Prophezeiung von künftigen Gewässerzuständen

Die Ergebnisse der Gewässerzustandsbewertungen fließen häufig in Computermodelle ein, um zu beweisen, dass mit einer bestimmten Änderung wasserchemischer Parameter ein notwendiger Zielzustand erreicht wird. Dabei wird das Risiko, dass der Nutzen tatsächlich eintritt oder dass das Ziel überhaupt erreicht werden kann, entweder nicht untersucht oder verschwiegen.

Eine seriöse wissenschaftliche Prognose wäre es dann, wenn der Wahrheitswert angegeben wurde.

Oftmals ist es aber auch so, dass der Wahrheitswert der Prognose auf dem Weg von seiner wissenschaftlichen „Befruchtung“ hin zu seiner kommerziellen „Geburt“ einfach verloren ging, vielleicht auch deshalb, weil die Ungewißheit der Botschaft den Kunden in seinem Kaufverhalten stören könnte? Wer braucht schon nachdenkliche Käufer?

Nicolás Gómez Dávila (Auf verlorenem Posten – Karolinger Verlag, gebundene Ausgabe – 1992) brachte es auf den Punkt:

Wer bedenkenlos Prophezeiungen macht, hat eine Schwindelei im Sinn.

 

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Das Risko der Gewässergüte“vorhersagung“ ist mitunter Produkt aus 3 wesentlichen Risikofaktoren:

  1. Kein Mensch kann die Zukunft vorhersehen.
  2. Auch bei Nutzung von Computermodellen ist keine Gewissheit möglich.
  3. In der Regel wird beim Gewässerschutz nicht bewiesen, dass es mit dem Computermodell gelingt, bekannte vergangene  Zustände zu beschreiben. Man weissagt oft mit Modellen die Zukunft, die aber nur  selten in der Lage sind, die Vergangenheit zu beschreiben.  So erfreuen sich auch primitive Mischungsberechungen als Beweis zur Notwendigkeit einer Verschärfung von Überwachungswerten zunehmender Beliebtheit.

Das Verschweigen der Risiken bei der Zielsetzung kollidiert grob fahrlässig mit dem gesetzlich formulierten Sparsamkeitsprinzip.

Ob das wirklich so und ob es gewiss ist, darüber kann man reden und man muss einen vorsorglich nachhaltigen Konsens finden.

Dieses Dilemma ist aber bislang noch niemanden aufgefallen, weil eine solche Art der Zielsetzung von der Verantwortung für das resultierende Investitionsrisiko geschickt getrennt wurde.

Analoge Mängel und Risiken scheint es nebenbei bemerkt auch bei der Prognose des Klimawandels zu geben. Und es wäre ein Wunder, wenn nicht! Lennart Bengtsson:

Die Klimaerwärmung ist bis jetzt kein ernsthaftes Problem, wenn wir uns auf Beobachtungen stützen. Problematisch wird sie nur, wenn wir uns auf Modellsimulationen beziehen.

Quelle:
Lennart Bengtsson
Wissenschaft und Politik des Klimawandels,
Neue Zürcher Zeitung
Montag, 14. April 2014

Lennart Bengtsson war bis 1990 Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg.
Nach seiner Emeritierung hat er unter anderem die Abteilung Erdwissenschaften am International Space Science Institute in Bern geleitet.

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