Schlammabfuhr aus Kleinkläranlagen – Hinweise für Klärgrubenbesitzer

Zur Schlammabfuhr aus Kleinkläranlagen

Welche Aufgaben hat eine Abwasserfaulgrube (Kleinkläranlage nach DIN 4261-1)?

(In dem Fall, dass der Kleinkläranlage nach DIN 4261-1 eine biologische Stufe nachgeschaltet ist, wird in der Regel der in der nachgeschalteten Stufe anfallende Schlamm ebenfalls in der 1. Kammer der Abwasserfaulgrube sedimentiert und gelagert. Diese Schlammengen (Überschußschlamm)  können den Abfuhrzyklus erheblich reduzieren. Darauf wird in eine Ergänzung dieses Beitrages in Kürze eingegangen).

Häufig wird vergessen, dass Faulgruben nur drei/vier Funktionen haben:

  • Rückhalten von absetzbaren Stoffen
  • Rückhalten von Rechengut
  • Lagern des abgesetzten Schlammes bis zur Abfuhr
  • Bei Mehrkammer-Ausfaulgruben: auch Reduzierung des abzufahrenden Schlammes und damit der Entleerungskosten im besten Fall um ca. 45%.

Relevant ist: Schlamm oder Rechengut darf aus einer Kleinkläranlage nach DIN 4261-1 nicht in das Gewässer gelangen. Deshalb ist eine Schlammabfuhr bei Bedarf erforderlich.

Wie oft ist der Schlamm aus Kleinkläranlagen zu beräumen?

Nun – so oft es nötig ist.

Wann eine Schlammabfuhr es nötig?

Bevor das zulässige Schlammspeichervolumen überschritten wird.

Warum nur eine Schlammabfuhr so oft wie nötig und nicht so oft wie möglich?

  1. So oft wie möglich kostet den Klärgrubenbesitzer unnötig viel Geld.
  2. Im Szenario „So oft wie möglich“ wird sehr viel Wasser und wenig Schlamm „spazieren gefahren“ und unnötig viel Diesel verbraucht.
  3. Klärschlamm reduziert mit der Lagerzeit ganz erheblich sein Volumen: Also, je länger man wartet, desto weniger Schlamm fällt an und braucht abgefahren zu werden.
  4. Klärschlamm muss auf der Kläranlage weiterbehandelt werden. Je weniger Schlamm anfällt, desto geringer sind die zusätzlichen Kosten des AZV oder der Kommune.

In welchem Maße reduziert Klärschlamm sein Volumen mit der Lagerzeit?

Das Ausmaß ist anhand der folgenden Messergebnisse (veröffentlicht von Schütte, H. , Betriebserfahrungen mit Kleinkläranlagen, KA – Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall 2000 (47), Nr. 10, S. 1499-1505) zu erkennen:

Nach Schütte, H.Betriebserfahrungen mit Kleinkläranlagen KA – Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall 2000 (47) Nr. 10 S. 1499-1505

Man erkennt bei einer einjährigen Lagerzeit des Schlammes (d. h. jährliche Abfuhr), dass die aus der 1. Kammer (!) abzufahrende Schlammmenge 0.65 l/Ed also 237 l/Ea beträgt.
(E= Einwohner, a = Jahr, l = Liter).

Bei einer 5-jährigen Lagerzeit sinkt die spezifische Menge um 100 % auf  ca. 0,3 l. In diesem Fall beträgt die nach 5 Jahren abzufahrende Schlammmenge ca. 550 l/Ea.

In den 4 Jahren zusätzlicher Lagerzeit hat sich die Schlammmenge um 313 l (550-237) , also um 56 % durch Eindicken und durch Gärungsprozesse reduziert.

Voraussetzung für eine 5-jährige Lagerzeit ist natürlich, dass die Grube für eine derartige Lagerzeit bemessen wurde.

Entscheidend für die Bewertung ist nicht die Auslastung zum Errichtungsdatum, sondern immer die aktuelle Auslastung.

Übrigens der in Tabelle 1 des DWA-Arbeitsblattes 280 genannte  mittlere Schlammanfall von 1 m³/Ea  ist nur die halbe Wahrheit.

Wie kann man die  Speicherkapazität der Grube kalkulieren?

  • Nutzvolumen der Kammern ermitteln (siehe z. B. Planungsunterlagen (DDR-Kleinkläranlagen nach_TGL_7762 bzw. WAPRO-Standard sonst ausmessen)
  • angeschlossene Einwohner zählen
  • Ermitteln, ob man eine Mehrkammer-Absetzgrube (gesamtes Nutzvolumen > 2 m³ und 0,5 m³/E) oder eine Mehrkammer-Ausfaulgrube (gesamtes Nutzvolumen > 6 m³ und 1 m³/E) betreibt
  • Mehrkammer-Absetzgrube und Mehrkammer-Ausfaulgruben sind zu beräumen, wenn der Schlammspiegel 50 % der Nutztiefe erreicht.
  • Feststellen des Schlammspiegels: Wer es preiswert, weil selber machen will: Hier eine Anleitung wie Klärwärter früher einfach und simpel (und ich heute noch) das Problem lösten (bzw. löse): Schlammspiegelmessung. Es geht natürlich auch viele aufwändiger, wenn man z.B. einen „Schlammspiegelmesser“ bestellt.

Kalkulationsbeispiele für eine Schlammabfuhr:

Szenario: 4 Einwohner zum Planungszeitraum

  • Grubentyp: Mehrkammerabsetzgrube Typ PROWA 3/5 (3 Kammern, 5,4 m³ Nutzvolumen, 1. Kammer 2,7 m³ und in 1. Kammer max. 1,35 m³ Schlammvolumen)
  • 1.350 l/E und 5,4 m³ also großzügig nach Ermessen: Mehrkammerausfaulgrube
  • Im Vergleich der folgenden 2 Tabellen ist zu erkennen, wie erheblich der Abfuhrzyklus bei qualifizierter Bewertung des Fäkalschlammanfalls ausgedehnt werden kann. Ob es ratsam ist, einen 5 Jahresrhythmus zu überschreiten, muss man selber probieren. Es kann vorteilhaft sein, dafür zu sorgen, dass erhebliche Schlammmassen nicht in die 2. und 3. Kammer gespült werden.
  • Längere Abfuhrzyklen setzen voraus, dass der Anlagenbesitzer den Schlammspiegel anfangs wenigstens 1 x jährlich kontrolliert, bis er die Erfahrung für den notwendigen Zeitraum gewonnen hat.

Schlammabfuhr

Szenario: 2 Einwohner während des Betriebszeitraumes

Schlammabfuhr Zwei Einwohner

Selbst eine kleinere Mehrkammer-Absetzgrube kann bei Unterlastung durchaus mit einem 2-jährgen Zyklus auskommen:

Schlammabfuhr Mehrkammer-Absetzgrube

Es kommt auf eine Beobachtung und anschließende Bewertung des Schlammspiegels an. Dazu wird folgend die eigentlich simple Berechnungsmethode erläutert.

Schlammspiegel

Methode zur Berechnung der Mächtigkeit des abgelagerten Schlammes

Schlammspiegel

Eine Birke als Meßgerät, sofern man nicht z.B. ein optisches Meßgerät zur Hand hat

Schlammspiegelmessung

Schlammspiegelmessung mit einer Birke und einem Brett

Das Meßgerät besteht aus einem langen Stock, in diesem Fall aus einem entsprechend langem Birkenstamm (siehe Foto). Zweckmäßig ist eine Stablänge von Deckel bis Grubengesamttiefe (Deckel bis Grubensohle) plus ≥ 1 m. Am unteren dicken Ende ist ein Holzbrett mit der Länge und Breite eines A4-Blattes angeschraubt oder genagelt. Diese Vorrichtung wird in die 1. Kammer eingetaucht und langsam abgesenkt. Durch das Eintauchen dieser Vorrichtung in die Kammer, lässt sich der Schlammspiegel indirekt erfühlen. Wenn das Brett den Schlammspiegel erreicht, dann steigt der Kraftaufwand beim weiteren Absenken.

Allerdings: Das Gerät funktioniert nur bei Schlämmen, die schon mehr als nur ein Jahr Zeit hatten einzudicken. Bei frischen Schlammablagerungen ist die obere Schlammschicht von wasserähnlicher Konsistenz, so dass der Schlammspiegel mit dieser Vorrichtung nicht sicher zu bestimmen ist.

Wenn schon, denn schon…

Wenn die Industrie Grundstücksbesitzern die teuren Mehrkammer-Ausfaulgruben verkauft (was ja nicht falsch sein muss), dann sollte es aber auch gestattet sein, deren betriebliche Vorteile nutzen zu dürfen. Also Entleerung nach Bedarf.

Muss eine Kleinkläranlage dicht sein?

In der Regel ja.

Andererseits soll der Gewässerschutz auf wissenschaftlichen Füßen stehen. Und in Wertung der Tatsachen

  • Selbstdichtung von Kanälen und Abwasserbecken
  • Verstopfung von Pflanzenkläranlagen im Laufe der Zeit
  • Filtration des Abwassers bei der Leckpassage
  • verhältnismäßig völlig unbedeutende Frachteinträge

ist eine undichte Kleinkläranlage in der Regel eine wasserwirtschaftliche Lappalie.

Strittiges:

  • Kleinkläranlagen nach DIN 4261-1 werden nach der Verweilzeit des Abwassers bemessen. Zum Zeitpunkt der Bemessung (1930 bis heute) kalkuliert man immer noch mit einem Abwasseranfall im ländlichen Raum von 150 l/Ed, der in der Regel heute falsch ist und im ländlichen Raum eher zwischen 60…90 l/Ed liegt.
  • Damit erhöht sich die Verweilzeit des Abwassers und der Wirkunsgrad in den Gruben entsprechend. Das kann soweit gehen, dass unterlastete Mehrkammerausfaulgruben den BSB5-Überwachungswert (<= 40 mg BSB5/l) einhalten.
  • Es ist also durchaus möglich, dass eine Mehrkammer-Absetzgrube, die ursprünglich für 4 E vorgesehen war und heute nur noch von 2 Personen genutzt wird, Schlammlagerzeiten erreicht, die der einer Mehrkammer-Ausfaulgrube entsprechen.

Sehr wichtig!

Bei folgenden Abwasserbehandlungsverfahren ist eine regelmäßige Schlammspiegelmessung und – steuerung (durch rechtzeitige Abfuhr) sehr wichtig:

  • nachgeschaltete bepflanzte (Pflanzenkläranlagen) oder unbepflanzte Bodenfilter
    • Filtergräben
    • Filterbeete
  • Versickerungsschächte
  • Versickerungsgräben

Der Grund: Ein Schlammabtrieb kann die Filter- und Versickerungsanlagen verstopfen. Dann hilft nur noch ein Neubau.

Besonders schnell ist bei einem unerwünschten Schlammabtrieb mit einem Neubau zu rechnen, wenn das vorbehandelte Abwasser ein Vlies (Bestimmte Art eines Geotextils) passieren muss.

Wenn ein Geotextil erforderlich ist, dann wäre nur eines zu verwenden, das nicht zur Verstopfung neigt! Hier ein anschauliches Beispiel der FRITZ LANDOLT AG (http://www.landolt.com) :

„Landogeo™ Filter ist ein PE-Monofilgewebe und besteht aus einem zwei Fadensystem (Kette und Schuss), das in einer Ebene und im rechten Winkel miteinander zu einem zweidimensionalen Flächengebilde verkreuzt wird.“

Den Ball flach halten

Mitunter wird aus Geschäftsinteresse mit Kleinkläranlagen Panik verbreitet und so getan, als sei eine zentrale Abwasserbehandlung das Beste und einzig Gute für die Welt.

Das ist zu relativieren.

Erstens liegt der Schwerpunkt der Gewässerbelastung bekanntlich bei der industriellen Landwirtschaft und zweitens hat die zentrale Abwasserbeseitigung auch so ihre Schwächen, denn die Schmutzfrachten, die vor der Kläranlage in das Gewässer rauschen werden werden bei der Gesamtbilanz (ganzheitliche Gewässerbewertung nach der EU-WRRL) insbesondere bei der Festlegung von Überwachungswerten eher selten beachtet.

Überarbeitet: 08.10.2017




Vorsorge

Vorsorge

Der Grund zur Vorsorge oder zur Sorge – eine imaginäre Wolke?

Kommentar zu den Leitlinien für die Anwendung des Vorsorgeprinzips der Kommission der Europäischen Gemeinschaften

Nach einer Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften zur Bewertung des Grundes zur Sorge (Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips) vom 02.02.2000 sind verstärkt wissenschaftliche Methoden zur Untersuchung und Bewertung der Risiken zu nutzen.

Das ist eine Voraussetzung zum Beweis der Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips.

Durch die Nutzung wissenschaftlicher Methoden wird das Investitions- und Betriebsrisiko wasserwirtschaftlicher Maßnahmen für Abwasserbeseitigungspflichtige und von Wasserbehörden minimiert.

Schwerpunkt sind Verschärfungen von Überwachungswerten. Üblich war es in der Regel, wenn in einer Behörde ein Grund zur Sorge geäußert wurde, um zusätzliche Maßnahmen oder Kosten zu begründen. In der Regel handelt es sich um abstrakte Emotionen. Es ist aber unmöglich mit abstrakten Emotionen den Beweis zur Einhaltung des Sparsamkeitsprinzips zu führen.

Damit genügt es in der Regel bei der Begründung einer Verschärfung der Überwachungswerte oder bei der Versagung einer Einleiterlaubnis, wenn eine Behörde oder Fachbehörde Grund zur Besorgnis z. B. einer möglichen Gewässerverunreinigung hat.

Der Grund ist aber ähnlich transparent zu beweisen, wie Kommune und Verbände z. B. ihre Wirtschaftlichkeit bzw. Zweckmäßigkeit nachweisen müssen.

Alle Effizienz der Abwasserbeseitigungspflichtigen verpufft, wenn wasserrechtlichen Zielen die wissenschaftliche Grundlage fehlt. Dieses Defizit ist nicht typisch, aber auch nicht gerade selten.

Der im Wasserrecht üblichen Umkehr der Beweislast ist nach der Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften eher in Ausnahmefällen zu folgen.

So wie es Vorschrift ist, bei Kostenbewertungen im Rahmen kommunaler Abwasserbeseitigungen die Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen der LAWA zu nutzen, wäre bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips schon seit 2000 nach den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips zu verfahren gewesen.

Nach den Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips ist der „Grund zur Besorgnis“ z. B. einer Gewässerverunreinigung dann nachvollziehbar und transparent, wenn folgende Prinzipien beachtet wurden:

  1. Verhältnismäßigkeit
  2. Diskriminierungsverbot
  3. Kohärenzgebot sowie das
  4. Prinzip der Abwägung der Vor- und Nachteile, die mit einem Tätigwerden oder Nichttätigwerden verbunden sind.

Bei den Leitlinien handelt es sich um logische Empfehlungen einer Risikobewertung, die eigentlich auf der Hand liegen sollten.

Neben diesen 4 Nachweisen ist ein 5., bislang kaum beachteter Beweis zu führen: Der Beweis der Refinanzierbarkeit mit einer Gebührenbedarfsprognose, denn das Argument, dass sich die Vorzugsvariante als kostengünstigste Lösung herausgestellt hat, ist nicht hinreichend dafür, dass es verhältnismäßig ist, oder dass es mit Gebühren und Beiträgen refinanzierbar ist und kommunalpolitische Akzeptanz findet.

Die Beobachtung zeigt seit Jahrzehnten, dass wasserbehördliche Maßnahmen, die über die Mindestanforderungen hinausgehen, nicht unbedingt mit konkreten Zielen zu begründen sind.

Bei der täglichen Arbeit ist auch das Prinzip der Transparenz zu beachten.

Die kommunalen Entscheidungsträger und die Bürger sind in den behördlichen Abwägungsprozess einzubeziehen. Das ist ohnehin eine verbindliche Forderung der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Die Chance in der Nutzung dieser Leitlinien liegt auch in der damit verbundenen Ge­währleistung der Verhältnismäßigkeit wasserwirtschaftlicher Forderungen, deren Umsetzung bekanntlich meist sehr kostenintensiv ist und bekanntlich in der Vergangenheit nicht immer den gewünschten Erfolg hatte.

Die Nutzung wissenschaftlicher Methoden zur leidenschaftslosen und unabhängigen Risikoanalyse und -bewertung ist nicht nur eine Voraussetzung zur Gewährleistung des verwaltungsrechtlichen Sparsamkeitsprinzips, sondern dessen Grundlage!

Vorsorge

Vorsorge zum Schutz dieses Biotops: Hier wohl – bei verhältnismäßigen Mitteln – berechtigt.

Sollte sich eine Besorgnis am Ende als unbegründet, unrealistisch, wenig folgenreich oder unwahrscheinlich herausstellen, dann waren alle meist erheblichen Kosten zu deren Abwendung vermeidbare Fehlinvestitionen.

Das Vorsorgeprinzip kann zur Veranschaulichung des Prinzips mit einem gewöhnlichen Versicherungsgeschäft verglichen werden. Es ist abzuwägen, ob z. B. die Kosten und Gefahren für Leben und Gesundheit, die z. B. im Ergebnis eines Brandes entstehen könnten, die Vorsorgeaufwendungen für z. B. eine vollautomatische Brandbekämpfungsanlage rechtfertigen. Mathematisch ist die Aufgabe in Abhängigkeit der Szenarien von Brand- und Schadenswahrscheinlichkeit zu lösen.

Die Abwägung von Gefahren für Leben und Gesundheit sowie zwischen Kostenalternativen mag zwar auf den ersten Blick problematisch erscheinen, ist aber bei genauer Betrachtung die Regel menschlicher Entscheidungen. So hat jeder Verkehrsteilnehmer z. B. diese Frage schon für sich selbst und „nicht humanistisch“ beantwortet. Er nutzt in diesem Falle nach komplexer Abwägung Verkehrsmittel unter Akzeptanz möglicher eigener und fremder Gefahren für Leben und Gesundheit.

Nach den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips ist es (meist) wohl nicht mehr so, dass ein Grund (Meinung) zur Besorgnis hinreichend ist, um Kosten für deren Abwendung zu rechtfertigen. Es hat auch den Anschein, dass Rechtsprechungen abstrakten Gefährdungsszenarien nicht mehr in jedem Fall folgen.

Die Besorgnis – zumindest, wenn es die meisten Abwasserarten betrifft – wäre schon wis­senschaftlich zu analysieren.

Und das dürfte oft – wie es auch den Leitlinien zu entnehmen ist – kein Problem sein.

 

Uwe Halbach

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Die Leitlinien für die Anwendung des Vorsorgeprinzips der Kommission der Europäischen Gemeinschaften

 

 

 




Ein guter wasserchemischer Zustand auf Biegen und Brechen?

Ein guter wasserchemischer Zustand ist für sich allein gesehen ein recht einfältiges Ziel. Trotzdem ist er aber bei vielen wasserbehördlichen Entscheidungen immer noch das Maß aller Dinge bzw. das k.o.-Kriterium für vernünftige und verhältnismäßige Alternativen.

Im Falle einer geplanten oder aktuellen Überwachungswertverschärfung wäre aus wasserwirtschaftlicher Sicht vor einer kompromisslosen wasserchemischen Zieldefinition ein Nachweis der Verhältnismäßigkeit lt. WRRL, Artikel 4, 3b notwendig:

Nachweis, dass sinnvollerweise durch andere Mittel keine wesentlich bessere Umweltoption zu erreichen ist, als durch die Verschärfung wasserchemischer Mindestanforderungen.

Diese notwendige Anforderung folgt aus dem Prinzip der Sparsamkeit, zu dessen Einhaltung normalerweise auch (nicht nur) die Unteren Wasserbehörden verpflichtet sind oder sein sollten:

wasserchemischer Zustand

Wie will man in dieser Landschaft eine Verschärfung der Überwachungswerte nachvollziehbar begründen? Gülle bis an das Ufer des Meliorationsgrabens („Gewässer“)! Keine Beschattung, aber die Kommune soll einen wasserchemisch guten Zustand garantieren. Die Frachten der Landwirtschaft werden nicht berücksichtigt, denn es geht juristisch feinsinnig nur um „unerlaubte“ Gewässerverschmutzung. Die Gewässerverschmutzung durch Gülle ist ausdrücklich gesetzlich erlaubt! Bei der Verschärfung der Überwachungswerte CSB, BSB, N, P fällt es oft sehr schwer, Indizien für ökologische Kompetenz in den wasserrechtlichen Begründungen zu entdecken.

Verschärfung von Überwachungswerten und wasserchemischer Zustand

Ein „guter wasserchemischer Zustand“ erfordert nach manchen behördlichen Vorstellungen oft die Verschärfung von Überwachungswerten und  hat immer ganz erhebliche zusätzliche einmalige und/oder laufende Aufwendungen für Unternehmen und Kommunen zur Folge.

Notwendig ist also ein Nachweis, dass diese zusätzlichen Aufwendungen auch tatsächlich erforderlich sind und dass zudem das Erreichen vorher bestimmter konkreter Gewässerschutzziele garantiert wird.

Diese Ansprüche sind in der wasser- bzw. fachbehördlichen Praxis eher eine Ausnahme. Die Folge sind erhebliche Effektivitätsverluste bei der Abwasserbeseitigung und beim Gewässerschutz, verursacht durch ein Übermaß bei der Gewässerverwaltung.

Grundlegende einfachste Zusammenhänge zwischen dem Aufwand und dem Wirkungsgrad (z. B. Geschwindigkeit eines Autos und dessen Benzinverbrauch) einer technischen Anlage sind der Gewässerverwaltung offensichtlich unbekannt. Dabei zählen diese Zusammenhänge zur Allgemeinbildung. Unter Mathematikern und Betriebswirtschaftlern sind diese Zusammenhänge durch das Pareto-Prinzip definiert:

Es ist möglich, dass mit 20 % Kosteneinsatz 80 % aller Gewässerprobleme gelöst werden können. Für die Lösung der restlichen 20 % der Gewässerprobleme ist mit weiteren 80 % Kosten zu rechnen.

Das heißt, die verbreiteten Anstrengungen zur ständigen „Verbesserung“ des Gewässerschutzes („guter wasserchemischer Zustand“) durch Verschärfung der Überwachungswerte – auch infolge der teils kontraproduktiven Forderung der Abwasserreinigung nach dem Stand der Technik – hat eine Kostenexplosion in Form einer Potenzfunktion zur Folge (Pareto-Verteilung).

Mangelhafte oder fehlende Effektivität

Auf den Verstoß gegen wasserwirtschaftliche Prinzipien (z. B. Missachtung notwendiger Effektivität) hat beispielsweise der Wiener Prof. Herr Kroiss schon mehrfach in seinen interessanten Vorträgen hingewiesen.

Die weit verbreitete abstrakte Formulierung von Gewässerschutzzielen („guter wasserchemischer Zustand“) im Rahmen zur Begründung von Verschärfungen der Überwachungswerte ist also unwissenschaftlich, ideologisch determiniert, beliebig und aus all diesen Gründen mit wasserwirtschaftlichen Ansprüchen nicht bewertbar. Zudem steht eine derartige Praxis im Widerspruch zu Regelungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie und zu zahlreichen anderen gesetzlichen Regelungen (z. B. Gemeindeordnung).

Mit abstrakten Gewässerschutzzielen wird das Sparsamkeitsprinzip willkürlich ausgehebelt.

Willkürlich deshalb, weil die sachliche Begründung fehlt. Voraussetzung für eine sachliche Begründung ist, dass sie auf konkreten Prämissen beruht. Gewässerschutzziele werden aber oft abstrakt formuliert (gutes Tun). Damit sind sie beliebig interpretierbar und entziehen sich einer konkreten Effizienzprüfung, die aber gesetzliche Vorschrift ist. Eine wissenschaftliche Kontrolle nach ökologischen Prinzipien wird damit vereitelt und die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz. Ein raffiniertes System.

Wissenschaftliche und sachliche oder politische und willkürliche Ökologie; das ist die Frage!

Bei der Ökologie ist mittlerweile zwischen der wissenschaftlichen und der politischen Ökologie zu unterscheiden. Die politische Ökologie ist als Weltanschauung abstrakt und hat beliebig „Gutes“ zum Ziel, wohingegen die wissenschaftliche Ökologie wertfrei und naturwissenschaftlich nachvollziehbar ist.

In der wissenschaftlichen Ökologie gibt es dagegen keine abstrakten guten Zustände, sondern die Zustände sind für konkrete Organismen in einem konkreten Ökosystem definiert. Daraus folgt das scheinbare Paradoxon, dass z. B. Fische im sauberen Wasser verhungern (sehr guter wasserchemischer Zustand!) und dass in Gewässern mit einer weniger guten wasserchemischen Qualität Artenvielfalt und Fischreichtum herrscht.

Da beide Ökologieformen (politische weltanschauliche Ökologie als Mutation zwischen Ideologie sowie Kommerz und wissenschaftliche Ökologie) nebeneinander existieren, ist es für den Laien fast unmöglich einen klaren Kopf zu behalten. Allerdings gibt es für ihn ein Indiz zur Unterscheidung: Immer wenn abstrakt geschwafelt wird, handelt es sich wahrscheinlich um Ökologismus oder um Ideologie, denn die Wahrheit braucht keine umständlichen Erklärungen. Weitere Indizien sind je nach Charakter und Bildung Ausreden, Verlegenheit oder Aggressivität der Disputanten, wenn sie nach konkreten Argumenten befragt werden.

Die Beliebigkeit des Abstrakten

Diese Beliebigkeit des Abstrakten wird höchstbequem für nicht wasserwirtschaftliche Geschäfte in vielfältiger Weise ausgenutzt.

Wurden Überwachungswerte erst einmal verschärft, dann wird in der Regel nicht mehr geprüft, ob diese Verschärfung noch oder überhaupt notwendig ist oder war. Damit entstehen dem Abwasserbeseitigungspflichtigen Schäden in Millionenhöhe.

Solange aber die Abwasserbeseitigungspflichtigen die Folgen unnötiger Verschärfungen erdulden, müssen sie auch mit den unnötigen einmaligen und/oder laufenden zusätzlichen Aufwendungen leben und haben damit entsprechend zusätzliche Abwasserbeseitigungskosten im Produktpreis zu kalkulieren oder über die Bürger zu refinanzieren.

Der EU-WRRL kann diese bundesweite Fehlentwicklung nicht in die Schuhe geschoben werden, sondern nur denjenigen, die sie nicht lesen, nicht verstehen, die kommerzielle oder ideologische Interessen verfolgen oder denen wasserwirtschaftliches Verständnis überhaupt fremd ist. Erstaunlich sind die Fehlentwicklungen nicht. Denn vielleicht 99,9 % aller Ingenieure beschäftigen sich mit der Umsetzung der Mindestanforderungen oder deren Verschärfung und vielleicht ein oder zwei Ökologen dürfen nachsehen, ob die Zielvorstellungen erreicht werden oder erreicht wurden.

Wer aber als Ökologe nach dem Sinn des Abstrakten sucht, sollte – da wir nicht bei den Indianern sind (die wohl Erfahrungen ihrer  Alten noch achteten) – kurz vor seiner Pensionierung stehen.

Tja, und fast schließlich:

Wasserrahmenrichtlinie Artikel 4, 3b und wasserchemischer Zustand

„(3) Die Mitgliedstaaten können einen Oberflächenwasserkörper als künstlich oder erheblich verändert einstufen, wenn a) die zum Erreichen eines guten ökologischen Zustandes erforderlichen Änderungen der hydromorphologischen Merkmale dieses Körpers signifikante negative Auswirkungen hätten auf:

i) die Umwelt im weiteren Sinne,

ii) die Schifffahrt, einschließlich Hafenanlagen, oder die Freizeitnutzung,

iii) die Tätigkeiten, zu deren Zweck das Wasser gespeichert wird, wie Trinkwasserversorgung, Stromerzeugung oder Bewässerung,

iv) die Wasserregulierung, den Schutz vor Überflutungen, die Landentwässerung, oder

v) andere ebenso wichtige nachhaltige Entwicklungstätigkeiten des Menschen,

b) die nutzbringenden Ziele, denen die künstlichen oder veränderten Merkmale des Wasserkörpers dienen, aus Gründen der technischen Durchführbarkeit oder aufgrund unverhältnismäßiger Kosten nicht in sinnvoller Weise durch andere Mittel erreicht werden können, die eine wesentlich bessere Umweltoption darstellen.“

Das Einfache kann das Geniale sein

Das heißt, ein zu hoher Ammonium- oder Phosphorgehalt kann z. B. durch Beschattung kompensiert werden.

Das Pflanzen von Schwarzerlen kann (und ist in vielen Fällen) wertvoller und kostengünstiger sein, als Denitrifikationsstufen oder Flockungsfiltrationen zu betreiben.

Zu hoffen bleibt, dass die Beachtung der Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie irgendwann doch noch zur Handlungsgrundlage jener wird, die meinen, sie arbeiten für die Wasserwirtschaft.

Und um mit Herrn Prof. Kroiss zu schließen:

„Das kostbarste Gut der Länder mit hohem Standard der Wassergütewirtschaft ist daher nicht das Wasser, weil wir das aus wirtschaftlichen Gründen höchstens 100 bis 200 km transportieren können, sondern das angesammelte Wissen und vor allem die Fähigkeit zur Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure. Der Wettbewerb um eine dauernde Verbesserung der Lösungen muss und darf darunter nicht leiden.“

(Beitrag wasserchemischer Zustand von 2012, überarbeitet am 11.01.2017)




Kleinkläranlage mit Belebtschlamm – Überlegungen zu ihrer Effizienz

Gegenstand des folgenden, etwas längeren Beitrages ist die Erläuterung der Funktion einer Kleinkläranlage, welche das Abwasser mittels Belebtschlamm reinigt.

Anregung für diese Seite waren zahlreiche Anfragen zu dem Thema und auch ein Gutachten über eine Kleinkläranlage, die in diesem bekannten Fall unzuverlässig funktionierte. Die Ursache für das Versagen dieser Anlage lag in der mangelhaften Kontrolle und Regelung der Belebtschlammkonzentration.

Dazu einige Erklärungen, die eher für den Laien verständlich sein sollen, als dass sie dem Anspruch einer Vollständigkeit genügen. Es kann ggf. erforderlich sein, den Text zweimal zu lesen, weil manche Begriffe oder Zusammenhänge erst im Laufe des Textes zu verstehen sind oder an anderer Stelle erläutert werden.

Siehe auch: Definitionen ausgewählter Fachtermini
Hinweise im Kommentarbereich werden gern bei der Überarbeitung des Textes berücksichtigt.

Inhaltsverzeichnis

1. Anlagenteile einer Kleinkläranlage mit Belebtschlamm
2. Die Vorreinigung
3. Der biologische Abbau produziert selbst Abprodukte – den Überschussschlamm
4. Belebtschlamm übernimmt die biologische Reinigung
5. Die biologische Reinigung des Abwassers ist komplex.
6. Die Technologie
7. Die Funktion der Nachklärung
8. Technische Variante einer Belebtschlammkläranlage
9. Der Rücklaufschlamm
10. Der Überschussschlamm
11. Störfall Nachklärbecken
12. Die Steuerung der Überschussschlammentnahme
13. Indirekte Messung der Biomassekonzentration
14. Fallbeispiel einer ungenügenden Steuerung der Überschussschlammentnahme
15. Schlammvolumen zur Biomassekonzentrationssteuerung im Belebungsbecken
16. Überschreitung eines Überwachungswertes
17. Guter Rat ist teuer
18. Ein Rat für einen Freund…

1. Anlagenteile einer Kleinkläranlage mit Belebtschlamm

Eine Belebtschlammkleinkläranlage besteht – sofern es keine SBR-Anlage ist – aus:

  • einer Vorklärung mit Schlammspeicher,
  • einem Belebungsbecken und
  • einem Nachklärbecken.

Bei einer sog. SBR-Anlage wird der Belebtschlamm vom Abwasser im Belebungsbecken und nicht in einem zusätzlichen Nachklärbecken getrennt. Dies erfordert eine besondere Automatik der Abwasserbehandlung. Über die Vor- und Nachteile gibt es unterschiedliche Auffassungen. Siehe auch das Kapitel: „Technische Variante einer Belebtschlammkläranlage

Zudem ist zu beachten, dass die Vor- und Nachteile auch von den konkreten Situationen vor Ort abhängig sind.

2. Die Vorreinigung

Bevor das Abwasser in das Belebungsbecken gelangt, wird es in der Regel in einer Vorklärung vorbehandelt.

Ziel ist es dabei Rechengut, aufschwimmbare Stoffe und sog. absetzbaren Vorklärschlamm (Fäkalschlamm) zurückzuhalten. Vorklärschlamm sind absetzbare Stoffe im Abwasser, die sich innerhalb von 0,5…1 h Verweilzeit im Vorklärbecken absetzen und regelmäßig entfernt werden müssen.

Bei einer Kleinkläranlage fault der Schlamm je nach Größe der gegebenen Verweilzeit mehr oder weniger umfänglich aus und wird durch Fäkalienfahrzeuge regelmäßig abgesaugt.

In die Vorklärung der Kleinkläranlage gelangt im Falle einer aeroben Abwasserbehandlung außerdem der Überschussschlamm aus der Biologie.

Oft schaltet man dem Belebtschlammverfahren eine mechanische Vorreinigung nach DIN 4261-1 vor. Besser – aber auch teurer – wäre natürlich die Nutzung eines Emscherbrunnens.

Bei der mechanischen Vorreinigung nach DIN 4261-1 wird ferner unterschieden in Mehrkammergruben und in Mehrkammer-Ausfaul-Gruben. Mehrkammer-Ausfaul-Gruben sind größer, teurer und erlauben aufgrund ihrer Größe je nach dem eine Schlammabfuhr erst nach 5 Jahren. Dabei reduziert sich die abzufahrende Schlammmenge und meist auch der BSB5 dramatisch. Diese Zusammenhänge sind allerdings heute weniger bekannt oder werden kaum beachtet. Ein Indiz dafür sind mitunter Auflagen, den Fäkalschlamm jährlich und/oder unabhängig von der Notwendigkeit abfahren zu müssen.

Damit wird in diesen Fällen bei den Kleinkläranlagenbetreibern Effizienz verhindert.

3. Der biologische Abbau produziert selbst Abprodukte – den Überschussschlamm.

In das Vorklärbecken wird zudem auch Überschussschlamm aus dem Belebungsbecken gefördert.

Überschussschlamm ist jener Teil des Belebtschlammes im Belebungsbecken, der sich im Ergebnis der Umwandlung der Abwasserinhaltsstoffe in Biomasse gebildet hat, nun zusätzlich im Belebungsbecken verweilt und ein Anwachsen der Biomasse im Belebungsbecken über ein bestimmtes Maß hinaus verursacht.

Das „bestimmte Maß“ bestimmt die Leistungsfähigkeit der Nachklärung und selten auch die der Belüftung.

4. Belebtschlamm übernimmt die biologische Reinigung

Belebtschlamm ist lebendig. Er besteht hauptsächlich aus aktiver Biomasse, die schwebend in einer sog. Belebtschlammkläranlage die biologische Reinigung übernimmt und mit Sauerstoff zu beatmen und mit Nährstoffen (Abwasserinhaltsstoffe) zu ernähren ist.

Man beachte die augenscheinlich sichtbaren Belebtschlammflocken.

Zu erkennen sind in diesem Foto die Belebtschlammflocken (Makroflocken).  Das Foto entstand auf einer größeren Kläranlage.

Belebtschlamm sollte eine braune bis rotbraune Farbe aufweisen. Die rote Farbe ist Ergebnis der Oxidation des farblosen zweiwertigen Eisenoxids (FeO) zum dreiwertigen rostbraunen Eisenoxid (Fe2O3) und ist zugleich wichtiges Indiz für eine ausreichende Sauerstoffversorgung (siehe Foto). Im Falle des Fotos wird die Farbgebung außerdem durch die Phosphorfällung mit Eisenchlorid unterstützt.

Belebtschlamm bildet sich in der Regel ohne weiteres allein durch die Belüftung des Abwassers mit Luftsauerstoff innerhalb einiger Wochen allein durch die Bakterien im zulaufenden Abwasser und aus der Natur (Luft, Boden).

Die Bakterien bilden mit den partikulären Abwasserinhaltsstoffen (Schwebestoffe) einen Dünnschlamm, der Belebtschlamm genannt wird.

Den Schlamm darf man sich nicht als zähen dicken Schlamm vorstellen. In seiner Zähigkeit unterscheidet er sich augenscheinlich nicht von Wasser. Er ist viel dünner als Milch. Kuhmilch hat z. B. ca. 140 g Trockenmasse/l und die übliche Belebtschlammkonzentration liegt etwa zwischen 3…6 g/l.

Je nach Alter des Belebtschlammes findet man in ihm entweder nur Bakterien oder auch Bakterienfresser (Infusorien) bis hin zu Kleinkrebsen (z. B. Wasserflöhe).

Das Bakterienalter ist der Quotient aus der Belebtschlammtrockenmasse im Belebungsbecken und aus der Belebtschlammtrockenmasse, die als Überschussschlamm mehr oder weniger regelmäßig entfernt wird bzw. zu entfernen ist.

Die Ursache der Vielfalt in manchem Belebtschlamm besteht darin, dass höherentwickelte Mikroorganismen eben mehr Zeit zur Vermehrung benötigen (alter Schlamm) als beispielsweise einzellige Bakterien.

Finden sich im Belebtschlamm auch genug Bakterienfresser, so ist eine Voraussetzung für einen klaren Ablauf erfüllt.

5. Die biologische Reinigung des Abwassers ist komplex.

Die biologische Reinigung des Abwassers ist also ein hochkomplexer Prozess:

  • biologisch (beteiligt sind Lebewesen)
  • biochemisch (einige Abwasserinhaltsstoffe werden durch den Bau- und Betriebsstoffwechsel biochemisch umgewandelt)
  • chemisch (z. B. Umwandlung der gleichnamigen Polarität eines Teils der Kolloide durch die elektrische Ladung der Bakterienoberfläche, so dass sich Mikroflocken bilden können, auch chemische Oxidation, z. B. des Eisens oder des Schwefels)
  • physikalisch (Bildung von Makroflocken aus Mikroflocken, die dann in turbulenzarmen Zonen und in gesonderten Becken oder Verfahrensabschnitten sedimentieren können – Absetzen des Belebtschlammes)

6. Die Technologie einer Kleinkläranlage nach dem Belebtschlammverfahren

Im Belebungsbecken ist Turbulenz erforderlich, damit es zu keiner Belebtschlammsedimentation am Boden des Belebungsbeckens kommt.  Außerdem sorgt die Turbulenz für eine Verteilung des gelösten Sauerstoffes.

In der Nachklärung sind dagegen Turbulenzen unerwünscht. Sie dient der Trennung des gereinigten Abwassers vom Belebtschlamm und der Rückführung des Belebtschlammes (Rücklaufschlamm) in das Belebungsbecken sowie der Auskreisung des überschüssigen Schlammes (Überschussschlamm).

Zum Verständnis des Verfahrens der biologischen Abwasserbehandlung mittels Belebtschlamm ein Schema:

Technologieschema einer Belebtschlamm-Kleinkläranlage

Technologieschema einer Belebtschlamm-Kleinkläranlage

Das Abwasser gelangt also zunächst in das Belebungsbecken und wird hier mit dem Belebtschlamm (Mikroorganismen und bereits geflockte Abwasserinhaltsstoffe) vermischt. Dabei kommt es zur Mikroflockung und zum Abbau der Abwasserinhaltsstoffe.

7. Die Funktion der Nachklärung

In einer normal belasteten Kleinkläranlage ist es nun so, dass der Zuwachs an Belebtschlamm geringer ist, als jener Teil des Belebtschlammes, der aus dem Belebungsbecken durch den Abwasserdurchlauf herausgespült wird.

Damit kommt es zu einer Verdünnung des Belebtschlammes und zu einer Senkung der Reinigungsleistung.

Um dies zu verhindern, hat man die Nachklärung erfunden.

Eine Aufgabe dieser Anlagenstufe besteht in der Trennung des gereinigten Abwassers vom Belebtschlamm und in der Rückführung des sedimentierten Belebtschlammes.

  1. Hier gilt, je größer die Belebtschlammkonzentration ist, desto länger dauert die Trennung des Abwassers vom Belebtschlamm. Damit ist das Maximum der Steuergröße bekannt.
  2. Das Minimum ist jene Minimalkonzentration, bei der der biologische Abbau wegen einer zu geringen Konzentration der Biomasse ungenügend ist und es aus diesem Grund zu Überwachungswertüberschreitungen kommt.

Der Belebtschlamm lagert sich am Beckenboden der Nachklärung ab, wird dort meist regelmäßig abgepumpt, während das gereinigte Abwasser die Nachklärung meist über eine Zahnschwelle verlässt (siehe hierzu das obige Schema).

Unterbleibt das regelmäßige Zurückpumpen und die hinreichende Überschussschlammentnahme, dann steigt im Nachklärbecken das Schlammvolumen und der Schlammspiegel erreicht irgendwann den Ablauf und wird in das Gewässer gespült.

Die Konsequenzen:

  • Überwachungswertüberschreitungen in erheblicher Höhe.
  • kein Belebtschlamm im Belebungsbecken, also keine biologische Abwasserreinigung
  • Straftatbestand der unerlaubten Gewässerverschmutzung

8. Technische Variante einer Belebtschlammkläranlage

Bei einer Kleinkläranlage, die mit Belebtschlamm arbeitet, werden demzufolge also (ein) Belebungsbecken und ein Nachklärbecken benötigt.

In das Belebungsbecken wird mittels technischem Verfahren Luftsauerstoff eingetragen und es herrscht deshalb auch eine Turbulenz (meist als Folge des Sauerstoffeintrages), die die Sedimentation des Belebtschlammes in diesem Becken verhindert.

Das Nachklärbecken ist in der Regel der Belebung nachgeschaltet.

Es gibt aber auch Verfahren – SBR – in dem der Belebtschlamm zeitlich versetzt im Belebungsbecken sedimentiert. (SBR = sequencing batch reactor, also keine kontinuierliche Abwasserbehandlung in einem Becken, dem Reaktor, sondern Behandlung in Chargen, also in Produktionseinheiten und in Zeitabschnitten)

Diese Verfahren wurden früher Einbeckenkläranlagen genannt. Wer sich zu dem SBR-Thema tiefschürfend weiterbilden möchte, dem sei die Seite sequencing batch reactor [SBR] empfohlen.

9. Der Rücklaufschlamm

Rücklaufschlamm ist jener Schlamm, der regelmäßig in das Belebungsbecken zurückgepumpt wird, um

  • die Biomassekonzentration im Belebungsbecken in einer für den biologischen Abbau notwendigen Höhe zu halten und um
  • eine Verschlammung der Nachklärung zu verhindern

Konsequenzen wie im Gliederungspunkt 7. Die Funktion der Nachklärung.

Die Erfindung des Rücklaufschlammes war also genial.

10. Der Überschussschlamm

Beim biologischen Abbau entsteht ständig neuer Bioschlamm. Die Schlammmenge, die für den biologischen Abbau nicht gebraucht wird und überschüssig ist, wird Überschussschlamm genannt.

Er ist aus dem System gesteuert und kontrolliert zu entfernen.

Das Maß der Entfernung muss bei der Kleinkläranlage meist durch Erfahrung und Beobachtung bestimmt werden.

Zudem gibt es noch einen weiteren Aspekt: Das Schlammwachstum ist abhängig von der Zulauffracht und die wiederum von der Anwesenheit der Personen, für die die Belebtschlammkläranlage errichtet wurde.

Ein Rückgang der Belastung kann zu einer Selbstverzehrung des Belebtschlammes führen (Autolyse).

Ich durfte vor Jahren mal eine unterlastete kleine Kläranlage für einen Ortsteil von Döbeln (Sachsen) betreiben.  Dort war es so, dass in der Anlage bei ausgezeichneten Ablaufwerten über ein halbes Jahr lang überhaupt kein Überschussschlamm beseitigt werden musste. Das heißt, die Ausspülrate der abfiltrierbaren Stoffe aus der Nachklärung hielt offenbar die Schlammzuwachsrate im Gleichgewicht.

11. Störfall Nachklärbecken

Der Schlamm darf nicht lange im Nachklärbecken verweilen, weil in diesem Becken kein Luftsauerstoff eingetragen wird.

Es kommt bei längerer Verweilzeit des Belebtschlammes in den Nachklärbecken deshalb zur Fäulnis des Belebtschlammes. Die Faulgase lagern sich an den Belebtschlammflocken an und reduzieren damit das spezifische Gewicht. Die Konsequenz ist ein Störfall – das Aufschwimmen des Belebtschlammes (Flotation) und in der Regel werden Überwachungswerte überschritten.

Zu einer identischen Wirkung kann es kommen, wenn sich Nitrate im Ablauf des Belebungsbeckens befinden. Es gibt bestimmte Bakterien (Denitrifikanten), die bei Sauerstoffmangel das Nitrat in Sauerstoff und Stickstoff umwandeln. Der Nitrat-Sauerstoff wird „veratmet“, der entstehende Stickstoff lagert sich in Form von kleinen Bläschen an der Fläche an und veranlasst diese – wie schon beschrieben – ebenfalls zum Aufschwimmen.

12. Die Steuerung der Überschussschlammentnahme

Mit der Steuerung der Überschussschlammentnahme wird

  1. die notwendige Belebtschlammkonzentration im Belebungsbecken eingestellt und
  2. wird die Überlastung der Nachklärung vermieden.

Hier gilt:

  • Ist die Belebtschlammkonzentration zu hoch, dann wird die Nachklärung überlastet.
  • Ist die Belebtschlammkonzentration zu niedrig, dann sinkt die Reinigungsleistung oder die Anlage fällt ganz aus.

Es gilt in der Regel, dass eine hohe Belebtschlammkonzentration (in Grenzen) mehr Abwasserinhaltsstoffe beseitigen kann, als eine niedrige. Der Effekt ist proportional.

13. Indirekte Messung der Biomassekonzentration

Die Bestimmung der Belebtschlammtrockenmasse ist etwas zeitaufwändig und die Analysengeräte gehören eher selten zu der Grundausstattung eines Einfamilienhauses. Deshalb wird oft ausschließlich oder ergänzend das Schlammvolumen bestimmt.

Dazu entnimmt man aus dem Belebungsbecken, das gerade belüftet werden muss (sonst läge der Bioschlamm ja auf dem Behälterboden), eine Probe des Belebtschlammes.

Die Probe wird unter ständigem Umrühren sofort in einen 1 l-Standzylinder bis zum Teilstrich 1.000 ml gefüllt und in Ruhe stehen gelassen.

Nach genau 30 Minuten wird der Schlammspiegel in ml abgelesen.

Angegeben wird der Wert in ml Schlammvolumen (30 Minuten).

Minimalhygiene:

  • nicht Essen
  • Geräte säubern
  • Hände waschen und desinfizieren
  • Fließendes Wasser zur Reinigung ist unbedingt erforderlich.

14. Fallbeispiel einer ungenügenden Steuerung der Überschussschlammentnahme einer Kleinkläranlage

Im Rahmen eines Gerichtsgutachtens wurde im Falle einer Belebtschlammkleinkläranlage mit Bauartzulassung festgestellt, dass diese einen chronischen Mangel an Belebtschlamm aufwies.

Wenn man nun annimmt, dass eine Kleinkläranlage z. B. mit einem Schlammvolumen von 600 ml/l gut arbeiten kann, dann ist zu erkennen, dass die Kläranlage mit einem Bioschlammvolumen von nur 100 ml/l (folgendes Foto) auch nur 1/6 des vorstellbaren Leistungsvermögens des Belebtschlammes aufweisen kann.

Das Problem ist nun, dass niemand diesem Kleinkläranlagenbesitzer gesagt hat, dass er das Schlammvolumen vielleicht aller 14 Tage zu kontrollieren und zu steuern hat und die Wartungsfirma kommt nur aller 6 Monate vorbei.

Zwischen den Prozessen und dem Verfahren einer Belebtschlammkläranlage für 2 Einwohner oder für z. B. 10.000 Einwohner gibt es keine Unterschiede. Die Bakterien tragen alle den gleichen Namen und haben alle die gleichen Anforderungen.

Wieso also ist es möglich, dass das Schlammvolumen einer Belebtschlammkleinkläranlage nur aller 6 Monate zu messen ist, während das Schlammvolumen eine Belebtschlammkläranlage für 10.000 Einwohner wenigstens 1 x wöchentlich zu messen ist?

Es wäre nun interessant im Kommentarbereich zu erfahren, ob dies nur ein Einzelfall ist.

Die betreffende Kleinkläranlage (Gegenstand eines Gerichtsgutachtens) verfügte nun über folgende Einstellmöglichkeit:

  • Überschussschlammpumpe ein!
  • Überschussschlammpumpe aus!

Versucht wurde aber z. T. z. B. 1/2 Ein einzustellen. Also die Überschussschlammpumpe – hier eine Druckluftpumpe (Mammutpumpe) – sollte gedrosselt werden. Druckluftpumpen sind aber nur bedingt drosselbar. Irgendwann kommt der Punkt, an dem sie nicht mehr pumpen. Und den kennt man meist nicht. Er muss umständlich gefunden werden. Nun stelle man sich vor, der Wartungstechniker stellt Überschussschlammpumpen auf die vermeintliche 1/2 Förderung ein, kommt ein halbes Jahr später zur erneuten Wartung und stellt fest: Der Überschussschlamm ist weg. Wo ist er hin? Er befindet sich seit Wochen in der Vorklärung!

15. Schlammvolumenmessung  zur Steuerung der Biomassekonzentration im Belebungsbecken der Kleinkläranlage

Die Lösung besteht – sofern man unbedingt eine Kleinkläranlage haben muss, die mit Belebtschlamm arbeitet – darin, dass der Eigentümer das Schlammvolumen selber einstellt und kontrolliert.

Wie macht man das?

Nun, ich würde es z. B. so versuchen:

  1. Überschussschlammpumpe aus
  2. wöchentlich Belebtschlammvolumen der Kleinkläranlage messen
  3. wenn das Belebtschlammvolumen 500 ml überschreitet, feststellen, ob der Ablauf trüb wird
  4. wenn der Ablauf trüb wird, dann Überschussschlamm solange pumpen bis das Schlammvolumen auf 300 ml/l (30 Minuten) gesunken ist
  5. wenn der Ablauf nicht trüb ist, dann Belebtschlammvolumen auf 600 ml/l (30 Minuten) anwachsen lassen und dann Belebtschlammvolumen in beschriebener Weise auf 300…400 ml/l (30 Minuten) reduzieren

Belebtschlammkontrolle: Schlammvolumen nach 30 Minuten nur 100 ml

Belebtschlammkontrolle: Schlammvolumen einer mangelhaft arbeitenden Kleinkläranlage nach 30 Minuten nur 100 ml!

In diesem Belebtschlamm können, wenn er lange genug im System bleibt – man nennt dies dann ein hohes Schlammalter – auch Bakterienfresser (Einzeller, wie Pantoffeltierchen, Amöben, Trompetentierchen, …) vorkommen. Deshalb sind Abläufe von Kläranlagen, die ein hohes Schlammalter aufweisen, meist klar.

Man kann sich also schon allein durch Augenschein und Geruch ein Bild über wesentliche Betriebszustände einer Kläranlage machen. So ist eine Trübung des Ablaufes Indiz für wahrscheinlich folgende Zustände:

1.      Überschreitung der zulässigen biologischen Zulaufbelastung

2.      Überschreitung der zulässigen hydraulischen Zulaufbelastung

3.      Unterschreitung der minimal zulässigen Bakterienanzahl (Schlammvolumen oder Belebtschlammkonzentration in g TS/l)

4.      Überschreitung der maximal zulässigen Bakterienanzahl (Schlammvolumen oder Belebtschlammkonzentration in g TS/l)

5.      Kombination der Fälle

Neben der Farbe des Belebtschlammes ist auch der Geruch des Belebtschlammes und des Ablaufes aufschlussreich.

Eine Überlastung der biologischen Stufe, sei es durch Unterschreitung der minimal zulässigen Bakterienanzahl (Schlammvolumen) oder durch Überschreitung der zulässigen Zulaufbelastung bzw. durch Kombination der beiden Fälle, führt dazu, dass für den nötigen Abbau die Zeit fehlt. In der Konsequenz fließt das Abwasser aus der Anlage (je nachdem fast) genauso stinkig, wie es hinein gelangte.

Merkmale einer ordnungsgemäßen biologischen Reinigung mit schwach- bis normalbelasteten Anlagen sind also:

  • braune bis rotbraune Färbung des Belebtschlammes
  • keine augenscheinlich erkennbaren Feststoffe in der Nachklärung
  • kein fauliger oder fäkalischer Geruch des Belebtschlammes
  • in der Regel farbloser Ablauf
  • keine Trübung im Ablauf
  • ein leicht brauner Ablauf kann Indiz für eine besonders weitgehende Reinigung sein.
  • Eine Überschreitung des CSB-Überwachungswertes bei gleichzeitiger Einhaltung des BSB5-Überwachungswertes (!) ist Indiz für einen besonders weitgehenden Abbau der Abwasserinhaltsstoffe.
    Siehe hierzu: Es gibt keinen CSB!

Damit die sauerstoffliebenden (aerob) Bakterien keinen Sauerstoffmangel erleiden und dann absterben, wird der Belebtschlamm belüftet. Eine Umwälzung verhindert das Absetzen des Belebtschlammes in dem entsprechenden (zeitlichen oder räumlichen) Reinigungsabschnitt. Für die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung ist ein Umwälzen notwendig. Die Aufgabe des Umwälzens wird meist auch von dem technischen System des Sauerstoffeintrages mit übernommen.

Bei einer Kleinkläranlage, die eingestellt und deren Verhalten bekannt ist, kann nach Abwägung auch die monatliche Kontrolle des Schlammvolumens genügen.

Wie man sieht, ist die Abwasserbehandlung mit einem Belebtschlammverfahren nicht nur in einer Kleinkläranlage eine höchstanspruchsvolle und spannende Aufgabe. Für einen Wasserwirtschaftler mit Berufung oder für Jenen, der sonst nichts zu tun hat und z. B. als Rentner die Welt verstehen will.

16. Überschreitung eines Überwachungswertes

Es ist ein Überwachungswert von 40 mg BSB5/l und 150 mg CSB/l einzuhalten.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass der Kleinkläranlagenbetreiber dies selber nicht zu überprüfen vermag.

Anders z. B. beim Führen eines Fahrzeuges. Hier gibt es einen Tacho.  Bei der Kleinkläranlage fehlt eine solche Einrichtung.

Hier glaubt man, dass eine Kleinkläranlage mit Bauartzulassung wenigstens 6 Monate zwischen den einzelnen Wartungen funktioniert.

Tatsächlich muss das aber nicht der Fall sein und eine Kleinkläranlage kann völlig unverschuldet einen CSB-Überwachungswert überschreiten.

Das kann dann der Fall sein, wenn im Haushalt Wasser gespart wird und wenn damit der Abwasseranfall zurückgeht.

Die Konsequenz ist, dass die Kleinkläranlage ihren Wirkungsgrad steigern muss und das schafft sie aber nicht bis ins Unendliche.

Ursache für das Dilemma liegt darin, dass dem Wasserrecht diesbezüglich die sachliche, wissenschaftliche und logische Basis völlig fehlt.

Deshalb sind Überwachungswertüberschreitungen – wenn die Referenz Konzentrationen sind – eine willkürliche Konsequenz, die vom Abwasserbeseitigungspflichtigen in keiner Weise zu beeinflussen sind, es sei denn, er spart kein Wasser (Abwasser). Das ist unter Experten bekannt.

Nicht nur für Kleinkläranlagen gilt, dass der CSB-Überwachungswert allein, d. h. ohne weitere Analytik, kein Beweis eines Straftatbestandes einer unerlaubten Gewässerverschmutzung ist.

In einem kürzlich untersuchten Fall einer kommunalen Kläranlage wurde sogar bewiesen, dass die Gewässerverschmutzung in dem konkreten Fall bei Überschreitung des CSB-Überwachungswertes sogar niedriger war, als wenn dieser Grenzwert eingehalten worden wäre. Das muss man sich mal vorstellen!

Beobachtet wurde auch, dass viele Beteiligten einer Gewässerbewertung, die Zusammenhänge in der Natur nicht kennen und selten eine Ahnung davon haben, was aus einer CSB- oder einer BSB5-Anlayse sachlich fundiert gedeutet werden darf.

Das folgende Diagramm veranschaulicht die analogen Zusammenhänge am Beispiel einer Kleinkläranlage nach DIN 4261-1 (ohne aerobe Behandlung). Dabei wurde nicht berücksichtigt, dass bei längerer Verweilzeit auch der Wirkungsgrad einer biologischen Reinigung steigt. Er steigt aber nicht so stark, um die Tendenz der Konzentrationserhöhung zu kompensieren.

Ablaufkonzentrationen von Kleinkläranlagen

Ablaufkonzentrationen von Kleinkläranlagen in Abhängigkeit des Trinkwasserverbrauches

Im folgenden Diagramm erkennt man den Anstieg der Ablaufkonzentrationen bei gleicher legitimer Fracht aber bei abnehmendem Abwasseranfall:

Abwassermengenabhängige Überwachungswerte für Kläranlagen der Größenklasse 1 - eine wissenschaftliche Fiktion!

Abwassermengenabhängige Überwachungswerte für Kläranlagen der Größenklasse 1 – eine wissenschaftliche Fiktion!

17. Guter Rat ist oft teuer

Guter Rat ist nicht nur teuer, im Falle einer Kleinkläranlage ist er meist unverhältnismäßig teuer.

Die Unverhältnismäßigkeit hat ihren Grund: Die spezifischen Kosten für den Bedienungsaufwand, für die Betriebskosten, für die Herstellung oder für eine gutachterliche Bewertung der Anlagenfunktion folgen einer Potenzfunktion in Abhängigkeit der Anlagengröße. Deshalb werden auch gerne größere Kläranlagen errichtet, weil diese nämlich erheblich niedrigere spezifische Kosten (z. B. €/Einwohner) aufweisen. Und deshalb war es in der Vergangenheit üblich, für einzelne Häuser Faulgruben, durchflossene Faulgruben (Mehrkammerfaulgruben, Mehrkammerausfaulgruben, kleine Emscherbrunnen oder kleine Ohms-Gruben) zu nutzen. Man wollte früher keine unverhältnismäßige Abwasserbehandlung.  Aber das ist lange her. (Der Nutzen oder der Effekt wird beim sog. Stand der Technik nicht unbedingt gewährleistet.)

Nur ein Beispiel als Analogie für die Progression der spezifischen Kosten bei Reduzierung der geplanten Anlagenleistung einer Kläranlage: Eine einfache Abwasseranalyse (BSB5) kostet z. B. ca. 50 €. Im Falle der Begutachtung einer Kleinkläranlage für ein Einfamilienhaus teilen sich diese Kosten vielleicht 2 Einwohner und Falle einer Kläranlage für 10.000 Einwohner eben 10.000 Einwohner. In beiden Fällen kann aber nur eine Zahl (Analysenergebnis) verwertet werden und zur Beurteilung von Belebtschlamm ist es unbedeutend, ob die Analyse und ihre Bewertung ein Belebtschlammvolumen z. B. nur einem Liter oder ob sie mehreren Tausend Kubikmetern zuzuordnen ist.

Und aus dem Grund ist nicht nur die Begutachtung von Kleinkläranlagen oder kleinen Kläranlagen unverhältnismäßig teuer.

Das Urteil aber, ob meine Überlegungen zur Überwachung der Belebtschlammkonzentration verallgemeinert werden dürfen, überlasse ich dem Leser.

18. Ein Rat für einen Freund…

Ich staune darüber, wie man eine so lebendige Anlage solange allein lassen kann. Einem Freund würde ich eine derartig komplizierte Anlage, bei der vielleicht aller 14 Tage, aber nicht aller 6 Monate die Belebtschlammkonzentration indirekt zu prüfen ist, nicht empfehlen.

Die Messung des Belebtschlammvolumens birgt zudem ein Gesundheitsrisiko. Abwasser ist grundsätzlich infektiös. Davon ist immer auszugehen, sofern es nicht vorher im Dampfkochtopf bei 140 °C abgekocht wurde (Beispiel: Abwässer von der unsauberen Seite einer Abdeckerei werden sterilisiert!)

Das heißt, der Besitzer einer Kleinkläranlage sollte für die Probenahme und Schlammmessung hygienisch geschult sein.

Dazu einige Hinweise, die je nach der Situation vor Ort anzupassen sind:

  1. Schlauch mit fließendem Wasser bereithalten
  2. Geräte säubern und von Kindern fernhalten
  3. Während der Arbeit nicht essen oder rauchen
  4. Kinder bei der Probenahme und Messung fernhalten
  5. Hände waschen
  6. Hände desinfizieren

Im Normalfall geht ja alles gut. Wenn aber nicht?

Ihm gilt mein Rat: Wähle Dir eine Kleinkläranlage, die mit minimalstem Bedienungs- und Wartungsaufwand zuverlässig von alleine funktioniert und den „Weg in den Stall selbstständig findet, ähnlich wie die Kuh Elsa allein zum Melk- oder Fellkratzautomaten trabt!“

Solche Anlagen gibt es.

Da wird ja jede Kuh im modernen Rinderstall besser gehätschelt als jene Kleinkläranlage, der wegen eines Bedienungsmangels der Belebtschlamm (Überforderung des Käufers) verloren ging. Ein Melkautomat kennt dagegen millimetergenau die Position in Lage, Höhe und den Namen jeder Zitze des Euters der Kuh Elsa und weiß genau, wie viel Milch aus der Zitze Nr. 3 abzupumpen ist.

Nun könnte man sagen, die Belebtschlammkleinkläranlage kann durch automatische Messung des Schlammvolumens und einer automatischen Steuerung derselben reanimiert werden, damit der Besitzer der Kleinkläranlage nicht aller 14 Tage das Schlammvolumen kontrollieren und steuern muss. Die Umsetzung könnte aber am Verhältnismäßigkeitsprinzip scheitern, auch weil es besser ist, eine Kleinkläranlage auszuwählen, bei der das Schlammvolumen nicht zu messen oder zu steuern ist.

Ich denke, Belebtschlamm in Kleinkläranlagen ist wie ein lebendiger Reiter auf einem toten Pferd.

Mit der Meinung stehe ich nicht allein, wenn man es meist auch weniger drastisch ausdrückt.

Den Hinweisen zum sachgemäßen Bau und Betrieb von Kleinkläranlagen (Stand August 2005) des Bayrischen Landesamtes für Umwelt ist zu entnehmen:

„Belebungsanlagen
Hinsichtlich der Eigenkontrolle und Wartung einer vorgeschalteten Mehrkammergrube ist zusätzlich Anlage 1 zu beachten.

a) Eigenkontrolle
Vom Betreiber sind mindestens folgende Eigenkontrollen vorzunehmen und im Betriebsbuch zu dokumentieren:
Täglich:    Betriebskontrolle,
Wöchentlich: Ablesen von Betriebsstundenzähler und der sonstigen Anzeigeninstrumente, Funktion des Lufteintrags, der Schlammrückführung und sonstiger Einrichtungen,
Monatlich: Bestimmung des Schlammvolumenanteils nach den Angaben der Betriebsanleitung, Feststellung von Schwimmschlammbildung auf der Nachklärbeckenoberfläche und gegebenenfalls Beseitigung des Schwimmschlammes, Sichtkontrolle des Ablaufs auf Auffälligkeiten (z. B. Schlammabtrieb),
Zusätzlich: Weitere in der Betriebsanleitung festgelegte anlagenbezogene Eigenkontrollen, Ablesungen und Arbeiten in den genannten Zeitabständen.

b) Wartung
Mindestens dreimal im Jahr in Abständen von etwa vier Monaten sind durch die Herstellerfirma oder einen Fachmann besonders folgende Kontrollen und Wartungsarbeiten vorzunehmen:
—  Einsichtnahme in das Betriebsbuch und Ablesung des Betriebsstundenzählers mit Feststellung des regelmäßigen Betriebes (Soll-Ist-Vergleich),
—  Funktionskontrolle der betriebswichtigen maschinellen, elektrotechnischen und sonstigen Anlagenteile, insbesondere Belüftung, Umwälzung, Schlammrückführungen,    Steuereinrichtungen, Störmeldeeinrichtung,
—  Wartung der maschinellen Einrichtungen,
—  Einstellen optimaler Betriebswerte, z. B. Sauerstoffversorgung, Schlammvolumenanteil, Zeiteinstellung der Pumpen,
—  Feststellung der Schlammspiegelhöhe im Schlammspeicher und gegebenenfalls Veranlassung der Schlammabfuhr,
—  Durchführung allgemeiner Reinigungsarbeiten, z. B. Beseitigung von Schwimmschlamm und Ablagerungen,

—  Überprüfung des baulichen Zustandes der Anlage, zum Beispiel Zugänglichkeit, Lüftung, Korrosionsschäden.

Im Rahmen der Wartung sind weiterhin folgende Untersuchungen durchzuführen:
—  Untersuchung einer qualifizierten Stichprobe des Ablaufes auf
— Temperatur,
  pH-Wert,
absetzbare Stoffe,
Sichttiefe in der Nachklärung, CSB,
—  Bestimmung folgender Werte im Belebungsbecken
—  Sauerstoffkonzentration,
—  Schlammvolumenanteil,
Trockensubstanz des belebten Schlammes,
— Schlammindex.

Die Feststellungen und durchgeführten Arbeiten sind in einem Wartungsbericht zu erfassen.

c) Bescheinigung
Anhand des Betriebsbuches mit den dokumentierten Ergebnissen der Eigenkontrolle, der Wartungsberichte und durch Besichtigung der Anlage und gegebenenfalls nach ergänzenden Untersuchungen bescheinigt ein privater Sachverständiger in der Wasserwirtschaft (PSW) dem Betreiber alle zwei Jahre den ordnungsgemäßen Betrieb der Kleinkläranlage. Abdrucke der Bescheinigung sind vom PSW unmittelbar der Kreisverwaltungsbehörde und der Gemeinde vorzulegen.

Diesen Forderungen fehlt nur der Schluss oder die Empfehlung, dass der Bau und Betrieb von Belebtschlammkläranlagen wegen realitätsfremder Anforderungen zu unterbleiben hat. Zudem: was soll die monatliche Bestimmung des Schlammvolumenanteils nach den Angaben der Betriebsanleitung bewirken, wenn im Ergebnis die Belebtschlammkonzentration nicht gesteuert wird?

(Es gibt jedoch auch noch Kleinkläranlagen mit Aufwuchskörpern und mit Belebtschlamm. Zu denen konnte ich noch keine Erfahrung sammeln.)

Grundsätzlich gilt wohl für Kleinkläranlagen nicht erst seit 2017:

  • So einfach und kostengünstig wie möglich in Errichtung, Bedienung und Wartung. Es bringt aber auch nichts zu einer billigen Anlage zu raten, die man aller 15 Jahre erneuern muss oder deren Wartungskosten die Investkosteneinsparung auffressen.
  • So anspruchslos wie möglich.
  • Bei Anlagen, die mehr als 1 x jährlich kontrolliert werden müssen, stellt sich die Frage, ob sie denn den Stand der Technik verkörpern (Indiz der Unverhältnismäßigkeit).
  • Nicht alles was technisch möglich ist, verdient Beachtung und Nutzung.

Diese Prämissen sind die Konsequenz der Tatsache, dass Kleinkläranlagen im Vergleich zu den Kosten und der Wirkung einer städtischen Abwasserbeseitigung extrem ineffizient sind und aus dem Grund sollte man alles unterlassen, was eine derartige Abwasserbeseitigung verteuert.




Zustandsbewertung der Gewässer – Ökologischer Einklang

Ooom

Zum „ökologischen Einklang“ folgendes Zitat:

„Unberücksichtigt bleiben der Zusammenhang zwischen Stabilität und Mangel, der größere Änderungen einfach verhindert, und die tatsächlichen Ungleichgewichte in der Natur, ohne die sie gar nicht funktionieren könnte. Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, daß es ausgerechnet die »balancierten« mittleren Zustände sind, die zwar als solche wünschenswert wären, sich aber nicht so recht einstellen lassen. Das erste Beispiel liefert die Belastung und Reinhaltung von Seen Eingeleitete Abwässer düngten seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten, bis die Folgen sichtbar wurden. Die anfänglich sauberen Gewässer drohten zu »kippen«, was bedeuten sollte, daß sie vom nährstoffarmen, sauberen Zustand in einen nährstoffreichen, schmutzigen hinüberwechselten oder daß dieser Wechsel bevorstand. Durch Ringkanalisationen und starke Verminderung der Abwässerzufuhr ließ sich dieses Kippen in zahlreichen Fällen verhindern. Die Seen wurden wieder sauberer, aber nun nahmen auch die Fischerträge (stark) ab. Denn nährstoffarme Seen sind unproduktiv, weil in ihnen Mangel an Nährstoffen herrscht. Das ist gut für die Gewinnung von Trinkwasser aus dem See sowie für den Bade- und Erholungsbetrieb, nicht aber für die Fischerei und für die (zu schützenden) Wasservögel, für die bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier. All diesen geht es im nährstoffreichen See weitaus besser. Fische gibt es in Hülle und Fülle; Wasservögel auch und diese ohne nennenswerte Konflikte mit der Fischerei zu verursachen. Beide Zustände kann der See nicht gleichzeitig einnehmen. Er ist entweder nährstoffarm (oligotroph) und unproduktiv oder nährstoffreich (eutroph) und produktiv. Entweder — oder? Dazwischen liegt doch der mittlere Zustand, mesotroph genannt Er verbindet gute Produktivität mit sauberem Wasser, weil im Idealfall all das wieder um- und abgebaut wird, was im Sommer produziert worden ist. Doch dieser Mittelzustand erweist sich als instabil. Er geht rasch in den einen oder in den anderen über. Nur mit außerordentlich (und unrealistisch) hohem Aufwand ließe er sich aufrechterhalten. Stabile Zustände sind Nährstoffreichtum und -armut. Ist so ein See ein Sonderfall? Durchaus nicht. Nährstoffreiche und nährstoffarme Zustände sortieren sich allüberall in der Natur.“ Reichholf [1]

Also:

Den Zustandsbewertungen lt. EU WRRL scheint es in erheblichem Umfang an ökologischen Grundlagen zu fehlen.

Gemeint sind die Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie.

Die Weise, wie die EU WRRL mitunter umgesetzt und verstanden wird, führt ins wunderbare Chaos. Man wundert sich, warum es nicht gelingt mit guten wasserchemischen Zuständen gute biologische Zustände für „bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier“ zu gewährleisten. Es scheint unmöglich der Gewässerverwaltung zu vermitteln, dass ein guter Zustand häufig die Verschlechterung eines anderen Zustandes verursachen kann.

Der Ökologe Herr Prof. Reichholf steht mit seinen o.g. Tatsachenbewertungen nicht allein. Siehe auch den Beitrag zur Mistbiene.

Quelle:
[1] Stabile Ungleichgewichte.
Die Ökologie der Zukunft.
Josef H. Reichholf
edition unseld
SV
1. Auflage 2008
(S.111-112)




Effizienz wasserwirtschaftlicher Maßnahmen in Ökosystemen

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen müssen effizient sein.

Das ist naheliegend und auch der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu entnehmen. Im Anhang III (Wirtschaftliche Analyse) der Richtlinie wurde formuliert: „Die wirtschaftliche Analyse muss (unter Berücksichtigung der Kosten für die Erhebung der betreffenden Daten) genügend Informationen in ausreichender Detailliertheit enthalten, damit

a)
die einschlägigen Berechnungen durchgeführt werden können, die erforderlich sind, um dem Grundsatz der Deckung der Kosten der Wasserdienstleistungen gemäß Artikel 9 unter Berücksichtigung der langfristigen Voraussagen für das Angebot und die Nachfrage von Wasser in der Flussgebietseinheit Rechnung zu tragen; erforderlichenfalls wird auch Folgendem Rechnung getragen:

– den Schätzungen der Menge, der Preise und der Kosten im Zusammenhang mit den Wasserdienstleistungen,
– den Schätzungen der einschlägigen Investitionen einschließlich der entsprechenden Vorausplanungen;
b)
die in Bezug auf die Wassernutzung kosteneffizientesten Kombinationen der in das Maßnahmenprogramm nach Artikel 11 aufzunehmenden Maßnahmen auf der Grundlage von Schätzungen ihrer potentiellen Kosten beurteilt werden können.“

Erfahrungen und Referenzen

Für diese nachvollziehbaren Effizienznachweise besitzen wir langjährige Erfahrungen und nutzen auch interdisziplinäre Zu- bzw. Mitarbeit.

Die Methode

Methodisch wird dabei u. a. der zusätzliche Nutzen, seine Wahrscheinlichkeit definiert und dies in das Verhältnis zu den voraussichtlichen zusätzlichen Kosten gesetzt.

Ausgangspunkt ist eine ökologisch korrekte Prüfung oder Bewertung für einen konkreten Organismus und/oder für dessen Habitat.

Dabei konzentrieren wir uns auf Tiere im und am Wasser.

Der Schwerpunkt

Letztlich geht es darum zu untersuchen:

Sind die geplanten meist zusätzlichen Schutzmaßnahmen hinreichend nützlich für den konkreten Zielorganismus sowie verhältnismäßig und verstoßen sie nicht gegen das Sparsamkeitsprinzip?

Tiere im und am Wasser

 

 




Kläranlagen korrekt bewerten!

Leistungsreserven und/oder Leistungsdefizite

Jeder weiß: Die Angaben auf dem Typenschild enthalten oft versteckte Leistungsreserven und genau die können wir finden und nachweisen, sofern sie auch tatsächlich vorhanden sind. Im Ergebnis derartiger Untersuchungen kennt nicht nur der Anlagenfahrer (Klärwärter) und/oder sein Chef das Leistungsvermögen und ggf. auch die Defizite seiner Kläranlage,  sondern auch die Zulauffrachtentwicklung. Es ist ähnlich wie beim Arztbesuch: Das Blutbild bewertet nicht die „Betriebstagebuch“-Software im Computer oder die Krankenschwester, sondern es ist oft Aufgabe zweier Spezialisten. Und dafür stehen Ihnen Ingenieure mit langjähriger theoretischer und praktischer wasserwirtschaftlicher Erfahrung zur Seite mit Routine bei einer besonderen Datenbewertung. Sicher kann man auch alles selber machen, selber lernen und die Kosten für fremde Leistungen damit sparen. Aber eines wird in solchen Fällen garantiert nicht gelingen: Unsere Erfahrungen und unser Wissen für eine effiziente Abwasserreinigung zu erschließen. Nur ein Beispiel: Einige Kläranlagen wurden schon von offizieller Seite als zu klein bewertet. Am Ende stellten sich in manchen Fällen aber Leistungsreserven von 50…100 % heraus und die Anzahl derartiger Bewertungen aus unserem Haus übersteigt inzwischen 50 Anlagen.

Bewertung der tatsächlichen Kläranlagenleistung

 Und wie machen wir es? Hier ein kleiner Hinweis aus einem Vortrag im Rahmen der Geschäftsführertagung 2015 der AWG CALCULAT_KOM GmbH 2015 in Magdeburg :
KA-Bewertung-Einzelfall-Vortrag

Vielfältige Anlagengröße und zahlreiche Abwasserarten

Die bisherigen von uns bewerteten Anlagen waren in ihrer Größe vielfältig. Sie reichen von Kleinkläranlagen für Grundstücke bis zu großen Kläranlagen mit einigen hunderttausend Einwohnerwerten. Ebenso vielfältig waren und sind die Abwasserarten:
  • häusliches Abwasser,
  • Abwässer der Lebensmittelindustrie,
  • Lederfabriken,
  • Papierfabriken,
  • Chemische Werke,
  • Mischwässer
  • usw.

Ausgewählte Aufnahmen von Kläranlagen

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Abwasserbehandlung kann auch sehr schön sein:

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 Leider werden zunehmend derartige Kläranlagen (natürlich belüftete Teichkläranlagen), die keinen Strom verbrauchen und auch äußerst wertvoll für die Artenvielfalt in der meist industriell geprägten Landschaft sind, von manchen Wasserbehörden verboten. Angeblich entsprechen sie nicht dem „Stand der Technik“. Auf diese Weise wird den Kommunen durch Entwertung der funktionsfähigen Kläranlagen Schaden zugefügt. Der Schaden ist dann besonders groß, wenn abgeschriebene, aber noch funktionsfähige Anlagen nicht mehr genutzt werden dürfen. In einem Fall wurde argumentiert, der Vorfluter wäre nicht leistungsfähig genug und das gereinigte Abwasser würde versickern!? Diese abstrakte Begründung erschließt sich dem Beobachter nicht, wenn wenige Meter neben diesem Bach mit dem so „gefährlichen“ Teichablauf Gülle aufgebracht wird, dies schon seit gut 50 Jahren und zudem ein abwärts gelegener Grundwasserpegel die beste Wasserqualität seit Jahren aufweist. Die Argumente wurden wohl gehört aber nicht berücksichtigt.
Bei der Bewertung des „Standes der Technik“ wird regelmäßig der Stand, leider aber nicht die Effizienz des Standes bewertet. Dafür ist der Blickwinkel wohl zu klein.



Ein offensichtlich sehr sauberes Gewässer

Der Holzbach im Vogtland bei Weißensand – Gedanken beim Morgenspaziergang

Die Bewertung der Gewässer ist Arbeitsgebiet mannigfaltiger Experten. Dabei wird das Gewässer anhand von Regeln geprüft. Entspricht das Gewässer den Regeln, dann ist alles gut. Mitunter sind zur Gewässerbewertung auch keine Experten notwendig. Dann nämlich, wenn der Wanderer Mut und Freude dabei hat, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.  So kann er damit beginnen nachzudenken, warum es z. B. zahlreiche saubere Gewässer gibt und kein Mensch sich darüber freut.

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Mäander des Holzbaches kommen häufig vor.

Wie erkennen wir ohne Biologiestudium hinreichend genau einen sauberen Bach?

Nun, durch Anschaung. Sehen, riechen, nachdenken und kosten! Um saubere Gewässer zu erkennen, muss der Wanderer kein Wasserwirtschaftler sein. Es genügt in aller Regel, wenn er schaut und riecht.

Eine Regel ist abstrakt! Der Experte kennt das Konkrete im Einzelfall!

Dazu ein kleiner Ausflug zur Bedeutung einer Regel. Regeln beim „Gewässerschutz“ werden oft begründet, indem die Lebendigkeit, Dynamik und Vielfalt der Natur auf eine leicht zu merkende, bequeme und möglichst effizient umzusetzende Einfalt – auf eine Regel nämlich – reduziert wird.  Denn Einfalt aus wasserwirtschaftlichem Nichtwissen und völliger Ahnungslosigkeit verleihen der Regel scheinbare Bedeutsamkeit. Die Naturgesetze sind leider vielfältig und die Natur kennt keinen Konsens. Wer also offenen Auges durch die Landschaft geht, sieht die zahlreichen „Schiffbrüche“. Regeln oder Vorschriften  des Menschen straft die Natur duch Missachtung. Hier grenzt die Weltanschauung an den Glauben und Ideologie, wenn wir Mensch und Natur trennen.  Der Mensch ist Teil der Natur und er verändert sein Ökoystem genauso wie ein Bieber Bäume fällt und Dämme errichtet.

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Sehr klares Wasser des Holzbaches

 Der Holzbach – ein Einzelfall.

Versuchen wir konkret zu werden. Zunächst wäre zu prüfen, ob der Holzbach schön aussieht. Das tut er zweifellos. Das Einzigste was regulär stört, ist die nahe Wiese. Eine Wiese, selbst wenn seltene Blumen auf ihr wachsen, ist natürlich nicht natürlich. Ich finde Wiesen einerseits schön. Andererseits gibt es aber extreme Menschen, die hassen Menschen und damit auch seine Wiesen. Wie man also sieht, kommt es bei der Gewässerbewertung auch auf den Standpunkt an.

Das Wasser des Holzbaches ist klar. Auch der Porenzwischenraum der Bachsohle ist sauber, nicht veralgt und nicht verschlammt. Ein guter Lebensraum für Fischnährtiere, andererseits wollen die Bachflohkrebse auch die eine oder andere Alge fressen. Diese reichen nicht für alle!

Nicht zu vermitteln ist der Geruch des Wassers. Sein Wasser ist aber geruchlos, so wie es sein soll.

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Der Holzbach am 07.02. 2015

 Sauberes Wasser ist tödlich!

Sauberes Wasser hat einen oft verschwiegenen Nachteil: Es ist für Fische zumeist tödlich. Sie verhungern, wenn sie nicht ab und zu in etwas „verunreinigte“ Gewässerabschnitte schwimmen können oder dürfen.

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Ein vereister Abschnitt.

 Der Holzbach mündet in die Göltzsch.

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Das Mündungsdelta des Holzbaches in die Göltzsch.

Man erkennt auch hier keinerlei Schlammablagerungen.

Die Abschnitte des Holzbaches im dunklen Wald.

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Auch hier klares Wasser

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Der Göltzschtalwanderweg von Mylau nach Weißensand an der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Die Weißensander Autobahnbrücke (A72) bebüschelt und im Gegenlicht

Nun, da wir jetzt auch hier sind, möchte ich die Eindrücke von der Göltzsch zum Schluss nicht vorenthalten.

Die Göltzsch:

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Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen)

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Die Göltzsch nach Weißensand (Sachsen)

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Nistgelegenheiten für den Eisvogel am Prallhang

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Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen) – Ablagerungen nach dem letzten Hochwasser

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Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen)

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Der alte Bahndamm an der Göltzsch bei Weißensand (Sachsen) im Gegenlicht.

Bei nächster Gelegenheit wird von anderen Abschnitten des Holzbaches berichtet. Vielleicht wenn es wärmer ist.

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Ein alter Göltzschtalbaum am Ufer der Göltzsch, die deshalb Göltzsch heißt, weil es hier noch Göltzsch (Gold) gibt!

 




Vorsorge – ein Indiz für wasserwirtschaftliche Ausbildungsschwäche?

Bei dieser Vorsorge geht es nicht um natürliche menschliche Verhaltensweisen, wie z. B. derart, dass man sich warm anzieht, wenn es draußen kalt ist. Im Blickpunkt steht die Veränderung der Gesellschaft durch Vorsorgediktatur mit all ihren destruktiven Folgen, betrachtet am Beispiel des vorsorglichen Gewässerschutzes. Zu den zahlreichen Nachteilen des Vorsorgeprinzips haben sich schon viele Autoren nachvollziehbar ausgelassen, ohne dass es etwas genützt hat. Einige interessante Quellen [3]-[10] seien zum Nachlesen empfohlen.

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Missachtung des Vorsorgeprinzips schafft Freude und Genuss!

Bei fehlenden Effizienznachweisen für gewünschte zusätzliche Verbesserungen des Gewässerschutzes ist es üblich (manchmal vielleicht auch weil bequem) die behördlich verschärften Anforderungen an das Betreiben von technischen Anlagen mit dem fragwürdigen Vorsorgeprinzip zu begründen. Das ist sehr einfach, anspruchslos und zugleich im doppelten Sinne verantwortungslos. Man erklärt nur seine Ängste und Sorgen. Jemand der Angst hat und dies auch noch schriftlich darlegt, ist seine Verantwortung los. Das Vorsorgeprinzip in seiner ideologischen Nutzung negiert den technischen Fortschritt und die Lebensgefährlichkeit. Das Denken und Handeln übertragen die Bürger dem Staat. In der „wasserwirtschaftlichen“ Praxis verursacht die Anwendung des Vorsorgeprinzips im wesentlichen erhebliche Mehrkosten beim Gewässerschutz wobei wohl ganz selten ein Effizienznachweis vorliegt. Auch werden preiswerte Lösungen bei der Gewässernutzung oder bei der Abwasserbehandlung vorsorglich verhindert. Dahinter stecken neben Ängsten teilweise auch Industrieinteressen. Im vergangenen Jahr ist mir ein krasses Beispiel der Anwendung eines Vorsorgeprinzips aufgefallen, bei dem die Hygiene das Einleiten des Regenwassers von Dachflächen mit der Begründung untersagte, dass ja in den Dachrinnen (immer) tote Vögel liegen, die die Badewasserqualität verschlechtern könnten. Konsequenz dieses hygienischen Schildbürgerstreiches: Mehrkosten für einen Unternehmer, der den Streit am Ende genervt aufgab. Der Hygiene möchte man zurufen: „Und was ist mit den toten Vögeln, die beim Überfliegen des Badesees plötzlich sterben und ins Wasser fallen oder mit dem Fuchs, der am Ufer der Badestelle stirbt oder trinkt oder mit den Badegästen, die fleißig ins Wasser pullern, von denen einer ein Dauerausscheider von Cholera ist und mit der Schwimmerin, die nicht vorsorglich den Mund geschlossen hält oder mit den Elbe-Badetagen? Ist die Elbe oder die Natur an sich etwa steril?“ (Da frage ich mich wieder, ob ich so etwas schreiben darf und soll? Wenn’s aber stimmt! Vielleicht sollte man aber gerade dann den Mund halten, wenn man Recht hat?)

Tatsache ist, dass wir unseren hohen Lebensstandard (nicht nur in Deutschland) und viele Freuden ausschließlich der vorsätzlichen Missachtung des Vorsorgeprinzips verdanken. Darüber lohnt es sich bei Uneinsichtigkeit schon lange nachzudenken, wem das nicht auf Anhieb auffallen sollte. Man mag darüber nachdenken, ob es den verehrten Leser überhaupt geben würde, wenn das administrative Vorsorgeprinzip in der heutigen Form schon seit 500 Jahren die Menschen in Ketten legen würde. Die Völkerschlacht bei Leipzig z. B. wäre garantiert ausgefallen. Vorsorglich hätten damals alle erst mal aus ihren Häusern geschaut, was da draußen so passiert. Und es lebten vielleicht nur 10 % der Menschen in Deutschland – die anderen 90 % wären verhungert oder hätten gar nicht erst geboren werden können –  wenn es Deutschland überhaupt noch geben würde. Einfach deshalb, weil die Wissenschaftler Haber und Bosch ihre Synthese vorsorglich nicht hätten erfinden dürfen und so weiter und sofort. Fragwürdig ist das Vorsorgeprinzip bei exzessiver Anwendung, wie es in den letzten 20 Jahren zunehmend zu beobachten ist. Vielleicht ist diese negative Entwicklung auch Ausdruck der Überalterung, Trägheit und mangelhaften Schulbildung der Gesellschaft.

Ist die exzessive Nutzung des Vorsorgeprinzips etwa ein starkes Indiz für mangelhafte Ausbildung sowie für fehlende Sach- und Fachkunde?

Kaum jemand stört sich daran, dass bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips regelmäßig gegen die Leitlinien der EU-Kommission zur Anwendung des Vorsorgeprinzips [1] und sogar gegen die EU-WRRL verstoßen wird.  Beweis: Beide Leit- bzw- Richtlinien fordern Effizienznachweise bevor das Vorsorgeprinzip angewendet werden darf. Dieser Fakt wurde bislang noch nicht gedeutet.

Eine Ursache solcher Fehlentwicklungen ist die Formulierung abstrakter Ziele, deren Erfüllungsweise gedeutet und meist vor Gericht erkämpft werden muss, weil die Deutungshoheit eher selten beim Abwasserbeseitigungspflichtigen liegt.

Das eigentliche Problem liegt aber tiefer. Die Verschärfung von Überwachungswerten ohne prüffähigen Effizienznachweis können in grobfahrlässiger Weise wasserwirtschaftliche Fehlinvestitionen verursachen. Damit wird gegen das Sparsamkeitsprinzip verstoßen. Möglicherweise will ein Anwalt auch staatliche Willkür beweisen.

Kostenvergleichsrechnungen und Kosten-Wirksamkeits-Analysen bzw. Nutzwert-Kosten-Analysen werden zwar verlangt und erarbeitet, aber in der Praxis viel zu spät. Kaum jemand prüft nämlich, ob schon die Verschärfung mancher wasserchemischer Anforderungen überhaupt effizient oder verhältnismäßig ist. Diese Prüfung ist ratsam, bevor Angst und Schrecken mit scharfen Forderungen in den Abwasserzweckverbänden verbreitet wird. Effizienz und Verhältnismäßigkeit sind nämlich wichtige Forderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die – so hat man den Eindruck – nicht immer beachtet werden!

Also gilt unbedingt, wenn es zusätzliches Geld oder zusätzlichen Aufwand verursacht:

Verschärfungen der Überwachungswerte oder zusätzliche Auflagen sind grundsätzlich nicht plausibel!

Es mag Ausnahmen (Trinkwasserschutz) geben, bei denen z. B. 10 % Mehrnutzen unverhältnismäßig hohe Mehrkosten durchaus rechtfertigen können. Dies wäre aber umfänglich, prüffähig zu beweisen und in einem solchen Falle vorstellbar, wenn beispielsweise giftige Wirkungen im Gewässer nur bei normalerweise unverhältnismäßig hohen Mehrkosten mit hoher Sicherheit verhindert werden können, wobei über die „Sicherheit“ gestritten werden sollte, um Denkfehler zu minimieren.

Auch wenn die EU-Kommission mitunter kritisiert wird: Auf den Leitlinien zur Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips sollte bestanden werden, denn danach ist die Vorsorge nur auf ganz wenige Ausnahmen beschränkt, keinesfalls aber auf Gewässerschutzmaßnahmen, deren Effekt kalkulierbar ist.

Die Menschheit ist Tausende Jahre lang ohne dieses destruktive und willkürliche Prinzip ausgekommen. Der heutige intensive missbräuchliche Einsatz des Vorsorgeprinzips raubt den Menschen einen Großteil ihrer Freude und Freiheit. Und dies auf raffinierte, destruktive, langsame und deshalb auch unauffällige Weise. Dieses Vorsorgeprinzip kann mit Sicherheit ersatzlos gestrichen werden, denn unseren hohen Lebensstandard verdanken wir paradoxerweise genau den unzähligen Verstößen gegen das Vorsorgeprinzip von Jonas [2]. Jonas, der  Erfinder, der sich selbst nicht ganz sicher war und wohl aus Gewissensgründen sein Buch vorsorglich mit dem Untertitel „Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation“ versah. Und dieses Wörtchen „Versuch“ wurde bei der exzessiven Einführung des Vorsorgeprinzips in die Gesetzgebung vorsorglich unterschlagen. Heute weiß niemand mehr, dass es sich bei dem Vorsorgeprinzip nur um einen Versuch handelt, der allerdings trefflich scheiterte, was aber auch keinen stört. Auch hat sich eine Ideologie gefunden, die nachhaltig auf dem Vorsorgeprinzip von Jonas [2] beruht und es fleißig missbraucht. Bildung und Klugheit ist deshalb m. E. vorzüglicher als der Versuch mit dem Vorsorgeprinzip.

Aber es gibt auch ein sehr gutes Beispiel in der nichtvorsorglichen Genehmigungspraxis, welches uns hoffen lässt:

Einen nachvollziehbaren und zudem gut begründeten Prozess der Verschärfung der Überwachungswerte unter Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung bis hin zur Versagung der Abwassereinleitung hat das Wasserwirtschaftsamt Hof beim Schutz der Flussperlmuschel demonstriert. Aufgrund der Kompetenz, der guten Vorbereitung und der rechtzeitig erarbeiteten wissenschaftlichen, ökologisch-ökonomischen Basis, kam man erfreulicherweise ohne „Anrufung“ des Vorsorgeprinzips aus. Wie man sieht, ist es möglich, Anforderungen im Gewässerschutz auch ohne Angst und Sorge zu begründen. Wir sollten es häufiger versuchen!

Tja, ich würde die regelmäßige Anwendung des Vorsorgeprinzips grundsätzlich verbieten, in den Gesetzestexten, in denen das Wort „Vorsorge“ oder „Besorgnis“ auftaucht, den jeweiligen Text durch „Bildung und Vernunft“ ersetzen und Vorsorge nur dann erlauben, wenn die Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips schön fleißig abgearbeitet wurden.  Da könnten wir gewaltig Geld sparen und unsere Zukunft etwas retten. Und weil wir gerade mal dabei sind: Das Gleiche gilt für die ideologische Kategorie „Nachhaltigkeit“. Man darf staunen, was ideologische Programme in Gesetzen zu suchen haben, die auch Nichtideologen einhalten sollen. Insofern kann man „Vorsorge“ und „Nachhaltigkeit“ auch als ideologische Trojaner und Wieselwörter bezeichnen.

Siehe auch: Verhältnismäßigkeit bei Gewässerschutz

____________

[1] Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips
in „Die Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips“
Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
Brüssel, den 02.02.2000, KOM (2000) 1 endgültig

[2] Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung:
Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation.
Frankfurt/M., 1979.

[3] Reichholf, J.H.
Die falschen Propheten – Unsere Lust an Katastrophen
Taschenbuch
2. Auflage 2003
Wagenbach Verlag Berlin

[4] Reichholf, J.H.
Der Tanz um das goldene Kalb
Der Ökokolonialismus Europas
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
1. Auflage 2006

[5] Eilingsfeld, Heinrich
Der sanfte Wahn
Ökologismus total
Südwestdeutsche Verlagsanstalt Mannheim
(Bemerkenswert, dass das Buch schon 1989 erschien.)

[6] Gärtner, Edgar L.
Öko-Nihilismus
Eine Kritik der Politischen Ökologie
TvR Medienverlag Jena, 2007

[7] Driessen, P.K.
Öko-Imperialismus
Grüne Politik mit tödlichen Folgen
TvR Medienverlag 2006

[8] Maxeiner; D., u.a.
Die Zukunft und ihre Feinde
Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
Eichenborn AG 2002

[9] Maxeiner; D., u.a.
Das Mephistoprinzip
Warum es besser ist, nicht gut zu sein
Eichenborn AG 2001

[10] Steinberg, Ch.
Von Mistbienen, Haussperlingen und der EU-Wasserrahmenrichtlinie – eine
beabsichtigte Polemik
Wasser & Boden




Der chemische Sauerstoffverbrauch

Der chemische Sauerstoffverbrauch – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung? von U. Halbach

Kaffeetasse mit mächtig viel chemischem Sauerstoffverbrauch - nach wasserrechtlicher Deutung extrem schadstoffbelastet!

Fachartikel  veröffentlicht in der wwt 6, 7-8 und 9/2013

Auszug einer Leserzuschrift von Herrn Jürgen Wachtendorf am 13.11.2013:

Sie schreiben auf S. 16 im 1. Teil (etwas unter dem CSV/BSB-Bild): „Zusätzlich muss die ganze Mischung bei 148 +/- 3°C 110 Minuten schwach sieden. Da bekanntlich Wasser schon bei 100°C kocht, ist die Reaktion unter Druck zu halten.“  Diese Aussage ist nicht korrekt, bei der CSB-Bestimmung nach DIN wird das Reaktionsgemisch am Rückfluss bei normalem Luftdruck am Sieden gehalten. Reines Wasser kocht tatsächlich schon bei 100°C, das Reaktionsgemisch hat aber einen derart hohen Säure- und Salzanteil, dass der Siedepunkt viel höher als 100°C liegt, eben bei besagten 148°C. Ein erhöhter Druck ist hier nicht erforderlich. Bei der CSB-Bestimmung mit einem Küvettentest, mit dem auf vielen Kläranlagen die CSB-Analyse zuverlässig durchgeführt wird (und die – nebenbei bemerkt – wesentlich appetitlicher, umweltfreundlicher und unter Arbeitsschutzaspekten sicherer als das DIN-Verfahren ist), stehen die geschlossenen Küvetten leicht unter Druck, da sich die Luft in der verschlossenen Küvette durch die Hitze ausdehnt, erforderlich ist dieser Druck aber nicht.

Kommentar:
Ich folge den Argumenten! Vielen Dank für die Hinweise!
U. Halbach




Überwachungswert – Abwassereinleitung in Gewässer

§ 4 Ermittlung aufgrund des Bescheides

„(1) Die der Ermittlung der Zahl der Schadeinheiten zugrunde zu legende Schadstofffracht errechnet sich außer bei Niederschlagswasser (§ 7) und bei Kleineinleitungen (§ 8) nach den Festlegungen des die Abwassereinleitung zulassenden Bescheides. Der Bescheid hat hierzu mindestens für die in der Anlage zu § 3 unter den Nummern 1 bis 5 genannten Schadstoffe und Schadstoffgruppen die in einem bestimmten Zeitraum im Abwasser einzuhaltende Konzentration und bei der Giftigkeit gegenüber Fischeiern den in einem bestimmten Zeitraum einzuhaltenden Verdünnungsfaktor zu begrenzen (Überwachungswerte) sowie die Jahresschmutzwassermenge festzulegen. Enthält der Bescheid für einen Schadstoff oder eine Schadstoffgruppe Überwachungswerte für verschiedene Zeiträume, ist der Abgabenberechnung der Überwachungswert für den längsten Zeitraum zugrunde zu legen. Ist im Abwasser einer der in der Anlage zu § 3 genannten Schadstoffe oder Schadstoffgruppen nicht über den dort angegebenen Schwellenwerten zu erwarten, so kann insoweit von der Festlegung von Überwachungswerten abgesehen werden.“

Anlage zu § 3

(1) Die Bewertungen der Schadstoffe und Schadstoffgruppen sowie die Schwellenwerte ergeben sich aus folgender Tabelle:

GEi ist der Verdünnungsfaktor, bei dem Abwasser im Fischeitest nicht mehr giftig ist. Den Festlegungen der Tabelle liegen die Verfahren zur Bestimmung der Schädlichkeit des Abwassers nach den angegebenen Nummern in der Anlage „Analysen- und Messverfahren“ zur Abwasserverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. Juni 2004 (BGBl. I S. 1108, 2625) zugrunde.

(2) Wird Abwasser in Küstengewässer eingeleitet, bleibt die Giftigkeit gegenüber Fischeiern insoweit unberücksichtigt, als sie auf dem Gehalt an solchen Salzen beruht, die den Hauptbestandteilen des Meerwassers gleichen. Das Gleiche gilt für das Einleiten von Abwasser in Mündungsstrecken oberirdischer Gewässer in das Meer, die einen ähnlichen natürlichen Salzgehalt wie die Küstengewässer aufweisen.

Quelle: Gesetz über Abgaben für das Einleiten von Abwasser in Gewässer (Abwasserabgabengesetz – AbwAG)

 

 




Kleinkläranlagen und Wassersparen

Wassersparen kann zu einer Überschreitung des CSB führen, weil die Konzentration der schwer- oder nicht abbaubaren Stoffe im Ablauf teilweise nur durch die Verdünnung reduziert wird.

Spart der Hauseigentümer Trinkwasser, dann konzentriert sich der CSB logischerweise auf. Diese Überlegungen treffen auch für kleine Siedlungskläranlagen zu.

Siehe hierzu die Abbildung. Man erkennt, dass Ablaufkonzentrationen von 250 mg CSB/l bei einem Trinkwasserverbrauch von 100 l/Ed normal sein können.

Die Überschreitung des CSB-Überwachunsgwertes ist aber kein Beweis für einen Straftatbestand der Gewässerverschmutzung, weil das CSB-Laborergebnis nicht auf die Natur übertragbar ist. Es gibt in der Natur keinen CSB.

Im Übrigen ist der Chemische Sauerstoffbedarf ein falscher Begriff. Tatsächlich handelt es sich um den Verbrauch von Sauerstoff, der an ein Oxidationsmittel chemisch gebunden ist.

Da im Gewässer dieses Oxidationsmittel nicht vorhanden ist, kann es dort auch keinen Bedarf für die Reduktion dieses Oxidationsmittels (Kaliumdichromat) geben.

 

(Siehe auch den Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)




Das Dilemma der Überwachung

Wer „a“ sagt, sollte auch „b“ sagen.

Nur mal fälschlich angenommen: Der „CSB“ ist ein Schadstoff!

Dann aber darf die Gewässerüberwachung sich nicht darauf beschränken, eine höhere Abwasserabgabe zu berechnen, sondern es ist sofort der Beweis zu führen, was denn die Ursache für den höheren „CSB“ ist.

Möglicherweise leitet jemand Desinfektionsmittel ab, die den BSB5 hemmen und zu einem hohen „CSB“ führen?

Wenn also fest an den „CSB“ als Schadstoff geglaubt wird oder geglaubt werden muss, dann ist auf jeden Fall auch festzustellen, welcher Schadstoff sich ganz konkret hinter dem „CSB“ verbirgt.

Siehe auch:

Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

Der CSB-Dosisfehler

Schwer abbaubar – auch ein Glück für die Umwelt!

Kein CSB in der Natur!




Verhältnismäßigkeit bei Gewässerschutz

In den Verordnungen und Regeln zum Gewässerschutz wird der Verhältnismäßigkeit schon eine gewisse Bedeutung eingeräumt:

und u. a. Urteil des VG Schleswig, 15.12.1998

„Der verfassungsrechtliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit (Übermaßverbot) kann in atypischen Ausnahmefällen die Verwertung extrem hoher Werte ausschließen (Berendes, a.a.O., S. 98 unten)….

Das Gebot der Verhältnismäßigkeit hat seine Grundlage in dem in Art. 20 GG normierten Rechtsstaatsprinzip. Es ist ein übergreifender rechtsstaatlicher Leitsatz allen staatlichen Handelns mit Verfassungsrang.

Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten.

Insbesondere das Übermaßverbot erfordert ein vernünftiges Verhältnis zwischen Anlaß, Zweck und Ausmaß der Regelung.

Bei der Gesamtabwägung zwischen der Schwere des Eingriffs und dem Gewicht und der Dringlichkeit der ihn rechtfertigenden Gründe muß die Grenze der Zumutbarkeit noch gewahrt sein (ständige Rechtsprechung, z.B. BVerfGE 30, 292, 316).

Das erforderliche Mittel darf nicht außer Verhältnis zum erstrebten Ziele stehen. In solchen Fällen muß die sonst gebotene Zweckerfüllung angesichts der übermäßig belastenden Wirkung des Mittels unterbleiben (BVerwGE 30, 316).

Das Übermaßverbot ist ein verwaltungsgerichtlich voll nachprüfbarer Rechtsbegriff. „

Quelle: VG Schleswig, Aktenzeichen 6 B 93/98, 15.12.1998 aus  WEKA – Wasserrecht, Dr. Heinz Staudigl

Das Problem

Das Problem besteht nun darin, dass in der täglichen Praxis das Verhältnismäßigkeitsprinzip eher selten beachtet wird, wie die  in letzter Zeit besonders gehäufte Verschärfung der Überwachungswerte – ohne Nachweis der Verhältnismäßigkeit – in manchen Bundesländern beweist.

Während die Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen fleißig mitunter sogar mit den falschen Voraussetzungen:

  • der Kalkulator verfügt über sichere Erwartungen und kann die Zukunft vorhersagen und
  • die betrachteten Varianten weisen den gleichen Nutzen und gleiche Risiken auf

angewendet werden und natürlich – wegen falscher Methode – zu falschen und riskanten Ergebnissen führen, sind die Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips der Exekutive zumeist völlig unbekannt.

In der Praxis wird die Besorgnis mit dem Bauch gemessen, was noch angehen mag, wenn der Bauch eine besondere Sachkunde nachweisen kann. Das ist aber eher weniger der Fall.

In den Leitlinien zur Anwendung des Vorsorgeprinzips wird zwingend die Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsprinzips gefordert.

Die wasserwirtschaftliche Umsetzung des Verhältnismäßigkeitsprinzips erfordert z. B. den Nachweis des tierartkonkreten Nutzens.

Die in der Exekutive übliche abstrakte Nutzensbewertung (wie z. B. gute und schlechte Zustände) ist unwissenschaftlich und für die Nutzensbewertung wegen der Beliebigkeit nicht geeignet.

Im Falle einer Verschärfung der Überwachungswerte hat die Behörde nachzuweisen, wenn sie Wert auf anspruchsvolle, nachvollziehbare und prüffähige wasserrechtliche Erlaubnisse legen sollte, dass

  • erstens der zusätzliche Nutzen durch die Verschärfung eintritt und dass
  • zweitens die zusätzlichen Kosten aus der Überwachungswertverschärfung sich verhältnismäßig zum zusätzlichen Nutzen verhalten.

Während Wirtschaftlichkeitsnachweise einer Investition im Rahmen von Studien und Vorplanungen zu einem großen Effekt führen, sind aber die aller größten Effektivitätsreserven im Prozess der wasserrechtlichen Erlaubnis zu erschließen. Derartige Effektivitätsnachweise im Rahmen der wasserrechtlichen Erlaubnis sind Ausnahmen. Beispielhafte Ausnahmen  sind die nachvollziehbaren Untersuchungen des Wasserwirtschaftsamtes Hof zum Schutze der Flussperlmuschel. Derartige Ziele sind konkret, nachvollziehbar, prüffähig, es liegt ein konkreter Nutzen vor und mit den Zielen und Auflagen kann sich der Bürger und der Experte identifizieren.

Sehr viele Behörden beschränken sich dagegen in ihren Begründungen der wasserrechtlichen Erlaubnisse auf simple Dreisatzrechnungen der wasserchemischen Güte, ohne hydromorphologische Gütebewertung und ohne Berücksichtigung und Bewertung von nicht beeinflussbaren Nährstofffrachten aus Niederschlag und Landwirtschaft. Der Schwerpunkt derartiger Begründungen liegt auf abstrakten Ausführungen, dass etwas gut zu machen, also dass der gute Gewässerzustand nach der EU-WRRL einzuhalten sei, usw..

Auf der Grundlage mancher fragwürdiger Gewässerzustandsbewertung und Zustandsprognose der Exekutive, die sich mitunter vom Stand der Wissenschaft und von den Tatsachen weit entfernt, ist schlecht einzusehen, warum Abwasserbeseitigungspflichtige unter allen Umständen den Stand der Technik bei der Abwasserreinigung einzuhalten haben, ohne das die Verhältnismäßigkeit – die ja gesetzliches Merkmal des Standes der Technik ist – nachgewiesen wurde.

Neben der Einbindung ökologischer und hydrobiologischer Kompetenzen sind anspruchsvolle Investitionsrechnungen und Nutzensbewertungen im Rahmen des Prozesses der wasserrechtlichen Erlaubnis erforderlich, wenn die Effektivität wasserwirtschaftlicher Maßnahmen künftig verbessert werden soll.

Momentan fehlt aber den Behörden für derartige Untersuchungen in der Regel das Geld. Es gibt mehrere Fälle, in denen die Abwasserbeseitigungspflichtigen derartige Untersuchungen bezahlten.

Am Ende passten die Ergebnisse aber nicht in die Vorstellung von der Natur und wurden ignoriert.

r verfassungsrechtliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit (Übermaßverbot) kann in atypischen Ausnahmefällen die Verwertung extrem hoher Werte ausschließen (Berendes, a.a.O., S. 98 unten).
Das Gebot der Verhältnismäßigkeit hat seine Grundlage in dem in Art. 20 GG normierten Rechtsstaatsprinzip. Es ist ein übergreifender rechtsstaatlicher Leitsatz allen staatlichen Handelns mit Verfassungsrang. Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten. Insbesondere das Übermaßverbot erfordert ein vernünftiges Verhältnis zwischen Anlaß, Zweck und Ausmaß der Regelung. Bei der Gesamtabwägung zwischen der Schwere des Eingriffs und dem Gewicht und der Dringlichkeit der ihn rechtfertigenden Gründe muß die Grenze der Zumutbarkeit noch gewahrt sein (ständige Rechtsprechung, z.B. BVerfGE 30, 292, 316). Das erforderliche Mittel darf nicht außer Verhältnis zum erstrebten Ziele stehen. In solchen Fällen muß die sonst gebotene Zweckerfüllung angesichts der übermäßig belastenden Wirkung des Mittels unterbleiben (BVerwGE 30, 316).
Das Übermaßverbot ist ein verwaltungsgerichtlich voll nachprüfbarer Rechtsbegriff. Die Anwendung des Verfassungsgrundsatzes der Verhältnismäßigkeit verbietet hier eine Einbeziehung des P-Wertes von 510 mg/l in die Berechnung der bezeichneten Abwasserabgabe für das Veranlagungsjahr 1997.
Quelle: WEKA – Wasserrecht




Leuchtkraft wissenschaftlicher Erkenntnis fremdgedimmt!

Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: 2014 gab der Bund für Bildung und Forschung (BMBF) wohl rund 15,3 Milliarden Euro aus. Das sind drei Prozent des gesamten Bundeshaushalts. Wenn dann aber die Forschung – hier die TU Dresden – mit viel Aufwand absicherte Ergebnisse der wissenschaftlichen Ökologie vorlegt, die nicht in das Weltbild der politischen Ökologie passen und die zudem Voraussetzung für eine Effizienzsteigerung der Wasserwirtschaft sind,  dann werden diese Erkenntnisse durch Ignoranz entwertet bzw. es werden keine gesetzlichen Voraussetzungen (u. a. Änderung des Wasserrechtes, des Abwasserabgabengesetzes und der EU-WRRL) geschaffen, die eine Nutzung dieser fortschrittlichen Erkenntnisse straffrei erlauben. Die Starrheit der Gesetzgebung und die teils einfältige Gewässerbewertung verhindert die Umsetzung wichtiger Forderungen der EU-WRRL, z. B. nämlich, dass die Abwässer nach dem Stand der Technik – hier effizient zu behandeln sind. Der Weg ist nicht eine Denitrifikation in Form eines blinden Aktionismusses.

Nitrat ist ein Gewässernutzstoff und ein sekundärer Sauerstofflieferant von besonderer Bedeutung. Seine kompromisslose Eliminierung in Kläranlagen beruht auf Wissensdefiziten, ideologischen Anschauungen und auf Zwang.

Die Lähmung sowie der Schaden durch Effizienzverhinderung dauert in diesem Fall nun schon 26 Jahre!

Die Nitrat-Doktrin und ebenso die CSB-Doktrin kostet also täglich eine sachlich nicht begründbare Abwasserabgabe, die über die Abwassergebühr von Kommunen oder Verbänden eingezogen werden muss.

Für die abwasserverursachende Industrie ist dies ein Kostenfaktor.

Wenn das Merkmal einer Willkür fehlende Sachlichkeit ist, dann sind Straftatbestände einer unerlaubten Gewässerverschmutzung durch Nitrat willkürlich, es sei denn, es handelt sich um ein besonderes Schutzgut, wie z. B. eine Trinkwassertalsperre.

Straftatbestände einer unerlaubten Grundwasserverschmutzung durch Nitrat sind dann sachlich nicht nachvollziehbar, wenn eine Diskriminierung des Angeklagten gegenüber der landwirtschaftlichen Nitrat-Belastung vorliegt. Die Diskriminierung des Bürgers, seiner Kommune oder seines  Abwasserzweckverbandes ist hier aber die Regel.

Doch bilden Sie sich Ihre eigene Meinung:

Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte – Sinn der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung

Kurzbericht einer vergessenen Veranstaltung der Fachrichtung Wasserwesen der TU Dresden am 3. Juni 1997

Sinnfälligkeit der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung – so lautete der Titel einer Veranstaltung am 3. Juni 1997, der Eingeweihten Spannung versprach; wurde doch dieses Thema Gegenstand einer interdisziplinären Vortragsveranstaltung zweier Professoren der TU Dresden, Fachrichtung Wasserwesen – Prof. Dr. Lützner und Prof. Dr. Uhlmann -, die im fachlichen Disput ihre Standpunkte vor Studenten und Gästen erläuterten und verteidigten.

Pro

Herr Prof. Lützner verwies auf die Notwendigkeit der Denitrifikation für einen stabilen Kläranlagenbetrieb und führte u. a. folgende Argumente an:

  • Blähschlammbekämpfung durch anoxische Selektoren und die Notwendigkeit des Milieuwechsels;
  • verstärkte pH-Wert-Probleme, insbesondere bei weichen Wässern, wenn nur nitrifiziert wird;
  • Nutzung des Nitratsauerstoffs für den BSB5-Abbau und damit Senkung des Energiebedarfs für die Abwasserreinigung;
  • Vermeidung von Grenzwertüberschreitungen infolge einer wilden Denitrifikation in der Nachklärung.

Des Weiteren wies er darauf hin, dass bei einstufigen Belebungsanlagen die biologische Phosphorelimination ohne zusätzliche Maßnahmen nicht möglich ist. Auch wirkt Nitrat störend im Faulbehälter. Schließlich sei aus praktischer Sicht festzustellen, dass die in jüngster Zeit gebauten Kläranlagen bei über 20.000 EW im Regelfall über eine simultane aerobe Schlammstabilisierung verfügen und durch alternierende Belüftung die geschilderten negativen Betriebsauswirkungen vermindert werden.

Wenn Biologen der Meinung sind, dass für die Gewässer Nitrat keine Belastung darstellt, dann sollte auch auf die Festsetzung von Überwachungswerten verzichtet werden und die Denitrifikation nur soweit erfolgen, wie sie für den Betrieb der Kläranlage notwendig ist. Fragwürdig wird es, wenn nur zur Einhaltung der Überwachungswerte externe Kohlenstoffquellen (vorzugsweise auch Ethanol und Methanol) zugegeben werden müssen, wie es bereits jetzt in vielen Kläranlagen praktiziert wird.

…und Kontra

Während das Fachgebiet von Herrn Prof. Lützner die Abwasserbehandlung ist, hat sich Herr Prof. Uhlmann (als Verfasser des Standardwerkes „Hydrobiologie“ bekannt) darauf spezialisiert, die Probleme zu analysieren, die nach der Abwasserbehandlung im Gewässer zu beobachten sind.

In seinen Ausführungen stellte Herr Prof. Uhlmann die von Herrn Prof. Lützner angeführte Notwendigkeit einer Denitrifikation für die Stabilität des Reinigungsprozesses in Kläranlagen nicht in Frage. Er wies jedoch nachdrücklich auf sehr gut gesicherte Forschungsergebnisse hin, die belegen, dass Nitrat auch als Sauerstoffspender für das Gewässer eine wichtige Rolle spielt. Herr Prof. Uhlmann erläuterte in anschaulicher Weise, in welchen Fällen Nitrat als Pflanzennährstoff wirkt, aber auch dass Nitrat besonders wertvoll für die Sauerstoffversorgung von Sedimenten – die Schlammablagerungen in Seen und Meeren – ist.

Der gelöste Sauerstoff wird aufgrund der natürlichen Zehrungsprozesse an der Wasser- und Schlammgrenzschicht häufig schnell verbraucht.

Allein das Nitrat diffundiert in die tieferen Schlammschichten, so dass dort eine anoxische Nitratatmung ermöglicht wird.

Analog, wie dies in der Denitrifikationsstufe der Kläranlage erfolgt.

Wozu ist nun Sauerstoff – einschließlich Nitratsauerstoff – im Schlamm erforderlich?

Eine Sauerstoffversorgung der oberen Schlammschichten verhindert zum Beispiel, dass sedimentierte Phosphorverbindungen rückgelöst werden, ähnlich wie dies technisch mit der biologischen P-Eliminierung praktiziert wird.

So gesehen, ist Stickstoff in der Nitratform wohl kaum als eutrophierender Faktor zu werten.

An dem Disput beteiligten sich – neben zahlreichen Gästen und Studenten – auch Frau Professor Röske, Herr Professor Hackenberger sowie Herr Professor Benndorf, der die Veranstaltung moderierte.

Im Resümee verständigten sich die Teilnehmer dazu, dass einerseits eine Denitrifikation für den störungsfreien Kläranlagenbetrieb notwendig ist, andererseits aber Nitrat für die Sauerstoffversorgung der Sedimente in den Gewässern eine sehr wichtige Rolle spielt und man deshalb nur soweit denitrifizieren sollte, wie es betrieblich erforderlich ist.

Die Notwendigkeit einer gesetzlich vorgeschriebenen und behördlich kontrollierten Denitrifikation in Kläranlagen wurde von keinem Gesprächsteilnehmer gesehen.

Im Verlaufe wurde weiter diskutiert, dass in Anwendung der Ergebnisse das Tropfkörperverfahren eine Renaissance erleben könnte, weil mit Einführung der neuen Abwasserverordnung seit 01.04.1997 für Kläranlagen <= 10.000 EW die Denitrifikation nicht mehr erforderlich ist.

Fazit

Die Signale der Wissenschaftler der TU Dresden und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sind hochinteressant und werden hoffentlich bald in den Wassergesetzen vergegenständlicht.

Sollten sich in der Gesetzgebung einschließlich dem EU-Wasserrecht, bei den Ingenieuren und Behörden diese Erkenntnisse durchsetzen, könnte sich in der Abwasserbehandlung und der Gewässerpolitik das Reglement vereinfachen.

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Dinge und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müssen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

Auf jeden Fall ist aber die TU Dresden eine gute Adresse, wenn es gilt, neue Wege zu beschreiten.

(Uwe Halbach ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung)

Erschienen in der wwt 5 / 1997

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Kommentar nach 13 Jahren:

Inzwischen sind 13 Jahre vergangen und aus dem kleinen Wermutstropfen

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Dinge; und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müssen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

ist ein Fass Wermut geworden.

Ist dies nun ein Beweis oder ein Indiz dafür, dass bei der Nitrat-Doktrin die Gewissenhaften über die Verständigen siegten?

Ich glaube, hier wirkt die Bildung störend und wird deshalb einfach ignoriert. Der Ökologe und Buchautor, Herr Gärtner hat über diese fragwürdigen Methoden ein Buch geschrieben: Öko-Nihilismus. Zudem erlebe ich es als Gutachter recht häufig, dass Zusammenhänge, Verhältnisse und die Logik immer dann ausgeklammert werden, wenn es um gewissenhafte Vorsorge geht oder wenn Vorstellung und Glauben, die bzw. den man von der Natur hat, nicht den Tatsachen in der Natur entsprechen. Dann wird nicht etwa die Vorstellung von der Natur angepasst , sondern die das Weltbild störenden Tatsachen werden einfach ignoriert. Philosophisch gesehen ist die Leugnung unbequemer Tatsachen eine Tatsache und dem Menschen immanent. Platon mit seinem Höhlengleichnis bis hin zu Schopenhauer mit seinen Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ können als Beweis dafür dienen. Man muss diese menschlichen Bedürfnisse nur kennen. Für die Jugend dagegen ist es ein Frust, wenn sie ihre mühsam erarbeitete Bildung gegen Geschäftsinteressen und Ideologien entwertet sehen. Allerdings ist der Desillusionierungsprozess ein schleichender. Mancher erarbeitet ihn sich früher, mancher später, aber die meisten werden es nie begreifen. Und das ist aus bestimmten Gründen auch gut so…

Uwe Halbach am 23.03.2010




Integrierte Betrachtung – Bewertung in Einzugsgebieten – Wasserscheide

Bereits 1969 wurde im Osten Deutschlands – als es die EU noch nicht gab – ein Prinzip der EU-Wasserrahmenrichtlinie regional umgesetzt. Es handelte sich um das

Prinzip der integrierten Betrachtung von Einzugsgebieten, die nach hydrologischen Gesichtspunkten mit Hilfe von Wasserscheiden abgegrenzt werden.

Ort des Geschehens war die Ingenieurschule für Wasserwirtschaft in Magdeburg. Die Ingenieurschule hatte im Harz als eigenes hydrologisches Experimentierfeld ein kleines Einzugsgebiet eines Baches.

Ich war ebenfalls ein Studierender und Augenzeuge und so weiß ich von einigen Wochen, in denen hockten die Studenten abends über Messtischblättern und malten stundenlang „zu Fuß“ – also ohne Computer – Wasserscheiden in Messtischblätter ein. Der Dozent für Hydrologie wählte listigerweise Messtischblätter der Topographie des Harzes aus, wo die Bestimmung von Einzugsgebieten aufgrund des Gewirrs der Höhenlinien schon eine lästige Aufgabe war. Seit diesen Tagen besitze ich eine Lupe.

Einzugsgebiet der Wippervorsperre

Was sind nun Wasserscheiden? Um es einfach darzustellen:

Wasserscheiden sind Linien im Gelände, bei denen ein Wassertropfen, wenn er auf sie fällt, nicht weiß, in welche Richtung er rinnen darf oder muss.

Dem Tropfen geht es wie dem Esel von Buridan. (Noch umfänglicher informiert man sich über Wasserscheiden z. B. bei Wikipedia.)

Diese Ausführungen sollen nur einen kleinen Eindruck von der ausgezeichneten Qualifizierung der Wasserwirtschaftler der DDR vermitteln. Und so freut man sich natürlich, wenn auch die DDR-Wasserwirtschaft einen winzigen Beitrag zur Bewertung der Flussgebietseinheiten im Rahmen der EU-WRRL leisten durfte.

Dem sachlich und sehr informativ gehaltenen Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie von RUMM ist folgendes Zitat entnommen:

„Einen der Kernpunkte der WRRL und zugleich eine der wesentlichen Herausforderungen für die deutsche Wasserwirtschaft stellt die integrierte Betrachtung von nach hydrologischen Gesichtspunkten abgegrenzten Flussgebietseinheiten dar.

Diese Betrachtungsweise sprengt die in Deutschland traditionell stark an administrativen Zuständigkeiten und politischen Grenzen ausgerichtete Bewirtschaftung der Gewässer und erzwingt eine wesentlich intensivere Zusammenarbeit und Koordination zwischen den verschiedenen zuständigen Stellen innerhalb einer Flussgebietseinheit.

Nicht von ungefähr waren noch die ersten Entwürfe der Europäischen Kommission für die Richtlinie von der Schaffung von Flussgebietsorganisationen ausgegangen, die für die Erarbeitung und Umsetzung der Bewirtschaftungspläne für gesamte Flussgebietseinheiten zuständig sein sollten.

(Europäische Kommission 1997)

Quelle: Stratenwerth, Th.
Bewirtschaftung nationaler und internationaler Flussgebiete
aus Rumm, von Keitz und Schmalholz
Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie
2., neu bearbeitete und wesentlich erweiterte Auflage
Berlin, 2006 (Seite 59)

Ich beobachte allerdings immer wieder, dass Frachten aus Einzugsgebieten – trotz EU-WRRL – bei der wasserchemischen Bewertung in den Landkreisen nur sehr selten berücksichtigt werden.  Bei den Begründungen zur Verschärfung der Überwachungswerte werden wegen der Nichtbeachtung diesbezüglicher Hinweise in einschlägiger Fachliteratur Fehler in Größenordnungen von schätzungsweise 70…99 % gemacht, da die wesentlichen Frachten aus der Landwirtschaft, der Luft, dem Niederschlag und der Erosion nicht berücksichtigt werden.  Man konzentriert sich bei den Wünschen zur Minimierung der Stoffeinträge in Gewässer fast ausschließlich auf vernachlässigbare, meist kommunale Punktquellen. Damit wird gegen die Regelungen der EU-WRRL und gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen. Regelmäßig werden Entwässerungsgräben, Meliorationsgräben, Straßenentwässerungsgräben oder Bahnseitengräben mit schlechtesten hydromorphologischen Zuständen so behandelt, als würde es sich um einen besonders schützenswerten kristallklaren Gebirgsbach handeln, in dem auch noch Forellen laichen. Schließlich werden finanzielle Mittel der Abwasserbeseitigungspflichtigen in Größenordnungen verschwendet.




Harte Chemie im Kaffee – Chemischer Sauerstoffbedarf

Der CSB-Schadstoff macht – wie der folgende Fall beweist – selbst vor unseren Genussmitteln nicht Halt.

Einerseits ist die Überschreitung des CSB-Überwachungswertes um nur 1 mg CSB/l ein Straftatbestand der Gewässerverschmutzung. Andererseits trinkt der Bundesbürger jährlich durchschnittlich ca. 150 Liter Kaffee mit einem CSB von 13.500 mg /l.

Dem Internet ist eine Kaffeeanalyse eines renommierten Laboratoriums zu entnehmen. Auftraggeber war übrigens der Autor und Hintergrund der Versuch, ein Verwaltungsgericht im Rahmen eines Parteigutachtens von der Unschädlichkeit des CSB zu überzeugen.

Das Gericht stand kurz davor dem Landesverwaltungsamt nachzugeben und einen Abwasserzweckverband zur Zahlung einer zusätzlichen Abwasserabgabe zu verurteilen, weil die Elbe in Missachtung der beschränkten Möglichkeiten des Abwasserbeseitigungspflichtigen während des Hochwassers 2002 ungereinigt durch seine Kläranlage geflossen war und somit die CSB-Jahresschmutzfracht in eine astronomische Höhe trieb.

Der AZV hat übrigens aus anderen Gründen gewonnen. Das Parteigutachten kann erworben werden.

Wenn der CSB tatsächlich so schädlich ist – wie den zahlreichen Anhängen der Abwasserverordnung entnommen werden kann – wieso existieren wir dann noch?

Deutschland hatte 2009 etwa 82 Millionen Einwohner, die jährlich 166 Gg von dem „Gewässerschadstoff“ CSB in Form von Kaffee „in sich hineinkippen“, wobei 55 Gg biologisch leicht abbaubar sind. (1 Gg = 10^9 Gramm = Tausend Tonnen)

Anbeter der sanften Chemie würden im Kaffee extrem harte Verbindungen finden, denn gut die Hälfte des Kaffee-CSB ist biologisch stabil – wie ein Kieselstein – also nicht abbaubar und wir wissen davon nur Dank der Leistungen „harter Chemie“.

Selbst bei der falschen Annahme, der CSB wäre tatsächlich ein Maß für irgendeine Schadwirkung, dann wäre noch der Summeninterpretationsfehler zu vermeiden.

Der weitverbreitete Glaube, dass der CSB ein Schadstoff sei und sein Eingang in gesetzliche Regelungen ist schlüssiger Beweis für die Verbreitung von Ideologie und Pseudowissenschaft beim Gewässerschutz. Es kommt bei der Abwasserreinigung nicht nur darauf an, diese nach dem Stand der Technik zu betreiben, sondern viel wichtiger ist es dabei, auf dem Boden des Rationalen und der Wissenschaft zu bleiben. Der beste Stand der Technik ist im Eimer, wenn die Natur nicht das macht, was die Abwasserverordnung und die WRRL erwartet.

  • Wo liegt das Primat?
  • Verwaltungs- und Wasserrecht kontra Naturgesetze?

Welchen Effekt hat die teure Umweltbildung an unseren Hochschulen und Universitäten, wenn in der Praxis, in den Büros und Gerichtsräumen durch Glauben, Ideologie, Halbwissen, Vorsorge, Besorgnis und Nachhaltigkeit der Fleiß und die Bildung unserer Jugend entwertet wird? Milliarden wären zu sparen, allein dadurch, wenn vorhandenes Wissen unter Beachtung von Verhältnismäßigkeit und Effektivität in der Praxis umgesetzt werden dürfte.

Die Entideoligisierung des Umweltschutzes ist eine Forderung vieler Ingenieure und Naturwissenschaftler, die seit Jahren immer wieder leise vorgetragen wird. Aus gesellschaftlicher Sicht ist des Pudels Kern nicht anders zu beschreiben, als durch die Weiterführung eines uralten Kampfes zwischen Glauben und Wissen, wobei zum Einen der Glauben zumeist die stärkeren kommerziellen Vorteile auf seiner Seite weiß und zum anderen die Wissenden in der Minderheit sind und als Klügere eben eher nachgeben.

Kurzfristig gedacht, ist es volkswirtschaftlich gewertet auch völlig egal, ob die Mittel für den Gewässerschutz einen Effekt erzielen oder keinen haben. Hauptsache, das Geld fließt.

Und schließlich: Geschmunzelt werden kann darüber, dass ein beachtlicher Teil des Kaffee-CSB im Ablauf der Kläranlagen wieder zu finden ist und als Abwasserabgabe – in Form einer zweiten „Steuer“ – erneut berechnet wird.

(Siehe auch den Fachbeitrag von 2013 in der wwt.
Download: CSB – Beweismittel einer Gewässerverschmutzung?)

 

 

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