DDR-Patent Behandlung organischer Abwässer und Schlämme

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Verfahren zum Behandeln von organischen Substraten wie z.B. tierische unbehandelte Abprodukte, hoch konzentrierte Abwässer u. a. durch mikrobiologischen Stoffwechsel zeichnet sich dadurch aus, daß das organische Substrat in einem gemeinsamen Reaktionsraum gleichzeitig der aeroben und anaeroben Behandlung unterworfen wird. Es wird eine limitierte Sauerstoffmenge eingetragen, die nur einem Teil das aerobe Reagieren ermöglicht.

Anmeldung am 22.07.1982

Patentinhaber

Uwe Halbach
heute im Institut für Wasserwirtschaft Halbach

Die Patentfrist ist abgelaufen. Die Urheberrechte gelten noch.

Titel

Verfahren zum Behandeln von organischen Substraten

Anwendungsgebiet

Die Erfindung bezieht sich auf das Behandeln von organischen Substraten, wie tierische unbehandelte Abprodukte mit und ohne Verdünnung, flüssige Rückstände tierischer Abprodukte vor oder nach einer vorherigen mechanischen Behandlung, wie z.B. Absetzen, Sieben, Zentrifugieren, hoch konzentrierter Abwässer, wie z.B. Futtersiloabwässer, Rückstände einer Abwasserbehandlung wie Schlämme mit einem organischen Anteil der Trockenmasse von größer als fünfundvierzig Prozent im Sinne eines mikrobiologischen Stoffwechsels.

Charakteristik der bekannten technischen Lösungen

Ein bekanntes Verfahren zur Behandlung von organischen Substraten ist das Verfahren der getrennten aeroben Schlammstabilisierung. Dabei wird der Überschußschlamm in einem Becken mit Sauerstoff begast. Durch aerobe mikrobielle Stoffwechselprozesse kommt es nach längerer Reaktionszeit von ca. 10 Tagen zu einer Stabilisierung des Überschußschlammes. Der Sauerstoffeintrag ist dabei immer etwas größer als der Sauerstoffbedarf. Nachteilig bei diesem Verfahren ist der hohe Energiebedarf für den Sauerstoffeintrag während der gesamten Reaktionszeit.

Ein Verfahren zur Schlammfaulung ist in der DD-EB 140 740 beschrieben, bei dem nach einer aeroben Vorbehandlung eine anaerobe Nachbehandlung erfolgt. Der zu behandelnde Schlamm wird in einem Reaktor mit Sauerstoff begast. In einem nachgeschalteten zweiten Reaktor erfolgt die anaerobe Behandlung des Schlammes im mesophilen Bereich. Dabei entsteht Biogas. Dieser Reaktor ist ein geschlossener Behälter. Ein Teil des Biogases wird verbrannt. Die entstehende Wärme wird dem Reaktionsbehälter zugeführt und dient der Aufrechterhaltung der anaeroben Prozesse.

Nachteilig an diesem Verfahren ist ein sehr großer apparativer Ausrüstungsaufwand, hoher Bedienungsaufwand und großer sicherheitstechnischer Aufwand. Weiterhin ist die Beseitigung von Schwimmdecken und Sandablagerungen problematisch.

Ziel der Erfindung

Ziel der Erfindung ist es, ein ökonomisch günstigeres Verfahren zur Behandlung von organischen Substraten zu schaffen.

Darlegung des Wesens der Erfindung

Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zum Behandeln von organischen Substraten zu schaffen, bei dem gegenüber dem aeroben Verfahren der Sauerstoffeintrag gesenkt wird und gegenüber dem anaeroben Verfahren der apparative Aufwand und der Bedien-, Wartungs- und sicherheitstechnische Aufwand verringert wird. Weiterhin soll das Entstehen von Schwimmdecken vermieden und die Beseitigung von Ablagerungen erleichtert werden.

Erfindungsgemäß wird das organische Substrat in einen vorgesehenen Reaktionsraum eingebracht. Der Reaktionsraum besteht in zweckmäßiger Weise aus einem offenen Behälter, der in seinen Maßen und seiner Form einen guten Sauerstoffeintrag und ein gutes Umwälzen des Substrates ermöglicht. Anschließend wird in das organische Substrat Sauerstoff, vorzugsweise Luftsauerstoff, eingetragen und das Substrat einer Umwälzung unterworfen. Die Umwälzung ist notwendig, damit der eingetragene Sauerstoff gleichmäßig im Reaktionsraum verteilt wird und damit Absetzvorgänge verhindert werden. Der Sauerstoffeintrag erfolgt in einer solchen Menge, daß nur einem Teil des organischen Substrates ein aerobes Reagieren ermöglicht wird. Die bei diesem Prozeß entstehende Reaktionswärme ermöglicht es, dem anderen Teil des organischen Substrates ohne weitere Einflußnahme gleichzeitig intensiv anaerob, d.h. ohne gasförmigen Sauerstoff zu reagieren. Der Sauerstoffeintrag ist so bemessen, daß die Reaktionswärme des dadurch aerob reagierenden organischen Substrates ausreicht, den anderen Teil des organischen Substrates anaerob reagieren zu lassen.

Das behandelte Substrat wird nach abgeschlossener Reaktion dem Reaktionsraum entnommen und gegebenenfalls nach einer Entwässerung einer landwirtschaftlichen oder anderen Verwertung zugeführt.

Die Vorteile dieses Verfahrens bestehen darin, daß bedingt durch das gleichzeitige nebeneinander Ablaufen der aeroben wie anaeroben Prozesse in einem gemeinsamen Reaktionsraum die Reaktionswärme des aeroben Prozesses ohne zusätzlichen apparativen Aufwand für den anaeroben Prozeß zur Verfügung steht und damit auch keine weitere Energiezuführung notwendig ist.

 Patentanspruch

Verfahren zum Behandeln von organischen Substraten durch aerobe und anaerobe Stoffwechselprozesse dadurch gekennzeichnet, daß das organische Substrat in einem gemeinsamen Reaktionsraum gleichzeitig einer aeroben und einer Behandlung ohne Sauerstoff unterworfen wird, wobei eine limitierte Sauerstoffmenge eingetragen wird, die ein aerobes Reagieren nur eines Teils des organischen Substrates in soweit ermöglicht, daß die dadurch entstehende Reaktionswärme dazu führt, daß das Substrat auf ein solches Temperaturniveau angehoben wird, daß auch der andere Teil des Substrates trotz Sauerstoffunterangebot reagieren kann.

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Bemerkungen zur Entdeckung

Die wissenschaftlichen Ergebnisse zu diesem Patent wurden an einer großtechnischen Versuchsanlage zur aeroben Hühnergüllebehandlung im damaligen VEB KIM Halle-Gutenberg gewonnen. Die Anlage bestand aus

  • Fugatbehälter
  • Intensivstufe
  • vorgeschaltete Denitrifikation
  • Nitrifikation
  • Nachklärung
  • Pumpstation
  • zwei mobile, bestens ausgerüstete Laborwagen

Analysiert wurde vor Ort u. a.

  • TS-Konzentration
  • BSB5
  • CSB
  • Dehydrogenaseaktivität
  • Viskostät
  • organischer Kohlenstoff mittels Infralyt
  • CO2-Respiration online im Reaktor mittels Infralyt
  • mikroskopische Bild

Das Forschungsthema wurde im Institut für Geflügelwirtschaft Merbitz bearbeitet. Konsultativ wirkte die TU Dresden, Sektion Wasserwesen mit.

Der hochbelastetet Intensivreaktor hatte ein Nutzvolumen von 80 m³ und erreichte allein durch den aeroben Stoffwechsel Reaktionstemperaturen über 60 °C.

Beschickt wurde der Reaktor mit Hühnergüllefugat.

Das Patent beruht u. a. auf der zunächst unerklärlichen Entdeckung, dass der BSB5-Abbau im Intensivreaktor in Größenordnung jene Grenze überschritt, die mit dem Sauerstoffeintrag durch den sog. Saugkreisel nach Dr. Franz oder dem Druckstrahler nach Dr. Langhans (siehe Foto am Ende des Beitrages) überhaupt möglich war.

Das Sauerstoffeintragsvermögen wurde großtechnisch zunächst durch Sulfid-Oxidation und danach mittels Sauerstoffkonzentrationsmessung bei Wiederbelüftung durch mehrmalige Messungen genauestens erfasst.

Die Zu- und Ablauffrachten wurden in 24-h-Mischproben täglich gemessen bzw. berechnet.

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Sauerstoffeintrag mittels Druckstrahler nach einem Patent von Herrn Dr. Langhans. Hier außer Betrieb.  (Foto: U. Halbach)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




SBR-Kläranlagen

Einbeckenkläranlagen schon längere Zeit zu zweit

SBR-Anlagen – früher hießen sie in deutscher Sprache  „Einbeckenkläranlagen“ – stammen ursprünglich aus der industriellen Abwasserbehandlung, die in diesen Fällen dadurch gekennzeichnet war, dass Abwasser nur in 8 oder 10 Stunden anfiel und an arbeitsfreien Tagen gar nicht.

So war es eine elegante Lösung mit nur einem Behälter alle Reinigungsaufgaben bewältigen zu können.

In dem Bestreben, die Anlagen aber auch in Bereichen einsetzen zu können, in denen rund um die Uhr Abwasser anfiel, wurden derartige Verfahren dadurch verschlechtert (verkompliziert), dass Einbeckenkläranlagen im kommunalen Bereich nun wenigstens zwei Becken benötigen.

Hintergrund des Erfolges der Einbeckenanlagen bei Kommunen ist (nur?) der etwas geringere Preis gegenüber konventionellen Kläranlagen und weil Kommunen bei der Investentscheidung in der Regel an kostengünstige Verfahren gebunden sind. Dabei wird aber hin und wieder übersehen, dass beide Verfahren keineswegs gleichwertig sind.

Bei der Feststellung des Gebrauchswertunterschiedes muss man schon etwas Mühe, Zeit und Geld aufwenden, wobei all dies bei kommunalen Investitionsentscheidungen nicht immer gelingt.

Abgesehen davon ist nicht alles was wenig kostet auch gut.

Bei SBR-Anlagen wird an dem wichtigsten und zugleich kostengünstigsten Anlagenteil einer Kläranlage gespart: An dem Beckenvolumen.

D. h. Anlagen mit einem höheren Gebrauchswert, z. B. Kläranlagen mit aufgelöster Bauweise (wenigstens ein Becken je für die Vorklärung, Belebung und Nachklärung) weisen etwas höhere Kosten auf.

Aber letztlich ist die Entscheidung in diesem Fall nur eine Frage der Beschäftigung mit dem Gebrauchswert.




Leuchtkraft wissenschaftlicher Erkenntnis fremdgedimmt!

Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: 2014 gab der Bund für Bildung und Forschung (BMBF) wohl rund 15,3 Milliarden Euro aus. Das sind drei Prozent des gesamten Bundeshaushalts. Wenn dann aber die Forschung – hier die TU Dresden – mit viel Aufwand absicherte Ergebnisse der wissenschaftlichen Ökologie vorlegt, die nicht in das Weltbild der politischen Ökologie passen und die zudem Voraussetzung für eine Effizienzsteigerung der Wasserwirtschaft sind,  dann werden diese Erkenntnisse durch Ignoranz entwertet bzw. es werden keine gesetzlichen Voraussetzungen (u. a. Änderung des Wasserrechtes, des Abwasserabgabengesetzes und der EU-WRRL) geschaffen, die eine Nutzung dieser fortschrittlichen Erkenntnisse straffrei erlauben. Die Starrheit der Gesetzgebung und die teils einfältige Gewässerbewertung verhindert die Umsetzung wichtiger Forderungen der EU-WRRL, z. B. nämlich, dass die Abwässer nach dem Stand der Technik – hier effizient zu behandeln sind. Der Weg ist nicht eine Denitrifikation in Form eines blinden Aktionismusses.

Nitrat ist ein Gewässernutzstoff und ein sekundärer Sauerstofflieferant von besonderer Bedeutung. Seine kompromisslose Eliminierung in Kläranlagen beruht auf Wissensdefiziten, ideologischen Anschauungen und auf Zwang.

Die Lähmung sowie der Schaden durch Effizienzverhinderung dauert in diesem Fall nun schon 26 Jahre!

Die Nitrat-Doktrin und ebenso die CSB-Doktrin kostet also täglich eine sachlich nicht begründbare Abwasserabgabe, die über die Abwassergebühr von Kommunen oder Verbänden eingezogen werden muss.

Für die abwasserverursachende Industrie ist dies ein Kostenfaktor.

Wenn das Merkmal einer Willkür fehlende Sachlichkeit ist, dann sind Straftatbestände einer unerlaubten Gewässerverschmutzung durch Nitrat willkürlich, es sei denn, es handelt sich um ein besonderes Schutzgut, wie z. B. eine Trinkwassertalsperre.

Straftatbestände einer unerlaubten Grundwasserverschmutzung durch Nitrat sind dann sachlich nicht nachvollziehbar, wenn eine Diskriminierung des Angeklagten gegenüber der landwirtschaftlichen Nitrat-Belastung vorliegt. Die Diskriminierung des Bürgers, seiner Kommune oder seines  Abwasserzweckverbandes ist hier aber die Regel.

Doch bilden Sie sich Ihre eigene Meinung:

Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte – Sinn der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung

Kurzbericht einer vergessenen Veranstaltung der Fachrichtung Wasserwesen der TU Dresden am 3. Juni 1997

Sinnfälligkeit der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung – so lautete der Titel einer Veranstaltung am 3. Juni 1997, der Eingeweihten Spannung versprach; wurde doch dieses Thema Gegenstand einer interdisziplinären Vortragsveranstaltung zweier Professoren der TU Dresden, Fachrichtung Wasserwesen – Prof. Dr. Lützner und Prof. Dr. Uhlmann -, die im fachlichen Disput ihre Standpunkte vor Studenten und Gästen erläuterten und verteidigten.

Pro

Herr Prof. Lützner verwies auf die Notwendigkeit der Denitrifikation für einen stabilen Kläranlagenbetrieb und führte u. a. folgende Argumente an:

  • Blähschlammbekämpfung durch anoxische Selektoren und die Notwendigkeit des Milieuwechsels;
  • verstärkte pH-Wert-Probleme, insbesondere bei weichen Wässern, wenn nur nitrifiziert wird;
  • Nutzung des Nitratsauerstoffs für den BSB5-Abbau und damit Senkung des Energiebedarfs für die Abwasserreinigung;
  • Vermeidung von Grenzwertüberschreitungen infolge einer wilden Denitrifikation in der Nachklärung.

Des Weiteren wies er darauf hin, dass bei einstufigen Belebungsanlagen die biologische Phosphorelimination ohne zusätzliche Maßnahmen nicht möglich ist. Auch wirkt Nitrat störend im Faulbehälter. Schließlich sei aus praktischer Sicht festzustellen, dass die in jüngster Zeit gebauten Kläranlagen bei über 20.000 EW im Regelfall über eine simultane aerobe Schlammstabilisierung verfügen und durch alternierende Belüftung die geschilderten negativen Betriebsauswirkungen vermindert werden.

Wenn Biologen der Meinung sind, dass für die Gewässer Nitrat keine Belastung darstellt, dann sollte auch auf die Festsetzung von Überwachungswerten verzichtet werden und die Denitrifikation nur soweit erfolgen, wie sie für den Betrieb der Kläranlage notwendig ist. Fragwürdig wird es, wenn nur zur Einhaltung der Überwachungswerte externe Kohlenstoffquellen (vorzugsweise auch Ethanol und Methanol) zugegeben werden müssen, wie es bereits jetzt in vielen Kläranlagen praktiziert wird.

…und Kontra

Während das Fachgebiet von Herrn Prof. Lützner die Abwasserbehandlung ist, hat sich Herr Prof. Uhlmann (als Verfasser des Standardwerkes „Hydrobiologie“ bekannt) darauf spezialisiert, die Probleme zu analysieren, die nach der Abwasserbehandlung im Gewässer zu beobachten sind.

In seinen Ausführungen stellte Herr Prof. Uhlmann die von Herrn Prof. Lützner angeführte Notwendigkeit einer Denitrifikation für die Stabilität des Reinigungsprozesses in Kläranlagen nicht in Frage. Er wies jedoch nachdrücklich auf sehr gut gesicherte Forschungsergebnisse hin, die belegen, dass Nitrat auch als Sauerstoffspender für das Gewässer eine wichtige Rolle spielt. Herr Prof. Uhlmann erläuterte in anschaulicher Weise, in welchen Fällen Nitrat als Pflanzennährstoff wirkt, aber auch dass Nitrat besonders wertvoll für die Sauerstoffversorgung von Sedimenten – die Schlammablagerungen in Seen und Meeren – ist.

Der gelöste Sauerstoff wird aufgrund der natürlichen Zehrungsprozesse an der Wasser- und Schlammgrenzschicht häufig schnell verbraucht.

Allein das Nitrat diffundiert in die tieferen Schlammschichten, so dass dort eine anoxische Nitratatmung ermöglicht wird.

Analog, wie dies in der Denitrifikationsstufe der Kläranlage erfolgt.

Wozu ist nun Sauerstoff – einschließlich Nitratsauerstoff – im Schlamm erforderlich?

Eine Sauerstoffversorgung der oberen Schlammschichten verhindert zum Beispiel, dass sedimentierte Phosphorverbindungen rückgelöst werden, ähnlich wie dies technisch mit der biologischen P-Eliminierung praktiziert wird.

So gesehen, ist Stickstoff in der Nitratform wohl kaum als eutrophierender Faktor zu werten.

An dem Disput beteiligten sich – neben zahlreichen Gästen und Studenten – auch Frau Professor Röske, Herr Professor Hackenberger sowie Herr Professor Benndorf, der die Veranstaltung moderierte.

Im Resümee verständigten sich die Teilnehmer dazu, dass einerseits eine Denitrifikation für den störungsfreien Kläranlagenbetrieb notwendig ist, andererseits aber Nitrat für die Sauerstoffversorgung der Sedimente in den Gewässern eine sehr wichtige Rolle spielt und man deshalb nur soweit denitrifizieren sollte, wie es betrieblich erforderlich ist.

Die Notwendigkeit einer gesetzlich vorgeschriebenen und behördlich kontrollierten Denitrifikation in Kläranlagen wurde von keinem Gesprächsteilnehmer gesehen.

Im Verlaufe wurde weiter diskutiert, dass in Anwendung der Ergebnisse das Tropfkörperverfahren eine Renaissance erleben könnte, weil mit Einführung der neuen Abwasserverordnung seit 01.04.1997 für Kläranlagen <= 10.000 EW die Denitrifikation nicht mehr erforderlich ist.

Fazit

Die Signale der Wissenschaftler der TU Dresden und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sind hochinteressant und werden hoffentlich bald in den Wassergesetzen vergegenständlicht.

Sollten sich in der Gesetzgebung einschließlich dem EU-Wasserrecht, bei den Ingenieuren und Behörden diese Erkenntnisse durchsetzen, könnte sich in der Abwasserbehandlung und der Gewässerpolitik das Reglement vereinfachen.

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Dinge und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müssen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

Auf jeden Fall ist aber die TU Dresden eine gute Adresse, wenn es gilt, neue Wege zu beschreiten.

(Uwe Halbach ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung)

Erschienen in der wwt 5 / 1997

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Kommentar nach 13 Jahren:

Inzwischen sind 13 Jahre vergangen und aus dem kleinen Wermutstropfen

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber geben, denn die Deutschen sind reaktionsträge in der politisch-administrativen Umsetzung zweckmäßiger Dinge; und so wird man sich wohl noch einige Zeit gedulden müssen, bis an der richtigen Stelle gespart werden kann.

ist ein Fass Wermut geworden.

Ist dies nun ein Beweis oder ein Indiz dafür, dass bei der Nitrat-Doktrin die Gewissenhaften über die Verständigen siegten?

Ich glaube, hier wirkt die Bildung störend und wird deshalb einfach ignoriert. Der Ökologe und Buchautor, Herr Gärtner hat über diese fragwürdigen Methoden ein Buch geschrieben: Öko-Nihilismus. Zudem erlebe ich es als Gutachter recht häufig, dass Zusammenhänge, Verhältnisse und die Logik immer dann ausgeklammert werden, wenn es um gewissenhafte Vorsorge geht oder wenn Vorstellung und Glauben, die bzw. den man von der Natur hat, nicht den Tatsachen in der Natur entsprechen. Dann wird nicht etwa die Vorstellung von der Natur angepasst , sondern die das Weltbild störenden Tatsachen werden einfach ignoriert. Philosophisch gesehen ist die Leugnung unbequemer Tatsachen eine Tatsache und dem Menschen immanent. Platon mit seinem Höhlengleichnis bis hin zu Schopenhauer mit seinen Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ können als Beweis dafür dienen. Man muss diese menschlichen Bedürfnisse nur kennen. Für die Jugend dagegen ist es ein Frust, wenn sie ihre mühsam erarbeitete Bildung gegen Geschäftsinteressen und Ideologien entwertet sehen. Allerdings ist der Desillusionierungsprozess ein schleichender. Mancher erarbeitet ihn sich früher, mancher später, aber die meisten werden es nie begreifen. Und das ist aus bestimmten Gründen auch gut so…

Uwe Halbach am 23.03.2010




Funktionalausschreibungen

Funktionalausschreibungen

Egal, ob eine Anlage über einen Planer oder mittels Anlagenlieferanten schlüsselfertig zu errichten ist, so schlägt doch ein gewisses fachliches Grundwissen immer kostengünstig zu Buche.

Je weniger sich der Bauherr mit der anstehenden Aufgabe identifiziert und je mehr er strategische Aufgaben wegdelegiert, um so größer ist die Gefahr des Anwachsens des Finanzierungsrisikos, sei es, weil der Gebrauchswert nicht erreicht wurde, keine umfassende Nutzung in absehbarer Zeit zu erwarten ist, oder weil einfach die Anlage zu teuer wurde.

Es ist deshalb notwendig, dass der Bauherr vor der Planung, Realisierung und Betreibung hinreichend genau weiß, was er will, was tatsächlich sein muss und wo seine finanziellen Spielräume und Refinanzierungserfordernisse liegen.

Eine Funktionalausschreibung lässt sich günstig auf der Basis einer ausführlichen Vorplanung und/oder ergänzenden Studie starten.
Die Funktionalausschreibung kann die Ausschreibung von Anlagenteilen oder der kompletten Anlage – einschließlich Planungsleistungen bzw. Planungsteilleistungen – umfassen.

Die Meinung, dass die Vorgaben einer Funktionalausschreibung weitestgehend unbegrenzt sein sollen, wird nur teilweise vertreten, da durch bereits vorhandene technische Parameter aus Voruntersuchungen und auch aus bekannten Forderungen der Behörde Grenzen gesetzt sind.

Eine Funktionalausschreibung ist nicht geeignet, umfangreiche offene Fragen über eine zweckmäßige technisch-wirtschaftliche Aufgabenstellung auf Kosten der anbietenden Unternehmen zu klären. Im Rahmen der Modernisierung oder des Neubaus von Kläranlagen oder Kläranlagenteilen wird empfohlen, die Vorteile einer Funktionalausschreibung unter Beachtung der konkreten Bedingungen zu prüfen.

Uwe Halbach




Nicht ausgelastete Kläranlagen als Alibi für weitere Verschuldung?

Dipl.-Ing. (FH); Dipl. Ök. Uwe Halbach, Institut für Wasserwirtschaft Halbach – Werdau (Sachsen)

Wir haben viel Lehrgeld beim Aufbau und bei der Modernisierung unserer abwassertechnischen Infrastruktur bezahlen müssen. Darauf im einzelnen einzugehen, hieße sich zu wiederholen. Außerdem sind die unangenehmen Ergebnisse mittlerweile nicht nur in Fachzeitschriften zu lesen, sondern jahrelang ein handfestes Thema der Medien. Der Rummel spielt sich in aller Regel so ab, dass man einen gescheiterten Abwasserzweckverband in das Licht der Öffentlichkeit zerrt, Bürgerbewegungen und betroffene Bürger einlädt und mächtig auf die Tränendrüse drückt. Die Stimmung heizt sich oft so auf, dass den Moderatoren das Schiff aus dem Ruder läuft – und endlich hat die Masse Action und einen Schuldigen. Meist ist es der Geschäftsführer, seltener der Verbandsvorsitzende. Eine tatsächliche fachliche Analyse ist unmöglich und scheint manchmal unerwünscht. Hin und wieder gelingt es auch, Behörden und Ministerien – mehr oder weniger berechtigt – in den Kampf hineinzuziehen. Sie sind in dem Maße weniger beteiligt, wie sie sich von Anfang an heraushielten oder heraushalten konnten. Schließlich haben wir kommunale Selbstverwaltung. Die wahren Drahtzieher und „Kriegsgewinner“ aber bleiben – wie immer in der Geschichte – oft anonym und im Hintergrund.

Nachdem die tiefbauplanerischen und sonstigen Berater die neuen Länder wie ein Heuschreckenschwarm überfielen und teilweise gerade dabei sind, sie wieder zu verlassen, sieht es an den Stellen, wo Geld über Vernunft siegte, auch genauso aus. Viele unzweckmäßige Entwässerungsstrukturen, deren Fragmente und manche nicht ausgelastete Kläranlage prägen die Landschaft. Ein abgefressenes Feld erkennt jeder auf Anhieb. Eine fehlgeplante Kläranlage ist schon weniger leicht als solche zu definieren. Mancherorts ist man gerade dabei, dieses eine Problem zu tarnen, indem ein – meist relativ kleiner – Fehler durch einen viel größeren ersetzt wird. Die Methode – unter anderen Umständen strafrechtlich verfolgt – heißt „Schneeballprinzip“. Wir kennen das: Man versucht, sich mit ständiger Geldanleihe über die Zeit zu retten, wobei der Schuldenberg so wächst, dass eine Tilgung zunehmend unmöglich wird. Im Falle einer Kläranlage mit nicht vertretbaren Leistungsreserven wird versucht, den mangelhaften Anschlussgrad durch weitere Verschuldung zu erhöhen. Die Erhöhung des Anschlussgrades erscheint auf den ersten Blick in vielen Fällen als einzig mögliche Lösung für die Refinanzierung. In dem Maße, wie mehr Leute an die Kläranlage angeschlossen werden, reduziert sich die Finanzlast des einzelnen Bürgers. In Ausnahmefällen ist das auch eine gute Alternative. In der Regel ist jedoch nicht nur die Kläranlage zu groß, sondern das gesamte Abwasserzielkonzept ist außerdem fragwürdig und riskant, wobei meist auch der Abwasserzweckverband nicht gerade vor Einnahmen strotzt. Hinzu kommt, dass in unserer Zeit der Bürger nicht dem Verband die Türen einrennt, um seine Gebühren und Beiträge loszuwerden. Darin liegt ein großes Risiko für die Finanzstabilität des Verbandes. Wenn also der Verband sowieso schon auf dem „letzten Loch pfeift“, ist es nicht klug, ihn zur Erhöhung seines Anschlussgrades mit einer Portion Fördermittel zu ködern.

Für den Bürger langfristig kostengünstiger – jedoch politisch problematisch – wäre es, wenn der Verband oder die Kommune, die „Kröte“ schlucken würde; wenn die Beteiligten die bisherigen Fehlinvestitionen verdauen und den Pflock der Anforderungen etwas zurückstecken.

Anstelle zuzugeben „Okay, wir haben uns geirrt, sind falsch beraten worden, haben fahrlässig fremdes Geld fehlinvestiert; und überhaupt waren alle Umstände gegen uns!“ wird nicht etwa das kleinere Übel – die Fehlinvestition auf der Kläranlage, die möglicherweise maximal nur 30…50 % der Kläranlagengesamtinvestition ausmacht, beseitigt und abgeschrieben. Vielmehr wird haargenau das gleiche kommunale Fehlverhalten an den Tag gelegt, das schon vor Jahren zu den heutigen – allgemein bekannten – Problemen führte. Zur Veranschaulichung: Um die Kläranlagenfehlinvestition von 5 Millionen DM zu rechtfertigen, werden z. B. 15 Millionen DM für die Erhöhung des Anschlussgrades ausgegeben. Damit steigt nicht nur die Verschuldung des meist sowieso unwirtschaftlichen und im Koma liegenden Verbandes weiter katastrophal, sondern in dem nun an die Kläranlage angeschlossenen Verband bzw. in der jetzt angeschlossenen Kommune wird meist außerdem eine Investitionslawine für Modernisierung oder Neubau der Ortskanalisationen losgetreten. Einen Kanal von „A“ nach „B“ zu ziehen oder eine Kläranlage zu bauen, ist die leichteste Übung.

Die Frage nach Verantwortlichkeit der nächsten Fehlentscheidungen wird sich wieder im Sande der Zeit verlaufen. Unterliegt man den bekannten Einflüssen von Lobbyisten, oder müssen kleine und große Politiker und/oder andere Behaftete ihre alten Fehler kaschieren? Der Leichtsinn wird nach wie vor – wenn auch in zunehmend weniger Behörden – gefördert. Es werden in solchen Fällen genau die gleichen Fehler gemacht wie nach der Wende und man muss manchmal lange nach Verantwortungsbewusstsein und Kompetenz suchen. Heute werden riskante Investitionsentscheidungen gefällt, morgen geht die Knete aus und übermorgen haben wir nicht nur zu hohe Gebühren und Beiträge, sondern auch noch die Bürgerbewegungen auf der Matte, die dann den unschuldigen Geschäftsführer und einen neuen Verbandsrat beschimpfen. Der Leser mag selbst beurteilen, ob Unwissenheit, Absicht oder nur Ohnmacht die Ursachen der hin und wieder immer noch zu beobachtenden riskanten kommunalen Investitionstätigkeit sind.

Dem Autor sind viele Fälle bekannt, bei denen eine fehlgeplante Kläranlage durch Erhöhung des Anschlussgrades zugedeckt wird. Sinnvoller wäre es in solchen Verbänden, für die nächsten 15 Jahre die Investitionen stark zu bremsen. Damit steigt die Verschuldung nicht weiter und die Fördermittel können dann auch verstärkt für wasserwirtschaftliche Schwerpunkte eingesetzt werden und nicht, um die finanziellen Konsequenzen der Fehler der Vergangenheit zu potenzieren. Mit solchen riskanten Maßnahmen zur Auslastung von fehlinvestierten Kläranlagen wünscht man sich manchmal, „2 Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, indem ein Verband ohne Kläranlage sein Abwasser der unterlasteten Kläranlage eines anderen Verbandes übergibt. Denn wenn erst einmal 2 Verbände gemeinsam ihr Abwasser in einer Kläranlage behandeln, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis es nur noch einen Verband gibt. Diese Vorgehensweise erscheint logisch. Man hat Erfahrung in der Bildung solcher Strukturen, die dem Bildungsmuster sozialistischer Kombinate entsprechen. Zu dieser Strategie äußerte ein Geschäftsführer, der mit beiden Beinen fest im Leben steht, einmal sinngemäß: „Man solle nicht glauben, dass bei Zusammenlegung eines toten und eines kranken Verbandes ein gesunder entsteht.“ Tatsächlich kann man in solchen Fällen bei den Verbandsräten oft den Optimismus eines Abstürzenden beobachten, der aus dem Fenster eines Hochhauses auf einen viel zu kleinen Haufen Fördermittel fällt und sich bei jeder Etage freut: „Bis hierher ging es ja noch gut!“

Fazit der gesamten Geschichte: Haben wir wirklich nichts gelernt? Warum werden in manchen Amtsstuben immer noch riskante – in der Regel von Profiteuren „schöngerechnete“ – Kostenvergleichsrechnungen angebetet? Warum wird bei politischen Entscheidungen die Logik der Technik nicht angewandt? Warum neigt die Masse der Entscheidungsträger dazu, den Weg mit dem größten Risiko zu wählen? Warum lässt man einen Geschäftsführer nicht die Geschäfte führen, sondern benutzt ihn eher als Prügelknaben; häufig für Dinge, die er nicht zu verantworten hatte? Warum klammert man sich immer noch so verbissen an Regelwerke, ohne Mut für eher zutreffende Ausnahmen zu haben? Sollten wir zur Abwechslung vielleicht auch mal eigene Lebenserfahrung einsetzen? Warum entscheiden wir nicht vernünftiger? Möglicherweise verhält sich aber die für diese Entscheidungen erforderliche Vernunft ab einer gewissen Anzahl von Entscheidungsträgern stark degressiv. Wie schrieb der englische Philosoph David Hume: „Ursachen und Wirkungen sind nicht durch Vernunft, sondern durch Erfahrung zu entdecken.“ Und so wird wohl jeder Verband und jedes Land seine eigenen Erfahrungen machen müssen. Und unter denjenigen, die glauben, es gehe ihnen heute noch verhältnismäßig gut, wird es viele geben, die ihre Kuh bereits auf dem Eis haben, ohne es zu ahnen. Jedoch – ein Lichtblick zeichnet sich ab: Denn wenn ein Verband oder eine Kommune eine sinnvolle Lösung für seine Bürger tatsächlich anstrebt, dann hat er oder sie heute aufgrund der vorliegenden neuen Erfahrung und der Sensibilisierung mehr Möglichkeiten und trifft auf mehr Verständnis, sie zu verwirklichen als früher. Heute wie damals hängt aber dieser Erfolg ausschließlich von einer gewissen kämpferischen Einstellung einiger weniger auserwählter Personen – den ungenannten Helden unserer Zeit – in Verbänden, Kommunen, Behörden und Ministerien ab. Ein Verband oder eine Kommune kann nur Geld sparen, wenn er/sie sich gegen Lobbyisten durchsetzt. Das Geld der Bürger ist so anzulegen, wie es erfahrungsgemäß richtig ist und nicht, wie Unbeteiligte es sich wünschen. Wer diesen Weg gehen will, muss mehr Widerstand überwinden, als sich der Durchschnittsbürger vorstellen kann. Geschenkt bekommt man nichts. Verbänden und Kommunen, die sparsam sein wollen, wird der Wind sehr kräftig entgegenblasen. Allein: Es liegt dann am Geschäftsführer, Verbandsvorsitzenden oder Bürgermeister, die Segel richtig zu setzen.

(Kurzfassung veröffentlicht in der WWT 1/97)




Auszug aus dem Anhang 1 zur Abwasserverordnung

Auszug aus dem Anhang 1 zur Abwasserverordnung: Häusliches und kommunales Abwasser

Dieser Anhang gilt für Abwasser,

  1. das im Wesentlichen aus Haushaltungen oder ähnlichen Einrichtungen wie Gemeinschaftsunterkünften, Hotels, Gaststätten, Campingplätzen, Krankenhäusern, Bürogebäuden stammt (häusliches Abwasser) oder aus Anlagen stammt, die anderen als den genannten Zwecken dienen, sofern es häuslichem Abwasser entspricht,
  2. das in Kanalisationen gesammelt wird und im Wesentlichen aus den in Nummer 1 genannten Einrichtungen und Anlagen sowie aus Anlagen stammt, die gewerblichen oder landwirtschaftlichen Zwecken dienen, sofern die Schädlichkeit dieses Abwassers mittels biologischer Verfahren mit gleichem Erfolg wie bei häuslichem Abwasser verringert werden kann (kommunales Abwasser), oder
  3. das in einer Flusskläranlage behandelt wird und nach seiner Herkunft den Nummern 1 oder 2 entspricht Anforderungen an das Abwasser für die Einleitungsstelle

(1) An das Abwasser für die Einleitungsstelle in das Gewässer werden folgende Anforderungen gestellt:

Anhang 1 der Abwasserverordnung

Die Anforderungen gelten für Ammoniumstickstoff und Stickstoff, gesamt, bei einer Abwassertemperatur von 12 °C und größer im Ablauf des biologischen Reaktors der Abwasserbehandlungsanlage.

An die Stelle von 12 °C kann auch die zeitliche Begrenzung vom 1. Mai bis 31. Oktober treten. In der wasserrechtlichen Zulassung kann für Stickstoff, gesamt, eine höhere Konzentration bis zu 25 mg/l zugelassen werden, wenn die Verminderung der Gesamtstickstofffracht mindestens 70 Prozent beträgt.

Die Verminderung bezieht sich auf das Verhältnis der Stickstofffracht im Zulauf zu derjenigen im Ablauf in einem repräsentativen Zeitraum, der 24 Stunden nicht überschreiten soll. Für die Fracht im Zulauf ist die Summe aus organischem und anorganischem Stickstoff zugrunde zu legen.

(2) Die Zuordnung eines Einleiters in eine der in Absatz 1 festgelegten Größenklassen richtet sich nach den Bemessungswerten der Abwasserbehandlungsanlage, wobei die BSB5-Fracht des unbehandelten Schmutzwassers – BSB5 (roh) – zugrunde gelegt wird. In den Fällen, in denen als Bemessungswert für eine Abwasserbehandlungsanlage allein der BSB5-Wert des sedimentierten Schmutzwassers zugrunde gelegt ist, sind folgende Werte für die Einstufung maßgebend:

  • Größenklasse 1: kleiner als 40 kg/d BSB5 (sed.)
  • Größenklasse 2: 40 bis 200 kg/d BSB5 (sed.)
  • Größenklasse 3: größer als 200 kg/d bis 400 kg/d BSB5 (sed.)
  • Größenklasse 4: größer als 400 bis 4 000 kg/d BSB5 (sed.)
  • Größenklasse 5: größer als 4 000 kg/d BSB5 (sed.)

(3) Ist bei Teichanlagen, die für eine Aufenthaltszeit von 24 Stunden und mehr bemessen sind, eine Probe durch Algen deutlich gefärbt, so sind der CSB und BSB5 von der algenfreien Probe zu bestimmen.

In diesem Fall verringern sich die in Absatz 1 festgelegten Werte beim CSB um 15 mg/l und bei BSB5 um 5 mg/l.

(4) Die Anforderungen nach Absatz 1 für die Größenklasse 1 gelten bei Kleineinleitungen im Sinne des § 8 in Verbindung mit § 9 Abs. 2 Satz 2 des Abwasserabgabengesetzes als eingehalten, wenn eine durch allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, europäische technische Zulassung nach den Vorschriften des Bauproduktgesetzes oder sonst nach Landesrecht zugelassene Abwasserbehandlungsanlage nach Maßgabe der Zulassung eingebaut und betrieben wird.

In der Zulassung müssen die für eine ordnungsgemäße, an den Anforderungen nach Absatz 1 ausgerichtete Funktionsweise erforderlichen Anforderungen an den Einbau, den Betrieb und die Wartung der Anlage festgelegt sein.

(5) Für Kleineinleitungen im Sinne des § 8 in Verbindung mit § 9 Abs. 2 Satz 2 des Abwasserabgabengesetzes können die Länder abweichende Anforderungen festlegen, wenn ein Anschluss an eine öffentliche Abwasseranlage in naher Zukunft zu erwarten ist.




Allgemein anerkannte Regeln der Technik im Bürgerlichen Gesetzbuch

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