend wären, dann dürfte es in der Kulturlandschaft keine kaum durchflossenen Seen geben. Sie wären alle wegen der „Verschlechterung“ trocken zulegen.

Kaum durchflossene Seen sind aber im Vogtland z. B. die Regel. Da gibt es aller paar Kilometer einen See, der mit nährstoffreichen Zuläufen gespeist wird. Oder wie verhält es sich mit den sehr gut gedüngten Fischteichen, deren Ablauffrachten jene des künftigen Domerslebener Sees weit in den Schatten stellen dürfte?

Im Übrigen kann die zu erwartende Eutrophierungsstufe kalkuliert werden.

4. Ergänzende Bemerkungen

4.1 Wasserwirtschaftliche Bedeutung der Wiedererschaffung ehemaliger Seen

Allgemein bekannt ist die Fruchtbarkeit der Magdeburger Börde:

Häufig sind in der Magdeburger Börde Senkenbildungen zu erkennen, die durch Auslaugungen von Salzen und Gipsen des Röts und des Mittleren Muschelkalks entstanden. Der Faule See im gleichnamigen LSG ist eine solche Auslaugungssenke, die heute waldbestanden ist. Die Geschiebemergelhochflächen sind von mächtigen Lößschichten überlagert. Die fruchtbaren Lößböden bedingen eine intensive ackerbauliche Nutzung der Landschaftseinheit. Bei Wanzleben werden Bodenwertzahlen bis 100 erreicht, die höchsten für Deutschland festgestellten Bonitäten überhaupt.“ [3]

Die Magdeburger Börde ist also eine landwirtschaftlich äußerst intensiv genutzte Gegend in Sachsen-Anhalt (siehe Abbildung 4).

4.2 Landwirtschaft und Naturschutz als Ursache der Artenarmut

REICHHOLF hat die Landwirtschaft und scheinbar paradox auch den Naturschutz selbst als eine der Hauptursachen für den Artenschwund ausgemacht:

„Der Artenschwund geht daher mit weitem Abstand vor allem an deren Wirkgrößen auf das Konto der modernen Landwirtschaft. Denn Überdüngung, Strukturverarmung und Vereinheitlichung der Lebensbedingungen (möglichst gleichartige Produktionsverhältnisse zu haben oder zu schaffen) sind ihre Auswirkungen. Der Stickstoff wurde zum «Erstick-Stoff» für die Artenvielfalt.

Überdüngung, speziell auch mit Gülle, belastete Böden, Grundwasser, Oberflächengewässer und die Luft.

Doch an zweiter Stelle nach der Landwirtschaft folgt bereits der Naturschutz selbst. Die Unterbindung der vielen kleinen Eingriffe, der «Störungen», brachte genau das Gegenteil von Förderung der Artenvielfalt und Schutz der seltenen Arten.

Seit keine kleinen Abgrabungen und solche mittlerer Größe mehr gemacht werden können, keine Kleingewässer in der Landschaft entstehen, kein Abflämmen von Böschungen und Triften mehr erlaubt und Kahlschläge verdammt sind, fehlt es an den jungen Stadien von Entwicklungen, mangelt es an Stellen ohne intensive landwirtschaftliche Nutzung und wächst alles zu, was nicht direkt in die Nutzungen einbezogen ist.

So entfällt der zweitgrößte Teil der Artenrückgänge auf die Umsetzung von Naturschutzzielen.“ REICHHOLF [6]

Größere Kartenansicht

Abbildung 2: Domersleben – Landwirtschaft – soweit das Auge reicht

4.3 Der Faule See – Landschaftsschutzgebiet 4 km südlich von Domersleben

In Bezug auf die Biodiversität der Magdeburger Börde stellt das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt mit Blick auf das in der Nähe von Domersleben liegende Landschaftsschutzgebiet hinsichtlich der Tier- und Pflanzenwelt nachvollziehbar fest:

„Die potentiell natürliche Vegetation stellt auf den nicht dauerhaft vernäßten Standorten der Waldziest-Stieleichen-Hainbuchenwald und bei hoch anstehendem Grundwasser der Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald und kleinflächig auch der Erlenbruchwald dar. In dem Bereich der Salzquellen hat sich bereits kleinflächig die entsprechende Salzvegetation in Form von Quellerfluren gut entwickeln können.

In der aktuellen Vegetation sind die natürlichen Waldtypen überwiegend durch Pappelgehölze, teilweise aber auch durch naturnähere Feuchtwälder, ersetzt worden.

Teile der Niederung werden von Grünlandgesellschaften mit einem hohen Anteil salzliebender Arten bedeckt, wobei der Anteil strenger Halophyten gering ist. Allerdings sind Queller und Strand-Aster im Gebiet zu finden.

Die Vielfalt des Gebietes kommt auch darin zum Ausdruck, daß im Landschaftsschutzgebiet Halbtrockenrasengesellschaften mit einem Vorkommen des Deutschen Enzians zu verzeichnen sind, wohl der einzige Standort der Art in der Magdeburger Börde. Eine weitere Besonderheit ist das Vorkommen des Bleichen Waldvögleins in einem lichten Pappelforst.

Neben einer artenreichen Kleinvogelwelt kommen im LSG Rot- und Schwarzmilan Rohrweihe und Kolkrabe vor.

Aus dem Bereich der Salzstelle sind die seltenen Nachweise von Südlicher Binsenjungfer, Helm-Azurjungfer und Südlichem Blaupfeil als vom Aussterben bedrohte beziehungsweise gefährdete Libellen-Arten hervorzuheben.

Insgesamt gesehen stellt das LSG eine wertvolle, strukturreiche Oase innerhalb der artenarmen Bördelandschaft dar.“ [3]

Von Bedeutung ist die Feststellung insoweit, dass das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt die Artenarmut der Bördelandschaft herausstellt.

Durch die Sanierung des Sees in Domersleben – sofern er ein gewisses Maß an Nährstoffen enthält – dürfte sich nicht nur die Artenvielfalt erhöhen, sondern auch deren Tieranzahl.

Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass sauberes Wasser die Artenvielfalt und die Popula-tionsdichte erhöht. Das Gegenteil ist der Fall. Insofern dient eine maßvolle Eutrophierung der Biodiversität, der Produktivität und damit der Populationsdichte. Schließlich soll mit dem Domerslebener See kein alpiner Hochgebirgssee oder eine Trinkwassertalsperre errichtet werden.

4.4 Gewässergüte und Artendiversität [7]

Zwischen der Nährstoffbelastung eines Gewässers, der Artenvielfalt sowie Populationsdichte gibt es einen interessanten, aber kaum beachteten Zusammenhang.

Nach einer persönlichen Information des Ökologen Herrn Prof. Reichholf [8] steigt mit zunehmender Gewässergüte zunächst die Artendiversität an, erreicht bei III-II ein Maximum und nimmt dann wieder (stark) ab, falls GKL I erreicht werden sollte.

Der Rückgang in die andere Richtung zu GKL IV ist weniger stark ausgeprägt, aber begleitet von einer massiven Zunahme der Individuenmenge bzw. dem Lebendgewicht der Organismen pro Flächeneinheit (als Maß für die Produktivität). Nur bei starkem Sauerstoffschwund oder im Zusammenhang mit Vergiftungsvorgängen sinkt die Produktivität der eutrophen Gewässer. Sonst ist sie maximal. In früheren Zeiten war dieser Zusammenhang unter den sogenannten „Thienemann’schen Gesetzen“ in der Limnologie bekannt, aber von den zugrunde liegenden Ursachen nicht verstanden worden. Allgemeine Angaben hierzu sind zum Beispiel in ODUM, E. P. & J. H. REICHHOLF (1980): Ökologie. BLV München, enthalten. Es gibt eine Menge Detailanalysen hierzu in der limnologischen Literatur. Der Schüler Hans UTSCHICK des Herrn Prof. Reichholf hat das u. a. auch in seiner Diplomarbeit und Dissertation für die Wasservögel ausgearbeitet und publiziert in den Ornithol. Verhandlungen 22 (1976): 395 – 438 & Bd. 23 (1980): 273-345.

Insofern ist die pauschale Bewertung des Phosphors und Stickstoffs als Schadstoff allein nach seiner Konzentration fragwürdig. Erstens, weil nicht die Konzentration, sondern die Dosis das Kriterium für eine Schädlichkeit ist und zweitens, weil es keinen Ökosystemschaden durch diese Nährstoffe geben kann.

Kleine Gewässer – wie z. B. die Abwasserteiche – zeichnen sich durch eine relativ geringe Tiefe aus. Da viele Wasservögel ihre Nahrung vornehmlich im Litoral [9] durch Gründeln aufnehmen, steht die gesamte Fläche für die Nahrungsaufnahme zur Verfügung und stellt somit einen guten Lebensraum für viele Wasservögel dar (siehe Abbildung 5).

Foto 5: Seltene Weißflügelseeschwalben auf der Futtersuche über einem stark eutrophen Biotop (Abwasserteich von Nordgermersleben)

Daneben trägt die gute Durchmischung zu einer hohen Produktivität und damit zu einem reichhaltigen Nahrungsangebot bei.

Utschick [4] beobachtete an bayrischen Seen, dass je stärker eutrophiert ein Stillgewässer ist, desto größer ist die Dichte der Wasservögel. Dies gilt allerdings nur solange, wie die Produktivität des Gewässers steigt. Bei Hypertrophierung [10] lässt die Produktivität nach und auch die Anzahl der Wasservögel verringert sich.

Im Falle der Untersuchungen von Utschick [4] wurde das Optimum an Artendiversität bei einem mesotrophen [11] Gewässer festgestellt.

Nach verschiedenen Maßnahmen zur Gewässerreinhaltung ist nach Utschick [4] und dem Wasserwirtschaftsamt München [5] die Population ohne Verzögerung sofort zurückgegangen. Von dem Rückgang waren vor allem die Wasservögel betroffen, die sich von Organismen im Schlamm ernähren.

Selbst bei den Tauchern, wie dem Haubentaucher, war in stärker eutrophierten Seen eine höhere Dichte an Tieren beobachtet worden, als bei weniger eutrophen Gewässern. Dies liegt vor allem daran, dass sich mit steigender Trophiestufe [12] die Fischzusammensetzung zu Ungunsten der Edelfische ändert und mehr Weißfische auftreten, welche die Hauptnahrungsquelle für die Taucher darstellen.

Die rein herbivoren [13] Arten gingen allerdings mit steigender Trophiestufe in ihrem Anteil an der Gesamtwasservogelzahl zurück.

Es bleibt also festzuhalten, dass je eutrophierter ein Gewässer ist, desto mehr (bezogen auf die Dichte) Wasservögel kann dieses Gewässer ernähren. Dies gilt allerdings nur solange, wie auch die Produktivität des Gewässers steigt. Bei sinkender Produktivität sinkt dann auch die Dichte der Wasservögel wieder.

Bezogen auf die Artendiversität – also die Vielfalt – ist mit steigender Trophierung eine sinkende Diversität zu verzeichnen.

Insgesamt wurde das Optimum beim mesotrophen Stillgewässer festgestellt.

Ein übermäßiger Gewässerschutz ist deshalb nachteilig für die Artenvielfalt und die Anzahl der Tiere einer Art.

Es ist eine Tatsache, dass eine gewisse „Verunreinigung“ der Gewässer mit Nährstoffen für die Artenvielfalt und für viele Tiere durchaus auch ein guter Gewässerzustand sein kann, den sie mit häufigen Besuchen, Bruterfolgen oder als Gäste honorieren.

Die Anlage von Seen zählt in den Gegenden von Sachsen-Anhalt mit ausgeprägter Nutzung durch die Landwirtschaft zu den wasserwirtschaftlichen Maßnahmen mit sehr hoher Bedeutung.

Diese Auffassung teilt offensichtlich auch das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt.

Große Anstrengungen unternahm das Land Sachsen-Anhhalt beispielsweise auch zur Wiederentstehung des Salzigen Sees bei Querfurt. Diese Maßnahme scheiterte aber nur an den zu erwartenden Schäden in Folge des mit der Maßnahme verbundenen Grundwasseranstieges. Aus diesem Blickwinkel ist es nicht nachvollziehbar, warum der Sanierung des Domerslebener Sees derartige Widerstände entgegengesetzt werden. Ein neues Gewässer in einer „Kultur“-Landschaft ist immer eine ungemeine Bereicherung, eine Herausforderung und eine seltene Gestaltungschance für erfahrene Ökologen.

4.5 Bewertung des Verschlechterungsverbotes – Wasserrecht LSA

Im § 2 des Wasserrechtes des Landes Sachsen-Anhalt sind folgende ausgewählte Grundsätze enthalten:

„(1) Die Gewässer sind als Bestandteil des Naturhaushaltes und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu sichern.

Sie sind so zu bewirtschaften, dass sie dem Wohl der Allgemeinheit und im Einklang mit ihm auch dem Nutzen Einzelner dienen, vermeidbare Beeinträchtigungen ihrer ökologischen Funktionen und der direkt von ihnen abhängenden Landökosysteme und Feuchtgebiete im Hinblick auf deren Wasserhaushalt unterbleiben und damit insgesamt eine nachhaltige Entwicklung gewährleistet wird.

Dabei sind insbesondere mögliche Verlagerungen von nachteiligen Auswirkungen von einem Schutzgut auf ein anderes zu berücksichtigen; ein hohes Schutzniveau für die Umwelt insgesamt, unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Klimaschutzes, ist zu gewährleisten.

(2) Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Verschlechterung des Gewässerzustandes führen, sind unzulässig.

(3) Das Wohl der Allgemeinheit erfordert insbesondere, dass

1. nutzbares Wasser in ausreichender Menge und Güte zur Verfügung steht und die öffentliche Wasserversorgung nicht gefährdet wird,

2. Hochwasserschäden, schädliches Abschwemmen von Boden und eine schädliche Auswaschung von Nährstoffen verhindert werden,

3. landwirtschaftlich und anders genutzte Flächen unter Vermeidung dauerhaft nachteiliger Wirkungen auf den Naturhaushalt entwässert werden können,

4. die Gewässer einschließlich des Meeres vor Verunreinigung geschützt werden,

5. die Bedeutung der Gewässer und ihrer Uferbereiche als Lebensstätte für Pflanzen und Tiere und ihre Bedeutung für das Bild der Landschaft berücksichtigt werden,

6. das Wasserrückhaltevermögen und die Selbstreinigungskraft der Gewässer gesichert und, soweit erforderlich, wiederhergestellt und verbessert werden.“

Kommentar:

Nun, in der Natur gibt es keine Verschlechterung einer Sache, die nicht zugleich eine Verbesserung für ein anderes Wesen darstellt. Insofern kommt es auf den Standpunkt bei der Bewertung an und ob komplexe Zusammenhänge erfasst werden sollen.

Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Verschlechterung des Gewässerzustandes führen, sind also unzulässig. Wie aber in vorherigen Abschnitten bewiesen wurde, führt eine Nährstoffminimierung am Ende zu einem sehr schlechten Gewässerzustand für manches Wassergeflügel wegen Verhungerns. Die Regelung „Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Verschlechterung des Gewässerzustandes führen, sind unzulässig.“ bedarf also einer Interpretation der konkreten und komplexen Sachlage, sicher auch unter Berücksichtigung aller Vor- und Nachteile. Ließe man die Regelung dogmatisch gelten, dann wäre z. B. die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt zu verbieten, weil sie eindeutig eine Maßnahme ist, die zu einer nachhaltigen Verschlechterung des Gewässerzustandes führt und damit unzulässig wäre. Mit ökologischen Methoden sind jedoch Vorteile für Artenvielfalt und Populationsdichte in eutrophen Seen beweisbar.

Wenn die Sanierung des Domerslebener Sees gewünscht wird, dann sollte es leicht möglich sein, Wege und Lösungen zu finden, wie Vorteile dieses Vorhabens für die Menschen und für Tiere – die auf Seen angewiesen sind – erschlossen werden können. Gründe, warum es nicht gehen soll oder darf, sind auf konstruktivem Wege durch Lösungen zu neutralisieren.

Dazu sind auch vorhandene Passagen von Vorschriften zu werten, die eine Sanierung des Domerslebener Sees stützen und fördern.

(Es soll davon abgesehen werden, dass der o. g. Gesetzestext in Teilen auf keinem wissenschaftlichen Fundament beruht. Er ist „ökounlogisch“ [14]. Letztlich kommt es darauf an, was man will und wie es gelingt alle Beteiligten für diese Maßnahem zu begeistern.)

Das Wasserrecht von Sachsen-Anhalt und auch die EU-WRRL lassen sich – ohne verbogen zu werden – durchaus auch so verstehen, dass die Sanierung von Seen ein förderungswürdiges Vorhaben ist, das die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere und deren Anzahl je Fläche erheblich verbessert.

Was also soll daran insgesamt gewertet nachteilig sein?

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

[1] Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis – EU-Recht
WEKA Fachverlag

[2] Wassergesetz für das Land Sachsen-Anhalt (WG-LSA) in der Fassung der Bekanntmachung vom 12. April 2006 (GVBl. LSA Nr. 15 vom 20.04.2006, S. 248) in Verbindung mit § 3 Abs. 2 des Gesetzes vom 15. April 2005 (GVBl. LSA S. 208), geändert durch Gesetz vom 7. November 2007 (GVBl. LSA S. 353)

[3] Die Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts
Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Magdeburg 2000

[4] Utschick, H.
Wasservögel als Indikatoren für den ökologischen Zustand von Seen
Verhandlungen der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern
Band 22, Heft 3 / 4, 1976, Seiten 395/438

[5] Wasserwirtschaftsamt München
Der Speichersee und die Abwasserfischteiche – technische Großanlage und „Europareservat“ für Wasservögel
Infoblatt 2/99

[6] Reichholf, J.H.
Die Zukunft der Arten. Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch
erschienen März 2005 München
C.H. Beck Verlag

[7] Handlungskonzept zur Wiederherstellung des Domerslebener Sees und zum Hochwasserschutz der Stadt Wanzleben
Tischvorlage vom 30.10.2007
Verfasser: Muting GmbH (Magdeburg) und PGI GmbH (Magdeburg)

[8] ***
vom 13.10.2009

[9] ***
vom 10.03.2010

[10] Halbach, U. , Benndorf, J.
Hydrobiologische Plausibilitätsprüfung
Geplante Verschärfung der Überwachungswerte der zentralen Kläranlage Hayn
Kurzbericht vom 03.07.2008

[11] Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik

[12] Rumm, u. a.
Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie
2. Auflage
Erich Schmidt Verlag
Berlin 2006

[13] Lampert, W., u.a.
Limnoökologie
Georg Thieme Verlag Stuttgart
1999


[1] Gewässergestalt

[2] karpfenartige Süßwasserfische

[3] Fotos: U. Halbach am 23. September 2010

[4] Wenn das Wasser „schön eutroph“ ist, dann kann man nach Besatz und einigen Jahren einige Tausend Großmuscheln je 100 m² Teichbodenfläche finden. Reichholf [6]

[5] siehe Reichholf [6]

[6] Lebensgemeinschaft

[7] Vielfalt

[8] Der Zoologe, Evolutionsbiologe und Ökologe Professor Reichholf lehrt Naturschutz an der TU und leitet die Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung in München.

[9] Ufer, Küstenzone

[10] Das gilt nur in Bezug auf organische Stoffe. Bei toxischen Stoffen reicht eine geringere Dosis, um die Anzahl der Wasservögel an einem Gewässer zu verringern. (Trophie = Zufuhr von Nährstoffen)

[11] stehende Gewässer mit mittlerer Nährstoffbelastung und Produktivität

[12] In der Limnologie bezeichnet Trophierung die Zufuhr von Nährstoffen im Gewässer. Nach dem Gehalt an organischen und anorganischen Nährstoffen teilt man im Trophiensystem Gewässer in verschiedene Trophiestufen ein. Das Trophiensystem wird üblicherweise zur Klassifizierung von stehenden Gewässern angewandt. (Wikipedia)

[13] Pflanzenfresser

[14] Die Ökologie als Wissenschaft kennt keine „vermeidbare Beeinträchtigungen ihrer ökologischen Funktionen“. Die Ökologie ist eine wertfreie Wissenschaft, die sich mit den Wechselwirkungen befasst, die die Verbreitung und Häufigkeit der Organismen bestimmen. Siehe hierzu LAMPERT [13]. Beispiel: Eine ökologische Funktion eines zumeist weniger geliebten, aber ökologisch hoch interessanten Gülleteiches als Biotop besteht darin, ein seltenes Habitat für das schöne Insekt Eristalis tenax zu sein. Mit der Reinigung des Gülleteiches würde man diese Tierart im Extremfall ausrotten, was nicht nur nach § 2 (1), sondern auch nach § 2 (2) des Wasserrechtes des Landes Sachsen-Anhalt verboten wäre. Wie man sieht, kann man mit dem Verschlechterungsgebot recht willkürlich oder beliebig umgehen. Es ist letztlich nur eine Frage der Interpretationsbefugnis und was man konkret will.

____________________

Siehe auch: Reaktion auf dieses Gutachten

Bislang nicht veröffentlichtes Foto vom Faulen See:




Bedrohung der Artenvielfalt

„Was ist die größte Bedrohung für die Artenvielfalt?

Die Landwirtschaft. In Mitteleuropa etwa fördert die Überdüngung ganz bestimmte Pflanzen wie Löwenzahn und dichtwüchsige Gräser. Das nimmt anderen Arten die Lebensmöglichkeit. Und zwar nicht nur auf den Flächen: Über das Grundwasser gelangen nitrathaltige Nährstoffe in die Gewässer und begünstigen dort einseitig Algenanarten, vor allem Blaugrünbakterien. Dadurch sind Flusskrebse und Muscheln selten geworden, auch Kleinfische wie Stichlinge oder Bitterlinge.“

Quelle:  Professor Josef H. Reichholf,
Zoologe, Ökologe und Evolutionsbiologe.

Rindfleischimporte für den Naturschutz




Wahrhaftiges – Eine Auswahl

Nachhaltige Literatur  

Eilingsfeld, Heinrich
Der sanfte Wahn
Ökologismus total
Südwestdeutsche Verlagsanstalt Mannheim
ISBN: 3-87804-195-0
(Bemerkenswert, dass das Buch schon 1989 erschien.)

Gärtner, Edgar L.
Öko-Nihilismus
Eine Kritik der Politischen Ökologie
TvR Medienverlag Jena, 2007

ISBN: 978-3-00-020598-9
(Auch sehr interessant!)

Driessen, P.K.
Öko-Imperialismus
Grüne Politik mit tödlichen Folgen
TvR Medienverlag 2006

Maxeiner; D., u.a.
Die Zukunft und ihre Feinde
Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
Eichenborn AG 2002

Maxeiner; D., u.a.
Das Mephistoprinzip
Warum es besser ist, nicht gut zu sein
Eichenborn AG 2001

Maxeiner; D., u.a.
Lexikon der Ökoirrtümer
Fakten statt Umweltmythen
Verlag: Piper; Auflage: 2 (2000)
ISBN-10: 3492228739

Maxeiner; D., u.a.
Öko-Optimismus
Rowohlt Taschenbuch Verlag
Reinbach bei Hamburg 1999

***

„Bevor Sie dieses Buch lesen, beachten Sie bitte folgenden Warnhinweis, den ich bei Goethe entdeckt habe: “ Eigentlich weiß man nur, wenn man wenig weiß. Mit dem Wissen wächst der Zweifel.“ Die Folgen der anschließenden Lektüre sind deshalb irreversibel. Wenn Sie die Gleichförmigkeit der Gedanken schätzen und gerne glauben, was alle glauben, dann sollten Sie die Deckel dieses Buches spätestens jetzt zuschlagen.“
Dirk Maxeiner

Und so heißt das Buch:

Hurra, wir retten die Welt!
Wie Politik und Medien mit der Klimaforschung umspringen
Von Dirk Maxeiner
wjs-Verlag,
Berlin 2007

Rezension: http://www.buchausgabe.de/shoproot/764item.html

Ökologische Zusammenhänge, verständlich von Prof. Reichholf  erklärt

Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch
2. Auflage 2003
Wagenbach Verlag Berlin , ISBN: 3 8031 24425

Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

Reichholf, J.H.
Der schöpferische Impuls
Eine neue Sicht der Evolution
Erstveröffentlichung 1992
Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart
ISBN: 3-421-02763-3

Reichholf, J.H.
Stabile Ungleichgewichte
Die Ökologie der Zukunft
edition unseld
SV
2008
ISBN: 978-518-26005-0

Reichholf, J.H.
Krise und Zukunft
edition unseld SV
2010

Reichholf, J.H.
Ende der Artenvielfalt
Fischer Taschenbuchverlag
2008
2010

Reichholf, J.H.
Die Zukunft der Arten. Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch
erschienen März 2005
237 Seiten, 25 Abb., Paperback
C.H. Beck Verlag, ISBN: 3406527868

(Hier beweist Prof. Reichholf u.a., wie maßlose Abwasserreinigung zur Minimierung der Artenvielfalt und Populationsdichte im und am Gewässer führt.)

Reichholf, J.H.
Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends
erschienen April 2007
S. Fischer Verlag , Frankfurt am Main
ISBN: 978-3-10-06294-5

Weitere ökologische Literatur

Streit, Bruno
Was ist Biodiversität?
Erforschung, Schutz und Wert der biologischen Vielfalt
C.H. Beck Verlag, 2007
ISBN: 978 3 406 53617 5

Steinberg, Ch.
Von Mistbienen, Haussperlingen und der EU-Wasserrahmenrichtlinie – eine
beabsichtigte Polemik
Wasser & Boden
(Sehr interessant! Habe nur eine Kopie. Das Erscheinungsjahr, Heft und Seite sind mir nicht bekannt.!)

Zur Vertiefung der Ökologie

Odum, Reichholf
Ökologie
Grundbegriffe, Verknüpfungen, Perspektive
BLV Verlagsgesellschaft München Wien Zürich
1980

c, D.; Horn, W.
Einfluß des Menschen auf die Gewässer-Ökosysteme
Sonderdruck aus „Umwelt und Mensch – Langzeitwirkungen und
Schlussfolgerungen für die Zukunft“
Band 59, Heft 5
Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, 2000

Steinberg, Ch.; u. a.
Nachhaltige Wasserwirtschaft
Entwicklung eines Bewertungs- und Prüfsystems
Initiativen zum Umweltschutz Band 36
Erich Schmidt Verlag 2002

Lampert, W. , Sommer, U.
Limnoökologie
2. überarbeitet Auflage
Georg Thieme Verlag Stuttgart New York 1999
ISBN: 3-13-786402-X

Uhlmann, D.; u. a.
Hydrobiologie der Binnengewässer
Ein Grundriß für Ingenieure und Naturwissenschaftler
Verlag Eugen Ulmer Stuttgart 2001, S. 325

Nicht nur bei Zweifel an wasserbehördliche Forderungen oder bei Widersprüchen zur Wasserrahmenrichtlinie:

Rumm, u.a.
Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie
2. Auflage
Erich Schmidt Verlag
Berlin 2006
ISBN-13: 978 3 503 090027 3


Geburt einer Ideologie:

Pseudowissenschaftliche Grundlage der politischen Ökologie bzw. des Ökologismus und seit gut 20 Jahren Basis der nationalen und internationalen Umweltgesetzgebung:

Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung:
Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation.
Frankfurt/M., 1979.

Versuch einer Relativierung

Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften setzte dem Vorsorgeunwesen zwar eine Leitlinie entgegen, die aber in der Praxis des Gewässerschutzes kaum bekannt sein dürfte und wenn schon, dann wird sie in der Regel ignoriert:

Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips
in „Die Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips“
Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
Brüssel, den 2.2.2000, KOM (2000) 1 endgültig

Hydrobiologie

Uhlmann, D.; u. a.
Hydrobiologie der Binnengewässer
Ein Grundriß für Ingenieure und Naturwissenschaftler
Verlag Eugen Ulmer Stuttgart 2001, S. 325

Besch, W. K.; u. a.
Limnologie für die Praxis
Grundlagen des Gewässerschutzes
3. Auflage
1984 ecomed Fachverlag

Schworebel, J.
Einführung in die Limnologie
5. Auflage 1984
Gustav Fischer
ISBN 3-437-20320-7

Glawion, R.; u. a.
Seenrestaurierung – Eine Übersicht über interne Maßnahmen in stehenden
Gewässern zur Reduzierung des Nährstoffgehaltes und zur Erhöhung des
Sauerstoffgehaltes
Institut für Physische Geographie Albert-Ludwig-Universität

Röske, I.; u. a.
Die Nährstoffelimination bei der Behandlung häuslicher Abwässer aus der
Sicht der Wasserbeschaffenheit
Wasser-Kalender 2000
34. Jahrgang
Erich-Schmidt-Verlag

Röske/Uhlmann
Biologie der Wasser- und Abwasserbehandlung
2005, 235 S., 114 Grafiken, 24 Tab.,
Paperback, Bestell-Nr.: 570 830 3

Uhlmann, D.; Horn, W.
Einfluß des Menschen auf die Gewässer-Ökosysteme
Sonderdruck aus „Umwelt und Mensch – Langzeitwirkungen und Schlussfolgerungen für die Zukunft“
Band 59, Heft 5
Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, 2000

Ulrich
Hydrologie und Wasserwirtschaft
Eine Einführung für Ingenieure
5. überarb. u. erw. Aufl. 2005,
666 S., 237 Abb., Hardcover
Bestell-Nr. 522 009 1

error: Content is protected !!