Inhalt:

  • Komplexität als Risiko
  • Fehlentwicklungen im dünnbesiedelten Raum
  • Kosten- und Risikofaktor „Trinkwasserhygiene“
  • Kosten- und Risikofaktor „Kanalreinigung“ – Steigerung der Abwassergebühren
  • Substitution von Trinkwasser im Haushalt?
  • Die Lösung des Problems!
  • mögliches Maß der Regenwassernutzung
  • öffentliches Trinkwassernetz ist kaum niedriger zu dimensionieren!
  • Literaturverzeichnis
  • Zusammenfassung

In der Fachliteratur sind über die Vorzüge der Regenwasserbewirtschaftung viele Untersuchungen und Hinweise zu finden.

Im nachstehenden Beitrag werden insbesondere die Nachteile und Risiken angesprochen, die im Einzelfall sicherlich keineswegs alle relevant sind, die aber vor der Investitionsentscheidung einer Regenwasserbewirtschaftung auf jeden Fall analysiert, bewertet und ggf. berücksichtigt werden sollten!

Auf Risiken und außergewöhnliche Probleme hat man sich insbesondere dann einzustellen und vorzubereiten, wenn eine erhebliche Senkung des Trinkwasserverbrauches im Versorgungsgebiet zu prognostizieren ist.

Bei allem Verständnis der Bemühungen zur Regenwassernutzung darf nicht übersehen werden, dass die Regenwasserbewirtschaftung – wie jede Sache, auch wenn sie über das optimale Maß hinaus betrieben wird – meist zu bedeutenden Nachteilen führt.

Fehlentwicklungen haben aus Refinanzierungsgründen bekanntlich im dünnbesiedelten Raum und in Kleinstädten eher nachteilige Konsequenzen, als in einer größeren Stadt.

Kausalitäten zur Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung sind bei der Regenwasserbewirtschaftung unbedingt zu beachten und bei Vergleichen sowie Variantenuntersuchungen monetär und nicht monetär zu berücksichtigen.

Es ist auszuschließen, dass Kostenvorteile bei der Regenwassernutzung einerseits – herausgearbeitet im Rahmen von Variantenuntersuchungen zwischen der Regenwasserbewirtschaftung und konventionellen Verfahren – nicht andererseits zu einer Kosten- und Risikoerhöhung bei der Trinkwasserversorgung, Abwasserableitung und Abwasserbehandlung führen.

Diese Gefahr ist aufgrund der Komplexität kaum zu überblickender kausaler Prozesse nicht zu unterschätzen!

Absolut sicher lässt sich eine erheblichen Kostensteigerung der Trink- und Abwassergebühren – besonders im ländlichen Raum – prognostizieren, wenn in Größenordnungen der Trinkwasserverbrauch und die Abwassermenge gesenkt wird, um Kosten zu sparen.

Der Ansatz, Regenwasserbewirtschaftung vorrangig zu betreiben, um Trinkwasser- und Abwassergebühren zu sparen, ist also grundlegend falsch und führt mittelfristig zum gegenteiligen Effekt.

Der bessere Weg ist Wasser so preiswert zu machen, dass eine Trinkwassersubstitution durch Regenwassernutzung für unwirtschaftlich wird.

Im Folgenden werden nun einige Szenarien geschildert, deren Eintreten bei unverhältnismäßiger Regenwassernutzung grundsätzlich nicht auszuschließen sind.

Kosten- und Risikofaktor „Trinkwasserhygiene“

Mit einer Nutzung des Regenwassers im Haushalt und Garten kann Trinkwasser eingespart werden.

Dabei ist aus hygienischen Gründen eine Substitution nur dort möglich, wo keine Trinkwasserqualität erforderlich ist.

So ist ein Einsatz von Regenwasser als Gartenbewässerung, zur Toilettenspülung und zum Wäsche waschen denkbar.

Dadurch können nach Literaturangaben bis zu 50% der Trinkwassermenge durch Regenwasser ersetzt werden [1, 11,12,19, 39].

Einer solchen Substitution von Trinkwasser durch Regenwasser im Haushalt stehen nicht nur hygienische Bedenken entgegen.

Auch aus der Sicht der Wasserversorger wird dem mit berechtigter Skepsis begegnet [46].

Der Trinkwasserverbrauch in Deutschland liegt im Vergleich mit anderen europäischen Staaten im Mittel und kann keineswegs als überhöht angesehen werden [12].

Der Verbrauch ist in den neuen Bundesländern als Folge von Preisanstieg und Rückgang der Industrieproduktion drastisch gesunken. (Stellungnahme des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 08.07.1993 in [12]).

In Brandenburg z. B. verbraucht der durchschnittliche Einwohner zwischen 89 und 110 Liter Trinkwasser pro Tag und liegt damit im Verbrauch im unteren Bereich von Westeuropa [31].

Eine Reduktion des Trinkwasserverbrauchs über das übliche Maß hinaus, führt zu längeren Standzeiten des Wassers im Netz.

Damit einhergehend sind hygienische Bedenken an die Qualität des Trinkwassers anzumelden.

So können sich mit langen Stagnationszeiten im Wasser wieder Keime ansiedeln, woraus sich eine gesundheitliche Beeinträchtigung der Allgemeinheit ergeben kann.

Daneben ist bei langen Verweilzeiten eine biologische Ammoniumoxidation möglich.

Dabei entsteht Nitrit, das besonders bei Säuglingen und Kleinkindern als bedenklich gilt [8].

Es sind erhebliche Pflege- und Spülmaßnahmen zur Aufrechterhaltung des hohen Qualitätsstandards erforderlich.

Dadurch ist sogar denkbar, dass aufgrund der Rohrnetzspülungen gar keine Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs erzielt wird [12].

Als Konsequenz wird daraus oft gefordert, das öffentliche Trinkwassernetz niedriger zu dimensionieren.

Das ist aber aus zwei Gründen nicht möglich.

Erstens muss das öffentliche Trinkwassernetz auf den maximalen Verbrauch ausgelegt sein.

Dieser wird in den Sommermonaten erreicht, wo das Regenwasserangebot oft über Wochen durch fehlende Niederschläge stark eingeschränkt ist.

Es ist folglich keine Minimierung der Verbrauchsspitze zu erwarten.

Zweitens ist das Trinkwassernetz in Städten auch darauf ausgelegt, im Brandfall die Feuerwehr mit Löschwasser zu versorgen.

Die sich hieraus ergebende Überdimensionierung ist ein wichtiger Bestandteil des Notfallschutzes.

Eine Reduzierung des Leitungsquerschnittes ist nur dann möglich, wenn die maximal benötigte Wasser- und Löschwasserversorgung gewährleistet bleibt.

Die notwendige doppelte Netzführung in einem Haushalt mit Regenwassernutzung birgt die Gefahr von Fehlanschlüssen.

Nach DIN 1988 ist keine Verbindung zwischen Brauch- und Trinkwassernetz zulässig.

Es ist auf Dauer jedoch nicht wirklich ausgeschlossen, das ein Fehlanschluss entsteht und mit Keimen belastetes Regenwasser in das öffentliche Trinkwassernetz eindringt [12, 39].

Als Argument zur Verwendung von Regenwasser wird oft eine Kostenersparnis angeführt.

Tatsächlich ist jedoch eine Abhängigkeit des Trinkwasserpreises vom Verbrauch gering, da der Wasserpreis zu 90% aus Fixkosten besteht!

Im Gegenteil, bei einem Absatzrückgang werden die spezifischen Kosten pro m3 (Trink- und Abwassergebühren) steigen und somit die eigenen Einsparungen auf Kosten des Nachbarn ausgetragen [12, 31, 46].

Aus all diesen Argumenten ist ersichtlich, dass eine Regenwassernutzung und Substitution von Trinkwasser im Haushalt keine wirklichen Vorteile bringt.

Der Einsatz von Regenwasser muss sogar als ökonomisch und ökologisch fragwürdig angezweifelt werden.

Für die Nutzung zur Gartenbewässerung steht dem jedoch kein gewichtiges Argument im Wege.

Im Folgenden – ein weiterer Kosten- und Risikofaktor, der hier zwar weniger umfänglich dargestellt wurde, aber in seinen finanziellen Konsequenzen die Kostenerhöhungen bei der Trinkwasserversorgung weit übersteigen dürften.

Kosten- und Risikofaktor „Kanalreinigung“

Überwiegend kommt bei der Abwasserableitung die Schwemmkanalisation zum Einsatz.

Wird Wasser gespart – aus welchen Gründen auch immer – bleiben besonders viele Fäkalien im Kanal liegen.

Die Auswirkungen:

  • Das Abwasser fault und die Behandlungskosten auf der Kläranlage steigen.
  • Es gibt Geruchsbelästigungen.
  • Hygienische Probleme nehmen zu.
  • Die Kosten für die Kanalreinigung steigen spürbar.
  • In der Konsequenz ist eine zusätzliche Steigerung der Abwassergebühren und -beiträge notwendig.

Die Intensität, mit der eine Regenwassernutzung ohne erhebliche Nachteile betrieben werden kann, ist also in erster Linie abhängig

  • von den Bedingungen im Versorgungsgebiet des Wasserversorgers und
  • von den Bedingungen im Einzugsgebiet des Abwasserentsorgers.

Es versteht sich von selbst, dass man diese Bedingungen vor Entscheidungen über eine Regenwassernutzung genauestens in ihrer Reaktion und Sensibilität analysieren muss, bevor die Regenwasserbewirtschaftung im großen Stil geplant oder gar umgesetzt wird.

Die Lösung des Problems:

Es kommt allein auf das richtige Maß an!

Um es zusammenzufassen:

  • Der sparsame Umgang regelt sich primär über die Höhe der Beiträge, Gebühren und Preise.
  • Es ist in Deutschland nicht nur unnötig, sondern auch schädlich das Wassersparen zu thematisieren!
  • Wassersparen ist in Deutschland nur auf Kosten des Nachbarn möglich.
  • Wassersparen führt zu einer zusätzlichen Steigerung der Beiträge, Gebühren und der Preise.

Literaturverzeichnis

[1]
König, Klaus W.
Regenwassernutzung
Ein Handbuch für Planer, Handwerker und Bauherren
mallbeton-Verlag, 2000, 5. Auflage, ISBN 3-9803502-0-7

[8]
ATV-Fachausschuss 2.1
Stickstoff und Phosphor in Fließgewässern
Korrespondenz Abwasser (Arbeitsbericht), 1987, Heft 11, S. 1215/1223

[11]
fbr-wasserspiegel
Zeitschrift der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e. V.
Juni 1999, Heft 2, ISSN 1436-0632

[12]
Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N Hannover
Regenwassernutzung
Schriftenreihe 1993, Heft 14

[19]
Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie und Bundesangelegenheiten
Nutzung von Regenwasser
April 1994, 7. Auflage, ISBN 3-89274-044-5

[31]
Hartmann
Entwicklung von Trinkwasserbedarf und –verbrauch im Land Brandenburg
Vortrag anlässlich der Tagung zu Stagnationsproblemen im Trinkwasserbereich
Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg, 1998

[39]
Mönninghoff, H.
Wege zur ökologischen Wasserversorgung
ökobuch Verlag, 1993, 1. Auflage, ISBN 9-922964-53-2

[46]
Landeshauptstadt Hannover – Der Oberbürgermeister – Umweltdezernat
Wasserkonzept für Hannover – Leitlinien –
Schriftenreihe kommunaler Umweltschutz Heft Nr. 15, Dezember 1996

 

Werdau, den 19.05.2000

Uwe Halbach
Dipl.-Ing. (FH); Dipl.-Ök.

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