Die Entwertung des Trinkwassers…

…durch Marketing war ja schon öfter ein Thema.

Nun aber ist es heraus, was bislang nur zu vermuten war:

„Leitungswasser gewinnt im Test gegen Mineralwasser“

Zu wenig Mineralien, manchmal sogar Keime: Die Stiftung Warentest hat stille Mineralwässer unter die Lupe genommen und ist wenig begeistert.
Die Verbraucherschützer raten deswegen zu Leitungswasser.

Siehe auch: Flaschenwahn statt Wasserhahn!

Man mag sich fragen, warum Deutschland eine zentrale Trinkwasserversorgung betreibt und bezahlt?

Insofern ist der Verkauf von Trinkwasser in Flaschen in Deutschland nur ausnahmsweise einzusehen. Er gelingt in den vorhandenen Größenordnungen nur durch vorherige Verdummung des Kunden, an der dieser aber oft eine gehörige Portion Mitschuld trägt.

Primäre Schuld für viele Betrugsfälle tragen demnach nicht die Anderen. Vielmehr ist es zumeist die eigene, oft grenzenlose Dummheit gepaart mit mangelhafter Ausbildung in den Grundlagen der Naturwissenschaften.

Und so ist es nicht immer die Raffgier der Anderen, oder charmanter ausgedrückt das Streben nach Gewinn. Hier insbesondere mit den Mitteln des Betruges, welche/s Ursache für sehr viele Fehlentwicklungen, Unglücke und Kriege zu sein scheint.

Schon oft bemühtes Zitat von Reinhard Mey („Sei Wachsam“, auf Leuchtfeuer, 1996).: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: – Halt Du sie dumm, ich halt sie arm.“

Oder um den Punkt zu setzen; Mephisto in Goethes Faust:

Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist werth daß es zu Grunde geht; / Drum besser wär’s daß nichts entstünde.




Wie Medien Wasserressourcen vernichten… Logik, Trugschluss, Falschaussage

Immer wieder Panik…

Leitungswasser mit gefährlichen Keimen belastet!!!

Eine Lüge?  Oder eine falsche Aussage?

Das kommt auf den Vorsatz an.

Auf jeden Fall ist die Schlagzeile kein Beweis für besondere Klugheit.

Das Urteil „Leitungswasser mit gefährlichen Keimen belastet.“ ist nach den Regeln der Logik falsch.

Verbreitet wird eine klassische Falschaussage, die darauf beruht, dass zunächst unterschlagen wird, dass das vermeintlich gefährliche Wasser – um das es in dem Artikel geht – ja nur eine winzige Teilmenge allen Leitungswassers ist und nicht die Gesamtmenge des deutschen Leitungswassers. Und genau diesen tatsächlichen Sachverhalt suggeriert die Schlagzeile falsch. Man darf induktiv schließen, dass eine wahre Aussage die Schlagzeile verniedlicht hätte, was wahrscheinlich in der Regel nicht im Interesse von Autoren, Redaktionen und Medien liegt.

Für den Leser, der sich mit der Logik derlei Trugschlüsse auseinandersetzen möchte, sind die folgenden Ausführungen gedacht. Der übrige Leserkreis mag diesen Abschnitt gern überspringen.

Derlei Manipulationen beruhen regelmäßig auf raffinierten Trugschlüssen. Um die Methode zu veranschaulichen:

Das Urteil

„Männer sind mit der Eigenschaft eines Mörders belastet!“

ist hinsichtlich der logischen Struktur identisch mit dem Urteil:

„Leitungswässer sind mit gefährlichen Keimen belastet.“

Beim ersten Urteil, wird man aufgrund der Lebenserfahrung stutzig: Das kann wohl nicht stimmen.

Das zweite Urteil nimmt man in der Regel hin und glaubt es sei wahr.

Wird die Mengenlehre als eine Methode der Logik genutzt, dann wird auch dem, der nicht Mathematik studiert hat, schnell klar, dass die Menge aller Männer wenigstens strukturiert ist in die erschlagende Mehrheit jener Männer, die nicht töten und in die winzig kleine Teilmenge jener Männer (wenn überhaupt diese Zuordnung korrekt ist), die dazu neigt, Mörder zu sein.

Beide Falschaussagen finden ihre Qualität im Weglassen. Korrekt müssten die Aussagen wie folgt lauten:

Einige Männer sind mit der Eigenschaft eines Mörders belastet!“

und

Einige Leitungswässer sind mit gefährlichen Keimen belastet.“

Der logische Fehler beruht darin, dass zu den Tatsachen partikulär affirmativ – I-Aussagen – gehören (partikulär bejahendes Urteil.

Durch Weglassen wird unterstellt,  sie seien allgemein affirmativ – A-Aussagen  (allgemein bejahendes Urteil).

Vergleiche: Syllogismus.

Doch nun zurück zum Trinkwasser:

Der geschulte Wassernutzer lässt auch das Trinkwasser aus Leitungen solange ablaufen, bis kühles Trinkwasser im Zapfhahn ankommt und schüttet kein lauwarmes Wasser aus Leitungsnetzen in sich hinein, wo vielleicht nur einmal im Monat etwas Wasser entnommen wird.

Möglicherweise haben die Wasserprobenehmer abgestandenes Wasser entnommen, als es darum ging, den Umsatz des entsprechenden Laboratoriums anzukurbeln.

Dass eine Trinkwasserleitung verkeimt, die nicht genutzt wird, ist eine Binsenweisheit.

Schon vor der Probenentnahme war mit einer Verkeimung der Proben zu rechnen. Regelrecht putzig und entlarvend ist das Zitat:

„Zur Verbesserung der Hygiene raten Experten, das Wasser erst kurz laufen zu lassen, bevor man es entnimmt.
Auch sollte regelmäßig Wasser aus allen Hähnen fließen, um einen Stillstand in den Leitungen zu verhindern.“

Zwei Fälle können nun unterschieden werden.

Fall 1:

  • Vor der Entnahme der Trinkwasserproben lief das Wasser hinreichend lange.
  • In den Proben waren trotzdem krank machende Keime.

Also: Wenn man das Wasser vor der Trinkwasserprobenentnahme hinreichend lange laufen ließ, dann ist es nicht möglich die Hygiene zu verbessern, denn die Probenergebnisse haben ja gerade das Gegenteil bewiesen, dass nämlich auch bei fließendem Wasser Keime  im Trinkwasser enthalten sind.

Fall 2:

  • Vor der Entnahme der Trinkwasserproben lief das Wasser nicht hinreichend lange.
  • In den Proben waren trotzdem krank machende Keime.

Also: Die Probenergebnisse sind in diesem Fall wegen falscher Probenentnahme nicht verwertbar. (vergleiche: „Experten bemängeln Studie über Keime im Trinkwasser“)

Vielleicht sollten die Ergebnisse von einem zertifizierten wasserbiologischen Laboratorium reproduziert werden, bevor man sich mit fragwürdigen Resultaten an die Öffentlichkeit wagt?

Was sollte mit der Aktion möglicherweise bezweckt werden?

  1. Verbreitung von Ängsten?
  2. Steigerung von Auflagen?
  3. Verdummung der Bürger?
  4. Verursachung von Schäden bei den Trinkwasserversorgern?
  5. Steigerung der Trinkwassergebühren?
  6. Steigerung des Umsatzes der Mineralwasserindustrie?
  7. Steigerung des Umsatzes der Laboratorien?
  8. Verunsicherung der Bevölkerung?
  9. Begründung der vermeintlichen Wichtigkeit der Angstmacher?

Glückwunsch! Erreicht wurden alle 9 Ziele!

Schuldig blieb die Redaktion die Verkündung von Wahrheiten und sachlicher Zusammenhänge. Die Wirkung der Lüge ist aber verheerend und der Beitrag verantwortungslos. Die Verbraucher wurden ungerechtfertigt verunsichert. Für den Trinkwasserschutz und für die Wasseraufbereitung wurden und werden Milliarden ausgegeben. Dieses Geld wird durch derartige schwachsinnige Nachrichten schrittweise entwertet. Dieses Beispiel beweist, dass man durch eine bessere Allgemeinbildung am Ende viel Geld sparen kann. Aber nach Schwanitz (Bildung, Alles was man wissen muss, 1999 Eichborn Verlag, insbes. S. 24-33) haben wir diesbezüglich keine guten Karten.

Für solche Schlagzeilen

Leitungswasser mit gefährlichen Keimen belastet!!!

sollte man starke Gründe brauchen. Allein – ich habe keine gefunden!

Insofern ist die Verbreitung derartiger Halbwahrheiten nicht nur verantwortungslos, sondern zudem asozial. Asozial deshalb, weil in dem Maße wie dem Trinkwasserverbraucher unbegründet Angst eingejagt wird, der Trinkwasserverbrauch sinkt und damit die Trinkwassergebühren entsprechend steigen. Hohe Trinkwassergebühren sind nicht sozial.

Insofern kann man darüber nachdenken, ob denn solche Pressefreiheit wirklich so toll ist, wenn zugleich unqualifiziert durch die massenhafte Verbreitung von Halbwahrheiten immenser Schaden angerichtet wird. Vergleiche:

Écrasez l’infâme!
Die „vierte Gewalt” im Staate gehört in gesetzliche Schranken verwiesen.
Die Medienapparate dienen nur noch sich selbst und manipulieren das Gemeinwohl.
Eine Entrüstung von Boris Kotchoubey.

NovoArgumente 110,111 01 – 4 2011
S. 102-107

Und eine Antwort bleibt der Artikel „Leitungswasser mit gefährlichen Keimen belastet“ schuldig:

Wenn das Trinkwasser tatsächlich so verkeimt ist, wo sind dann die vom Genuss des Trinkwassers erkrankten Menschen?

Alles nur heiße Luft?

Auffällig ist das Erscheinen der Paniknachricht zum Sommerloch.

Es war auch Sommer als eine Trinkwasserpanik „Uran im Trinkwasser!“ gezielt verbreitet wurde.

Die USA haben damals ihren Urangrenzwert wegen Unbedenklichkeit von 20 auf  30 Mikrogramm je Liter angehoben und das besorgte Deutschland hat 10 Mikrogramm je Liter eingeführt.

Nachtrag:

Nachdem ich diesen Kommentar geschrieben hatte, erfuhr ich von dieser Nachricht:

BakterienbelastungExperten bemängeln Studie über Keime im Trinkwasser




Die guten Seiten einer Kleinkläranlage

Es ist selten so, wie man denkt…

Mancherlei Argumente werden vorgebracht

  • Kleinkläranlagen sind undicht.
  • Die Betreiber von Kleinkläranlagen sind unfähig diese selber zu warten.
  • Kleinkläranlagen funktionieren nicht richtig.
  • Betreiber von Kleinkläranlagen bohren Löcher in ihre Gruben, damit sie weniger Schlamm entsorgen müssen.
  • Kleinkläranlagen belasten das Gewässer viel stärker als zentrale Kläranlagen.
  • ….

um zu begründen, dass Kleinkläranlagen schlechter sind, als eine zentrale Abwasserableitung durch eine Kanalisation.

Für eine Stadt oder eine größere Siedlung mag dies stimmen.

Aber zumindest im Vergleich mit einer Mischwasserkanalisationen schneiden die Kleinkläranlagen deutlich besser ab, wie das folgende Bild zeigt:

Die zentrale Abwasserableitung- und -behandlung hat auch so ihre Schattenseiten.

Bei dem Foto – das ich 2005 machte – handelt es sich um den Einlauf einer Kanalisation in einen kleinen Bach.

Hinter dem Einlauf befindet sich ein Regenüberlaufbecken einer Misch(ab)wasserkanalisation.

So etwas Schönes , wie auf dem Foto abgebildet, sieht man bei der Abwassereinleitung eines Dorfes, dessen Bewohner ihr Abwasser noch mit Kleinkläranlagen – z. B. primitiv nach DIN 4261-1 behandeln – nicht.

Der Leser mag darüber sinnieren, wo sich denn das andere Klopapier befindet, das nicht von diesem Gitter eher zufällig zurückgehalten wurde?

Nun, es ziert natürlich – bis zum nächsten Hochwasser – den einen oder anderen Strauch, Busch oder Baum am Ufer des Baches.

Seit einigen Jahren versucht man solche Eindrücke durch den Einbau von recht teuren Rechenanlagen in die Regenabwürfe zu vermeiden.

Wie aber die „Umweltpolizei“ völlig zu recht meint:

Es ist selten so, wie man denkt…

In diesem Fall ist es schlimmer, denn es sind die Dinge, die man nicht sieht, die uns zumeist das Leben schwer machen und die kann man nicht einfach aus dem Abwasser sieben.

Es ist ähnlich wie beim Kaffee: Das, was der Filter zurückhält, ist die Nebensache.

Und aus diesen wenig schmackhaften Gründen – im anderen Fall – darf man das Wasser in Flüssen und Bächen trotz gewaltiger Erfolge im staatlich geförderten und mit Abwasserabgabe stimulierten Wettbewerb um den saubersten Kläranlagenablauf nicht trinken.

Baden sollte man in den Bächen und Flüssen erst dann, wenn man sicher ist, dass es stromaufwärts wenigstens einige Tage nicht geregnet hat.

Und immer daran denken:

Das was im Fluss neben dem Wasser fließt, ist oft zu einem Großteil Gülle.

Gülle geringfügig verändert.

Mehr oder weniger biologisch durch mehr oder weniger vorhandene Bodenpassagen behandelt.

Mitunter ist es also ganz anders als es uns vorgedacht wird!

Aber ich kann versichern, ich kenne ein Kind, dass mehrfaches streng verbotenes Schwimmen in der Elbe im Alter von 8 Jahren wenigstens 54 Jahre ohne eine einzige Allergie überlebte.

In der ostdeutschen Elbe schwamm damals vielleicht auch ein wenig Rechengut mit.

Also – immer schön den Ball flach halten!

Es sind nicht die Gefahren, die uns die Propheten versprechen.

Es sind meist völlig andere.




Angst machen mit Nitrat im Wasser – recht offensichtlich!

Einiges über das Nitrat:

  • Im Gewässer ist Nitrat grundsätzlich kein Schadstoff, sondern eine wertvolle Sauerstoffquelle für kritische Gewässerzustände.
  • Dieser Fakt mag zwar nicht in manches Weltbild passen, bedarf  aber keiner Bestätigung um wahr zu sein.
  • Nitrat im Gewässer verhindert z.B. die Massenentwicklung von Blaualgen.
  • Die Bewertung von Nitratkonzentrationen  setzt wasserchemischen und ggf. auch wasserbiologischen Sachverstand voraus.
  • Der Nitratgrenzwert beträgt lt. Trinkwasserverordnung: 50 mg/l.
  • Vielen Pressenachrichten mangelt es an unabhängiger Bewertung der gemessenen Nitratkonzentrationen.

Fragwürdige Stickstoffgrenzwerte – Sinn der Denitrifikation bei der Abwasserbehandlung

Nitrat und Phosphor im Gewässer

Schlechter wasserchemischer Gewässerzustand – auch eine Frage des Imports von Düngemitteln für den Export von Fleisch Reichholf: “Geht man auf den 55 % landwirtschhaftlich genutzter Landesfläche von einer Düngermenge aus, die gegenwärtig im Durchschnitt bei gut 200 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr liegt, so stellt sich die Frage, woher diese nun kommt. Mineraldünger macht [Weiterlesen →]

Bedrohung der Artenvielfalt

“Was ist die größte Bedrohung für die Artenvielfalt? Die Landwirtschaft. In Mitteleuropa etwa fördert die Überdüngung ganz bestimmte Pflanzen, wie Löwenzahn und dichtwüchsige Gräser. Das nimmt anderen Arten die Lebensmöglichkeit. Und zwar nicht nur auf den Flächen: Über das Grundwasser gelangen nitrathaltige Nährstoffe in die Gewässer und begünstigen dort einseitig Algenanarten, vor allem Blaugrünbakterien. Dadurch [Weiterlesen →]

Wassergütewirtschaft – gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft

Perspektiven der Wassergütewirtschaft 2050 — gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft Helmut Kroiss, Wien 1.    Einleitung – Bei der Beschäftigung eines Wissenschaftlers mit Prognosen tritt immer das Problem auf, dass er sich auf ein Terrain wagen muss, das nicht durch experimentelle oder andere empirische Daten abgesichert werden kann. Die Zukunft bleibt daher in vieler Hinsicht prinzipiell ungewiss. Nicht [Weiterlesen →]

Noch zu viel Phosphor und Stickstoff im Wasser

“Dessau-Roßlau /dpa. Das Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau (UBA) fordert die weitere Verbesserung der Wasserqualität in den Gewässern Deutschlands. Zwar seien viele Flüsse, Seen und Bäche mittlerweile weitgehend sauber, aber es gelange noch zu viel Phosphor und Stickstoff ins Wasser, erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth anlässlich des Welttages des Wassers am Montag. Zudem sei oftmals das Grundwasser mit [Weiterlesen →]

Gülle – Nicht nur ein bundesdeutscher Importschlager! 

200 Millionen Tonnen Gülle – jährlich! werden auf deutschen Feldern ausgeschüttet. Quelle: Der Spiegel Nr. 22 vom 30.05.2011, S. 17,  Nach Reichholf, J.H. ( Der Tanz um das goldene Kalb, Der Ökokolonialismus Europas, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 1. Auflage 2006) werden davon 2/3, also 133 Millionen Gülle importiert, wobei es auf die eine oder

Denitrifikation nur in besonders begründeten Fällen?!

Stickstoff ist grundsätzlich kein Schadstoff

Stickstoffeintrag in Gewässer durch die Abwasserreinigung

Stickstoffelimination durch die Abwasserreinigung

Schwarze Flecken im Watt

Nitrat stört den Phosphorkreislauf

Phosphorkreislauf verhindert nachhaltige Selbstreinigung

Widersprüche beim Gewässerschutz

Denitrifikation in natürlich belüfteten Teichkläranlagen

Abwasserabgabe – Teilweise Gewässerschädlich

Die Wahrscheinlichkeit der Prophezeiungen

Nach dem Lesen der Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg (01.07.1742 bis 24.02.1799), herausgegeben Insel-Taschenbuch 165 (1. Auflage 1976) kann man über das heutige Deutschland sehr nachdenklich werden. Es entsteht der Eindruck, Lichtenberg wäre ein Zeitgenosse, so aktuell ist er. Ein Zitat, vielleicht über 200 Jahre alt: Dieses ist eine Theorie, die meines Erachtens in der [Weiterlesen →]

Ausgewählte Quellen, teilweise eine Nitratpanik – Juni 2011:

Kein Nitrat im Gewässer! Aber alle wollen Milch trinken!

Landwirte im Kreis Cloppenburg fühlen sich “pauschal verunglimpft” General Anzeiger (Rhauderfehn) Der Berufszweig werde vom VSR-Gewässerschutz in ein falsches Licht gerückt, moniert Landvolk-Chef Hubertus Berges. Der Verein behaupte, “Landwirte würden…

Streit um Nitrat im Main

Main Post – ‎13.06.2011‎
Zu viel, sagen Umweltschützer vom „Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR-Gewässerschutz eV)“ nach umfangreichen Messungen. Sie sehen „dringenden Handlungsbedarf“. Der Main unterschreitet die Nitratvorgaben um mehr als 50 Prozent,

Umweltschützer untersuchen Brunnenwasser

Norddeutsche Neueste Nachrichten – ‎04.06.2011‎
„Es ist sinnvoll mit einem Brunnen das oberflächennahe Grundwasser zu nutzen und das aus tieferen Schichten gewonnene Leitungswasser sparsam zu verwenden“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende vom VSR-Gewässerschutz. Doch ist das selbst geförderte

Grundwasser häufig mit Nitrat belastet

Main-Spitze – ‎26.05.2011‎
Das Labormobil des „Vereins zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse“ (VSR) erweiterte das Angebot um die Möglichkeit, die Wasserqualität aus heimischen Brunnen oder in Kleingärten untersuchen zu lassen und auf diese Weise zu klären,

Streit um Nitrat im Main

Frankfurter Rundschau – ‎03.06.2011‎
Der Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR) unternahm mit einem eigenen Laborschiff kürzlich Messfahrten auf dem Main und seinen Zuflüssen, darunter Nidda und Kinzig. Der Verein, der dem Bundesverband Bürgerinitiativen und

Erhöhte Nitratwerte im Main

Primavera24 – ‎25.05.2011‎
Der Main im Primaveraland enthält zu viel Nitrat – das haben aktuelle Messungen vom VSR-Gewässerschutz ergeben. RHEIN-MAIN-GEBIET. Der Grenzwert für Nitrat liegt bei höchstens 11 Milligramm pro Liter. Die Messungen ergaben, dass das Mainwasser im

Streit um Nitrat im Main

Main Post – ‎13.06.2011‎

Zu viel, sagen Umweltschützer vom „Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR-Gewässerschutz eV)“ nach umfangreichen Messungen. Sie sehen „dringenden Handlungsbedarf“. Der Main unterschreitet die Nitratvorgaben um mehr als 50 Prozent,

Umweltschützer untersuchen Brunnenwasser

Norddeutsche Neueste Nachrichten – ‎04.06.2011‎

„Es ist sinnvoll mit einem Brunnen das oberflächennahe Grundwasser zu nutzen und das aus tieferen Schichten gewonnene Leitungswasser sparsam zu verwenden“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende vom VSR-Gewässerschutz. Doch ist das selbst geförderte

Grundwasser häufig mit Nitrat belastet

Main-Spitze – ‎26.05.2011‎

Das Labormobil des „Vereins zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse“ (VSR) erweiterte das Angebot um die Möglichkeit, die Wasserqualität aus heimischen Brunnen oder in Kleingärten untersuchen zu lassen und auf diese Weise zu klären,

Über 100 Menschen brachten Wasserproben aus ihren Brunnen mit und ließen es im Nibelungen Kurier

Streit um Nitrat im MainFrankfurter Rundschau – ‎03.06.2011‎

Der Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR) unternahm mit einem eigenen Laborschiff kürzlich Messfahrten auf dem Main und seinen Zuflüssen, darunter Nidda und Kinzig. Der Verein, der dem Bundesverband Bürgerinitiativen und

Erhöhte Nitratwerte im Main

Primavera24 – ‎25.05.2011‎

Der Main im Primaveraland enthält zu viel Nitrat – das haben aktuelle Messungen vom VSR-Gewässerschutz ergeben. RHEIN-MAIN-GEBIET. Der Grenzwert für Nitrat liegt bei höchstens 11 Milligramm pro Liter. Die Messungen ergaben, dass das Mainwasser im





Flaschenwahn statt Wasserhahn!

Preisschock – Normales Trinkwasser für über 5.000 €/m³?!

Kürzlich habe ich auf meiner Heimreise wegen des hohen Wasserpreises vom Kauf desselben Abstand genommen.

Der Kubikmeter Wasser kostete – an der Tankstelle – über 5 Tausend Euro. Dies schon seit Jahren und kein Mensch regt sich darüber auf! Die Ursache liegt in diesem Fall in der Privatisierung und Monopolisierung des Trinkwassers an Autobahnraststätten.

Auf der einen Seite haben wir notwendigerweise (um die Kosten für die zentrale Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung zu minimieren) einen Anschluss- und Benutzungszwang und auf der anderen Seite wird durch verschiedene Maßnahmen bestimmter Unternehmen, z. B. durch

  • Suggestion, dass Wasser aus Flaschen sauberer ist, als Wasser aus der Leitung
  • Verbreitung von Ängsten über „schlimme“ Wasserinhaltsstoffe in Wasserleitungen
  • Verbreitung der Illusion, dass deutsches Wassersparen den Durst der Kinder in Afrika löscht
  • und Verbreitung von diversem anderen Schwachsinn über die Schädlichkeit des Leitungswassers

massiv Einfluss auf die Senkung des Leitungswasserverbrauches genommen.

Fast jede Werbung für Flaschenwasser entwertet letztlich einen Teil des kommunalen und staatlichen Aufwandes für die Wasserversorgung.

Mir ist z. B. aufgefallen (als Chemiefacharbeiter studiere ich gerne die Analysenprotokolle der Wasserflaschen), dass es mitunter Flaschenwasser gibt, das ist so rein, dass es fast die Qualität von destilliertem Wasser hat. Es fehlen Salze.

Wer es fleißig trinkt und vielleicht noch eine Diät macht, wird also besonders schnell altern. Was ja wieder gut für die Umwelt sein soll, folgt man den Vorstellungen mancher Ökologisten. Und der Trinker oder die Trinkerin wird bald platzen, weil destilliertes Wasser den osmotischen Druck in den Zellen steigen lässt – ähnlich wie eine reife Kirsche im Regen.

Wer Flaschenwasser trinkt, sollte zumindest über ein gewisses wasserchemisches Grundlagenwissen bzw. Sachkunde verfügen. Fachkunde nicht unbedingt, ist aber auch nicht schlecht.

Pech für den, der in der Schule Naturwissenschaften abgewählt hat. Er muss nun Angst haben beim Trinken von Flaschenwasser.

Bei dem Angebot von den verschiedenstartigen Flaschenwässern ist aber die Wahrscheinlichkeit, auf besonders reines Wasser zu stoßen, eher gering.  Das mag beruhigen. Der Gefahr zu platzen kann man aus dem Wege gehen, wenn man die Marken häufig wechselt.

In dem Maße wie nun Trinkwasser in Flaschen und nicht aus der Leitung getrunken wird und/oder in dem Maße wie Trinkwasser gespart wird, müssen die Gebühren für die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung progressiv steigen.  Progressiv deshalb, weil ein geringerer Trinkwasserverbrauch – neben der Einbuße von Lebensqualität – progressive Folgekosten verursacht.

Trinkwasser hat in Deutschland eine so hohe Qualität, dass der Kauf und Verkauf von Wasser in Flaschen eigentlich nur als Ausnahme zu akzeptieren ist.

Deshalb und aus vielen weiteren Gründen wäre eine wirkungsvolle Verteidigung des kommunalen Leitungswassers wünschenswert.

Siehe hierzu: Flaschenwahn statt Wasserhahn!

Teil 1

http://www.youtube.com/watch?v=Diw9dO2JolY&feature=player_detailpage

Teil 2

http://www.youtube.com/watch?v=fO7AS-mEFfI&feature=player_detailpage




Dioxin – Horror oder Witz?

„Ein solcher Grenzwert sagt nichts über die Giftigkeit aus.“

„Bei der Erstellung dieser Lebensmittel-Grenzwerte wurde berücksichtigt, welche Konzentrationen an Dioxinen und PCB normalerweise in den jeweiligen Lebensmitteln vorkommen. (Hintergrundkontamination).

Höchstgehalte für Dioxine und dioxinähnliche PCB in Lebensmitteln sind geeignet, eine unannehmbar hohe Exposition der Bevölkerung und den Vertrieb unannehmbar stark kontaminierter Lebensmittel – beispielsweise durch versehentliche Verunreinigung oder Exposition – zu vermeiden (Erwägungsgrund 10 der Verordnung (EG) Nr. 2375/2001.

Ein solcher Grenzwert sagt nichts über die Giftigkeit aus.“

Quelle – Umweltbundesamt: Chemikalienpolitik und Schadstoffe, REACH, Dioxine

***

Kommentar:

Ein Pikogramm Dioxin im Liter Trinkwasser

Bei der Wertung ist sicher auch die Größenordnung zu berücksichtigen:

Der Mensch nimmt täglich 2 pg Dioxin und dioxinähnlicher Verbindungen auf (Hintergrundartikel). Ein pg ist ein Pikogramm, also ein Billionstel Gramm.

Stellen wir uns mal ein Pikogramm vor und lassen einen fetten Tropfen bestes Dioxin mit einem Kugeldurchmesser von 3 mm in bestes Trinkwasser fallen.

Wie groß wäre wohl das nötige Wasservolumen um eine Konzentration von  einem Pikogramm je Liter Wasser zu gewährleisten?

Dazu nehmen wir weiter an, die Dichte wäre 1.

Eine Kugel mit einem  Durchmesser von 3 mm hat ein Volumen von ca. 14 Kubikmillimeter Dioxin.

14 Kubikmillimeter sind 1,4 * 10^(-8) m³.

Das Billionenfache sind dann 14.137 m³.

Schwer vorzustellen!

Also nehmen wir nun an, es handelt sich um einen Teich mit 5 m Wassertiefe.

Dann hätte dieser eine Kantenlänge von 53 m.

Wenn nun in diesen Teich mit 14.137 m³ Wasser ein Tropfen 100 %-iges Dioxin fiele, dann würden die Chemiker im Liter Wasser 1 Pikogramm Dioxin finden.

Vorausgesetzt sie würden vorher schön umrühren. Das kann vermutlich  – je nach dem – Jahre dauern.

Und mal ehrlich, ob es etwas ausmachen würde, wenn die Konzentration z. B. um das Zehnfache steigen würde?

Nun ist es vielleicht gelungen, eine Vorstellung zu erarbeiten, über welche Konzentrationen und Dosen man eigentlich redet.

Es ist auch korrekt, wenn das Umweltbundesamt schreibt:  Ein solcher Grenzwert sagt nichts über die Giftigkeit aus.“

Einfach deshalb, weil Grenzwerte seit einigen Jahren nach dem Vorsorgeprinzip und den technischen Möglichkeiten zur Entfernung und Überwachung festgelegt werden.

Und diese Parameter  haben sich – auch aus marktwirtschaftlichen und ideologischen Gründen – meilenweit von tatsächlichen Gefährdungen oder wirtschaftlichen Prämissen (Effektivität) entfernt.

Vergleiche auch: Wassergütewirtschaft – gesicherte Grundlagen, ungewisse Zukunft

Ein Redakteur also – der gerne Dioxinängste verbreiten möchte  oder muss (weil es der Leser und Fernsehzuschauer gern ein wenig gruselig hätte)  –  kennt normalerweise weder das Dioxin noch ein Piko und so ist die Grundlage für die Dioxinhysterie mit allen Schäden für die Lebensmittelindustrie, den Verbraucher und den Staat bereitet.

Insofern ist auch nichts moralisch Verwerfliches zu finden, wo doch die Angsthasen Millionen ausgeben, um sich für viel Geld Angst machen zu lassen. Man denke nur an die „konsumierten“ ungezählten Leichen in den Krimis, an die vielen Horrorfilme mit und ohne Untote und an die Geisterbahnen.

Überall zahlt der Kunde für die Befriedigung seiner Ängste. So brachte z. B. nur ein Film einen Umsatz von 102 Millionen Dollar.

So gesehen kann er doch den Medien dankbar sein, wenn sie ihm nachschüssig zu zahlende Dioxin- Ängste einjagen.

Für den mit etwas chemischen Grundlagenwissen ausgerüsteten Leser sind die aktuellen Dioxin- Ängste kein Stoff für Horrornachrichten, sondern eher für einen schönen Witzfilm.

Zum Schreiben, Recherchieren  und Rechnen dieses Artikels habe ich weniger als ein Stunde gebraucht. Mit so wenig Aufwand wäre es möglich gewesen, den Millionenschaden von der Lebensmittelindustrie abzuwenden und den Ball flach zuhalten.

Siehe auch ausgewählte Zitate von Boris Kotchoubey:

aus seinem sehr interessanten Fachartikel

Écrasez l’infâme!
Die „vierte Gewalt” im Staate gehört in gesetzliche Schranken verwiesen.
Die Medienapparate dienen nur noch sich selbst und manipulieren das Gemeinwohl.
Eine Entrüstung von Boris Kotchoubey.

NovoArgumente 110,111 01 – 4 2011
S. 102-107

(Boris Kotchoubey ist Professor am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie an der Universität Tübingen.)

U. Halbach




Regenwassernutzung hat nicht nur Vorteile!

Inhalt:

  • Komplexität als Risiko
  • Fehlentwicklungen im dünnbesiedelten Raum
  • Kosten- und Risikofaktor „Trinkwasserhygiene“
  • Kosten- und Risikofaktor „Kanalreinigung“ – Steigerung der Abwassergebühren
  • Substitution von Trinkwasser im Haushalt?
  • Die Lösung des Problems!
  • mögliches Maß der Regenwassernutzung
  • öffentliches Trinkwassernetz ist kaum niedriger zu dimensionieren!
  • Literaturverzeichnis
  • Zusammenfassung

In der Fachliteratur sind über die Vorzüge der Regenwasserbewirtschaftung viele Untersuchungen und Hinweise zu finden.

Im nachstehenden Beitrag werden insbesondere die Nachteile und Risiken angesprochen, die im Einzelfall sicherlich keineswegs alle relevant sind, die aber vor der Investitionsentscheidung einer Regenwasserbewirtschaftung auf jeden Fall analysiert, bewertet und ggf. berücksichtigt werden sollten!

Auf Risiken und außergewöhnliche Probleme hat man sich insbesondere dann einzustellen und vorzubereiten, wenn eine erhebliche Senkung des Trinkwasserverbrauches im Versorgungsgebiet zu prognostizieren ist.

Bei allem Verständnis der Bemühungen zur Regenwassernutzung darf nicht übersehen werden, dass die Regenwasserbewirtschaftung – wie jede Sache, auch wenn sie über das optimale Maß hinaus betrieben wird – meist zu bedeutenden Nachteilen führt.

Fehlentwicklungen haben aus Refinanzierungsgründen bekanntlich im dünnbesiedelten Raum und in Kleinstädten eher nachteilige Konsequenzen, als in einer größeren Stadt.

Kausalitäten zur Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung sind bei der Regenwasserbewirtschaftung unbedingt zu beachten und bei Vergleichen sowie Variantenuntersuchungen monetär und nicht monetär zu berücksichtigen.

Es ist auszuschließen, dass Kostenvorteile bei der Regenwassernutzung einerseits – herausgearbeitet im Rahmen von Variantenuntersuchungen zwischen der Regenwasserbewirtschaftung und konventionellen Verfahren – nicht andererseits zu einer Kosten- und Risikoerhöhung bei der Trinkwasserversorgung, Abwasserableitung und Abwasserbehandlung führen.

Diese Gefahr ist aufgrund der Komplexität kaum zu überblickender kausaler Prozesse nicht zu unterschätzen!

Absolut sicher lässt sich eine erheblichen Kostensteigerung der Trink- und Abwassergebühren – besonders im ländlichen Raum – prognostizieren, wenn in Größenordnungen der Trinkwasserverbrauch und die Abwassermenge gesenkt wird, um Kosten zu sparen.

Der Ansatz, Regenwasserbewirtschaftung vorrangig zu betreiben, um Trinkwasser- und Abwassergebühren zu sparen, ist also grundlegend falsch und führt mittelfristig zum gegenteiligen Effekt.

Der bessere Weg ist Wasser so preiswert zu machen, dass eine Trinkwassersubstitution durch Regenwassernutzung für unwirtschaftlich wird.

Im Folgenden werden nun einige Szenarien geschildert, deren Eintreten bei unverhältnismäßiger Regenwassernutzung grundsätzlich nicht auszuschließen sind.

Kosten- und Risikofaktor „Trinkwasserhygiene“

Mit einer Nutzung des Regenwassers im Haushalt und Garten kann Trinkwasser eingespart werden.

Dabei ist aus hygienischen Gründen eine Substitution nur dort möglich, wo keine Trinkwasserqualität erforderlich ist.

So ist ein Einsatz von Regenwasser als Gartenbewässerung, zur Toilettenspülung und zum Wäsche waschen denkbar.

Dadurch können nach Literaturangaben bis zu 50% der Trinkwassermenge durch Regenwasser ersetzt werden [1, 11,12,19, 39].

Einer solchen Substitution von Trinkwasser durch Regenwasser im Haushalt stehen nicht nur hygienische Bedenken entgegen.

Auch aus der Sicht der Wasserversorger wird dem mit berechtigter Skepsis begegnet [46].

Der Trinkwasserverbrauch in Deutschland liegt im Vergleich mit anderen europäischen Staaten im Mittel und kann keineswegs als überhöht angesehen werden [12].

Der Verbrauch ist in den neuen Bundesländern als Folge von Preisanstieg und Rückgang der Industrieproduktion drastisch gesunken. (Stellungnahme des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 08.07.1993 in [12]).

In Brandenburg z. B. verbraucht der durchschnittliche Einwohner zwischen 89 und 110 Liter Trinkwasser pro Tag und liegt damit im Verbrauch im unteren Bereich von Westeuropa [31].

Eine Reduktion des Trinkwasserverbrauchs über das übliche Maß hinaus, führt zu längeren Standzeiten des Wassers im Netz.

Damit einhergehend sind hygienische Bedenken an die Qualität des Trinkwassers anzumelden.

So können sich mit langen Stagnationszeiten im Wasser wieder Keime ansiedeln, woraus sich eine gesundheitliche Beeinträchtigung der Allgemeinheit ergeben kann.

Daneben ist bei langen Verweilzeiten eine biologische Ammoniumoxidation möglich.

Dabei entsteht Nitrit, das besonders bei Säuglingen und Kleinkindern als bedenklich gilt [8].

Es sind erhebliche Pflege- und Spülmaßnahmen zur Aufrechterhaltung des hohen Qualitätsstandards erforderlich.

Dadurch ist sogar denkbar, dass aufgrund der Rohrnetzspülungen gar keine Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs erzielt wird [12].

Als Konsequenz wird daraus oft gefordert, das öffentliche Trinkwassernetz niedriger zu dimensionieren.

Das ist aber aus zwei Gründen nicht möglich.

Erstens muss das öffentliche Trinkwassernetz auf den maximalen Verbrauch ausgelegt sein.

Dieser wird in den Sommermonaten erreicht, wo das Regenwasserangebot oft über Wochen durch fehlende Niederschläge stark eingeschränkt ist.

Es ist folglich keine Minimierung der Verbrauchsspitze zu erwarten.

Zweitens ist das Trinkwassernetz in Städten auch darauf ausgelegt, im Brandfall die Feuerwehr mit Löschwasser zu versorgen.

Die sich hieraus ergebende Überdimensionierung ist ein wichtiger Bestandteil des Notfallschutzes.

Eine Reduzierung des Leitungsquerschnittes ist nur dann möglich, wenn die maximal benötigte Wasser- und Löschwasserversorgung gewährleistet bleibt.

Die notwendige doppelte Netzführung in einem Haushalt mit Regenwassernutzung birgt die Gefahr von Fehlanschlüssen.

Nach DIN 1988 ist keine Verbindung zwischen Brauch- und Trinkwassernetz zulässig.

Es ist auf Dauer jedoch nicht wirklich ausgeschlossen, das ein Fehlanschluss entsteht und mit Keimen belastetes Regenwasser in das öffentliche Trinkwassernetz eindringt [12, 39].

Als Argument zur Verwendung von Regenwasser wird oft eine Kostenersparnis angeführt.

Tatsächlich ist jedoch eine Abhängigkeit des Trinkwasserpreises vom Verbrauch gering, da der Wasserpreis zu 90% aus Fixkosten besteht!

Im Gegenteil, bei einem Absatzrückgang werden die spezifischen Kosten pro m3 (Trink- und Abwassergebühren) steigen und somit die eigenen Einsparungen auf Kosten des Nachbarn ausgetragen [12, 31, 46].

Aus all diesen Argumenten ist ersichtlich, dass eine Regenwassernutzung und Substitution von Trinkwasser im Haushalt keine wirklichen Vorteile bringt.

Der Einsatz von Regenwasser muss sogar als ökonomisch und ökologisch fragwürdig angezweifelt werden.

Für die Nutzung zur Gartenbewässerung steht dem jedoch kein gewichtiges Argument im Wege.

Im Folgenden – ein weiterer Kosten- und Risikofaktor, der hier zwar weniger umfänglich dargestellt wurde, aber in seinen finanziellen Konsequenzen die Kostenerhöhungen bei der Trinkwasserversorgung weit übersteigen dürften.

Kosten- und Risikofaktor „Kanalreinigung“

Überwiegend kommt bei der Abwasserableitung die Schwemmkanalisation zum Einsatz.

Wird Wasser gespart – aus welchen Gründen auch immer – bleiben besonders viele Fäkalien im Kanal liegen.

Die Auswirkungen:

  • Das Abwasser fault und die Behandlungskosten auf der Kläranlage steigen.
  • Es gibt Geruchsbelästigungen.
  • Hygienische Probleme nehmen zu.
  • Die Kosten für die Kanalreinigung steigen spürbar.
  • In der Konsequenz ist eine zusätzliche Steigerung der Abwassergebühren und -beiträge notwendig.

Die Intensität, mit der eine Regenwassernutzung ohne erhebliche Nachteile betrieben werden kann, ist also in erster Linie abhängig

  • von den Bedingungen im Versorgungsgebiet des Wasserversorgers und
  • von den Bedingungen im Einzugsgebiet des Abwasserentsorgers.

Es versteht sich von selbst, dass man diese Bedingungen vor Entscheidungen über eine Regenwassernutzung genauestens in ihrer Reaktion und Sensibilität analysieren muss, bevor die Regenwasserbewirtschaftung im großen Stil geplant oder gar umgesetzt wird.

Die Lösung des Problems:

Es kommt allein auf das richtige Maß an!

Um es zusammenzufassen:

  • Der sparsame Umgang regelt sich primär über die Höhe der Beiträge, Gebühren und Preise.
  • Es ist in Deutschland nicht nur unnötig, sondern auch schädlich das Wassersparen zu thematisieren!
  • Wassersparen ist in Deutschland nur auf Kosten des Nachbarn möglich.
  • Wassersparen führt zu einer zusätzlichen Steigerung der Beiträge, Gebühren und der Preise.

Literaturverzeichnis

[1]
König, Klaus W.
Regenwassernutzung
Ein Handbuch für Planer, Handwerker und Bauherren
mallbeton-Verlag, 2000, 5. Auflage, ISBN 3-9803502-0-7

[8]
ATV-Fachausschuss 2.1
Stickstoff und Phosphor in Fließgewässern
Korrespondenz Abwasser (Arbeitsbericht), 1987, Heft 11, S. 1215/1223

[11]
fbr-wasserspiegel
Zeitschrift der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e. V.
Juni 1999, Heft 2, ISSN 1436-0632

[12]
Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N Hannover
Regenwassernutzung
Schriftenreihe 1993, Heft 14

[19]
Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie und Bundesangelegenheiten
Nutzung von Regenwasser
April 1994, 7. Auflage, ISBN 3-89274-044-5

[31]
Hartmann
Entwicklung von Trinkwasserbedarf und –verbrauch im Land Brandenburg
Vortrag anlässlich der Tagung zu Stagnationsproblemen im Trinkwasserbereich
Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg, 1998

[39]
Mönninghoff, H.
Wege zur ökologischen Wasserversorgung
ökobuch Verlag, 1993, 1. Auflage, ISBN 9-922964-53-2

[46]
Landeshauptstadt Hannover – Der Oberbürgermeister – Umweltdezernat
Wasserkonzept für Hannover – Leitlinien –
Schriftenreihe kommunaler Umweltschutz Heft Nr. 15, Dezember 1996

 

Werdau, den 19.05.2000

Uwe Halbach
Dipl.-Ing. (FH); Dipl.-Ök.

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