Schwefelwasserstoff in Kleinkläranlagen

Schwefelwasserstoff als Ursache einer Geruchsbelästigung

Siehe auch:  Kanalgestank muss nicht sein. Ursachen und eine innovative Lösung!

Kurzfassung

Schwerpunkt des folgenden Gutachtenauszuges ist die Darstellung von Ursachen und Wirkungen bei Geruchsbelästigung durch Kleinkläranlagen. Ausgangspunkt war die Errichtung einer Mehrkammerabsetzgrube nach DIN 4261, Teil 1. Wegen starker Geruchs- und Korrosionsprobleme wurde eine Kleinkläranlage nach DIN 4261, Teil 2 errichtet.

Es besteht auch aus anderen Beobachtungen Grund zu der Annahme, dass der natürlichen Be- und Entlüftung von Kanalisationsanlagen zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Wichtig ist, dass der Luftstrom

  • durch die Lüftungsschlitze der Kanaldeckel in die öffentliche Kanalisation
  • zu den Hausanschlussleitungen,
  • über die Grundleitungen und Steigleitungen der Grundstücksentwässerung und endlich
  • zur Entlüftung der Steigleitungen über das Dach

nicht behindert, sondern gefördert wird.

Reicht die natürliche Kaminwirkung nicht aus oder wird sie unterbrochen (Pumpwerke…), dann sind geeignete Be- und Entlüftungseinrichtungen gesondert vorzusehen (siehe u. a. DIN 4261).

1. Beweisaufgabe 1

„Die von der Firma … als Subunternehmerin des Klägers geplante und zwischenzeitlich sanierte Interimskläranlage für das Bauvorhaben der Beklagten ‚Alten- und Pflegeheim …‘ sei unzureichend dimensioniert worden. Dadurch habe es zwangsläufig zu Geruchsbelästigungen durch hydraulische Überlastung kommen müssen.“ [1]

1.1. Untersuchungsmethoden für Beweisaufgabe 1

Besondere Untersuchungsmethoden kamen nicht zum Einsatz.

1.2. Untersuchungsergebnisse – Beweisaufgabe 1

In Kleinkläranlagen nach DIN 4261, Teil 1 – um eine solche Anlage handelt es sich im strittigen Fall – werden grundsätzlich stinkige Gase gebildet. Deren Geruch belästigt, sofern diese Gase nicht aufgefangen, hinreichend mit Frischluft verdünnt und an solchen Stellen abgeleitet werden, an denen sie nicht belästigen können. Möglicherweise auch deshalb nicht, weil sich an solchen Stellen in der Regel niemand häufig aufhält.

Bei der genehmigten und errichteten Kleinkläranlage handelt es sich also um eine Kläranlage, die zwangsläufig funktionsgemäß erhebliche Mengen an Faulgasen produziert.

„Der abgesetzte Schlamm fault bis zur Räumung nur zu einem geringen Teil aus.“ (DIN 4261, Teil 1, Punkt 3.1.1, siehe Anlage 1).

Bei einer Faulung entstehen Faulgase, deren Geruch in den meisten Fällen wahrnehmbar ist. Allerdings ist eine Belästigung von verschiedenen Umständen abhängig, die aber primär mit der Dimensionierung oder Überlastung, sei es hydraulisch oder mit organischen Stoffen, einer Kleinkläranlage nichts zu tun haben.

Ist die Be- und Entlüftung leistungsfähig genug, um mit dem Anfall der Faulgase fertig zu werden, dann kommt es zu keiner Belästigung.

Erfahrungsgemäß bilden sich gerade bei kurzen Faulzeiten – wie es bei einer Mehrkammerabsetzgrube zutrifft – verstärkt organische Säuren, die im wahrsten Sinne des Wortes erheblich stinken. Außerdem wird Schwefelwasserstoff verstärkt gebildet. Bei längeren Faulzeiten – Mehrkammerausfaulgruben nach DIN 4261, Teil 1, Punkt 6.1.2 – geht die Bildung von Stinkgasen dagegen etwas zurück und es wird verstärkt Kohlendioxid und Methan gebildet. Grundsätzlich stinken aber auch Mehrkammerausfaulgruben.

Insofern waren die Ergebnisse der Gasanalysen durchaus zu erwarten und lassen sich an jeder nicht hinreichend belüfteten Kleinkläranlage reproduzieren.

Sie beweisen letztendlich auch, dass die Belüftung der Kleinkläranlage mangelhaft war, denn bei korrekter Belüftung hätten derartige Konzentrationsschwankungen gar nicht gemessen werden können.

Beweis:

1. Prämissen

  • Nach [3, Seite 11] wurde in der Abwasseranlage eine H2S-Konzentration von bis zu 70,2 ppm(1) festgestellt.
  • Wird ungünstig angenommen, dass in der Abwasseranlage ein Luftraum von 10 m³ herrscht, so folgt daraus eine H2S-Menge von 702 ml.
  • Ausgehend vom MIK-Wert(2) 1 ppm und einer Luftmenge von ca. 70,2 m³ sind 702 ml H2S ebenfalls in dieser Luftmenge enthalten. D. h. 70,2 m³ Frischluft genügen, um 702 ml 100 %-iges H2S auf eine beinahe nicht mehr wahrnehmbare MIK-Konzentration von 1 ppm zu verdünnen.
  • Sicherheitsfaktor – Annahme – halbtägliche Produktion von 702 ml H2S, also doppelte Luftmenge

2. Konklusion:

Ein Luftaustausch von 140 m³/d bzw. 5,8 m³/h hätte das Geruchs- und Korrosionsproblem durch Verdünnung der H2S-Konzentration von 70,2 auf 1 ppm und durch Luftwechsel gelöst.

(Dazu wären z. B. 2 Be- und Entlüftungsrohre mit z. B. 150 mm Durchmesser und ggf. einer Zwangsbelüftung mit einer Leistung von vielleicht 100 W an geeigneter Stelle zu installieren gewesen. Diese Bemessung ersetzt keine fachkundige Planung der Be- und Entlüftung!)

Den Gerichtsakten sind Ausführungen zur Bemessung zu entnehmen. (Schriftsätze des Ingenieurbüros vom 21.07.1993, Antrag vom 21.07.1993 zum Anschluss an bzw. zur Einleitung in das öffentliche Abwassernetz sowie die dazugehörige Anlage, Schriftsätze vom 15.03.2002, Niederschrift über die Beratung vom 01.11.1993, 19.03.1998, weiter die geänderte Genehmigung zum Anschluss an bzw. zur Einleitung in das öffentliche Abwassernetz vom 04.08.1993.)

Das Ingenieurbüro berechnete in der Anlage zum Antrag vom 21.07.1993 zum Anschluss an bzw. zur Einleitung in das öffentliche Abwassernetz eine Abwassermenge in Höhe von 29 m³/d.

Genehmigt wurde eine Kleinkläranlage ohne aerobe biologische Behandlung(3) nach DIN 4261, Teil 1. Zu errichten war also eine Mehrkammerabsetzgrube (Punkt 6.1.1. der DIN 4261, Teil 1).

Je Einwohner sind somit 300 l Nutzvolumen zuzuordnen.

Die Anlagen werden grundsätzlich nach der Verweilzeit bemessen, wobei eine Abwassermenge von 150 l/Ed gilt (0,15 m³/d entsprechen 300 l).

Dem baufachlichen Gutachten vom 28.02.2001 des Sachverständigen  entnehme ich auf Seite 45, dass ein Nutzvolumen von 59,4 m³ realisiert wurde.

Nach der Berechnung ist festzustellen, dass die Kleinkläranlage unter den gegebenen Annahmen ausreichend und korrekt dimensioniert wurde.

Nicht geprüft wurde, ob die Spitzenabflüsse die zulässigen 1/10 Qd überschreiten. Das hat aber keine Auswirkungen auf die Bewertung der Geruchsproblematik.

1.3. Zusammenfassung – Beweisaufgabe 1

Die von der Firma X als Subunternehmerin des Klägers geplante und zwischenzeitlich sanierte Interimskläranlage für das Bauvorhaben der Beklagten „Alten- und Pflegeheim…“ ist ausreichend und korrekt dimensioniert worden.

Es gibt keine Anzeichen für eine hydraulische Überlastung. Zwischen einer vermeintlichen hydraulischen Überlastung und den festgestellten Geruchsbelästigungen [3] gibt es keinen Zusammenhang.

Nicht geprüft wurde, ob die Spitzenabflüsse die 1/10 Qd überschreiten. Das hat aber keine Auswirkungen auf die Bewertung der Geruchsproblematik.

Das Geruchs- und Korrosionsproblem wurde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch eine mangelhafte Be- und Entlüftung verursacht, weil es bei einer korrekten Be- und Entlüftung einen hinreichend intensiven Luftaustausch in der Klärgrube gegeben hätte und es damit gar nicht erst zu einer Aufkonzentration von H2S gekommen wäre. Ebenfalls hätte ein intensiver Luftaustausch die Bildung von Kondenswasser beschränkt, so dass damit auch die Säurebildung weniger intensiv ausgefallen wäre.

2. Beweisaufgabe 3

„Zur Sanierung der Kläranlage seien auch die Arbeiten gemäß Rechnung vom 25.05.1999 betreffend Schacht 8 über 2.992,80 DM (1.530,19 €) (Anlage B14) notwendig gewesen. Die Sanierung des Schachtes 8 sei nicht deshalb erforderlich gewesen, weil dieser durch aggressives Altwasser(4) geschädigt worden sei.“ [1]

2.1. Untersuchungsmethoden für Beweisaufgabe 3

Besondere Untersuchungsmethoden kamen nicht zum Einsatz.

2.2. Untersuchungsergebnisse und Zusammenfassung – Beweisaufgabe 3

Ob die Sanierung notwendig war, kann im Nachhinein nicht bewiesen werden, da für einen sicheren Beweis eine Beweissicherung des unsanierten Zustandes notwendig ist.

Ausgehend von den hohen Schwefelwasserstoffkonzentrationen, die insbesondere bei schlechter Belüftung mit Kondenswasser zu schwefliger Säure hydrolysieren, ist eine erhebliche Korrosion des gesamten Schachtbauwerkes sehr wohl anzunehmen.

Insbesondere, wenn Steigeisen stark angegriffen sind oder wenn arbeitsschutztechnische Bedenken bestehen, müssen die Schächte aus Gründen des Arbeitsschutzes saniert werden.

In diesem Fall ist eine Sanierung unbedingt notwendig.

3. Stellungnahmen zum Schriftsatz der Beklagten vom 07.08.2003

3.1. Zitat 1

„Der Planer der Kläranlage und damit der Kläger zu 1) ist von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Unabhängig von der Dimensionierung der Kläranlage bezieht sich die vom Sachverständigen zugrunde gelegte DIN 4261 auf Kleinkläranlagen bis 50 Einwohner und bis zu Einleitwerten von 8 m³ je Tag. Weiterhin legt diese DIN zugrunde, dass die Vorschrift nur für häusliches Abwasser gilt und für gewerbliches Schmutzwasser keine Anwendung findet.“

„Das Schmutzwasser eines Altenpflegeheims mit 90 Plätzen und 1 Küche, die auf mehrere 100 Portionen Essen ausgelegt ist, kann natürlich nicht mit häuslichem Abwasser gleichgesetzt werden.“

„Die DIN 4261, Teil 1 ist also nicht anwendbar. Würde nach dieser DIN geplant werden dürfen, hätte von Anfang an ohnehin ein größeres Volumen der Anlage gewählt werden müssen.“

3.2. Stellungnahme zu Zitat 1

Unabhängig von der Dimensionierung der Kläranlage bezieht sich die von mir zu Grunde gelegte DIN 4261 auch auf Kleinkläranlagen > 50 Einwohner und > Einleitwerte von 8 m³ je Tag.

In der DIN 4261, Teil 1 wird im Punkt 1 notiert (siehe Anlage 1):

„Wenn im Einzelfall Anlagen zur Grundstücksentwässerung für einen Schmutzwasseranfall über 8 m³/d zulässig sind, können die Grundsätze dieser Norm herangezogen werden.“

Über die Zulässigkeit hat die Wasserversorgung und Abwasserbehandlung GmbH mit Genehmigung vom 04.08.1993 und späterer Änderung von einer großvolumigeren Kleinkläranlage zu einer kleinvolumigeren positiv entschieden. Grundlage war dabei, dass die Stadt in absehbarer Zeit eine zentrale biologische Kläranlage erhalten soll. Derlei Entscheidungen sind üblich und verbreitet, um die Kosten für eine Zwischenlösung auf ein Mindestmaß zu begrenzen.

Weiterhin legt diese DIN 4261 zwar zu Grunde, dass die Vorschrift nur für häusliches Abwasser gilt und für gewerbliches Schmutzwasser keine Anwendung findet, aber das Abwasser eines Pflegeheimes ist durchaus m. E. für die Bemessung nach dieser DIN hinreichend häusliches Abwasser in spezifischer Menge und Belastung.

Unter gewerblichem Abwasser würde ich eher einen Betrieb verstehen, der z. B. ausschließlich Speisen produziert. Aber selbst in diesem Falle wären nach gesonderter Prüfung derartige Kleinkläranlagen einsetzbar.

In DIN 4261, Teil 1 wird unter Punkt 1 ausgeführt (Anlage 1):

„Der Kleinkläranlage dürfen nicht zugeleitet werden: – gewerbliches Schmutzwasser, soweit es nicht mit häuslichem Abwasser vergleichbar ist….“

Nach meiner Erfahrung ist das Abwasser des Alten- und Pflegeheims mit häuslichem Abwasser vergleichbar.

Die Feststellung in der Auswertung der H2S-Messung der Umwelttechnik und Analytik GmbH, dass die Anlage hydraulisch überlastet sei, sind falsch, da von falschen Voraussetzungen(5) ausgegangen wurde. Es werden damit auch die falschen Schlüsse gezogen und letztlich wird mit einer falschen Ursache trotzdem eine von vielen möglichen Lösungen gefunden: Die Errichtung einer aeroben biologischen Kleinkläranlage.

Eine ordentliche Be- und Entlüftung – sofern sie ohne größeren Aufwand möglich gewesen wäre – hätte das Problem ebenfalls lösen können (vergleiche Punkt 2.2).

Genehmigt wurde eine Mehrkammerabsetzgrube nach DIN 4261-1. Das erforderliche Volumen beträgt 58 m³ – realisiert wurden nach Angaben 59,4 m³. In [3] wird aber mit einer nicht relevanten Mehrkammerausfaulgrube gerechnet.

Die Entscheidung, ob eine kleine Mehrkammerabsetzgrube oder eine größere Mehrkammerausfaulgrube zu wählen war, ist nicht davon abhängig, ob mehr oder weniger Stoffe abzusetzen sind, sondern erstens, ob der abgesetzte Schlamm nach der Behandlung im weitesten Sinne nicht mehr fäulnisfähig sein soll oder ob zweitens, die erforderlichen jährlichen Beräumungen minimiert werden sollen.

Eine hydraulische Überlastung würde sich ausschließlich in einer Erhöhung der absetzbaren Stoffe im Ablauf beweisen lassen. M. E. ist dies aber nicht nachgewiesen.

Die Hypothese in [3] einer Systemüberlastung und Verlagerung der anaeroben Prozesse in die Nachsedimentation ist nichtssagend. Kleinkläranlagen werden nicht gasdicht errichtet. Es ist für den Gestank ziemlich unerheblich, an welcher Stelle einer Grube er sich bildet. Er findet bei derartigen Bauwerken immer eine Ritze aus der er müffeln kann, sofern nicht für eine Gasverdünnung und einen Unterdruck in der Grube gesorgt wird. Außerdem weisen die Kammern einer Mehrkammerabsetzgrube zwar Tauchungen auf – die einzelnen Kammern sind aber luftseitig verbunden (siehe Bild 1-3 der DIN 4261 Teil 1, u. a. Anlage 3). Und schließlich ist es überhaupt nicht Aufgabe und Funktion der Mehrkammerabsetzgrube anaerob irgendetwas abzubauen, sondern das Abwasser ist lediglich von den absetzbaren und aufschwimmbaren Stoffen zu befreien (Anlage 1).

3.3. Zitat 2

„Bei dieser Sachlage hätte die Kläranlage von vornherein mit einer aeroben Technik ausgestattet werden müssen, da eine anaerob wirkende 3-Kammer-Grube in diesem Anwendungsfall völlig ungeeignet ist.“

3.4. Stellungnahme zu Zitat 2

Zur Betonkorrosion und Geruchsbelästigung kommt es in aller Regel, wenn die Abwasseranlagen nicht hinreichend belüftet werden. Durch die Belüftung wird erstens ein geringer Unterdruck in der Absetzgrube geschaffen, so dass die Kanalgase nicht nach außen dringen und zweitens kommt es zu keiner Aufkonzentrierung von H2S in den Abwasseranlagen.

Den besonderen Aspekt einer ausreichenden Be- und Entlüftung wird auch in einem gesonderten Abschnitt 5.4. der DIN 4261, Teil 1 (Anlage 2) Rechnung getragen.

„Die Abwasseranlagen müssen be- und entlüftet werden.

Falls erforderlich sind zusätzliche Lüftungsleitungen oder Lüftungsöffnungen anzuordnen, z. B. bei Abwasserhebeanlagen oder Mehrbehälteranlagen.“

Wenn in Abwasseranlagen Geruchsbelästigungen auftreten und Schächte korrodieren, so ist das ein Indiz für eine mangelhafte Be- und Entlüftung.

Ich kann also keine Ursachen erkennen, warum eine Mehrkammerabsetzgrube im betreffenden Fall nicht geeignet sein sollte.

3.5. Zitat 3

„Die Betrachtung und Berechnung des Volumens der Kläranlage geht deshalb am Thema vorbei. Der eigentliche Planungsfehler liegt darin, dass von Anfang an vom Planer eine ungeeignete Technik gewählt wurde, ohne dass der Kläger zu 1) auf Bedenken hinsichtlich des hier zugrunde zu legenden Anwendungsfalls hingewiesen hatte. Es hätte von Anfang an ein anderer Typ der Kläranlage mit einer aeroben Technik verwendet werden müssen, da bei einem Altenpflegeheim die Abwässer eher mit einer medizinischen Einrichtung gleichzusetzen sind.“

3.6. Stellungnahme zu Zitat 3

Die Betrachtung und Berechnung des erforderlichen Volumens der Kläranlage wurde überprüft, da es die falsche Hypothese in [3] gibt, dass infolge einer hydraulischen Überlastung die Anlage nicht funktioniert.

Es gibt keinen Planungsfehler hinsichtlich der Wahl einer von Anfang an ungeeigneten Technik.

Der Planer hätte vielmehr einen Mangel verursacht, wenn er ohne ausdrücklichen Auftrag des Bauherrn eine Anlage geplant hätte, die ein Mehrfaches der genehmigten Anlage gekostet hätte.

Es war nur eine Mehrkammerabsetzgrube beantragt und genehmigt.

Mehrkammerabsetzgruben – wenn sie auch nach DIN 4261 errichtet werden – funktionieren grundsätzlich (Seite 44 der Anlage 1).

Kleinkläranlagen nach DIN 4261, Teil 1 kamen in zahlreichen Fällen zur Abwasserbehandlung von Küchen, Fleischverarbeitungen, Hotels, Ferienheimen u. a. m. zum Einsatz.

Sie sind ein geeignetes, zulässiges und allgemein anerkanntes Verfahren, wenn es darum geht, die absetzbaren Stoffe aus dem Abwasser zu entfernen.

Für Übergangslösungen finden sie auch heute noch hundertfach ihren Einsatz.

Überlastungen zeigen sich ausschließlich in einer Verschlechterung des Ablaufes.

3.7. Zitat 4

„Hinzu kommt, dass die Kläranlage nicht nur – wie der Sachverständige Halbach feststellt – Gestank absondert, sondern – wie wir bereits dargelegt haben – extreme und unzulässige Belastungen der Schachtanlage mit Schwefelwasserstoff auftrat, die zum einen toxikologisch bedenklich sind und zum anderen gravierende Beeinträchtigungen der Umwelt aufweisen. Die auftretenden Gase haben die Schachtbauwerke – wie bereits dargelegt – erheblich zerstört, so dass allein aus diesem Grunde die Anlage für den hier vorgesehenen Anwendungsfall nicht geeignet war.“

3.8. Stellungnahme Zitat 4

Wie schon ausgeführt, sind die alleinigen Ursachen der geschilderten Wirkungen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine mangelhafte Be- und Entlüftung zurückzuführen.

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

[1]
Prozessakte

[2]
DIN 1986-1
Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke

[3]
Auswertung der H2S-Messung in Kläranlagen
der ****

6. Anlagenverzeichnis

Anlage 1 Auszug aus der DIN 4261, Seite 44 und 45
Anlage 2 Auszug aus der DIN 4261, Seite 46
Anlage 3 Auszug aus der DIN 4261, Seite 50
Anlage 4 Internetrechercheergebnis: MIK – Wert für H2S

Fußnoten

(1)
1 ppm = 1 Millionstel bzw. 1 ml H2S /m³ Luft

(2)
MIK: Maximale Immissions-Konzentration, MIK-Werte dienen dem allgemeinen Schutz der Umwelt. Sie beziehen sich nicht allein auf die für den Menschen noch zumutbaren Höchstkonzentrationen von Schadstoffen und sollen Grenzkonzentrationen von Schadstoffen in der Luft und in Gewässern angeben, bis zu der nach den bisherigen allgemein gesicherten Erfahrungen keine Schäden für Tiere, Pflanzen und den Menschen erwachsen. Der Aspekt der Langzeitwirkung steht im Mittelpunkt. MIK-Werte sind in der Regel als Richtwerte anzusehen.

(3)
Gemeint ist sicher „Nachbehandlung“ anstelle von „Behandlung“

(4)
Ich gehe davon aus, dass es Abwasser heißen muss.

(5)
falsche Hypothese, dass die Dimensionierung des Planers falsch sei, ungeeignet wegen Geruchsbelästigung, falsche Hypothese, dass die Geruchsbelästigung ein Mangel der Mehrkammerabsetzgrube sei

****

Veröffentlicht am 24.02.2010

Zur Beachtung!

 




Rückstau, Rückstauebene und Rückstausicherung

Der Rückstau im Kanalnetz als sekundäre Ursache von Grundstücksschäden

Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung
Rückstaugutachten

Inhalt:

  • Welche Vorgänge laufen beim Rückstau ab?
  • Wann ist ein Rückstau nicht möglich?
  • Wer ist für die Rückstausicherung verantwortlich?
  • Wirkung von Rückstausicherungen
  • Wirkung von Rückstausicherungen an falscher Stelle
  • Gebäudeschaden bei undichter Grundleitung und Kellerlenzung bei hohem Grundwasserstand
  • Rückstauschleifen
  • Bezug von Rückstausicherungen
  • Rechtsprechung
  • Weitere Informationen
  • Literatur

Siehe auch:

Wenn Abwasser oder Fäkalien in den Keller strömen und keine Verstopfung der Grundstücksentwässerung vorliegt, dann handelt es sich meist um Rückstau. Dabei fließt dann im öffentlichen Kanal angestautes Abwasser über die Grundstücksentwässerungsleitung in den Keller.

Derartige Effekte sind seit zig-Jahren bekannt und die Vermeidung solcher Probleme gehört zu dem Grundwissen eines Fachingenieurs oder eines Installationsbetriebes.

Mit Rückstau ist grundsätzlich zu rechnen!

Wenn der Artikel auch „Der Rückstau im Kanalnetz als sekundäre Ursache von Grundstücksschäden“ genannt wird, so ist die primäre Ursache von manchen Grundstücksschäden durch Rückstau eine fehlende oder falsch eingebaute Rückstausicherung.

Rückstausicherungen sind über 100 Jahre alt

Rückstau

Fachbuch von GENZMER (1924)

Sie sind als keine neue „Erfindung“ der Kommunen bzw. der Abwasserzweckverbände.

Der Absatz 4 des § 23 der Berliner Polizei-Verordnung über die „Herstellung und Betrieb von Grundstücksentwässerungen« usw. vom 26. Okt. 1910 lautet:

»Die Genehmigung zum Anschluß solcher Einläufe, die tiefer als die Straßenbordkante liegen, wird nur widerruflich erteilt. Der Eigentümer hat für den ordnungsmäßigen Zustand und die richtige Handhabung der Verschlüsse Sorge zu tragen und ist für alle durch etwaigen Rückstau hervorgerufene Schäden verantwortlich.« 

Quelle: GENZMER (S. 47)

 

 

 

 

Rückstauschutz war in Erfurt schon 1929 Bestandteil der Polizeiverordnung:

 

Kopie aus dem Fachbuch von Gürschner, u. a.: Der städtische Tiefbau, III. Stadtentwässerung, Verlag B.G. Teubner Leipzig, Berlin und Leipzig, 1921 (pdf-Datei): Sicherung vor Rückstau ist a.a.R.d.T. wenigstens seit 1921

Rückstau 1921

 

Rückstausicherung 1924

Rückstausicherung

Abbildung 2 : Variante einer einfachen Rückstausicherung (1924) aus dem o.g. Fachbuch von GENZMER

 

 

 

 

 

 

 

 

Welche Vorgänge laufen beim Rückstau ab?

Das Schema veranschaulicht die Entstehung eines Rückstaus in einem Schmutzwasserkanal.

Dargestellt wurde ein Schnitt durch ein Schmutzwasserkanalisationsfragment.

Nach dem unterliegenden Schacht im Schema wurde eine Störung (Kanaleinbruch) dargestellt.

(Zu gleichen Auswirkungen führen beispielsweise auch Ausfälle von Abwasserhebeanlagen.)

Ständig zufließendes Abwasser führt zu einer Vollfüllung des oberhalb liegenden Kanalabschnittes und zur Füllung betroffener Schächte.

Mit den Entwässerungskanälen sind die Grundstücke durch einen Hausanschlusskanal verbunden.

In dem Fall, dass der Gebäudekeller über eine offene ungeschützte Verbindung zum Hausanschlusskanal verfügt, wird der Keller nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren geflutet (Abbildung 3).

Diese offenen Verbindungen zum Hausanschlusskanal können z. B. Fußbodenentwässerungen, in Kellern aufgestellte Toiletten, Duschen u. a. m. sein.

Im Ergebnis der Überflutung steigt das Wasser in den „verbundenen Röhren“ so hoch wie die niedrigste „Röhre“ reicht. (Abbildung 3)

In dem gezeichneten Fall ist dies die Oberkante des unteren Schachtes.

Rückstausicherung

Abbildung 3 : Wirkung bei fehlender Rückstausicherung

Wann ist ein Rückstau nicht möglich?

Ein Rückstau ist nicht möglich, wenn die Öffnungen der Hausentwässerung oberhalb der Straßenoberkante liegen. (Möglich sind Sicherheitszuschläge bis 30 cm.) Siehe hierzu Abbildung 4.

Nach [1, Seite 128 ] gilt:

Entscheidend ist jeweils, daß ein Rückstau des Abwassers so lange unschädlich ist, wie ein Austritt … des Abwassers vermieden wird. Gibt es unterhalb „der Rückstauebene“ bei den Grundstücksentwässerungsanlagen ungesicherte Öffnungen oder Auslässe, so besteht die Gefahr, dass bei starken Regenfällen oder bei einer starken Inanspruchnahme des Abwassernetzes der Rückstau ein Ansteigen des Wassers in den Einlaufschächten und in den Räumen, in denen sich Öffnungen zur Abwassereinleitung befinden, nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren bis zur Rückstauebene hervorruft, wenn nicht besondere Schutzeinrichtungen eingebaut worden sind. Diese Gefahr zu vermeiden, liegt nicht nur im wohlverstandenen Interesse der angeschlossenen Grundstücke, sondern auch im öffentlichen Interesse einer geordneten Abwasserbeseitigung.“ [1/S. 128]

Der Rückstau kann sich aus verschiedenen Störungsereignissen, aber auch infolge planmäßiger Reinigungsarbeiten ergeben.

In der DIN 1986 Teil 1 und im Kommentar zur DIN gibt es ausführliche sowie eindeutige Hinweise, wie Kellerüberflutungen und Rückstau in Räumen auszuschließen sind.

Wesentliche Aspekte sind, dass Rückstau

  • ein planmäßiges Ereignis sein kann,
  • in der öffentlichen Kanalisation auch im laufenden Betrieb nicht dauerhaft vermieden werden kann.

Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene müssen für den Rückstaufall gemäß DIN 1986-1, Abschnitt 7 gegen das Austreten von Abwasser gesichert werden, ansonsten kann Abwasser in das Gebäude eindringen. … Überflutungen gefährden Menschen, …, verursachen seuchenhygienische Gefahren und wirtschaftliche Schäden an Einrichtungen und Gebäuden. Diese Überflutungen sind vermeidbar. …“ [1/S. 127]

Rückstausicherung

Abbildung 4 : Wirkung einer vorhandenen und funktionierenden Rückstausicherung

Wirkung von Rückstausicherungen an falscher Stelle

Rückstausicherung

Abbildung 5 : Wirkung einer teilweisen Rückstausicherung weil diese an falscher Stelle eingebaut wurde

Wie Abbildung 5 darstellt kommt es auch darauf an, die Rückstausicherung an der richtigen Stelle einzubauen. Herr Rafael Nehring von der Energie & Wasser Potsdam GmbH veranschaulicht mit der Abbildung 5 häufige Fehler, die er im Rahmen seiner Tätigkeit feststellte. Werden sanitäre Fallleitungen aus Geschossen, die über der Rückstauebene liegen nach der Rückstausicherung eingebunden, dann fließt im Rückstaufall das sanitäre Abwasser aus diesen Etagen über die sanitären Einrichtungsgegenstände in den Kellerräumen in die betreffenden Kellerräume.

Rückstausicherung

Abbildung 6: Wirkung einer teilweise vorhandenen Sicherung vor Rückstau wegen falscher Einbindung der Regenwasserfallleitungen

Wird eine Regenwasserfalleitung vor der Rückstaisicherung eingebunden, dann flutet die Dachentwässerung im Regenfall & Rückstaufall den Keller (Abbildung 6)

Gebäudeschaden bei undichter Grundleitung und Kellerlenzung bei hohem Grundwasserstand

Grundwasserschäden

Abbildung 7 : Rückstausicherung unnötig, aber Gebäudeschaden bei undichter Grundleitung und Kellerlenzung bei hohem Grundwasserstand

Hauseigentümern, deren Keller geflutet wurde, wird geraten, den Wasserspiegel im Keller nicht schneller abzusenken, als der Grundwasserspiegel sinkt. Analog wird auch empfohlen, den Keller zu fluten, wenn der Grundwasserspiegel hochwasserbedingt schnell ansteigt, um einerseits zu vermeiden, dass der Keller verschlammt wird und um andererseits zu vermeiden, dass Fundament und Fußboden Schaden nehmen.

In der Abbildung 7 wird eine Situation dargestellt in der nach meiner Überzeugung eine undichte Grundleitung zu einer plötzlichen Kellerflutung führte. In der Grundleitung befandl sich kurz unter dem Kellerlehmfußboden ein Loch, das im Hochwasserfall zumindest teiweise verschlossen war. Die Entleerung der Grundleitung über die öffentliche Kanalisation verursachte einen Wassserdruck auf die teilweise verschlossenene Kanalundichtigkeit, der dann wieder zu einem Freispülen der undichten Grundleitung und damit zu einer schnellen Kellerentleerung führte.

In der Konsequenz wurde durch die Grundwasserströmung Bodenfeinanteile aus dem Fundamentbereich gespült.Es traten so erhebliche Gebäudeschäden auf, die zu einer bauaufsichtlichen Sperrung des Hauses führten.

Das ist aber ein Einzelfall, der kein Grund ist, alle Hausanschlussleitungen ausnamslos europaweit inspizieren und sanieren zu müssen. Siehe dazu u.a.: Bewertung der Undichtheit von Grundstücksentwässerungsanlagen

In Gebieten, in denen hochwasserbedingt das Grundwasser Keller zu fluten vermag, können allerdings dichte Grundleitungen Fundamenschäden vermeiden.

Rückstauschleifen

Neben der Rückstausicherung, die in die Grundleitung eingebaut wird, kommen auch sog. „Rückstauschleifen“ zur Anwendung. Dabei handelt es sich um eine Abwasserdruckrohrschleife eines kleinen Abwasserpumpwerkes, welches das Abwasser aus Räumen, die unter der Rückstauebene liegen, über einen Hochpunkt in den öffentlichen Schmutzwasserkanal heben.

Siehe hierzu  z. B.

Wer ist für die Rückstausicherung verantwortlich?

Grundsätzlich ist in aller Regel der Grundstückseigentümer oder ggf. sein Beauftragter (Planer, Installationsbetrieb…) für den Schutz seines Grundstückes vor Rückstau selbst verantwortlich.

Einzelheiten (Höhe der Rückstauebene) sind in der Entwässerungssatzung festgelegt.

DIN 1986-1 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke

Auszug:

„7.2.2 Schmutzwasser, das unterhalb der Rückstauebene anfällt, ist der öffentlichen Kanalisation über eine automatisch arbeitende Abwasserhebeanlage rückstaufrei (Heben über die Rückstauebene, Rückstauschleife) zuzuführen; abweichend davon darf bei Vorhandensein natürlichen Gefälles und für Räume in Bereichen untergeordneter Nutzung

– Schmutzwasser aus Klosettanlagen oder tirinalanlagen (fäkalienhaltiges Abwasser) über Rückstauverschlüsse nach DIN 19 578 Teil 143) abgeleitet werden, wenn der Benutzerkreis der Anlagen klein ist (wie z.B. bei Einfamilienhäusern, auch mit Einliegerwohnung) und ihm ein WC oberhalb der Rückstauebene zur Verfügung steht,

– Schmutzwasser ohne Anteile aus Klosettanlagen oder Urinalanlagen (fäkalienfreies Abwasser) über Rückstauverschlüsse nach DIN 1997 Teil 142) oder DIN 19 578 Teil 143) abgeleitet werden, wenn bei Rückstau auf die Benutzung der Ablaufstellen verzichtet werden kann.

Aggressive Kanalgase und fäkalienfreies Abwasser

Bei fäkalienfreiem Abwasser (DIN 1986 Teil 32) kommt es nicht allein darauf an, dass die Rückstausicherung keinen Kontakt mit Fäkalien hat, sondern auch darauf, dass der Gasraum der Grundstücksentwässerung keine Verbindung zu einem Kanal hat, der fäkalienhaltiges Abwasser führt oder der zu einer Kleinkläranlage führt in der fäkalienhaltiges Abwasser behandelt wird.

Im Falle des Einbaus einer Rückstausicherung wird Folgendes empfohlen:

  • Wenn die Leitung Abwasser führt, dann Einbau einer Rückstausicherung, die für abwasserführende Leitungen zugelassen ist.
  • Einbau durch einen Fachbetrieb und Gewährleistung des korrekten Einbaus, der korrekten Art der Rückstausicherung und des Einbaus an der richtigen Stelle durch einen Fachbetrieb
  • Wartung und Dokumentation der Wartung der Rückstausicherung lt. Vorschrift durch einen Fachbetrieb

Weitere Informationen:

Empfohlen wird als Leitfaden: Heinrichs u. a.: Kommentar zur DIN 1986 und DIN EN 1610 „Gebäude- und Grundstücksentwässerung“. Beuth Verlag GmbH, 6. Auflage, 2016.

Bei der Nachrüstung einer Rückstausicherung durch Eigenbau sollte man sich den Schaden vor Augen halten, der entsteht, wenn diese private Rückstausicherung deshalb nicht funktioniert!

Hinweise zu öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen, wie sie Ingenieuren bekannt gemacht werden, können dem ATV-Handbuch „Planung der Kanalisation“ [4] entnommen werden.

Nach OHLENROTH [2] gilt: „Es gehört schon seit jeher zu den ungeschriebenen Grundsätzen eines Entwässerungsentwurfes, daß sich der Entwurfsverfasser auch Gedanken darüber macht, wo im Überstaufall das Überstauwasser bleibt.“

Entscheidend ist die Klärung der Frage, wo das Wasser im Grundstück hinfließt, wenn die Kanalisationsschächte – auch die reinen Schmutzwasserkanalschächte – bis Straßenoberkante überstaut sind?

In dem Fall, dass die am tiefsten liegende Entwässerungsöffnung der Grundstücksentwässerung, z. B. Fußbodenablauf im Keller oder in der tiefer liegenden Garage, Wasserablauf der Waschmaschine… im Keller liegt – unterhalb der Straßenoberkante (Rückstauebene) – dann ist ein Schutz vor Rückstau notwendig.

In dem Fall dagegen, dass die am tiefsten liegende Entwässerungsöffnung der Grundstücksentwässerung deutlich über der Straßenoberkante (Rückstauebene) liegt, dann ist kein Schutz vor Rückstau notwendig. Ein derartiger Fall ist z. B. dann vorstellbar, wenn das Haus am Hang und die Straßenoberkante z. B. unterhalb der Kellersohle liegt.

Keine Rückstausicherung ist notwendig, wenn beispielsweise die Grundleitung an der Kellerdecke aufgehängt wurde und es unterhalb der Straßenoberkante keine Öffnung dieses Entwässerungssystems im Haus oder im Grundstück gibt.

Abgesehen davon, dass es ein konkretes schriftliches Regelwerk – DIN – für die Vermeidung von Rückstau gibt, ist grundsätzlich ein Erfahrungssatz und ein Naturgesetz zu beachten:

  • In Kanalisationen kann es planmäßig und außerplanmäßig zu Einstau oder Rückstau kommen.
  • Flüssigkeiten (Abwasser) folgen dem Naturgesetz der kommunizierenden Röhren.

Allein daraus sind unter Beachtung der örtlichen Leitungsführungen Maßnahmen zur Rückstausicherung zu treffen.

Nachtrag am 19.112.2016:

Ob der Schadensfall durch einen Regen, Starkregen oder Extremregen verursacht wurde, ist für die Notwendigkeit des Rückstauschutzes unerheblich.

Wenn das schadenstiftende Wasser ausschließlich aus Entwässerungseinrichtungen (z.B.: aus Duschabläufe, Fußbodenentwässerung, Toiletten im Keller oder in Souterrainwohnungen) austrat, die unter der Rückstauebene liegen bzw. lagen, so ist die Tatsache einer Kellerflutung allein hinreichend für den Beweis, dass eine Rückstausicherung erforderlich ist.

Entscheidend für die Bewertung muss nicht die Rückstauebene der öffentlichen Entwässerungsanlage sein, sondern es kann allein oder außerdem die Situation der Grundstücksentwässerung relevant sein.

Gelangt das schadenstiftende Wasser nur zum Teil oder gar nicht aus Entwässerungseinrichtungen die unter der Rückstauebene liegen bzw. lagen, so sind zusätzlich die Aspekte des oberflächlich ablaufenden Wassers wasserwirtschaftlich und dann sicher auch rechtlich zu bewerten.

Siehe hierzu z.B. : Überflutungen – Ermittlung der Ursachen und Lösungswege

Nachtrag am 22.08.2017:

Merksatze:

  • Wenn ein Überflutungsschaden ausschließlich durch Wasser, egal welcher Art, verursacht wurde, welches aus wenigstens einer Entwässerungseinrichtung kam, die unterhalb der Rückstauebene lag, war eine Rückstausicherung erforderlich oder eine Vorhandene wurde nicht korekt ausgewählt, eingebaut, falsch gewartet oder hat aus welchen Gründen auch immer versagt.
  • Ob es beim Schadensereignis geregnet hat oder nicht, oder wie stark es geregnet hat spielt für die Notwendigkeit eines Rückstauschutzes keine Rolle.
  • Eine Kellerüberflutung über oder durch eine Entwässerunsgseinrichtung ist als Tatsache hinreichender Beweis für die Notwendigkeit einer Rückstauisicherung.
  • Sicherung vor Rückstau ist a.a.R.d.T. wenigstens seit 1921

Bezug von Rückstausicherungen

Links über die Funktion der Rückstausicherungen sowie über Bestelladressen von Rückstausicherungen wurden ohne Wertung und Kommentar aus dem Internet gezogen:

In aller Regel sind Rückstausicherungen von Baumärkten oder von Installationsfirmen zu beziehen.

Eine außergewöhnlich anschauliche Darstellung der Funktionen von Rückstausicherungen ist der Homepage der Wuppertaler Stadtwerke zu entnehmen.

Siehe auch: Überflutung

 Rechtsprechung:

Der Hausanschluss und die Prüfungspflichten des Installateurs

Siehe auch:

Referenzen:

 

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)

Literatur:

[1] Heinrichs, Rickmann, Sindergeld, Störrlein: Gebäude- und Grundstücksentwässerung.
Kommentar zu DIN 1986;1. Aufl. Berlin: Bauverlag Beuth, 1995.

[2] Ohlenroth: Ein weiterer Beitrag zum BGH-Urteil vom 5. Oktober 1989 über die Bemessung von Regen-und Mischwasserkanälen. Korrespondenz Abwasser Heft 4/1991.

[3] Hosang, u.a.
Abwassertechnik
B.G. Teubner Stuttgart 1993

[4] ATV-Handbuch
Planung der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage, 1994

[5] Preißler/BollrichTechnische Hydromechanik
VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1980

[6] DIN Taschenbuch
Abwassertechnik
Gebäude und Grundstücksentwässerung
Beuth 1989

__________

Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung

****

Artikel vom 8. Feb 2010, überarbeitet am 11.02.2017 und am 27.04.2017

Siehe auch: Wikipedia

 

 



Rückstau!

Inhalt:

Wenn Abwasser oder Fäkalien in den Keller strömen und keine Verstopfung der Grundstücksentwässerung vorliegt, dann handelt es sich meist um Rückstau. Dabei fließt dann im öffentlichen Kanal angestautes Abwasser über die Grundstücksentwässerungsleitung in den Keller.

Derartige Effekte sind seit zig-Jahren bekannt und die Vermeidung solcher Probleme gehört zu dem Grundwissen eines Fachingenieurs oder eines Installationsbetriebes.

Mit Rückstau ist grundsätzlich zu rechnen!

Welche Vorgänge laufen beim Rückstau ab?

Das Schema veranschaulicht die Entstehung eines Rückstaus in einem Schmutzwasserkanal.

Dargestellt wurde ein Schnitt durch ein Schmutzwasserkanalisationsfragment.

Nach dem unterliegenden Schacht im Schema wurde eine Störung (Kanaleinbruch) dargestellt.

(Zu gleichen Auswirkungen führen beispielsweise auch Ausfälle von Abwasserhebeanlagen.)

Ständig zufließendes Abwasser führt zu einer Vollfüllung des oberhalb liegenden Kanalabschnittes und zur Füllung betroffener Schächte.

Mit den Entwässerungskanälen sind die Grundstücke durch einen Hausanschlusskanal verbunden.

In dem Fall, dass der Gebäudekeller über eine offene ungeschützte Verbindung zum Hausanschlusskanal verfügt, wird der Keller nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren geflutet.

Diese offenen Verbindungen zum Hausanschlusskanal können z. B. Fußbodenentwässerungen, in Kellern aufgestellte Toiletten, Duschen u. a. m. sein.

Im Ergebnis der Überflutung steigt das Wasser in den „verbundenen Röhren“ so hoch wie die niedrigste „Röhre“ reicht.

In dem gezeichneten Fall ist dies die Oberkante des unteren Schachtes.

Wann ist ein Rückstau nicht möglich?

Ein Rückstau ist nicht möglich, wenn die Öffnungen der Hausentwässerung oberhalb der Straßenoberkante liegen. (Möglich sind Sicherheitszuschläge bis 30 cm.)

Nach [1, Seite 128 ] gilt:

„Entscheidend ist jeweils, daß ein Rückstau des Abwassers so lange unschädlich ist, wie ein Austritt … des Abwassers vermieden wird. Gibt es unterhalb „der Rückstauebene“ bei den Grundstücksentwässerungsanlagen ungesicherte Öffnungen oder Auslässe, so besteht die Gefahr, daß bei starken Regenfällen oder bei einer starken Inanspruchnahme des Abwassernetzes der Rückstau ein Ansteigen des Wassers in den Einlaufschächten und in den Räumen, in denen sich Öffnungen zur Abwassereinleitung befinden, nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren bis zur Rückstauebene hervorruft, wenn nicht besondere Schutzeinrichtungen eingebaut worden sind. Diese Gefahr zu vermeiden, liegt nicht nur im wohlverstandenen Interesse der angeschlossenen Grundstücke, sondern auch im öffentlichen Interesse einer geordneten Abwasserbeseitigung.“ [1/S. 128]

Der Rückstau kann sich aus verschiedenen Störungsereignissen, aber auch infolge planmäßiger Reinigungsarbeiten ergeben.

In der DIN 1986 Teil 1 und im Kommentar zur DIN gibt es ausführliche sowie eindeutige Hinweise, wie Kellerüberflutungen und Rückstau in Räumen auszuschließen sind.

Wesentliche Aspekte sind, dass Rückstau

  • ein planmäßiges Ereignis sein kann,
  • in der öffentlichen Kanalisation auch im laufenden Betrieb nicht dauerhaft vermieden werden kann.

„Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene müssen für den Rückstaufall gemäß DIN 1986-1, Abschnitt 7 gegen das Austreten von Abwasser gesichert werden, ansonsten kann Abwasser in das Gebäude eindringen. … Überflutungen gefährden Menschen, …, verursachen seuchenhygienische Gefahren und wirtschaftliche Schäden an Einrichtungen und Gebäuden. Diese Überflutungen sind vermeidbar. …“ [1/S. 127]

Wer ist für die Rückstausicherung verantwortlich?

Grundsätzlich ist in aller Regel der Grundstückseigentümer oder ggf. sein Beauftragter (Planer, Installationsbetrieb…) für den Schutz seines Grundstückes vor Rückstau selbst verantwortlich.

Einzelheiten (Höhe der Rückstauebene) sind in der Entwässerungssatzung festgelegt.

Weitere Informationen 

Hinweise zu öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen, wie sie Ingenieuren bekannt gemacht werden, können dem ATV-Handbuch „Planung der Kanalisation“ [4] entnommen werden.

Nach OHLENROTH [2] gilt: „Es gehört schon seit jeher zu den ungeschriebenen Grundsätzen eines Entwässerungsentwurfes, daß sich der Entwurfsverfasser auch Gedanken darüber macht, wo im Überstaufall das Überstauwasser bleibt.“

Entscheidend ist die Klärung der Frage, wo das Wasser im Grundstück hinfließt, wenn die Kanalisationsschächte – auch die reinen Schmutzwasserkanalschächte – bis Straßenoberkante überstaut sind?

In dem Fall, dass die am tiefsten liegende Entwässerungsöffnung der Grundstücksentwässerung, z. B. Fußbodenablauf im Keller oder in der tiefer liegenden Garage, Wasserablauf der Waschmaschine… im Keller liegt – unterhalb der Straßenoberkante (Rückstauebene) – dann ist ein Schutz vor Rückstau notwendig.

In dem Fall dagegen, dass die am tiefsten liegende Entwässerungsöffnung der Grundstücksentwässerung deutlich über der Straßenoberkante (Rückstauebene) liegt, dann ist kein Schutz vor Rückstau notwendig. Ein derartiger Fall ist z. B. dann vorstellbar, wenn das Haus am Hang liegt und die Straßenoberkante z. B. unterhalb der Kellersohle liegt.

Keine Rückstausicherung ist notwendig, wenn beispielsweise die Grundleitung an der Kellerdecke aufgehängt wurde und es unterhalb der Straßenoberkante keine Öffnung dieses Entwässerungssystems im Haus oder im Grundstück gibt.

Abgesehen davon, dass es ein konkretes schriftliches Regelwerk – DIN – für die Vermeidung von Rückstau gibt, ist grundsätzlich ein Erfahrungssatz und ein Naturgesetz zu beachten:

  • In Kanalisationen kann es planmäßig und außerplanmäßig zu Einstau oder Rückstau kommen.
  • Flüssigkeiten (Abwasser) folgen dem Naturgesetz der kommunizierenden Röhren.

Allein daraus sind unter Beachtung der örtlichen Leitungsführungen Maßnahmen zur Rückstausicherung zu treffen.

Auszug aus einem Gerichtsgutachten von

Uwe Halbach, Werdau im September 1999

Rückstausicherungen

Links über die Funktion der Rückstausicherungen sowie über Bestelladressen von Rückstausicherungen wurden ohne Wertung und Kommentar aus dem Internet gezogen:
http://www.kessel.de/ewt/produkte/rueckstausicherungen/index.html.de
http://sentex.de/

In aller Regel sind Rückstausicherungen von Baumärkten oder von Installationsfirmen zu beziehen.

Literatur:

[1] Heinrichs, Rickmann, Sindergeld, Störrlein: Gebäude- und Grundstücksentwässerung.
Kommentar zu DIN 1986;1. Aufl. Berlin: Bauverlag Beuth, 1995.
[2] Ohlenroth: Ein weiterer Beitrag zum BGH-Urteil vom 5. Oktober 1989 über die Bemessung von Regen-
und Mischwasserkanälen. Korrespondenz Abwasser Heft 4/1991.
[3] Hosang, u.a.
Abwassertechnik
B.G. Teubner Stuttgart 1993
[4] ATV-Handbuch
Planung der Kanalisation
Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage, 1994
[5] Preißler/Bollrich
Technische Hydromechanik/1
VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1980
[6] DIN Taschenbuch
Abwassertechnik 1 – Gebäude und Grundstücksentwässerung
Beuth 1989




Potentielle und kinetische Energie in der Rohrhydraulik

Potentielle und kinetische Energie bei der Rohrströmung als Überblick

Abbildung 1: Veranschaulichung der Druckverhältnisse in einem durchströmten Rohr mit Querschnittsreduzierung

Eine hydraulische Bewertung beruht auf einer energetischen Analyse[1].

Die Abbildung 1 dient dem grundlegenden Verständnis der Druck- und Energielinie in einem hydraulischen Längsschnitt.

Es ist üblich und zweckmäßig, die Energieformen[2] bei hydraulischen Betrachtungen in [m Wassersäule; m WS][3] zu berechnen, weil diese Ergebnisse dann keiner weiteren Umrechnung bedürfen und weil die Wasserstände sofort ablesbar sind. Bei den Fließvorgängen in Rohrleitungen ist es so, dass die potentielle Energie, auch Lageenergie genannt, der Lage des Wasserspiegels entspricht, den dieser z. B. in Glasrohren einnehmen würde, wenn die Rohrleitung Löcher hätte und in dieser Glasröhre[4] stecken würden.

Die Verbindung der Wasserspiegel in den Glasrohren wird auch Drucklinie genannt. Bis zu dieser Drucklinie hoch würde auch das Wasser aus einer senkrechten Undichtigkeit (z. B. Schacht auf dem Grundstück der Klägerin, siehe folgender Abschnitt) wie eine Fontäne spritzen abzüglich der durch die Strömung vor und in dem Schacht verursachten Reibungsverluste. Werden nun die Piezometerrohre etwas in die Rohrleitung hineingeführt und so abgewinkelt, dass ihre Öffnung von dem Wasser gerade angeströmt wird, so steigt der Wasserspiegel in diesen andersgearteten Piezometerrohr etwas höher und – sofern das Wasser fließt – auf jeden Fall über den Wasserspiegel der Drucklinie an der betreffenden Stelle.

Diese zusätzliche Wasserspiegelerhöhung in den Piezometerrohren wird durch den Staudruck verursacht.

Über der Drucklinie liegt also im Abstand des Staudruckes von

die Energielinie.

Die Höhe der Energielinie an einem bestimmten Leitungsabschnitt entspricht der an diesem Punkt noch vorhandenen Gesamtenergie[5].

Nimmt die Geschwindigkeit z. B. wegen einer Reduzierung oder einer Einengung zu, dann steigt der Staudruck und um dieses Maß senkt der Wasserspiegel [6] also die Drucklinie.

Siehe auch: Bernoullische Energiegleichung

(Die Abbildung und die Erklärung darf bzw. dürfen bei Angabe der Quelle – Institut für Wasserwirtschaft Halbach – beliebig genutzt werden.)

Potentielle und kinetische Energie bei der Rohrströmung in einem tatsächlichen Fall (Auszug aus einem Gerichtsgutachten)

Abbildung 2: Druck- und Energielinie in einem Beispiel

Situation:

Ein Bach fließt durch eine Verrohrung, in der sich ein Damm mit bestimmten Abmessungen befindet.

Kalkulatorisch war zu bestimmen, welche Konsequenzen ein Damm bei einem Durchfluss von 5,5 m³/s in der Verrohrung hätte.

Abbildung 3: Abschnitt der Bachverrohrung

Ergebnis:

Der Längsschnitt in der Abbildung 2 veranschaulicht die vom Damm verursachte Lage der Druck- und Energielinie bei einem Abfluss von 5,5 m³/s:

  • Dem Längsschnitt liegt eine Überflutung des **weges im Bereich der beginnenden Bachverrohrung zu Grunde. Diese bestimmt den Energiehorizont.
  • Der Energiehorizont wurde danach in einer Höhe von 353,17 m ü.N.N. nach Abwägung festgelegt.
  • Die relevante niedrigste Höhe der Straßenoberfläche im Bereich der **brücke wurde nach Kanalbestandsplänen [14] unter Berücksichtigung von zwei in der Nähe liegenden Schachtdeckelhöhen kalkuliert und dann mit einer Circa-Höhe von 352,85 m ü.N.N. angenommen.
  • Bedingt durch einen Einlaufverlust von 6 cm beginnt die Energielinie in der Verrohrung bei 353,11 m ü.N.N.
  • Aus der kinetischen Energie (0,12 m) für das Fließen des Wassers in der Verrohrung mit einer Geschwindigkeit von v = 1,56 m/s folgt der Beginn der Drucklinie in der Bachverrohrung in Höhe von 352,99 m ü.N.N.
  • Daraus folgt zum Schadensereignis eine Überflutungshöhe an diesem Punkt der Straße von 14 cm. Bei einer anderen Annahme der Überflutungshöhe als von 14 cm ändern sich die Höhen im Längsschnitt in gewissen Grenzen entsprechend dem Verhältnis 1 : 1.
  • Bis zum Damm weisen Druck- und Energielinie reibungsbedingt ein Gefälle von 0,13 % auf und verlaufen parallel zueinander. Dabei wurden vorhandene Querschnittsänderungen vernachlässigt.
  • Im Damm befanden sich zudem zwei Rohre DN 400 und DN 200, die bei der resultierenden Drucklinie zu einer hydraulischen Leistung von 1,5 m³/s führten (siehe Punkt 1.4 der Anlage 7).
  • Am Damm bestand ein verbleibender freier Querschnitt von 0,77 m² (siehe Tabelle 1 der Anlage 7) durch den sich der Abfluss von ca. 4 m³/s „quetschen“ musste.
  • Daraus resultierte in Beachtung des Kontinuitätsprinzips eine notwendige Geschwindigkeit von v = 5,2 m/s, die einen Energieverbrauch von 1,38 m verursachte. Das entspricht einer Absenkung der Energielinie um diesen Betrag.
  • Einzelverluste wurden nach BOLLRICH, (Technische Hydromechanik 1)
als Energie- und Drucklinienabsenkung berücksichtigt.
  • Nach dem Damm wurde ein ungestörter freier Abfluss mit einer Wasserstandshöhe von ca. 0,8 m und einer Fließgeschwindigkeit von 2,5 m/s angenommen. Die Energielinie liegt ab hier unter dem Rohrscheitel.
  • Die Fontäne, die über dem Schacht auf dem Grundstück der Kläger (Anlage K3, Blatt 1 der Prozessakte [1]) entstand, hatte somit wahrscheinlich eine Höhe von max. ca. 40 cm.
  • Dieser Wasserdruck genügte sehr wahrscheinlich selbst relativ schwere Schachtdeckel anzuheben (siehe hierzu den Punkt 5 in Anlage 7).
  • Wahrscheinliche Ursache des Überschwemmungsschadens auf dem Grundstück ***  am ***  zwischen 3.00 Uhr und 4.00 Uhr war der im Zuge der Bauarbeiten der Beklagten im Jahr errichtete Damm im unterirdisch verrohrten Dorfbach.

[1] Eine Berücksichtigung des Aspektes der Erneuerbarkeit der Energie kann aus wissenschaftlichen Gründen leider nicht berücksichtigt werden.

[2] hier potentielle und kinetische Energie

[3] Trotzdem das Internationale Einheitensystem (SI) für die Energie das Joule (Nm) vorsieht.

[4] auch Piezometerrohre genannt, daher Piezometerlinien

[5] kinetische + potentielle Energie

[6] in Abbildung 1 z. B. um 1,5 m. Im Falle aber, dass kein Wasser fließt – z. B. nicht dargestellter Schieber am rechten Rohrende
geschlossen – würden gemäß des Gesetzes der kommunizierenden Röhren alle Wasserspiegel in den Piezometerrohren
auf der Linie des Energiehorizontes liegen, d. h. Drucklinie = Energiehorizont.




Wasserscheiden und Einzugsgebiete

Wasserscheide

Eine Wasserscheide ist eine  Linie von maximaler Höhe im Gelände, die aus benachbarten Hochpunkten besteht.

Merkmal:

  • unmittelbar seitlich neben der Wasserscheide gibt es keine höheren Geländepunkte
  • Wasser, das genau auf die Wasserscheide fällt, fließt entgegengesetzt ab.

Einzugsgebiet

Einzugsgebiete werden Gewässern (Grundwasser, Seen, Bäche, Flüsse, Talsperren,…) zugeordnet.

Ein Einzugsgebiet ist eine von Wasserscheiden eingeschlossene Fläche, deren Grenze durch einen bestimmten Punkt des zugehörigen Gewässers verläuft.

Der Wasserlauf kann ständig oder nur zeitweise Wasser führen.

Die Festlegung von Einzugsgebieten auf der Grundlage von Topographischen Karten ist natürlich nur eine Kalkulation, aber eine mit zumeist hinreichender Genauigkeit.

Abweichungen ergeben sich durch Straßen oder Bahnlinien, die Einzugsgebiete verkleinern oder vergrößern können.

Genauere Angaben erhält man durch begleitende Vermessung und Begehungen der Wasserscheiden.

Für den üblichen Anwendungsfall dürfte eine – im Zweifelsfall – eher etwas großzügige Kalkulation der Fläche des Einzugsgebietes genügen, zumal sie der hydraulischen Kanaldimensionierung eine sicherlich legitime zusätzliche Sicherheit verleiht.

Die Festlegung von Einzugsgebieten auf der Grundlage von Topographischen Karten ist natürlich nur eine Kalkulation, aber eine mit zumeist hinreichender Genauigkeit.

Abweichungen ergeben sich durch Straßen oder Bahnlinien, die Einzugsgebiete verkleinern oder vergrößern können.

Genauere Angaben erhält man durch begleitende Vermessung und Begehungen der Wasserscheiden.

Für den üblichen Anwendungsfall dürfte eine – im Zweifelsfall – eher etwas großzügige Kalkulation der Fläche des Einzugsgebietes genügen, zumal sie der ggf. folgenden hydraulischen Kanaldimensionierung eine sicherlich legitime zusätzliche Sicherheit verleiht.

Siehe hierzu: Oberflächenabfluss von Außengebiete




Ausweisen von Überflutungswegen

Gerichtsgutachterliche Argumentation in einem thüringischen Rechtsstreit:

Situation:

  • Es gab eine Überflutung eines Grundstückes durch oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser.
  • Für die schadlose Ableitung oberflächlich ablaufenden Wassers sind keine leistungsfähigen Straßeneinläufe vorhanden.
  • Es fehlt eine geordnete Ableitung oberflächlich ablaufenden Niederschlagswassers.
  • Das System ist also schon augenscheinlich und ohne Berechnungen anstellen zu müssen an mehreren Stellen mit hoher Wahrscheinlichkeit mangelhaft.
  • Es gibt keine Planungen zur schadlosen Ableitung oberflächlichen Wassers.

Selbst in dem Szenario:

  • Vorlage prüffähiger Planungen,
  • die Prüfung ergibt Mängelfreiheit,
  • die Planung wurde korrekt umgesetzt,

wäre eine Überflutung nicht auszuschließen.

Es wäre also weiter zu prüfen:

  • Wurden Überflutungswege für den Fall einer Überlastung oder Störung der Niederschlagswasserbeseitigungsanlagen ausgewiesen?
  • Wurden die betreffenden Grundstückseigentümer darüber nachweislich informiert, dass sich ihr Grundstück oder ihr Gebäude in einem Überflutungsweg oder in einem Überflutungsgebiet befindet?

Diese weiteren Prüfanforderungen folgen m. E. aus dem induktiven Analogieschluss bei der Handhabung mit der Veröffentlichung der Rückstauebene. Hier geht es darum, dass sich der Grundstückseigentümer vor Rückstau schützen muss, mit dem er auch bei hinreichend dimensionierter Kanalisation und bei ungünstiger Lage seines Grundstückes immer rechnen muss. Es sei daran erinnert, dass allein bei einem regulären Kanalbetrieb (Kanalreinigung, Kanalsanierung) ein Rückstau Ergebnis einer betrieblichen Maßnahme sein kann. Damit der gefährdete Grundstückseigentümer sich selber qualifiziert gegen Rückstau schützen kann, ist er also über die latente Gefahr zu informieren.

Bürger wären bzw. sind demnach über Überflutungswege zu informieren, die sich bei Überlastungen oder Störungen der Regenwasserableitung ergeben, seien diese Anlagen nun

  • oberirdisch und/oder unterirdisch,
  • vorhanden oder nicht vorhanden.

Zur weiteren Begründung:

Schon 1995 war im ATV-Handbuch, Bau und Betrieb der Kanalisation, Ernst & Sohn Verlag, 4. Auflage nachzulesen:

„Hatte man früher solche Fälle als solche “höherer Gewalt” gesehen, so ist diese Sicht jetzt aus der neuen Haftpflicht – zum Schutze des Bürgers – differenziert zu sehen, je nach der Häufigkeit solcher Vorkommnisse. Damit muß sich der planende Ingenieur – was bisher weitgehend nicht üblich war – auch mit der Frage der “Überschwemmungswege” zukünftig befassen.“

(Weitere Ausführungen im o. g. Handbuch.)

Diese Überlegungen sind in grundsätzlicher Weise auch in der DIN EN 752 zu finden.

Der Argumentation im ATV-Handbuch folgt offenbar auch die ATV-DVWK-Arbeitsgruppe ES-2.1 Berechnungsverfahren:

Zur Bewertung der davon ausgehenden Überflutungsgefährdung wird die mögliche Ausbreitung des Überstauvolumens sowie der resultierende Wasserstand an diesen Netzelementen auf der Basis einer örtlichen Überprüfung abgeschätzt. Dabei kann es im Einzelfall erforderlich sein, die Örtlichkeit detailliert höhenmäßig zu erfassen (Höhe der Bordsteine, seitliche Begrenzungen, etc.) und mögliche Überflutungswege zu identifizieren (abgesenkte Bordsteine, Zufahrten bzw. Zuwege, Kellereingänge etc.). Ergeben sich aus dieser Abschätzung signifikante Wasserspiegellagen über Gelände, ist ggf. die Kanalnetzberechnung mit einer angepassten Netzkonfiguration zur Berücksichtigung dieser erhöhten Wasserspiegellagen erneut durchzuführen.“

 

Quelle:

Bewertung der hydraulischen Leistungsfähigkeit bestehender Entwässerungssysteme
Arbeitsbericht der ATV-DVWK-Arbeitsgruppe ES-2.1 Berechnungsverfahren
KA Abwasser – Abfall 2004 (51) Heft 1, S. 69 – 75

Zusammenfassung und Bewertung zum 29.09.2011:

Die ordnungsgemäße Planung der schadlosen Regenwasserableitung ist zwar eine notwendige, aber nicht allein hinreichende Anforderung.

Notwendig ist außerdem in erfahrungsgemäß überflutungskritischen Regionen die Ausweisung von Überflutungswegen bzw. -gebieten und die Information der ggf. betroffenen Grundstückseigentümer über die latetente Gefahr in üblicher Weise.

Diese Auffassung ist meine – auf den o. g. Argumenten beruhende – Meinung, mit der ich in einem umfänglichen Privatgutachten 2009 schon einmal argumentierte und die in einem thüringischen Gerichtsverfahren 2011 vorgetragen wurde.

Ob ein Gericht den Argumenten folgt, bleibt abzuwarten.

Uwe Halbach
ö.b.u.v. Sachverständiger für Abwasserbeseitigung
der IHK Chemnitz

Siehe auch:

  • Rückstau

    Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)




Beweissicherung bei Schäden infolge von Unwetter, Überflutung oder Rückstau

Überflutung

Was tun? – Hinweise an Geschädigte

Inhalt:

1. Beweissicherung – ganz wichtig!
2. Was also sollte man selber machen?
3. Vorteile einer Dokumentation durch den Geschädigten
4. Änderungen an der Situation am Schadenstag
5. Über die Arbeit eines Gerichtsgutachters
6. Fachtechnische Ursache eines ausgewählten Rückstauschadens in Thüringen
7. Fachtechnische Ursachen einer ausgewählten Überflutung eines Betriebes in Sachsen
8. Die eher ohnmächtige Antwort der Grundstückseigentümer auf häufige Überflutungen
9. Weitere Quellen

 

1. Beweissicherung – ganz wichtig!

Im Ergebnis von Unwettern kommt es häufig zu Schäden durch Kanalrückstau und Überflutungen.

Wenn eine Schadensvergütung bei Gericht oder bei einer Versicherung geltend gemacht werden soll, ist ein Nachweis der Ursachen der Schäden notwendig.

  • Die Suche nach den Ursachen von Kanalrückstau und Überflutungen ist ein Schwerpunkt meiner Arbeit als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Abwasserbeseitigung.
  • Wichtig ist nicht nur die Klärung der Ursachen von Kanalrückstau und Überflutungen, sondern auch eine korrekte bzw. gültige Beweisführung nach den Gesetzen der Logik.

Dabei kann es sich z. B. um folgende Aufgaben handeln

  • Beweissicherung (Dokumentieren von Tatsachen bzw. deren Wahrscheinlichkeiten)
  • Feststellen der Ursachen der Überflutungs- oder Rückstauschäden
  • ggf. Mitwirken als Parteigutachter an der fachlichen Formulierung des Beweisantrages

Folgende Leistungsformen sind die Regel:

  • Privatgutachten
  • Versicherungsgutachten
  • Parteigutachten
  • Gerichtsgutachten

Auftraggeber können dabei z. B. sein

  • Privatpersonen
  • Unternehmen
  • Versicherungen
  • Kommunen
  • Abwasserzweckverbände

Bis Sie aber einen Sachverständigen vor Ort haben, sollten Sie selber eine Schadensdokumentation anfertigen, weil dies später für die Aufklärung der Ursachen nützlich sein kann.

Die Dokumentation zum Zeitpunkt des Geschehens ist häufig entscheidend für eine korrekte Ursachenbewertung!

2. Was also sollte man selber machen?

Dazu ist es erforderlich – wenn möglich – noch während des Unwetters oder unmittelbar danach den Weg des Wassers zu dokumentieren, Zeugen herbei zu rufen und in die Beweissicherung einzubinden.

Daneben ist der Schaden – wenn gefahrlos möglich – zu minimieren.

Bei der fotografischen Dokumentation ist zu beachten, dass zweckmäßigerweise zunächst ein Foto zur Übersicht gemacht wird und dann weitere Fotos von Detailansichten. Es muss später bewiesen werden können, wie die Fotos zuzuordnen sind. Detailaufnahmen sind zwar wichtig, sie erlauben aber ohne weitere Übersichtsaufnahmen keine Zuordnung und können damit ihren Beweiswert verlieren.

Dokumentation des Weges des Wassers! Woher kam es? Wohin floss es? Dokumentation der Wasserstände!

Mir ist bekannt, dass der Geschädigte vor einem Dilemma steht: Entweder er dokumentiert den Schadenshergang oder er rettet sein Hab und Gut.

Eine Wahl, die ihm keiner abnehmen kann. Wenn er aber Glück hat, gelingt ihm beides.

(Die Schwierigkeit, die der Sachverständige bei der Bewertung der Schadensursachen hat, ist die, das er nachträglich die Wahrheit (wahr oder falsch) nicht mehr feststellen kann, sondern vielleicht nur noch die Wahrscheinlichkeit zu bewerten vermag. Liegt dagegen vom Geschädigtem eine nachvollziehbare und schlüssige Dokumentataion vor, dann sollte die nachträgliche Bewertung des Schadensherganges durch den Sachverständigen einen recht hohen Grad an Wahrscheinlichkeit erhalten. )

Wer es ganz vorbildlich machen will, fügt die Fotos mit Bildunterschrift in ein Worddokument ein und formuliert einen kleinen Text darunter, aus dem zu entnehmen sein soll, was mit den jeweiligen Fotos bewiesen wird. Aus dem Dokument sollte auch hervorgehen, wer die Fotos wann gemacht hat, wer den Text wann verfasst hat. Bei unmittelbaren Fotos ist auch die Uhrzeit zu notieren. Hilfreich sind auch Videoaufnahmen von dem Geschehen.

Inhalt der Dokumentation, z. B.:

  • Kurzbeschreibung des Schadensereignisses
    • Datum, Uhrzeit (von bis)
    • Abläufe
    • Situation
  • Namen der Zeugen
  • Fotodokumentation über die Ursachen der Überflutung , insbesondere Dokumentation des Weges des Wassers, das die Überflutung verursachte
  • Fotodokumentation der Schäden

Mit der Anzahl der Fotos sollte man nicht zu geizig sein. Ein Foto mehr aus einer anderen Sicht ist immer besser als eines zu wenig.

3. Vorteile einer Dokumentation durch den Geschädigten

  • Derlei Dokumentationen sind für den Gerichtsgutachter oder den Gutachter einer Versicherung hilfreich bei der Ursachenfindung.
  • Für den Parteigutachter bzw. für den Anwalt sind sie ebenso hilfreich für seine Argumentation.
  • Der Vorteil einer parteilichen Beweissicherung liegt oft in der unmittelbaren Dokumentation des Vorganges. Meist sind es die Geschädigten, die zu allererst feststellen oder vermuten, welche Ursachen das Schadensereignis hatte. Die Aufgabe, dies kritisch und nachvollziehbar zu überprüfen, ist dann Sache des Gerichtssachverständigen, der mitunter aber erst Monate oder mitunter auch Jahre später beauftragt wird, zu klären, wie der Schaden entstand.
  • Die Ursachen von Überflutungen oder von Ereignissen und die Bedingungen, die dazu führten, lassen sich im Nachhinein mitunter meist nur schwierig oder auch nicht mehr sicher feststellen. Deshalb kommt es darauf an, die Situation, die zum Schadenszeitpunkt geherrscht hat, nachvollziehbar und plausibel zu dokumentieren.
  • Eine 100 %-ig sichere Ursachenfeststellung ist nach dem Schadensereignis eher eine Ausnahme. Deshalb kann es auf jede zusätzliche Information ankommen.

Ob Sie – als geschädigte Partei – aber die Dokumentation nicht, teilweise oder vollständig dem Gerichtsgutachter übergeben, muss Ihr Rechtsanwalt entscheiden!

4. Änderungen an der Situation am Schadenstag

Änderungen an der Situation am Schadenstag, wie z. B. Geländeregulierungen, Änderungen an der Grundstücksentwässerung vor der Beweissicherung sind problematisch für die anschließende Beweisführung. Wenn Sie Änderungen vorhaben, sollten Sie dies unbedingt mit Ihrem Anwalt vorher besprechen.

5. Über die Arbeit eines Gerichtsgutachters

Ein Gerichtsgutachter ist in der Regel ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, der von einem Gericht den Auftrag erhielt in einem bestimmten Rechtsstreit als Gutachter Tatsachen festzustellen und diese Tatsachen und/oder Zusammenhänge fachlich zu bewerten.

Der Sachverständige wird und muss unabhängig von Ihren eigenen Aufzeichnungen selber eine Dokumentation über den Schadenshergang anfertigen.

Ein Gerichtsgutachter ist aber verpflichtet, Ihre Dokumentation zur Kenntnis zu nehmen und ggf. als Parteivortrag zu bewerten.

Die Dokumentationen der Geschädigten oder der Parteien sind Parteivorträge, die immer zweitrangig vor den Bewertungen eines Gerichtsgutachter sind.

Entscheidend ist aber das, was der Gerichtsgutachter feststellt.

Der Gerichtsgutachter darf – wenn er es nachvollziehbar begründen kann – den Parteivorträgen folgen, wobei Feststellungen eines öffentlich vereidigten Sachverständigen – wenn er als Parteisachverständiger arbeitet – mitunter ein besonderes Gewicht haben.

Ratsam ist die unverzügliche Beauftragung eines ö.b.u.v. Sachverständigen für Abwasserbeseitigung zur Dokumentation der Ursachen des Wasserschadens.

Insbesondere soll er – wenn noch möglich – den Weg des Wassers beweisen.

Für die Bewertung der Wasserschäden (Kosten) an sich, benötigt man andere Sachverständige.

In den folgenden Ausführungen werden die Ursachen zweier tatsächlicher Schäden anschaulich dargestellt. Es handelt sich um Auszüge aus zwei Gerichtsgutachten von mir.

6. Fachtechnische Ursache eines ausgewählten Rückstauschadens in Thüringen

Diese Rückstausicherung befand sich im Ablauf einer Kleinkläranlage. Schweflige Säure, die aus den Kanalgasen gebildet wurde, zerstörte die Wellen der Rückstausicherung, so dass diese nicht mehr funktionieren konnten. Zudem ist eine derartige Rückstausicherung für fäkalisches Abwasser nicht zugelassen.

 

7. Fachtechnische Ursachen einer ausgewählten Überflutung eines Betriebes in Sachsen

In das dargestellte Einzugsgebiet eines trockenfallenden Grabens wurde ein Gewerbegebiet geplant.

Blick in das Einzugsgebiet

Durch den Neubau dieser Straße wurde der natürliche Abfluss gestört. Der „Bach“ floss dann zunächst oberirdisch teilweise auf den Straßen des Gewerbegebietes entlang und fand dabei einen Weg in das Werk, den er ohne die Straßenbaumaßnahme nicht genommen hätte.

Dieser Einlauf war ursprünglich für das oberflächlich ablaufende Niederschlagswasser des 38 ha großen Einzugsgebietes vorgesehen. Er verstopfte durch das von den Feldern abgeschwemmte Rechengut.

Einlaufbauwerk mit Geröll- und Sandfang nach ATV-Regelwerk A 241. Bei dieser regulären Lösung – oder gleichwertig – wäre der Schaden möglicherweise nicht aufgetreten.

 

8. Die eher ohnmächtige Antwort der Grundstückseigentümer auf häufige Überflutungen

Das sind Indizien, für den Weg des Wassers bei Überflutungen.

Schutz einer Toreinfahrt

Schutz eines Kellerfensters vor Überflutung – Wir haben es hier recht wahrscheinlich mit einer häufigen Überflutungssituation zu tun. Bei einer einmaligen Überflutung hätte sich der Hauseigentümer wohl noch keine Sandsäcke organisiert.

 

9. Weitere Quellen:

Überflutung, Rückstau

Überflutungsschäden durch mangelhafte Einlaufbauwerke

Siehe auch:

Gerichtsgutachten

Gutachter Uwe Halbach
Berufliche Entwicklung
Ausgewählte Gutachten
Gerichtsgutachten und Gerichtsprozess

Rückstau

Ausgewählte Referenzen über Gutachten der Bewertung von Überflutungsschäden (Gutachten von U. Halbach, z.T. auch interdisziplinäre Zuarbeit und Mitwirkung)




Überlegungen zur Renaturierung des Domerslebener Sees

Plausibilitätsprüfung ausgewählter Aspekte, die einer Sanierung des Domerslebener Sees entgegen zustehen scheinen

Teilanonymisierte Stellungnahme

Auftraggeber:
Stadt Wanzleben-Börde – Ortschaft Domersleben
Markt 1-2, 39164 Wanzleben

Auftragnehmer:
Institut für Wasserwirtschaft Halbach
Schloßstraße 2, 08412 Werdau

Bearbeiter:
Uwe Halbach
Diplom-Ingenieur (FH) für Wasserwirtschaft & Diplom-Volkswirt

Ausfertigung: Internet

gez. U. Halbach
Institutsleiter

Werdau, den 24. September 2010


Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeine Hinweise

2 Beschreibung des momentanen Standes der Situation

3 Ausgewählte Meinungen gegen die Sanierung des Domerslebener Sees

4 Ergänzende Bemerkungen

5 Quellen- und Literaturverzeichnis


1. Allgemeine Hinweise

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Bewertung des wohl nur vermeintlichen Widerspruchs zwischen dem geplanten Vorhaben der Sanierung des Domerslebener Sees und den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Ziel der fachlichen Begleitung

des Institutes für Wasserwirtschaft Halbach ist es, das Projekt der Sanierung des Domerslebener Sees zu begründen, zu unterstützen, auch um den erforderlichen Aufwand der Gemeinde zur Bewältigung eventuell nicht zweckmäßiger Auflagen und Nachweise zu minimieren.

Die Bewertungsmethode beschränkt sich dabei nur auf die Plausibilitätsprüfung der Beweisführung, dass die Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Widerspruch zu den geplanten Vorhaben der Wiederentstehung des Domerslebener Sees stehen würden.

2. Beschreibung des momentanen Standes der Situation

Noch im 17. Jahrhundert gab es südlich der Ortslage Domersleben einen großen See. Als Vorfluter fließt die Domersleber Sarre aus der Ortslage Domersleben in Richtung Wanzleben. Der Mittelgraben, auch Dreilebener Sarre genannt, mündet aus westlicher Richtung, vom Remkersleber Wehr aus, in die Sarre (im ehemaligen Seegebiet).

Durch Eingriffe in den Wasserhaushalt und durch Eintrag von Erosionsmaterial der umliegenden Äcker verlandete der See schleichend. Im 19. Jahrhundert war der See dadurch entgültig verschwunden. Die übriggebliebenen Wiesen sind sehr feucht, mit Gräben durchzogen und teils mit Schilf bewachsen. Vom Herbst bis zum Frühjahr bilden sich oft ausgedehnte Wasserflächen, mit einer Tiefe von bis zu einem halben Meter aus. Der Bereich ist außerdem als Retentionsfläche, zum Hochwasserschutz der Stadt Wanzleben, von großer Bedeutung. Dies ist im Zusammenhang mit der Betriebsweise und der damit verbundenen Erlangung der Wasserrechtlichen Erlaubnis des bereits vorhandenen Domersleber Wehres zu betrachten.“ [7]

Nach der Ortschronik Domersleben (von Hermann Merbt, S. 133 Auszug in [7]) hatte der See eine ursprüngliche Fläche von 287,5 Hektar.

Ursprünglich wurde der See hauptsächlich durch die Dreileber Sarre, heute auch als Mittelgraben bezeichnet, gespeist. Der Abfluss erfolgte über eine Kalksteinschwelle am Steinbruch in Richtung Wanzleben.“ [7]

Von Bedeutung ist also:

  • Im 17. Jahrhundert gab es südlich von Domesleben einen großen See.
  • Ursprünglich wurde der See hauptsächlich durch die Dreileber Sarre gespeist.
  • Der See verlandete schleichend, wohl auch (nicht allein) durch absichtliche Trockenlegung.
  • Der See zeigt sich in feuchten Jahreszeiten in Form ausgeprägter Pfützenbildungen.

Ziel ist es nun, den ursprünglichen Zustand durch Sanierung wiederherzustellen und zudem den neuen (alten) See auch für den Hochwasserschutz und für andere Zwecke zu nutzen.

3. Ausgewählte Meinungen gegen die Sanierung des Domerslebener Sees

3.1 Verschlechterung bezüglich der ökologischen Durchgängigkeit

3.1.1 Zitat aus dem Schriftsatz der *** [8]

„Im Festlegungsprotokoll des Landesverwaltungsamtes vom 22. Juni 2009 wird unter Punkt 2: Festlegungen zur Begründung der geplanten Maßnahme gefordert:

2.1 Im Erläuterungsbericht ist die Erforderlichkeit der Maßnahme unter Berücksichtigung der EU-WRRL hinreichend zu begründen.

Kommentar: Wir sehen keine ausreichende Möglichkeit für eine solche Begründung. Im Gegenteil – die Maßnahme führt zu einer Verschlechterung bezüglich der ökologischen Durchgängigkeit, der Wasserqualität (z.B. Nährstoffeintrag aus Lösböden) sowie Wassertemperatur und beeinträchtigt negativ die Abflussverhältnisse.“

3.1.2 Stellungnahme zum Sanierungsgebot nach Artikel 4 WRRL

Nach Artikel 4 WRRL [11] besteht ein Sanierungsgebot zur Sanierung erheblich veränderter Wasserkörper.

Beweis:

„1 a) bei Oberflächengewässern:

ii) die Mitgliedstaaten schützen, verbessern und sanieren alle Oberflächenwasserkörper, vorbehaltlich der Anwendung der Ziffer iii betreffend künstliche und erheblich veränderte Wasserkörper, mit dem Ziel, spätestens 15 Jahre nach In-Kraft-Treten dieser Richtlinie gemäß den Bestimmungen des Anhangs V, vorbehaltlich etwaiger Verlängerungen gemäß Absatz 4 sowie der Anwendung der Absätze 5, 6 und 7 und unbeschadet des Absatzes 8 einen guten Zustand der Oberflächengewässer zu erreichen;…“

Im Falle des Domerslebener Sees handelt es sich um einen erheblich veränderten natürlichen Wasserkörper, der durch Sanierung in einen guten Zustand versetzt werden soll. D. h., man kann den Artikel 4 der WRRL durchaus auch wie folgt auslegen:

Der Domerslebener See ist zu sanieren, weil der bisherige schlechte Zustand nachteilig für die Artenvielfalt in dem landwirtschaftlich geprägten Gebiet um Domersleben ist.

3.1.3 Stellungnahme zur „Verschlechterung“

Die Argumentation ist wertlos, weil es an ihrer Begründung bzw. am Nachweis fehlt, dass die Schlüsse der Argumentation korrekt sind. Es handelt sich um unbegründete Behauptungen. Es mag Begründungen geben; sie wurden aber bislang nicht vorgetragen.

Das nachfolgende Beispiel veranschaulicht, dass es trotz Verschlechterung bezüglich der ökologischen Durchgängigkeit, der Wasserqualität (z. B. Nährstoffeintrag) sowie Wassertemperatur und negativ beeinträchtigte Abflussverhältnisse, aber insgesamt positiv gewertete Gewässer – sogar künstlichen Ursprungs – gibt, auf die kein Mensch verzichten will.

Es kommt also nicht auf pauschale und prüffähige Meinungen, sondern auf konkrete nachvollziehbare Bewertungen der komplexen und dynamischen Natur an, die, nebenbei bemerkt (wie auch die Ökologie), keine Gleichgewichtszustände – außer den Tod – kennt.

Beispiel:

Die Wippervorsperre beeinträchtigt auch negativ (unnatürlich) die Abflussverhältnisse und die Wassertemperatur. Eine ökologische Durchgängigkeit wird durch die Staumauer verhindert und zudem ist die Wippervorsperre derartig von Nährstoffeinträgen durch Niederschlag und Landwirtschaft belastet, dass selbst die Unterlassung jeglicher Abwassereinleitung aus den Kläranlagen des Einzugsgebietes keine Verbesserung der Gewässergüte zur Folge hätte. Beweis hierzu: Halbach [10]

Aber niemand kommt auf den Gedanken, die Wippervorsperre zu entleeren und abzureißen, obwohl der Artikel 4 der WRRL dazu die gesetzliche Grundlage liefern würde. Warum wohl? Einfach deshalb, weil in der Summe die wasserwirtschaftlichen Vorteile – dazu zählt auch der Nutzen für den Menschen – deutlich und zweifellos überwiegen.

Stehende nährstoffreiche Gewässer vergrößern bekanntlich die Artenvielfalt, um genau jene Tierarten, die auf stehende Gewässer angewiesen sind und die in den zu häufig verbreiteten „meliorationsgrabenartigen“ mit sehr schlechtem Gewässerzustand keinen Lebensraum (Habitat) finden.

Der schlechte Gewässerzustand wird in diesen Fällen meist schon auf den ersten Blick durch die unnatürliche Hydromorphologie[1] geprägt.

Es kommt bei der Bewertung der Sanierung des Domerslebener Sees darauf an, die ökologischen Aspekte und wasserwirtschaftlichen Vorteile eines Sees in der „landwirtschaftlichen Wüste von Domersleben“ zu erkennen.

Dabei hat die Bewertung frei von Öko-Ideologie und weltfremden Vorstellungen zu sein, wenn Fehlurteile wegen Weltfremdheit vermieden werden sollen. Bewertungsgrundlage müssen naturwissenschaftliche nachvollziehbare Methoden und Tatsachenbefunde sein. Dabei ist die Natur nicht als romantische Vorstellung zu bewerten, sondern in ihrer Realität.

Die Bewertungsmethode sollte also eine Ökologische sein. Das hat schon einmal die ungewohnte Bewertungskonsequenz, dass keine guten oder schlechten Zustände zu definieren sind, sondern nur Vor- oder Nachteile für bestimmte Tiere oder Tierarten.

Ökologisch korrekt wäre z. B. eine Bewertung:

„Das neu zuschaffende betreffende Ökosystem bietet gute Bedingungen als Brutgewässer für Cypriniden[2], wenn bei der Anlage des Sees folgende Voraussetzungen eingehalten werden…

Durch das Einsetzen von Raubfischen, die nicht geangelt werden dürfen, wird der Fraßdruck auf die Cypriniden aufrecht gehalten, so dass diese ihrerseits nicht die Daphnien minimieren, weil Daphnien neben Muscheln als Filtrierer das Wasser klar halten.“

3.1.4 Keine Verschlechterung, sondern eine Gewässerrenaturierung!

Abgesehen davon, ob die „Verschlechterungsbedenken“ in dieser Weise zutreffen oder nicht, handelt es sich in der Tat um keine Verschlechterung, sondern um eine beabsichtigte Verbesserung des Gewässerzustandes unter Erschließung des ökologischen Potentials, wie nachfolgende Abbildung zweifelsfrei beweist.

Abbildung 1: Domerslebener See in der Vergangenheit

Foto 1: Gewässer im LSG „Fauler See“ bei Wanzleben

Auf der Abbildung 1 ist zu erkennen, dass der Domerslebener See – als noch viel Wasser in ihm war – zur Erholung genutzt wurde, wie aus den dargestellten Spaziergängern am Seeufer abzuleiten ist.

Ebenfalls am Seeufer zum Trocknen aufgestellte Netze sind Indiz für den Fischreichtum des Sees, als es ihn noch in seiner ursprünglichen Form gab.

Ob der Mann auf dem Boot nun ein Fischer ist oder aus welchen Gründen er den See befuhr, ist ungewiss.

Die Abbildung 1 ist die Kopie einer Kopie, die im Kulturhaus der Gemeinde Domersleben sicher schon seit Jahren hängt.

Der Domerslebener See hat in der Gemeinde Domersleben eine besondere Bedeutung, wie neben einem Gemälde vom See auch die Planung zur Sanierung des Sees beweist.

Bei der Bewertung des Sees werden jedoch von denen, die ihn ablehnen, Ursache und Wirkung verwechselt.

Der Gewässerzustand des Sees wurde durch Eingriffe des Menschen in der Vergangenheit (Umleitung der Sarre, Anlage von Meliorationsgräben vorwiegend wohl durch die Landwirtschaft) auf wenige Quadratmeter nasse Wiese und einige Pfützen extrem verschlechtert. So etwas hat immer einen dramatischen Rückgang der Artenvielfalt (Biodiversität) und der Tieranzahl (Populationsdichte) zum Ergebnis.

Foto 2: Das Wehr im Gewässer im LSG „Fauler See“ bei Wanzleben verhindert ein Austrocknen des Feuchtbiotops

Das ist die Ausgangssituation, vor deren Hintergrund ablehnende Positionen und Meinung nicht zu verstehen sind, geht es doch darum, einen vom Menschen misslichen Eingriff in die Natur zu korrigieren.

  • Die EU-Wasserrahmenrichtlinie kennt dafür 2 förderfähige Instrumente: Gewässersanierung (Renaturierung) und
  • Erschließung des ökologischen Potentials, wobei dieses schon zu einem guten – bis vielleicht auch sehr guten Zustand geführt werden könnte.

Welche Vielfalt Wasser in der Natur bewirken kann, das erschließt sich dem Naturfreund in dem nur 4 km von Domersleben entfernten Biotop, das – markanter Weise – nur existiert, weil der Naturschützer den Abfluss des Wassers durch die Melioration mittels eines Wehres unterband. Dem Land Sachsen-Anhalt war und ist dieses Gebiet so wertvoll, dass es völlig zu Recht in die Liste der Landschaftsschutzgebiete aufgenommen wurde.

Siehe hierzu Foto 1 bis Foto 3[3].

Eine ähnliche Methode ist auch für die Sanierung des Domerslebener Sees geplant. Allerdings sind dafür noch die Naturschützer in den Behörden einzubeziehen. Eine Unterstützung des Vorhabens durch das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt in Halle wäre wohl – mit Blick auf das LSG „Fauler See“ – nicht ausgeschlossen.

Foto 3: Der von der Landwirtschaft verursachte schlechte Gewässerzustand – um mehrere Meter abgesenktes Grundwasser, einfältige „Natur“, umweltschädliche „Gewässerunterhaltung“

Nachtrag am 28.11.2013. Siehe hierzu:


3.2. Hochwasserrückhalt

3.2.1 Zitat aus dem Schriftsatz der *** [8]

Auszug:

„2.2 Der tatsächlich realisierbare Hochwasserrückhalt bzw. die Effektivität der prognostizierten Hochwasserschutzwirkung des geplanten Sees ist fachlich begründet darzulegen.

Kommentar: Für einen effektiven Hochwasserschutz muss über die längste Zeit des Jahres ein Retentionsraum freigehalten werden, der bei Hochwasserereignissen relativ schnell gefüllt und zeitverzögert wieder abgelassen wird. Bei der geplanten touristischen Nutzung stehen andere Prämissen in Vordergrund, wie z.B. ein relativ konstanter und hoher Wasserspiegel. Ein angedachter Hochwasserrückhalt ist bei genauerer Betrachtung fachlich nicht zu belegen.“

3.2.2 Stellungnahme

Wenn ein angedachter Hochwasserrückhalt bei genauerer Betrachtung fachlich nicht zu belegen ist, dann wäre ein Weg aufzuweisen, wie es trotzdem geht.

Die Talsperre Pöhl in Sachsen ist ein zugelassenes Badegewässer und weist trotzdem eine erhebliche Wasserspiegelschwankung bei Hochwasser auf.

Durch entsprechende Ufergestaltung, oder ggf. durch schwimmbare Stegpontons ist das Problem des Hochwassers wohl zu beseitigen.

Bekanntlich gehen Millionen von Menschen bei variablen Wasserständen baden.

Zudem ist bei Hochwasser auch nicht unbedingt in jedem Fall mit großem Badebetrieb zu rechnen.

Die Argumentation im Schriftsatz der *** [8] überzeugt mich nicht.

3.3 Nebenschluss

3.3.1 Zitat aus dem Schriftsatz der *** [8]

„2.3 Zwecks Gewährleistung der ökologischen Durchgängigkeit des Mittelgrabens/Sarre gemäß dem Verschlechterungsverbot der WRRL ist im Rahmen einer Variantenuntersuchung die technische Realisierbarkeit der Anordnung des Mittelgrabens und der Sarre im Nebenschluss zum Domersleber See zu prüfen.

Kommentar: Dieser Punkt zielt darauf ab, die Fließgewässer zu belassen (eventuell umzuverlegen) und einen See im Grundwasseranschnitt zu errichten. Es entsteht ein relativ flaches Stillgewässer, indem bereits nach einigen Jahren erste Sanierungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der Wasserqualität erfolgen müssen.“

3.3.2 Stellungnahme

Ein Gewässer im Nebenschluss wäre möglicherweise keine Sanierungsmaßnahme nach Artikel 4 WRRL [11].

Zudem hat sich wohl schon in der Vergangenheit gezeigt, dass die Umleitung der Sarre eine Verschlechterung darstellte, weil damit das Wasserökosystem beseitigt wurde.

3.4 Mindestwasserstand

3.4.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Für die geplante Nutzung als Naherholungsgewässer bedarf es der Gewährleistung eines Mindestwasserstandes. Dies widerspricht jedoch dem Erfordernis, ganzjährig ein Speichervolumen für die Belange des Hochwasserschutzes vorzuhalten.“

3.4.2 Stellungnahme

Siehe hierzu Gliederungspunkt 3.2.2 auf Seite 3.

3.5 Nutzung als Bade- und Fischereigewässer

3.5.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Ausgehend von den bestehenden Verhältnissen und der tatsächlichen intensiven Nutzung der die geplante Seefläche umgebenden Flächen muss davon ausgegangen werden, dass ein langfristig stark eutrophiertes Stillgewässer entsteht. Dieser Sachverhalt schließt eine Nutzung als Bade- und Fischereigewässer grundsätzlich aus.“

3.5.2 Stellungnahme

Es ist korrekt, dass eine intensive landwirtschaftliche Nutzung mit Abstand die größte Fracht an Phosphor und Stickstoff in die Gewässer ableitet.

So besteht das Einzugsgebiet der auch intensiv zum Baden genutzten Talsperre Pöhl überwiegend aus landwirtschaftlicher Nutzfläche (Abbildung 3) und trotzdem schließt dieser Sachverhalt nachweislich seit Inbetriebnahme der Talsperre eine Nutzung dieser als Badegewässer nicht aus.

Warum eine Nutzung als Fischereigewässer bei Eutrophierung grundsätzlich nicht vorstellbar wäre, ist mir unklar, weil doch gerade eutrophe Gewässer neben einem besonders großen Fischreichtum auch einen großen Reichtum an Fröschen (Abbildung 2) und Lurchen versprechen. In sauberen Gewässern verhungern bekanntlich die Fische.

Wie schon darauf hingewiesen – sollten, wenn Fische schon nicht vermieden werden können – Raubfische die Friedfische „kurz halten“.

Ebenso wäre es wohl vorteilhaft geeignete Teichmuscheln[4], die wegen übermäßiger Abwasserreinigung in ihrer Populationsdichte stark im Rückgang begriffen sind[5], zur Filtration des Wassers einzusetzen.

Keine Friedfische und viele Filtrierer sind ein Rezept für klares Wasser trotz einer mäßigen Eutrophierung.

Zusammenfassend:

  • Wenn man klares Wasser bei mäßiger Eutrophierung haben will, dann sind Friedfische kontraproduktiv.
  • Wenn man im grünen Wasser baden kann, dann stört das die Fische nicht.
  • Wenn man Blaualgen verhindern will, dann muss man für Grünalgen gute Bedingungen schaffen.
  • Die Formulierung „grundsätzlicher Ausschluss“ bedeutet nicht, dass es verboten ist, sondern nur, dass es zulässige Ausnahmen gib, die auszuloten wären.


Foto 4: Froschlaich in einem Nachklärteich der Abwasserteichkläranlage Hayn

Größere Kartenansicht
Abbildung 2: Das Einzugsgebiet der Talsperre Pöhl besteht überwiegend aus landwirtschaftlicher Nutzfläche.

3.6 Biozönose

3.6.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Um über die niederschlagsarmen Sommermonate einen für die Nutzung als Badesee und Fischereigewässer notwendigen Wasserstand zu halten und die Verdunstungsverluste zu kompensieren, wird es nahezu unmöglich sein, einen landschaftlich notwendigen Mindestabfluss in der Sarre unterhalb zu gewährleisten, um unterlaufseitig die Biozönose dieses Gewässers nicht zu beeinträchtigen.“

3.6.2 Stellungnahme

Zunächst wäre festzustellen, worin die Biozönose[6] dieses Gewässers konkret besteht.

Wenn beispielsweise der Gewässerunterhaltungsverband jährlich die Sarre mit dem „scharfen Löffel“ ausschabt, dann liegt die ganze Biozönose – abgesehen von dem, was wegschwimmen kann – auf dem Trockenen und wird abgefahren.

Sicher gibt es wertvolle Biozönosen, z. B. Forelle und Flussperlmuschel. Die wären aber ggf. festzustellen und gegen die neu entstehenden Biozönosen zu bewerten.

Zu beachten ist nicht nur die Biozönose, sondern auch die Populationsdichte. Paradox ist dabei, dass gerade der „praktizierende“ Naturschutz eine wesentliche Ursache für den Rückgang der Biodiversität ist:

Ist es gerechtfertigt, den Rückgang von Großmuscheln, Libellen, Fischen und anderen Tieren der Gewässer in Roten Listen zu beklagen, wenn eine der Hauptursachen, in unserer Zeit die wahrscheinlich bedeutendste überhaupt, im Natur- und Umweltschutzziel des sauberen Wassers liegt?“ REICHHOLF [6]

3.7 Naturraumtypische und standortgerechte Artengemeinschaften

3.7.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Die untere Wasserbehörde hatte in bisherigen Stellungnahmen gefordert, durch eine Variantenuntersuchung die technische Realisierbarkeit der Anordnung des Domersleber Sees im Nebenschluss zum Mittelgraben und der Sarre zu prüfen. Die vorgesehene Anordnung im Hauptschluss verstößt gegen das Verschlechterungsverbot in Bezug auf die ökologische Durchgängigkeit des Mittelgrabens/ Sarre gemäß den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (§ 67 WG LSA). Ein Standgewässer im Hauptschluss stellt auf Dauer ein ökologisch unüberwindliches Querbauwerk für naturraumtypische und standortgerechte Artengemeinschaften dar.“

3.7.2 Stellungnahme

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen nach der EU-WRRL sind ganzheitlich komplex und dynamisch zu verstehen.

Die Bezeichnung „guter Gewässerzustand“ nach der EU-WRRL erfordert die gleichzeitige Erfüllung folgender 5 Bedingungen (siehe auch RUMM [12]):

  • Gewässerstruktur, einschließlich Durchgängigkeit (Hydromorphologie)
  • Biologie
  • Nährstoffe
  • physikalisch/chemische Stoffe und spezifische Schadstoffe (Anhang VIII)
  • prioritäre Stoffe (Anhang IX und X)

Man erkennt auf den ersten Blick, dass die als Verschlechterung kritisierte „Durchgäng-igkeit“ zwar zutrifft, die Anforderungen zur Gewässerstruktur aber im Falle der Sarre kein Thema sind, obwohl nach Diagramm 1 auch die Gewässerstruktur mindestens einen guten Zustand aufweisen muss.

Um es zu veranschaulichen: Was nutzt die gute Durchgängigkeit für die Cyprinide, wenn sie ungehindert von der Mündung bis zur Quelle schwimmen kann, dabei aber kein Laichgewässer findet und auf dem Hin- und erfolglosen Rückweg an hungrigen Raubvögeln ohne Deckung vorbei schwimmen muss?

Ist es da für den „armen“ Fisch nicht besser, dass er wenigstens im neuen (alten) Domerslebener See laichen kann?

Womit bewiesen ist, dass eine pauschale Anwendung des Verschlechterungsgebotes hinsichtlich des Endes der Durchgängigkeit am eventuell künftigen Domerslebener See – ökologisch gesehen (aus Sicht der Cyprinide) – nicht plausibel ist.

Diagramm 1: In den Flussgebieten am häufigsten genannte Ursachen für die Zielverfehlung von Oberflächengewässern (Datengrundlage: zehn Flussgebietsberichte) RUMM [12], Seite 150

Auch bei allem guten Willen zur Gewährleistung eines „guten Gewässerzustandes“ sollte man der Tatsache ins Auge schauen, dass dieser Zustand eher in Ausnahmefällen zu erreichen ist, es sei denn die Landwirtschaft drosselt ihre Produktion um vielleicht 70 % und die nächsten 50 Jahre werden dazu genutzt, um fast alle Bäche und Flüsse in den Zustand zu versetzen, den sie vor 1.000 Jahren vielleicht mal hatten.

RUMM [12] weist auf folgende Fakten hin, die wohl auch für das Gebiet um Domersleben gelten dürften:

  • „In den meisten Bundesländern und somit in nahezu allen deutschen Flussgebietseinheiten ist die Gewässermorphologie durch den Menschen auf weiten Strecken verändert und beeinträchtigt.
  • Ein großer Teil der Flüsse und Bäche wird die Umweltziele der Wasserrahmenrichtlinie ohne konsequente Umsetzung entsprechender Maßnahmen zur Verbesserung des Gewässerzustands voraussichtlich verfehlen. In den Stadtstaaten zeichnet sich ab, dass ein guter ökologischer Zustand der Gewässer kaum erreicht werden kann, was insbesondere auf die intensive wirtschaftliche Nutzung und damit auf die dauerhaft veränderte Gewässermorphologie zurückzuführen ist.“

Also, wenn es verboten werden sollte, den Domerslebener Sees wegen Verschlechterung der Durchgängigkeit sanieren zu dürfen, dann wären aber auch gleichzeitig Fördermittel bereitzustellen, damit entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung des Gewässerzustands lt. EU-WRRL konsequent und planmäßig umgesetzt werden können, wie

  • Rückbau der Fließgewässer
  • Reduzierung der Landwirtschaft um schätzungsweise 70 % zur Erreichung des guten wasserchemischen Zustandes hinsichtlich Phosphor und Stickstoff
  • Verbot der Gewässerunterhaltung zum Schutz der Biozönose

Die gleichzeitige Erfüllung aller Anforderungen ist unbedingte Voraussetzung für die Gewährleistung des für alle Parteien verbindlichen und gesetzlichen Sparsamkeitsprinzips. Nur bei gleichzeitiger Erfüllung aller Anforderungen für den guten Gewässerzustand ist überhaupt ein Effekt im Gewässer gewährleistet (von Ausnahmen mal abgesehen.) Und den Effekt schuldet der Gewässerschutz, um die hohen Aufwendungen zu rechtfertigen. Aus diesem Grund sind Maßnahmen für die Gewährleistung des guten Gewässerzustandes komplex und ganzheitlich zu planen.

Mal ein „bisschen“ Durchgängigkeit durchzusetzen ist völlig effektlos, wenn nicht zugleich die Voraussetzungen für ein gewünschtes vielfältiges ständiges Leben im Gewässer geschaffen werden (z. B. Fischunterstände). Rechnet man alle Kosten für die Gewährleistung eines guten Gewässerzustandes zusammen, dann ist es leicht vorstellbar, dass ein einziger im Schlamm wühlender Fisch in der Sarre, schon mal einen Wert von vielleicht 5.000 € verkörpert. Also ein Grund mehr um Nägel mit Köpfen zu machen.

3.8 Stoffaustrag aus dem See

3.8.1 Zitat aus dem Schriftsatz des Umweltamtes [9]

„Die geplanten Ausmaße des Sees sowie die vorgesehenen verschiedenartigen Nutzungen, z.B. als Bade- und Fischereigewässer, würden negative Auswirkungen auf die Wasserbilanz (hohe Verdunstungsrate ) sowie die gewässerökologische Beschaffenheit des Standgewässers und daraus resultierend auf die Sarre unterhalb zur Folge haben. Hierbei sind u.a. folgende Aspekte zu nennen:

– Stoffaustrag aus dem See über gelöste Nährstoffe und Algen,

– Erhöhung der Wassertemperatur sowie des pH-Wertes im Fließgewässer,

– Minderung des gelösten Sauerstoffgehaltes im unterhalb liegenden Gewässerabschnitt

Diese zu erwartenden negativen Folgen können von Seiten der unteren Wasserbehörde nicht akzeptiert bzw. zugelassen werden.“

3.8.2 Stellungnahme

Die Überlegungen sind z. T. unlogisch.

In dem betreffenden Einzugsgebiet fällt unabhängig davon, ob der See errichtet wird oder nicht, eine bestimmte jährliche Fracht an Phosphor und Stickstoff an. Emittenten sind hauptsächlich die Landwirtschaft und der Niederschlag.

Wird nun ein See errichtet, dann bewirken seine Stoffwechselprozesse eine Reduzierung dieser Fracht, weil ein Teil des Stickstoffes denitrifiziert wird und in die Atmosphäre ausgast, ein Teil des Phosphors fällt als Bodenschlamm und wird endgültig fixiert.

Ein Teil des Stickstoffes und des Phosphors wird von den Anglern aufgegessen, ein anderer Teil fliegt weg und wieder ein anderer Teil wird von Raubvögeln aufgefressen.

Sicher verlassen noch beachtliche Teile der Frachten den See. Es dürften aber bei Grünalgenüberschuss weniger sein, als in ihn hineinfließen.

Festzustellen ist also, es gibt durchaus einen Stoffaustrag aus dem See über gelöste Nährstoffe und Algen, dieser ist aber geringer als der Stoffeintrag.

Die Erhöhung der Wassertemperatur im See hat zur Folge, dass der Stoffumsatz des Sees beschleunigt wird. Ob nun unbedingt der pH-Wert im See steigen muss, ist unsicher, aber vergleichbare Seen gibt es massenhaft, in denen dies in der Regel kein Problem ist.

Zur Minimierung der Photosynthese (als Auslöser einer möglichen pH-Wertsteigerung) in Fließgewässern hat sich das Pflanzen von Schwarzerlen bewährt, die zudem auch einen ausgezeichneten Beitrag zur Renaturierung der Gewässer darstellen.

Und wenn die Minderung des gelösten Sauerstoffgehaltes im unterhalb liegenden Gewässerabschnitt relevant sein sollte, wieso ist sie bei vergleichbaren Seen kaum von Bedeutung?

Die Überlegungen des Umweltamtes sind sicher durch konkrete Berechnungen und Messungen zu untersetzen. Wenn die Bedenken zutreffend wären, dann dürfte es in der Kulturlandschaft keine kaum durchflossenen Seen geben. Sie wären alle wegen der „Verschlechterung“ trocken zulegen.

Kaum durchflossene Seen sind aber im Vogtland z. B. die Regel. Da gibt es aller paar Kilometer einen See, der mit nährstoffreichen Zuläufen gespeist wird. Oder wie verhält es sich mit den sehr gut gedüngten Fischteichen, deren Ablauffrachten jene des künftigen Domerslebener Sees weit in den Schatten stellen dürfte?

Im Übrigen kann die zu erwartende Eutrophierungsstufe kalkuliert werden.

4. Ergänzende Bemerkungen

4.1 Wasserwirtschaftliche Bedeutung der Wiedererschaffung ehemaliger Seen

Allgemein bekannt ist die Fruchtbarkeit der Magdeburger Börde:

Häufig sind in der Magdeburger Börde Senkenbildungen zu erkennen, die durch Auslaugungen von Salzen und Gipsen des Röts und des Mittleren Muschelkalks entstanden. Der Faule See im gleichnamigen LSG ist eine solche Auslaugungssenke, die heute waldbestanden ist. Die Geschiebemergelhochflächen sind von mächtigen Lößschichten überlagert. Die fruchtbaren Lößböden bedingen eine intensive ackerbauliche Nutzung der Landschaftseinheit. Bei Wanzleben werden Bodenwertzahlen bis 100 erreicht, die höchsten für Deutschland festgestellten Bonitäten überhaupt.“ [3]

Die Magdeburger Börde ist also eine landwirtschaftlich äußerst intensiv genutzte Gegend in Sachsen-Anhalt (siehe Abbildung 4).

4.2 Landwirtschaft und Naturschutz als Ursache der Artenarmut

REICHHOLF hat die Landwirtschaft und scheinbar paradox auch den Naturschutz selbst als eine der Hauptursachen für den Artenschwund ausgemacht:

„Der Artenschwund geht daher mit weitem Abstand vor allem an deren Wirkgrößen auf das Konto der modernen Landwirtschaft. Denn Überdüngung, Strukturverarmung und Vereinheitlichung der Lebensbedingungen (möglichst gleichartige Produktionsverhältnisse zu haben oder zu schaffen) sind ihre Auswirkungen. Der Stickstoff wurde zum «Erstick-Stoff» für die Artenvielfalt.

Überdüngung, speziell auch mit Gülle, belastete Böden, Grundwasser, Oberflächengewässer und die Luft.

Doch an zweiter Stelle nach der Landwirtschaft folgt bereits der Naturschutz selbst. Die Unterbindung der vielen kleinen Eingriffe, der «Störungen», brachte genau das Gegenteil von Förderung der Artenvielfalt und Schutz der seltenen Arten.

Seit keine kleinen Abgrabungen und solche mittlerer Größe mehr gemacht werden können, keine Kleingewässer in der Landschaft entstehen, kein Abflämmen von Böschungen und Triften mehr erlaubt und Kahlschläge verdammt sind, fehlt es an den jungen Stadien von Entwicklungen, mangelt es an Stellen ohne intensive landwirtschaftliche Nutzung und wächst alles zu, was nicht direkt in die Nutzungen einbezogen ist.

So entfällt der zweitgrößte Teil der Artenrückgänge auf die Umsetzung von Naturschutzzielen.“ REICHHOLF [6]

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Abbildung 2: Domersleben – Landwirtschaft – soweit das Auge reicht

4.3 Der Faule See – Landschaftsschutzgebiet 4 km südlich von Domersleben

In Bezug auf die Biodiversität der Magdeburger Börde stellt das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt mit Blick auf das in der Nähe von Domersleben liegende Landschaftsschutzgebiet hinsichtlich der Tier- und Pflanzenwelt nachvollziehbar fest:

„Die potentiell natürliche Vegetation stellt auf den nicht dauerhaft vernäßten Standorten der Waldziest-Stieleichen-Hainbuchenwald und bei hoch anstehendem Grundwasser der Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald und kleinflächig auch der Erlenbruchwald dar. In dem Bereich der Salzquellen hat sich bereits kleinflächig die entsprechende Salzvegetation in Form von Quellerfluren gut entwickeln können.

In der aktuellen Vegetation sind die natürlichen Waldtypen überwiegend durch Pappelgehölze, teilweise aber auch durch naturnähere Feuchtwälder, ersetzt worden.

Teile der Niederung werden von Grünlandgesellschaften mit einem hohen Anteil salzliebender Arten bedeckt, wobei der Anteil strenger Halophyten gering ist. Allerdings sind Queller und Strand-Aster im Gebiet zu finden.

Die Vielfalt des Gebietes kommt auch darin zum Ausdruck, daß im Landschaftsschutzgebiet Halbtrockenrasengesellschaften mit einem Vorkommen des Deutschen Enzians zu verzeichnen sind, wohl der einzige Standort der Art in der Magdeburger Börde. Eine weitere Besonderheit ist das Vorkommen des Bleichen Waldvögleins in einem lichten Pappelforst.

Neben einer artenreichen Kleinvogelwelt kommen im LSG Rot- und Schwarzmilan Rohrweihe und Kolkrabe vor.

Aus dem Bereich der Salzstelle sind die seltenen Nachweise von Südlicher Binsenjungfer, Helm-Azurjungfer und Südlichem Blaupfeil als vom Aussterben bedrohte beziehungsweise gefährdete Libellen-Arten hervorzuheben.

Insgesamt gesehen stellt das LSG eine wertvolle, strukturreiche Oase innerhalb der artenarmen Bördelandschaft dar.“ [3]

Von Bedeutung ist die Feststellung insoweit, dass das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt die Artenarmut der Bördelandschaft herausstellt.

Durch die Sanierung des Sees in Domersleben – sofern er ein gewisses Maß an Nährstoffen enthält – dürfte sich nicht nur die Artenvielfalt erhöhen, sondern auch deren Tieranzahl.

Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass sauberes Wasser die Artenvielfalt und die Popula-tionsdichte erhöht. Das Gegenteil ist der Fall. Insofern dient eine maßvolle Eutrophierung der Biodiversität, der Produktivität und damit der Populationsdichte. Schließlich soll mit dem Domerslebener See kein alpiner Hochgebirgssee oder eine Trinkwassertalsperre errichtet werden.

4.4 Gewässergüte und Artendiversität [7]

Zwischen der Nährstoffbelastung eines Gewässers, der Artenvielfalt sowie Populationsdichte gibt es einen interessanten, aber kaum beachteten Zusammenhang.

Nach einer persönlichen Information des Ökologen Herrn Prof. Reichholf [8] steigt mit zunehmender Gewässergüte zunächst die Artendiversität an, erreicht bei III-II ein Maximum und nimmt dann wieder (stark) ab, falls GKL I erreicht werden sollte.

Der Rückgang in die andere Richtung zu GKL IV ist weniger stark ausgeprägt, aber begleitet von einer massiven Zunahme der Individuenmenge bzw. dem Lebendgewicht der Organismen pro Flächeneinheit (als Maß für die Produktivität). Nur bei starkem Sauerstoffschwund oder im Zusammenhang mit Vergiftungsvorgängen sinkt die Produktivität der eutrophen Gewässer. Sonst ist sie maximal. In früheren Zeiten war dieser Zusammenhang unter den sogenannten „Thienemann’schen Gesetzen“ in der Limnologie bekannt, aber von den zugrunde liegenden Ursachen nicht verstanden worden. Allgemeine Angaben hierzu sind zum Beispiel in ODUM, E. P. & J. H. REICHHOLF (1980): Ökologie. BLV München, enthalten. Es gibt eine Menge Detailanalysen hierzu in der limnologischen Literatur. Der Schüler Hans UTSCHICK des Herrn Prof. Reichholf hat das u. a. auch in seiner Diplomarbeit und Dissertation für die Wasservögel ausgearbeitet und publiziert in den Ornithol. Verhandlungen 22 (1976): 395 – 438 & Bd. 23 (1980): 273-345.

Insofern ist die pauschale Bewertung des Phosphors und Stickstoffs als Schadstoff allein nach seiner Konzentration fragwürdig. Erstens, weil nicht die Konzentration, sondern die Dosis das Kriterium für eine Schädlichkeit ist und zweitens, weil es keinen Ökosystemschaden durch diese Nährstoffe geben kann.

Kleine Gewässer – wie z. B. die Abwasserteiche – zeichnen sich durch eine relativ geringe Tiefe aus. Da viele Wasservögel ihre Nahrung vornehmlich im Litoral [9] durch Gründeln aufnehmen, steht die gesamte Fläche für die Nahrungsaufnahme zur Verfügung und stellt somit einen guten Lebensraum für viele Wasservögel dar (siehe Abbildung 5).

Foto 5: Seltene Weißflügelseeschwalben auf der Futtersuche über einem stark eutrophen Biotop (Abwasserteich von Nordgermersleben)

Daneben trägt die gute Durchmischung zu einer hohen Produktivität und damit zu einem reichhaltigen Nahrungsangebot bei.

Utschick [4] beobachtete an bayrischen Seen, dass je stärker eutrophiert ein Stillgewässer ist, desto größer ist die Dichte der Wasservögel. Dies gilt allerdings nur solange, wie die Produktivität des Gewässers steigt. Bei Hypertrophierung [10] lässt die Produktivität nach und auch die Anzahl der Wasservögel verringert sich.

Im Falle der Untersuchungen von Utschick [4] wurde das Optimum an Artendiversität bei einem mesotrophen [11] Gewässer festgestellt.

Nach verschiedenen Maßnahmen zur Gewässerreinhaltung ist nach Utschick [4] und dem Wasserwirtschaftsamt München [5] die Population ohne Verzögerung sofort zurückgegangen. Von dem Rückgang waren vor allem die Wasservögel betroffen, die sich von Organismen im Schlamm ernähren.

Selbst bei den Tauchern, wie dem Haubentaucher, war in stärker eutrophierten Seen eine höhere Dichte an Tieren beobachtet worden, als bei weniger eutrophen Gewässern. Dies liegt vor allem daran, dass sich mit steigender Trophiestufe [12] die Fischzusammensetzung zu Ungunsten der Edelfische ändert und mehr Weißfische auftreten, welche die Hauptnahrungsquelle für die Taucher darstellen.

Die rein herbivoren [13] Arten gingen allerdings mit steigender Trophiestufe in ihrem Anteil an der Gesamtwasservogelzahl zurück.

Es bleibt also festzuhalten, dass je eutrophierter ein Gewässer ist, desto mehr (bezogen auf die Dichte) Wasservögel kann dieses Gewässer ernähren. Dies gilt allerdings nur solange, wie auch die Produktivität des Gewässers steigt. Bei sinkender Produktivität sinkt dann auch die Dichte der Wasservögel wieder.

Bezogen auf die Artendiversität – also die Vielfalt – ist mit steigender Trophierung eine sinkende Diversität zu verzeichnen.

Insgesamt wurde das Optimum beim mesotrophen Stillgewässer festgestellt.

Ein übermäßiger Gewässerschutz ist deshalb nachteilig für die Artenvielfalt und die Anzahl der Tiere einer Art.

Es ist eine Tatsache, dass eine gewisse „Verunreinigung“ der Gewässer mit Nährstoffen für die Artenvielfalt und für viele Tiere durchaus auch ein guter Gewässerzustand sein kann, den sie mit häufigen Besuchen, Bruterfolgen oder als Gäste honorieren.

Die Anlage von Seen zählt in den Gegenden von Sachsen-Anhalt mit ausgeprägter Nutzung durch die Landwirtschaft zu den wasserwirtschaftlichen Maßnahmen mit sehr hoher Bedeutung.

Diese Auffassung teilt offensichtlich auch das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt.

Große Anstrengungen unternahm das Land Sachsen-Anhhalt beispielsweise auch zur Wiederentstehung des Salzigen Sees bei Querfurt. Diese Maßnahme scheiterte aber nur an den zu erwartenden Schäden in Folge des mit der Maßnahme verbundenen Grundwasseranstieges. Aus diesem Blickwinkel ist es nicht nachvollziehbar, warum der Sanierung des Domerslebener Sees derartige Widerstände entgegengesetzt werden. Ein neues Gewässer in einer „Kultur“-Landschaft ist immer eine ungemeine Bereicherung, eine Herausforderung und eine seltene Gestaltungschance für erfahrene Ökologen.

4.5 Bewertung des Verschlechterungsverbotes – Wasserrecht LSA

Im § 2 des Wasserrechtes des Landes Sachsen-Anhalt sind folgende ausgewählte Grundsätze enthalten:

„(1) Die Gewässer sind als Bestandteil des Naturhaushaltes und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu sichern.

Sie sind so zu bewirtschaften, dass sie dem Wohl der Allgemeinheit und im Einklang mit ihm auch dem Nutzen Einzelner dienen, vermeidbare Beeinträchtigungen ihrer ökologischen Funktionen und der direkt von ihnen abhängenden Landökosysteme und Feuchtgebiete im Hinblick auf deren Wasserhaushalt unterbleiben und damit insgesamt eine nachhaltige Entwicklung gewährleistet wird.

Dabei sind insbesondere mögliche Verlagerungen von nachteiligen Auswirkungen von einem Schutzgut auf ein anderes zu berücksichtigen; ein hohes Schutzniveau für die Umwelt insgesamt, unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Klimaschutzes, ist zu gewährleisten.

(2) Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Verschlechterung des Gewässerzustandes führen, sind unzulässig.

(3) Das Wohl der Allgemeinheit erfordert insbesondere, dass

1. nutzbares Wasser in ausreichender Menge und Güte zur Verfügung steht und die öffentliche Wasserversorgung nicht gefährdet wird,

2. Hochwasserschäden, schädliches Abschwemmen von Boden und eine schädliche Auswaschung von Nährstoffen verhindert werden,

3. landwirtschaftlich und anders genutzte Flächen unter Vermeidung dauerhaft nachteiliger Wirkungen auf den Naturhaushalt entwässert werden können,

4. die Gewässer einschließlich des Meeres vor Verunreinigung geschützt werden,

5. die Bedeutung der Gewässer und ihrer Uferbereiche als Lebensstätte für Pflanzen und Tiere und ihre Bedeutung für das Bild der Landschaft berücksichtigt werden,

6. das Wasserrückhaltevermögen und die Selbstreinigungskraft der Gewässer gesichert und, soweit erforderlich, wiederhergestellt und verbessert werden.“

Kommentar:

Nun, in der Natur gibt es keine Verschlechterung einer Sache, die nicht zugleich eine Verbesserung für ein anderes Wesen darstellt. Insofern kommt es auf den Standpunkt bei der Bewertung an und ob komplexe Zusammenhänge erfasst werden sollen.

Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Verschlechterung des Gewässerzustandes führen, sind also unzulässig. Wie aber in vorherigen Abschnitten bewiesen wurde, führt eine Nährstoffminimierung am Ende zu einem sehr schlechten Gewässerzustand für manches Wassergeflügel wegen Verhungerns. Die Regelung „Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Verschlechterung des Gewässerzustandes führen, sind unzulässig.“ bedarf also einer Interpretation der konkreten und komplexen Sachlage, sicher auch unter Berücksichtigung aller Vor- und Nachteile. Ließe man die Regelung dogmatisch gelten, dann wäre z. B. die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt zu verbieten, weil sie eindeutig eine Maßnahme ist, die zu einer nachhaltigen Verschlechterung des Gewässerzustandes führt und damit unzulässig wäre. Mit ökologischen Methoden sind jedoch Vorteile für Artenvielfalt und Populationsdichte in eutrophen Seen beweisbar.

Wenn die Sanierung des Domerslebener Sees gewünscht wird, dann sollte es leicht möglich sein, Wege und Lösungen zu finden, wie Vorteile dieses Vorhabens für die Menschen und für Tiere – die auf Seen angewiesen sind – erschlossen werden können. Gründe, warum es nicht gehen soll oder darf, sind auf konstruktivem Wege durch Lösungen zu neutralisieren.

Dazu sind auch vorhandene Passagen von Vorschriften zu werten, die eine Sanierung des Domerslebener Sees stützen und fördern.

(Es soll davon abgesehen werden, dass der o. g. Gesetzestext in Teilen auf keinem wissenschaftlichen Fundament beruht. Er ist „ökounlogisch“ [14]. Letztlich kommt es darauf an, was man will und wie es gelingt alle Beteiligten für diese Maßnahem zu begeistern.)

Das Wasserrecht von Sachsen-Anhalt und auch die EU-WRRL lassen sich – ohne verbogen zu werden – durchaus auch so verstehen, dass die Sanierung von Seen ein förderungswürdiges Vorhaben ist, das die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere und deren Anzahl je Fläche erheblich verbessert.

Was also soll daran insgesamt gewertet nachteilig sein?

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

[1] Das neue Wasserrecht für die betriebliche Praxis – EU-Recht
WEKA Fachverlag

[2] Wassergesetz für das Land Sachsen-Anhalt (WG-LSA) in der Fassung der Bekanntmachung vom 12. April 2006 (GVBl. LSA Nr. 15 vom 20.04.2006, S. 248) in Verbindung mit § 3 Abs. 2 des Gesetzes vom 15. April 2005 (GVBl. LSA S. 208), geändert durch Gesetz vom 7. November 2007 (GVBl. LSA S. 353)

[3] Die Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts
Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Magdeburg 2000

[4] Utschick, H.
Wasservögel als Indikatoren für den ökologischen Zustand von Seen
Verhandlungen der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern
Band 22, Heft 3 / 4, 1976, Seiten 395/438

[5] Wasserwirtschaftsamt München
Der Speichersee und die Abwasserfischteiche – technische Großanlage und „Europareservat“ für Wasservögel
Infoblatt 2/99

[6] Reichholf, J.H.
Die Zukunft der Arten. Neue ökologische Überraschungen
Taschenbuch
erschienen März 2005 München
C.H. Beck Verlag

[7] Handlungskonzept zur Wiederherstellung des Domerslebener Sees und zum Hochwasserschutz der Stadt Wanzleben
Tischvorlage vom 30.10.2007
Verfasser: Muting GmbH (Magdeburg) und PGI GmbH (Magdeburg)

[8] ***
vom 13.10.2009

[9] ***
vom 10.03.2010

[10] Halbach, U. , Benndorf, J.
Hydrobiologische Plausibilitätsprüfung
Geplante Verschärfung der Überwachungswerte der zentralen Kläranlage Hayn
Kurzbericht vom 03.07.2008

[11] Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik

[12] Rumm, u. a.
Handbuch der EU-Wasserrahmenrichtlinie
2. Auflage
Erich Schmidt Verlag
Berlin 2006

[13] Lampert, W., u.a.
Limnoökologie
Georg Thieme Verlag Stuttgart
1999


[1] Gewässergestalt

[2] karpfenartige Süßwasserfische

[3] Fotos: U. Halbach am 23. September 2010

[4] Wenn das Wasser „schön eutroph“ ist, dann kann man nach Besatz und einigen Jahren einige Tausend Großmuscheln je 100 m² Teichbodenfläche finden. Reichholf [6]

[5] siehe Reichholf [6]

[6] Lebensgemeinschaft

[7] Vielfalt

[8] Der Zoologe, Evolutionsbiologe und Ökologe Professor Reichholf lehrt Naturschutz an der TU und leitet die Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung in München.

[9] Ufer, Küstenzone

[10] Das gilt nur in Bezug auf organische Stoffe. Bei toxischen Stoffen reicht eine geringere Dosis, um die Anzahl der Wasservögel an einem Gewässer zu verringern. (Trophie = Zufuhr von Nährstoffen)

[11] stehende Gewässer mit mittlerer Nährstoffbelastung und Produktivität

[12] In der Limnologie bezeichnet Trophierung die Zufuhr von Nährstoffen im Gewässer. Nach dem Gehalt an organischen und anorganischen Nährstoffen teilt man im Trophiensystem Gewässer in verschiedene Trophiestufen ein. Das Trophiensystem wird üblicherweise zur Klassifizierung von stehenden Gewässern angewandt. (Wikipedia)

[13] Pflanzenfresser

[14] Die Ökologie als Wissenschaft kennt keine „vermeidbare Beeinträchtigungen ihrer ökologischen Funktionen“. Die Ökologie ist eine wertfreie Wissenschaft, die sich mit den Wechselwirkungen befasst, die die Verbreitung und Häufigkeit der Organismen bestimmen. Siehe hierzu LAMPERT [13]. Beispiel: Eine ökologische Funktion eines zumeist weniger geliebten, aber ökologisch hoch interessanten Gülleteiches als Biotop besteht darin, ein seltenes Habitat für das schöne Insekt Eristalis tenax zu sein. Mit der Reinigung des Gülleteiches würde man diese Tierart im Extremfall ausrotten, was nicht nur nach § 2 (1), sondern auch nach § 2 (2) des Wasserrechtes des Landes Sachsen-Anhalt verboten wäre. Wie man sieht, kann man mit dem Verschlechterungsgebot recht willkürlich oder beliebig umgehen. Es ist letztlich nur eine Frage der Interpretationsbefugnis und was man konkret will.

____________________

Siehe auch: Reaktion auf dieses Gutachten

Bislang nicht veröffentlichtes Foto vom Faulen See:




Reaktion auf ein Gutachten

Zur Renaturierung eines Sees in Domersleben wurde von mir eine Stellungnahme angefertigt.

Eine Reaktion darauf ist der Volksstimme zu entnehmen.

Im Februar 2011 fand ich noch folgenden Beitrag des Institutes für Biowissenschaften der Universität Rostock:

Alexandra HOESCH
Renaturierung von Flachseen durch gezielte Makrophytenbesiedlung
(Hoesch-Makrophytenbesiedlung)

U. a. wird ausgeführt:

„Die Eutrophierung ist einer der Hauptgründe für hohe organischen Sedimentationen, geringe Sichttiefen, Blau- und Grünalgenblüten und Gewässer-verödungen. Eutrophierungen sind bei vielen Gewässern anthropogen bedingt. Einleitungen von häuslichen Abwassern sind in Deutschland nicht mehr das Hauptproblem, sondern die diffusen Einleitungen aus der Landwirtschaft. Leider ist bei den Landwirten bzgl. ihrer Düngepraxis, außer durch direkte Ent-schädigungszahlungen, wenig zu machen. Deswegen ist es erfahrungsgemäß selten, dass bei einer Flachseenrenaturierung damit zu rechnen ist, die anfallenden diffusen landwirtschaftlichen Einträge im Einzugsgebiet langfristig reduzieren zu können. Sinnvoll ist es dem Beispiel der Münchner Wasserwerke zu folgen und die Biobauern im Einzugsgebiet zu subventionieren.

Wenn Zahlungen nicht möglich sind, bieten Röhrichtbeckenanlagen – auch Schilfpolder genannt – kostengünstige lokale Lösungen (Feibicke 2006). Das sind eingewallte Röhrichtgebiete, die landwirtschaftliche Ausschwemmungen auffangen und – ähnlich Retentionsbecken für Hochwasser – belastetes Wasser aufnehmen und speichern. Hier können sich Schwebstoffe absetzen und gelöste Nährstoffe werden von den Pflanzen aufgenommen.

Das vorgeklärte Wasser kann durch einen Überlauf in den See abfließen. Natürlich muss eine solche Anlage durch Mähen und Abtragen der abgelagerten Frachten unterhalten werden.“

Es gibt also wenigstens eine Lösung, trotz Eutrophierung.

Siehe auch: Diskussion schlägt im Bauausschuss Wellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Domersleben



Kostenvergleiche, Nutzensbewertungen und Entscheidungshilfen – für uns fast Routine!

.

Jede Investition beruht auf dem Glauben an zukünftige Erwartungen

Und in dem Maße, in dem eine Investition zunehmend auf Glauben beruht und von Gefühlen getragen wird, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlinvestition, sei es weil die Kosten aus dem Ruder laufen oder weil der erwartete und notwendige Nutzen nur teilweise oder gar nicht eintritt.

Aus dem Grund empfiehlt es sich, die Kosten- und Nutzenbewertung der verschiedensten Varianten einer Investition möglichst zeitig einem erfahrenen Team zu übertragen.

So sind Fehler bei der Investitionsvorbereitung zu vermeiden und Risiken können auf unvermeidbare Risiken – auf das Investitionsgrundrisiko – minimiert werden.

Lassen Sie uns aus Ihrem Problem eine gemeinsame Aufgabe machen, bei deren Lösung wir Sie gerne unterstützen möchten.

Wir freuen uns auf Ihren Anruf: 03761-5266 oder 5267

Meist wird Frau Felkel, unsere Sekretärin Ihr Telefonat oder Ihre E-Mail an box@institut-halbach.de entgegen nehmen bzw. weiterleiten.

Die Fehlinvestitionen der Vergangenheit zeigten auch, dass es zweckmäßig ist, Kostenvergleiche von der Planungsphase zu trennen, zumal in der allgemeinen Vorstellung „riskante Planungen“ kein Thema im Rahmen der Planung sind. Zu unrecht, denn jede Planung ist riskant und es gilt ihre Risiken aufzuzeigen und zu bewerten.

Und weil dies so ist, sollte das Risiko vor der Investition sicherheitshalber von einer unabhängigen Seite analysiert und bewertet werden.

Und damit könnten Sie zu uns kommen, denn wir sind unabhängig und kein Planungsbüro.

Die wasserwirtschaftliche Anlagenbewertung und Kalkulation ist ein Schwerpunkt unserer Kompetenzen.

Und das nicht erst seit heute, sondern schon seit Jahrzehnten, wie Referenzen und die Zahl unserer kommunalwirtschaftlichen Auftraggeber es beweisen.

Wir blicken auf zahlreiche Veröffentlichungen, Gutachten, Kalkulationen, Nutzensbewertungen und erarbeitete Konzeptionen zurück und zahlreiche Planungs- und Beratungsbüros kalkulieren mit unseren Normativkosten und Kostenrichtwerten. Warum es also auch nicht einmal mit dem Urheber versuchen?

Neben unserer Unabhängigkeit ist der wichtigste Vorteil:

Wir wissen, was wir tun!

Und das beruht auf der Synthese betriebswirtschaftlicher und abwassertechnischer Erfahrungen:

Wir sind interdisziplinär!

Unsere Kommunalwirtschaftler arbeiten z. B. mit Kosten, die unsere Ingenieure im Nachbarzimmer kalkulierten und unsere Ingenieure kontrollieren betriebswirtschaftliche Grundlagen nach technischen Gesichtspunkten.

Und schließlich seien noch als Vertrauensgrundlage einige unserer besonderen Vorteile genannt:

  1. Wir vergleichen nicht Birnen mit Äpfeln. In der Nutzenbewertung (z. B. unsere Nutzwert-Kosten-Matrix 2009) sind wir genauso kompetent und erfahren, wie bei der Kostenkalkulation und -bewertung.
  2. Wir sind eine unabhängige und zugleich interdisziplinäre Einrichtung und können deshalb viele Spezialaufgaben mit dem eigenen Team lösen.
  3. Wir nehmen keine Vermittlungsprovisionen an und wir verkaufen Ihnen auch keine Anlagen.
  4. Und wir hatten aufgrund unserer Erfahrungen in der Vergangenheit schon mehrfach Wege und Lösungen aufgezeigt, lange bevor vielerorts die entsprechenden Probleme überhaupt erkannt wurden.

Wir sind ein bekanntes Institut und seit 22 Jahren ununterbrochen erfolgreich.

Unsere Leistungsfähigkeit nutzen auch Kommunen und Abwasserzweckverbände aus vielen Bundesländern und wir freuen uns besonders über Ihr Interesse an unseren Leistungen.

…und um einer Sache auf den Grund zu gehen, ist sich der Chef auch nicht zu schade, selbst in einen Kanal zu krabbeln:

***

P.S.:

Siehe auch: Kostensenkung




Eine Lanze für die Modernisierung einer alten Tropfkörperkläranlage!

Auszug aus einem Privatgutachten

Inhaltsverzeichnis:

  • Nicht monetäre Bewertung einer vorhandenen Tropfkörperkläranlage
  • Anlagengestaltung
  • Nachteile der vorhandenen Kläranlage
  • Modernisierung ist die zweckmäßigste Lösung!
  • Nicht monetäre Bewertung einer vorhandenen Tropfkörperkläranlage
  • Vorteile des vorhandenen Tropfkörperverfahrens
  • Betriebskosten

Das vorhandene Tropfkörperverfahren hat den Vorteil, dass es zu den Abwasserbehandlungsverfahren mit den niedrigsten Energie- und Betriebskosten zählt.

Die heutigen modernen Abwasserbehandlungsverfahren weisen in der Regel einen erheblich höheren Energieverbrauch und auch einen hohen Chemikalienverbrauch im Vergleich zu dieser Tropfkörperkläranlage auf.

Diese hohen Verbräuche an Energie und Chemikalien sind Nachteile, die im deutlichen Widerspruch zum Anliegen des Umweltschutzes stehen, dessen wesentlicher Bestandteil auch der Gewässerschutz ist.

Die Vorteile – niedrigste Energie- und Betriebskosten – konnten bisher genutzt werden, weil diese Tropfkörperkläranlage zum Zeitpunkt ihrer Errichtung recht teuer war. Das war der Preis für die jahrzehntelangen niedrigen Betriebskosten.

Es handelte sich also für die damalige Zeit um ein sehr anspruchsvolles Verfahren.

Das kann es auch heute wieder sein, wenn die Vorteile akzeptiert, entsprechend bewertet und die Potentiale, welche in der alten Kläranlage „schlummern“, mit den heutigen modernen Mitteln erschlossen werden.

Die Kläranlage verfügt auch über eine Schlammbehandlung und Schlammentwässerung.

Bekannt ist, dass die eigentliche Abwasserbehandlung technisch und wirtschaftlich kein Schwerpunkt einer Kläranlage ist. Der eigentliche Schwerpunkt liegt in der Regel bei der Schlammbehandlung, Schlammentwässerung und Schlammbeseitigung.

Auch hier ist die untersuchte Kläranlage der absolute „Sieger“. Die Energie- und Chemikalienkosten sind gleich Null.

Ein unschätzbarer Vorteil für den künftigen Betrieb.

Anlagengestaltung

Unabhängig von dem momentanen Zustand gewertet, ist die Anlage sehr großzügig und übersichtlich aufgebaut.

Sie ist nach den anstehenden Reparaturen wieder leicht zu bedienen.

Die Wartung und Überwachung stellt keine besonderen Anforderungen an das Betriebspersonal.

Von großem Vorteil ist das trocken aufgestellte Abwasserpumpwerk – ein in seiner Herstellung sehr kostspieliges Pumpwerk, das heute unter der Überschrift „Mercedes“ laufen würde, denn welche kleine moderne Kläranlage verfügt schon über ein trocken aufgestelltes Abwasserpumpwerk? Dies kann sich heute kaum noch jemand leisten.

Nachteile der vorhandenen Kläranlage

Die Nachteile der vorhandenen Kläranlage bestehen in erster Linie darin, dass die Wartung der Anlage über viele Jahre derart vernachlässigt wurde, dass nun ein großer Wartungs-, Reparatur- und Modernisierungsbedarf über Jahre angewachsen ist, der teilweise auch akute Formen angenommen hat.

Ein Nachteil ist weiter, dass das Tropfkörperverfahren keine Lobby hat und dass die Kenntnis mancher Wasserwirtschaftler über die Vorteile des Verfahrens im Vergleich zu dem Wissenspotential über das allgemein bekannte und genutzte Belebungsverfahren erheblich geringer ist. Insofern besteht die Möglichkeit, dass der Vorschlag, eine Tropfkörperkläranlage zu modernisieren, nicht überall auf Verständnis stößt.

Möglich wäre wohl auch, dass man eine Billigkläranlage unter dem Preis für den Modernisierungsaufwand bekommen kann. Ob das die Gemeinde tatsächlich will, wäre zu berücksichtigen.

Der Autor weiß, dass der Gebrauchswert einer neuen billigen Kläranlage die vorhandenen und die erschließbaren Vorteile der alten Kläranlage in keiner Weise erreichen wird.

Modernisierung ist die zweckmäßigste Lösung!

Allein aus den Gründen

  • anspruchsvolle Anlagengestaltung,
  • übersichtliche Anlage,
  • niedrigste Energiekosten bei der Abwasserreinigung,
  • keine Chemikalienkosten für die Abwasserreinigung,
  • keine Energiekosten für die Schlammbehandlung,
  • keine Energiekosten für die Schlammentwässerung,
  • keine Chemikalienkosten für die Schlammentwässerung,
  • einfache und leichte Bedienung und
  • einfache Wartung

sollte sich die Gemeinde für den Erhalt ihres Tropfkörperverfahrens einsetzen, auch wenn die Investkosten der Modernisierung gleich oder etwas höher wären, als die Kosten für einen Anlagenneubau mit schlechterem Gebrauchswert.

Die Energie- und Chemikalienkosten werden in der Zukunft erheblich steigen.

In welchem Maße dies erfolgen wird, vermag heute niemand vorherzusagen.

Mit dem Tropfkörperverfahren kann die Gemeinde derartigen Entwicklungen völlig unbeeindruckt entgegen sehen.

Werdau, 19.11.2002

Uwe Halbach




Positiver BSB5-Analysenfehler in Größenordnungen bei der Überwachung von Teich- und Kleinkläranlagen recht wahrscheinlich!

Auszug aus Privatgutachten!

BSB5-Analyse meist kein Beweismittel!

Inhaltsverzeichnis

  • DIN 38 409, Teil 51 vom Mai 1987 (Analysenvorschrift zur Bestimmung des BSB5)
  • BSB5-Überwachungsergebnisse als Beweismittel?
  • Fragliche BSB5-Überwachung von Kleinkläranlagen
  • Überwachungs- und Interpretationsfehler bei belüfteten Abwasserteichanlagen
  • Zwingender Inhalt eines Analysenberichtes
  • Wann wird der BSB5 Beweismittel?
  • Was ist BSB5?

Kurzfassung:

Bei der Überwachung von Teichkläranlagen, Hauskläranlagen und unterlasteten Kläranlagen ist grundsätzlich mit methodischen Fehlern in Größenordnungen bei der BSB5-Analytik zu rechnen. (Das ist nicht neu, aber möglicherweise etwas in Vergessenheit geraten.) Die Konsequenzen aus dieser Fehlbestimmung können sowohl strafrechtliche (Verstoß gegen die wasserrechtliche Erlaubnis) als auch wirtschaftliche Folgen (unnötige Intensivierungs- oder Neubauinvestitionen bei der Abwasserbehandlung) haben.

Im Rahmen der Bewertung einer belüfteten Teichkläranlage wurde festgestellt, dass ein methodischer Analysenfehler bei der Anlagenüberwachung zu einer beachtlichen Anlagenfehleinschätzung führte.

Der Fehler bestand in einer unzulässigen Mitbestimmung des Sauerstoffverbrauches für die Nitrifikation.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Nitrifikanten (Bakterien, die Ammonium zu Nitrit und Nitrat oxidieren) und damit die BSB5 -Analytik verfälschen, ist grundsätzlich bei Teichkläranlagen und Kleinkläranlagen sehr hoch, weil es sich hier um schwach belastete Anlagen handelt.

Richtet sich die BSB5 -Analytik nicht genau nach der DIN-Vorschrift, so ist grundsätzlich mit positiven Analysenfehlern in erheblichen Größenordnungen zu rechnen.
In einem Fall betrug der Fehler + 60 %.

Zur Ermittlung des Fehlers wurde in einem Fall aus dem Ablauf eines belüfteten Abwasserteiches eine Probe entnommen und der BSB5 zweimal ermittelt. Einmal wurde der BSB5 mit Hemmung dieser Nitrifikanten (Zugabe des Hemmstoffes N-Allylthioharnstoff ) bestimmt und ein weiteres Mal ohne Hemmung ermittelt.

Dabei wurde bei dieser Probe ein positiver Fehler von 60 % (!) ermittelt, wenn kein Hemmstoff bei der BSB5-Analytik zugegeben wird.

Wird bei einer BSB5 -Analyse kein Hemmstoff zugegeben und es kommt aus irgendwelchen Gründen zur Nitrifikation während der Analyse, dann ist das Analysenergebnis falsch und die Analyse entspricht nicht der DIN-Vorschrift.

Im Einzelnen:

Der BSB5 ist definiert als Sauerstoffverbrauch des Kohlenstoffabbaus.

Bei der BSB5 -Abwasseranalytik gibt es aber Störfaktoren, die auszuschließen sind.

Ein Störfaktor ist die Sauerstoffzehrung bei der Analyse infolge der mikrobiellen Stickstoffoxidation (Nitratbildung). Diese störenden Mikroben heißen Nitrifikanten und verursachen mitunter positive Fehler in erheblichen Größenordnungen.

Voraussetzung für diesen Fehler sind Ammonium- oder Nitritverbindungen sowie Nitrifikanten (Nitrosomonas und Nitrobacter) in der Sauerstoffflasche (Analysenflasche, die zur BSB5 -Analytik benutzt wird).

Begünstigend für den Fehler sind erfahrungsgemäß niedrige Konzentrationen von organisch abbaubarem Kohlenstoff, d. h. je niedriger der tatsächliche BSB5 ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Analysenfehler durch Nitrifikation. Außerdem wird für den Fehler Ammoniumstickstoff in der Probe benötigt.

Die Kläranlage muss nicht unbedingt nitrifizieren, um Nitrifikationsfehler bei der BSB5 -Analytik zu provozieren. Es genügt u. U. auch eine hinreichende Verdünnung der Probe im Rahmen der Analytik.

Vom Mechanismus kann man sich das so vorstellen, dass die Nitrifikanten erst verstärkt aktiv werden, nachdem der organisch abbaubare Kohlenstoff weitgehend reduziert wurde.

Ist in der Sauerstoffflasche die Konzentration des organisch abbaubaren Kohlenstoffes gering, dann haben die Nitrifikanten Tage Zeit um zu nitrifizieren und den Fehler verursachen zu können.

Überwachungs- und Interpretationsfehler bei belüfteten Abwasserteichanlagen

In letzter Zeit häufen sich Anzeichen, dass viele belüftete Abwasserteichkläranlagen in den neuen Bundesländern nicht die behördlichen Überwachungswerte einhalten.

Es werden Überlegungen angestellt, diese Anlagen nicht mehr zuzulassen.

Die Überschreitung der behördlichen Überwachungswerte scheint mit ziemlicher Sicherheit 2 Ursachen zu haben:

  1. Fehler bei Anlagenüberwachung, insbesondere bei der BSB5 -Analytik.
  2. Unschädlicher Anstieg des CSB infolge der ausgezeichneten Reinigungsleistung der belüfteten Teichkläranlagen.

Das Problem tritt besonders in den neuen Bundesländern auf, weil hier mitunter die Anlagen im ländlichen Raum unterlastet werden.

Zur Unterlastung kommt es aus folgenden Gründen:

  • Der Einwohnerwert ist erheblich kleiner als 60 g BSB5 /Ed.
  • Während des Abwassertransports wird die BSB5 -Fracht weiter reduziert (Sedimentation, Abbau).

Aus den Ergebnissen des Anlagenzulaufes einer Teichkläranlage wurde in Sachsen-Anhalt ein Einwohnerwert von 35 und 26 g BSB5/Ed gemessen (14 Messwerte über 2 Jahre) .

BSB5-Überwachung von Kleinkläranlagen

Nitrifikation ist bei der Abwasserbehandlung von Kleinkläranlagen nach DIN 4261 Teil 2 verfahrensbedingt wahrscheinlich.

Außerdem sind in den Abläufen meist geringe Konzentrationen an abbaubarem organischen Kohlenstoff vorhanden.
Mitunter wird die Leistung dieser Anlagen auch mit der BSB5 -Analytik überprüft.

Fehlen in dem einer Analyse zugehörigen Analysenbericht Angaben zur Verwendung von Nitrifikationshemmern, so ist auch hier dem Grunde nach davon auszugehen, dass die BSB5-Analysenergebnisse falsch sind, weil die Analysenmethode falsch ist.

DIN 38 409, Teil 51 vom Mai 1987 (Analysenvorschrift zur Bestimmung des BSB5)

Nach DIN 38 409, Teil 51, vom Mai 1987 (Analysenvorschrift zur Bestimmung des BSB5) sind die Nitrifikanten zu hemmen.

Das erfolgt mit N-Allylthioharnstoff. Unterbleibt die Abtötung, dann verbrauchen die Nitrifikanten während der 5 Tage dauernden Analytik Sauerstoff und verursachen damit einen positiven Fehler, d. h. die Ergebnisse der BSB5-Bestimmung erhöhen sich unzulässig.

Das ist bekannt und unstrittig.

BSB5-Überwachungsergebnisse als Beweismittel?

In Auswertung der DIN 38 409, Teil 51, vom Mai 1987 (Analysenvorschrift zur Bestimmung des BSB5) hinsichtlich der BSB5-Überwachungsergebnisse als Beweismittel, ist folgendes festzustellen:

  1. Die DIN lässt zunächst offen, ob N-Allylthioharnstoff bei der BSB5-Analytik grundsätzlich zu verwenden ist. Das ergibt sich daraus, weil einerseits auf Seite 2 der DIN 38 409, Teil 51, vom Mai 1987 unter Punkt 3 geschrieben steht, dass ein Nitrifikationshemmstoff zugesetzt wird. Andererseits ergibt sich nach Punkt 9.3.1. auf Seite 7 dieser DIN, dass es auch Fälle gibt, bei denen kein N-Allylthioharnstoff zum Einsatz kommt („Wird ein N-Allylthioharnstoff verwendet“…, d. h. es gibt auch den Fall, dass keiner verwendet wird).
  2. Wenn aber N-Allylthioharnstoff verwendet wird, so ist dies nach Punkt 12 auf Seite 15 zwingend im Analysenbericht zu vermerken. (Bislang fällt auf, dass in den behördlichen Analysenberichten und in denen von zertifizierten Laboratorien nur äußerst selten Angaben über die Verwendung von N-Allylthioharnstoff gemacht wurden. Die Regel scheint eher zu sein, dass kein Analysenbericht angefertigt wird, oder dass Analysenberichte angefertigt werden, die infolge unvollständiger Angaben als Beweismittel untauglich sind.)
  3. Wenn also zwingend zu vermerken ist, dass N-Allylthioharnstoff verwendet wurde, dann ist in all den Fällen, in denen im Analysenbericht ein Vermerk über den Einsatz von N-Allylthioharnstoff fehlt, davon auszugehen, dass auch keine Probebehandlung mit N-Allylthioharnstoff erfolgte. Beweismittel müssen eindeutig und reproduzierbar sein. Analysenberichte sind Beweismittel.
  4. In den Fällen [1], in denen erstens begründet zu vermuten ist, dass Stickstoff und Nitrifikanten in der Probe enthalten sind und in denen zweitens dem Analysebericht zu entnehmen ist, dass keine Probebehandlung mit N-Allylthioharnstoff erfolgte, sind die BSB5-Ergebnisse fragwürdig.
  5. BSB5-Ergebnisse, die fragwürdig sind, sind kein Beweismittel.
  6. Aufzeichnungen aus dem Betriebstagebuch können in aller Regel nicht gegen den Anlagenbetreiber verwendet werden [2]. Derlei Aufzeichnungen sind Parteivorträge im Falle eines Rechtsstreites.

Wenn ein Gericht diesen Argumenten folgt (sollte es zum Rechtsstreit kommen), so gibt es nach diesem hier dargelegten Kenntnisstand keine sicheren behördlichen Daten über Grenzwertüberschreitungen beim BSB5, sofern aus der Analytik nicht sicher zu entnehmen ist, dass Nitrifikationshemmer verwendet wurden und wenn nicht, dann muss sicher ausgeschlossen werden, dass eine Nitrifikation in der BSB5-Flasche auszuschließen ist.

Voraussetzungen einer BSB5 Analyse als Beweismittel

Die Beweislast für eine korrekte Analyse dürfte das Labor haben.

Dieser Beweis dürfte bei den oft unvollständigen Analysenberichten meist unglaublich schwer fallen.

Insofern ist zu empfehlen, bei den BSB5-Analysen, die als Beweismittel dienen sollen oder die als Grundlagen für Investitionen bestimmt sind, laborativ von vornherein zweifelsfrei auszuschließen, dass keine Nitrifikation die Analytik gestört hatte. Um dies zu beweisen, müssten von einer Probe vorzugsweise 10 BSB5-Analysen bestimmt werden.

Dabei werden 5 Ansätze mit N-Allylthioharnstoff und die restlichen5 Ansätze ohne N-Allylthioharnstoff vorgenommen. Anschließend erhält der Auftraggeber einen umfänglichen Analysenbericht mit allen 10 Zwischenergebnissen und eine nachvollziehbare Begründung, warum der BSB5 in einer bestimmten Größenordnung gewählt wurde.

(Während die DIN zwar nur vorschreibt, dass das Labor die Anzahl der Ansätze nennen soll, sind aber für die Beweisführung auch die Zwischenergebnisse im Analysenbericht mitzuteilen und nachvollziehbar zu begründen, warum und wie ein bestimmtes Analysenergebnis zustande gekommen ist ( z. B. streichen folgender Ausreißer …, Mittelwertbildung der verbleibenden Parameter, Wirkungen der Nitrifikanten, usw.)

Diese Verfahrensweise wird zwar in einem gewissen Rahmen die Analysenkosten etwas erhöhen. Die finanziellen Konsequenzen sind aber vor dem Hintergrund der Schäden, die aus einer fahrlässigen nicht eindeutigen Analyse entstehen können, absolut unbedeutend.

Zwingender Inhalt eines Analysenberichtes

Abschrift DIN 38 409 Teil 51, Punkt 11 + 12

-> Punkt 11 „Angabe des Ergebnisses“

Der Zahlenwert im Ergebnis wird als ganze Zahl, jedoch mit nicht mehr als 3 signifikanten Ziffern angegeben.

Beispiele:

BSB5: 24 mg/l (mit N-Allylthioharnstoff)
BSB5: 184 mg/l (geringer Endsauerstoffgehalt in 2 von 5 Verdünnungen)
BSB5: 3,72 g/l (Probe 10 Tage gefrierkonserviert)

-> Punkt 12 „Analysenbericht“

Der Bericht soll sich auf dieses Verfahren beziehen und folgende Einzelheiten enthalten:

  1. genaue Identität der Wasserprobe
  2. Angabe des Ergebnisses nach Abschnitt 11
  3. Art der Probenvorbehandlung und der Probenkonservierung, falls solche durchgeführt wurden
  4. Art des Nitrifikationshemmstoffes, falls ein solcher zugegeben wurde
  5. Zahl der ausgewerteten Verdünnungen
  6. Angaben über eine eventuell gefundene Nichtlinearität (siehe Bild 1 und [4])
  7. jede Abweichung von dieser Vorschrift und Angabe aller Umstände, die gegebenenfalls das Ergebnis beeinflusst haben.

Was ist BSB5?

Biochemischer Sauerstoffbedarf innerhalb von 5 Tagen

Vor vielen Jahren hatten die Wasserchemiker und Wasserbiologen ein Problem als es darum ging, die Schädlichkeit des Abwassers für ein Gewässer zu definieren.

Schnell stellte sich heraus, dass diese Aufgaben nur annähernd zu erfüllen waren, weil zur korrekten Bewertung neben chemischen und mikro- auch makrobiologische Komplexe, also interdisziplinäre Beobachtungen angestellt werden müssen.

Derartige Untersuchungen im großen Stil vorzunehmen, ist unwirtschaftlich.

Deshalb wurden u. a. hilfsweise Summenbestimmungen eingeführt, deren Aufgabe es ist, den Sauerstoffbedarf zu bestimmen, den ein bestimmtes Abwasser im Gewässer bei seiner Einleitung verursacht.

Eine Sauerstoffreduzierung im Gewässer hat schädliche Wirkungen auf die Gewässerbiologie. Die Fische sind dabei meist das letzte betroffene Glied.

Der BSB5 ist ein Maß für die Abwasserverschmutzung und wird mit Hilfe eines indirekten Verfahrens ermittelt.

Gemessen wird die Atmungsleistung von Mikroorganismen, die biologisch verwertbare Abwasserinhaltsstoffe während der Untersuchungszeit von z. B. 5 Tagen „veratmen“ und dabei Sauerstoff verbrauchen.

Es wird unter Laborbedingungen simuliert, welcher Schaden in einem Gewässer durch einen Sauerstoffverbrauch innerhalb von 5 Tagen im Dunkeln und bei 20°C entstehen würde.

Die Angabe erfolgt in mg O2/l. Ein niedriger BSB5 ist gleichbedeutend mit einer geringen Verschmutzung.

Sauberes Bachwasser hat einen BSB5 von 2…5 mg O2/l; häusliches Abwasser weist etwa 300…500 mg BSB5/l auf, Gülle erreicht 20.000…30.000 mg BSB5/l und der BSB5 von Hühnerblut liegt schätzungsweise bei 200.000 mg/l.

Eindeutig ist der BSB5 als Sauerstoffverbrauch definiert, der bei der biologischen Oxidation von Kohlenstoffverbindungen entsteht.

Uwe Halbach

Werdau, 14.11.2002

[1]
Bei Fällen, in denen begründet zu vermuten ist, dass Stickstoff und Nitrifikanten bei der Analytik stören, handelt es sich auch um unterlastete kommunale Kläranlagen, weil die Stickstoffoxidation erst dann einsetzt, nachdem der Kohlenstoffabbau weit fortgeschritten ist. Diese Zusammenhänge sind allgemein bekannt.
[2]
Verfassungsgrundsatz: „Niemand muss sich selbst in die Pfanne hauen!“




Kläranlagen für jedes Haus oder eine zentrale Abwasserbeseitigung?

Auszüge aus einem Gutachten

Redaktion 09.12.1999

Inhaltsverzeichnis

Quintessenz
Hinweise zur Refinanzierung
Hinweise für eine Übergangslösung
Entscheidungsaspekte für eine Gruppenkläranlage
Zusammenfassung des Gutachtens

Quintessenz:

  • Hauskläranlagen für jedes Haus einer Ortschaft können genauso teuer oder sogar aufwendiger werden, als wenn die betroffene Siedlung eine zentrale Abwasserbeseitigung aufbaut. Das hängt davon ab, wie es den Bauherren gelingt, preiswerte aber wertvolle Lösungen umzusetzen. Wenn einerseits alle Hauseigentümer mehr oder weniger zufällig für ihre Hauskläranlagen letztendlich mehr bezahlen, als sie bräuchten und wenn andererseits die Kommune unnötige Kosten bei der zentralen Abwasserbeseitigung zu vermeiden versteht, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die dezentrale Hauskläranlagenlösung aufwendiger wird, als die Kanalisation und eine zentrale Kläranlage.
  • Die technische Lösung ist abhängig von der Intensität der Finanzierung, d. h. wenn die Fördermittel nur „tröpfchenweise“ fließen, dann können Lösungen mit niedrigeren Jahreskosten, aber hohen einmaligen Aufwendungen – also zentrale Modelle – nicht realisiert werden. Hier gilt das Sprichwort „Der arme Mann lebt teuer!“

Das Problem besteht nur darin, dass vorteilhafte zentrale Lösungen im dünnbesiedelten Raum meist nicht schrittweise realisiert werden können, weil in diesen Fällen sonst erhebliche nicht nutzbare Investitionen über einen längeren Zeitraum nicht refinanziert werden können.

Im ländlichen Raum müssen aus Refinanzierungsgründen oft alle erforderlichen Investitionen ziemlich gleichzeitig begonnen und in kurzer Zeit abgeschlossen werden.

In einem Fall erfordert die Vorfinanzierung und Förderung sowie die Realisierung die Bereitstellung einer Investitionssumme von 4,3 Mio € innerhalb von maximal 2 Jahren für nur etwa 1.050 Einwohner.

Das heißt, es sind alle Ortskanalnetze (3,2 Mio €) im Bereich des Gesamtgebietes sowie zusätzlich die Verbindungssammler und die Überleitung nach A-Stadt zu finanzieren. Die Überleitung kostet allein etwa 1,1 Mio €.

Der Investitionsbedarf von 4,3 Mio € für 5 kleine Gemeinden ist zwar langfristig gesehen und gemessen daran, was Abwasseranlagen sonst kosten, ein verhältnismäßig günstiger Betrag, aber trotzdem mit einem hohen Refinanzierungsrisiko belastet, so dass die Investitionen einer außergewöhnlich sorgfältigen Vorbereitung und finanziellen Absicherung bedürfen.

Allein aus dem Grund, weil die finanziellen Mittel nicht auf einen Schlag bereitgestellt werden können, sind Investitionsabschnitte zu planen, die sofort refinanzierbar werden.

Hinweise zur Refinanzierung

Grundsätzlich sollte mit weitergehenden Planungen erst begonnen werden, wenn hinreichend sicher abgeklärt wurde wie das Refinanzierungskonzept aussehen soll.

Außerdem ist zu gewährleisten, dass die Refinanzierungen sicher erfolgen.

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass Vorfinanzierungskosten die Investitionssumme in aller Regel um 2,5 % erhöhen!

Bei zu zeitigem Planungsbeginn besteht die Gefahr, dass die Planungen zum Realisierungszeitpunkt veraltet sind.

Finanzierungsvoraussetzung ist auch ein besonders hoher Anteil der Bereitstellung von Fördermitteln. Besonders hoch deshalb, weil es sich nur um wenige Einwohner handelt (1.050), deren Abwasserentsorgung völlig neu gestaltet werden soll.

Relativ sicher lässt sich das Refinanzierungskonzept überprüfen, indem auf der Grundlage des KAG eine überschlägliche Gebühren- und Beitragskalkulation über einen hinreichend langen Zeitraum vor Investitionsbeginn erfolgt.

Hinweise für eine Übergangslösung

Im Einzugsgebiet der künftigen zentralen Kläranlage gibt es Tendenzen zum verstärkten Bau von Grundstückskläranlagen.Aufgrund der konzeptionellen Vorstellungen für die Zukunft und insbesondere des wasserrechtlichen Erfordernisses der Errichtung von zentralen Abwasserentsorgungsanlagen, ist von einem Neubau der Grundstückskläranlagen abzuraten.

Dem Grunde nach gibt es einen Einleitungs- und Benutzerzwang öffentlicher Abwasseranlagen, so dass – wenn perspektivisch eine zentrale Abwasserentsorgung genutzt werden kann – diese auch zu nutzen ist.

Die Errichtung von Grundstückskläranlagen mit einer Nutzungsdauer von nur 15 Jahren ist insofern eine Notlösung, weil Grundstückskläranlagen auch lange nach ihrem Abschreibungsende in Gebrauch bleiben können und damit erst besonders wirtschaftlich sind.

Diese Vorteile können bei dem Neubau von Grundstückskläranlagen nicht erschlossen werden, wenn in z. B. 15 Jahren eine zentrale Abwasserentsorgung nutzungsfähig ist.

Von wirklichen Einzelfällen abgesehen, sollte ein Neubau, eine Modernisierung oder eine Leistungssteigerung von Grundstückskläranlagen nur dann erfolgen, wenn es von der Wasserbehörde für notwendig gehalten wird, oder wenn die Grundstückskläranlage nicht mehr der DIN 4261 Teil 1 bzw. der TGL 7762 entspricht.

Es ist um ein Vielfaches wirtschaftlicher, zweckmäßiger und für die Gewässerreinhaltung dienlicher, wenn die privaten Mittel konzentriert für eine zentrale Abwasserentsorgung eingesetzt werden können.

Entscheidungsaspekte für eine Gruppenkläranlage

Folgende Aspekte sprechen für den Bau einer zentralen Kläranlage für 5 Gemeinden:

  • Als perspektivische Lösung kommt aus wasserrechtlichen Gründen nicht in Betracht, dass jedes Haus in den untersuchten Siedlungen eine eigene Grundstückskläranlage bekommt.
  • Aufgrund der geringen Entfernung zwischen den Orten, ist es unzweckmäßig, dass jeder Ort eine separate Kläranlage erhält, auch weil eine Druckleitung zum nächsten Ort recht günstig zu realisieren ist.
  • Die Überleitung des Abwassers nach A-Stadt lässt einen allmählichen Investitionsverlauf nicht zu, sondern erfordert die Realisierung eines relativ großen Investitionsumfanges in sehr kurzer Zeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass die notwendigen Fördermittel „auf einen Schlag“ bereitgestellt werden, ist äußerst gering.
  • Die schrittweise Kanalisierung aller 5 Orte und die Errichtung einer zentralen Kläranlage scheint bisher von den untersuchten Varianten die Lösung mit den „kleinsten Übeln“ zu sein.

Zusammenfassung

Für die Gemeinden A-Dorf, B-Dorf, C-Dorf, D-Dorf und E-Dorf war eine ökologische und kostengünstige Variante der Abwasserentsorgung auf der Grundlage der Basisdaten sowie nach dem Stand der Technik zu ermitteln.

Die langfristige Gestaltung der Abwasserentsorgung, dass beinahe jedes Haus einer geschlossenen Siedlung eine eigene Hauskläranlage erhält, widerspricht nicht nur den gesetzlichen Bedingungen, sondern führt aus den verschiedensten Gründen zu nachteiligen Gewässerbelastungen.

Aus diesem Grund ist für die Zukunft eine Zentralisierung der Abwasserbehandlung anzustreben.

Folgende Variantenuntersuchungen und Bewertungen wurden vorgenommen:

  1. Variantenuntersuchungen zur Abwasserbehandlung innerhalb eines Grundstückes
  2. Variantenuntersuchungen zur Abwasserableitung innerhalb der Orte
    – Variantenvergleich zwischen Druck- und Freispiegelentwässerung
    – Bewertung vorhandener Mischwasserkanäle in B-Dorf
    – Bewertung erschwerter Entwässerungsbedingungen in E-Dorf
  3. Variantenuntersuchungen zur zentralen Abwasserbehandlung für eine Siedlung
  4. Variantenuntersuchungen zur zentralen Abwasserbehandlung für fünf Siedlungen
  5. Variantenuntersuchungen zur zentralen Abwasserbehandlung in A-Stadt

Auswahl der Untersuchungsergebnisse:

  • Von wirklichen Einzelfällen abgesehen, sollte ein Neubau, eine Modernisierung oder eine Leistungssteigerung von Grundstückskläranlagen nur dann erfolgen, wenn es von der Wasserbehörde für notwendig gehalten wird, oder wenn die Grundstückskläranlage nicht mehr der DIN 4261 Teil 1 bzw. der TGL 7762 entspricht. Es ist um ein Vielfaches wirtschaftlicher, zweckmäßiger und für die Gewässerreinhaltung dienlicher, wenn die privaten und staatlichen Mittel für eine effiziente zentrale Abwasserentsorgung eingesetzt werden können.
  • Die Lösung mit dem größten Nutzen besteht in einer zentralen Abwasserableitung und zentralen gemeinsamen Abwasserbehandlung für alle 5 Siedlungen. Ein Variantenvergleich zur Zentralisierung der Abwasserbehandlung zeigt keine großen monetären Unterschiede bei der Variante, bei welcher jeder Ort eine Kläranlage erhält gegenüber der Variante, bei der für alle 5 Siedlungen eine gemeinsame Kläranlage errichtet wird.
  • Grundsätzlich ist festzustellen, dass die 5 Gemeinden sich in ihrer Größe, Topographie und Siedlungsstruktur ähneln, so dass im Rahmen dieser ersten Voruntersuchungen davon ausgegangen wird, dass die Ergebnisse aus Variantenuntersuchungen, die in einem Ort gewonnen wurden, auch auf die anderen 4 Siedlungen übertragbar sind.
  • Der Gutachter schätzt ein, dass im Rahmen einer künftigen Vorplanung und der späteren Wartung der Pumpwerke erhebliche Kostenvorteile in der Druckentwässerung liegen, die jedoch von der Planung und dem Verband noch zu erschließen sind. Bei künftigen Analysen sind aber auch Kombinationen zwischen Druck- und Freispiegelentwässerungen zu untersuchen.
  • In der Tabelle 15 kann die Ermittlung der spezifischen Kosten der zentralen Ortskläranlagen nachvollzogen werden, wobei der „natürlich belüftete Teich“ gegenüber der „Pflanzenkläranlage“ 12 % kostengünstiger ist.
  • Höhere Erschließungskosten bei dem Kanalbau in E-Dorf ergeben sich durch vorhandene Beton-Panzerstraßen und die etwas weitere Entfernung der Häuser von der Straße. Insgesamt wird eine Kostensteigerung von 8 % angenommen. Im Vergleich zu den spezifischen Kosten der Ortsentwässerung in C-Dorf zeigt sich aber, dass die Investkostenerhöhung in E-Dorf von 8 % nur in geringem Maße auf die spezifischen Kosten durchschlägt und offensichtlich keine gravierende spezifische Gesamtjahreskostenerhöhung verursacht.
  • In B-Dorf gibt es Fragmente eines neuen Mischwasserkanalnetzes. Aufgrund der Unterlastung ist insbesondere beim Mischwasserkanalnetz mit höheren Betriebskosten und sehr wahrscheinlich mit bedeutenden Geruchsbelästigungen zu rechnen. Deshalb empfiehlt der Gutachter, die vorhandenen Mischwasserkanäle als solche nicht zu nutzen. Im Rahmen gesonderter Untersuchungen bietet sich an zu prüfen, ob in die vorhandenen Mischwasserkanäle entweder ein endloses Plasterohr (evtl. DN 200) für einen konventionellen Freispiegelschmutzwasserkanal eingezogen wird, oder ob in die Kanäle vorzugsweise Druckleitungen (DN 80) für eine Druckentwässerung installiert werden sollten.
  • Die günstigste Lösung ist es, das Abwasser zur Kläranlage nach A-Stadt zu fördern. Das Problem besteht jedoch darin, dass diese Lösung nicht schrittweise realisiert werden kann, weil in diesem Falle erhebliche nicht nutzbare Investitionen über einen längeren Zeitraum keinesfalls refinanziert werden können. Wenn es gelingt, die erforderlichen finanziellen Mittel „auf einen Schlag“ bereitzustellen, dann wäre die Abwasserbehandlung in A-Stadt eine sehr interessante Lösung, die jedoch dann einer Tiefenprüfung bedarf.
  • Die Vorzugsvariante – aus der Sicht des Gutachters – besteht möglicherweise in einer zentralen Druckentwässerung (noch im Detail prüfen!) und in einer zentralen Kläranlage für alle 5 Siedlungen.
  • Es ist notwendig, langfristige Investitionskonzeptionen von Zeit zu Zeit auf den Wahrheitsgrad der Annahmen aus neuerer Sicht zu prüfen.

Die Orientierung auf eine Variante – die dargestellte Vorzugslösung – ist auch das Ergebnis eines subjektiven Abwägungsprozesses des Gutachters. Es ist wichtig zu wissen, dass auch diese Variante Nachteile hat, was bei jeder anderen Entscheidung auch zutreffen kann. Der Sachverständige ist jedoch zu der Überzeugung gelangt, dass die vorgeschlagene Lösung die Alternative mit den „geringsten Übeln“ ist. Es bleibt der Auseinandersetzung mit dem vorgelegten Werk überlassen, ggf. weitere untersuchenswerte Aspekte aufzuzeigen oder auch die Varianten anders zu bewerten.

Möglicherweise sind in 5 oder 10 Jahren andere Entscheidungsaspekte für die Beurteilung relevant, so dass dann eine andere Variante – z. B. die Überleitung des Abwassers nach A-Stadt – als neue Vorzugslösung zu wählen ist.

Uwe Halbach




Prüfung einer Planung auf Vollständigkeit

Zur Beachtung!

Die Bewertung auf Vollständigkeit der Planung hatte den Charakter einer Plausibilitätsprüfung.

Der Sachverständige prüfte nicht im einzelnen, ob nicht möglicherweise z. B. ein Prüfprotokoll fehlt.

Zum maximalen Inhalt und Umfang einer Kanalplanung war zum Zeitpunkt der Planung das Arbeitsblatt A 101 vom Januar 1992 [18] der Abwassertechnischen Vereinigung e.V. gültig.

Eine Anpassung dieses Arbeitsblattes wurde mit der DIN EN 752 „Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden“ erforderlich, wobei Gliederung, Inhalt und Umfang des momentan gültigen Merkblattes [25] kaum vom inzwischen ungültigen Arbeitsblatt abweichen.

Abwassertechnische Anforderungen bei Prüfung auf Vollständigkeit

Aufgrund der erheblichen und zahlreichen Abweichungen der abwassertechnischen Anforderungen an eine Planung nach [18] kommt der Sachverständige insgesamt zu der Auffassung, dass die Planung der Klägerin nicht vollständig ist.

Als gravierenden Vollständigkeitsmangel wertet der Sachverständige, dass in der vorgelegten Planung – oder in Vorstufen der Klägerin – keine Dokumentationen, Beweise oder Nachweise üblicher ingenieurtechnischer Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Variantenbetrachtungen enthalten sind.

Damit ist nicht bewiesen, ob die geplante Lösung für die Beklagte tatsächlich zweckmäßig und wirtschaftlich ist.

Diese Anforderungen des § 55 HOAI und der a.a.R.d.T. der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit muss eine komplexe Planung erfüllen.

Die Planung ist in diesem relevanten Punkt nicht prüffähig.

Eine Ursache der teilweise nicht prüffähigen Planung dürfte nach Meinung des Sachverständigen in der unkonkreten und unverbindlichen planerischen Aufgabenstellung im Ingenieurvertrag sowie im Nichterfüllen der Grundleistungen der Vorplanung liegen.

Es wurde also keine separate Vorplanung vorgelegt.

Die vom Sachverständigen beanstandeten Vollständigkeitsmängel sind normalerweise Grundleistungen einer Vorplanung und hätten im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsprüfung der Vorplanung erkannt werden müssen.

Weitere Ursachen und wer die Ursachen gesetzt hat, dass die Planung schließlich teilweise nicht prüffähig ist, wurde vom Sachverständigen nicht untersucht.

Der Übertrag und die Auswertung der Ergebnisse der hydraulischen Berechnung in das Kartenmaterial (Lagepläne und Längsschnitte) fehlen.

Wichtige Regendaten, deren Auswahl und Sicherheit im Erläuterungsbericht zu erörtern sind, fehlen dort.

Teilweise sind die Daten in den Ausdrücken des Kanalnetzberechnungsprogrammes zu finden.

Dem Leser bleibt es zu oft überlassen, die Bewertung der Ergebnisse selbst vorzunehmen.

Die Bewertung ist aber eine Grundleistung der Klägerin nach § 55 HOAI.

Bei den Berechnungen fehlen oft die „Antwortsätze“ oder überhaupt eine begleitende Beschreibung.

Insgesamt hätte ein erschöpfender Erläuterungsbericht die Begutachtung wesentlich erleichtert. Der Sachverständige war manchmal gezwungen, sich verschiedene Dinge selbst „zusammenzureimen“.

Anforderungen der HOAI bei Prüfung auf Vollständigkeit

Die Bewertung der Vollständigkeit nach den 66 HOAI-Anforderungen erfolgte insofern auch nach Vermutungen des Sachverständigen, wenn keine Anzeichen dafür vorlagen, dass die Leistung nicht erbracht und von den Parteien auch nicht im einzelnen bestritten wurde.

Es war nicht möglich, jede einzelne Anforderung tiefschürfend zu beweisen, ob sie nun erbracht wurde und wenn nicht, in welchem Umfang sie dann erbracht wurde.

Die Bewertungen, sofern kein ausdrücklicher Mangel deklariert und begründet wurde, haben mehr den Charakter einer Plausibilitätsprüfung!

Es sind nicht alle Leistungsanforderungen der HOAI oder auch des ATV grundsätzlich im Detail beweisbar, es sei denn, man war während der Tätigkeit dabei und konnte eine Beweissicherung vornehmen. Die Ergebnisse der Bewertung sind im einzelnen der Anlage *** zu entnehmen.

Dadurch, dass die Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit der Planung nicht prüffähig ist, hat die Planung eben diese Mängel. Das sind die wichtigsten Mängel von zentraler Bedeutung. Die teilweise Prüfungsunfähigkeit folgt aus dem Fehlen der Grundleistungen:

  • Untersuchen von Lösungsmöglichkeiten mit ihren Einflüssen auf bauliche und konstruktive Gestaltung, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit unter Beachtung der Umweltverträglichkeit
  • Erarbeiten eines Planungskonzepts einschließlich Untersuchung der alternativen Lösungsmöglichkeiten nach gleichen Anforderungen mit zeichnerischer Darstellung und Bewertung unter Einarbeitung der Beiträge anderer an der Planung fachlich Beteiligter.

Die grundsätzliche Bewertung der Planung ist nur dann korrekt, wenn die Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit der Planung erreicht wurde, trotzdem diesbezügliche Nachweise der Klägerin unterblieben.

Vollständigkeit – HOAI- Zusammenfassung

Die Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit der Planung ist nicht prüffähig.

Damit hat die Planung eben diese Mängel.

Das sind die wichtigsten Mängel.

Die teilweise Prüfungsunfähigkeit folgt aus dem Fehlen der Grundleistungen nach § 55 der HOAI:

  • Untersuchen von Lösungsmöglichkeiten mit ihren Einflüssen auf bauliche und konstruktive Gestaltung, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit unter Beachtung der Umweltverträglichkeit
  • Erarbeiten eines Planungskonzepts einschließlich Untersuchung der alternativen Lösungsmöglichkeiten nach gleichen Anforderungen mit zeichnerischer Darstellung und Bewertung unter Einarbeitung der Beiträge anderer an der Planung fachlich Beteiligter

Die Planung ist damit außerdem nicht vollständig.

Der Nachweis der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit, die vollständige Prüfungsmöglichkeit sowie die Bewertung der Grundlagen und Ergebnisse ist bei dieser Planung von zentraler Bedeutung.




Fehlende Variantenuntersuchungen als Risiko für den Planer und Bauherrn

Zur Beachtung!

Stichworte

  • Finanzierungsrisiko
  • Notwendigkeit von Variantenuntersuchungen im Rahmen von Vorplanungen
  • Vorentwurf „überspringen“
  • fehlende Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsnachweise als Mangel

Der Sachverständige vermisst Nachweise über die Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit in der Planung.

Derartige Nachweise gehören nach Auffassung des Sachverständigen zu den wichtigsten Anforderungen an eine komplexe Tiefbauplanung überhaupt, vergleichbar mit der Notwendigkeit der Einholung eines Baugrundgutachtens oder eines statischen Nachweises über die Sicherheit eines Bauwerkes.

Komplexe und aufwendige Tiefbauplanungen sind in ihren technischen und wirtschaftlichen Konsequenzen nicht mit einem Blick überschaubar.

Die vorliegende Planung [4] ist bei einer für erforderlich gehaltenen Investitionssumme in Höhe von mehreren Mio € durchaus als komplex und aufwendig zu bewerten.

Wenn bei derartigen Größenordnungen keine Nachweise der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit vorliegen, d. h. dokumentiert und nach Möglichkeit auch verteidigt werden, dann verursacht dieser Mangel ein beträchtliches Risiko, welches darin besteht, dass nicht rechtzeitig erkannt werden kann, ob die Planung und damit die entsprechende Investition über Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsmängel verfügt.

Es ist dem Sachverständigen nicht möglich, ohne eigene umfangreiche Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsvergleiche einen Beweis zu führen.

Derartige Nachweise werden mit vergleichenden Untersuchungen erbracht.

Auch der vergleichende Charakter ist ein Grund, warum die Konsequenzen und auch die Risiken komplexer und aufwendiger Tiefbauplanungen schwer überschaubar sind. Die vergleichenden Methoden setzen voraus, dass wenigstens 2 Lösungsmöglichkeiten nach gleichen Anforderungen erarbeitet wurden.

Die Notwendigkeit derartiger Variantenuntersuchungen ergibt sich neben Vernunftsgründen außerdem aus den Leistungsbildern des § 55 der HOAI:

„Erarbeiten eines Planungskonzepts

  • einschließlich Untersuchung der alternativen Lösungsmöglichkeiten
  • nach gleichen Anforderungen
  • mit zeichnerischer Darstellung und
  • Bewertung

unter Einarbeitung der Beiträge anderer an der Planung fachlich Beteiligter“ und aus dem Regelwerk der ATV und der Fachliteratur.

Nach den a.a.R.d.T. (einschlägige Fachliteratur, [z. B. 13]) sind Variantenuntersuchungen auf jeden Fall erforderlich.

Das Erfordernis von Variantenuntersuchungen zur Ermittlung der zweckmäßigsten Lösung ist in der Fachliteratur ein unstrittiges Thema. Für eine Kläranlagenplanung wird beispielsweise u. a. in [26, Seite 237] argumentiert:

„Die zahlenmäßig großen und komplexen Einflussfaktoren machen häufig systematische Studien erforderlich. In diesen Fällen wird eine technisch und wirtschaftlich gründliche Planungskonzeption auch die Aufstellung von Lösungsvarianten für die Bemessung und Gestaltung der Kläranlage einbeziehen. Bei einer solchen Untersuchung sind verfahrensbau- und/oder maschinentechnische Planungsgrundsätze zu variieren. Nur die abschließenden Ergebnisse sollten Bestandteil des Vorentwurfes werden. Für Zwischenermittlungen genügt eine konzeptmäßige Ausarbeitung.“

Nun ist eine Kläranlagenplanung keine Kanalplanung. Andererseits wird hier erkannt, dass zahlenmäßig große und komplexe Einflussfaktoren häufig systematische Studien erforderlich machen. Eine Kanalplanung für eine Siedlung unterliegt zahlenmäßig großen und komplexen Einflussfaktoren.

Es ist ein Erfahrungssatz der Tiefbauplanung, dass Vorplanung, Studien und Variantenuntersuchungen vor der Entwurfsplanung nicht nur die künftige Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit der Investition entscheidend prägen, sondern auch das Investitionsrisiko für den Bauherrn und das Planungsrisiko für den Planer gravierend senken.

Das Erfordernis einer separaten Vorlage der Vorplanung bei dem Entwurf von Kanalisationen wird in [13, Seite 424] zwingend vorgeschrieben:

„Der Vorentwurf ist immer anzufertigen und ist die Grundlage für die weiteren Überlegungen.“

Bei dieser Quelle von 1982 handelt es sich um ein Standardwerk (Lehr- und Handbuch der Abwassertechnik).

Dieses Fachbuch erfuhr 1994 als ATV-Handbuch „Planung der Kanalisation“ eine 4. Auflage [19, Seite 524], wobei der Verfasser des Abschnittes noch die gleiche Auffassung vertritt und o. g. Zitat im Wortlaut immer noch enthalten ist.

Der Sachverständige vertritt ebenfalls diese Auffassung, weil die Planung von Entwässerungsnetzen zu anspruchsvoll, zu komplex und die finanziellen Konsequenzen für den Bauherrn schwer überschaubar sind, als dass man die Vorplanung einfach überspringen könnte.

Die Vorplanung hat auch die Funktion für den Auftraggeber, sich von den Planungskonsequenzen ein erstes Bild zu machen. Unstrittig ist, dass im Abwasserbereich gerade die Qualität der Vorplanung die spätere Effektivität der Investition in entscheidendem Maße beeinflusst.

Bei anderen, einfacheren Planungen, mag ein Überspringen der Vorplanung unproblematischer sein und möglicherweise trotzdem die Wirtschaftlichkeit und den Gebrauchswert der Planung gewährleisten. Der Sachverständige ist aufgrund der komplexen Auswirkungen einer kompletten Kanalisationsplanung für eine Siedlung der Auffassung, dass die Vorplanung eine unabdingbare Voraussetzung für einen ordentlichen und abgestimmten Planungsablauf unter Einbeziehung des Bauherrn ist. Anderenfalls ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass aus dem Überspringen einer Vorplanung erhebliche Nachteile für den Bauherrn entstehen, weil die Wirtschaftlichkeit der Planung bestritten werden könnte oder weil der Bauherr die Konsequenzen der Planung zu spät überblickt.

Mit dem Überspringen der Vorplanung wurde der Erkenntnisprozess der Beklagten eingeschränkt.

Beim Vorlegen und bei der Abnahme einer Vorplanung ist der Bauherr einmal mehr gezwungen, die planerische Leistung zu werten. Unterbleibt dieser wichtige Dialog, dann hat der Bauherr unwiderruflich eine Möglichkeit zur Entscheidungspräzisierung weniger. Durch das Überspringen der Vorplanung wird außerdem der Entscheidungsprozess beim Bauherrn erheblich verzögert.

Andererseits wird das Planungsrisiko für den Planer erheblich reduziert, wenn er sich seine Zwischenergebnisse hinreichend häufig vom Bauherrn schriftlich bestätigen lässt. Das wird von den Ingenieurbüros teilweise praktiziert. Damit besteht lediglich die Gefahr, dass der Bauherr mit nur einer – und zwar mit der zuletzt vorgelegten – planerischen Leistung nicht einverstanden ist. Das Risiko wird dann zum großen Teil auf den Bauherrn verlagert, sofern er die Planungsabschnitte nicht sorgfältig und ggf. auch interdisziplinär prüfen lässt.

Die schließlich vorgelegte Entwurfsplanung lässt dem Beklagten und dem Sachverständigen nur 2 Alternativen: Die Lösung zu akzeptieren oder zu verwerfen.

Die Pflicht, grundsätzlich mehr als eine Lösung zu untersuchen, ergibt sich ebenfalls aus den Leistungsbildern des § 55 der HOAI:

„Untersuchen von Lösungsmöglichkeiten mit ihren Einflüssen auf bauliche und konstruktive Gestaltung, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit unter Beachtung der Umweltverträglichkeit.“

Eine anspruchsvolle Planung hat derartige Untersuchungen zu dokumentieren.

Übliche Zweckmäßigkeits-, Wirtschaftlichkeitsnachweise sind in den Planungen [1-4] nicht dokumentiert.

„Eingeschränkte Prüffähigkeit“ – Ergebnisse – Zusammenfassung

Insgesamt ist es nicht möglich, die Planung [1-4] hinsichtlich ihrer Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit zu prüfen, weil die dazu erforderlichen Nachweise von der Klägerin nicht geführt wurden.

Bei einer Planung, deren Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsnachweise fehlen, wird das Investitions- und Finanzierungsrisiko über das Investitionsgrundrisiko hinaus unnötig erhöht. Dies verursacht den Mangel einer vermeidbaren Risikoerhöhung.
Eine Planung, die teilweise nicht prüffähig ist, ist in allen nicht prüffähigen Punkten mangelhaft. Zum Beispiel kann die Genehmigung aus diesem Grund versagt werden.

Unvollständig ist die Planung in diesen Punkten außerdem, weil die notwendigen Nachweise fehlen.

Man erkennt, dass fehlende Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsnachweise eine ganze Reihe weiterer Mängel nach sich ziehen.




Unkonkreter Planungsvertrag

Zur Beachtung!

Unkonkreter Planungsvertrag

In dem Ingenieurvertrag über die Planung der Abwasseranlage der „***siedlung“ bis Anschluss der **** Straße wurde vereinbart, dass

  • die Baumaßnahmen bzw. die Planung dem wasserrechtlichen Verfahren unterliegt;
  • die „Allgemeinen Vertragsbedingungen für Ingenieurleistungen in der Ausgabe 1986 (AVB-ING) gelten;
  • die HOAI in der Fassung vom 1.1.1991 gilt und
  • die Bestimmungen über den Werkvertrag (§§ 631 ff BGB) gelten.

Des Weiteren sollte die Klägerin die Phasen 1 bis 4 des Leistungsbildes nach § 55 HOAI erfüllen.

In § 3 (2) des Vertrages wurden weiter die Planungsphasen 5 bis 9 genannt. Nach § 3 (4) stellen sie aber eine Absichtserklärung des Beklagten mit Einschränkungen dar. Eine Einschränkung des § 3 (4) lautet: „Die Übertragung erfolgt schriftlich.“

Eine Schwierigkeit für den Sachverständigen stellt sich bei der Klärung der vertraglich vereinbarten fachlichen Aufgabe. Der Sachverständige hat auch das „Vorhandensein der zugesicherten Eigenschaften“ zu bewerten (Bayerlein [12, S. 180]). In dem Vertrag wurden aber keine konkreten Eigenschaften zugesichert.

Zum fachlichen Planungsauftrag wurde als genaue Bezeichnung der Baumaßnahme nur vereinbart:

„Abwasseranlage ***siedlung bis *** Straße“.

Was konkret, mit welchen Methoden und welchem Leistungsumfang zu untersuchen und zu planen ist, oder was unter dem Begriff „Abwasseranlage“ genau zu verstehen ist, wurde in dem Vertrag nicht festgelegt.

Der Planungsauftrag ist sehr unkonkret und entspricht eher einer globalen Aufgabenstellung mit einem fachlich fast unbegrenzten Gestaltungsspielraum.

Der Begriff Abwasseranlage ist nicht eindeutig als Fachtermini deklariert. Ist eine Kläranlage, ein Kanalnetz oder vielleicht beides gemeint? In Fachkreisen wird auch von Entwässerungsanlagen [18] gesprochen.

Gehört die Regenwasser- und Bachwasserableitung zur vertraglich vereinbarten Abwasseranlage oder nicht?

Wo beginnen die Sonderleistungen?

Sind Sonderleistungen erforderlich, um die Planungsaufgabe anspruchsvoll zu erfüllen?

Wenn fachlich eindeutige Vertragsverhältnisse notwendig sind und gewünscht werden, dann muss auch das Vertragsverhältnis den Eigenheiten des Planungsprozesses entsprechen. Tatsache ist, dass jede Planung Prozesscharakter trägt.

Der Prozess selbst ist ein Erkenntnisprozess. Zu Beginn einer Planung sind die Vorstellungen noch recht vage. Mit fortschreitendem Erkenntnisprozess wird das Planungsziel präzisiert. Damit werden vertragsrelevante Abstimmungen notwendig, ob das präzisierte Planungsziel auch noch den Notwendigkeiten des Auftraggebers genügt; ob er aufgrund der neuen Situation ganz andere – dem Planer noch nicht bekannte Überlegungen – hat, oder ob z. B. eine Planung abgebrochen werden muss. Insofern ist es bei der Vergabe einer Planungsleistung in den Phasen 1 bis 4 höchstwahrscheinlich und normal, aber wenig beachtet, dass nach Vorlage der Vorplanung die ursprünglich vertraglich vereinbarte Aufgabenstellung überholt und zu konkretisieren ist.

Das Risiko für beide Parteien, dass Honorarstreitigkeiten, Fehlplanungen oder Abnahmeverzicht entstehen, ist nur durch eine schrittweise konkrete Vergabe von Planungsaufträgen, deren sukzessive Präzisierung und Aktualisierung, Verteidigung oder Zwischenverteidigung der Leistungen und schließlich die Abnahme der einzelnen Planungsleistungen zu minimieren.

Der Planungs- bzw. Erkenntnisprozess ist nachvollziehbar zu dokumentieren bzw. zu beweisen.

Die vertraglich formulierte Aufgabe „Abwasseranlage ***siedlung bis *** Straße“ genügt in diesem Umfang und bei der fachlichen Unverbindlichkeit den Anforderungen eines Vertrages für die Erarbeitung einer Studie oder ggf. auch einer Vorplanung über die grundsätzlichen Möglichkeiten der Abwasserableitung für das betreffende Gebiet; ist aber zu unkonkret für die Aufgabenstellung einer Entwurfsplanung.

Der Sachverständige hat sich nicht davon leiten lassen, ob die Leistungen der Klägerin durch den Ingenieurvertrag begründbar sind, sondern ob die im Rechtsstreit gegenständlichen und erforderlichen Leistungen erbracht wurden.

Zusammenfassung:

Insgesamt ergibt sich für den Sachverständigen die Schwierigkeit, eine Planungsleistung in Bezug auf den abgeschlossenen Honorarvertrag zu beurteilen, wenn im betreffenden Honorarvertrag keine konkreten fachlichen Aufgaben und kein hinreichend konkreter und umfangreicher Leistungsumfang vereinbart wurde.

Diese Bewertung der Konsequenzen ist eine juristische Frage, die die Aufgabe des Sachverständigen übersteigt.




Ableitung oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser

Zur Beachtung!

Situation – Problem

Das Grundstück des Klägers wurde infolge eines Regenereignisses von oberflächlich ablaufenden Wasser durchflossen, so dass ein Schaden entstand.

Das oberflächlich ablaufende Wasser nahm seinen Lauf durch ein neues Wohngebiet und stammte im Wesentlichen von einem nahen Feld.

Ein weiterer Grundstückseigentümer (Beklagte) versuchte sich gegen diesen Wasserlauf durch eine niedrige Mauer an der Grundstücksgrenze gegen die Wassermassen zu schützen.

Gegen diese Mauer klagte nun die Klägerin, da sie befürchtet, das Wasser könne nun nicht schnell genug abfließen und würde im Falle eines weiteren Regenereignisses den Schaden auf ihrem Grundstück unnötig vergrößern.

Auftrag des Gerichtes

Es ist Beweis zu erheben, dass durch den von den Beklagten auf der gemeinsamen Grundstücksgrenze errichteten Mauersockel der Abfluss von Oberflächenwasser von dem Grundstück der Kläger behindert wird.

Grundsätzliche Hinweise über oberflächlich ablaufendes Niederschlagswasser

Grundsätzlich gilt im Bauwesen die Regel, dass sich in jedem Graben, sei er auch noch so unscheinbar, bei entsprechend starkem Regen Wasser sammelt und je nach Regenintensität auch abfließt.

Die Wasserführung und der Schaden, der möglicherweise angerichtet wird, ist abhängig von der Größe des jeweiligen Einzugsgebietes und der Differenz zwischen Niederschlag, Versickerung und Verdunstung (spielt in diesem Fall praktisch keine Rolle).

Wenn also mehr Regen fällt, als zur gleichen Zeit versickern kann, muss der Niederschlag oberirdisch abfließen.

Bei der Einschätzung der Bedeutung des oberirdischen Niederschlages kann man sich erheblich täuschen, da bereits geringe Abflusshöhen auf einer hinreichend großen Einzugsfläche punktuell enorme Wassermassen verursachen können.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung:

Können z. B. auf einer Fläche von einem Hektar 5 mm Niederschlag nicht versickern, so „stehen“ 50 m³ Regenwasser auf der Fläche. Gelangen diese 50 m³ infolge einer Flächenneigung z. B. in 20 Minuten „punktuell“ zum Abfluss, so fließt diesem Punkt ein Volumenstrom von 150 m³/h (ca. 42 l/s) zu.

Beträgt die Grundfläche des klägerischen Grundstücks beispielsweise 200 m² und das fremde Wasser (50 m³ in diesem Beispiel) würde nicht abfließen können, dann steht das Wasser 25 cm hoch auf dem Grundstück.

Nach den Regeln der Technik und der Erfahrung des Sachverständigen können Wasserströme, die oberirdisch in eine Bebauung hineindrängen, nicht punktuell von einem Einzelnen bewältigt werden, weil die technischen Methoden und Mittel eines einzelnen Grundstückeigentümers in aller Regel dessen Mittel und Möglichkeiten bei weitem überschreiten würden.

Er könnte bestenfalls das Problem nur „weiterreichen“ ohne es grundlegend zu lösen. Das Verfahren der Wahl sind deshalb grundsätzlich gemeinschaftliche Lösungen, die in erster Linie ursachenorientiert und keinesfalls wirkungsorientiert sein müssen.

Hierzu ein praktisches Beispiel

Die Stadt Sanderleben (Sachsen-Anhalt) befindet sich in einem Talkessel, der von Feldern umgeben ist.

Dort hat sich historisch ein System von Entwässerungsgräben zum Schutz der Stadt herausgebildet mit Entwässerungsrichtung zum Fluss „Wipper“. Dieses System wird von der Stadt gewartet und in Stand gehalten.

Untersuchungsergebnisse

Nach erstem Augenschein, Erfahrung des Sachverständigen und anknüpfend an die Klageschrift sieht er folgenden Sachverhalt als höchstwahrscheinlich an:

Durch das Wohngebiet der Parteien fließt schon immer ein „Bach“ mit beachtlicher Wasserführung. Das ist bedingt durch die natürliche Geländestruktur.

Dieser Bach kommt vom angrenzenden Feld und führt nach Angaben der Parteien durch das Grundstück einer am Prozess (noch) unbeteiligten Familie, von dieser auf das Grundstück der Kläger und schließlich auf das Grundstück der Beklagten.

Das besondere, des in der Natur keineswegs seltenen Phänomens, dem auch der Rechtsstreit zu Grunde liegt, besteht darin, dass der besagte Bach nur zeitweise Wasser führt und dass genau in dem Bachlauf unglücklicherweise und insbesondere ohne auf die Natur Rücksicht zu nehmen, ein Wohngebiet errichtet wurde.

Der Bach führt insbesondere bei extremen Regenereignissen Wasser, dann nämlich, wenn mehr Regen fällt, als während der Regendauer auf dem angrenzenden Feld versickern kann.

Dabei sind erfahrungsgemäß Bachbreiten von 2 m bei einer Tiefe von 30 cm und einer Fließgeschwindigkeit von 0,5 – 1 m/s durchaus vorstellbar.

Der „Feldbach“ verfügt noch über eine weitere Besonderheit:

Es besteht das Risiko, dass bei Extremregen nicht nur klares Regenwasser vom Hang in das Wohngebiet fließt, sondern dass sich kleine Schlammströme ausbilden können, die dann besonders schlammig sind, wenn die Bauern ihr Feld kürzlich pflügten.

Zu Schäden kommt es also sekundär dadurch, weil das Wohngebiet über keinerlei Schutz gegen diesen Wasserlauf verfügt.

In aller Regel schützt man Bebauungsgebiete bei derartigen Situationen durch ingenieurtechnisch durchdachte Grabensysteme, die das oberflächlich dem Bebauungsgebiet zufließende Niederschlagswasser rechtzeitig abfangen, umleiten oder schadenfrei durchleiten und einem geeigneten Vorfluter zuführen.

Verbunden werden derartige Maßnahmen ggf. auch mit Regenrückhaltebecken.

Ein derartiges System fehlt offensichtlich in dem Bebauungsgebiet.

Nach Erfahrung des Sachverständigen kann sich auch bei Extremregen in aller Regel auf 200 m² Rasenfläche nicht soviel Wasser sammeln, um auf dem eigenen Grundstück Schaden anzurichten.

Insofern ist auch davon auszugehen, dass grundstückseigenes Niederschlagswasser relativ problemlos auch vor dem Mauersockel der Beklagten abfließen kann.

Man hätte den natürlichen Wasserlauf mit zeitweiser Wasserführung z. B. vorzugsweise in Form eines flachen Grabens durch das Wohngebiet leiten müssen, um ihn z. B. an einen nahe gelegenen Bach anzuschließen.

Die Betroffenen versuchten nun mit mehr oder weniger erfolgreichen punktuellen Maßnahmen das Problem scheinbar in den Griff zu bekommen.

Scheinbar deshalb, weil es irgendwann einen Regen geben wird, für dessen oberirdischen Ablauf eine ingenieurtechnische Systemlösung geschaffen werden muss, anderenfalls ist grundsätzlich mit weiteren erheblichen Schäden zu rechnen.

Zusammenfassung

Es ist festzustellen, dass auf dem Grundstück der Klägerin 3 Arten von Oberflächenwasser anfallen:

  • Regenwasser von den Dachflächen (wird einer unterirdischen Versickerung zugeführt)
  • Regenwasser, das auf das Grundstück der Klägerin außer auf Dachflächen fällt. Aufgrund des erheblichen Anteils von Rasen, bezogen auf die Gesamtgrundstücksfläche, geht der Sachverständige nach seiner Erfahrung davon aus, dass das Regenwasser, das auf diese Fläche fällt, überwiegend versickert.
  • Wasser eines Baches mit zeitweiser Wasserführung

Hier ist nach Erfahrung des Sachverständigen festzustellen, dass nur das Wasser eines Baches mit zeitweiser Wasserführung durch den Mauersockel behindert wird.

Die Wassermengen nach Punkt 1 und 2 dürften auch bei Extremregen an dem Mauersockel vorbei rinnen, ohne Schaden zu verursachen.

Es handelt sich also nach „wasserwirtschaftlicher“ Logik nicht um das Oberflächenwasser des Klägers oder um Oberflächenwasser vom Grundstück des Klägers, sondern um Oberflächenwasser aus einem natürlichen Wasserlauf. Alle o. g. Feststellungen beruhen auf einer Besichtigung, auf Hinweisen der Parteien und auf Erfahrungen des Sachverständigen.

Insgesamt würde der Sachverständige den Wahrheitswert seiner Feststellungen als „recht wahrscheinlich“ bewerten. Für den Fall, dass ein höherer Wahrheitswert gewünscht wird, oder dass Zweifel am Gutachten bestehen oder nicht ausgeräumt werden konnten, wäre ein interdisziplinäres Gutachten mit Integration insbesondere folgenden Sachverstandes notwendig:

  • Vermessung (Aufnahme des Oberflächenprofils des Feldes und der betroffenen Grundstücke (erste Schätzung 5 T€ brutto)
  • Meteorologisches Gutachten über Extremregen und deren Prognose (erste Schätzung 1 T€ brutto)
  • Analyse des Oberflächenabflusses nach Menge und Verlauf (erste Schätzung 5 T€ brutto)



Prämisse der Prüffähigkeit einer Planung

Zur Beachtung!

Eine Planung ist nur in dem Punkt prüffähig, wie die betreffende Leistung in der Planung auch hinreichend dokumentiert wurde.

Besonders bei dem sehr wichtigen Anspruchsnachweis der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit einer Planung ist es notwendig, dass ein hinreichender Beweis der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit in der Planung oder in vorgeschalteten bzw. parallelen Leistungen dokumentiert wurde.

Ebenso wenig wie eine nicht vorhandene Statik geprüft werden kann, kann auch die Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit der Planung bei nicht vorhandener Dokumentation der Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit geprüft werden.

Nach Auffassung des Sachverständigen ist bei einer Prüfung auf Mängelfreiheit der Planungsphasen 5 bis 9 auch die Mängelfreiheit der davor liegenden Leistungsbilder zu untersuchen. Der Beweis ergibt sich daraus, weil neben den a.a.R.d.T. auch der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit einer Planung eine zentrale Bedeutung zukommt. Die Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit wird aber überwiegend durch die Mängelfreiheit der Planungsphasen 1 und 2 bestimmt.

Das bedeutet, dass z. B. die Planungsleistung „Bauoberleitung“ formell mängelfrei und sogar vorbildlich sein kann, inhaltlich aber durchaus wesentliche Mängel aufweist.




Bewertung von Mängeln

Zur Beachtung!

Eine Kanalplanung kann verschiedene Mängel aufweisen. Nachfolgend ein Klassifizierungsversuch:

  • Inhaltliche Mängel (z. B. fehlende Dokumentation oder fehlende Nachweise, reine Planungsfehler)
  • Formelle Mängel (z. B. unübliche Gestaltungsweisen, die eine Genehmigung erschweren oder verhindern bzw. Planung im Widerspruch zu Verwaltungsvorschriften)
  • Mängel, die sich auf den künftigen Gebrauch und die Kosten der geplanten Investitionen auswirken (zugesicherte Funktion tritt nicht oder nur teilweise ein). Die Wirtschaftlichkeit ist nicht genügend dargestellt, so dass die Höhe des Finanzierungsrisikos nicht hinreichend abgeschätzt werden kann, oder es fehlen wichtige Kostenangaben, die im Betriebsfall entstehen.

Bei der Bewertung der Planung analysierte der Sachverständige nicht die Schuldfrage der einen oder anderen Partei, sondern konzentrierte sich auf die fachlichen Ursachen der Mängel.

Es kann durchaus sein, dass Planungsmängel und besonders deren Tragweite bzw. Konsequenzen nicht unbedingt nur allein von der Klägerin verursacht worden sind.

Ein bedeutender Fehler ist auch, dass durch die nun vorliegende gutachterliche Prüfung zu spät Mängel festgestellt wurden, obwohl dies möglicherweise auch rechtzeitiger hätte erfolgen können. Bei rechtzeitiger Prüfung sind bei Feststellung von Mängeln eventuelle Konsequenzen nur von geringer Tragweite und relativ einfach zu korrigieren.

Bei der Bewertung wurde durchgehend berücksichtigt, dass es sich um die Planung einer kostenintensiven Entwässerung einer Siedlung und nicht um die Planung z. B. eines unproblematischen Kanals für eine kleine Straße handelt.

Bei der Bewertung hat der Sachverständige grundsätzlich hohe Anforderungen gesetzt und berücksichtigt, wie eine anspruchsvolle und perfekte Planung zu erarbeiten und zu gestalten ist. Dem Sachverständigen ist natürlich bewusst, dass es keine perfekte Planung gibt und auch der Planer abwägen muss, wie weit er den Aufwand treibt.

Die Parteien und ggf. das Gericht mögen im Einzelfall selbst Abstriche von den Anforderungen vornehmen. Der Sachverständige hat in gewissem Maße schematisch „abgehakt“ und sich dabei aber auch von dem Vorwort der A 101 [18, Seite 3] leiten lassen:

„Bei der Planung von Neubau-, Sanierungs- oder Erneuerungsmaßnahmen für Entwässerungsanlagen ist eine Vielzahl von fachlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Fließen diese nicht von Anfang an – in dem jeweils erforderlichen Maße – in die Planungsarbeiten ein, müssen Planer, Auftraggeber und Prüfbehörde mit erheblicher Mehrarbeit rechnen, die sonst vermeidbar gewesen wäre. Rückfragen, Nacherhebungen oder Änderungen bereits ausgeführter planerischer Arbeiten spielen hierbei eine gewichtige Rolle. Die Qualität der Planung zu steigern, ist vorrangiges Ziel des vorliegenden Arbeitsblattes. Im Interesse seiner guten Anwendbarkeit sind die planerischen Gesichtspunkte zu einem erheblichen Teil stichwortartig oder in Form von Checklisten dargestellt. Der Planungsumfang wird nach unterschiedlichen Planungsphasen gegliedert, um für die jeweils notwendigen Entscheidungen und Handlungen aussagefähige Ergebnisse zu erhalten.“

Bei der Mängelanalyse konzentrierte sich der Sachverständige auf solche und vor allem erhebliche Mängel, die nach den damals geltenden a.a.R.d.T. oder nach üblichen Planungsgepflogenheiten (Hinweise der Fachliteratur, Regelwerk der Abwassertechnischen Vereinigung e. V. [ATV]) seiner Ansicht nach zu vermeiden waren.

Zu beachten sind in diesem Zusammenhang die Benutzerhinweise des Arbeitsblattes A 101 [18]:

„Das vorliegende Arbeitsblatt ist im Rahmen der Ausschussarbeit der ATV unter Beachtung des Arbeitsblattes A 400 „Grundsätze für die Erarbeitung des Regelwerkes“ im Regelwerk Abwasser/Abfall in der Fassung Oktober 1986 erarbeitet worden. Bezüglich der Anwendung des Regelwerkes enthält Punkt 5 Absatz 1 des A 400 folgende Aussage: Das Regelwerk steht jedermann zur Anwendung frei. Eine Pflicht der Anwendung kann sich aufgrund von Rechtsvorschriften, Verträgen oder sonstigem Rechtsgrund ergeben. Wer es anwendet, hat für die richtige Anwendung im konkreten Fall Sorge zu tragen. Durch das Anwenden des Regelwerkes entzieht sich niemand der Verantwortung für eigenes Handeln. Für den Anwender spricht jedoch der Beweis des ersten Anscheines, dass er die erforderliche Sorgfalt beachtet.“

Nach Bayerlein [12, S. 180] ist für die Beurteilung der Mangelhaftigkeit technischer Leistungen weniger von Bedeutung, ob z. B. eine a.a.R.d.T. oder eine DIN eingehalten wurde, sondern „das entscheidende Kriterium ist die Gebrauchstauglichkeit und das Vorhandensein der zugesicherten Eigenschaften.“

Der Sachverständige hat bei seinen zusammenfassenden und abschließenden Bewertungen diese Prämisse beachtet.

Bei der Vielzahl der einzelnen – hinsichtlich Relevanz und Erfüllungsgrad – zu bewertenden Anforderungen war es nicht möglich, jede einzelne der mehreren hundert Anforderungen auch noch auf ihre Auswirkung auf Gebrauchstauglichkeit und das Vorhandensein der zugesicherten Eigenschaften zu prüfen.

Weiterhin berücksichtigte der Sachverständige bei seinen zusammenfassenden und abschließenden Bewertungen, ob das Regelwerk in den entsprechenden Punkten auch tatsächlich allgemein anerkannt ist und nicht nur „irgendwo geschrieben steht und kein Mensch sich danach richtet“.

Hier ist sehr wohl festzustellen, dass die Anwendung des Regelwerkes unterschiedlich gehandhabt wird. Es gibt einige überdurchschnittlich sorgfältige Planungen, sehr viele mittelmäßige und einige unterdurchschnittliche Planungen.

Die Qualität der Planungen in Bezug auf die Anwendung des Regelwerkes wird teils auch von den Kontrollgepflogenheiten der Bauherrn, dem Konkurrenzdruck und der behördlichen Duldsamkeit sowie deren Qualifikation beeinflusst. Dabei spielt die behördliche Prüffunktion in ihrer Wirkung auf die Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit einer Planung meist nur eine untergeordnete Rolle.

Die Hauptaufgabe der interdisziplinären Prüfungsveranlassung liegt beim Bauherrn.




„Zielkonzeptionslose“ Entwässerungsplanung

Problem:
Der Planer hatte ein Ortsnetz zu planen, für das noch kein Abwasserbeseitigungskonzept vorlag.

Schlagworte:

  • Wirtschaftlichkeit einer Planung
  • Sonderleistungen
  • Planungsrisiko
  • Zusammenfassung

Bei den Mängelerörterungen in den folgenden Gliederungspunkten wäre zu berücksichtigen, dass die Planung nicht auf ein abgestimmtes und verteidigtes Abwasserbeseitigungskonzept zurückgreifen konnte. Das ist ein gewisser Nachteil für die Klägerin, weil damit die Planungsausgabe erheblich verkompliziert und aufwändiger wird.

Die optimale und zweckmäßige Planungsmethode – falls im Einzelfall zeitlich realisierbar (!) – ist folgende Vorgehensweise:

  • Grundlagenermittlung
  • Bestätigen der Grundlagen
  • Grundsätzliche Variantenuntersuchungen, Abstimmung mit Behörde und Auftraggeber
  • Verteidigung und Auswahl der Vorzugsvariante, Abstimmung mit Behörde und Auftraggeber
  • Fertigstellen des Abwasserbeseitigungskonzeptes für die Stadt, Status fast Vorplanung
  • Vergabe der weiterführenden Planung für ein konkretes Stadtgebiet ab Planungsphase 3; Teilen der Vorplanung für Aktualisierung der Vorplanung; Erfüllen der restlichen Anforderungen der Leistungsphase 2
  • Aktualisierung des Abwasserbeseitigungskonzeptes nach neuen Erkenntnissen

Diese Lösung hat den Vorteil, dass die grundsätzliche planerische Lösung schon bekannt ist. Die konkrete Aufgabenstellung ergibt sich aus den Festlegungen des Abwasserbeseitigungskonzeptes für die anstehende Planungsaufgabe.

Der erforderliche Nachweis der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der Planungsaufgabe ist vom Grundsatz her schon erbracht. Der Planer hat nur noch für seine konkrete Lösung den Nachweis der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit sowie die Abstimmung mit Behörde und Auftraggeber zu erbringen. Das könnten z. B. sein: Nachweis der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit für die Auswahl des Rohrmaterials, genauere Optimierung der Tiefenlage, Betrachtungen des Einzelfalls, ob und wie ein bestimmtes Grundstück in die Entwässerung des Bebauungsgebietes vorteilhaft zu integrieren ist.

Die Bedeutung eines Abwasserbeseitigungskonzeptes ist allgemein bekannt. Konzeptionelle Arbeit – festgelegt im Wasserhaushaltsgesetz – zwingt auch die Behörde diese in Auflagen umzusetzen:

  • Abwasserbeseitigungskonzept der Stadt
  • Abwasserbeseitigungskonzept des Abwasserzweckverbandes
  • Abwasserbeseitigungskonzept des Landkreises
  • Abwasserbeseitigungskonzepte der Regierungspräsidien

Bei der Wertung ist zu berücksichtigen, dass die Notwendigkeit der konzeptionellen Arbeit – eine Grundvoraussetzung für die Erzielung abgestimmter und anspruchsvoller Planungsleistungen – unterschiedlich niveauvoll und unterschiedlich schnell umgesetzt wurde und wird.

Die konzeptionslose Vergabe von einzelnen Planungsleistungen birgt das Risiko, dass die Planung Aufgaben übernehmen muss, die eigentlich eher konzeptioneller Art sind, wobei gestritten werden kann, ob der Bauherr eine konzeptionelle Vorleistung hätte erbringen müssen. (Auffällig bei dem Rechtsstreit ist, dass sämtliche Streitpunkte, die die grundsätzliche Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit (Misch- oder Trennsystem, Sonderentwässerung, Art und Weise der Regenwasserrückhaltung, Tiefenlage der Kanäle, Kosten, Umverlegung eines Baches, Leistungsfähigkeit des Vorfluters) betreffen, Aufgaben sind, welche bei der Erarbeitung eines Abwasserbeseitigungskonzeptes zu lösen sind.)

Andererseits erfordert der Aspekt des fehlenden Abwasserbeseitigungskonzeptes ein besonders vorsichtiges und häufiges Abstimmen der Planung. Das Risiko, eine Planung vorzulegen, die der Bauherr nicht akzeptiert, wird in dem Maße reduziert, wie die Planung in hinreichend viele Etappen gegliedert wird, deren Ergebnisse vor dem Bauherrn zu verteidigen sind.

Wenn ein Bauherr noch keine Vorplanungen und kein Abwasserbeseitigungskonzept gesehen hat, dann besteht ein hohes Ablehnungsrisiko bei einer nicht umfänglich abgestimmten Entwurfsplanung.

Die Planungsaufgabe ist bei einer konzeptionslosen Auftragsvergabe ungleich schwieriger und riskanter, als wenn eine verteidigte Abwasserzielplanung der Stadt vorgelegen hätte.

Bei der konzeptionslosen Planungsvergabe – übrigens nach der Wende überwiegend praktiziert – besteht auch das Risiko, dass eine behördliche Genehmigung problematisch wird, weil konzeptionelle Aufgaben noch nicht gelöst wurden und die Behörde mit Recht Auflagen begründet, die in den Aufgabenbereich eines anspruchsvollen Abwasserbeseitigungskonzeptes gehören.

Erste grundsätzliche Variantenuntersuchungen zur prinzipiellen Abwasser- und Regenwasserableitung sind besser als Optimierungsaufgabe bei der Erarbeitung eines Abwasserbeseitigungskonzeptes einzugliedern; kann sich doch im Ergebnis z. B. herausstellen, dass das geplante Bebauungsgebiet wirtschaftlich nicht erschließbar ist, dass die Kosten noch nicht getragen werden können und somit Investition und Planung erst dann erfolgen können, wenn die Refinanzierung gesichert ist.

Andererseits sind aber die Variantenuntersuchungen zur Abwasser- und Regenwasserableitung für eine risikominimierte Entwurfsplanung unabdingbar. Besonders umfangreiche Variantenuntersuchungen sind Sonderleistungen, die ggf. der Planer vorzuschlagen hat.

Zusammenfassung

Die Beklagte verfügte über kein Abwasserbeseitigungskonzept. Die Erörterung des Mangels ist für die Wertung der Leistungen der Klägerin wichtig.

Das ist weiter bedeutungsvoll, weil insbesondere die grundsätzliche Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit von Abwasserinvestitionen in einer anspruchsvollen Abwasserbeseitigungskonzeption in den Grundzügen zwischen Kommune und Behörde abgeklärt sind, bevor es zur Entwurfsplanung kommt.

Nach Vorlage und Akzeptanz eines Abwasserbeseitigungskonzeptes dienen Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsnachweise mehr einer weiteren Optimierung der Planung und nicht mehr der Beantwortung grundsätzlicher Fragen.

Es ist somit auch von geringerer Tragweite, wenn derartige Nachweise fehlen, unvollständig oder wenig anspruchsvoll sind.

Diese Bewertung der Konsequenzen ist eine juristische Frage, die die Aufgabe des Sachverständigen übersteigt.




"Zielkonzeptionslose" Entwässerungsplanung

Problem:
Der Planer hatte ein Ortsnetz zu planen, für das noch kein Abwasserbeseitigungskonzept vorlag.

Schlagworte:

  • Wirtschaftlichkeit einer Planung
  • Sonderleistungen
  • Planungsrisiko
  • Zusammenfassung

Bei den Mängelerörterungen in den folgenden Gliederungspunkten wäre zu berücksichtigen, dass die Planung nicht auf ein abgestimmtes und verteidigtes Abwasserbeseitigungskonzept zurückgreifen konnte. Das ist ein gewisser Nachteil für die Klägerin, weil damit die Planungsausgabe erheblich verkompliziert und aufwändiger wird.

Die optimale und zweckmäßige Planungsmethode – falls im Einzelfall zeitlich realisierbar (!) – ist folgende Vorgehensweise:

  • Grundlagenermittlung
  • Bestätigen der Grundlagen
  • Grundsätzliche Variantenuntersuchungen, Abstimmung mit Behörde und Auftraggeber
  • Verteidigung und Auswahl der Vorzugsvariante, Abstimmung mit Behörde und Auftraggeber
  • Fertigstellen des Abwasserbeseitigungskonzeptes für die Stadt, Status fast Vorplanung
  • Vergabe der weiterführenden Planung für ein konkretes Stadtgebiet ab Planungsphase 3; Teilen der Vorplanung für Aktualisierung der Vorplanung; Erfüllen der restlichen Anforderungen der Leistungsphase 2
  • Aktualisierung des Abwasserbeseitigungskonzeptes nach neuen Erkenntnissen

Diese Lösung hat den Vorteil, dass die grundsätzliche planerische Lösung schon bekannt ist. Die konkrete Aufgabenstellung ergibt sich aus den Festlegungen des Abwasserbeseitigungskonzeptes für die anstehende Planungsaufgabe.

Der erforderliche Nachweis der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der Planungsaufgabe ist vom Grundsatz her schon erbracht. Der Planer hat nur noch für seine konkrete Lösung den Nachweis der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit sowie die Abstimmung mit Behörde und Auftraggeber zu erbringen. Das könnten z. B. sein: Nachweis der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit für die Auswahl des Rohrmaterials, genauere Optimierung der Tiefenlage, Betrachtungen des Einzelfalls, ob und wie ein bestimmtes Grundstück in die Entwässerung des Bebauungsgebietes vorteilhaft zu integrieren ist.

Die Bedeutung eines Abwasserbeseitigungskonzeptes ist allgemein bekannt. Konzeptionelle Arbeit – festgelegt im Wasserhaushaltsgesetz – zwingt auch die Behörde diese in Auflagen umzusetzen:

  • Abwasserbeseitigungskonzept der Stadt
  • Abwasserbeseitigungskonzept des Abwasserzweckverbandes
  • Abwasserbeseitigungskonzept des Landkreises
  • Abwasserbeseitigungskonzepte der Regierungspräsidien

Bei der Wertung ist zu berücksichtigen, dass die Notwendigkeit der konzeptionellen Arbeit – eine Grundvoraussetzung für die Erzielung abgestimmter und anspruchsvoller Planungsleistungen – unterschiedlich niveauvoll und unterschiedlich schnell umgesetzt wurde und wird.

Die konzeptionslose Vergabe von einzelnen Planungsleistungen birgt das Risiko, dass die Planung Aufgaben übernehmen muss, die eigentlich eher konzeptioneller Art sind, wobei gestritten werden kann, ob der Bauherr eine konzeptionelle Vorleistung hätte erbringen müssen. (Auffällig bei dem Rechtsstreit ist, dass sämtliche Streitpunkte, die die grundsätzliche Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit (Misch- oder Trennsystem, Sonderentwässerung, Art und Weise der Regenwasserrückhaltung, Tiefenlage der Kanäle, Kosten, Umverlegung eines Baches, Leistungsfähigkeit des Vorfluters) betreffen, Aufgaben sind, welche bei der Erarbeitung eines Abwasserbeseitigungskonzeptes zu lösen sind.)

Andererseits erfordert der Aspekt des fehlenden Abwasserbeseitigungskonzeptes ein besonders vorsichtiges und häufiges Abstimmen der Planung. Das Risiko, eine Planung vorzulegen, die der Bauherr nicht akzeptiert, wird in dem Maße reduziert, wie die Planung in hinreichend viele Etappen gegliedert wird, deren Ergebnisse vor dem Bauherrn zu verteidigen sind.

Wenn ein Bauherr noch keine Vorplanungen und kein Abwasserbeseitigungskonzept gesehen hat, dann besteht ein hohes Ablehnungsrisiko bei einer nicht umfänglich abgestimmten Entwurfsplanung.

Die Planungsaufgabe ist bei einer konzeptionslosen Auftragsvergabe ungleich schwieriger und riskanter, als wenn eine verteidigte Abwasserzielplanung der Stadt vorgelegen hätte.

Bei der konzeptionslosen Planungsvergabe – übrigens nach der Wende überwiegend praktiziert – besteht auch das Risiko, dass eine behördliche Genehmigung problematisch wird, weil konzeptionelle Aufgaben noch nicht gelöst wurden und die Behörde mit Recht Auflagen begründet, die in den Aufgabenbereich eines anspruchsvollen Abwasserbeseitigungskonzeptes gehören.

Erste grundsätzliche Variantenuntersuchungen zur prinzipiellen Abwasser- und Regenwasserableitung sind besser als Optimierungsaufgabe bei der Erarbeitung eines Abwasserbeseitigungskonzeptes einzugliedern; kann sich doch im Ergebnis z. B. herausstellen, dass das geplante Bebauungsgebiet wirtschaftlich nicht erschließbar ist, dass die Kosten noch nicht getragen werden können und somit Investition und Planung erst dann erfolgen können, wenn die Refinanzierung gesichert ist.

Andererseits sind aber die Variantenuntersuchungen zur Abwasser- und Regenwasserableitung für eine risikominimierte Entwurfsplanung unabdingbar. Besonders umfangreiche Variantenuntersuchungen sind Sonderleistungen, die ggf. der Planer vorzuschlagen hat.

Zusammenfassung

Die Beklagte verfügte über kein Abwasserbeseitigungskonzept. Die Erörterung des Mangels ist für die Wertung der Leistungen der Klägerin wichtig.

Das ist weiter bedeutungsvoll, weil insbesondere die grundsätzliche Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit von Abwasserinvestitionen in einer anspruchsvollen Abwasserbeseitigungskonzeption in den Grundzügen zwischen Kommune und Behörde abgeklärt sind, bevor es zur Entwurfsplanung kommt.

Nach Vorlage und Akzeptanz eines Abwasserbeseitigungskonzeptes dienen Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsnachweise mehr einer weiteren Optimierung der Planung und nicht mehr der Beantwortung grundsätzlicher Fragen.

Es ist somit auch von geringerer Tragweite, wenn derartige Nachweise fehlen, unvollständig oder wenig anspruchsvoll sind.

Diese Bewertung der Konsequenzen ist eine juristische Frage, die die Aufgabe des Sachverständigen übersteigt.




Die Mitbestimmung des Bauherrn

Zur Beachtung!

Beweisbeschluss

Es soll ein Sachverständigengutachten bzgl. der Bauleistungen der Antragsgegnerin, betreffend das Wohngebiet „****“ in ***, Landkreis ***, eingeholt werden, insbesondere darüber,

„ob die Hausanschlussstellen ganz oder teilweise mehr als 2 m unter der jeweiligen Erdoberfläche liegen und ob diese Verlegung gegebenenfalls notwendig ist und den Regeln der Technik entspricht sowie, ob sich dadurch für die Antragsteller gegebenenfalls in Bezug auf die jeweiligen Hausanschlüsse Mehrkosten ergeben?“

Lösung

Die Verlegung der Hausanschlussleitungen ganz oder teilweise mehr als 2 m unter der jeweiligen Erdoberfläche entspricht den a.a.R.d.T. (heute Stand der Technik).

Ebenso entspricht aber auch die Verlegung der Hausanschlussleitungen weniger als 2 m unter der jeweiligen Erdoberfläche den a.a.R.d.T., sofern die Leitung unter der ortsüblichen Frosttiefe liegt.

Die Beantwortung der Frage, welche Lösung notwendig ist, ist abhängig von Voruntersuchungen über die Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Lösung.

Nachweise der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit einer planerischen Lösung werden in aller Regel nach Variantenerörterung im Ergebnis der Vorplanung gefällt und vom Bauherrn bestätigt. (Vergleiche § 55 HOAI, abwassertechnische Fachliteratur und ATV-Regelwerk.)

Grundsätzlich ist mit Mehrkosten zu rechnen, wenn Kanalisationen tiefer gelegt werden.

Nach Diagramm **, Seite ** betragen die Nettobaukosten für einen Kanal 77 €, in 2 m Tiefe etwa 148 €/m.

In 4 m Tiefe sind es 307 €/m. Die spezifischen Kosten haben sich gut verdoppelt.

Für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit sind Variantenuntersuchungen vorzugsweise nach den Kostenvergleichsrechnungen der LAWA oder hier besser nach Nutzwert-Kostenanalysen Voraussetzung, wobei der Bauherr die Vorzugsvariante bestätigen sollte.

Die Tiefenlage des Kanals ist teilweise auch abhängig von den abverlangten Prämissen des Bauherrn.

Wenn grundsätzlich Abwasserhauspumpstationen ausgeschlossen werden sollen, dann wird bei ungünstigen Geländeverhältnissen die Abwasserableitung u. U. äußerst aufwendig.

Es gibt aber auch Lösungen, bei denen nur einige Häuser Hauspumpstationen erhalten, während die übrigen im freien Gefälle entwässert werden.

Grundsätzlich sind nachvollziehbare Abwägungen zwischen Kosten und Nutzen der jeweiligen Varianten erforderlich.

Darüber, wie ein Bebauungsgebiet zweckmäßig zu entwässern ist, gibt es umfangreiche Fachliteratur [3] oder eine neuere Ausgabe von [4].

Es sind im Rahmen der Vorplanung zahlreiche Einflussfaktoren zu analysieren und zu prüfen, wenn beurteilt werden soll, ob eine Entwässerungslösung notwendig ist.

So könnte man beispielsweise eine Entscheidung herbeiführen, ob denn jede Stichstraße tatsächlich einen tiefen Regenwasserkanal benötigt, oder ob es auch möglich ist, das Regenwasser eines kleinen Einzugsgebietes in der Straßenrinne oberirdisch ablaufen zu lassen (vergleiche hierzu Anlage ***).




Beweisauftrag Abwassertechnische Rahmenplanung

Auszüge aus eigenen Gutachten.

Gliederung

  • Beweisbeschluss
  • Methodik
  • Definitionsanalyse
  • Grundsätzliches zur konzeptionellen Planung
  • Definition Generalentwässerungsplan
  • Struktur Generalentwässerungsplan
  • abwassertechnische Rahmenplanung
  • Zusammenfassung

Beweisbeschluss

Nach dem Beweisbeschluss des Gerichtes, aufgrund der mündlichen Verhandlung vom ***, soll über die Behauptung der Beklagten Beweis erhoben werden, dass

1. … eine abwassertechnische Rahmenplanung (ATR) und ein Generalentwässerungsplan seien inhaltlich das gleiche bzw. das eine käme dem anderen gleich,…

Methodik

Es wäre zunächst zu klären, was ein Generalentwässerungsplan und was eine abwassertechnische Rahmenplanung (ATR) ist. Danach ist zu untersuchen, ob die Planungsarten inhaltlich das gleiche sind bzw. ob das eine dem anderen gleich kommt.

Definitionsanalyse
Grundsätzliches zur konzeptionellen Planung

Investitionen der Abwasserentsorgung unterliegen einem nach Vorschriften geregelten Abstimmungsmodus.

Jede Entscheidungsträgerebene hat seine eigenen Planungskonzepte.

Je nach der „Höhe“ der Entscheidungsebene, sind die Konzepte unterschiedlich umfangreich, unterschiedlich konkret und unterschiedlich genau.

Die Genauigkeit nimmt von unten nach oben ab während die davon betroffenen Territorien flächenmäßig erweitert werden. Das heißt, die Ortsentwässerungsplanung eines Dorfes ist genauer in ihrer Darstellung und im Detail, als die Abwasserzielplanung eines Abwasserzweckverbandes, welche jedoch ein größeres Einzugsgebiet betrifft.

Folgende Entscheidungsebenen können unterschieden werden:

  1. Gemeinde
  2. Abwasserzweckverband
  3. Wasserbehörde
  4. Umweltministerien der Länder
  5. Bundesumweltministerium

Diese Hierarchie ist notwendig, um die Investitionen aufeinander abzustimmen und z. B. zu gewährleisten, dass eine Kläranlage nicht im Trinkwasserschutzgebiet gebaut wird.

Umfang und Inhalt der jeweiligen Konzepte werden von dem Verwendungszweck bestimmt.

Dem Grunde nach sind die übergeordneten Konzeptionen verbindlich.

Die Regel ist aber, dass „globale Konzeptionsvorstellungen“ durch den Planungs- und insbesondere Erkenntnisfortschritt der untergeordneten Ebenen ständig zu aktualisieren und zu modifizieren sind.

Die konzeptionelle Planung ist kein Dogma, sondern ein ständiger Erkenntnisprozess.

Eine wesentliche Aufgabe jedes Planungskonzeptes ist es, Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Die Einordnung und eine recht gute Zusammenstellung der verschiedenen Pläne aus wasserrechtlicher Sicht, ist der Anlage 2 [1, Seite 565-568 ] zu entnehmen.

Weitere Hinweise zu Planungsarten, sind der Quelle [4, Seite 6 und 10 in 2] (In den Prozessakten und im Besitz der Parteien) zu entnehmen. Siehe auch Anlage 3.

Generalentwässerungsplan

Der Generalentwässerungsplan ist dem Sachverständigen als ein Planungskonzept bekannt, das Aufgabenstellungen für künftige Planungen enthält.

Es gibt Generalentwässerungspläne für einzelne Kommunen und für einen Abwasserzweckverband.

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Siehe hierzu Darstellung 1: Veranschaulichung einer möglichen Struktur

Festlegungen im Generalentwässerungsplan sind das Ergebnis von Variantenuntersuchungen, in denen die Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der künftigen Planungen bewiesen wurde.

Die Variantenuntersuchungen sind vor dem Bauherrn und der Behörde zu verteidigen, die Vorzugslösungen sind ebenso von diesen zu bestätigen und dann in den Generalentwässerungsplan einzutragen.

Diese geschilderte Vorgehensweise eines Generalentwässerungsplanes schützt Planer und Bauherrn davor, dass Dinge geplant werden, welche der Bauherr nicht will, nicht kennt oder deren Wirtschaftlich- sowie Zweckmäßigkeit fragwürdig ist oder nicht nachgewiesen wurde.

Um derartige Anforderungen zu erfüllen, genügt das Abarbeiten aller Grundleistungen für die Vorplanung und Grundlagenermittlung nach § 55 HOAI, wobei der inhaltliche und umfängliche Schwerpunkt auf prüfbaren Nachweisen der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit des Konzeptes zu liegen hat. Nur dann ist die Planung prüffähig und damit ist eine Voraussetzung für die Realisierung des zugesicherten Gebrauchswertes gegeben – so die Auffassung des Sachverständigen.

Die fachlichen Anforderungen des Generalentwässerungsplanes folgen aus der Aufgabe.

In aller Regel ist der Generalentwässerungsplan Grundlage für Investitionen. Er enthält die notwendigen planerischen Aufgabenstellungen mit Koordinierungsanforderungen für

Entwässerungskonzept

  • Kanalisationsbau
  • Sonderbauwerke der Kanalisation
  • ggf. Verbindungsleitungen zwischen den Siedlungen

Abwasserbehandlungskonzept

  • Kläranlage/n
  • Schlammentsorgung
  • Fäkalschlammkonzept

Der Inhalt eines Generalentwässerungsplanes ergibt sich aus seiner Funktion als Koordinierungs- und Steuerungsinstrument.

Für die Bezeichnung „Generalentwässerungsplan“ kennt der Sachverständige noch folgende Synonyme:

  • abwassertechnisches Zielkonzept
  • Generalentwässerungskonzept
  • Entwässerungskonzept (eher seltener)

Abwassertechnische Rahmenplanung

Der Begriff „abwassertechnische Rahmenplanung“ ist weder dem Sachverständigen vor dem Prozess bekannt gewesen, noch hat er bei der Internet- (Anlage 1) und Literaturrecherche (Literaturverzeichnis) diesen gefunden.

Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine weniger verbreitete Wortschöpfung.

Rahmenplanungen gibt es im Zusammenhang mit verschiedenen Planungsarten. Recht verbreitet ist im Internet (Anlage 1) z. B. der Begriff „Städtebauliche Rahmenplanung“.

Bei Rahmenplanungen – in Verbindung mit Gewässerschutz – handelt es sich um wasserwirtschaftliche Rahmenplanungen der Länder oder des Bundes (Anlage 2).

Wasserwirtschaftliche Rahmenplanungen sind behördliche Planungen, die lt. Wasserhaushaltsgesetz vorgeschrieben sind.

Aus dem Raum *** ist dem Sachverständigen noch der Begriff „Abwassertechnische Zielplanung“ bekannt. Dies ist ein eigenständiger Teil der wasserwirtschaftlichen Rahmenplanung des Landes ***. (Vergleiche auch Nachricht des *** Ministeriums für *** vom *** in [2]).

Die Erarbeitung der „Abwassertechnischen Zielplanung“ lag in den Händen des *** Ministeriums für ***, wobei das Ministerium die einzelnen Generalentwässerungspläne der Abwasserzweckverbände des Landes anforderte, prüfte und auswertete. Diesen Prozess hat der Sachverständige beobachten können und aus Gesprächen mit Herrn ***, *** Ministerium für ***, davon persönlich erfahren.

Im Übrigen hat die abwassertechnische Zielplanung des Landes *** in einem anderen Gerichtsgutachten des Sachverständigen eine Nebenrolle gespielt, so dass der Sachverständige auch aus dieser Arbeit Informationen über den Prozess der abwassertechnischen Zielplanung des Landes *** gewinnen konnte.

Dem Sachverständigen ist nicht bekannt, dass eine inhaltlich oder umfänglich andere Planung von Abwasserzweckverbänden als die einer Generalentwässerungsplanung vom Ministerium für *** verlangt wurde. Zur Anfertigung von Generalentwässerungsplanungen sind die Verbände aus rein fachlichen Gründen sowieso verpflichtet.

Im Rahmen der Prüfung von Generalentwässerungsplanungen kam es auch zum Dialog und sicher auch zu Nachbesserungsforderungen vom Ministerium für ***. Das hat aber mit der abwassertechnischen Zielplanung nur mittelbar etwas zu tun.

Es war lediglich eher ein Zufall oder eine Folge der Wiedervereinigung, dass die Generalentwässerungsplanung der Abwasserzweckverbände und die abwassertechnische Zielplanung des Landes *** fast zeitgleich erarbeitet wurden.

Zusammenfassung des Beweisbeschlusses

Der Sachverständige hatte zu prüfen, ob

2. …eine abwassertechnische Rahmenplanung (ATR) und ein Generalentwässerungsplan inhaltlich das gleiche sind bzw. das eine dem anderen gleich kommt.

Es war nicht zu recherchieren, was eine abwassertechnische Rahmenplanung ist.

Aus diesem Grund kann der Beweisbeschluss nicht gelöst werden.




Erfahrungssätze zur Geruchsemmision aus Kanalisationen

Auszüge aus eigenen Gutachten.

  • Abwasser hat grundsätzlich einen unangenehmen Geruch.
  • In Abwasserdruckleitungen und Kanalisationen kann es zu Fäulnisprozessen kommen, welche diesen unangenehmen Geruch verstärken.
  • Die Bildung von solchen Gasen nimmt dramatisch zu, wenn das Abwasser lange im Entwässerungssystem verweilt und so genug Zeit hat Geruchsgase zu bilden.
  • An Stellen mit Turbulenzen, wie z. B. bei Einläufen in Sammelräumen von Pumpwerken ist mit erhöhter Ausgasung zu rechnen.
  • Geruchsprobleme und faules Abwasser sind bekannte und nennenswerte Nachteile einer Abwassersammlung in dünnbesiedelten Gebieten, wenn das Abwasser einer zentralen Abwasserbehandlung zugeführt werden soll.
  • Kanalisationen be- und entlüften sich selbstständig. Dazu werden planmäßig Öffnungen im Kanalnetz geschaffen, z. B. „Überdachführung“ der Gebäudefallleitungen. Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass an nicht bzw. sehr schwer berechenbaren Stellen das Kanalsystem konzentriert entlüftet wird und es damit an diesen Stellen verstärkt zu Geruchsbelästigungen kommt.
  • Die Errichtung eines Abwasserhauptpumpwerkes für ein Einzugsgebiet in unmittelbarer Nähe eines Wohnhauses ist schon vom planerischen Ansatz her bedenklich, sofern nicht außergewöhnliche Maßnahmen für eine Abluftreinigung nach hohen Ansprüchen geplant und realisiert werden.

Beweisbeschluss

„Der Sachverständige soll das Windverteilungsschema auswerten.“

Die vom Sachverständigen verwendeten Methoden zur Emissionsbewertung haben den Charakter einer Plausibilitätsprüfung.

Wissenschaftlich tragfähigere Methoden der Qualifizierung und Quantifizierung von Emissionen werden im Rahmen der Erstellung von Emissionsgutachten eingesetzt.

Diese Methoden sind ebenfalls subjektiv, mit dem Unterschied, dass hier mehr Nasen über einen längeren Zeitraum zur sensorischen Bewertung herangezogen werden.

Methodisch ging der Sachverständige so vor, dass ein Lageplan der Beklagten des Abwasserhauptpumpwerkes mit dem Nordpfeil und das Windverteilungsschema digitalisiert wurde.

Im zweiten Schritt wurde in die digitalisierte Zeichnung des Abwasserhauptpumpwerkes das Windverteilungsschema hineinkopiert.

Der Sachverständige geht im Rahmen der Plausibilitätsprüfung davon aus, dass die Windverhältnisse des amtlichen Gutachtens genügend genau die Windverhältnisse der Luvseite des Gebäudes der Klägerin beschreiben. Insofern ist das amtliche Gutachten hinreichend zutreffend, weil keine Bebauung oder kein nennenswerter Bewuchs örtlich die Westwinde beeinflusst.

In Auswertung des Windverteilungsschemas und der Örtlichkeiten kommt der Sachverständige zu der Auffassung, dass an 28,8 % aller Tage im Jahr eine Geruchsbelästigung sehr wahrscheinlich ist.

Nicht auszuschließen ist weiter, dass sich bei Windstille (1,1 %) eine Dunstglocke radial ausbreitet, deren Ausmaße ebenfalls die Grundstücksgrenze überschreiten könnte.

Insgesamt sieht es der Sachverständige für sehr wahrscheinlich an, dass die Klägerin an 29,9 % aller Tage; also an 109 Tagen im Jahr – im langjährigen Mittel betrachtet – eine Geruchsbelästigung erdulden muss, wobei der Nachweis, ob außerdem eine gesundheitliche Gefährdung durch Schwefelwasserstoff mit den bisherigen Maßnahmen hinreichend zuverlässig ausgeschlossen werden kann, bei Streitfall noch zu führen wäre.

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