Regeln sind wichtig. Sie dienen der Orientierung.

Daraus aber abzuleiten sie wären wichtiger als Ausnahmen, wäre ein Trugschluss, denn z. B. der Fortschritt  – als Ausnahme von der Regel (?) – ist Verdienst Weniger.

Zeigt sich die Dummheit der Mehrheit in ihrer Abneigung gegen den Fortschritt in dem Widerspruch, dass gerade der Fortschritt ihre geistige Trägheit überhaupt erst ermöglicht? Sollte sie nicht jenes, was ihr ein schönes und sattes Leben in geheizten Wohnzimmern gestattet, fördern?

Aber die Mehrheit kennt keine Ausnahmen und bekämpft sie auf das Äußerste!

Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang, was Friedrich Schiller den Fürst Leo Saphia im Demetrius so Nachdenkliches über Mehr- und Minderheiten sagen lässt:

„Die Mehrheit?

Was ist die Mehrheit?

Mehrheit ist der Unsinn; Verstand ist stets bei Wen’gen nur gewesen.

Bekümmert sich um’s Ganze, wer nichts hat?

Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl? Er muss dem Mächtigen, der ihn bezahlt, Um Brot und Stiefel seine Stimm‘ verkaufen.

Man soll die Stimmen wägen, und nicht zählen; Der Staat muss untergehen, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.“

So gesehen ist Schiller eine Ausnahme.

Lebte er heute würde man ihn morden, wenn nicht körperlich, so doch zumindest seinen Ruf.

Ein induktiver Schluss, aber mit einer Wahrscheinlichkeit mit zwei Neunen vor dem Komma und ungezählter Neunen nach diesem.

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