Der nachfolgende Artikel wurde mit freundlicher Empfehlung vom EUWID Wasser und Abwasser bereitgestellt.

Landwirtschaft für Klärschlammverwertung

Die Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Leipzig, plädiert für eine Fortsetzung der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung. Als Gründe führte Rolf Mönicke, Fachbereich Landwirtschaftliche Untersuchungen, auf der ATV-DVWK-Konferenz „Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung“ Ende Januar in Kassel die knappen weltweiten Phosphorressourcen und die angespannte finanzielle Lage der Landwirtschaft an.

Nach seinen Berechnungen stammen derzeit 13,1 Prozent (rund 24.000 Tonnen) des Phosphor-Mineraldüngereinsatzes in der Landwirtschaft auf Klärschlamm, die bei einem Ausbringungsverbot durch Phosphor-Dünger ersetzt werden müssten. Die Rückführung von Phosphor gewinne zudem durch die Verbrennung von Tierkörpermehl in Folge der BSE-Krise einen zusätzlichen Stellenwert. Mit dem Tierkörpermehl würden jährlich in Deutschland etwa 28.500 Tonnen Phosphor aus dem landwirtschaftlichen Stoffkreislauf ausgeschleust. Bei einem Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung müssten die Landwirte jährlich 52.200 Tonnen Phosphor als Mineraldünger zusätzlich aufbringen. Nach derzeitiger Preisstruktur seien dies Kosten von 53,4 Mio €, rechnete Mönicke vor. Angesichts der schnell abnehmenden Weltvorräte und der völligen Importabhängigkeit Deutschlands bei Phosphor werde es jedoch nicht bei den derzeitigen Preisen bleiben. Es bestehe somit die gesellschaftliche Pflicht, von dem im Klärschlamm enthaltenden Phosphor so viel wie möglich in den Stoffkreislauf zurückzuführen, betonte Mönicke.

Das Argument der teilweise mangelnden Pflanzenverfügbarkeit des Phosphors im Klärschlamm hält Mönicke zumindest mittelfristig für nicht haltbar. Es komme der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung sehr entgegen, dass die chemische P-Fällung, die durch die Bildung von Fe- oder Al-phosphat und freien Fe- und Al-Ionen die Pflanzenverfügbarkeit des Phosphors beeinträchtigen könne, sich auf dem Rückzug befinde, so Mönicke. Nach Recherchen der Landesanstalt wird die chemische P-Fällung in Sachsen nur noch in rund 20 Prozent der Kläranlagen ausschließlich angewendet. Hohe Betriebsmittel- und Entsorgungskosten, die Versalzung der Vorfluter sowie der Schwermetalleintrag führten im Zuge von Neubau und Rekonstruktion von Kläranlagen zur verstärkten Anwendung der biologischen P-Eliminierung.

Erschienen in der Zeitschrift „euwid“  Ausgabe Wasser-Abwasser Nr. 03 vom 5.2. 2002

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