Eine Oma, eine Ente, viel Gülle und das Verschlechterungsverbot

Eine Million entenfütternde Omas gegen Biogasanlagen und die industrielle Landwirtschaft!

Glosse aus dem März 2012

Wer gewinnt?

Dumme Frage!

Die Oma jedenfalls nicht!

Soll dieser Erpel – auch wenn es ein Männchen ist – wirklich verhungern?

Wenn das Gutgemeinte in der Verwaltung zum Terror mutiert…

„Ein ehrsamer Bürger, tierlieb und Freund der bedrohten Natur, nimmt sich der Fütterung von Enten an, die an dem kleinen Flüsschen, das sich traut durch unser Tal windet, ihre Freizeit verbringen und gerne mal ein Bröcklein trocken Brot von der Laufkundschaft entgegennehmen.

Gemach, lieber Tierfreund! Du hast Entscheidendes nicht bedacht.

Zur Labung tierischen Federviehs bist du nicht berechtigt.

Das „Wasserhaushaltsgesetz“ verbietet nämlich grundsätzlich das „Einbringen fester Stoffe“ in das Flüsslein, um „gesundheitlichen Gefahren“ vorzubeugen.

Dies schien dich, lieber Tierfreund, nicht von deinen Liebesbezeugungen an das einfältige Federvieh abhalten zu können. Der Mann war, so der besorgte Leserbrief, „mit großen Mengen Futter“ zu Gange, in der irrigen Meinung, hier Gutes für Gottes quakende Geschöpfe zu tun. Völlig vergessen schien er zu haben, dass die Tiere dadurch „von ihrem natürlichen Lebensraum entwöhnt“ würden, indem sie, Kreuzfahrt-Touristen gleich, zu oft an Land gingen, um es sich dort gut gehen zu lassen.

Ach ja, dass der Tierfreund vielleicht ein einsamer Mensch ist, der den Umgang mit diesen Tieren braucht, um nicht in die Verzweiflungsfalle alternder Menschen zu geraten, braucht unsere Gesetzeslust und Prinzipientreue nicht zu stören. Gesetz ist Gesetz.“

Quelle: Deutschland – Land der Verbote, von Josef Hueber

Also rein menschlich gedacht:

Wir sollten zuallererst die Natur kennen, die wir verwalten möchten!

Das Drama wäre nicht passiert, wenn ein gewisses klitzekleines ökologisches Grundwissen bei der deutschen Verwaltung der Gewässer nicht die Ausnahme wäre.

Andererseits: Passiert wäre es schon, aber man hätte einfach weggeschaut und man muss nicht alles beweisbar wissen müssen.

Gleiche Latte angelegt, dann wäre es auch in mancher Verwaltung verständlich, dass selbst die lässlichen Sünden Millionen entenfütternder Omas im Verhältnis zu der Nährstoffschwemme der industriellen landwirtschaftlichen Produktion und aus den wohllöblichen Biogasanlagen völlig unbedeutend, aber menschlich und kulturell gesehen höchst wertvoll sind.

Als die Oma noch ein kleines Mädchen war, hat sie auch Enten gefüttert und keiner hat sich aufgeregt. (Insofern stimmt es schon, dass Deutschland immer schneller zu einer Verbotsrepublik mutiert.)

Dicke Enten schmecken nun mal besser.

Ich gestehe: Ich habe diesen Vogel gefüttert!

Und selbst wenn mal ein Fisch nach Luft schnappt.

Na und?

Dann bitte beweist erst einmal, dass ausschließlich die Enten fütternde Oma daran schuld war.

Zu dem:

  1. Wo bleibt die Ehrfucht vor dem Alter?
  2. Wer zählt die geschredderten Vögel in der Luft?
  3. Wer zählt die Millionen toten Fische, die wegen des Gewässerschutzes durch übermäßige Gewässerreinhaltung verhungern?

Auch sind viele Wassertiere auf partikulären BSB angewiesen, dessen Einleitung den Betreiber von Kläranlagen wiederum bei Strafe verboten  ist.

Und so könnten die Omas, wenn sie nun nicht gerade in Trinkwassertalsperren die Fische füttern, den vom Gewässer“schutz“ verursachten Artenrückgang wenigsten etwas entgegen setzen.

Der Argumentation in dem Beitrag „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ beruht auf einem Trugschluss.

Wäre nämlich die Argumentation korrekt, dann würde es allein genügen die Enten nicht zu füttern, um die Tiere (Fische) nicht zu töten. Denn mit der Folge

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

ist auch zu rechnen, wenn Enten nicht gefüttert werden.

Ganz so simpel, wie in dem Beitrag dargestellt, reagiert die Natur nicht.  Mitunter „kippen“ die Gewässer gerade dann besonders häufig um, wenn die Grünalgen durch zu sauberes Wasser keinen Nitratstickstoff erhalten. Dann bilden sich Blaualgen und die brauchen kein Entenfutter. Es genügt für sie, wenn Phosphor nur in Spuren vorkommt. Die Folge ist die Gleiche – mit oder ohne Oma:

„Die Folge ist ein übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten im Wasser und dies führt letztendlich zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Gewässer. In diesen Gewässern nimmt der Sauerstoffgehalt – der für den Abbau der organischen Substanz benötigt wird – ab.“

Insofern ist auch die Denitrifikation in den meisten Fällen keine Methode des Gewässerschutzes.

Aber das hat sich bei den „Gewässerschützern“, bei den Politikern und in den Verwaltungen noch nicht herumgesprochen.

Und zum Schluss:

Putzig ist auch diese Seite:  „Wasservögel“. (Ich lasse sie mal anonym.)

Im Text kann man lesen:

„Botulinus-Vergiftungen (Gift des Botulinus-Bakteriums, das im anaeroben Schlamm lebt) und das starke verschobene Geschlechterverhältnis erschweren die Existenz (der Enten) zusätzlich.“

und einer Bild-Unterschrift, dargestellt Oma mit Kind, kann man entnehmen:

„Das Füttern von Enten sollte kleinen Kindern vorbehalten sein.“

Warum, so fragt man sich?

Hat man zu viele Omas oder sind Kinder wiederstandsfähiger gegen Botulinus-Vergiftungen?

Ist es nicht auch Diskriminierung der Oma gegenüber dem Kind?

Soll das Kind gleich lernen, dass die Oma nicht das darf, was ein Kind darf?

Befürchtet man, dass Oma und/oder Kind den Botulinus-Schlamm essen oder könnte das Kind eine tote Botulinus-Ente streicheln oder gar in sie hineinbeißen?

Kinder machen so etwas!

Bei den Blaualgen – sie kommen im Sommer wieder in Mode – glauben die Medien ja auch, dass Kinder und sogar Erwachsene den Blaulagenschlamm in sich hinein löffeln und sich in ihm wälzen, wie Schweine in der Suhle.

Gäbe es keine Botulinus-Vergiftungen, wenn Oma bzw. das omageleitete Kind die Enten nicht füttern würde?

Natürlich nicht.

Es motzt jeden schwach recherchierten Artikel etwas auf, wenn man an eine Stelle – egal ob sie nun  passt oder nicht – das Wörtchen „Gift“ hineinstreuselt.

Und die Verwendung eines Fremdwortes, wie z. B. „Botulinus“, lässt erst recht auf Kompetenz schließen.

Um einem Mann Angst einzujagen hätte es einer nicht so umfangreichen Erklärung in „Wer Enten füttert, tötet Tiere“ bedurft. Es hätte genügt:

  • Ente nicht füttern
  • Botulinus
  • Fisch tot
  • Oma und Kind vergiftet

Also immer schön unverständlich bleiben und Angst verbreiten, damit niemand auf den Gedanken kommt sich etwa seines Lebens zu freuen.

Angst und Dummheit beim Kunden sind die halbe Miete beim Geschäft, bei dem die Medien zumeist kräftig mit verdienen.

Und es kommt nicht darauf an, ob eine Botschaft wahr ist.  Dafür interessieren sich sowieso nur wenige Menschen am Rande der Gesellschaft.

Es genügt für den Zweck die Botschaft zu verbreiten und diese oft genug zu wiederholen.

***

(Sachlicher Link zu Botulinus: „Verursacher des Botulismus ist das Bakterium Clostridium botulinum, das in Böden und Schlamm weltweit verbreitet ist.“ )





Zustandsbewertung der Gewässer – Ökologischer Einklang

Ooom

Zum „ökologischen Einklang“ folgendes Zitat:

„Unberücksichtigt bleiben der Zusammenhang zwischen Stabilität und Mangel, der größere Änderungen einfach verhindert, und die tatsächlichen Ungleichgewichte in der Natur, ohne die sie gar nicht funktionieren könnte. Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, daß es ausgerechnet die »balancierten« mittleren Zustände sind, die zwar als solche wünschenswert wären, sich aber nicht so recht einstellen lassen. Das erste Beispiel liefert die Belastung und Reinhaltung von Seen Eingeleitete Abwässer düngten seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten, bis die Folgen sichtbar wurden. Die anfänglich sauberen Gewässer drohten zu »kippen«, was bedeuten sollte, daß sie vom nährstoffarmen, sauberen Zustand in einen nährstoffreichen, schmutzigen hinüberwechselten oder daß dieser Wechsel bevorstand. Durch Ringkanalisationen und starke Verminderung der Abwässerzufuhr ließ sich dieses Kippen in zahlreichen Fällen verhindern. Die Seen wurden wieder sauberer, aber nun nahmen auch die Fischerträge (stark) ab. Denn nährstoffarme Seen sind unproduktiv, weil in ihnen Mangel an Nährstoffen herrscht. Das ist gut für die Gewinnung von Trinkwasser aus dem See sowie für den Bade- und Erholungsbetrieb, nicht aber für die Fischerei und für die (zu schützenden) Wasservögel, für die bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier. All diesen geht es im nährstoffreichen See weitaus besser. Fische gibt es in Hülle und Fülle; Wasservögel auch und diese ohne nennenswerte Konflikte mit der Fischerei zu verursachen. Beide Zustände kann der See nicht gleichzeitig einnehmen. Er ist entweder nährstoffarm (oligotroph) und unproduktiv oder nährstoffreich (eutroph) und produktiv. Entweder — oder? Dazwischen liegt doch der mittlere Zustand, mesotroph genannt Er verbindet gute Produktivität mit sauberem Wasser, weil im Idealfall all das wieder um- und abgebaut wird, was im Sommer produziert worden ist. Doch dieser Mittelzustand erweist sich als instabil. Er geht rasch in den einen oder in den anderen über. Nur mit außerordentlich (und unrealistisch) hohem Aufwand ließe er sich aufrechterhalten. Stabile Zustände sind Nährstoffreichtum und -armut. Ist so ein See ein Sonderfall? Durchaus nicht. Nährstoffreiche und nährstoffarme Zustände sortieren sich allüberall in der Natur.“ Reichholf [1]

Also:

Den Zustandsbewertungen lt. EU WRRL scheint es in erheblichem Umfang an ökologischen Grundlagen zu fehlen.

Gemeint sind die Grundlagen der wissenschaftlichen Ökologie.

Die Weise, wie die EU WRRL mitunter umgesetzt und verstanden wird, führt ins wunderbare Chaos. Man wundert sich, warum es nicht gelingt mit guten wasserchemischen Zuständen gute biologische Zustände für „bedrohten Muscheln, Libellen, Krebse und anderes Wassergetier“ zu gewährleisten. Es scheint unmöglich der Gewässerverwaltung zu vermitteln, dass ein guter Zustand häufig die Verschlechterung eines anderen Zustandes verursachen kann.

Der Ökologe Herr Prof. Reichholf steht mit seinen o.g. Tatsachenbewertungen nicht allein. Siehe auch den Beitrag zur Mistbiene.

Quelle:
[1] Stabile Ungleichgewichte.
Die Ökologie der Zukunft.
Josef H. Reichholf
edition unseld
SV
1. Auflage 2008
(S.111-112)




Stand der Technik auf Madeira

Eine Glosse

Lumpenschieber: Stand der Technik auf Madeira?

Na klar!

Dieses tolle 2-Wege-Absperrorgan – einen Lumpenschieber nämlich – fand ich bei einer Wanderung durch eine Ortschaft der Insel Madeira.

Bestimmte Dinge sind nur aus der Entfernung korrekt zu bewerten.

Überraschen kann dabei das Umschlagen der Meinungen in dem Maße, wie man sich vom betrachtetem Gegenstand oder Zusammenhang räumlich oder zeitlich entfernt.

So ist es auch mit der Bewertung des Lumpenschiebers.

Aus deutscher Sicht der Techniker ist es Schrott, aber bei Betrachtung in der Ferne einfach genial!

Der Techniker hasst das Geniale, weil es oft zu einfach ist.

Interessant ist neben dem unvergänglichem Stand der Technik auch die kulturhistorische Bedeutung, die sich jedem Betrachter auf Anhieb erschließen sollte.

Madeirischer Lumpenschieber nach dem Stand der Technik

Madeirischer Lumpenschieber ist Stand der Technik (Verteilung des Wassers aus einer Levada auf verschiedene Felder)

Merkmale und Nutzen des madeirischen 2-Wege-Absperrorgans

Die Merkmale des madeirischen 2-Wege-Absperrorgans springen ins Auge:

Er ist einfach, kinderleicht zu bedienen, man benötigt keine Sach- und Fachkunde.

Es genügt, wenn Papa dem Kleinen sagt: „Mach hin! Un tu die Steine wech!

Mehr Sachkunde braucht der Vierjährige nicht.

Fachkunde ist unnötig.

Da muss kein Schalter umgelegt werden und kein Nullleiter ans Gehäuse. FI-Schalter braucht das Ding nicht.

Hier macht Arbeiten noch Spaß und der Junge lernt etwas von klein auf.

Mancher deutsche Techniker wird wegen der niedrigen Anforderungen lästern. Stand der Technik?

Wer lacht?

Weise ist vorschnelles Verurteilen mit Gewissheit nicht.

Es sind die leisen Töne, die die Musik machen!

Diese Technik des Lumpenschiebers ist jedenfalls mehr Stand der Technik als der Stand der Technik mancherlei vollbiologischer Kleinkläranlage, die zudem in der Praxis manchmal anders funktioniert als auf dem Prüffeld.

Stand der Technik bei der Klärschlammverwertung – eine Bemerkung am Rande!

Auch die Begründung eines Standes der Technik bei der „Klärschlammverzauberung“ ist aufschlussreich.

Wird hier mit Macht und Kompetenz ein Problem geschaffen und veredelt, das vorher nicht da war?

Wo bitte sind die Klärschlammtoten und die vom Klärschlammgenuss Dahinsiechenden?

Negativatest der Tatsachen:

Wenn einer dem Klärschlamm und der Gülle lebendig ausgesetzt wurde, dann war es doch zweifellos der Ostdeutsche.

Aber dieser Holzmichel ist „putz und munter“ und vor allem: Er lebt immer noch!

Könnte es sein, dass dem Klärschlammnovellenaktionismus der Nutzen fehlt?  Jede Aktion ohne Nutzen ist unverhältnismäßig.

Wir lesen seit Jahren darüber Begründungen, wie toll es ist Klärschlamm zu verbrennen.

Nur, die Wahrheit braucht keine Begründungen und das macht nicht nur mich nachdenklich.

Vor- oder/und  nachschüssige Geschäfte mit der Technik

Wie das bei den Technikern so ist, fast alle denken ans vor- oder nachschüssige Geschäft mit der Technik.

Ich meine aber, das ist nicht verwerflich, weil für die Dummheit der Käufer schlecht die Verkäufer verantwortlich zu machen sind.

Allein fürs „techniken“ bekommt der Techniker kein Brötchen. Erst wenn er sein Zeug verkaufen kann, dann rollt der Rubel.

Und dem Markt sowie auch vielen Technikkäufern ist es schnurzpiepe, ob die Technik unnütz und nicht zweckmäßig ist, aber nur wenn es gelingt, ein gutes Gefühl mit zu verkaufen.

Manche geben sogar Geld aus nur für’s gute Gefühl.

Da kann man doch den Verkäufer nicht tadeln!  Der Mann ist echt gut! Solche Leute wollen wir doch!

In der Politik, an den Wahltagen, wird es vorgemacht. Was soll dann daran schlecht sein? Wir zahlen nachschüssig wenigstens (!) Steuern für ein gutes Gefühl, dass wir bei unserer Wahlentscheidung hatten.

Der letzte Schrei der Technik eher selten Stand der Technik

Doch zurück zur Technik. Und so fällt den Wenigsten auf, dass der letzte Schrei der Technik eher selten Stand der Technik ist. Es ist der Schrei eines Verzweifelten, dem nichts Vernünftiges einfiel. Aber fast alle haben so ein herrliches Gefühl im Herzen und oft vorher oder nach dem guten Gefühl einige hundert Euro weniger im Portemonnaie.

Und bei behördlichen und kommerziellen Bewertungen genügt meist als Argument, wenn der Stand der Technik z. B. folgende lustige Merkmale hat:

  • Große Bautafel aus nachwachsenden Rohstoffen mit der Beschriftung: „Garantiert gut Öko!“
  • maximale Wirkungsgrade
  • Elektronik
  • blinkende grüne oder rote Lämpchen
  • Technik optimiert mit Industriecomputer
  • maximale Wartung
  • Edelstahl
  • 100 % dicht
  • automatische Selbstanzeige bei Überwachungswertüberschreitung
  • in der Bemessung am Besten ein Integral, das keiner versteht
  • Bei der Konstruktion werden aber auch alle DIN’s, Regeln der Technik und… beachtet
  • Der gesunde Menschenverstand wurde versteckt eingebaut
  • Einzementierung der Lügen und Halbwahrheiten durch häufiges Wiederholen und Nachbeten. (Meist gilt: Je länger die Begründung, desto größer die Lüge.)

Warum gibt es diesen merkwürdigen Stand in der Wasserwirtschaft?

Gesetz nicht bis zu Ende gelesen

Es wurde wieder mal nicht bis zu Ende gelesen und diesmal bei der Definition des Standes der Technik.

Na? Was fehlt?

Die Verhältnismäßigkeit natürlich!

Zugegeben, es ist eine Sünde des Gesetzgebers, dass er bei der Formulierung des Standes der Technik

  1. die Begriffsdefinition für den Normalbürger unverständlich definierte und
  2. die Verhältnissmäßigkeit nicht an die erste Stelle als notwendige Prämisse

genannt hat.

Es ist überhaupt blöd, Begriffe zu formulieren, deren wahrscheinliche Deutung Nachdenken erfordert.

Verhältnismäßigkeitsbeweis des Lumpenschiebers

Nachdem wir nun den Nutzen des Lumpenschiebers erörtert haben, ist es Zeit sich den Kosten zuzuwenden.

Was haben wir da?

Es sind zwei Wackersteine von der Güte, die dem bösen Wolf in den Bauch genäht wurden. Sie erinnern sich? „Jetzt geht und sucht Wackersteine, damit wollen wir dem gottlosen Tier den Bauch füllen, solange es noch im Schlafe liegt.

Und dann haben wir noch einige Lumpen.

Also, wenn wir für das Zusammentragen für Beides 5 € einschließlich Märchensteuer veranschlagen, dann wissen wir, das die deutsche Industrie wohl kaum einen 2-Wegeschieber für 5 € bei dem angegebenen Nutzen herzustellen vermag.

Damit ist der Lumpenschieber aus Madeira für den konkreten Einsatzfall Stand der Technik! Da beisst die Maus keinen Faden ab.

Gewissenhafte und Verständige

Tja und nun wird es Ernst. Hand auf’s Herz:

Wer (allein oder als Arbeitsgruppe) hat einen Abwasserteich (kommunales Eigentum) auf dem Gewissen, der deshalb außer Betrieb genommen wurde, weil er angeblich nicht Stand der Technik sei? Und das ohne den Verhältnismäßigkeitsbeweis erbracht zu haben. Hier hat ein Gericht über etwas ganz ähnlich Schlimmes geurteilt:

Danach hat die Verwaltung die Verhältnismäßigkeit ihres Eingriffs stets unter den Gesichtspunkten der Geeignetheit, Erforderlichkeit und des Übermaßverbotes zu beachten.

(Auch wenn das kommunale Eigentum schon abgeschrieben sein sollte, ist es deshalb nicht wertlos! Es fängt gerade an, besonders interessant für die Bürger zu werden.)

Nun sind wir ans Ende der Einlassung gekommen. Von den anfänglichen vieleicht 10 Lesern, wird sicher nur noch einer bis hierhin gefolgt sein, wenn überhaupt.

Wer das weiß, der schreibt nur für diesen Einen, Gleichgesinnten.

Und für ihn kommt das Beste zum Schluss:

Da denke ich an zwei Sachverständige:

Nicolás Gómez Dávila:Den Hohlkopf beeindruckt nur das Allerneueste. Für den klugen Menschen hängt nichts vom Datum ab.“

Friedrich Nietzsche:  „Seinem Gewissen zu folgen ist bequemer als seinem Verstand: denn es hat bei jedem Misserfolg eine Entschuldigung und Aufheiterung in sich, – darum gibt es < > so viele Gewissenhafte gegen so wenig Verständige.“

____________________

P.S.:
Der Lumpenschieber wurde hier gefunden: Madeira

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Keine Angst vor Abstraktionen!

„Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einer aktuellen Entscheidung zu der Frage Stellung genommen, ob neue DIN-Normen sofort zu einer Nachrüstpflicht bei Unternehmen führen. Im konkreten Fall ging es um eine Klägerin, die sich an einer halbautomatischen Glastür verletzt hatte.“

„Nicht jeder abstrakten Gefahr könne vorgebeugt werden.“

Quelle: HDI-Gerling Industrie Versicherung AG

 

 




Effizienz wasserwirtschaftlicher Maßnahmen in Ökosystemen

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen müssen effizient sein.

Das ist naheliegend und auch der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu entnehmen. Im Anhang III (Wirtschaftliche Analyse) der Richtlinie wurde formuliert: „Die wirtschaftliche Analyse muss (unter Berücksichtigung der Kosten für die Erhebung der betreffenden Daten) genügend Informationen in ausreichender Detailliertheit enthalten, damit

a)
die einschlägigen Berechnungen durchgeführt werden können, die erforderlich sind, um dem Grundsatz der Deckung der Kosten der Wasserdienstleistungen gemäß Artikel 9 unter Berücksichtigung der langfristigen Voraussagen für das Angebot und die Nachfrage von Wasser in der Flussgebietseinheit Rechnung zu tragen; erforderlichenfalls wird auch Folgendem Rechnung getragen:

– den Schätzungen der Menge, der Preise und der Kosten im Zusammenhang mit den Wasserdienstleistungen,
– den Schätzungen der einschlägigen Investitionen einschließlich der entsprechenden Vorausplanungen;
b)
die in Bezug auf die Wassernutzung kosteneffizientesten Kombinationen der in das Maßnahmenprogramm nach Artikel 11 aufzunehmenden Maßnahmen auf der Grundlage von Schätzungen ihrer potentiellen Kosten beurteilt werden können.“

Erfahrungen und Referenzen

Für diese nachvollziehbaren Effizienznachweise besitzen wir langjährige Erfahrungen und nutzen auch interdisziplinäre Zu- bzw. Mitarbeit.

Die Methode

Methodisch wird dabei u. a. der zusätzliche Nutzen, seine Wahrscheinlichkeit definiert und dies in das Verhältnis zu den voraussichtlichen zusätzlichen Kosten gesetzt.

Ausgangspunkt ist eine ökologisch korrekte Prüfung oder Bewertung für einen konkreten Organismus und/oder für dessen Habitat.

Dabei konzentrieren wir uns auf Tiere im und am Wasser.

Der Schwerpunkt

Letztlich geht es darum zu untersuchen:

Sind die geplanten meist zusätzlichen Schutzmaßnahmen hinreichend nützlich für den konkreten Zielorganismus sowie verhältnismäßig und verstoßen sie nicht gegen das Sparsamkeitsprinzip?

Tiere im und am Wasser

 

 




Ein offensichtlich sehr sauberes Gewässer

Der Holzbach im Vogtland bei Weißensand – Gedanken beim Morgenspaziergang

Die Bewertung der Gewässer ist Arbeitsgebiet mannigfaltiger Experten. Dabei wird das Gewässer anhand von Regeln geprüft. Entspricht das Gewässer den Regeln, dann ist alles gut. Mitunter sind zur Gewässerbewertung auch keine Experten notwendig. Dann nämlich, wenn der Wanderer Mut und Freude dabei hat, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.  So kann er damit beginnen nachzudenken, warum es z. B. zahlreiche saubere Gewässer gibt und kein Mensch sich darüber freut.

18_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Mäander des Holzbaches kommen häufig vor.

Wie erkennen wir ohne Biologiestudium hinreichend genau einen sauberen Bach?

Nun, durch Anschaung. Sehen, riechen, nachdenken und kosten! Um saubere Gewässer zu erkennen, muss der Wanderer kein Wasserwirtschaftler sein. Es genügt in aller Regel, wenn er schaut und riecht.

Eine Regel ist abstrakt! Der Experte kennt das Konkrete im Einzelfall!

Dazu ein kleiner Ausflug zur Bedeutung einer Regel. Regeln beim „Gewässerschutz“ werden oft begründet, indem die Lebendigkeit, Dynamik und Vielfalt der Natur auf eine leicht zu merkende, bequeme und möglichst effizient umzusetzende Einfalt – auf eine Regel nämlich – reduziert wird.  Denn Einfalt aus wasserwirtschaftlichem Nichtwissen und völliger Ahnungslosigkeit verleihen der Regel scheinbare Bedeutsamkeit. Die Naturgesetze sind leider vielfältig und die Natur kennt keinen Konsens. Wer also offenen Auges durch die Landschaft geht, sieht die zahlreichen „Schiffbrüche“. Regeln oder Vorschriften  des Menschen straft die Natur duch Missachtung. Hier grenzt die Weltanschauung an den Glauben und Ideologie, wenn wir Mensch und Natur trennen.  Der Mensch ist Teil der Natur und er verändert sein Ökoystem genauso wie ein Bieber Bäume fällt und Dämme errichtet.

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Sehr klares Wasser des Holzbaches

 Der Holzbach – ein Einzelfall.

Versuchen wir konkret zu werden. Zunächst wäre zu prüfen, ob der Holzbach schön aussieht. Das tut er zweifellos. Das Einzigste was regulär stört, ist die nahe Wiese. Eine Wiese, selbst wenn seltene Blumen auf ihr wachsen, ist natürlich nicht natürlich. Ich finde Wiesen einerseits schön. Andererseits gibt es aber extreme Menschen, die hassen Menschen und damit auch seine Wiesen. Wie man also sieht, kommt es bei der Gewässerbewertung auch auf den Standpunkt an.

Das Wasser des Holzbaches ist klar. Auch der Porenzwischenraum der Bachsohle ist sauber, nicht veralgt und nicht verschlammt. Ein guter Lebensraum für Fischnährtiere, andererseits wollen die Bachflohkrebse auch die eine oder andere Alge fressen. Diese reichen nicht für alle!

Nicht zu vermitteln ist der Geruch des Wassers. Sein Wasser ist aber geruchlos, so wie es sein soll.

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Der Holzbach am 07.02. 2015

 Sauberes Wasser ist tödlich!

Sauberes Wasser hat einen oft verschwiegenen Nachteil: Es ist für Fische zumeist tödlich. Sie verhungern, wenn sie nicht ab und zu in etwas „verunreinigte“ Gewässerabschnitte schwimmen können oder dürfen.

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Ein vereister Abschnitt.

 Der Holzbach mündet in die Göltzsch.

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Das Mündungsdelta des Holzbaches in die Göltzsch.

Man erkennt auch hier keinerlei Schlammablagerungen.

Die Abschnitte des Holzbaches im dunklen Wald.

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Auch hier klares Wasser

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Holzbach oberhalb der Holzbachbrücke – Februar 2015

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Der Göltzschtalwanderweg von Mylau nach Weißensand an der Holzbachbrücke – Februar 2015

29 Holzbach_U_Halbach_Febrau 2015

Die Weißensander Autobahnbrücke (A72) bebüschelt und im Gegenlicht

Nun, da wir jetzt auch hier sind, möchte ich die Eindrücke von der Göltzsch zum Schluss nicht vorenthalten.

Die Göltzsch:

10_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen)

11_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Die Göltzsch nach Weißensand (Sachsen)

06_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Nistgelegenheiten für den Eisvogel am Prallhang

04_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen) – Ablagerungen nach dem letzten Hochwasser

03_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Die Göltzsch bei Weißensand (Sachsen)

01_Holzbach_U_Halbach_Februar_2015

Der alte Bahndamm an der Göltzsch bei Weißensand (Sachsen) im Gegenlicht.

Bei nächster Gelegenheit wird von anderen Abschnitten des Holzbaches berichtet. Vielleicht wenn es wärmer ist.

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Ein alter Göltzschtalbaum am Ufer der Göltzsch, die deshalb Göltzsch heißt, weil es hier noch Göltzsch (Gold) gibt!

 




Verschlechterungsverbot

Abstrakte Ziele sind zumeist Ursache für willkürliche Entscheidungen und willkürliches Handeln

Einige Überlegungen:

  1. Wenn als Prämisse gilt, dass wasserwirtschaftliche Entscheidungen auf wissenschaftlicher Grundlage zu fällen sind, dann ist das abstrakte Verschlechterungsverbot als Argument wegen seiner Abstraktheit recht fragwürdig.
  2. Ein wasserwirtschaftlich wertvolles Instrument wird das Verschlechterungsverbot dagegen, wenn es nicht abstrakt, sondern konkret begründet wird. Das ist möglich, wenn das Verschlechterungsverbot z. B. auf den Erhalt und den Schutz bestimmter (konkreter) Tier- oder Pflanzenarten und auf die Erhaltung der dafür notwendigen Lebensbedingungen in ihren komplexen Ökosystem gerichtet wird. Erst in ihrer konkreten Modifikation wird das Verschlechterungsverbot mit ökologischen Methoden definierbar. Es wird nun möglich, die Konsequenzen eines Zustandes z. B. für eine konkrete Tierart zu bewerten.
  3. Diese Bewertung liegt allerdings eher im gesellschaftlichen  Interesse, denn innerhalb der Wissenschaft „Ökologie“ gibt es (nicht nur) nach LAMPERT keinen Grund, einen bestimmten historischen Zustand eines Ökosystems oder der gesamten Biosphäre als „Sollzustand“ festzusetzen.
  4. Dem Abstrakten fehlt die sachliche Grundlage.
  5. Abstrakte Ziele entziehen sich einer Nutzensbewertung und damit einer Bewertung der Wirtschaftlichkeit bzw. Wasserwirtschaftlichkeit.
  6. Willkürlich ist etwas, dem die sachliche Grundlage fehlt.
  7. Willkür ist  sachlich nicht prüfbar und Willkür entzieht sich den Gesetzen der Logik.
  8. Willkürliches Entscheiden und willkürliches Handeln ist dem Staat lt. Grundgesetz verboten.
  9. Abstrakte Ziele sind immer ein Grund nachdenklich, misstrauisch und vorsichtig zu werden.
  10. Präfixe, wie z. B. Bio und Öko begründen meist ein Geschäft oder eine Ideologie.



Kosten-Nutzen Überlegungen zur Abwasserfiltration

Helmut Kroiss, Wien
Kosten-Nutzen Überlegungen zur Abwasserfiltration

22. Essener Tagung für Wasser- und Abfallwirtschaft
vom 13.03. – 15.03.1996 in Erfurt
Gewässerschutz – Wasser – AbwasserBand 156
Seite 25/1 – 25/12
Aachen 1996

Auszug als pdf-Datei




Inventur des Anlagevermögens

An die Durchführung der Inventur werden eine Reihe grundsätzlicher Erfordernisse, wie die Ordnungsmäßigkeit gestellt.

Die wesentlichen Grundsätze einer ordnungsgemäßen Inventur sind:

  • Vollständigkeit der Bestandsaufnahme
  • Richtigkeit der Bestandsaufnahme
  • Einzelerfassung und Bewertung
  • Nachprüfbarkeit der Bestandsaufnahme
  • Grundsatz der Klarheit und
  • Grundsatz der Wirtschaftlichkeit

Siehe auch:

Inventur – Anlagen der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung

Inventurplanung

Buch- oder Beleginventur und körperliche Inventur

Einführung eines neuen kommunalen Haushalts- und Rechnungswesens




Risikominimierung

Typisch für die neuen Bundesländer ist, dass zunächst weniger eine aufwendige Betriebsführung zu einer Kostenexplosion bei der Abwasserentsorgung führt, sondern diese ist in erster Linie auf riskante Investitionsentscheidungen zurückzuführen.

Investitionsentscheidungen der Verbände und Kommunen stellen sich meist deshalb als falsch heraus, weil die Wirtschaftlichkeit abwassertechnischer Lösungen mit ungenügenden Rechenmethoden ermittelt wurde. In der Regel wurde und wird auch heute noch gegen das grundlegendste und einfachste Gesetz der Investitionslehre verstoßen:

Jede Investition beinhaltet grundsätzlich Risiken!

Dieser Beitrag gilt für Investitionen oder Entscheidungen, die Auswirkungen auf die Betriebskosten haben – für Unternehmen, Kommunen und Verbände gleichermaßen.

Investitionsentscheidungen sind immer unsichere Entscheidungen. Ein Unternehmen, Kommunen oder Verbände geben heute Geld aus und hoffen, die Investition morgen refinanzieren zu können.

Im Unterschied zu den Kommunen und Verbänden ist den Unternehmen die Problematik des Entscheidungsrisikos geläufiger.

Kollektiven Investitionsentscheidungen haftet oftmals der Makel von riskanten Entscheidungen an, weil u. a. Investitionen im Abwasserbereich meist langfristige Investitionen sind und es durchaus normal ist, dass Entscheidungsträger wechseln, Sachentscheidungen politisch-wirtschaftlichen Einflüssen unterliegen und die Strategie sowie Kontrolle unkontrolliert Dritten überlassen wird. Entscheidungsträgerkollektive haben seltener persönliche Konsequenzen ihrer Fehlentscheidungen zu befürchten und neigen sicher auch deshalb häufiger zu riskanten und unüberlegten Entscheidungen – so zeigt es jedenfalls die Geschichte vieler Abwasserinvestitionen in den neuen Bundesländern.

Hier ist ein Ansatzpunkt für ortsansässige Unternehmen. Sie sollten möglichst rechtzeitig auf derartige riskante kommunale und verbandliche Entscheidungen hinweisen, indem sie u. a. die negativen Konsequenzen auf die Unternehmen darstellen und ihre Erfahrungen bei der Investitionsvorbereitung mit einbringen.

Im Grunde ist es so, dass der Investitions- und Dienstleistungsdrang einer Unternehmensgruppe in der Regel die Kosten einer anderen Unternehmensgruppe mit beeinflusst.

Ungünstig für das Anliegen der neuen Bundesländer ist die eingeschränkte Möglichkeit der Fehlerkorrektur durch die Entscheidungsträger selbst, weil damit auch die Schuldfrage als Nebenprodukt geklärt werden könnte. Nachteilig ist dies insofern, weil nur aus einer Ursachenanalyse ein Heilungskonzept für Fehlinvestitionen erarbeitet werden kann. Somit ist es häufig, dass Fehler und Mängel nur halbherzig oder gar nicht korrigiert werden.

Nachteilig nicht nur für die Unternehmen ist außerdem, dass ein Verband oder eine Kommune gar nicht gezwungen ist, wirtschaftlich zu arbeiten. Er oder sie muss nur kostendeckend arbeiten und das ist eben im Vergleich zur „freien Wirtschaft“ ein entscheidender Unterschied.

Aus Prüfungen in anderen Bundesländern ist bekannt, dass selbst große Verbände mit vermeintlich günstigen Abwasserkosten um 100 % überhöhte Betriebskosten aufweisen. Das sind Tatsachen, die kostenrelevante Entscheidungen zusätzlich unsicher machen und eine Ursache dafür sind, dass kleine Kommunen größere Abwasserzweckverbände verlassen, weil sie Bedenken vor einer nicht mehr steuerbaren Kostenentwicklung haben.

Das beträchtliche Risiko am Beispiel einer Kläranlageninvestitionsentscheidung lässt sich relativ unkompliziert an einem Fall verdeutlichen, in dem der Einfachheit halber angenommen wird, für die Refinanzierung der Kläranlage seien nur 3 Ereignisse erforderlich, die gleichzeitig eintreten müssen, um keine Gebührenunterdeckung zu riskieren:

  • Die für die Kläranlageninvestition maßgebend berücksichtigten industriellen Abwassereinleiter bleiben während der gesamten Abschreibungsdauer der Kläranlage dem Abwasserentsorgungsverpflichteten als Refinanzierungspotenzial erhalten. (D. h., die Unternehmen gehen nicht konkurs oder wechseln einfach den Wirtschaftsstandort.)
  • Die in Aussicht genommenen Verbandsgemeinden „bleiben bei der Stange“.
  • Es gelingt auch tatsächlich, alle für die Finanzierung in Aussicht genommenen Grundstückseigentümer hinreichend schnell (!) an die Kläranlage anzuschließen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass jedes der 3 Ereignisse auch tatsächlich für sich eintritt, wird optimistisch mit 80 % bewertet.

Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung resultiert die Gesamtwahrscheinlichkeit aus dem Produkt der Einzelwahrscheinlichkeiten demnach zu nur 51 %. Wenn dann z.B. noch als 4. Kriterium, von dem man sich wünscht, dass es eintritt, der damals mit 150 l/Ed angenommene Wasserverbrauch sich nicht auf den heute aktuellen Wert von 70…90 l/Ed reduzieren darf, dann beträgt die Gesamtwahrscheinlichkeit, dass eine Refinanzierung gelingt, 40 % und spiegelt damit die Situation anschaulich wider, in der sich viele Verbände der neuen Bundesländer gerade befinden!

Das Gesamtinvestitionsrisiko ist dadurch zu senken, indem weniger investiert wird und die Investitionen in nutzungsfähige Einzelabschnitte unterteilt werden, deren Refinanzierung durch die Bürger abgesichert sein muss.

Es wird deshalb geraten, sich durch rechtzeitige Fallunterscheidungen und Analysen nicht monetärer Entscheidungsaspekte leidenschaftslos einen Überblick von den tatsächlichen Risiken zu verschaffen.

Nicht die Ereignisse – für den Fall, dass alle Annahmen und Wünsche eintreten – sind in erster Linie relevant, sondern bedeutungsvoll ist primär, was passiert, wenn die ungünstigen Ereignisse Realität werden!

Solche Betrachtungen haben natürlich nur Sinn, wenn sie vor den Investitionsentscheidungen angestellt werden.
Insofern sollte sich auch ein Abwasserzweckverband von einer einfachen zu einer komplizierteren Lösung über einen längeren Zeitraum entwickeln, wobei sich der Kompliziertheitsgrad in Grenzen halten muss!

In den neuen Bundesländern zeichnet sich deutlich ab, dass die

  • Arbeitslosigkeit,
  • fehlende gewerbliche und industrielle Entwicklung,
  • sehr geringe Finanzkraft der Gemeinden,
  • ungenügende Höhe von Eigenkapital,
  • keine Zeit für Eigenkapitalbildung,
  • Risiko des Rückganges der Bezuschussung,
  • Bedenken hinsichtlich der Komplexität der angefangenen Investitionen,
  • noch nicht hinreichende Erfahrungen in den Kommunen, Abwasserzweckverbänden und auch der Unternehmen bei der Investitionssteuerung, insbesondere von Abwasseranlagen

    zu den allgemeinen nicht monetären Aspekten und allgemeinen Risikofaktoren gezählt werden können.

    Uwe Halbach




    Prämisse der Prüffähigkeit einer Planung

    Zur Beachtung!

    Eine Planung ist nur in dem Punkt prüffähig, wie die betreffende Leistung in der Planung auch hinreichend dokumentiert wurde.

    Besonders bei dem sehr wichtigen Anspruchsnachweis der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit einer Planung ist es notwendig, dass ein hinreichender Beweis der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit in der Planung oder in vorgeschalteten bzw. parallelen Leistungen dokumentiert wurde.

    Ebenso wenig wie eine nicht vorhandene Statik geprüft werden kann, kann auch die Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit der Planung bei nicht vorhandener Dokumentation der Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit geprüft werden.

    Nach Auffassung des Sachverständigen ist bei einer Prüfung auf Mängelfreiheit der Planungsphasen 5 bis 9 auch die Mängelfreiheit der davor liegenden Leistungsbilder zu untersuchen. Der Beweis ergibt sich daraus, weil neben den a.a.R.d.T. auch der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit einer Planung eine zentrale Bedeutung zukommt. Die Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit wird aber überwiegend durch die Mängelfreiheit der Planungsphasen 1 und 2 bestimmt.

    Das bedeutet, dass z. B. die Planungsleistung „Bauoberleitung“ formell mängelfrei und sogar vorbildlich sein kann, inhaltlich aber durchaus wesentliche Mängel aufweist.




    Membranfiltrationsanlagen an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit

    Der nachfolgende Artikel wurde mit freundlicher Empfehlung vom EUWID Wasser und Abwasser bereitgestellt

    Membranfiltrationsanlagen an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit

    Erftverband kalkuliert mit Betriebskosten von 0,29 €/m³ Schmutzwasser

    Nach Einschätzung des Erftverbandes stehen großtechnische Membranbelebungsanlagen mittlerweile an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit. Heute sei die Wirtschaftlichkeit noch nicht ganz gegeben. Wenn die Preisentwicklung so fortschreite, wie es sich in den letzten drei Jahren abgezeichnet hat, werde die Wirtschaftlichkeit jedoch spätestens Mitte dieses Jahrzehnts erreicht, berichtete Norbert Engelhardt, Erftverband, Ende März auf der Essener Tagung für Wasser- und Abfallwirtschaft.

    Engelhardt betonte dabei, dass sich der Vergleich zwischen Membrananlagen und konventionellen Kläranlagen nur bei hohen Anforderungen an die Ablaufqualität des gereinigten Abwassers rechne. Bei dieser Ausgangsbasis sprächen die Investitionskosten schon heute für Membrananlagen. Noch würden diese Vorteile aber durch die Membranersatzkosten und die im Vergleich höheren Betriebskosten überkompensiert, so Engelhardt.

    Er verwies dabei auf das sich im Bau befindliche Gruppenklärwerk Nordkanal des Erftverbandes. Das auf 80.000 Einwohnerwerte ausgelegte Klärwerk muss aufgrund der geringen Eigenwasserführung und anderer Randbedingungen strenge Ablaufwerte einhalten. Bei der durchgeführten Ausschreibung wurden dem Erftverband Angebote für verschiedene Verfahren eingereicht. Die angebotenen Herstellungskosten für die Kläranlage als Membranbelebungsanlage beliefen sich auf 21,2 Mio €. Für eine konventionelle Kläranlage mit anaerober Schlammbehandlung hätte der Verband 23,6 Mio € investieren müssen, für eine konventionelle Anlage mit simultaner aerober Schlammstabilisation 21,8 Mio €.

    Die spezifischen Betriebskosten der Membrananlage belaufen sich ohne den Membranersatz laut Erftverband auf knapp 1,7 Mio € jährlich; 0,29 €/m€ Schmutzwasser beziehungsweise 0,24 €/m³ Abwasser. Deutlich niedriger sind hier die spezifischen Betriebskosten der konventionellen Kläranlagen. Für eine Anlage mit Flockungsfiltration und anaerober Schlammbehandlung lauten die Vergleichswerte 0,24 €/m³ (Schmutzwasser) und 0,20 €/m³ Abwasser; für eine Anlage mit simultaner aerober Schlammstabilisation 0,27 €/m³ und 0,23 €/m³.

    Im Rahmen des Vergabeverfahrens erhielt der Erftverband schließlich drei wertbare Angebote für eine Membranbelebungsanlage, die Investitionskosten bewegten sich zwischen 20,3 Mio € und 22,1 Mio €. Die spezifischen Investitionskosten je Einwohner betrugen damit zwischen 255 und 277 €. Bei der konventionellen Lösung fallen 278 bis 297 € je Einwohner an. Die Betriebskosten wurden bei den drei Membrananlagen mit 20,5 bis 21,5 € je Einwohnerwert kalkuliert, bei der konventionellen Anlage mit anaerober Schlammbehandlung auf 17,4 € je Einwohnerwert, bei der konventionellen Belebungsanlage mit aerober Schlammstabilisierung auf 19,9 €/m³.

    Aus diesen Werten errechnete der Erftverband für die konventionellen Lösungen Abwasserkosten von 0,46 €/m³. Diesen Wert würde die Membrananlage bei einer angenommenen Nutzungsdauer der Membrane von fünf Jahren nur erreichen, wenn die Membranersatzkosten maximal 5,1 €/m² betragen. Bei einer Nutzungsdauer von acht Jahren wäre Membranersatzkosten von 9,7 €/m² tragbar. Beide Werte sind derzeit unrealistisch.Aufgrund der vom Land Nordrhein-Westfalen gewährten Investitionsförderung von 6,4 Mio € war für den Erftverband die Wirtschaftlichkeit jedoch auch unter Berücksichtigung realistischer Membranersatzkosten die Wirtschaftlichkeit machbar. Bei der fünfjährigen Nutzungsdauer dürften die Membranersatzkosten bei maximal 33,2 €/m² liegen, bei der achtjährigen Nutzungsdauer bei maximal 61,9 €/m². Die Erstinvestitionskosten für das Klärwerk Nordkanal beliefen sich auf 63,9 €/m².

    Kontakt: Erftverband, Norbert Engelhardt, Paffendorfer Weg 42, 50126 Bergheim.

    Erschienen in der Zeitschrift EUWID – Wasser-Abwasser 07
    Europäischer Wirtschaftsdienst GmbH
    Bleichstr. 20-22
    D-76593 Gernsbach
    Tel.: 0 72 24/93 97-0
    Fax: 0 72 24/93 97-904
    www.euwid-wasser.de
    wasser@euwid.de

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